zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


18.08.2013
 

Ist die Rechtschreibreform links?
Fast vergessene Frage

Warum gilt die Reform überhaupt als fortschrittlich?

Natürlich hat das Wort Reform seinen eigenen Reiz, das Reformieren bedarf gewissermaßen keiner Rechtfertigung. Darüber hinaus galt aber der Plan einer Rechtschreibreform – "Vereinfachung" für Kinder und Wenigschreiber – von Anfang an als linkes Projekt, und die GEW zum Beispiel hat mit ihrem Frankfurter Kongreß von 1973 den Ton angestimmt, der die weitere Diskussion bestimmte. Man denke auch an die gleichzeitigen hessischen "Rahmenrichtlinien". Auf der Gegenseite standen so sinistre Kräfte wie der Bund Freiheit der Wissenschaft und die FAZ.

Dieses Image konnten die Reformer auch gegen die Evidenz ihrer doch teilweise arg rückwärtsgewandten Neuregelung erstaunlich lange behaupten. Wie ich gerade sehe, hat Wolfgang Fritz Haug, der mal ein ziemlich bekannter linker Publizist war, alte Aufsätze aus seiner Zeitschrift "Das Argument" in Reformschreibung umgearbeitet, bevor er sie ins Netz stellte. Er hält sich wahrscheinlich für einen kritischen Kopf. Auch die überwiegend linken Studentenzeitschriften gehörten zu den ersten, die mitmachten. Das ist wirklich kurios, wie hier die Unterwerfung unter die Kultusminister als Kampf gegen die Herrschenden stilisiert und erlebt wird.

Wenn ich noch im Dienst wäre, würde ich das mal durch eine Dissertation aufarbeiten lassen.



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Ist die Rechtschreibreform links?«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2014 um 13.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#25809

Man muß weit zurückgehen. Zufällig finde ich beim Aufräumen ein Flugblatt der Fachschaft Germanistik an der Universität Marburg vom Februar 1972. Kostprobe:

„Für die Gesamtschule als richtungsweisendes Modell ist geplant, daß bei einer durchschnittlichen Zahl von 120 Deutschstunden im Jahr etwa 90 Stunden auf die sprachliche Bildung, 30 auf die literarische Ausbildung entfallen. Diese Wandlung des Deutschunterrichts vom Schwerpunkt Literaturunterricht zum Schwerpunkt Sprachunterricht ist nicht zu verstehen ohne den Rahmen der allgemeinen Bildungsreform in der BRD, welche ihre Ursachen in Veränderungen im Produktionsprozeß findet. Sie ist letztlich als Antwort auf veränderte Anforderungen an die Qualifikationsstruktur der Ware Arbeitskraft zu begreifen. Da anfänglich das Wachstum der deutschen Wirtschaft und damit die Profitmaximierung des Monopolkapitals gewährleistet waren durch die spezifischen Ausgangsbedingungen der BRD – extensive Reproduktion, schon vorhandenes Angebot an qualifizierten Arbeitskräften und Zuwanderung von Arbeitskräften aus der DDR – waren die Investitionen im Ausbildungssektor gering.“

Usw. im schönsten Jargon der marxistischen Gruppen, die alles, was geschieht, „letztlich“ („in letzter Instanz“, nicht wahr?) auf „Produktionverhältnisse“ und „Profitmaximierung“ zurückführten. Irgendwie wird's schon stimmen, auch wenn man die Dinge keineswegs so durchschaute, wie der Gestus der Allwissenheit suggeriert. An der (ehem.) Philosophischen Fakultät der Uni Marburg gab es damals nur wenige Nischen, in denen man vor den vulgären roten Gruppen einigermaßen sicher war. Am besten schützten exotische Sprachen. Altphilologie, Indogermanistik, Orientalistik blieben ziemlich verschont. Niemand wäre auf die Idee gekommen, ein Awesta-Seminar mit zwei Teilnehmern zu sprengen.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 07.10.2013 um 08.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#24190

In diesem Forum liebt man die Schriftsprache im Anzug mit Krawatte, Links findet sie in geflickten Jeans besser.

Ich halte das für keine zutreffende Beschreibung. "Schriftsprache im Anzug mit Krawatte" ist für mich gepflegte Typographie. Was den orthographischen Anteil angeht, so geht es um Angemessenheit und Unauffälligkeit. Ich habe selbst eine geflickte Jeanshose, allerdings nur für Gartenarbeit u.ä. Dafür ist sie durchaus angemessen. Auch ansonsten trage ich gerne Jeans, aber nur, wenn es nicht unangenehm auffällt. Anläßlich Hochzeiten oder Beerdigungen würde ich einen Anzug mit Krawatte bevorzugen, vorausgesetzt, er ist nicht wie vor hundert Jahren geschnitten. Die "linken" Reformer haben der Orthographie ein uraltes Schnittmuster verordnet und dabei das altmodische Korsett (das gab es auch für Männer) nicht vergessen. Wenn manche, die sich eher im linken politischen Lager einordnen, den rückwärtsgewandten Paragraphendschungel für fortschrittlich halten, liegt es daran, daß sie Anzug und Korsett zwar tragen, aber sich niemals im Spiegel betrachtet haben.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 07.10.2013 um 02.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#24186

Kursiv die Antwort auf meine Anfrage beim Berufsverband der Städtebaumeister, ob Veröffentlichungen vorliegen, die sich der sich ändernden Nutzung der städtischen Parkanlagen widmen. Waren diese Flächen noch vor wenigen Jahren der Naherholung gewidmet, so wird man heute allzuoft Zeuge verzweifelter Kämpfe gegen den mächtigen Inneren Schweinehund, der sich hechelnd und stöhnend verteidigt. Auch ist es eine neue Erscheinung, daß beschilderte Fahrradrouten ins Erholungsgrün hineinleiten, wo Radfahrer vordem höchstens geduldet waren.

Sehr geehrter Herr ,
eine konkrete Quellenangabe hierzu kann ich Ihnen nicht nennen. Allerdings würde ich auch diesen Vorgang nicht als Umwidmung, sondern als sinnvollen und zeitgemäßen Gebrauch nennen. Denn sportliche Aktivitäten in Parks sind immer schon dagewesen und beabsichtigt. dass die Form der Sportausübung sich ändert ist klar und dass man ggf. sogar überörtliche radwegenetzt durch Parks legt, halte ich eher für sinnvoll aus Sicht zumindest der Radfahrer. im Berliner Tiergarten ist das Radfahren auf breiten Wegen immer schon erlaubt.
Mit besten Wünschen


Ich glaube, das ist links an der Rechtschreibreform. Mal aufwändig, mal mit e, mal rauh, mal ohne h. Es kommt nicht mehr so drauf an. Man muß nicht in allen Stücken so akkurat sein. In diesem Forum liebt man die Schriftsprache im Anzug mit Krawatte, Links findet sie in geflickten Jeans besser. Hauptsache, die message kommt rüber!
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 29.08.2013 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23956

Zur Verwendung von "leugnen": Ein etwas skurriles Beispiel bietet www.eike-klima-energie.eu. Die ganze bemühte Empörtheit des Beitrags fußt auf der unterstellten pejorativen Bedeutung des Wortes. (Inhaltlich muß man zu dem Stuß nichts weiter sagen, er ist wirklich nur sprachwissenschaftlich interessant.)

Zur Verwendung marxistischer Begrifflichkeiten: Die Debatte um regionale Herkünfte erscheint mir recht bizarr. Wenn man sich mit der Kantschen Philosophie auskennt und ihre Begriffe verwendet, ist man dann Ostpreuße? Gar im Verdacht, mit der "Ostpreußischen Landsmannschaft" des BdV zu sympathisieren? Immerhin waren Marx und Engels (wie auch ihr Freund Heine) Rheinländer und hatten ihren Wirkungsschwerpunkt am Rhein (soweit sie in Deutschland wirken konnten: Neue Rheinische Zeitung, Badischer Aufstand, ...).
Aber nochmal (zum letzten Mal) ganz langsam und ruhig: Herr Mahlmann stellte die These auf, daß die NS-Volksgemeinschaft und die marxistische klassenlose Gesellschaft wesensgleich seien. Zur Prüfung dieser These muß man die Begriffe anwenden, wie sie von den jeweiligen Protagonisten verstanden werden und schauen, ob damit äquivalente Gesellschaftsformationen bezeichnet werden. "Klassenlose Gesellschaft" bezeichnet nun eben eine Gesellschaft, in der das Privateigentum an Produktionsmitteln abgeschafft ist, weil diese vergesellschaftet sind (da die Verfügungsgewalt über Produktionsmittel als entscheidendes Klassenmerkmal angesehen wird).
Die NS-Begriffe sind theoretisch weniger scharf ausgearbeitet (um es vorsichtig zu sagen, man mag auch darin einen markanten Unterschied sehen), aber wir können wohl annehmen, daß nach Ansicht der Herrschenden die Volksgemeinschaft im NS-Staat mehr oder weniger verwirklicht war. Wir sind uns einig, daß es dabei, abgesehen von den "Arisierungen", der DAF (die das Gewerkschaftsvermögen übernahm, nicht aber das der Aktiengesellschaften) und dem wuchernden Wirtschaftsimperium SS, keine größeren, vor allem keine prinzipiellen Änderungen der Eigentumsverhätnisse gab. Das Privateigentum an Produktionsmitteln und die Gewinnabschöpfung aus deren Gebrauch blieb für nichtjüdische Eigentümer mit Ausnahme einiger willkürlicher Eingriffe (Korruption, Staatsräson, ...) gewährleistet. (Und es gab auch keine aufgeschobenen Pläne, dies abzuschaffen, vergleichbar der NÖP in Sowjetrußland.)
Die Volksgemeinschaft war also in einer Klassengesellschaft verwirklicht. Die Volksgemeinschaft der NS-Terminologie und die klassenlose Gesellschaft marxistischer Begrifflichkeit sind damit unterschiedliche Konzepte. q.e.d.

Eine Anmerkung hat Haffner noch verdient: Ich habe ihn angeführt wegen seines angenehmen Tons (der ja die Musik macht) im Gegensatz zum schrillen Gekreische Alys, nicht um irgendwelche inhaltlichen Unterschiede zwischen beiden ins Feld zu führen. Haffner ist ein hervorragender und anregender Essayist, aber ich werde hier keine Debatte anfangen, wie und wo er dennoch Unsinn erzählt, weil er nicht aus seiner aristokratisch-preußischen Haut kann. Und jetzt weiter mit Sprachforschung!

P.S.: Natürlich hat Hitler etliches von den Sozialisten geklaut, die ganze Organisation einer Massenpartei bis hin zur roten Fahne und den Schalmeienchören, das ist ja völlig unstrittig und wurde von ihm auch unumwunden zugegeben (nachzulesen in "Mein Kampf"). Darin bestand doch gerade seine Attraktivität für die in der Novemberrevolution abgehalfterte Herrenreiterriege und ihre Mischpoche samt den Schlotbaronen, die ihrem Wesen nach unfähig waren, Massen anzusprechen und zu organisieren und daher dringend eines Bauernfängers bedurften. (Ganz ohne einige soziale Bonbönchen ging das freilich nicht.) Natürlich war die NS-Herrschaft auch ein Modernisierungsschub für die völlig verkrustete Gesellschaft, von dem dann manches in der Adenauer-Ära bequem rückgängig gemacht werden konnte, wie etwa das Zerrüttungsprinzip bei der Ehescheidung, das noch einmal für dreißig Jahre dem unseligen Schuldprinzip weichen mußte, ... – ach, genug!
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 28.08.2013 um 16.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23952

Es mag sein, daß "Klassenkampf" usw. in der DDR vielzitierte Begriffe waren. Geläufig waren sie aber auch in der Bundesrepublik, und älter als die DDR sind sie ohnehin.
Und wenn ich mich einer DDR-Vokabel bediene: na und? Steht mir das als Westbürger nicht zu? Ändert das etwas an der Aussage meiner Beiträge?

Gerade Haffner hat nicht von "vermeintlich" linken Eigenschaften der NS-Herrschaft gesprochen, sondern von tatsächlichen. Und er hat Nazis und Kommunisten zeit der Weimarer Republik nicht als Opponenten, sondern als Konkurrenten gesehen (und den deutschen Nationalsozialismus scharf vom südeuropäischen Faschismus gesondert).
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 27.08.2013 um 19.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23948

"Kant leugnete die objektive Existenz der Dinge an sich" – kleine Korrektur (ist sicher nur ein Flüchtigkeitsfehler und hier natürlich auch nebensächlich): Kant bestreitet nicht die Existenz des Dings an sich, es ist nur nicht erkennbar. Wir können immer nur über unsere Wahrnehmung der Dinge reden, gesehen durch unsere Brille und geformt in unserer Denkweise. Demgegenüber vertritt der Marxismus-Leninismus (vor allem wohl Lenin) den realistischen Standpunkt (ganz wertneutraler Terminus technicus zu res = Ding, Sache), daß wir mit unserer Wahrnehmung etwas über die objektive Realität in Erfahrung bringen können.
Nebenbei: Ich kenne Götz Aly noch persönlich aus alten Tagen. Heute hat er tatsächlich die unangenehme Übertreibungswut des Renegaten ("Verbrenne, was du angebetet hast, bete an, was du verbrannt hast!"). Sehr viel angenehmer ist etwa Sebastian Haffner mit seinen nachdenklichen "Anmerkungen zu Hitler", wo er auch über vermeintlich "linke" Eigenheiten des nationalsozialistischen Herrschaftssystems spricht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.08.2013 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23946

Lieber Herr Mahlmann,
sicher haben Sie diese Begriffe im Zusammenhang mit dem NS gebraucht, aber nicht, um die Sprache des NS zu kommentieren, sondern Sie haben sie benutzt, um aus heutiger Sicht und mit Ihren eigenen Worten den NS zu charakterisieren. Sie sagen z.B.: "Daß die Volksgemeinschaft die klassenlose Gesellschaft bedeutete, ist nicht zu leugnen." Sie meinen also, nach Ihrer Geschichtsauffassung und nach Ihrem Weltbild handelte es sich damals um eine klassenlose Gesellschaft. Sie bedienen sich also durchaus selbst marxscher Begriffe bzw. einer Terminologie, die für die DDR typisch war.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 27.08.2013 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23945

Ich habe die von Ihnen, Herr Riemer, genannten Begriffe im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus gebraucht. Wenn Sie das an "DDR-Vokabular" erinnert, mag das eine Bedeutung haben.
Wieweit HJ/BdM und FDJ Ähnlichkeiten zueinander aufweisen, können Sie ebenfalls fragen.

Ich habe meine Beiträge auf Ihren Hinweis hin noch einmal gelesen und kann nicht erkennen, was daran auf eine DDR-Sozialisation hindeutet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.08.2013 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23942

Das Taschenbuch

Drewitz, Ingeborg/Reuter, Ernst (Hg.): vernünftiger schreiben. reform der rechtschreibung. Frankfurt 1974

ist immer noch antiquarisch für wenig Geld erhältlich (ZVAB), und jeder sollte es lesen, nicht nur wegen der dort ins Auge gefaßten Rechtschreibreform, sondern weil es kaum ein aufschlußreicheres Dokument der 70er Jahre gibt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.08.2013 um 22.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23941

Mein erster Kontakt mit dem Wort "leugnen" muß dieser gewesen sein:
"Wahrlich ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. ...
Und er leugnete abermals und schwur dazu: Ich kenne den Menschen nicht." (Matthäus 26)

Später kam die kommunistische Propaganda mit ihrem, wahrscheinlich sogar absichtlich stets im gleichen Sinne gebrauchten "leugnen" dazu: Kant leugnete die objektive Existenz der Dinge an sich; Leugnung des Klassenkampfes usw., das konnte ich damals einfach nicht mehr hören.

Inzwischen geht's halbwegs, deshalb muß ich doch mal fragen, lieber Herr Mahlmann, Sie reden hier so von klassenloser Gesellschaft, Klassenschranken, ... –- ist das nicht marxsches bzw. DDR-Vokabular in Reinkultur?
Sie fragen: "Ich weiß nicht, ob Sie in der DDR aufgewachsen sind, Herr Strowitzki, Ihre Rede legt das nahe." Ihre Rede nicht, Herr Mahlmann?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2013 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23939

leugnen gebrauche ich im Sinne von "abstreiten", aber ich habe schon mehrmals die Erfahrung machen müssen, daß ein Teil meiner Zeitgenossen zusätzlich "wider besseres Wissen" versteht, also "lügenhaft", und damit einen Vorwurf verbindet. Das ist auch so eine von den Zweideutigkeiten unserer Sprache.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 25.08.2013 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23937

Tja, Herr Riemer, ich bin im Westen aufgewachsen, und da heißt "leugnen", etwas in Bausch und Bogen abzustreiten, ohne auf die Argumente des anderen einzugehen. Der Hinweis darauf, daß jemand etwas leugne, ist die Empörung darüber.

Klar muß Götz Ahly Folklore verbreiten; er ist ja einer der Verräter, ein Linker, der die linke Unschuld in Frage stellt.
Mache sich jeder selbst ein Bild von damals. Manchem wird dabei ein populärwissenschaftliches Buch genügen, ein anderer treibt umfangreichere Studien.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.08.2013 um 23.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23932

In der DDR hieß es immer, Marx, Engels und Lenin zeigten dies und bewiesen das, alle anderen Philosophen und Ökonomen haben grundsätzlich nur "geleugnet".

Für mich ist das Wort "leugnen" dadurch zum Tabu geworden, ich würde es niemals gebrauchen.

In der DDR habe ich soviel gelernt, daß derjenige, der behauptet, jemand "leugne" etwas, sich nicht die Mühe macht, sich mit dessen Argumenten überhaupt zu befassen. Na gut, den Kommunismus gibt's nicht mehr, vielleicht tue ich damit jetzt manchem unrecht. Das steckt halt so in einem drin.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 23.08.2013 um 21.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23931

"Daß die Volksgemeinschaft die klassenlose Gesellschaft bedeutete, ist nicht zu leugnen." – Lieber Herr Mahlmann, Sie verwechseln Klassengesellschaft mit Ständegesellschaft. Machen Sie sich mal über elementare Begriffe kundig! Ansonsten verbreiten Sie kräftig Götz-Aly-Folklore. Aber sei's drum! Nur noch zwei Zitate durchaus bürgerlicher Autoren:
Wulf Schwarzwäller, der sich bemüht, Licht in das undurchsichtige Finanzgebaren Hitlers zu bringen, schreibt: "Die Ideologie des Nazismus beruht nicht auf einer kühlen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Analyse wie der Marxismus. Er ist geprägt von mystischen und okkultistischen Schreibern wie Madame Blavatsky, Houston Stewart Chamberlain, Guido von List, Lanz von Liebenfels und Theodor Fritsch." [Hitlers Geld, Wien: Ueberreuter 1998, S. 74]
Helmut Heiber nimmt alle fünf Ansprüche des Namens "NSDAP" auseinander: "(...) Den Anspruch, sozialistisch zu sein, quittierten zumindest die marxistischen Sozialisten mit Gelächter; und war auch so manche "antikapitalistische Sehnsucht" vor allem in Hitlers alter Anhängerschaft virulent, so hat sich seine Partei unter dem nicht nur moralischen Zuspruch der Kapitalisten im Laufe der Jahre denn ja auch ganz schön kapitalistisch gemausert. (...) Arbeiter viertens haben allenfalls in den vorhitlerschen Monaten von 1919 eine zentrale soziologische Komponente der Partei gebildet, stammt die Gründergilde doch aus den Münchner Reichsbahn-Hauptwerkstätten. Die eigentliche NSDAP indes ist zu jeder Zeit in erster Linie eine Partei der Kleinbürger und Angestellten, der Arbeitslosen und sonst irgendwie Entwurzelten gewesen. Ihren riesigen Aufschwung hat sie dann als das große Sammelbecken all der von Krieg, Inflation und Wirtschaftkrise aus der Bahn geworfenen, depossedierten oder in ihrer wirtschaftlichen Existenz bzw. in ihrem gesellschaftlichen Prestige bedrohten Schichten genommen." [Die Republik von Weimar, München: dtv, 1966 (12. Auflage 1979), Seite 129f.]
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.08.2013 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23930

Zur Frage der Haltung der deutschen Industrie zur NSDAP sind die Arbeiten Henry A. Turners entscheidend. Es sei vielleicht noch daran erinnert, daß die Gründung von Kombinaten wie der Reichswerke Hermann Göring eine exakte Kopie entsprechender Initiativen der Sowjetunion darstellte. Das zugrundeliegende Autarkiedenken war ebenfalls gleichartig – antiliberal eben.

Die politische Ausrichtung des IdS? Die bundesdeutschen Geisteswissenschaften mit Ausnahme von Teilen der »Historikerzunft« einerseits und vereinzelten (euro)kommunistischen Elementen waren doch über Jahrzehnte großenteils verwaschen sozialdemokratisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2013 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23929

Wir werden's nicht ergründen. Tut mir leid, daß ich eine solche Debatte losgetreten habe, ich wollte eigentlich nur an die Frage erinnern, warum die komische Rechtschreibreform von 1996 immer noch mit den Begründungen des GEW-Kongresses und im Ton der "emanzipatorischen" Pädagogik der Rahmenrichtlichen beworben werden konnte.

Die politische Ausrichtung des Instituts für deutsche Sprache könnte uns wohl nur ein Insider genauer darlegen.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 23.08.2013 um 01.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23928

Hitler sagte einst: "Warum soll ich die Betriebe sozialisieren, wenn ich die Menschen sozialisiert habe?"
Daß die Volksgemeinschaft die klassenlose Gesellschaft bedeutete, ist nicht zu leugnen. "Der Arbeiter arbeitet, und der Kapitalist kassiert!" ist DDR-Folklore. Natürlich waren nur Arier Teil der Volksgemeinschaft; wer jedoch Teil davon war, dem standen alle Türen offen, es gab keine Klassenschranken wie im Kaiserreich mehr.
Die Eigentumsverhältnisse wurden von den Nazis nicht durch Enteignung der Betriebe verändert, das stimmt. Es wurde jedoch kräftig von oben nach unten verteilt. Ehegattensplitting und Familienförderung, Pfändungsfreibeträge, Mieterschutz (sogar ein Verbot von Mieterhöhungen), steuerfreie Nacht- und Feiertagszuschläge, Urlaubsgeld, bezahlter Erholungsurlaub usw. usf. – alles Sozialpolitik des NS-Staats. Die kriegsfinanzierenden Steuererhöhungen waren eine Verdoppelung der Körperschaftssteuer, eine Hausbesitzersonderabgabe über das Zehnfache der Grundsteuer und dergleichen, und als alle Einkommen zusätzlich besteuert wurden, betraf das wegen der Freibeträge nur die obersten vier Prozent.
Die Adolf-Hitler-Schulen und die Napola wurden errichtet, "damit auch der ärmste Junge zu jeder Stellung emporsteigen kann, falls er die Voraussetzungen dazu in sich hat", wie es Hitler einmal formuliert hat.
Mißverstehen Sie das nicht als Mohrenwäsche Hitlers. Es ist ein Hinweis auf historische Fakten. Dazu gehört eben nicht nur der Massenmord im Holocaust.

Das raffende Kapital war in der NS-Lesart das ausbeuterische kapitalistische, das in der Tat jüdisch gesteuert war – aber der Kapitalismus war eben das Vehikel. Das schaffende Kapital war der ehrbare kleine Kaufmann mit dem Familienbetrieb vorindustrieller Prägung, der den Arbeiter nicht ausbeutete, aber von bösen Juden bedrängt wurde. Das ist antisemitischer Sozialismus.

Ich weiß nicht, ob Sie in der DDR aufgewachsen sind, Herr Strowitzki, Ihre Rede legt das nahe. Gehen Sie in die Bibliotheken und lesen Sie. Literatur ist reichlich vorhanden.
Daß ein Sprachforum nicht der Ort für geschichtswissenschaftliche Debatten ist, stimmt natürlich; lassen wir es dabei.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 22.08.2013 um 20.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23927

Ach ja, die alte Geschichte von rinks und lechts, rot gleich braun, und Feuer und Wasser sind doch keine Gegensätze. Lieber Herr Mahlmann, ich kann Ihnen versichern, daß der Reichsverband der Deutschen Industrie von solchen Anwandlungen völlig unbeleckt war. Die wußten schon, wer ihnen an die Wäsche wollte und wären daher auch nie auf die Idee gekommen, z.B. einen "Thälmann-Fonds" einzurichten, mit unbegrenzten Geldmengen zur persönlichen und verwendungsnachweisfreien Verfügung für "Teddy". Auch davon, daß Bankiers wie Herr v. Schröder die Einbeziehung der KPD in die Regierung gefordert und zu diesem Zwecke dem Reichspräsidenten auf den Füßen gestanden und Geheimtreffen mit dem Polbüro organisiert hätten, ist nichts bekannt. Die ganze, von interessierter Seite immer wieder vorgetragene Exkulpationsstrategie beruht einzig auf der Tatsache, daß die Geldgeber anfangs etwas zögerlich waren, sich mit diesen Nazi-Rabauken einzulassen und lieber auf das deutschnationale Pferd setzten, das einen besseren Stallgeruch hatte. Da mußte der respektablere Göring auf Spendensammeltour gehen. Aber die Geschichte beginnt eigentlich schon viel früher, 1919/20, als der Reichswehrhauptmann Röhm für die Finanzierung des V-Mannes Hitler sorgte. (Ähnlichkeiten mit heutigen Praktiken des Thüringer Verfassungschutzes sind natürlich rein zufällig.) Übrigens reagierte Hitler auf Fragen, wie er eigentlich seinen ziemlich üppigen Lebensstil finanzierte, äußerst ungehalten. Seine stets schicksten und modernsten Daimler-Karossen mit Kompressor-Motor, die er fuhr, wurden ihm jedenfalls kostenlos – oder der Form halber zu einem symbolischen Preis – vom Hersteller zur Verfügung gestellt; das lief über den Werbeetat (und wurde auch lautstark vermarktet).

"Raffendes und schaffendes Kapital" – was wollen Sie damit sagen? Zur Erinnerung: das war als Gegensatz gemeint: "raffendes" Kapital = jüdisch = böse, "schaffendes" Kapital = arisch = gut. Wollen Sie das Kapitalismuskritik nennen? Und wenn Sie darin keinen Unterschied sehen zu der Analyse, daß der Kapitalismus geprägt ist vom Grundwiderspruch zwischen gemeinschaftlicher Produktion und privater Aneignung und daß die Aufhebung dieses Widerspruchs – der schließlich zum Hemmnis für die weitere Entwickung der Produktivkräfte wird! – darin besteht, das Privateigentum an Produktionsmitteln zu beseitigen (und nicht etwa weltvergessen zu privat-individualistischer Produktionsweise zurückzukehren!), dann kann ich Ihnen auch nicht helfen.
Ja, die Volksgemeinschaft (von "klassenlos" war nie die Rede")! – Die bestand darin, daß Arbeiter und Kapitalisten in der DAF zusammengeschlossen wurden. Aber jeder bleibe in seinem Stande! Der Arbeiter arbeitet, und der Kapitalist kassiert. Von einer Änderung der Eigentumsverhältnisse, sprich Enteignung der Fabrikanten, war weder programmatisch noch praktisch die Rede (sofern die Fabriken nicht in jüdischem Besitz waren).
Zu Goebbels nur so viel: Nicht jeder ressentimentgeladene Kleinbürger, der sich aus taktischen Gründen (es ging darum, das "rote" Berlin zu erobern!) antikapitalistischer Phraseologie bedient, wird dadurch zum Sozialisten.
Man könnte noch viel sagen, etwa zum Antisemitismus als "Sozialismus der dummen Kerls", aber wir wollen hier doch lieber über Sprachforschung reden.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 21.08.2013 um 20.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23926

Herr Strowitzki, wärmen Sie bitte nicht den altlinken Sermon auf, daß Sozialismus und Nationalsozialismus einander das genaue Gegenteil sind oder waren, und die DDR-Geschichtsschreibung, wonach die Großindustrie Hitler nach oben gebracht habe, ist schon längst widerlegt.
Geschichtsvergessenheit und ideologische Scheuklappen beweist, wer nichts von der weltanschaulichen Begründung für die Volksgemeinschaft weiß, wer die klassenlose NS-Gesellschaft leugnet, wer nicht weiß, woher Hitler seine Ideologie zusammengesucht hat (und warum er die "Bewegung" nationalsozialistisch genannt hat), wer nichts von der Bedeutung des Arbeiters im NS-Gedanken weiß usw.
Machen Sie sich bitte mit Schriften von Mussolini, der sich zeitlebens »Sozialist« genannt hat, und Joseph Goebbels vertraut, der – wie auch andere – gegen das Großkapital und die Unterdrückung des Menschen durch die kapitalistische Industrie angeschrieben hat. Der Begriff vom »raffenden und schaffenden Kapital« gehört fest zur NS-Folklore. Ich könnte auch noch die weltvergessenen Wandervögel anführen, der Leute wie Speer entstammten.

Sie haben zwar recht, daß die SPD gut 130 Jahre ihrer Geschichte sehr fortschrittshoffend war und auch das kapitalistische System schon weit vor dem Godesberger Programm anerkannt und verteidigt hat; genau das hat die "Linke" aber eben auch als Verrat empfunden – und nicht nur das wahrhaftig zu kritisierende Verhalten bei der Revolution 1919.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 21.08.2013 um 18.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23925

Dem Marxismus wurde schon von jeher chiliastisches Denken vorgeworfen (so man das als einen Vorwurf versteht). Aber all das führt ja von der eigentlichen Frage ab. Immerhin sind es die sich als ausgesprochen links verstehenden Publikationen junge Welt, konkret und Titanic, die sich konsequent der Reformschreibung verweigern (auch wenn die jw immer wieder von ihren Autoren Texte in Dummschreibung untergejubelt bekommt).

"...Unterwerfung unter die Kultusminister..." – Wahrscheinlich ist diesen Herr- und Damschaften gar nicht klar, daß die Rechtsgrundlage der Reform nur ein Beschluß der KMK ist (die für die Hochschulen nicht einmal zuständig ist!). Andrea Nahles hält das ja auch für ein Gesetz.
Und die GEW hat sich möglicherweise so in ihr Lieblingsprojekt vernarrt und verrannt, daß es ganz egal ist, was da unter der Flagge "Rechtschreibreform" dahergesegelt kommt. Irgendwas davon verstehen tun sie sowieso nicht (nebenbei auch eine Bankrotterklärung des bisherigen Rechtschreibunterrichts).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2013 um 03.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23919

Zu diesen ganz großen Fragen der Geschichte kann ich nichts sagen, möchte aber meinen Eindruck äußern, daß der Technikfetischismus der Sozialisten oft wie eine Technikträumerei wirkt und dann von einem Paradies- oder Schlaraffentraum nicht mehr zu unterscheiden ist. Eine wirkliche Technik- und Wissenschaftsbegeisterung sieht anders aus und endet nicht in Stalinschen und Maoschen Desastern ("Großer Sprung"). Heute machen es sich viele auch bequem mit dem Hinweis auf einen technischen Fortschritt, zu dem sie selbst wenig beitragen, denn der Strom kommt ja aus der Leitung.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 20.08.2013 um 15.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23917

Ich weiß nicht, welche "Linken" Sie im Sinn haben, Herr Mahlman, aber die klassisch-orthodoxe Linke zeichnete sich immer durch ausgesprochenen Technikfetischismus und Zukunftsgläubigkeit aus (aus dunklem Vergangnen leuchtet strahlend die Zukunft hervor, Sozialismus ist gleich Sowjetmacht plus Elektrifizierung usw.). Auch heute behaupten viele, die DDR mußte scheitern, weil sie kein Internet hatte. Sozialismus ohne Internet geht eben nicht. (Die DKP versuchte sich immer am Spagat, sowjetische Atomkraftwerke für gut zu halten und nur westlich-kapitalistische für böse.) Rückwärtsgewandte Schwärmerei für das vermeintlich einfache Bauerndasein der vortechnischen Welt war immer was für reaktionäre Rechte (und unpolitisch-eskapistische Fantasyliteratur).
In diesem Zusammenhang NSDAP und KPD der zwanziger Jahre in einem Atemzug zu nennen, zeugt von einiger Geschichtsvergessenheit (wenn nicht von ideologischen Scheuklappen). Die NSDAP wurde nach oben gebracht durch die Abstiegsängste des Kleinbürgertums und die Finanzspritzen des Großkapitals. Von beidem konnte bei der KPD nicht die Rede sein. Die im Vergleich zur NSDAP immer bescheidenen Erfolge der KPD (kaum halb so viele Stimmen und natürlich keine Förderer im Staatsapparat und der Justiz!) hatten ihren Grund in der ganz konkreten Lebenssituation der Arbeiter und vor allem der Arbeitslosen und nicht zu vergessen im Verrat der SPD an der Revolution (wenn etwa ein sozialdemokratischer Polizeipräsident eine Arbeiterdemonstration zum 1. Mai niederkartätschen läßt).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.08.2013 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23911

Ja, Herr Mahlmann, da haben Sie recht, ich dürfte schon noch, aber ich habe mich entschlossen, als Pensionär etwas anderes zu tun.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.08.2013 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23910

Ich glaube mich zu erinnern, daß Linke die bisherige Rechtschreibung als "Herrschaftswissen" beschimpft haben, welches für weniger gebildete Leute unzugänglich gewesen sei. Es wäre wert zu untersuchen, ob die reformierte Rechtschreibung keines mehr ist und die weniger gebildeten Leute jetzt weniger Fehler machen. Ich glaube, das Ergebnis wäre sehr peinlich, und deswegen wird eine offizielle Untersuchung lieber unterlassen.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 18.08.2013 um 14.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#23909

Es ist auch zu fragen, ob die Verbindung "links" und "fortschrittlich" so zwingend ist. Schließlich träumen die Linken von einer "natürlichen Urgesellschaft", in der alle ihren natürlichen Platz haben ohne durch die Zivilisation eingebrachte Herrschaft und Hierarchie. Die Technikfeindlichkeit kommt hinzu.
Diese Weltabgewandtheit und die daraus resultierende Zukunftsskepsis haben in den zwanziger Jahren auch KPD und NSDAP nach oben gebracht.

Das Umschwenken der Studenten auf die Reform halte ich für studentische Kindsköpfigkeit bei fester Überzeugung, die allumfassende einzige Wahrheit erkannt zu haben.

Sind Sie nicht ein "Professor alter Ordnung", Herr Ickler? Die sind meines Wissens im Ruhestand entpflichtet, aber nicht entrechtet, so daß doch eine Dissertation bei Ihnen noch immer möglich ist. Verbessern Sie mich, wenn ich Unsinn rede.
 
 

nach oben


Ihr Kommentar: Sie können diesen Beitrag kommentieren. Füllen Sie dazu die mit * versehenen Felder aus und klicken Sie auf „Kommentar eintragen“.

Sie können in Ihrem Kommentar fett und/oder kursiv schreiben: [b]Kommentar[/b] ergibt Kommentar, [i]Kommentar[/i] ergibt Kommentar. Mit der Eingabetaste („Enter“) erzwingen Sie einen Zeilenumbruch. Ein doppelter Bindestrich (- -) wird in einen Gedankenstrich (–), ein doppeltes Komma (,,) bzw. ein doppelter Akut (´´) werden in typographische Anführungszeichen („ bzw. “) umgewandelt, ferner werden >> bzw. << durch die entsprechenden französischen Anführungszeichen » bzw. « ersetzt.

Bitte beziehen Sie sich nach Möglichkeit auf die Ausgangsmeldung.
Für sonstige Diskussionen steht Ihnen unser Diskussionsforum zur Verfügung.
* Ihr Name:
E-Mail:
(Wenn Sie eine E-Mail-Adresse angeben, wird diese angezeigt, damit andere mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.)
* Kommentar:
* Spamschutz:   Hier bitte die Zahl einhundertvierundfünfzig (in Ziffern) eintragen.
 


Zurück zur vorherigen Seite | zur Tagebuchübersicht


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM