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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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16.10.2006
 

Marktberuhigung
Erinnerung an den dritten Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission

Im dritten Bericht der Kommission gaben die Reformer erstmals zu, daß Diese Investition ist Gewinn bringend "kaum akzeptierbar" ist. Diese Einsicht hat aber weder in die Revision von 2004 oder 2006 Eingang gefunden noch in die neuen Wörterbücher.
Der dritte Bericht hatte damals bekanntlich die erheiternde "Metaregel" erfunden:
"Im hier diskutierten Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung ist in Fällen wie Gewinn bringend oder gewinnbringend also eine Toleranz-Metaregel anzusetzen. Dieser komplizierte Sachverhalt muss im amtlichen Regelwerk so nicht explizit aufgezeigt werden, er sollte aber wenigsten indirekt in einer passenden Erläuterung ein Äquivalent haben."
Letzteres ist bis heute nicht geschehen.

Dritter Bericht: "Die Sprachgemeinschaft hat sich nach anfänglichem Zögern an die Schreibung Leid tun mit substantivischer Interpretation von Leid gewöhnt. Eine neuerliche Änderung verunsichert unnötig und bringt die Wörterbuchverlage in Schwierigkeiten."

Auch das ist eine Strategie der Marktberuhigung. Inzwischen ist zwar die anstößige Schreibweise dennoch beseitigt. Die Gesinnung ist aber immer noch dieselbe: Auch das erwiesenermaßen Falsche soll erst einmal so bleiben, damit keine neue Unruhe entsteht. So denkt auch Zehetmair, das ist die Grundeinstellung, aus der sich das Verhalten dieses Politikers erklärt.



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Kommentare zu »Marktberuhigung«
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Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 18.10.2006 um 15.56 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=669#5910

"Metaregel" ist zwar ein Nonsensname, klingt aber sehr gelahrt und ganz nebenbei die sich nicht ungewollte Nebenwirkung (side effext?), daß wegen bürgertumsverschuldeter Bildungsunterprivilegierung (und so) das Fußvolk ehrfürchtig vor solch "Wissenschaftlichem" steht.
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 17.10.2006 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=669#5900

Ich wollte mich Ihrer Zustimmung zur Strategie versichern. Die Frage ist jetzt, wie und mit welchen Mitteln hierbei vorzugehen ist.

Übrigens, wenn Sie sich an unseren Austausch über Buchprojekte erinnern (u. a. Tabakbau, Kartoffeln usw.), dann wissen Sie auch, wofür Ballistol steht.
 
 

Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 17.10.2006 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=669#5898

Lieber Ballistol,
Sie kennen doch meine Einstellung zur s-Schreibung! Volle Zustimmung!
Schade wegen Frankfurt ...
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 17.10.2006 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=669#5897

Stimmen Sie mir also zu?

Übrigens, Frau Stolz, ich hätte Sie am Stand fast angesprochen, aber Sie waren gerade so im Gespräch.
 
 

Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 17.10.2006 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=669#5893

Der Formenreichtum einer Schrift trägt entscheidend zu ihrer Lesbarkeit bei. Das Optische ist ebensowichtig, wenn nicht wichtiger als die Logik der Schreibweisen. Was im Leben ist schon wirklich „logisch“?

Die neue s-Schreibung trägt zur Verarmung des Formenreichtums unserer Schrift bei. Obwohl logisch umsetzbar, wird sie nicht beherrscht. Dies bestätigt das eingangs Gesagte. Unser Leben gehorcht seinen eigenen Regeln. Wir wissen im Grunde wenig von den Dingen, die um uns sind.

Und nun kommt ein zweites dazu, dessen Studium man mit täglichem Staunen betreiben kann: die Realitätsverweigerung bei vielen Menschen. Staatliche Propaganda schafft eine Welt der Illusion, die offenbar keine Fenster zur Wirklichkeit hat.
 
 

Kommentar von K.Bochem, verfaßt am 16.10.2006 um 23.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=669#5892

Kölner Stadtanzeiger vom letzten Wochendende, S.33: Das Gericht, dass das Strafmaß ... anzusetzen hatte, ..." Auf jeder Seite, in fast jeder Spalte stößt man auf Stolpersteine, die das Lesen erschweren. Ein derartiger Fehler wäre vor der "Reform" überhaupt nicht erst aufs Papier (auf den Bildschirm) gekommen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.10.2006 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=669#5891

Ein Blick in die Salzburger Nachrichten von heute: aufwändig, so genannt, Besorgnis erregend usw. Dann, als Gipfel der Geschmacklosigkeit, ein ganzseitiges Gespräch mit György Tabori. Dieser: »Hitler wird mystifiziert. Er war ein österreichischer Schlemihl. Ich habe ihn 1933 gesehen, in Berlin, am Fenster mit dem Hitlergruß, er hat mir Leid getan.«
(Link)
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 16.10.2006 um 10.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=669#5888

Während einer zweiwöchigen Reise hatte ich auch Gelegenheit, ein bißchen über Strategie nachzudenken.

Dabei kam heraus: Die ss/ß-Schreibung ist der Bereich der RSR mit der größten Fehleraffinität, mit dem größten Symbolwert, der größten Sichtbarkeit und der augenscheinlich geringsten Änderungsperspektive.

Wir alle wissen: Die RSR steht und fällt mit diesem Bereich. Und wir können uns auch klarmachen: HIER besteht gegenwärtig der dringendste Reparaturbedarf -- allein schon, weil immer öfter "das" und "dass" verwechselt werden, aber auch noch aus anderen Gründen.

Deshalb bin ich der Ansicht, daß alle Kräfte jetzt auf eine Rückkehr zur hergebrachten ß-Schreibung hinwirken sollten. Der Rest wird sich fügen. Ich bitte die Oberen, diese Idee zu unterstützen.
 
 

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