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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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03.05.2011
 

Großer Kopf
Anmerkungen zu Pferden

Auf seiner Website definiert der Duden das Pferd, angeblich eine der meistgestellten Fragen:

"als Reit- und Zugtier gehaltenes hochbeiniges Säugetier mit Hufen, meist glattem, kurzem Fell, länglichem, großem Kopf, einer Mähne und langhaarigem Schwanz"

Nun gut. Aber was kann ein Benutzer, der eine solche Erklärung braucht, mit der folgenden Synonymik anfangen:

"Brauner, Falbe, Fohlen, Fuchs, Hengst, Kaltblut, Pony, Rappe, Schecke, Schimmel, Stute, Vollblut, Wallach, Warmblut; (gehoben) Füllen; (bildungssprachlich) Pegasus; (bildungssprachlich scherzhaft) Rosinante; (umgangssprachlich scherzhaft) Hafermotor; (abwertend) Klepper, Schinder, Schindmähre; (süddeutsch, österreichisch, schweizerisch, sonst gehoben) Ross; (norddeutsch, mitteldeutsch) Kracke; (mitteldeutsch und süddeutsch, sonst abwertend) Gaul; (landschaftlich) Rössel; (landschaftlich, besonders berlinisch) Zossen; (veraltend) Mähre; (Kindersprache) Hottehü, Hottepferdchen, Hotto; (Pferdesport) Galopper, Traber; (Pferdezucht) Remonte"

Im landesüblichen Sinne wären solche "Synonyme" austauschbar, was hier zweifellos nicht zutrifft.

Unter "Rosinante" schreibt das Wörterbuch (wie alle Dudenbände):

"Ro­si­nan­te, die
Wortart: Substantiv, feminin"

Ich habe Rosinante als maskulin in Erinnerung und bin etwas überrascht.



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Kommentare zu »Großer Kopf«
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Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 04.05.2011 um 19.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1445#18584

Da der Duden auf CD vor kurzem kostenlos der COMPUTER BILD beilag und auch als Buch längst zu Ramschpreisen erhältlich ist (14,99 Euro für ein Paket, welches aus dem gedruckten Rechtschreibduden, dessen CD-Version, dem gedruckten Fremdwörterbuch sowie der Rechtschreibprüfung besteht), war das kostenfreie Angebot des Dudenverlags nur ein logischer Schritt, auch wenn die Redaktion 2009 anläßlich der Strategie von PONS noch einmal betonte: »Das wollen wir nicht!«
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 04.05.2011 um 19.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1445#18583

Spiegel online berichtet über den Gratis-Online-Duden:

www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,760638,00.html

Es gibt dazu dort auch ein Forum.
 
 

Kommentar von Premium-Kunde, verfaßt am 04.05.2011 um 00.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1445#18581

Der "Duden-Newsletter" verspricht

"Exklusive Tipps zu Rechtschreibung, Grammatik, Kommaregeln, neuen Büchern etc."

Die Reform hat doch alles so einfach gemacht. Wozu braucht es da ständig neue Hilfen, Erklärungen, Infokästen, Schulungen, ...? Und jetzt auch noch vermeintlich "exklusive" Ratschläge? Was soll man sich eigentlich darunter vorstellen? Noch "bessere" Regeln und Schreibweisen?
 
 

Kommentar von www.sueddeutsche.de, 3. Mai 2011, verfaßt am 03.05.2011 um 22.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1445#18580

Aus Sprechern sollen User werden
Es hat gedauert, aber jetzt endlich ist auch der deutsche Duden online

Eigentlich ja eine fabelhafte Sache: Die neue Webseite des Duden ist seit diesem Montag online. Endlich auch in Digitalien ein orthographischer Stecken und Stab für uns ahnungslose Sprach-User. Schließlich weiß spätestens seit der Rechtschreibreform keiner mehr, wie man was zu schreiben hat. Apropos: Ist Orthographie überhaupt korrekt? Oder heißt es mittlerweile Ortografie? Gleich mal nachschauen auf www.duden.de/suchen/: 'Orthografie, Orthographie, die. Wortart: Substantiv, feminin'. Geht also beides

Ansonsten aber ist der Eintrag zur 'Orthographie' noch keine Werbeveranstaltung für das neue Zentralregister der deutschen Rechtschreibung, sondern zeigt, dass der Duden bislang online schlichtweg nicht mithalten konnte mit den Entwicklungen des Internets 2.0:

Es gab da jeweils drei Rubriken: 'Duden online' zeigte schmallippig, wie man das Wort zu schreiben hat, siehe das Orthographiezitat. In 'Sprachwissen' wurden ohne jeden Zusammenhang ein paar Sätze oder Halbsätze versammelt, in denen die Dudenredaktion irgendwann mal das gesuchte Wort verwendet hat. Der 'Shop' zeigte einem dann noch absolut randommäßig einige Wörterbücher aus dem Duden-Verlag an.

Anscheinend ist mittlerweile aber auch der Dudenredaktion klargeworden, dass die einzige Möglichkeit, im Internet zu überleben, darin besteht, sich auf das zu besinnen, was man wirklich kann, und den Rest denen zu überlassen, die es besser können: Da man in jedem usergenerierten Fragenforum bessere Beispielsätze für die 'Orthographie' findet als auf der eigenen Homepage, hat die Redaktion wohl eingesehen, dass es nicht mehr reicht, ein paar verlinkte Halbsätze als 'Sprachwissen' zu verkaufen.

Bislang lässt nur die 'Liste der 100 meistgelesenen Artikel' erahnen, wo es hingehen soll mit dem digitalen Duden: Gibt man aus dieser Liste das Wort 'Dekolleté' ein, werden einem Rechtschreibung, Bedeutung, Synonyme und etymologische Herleitung geboten. Die Rubrik 'Wussten Sie schon?' kann man sich eventuell sparen, steht da doch einzig der Hinweis: 'Dieses Wort wird oft falsch geschrieben.' Wenn wir irgendetwas wussten, dann genau das, ansonsten hätten wir uns kaum die Mühe gemacht, dem Duden ins Dekolleté zu schauen.

Die angeblich meistgelesenen Artikel behandeln übrigens die Wörter 'widerspiegeln', 'sodass', das schon erwähnte 'Dekolleté', 'selbständig', 'krakeelen', 'kennenlernen', 'Rhythmus', 'Walpurgisnacht' und 'flirten', womit wir der geneigten Leserschaft zum Schluss bereits die anscheinend zehn kniffeligsten Wörter der deutschen Sprache in Reihenschaltung präsentiert hätten.

alex

http://www.sueddeutsche.de/P5T38F/4070102/Aus-Sprechern-sollen-User-werden.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2011 um 12.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1445#18578

Auf derselben Seite empfiehlt Duden wieder einmal selbstständig, verbreitet also weiterhin den Irrtum, daß es sich hier um Schreibvarianten desselben Wortes handele. Aber wie können unterschiedlich ausgesprochene Wörter bloße Schreibvarianten sein? Das bleibt unkommentiert, wie seit je (auch schon vor der Reform, die hier genau genommen gar nichts geändert hat, denn die Neuaufnahme – oder Wiederaufnahme nach langer Unterdrückung – eines Wortes in das Wörterbuch ist keine orthographische Änderung).
 
 

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