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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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21.10.2005
 

Königstochter
Manche Politiker vergessen, daß ihre Macht nur abgeleitet und vorübergehend ist

Gerade lese ich in der FAZ, wie die ehemalige Schulministerin Hohlmeier („Ich schreibe nur noch Gämse“) nun auch von schikanierten Lehrern entblättert wird: „Gnadenlose Drohkulisse“.
Sie habe „jegliche Berrschung verloren“. „So was habe ich noch nie erlebt, und ich hätte es auch nicht für möglich gehalten“, berichtet ein Nürnberger Oberstudiendirektor. Was hatten die armen Sünder verbrochen? Sie hatten die überstürzte Einführung des achtstufigen Gymnasiums kritisiert (übrigens mit Recht, wie man jetzt überall sieht). Wie viele Lehrer sind mit einer „Abwatsch- und Anschißphase“ (so ein Schulleiter laut dpa) traktiert worden, weil sie die Rechtschreibreform zu kritisieren wagten?



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Kommentare zu »Königstochter«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2017 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#34831

Und den Religionsunterricht dorthin verlagern, wo er hingehört.

In vielen Schulen und Klassen fällt der Unterricht aus, obwohl er stattfindet...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.04.2017 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#34830

Im DLF kam kürzlich ein Beitrag über den hohen Unterrichtsausfall. Auf die gesamte Schulzeit bezogen soll bis zu einem Jahr Unterricht ausfallen.

Als meine Kinder noch zur Schule gingen (90er Jahre), war der Ausfall auch sehr hoch. Einmal war Lehrerausflug, ich dachte, ich höre nicht richtig, ein ganzer Schultag fiel für alle Schüler aus. Warum man diesen Ausflugstag nicht in die Ferien verlegen kann, habe ich nie erfahren.

Das G8 wurde nie vernünftig eingeführt. Statt wieder ein Jahr ranzuhängen, sollten die Ministerien etwas gegen den Unterrichtsausfall tun, da ist auch ein Jahr zu sparen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2017 um 04.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#34826

Bayern kehrt zum G9 zurück und ist nach wie vor die beste aller Welten. Die Staatsregierung macht immer alles richtig.

Mal im Ernst: Das Hinzufügen von Nachmittagsunterricht hatte aus den Gymnasien keine richtigen Ganztagsschulen gemacht. Das alles wurde ohne pädagogisches Konzept eingeführt, und jetzt ist die Rückkehr ebenso kopflos. Das Ausmaß der Unruhe und des Improvisierens ist unbeschreiblich.

Wie gelegentlich schon erwähnt: Unsere Jüngste durchlitt ab Quinta die Umstellung, es gab aber ein bis zwei Jahre lang nicht einmal neue Bücher oder auch nur Lehrpläne für das G8. Der Nachmittagsunterricht brachte viele private Musiklehrer in eine Existenzkrise, wie ich aus erster Hand weiß. Kinder sind zäh, sie überleben schlimme häusliche Verhältnisse und sogar die Schule, darauf konnte sich das Kultusministerium auch in dieser selbstverschuldeten Misere verlassen. Ebenso auf die Leidensfähigkeit der Lehrer, die ja auch keine Alternative haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2016 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#33009

Die bayerische Staatsregierung gibt mehr oder weniger zu, daß das G8 gescheitert ist, und überläßt es den Schulen, zum G9 zurückzukehren. Das wird, hübsch demokratisch auf Elternwunsch, flächendeckend geschehen.
Das Scheitern der Rechtschreibreform gesteht die Politik dadurch ein, daß sie es einem unkontrollierten Rat überläßt, den Rückbau zu vollziehen.

Monika Hohlmeier, Einpeitscherin beider Reformen, sitzt im Europaparlament und in der BayWa, schweigt und genießt.

Monika Hohlmeier: „G 8 wird eine Erfolgstory“
(http://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/3187)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.11.2015 um 15.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30694

Vielen Dank!
Im Erzgebirge ist 'ne Faunz immer noch ein ganz alltäglicher Ausdruck, allerdings nicht für einen Faustschlag, sondern für eine ganz normale Backpfeife, außerdem auch nicht in übertragener Bedeutung (etwa wie die Watschn für Seehofer), sondern man meint schon ein richtige Ohrfeige (auch wenn sie nur angedroht wird). Ein Verb faunzen ist nicht gebräuchlich, man kriegt oder gibt sie oder haut sie jemandem rein.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 27.11.2015 um 13.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30693

Lieber Herr Riemer,
ich kenne das Wort aus dem lebendigen bairischen Wortschatz nicht. Auch Zehetner (Bairisches Deutsch) erwähnt es nicht. Bei J. A. Schmeller (Bayerisches Wörterbuch, 1872) allerdings findet sich:
faunzen - Einen, ihm Fauststöße ins Gesicht, besonders unter die Nase versetzen.
Die Fauzen, solch ein Fauststoß.

Die Aussprache wird mit fauzn angegeben, ohne das erste n und mit nasaliertem Vokal. Das läßt in mir den Verdacht aufkommen, daß sich davon unser heute gebräuchliches Fotzen (fem., gespr. Fôdsn) für Ohrfeige ableitet, obwohl dafür normalerweise die Herleitung von Fotz (mask., gespr. fôds) = Lippe, im übertragenen Sinn auch Mund, Maul, angegeben wird.
Ich werde bei Gelegenheit Zehetner fragen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.11.2015 um 12.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30692

Lieber Herr Chmela,
auf erzgebirgisch nennt man das Faunz (fem.).
Im Grimmschen Wörterbuch steht, das sei bairisch für Faust.
Da würde mich interessieren, ob Faunz auch im Bairischen heute noch geläufig ist und wenn ja, welche Bedeutung es heute genau hat.
 
 

Kommentar von Elektroingenieur, verfaßt am 26.11.2015 um 22.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30691

"so gleichgeschaltet sind die Medien nicht"

Wer sollte die Medien denn gleichschalten, etwa die gleichgeschaltete politische Klasse?
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 26.11.2015 um 21.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30690

Bitte, Herr Achenbach - die Watschen (auch im Singular!)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 26.11.2015 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30689

Seehofer hatte ja kurz vorher Söder sehr deutlich abgewatscht. Niemand, auch nicht die FAZ, weiß, ob der Watschen für Söder, der Watschen für die Kanzlerin oder etwas ganz anderes die CSU-Delegierten zu ihrem Wahlverhalten veranlaßt hat.

Der Berichterstatter der FAZ hat zwar insinuiert, daß es das Verhalten gegenüber der Kanzlerin war, konnte sich aber allenfalls auf einzelne Aussagen von Teilnehmern stützen. Eine repräsentative Umfrage hat er jedenfalls nicht durchgeführt.

Wenn nun alle nachplappern, daß es die Behandlung der Kanzlerin war, so spricht daraus wohl auch ein erhebliches Maß an Wunschdenken.

Übrigens sind seit geraumer Zeit die Berichte der FAZ zur CSU, besonders aber zu Seehofer sehr häufig in einem ironisch-spöttischen Ton gehalten, der für eine Sachberichterstattung unangemessen ist. Das erzeugt bei mir doch erhebliche Zweifel an ihrer Unvoreingenommenheit.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 26.11.2015 um 10.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30687

Merkel redet so, daß sie im Klartext auch sagen könnte: "Ich mache, was ich für richtig halte. Wenn die CSU eine Obergrenze haben will, brauche ich darauf nicht einzugehen." Oder verallgemeinert: "Sehr viele Menschen im Land wollen eine Obergrenze, aber darauf brauche ich nicht einzugehen." Sie redet sogar als Gast auf dem CSU-Parteitag so, daß die Zusammenfassung lauten könnte: "Die Meinung der CSU interessiert mich nicht."

Dieser langfristig durchgehaltene "Stil" von Merkel macht es ja ebenfalls außerordentlich schwierig, ins Einvernehmen zu kommen. Er ist an sich bedeutender als ein falscher Stil, den Seehofer bei seinem relativ kurzen Auftritt gewählt hat. Ich weiß auch nicht, ob Seehofer eine Situation des Triumphs auskosten wollte. Ich könnte mir vorstellen, daß er sich als Parteichef genötigt gefühlt hat, das Anliegen seiner Partei zur Sprache zu bringen, nachdem es von Merkel wieder einmal ignoriert worden war.

Dann allerdings hat er es übertrieben. Er hätte sich vor allem kürzer fassen müssen. Das relativ schwache Ergebnis von Seehofer führe ich auf jene Situation zurück, die auch für die Teilnehmer mitzuerleben peinlich war, also von ihnen "abgelehnt" wurde. Solche unmittelbar erlebten gefühlsträchtigen Situationen schlagen sich eben in Wahlergebnissen nieder, auch auf CSU-Parteitagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2015 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30684

Lieber Herr Riemer, so gleichgeschaltet sind die Medien nicht. Die FAZ z. B. feuert seit je aus allen Rohren auf Merkel und in der Flüchtlingspolitik erst recht. Das Innenleben der CSU hat sie immer treffend beschrieben und weiß Seehofers Wahlergebnis richtig einzuschätzen.
Seehofer hat ein paar Minuten ausgekostet, die er wohl als Triumph erlebte. Den meisten, sogar von Merkels Gegnern, kam es nicht so vor. Man muß sich auch in der Politik immer so verhalten, daß man sich mit denen anderen wieder an einen Tisch setzen kann, nicht wahr? Mehr will ich darüber hier nicht sagen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.11.2015 um 01.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30683

Zur Erinnerung:
Söder brachte den Terror in Paris mit der unkontrollierten Zuwanderung in Verbindung und forderte strenge Kontrollen und Begrenzung. Dafür erhielt er auf dem gleichen Parteitag 90,8% der Stimmen.
Waren Seehofers 87,2 Prozent also eher ein Dämpfer wegen seiner Merkel-Watschn, oder waren sie eine zweite Chance eben deswegen?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.11.2015 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30682

Es gibt eben nicht nur den Cäsarenwahn, sondern auch den Cäsarinnenwahn und den Cäsarentöchterwahn. Die Kanadier haben kürzlich auch noch eine Dynastie gestiftet und sich kurzerhand in die siebziger Jahre zurückgewählt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.11.2015 um 23.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=262#30679

Ich habe den Stamm watsch gesucht und wurde u. a. hier fündig.

Obwohl sie keine Königstochter ist, der Untertitel paßt ganz gut. Merkel hat meiner Ansicht nach nicht vergessen, daß ihre Macht nur abgeleitet und vorübergehend ist, aber sie ist darüber, beim Gedanken an ihre Macht, verrückt geworden, was ebensogut ist wie vergessen.

Seehofer wird von den Medien, den gleichgeschalteten, dafür kritisiert, daß er Merkel abgewatscht hat. Ja, gleichgeschaltete Medien kritisieren das, "parteilich", unabhängige hätten davon berichtet. Seine "nur" 87,2 Prozent seien der Beleg dafür, daß er dafür von seiner Partei wiederum abgewatscht wurde. Woher wollen diese Medien wissen, daß er nicht einen so hohen Prozentsatz gerade deswegen noch erreicht hat, eben weil er Merkel abgewatscht hat?
 
 

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