zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


23.02.2012
 

Buch oder Bildschirm
Warm werden mit einem Abstraktum?

Neulich sah ich jemandem längere Zeit zu, der in einem E-Book las, einen Roman. Irgend etwas fehlt.

Ich lese ja selbst sehr viel am Bildschirm, Tausende von Texten habe ich schon gespeichert. Friedrich Forssmans Plädoyer für das gedruckte Buch hat mich noch einmal auf die Frage gebracht, was mir eigentlich zu fehlen scheint, abgesehen von gewissen optischen Problemen.

Ich glaube, es liegt an meinem ziemlich ausgeprägten "Ortsgedächtnis". Ich erinnere mich noch lange daran, daß eine bestimmte Textstelle auf einer rechten Buchseite links oben stand usw. Beim Scrollen und Verändern der "Ansicht" auf dem Bildschirm verlieren die Textstellen diese "Lokalfarbe", der Text wird vollkommen abstrakt. Fußnoten erscheinen oft auch nicht auf derselben Fläche, sondern werden per Link eingeblendet. Das ist wie eine Rede aus dem Nirgendwo, ohne sinnlich wahrnehmbaren Sprecher. Für bestimmte Informationen genügt es, aber so richtig warm werden kann ich mit einem solchen Abstraktum nicht. Ob es anderen auch so geht?



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Buch oder Bildschirm«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2018 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#39590

Hohl wirkt der Kommunikationsappell vor allem dann, wenn die Politik Ergebnisse der Forschung selbst souverän ignoriert. Die Leseforschung ist sich seit Jahren einig, dass Lektüre auf Tabets und Smartphones schlechter verstanden und erinnert wird als in Lehrbüchern und E-Readern. Was will die Politik mit dem Digitalpakt in die Klassenzimmer holen? Richtig: Tablets und Smartphones. (Thomas Thiel, FAZ 19.9.18)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2018 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#39385

„Handys gehören nicht verboten, sondern als selbstverständliches Lernmittel auf den Tisch“, heißt es seitens der Bertelsmann-Stiftung. Die praktische Umsetzung dieses Rats gleicht jedoch dem Versuch, bei einem romantischen Flirt eine Balance zwischen dem tiefen Blick in die Augen des anderen mit dem zerstörerischen Seitenblick auf das allgegenwärtige Handy zu finden: Er ist rettungslos zum Scheitern verurteilt. (Milos Vec, FAZ 22.8.18)

Im Grunde weiß jeder, daß das stimmt und daß der interessengeleitete Rat der Bertelsmann-Stiftung Unsinn ist.
Man sieht oft Menschen, die sich unterhalten, während einer von ihnen immer wieder auf sein Handy blickt und wohl gar auch gelegentlich etwas eintippt. Zugleich simuliert er ununterbrochene Aufmerksamkeit. Das ist für den Partner noch unangenehmer als jener Zeitgenosse, der mir während des Gesprächs immer wieder über die Schulter blickt und offenbar etwas ganz anderes beobachtet. Nicht bei der Sache zu sein ist dem Gesprächspartner gegenüber ein „Manierenverstoß“ (Vec), der heute immer weniger bemerkt wird.
Vec hat auch beobachtet, daß die Konzentration des Dozenten nachläßt, wenn er sieht, daß auch nur ein einziger von hundert Studenten auf sein Handy blickt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2018 um 06.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37558

Wie Arbeitsmediziner und andere Gesundheitsexperten durch das Geld der Tabakkonzerne korrumpiert wurden, ist im In- und Ausland untersucht und dokumentiert worden, unter mäßiger Anteilnahme der Öffentlichkeit. Vgl. http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/34969/ssoar-2010-helmert-Vom_Teufel_bezahlt__die.pdf?sequence=1, Kurzfassung hier: http://www.aerzteinitiative.at/AMedTabInd.pdf

Über die Abhängigkeit der "Medienpädagogen" von der Medienwirtschaft scheint es bisher keine entsprechenden Untersuchungen zu geben. Im Gegenteil, die Politik fährt beinahe ungebremst auf deren gemeinsame Verheißungen ab. Nur ein paar altmodisch wirkende Lehrer kritteln noch ein bißchen herum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2018 um 07.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37511

Mea culpa. Ich habe zwei Nachrichten in eine zusammengezogen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.01.2018 um 19.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37509

Zum Thema: 417 Anschläge, mehr als Twitter in einer Nachricht zuläßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2018 um 19.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37508

Actually, throughout my life, my two greatest assets have been mental stability and being, like, really smart. Crooked Hillary Clinton also played these cards very hard and, as everyone knows, went down in flames. I went from VERY successful businessman, to top T.V. Star ....to President of the United States (on my first try). I think that would qualify as not smart, but genius....and a very stable genius at that!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) 6. Januar 2018

Ganz richtig, nur die Lumpe sind bescheiden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2018 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37506

Oder nach Arbeit.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.01.2018 um 13.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37505

Bis zum Rückzug von Ted Cruz schien Trump es nur allen mal richtig zeigen zu wollen, die ihn nie für voll genommen hatten. Um die Präsidentschaft ging es nach meinem unmaßgeblichen Eindruck erst gegen Clinton, und auch das noch mit unsäglicher infantiler Häme und Hetze. Einen ernsthaften Wunsch nach Verantwortung habe ich da nie sehen können.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.01.2018 um 13.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37504

Ein gutes Dutzend Republikaner, schon vergessen? (Außerdem, ferner liefen, die Kandidaten der Libertären und Grünen.)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.01.2018 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37503

Wer war denn außer Clinton noch im Rennen?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.01.2018 um 11.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37502

Ja, er hat sie alle nur versehentlich geschlagen. Das ist die Erklärung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2018 um 11.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37501

Ach so, da habe ich Sie mißverstanden.

Nein, Hitler war belesen und konnte sich nur allzu gut konzentrieren.

Ich hatte übrigens schon während des Wahlkampfs Zweifel, ob Trump wirklich Präsident werden wollte. Warum sollte er sich das antun?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.01.2018 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37500

Es ging um die Frage der Schriftlichkeit.

Übrigens hat Hitler viel gelesen. Also ist Trump doch nicht Hitler? Fragen über Fragen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2018 um 10.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37499

"kommunizieren" – na ja. Er läßt halt seine spontanen Botschaften los, aber ob das für ihn spricht? Ob es ihm auch nur nutzt?

Warum lieben AfD-Anhänger (also fast alle Leserbriefschreiber z. B. bei der WELT) Trump? Einer schreibt sinngemäß, wenn es bei uns Meinungsfreiheit gäbe, wäre ein Buch wie „Fire and Fury“ längst auch über Merkel erschienen. Ein anderer erinnert ihn daran, daß es solche Bücher schon gibt. Daß sie nicht so prickelnd sind, liegt am Unterschied zwischen den Helden.
Andere finden es toll, daß Trump es von ganz unten nach ganz oben geschafft habe... Abdrucken würde das nicht einmal die WELT, aber in den Foren bleibt es stehen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.01.2018 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37498

Und doch kommuniziert Trump über Twitter mit seinen Wählern, während frühere Präsidenten Fernsehansprachen hielten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2018 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37494

Trumps Jähzorn, seine emotionalen Achterbahnfahrten, seine vollkommene Beratungsresistenz, sein Unwillen zu lesen, das stand auch schon andernorts. Wolff spricht ihm die Lesefähigkeit sogar ab, sei Trump doch „post-schriftsprachlich“ und mithin ganz Fernsehen. Trumps Wortschatz habe sich über Jahre signifikant verringert. (welt.de 6.1.18)

Das ist nicht unwahrscheinlich, man kennt es aus dem eigenen Umfeld.

Viele Menschen gehen im "Aktuellen" auf. Hintergründe, gar historische, müssen erlesen werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2018 um 09.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37449

Im Wirtschaftsteil der FAZ ein vorsichtig positiver Bericht über Vergleichsstudien zum „digitalen“ Unterricht, wieder von Lisa Becker (2.1.18).

Ich halte die Untersuchungen für wertlos, weil keine gleichen Bedingungen zugrunde gelegt sind. Es gibt keine „nebenwirkungsfreie“ Gegenüberstellung des gleichen Unterrichts mit und ohne digitale Medien.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2017 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#37174

Im Wirtschaftsteil der FAZ wird die „schleppende Digitalisierung“ der Schulen beklagt. Dabei vermischt die Verfasserin (wieder Lisa Becker) wie üblich den Computer als Unterrichtsgegenstand und den Computer als Unterrichtsmittel. Das Schwergewicht liegt auf letzterem, denn dort erhofft sich die Wirtschaft den größten Gewinn. Die Pädagogik hat nicht danach gerufen, aber willige „Medienpädagogen“ werden es begründen. Die Milliarden sollten besser in mehr Lehrkräfte investiert werden.

Dagegen Joe Clement/Matt Miles: Screen Schooled: Two Veteran Teachers Expose How Technology Overuse Is Making Our Kids Dumber. Chicago 2017.

Clement/Miles sind gegen übertriebene Erwartungen, betonen Vorteile des direkten Kontakts zwischen Lehrer und Schülern. Warum sollen die Schüler im Unterricht dasselbe tun wie in ihrer Freizeit: auf Displays starren und Tasten drücken? Solche warnenden Schriften haben keine Chance, weil sie die wirtschaftlichen Interessen gegen sich haben. In Entwicklungsländern wiederholt man den Fehler: Notebook für jedes Kind statt ein Dach überm Kopf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.09.2017 um 06.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#36143

Die Wirtschaftsjournalisten sprechen nach, daß wir jetzt eine vom Bund aufzubauende „Bildungs-Cloud“ brauchen, um die Schulen für die Zukunft zu rüsten. Die Pädagogik wird schon noch Gründe liefern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.09.2017 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#36121

Noch vor wenigen Jahren rief man mit dem Slogan „Jedem Schüler ein Laptop" nur emsiges Kopfschütteln hervor. Mittlerweile hat sich die Situation gänzlich geändert. Nicht erst seit dem PISA-Schock wissen wir, dass unsere Schüler nicht so gut sind, wie sie sein könnten. Einen nicht unerheblichen Anteil am Lernerfolg unserer Kinder haben die im Unterricht verwendeten Medien und die mit ihnen eingesetzten Methoden.
Zahlreiche Untersuchungen und Erfahrungsberichte zeigen, dass das Lernen in Laptopklassen nicht nur die Medienkompetenz deutlich steigert, sondern auch die Leistungen in den übrigen Fächern signifikant verbessert.
Mobiles Lernen bedeutet nicht, dass der Computerraum nun Beine bekommen hat. Es bedeutet, dass das Lernen und Lehren eine vollkommen neue Dimension erreicht.
(Medienberatung Laptopklassen 2007)

Zehn Jahre später ist unter Pädagogen die Euphorie verflogen, aber unter Politikern, besonders den nicht zuständigen, geht es erst richtig los. Jetzt soll Geld in die Hand genommen werden, damit die deutschen Schulen durch Digitalisierung des Lernens Weltspitze werden. (Wir schütteln "emsig" den Kopf.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2017 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#36041

Schon wieder wirbt die FAZ im Wirtschaftsteil ganz wild für die "Bildungscloud", wie vom Hasso-Plattner-Institut entworfen. Schüler und Lehrer könnten dann auf noch mehr Inhalte zugreifen usw. – als wenn es daran fehlte. Pädagogische Gesichtspunkte werden nicht erwähnt, dazu heißt es nur: "Auch Fachleute des digitalen Lernens befürworten Clouds."

Dafür soll der Bund Milliarden ausgeben. Wenn der Erfolg ausbleibt, wird es wieder heißen: Wir brauchen einfach mehr davon.

Die Überschrift "Schulen in der Wolke" ist ungewollt treffend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2017 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#35738

Wenn die Darstellung im offenen Brief (http://www.aufwach-s-en.de/2017/06/ob_kmk_irrweg-der-bildungspolitik/) auch nur zur Hälfte richtig sein sollten (es ist aber nach meiner Vermutung mehr!), dann wäre das ein höchst alarmierendes Thema. Warum tritt keiner im Wahlkampf damit an? Aber kann man sich das überhaupt noch vorstellen? Wie unmodern wäre denn das!
Außerdem hat der Bund nur bei der Ausstattung mitzureden und nicht bei der Lehrerausbildung. Folglich stattet er aus, was das Zeug hält.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2017 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#35732

Bedenkenswertes gegen den reißenden Mainstream:

https://www.heise.de/tp/features/Technologie-in-unseren-Schulen-schadet-mehr-als-sie-nuetzt-3766725.html
und
http://www.aufwach-s-en.de/2017/06/ob_kmk_irrweg-der-bildungspolitik/

Zitat daraus: "Die angeblich notwendige „Digitalisierung aller Bildungseinrichtungen“ ist mehr Ideologie denn zukunftsweisende Strategie. Seit wann orientieren sich Bildungsprozesse an neuer Medientechnik oder den Update-Zyklen der IT-Wirtschaft? Geräte der Unterhaltungsindustrie verpflichtend in den Unterricht zu integrieren ist weder pädagogisch noch bildungspolitisch zu begründen. Es missachtet zudem die grundgesetzlich verankerte Methodenfreiheit der Lehrenden. Diese Pakte bedienen ausschließlich Partikularinteressen der IT-Wirtschaft und der Arbeitgeberverbände."

Man kann von der Pädagogik halten, was man will, aber die "Digitalisierungspolitik" übergeht sie einfach, indem sie dekretiert: Hier sind die neuen Medien, denkt euch was aus, damit sie flächendeckend in die Schulen eingeführt werden können! Und viele Pädagogen sind begeistert über ihre neue Relevanz. (Und über gut bezahlte Beschäftigung.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2017 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#35098

FAZ-Woche bringt einen Beitrag über Computer in der Schule: eine vollkommen kritiklose Übernahme von Plänen des Hasso Plattner Instituts, eines An-Instituts der Universität Potsdam. (Plattner ist SAP-Gründer.)
„Schüler können dann durch einen Fingerdruck (...) fetzige Sprüche aus den Werken der deutschen Klassiker auf ihrem Screen aufpoppen lassen.“
Der Gewährsmann Christoph Meinel, Direktor des Instituts, ist Informatiker. Seine pädagogischen Ansichten sind entsprechend naiv. Ihm geht es nur um Einführung von Tablets und Cloud in die Klassenzimmer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 06.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#34712

Unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit beklagt die Bertelsmannstiftung, daß die Digitalisierung (= das Konzerngeschäft) an den Hochschulen noch nicht so gut läuft wie gewünscht:
https://www.pressebox.de/inaktiv/bertelsmann-stiftung/Studierende-sind-keine-digitalen-Enthusiasten/boxid/843043

Unsere Politiker lassen sich gern beraten und werden Abhilfe schaffen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2017 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#34422

In der Sprache haben sich Fossilien erhalten wie Bleistift und noch viel ältere Überbleibsel vergangener technischer Entwicklungsstufen. Verkehrsschilder zeigen veraltete Fahrzeuge, die aber besser erkennbar sind als die stromliniengestylten heutigen. So auch auf meinem Bildschirm: Für "Speichern" wird eine Diskette angezeigt, obwohl der Apparat gar kein Laufwerk mehr hat. Meine Töchter haben noch nie eine jener ersten Floppy-Disks gesehen, von denen ich ihnen erzähle.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2016 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#33919

Schwindelerregend ist nicht nur die Größe des Weltalls, sondern auch die Kleinheit mikroskopischer Objekte: der flink wirbelnden Beinchen einer Ameise, der Zellvorgänge, der Moleküle. Wir haben zwar schon immer in diesem Bereich operiert, wenn wir Klebstoffe, Legierungen, Waschmittel herstellten, aber wir haben es in gewissem Sinn nur geschehen lassen, ohne es im einzelnen zu sehen und zu verstehen. Heute stellen wir Nanomaschinchen und Speicherchips her, nachdem wir sie in allen Einzelheiten geplant haben und indem wir sie tatsächlich zusammenbauen, wenn auch nicht direkt mit unseren wurstförmigen Fingern.
Ich kann mir für wenig Geld einen fingernagelgroßen Speicherchip mit 126 GB kaufen. Er muß, damit ich ihn mit besagten Fingern überhaupt benutzen kann, in ein größeres Gehäuse eingebettet und mit grobschlächtigen Kontakten versehen werden. Während wir die Strukturen der natürlichen Welt des Kleinsten erst erforschen müssen, sind Bau und Funktionsweise des Chips sonnenklar – wir haben ihn ja geplant und gebaut – und trotzdem schwindelerregend, wenn man versucht, sie sich vorzustellen. Das ist neu.
Es hat auch soziale Folgen: Manche Menschen verstehen das neuartige Gerät, aber die meisten benutzen es nur, ohne es zu verstehen. Die Schule steht vor der Frage, ob alle es verstehen sollten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2016 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#33832

Claudia Bogedan, die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, will Lehrer ermutigen, Schüler verstärkt mit dem Smartphone arbeiten zu lassen. Nahezu jedes Kind besitze solch ein Mobilgerät und da sei es doch naheliegend, es auch zu benutzen.
Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Claudia Bogedan (SPD), hat sich für den Gebrauch von Smartphones im Unterricht ausgesprochen. Da ohnehin nahezu jedes Kind solch ein Gerät besitze, sei es naheliegend, dieses auch in der Schule einzusetzen, sagte die Bremer Bildungssenatorin dem Nachrichtenmagazin Spiegel. "Handyverbote sind von gestern." Erst vor wenigen Wochen war ein Projekt zur Nutzung von Smartphones im Unterricht mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet worden.
Bogedan will nun Lehrer ermutigen, Schüler verstärkt mit dem Smartphone arbeiten zu lassen. Dazu sollte ein Lehrer wissen, welche Apps gerade angesagt sind, meinte Bogedan. Auch brauche er ein Grundverständnis dafür, wie im Netz kommuniziert werde, wie man Informationen finde und sie bewerte.
(11.11.16)

Zwar kommt der Lehrer immer etwas zu spät, aber wenigstens bleibt er dem "gerade Angesagten" auf den Fersen. Das hält die Schule frisch und jugendlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2016 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#33586

Das Lernen mit Hilfe des Computers wartet noch auf eine passende Didaktik und auf Erfolgsnachweise. Es ist etwas ganz anderes als die Beschäftigung mit IT und Programmieren. Veranstaltungen wie „Jugend hackt“ (Bericht FAZ 18.10.16 und https://jugendhackt.org/) sind sehr erfreulich. Jugendliche von 12 bis 18 zeigen, zu welch enormer Konzentration und Ausdauer sie fähig sind. Ob sie daneben noch Zeit und Lust haben, Romane (!) zu lesen – wen kümmert das? Der Anteil der Mädchen liegt bei einem Fünftel – die Männer werden wieder einmal davonziehen. Ihr Vorsprung ist noch deutlicher als im Schulfach Mathematik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2016 um 04.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#33559

Wie schon gesagt: Nachdem die angekündigten Erfolge der "Laptopklassen" ausgeblieben sind, ziehen industrienahe Politiker die gewohnte Folgerung, daß man einfach mehr Schulcomputer braucht.

Die Bundesregierung will Milliarden für Schulcomputer ausgeben. Das Lernen wird von der Erziehung getrennt. Millionen von pädagogischen Abhandlungen werden obsolet. Vielleicht ist das richtig; wir wissen es nicht, es geschieht einfach.

Wie können Schulen die Schüler davon abhalten, in der Klasse das Internet so zu nutzen wie zu Hause? Das Problem liegt darin, daß pädagogisch motivierte Begrenzungen die Vorzüge des Mediums zunichte machen. Auch widersprechen dessen Verzweigungen jedem Versuch einer Auswahl und Stufung des Stoffs. Aber das kümmert die Bildungsplaner nicht.

Auch orthographisch bemerkenswert:

Befürworter prophezeien, dass in nicht all zu ferner Zukunft Lernen bis zu 90% Notebook gestützt – beziehungsweise Smartphone gestützt – sein wird. Andere vermuten eher, dass Laptops wieder aus der Schule verschwinden werden, ähnlich wie die Sprachlabore der siebziger Jahre. (http://www.schulbuchzentrum-online.de/magazin/magazin_artikel.php?id=485)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2016 um 06.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#32393

Ich habe leider nie richtig tippen gelernt und bin zu alt zum Umlernen, zumal ich mit meinem wildwüchsigen Tippen ziemlich schnell bin, nur eben fehlerhaft, wie meine Leser wissen. Zehnfinger blind ist immer noch nützlich. Aber wir sehen, wie die Leute mit den winzigen Tastaturen ihrer Smartphones umgehen: mit dem Daumen oder dem kleinen Finger allein. Das ist eigentlich ein Rückschritt und der Tod einer Kulturtechnik. Oder anders gesagt: Dafür ist die Tastatur nicht erfunden worden!
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 03.03.2015 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28239

Nicht zu vergessen auch diverse einschlägige Gerichtsurteile (oder Entscheidungen der Kartellbehörden, hab's nicht so genau verfolgt), mit denen Microsoft gezwungen werden mußte, seine Programmierstandards offenzulegen und Betriebssysteme auch ohne Pakete von Anwendungsprogrammen zu verkaufen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2015 um 10.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28229

Alles sehr interessant, und jeder berichtet natürlich von seinen eigenen Erfahrungen, so auch ich neulich (bzw. den Erfahrungen meiner Kinder und mit den Kindern in der Schule).
Was ich auch mit dem Hinweis auf die Verlage andeuten wollte: Das Leben ist kurz und die Kunst ist lang, zum Teil sogar sehr lang, und das gilt auch für die Kunst der Textverarbeitung und Präsentation.
Früher diktierte man der Sekretärin oder gab ihr ein mehr oder weniger wirres Manuskript. Sie war für das Formale zuständig, das hatte sie gelernt. Heute machen wir alles selbst, und von Schülern wird angenommen, daß sie ausnahmslos Präsentation beherrschen müssen. Alles in Ordnung, aber trotzdem nicht selbstverständlich. Man könnte seine besten Jahre auch mit etwas anderem verbringen....
 
 

Kommentar von T. T., verfaßt am 02.03.2015 um 09.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28228

Aus dem realen Leben in der Schule (Gymnasium im Jahre 2012):

"Hinweise zur Seminararbeit im W-Seminar
1. Äußere Form, Layout: ...
Überschriften: linksbündig, fett, ...
Vorher zwei Zeilen, nachher eine Zeile frei"

Es mag schon sein, daß es anders gemeint war, aber gesagt hat es meinen Kindern niemand: Man macht in Textverarbeitungsprogrammen nicht Leerzeilen vor und nach der Überschrift (wie zu Zeiten der Schreibmaschine), sondern stellt in der entsprechenden Absatzvorlage die Abstände davor und danach passend ein.
Hier könnte das Gymnasium "Medienkompetenz" vermitteln (wenn die Lehrer sie denn selbst hätten).
Das wäre sinnvoller, als im sogenannten Informatikunterricht zu lernen "Klassennamen schreiben wir in Großbuchstaben." [Klasse hier im Sinne der objektorientierten Programmierung]

Die Aussage von Herrn Mahlmann stimmt: "Die Kollegien sind heutzutage mehrheitlich mit der Generation besetzt, die bereits mit Computern aufgewachsen ist." Aufgewachsen sind sie schon mit Computern, wesentliche Aspekte haben aber anscheinend nicht alle mitbekommen.

Und Herrn Schaefer kann ich bezüglich der Qualität der Produkte von Microsoft nur zustimmen. Das betrifft das Einhalten von Standards, die Kompatibilität verschiedener Versionen und die ständigen mutwilligen Änderungen der Benutzerschnittstelle. Leider ist das Microsoft-Monopol auch schon so weit gediehen, daß anstelle des neutralen Begriffs Präsentationsprogramm nur noch von PowerPoint gesprochen wird.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 28.02.2015 um 08.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28214

Lieber Herr Schaefer, ich bin die "erste Hand".

Das bezweifle ich ganz entschieden.

Wenn Sie Software im professionellen Einsatz haben, interessiert sich kein Mensch – weder in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen noch an einer Schule – dafür, was ein Programm alles kann. Die Anwender wollen ihren Arbeitsalltag damit bestreiten [...]

Eben. Das geht mit Alternativen zu MS Office genauso gut oder besser als mit der marktbeherrschenden Sammlung. Daß die Bedienung nicht immer identisch ist, sollte einen "Experten" wie Sie nicht überraschen. Die Bedienung von Automobilen oder Smartphones ist auch nicht einheitlich, und trotzdem kann man einen eingeschworenen Volkswagenfahrer getrost an das Steuer eines Toyota-Automobils setzen.

Ich greife den obigen Satz noch einmal auf:

Die Anwender wollen [...] ihre Anwenderprobleme lösen.

Toll, nicht wahr? Anwender wollen ihre Probleme lösen. Die Frage ist doch wohl, wer die Probleme schafft.

Als Administrator sind Sie dafür zuständig, das so zu deichseln, daß sowohl die Anwender als auch Sie selbst mit Ihren höheren Ansprüchen zufrieden sind.

Reine Hybris. Was verstehen Sie eigentlich unter dem Begriff "Administrator"? Turnschuhadministration? Oder vielleicht Turnschuhbelehrung? Was meinen Sie mit "höheren Ansprüchen"? Fachliche können es ja wohl nicht sein.

Wie kann Microsoft daran schuld sein, daß alle Konkurrenten mit Microsoft-Produkten klarkommen

Kommen sie eben nicht, aber da Sie, Herr "Administrator", offenbar von der zugrundeliegenden Technik keine Ahnung haben, lohnt es wohl kaum, näher auf die Problematik einzugehen.

nicht jedoch die Konkurrenten mit den Produkten anderer Konkurrenten? Wie kann es die Aufgabe von Microsoft sein, Konkurrenzprodukte zu gestalten?

Stellen Sie sich jetzt einfach dumm, oder haben noch nie etwas von internationalen Standards gehört? Stichwörter: ISO, ODF, OOXML. Da Sie behaupten, Lehrer (und dazu noch "Administrator") zu sein, sollten Sie von den deutschen und europäischen Richtlinien zur Verwendung offener Standards zumindest gehört haben.

Die wollen einfach nur ein funktionierendes Programm zur Textgestaltung, Tabellenkalkulation und Vortragspräsentation.

Bekommen sie von diversen Herstellern, und die die Programme funktionieren einfach, im Gegensatz zu MS Office.

Wenn Sie als IT-Beauftragter sendungsbewußt eine Konkurrenz zu Microsoft betreiben wollen

Wieviel hat Ihnen Microsoft für diesen Satz bezahlt?

bedeutet das Arbeit – die Geld kostet, das Sie ihrem Chef erklären müssen. Ständig kommt einer, der irgendeine Funktion nicht findet, dauernd stellt einer das Standardspeicherformat um, so daß beim Öffnen durch einen anderen alles verheerend aussieht, laufend liegt Ihnen jemand in den Ohren, daß sein eigenes Office-Konkurrenzprodukt viel besser sei

Also etwa so wie der Umstieg auf MS Office 2007 (Ribbons und OOXML).

Und verabschieden Sie sich von der Legende, daß Lehrer keine Ahnung von der Technik haben.

Die Technikkenntnisse der Lehrer sind nach wie vor beschämend, und Ihr Kommentar ist dafür nur ein weiterer Beleg.

Die Kollegien sind heutzutage mehrheitlich mit der Generation besetzt, die bereits mit Computern aufgewachsen ist

Na und? Das bedeutet noch lange nicht, daß sie mit Computern und Netzwerken verantwortungsvoll umgehen können. Den Computer einzuschalten und das (meist unzureichend beherrschte) Textverarbeitungsprogramm zu starten, ist nicht gleichbedeutend mit IT-Kompetenz.

und sich gewiß nicht mit Powerpoint-Spielereien beeindrucken läßt.

Da haben Sie gewiß recht. Mir ging es aber aber um etwas anderes: Schulen stehen im Wettbewerb untereinander, und einer der maßgeblichen Faktoren (auch bei der Mittelzuweisung) ist die Zahl der erfolgreichen Abschlüsse. Das führt dazu, daß man Schülern, die die Abschlußprüfung nicht bestanden haben, die Möglichkeit gibt, mittels einer halbwegs gelungenen PPP dennoch das Abschlußzeugnis zu erhalten.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 26.02.2015 um 21.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28207

Lieber Herr Schaefer, ich bin die "erste Hand". Ich war fünf Jahre lang Datenbankadministrator und bin jetzt seit einigen Jahren Lehrer.
Was Sie über die Konkurrenzprodukte von Microsoft Office sagen, mag stimmen; es ist irrelevant. Wenn Sie Software im professionellen Einsatz haben, interessiert sich kein Mensch – weder in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen noch an einer Schule – dafür, was ein Programm alles kann. Die Anwender wollen ihren Arbeitsalltag damit bestreiten und ihre Anwenderprobleme lösen. Als Administrator sind Sie dafür zuständig, das so zu deichseln, daß sowohl die Anwender als auch Sie selbst mit Ihren höheren Ansprüchen zufrieden sind.

Wie kann Microsoft daran schuld sein, daß alle Konkurrenten mit Microsoft-Produkten klarkommen, nicht jedoch die Konkurrenten mit den Produkten anderer Konkurrenten? Wie kann es die Aufgabe von Microsoft sein, Konkurrenzprodukte zu gestalten?

Wenn Sie Wert darauf legen, die Machenschaften der Großkonzerne zu bekämpfen, investieren Sie Zeit und Arbeit darin. In den Firmen und Schulen haben die Mitarbeiter anderes zu tun. Die wollen einfach nur ein funktionierendes Programm zur Textgestaltung, Tabellenkalkulation und Vortragspräsentation. Wenn Sie als IT-Beauftragter sendungsbewußt eine Konkurrenz zu Microsoft betreiben wollen, bedeutet das Arbeit – die Geld kostet, das Sie ihrem Chef erklären müssen. Ständig kommt einer, der irgendeine Funktion nicht findet, dauernd stellt einer das Standardspeicherformat um, so daß beim Öffnen durch einen anderen alles verheerend aussieht, laufend liegt Ihnen jemand in den Ohren, daß sein eigenes Office-Konkurrenzprodukt viel besser sei (und mit Ihnen kann er ja reden, weil Sie ein Bruder im Geiste sind). Dergleichen etliches mehr.

Ich habe in meinem letzten Beitrag natürlich nicht aus allen Lehrplänen die Ziele des IT-Unterrichts zitiert oder die Curricula solcher Fächer wie "Neue Medien" dargestellt. Seien Sie versichert, die digitalen Spuren spielen eine große Rolle (auch das nur ein Beispiel für die Vielfältigkeit der Lehrziele). Und verabschieden Sie sich von der Legende, daß Lehrer keine Ahnung von der Technik haben. Die Kollegien sind heutzutage mehrheitlich mit der Generation besetzt, die bereits mit Computern aufgewachsen ist und sich gewiß nicht mit Powerpoint-Spielereien beeindrucken läßt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.02.2015 um 19.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28206

Ein Link zu einem Max-Goldt-Artikel aus dem Jahr 2000:

http://www.wallstreet-online.de/diskussion/500-beitraege/490321-1-500/max-goldt-internet-gucken
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 26.02.2015 um 09.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28200

Lieber Herr Mahlmann,

Ihr Beitrag zeigt, daß Sie das Ausmaß des Problems oder, vielmehr, der Probleme noch gar nicht erfaßt haben.

wer als Schüler versucht, durch PP-Klimbim Lücken im Lernstoff zu kaschieren, beißt zielsicher auf Granit.

Da verfüge ich aber über ganz andere Informationen, und zwar aus erster Hand.

Facebook, WhatsApp und dergleichen werden in mehreren Fächern behandelt; immer geht es um die Gefahren und den möglichen Mißbrauch (neudeutsch "Cybermobbing").

Das ist alles? Es tut mir leid, aber nicht nur die Bevölkerung insgesamt, sondern gerade die nachwachsende Generation sollte darüber aufgeklärt werden, wo sie überall digitale Spuren hinterläßt und wie sie ihre Privatsphäre schützen kann. Dazu gehört nunmal auch die Vermeidung von gewissen Google-Diensten oder Facebook. Darüber hinaus sollte in den Schulen gelehrt werden, wie man Daten verschlüsselt.

Einige Schulen versuchen, von Microsoft-Produkten wegzukommen. OpenOffice hat jede Schule schon mal ausprobiert (schon wegen der Kosten), etliche andere Produkte kommen hier und da mal vor. Am Ende fliegt das jedoch alles wieder raus zugunsten von Microsoft, weil das alles in allem noch die wenigsten Probleme macht.

OpenOffice.org gehört schon lange zum alten Eisen. Der wichtigste Nachfolger ist LibreOffice. Darüber hinaus bieten u.a. Corel (WordPerfect Office) und SoftMaker sehr leistungsfähige Produkte an.

Was die "Probleme" angeht, so handelt sich dabei um von Microsoft ganz bewußt herbeigeführte Inkompatibilitäten.

Herr Mahlmann, Ihr Kommentar bestätigt nur, daß Sie über die Machenschaften gewisser Großkonzerne und deren Rolle bei der Pervertierung internationaler Normen nicht Bescheid wissen, und genau das gehört zu meiner Kritik am heutigen Schulsystem.

Auf Wunsch werde ich die skandalösen Umstände, die zur Erhebung von Microsofts "Office Open XML" zum mittlerweile (erwartungsgemäß verwaisten) ISO-Standard gerne näher darstellen.

Es bleibt aber die Tatsache, daß fast alle Lehrer von den technischen und politischen Hintergründen keine Ahnung haben und sich deshalb unfreiwillig zu Handlangern internationaler Konzerne machen.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 25.02.2015 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28195

... wobei die üblichen Klagen aber lauten: "Problem beim Lesen von docx", "Probleme beim Lesen von xlsx", "Probleme beim Lesen von Microsoft-Dokumenten", und "das ist ja anders als gewöhnt". Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Technische oder ergonomische Klagen über LibreOffice habe ich selten gehört, eher in Bezug auf Microsoft. Es fehlt halt die kritische Masse, bzw. die Microsoft-Fraktion ist quasi allmächtig und allgegenwärtig.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 24.02.2015 um 19.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28194

Ich bin schon verwundert, was hier über die Schule geschrieben wird. Ich werde als Vertretungslehrer herumgereicht und habe deshalb mehrere Schulen kennengelernt. In jeder gibt es IT-Schulungen, die nicht nur den technischen Umgang mit neuen Medien, sondern vor allem die Chancen und Gefahren vermitteln. Gerade bei Powerpoint-Präsentationen wird durch die Bank nach "weniger ist mehr" verfahren; wer als Schüler versucht, durch PP-Klimbim Lücken im Lernstoff zu kaschieren, beißt zielsicher auf Granit.
Facebook, WhatsApp und dergleichen werden in mehreren Fächern behandelt; immer geht es um die Gefahren und den möglichen Mißbrauch (neudeutsch "Cybermobbing").

Einige Schulen versuchen, von Microsoft-Produkten wegzukommen. OpenOffice hat jede Schule schon mal ausprobiert (schon wegen der Kosten), etliche andere Produkte kommen hier und da mal vor. Am Ende fliegt das jedoch alles wieder raus zugunsten von Microsoft, weil das alles in allem noch die wenigsten Probleme macht. Insbesondere ist jedes Office-Programm in der Lage, Microsoft-Dateien zu verwalten, aber kaum ein Konkurrenzprodukt wird von den anderen Herstellern – zumal ohne jeden Aufwand – unterstützt.

Bei Lehrern ist im allgemeinen eine Tendenz weg von Microsoft hin zu Apple und Linux festzustellen. Bei den Office-Programmen aber kehren die meisten nach einigen Ausflügen letztlich waidwund zu Microsoft zurück.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2015 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28187

Sowohl in der Schule als auch in der Universität (von Kollegen!) erlebt man PowerPoint-Präsentationen, die auf den ersten Blick ganz "ansprechend" sind, auf den zweiten schwerste sachliche Fehler enthalten. Dasselbe gilt von vielen, die man im Netz findet. Es wirkt so, als sei für die Sache selbst keine Zeit mehr geblieben.

Heute wird von jedem, der etwas veröffentlichen will, erwartet, daß er das Skript samt Layout fix und fertig einreicht. Die Verlage bschäftigen nur noch selten jemanden, der das macht. Eine große Verschwendung von Ressourcen, denn die Zeit, die von den Wissenschaftlern auf diese technischen Dinge verwendet wird, steht nicht mehr für die Aufgaben zur Verfügung, für die sie eigentlich qualifiziert sind. Etwas ähnliches kann man von den Präsentationen sagen. Ich hatte schon mal erwähnt, daß Aufgaben wie "Interviews" im Deutschunterricht ganz überproportional wichtig genommen werden, obwohl die wenigsten je in die Lage kommen, ein Interview zu führen. Aber die Allgegenwart des Fernsehens suggeriert, Interviews seien etwas, was jeder können muß.

Als meine jüngste Tochter ihre Facharbeit in Biologie machte, hat die PPP beinahe ebenso viel Zeit gekostet wie die Untersuchung selbst. Hat sie dadurch aber wenigstenns gelernt, Präsentationen herzustellen, wie die Mediendidaktiker sagen würden? Das Ganze liegt über vier Jahre zurück, und sie hat seither viel handfestes Wissen und Können erworben, aber nie wieder eine PPP gemacht, da müßte sie wieder von vorn anfangen.

Heute schreibt Heike Schmoll in der FAZ wieder mal darüber, daß die Grundschüler so schlecht rechtschreiben können. Eine Schule, die es nicht schafft, den Kindern das Schreiben beizubringen, kann noch so edle Kompetenzziele verkünden – sie hat versagt. Das galt vor 3000 Jahren und gilt immer noch.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 24.02.2015 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28185

Das penetrante Microsoft-Monopol an "unserer" Schule habe ich ein paarmal vergeblich angesprochen und bin bei Lehrenden und Elternden auf völliges Unverständnis gestoßen. 1. Gibt es etwas anderes? 2. Alles andere taugt nix. 3. In der Wirtschaft wird ausschließlich Microsoft verwendet. So werden dann auch gnaden- und gedankenlos .docx- und .xlsx-Dateien per Mail herumgereicht.

Der Microsoft-Kram wurde derartig vehement verteidigt, daß es etwas Religiöses hatte, und sachliche Argumente verhallten ungehört oder unverstanden. Genauso gut hätte ich im Mittelalter in einem oberbairischen Dorf vorschlagen können, aus der katholischen Kirche auszutreten.

(Ja, das ist etwas "off-topic")
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 24.02.2015 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28183

Die "Medienkompetenz" ist in der Tat wichtig, aber nicht in dem Sinne, wie sie seit Jahren im Unterricht stattfindet. Dabei handelt es sich nämlich meist nur um Fertigkeiten, die die Schüler schon mitbringen, während die in schulische Traditionen und die unflexible Schulbürokratie eingebundenen Lehrer sie erst mühsam und widerwillig erlernen müssen. Mir sind etliche Lehrer bekannt, die nicht einmal eine E-Mail-Adresse haben und auch nicht haben wollen, weil sie fürchten, von Schülern, Eltern oder der Schulleitung in ihrer Unterrichtsvorbereitung und / oder Freizeit gestört zu werden.

Die wirklichen Gefahren des Internets und sogenannter sozialer Medien sind hingegen kaum Gegenstand des Unterrichts, weil die meisten Lehrer davon keine Ahnung haben.

Das Thema "Präsentationen" ist ein weiterer Skandal, denn zum einen handelt es sich meist um gezieltes product placement von Microsoft, weil ja PowerPoint-Präsentationen erwartet werden – als ob es keine anderen Programme für diesen Zweck gäbe.

Zum anderen setzt sich in der Wirtschaft, der Verwaltung oder dem Militär allmählich die Erkenntnis durch, daß Folienpräsentationen den Informationsfluß meist eher behindern als fördern, was nicht zuletzt daran liegt, daß zuviel Zeit auf die Verpackung verschwendet wird. Man suche einmal nach "PowerPoint makes stupid" oder "PowerPoint macht dumm"!

In der Schule dient eine PPP, nach allem, was ich weiß, in erster Linie als Ausweichlösung für Schüler, die weder eine schriftliche noch eine mündliche Prüfung bestehen könnten. Mit anderen Worten: Man erlaubt Schülern, ihre Wissenslücken mit billiger Computergrafik zu kaschieren, anstatt sie rechtzeitig zu fördern. Und natürlich sind die Schüler hier im Vorteil, weil sie meist besser als ihre Lehrer wissen, wo man "attraktive" PowerPoint-Vorlagen herunterladen kann. Auf seiten der Lehrerschaft wird versucht, die Angelegenheit zu rationalisieren, denn schließlich sei der Umgang mit PP doch eine Grundfertigkeit im Berufsleben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2015 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28182

„Jedes Kind müsse einen Tabletcomputer oder ein Notebook zur Verfügung haben, außerdem gehöre in jedes Klassenzimmer eine digitale Tafel. Hinter diesem Verlangen kann man handfeste wirtschaftliche Interessen vermuten, doch auch Medienpädagogen mahnen eine deutlich bessere Ausstattung an.“ (FAZ 24.2.15)

Dieses „doch“ ist köstlich.

Der Beitrag ist überschrieben „Digitale Medien drängen mit Macht in die Schule“ und steht im Wirtschaftsteil, wo er auch hingehört. Er zeigt auch: Wenn der pädagogische Nutzen der digitalen Medien nicht gleich erkennbar ist, erklärt man die Bewältigung des Mediums selber zum Lernziel ("Medienkompetenz"). Tatsächlich erfordert zum Beispiel die immer wieder genannte Anfertigung von "Präsentationen" einen sehr großen Aufwand an Zeit und Mühe.

Die Redakteurin Lisa Becker steht übrigens der Mediendidaktik (= -wirtschaft) nicht unkritisch gegenüber, das muß hier fairerweise angemerkt werden. Sie sieht klar das wiederkehrende Schema: Erst sind die teuren Medien da, dann überlegt man sich, wozu man sie verwenden kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2015 um 07.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#28038

In der FAZ und anderswo wird erklärt, warum die Laptop-Klassen schon wieder out sind. Der neue Renner ist "Paducation", die Tablet-Schule. Man tippt nicht mehr, man wischt jetzt. Die USA sind Vorreiter, Deutschland ist "Schlusslicht". Ein Problem sind die lieblosen Eltern, die nicht schon wieder 400 Euro zusätzlich ausgeben wollen. Es gibt aber Sponsoren. Das andere Problem, die greisen Lehrer wie Josef Kraus, löst sich biologisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2014 um 08.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#26863

In Berlin kommt heraus, daß für ungenutzte PCs, Hunderte von Servern, Software usw. an den Schulen vielleicht 100 Mill. oder mehr umsonst ausgegeben worden sind. Ein genauer Überblick ist unmöglich. Es fehlt jede Kontrolle, und dabei ist vom pädagogischen Erfolg noch gar nicht die Rede.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2014 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#25537

Man liest kaum noch etwas über die "Laptop-Klassen". An einer solchen Schule, dem Evangelisch-Stiftischen Gymnasium in Gütersloh, rühmt man sich zwar überdurchschnittlicher Lernerfolge, aber angesichts der enormen Mittel, die man aus den Andeutungen erschließen kann, müßte der Vorsprung geradezu phänomenal sein. Dabei werden die 600 angeschafften Laptops der gehobenen Klasse von den Eltern bezahlt (29 Euro monatlich über vier Jahre). Das zusätzliche Personal usw. stellt die Schule.
Manchmal wird eingestanden, daß nicht alle Lehrer die Möglichkeiten wahrnehmen, die ihnen der Computer biete. Das ist eine jederzeit verfügbare Ausrede; es gibt eben keine Didaktik, die man erst noch um das neue Instrument herum konstruieren müßte - aber wozu?
Damit die Schüler nicht abgelenkt werden, stellt der Lehrer per Knopfdruck den Internetzugang an und ab. Ist das etwa keine "Lehrerzentriertheit" der verpönten Art? Die Schüler lernen auch Zehnfingerschreiben, aber das hätte man billiger haben können, es ist eine alberne Unterforderung des Geräts. (Lernen die Schüler, daß der gesamte Unterricht vom amerikanischen Geheimdienst aufgezeichnet wird?)
Das nächste Desaster steht bevor: Da inzwischen sämtliche Funktionen auf dem Mobiltelefon vereint sind, wirken Laptops wie klobige Steinzeitwerkzeuge, eben richtige "Schlepptops". Wie lange will man sich damit noch lächerlich machen, auch vor den Schülern?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2013 um 04.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#24091

Zur Ehre der SPD-Wahlkreiskandidatin will ich sagen, daß sie mir auf meine Anfrage zum Flugblatt sehr ausführlich geantwortet hat, und zwar persönlich, nicht mit Textbausteinen. Wegen der Steinbrück in den Mund gelegten Formulierung hat sie mich an die Parteizentrale verwiesen, das wollte sie so offenbar auch nicht rechtfertigen. Ihre eigenen Darlegungen liefen darauf hinaus, die Digitalisierung (Internet) zu erleichtern, um die Modernisierung in allen Bereichen zu fördern. Das scheint mir soweit ganz in Ordnung, ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal (wie man so sagt).
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 18.09.2013 um 09.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#24045

Unter Digitalisierung versteht man einen Vorgang, bei dem Vorhandenes, welches zumeist in irgendeiner analogen Form vorliegt, in eine digitale, also eine durch diskrete Zahlenwerte repräsentierte Form umgewandelt wird. Das gibt es seit langem, es ist bekannt und die Erklärungen dazu sollen im Mathematik- bzw. Physikunterricht nicht fehlen.

Die Frage ist nur, was hat man sich unter „Digitalisierung wird ganz oben auf die Lehrpläne gesetzt.“ vorzustellen? Soll jeder Schüler Digitalisierungsspezialist werden? Wozu benötigen wir so viele Digitalisierungsspezialisten, wenn es wie berichtet eher am Grundsätzlichen hapert, also am Lesen, Schreiben, Rechnen, usw.?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.09.2013 um 13.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#24037

"Jeder Schüler braucht einen Laptop und Digitalisierung wird ganz oben auf die Lehrpläne gesetzt.“ (Aus einem Faltblatt, das Steinbrücks Forderungen für den Bundestagswahlkampf darstellt)

Wie soll man sich Lehrpläne vorstellen, bei denen Digitalisierung ganz oben steht? Englisch, Deutsch, Latein usw. – alles digital?

Die meisten Schüler dürften Laptops und noch vieles mehr haben aber wozu "brauchen" sie das Gerät?

Aus demselben Text: "Wir brauchen eine Industrie auf neuestem digitalen Stand mit guten Arbeitsplätzen und die Förderung der Ideen von kreativen Existenzgründern."
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 07.03.2013 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22764

Programmieren ist eine Kunst, die neben semantischer Richtigkeit des Codes alle Fälle behandeln muß, die möglich sind, also alles behandeln, was geschehen soll und auch alles, was nicht geschehen darf.

Kompliziert wird es im Zusammenspiel mehrerer Programme und wenn Programme zu beliebigen Zeitpunkten auf externe Ereignisse reagieren müssen (Interrupt). Das monatliche Microsoft-Update belegt, daß über Jahrzehnte laufend große Mengen an Fehlern in den Programmen gefunden werden, die dann durch solche Updates „gepatched“ werden. Und gäb’s keine Programmierfehler, gäb’s auch keine Hacker.

Vorgesehene Einstellungen am Rechner auszuwählen würde ich als Parametrieren und nicht als Programmieren bezeichnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2013 um 19.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22762

Ganz sicher verhält es sich so. Und im Grunde hat er ja recht, auch wenn wir bloß ein paar Einstellungen ändern usw., programmieren wir ja unsere Computer, wenn auch nur ganz an der Oberfläche.
Vor 30 Jahren, als das alles anfing, wurde mit dem MS-DOS auch ein BASIC geliefert, da habe ich dann auch mal ein bißchen mit gespielt. Aber mir war schon klar, daß ich meine Tage nicht damit verbringen wollte. Immerhin habe ich handgreiflich gelernt, daß man beim Schreiben von Programmen nicht den kleinsten Fehler machen darf. Die Suche danach kann sehr aufwendig sein. Insofern schult das Programmieren, auch wenn man es nicht berufsmäßig treiben will, genau jene Sekundärtugenden, deren Förderung man dem Lateinunterricht zuschreibt (und noch einleuchtender Mathe).
Ich stelle mir vor, daß in den Animationen der Filmindustrie eine schwindelerregende Programmierarbeit steckt, und bewundere Leute, die das beherrschen oder wenigstens durchschauen.
Steinbrücks Bemerkung, "für die Arbeitswelt" sei Computerbeherrschung wichtiger als Latein, ist ja fast tautologisch, denn die Berufe mit Latein sind selten. Die Voraussetzung, daß alles an den Schulen im Dienste der Arbeitswelt zu stehen habe, entspricht wohl Steinbrücks tiefer Überzeugung. Er wollte den Herstellern was Nettes sagen, hat nebenbei schwierige pädagogische Fragen beantwortet und meint wohl, daß ihm das keiner so genau nachrechnet. Es gibt ja viele, die sich mal eben zur Schule äußern, weil sie mit der Folgenlosigkeit ihrer Reden rechnen dürfen. Mal sehen, was er sagt, wenn er vor dem Deutschen Philologenverband redet ...
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 06.03.2013 um 18.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22761

Steinbrück weiß wahrscheinlich nicht, was Programmieren bedeutet, er meint vermutlich das Benützen eines PCs oder eines Smartphones.
Programmieren im eigentlichen Sinn (z. B. Unix, C++, Java, usw.) wird auch in Zukunft kaum etwas für jeden Schüler sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2013 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22760

Auf der CeBIT hat Steinbrück verlangt, man solle jedem Schüler einen "mobilen Computer" zur Verfügung stellen. Programmieren sei die zweite Fremdsprache von morgen, nicht Latein (worin er durchgefallen sei).

Gibt es noch Schüler, die keinen haben? Muß der Staat das bezahlen? Sind die Ergebnisse der Laptop-Klassen (Bertelsmann, Sony) so überwältigend, daß die Ausgabe sich lohnt? Könnte man für die 10 Milliarden nicht mehr Lehrer einstellen?

Die ebenfalls angemahnten Internetfähigkeiten sind doch bei fast allen Schülern längst vorhanden, wir Älteren können uns von unseren Kindern jederzeit Rat holen. "Programmieren" wird immer nur ein Teil der Schüler lernen und später mal brauchen.

Man kann die Selbstironie auch zu weit treiben: Steinbrück plädierte für eine "Kultur des Scheiterns".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2013 um 12.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22666

Eher tivi.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.02.2013 um 10.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22664

Gibt es eigentlich Leute, die tatsächlich Tefau statt Fernsehen sagen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2013 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22662

Ich werde weiterhin alles außer Lebensmitteln bei amazon kaufen. Warum sollte ich zum Erhalt der Buchhandlungen beitragen, etwa Thalia in bester Innenstadtlage? Die Buchhandlungen verschandeln die Städte, jeder Blick in die Auslage dreht mir den Magen um, und der Gedanke an das Innere (alles in falscher Reformschreibung) verdirbt mir die Laune für den ganzen Tag. Waschsalons mit ihren zuverlässig rotierenden Trommeln sind viel schöner.
Bei amazon kriege ich alles billiger, Neuerscheinungen nach ein paar Wochen zum halben Preis, vor allem aber Bücher aus Amerika und anderen Ländern für fast nichts, bloß die drei Euro Porto. Elektrogeräte kann man sich bei Saturn ansehen oder im letzten noch dahinvegetierenden Haushaltswarengeschäft und dann bei amazon marketplace bestellen. Dahinter stecken ja auch Fachgeschäfte, nur eben die preisgünstigsten. Ich bin ein rationales Wirtschaftssubjekt (wie ich vor 50 Jahren in einer schönen Vorlesung gelernt habe). Ebenso rational wie mein Arbeitgeber, der mir das Gehalt bzw. die Pension auch nicht aus Menschenliebe zahlt. Die TV-Sendung über amazon habe ich natürlich nicht gesehen. Hat sich schon mal jemand um andere Saisonarbeiter gekümmert?
Übrigens schreibt ein Leser in der FAZ heute sehr schön, daß er in seinem fernsehfreien Haushalt die TV-Gebühr als den Preis dafür betrachtet, sich "das Programm der Öffentlich-Rechtlichen vom Hals halten zu dürfen. Auf den Tag und die gewonnene Lebenskultur umgerechnet, ist die Abgabe gar nicht mehr zu teuer." – In einem Artikel vom selben Tage sagen Wissenschaftler, Kinder sollten nicht mehr als zwei Stunden am Tag fernsehen. Kinder, die 15 % ihres wachen Lebens vor dem Fernseher verbringen! (Dann erzählen sie einem von einem gewissen Stefan Raab, den ich nicht kenne, der aber demnächst Bundeskanzler werden soll oder so ähnlich, mich wundert gar nichts mehr.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2013 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22505

Nachdem es um die Renommierschulen mit ihren gesponserten „Laptopklassen“ still geworden ist, liest man nur im Regionalteil der Zeitungen immer wieder mal, in dieser oder jener Schule lerne man nun mit Laptops und Ipads und komme „Mit Bits und Bytes zum Abi“ (SZ 29.1.13 über die Privatschule Schloß Neubeuern). Den Schülern mache es Spaß und: „Das Lernen werde dadurch spielerischer und kreativer.“ Das sind alles keine objektivierbaren Kriterien. Interessant auch die Voraussetzung, daß Ausdrücke wie „Bits und Bytes“ immer noch Eindruck machen.
„Große Vorteile hat das digitale System auch, wenn ein Schüler krank ist, weil die Lehrer ihm auf sein Laptop alles schicken können, was im Unterricht durchgenommen wurde.“
Das war ja früher ein unüberwindliches Problem, nicht wahr? Und dafür werden hunderttausend Euro ausgegeben? (Übrigens haben die Jungen blaue Ipads und die Mädchen rosafarbene bekommen. Auch das scheint zur Überwindung der, wie es dort heißt, „anachronistischen“ Pädagogik mit Papier und Stift beitragen zu sollen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2012 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20209

Gerade im Zusammenhang mit dieser Messe war wieder zu hören, wie viele "Laptopklassen" inzwischen gesponsert werden. Gibt es überhaupt noch Medienpädagogen, die keine Auftragsforschung treiben? Die Verlagsbeilagen der Zeitungen zum Thema "Lernen" sind ganz und gar auf elektronische Medien ausgerichtet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.03.2012 um 11.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20208

Wie ist das denn genau mit der Marktmacht, kann man irgendwo sehen, wie sich z. B. die Spiegel-Bestsellerliste auf E-Bücher und gedruckte Bücher verteilt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2012 um 08.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20206

Die sogenannte "Bildungsmesse" didacta wurde auch wieder von den Computer- und Softwarefirmen beherrscht. Die unwidersprochene Botschaft ist, daß das gedruckte Buch total out sei. Für die elektronischen Medien spricht zwar keine pädagogische Empirie, sondern nur die Marktmacht, aber wer könnte sich dagegen vernehmbar machen?
Am Rande spielte auch die Interkulturelle Kommunikation eine Rolle, auch so ein Windei. (Der strikt monokulturelle Innenminister Friedrich sprach sich kürzlich für Bikulturalität der Türken in Deutschland aus ...)
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 04.03.2012 um 00.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20202

MGs Einlassung soll wohl nicht so ernst gemeint sein. Ansonsten ist es unlauter, eine Idee im vorhinein mit einem zu Recht vergessenen Plan zu vergleichen und damit zu diskreditieren.

Praxiserfahrung habe ich genug, um zu wissen, daß Schüler, die ihr eigenes E-Book kaputtmachen, es auch selbst ersetzen müssen. Spätestens beim zweiten gibt's zu Hause Ärger. Und die Schule hat auch kein Problem damit, wenn der Schüler wieder Bücher aus Papier schleppt.
Mit einem Schüler-E-Book geht kein pädagogisches Konzept einher. Es dient dazu, die Schultasche leichter und Literatur und Sachtexte verfügbar zu machen; nicht mehr und nicht weniger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2012 um 08.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20201

Über die Laptop-Klassen haben wir schon gesprochen (hier). Ich verfolge die Entwicklung am Rande mit, weil es schließlich um sehr wichtige Fragen der Lesekultur usw. geht. Aber seither habe ich keine Erfolgsmeldungen von der Laptop-Pädagogik mehr vernommen, obwohl Bertelsmann doch so viel Geld hineingesteckt hat. Es hat in der Pädagogik schon oft "völlig neue Dimensionen" gegeben.
 
 

Kommentar von MG, verfaßt am 02.03.2012 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20200

| Eine sehr überlegenswerte Anwendung von E-Books
| scheint mir in der Schule gegeben.

Diese Überlegung führt in die Irre. Schmeißt man ein Schulbuch in die Ecke oder haut es seinem Mitschüler um die Ohren (beides tägliches Praxis in der Schule), dann funktioniert es hinterher immer noch, es hat hinterher höchstens ein paar Eselsohren oder einen angeschlagenen Deckel.

Macht man das gleiche aber mit einem E-Book oder Laptop, dann ist das entsprechende Gerät hinterher hin.

"Laptopklassen" sind seit 15 Jahren der letzte Schrei der Schulinnovation. Aber nur bei denen, die keine Ahnung von der Praxis haben.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 26.02.2012 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20174

Archive haben schon jetzt das Problem, geeignete Geräte für (inzwischen veraltete) Neue Medien vorzuhalten. Wer benutzt heute noch Disketten, schon gar die großen?
So gehen fünfzehn Jahre alte Aufzeichnungen verloren, während fünfhundert Jahre alte Bücher lesbar sind wie am ersten Tag.

So sind E-Books von heute auch nur Ergänzungsmedien. Sie eignen sich gut, wenn man auf Reisen eine Auswahl von Büchern mit sich führen will. Die eigentliche Bibliothek hat man zu Hause; sogar das Original der Software-Bücher ist im Schreibtischrechner, und nur eine Kopie läuft auf dem E-Book.

Eine sehr überlegenswerte Anwendung von E-Books scheint mir in der Schule gegeben. Wenn alle Schulbücher elektronisch vorlägen, bräuchten die Schüler weit weniger Bücher mit sich herumzuschleppen. Die Bände könnten viel einfacher aktualisiert werden, und selbst konkurrierende Bücher anderer Verlage könnten parallel genutzt werden.
Die Wahrscheinlichkeit, daß Schüler ihre Bücher vergessen, ist auch geringer.
 
 

Kommentar von Peter Schmitt, verfaßt am 26.02.2012 um 13.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20171

Neben den bereits angesprochenen Punkten gibt es Fragen, die – soweit ich es beobachten konnte – selten oder nie angesprochen werden:
Bücher kann man verleihen, verschenken, verkaufen – geht das auch bei E-Books?
Verschiedene Bücher aus einer "herkömmlichen" Bibliothek können von mehreren Lesern gleichzeitig benützt werden.
Bücher, einmal gekauft, werden (voraussichtlich) auch nach 50 Jahren noch benutzbar sein.

Natürlich hat das E-Book auch einen Vorteil, der – zumindest auf den ersten Blick – unbestreitbar ist:
Man kann, wenn man will, auch hundert Bücher mit sich herumtragen. Aber was passiert, wenn das Lesegerät verlorengeht oder unbrauchbar wird?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2012 um 09.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20162

Ich lese ja auch keine Romane mehr, insofern betrifft mich das Problem, das ich selber aufgeworfen habe, nicht so sehr. Nur bei Fremdsprachen mache ich ein Ausnahme, na, und bei orthographisch verhunzten deutschen Romanen, über die ich mich ärgern will (um es dann hier abzuladen). Und Anthony Powells "A dance to the music of time" habe ich nur wegen des schönen Titels gelesen und weil ich jedes Buch, wenn ich mal angefangen habe, auch zu Ende lese, in diesem Fall also zwölf Bände. Poussins namengebendes Gemälde ziert seither meinen Desktop.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.02.2012 um 21.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20161

Für mich ist ein Buch erst wertvoll, nachdem ich es mit Markierungsstreifen an den wichtigen Stellen versehen habe. Ohne Stichwortverzeichnis ist ein Buch kaum brauchbar. Allerdings lese ich keine Romane. (Das längste Buch war Bozena Nemcová: Die Großmutter, Eine Erzählung aus dem alten Böhmen)
 
 

Kommentar von Ralf Gruner, verfaßt am 24.02.2012 um 19.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20160

Ich will die Technik gar nicht zu sehr verteidigen, Herr Riemer, denn ein Buch zu benutzen ist mir eigentlich auch lieber. Aber trotzdem - wenn man sich erstmal darauf eingestellt hat, gibt es auch kleine Vorteile. Im Bett etwa läßt sich einfacher umblättern. Man kann sich die Schriftgröße aussuchen. Man hat unterwegs mehrere Bücher dabei einschließlich Wörterbücher – wer fremdsprachig liest, weiß so etwas sicher zu würdigen.
Daß die Benutzungsdauer mit einer Akkuladung nicht genauer angegeben wird, liegt an der Technik. Das Gerät braucht hauptsächlich nur dann kurz Strom, wenn man umblättert. Einem Käufer aber etwas von 8000 Blättervorgängen zu erzählen, wie es andere Hersteller machen, war Amazon vielleicht nicht anschaulich genug. In der Praxis reicht eine Ladung jedenfalls für mehr als ein Buch.
Die Ladegeräte sind kein Problem, da übliche USB-Schnittstellen benutzt werden, also funktionieren auch Mobiltelefon-Netzgeräte.
Und der Metall- oder Plastikrahmen steckt bei mir in einer gelungenen Lederklapptasche, die man fast wie ein Buch halten kann.
Als Problem empfinde ich eher die Dinge, die unausgereift sind. Beispielsweise ist es unmöglich, die Silbentrennung der Geräte zu aktivieren, weil da gelegentlich greuliche Fehltrennungen passieren. Und selbst wenn das mal besser werden sollte, kennt die Software dann vermutlich nur die reformierten Varianten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.02.2012 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20159

"Ein vollgeladener Akku hält bei ausgeschalteter WLAN-Funktion bis zu einem Monat, wenn Sie täglich bis zu einer halben Stunde lesen. Mit dauerhaft eingeschalteter WLAN-Funktion hält er bis zu 3 Wochen." (Amazon über Kindle)

Immer dieses unverbindliche "bis zu". Ein Durchschnittswert wäre mir lieber. Wenn ich also, z. B. im Urlaub, täglich 3 Stunden lesen möchte, geht das "bis zu" 5 Tagen, mit eingeschalteter WLAN-Funktion "bis zu" 3 Tagen.

Wie oft habe ich mich schon geärgert, wenn ich vergessen hatte, Kamera oder Handy aufzuladen. Und für jedes Teil, incl. Rasierapparat usw., muß man ein anderes Ladegerät dabeihaben.
Wie unabhängig bin ich da mit einem Buch aus Papier.

Und ein schöner Buchumschlag macht mir auch viel mehr Lust zum Lesen als so ein grauer Metallrahmen.
 
 

Kommentar von Ralf Gruner, verfaßt am 24.02.2012 um 13.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20158

Mit Formeln und Skizzen sieht es momentan eher schlecht aus. Es gibt wohl Geräte, die handschriftliche Anmerkungen und Skizzen zulassen, aber da habe ich eher nur über Probleme anstatt Begeisterung gelesen.
Farbige Bildschirme gibt es hierzulande auch noch keine, sofern man die Gerät mit leuchtendem Bildschirm (LCD) nicht mitrechnet. Und der Farbraum und -konstrast der angekündigten Bildschirme mit elektronischem Papier scheint vorerst auch nicht berauschend zu sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.02.2012 um 12.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20157

Eine Frage ist natürlich auch, welche Art Notizen man erfassen kann. Bei Amazon lese ich über Kindle, daß man Notizen über eine virtuelle Tastatur eingeben kann. Also Buchstaben, Zahlen, ein paar Sonderzeichen. Wie ist es aber mit mathematischen Formeln, Skizzen?
Ob und wie ein E-Book farbige Abbildungen und Fotos anzeigt, die in vielen Büchern enthalten sind, konnte ich der Amazon-Beschreibung nicht entnehmen.
 
 

Kommentar von Ralf Gruner, verfaßt am 24.02.2012 um 11.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20155

Wahrscheinlich haben alle Lesegeräte der aktuellen Generation Funktionen für Lesezeichen und Anmerkungen. Akzeptabel benutzen kann man die aber nur bei den Modellen, die mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm ausgestattet sind. Ich benutze beispielsweise ein Cybook Odyssey, da funktioniert das recht gut.
Mit der Position einer zu suchenden Stelle geht es mir ähnlich. Wenn ich einen Roman lese, blättere ich aber meistens nur wenige Seiten zurück, und dann klappt das beim Lesegerät auch einigermaßen, denn man stellt ja nicht ständig an der Schriftgröße herum. Da man aber keinen Finger zwischen die Seiten klemmen kann, um sich die Position zu merken, und es keine rechte oder linke Seite gibt, habe ich mir bei der Benutzung des Gerätes wohl doch einen etwas anderen Lesestil angewöhnt. Das empfinde ich aber nicht als allzu schlimm und möchte den Vorteil der Platzersparnis nicht mehr missen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.02.2012 um 11.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20154

Ich wollte nicht sagen, daß es unmöglich ist, nur habe ich von solchen E-Book-Funktionen bisher nicht gehört. Sicher werden die Geräte auch schnell weiterentwickelt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2012 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20153

Ich bin überrascht: Kann man wirklich in E-Books keine (auch wieder versteckbaren) Notizen eintragen? Bei gespeicherten Texten auf dem PC kann man das doch ganz leicht.
Ja, das Suchen ist natürlich enorm erleichtert, und überhaupt wäre es ja Unsinn, die Vorteile der elektronischen Speicherung usw. zu bestreiten. Aber eben: Suchen ist nicht Lesen ...
Ich muß auch zugeben, daß ich im Laufe meines Lebens viel zu viele Bücher gekauft habe, wenn auch oft antiquarisch (wie ich auch jetzt kaum widerstehen kann, wenn ich bei ZVAB oder amazon ein Buch sehe, das kaum mehr als das Porto kostet, also oft nur 1 Cent plus 3 Euro, das kommt mir dann geschenkt vor). Aber ich habe eigentlich schon lange keinen Platz mehr im Reihenhäuschen, und die Auslagerung in die immer noch bewohnten Kinderzimmer klappt auch nicht so recht. Da wäre die elektronische Speicherung schon besser gewesen.
Der ernste Hintergrund ist natürlich, ob und wie sich unser Verhältnis zur Schrift ändert. Werden wir das gedruckte Buch (und die deutsche Sprache) eines Tages nur noch für Belletristisches nutzen, während die "Information" englisch und elektronisch abgewickelt wird?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.02.2012 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20150

Das mit dem Ortsgedächtnis geht mir ganz genauso. Wenn ich beim Lesen zurückblättere und eine bestimmte Stelle suche, weiß ich, ob ich links oben oder rechts unten usw. suchen muß. Das geht im E-Book sicher verloren, andererseits gibt es vielleicht dort komfortable elektronische Suchfunktionen.

Was ich bei einem E-Book noch vermissen würde: In eigene Bücher trage ich gern mit Bleistift Randnotizen oder Markierungen ein. Vielleicht ließe sich das in einem E-Book sogar auch irgendwie einrichten.

Letzlich ist es wohl eine Frage der Gewohnheit. Im Moment glaube ich nicht, daß ich mir jemals einen (oder ein?) "Kindle" oder ähnliches anschaffen werde.
 
 

nach oben


Ihr Kommentar: Sie können diesen Beitrag kommentieren. Füllen Sie dazu die mit * versehenen Felder aus und klicken Sie auf „Kommentar eintragen“.

Sie können in Ihrem Kommentar fett und/oder kursiv schreiben: [b]Kommentar[/b] ergibt Kommentar, [i]Kommentar[/i] ergibt Kommentar. Mit der Eingabetaste („Enter“) erzwingen Sie einen Zeilenumbruch. Ein doppelter Bindestrich (- -) wird in einen Gedankenstrich (–), ein doppeltes Komma (,,) bzw. ein doppelter Akut (´´) werden in typographische Anführungszeichen („ bzw. “) umgewandelt, ferner werden >> bzw. << durch die entsprechenden französischen Anführungszeichen » bzw. « ersetzt.

Bitte beziehen Sie sich nach Möglichkeit auf die Ausgangsmeldung.
Für sonstige Diskussionen steht Ihnen unser Diskussionsforum zur Verfügung.
* Ihr Name:
E-Mail:
(Wenn Sie eine E-Mail-Adresse angeben, wird diese angezeigt, damit andere mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.)
* Kommentar:
* Spamschutz:   Hier bitte die Zahl einhundertvierundfünfzig (in Ziffern) eintragen.
 


Zurück zur vorherigen Seite | zur Tagebuchübersicht


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM