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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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03.10.2006
 

Zusammenzuschreiben
(obligatorisch)

Im Duden 2006 neu eingeführte obligatorische Zusammenschreibungen (über 1991 hinausgehend):

abhandenkommen
abseitsstehen
abwärtsfahren (-fallen, - fließen, -gehen, -richten, -rutschen)
ähnlichsehen (idiomat.)
alleinstehen
alleinlassen
aufwärtsfahren (-gehen, -richten, -schieben, -steigen)
bankrottgehen
beiseitelassen (-legen, schaffen, -setzen, -schieben, -treten)
bereithaben (-finden, -halten)
daheimbleiben (-sitzen)
dahintersetzen (-stecken)
danebengehen (-greifen, -hauen, -legen, -liegen, -schießen, -setzen, -sitzen, -stehen, -stellen)
darauflegen (-setzen, -stellen)
drobenbleiben
drinbleiben
drübenbleiben
gemeinmachen
gernhaben
heißmachen (idiomat.)
höherschlagen (-stecken)
irrewerden, irrreden
kleinschreiben
krankmelden (-schreiben)
leerlaufen (Motor)
leidtun
madigmachen
mausigmachen, sich
niedrighängen, niedrigerhängen
pleitegehen
plattmachen (idiomat.)
rarmachen, sich
rückwärtsgehen (-fahren)
sattsehen, sich (-hören)
sattbekommen (idiomat.)
scheckiglachen, sich
schlaumachen, sich
schwachmachen (idiomat.)
schwarzärgern, sich
schwarzbrennen (-kopieren)
starkmachen, sich
starkreden
übrighaben (idiomat.)
verquergehen
verrücktspielen
wichtigmachen, sich
wichtigtun, sich
zugutehalten (-kommen, -tun)
zuhandenkommen
zunichtemachen (-werden)

Außerdem sind noch mehrere hundert fakultative Zusammenschreibungen neu eingeführt worden, vor allem mit bleiben und lassen sowie resultative Verbindungen: treibenlassen, wahrmachen, weißtünchen usw.

Aus der Neuregelung ergibt sich zum Beispiel folgende Unterscheidung:

"weil sie ihm ähnlich sieht"
"weil es ihm ähnlichsieht"

Andererseits werden viele Unterscheidungsmöglichkeiten aufgehoben. Herr Zehetmair glaubt sicherlich, daß es nun wieder möglich sei, zwischen "eine Uhr richtig stellen" und "eine Meinung richtigstellen" zu unterscheiden. Das ist aber nicht der Fall.



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Kommentare zu »Zusammenzuschreiben«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2019 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=649#41070

In der SZ schreibt Hermann Unterstöger:
 
"HIER IRRT DER LESER." Das geschieht höchst selten, aber nun ist es Leser Dr. D. widerfahren. Er findet, dass in die Passage "Die Fetischisierung nicht westlicher Heils- und Heilungstechniken" ein Orthografiefehler hineinkorrigiert worden sei: nicht westlich statt nichtwestlich, ein insofern gravierender Fehler, als davon das sprachökonomische Prinzip der Univerbierung, also der Ein-Wort-Benennung, betroffen sei. In der Tat besteht zwischen nichtwestlich und nicht westlich ein großer Unterschied: Hier könnte man mit sondern östlich weiterfahren, dort fungiert nicht- als ein der Vorsilbe un- vergleichbares Verneinungspräfix. Seit der Rechtschreibreform können Verbindungen mit nicht als erstem Bestandteil getrennt oder zusammengeschrieben werden; die SZ hält sich an die vom Duden empfohlene Getrenntschreibung. (15.3.19)
-
Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Zwischen den beiden Ausdrücken besteht ein großer Unterschied, aber wir von der SZ ignorieren ihn, weil die Rechtschreibreform und der Duden es so wollen. Und dem Leser Dr. D., der den Unterschied gewahrt wissen möchte, unterstellt er aus derselben Untertanengesinnung heraus einen "Orthografiefehler"! (Hübsch auch das vage „Verbindungen mit nicht als erstem Bestandteil“, als wüßte er nicht, worum es geht!) Unterstöger sollte sein „Sprachlabor“ dichtmachen und lieber eine Sprachmetzgerei eröffnen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.10.2018 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=649#39815

Nach den Zerstörungen durch die Bombardierung ist es nur noch an wenigen Punkten gelungen, ein gefälliges Stadtbild wieder herzustellen, ...
(Mannheimer Morgen, Wochenendbeilage, S. 13, über die Stadt Pforzheim nach dem 2. Weltkrieg)

Die Satzstellung empfinde ich als schief. Bei Getrenntschreibung sagt man üblicherweise:
... wieder ein gefälliges Stadtbild herzustellen

Die gegebene Reihenfolge ist nur bei Zusammenschreibung möglich:
... ein gefälliges Stadtbild wiederherzustellen
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.10.2018 um 21.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=649#39811

Sowohl zu gernhaben als auch zu liebhaben (dieses nur fakultativ zusammen) müßte es die Steigerung lieberhaben geben. Sucht man nach lieberhat, wird man kaum fündig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.10.2018 um 16.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=649#39810

Zu gernhaben:

Diese Zusammenschreibung wurde ziemlich überraschend eingeführt und soll amtlich und nach Duden allein richtig sein. Duden sagt unter dem Stichwort nichts über sehr gernhaben, benutzt diese Schreibweise aber unter "fressen":

zum Fressen gernhaben (umgangssprachlich scherzhaft: sehr gernhaben)

Das ist aber nur selten belegt, etwa bei Google News kann man sich schnell überzeugen, daß die Getrenntschreibung üblich geblieben ist. Wahrscheinlich schlägt niemand nach, weil man gar nicht darauf kommt, daß es eine andere als die gewohnte Schreibweise geben könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2017 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=649#34213

Man kann sich laut Duden scheckiglachen (nur zusammen), aber nur kringelig lachen. Wahrig weiß von beidem nichts, weil die Korpusarbeit der Saarbrücker Sprachtechnologie (Manfred Pinkal) solche Wörter nicht gefunden hat, wie so viele andere, die man mit Google in Sekunden massenweise findet. Ich habe nie verstanden, wie diese Computerlinguisten zu ihren asketischen Ergebnissen kommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2015 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=649#30333

WÄHLEN LESER den Satzanfang "Oder habe ich . . .", ist es vorher meist um die Rechtschreibreform gegangen. Auch bei Herrn G. war das so. "Oder habe ich", fragte er, "nur die Rechtschreibreform nicht begriffen?" Seine Zweifel rühren daher, dass die Reportage über Hardheim so angekündigt worden war: "Über einen Ort, der sich allein gelassen fühlt." Völlig richtig wendet er ein, dass Hardheim sich alleingelassen fühle. Schon im Duden von 1934 heißt es schön griffig, dass die Zusammenschreibung geboten sei, "wenn durch die Verbindung zweier Wörter ein neuer Begriff entsteht, den die bloße Nebeneinanderstellung nicht ausdrückt". An dieser Regel hat sich nichts geändert. Übrigens hieß es nur im Inhaltskasten "allein gelassen", bei der Reportage selbst stand die richtige Form "alleingelassen". (SZ 23.10.15 „Sprachlabor“)

Vor der Reform wurde allein lassen laut Duden in keiner Bedeutung zusammengeschrieben. Der reformierte Duden schreibt es jetzt zwar zusammen, wenn es "übertragen" gebraucht wird, aber ohne ausdrückliche Rechtfertigung in Regelwerk und amtlichem Wörterverzeichnis. Die vermeintliche "Regel" ist auch keine, weil sie in zahllosen Fällen nicht gilt und viel zu unbestimmt ist, denn wo beginnt der neue Begriff?
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 04.10.2006 um 17.34 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=649#5769

Man könnte sich freilich amüsieren über das Nebeneinander einer rigorosen und einer Kreativität fördernden demokratischen Liste, wären beide zusammen nicht Anzeichen des Versagens (leider nicht des Verzagens) der Macher. Wer möchte, kann sich auch scheckiglachen, krummlachen, kaputtlachen, kranklachen oder sich (graphemisch problemloser) einfach einen Ast lachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2006 um 17.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=649#5745

Ja, so ist es. (Ich habe inzwischen das Wort "obligatorisch" eingefügt, wodurch Herr Wagner als etwas begriffsstutzig dasteht, was er natürlich ganz und gar nicht ist.) Die fakultativen Zusammenschreibungen, soweit sie gegenüber 1991 als neueingeführt markiert sind, führe ich in meinem nächsten Tagebucheintrag auf.
Es kann sein, daß beide Listen nicht absolut fehlerfrei und vollständig sind. Ich habe weder Zeit noch Lust, in diesem Zeug länger als nötig herumzustochern. Im großen und ganzen dürften die Listen eine Eindruck von der totalen Willkür der neuesten Neuregelung vermitteln. Im Rat ist all das nicht ausdiskutiert worden, und manches war überhaupt nicht zur Sprache gebracht worden, sondern stammt aus dem sprichwörtlichen Hinterzimmer. Fragen Sie Herrn Eisenberg, ob er dieses Ergebnis gewollt hat! Es war schließlich "seine" Arbeitsgruppe.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 03.10.2006 um 16.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=649#5744

Um ganz sicher zu gehen: Verstehe ich das richtig und sind die explizit angegebenen 50 Wörter (die in Klammern angegebenen analogen Bildungen nicht mitgezählt) alles Fälle, in denen laut Duden 2006 nur Zusammenschreibung zulässig ist?
 
 

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