zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


22.06.2005
 

Rauch

Das Adjektiv „rauh“ soll ohne h geschrieben werden, weil „blau“ auch keins hat.
Nach derselben Logik könnte man vieles ändern. Aber darum geht es mir diesmal nicht.

Die Kürschner kennen das Adjektiv „rauch“. Dudens Universalwörterbuch kennt es auch und phantasiert dazu: „Nebenform von rau“.

Die Wörterbuchmacher haben auch die „Rauhnächte“ um ihr h gebracht, obwohl das Wort gar nicht von „rauh“, sondern vom „Weihrauch“ kommt.

Im Teil I der Reform, dem eigentlich Augstschen, muß auch noch aufgeräumt werden.



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Rauch«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2018 um 08.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#38119

Rauhbauz ist eine alte Schreibweise von Raubauz. Sie ist seit der Reform von 1996 nicht mehr korrekt.“

Die FAZ schreibt also nicht korrekt. Allerdings ist die Etymologie unklar, die Neuschreibung hätte eigens angeführt werden müssen, weil sie nicht aus der Festlegung von rau abzuleiten ist. Das amtliche Wörterverzeichnis enthält aber nichts dazu; die Wörterbücher haben es extrapoliert.

Schon mittelhochdeutsch und dann frühneuhochdeutsch ist das h manchmal weggefallen: , diphthongiert rau. Aber daraus folgt natürlich nichts für orthographisch fortgeschrittenere Zeiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2016 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#33370

Auch lustig:

Der Name Dasypodius ist eine Latinisierung von griechisch δασύπους (dasypous „Rauchfuß“ = Hase, von δασύς „dicht behaart“). Der deutsche Name von Dasypodius ist nicht bekannt, vermutlich lautete er Hasenfratz, vielleicht auch Hasenfuß, Rauhfuß oder Rauchfuß, Has, Häsli oder Häslein. (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2012 um 08.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#19965

FOCUS online 27.1.12:

Die Wahrheit über elektronische Glimmstengel: E-Zigaretten machen süchtig und bedrohen innere Organe – weiter lesen auf FOCUS Online: www.focus.de

Im Text dann Glimmstängel.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.12.2009 um 01.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#15461

Duden Deutsches Universalwörterbuch, 5. Auflage, 2003, Zitat:

Rau|näch|te <Pl.> [wohl zu rau in der Bed. »haarig«, in Anspielung auf mit Fell bekleidete Dämonen, die bes. in diesen Nächten ihr Unwesen treiben] (Volksk.; landsch.): die Zwölf Nächte zwischen dem Heiligen Abend u. dem Dreikönigstag.
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 29.12.2009 um 22.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#15460

In den Brauchtumsseiten von Josef Dirschl

http://www.brauchtumsseiten.de/a-z/r/rauhnacht/home.html

trifft man erfreulicherweise durchweg die Rauhnacht an, aber ausgerechnet im "umfassenden Werk von Prof. Manfred G. Dinnes" mit dem Titel Die Rauhnacht folgt diesem im Fließtext die Raunacht auf der Stelle, ebenso weiter unten. Im Gedicht dann wieder mit "h".
Herr Dirschl, darauf von mir angesprochen, antwortete: Der Text stammt nicht von mir. Ich hatte ihn gefragt, wer da in der Orthographie herumgefummelt hat.

Das ist fürwahr Mischorthographie!
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 28.12.2009 um 18.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#15459

Der von Herrn Roth (#15177) zitierte Wikipedia-Eintrag ist vor rund einem Monat berichtigt worden und lautet nun:

Wortherkunft

Eine Herleitung des Wortes Rauhnacht vom traditionellen Ausräuchern der Ställe durch den Pfarrer oder den Bauern – oft mit Hilfe von Weihrauch – ist möglich. Johannes Boemus (1520) und Sebastian Franck (1534) berichten über das Ausräuchern: "Die zwolff naecht zwischen Weihenacht und Heyligen drey Künig tag ist kein hauß das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache / für alle teüfel gespenst vnd zauberey." (Sebastian Franck, Weltbuech: spiegel vnd bildtniß des gantzen erdbodens ... Tübingen 1534, zit. n. Hans Dünninger, Horst Schopf: Bräuche und Feste im fränkischen Jahreslauf. Kulmbach 1971, S. 24).

Vgl. Meyers Großes Konversationslexikon (1908), Bd. 16 u. 20:

Rauchnächte (Rauhnächte, Losnächte), Nächte, ... in denen man, um böse Geister abzuhalten, Wohnungen und Ställe ausräuchert (woher der Name) und mit Weihwasser besprengt. Da dieses Ausräuchern vorzugsweise in die Zeit der Zwölften (s. d.) fällt, werden auch diese häufig als R. bezeichnet.

Zwölften (Zwölf Nächte), die Tage vom 24. Dezember bis zum Dreikönigsabend (6. Januar). ... Um sich vor den bösen Geistern zu schützen, die in den Z. vorzugsweise ihr Unwesen treiben, besprengt man in katholischen Gegenden an gewissen Tagen der Z., die deshalb auch Rauchnächte (s. d.) heißen, Zimmer und Ställe mit Weihwasser und räuchert sie mit Weihrauch.

Detaillierter z. B. in G. von Neményi, Die Wurzeln von Weihnacht und Ostern. Holdenstedt 2006, S. 39 (Eingabe dort 50):
www.kc-verlag.de/files/leseproben/leseprobe_3894231327.pdf
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.12.2009 um 22.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#15456

(Natürlich ist nicht die Schreibweise rau, sondern nur die sprachliche Verwandtschaft aus H. Pauls Wörterbuch entnommen.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.12.2009 um 21.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#15455

Heute beschreibt der Mannheimer Morgen auf S. 7, wie die Böhmerwäldler "In den Rauhnächten orakeln", in dem Artikel immer wieder die "Rauhnächte", und erklärt dazu, "die Bezeichnung wird von räuchern abgeleitet".
In der Zeitung davor (23.12.09) ging es aber auf S. 6 um Patisseriekunstwerke, die u.a. glatt oder "rau" sein können.

Also wird jetzt unterschieden (nach Hermann Paul, Deutsches Wörterbuch):
rauh von rauch (räuchern), ahd. rouh, mhd. rouch, engl. reek
rau von rau(c)h (behaart), ahd. ruh, mhd. ru, engl. rough
?
Ich glaube kaum, es handelt sich wohl eher um die in letzter Zeit so häufig anzutreffende Mischorthographie.
 
 

Kommentar von (Red.), verfaßt am 05.11.2009 um 20.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#15219

Siehe zu diesem Thema auch die Forumseinträge unter „Fundstücke“ (Link).
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 26.10.2009 um 22.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#15177

Wortherkunft [Bearbeiten]
Der Name leitet sich weder vom Adjektiv rauh (uneben) noch vom Rauch ab. Insbesondere die Herleitung vom traditionellen Ausräuchern der Ställe durch den Pfarrer oder den Bauern − oft mit Hilfe von Weihrauch − ist zwar in der Fachliteratur durchaus anzutreffen, es handelt sich dabei jedoch um eine Volksetymologie (d. h. eine falsche Herleitung). Vielmehr geht die Bezeichnung auf das mittelhochdeutsche Wort rûch (haarig) zurück, und ist in der Kürschnerei als Rauhware für Tierfell noch in Verwendung. Die Nächte stehen in enger Verbindung mit Ritualen rund um das Nutzvieh, aber auch Verwandlungen zwischen Tieren und Menschen oder haarigen mythischen Wesen.

Einkopiert aus Wikipedia zu Rauhnacht.

Jetzt sind die Spezialisten gefragt, was zutreffend ist.
 
 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 26.10.2009 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#15173

Die Firma Garnier bietet ein neues Produkt an, das einen "Anti-Rauh Effekt" verspricht.
 
 

Kommentar von verschoben, verfaßt am 25.10.2009 um 23.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#15169

Kommentar von Atavist, verfaßt am 25.10.2009 um 10.13 Uhr

Zu Herrn Icklers Bemerkung untenstehend:

Stilblüten gibt es ja zuhauf in diesen Zeiten, alle möglichen Mischformen treten da zutage. Ich las vor kurzem "Nur ein Scherz" von Gabriel Josipovici, ein Buch des Haffman Verlages (verlegt bei Zweitausendeins), eigentlich schöne, relativ gut gemachte Bücher.

Sobald ein "daß" sich zeigte, kam Freude auf – denkste! Alles neue Rechtschreibung, aber mit zweckmäßigem Eszett und – mal klein, mal groß, mal auseinander, mal zusammen, oft in Folge im gleichen Absatz! Lektorin ist Juliane Zaubitzer. Ich kann mir vorstellen, sie ist jüngeren Semesters, will heißen, sie hatte in Schule und Studium wenig Berührung mit der "alten" Rechtschreibung.

Sieht so demzufolge die Zukunft aus? Wenige werden "versuchen", die gewachsene Rechtschreibung anzuwenden, auch wird einiges ja wieder einfließen in den Schreibgebrauch – das ist ja unvermeidlich; "rauh" wird neben "rau" weiterbestehen, da bin ich mir sicher (F.A.Z. schreibt oft mit "h", die ZEIT natürlich nicht).


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2009 um 06.26 Uhr

Gestern unterhielt sich die Süddeutsche Zeitung mit den Krimi-Autoren Klöpfel und Kobr über deren neuen Roman "Rauhnacht", und man glaubte schon, bei Piper werde die herkömmliche Orthographie gepflegt. Das Buch ist aber in Reformschreibung gesetzt, nur der Titel nicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.09.2009 um 19.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#14925

Namensschutz? Er könnte glatt mein Lieblingspilz werden:

"Ein junger, orangefüchsiger Rauhkopf sieht dem Pfifferling zum Verwechseln ähnlich und gehört zu den gefährlichsten Giftpilzen Europas." (heutiger Mannheimer Morgen)
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 24.02.2007 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#7838

Erst durch die Wörterhackschnitzler und -säger ist mir aufgegangen, wie schön das Wörtchen "rauh" mit seinem h ist, denn es läßt schon durch seine Schreibung fast ahnen, wie sich Rauhigkeit in ihren vielen Varianten anfühlt, nämlich auf keinen Fall so lasch, wie es "rau" vermuten läßt, das schon assoziativ wegen der Ähnlichkeit mit flau, mau, grau, lau in die falsche Richtung führt.
Komisch sind dann ja auch die Zusammensetzungen: Rauputz, aufgeraut, Raufußkauz, Raubauz. Was sind Raubeine? Und heißt es jetzt "Raues Haus"?
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 24.02.2007 um 15.37 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#7837

Sicher denken die Pennäler nunmehr, d.h. nach Augst, bei Rauchwaren an Glimmstengel (Glimmstängel!) u.ä., selbst auf der entsprechenden Leipziger Messe im Rauchverbot. Wie sollte man einen Diphtong mit h dehnen, dachten die sonst so (volks)etymologiebeflissenen Deformer.
 
 

Kommentar von Christoph Kukulies, verfaßt am 24.02.2007 um 15.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#7836

Heute stolperte meine Frau mein Lesen einen Kinofilmtitels über das Wort „rauh“, das wohl in dem Titel „rauen“ geschrieben wurde.

Tja, so wird noch manches schöne deutsche Wort hin und wieder zu Markte getragen werden und muß sich dann ohne „h“ allen Lesern einmal zeigen.

Nebenbei kam mir der Gedanke, warum die Reformer sich nicht auch gleich über das Wort „zäh“ hergemacht haben. „zäe“ wäre doch auch ganz nett, oder?
 
 

Kommentar von Dr. Dietrich Schuberth, verfaßt am 24.06.2005 um 12.42 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#564

Die Kürschner kennen, bearbeiten und liefern Rauchware, d.h. Rauhwaren mit rauher Oberfläche: Pelzwaren. Das h ist also kein Dehnungs-h, sondern der Rest von ch.
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 22.06.2005 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#527

> Hier bei uns im Norden wird blau mit einem kurzen "U" gesprochen.

In Schwaben auch. "Blau" mit tieferem "a" und kürzerem "u". "Rauh" wie "blau"
auszusprechen, wäre fast schon unverständlich, umgekehrt ebenfalls.
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 22.06.2005 um 12.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#525

Die bei Reclam erschienene zweisprachige Ausgabe von Ausonius' Mosella ist in Reformschreibung verfaßt. Das "rauh" jedoch hat sich der Bearbeiter nicht entgehen lassen: "rauhe Felsen" (S. 51).
 
 

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 22.06.2005 um 10.04 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=150#520

Hier bei uns im Norden wird blau mit einem kurzen "U" gesprochen, rauh hingegen mit einem langen "U" (blau mit nur leicht gespitzen Lippen gesprochen, rauh mit stark gespitzen Lippen).
Von der Herkunft einmal abgesehen, halte ich ein Dehnungs-H hier für sinnvoll, da es die übliche Aussprache widerspiegelt. (Will sagen: Die Aussprache hier bei uns... aber man sagt ja, daß wir in Niedersachsen das "richtige" Hochdeutsch sprechen ;-)

 
 

nach oben


Ihr Kommentar: Sie können diesen Beitrag kommentieren. Füllen Sie dazu die mit * versehenen Felder aus und klicken Sie auf „Kommentar eintragen“.

Sie können in Ihrem Kommentar fett und/oder kursiv schreiben: [b]Kommentar[/b] ergibt Kommentar, [i]Kommentar[/i] ergibt Kommentar. Mit der Eingabetaste („Enter“) erzwingen Sie einen Zeilenumbruch. Ein doppelter Bindestrich (- -) wird in einen Gedankenstrich (–), ein doppeltes Komma (,,) bzw. ein doppelter Akut (´´) werden in typographische Anführungszeichen („ bzw. “) umgewandelt, ferner werden >> bzw. << durch die entsprechenden französischen Anführungszeichen » bzw. « ersetzt.

Bitte beziehen Sie sich nach Möglichkeit auf die Ausgangsmeldung.
Für sonstige Diskussionen steht Ihnen unser Diskussionsforum zur Verfügung.
* Ihr Name:
E-Mail:
(Wenn Sie eine E-Mail-Adresse angeben, wird diese angezeigt, damit andere mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.)
* Kommentar:
* Spamschutz:   Hier bitte die Zahl einhundertvierundfünfzig (in Ziffern) eintragen.
 


Zurück zur vorherigen Seite | zur Tagebuchübersicht


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM