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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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09.08.2012
 

Fremdwort als Fremdkörper
Eine stilistische Betrachtung

Sie genoss fraktionsübergreifend hohe Reputation, die auch in ihrer Wahl zur Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages zum Ausdruck kam. (Aus der Todesanzeige des Bundestagspräsidenten Lammert für Liselotte Funcke, SZ 8.8.12)

Ich empfinde das Wort Reputation als unangemessen. Es wirkt distanzierend, fast ironisch.



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Kommentare zu »Fremdwort als Fremdkörper«
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Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.04.2018 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#38421

„Es braucht eine Debatte, die einen innerostdeutschen Diskurs zulässt.“

Kürzlich stolperte ich über diesen Satz in der FAZ. Was soll das wohl heißen? Ein Palaver, das ein Palaver zuläßt?

Dabei scheint mir das Modewort Diskurs mit Vorliebe in solch schwammigen Zusammenhängen vorzukommen. Es gehört zu dem Vokabular, das man als „68er Wörter“ bezeichnen könnte. Diese Wörter begannen ihre Karriere irgendwann in den 60er Jahren und haben ihren Gebrauch seitdem um etwa um das Hundertfache oder mehr gesteigert.

Zu diesen Wörtern gehören auch Narrativ und allerlei ästhetisch so ansprechende Wörter wie instrumentalisieren, dekonstruieren, problematisieren und das schon erörterte thematisieren, aber auch das „biodeutsche“ hinterfragen.

Wesentlich zur Verbreitung von Diskurs dürfte der Habermassche „herrschaftsfreie Diskurs“ beigetragen haben. Inzwischen ist das Wort völlig banalisiert und abgenutzt. An allen Ecken und Enden wird heutzutage „diskurriert“.

Das Wort ist ja auch so bequem: Einen Diskurs verlangen kann jeder. Lösungsvorschläge oder neue Erkenntnisse zu entwickeln ist schon etwas schwieriger.

Das ständige Gerede über den Diskurs hat nach meinem Empfinden etwas Unernstes: als ob man Probleme dadurch lösen könnte, daß man endlos palavert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2017 um 04.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#35271

Das ist interessant. Man könnte es jedes Jahr mit neuen Probanden wiederholen und sehen, wie die Integration ins Deutsche voranschreitet (oder auch nicht).
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 05.06.2017 um 00.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#35270

Zur Perfektbildung von liken habe ich etwas beizutragen – in einer meiner Übungen haben meine Studenten einen Fragebogen gebastelt (um Fragebogen-Design zu üben), der sich u.a. damit befasst. Meine Auswertung ist hier: http://rpubs.com/Andreas_Blombach/254268 (unter Auswertung -> Verbkonjugation).
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 04.06.2017 um 18.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#35267

"... Verkehrskreise der Elite sind bestimmt die Kreise, in denen die Elite verkehrt ..."

Pizzagate?

Was ist #Pizzagate und wer ist involviert?

http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2016/11/was-ist-pizzagate-und-wer-ist-involviert.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2017 um 08.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#35266

Die FAS huldigt wieder einmal Karl Lagerfeld, der ganzseitige Text ist von einem Soziologieprofessor verfaßt. Ungemein prächtige Sprache, viele Namen. Zu Graf Kesslers Lebensphilosophie habe „eine Art Ubipräsenz in den Verkehrkreisen der Elite“ gezählt. Ubipräsenz (auf deutsch „Wo ist er denn?“) ist wahrscheinlich eine Kreuzung aus Ubiquität und Omnipräsenz. Theologen habe es gelegentlich verwendet. Und die Verkehrskreise der Elite sind bestimmt die Kreise, in denen die Elite verkehrt, nicht etwa eine Art Kornkreise. Die „Riskanz“ im Leben des Wahlparisers sieht französisch aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2017 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#35265

Über das Internet-Verb liken sagt Duden online:

schwaches Verb; Perfektbildung mit »hat«

Aber wie schreibt man das Partizip?

Die FAS brachte mich gerade auf die vielgeliketen(?) Zwillinge Lisa und Lena. Dazu "Bravo":

Lisa und Lena: So reagieren ihre Lehrer auf den Fame (http://www.bravo.de/lisa-und-lena-so-sind-die-zwillinge-in-der-schule-376063.html)

Man schreibt Fame, denkt aber Ruhm, daher maskulin.

Die Kinder entwickeln ihre eigene Subkultur, aber sie ist keinen Augenblick authentisch, weil sich sofort verschiedene Geschäftszweige dranhängen. Es wäre naiv, etwas anderes zu verlangen oder auch nur für möglich zu halten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2017 um 04.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#35263

Ausgehend von der Duktion der französischen Sprache ist die ganze Oper eher wie ein Rezitativ gehalten. (http://www.jochenscheytt.de/debussy/debussywerke/pelleas.html)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.03.2015 um 18.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28279

Leider lassen sich immer häufiger Firmen Alltagswörter als Namen schützen. Deswegen müssen vermehrt neue noch freie Bezeichnungen eingeführt werden. Das ist keine wünschenswerte Entwicklung.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 09.03.2015 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28277

Ein Wort, das sich in letzter Zeit – jedenfalls im Fernsehen – großer Beliebtheit erfreut ist der Check.

Da gibt es jetzt Sendungen wie Marktcheck, Gesundheits-Check, Werbe-Check und wer weiß was noch.

Wie lange wird es wohl dauern, bis die Stiftung Warentest sich in Stiftung Warencheck umbenennt?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 06.03.2015 um 21.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28270

Zu "Da sitzen wir nun in unserem Elfenbeinturm und sinnieren darüber, ob man besser „probefahren“ oder „Probe fahren“ schreibt." - Ja, natürlich, und ich schäme mich dessen gar nicht. Ich hatte mir mal dazu aus gegebenem Anlaß zum "Korrektur lesen" Gedanken gemacht und fand meine Gedanken dazu gar nicht so dumm. Und die Unterscheidungsschreibung bei "Auto fahren" im Vergleich mit "radfahren" fand ich auch sinnvoll. Und bei dem jetzt gegebenen und treudeutsch kulturministerlich verursachten Schaden an der allgemeinen Verschriftung der deutschen Sprache gehöre ich somit halt "zu den „Losern“, die sich doch tatsächlich noch für die deutsche Sprache interessieren." Na und? Ich bedaure die armen Lehrer und die armen Kinder - und die armen mündigen Steuerzahler, die diesen Schaden auch noch reichlich und gedankenlos finanzieren. (Aber was verstehe ich auch schon von wirtschaftlicher und doch politisch nötiger Arbeitsbeschaffung!) - Aber zu den Beispielen in #28260: "„probefahren“ oder „Probe fahren“" diskutieren wir wegen der Verschriftung. Die anderen Beispiele haben alle mit Stil zu tun, und da können deutsche Sprecher und Schreiber Puristen sein oder auch nachlässig oder angeberisch oder extrem sprachbeschränkt und was weiß ich noch. Mir geht es darum, daß Leute so sprechen und schreiben, daß ich ohne weiteres folgen kann und nicht andauernd stutzen muß. Und dasselbe wünsche ich auch für meine Verwandte vom Lande, die kein Englisch und überhaupt keine Fremdsprache kann, aber ganz sicher nicht auf den Mund gefallen ist. Mich wurmt es jedenfalls, wenn ich in einem Nachrichtendienst lese: "Die 24-Jährige hatte im Februar das "Clubkonzert" des NDR in Hamburg gewonnen und sich damit die Wildcard für den deutschen ESC-Vorentscheid in Hannover gesichert hatte." (DTS-Meldung, vorgestern) Ich und alle, die das doch lesen sollen, haben ganz einfach ganz andere Mitteilungsart verdient. Und die Deutschen, die ohne Englisch kein Deutsch sprechen können, fallen mir auch auf den Wecker, - und wenn sie ihr Englisch sprechen, den englischen *native speakers* auch; ich meine den englischen Muttersprachlern.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 05.03.2015 um 18.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28260

Da sitzen wir nun in unserem Elfenbeinturm und sinnieren darüber, ob man besser „probefahren“ oder „Probe fahren“ schreibt.

Derweil

startet im deutschen Fernsehen eine neue Serie mit dem Titel „Back to School“,

erhalte ich von der Krankenversicherung einen „Flyer“ zur Organspende zugesandt,

ist in der Fernsehübertragung vom Wiener Opernball ständig die Rede vom „red carpet“,

geht in Berlin ein „Violence Prevention Network“ seiner nützlichen Tätigkeit nach, beraten von einem „Academic Advisory Board“, dessen Zweck ist, die internationale Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und „Firstline Practitionern“ ... zu verstärken,

usw., usw.

Geben wir es doch zu: Wir gehören zu den „Losern“, die sich doch tatsächlich noch für die deutsche Sprache interessieren. Wenn wir bis dahin nicht das Handtuch werfen, werden wir irgendwann nicht mehr am Duden mäkeln, sondern am Merriam-Webster oder am Oxford Dictionary.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 19.02.2015 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28136

Der Bundespräsident legt in Dresden den früheren deutschen Poltikern und Miltärs ein falsches Englisch in den Mund: "If right or wrong – my country!" Er selbst ziehe dagegen eine entschärfte Fassung von Carl Schurz vor: "My country, right or wrong; if right, to be kept right; and if wrong, to be set right."

Er erweckt damit – sicherlich unabsichtlich – den Eindruck, die deutschen Militaristen und Nationalisten hätten die englische Redewendung noch verschärft. Tatsächlich ist das erste Zitat (ohne if) oder die Langversion „My country, right or wrong, my country!“ die gängige Fassung in den angelsächsischen Ländern.

Der Redenschreiber des Bundespräsidenten hat offenbar fleißig bei Wikipedia nachgeforscht. denn beide Versionen (allerdings auch ohne das if) stehen in Wikipedias Liste der geflügelten Worte direkt beieinander.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 18.02.2015 um 18.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28128

Bedauerlicherweise sah sich unser hochverehrter Bundespräsident veranlaßt, in seiner Dresdner Rede vom „Instrumentalisieren“ zu reden, und das gleich dreimal.

Ich verstehe ja, daß man in unserem Land nichts zu unserer Vergangenheit sagen kann, ohne vor einem Mißbrauch durch Unverbesserliche zu warnen. Muß man aber dafür unbedingt dieses Soziologendeutsch verwenden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2015 um 04.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28047

Ich fahre (gewohnheitsmäßig) Bahn, aber nach Ostfriesland fahre ich demnächst mit der Bahn (konkreter Fall). Ich bin kein Lokomotivführer. Zum Bahnhof fahre ich mit dem Bus oder mit dem Taxi. Taxi fahre ich überhaupt nicht, weil ich kein Taxifahrer bin.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.02.2015 um 23.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28046

Weil Lokativ und Instrumental im Deutschen durch Präpostion mit Dativ ersetzt worden sind, welcher oft auch gleich dem Akkusativ ist, hat man ohne die Präposition z.B. bei "fahren" drei Bedeutungsmöglichkeiten: Akkusativ: das Fahrzeug fahren, Lokativ: im Fahrzeug (mit-)fahren, Instrumental: mit dem Fahrzeug fahren. Es bleibt schwierig.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.02.2015 um 21.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28045

Bei manchen Ausdrücken, die sich unterschiedlich begründen lassen, könnte ich mir auch zwei mögliche Schreibweisen vorstellen, z.B. probefahren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.02.2015 um 20.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28044

Lieber Herr Achenbach,
ob ich nun "Ich fahre oft Auto" oder "Ich fahre oft mit dem Auto" sage, da sehe ich keinen großen Unterschied. Aber Sie haben auch recht, die Verwendung ist nicht ganz genau gleich, deswegen war das Gleichheitszeichen dafür wohl nicht ganz passend. Ich meinte nicht, daß diese Formen immer absolut austauschbar sind, sondern wollte nur eine Möglichkeit angeben, die Präposition wegzugelassen.

Germanist hat schon ein paar schöne Beispiele für unterschiedliche Bedeutungen (als Akkusativ oder instrumental) ein und desselben Ausdrucks genannt. Ich hätte noch dieses:
Jemand, nach seinem Beruf gefragt, könnte sagen: "Ich fahre Taxi."
Und ein anderer danach gefragt, wie er an einen bestimmten Ort zu kommen gedenkt, könnte dasselbe sagen.

Den Einwand von Herrn Metz sehe ich ein, ein "ausschlaggebendes Kriterium" kann man wohl nicht angeben. Ich hatte das aber eigentlich auch nicht gemeint, sondern mein Gedanke war mehr, daß man wahrscheinlich jedes Beispiel gesondert bewerten muß, um jeweils die vernünftigste Schreibweise zu finden. Daß man nicht Eis laufen schreibt, mag vielleicht daran liegen, daß Transitivität, also ein einfacher Akkusativ, wohl die natürlichste und häufigste dieser Formen ist, und alles, was sich darüber nicht erklären läßt, muß schon deutliche Analogien haben, z. B. (den) Bus fahren -> (mit dem) Bus fahren -> (mit) Schlittschuh laufen. Daher würde man Eis laufen wohl unwillkürlich auch analog dazu einordnen wollen, es paßt aber eben so gar nicht hinein, weder transitiv noch als Fortbewegungsmittel, verlangt deshalb geradezu Klein- und Zusammenschreibung. Für Korrektur lesen, Probe fahren kommt so eine Analogie gar nicht erst in Frage, deshalb ist da Groß- und Getrenntschreibung nicht so irreführend, und man kann dafür andere Gründe angeben.
 
 

Kommentar von Germanist , verfaßt am 08.02.2015 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28042

Das Problem ist das Verb "fahren", welches im Gegensatz zu den anderen Verben der Bewegung wie "laufen", "schwimmen" usw. transitiv und intransitiv sein kann. Auch zusammengesetzte Substantive mit "Fahrer" wie "S-Bahn-Fahrer" sind mehrdeutig, weil sie den Fahrer auf dem Führersitz oder dem Fahrgast meinen können.
"Laufen", "schwimmen" usw. sind nur in einem ganz speziellen Bereich transitiv wie in "die 50 m (Strecke) schwimmen", "die 100 m (Strecke) laufen".
Mehrdeutig ist auch das Verb "fliegen": "Er fliegt Airbus" (transitiv als Pilot) oder "er fliegt Lufthansa" (intransitiv als Fluggast).
Der Ersatz des früheren Instrumental durch Präposition mit Dativ ist ja völlig in Ordnung, wenn man auch ohne Präposition sehen könnte, daß es der Dativ ist.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 08.02.2015 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28041

Lieber Herr Riemer,

ich komme zurück auf Ihren Beitrag mit “mit dem Auto fahren = Auto fahren“ (instrumental).

Ich halte zunächst nichts von einem lockeren Gerede von Instrumental(is) oder Lokativ u. dgl. Instrumentalis und Lokativ sind Kasus in einigen Sprachen. Aus dem Deutschen sind sie schon lange verschwunden und durch Präpositionen mit dem Dativ ersetzt worden.

Ihre Gleichung mit dem Auto fahren = Auto fahren stimmt schon deshalb nicht, weil Auto fahren etwas ganz anderes bedeutet, als mit dem Auto fahren. Mit Auto fahren bezeichnet man die regelmäßige oder gelegentliche Benutzung des Autos („Fahren Sie Auto? - Nein, ich habe keinen Führerschein.“).

Ihre Gleichung stimmt auch deshalb nicht ohne weiteres, weil in Auto fahren das Verb wohl eher transitiv gebraucht wird.

Dadurch daß Auto fahren eine eigenständige Bedeutung erlangt hat, ist ja an sich „ein neuer Begriff“ entstanden. Es läge daher nahe, den Ausdruck zusammenzuschreiben. Daß man das nicht tut liegt vielleicht daran, daß es inzwischen viele analoge Bildungen gibt, etwa wie „ich fahre Audi und meine Frau BMW“ oder auch Schlitten fahren. Hier käme durchgehende Zusammenschreibung wohl kaum in Frage. Allerdings hat der Autor Alexander Spoerl wiederholt autofahren geschrieben.

Ihre Gleichung würde besser zu Ski laufen passen. Hier liegt nach meinem Empfinden auch die Zusammenschreibung durchaus nah. Sie kann man auch im Internet finden.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.02.2015 um 14.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28021

Im Englischen ist es einfacher, weil einige sehr gebräuchliche Lokativ- und Instrumental-Präpositionen ohen Artikel gebraucht werden können: to go by car, to walk on ice a.s.o. im Gegensatz zum Deutschen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2015 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28011

Das sieht alles ganz plausibel aus, aber die Erfahrung hat ja auch schon vor der Reform gezeigt, daß der Schreibende sich solche feinsinnigen Überlegungen nicht leistet. Daher die "Zweifelsfälle", denen die Orthographie ein Ende bereiten will, aber nicht kann. Meiner Ansicht nach geht es nicht darum, ob man einen Zaun streichen und einen Teller essen kann, ob man die Blumen tatsächlich sprechen läßt oder nur bildlich usw. Es gibt leer essen, bunt malen, klein schneiden, sprechen lassen usw., und dazu dann ein Objekt, nicht umgekehrt. Bei nicht zu umfangreichen ersten Gliedern und bei Fällen, die man als "neue Begriffe" empfindet, neigt der gebildete Deutsche zur Zusammenschreibung. Lassen wir ihm das doch! Die Kosten einer genaueren Festlegung sind einfach zu hoch: es werden "Fehler" gemacht, die rote Tinte kosten, und der Gewinn ist gering, praktisch Null. Kein Leser glaubt, daß der Held einer Erzählung tatsächlich das Schnitzel mitsamt dem Teller gegessen hat.
Ich möchte auch besagte Neigung zur Zusammenschreibung nicht forcieren, so gern ich den Reformern mit ihrer Manie der Getrenntschreibung widerspreche. Eisenberg ist mit spielenlassen übers Ziel hinausgeschossen und hat sich vom Schreibbrauch entfernt, außerdem hat er sich zur alten Dudenweise mit ihrer orthographischen Kennzeichnung metaphorischen Gebrauchs zurückbekehrt. Das kann keinen Erfolg haben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.02.2015 um 03.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28009

Was, Herr Riemer, soll denn nun das ausschlaggebende Kriterium in Ihrer einfachen Systematik sein: eine beliebige semantische Beziehung zwischen Substantiv und Verb oder die Transitivität des Verbs?

In Ihrem Beitrag #28008 begründen Sie Ihre Ablehnung der Schreibung Eis laufen mit fehlender Transitivität. Nach #27996 soll es dagegen genügen, daß das Substantiv »tatsächlich gemeint« ist und in irgendeiner Beziehung zu der Handlung steht: man kann zwar keine Schlange stehen, sie aber bilden; man liest zwar nicht eine Korrektur, befaßt sich aber damit. Demnach würde auch nichts gegen Eis laufen sprechen, denn man kann zwar kein Eis laufen, aber darüber gleiten (und es steht wohl außer Frage, daß das Eis hier tatsächlich gemeint ist).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.02.2015 um 00.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28008

Lieber Prof. Ickler,
Sie fragen, wohin das führen soll, als ob sich dadurch eine Menge unlösbarer Probleme auftut.

- " 'verkehrt herum stehen' ist nur bedingt brauchbar"
Aber kopfstehen wird doch nun mal so, und nicht Kopf stehen geschrieben, offenbar wird doch die Erklärung mit einer adverbialen Wendung allgemein für treffender gehalten als mit einem Substantiv.

- "Das Auto wird gefahren, das Eis aber nicht gelaufen"
Ja eben, genau deshalb schreibt man doch auch Auto fahren, aber eislaufen, bis auf die Reformer in einer Phase der absoluten Umnachtung (Duden 21. bis 23. Auflage).

- "Wer den Zaun grün streicht, streicht auch den Zaun, aber wer den Teller leer ißt, ißt nicht den Teller."
Sicher, aber auch dieser Widerspruch ist doch leicht lösbar. Ich sage schon immer, auch auf diesen Seiten, daß ich den Teller leeressen besser finde als Getrenntschreibung. Wer den Zaun grün streicht, streicht auch den Zaun, und wer den Teller leerißt, 'leerißt' auch den Teller. Die Transitivität bleibt erhalten, wenn man leeressen als ein resultatives Verb auffaßt, was doch eigentlich auch ganz logisch ist.

Wo sind die Haarspaltereien? Lassen sich auf diese Weise nicht die üblichen und vernünftigen Schreibweisen ganz gut erklären?
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 05.02.2015 um 19.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28007

Beim kopfstehen sollte man auch noch das kopfmachen im Bahnhof berücksichtigen. Auch das hat ja nichts mit dem Körperteil zu tun, sondern bezeichnet die Richtungsumkehr.

 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.02.2015 um 19.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28006

Zusmmengeschrieben geht Substantiv im Lokativ plus Verb wunderbar. Aber getrenntgeschrieben - ob klein oder groß - nicht schön.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 05.02.2015 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28005

heimwerken
heimleuchten –> Allativ?!
Ist nicht auch das berüchtigte eislaufen lokativ?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 05.02.2015 um 16.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28004

Wo steht man? Auf dem Kopf. Also: Lokativ. q.e.d.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 05.02.2015 um 14.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28003

hausgemacht, hausbacken, randständig
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.02.2015 um 13.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#28002

Substantiv plus Verb ohne Präposition: Beispiele für den Akkusativ und den Instrumental gibt es genug, aber ich suche bisher vergeblich nach dem Lokativ.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2015 um 05.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27999

Wie in meinem letzten Eintrag angedeutet, versuche ich immer, zwei Fragen auseinanderzuhalten: Kann man es bilden? (bzw.: Existiert es schon?) und Wie soll man es schreiben? Wie Herr Riemer richtig feststellt, gibt es Bauch liegen nicht – oder noch nicht. Damit erübrigt sich die Frage nach der Schreibung. Bei der nächsten, semantischen Überlegung, ob der Kopf wirklich gemeint ist usw„ wäre ich vorsichtiger, sonst kommt man in Eisenbergsche Bahnen. Die Paraphrase "verkehrt herum stehen" ist nur bedingt brauchbar, wie die ganze Paraphrasenmethode. Das Auto wird gefahren, das Eis aber nicht gelaufen usw. – wohin soll das führen? Wer den Zaun grün streicht, streicht auch den Zaun, aber wer den Teller leer ißt, ißt nicht den Teller. War es bei Eisenberg nicht so ähnlich? Nimmt man noch das allmähliche Verblassen von Metaphern hinzu, gerät man in unendliche Haarspaltereien, die sicher nicht die Grundlage einer beherrschbaren Rechtschreibung bilden können.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.02.2015 um 00.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27998

Offenbar nicht, lieber Herr Achenbach, danke für das Beispiel.
Ich hatte mich aber auch noch nicht auf "alle" instrumentalen Fälle festgelegt. Trotzdem funktioniert es damit recht oft. Gibt es dafür überhaupt irgendeine allgemeine Regel?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.02.2015 um 23.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27997

Lieber Herr Riemer,

ist mit dem Hammer erschlagen = Hammer erschlagen (instrumental) auch in Ordnung?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.02.2015 um 23.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27996

Was kopfstehen – ich stehe kopf (vor der Reform) betrifft, hat der Duden zu keiner Zeit zwei Varianten gleichzeitig zugelassen.
Von Auflage 21 (der ersten reformierten) bis Auflage 23 (2004) war nur die Neuschreibung Kopf stehen - ich stehe Kopf verzeichnet.
Seit der Auflage 24 (2006) gibt es wie früher nur die Schreibung kopfstehen – ich stehe kopf.

Meiner Meinung nach kann man nicht *Kopf stehen analog zu Korrektur lesen, Schlange stehen usw. bilden. Bei letzterem befaßt man sich tatsächlich mit einer Korrektur oder bildet eine (Menschen-)Schlange. Da ist das Substantiv auch gemeint. Aber kopfstehen hat nichts mit einem Kopf zu tun, der gebildet oder dargestellt wird. kopf steht für ein Adverb, verkehrtherum, deshalb ist es desubstantiviert.

Auch daß es manchmal auf dem Kopf stehen bedeutet, ist kein Grund für Kopf stehen. Ich denke, man kann nicht beliebige Präpositionalverbindungen zusammenfassen.
mit dem Auto fahren = Auto fahren (instrumental) ist in Ordnung, aber
auf dem Bauch liegen = *Bauch liegen geht nicht.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.02.2015 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27994

Nach irgendeiner GZS oder GKS sind auch probe gefahren, korrektur gelesen, ich fahre probe, stehe kopf (letzteres nach altem Duden nur so) „korrekt“.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.02.2015 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27992

Wenn Substantiv und Verb zusammengeschrieben werden, gehen die Verhältniswörter und die von ihnen abhängenden Fallbezeichnungen verloren. Beim Getrenntschreiben als Verb und Substantiv müßten sie korrekterweise wieder ergänzt werden, damit man sieht, daß es sich z.B. um den Lokativ oder den Instrumental handelt. Das ist eben das Problem in analytischen Sprachen, weil sie keine Fall-Endungen mehr haben, sondern stattdessen Verhältniswörter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2015 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27989

Probe gefahren, Korrektur gelesen usw. sind korrekt (in welcher GZS auch immer), wegen ich fahre Probe, stehe Kopf, während Hand geschmiedet, Video überwacht strukturwidrig sind. Finite Rückbildungen aus dem Partizip wie ich handschmiede, videoüberwache (wie ich handarbeite) sind möglich und zu erwarten.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.02.2015 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27987

Dem Wort thematisieren erwächst inzwischen eine gewisse Konkurrenz in dem Anglizismus adressieren.

Allerdings hat adressieren eine weitergehende Bedeutung, da es nicht nur bedeutet, eine Frage anzusprechen oder zu erörtern, sondern auch, ein Problem aktiv zu behandeln und zu lösen versuchen.

Zum Thema Müllverschmutzung der Weltmeere etwa stellt und beantwortet das Bundesumweltamt die Frage: „Wie adressiert Deutschland das Problem?“

Übrigens bezeichnet der Duden das Wort adressieren im Sinne von „jemanden gezielt ansprechen“ im Deutschen als „veraltet“. Diese Einschätzung dürfte allerdings schon veraltet sein, z.B.: „SAP adressiert mit Business ByDesign verstärkt Großunternehmen.“
 
 

Kommentar von ..., verfaßt am 28.01.2015 um 11.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27911

...
Probe gefahren
...
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 27.01.2015 um 16.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27896

Mit der Rechtschreibreform sind wir ja auf bestem Wege dazu:
Hand geschmiedet, Video überwacht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.01.2015 um 22.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27884

Zunächst einmal sollte man den Instrumental wieder einführen, z.B. für Sätze wie: Ich spreche mit meinem Mobiltelefon mit meinem Sohn.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 24.01.2015 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27883

In letzter Zeit ist anscheinend wieder viel instrumentalisiert worden.

So hat Heiko Maas, der Bluthund der Bundesregierung, in schärfster Sprache die Instrumentalisierung der Anschläge von Paris durch Pegida gegeißelt. Auch sonst gab es unzählige Warnungen davor, die tragischen Ereignisse zu instrumentalisieren.

Das Wort instrumentalisieren ist auch eines dieser Wörter aus dem Jargon der Soziologen und der 68er, die sich seit den 60/70er Jahren in unserer Sprache breitgemacht haben. Es ist mir fast so zuwider wie thematisieren und mit seinen sieben Silben noch schwerer auszusprechen.

Die Bedeutung ist ja ganz banal. Nicht minder klar ist, daß es immer die anderen, die Bösewichte, sind, die instrumentalisieren.

Aber in letzter Zeit war ich fast versucht, dieses Wort selbst in den Mund zu nehmen, als ich beobachtete, wie Vertreter unserer Presse sich in dem Versuch überboten, einen Abglanz des Heiligenscheins der Opfer von Paris zu ergattern und damit diejenigen, die von „Lügenpresse“ sprechen, in die Nähe der Täter zu rücken.

Und dann noch das „Unwort des Jahres“. Was ist eigentlich „perfider“, als die dunkelste Zeit unserer Geschichte für den politischen Tageskampf zu „instrumentalisieren“?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2014 um 04.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27589

Die Verben auf -ieren lassen sich nicht mehr wegdenken, da diese Wortbildung seit dem Mittelhochdeutschen das verbale Ableitungsmittel schlechthin geworden ist. Interessanterweise führt es dazu, daß eine Unmenge schwacher Verben mit einem Partizip ohne ge- auftritt.
Trotzdem bleibt das französische Suffix irgendwie fremd, daher unser Unbehagen an platzieren (und erst recht deplatziert). Ein Dutzend teils scherzhafter Bildungen von deutschen Stämmen wie hausieren, grundieren, verlustieren konnte daran nichts ändern.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.12.2014 um 23.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27588

Es wird Herrn Achenbach kaum trösten, aber das Wort thematisieren, das auch ich normalerweise verschmähe, kam mir bei der Übersetzung eines niederländischen Textes einmal sehr zupaß. Leider weiß ich nicht mehr, wie die Formulierung im Ausgangstext lautete, jedenfalls ließ sie offen, ob der betreffende Gegenstand auf die Tagesordnung einer Besprechung gesetzt, in einem Schriftwechsel diskutiert oder sonstwie behandelt werden sollte. Zum Verschleiern taugt thematisieren also allemal.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 21.12.2014 um 20.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27587

"Was thematisieren anbetrifft, so empfinde ich alle Wörter auf der Endung -ieren, wie verlustieren, transpirieren usw., als wenig ansprechend. Das ist natürlich Geschmackssache." (#27584) Wenn ich mich recht erinnere, fand das auch J. Grimm. Jedenfalls haben diese Verben eigentlich zwei Infinitivendungen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 21.12.2014 um 15.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27584

Lieber Herr Markner,

bei fraktionsübergreifend ging es nur um die angemessene Sprachebene in einer Todesanzeige.

Man kann zwar schlecht Wörter mit Abkürzungen vergleichen, aber auf einer gehobenen Sprachebene wird man überhaupt Abkürzungen möglichst vermeiden. Ich würde daher in einer Todesanzeige für einen deutschen Verfassungsrichter nicht BVerfG schreiben.

Was thematisieren anbetrifft, so empfinde ich alle Wörter auf der Endung -ieren, wie verlustieren, transpirieren usw., als wenig ansprechend. Das ist natürlich Geschmackssache.

Darüber hinaus erlaube ich mir, auch im Hinblick auf eine kürzliche Diskussion in anderer Sache, das Wort thematisieren für eines der überflüssigsten Wörter überhaupt zu halten. Seit den 60er Jahren hat sich das Wort in einer Trivialbedeutung in der Allgemeinsprache festgesetzt.

Abgesehen von möglicher fachsprachlicher Verwendung, ist mir noch keine Verwendung des Wortes untergekommen, die nicht genausogut und treffender mit einem weniger gelehrt stolzierenden deutschen Wort wiedergegeben werden könnte.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.12.2014 um 23.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27559

"dekonstruieren" findet vermutlich im Konstruktionsbüro statt, "demontieren" dagegen auf der Baustelle.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.12.2014 um 22.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27557

Was ist an thematisieren oder fraktionsübergreifend schlimm? Ist nicht die Abkürzung BVerfG eher schlimmer?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 15.12.2014 um 17.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#27555

Das Wort sozio-ökonomisch empfinde ich seit jeher als eine der häßlichsten Wortschöpfungen des Soziologen- und 68er-Jargons.

Die Rechtssprache ist bisher von dergleichen Modewörtern verhältnismäßig unberührt geblieben. Leider hat selbst das BVerfG kürzlich das Wort gebraucht. In einem Urteil, in dem es um den Entzug des Sorgerechtes geht, heißt es:

„Die Eltern und deren sozio-ökonomische Verhältnisse gehören grundsätzlich zum Schicksal und Lebensrisiko eines Kindes.“

Dabei ist das Wort hier unnötig einschränkend. Wörter wie Lebensumstände oder Lebensverhältnisse hätten ebensogut, ja noch besser gepaßt. Im nächsten Satz des Urteils ist ja von Lebensbedingungen die Rede.

Leider kann sich das BVerfG auch nicht das kaum minder häßliche und überflüssige Wort thematisieren verkneifen.

Besonders kritisiert das BVerfG, daß die unteren Instanzen ohne nähere Prüfung das Gutachten einer „Sachverständigen“ zur Grundlage ihrer Urteile gemacht hätten.

In der Berichterstattung der FAZ heißt es, daß im Urteil des BVerfG die Ansichten des Sachverständigen im Detail „dekonstruiert“ worden seien.

Ach, was ist doch dekonstruieren für ein schönes hochgestochenes Wort! Ob es hier hinpaßt, ist doch egal. Dagegen wären widerlegen, ja selbst zerpflücken doch wirklich allzu volkstümlich.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 10.08.2012 um 23.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#21249

In der getragenen Sprache eines Nachrufs wirkt auch das recht neue, etwas hölzern-steife und bürokratische Wort fraktionsübergreifend auf mich etwas „nicht ganz passend“. Warum nicht in einfachem Deutsch: in allen Fraktionen?

Wortbildungen wie länderübergreifend hatten laut Google ihr „take-off“ etwa Mitte der 70er Jahre. Seit etwa 1989 hat sich die Verwendung etwa verzehnfacht. Ähnliches gilt für generationenübergreifend, für das man nicht gar so selten die Schreibung Generationen übergreifend findet, die nach Duden 2006 aber falsch ist.

Die Wendung hohes Ansehen genießen wirkt auf mich auch einen Hauch gestelzt – abgesehen von den verschiedenen Bedeutungen von genießen. Warum nicht einfacher: Sie war in allen Fraktionen hoch angesehen?

Allerdings ist in allen Fraktionen stärker als fraktionsübergreifend, was eigentlich nur in mehreren Fraktionen bedeutet. So wurde der fraktionsübergreifende Entschließungsantrag zur Beschneidung nicht von der Fraktion "Die Linken" unterstützt. Falls das ein Problem gewesen wäre (was ich bei Lieselotte Funcke für unwarscheinlich halte) könnte man immer noch unverbindlicher im Bundestag oder bei den Abgeordneten sagen. Was haben banale Dinge wie Fraktionen überhaupt in einem Nachruf zu suchen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2012 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#21245

"nur nicht ganz passend" – eben! Und warum? Es geht mir nicht um das Wort an sich, sondern um seine Verwendung in einer Todesanzeige, einem ehrenden Nachruf.

Vgl. übrigens reputierlich.
 
 

Kommentar von Kurt Albert, verfaßt am 09.08.2012 um 19.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#21243

Herr Blombach macht auf etwas Wichtiges aufmerksam: "Ansehen genießen" ist allgemein üblich und als Fügung fixiert. Und darum wohl empfindet man die Variante "Reputation" – eine besondere Leistung dieses Wortes ist hier ja nicht erkennbar – als unangemessen und störend.
Das Fremdwort als Aufwertung und Höheres erheischend, man kennt doch solche Fälle. Pointiert ausgedrückt: sprachlicher Kitsch.
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 09.08.2012 um 14.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1535#21242

Das kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Genießen und hohes Ansehen kommen allerdings oft zusammen vor, mit Reputation erscheint mir der Ausdruck weniger idiomatisch (aber wird lt. Google auch noch recht oft gebraucht).

Distanzierend oder ironisch wirkt das Wort auf mich allerdings nicht, nur nicht ganz passend.
 
 

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