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Neues aus dem Rat - von Theodor Ickler

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21.07.2005
Lust am Gehorchen

»Ich werde der Norm gehorchen, weil sie die Norm ist.«
Dies habe ich noch im Ohr, Meister Schoebe hat es damals geschrieben, der später als Kronzeuge für Zabel und die Grünen auftrat und auch vom IdS aufgeboten wurde, um mir endgültig das freche Maul zu stopfen.

Kürzlich bekam ich einen handschriftlichen Brief von wohl 20 Seiten, die ich zwar nicht gelesen habe, am Ende liefe es aber darauf hinaus, ich sollte den Staatsdienst quittieren, wenn ich mich nicht imstande sehe, den Anordnungen meines Dienstherrn zu gehorchen. Dabei hatte der Absender kein anderes als dieses hausmeisterlich-denunziatorische Interesse, im Gegensatz zu jener „Kollegin“, die mich vor Jahren zu denunzieren versuchte, weil ich das von ihrem Mann herausgegebene furchtbar schlechte Wörterbuch kritisiert hatte. Und nun nehme man die vielen Journalisten, die mit perverser Lust ein Ende der Debatte fordern und die „Verläßlichkeit“ der VdS-hörigen Politiker feiern! Daß sich auch auf diesem Gebiet die Spreu vom Weizen sondert, ist ein begrüßenswerter Nebeneffekt der jüngsten Entwicklung.



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Kommentare zu »Lust am Gehorchen«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2013 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#24708

Nach einer schlichten Logik gibt es ja auch keine Steigerungsformen von Adjektiven wie endgültig, brotlos (Wahrig: Fehlerfreies und gutes Deutsch 2003:378). Man muß nicht lange suchen, um ordentliche Gegenbeispiele zu finden. ausschließlich soll nicht einmal flektierbar sein (ebd.), es ist aber flektierbar und sogar komparierbar.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 29.12.2013 um 11.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#24706

Jeder Maurer weiß, daß ein gemauerter Rundbogen in Wirklichkeit ein Vieleck ist, das umso runder wird, je mehr Steine vermauert werden, d.h. je mehr Ecken das Vieleck hat. Am rundesten ist ein aus ganz vielen Steinchen in einer runden Schalung betonierter Rundbogen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2013 um 05.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#24703

Schulbücher werden leider in der Öffentlichkeit kaum beachtet.Höchstens, daß mal auf Bildzeitungsniveau krakeelt wird, wenn jemand herausgefunden hat, daß ein Mathebuch noch in Mark statt in Euro rechnet. Unser alter Freund Schoebe hat mit vielen Deutschbüchern Geld verdient, bei denen man nicht versteht, wie sie zugelassen werden konnten. Allein die orthographischen Fehler und die krausen Vorstellungen von Grammatik hätten das verhindern müssen, ganz zu schweigen von Druckfehlern, die in Schulbüchern einfach nicht vorkommen dürfen. (Akkussativ in der "Schoebe Grammatik kompakt").
Von Adjektiven wie rund behauptet Schoebe, sie ließen aufgrund ihrer Bedeutung keinen Komparativ zu. Er glaubt wohl, rund bedeute "genau kreisförmig". Das alte Übel der "Sprachmeisterer" (Engel), die Sprache nicht so zu nehmen, wie sie ist. Natürlich gibt es zahllose Belege wie Ihr Gesicht war runder geworden. Das ist tadelloses Deutsch, aber nicht für den Herrn Oberlehrer.
Schoebe schreibt auch:
„Manchmal bedeutet der Komparativ eine Einschränkung (comparativus diminutivus). Ein älterer Herr ist jünger als ein alter Herr.“ (69)
Natürlich kann er den Schülern nicht erklären, worum es hier geht, denn er weiß es selbst nicht. Seine Erklärungen zum Artikelgebrauch sind schlicht lachhaft, wie denn die ganze, überaus "erfolgreiche" Grammatik ein Verwirrbuch und nicht aufklärend ist.
(Der Ausdruck "comparativus diminutivus" scheint sonst nirgendwo vorzukommen, anscheinend hat er ihn erfunden, um den Sachverhalt unerklärt darunter zu begraben.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2013 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#24679

Die "Schoebe Grammatik kompakt" von 1997 (Oldenbourg) bietet im Anhang eine doppelseitige Übersicht über die reformierte Getrennt- und Zusammenschreibung. Davon ist das meiste seit den Revisionen überholt und falsch. Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn man das alles so vor sich hat, eine Komödie der Wirrungen. Zweifellos hat Schoebe das Buch nachgeführt, durch alle Wendungen der ewigen Reform hindurch. Stets wird die gerade geltende "Norm" als gut und richtig dargestellt. Geld kann man aus allem machen, auch aus "Überzeugungen".
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 25.12.2011 um 11.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#19776

Laut Tagebucheintrag lautet die Selbstauskunft des Schulbuchverfassers Gerhard Schoebe, daß er selbstverständlich der "Norm" gehorche. Mir liegt ein Ratgeber mit dem Titel "Rechtschreibung" vor, erschienen 1977 bei Oldenbourg, Verfasser: Gerhard Schoebe. Ohne Inhaltsverzeichnis, Register u. ä. sind es nur 25 Seiten. Im Abschnitt Die Zwielaute (Diphthonge) schrieb Schoebe:

Ob ein Wort mit äu geschrieben wird, kann man meistens mit Hilfe der Ableitungsfrage feststellen.

Es folgen 30 Beispiele, etwa

Häute < Haut
träumen < Traum
einzäunen < Zaun

Eines der Beispiele ist

verbläuen < blau

Die Norm war damals bekanntlich verbleuen, wegen bleuen = schlagen. Schoebe muß dieses Wort bekannt gewesen sein. Man fragt sich: War sein falsches Beispiel Absicht? Sehnte er sich derart nach einer volksetymologischen Schreibung, daß ihm der Fehler durchrutschte oder daß er ihn gezielt einschleuste?
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 24.08.2005 um 11.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#913

Wolfgang Sauer, Sprachkolumnist u.a. der Nordwest-Zeitung, schreibt in der Ausgabe vom 20.8. folgendes zur Herkunft des Wortes "Fisimatenten" : "In der Etymologie von Kluge, der sturzsoliden (gemeint ist wohl grundsoliden, kr.), wird die Version "bedeutungsloser Zierrat" als die Wahre überliefert." – Fälschung und Fehler – Orthographie eines reformierten Germanistik-Professors...
 
 

Kommentar von Bernhard Eversberg, verfaßt am 24.08.2005 um 08.16 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#912

Selbstverständlich müssen alle vorliegenden Dokumente so erhalten bleiben, wie sie sind. Nur im Falle von Überarbeitungen (Neuauflagen etc.) sind irgendwelche Änderungen statthaft. Und z.B. Zitate haben exakt den vorgefundenen Wortlaut buchstabengetreu wiederzugeben. Das gehört zu den Selbstverständlichkeiten wissenschaftlicher Arbeit, alles andere ist oder grenzt an Fälschung.

Und weil das so ist, begleiten uns Altschrieb-Dokumente bis ans Ende unserer Tage, und zwar ungeahnt viele. Dieses ständige Angewiesensein auf Alt und Neu gehört zu den Dingen, die die Reformer grob unterschätzt (oder gar nicht gesehen) haben in seiner Auswirkung, und wodurch die besagte Grauzone jetzt breit ist und nicht wieder schmaler werden kann.

Nebenbei: Web-Inhalte unterscheiden sich ganz wesentlich von Print-Dokumenten, indem sie dem Kundigen jederzeit spurlose Eingriffe aller Art ermöglichen. Das öffnet ja der Geschichtsfälschung Tür und Tor? Allerdings. Falls nicht zufällig irgendwo (etwa im Google-Archiv) noch eine Kopie herumliegt, ist nichts nachweisbar.<
 
 

Kommentar von Pavel Nemec, verfaßt am 23.08.2005 um 19.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#911

Es wäre nicht zu empfehlen, frühere Versionen von technischen Vorschriften nachträglich in eine andere Rechtschreibung umzuändern, denn in Schadensfällen prüfen die Gerichte ganz genau, welche Vorschriften seinerzeit bei der Erstellung des schadhaft gewordenen Objektes gegolten haben. Der damalige Wortlaut ist für Haftungsfragen entscheidend und darf daher auf keinen Fall verändert werden. Die Verlage können auch gar nicht beurteilen, ob Rechtschreibänderungen vielleicht doch den Sinn verändern.

 
 

Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 23.08.2005 um 15.48 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#910

Im Gegensatz zur evolutionär entstandenen Schriftsprache ist das Postleitzahlensystem ein von Menschen konstruiertes, künstliches Gebilde. Insofern ist es auch wieder veränderbar, ohne daß dabei viele Probleme entstünden – die (kurze) Gewöhnungszeit ausgenommen. Wir haben das im Verlag mitgemacht, einige wirtschaftliche Nachteile erlitten, aber innert kürzester Zeit gut bewältigt. Man hat die Notwendigkeit ja auch eingesehen.

Mit der Rechtschreibreform kann die Reform des Postleitzahlensystems nicht verglichen werden, wie es gelegentlich dennoch geschieht. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Journalisten, die den Vergleich bemühen, verkennen Charakter und Dimension der Orthographiereform. Das ist kein Zeichen mangelnder Intelligenz, sondern eher eines mangelnden Interesses und niedrigen Erkenntnisstandes. Es heult sich so angenehm mit den Wölfen.

Heute ist es mehr denn je üblich, daß man sich trotz Wissenslücken ein Urteil erlaubt und dieses auch laut hinausposaunt. Allein die tägliche Praxis in Schulen, Schreibstuben, Wirtschaft, Universität, Juristerei usw. wird die Grenzen des Experiments Rechtschreibreform aufzeigen, nur anhand unverrückbarer Tatsachen werden die bislang Wundergläubigen konvertieren müssen zu Praktikern des Machbaren. Das könnte noch schmerzhaft werden. Auslöffeln müssen das, was Hybris und Unüberlegtheit eingebrockt haben, unsere Kinder. Das sind diejenigen, deren Wohl man angeblich im Auge hatte. Die Rechtschreibreform aber ist und war für sie ein wahres Danaergeschenk.

 
 

Kommentar von Bernhard Eversberg, verfaßt am 23.08.2005 um 14.35 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#908

Keine Norm hat vergleichbare Dimensionen wie die Orthographie. Drastisch unterschätzt (vermutlich aber kaum bedacht) worden ist,
1. welche Mengen von Dokumenten vorliegen und auf absehbare Zeit wichtig bleiben und wie wenige davon in vertretbarer Zeit überarbeitet werden können;
2. in wieviele Bereiche die Norm hineinreicht: Deutschsprachige Texte sind ja schlechthin überall zu finden, wo irgendetwas aufgezeichnet wurde, um später genutzt werden zu können;
3. wieviele Menschen in wievielen Zusammenhängen deshalb pausenlos konfrontiert werden mit Textmaterial verschiedenster Art, und alles ist inzwischen verunreinigt;
4. wieviel Irritation deshalb permanent und auf Dauer angerichtet wird, denn es gibt kein Entkommen.

Es geht ja nicht nur um Literatur und Verbrauchstexte. Kaum einer ahnt, welche Massen von Gesetzestexten und -kommentaren, DIN-Normen, Dokumentationen, Amtsdrucksachen usw. usf. es gibt.

Anders gesagt: Die Grauzone zwischen richtig und falsch war schmal, jetzt ist sie unangenehm breit und wird breiter und wird es lange bleiben. Schon weil es ja nicht DIE neue Norm gibt, sondern deren etliche (darunter die ZEITschreibung).
Das alles wurde nicht vorhergesehen noch gar wurden die möglichen Folgen diskutiert.

Wir haben allerhand Umstellungen erlebt und überstanden: Postleitzahlen, Telefonvorwahlen, die Währung: alles halb so schlimm und nach einiger Zeit rückstandsarm überwunden. Andere Dimensionen eben...

 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 23.08.2005 um 12.58 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=190#907

Diese Lust überfiel kürzlich auch Herrn Jochen Bittner, der seit 2001 bei der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift "Die Zeit" angestellt ist. Er schreibt: "Doch Paul Kirchhof hat ganz Recht: [...]", und weiter unten: "Ganz zu Recht weist die Welt darauf hin, [...]". Hier zeigen sich erneut die Vorteile der neuen Zimmerschreibe im Vergleich zur veralteten Rechtschreibung – kaum erlernbare Wortungetüme wie "das Ganzrecht" sind abgeschafft.

 
 

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