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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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16.04.2005
 

Max Planck Forschung
Viel versprechend

Eigentlich lese ich dieses Magazin gern, aber die Sprachgestalt ist unter aller Kritik und eine Beleidigung für das Publikum:

Aus Heft 1/2005:

wenn sie viel versprechend wirken, viel versprechende Zukunftsperspektive (aber vielversprechendste Zielstruktur), viel versprechende Forschungsobjekte
wie das Wissen weiter entwickelt werden kann
dass es auch hinter ihm weiter geht
hoch frequent, hoch auflösend (aber feinstrukturiert)
wohl geordnet, eine wohl geordnete Struktur
so genannte
um so naturgetreuer
mit tausenden anderer, hunderte Glutamatrezeptoren, hunderte von Substanzen
Qualitätssicherung ist das Eine, bei Weitem, zu Grunde liegend, zu Stande kommen, zu Nutze, zu Tage fördern
ist weit gehend neu, weit gehend unangetastet, die weit gehend planwirtschaftlich gesteuert war
aufwändig
das 25-fache
eine besonders Erfolg versprechende Strategie

Ins-trument, Sys-tem, Subs-tanz, Ins-titut, wiede-rum, Vo-raussetzung



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Kommentare zu »Max Planck Forschung«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2013 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=62#24235

Wie Max Planck Forschung berichtet, untersucht das MPI für Bildungsforschung das Lesen und den Schriftspracherwerb. Die Rechtschreibreform wird in keinem Zusammenhang erwähnt, das unanständige Wort dürfte am MPI noch niemals ausgesprochen worden sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2012 um 08.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=62#21142

kein Klima erwärmendes Kohlendioxid (Max Planck Forschung 2/2012)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2009 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=62#13835

Die Rechtschreibung in "MaxPlanckForschung" ist insgesamt besser geworden. Man schreibt natürlich "selbstständig", um (vermeintliche) Folgsamkeit zu beweisen, aber sonst geht es einigermaßen. Allerdings wird in Heft 4/08 der deutsche Physiker Ernst Abbé erwähnt ...
 
 

Kommentar von rrbth, verfaßt am 18.04.2005 um 17.58 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=62#89

In dem Supermarkt, in dem ich einkaufe, ist u.a. jetzt zu lesen „extra länger frische Bergbauern-Milch“.

Hier
[url]http://www.lebensmittelhandel.or.at/codex/B32Konsummilch03.doc[/url] kann man nicht nur nachlesen, was hocherhitzt bedeutet, sondern „Milch“ wird auch definiert.

Der Grund ist klar:
Der Milchlaster braucht nicht mehr so oft zu kommen, und der Supermarkt spart Kosten. Dem Verbraucher wird’s als Fortschritt verkauft.

Immerhin heißt es nicht „hoch erhitzt“, obwohl doch die ganze (Bergbauern-)Milch von der Alm kommt ...
 
 

Kommentar von Wolfgang Scheuermann, verfaßt am 18.04.2005 um 13.30 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=62#87

Desodorierende (oder aufputschende?) Milch - kuschel deinen Monitor!

In meinem Supermarkt gibt es seit kurzem eine neue Art von "Frischmilch". Sie ist nicht wie sonst nur homogenisiert und pasteurisiert, sondern homogenisiert und hocherhitzt (wohlgemerkt: nicht "ultrahocherhitzt" oder uperisiert - dann wäre es ja H-Milch). Es ist Milch einer ganz neuen Klasse! Auf der Packung ist auf leuchtend-rotem Untergrund vermerkt: Hält länger frisch!
Eine behauptete Wirkung, die ich an mir nicht feststellen konnte. (Allerdings habe ich eine eventuelle Deo-Wirkung auch nicht überprüft.)

Das neue S-Bahn-Netz im Rhein-Neckar-Raum hat nicht nur neue Züge in dem gleichen Rot-Ton; es ist auch sprachlich auf gleicher Höhe. In vielen der Züge stehen Automaten, deren Bildschirm auf eine Störung hinweist (oft) oder auf einen Mangel an menschlicher Zuwendung (meist): Bitte drücken Sie den Bildschirm!
Die Automaten der großen Schwester "Deutsche Bahn AG", die zunächst auch so gefleht hatten, sind inzwischen emotional abgekühlt. Wem da jetzt etwas fehlt: Zwischen Würzburg und Kaiserslautern gibt es diese menschliche Wärme noch!

VOR der Rechtschreibreform habe ich solche Fehlleistungen bei größeren Unternehmen nie bemerkt - erst recht nicht in Verlautbarungen wissenschaftlicher Einrichtungen. Zeichen sprachlicher Verwahrlosung.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 17.04.2005 um 22.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=62#85

Mithilfe-Fallen auch im Fernseh-Programmteil der Kieler Nachrichten:

Mithilfe ihrer Schwester (Nina Petri) kann Uta untertauchen. Was den Bundespolizisten nicht gelingt, schafft das Raubein Horst Schimanski (Götz George) im Handumdrehen…. (14.4.05)

Das Schachgenie wurde mit Hilfe von dem Geschäftemacher Krix aufs Kreuz gelegt. Mithilfe von Gosslars Software hat der einen lukrativen Schachcomputer entwickelt und nebenbei auch noch Frau und Sohn weggeschnappt. (30.3.05)
 
 

Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 17.04.2005 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=62#84

Leseerschwernis durch künstliche Wortneubildungen

In einem Sachbuch („Wilde Tiere“, Band 13 Was ist Was) liest man auf Seite 20:

„Mithilfe von Ästen ...“

Dann folgt der Zeilenumbruch.

Latente Irritation beim Lesen, ohne zunächst den Grund zu kennen. Assoziationen gehen in die falsche Richtung: die Mithilfe von Ästen ... Äste, die bei etwas mithelfen? Hm?

Dann liest man auf der nächsten Zeile weiter: „... baut der Biber Dämme ...“
Das Auge schnellt noch einmal zurück auf die obere Zeile, liest erneut: Ach so, hier ist „mit Hilfe“ im Sinne von „mittels“ gemeint!

Solches passiert dem Leser „reformierter“ Texte ständig, auch wenn er sich gänzlich auf den Inhalt des Gelesenen konzentrieren will. Unbeschwert einer „reformierten“ Lektüre nachzugehen wird mit der Zeit fast unmöglich.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 16.04.2005 um 22.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=62#79

Und nicht zu vergessen: Auch LIDL pflegt in seinen wöchentlichen Prospekten die gute traditionelle Rechtschreibung: wasserabweisend, Reißverschluß, schnelltrocknend, selbstaufblasend, Kompaß, dreimal...
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 16.04.2005 um 21.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=62#78

Die wissenschaftliche Elite des Max-Planck-Instituts wird bald wieder in die Rechtschreibschule gehen müssen. Daß die neue Rechtschreibung etwas Krankes hat und keine Zukunft haben kann, müssen hingegen einige mittelständische Unternehmen, die bekanntlich längerfristig denken können als unsere großen Wirtschaftsmatadore, von Anfang gewußt haben, deren Tätigkeitsfeld im Bereich des Gesunden und Traditionellen liegt. Firmen, die heute noch die herkömmliche Rechtschreibung verwenden, tun das zweifellos in vollem Bewußtsein, da sie doch alle Fallen umgehen und austricksen müssen, die der Büro- und Druckereialltag ihnen stellt. Bekannt hierfür ist »Manufactum«, das auch das Icklersche Wörterbuch angeboten hat unter ihrem Motto: »Es gibt sie noch, die guten Dinge«. Dazu gehört aber auch die »BÄR-Manufaktur für bequeme Schuhe« in Bietigheim-Bissingen (›Hätten Sie gewußt, daß so viel Komfort in eine Sandale paßt?‹, ›Machen Sie Schluß mit dem Alltagstrott‹, ›in aufwendiger Handarbeit geflochten‹ usw.) oder die Firma Oscorna-Dünger GmbH & Co. KG in Ulm (›Tips für die Rasenpflege‹, ›Ein Genuß für alle Sinne‹ usw.) Sehen wir ihnen das BinnenI nach, wenn sie schreiben: »Unsere MitarbeiterInnen setzen sich mit Herzblut ein, weil sie im überschaubaren Familienbetrieb tagtäglich miterleben, daß unser ökologisches Bekenntnis – im wahrsten Sinne – auf fruchtbaren Boden fällt und immer mehr Menschen erfaßt!«.

Vielleicht erschließt sich diesen bodenständigen und kerngescheiten Unternehmen eines nicht allzu fernen Tages ein einträgliches Nebenerwerbsgebiet, wenn sie, als die letzten, die diese beherrschen, Seminare in unverdorbener deutscher Rechtschreibung für MitarbeiterInnen unserer Wirtschafts- und Wissenschaftsinstitute auf dem Markt anbieten. Man sollte für diese Unternehmen einen Kulturpreis stiften.
 
 

Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 16.04.2005 um 21.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=62#77

Schier unerklärlich ist mir, wie schlampig inzwischen manche (inhaltlich) gute Bücher und Texte formal daherkommen. Sowohl Autor als auch Verlag müßten merken, welche sprachlichen „Klopper“ sie auf die Leser loslassen. Und es ist keineswegs so, daß man sich an die ungewöhnlichen und irreführenden Schreibweisen gewöhnt. Mir geht es so, daß ich beim Lesen zunächst nicht an die Rechtschreibung denke. Das ist schlagartig vorbei, sobald mir deformierte Schreibweisen begegnen.

Zur Zeit lese ich Bücher einer Autorin, die gesellschaftspolitisch Hervorragendes leistet und von daher Beifall verdient. Unbegreiflicherweise läßt sie es zu, daß ihre Bücher in einer furchterregenden Orthographie erscheinen, wodurch das Lesevergnügen doch stark geschmälert wird:

„... bekam ich Korb füllend freudvolle Briefe ...“
„... mit 21 wohl geratenen Enkeln ...“
„... aber Sie haben ja so Recht ...“
„Der einzelne Journalist ist im Allgemeinen ängstlich darauf bedacht ...“
„Als Erstes tat sich hier ... hervor“
„"Wir platzieren uns um einen Tisch.“
„Schlusssendung“
„viel versprechende Aussichten“
„so genannt“
und so weiter, und so fort

Der Drang, gehorsam (und modern) sein zu wollen, ist offensichtlich auch bei Personen verbreitet, die ansonsten in ihrer Einstellung selbständig und kritisch erscheinen.
 
 

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