zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


02.02.2006
 

Hübsch ausgedacht!
Wer Änderung begehrt, ist begründungspflichtig, andernfalls bleibt es beim Status quo ante

Daran hat Wolfgang Kopke vor zehn Jahren erinnert. Die Reformer haben es durch ihre Strategie vollendeter Tatsachen hingekriegt, daß die erst noch angestrebte Herrschaft der Neuregelung als Status quo zu gelten hatte. So beim bewußt irreführenden Stimmzettel in Schleswig-Holstein.
Das wiederholt sich nun im Rat für deutsche Rechtschreibung: Erhält ein Korrekturvorschlag nicht die Zweidrittelmehrheit der (als besonders änderungsunwillig bekannten und ausgewählten) Mitglieder, so bleibt es bei der Neuregelung.
Auf diese Weise sind die Reformer niemals in die Lage geraten, ihre Neuregelung begründen zu müssen, und es gibt auch keine Untersuchung, die ihnen nachträglich recht gäbe, im Gegenteil. Kompliment!



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Hübsch ausgedacht!«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Ursula Morin, verfaßt am 04.02.2006 um 16.48 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2427

Könnte man nicht im "Rat" den Vorschlag aufgreifen, nun nach 10 Jahren "problemloser Umsetzung" an den Schulen eine breit angelegte Untersuchung dahingehend anzustellen, wie sich die "Vereinfachung" der deutschen Orthographie auf die Schreibleistung der Jahrgänge ausgewirkt hat, die in den Genuß der neuen Regeln gekommen sind. Die Reformfreunde dürften ja eigentlich nichts dagegen haben - alles andere wäre ein Eingeständnis des Mißerfolgs ...

 
 

Kommentar von Arndt Brünner, verfaßt am 04.02.2006 um 15.20 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2426

Lieber Herr Schäbler,
vielen Dank für diese Informationen. Wie groß muß doch die Angst der Schul- und Ministerialräte vor Sachargumenten und vor der Wirklichkeit sein, wenn derartige Zwangsmaßnahmen aufgefahren werden!
Die Schüler, die heute ihren Real- oder Hauptschulabschluß machen, lernen von Anfang an nach den neuen Regeln. Es ist also die richtige Zeit für eine objektive Untersuchung, ob die Erwartungen erfüllt wurden, mit denen 1996 die Reform wohl von vielen Kollegen begrüßt wurde und mit denen die Reform allgemein angepriesen wurde. Aber bevor es eine solche objektive, wissenschaftliche Untersuchung in den Schulen geben wird, wird eher ein Kultusminister durch ein Nadelör gehen.
Meine Kultusministerin betrachtete ihre Initiative zur Einsetzung des Rates als geeignetes Mittel, mit den verheerenden Folgen der Reform umzugehen, auf die ich sie brieflich aufmerksam machte. Immerhin bekam ich noch keinen Maulkorb in dieser Angelegenheit – aber das kommt noch.
 
 

Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 04.02.2006 um 13.54 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2425

Nachricht an Arndt Brünner und rrbth ...

Im Jahr 1997 hatte ich einen intensiven Briefwechsel mit dem Aschaffenburger Schulamt, der Regierung von Unterfranken und dem bayerischen Kultusministerium.
Zahlreiche Kollegen haben sich meiner Kritik an der Rechtschreibreform anschlossen. Sie haben unter anderem spontan ihre Unterschrift auf Petitionslisten an den Deutschen Bundestag geleistet. Jene Listen waren in mehreren Lehrerzimmern des Landkreises Aschaffenburg am Schwarzen Brett kurzfristig ausgehängt.

Eine Anordnung des Staatlichen Schulamtes im Landkreis Aschaffenburg untersagte ungehend den Aushang am Schwarzen Brett mit der Begründung, daß politische Aktionen innerhalb der Schule nicht statthaft seien.

Zweierlei hat diese Anordnung bewirkt:
1. Sie hat die Statistik verfälscht, denn die Stimmen der Reformkritiker wurden aus dem Verkehr gezogen.
2. Sie hat die Duckmäuserei angekurbelt, denn fortan glaubte jeder zu wissen, daß selbst eine Unterschrift als Bestätigung für ein Dienstvergehen ausgelegt werden könnte.

 
 

Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 04.02.2006 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2413

Nachtrag:
Nicht Räsonieren, nicht Philosophieren: allein Handeln hilft.
Handeln wir nicht die ganze Zeit über? Ja. Handeln kann auch Nichthandeln sein. Wir ersuchen die Machthabenden in NRW, die Entscheidungsträger bei FAZ und anderen Pressehäusern, Herrn Dr. Döpfner und andere herzlich, ihre Hand weiterhin über die bewährte Rechtschreibung zu halten, einfach indem sie diese geräuschlos und unbeirrt weiterpflegen bzw. an den Schulen nicht verbieten.
 
 

Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 04.02.2006 um 08.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2412


Augenzwinkernd

Hinter der routinierten Bereitschaft zur Kommunikation, die Staatssekretäre und dergleichen erkennen lassen, verbirgt sich die überheblich-gelangweilte Arroganz der Macht. Man darf sich über die echten Motive der Angehörigen „des Apparats“ nicht freundlichen Täuschungen hingeben. Sie nehmen weder „das Volk“ noch die Dinge selbst ernst – in diesem Falle die Sprache. So lange nichts oder niemand ihre Machtposition gefährden kann, werden sie sich inhaltlich und menschlich nicht inhaltlich damit befassen.
Der Gedankenaustausch mit Funktionseliten findet daher auch nicht auf gleicher Augenhöhe zum Volk statt. Er findet gar nicht statt. Über die Sache selbst kann der Funktionsträger nichts wissen wollen, weil Wissen und Bewußtwerden sein Denken und Handeln beeinflussen würde. Erkennen ist meist unbequem und führt zu Verhaltensänderungen. Ein Mensch, der etwas als wahr erfaßt hat, etwas sieht und begreift, wird nicht mehr unbefangen und entgegen seiner neugewonnenen Einsicht handeln können – es sei denn, ihn bewegen unsoziale, unmoralische oder gar kriminelle Motive. Was die sog. Rechtschreibreform betrifft: Nicht- bzw. Oberflächenwissen ist der beste Schutz, um die Dinge mit gutem Gewissen und schlagkräftig vorantreiben zu können. Man muß den meisten Befürwortern der „Kulturschändung“ dieses Nichtwissen unterstellen – andernfalls müßte man sich um ihre Seele sorgen. Wir können uns bei allen herausragenden Figuren der Reformbefürwortung fragen, von welcher Bewußtseinsebene herab sie ihre Agitationen ausführen …

Fort also mit der Illusion über die Möglichkeit, die Entscheidungsträger im „fairen“ Gespräch oder auch durch harte Arbeit davon überzeugen zu wollen, daß sie im Irrtum sind. Solche Versuche sind zum Scheitern verurteilt. Inhalte sind für Machthabende etwas sehr Lästiges. Und um es abzuschütteln, entwickeln sie – darin sind sie einander einig – ein schablonenhaftes Verhalten, das neben der enormen Arbeitsersparnis auch einen guten Ruf einbringt: demokratisch korrekt teilt man dem Bittsteller sogar die Adressen der mit seinem Anliegen befaßten Institution mit! Soll der nun vor Rührung und Dankbarkeit ob dieser lieblichen Fürsorge auf die Knie fallen?

Die Sicht auf diese Seite ist ernüchternd und nicht jedermanns Sache, denn der Blickwinkel zerstört Illusionen, die wir doch alle gerne pflegen, ja pflegen müssen, weil das Leben sonst unerträglich ist. Denn immerhin gibt es ja zwei Seiten der Medaille, auch eine gute. Das Schlucken bitterer Medizin öffnet die Augen für die dunkle Seite und bewahrt vor Naivität. Man kann – und sollte zuweilen auch – die Spiele der Mächtigen mitspielen, darf dabei jedoch nie vergessen, daß die Sieger von vornherein meist schon feststehen. Allzuleicht wird der redlich sich an Spielregeln haltende Bürger mit seinem Anliegen ungewollt und unbewußt zum belächelten Spielzeug der Mächtigen. Zum Schaden erntet er am Ende noch den Spott.

Wozu solche philosophischen Gedanken? Helfen sie praktisch weiter? Ich weiß es nicht, um ehrlich zu sein. Was jedoch wichtig ist: Man sollte Widersacher weder unterschätzen noch verklären. Um nötige Kurskorrekturen frühzeitig vornehmen zu können, muß auch die eigene Strategie ständig hinterfragt werden können.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2006 um 06.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2411

Auch wenn ich mit Dr. Krimm niemals darüber gesprochen habe, bin ich doch vollkommen sicher, daß er die ganze Rechtschreibreform für einen großen Unsinn hält. Jede andere Vermutung wäre eine Beleidigung.
Er hat auch einen ganz besonderen Humor. Erst besetzen die Kultusminister den Rat so, daß eine reibungslose Durchsetzung der Reform gewährleistet ist, und dann stellt Herr Krimm fest: "Die von Ihnen gewünschte Rückkehr zur früheren Schreibung ist nach der bisherigen Arbeit des Rats allerdings nicht zu erwarten."
Auch die Überweisung von Fragen und Bedenken ausgerechnet an einen solchen Rat muß man in diesem Lichte sehen. Ich kenne das von vielen Schreiben, die mir als Antwort auf Zuschriften an seinen Dienstherrn zuteil wurden. Nicht nur verwies mich Dr. Krimm stets an die Zwischenstaatliche Kommission, sondern teilte mir auch jedesmal artig deren Adresse mit. Ich habe es ihm nicht übelgenommen, sondern das Spielchen eher als ein freundschaftliches Geplänkel unter Leuten verstanden, die beide Bescheid wissen.
 
 

Kommentar von Arndt Brünner, verfaßt am 04.02.2006 um 00.57 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2410

Ich möchte die Frage von rrbth am Leben halten: Wer weiß etwas über diese angeblichen Rückmeldungen von Lehrern, die sich positiv über die Umsetzung der neuen Rechtschreibregeln durch Schüler äußern?
Wo ist überhaupt einmal eine wirklich objektive Untersuchung durchgeführt und dokumentiert worden?

Was bedeutet eigentlich „Grad der Umsetzung“? Daß oder wie sehr Schüler versuchen, die Regeln, oder das, was sie dafür halten, umzusetzen? Aber sicher versuchen sie das! Meine (natürlich subjektive) Wahrnehmung anhand unzähliger Schülertexte zeigt mir täglich, zu welchen Ergebnissen diese im besten Falle versuchte Umsetzung führt. — Es ist wahrlich zum Heulen!

Ich frage mich ernsthaft, wie es möglich sein kann, diesen erschreckenden Zustand, den man in Schulen tagtäglich erleben kann, ja, nicht übersehen kann, noch als positiv darzustellen.
Nach meiner Erfahrung können übrigens vor allem solche Kollegen und Kolleginnen Informationen an die Schulämter weitergeben, denen die eigene Karriere recht viel wert ist und die sich schon als „kompatibel“ erwiesen haben. Es ist sicher nicht opportun, etwas zu melden, das nicht erwünscht ist. Und ich vermute stark, daß es sich bei den erwähnten Rückmeldungen in erster Linie um Äußerungen derartiger Personen handelt, deren Handeln und Reden in erster Linie opportun ist.

Also, wo fand eine seriöse, objektive, unvoreingenommene Untersuchung statt?
 
 

Kommentar von Walther Stodtmeister, verfaßt am 03.02.2006 um 21.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2409

Heute kam Widerspruch aus der Schweiz: Peter Müller, So kann es mit der Rechtschreibreform nicht weitergehen (FAZ, 3. Februar 2006, S.10). Er berichtet von Erfahrungen nicht-bayerischer Art: „Der schweizerische Dachverband der Lehrer urteilt vernichtend: In der vom Rat empfohlenen Fassung sind die Regeln in den Schulen kaum mehr zu vermitteln.“ Und: „Die Variantenschreibung wird allerdings von der Druckindustrie von jeher abgelehnt, weil sie die Kosten treibt.“ Fazit: „Die Reform sollte für gescheitert erklärt und abgebrochen werden.“
 
 

Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 03.02.2006 um 20.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2408

Wider die Nestflucht

Das Münz- und Geldscheinprägen ist aus ersichtlichen Gründen eine Staatsangelegenheit. Schließlich muß ja jemand garantieren für den geprägten Wertmesser. (Je greifbarer der Garant, desto besser!)

Daß fast jeder Staat nun aber auch das Wortprägen in sein Monopol aufgenommen hat, ist eine beachtenswerte Tatsache. Allüberall in Europa werden staatlicherseits Stapelläufe in Sachen Wortumprägung veranstaltet. Selbst Frankreich nimmt sich da nicht aus. Auch dort wird wohl in Bälde so mancher Accent weggeprägt werden.

Anlaß für derartige Maßnahmen ist möglicherweise nur eine Idee, die von jenen verstärkt wird, die heute global, morgen allumfassend und übermorgen in schwarzen Löchern denken; von daher einen geistigen Wettbewerbsvorsprung besitzen.
Ihr maßgeblicher Vorsprung hingegen ist die Organisiertheit, die sämtliche Manipulation möglich macht. Rechtschreibreformen sind insofern als Angriffe einer übergeordneten Behörde auf staatliche Sonderheiten anzusehen.

Respekt dafür! Vor allem dann, wenn besagte Planer tatsächlich den ureigenen Planeten behandelt kriegen, den Unterschied zwischen Nord und Süd, arm und reich, dumm und „gescheidt“ (Uraltschreibung) aufgelöst bekommen. Nur! Jene Planer planen schon im Orbit.

Man sollte diesen Nestflüchtern den Weg versperren, indem man ihnen eine ordentliche Kinderstube im Diesseits bereitet und ihnen den Konsumzwang austreibt. Insofern sollte man ihnen die Lehre von der „Kosmetik“ bis zum Überdruß verklickern, bis sich die Einsicht einstellt, daß im Mikrokosmos die gleiche Urgewalt der Natur zu erkennen ist wie im Makrokosmos.

 
 

Kommentar von rrbth, verfaßt am 03.02.2006 um 18.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2407

Sehr geehrter Herr Valeske,
haben Sie dazu
«Die Rückmeldung von Lehrern, die im Auftrag des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung München inzwischen mehrfach an Schüleraufsätzen aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium den Grad der Umsetzung überprüfen, sind weit überwiegend positiv.»
mehr Informationen?

Kennt sonst jemand noch diese „weit überwiegend positiv[en]“ Rückmeldungen?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 03.02.2006 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2405

Die Unterdückung der schulischen Gegenstimmen durch die Kultusministerkonferenz weckt tatsächlch Erinnerungen an die Verkündung der Wahlergebnisse durch das Zentralkomitee der SED.
 
 

Kommentar von Martin Valeske, verfaßt am 03.02.2006 um 12.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2404

"Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben."
Als ich mich Mitte vergangenen Jahres an Kultusminister Siegfried Schneider mit der Bitte wandte, die neue Rechtschreibung an den Schulen Bayerns nicht verbindlich werden zu lassen (ich wies u.a. auf die angeblich unstrittige, in Wirklichkeit höchst fehlerhafte GKS hin), erhielt ich folgendes Antwortschreiben von Ministerialrat Dr. Krimm, datiert vom 2. August 2005:

"Sehr geehrter Herr Pfarrer Valeske,
das Büro von Herrn Staatsminister Siegfried Schneider hat mir Ihr Schreiben vom 9.Juli 2005 zu (!) Beantwortung zugeleitet. Ich teile Ihnen dazu Folgendes mit:
Obwohl Bayern die Reformberatungen hinsichtlich der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung nicht anstieß, wurde auch durch das Staatsministerium Änderungsbedarf gesehen. Seit dem Inkrafttreten der bis 1996 gültigen Regelungen von 1901/02 war - vor allem auf dem Hintergrund der Entscheidung von Einzelfällen - ein Dickicht von teilweise ausgesprochen spitzfindigen Sonderregelungen entstanden, das im Interesse der Schreibenden der Vereinfachung bedurfte. Das Erlernen der Rechtschreibung in den Schulen war zu kompliziert geworden. Diese Einschätzung wurde auch durch die Redaktion des Duden geteilt, die folgerichtig an den Beratungen zur Neuregelung teilnahm.
Für die bayerischen Schulen, die bereits seit 1996, also im 9. Schuljahr, die neuen Regeln anwenden, sind diese längst kein Thema mehr. Die Rückmeldung von Lehrern, die im Auftrag des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung München inzwischen mehrfach an Schüleraufsätzen aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium den Grad der Umsetzung überprüfen, sind weit überwiegend positiv. Entsprechende Erfahrungen wurden in anderen Ländern sowie in Österreich und in der Schweiz gemacht.
Dennoch bedürfen zur Verbesserung der Akzeptanz auch bei den erwachsenen Schreibern einzelne Bereiche - vor allem die Getrennt- und Zusammenschreibung - einer Überprüfung. Bayern hat daher die Diskussion über wünschenswerte Änderungen der Neuregelung aufmerksam verfolgt und entsprechende Pläne des Rats für deutsche Rechtschreibung von Anfang an unterstützt.
Die Bewertung von Detailfragen bleibt aus guten Gründen den Fachleuten vorbehalten. Ich stelle Ihnen daher anheim, Fragen, Kritik und Anregungen bezüglich der Neuregelung an den Rat für deutsche Rechtschreibung ... zu übermitteln, der Ihre Anregungen sicher sorgfältig prüfen wird.
Die von Ihnen gewünschte Rückkehr zur früheren Schreibung ist nach der bisherigen Arbeit des Rats allerdings nicht zu erwarten."

 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 03.02.2006 um 10.20 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2401

„Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“

Dies ist die Handlungsmaxime der meisten derzeit maßgeblichen Politiker, wenn es um die „Rechtschreibreform“ geht. Der Satz stammt von Walter Ulbricht, als er mit seiner „Gruppe Ulbricht“ Anfang Mai 1945 in Bruchmühle bei Berlin die kommunistische Machtübernahme in der sowjetisch besetzten Zone vorbereitete. Überliefert hat ihn Wolfgang Leonhardt, damals jüngstes Mitglied und später Dissident, in seinem zuerst 1955 erschienen Buch „Die Revolution entläßt ihre Kinder“ (Neuausgabe: „… entlässt…“). – Ergänzen müßte man, daß die Politiker inzwischen eher so handeln, als ob die „Reform“ sie in der Hand hat.

 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 03.02.2006 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2400

> werden Sie den Rat nach der unweigerlich folgenden Festschreibung der NRS verlassen?

Es ist aber zu berücksichtigen, daß ein bloßes Verlassen auch nichts Spektakuläres bewirkt, wie man übrigens auch der Wirkungslosigkeit des Austritts von Munske (und Eisenberg?) aus der Reformtruppe gezeigt haben. Vermutlich hat das beharrliche Aufzeigen der Widersprüche auch weiterhin mehr für sich; und dazu ist es vielleicht doch besser, drin zu bleiben.
 
 

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 03.02.2006 um 00.14 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=383#2399

Lieber Herr Professor Ickler, werden Sie den Rat nach der unweigerlich folgenden Festschreibung der NRS verlassen?

Letztlich hat sich doch gezeigt, daß jegliche konstruktive Mitarbeit am Rat nur ein Feigenblatt für die Reformbefürworter und für die Reform ist.

Am Schluß wird es dann in den Medien heißen, die wenigen (der einzige?) unverbesserlichen Gegner hätten ihre Position im "Gremium der Fachleute" nicht durchsetzen können und beugen sich jetzt dem Mehrheitsvotum und es herrsche wieder "Rechtschreibfrieden".
Und die uninformierten Leser oder Zuschauer werden glauben, diese Änderungswünsche wären natürlich aus rein inhaltlichen (und nicht etwa politischen) Gründen abgelehnt worden.
Denn... es wurde ja demokratisch von klugen/weisen und neutralen Kennern der Materie entschieden... und wer will denn schon an unseren Gremien und unserer Demokratie zweifeln... und schließlich geschieht ja alles zum Wohle der Bürger -- und natürlich der Kinder...

Das ist alles Doppelplus-gut! Und der große Bruder namens Politbürokratie möchte, daß es endlich ein Ende hat, mit dem ewigen Reformunwillen in der Bevölkerung! Denn es sind ja noch so viele Reformen umzusetzen...

Mir kommen die Tränen!
 
 

nach oben


Ihr Kommentar: Sie können diesen Beitrag kommentieren. Füllen Sie dazu die mit * versehenen Felder aus und klicken Sie auf „Kommentar eintragen“.

Sie können in Ihrem Kommentar fett und/oder kursiv schreiben: [b]Kommentar[/b] ergibt Kommentar, [i]Kommentar[/i] ergibt Kommentar. Mit der Eingabetaste („Enter“) erzwingen Sie einen Zeilenumbruch. Ein doppelter Bindestrich (- -) wird in einen Gedankenstrich (–), ein doppeltes Komma (,,) bzw. ein doppelter Akut (´´) werden in typographische Anführungszeichen („ bzw. “) umgewandelt, ferner werden >> bzw. << durch die entsprechenden französischen Anführungszeichen » bzw. « ersetzt.

Bitte beziehen Sie sich nach Möglichkeit auf die Ausgangsmeldung.
Für sonstige Diskussionen steht Ihnen unser Diskussionsforum zur Verfügung.
* Ihr Name:
E-Mail:
(Wenn Sie eine E-Mail-Adresse angeben, wird diese angezeigt, damit andere mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.)
* Kommentar:
* Spamschutz:   Hier bitte die Zahl einhundertvierundfünfzig (in Ziffern) eintragen.
 


Zurück zur vorherigen Seite | zur Tagebuchübersicht


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM