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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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11.04.2011
 

Euphemismen
Wieviel Schonung braucht der Mensch?

Eigentlich wollte ich sagen: "Sie sind aber alt geworden!"

Das verbietet sich natürlich, und so sage ich:

"Wir haben uns lange nicht gesehen."

Das ist in Ordnung, aber was soll man dazu sagen, daß, wie gerade heute wieder in der SZ, jemand "an den Folgen einer Krebserkrankung" gestorben ist? Er ist an Krebs gestorben.

Wir haben schon öfter über die besonders rigiden amerikanischen Richtlinien der politischen Korrektheit gesprochen. Man sieht, wie die Wissenschaftler den vorgeschriebenen Jargon einüben und die Redakteure noch den letzten Schliff geben, aber es sind schon enorme Eiertänze, die da verlangt werden:

Use "older persons" (not "elderly")
Do not use general labels (Asian) when you can use a geographically based reference: (Chinese Americans).
Use currently accepted and non-biased references to populations of differing race and ethnicity: "Black" or "African Americans", "Native Americans", "Asian Americans".
When referring to any population, be as specific as possible.
Capitalize all references to ethnic and racially based populations.
Use "lesbians" and "gay men" (not "homosexuals"), "sexual orientation" (not "sexual preference")
Use 'people diagnosed with schizophrenia' and 'people with AIDS' (not 'schizophrenics' or 'AIDS victims' or sufferers). In general, it is both wise and kind to avoid language that would equate a person with their condition.
Avoid gender stereotyping. Do not use "men" to refer to adult humans; do not make references to "standard male reactions."
"Gender" refers to culturally based behavior, and should be used in discussions of men and women in social groups. "Sex" is a biological distinction, and should be used in discussions emphasizing biological factors, such as "sexual hormones."

Das ist für Psychologen (American Psychological Assiciation). Je weniger sachliche Fortschritte, desto korrekter die Darstellung. Das gilt auch für die Sprachwissenschaft.



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Kommentare zu »Euphemismen«
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Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.06.2019 um 22.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41758

Nicht unbedingt auf die "Erkrankung" bezogen, aber vielleicht sind manche Euphemismen ganz normale Wörter oder Ausdrücke, die erst in einem bestimmten Kontext eine euphemistische Bedeutung bekommen oder, wenn sie besonders profanen Wörtern gegenübergestellt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2019 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41754

Bisher gibt es keine Heilung für die Erkrankung. (heilpraxisnet.de 21.6.19)

Erkrankungen kann man eigentlich nur verhindern, nicht heilen.

Karin Struck starb 2006 nach einer langen Krebserkrankung. (Wikipedia)

Rund eine halbe Million Menschen erkranken allein in Deutschland jährlich an einer Krebserkrankung. (FAZ 26.6.19)

Sie werden also krankwerdend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2019 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41613

Noch einmal zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20357 und den dort folgenden Einträgen:

Ein Verwaltungsangestellter in der Küstenstadt Virginia Beach hat an seinem Arbeitsplatz das Feuer auf seine Kollegen eröffnet. (ZEIT 1.6.19)
= „hat auf seine Kollegen geschossen“. Noch immer kommt mir das Feuer eröffnen schräg vor.

Zum Waffenproblem der USA möchte ich Paul Therouxs „Deep South“ erwähnen. Er berichtet von mehreren Gun shows in kleinen Orten, die er anscheinend besonders gern besucht, weil er sie für aufschlußreich hält. Den deutschen Leser befremdet es zunächst, aber allmählich interessiert es ihn auch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2019 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41482

Man stirbt immer an den Folgen von etwas, das zeigt auch die Google-Recherche.

Übrigens hat der kürzlich verstorbene Roland Harweg, der bedeutendste Vertreter der "Textlinguistik", ein ganz seltsames, sehr umfangreiches Buch "Leben und Tod" (2017) hinterlassen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.05.2019 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41480

Es ist aber so – man stirbt nicht unmittelbar an Krebs, sondern an Organversagen und anderen Komplikationen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.05.2019 um 14.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41479

zu #41474, R.M.:
"Theodor Ickler, 4. 2. 2014: »An Krebs stirbt niemand, bloß an den Folgen.«"

Das ist ein aus dem Zusammenhang gelöstes Zitat.
Es ist eine ironische Wiederaufnahme der Formulierung von ZEIT online.

Die richtige Meinung von Prof. Ickler dazu steht im Haupteintrag:
Man stirbt nicht an einer Erkrankung, sondern an der Krankheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2019 um 20.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41475

Ja, gehört zusammen, als neue Redeweise.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.05.2019 um 19.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41474

Theodor Ickler, 4. 2. 2014: »An Krebs stirbt niemand, bloß an den Folgen.«

Insofern ist die aufgespießte Formulierung korrekt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2019 um 13.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41472

Bremer CDU-Landeschef stirbt nach Krebserkrankung

– vermutlich an Krebs...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2019 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41461

Manchmal verwendet man Schimpfwörter als Kosenamen; Luder, Lump usw. (Aus Niederhessen kenne ich Huttich für kleine Kinder, steht auch im Grimm.)

Das fällt unter Verstellungsspiel und entspricht nichtsprachlich einem spielerischen Beißen, Boxen, Knuffen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2019 um 16.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41341

Noch einmal zu sozial schwach. Seither ist viel Kritik an dem Wort geübt worden. Gestern fand ich es in der FAZ zusammengeschrieben, was zweifellos mit einem Zentralakzent auf der zweiten Silbe einhergeht.

Duden:

- schwach „drückt in Bildungen mit Substantiven – seltener mit Verben (Verbstämmen) – aus, dass die beschriebene Person oder Sache etwas nur in geringem Maße hat, aufweist, kann
Beispiel
geburten-, struktur-, verkehrsschwach

Dann sollte man oft finanzschwach sagen, wenn man „arm“ meint.

In den USA wird poor auch vermieden. Besonders in bezug auf den Süden ist es auch Deckwort für black.

Es gibt auch Kritik an bildungsfern, aber die Umschreibungen sind ungeeignet. Familien, die ihre Kinder davon abhalten, höhere Schulen usw. zu besuchen, sind bildungsfern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2019 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41028

Die Erkrankung hat nun fast die ganze Umdrehung des Euphemismenkarussells durchgemacht:

Facharzt für Haut- und Geschlechtserkrankungen

Sind süße Marienkäfer Überträger von Geschlechtserkrankungen auf uns Menschen?


usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2019 um 04.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#41027

Er hat schon einmal Ärger mit der Polizei gehabt.

Das klingt, als ob die Polizei Leute belästigt, und deckt in Wirklichkeit Ordnungswidrigkeiten und Kleinkriminalität, aber auch Autodiebstahl u. ä.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2019 um 03.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40573

Zum Klatsch über "Prominente", die ja nicht wirklich bedeutend sein müssen, paßt das Wort liiert, die Verkleinerungsform von verbunden. Wieder wirkt das Fremdwort hypokoristisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.12.2018 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40238

Von den Verführungen des Zeitgeistes war auch er nicht unangefochten. (Nachruf auf Michael Schmaus in FAZ 10.12.93)

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Brinkmann bis 1957 im höheren Schuldienst, weil seine Verstrickung in die Nazizeit eine Rückkehr in das alte Amt zunächst unmöglich machte. (FAZ 15.7.2000 Maximilian Scherner im Nachruf auf Hennig Brinkmann)

(Es ist kein Einzelfall, daß Nationalsozialisten eine Zeitlang zwar nicht mehr an der Universität, wohl aber an Schulen weiterhin lehren durften. Umgekehrt wäre es sinnvoller gewesen, denn die Lehrer prägen uns stärker als die Professoren.)

Jenseits dieser Ideen (sc. Jena-Plan) war Petersen jedoch auch verstrickt in den Nationalsozialismus und Antisemitismus. (SZ 21.4.10 über Peter Petersen)

Verstrickung ist das Wort der Wahl in diesen Zusammenhängen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2018 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40139

De mortuis...

Zum Feinsten, was es hier gibt, gehört ein Nachruf der NZZ auf den Philosophen Manfred Riedel:

Manfred Riedels auf die Sprache und zuletzt auf abendländische «Sendungen» hörende Kulturhermeneutik verdankt nicht nur Hans-Georg Gadamer, sondern auch Martin Heidegger manches. Das Echo, das sie gefunden hat, ist in der intellektuellen Landschaft Gesamtdeutschlands schwächer gewesen, als ihr Verkünder sich erhofft haben mag. Am 11. Mai, einen Tag nach seinem dreiundsiebzigsten Geburtstag, ist Manfred Riedel gestorben.

Ich kannte Riedel aus seiner kurzen Marburger Zeit, als er noch sehr jung war. Warum ich seine Lehrveranstaltungen bald wieder aufgegeben habe, weiß ich zwar nicht mehr, aber beim neuerlichen Versuch, seine Texte zu lesen, kann ich es mir denken. Man könnte ja vermuten, sein "Hören auf die Sprache" sei für Linguisten interessant, aber das trifft nicht zu. Es geht eben doch nur um die "akroamatische Dimension der Hermeneutik".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2018 um 07.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40076

Das reicht wohl nicht aus, weil es nicht den Euphemismus, sondern nur die Metapher erklärt. Wenn der Lehrer ein Donnerwetter über die Schüler niedergehen läßt, liegt dieselbe Metapher vor, aber kein Euphemismus.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.11.2018 um 14.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40074

Nach meiner Meinung ist "Pogrom", weil abgeleitet von "Donner" oder Gewitter, ein Euphemismus, weil die Bezeichnung ein Naturereignis vortäuscht, während es in Wirklichkeit ein Menschenerzeugnis ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2018 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40070

Was wir gewissermaßen als Seismographen des gegenwärtigen Sprachgebrauchs aufzeichnen sollten, weil solche Dinge schon wenige Jahrzehnte später einfach nicht mehr rekonstruiert (nachgefühlt) werden können, sind die Nebentöne. Gestern habe ich im Radio bis zum Überdruß hören müssen, auch die evangelische Kirche wolle ihre Fälle "sexualisierter Gewalt" aufarbeiten. Die Willfährigkeit, mit der dieses künstliche Wortgebilde zur Norm gemacht und flächendeckend befolgt wird, erregt bei mir starken Ekel. So auch die Willfährigkeit offiziöser Organe wie der Wikipedia (sie hat – als modernes Universallexikon schlechthin – normative Wirkung; auch ihre strikte und schleunige Umstellung auf Reformschreibung ist in Erinnerung zu rufen).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.11.2018 um 23.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40069

Schon die Verkürzung auf Kristallnacht war eine Lüge, denn der Hohn des Begriffs Reichskristallnacht speist sich ja gerade aus dem offiziösen Reichs-. Aber solche Dinge sind den Wortingenieuren natürlich zu hoch.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.11.2018 um 22.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40068

Es mag sein, daß das russische Wort pogrom eine solche Entwicklung oder Interpretation erfahren hat, aber es besteht natürlich aus dem Präfix po- und dem Wort grom = Donner, also ganz wörtlich ist ein Pogrom sowas wie ein Donnerwetter, was dann halt manche auch wieder als Verharmlosung sehen.

Ich kenne nicht die Wurzel der deutschen Wörter grummeln, grollen, aber es würde mich nicht wundern, wenn sie etwas mit dem russische grom zu tun hätten. Zumindest stellt Paul bei beiden auch die Verbindung zu Donner her.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.11.2018 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40067

russ. Pogrom = Blutbad (Langenscheidt)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.11.2018 um 14.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40065

Siehe z.B. https://www.deutschlandfunk.de/nachgefragt-warum-ist-der-begriff-kristallnacht-verschwunden.2852.de.html?dram:article_id=432858

Da steht u. a., daß auch Progrom als verharmlosend gesehen werden könnte und daß das angeblich verharmlosende Kristallnacht wohl nicht von den Nazis, sondern vom Volksmund geprägt wurde und international immer noch benutzt wird. Es ist immer dasselbe mit den Versuchen einer politisch korrekten Sprechweise. PC wird nie funktionieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2018 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40064

Wikipedia bucht jetzt die Reichskristallnacht unter "Novemberpogrome", einer Erfindung von ganz korrekten Besserwissern.
Ich habe mich schon als Schüler, über den unbefriedigenden Geschichtsunterricht hinaus, mit dem Dritten Reich beschäftigt, und "Kristallnacht" hat sich für mich durchaus mit dem ganzen Schrecken verbunden, wie er nun einmal stattgefunden hat. So auch in den seltenen Erzählungen der Zeitzeugen.
Man setzt eine weitgehende Geschichtsvergessenheit voraus, wenn man unterstellt, jemand könnte mit dem Ausdruck etwas Putziges verbinden.
Außerdem kann ich mich nicht davon befreien, in "Pogrom" die slawische Herkunft zu spüren, und das ist mir fast so unangenehm wie das religionswissenschaftlich-griechisch-römische "Holocaust".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2018 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#40057

Verantwortung übernehmen = an die Macht kommen

mehr Verantwortung übernehmen = aufrüsten und gegebenenfalls militärisch eingreifen
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2018 um 12.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#39654

Clan bekommt gerade, durch die bekannten Umstände, eine zweite Bedeutung. Steht noch nicht im Duden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2018 um 17.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#38740

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29810

"Jetzt ist Leadership nötig, Frau Merkel", sagte Lindner vor den Delegierten.

Der Ausdruck stammt aus der Unternehmenspsychologie und paßt insofern zur FDP, abgesehen von der Vermeidung von Führer. Leader Lindner wüßte sicher, was zu tun ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.05.2018 um 20.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#38683

Dieses ständige Gerede von der "schwarzen Null" bei über 2 Billionen Euro Staatsschulden!

Wenn jemand 8 Bruttomonatslöhne in der Kreide steht, hat er bei gesicherter Anstellung zwar noch keine Existenzkrise, aber sicher auch keine schwarze Null! Für mich ist dieser Ausdruck kein Euphemismus mehr, sondern ständiger Betrug am Volk.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 05.03.2018 um 11.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#38055

Wenn die Hymne schon gegendert wird, sollte man auch gleich die Schreibweise zeitgemäß gerecht nachhaltig anpassen, und zwar in „Nazionalhümne”. Das „z” entsteht dabei analog zur Änderung von „Potential” in „Potenzial”, und der Rest dient der gerechten Vereinfachung beim Schreiben und damit der Vermeidung von Schreibfehlern.

Im nächsten Schritt könnte man dann zu „Natzional-Hümne” prozedieren, analog zu „platzieren”, und der Bindestrich ist für die Einfache Gerechte Sprache.

Im Ernst: Das „couragiert” ist ausgesprochen beschäuert, es ändert den Sinn und ist auch sonst ein Fremdkörper im Test. Man könnte „gemeinschaftlich” verwenden, müßte dann natürlich für die ersten beiden Silben die Viertelnote in zwei Achtelnoten aufteilen – technisch kein Problem, und Hadyn ist eh tot.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2018 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#38046

Sehr gut!

Das bloße Vorhandensein solcher Wörter wie "geschlechtergerecht", bezogen auf die Sprache, suggeriert, daß es bisher sprachlich nicht geschlechtergerecht zugegangen sei ("Handlungsbedarf"). Während die Sprachwissenschaft das Genus/Sexus-Thema noch diskutiert, hat die Politik durch Machtspruch längst Tatsachen geschaffen (verpflichtendes gender mainstreaming) und darüber hinaus durch wahrheitswidrige Behauptungen die Wirklichkeit verändert und der Sprache ihre Unschuld genommen. Unschuld bedeutet hier generisches Maskulinum als unmarkierte Form. Bisher haben auch Schwestern brüderlich geteilt und fühlten sich im Vaterland wohl, das geht nun nicht mehr.

Der Bundestag wird nachgeben, schon damit die Quengelei der eigens dafür bezahlten Gleichstellungsbeauftragten aufhört.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 04.03.2018 um 19.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#38041

Anders als „brüderlich“ ist „couragiert“ auf der letzten, nicht der ersten Silbe betont, deshalb geht der Vorschlag der Gleichstellungsbeauftragten nicht. Der Tonbeugung wegen könnten Kinder fälschlich „Kuh rasiert“ verstehen. Eine Änderung der Hymne sollte im übrigen der Vielfalt im Lande Rechnung tragen und Minderheiten berücksichtigen, die bisher nur mitgemeint sind, z. B. übergewichtige Tierfreunde:

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Kunterbunt
Danach laßt uns alle streben
Kugelrund mit Herz und Hund
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2018 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#38039

Könnte man nicht diese Gleichstellungsbeauftragte sofort entlassen? Und dazu alle anderen. Wer kann sich erinnern, aus dem Munde solcher Stelleninhaber je etwas Vernünftiges gehört zu haben? Mit den eingesparten Gehältern könnte man etwas für Frauen tun.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.03.2018 um 16.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#38037

Man könnte einfach die zweite Strophe nehmen und »Frauen« durch »Autos« ersetzen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.03.2018 um 13.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#38036

Für das "Heimatland" haben einige deutsche und österreichische Bundesländer schon ihre eigenen Hymnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2018 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#38032

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März fordert die Gleichstellungsbeauftragte des Bundesfamilienministeriums, Kristin Rose-Möhring, eine Änderung des Texts der Nationalhymne. Aus "Vaterland" solle "Heimatland" werden, aus der Zeile "brüderlich mit Herz und Hand" solle "couragiert mit Herz und Hand" werden, zitiert die "Bild am Sonntag" aus einem Schreiben der Ministeriumsbeauftragten. (Meldung 4.3.18)

couragiert ist die Verniedlichung von mutig/tapfer und paßt zur Selbstverzwergung.
Zu erwägen wäre auch mit Andrea Nahles: ohne Bammel mit der Hand.

Eine Änderung wird bestimmt kommen, das läßt sich gruppendynamisch gar nicht mehr vermeiden (Hammelherde und Gutmenschentum Hand in Hand).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2018 um 06.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#37570

Fuhrpark, Maschinenpark usw. sind schon älter, nun gibt es Serverfarmen. Bei der Windenergie steht es unentschieden: Windpark, Windfarm. Wind wird ja auch "geerntet".

(Daß Server usw. viel Energie brauchen, wußte ich zwar, aber daß es so viel ist, wie in der FAZ vom 13.1.18 beschrieben, hat mich doch erstaunt. Was ich zum Beispiel alles in Bewegung setze, wenn ich dies hier eintrage...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2018 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#37545

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23174

Eine weitere Bestätigung ist die nun allgegenwärtige Rede von den Steuersündern, die mit Cum-Ex-Geschäften den Fiskus um mehrere Milliarden betrogen haben.

Wikipedia:

Umgangssprachlich wird unter „Sünde“ oft eine als falsch angesehene Handlung verstanden, ohne dass damit eine theologische Aussage impliziert wäre. In trivialisierter Form begegnet der Begriff beim Verstoß gegen Diätvorschriften („gegen die Linie sündigen“), Kleidermode-Ästhetikvorstellungen („Modesünde“) oder gegen Verkehrsregeln („Parksünder“).

Es ist gewissermaßen ein Archaismus, eine nicht ganz ernstzunehmende Erinnerung an die Zeiten, als noch Sünden gab. Es schwingt mit: "Wie komisch!"

Nachtrag: sündhaft teuer sind die Wohnungen in Peking und Shanghai. Dieselbe Konnotation auch hier. Manche kaufen sich ein sündhaft teueres Objekt, unvernünftig genug, aber "das gönn ich mir!"
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.01.2018 um 14.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#37538

Es geht sogar noch weiter. Man muß noch nicht einmal feindselig oder ablehnend gegenüber Menschen sein.

Man muß nur eine bestimmte Politik ablehnen. Schon heißt es anstelle von Gegenargumenten, aha, er haßt Ausländer. Haß ist zum typischen Totschlagargument geworden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 29.12.2017 um 16.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#37413

"Haß" wird derzeit weithin in diskriminierender Absicht anstelle von "Feindseligkeit" oder auch nur "Ablehnung" gebraucht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.12.2017 um 14.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#37412

Ein Euphemismus für ängstlich ist das Wort besorgt.

Allein durch dieses Attribut hat man die "Ängstlichen" schon ein wenig ernster genommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2017 um 18.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#37398

Das breite Wortfeld einfach, schlicht, simpel ist darum schwer zu bearbeiten, weil ein Teil seiner Mitglieder durch die Euphemismen-Mühle gelaufen ist, nämlich so, daß diese Wörter als Hüllwörter für Dummheit gebraucht werden. Das ist in anderen Sprachen ähnlich. "Der Gutmütige ist der Dumme" spricht auch eine semantische Tatsache aus.

Wie zu erwarten, ist ein schlichtes Gemüt ein bißchen einfältig oder dumm. (Flauberts "Un cœur simple", unsere Schullektüre, habe ich schon erwähnt.) Aber ein schlichtes Kleid wird jeder loben, außer in wenigen besonderen Kontexten, wo mehr Prunk erwartet wird. Hier fehlt der Anlaß zur Schönfärberei, folglich bleibt es beim ursprünglichen Sinn.

Wie man sieht, erfordert die synonymische Differenzierung die Beachtung des jeweiligen Kontextpartners.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2017 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#37397

Fremdwörter als "Hypokoristika", dafür hatten wir schon viele Beispiele. Fauxpas ist die leichteste Form eines Fehltritts. laborieren gehört auch hierher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2017 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#37241

Landnahme

Einige fromme Menschen behaupten aus gegebenem Anlaß, Jerusalem sei schon immer urjüdisch gewesen, daher mit Recht die Hauptstadt Israels. Abgesehen vom logischen Fehlschluß: Kennen die Leute ihre Bibel nicht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2017 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#37116

Bürgerversicherung klingt zur Zeit etwas anziehender als Einheitsversicherung, aber das kann sich ändern. (Dieser Hauptprogrammpunkt der SPD gehört auch wieder zur "sozialen Gerechtigkeit" = Umverteilung.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2017 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#37094

Maas sagte am Abend im ZDF, es gebe keine Führungsdebatte. Das sei „Käse“.

Käse gehört zu den Metaphern (für "Scheiße"), ist also eine semantische Figur. Davon verschieden sind rein formale Assonanzen usw.

Armleuchter = Arschloch
Scheibenkleister = Scheiße


So kann man auch die Hüllwörter für Gott, Jesus und den Teufel sortieren, die man aus unterschiedlichen Gründen nicht geradezu nennen darf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2017 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#36496

Flüchtlinge im Schwarzen Meer ertrunken.

Das erinnert mich an etwas, was mir ein Schulkamerad mal erzählte: Er war mit einer Jugendgruppe am Schwarzen Meer, und die Jungen mußten beim Schwimmen mit ansehen, wie einer von ihnen durch die Strömung auf Nimmerwiedersehen ins Meer hinausgezogen wurde.

Das Schwarze Meer galt schon den alten Griechen als so gefährlich, daß sie ihm den euphemistischen Namen pontos euxeinos beilegten ("freundliches/gastliches Meer"). Solche Übernamen haben oft etwas Beschwörendes. Die friedliebenden Chinesen nannten den kriegerischen Süden Annam ("friedlicher Süden").
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2017 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#36342

Campe wollte als Aufklärer bei Gelegenheit der Fremdworteindeutschung auch gleich Kritik der (katholischen) Kirche üben, daher seine Vorschläge Jungfernzwinger, Zwangsgläubige usw. Sie waren eben deshalb zum Scheitern verurteilt.

Das Problem bleibt aber. Was die einen Theokratie nennen, ist für andere nicht buchstäblich Gottesherrschaft, sondern Priesterherrschaft. Denn darauf läuft es in der Sache hinaus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2017 um 04.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#36081

Bei einem schweren Autounfall in Billerbeck in der Nähe von Münster sind drei Seniorinnen getötet worden. (FAZ 28.8.17)

= drei alte Frauen, aber die gibt es ja nicht mehr.

In Ostfriesland ist ein 82jähriger mit seinem Kleinflugzeug abgestürzt. Jemand wagt zu sagen, so alte Menschen sollten nicht mehr fliegen, und wird gleich zurechtgewiesen: Die Tauglichkeitsprüfung sorge dafür, daß man auch mit 90 noch ein guter Pilot sein könne. (Aber in ein Verkehrsflugzeug mit einem solchen Piloten würden man wohl nicht so gern einsteigen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2017 um 03.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#36080

Auch "Großfamilie" ist ein Hüllwort unter dem Zwang jenes Kodex, mit dem der Presserat die "Lügenpresse" hervorbringt. Die Zuschriften beweisen, daß viele Leute durchaus an Informationen interessiert sind, von denen es per Dekret heißt, sie seien nicht relevant.
Übrigens: Wie schon erwähnt, wird in sämtlichen Zeitungsberichten das Alter der Beteiligten genannt – ist das etwa immer relevant? (Reporter scheinen bei jedem Unfall usw. als erstes zu fragen: Wie alt sind Sie?)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.08.2017 um 21.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#36079

Das Zitat ist ungewöhnlich. Normalerweise sprechen die Zeitungen in solchen Fällen von "Großfamilien". Da weiß jeder, wovon die Rede ist. Dabei sollte es bleiben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.08.2017 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#36078

Dann wäre ich aber eher dafür, nicht so euphemistisch zu sprechen und die Journalisten daran zu erinnern, daß man die Dinge auch beim richtigen Namen nennen kann. Vielleicht familiäre Bande oder so ähnlich. Wobei das Wort Bande sowieso schon doppeldeutig ist, aber das war es schon lange und wird im Kontext hinreichend klar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.08.2017 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#36077

Familie im Saarland geht brutal auf Polizisten los

Der Euphemismus führt wahrscheinlich dazu, daß das Wort Familie in der herkömmlichen Bedeutung durch ein anderes ersetzt werden muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.07.2017 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#35560

Des Weiteren wurde er für seine oft nebulösen, unklaren Äußerungen kritisiert, engl. auch Greenspeak genannt, die nach Ansicht vieler Ökonomen zu unnötigen Unsicherheiten auf den Finanzmärkten führten. Greenspan selbst verteidigte diese Strategie jedoch, da er lediglich durch überraschende Markteingriffe der Zentralbank Chancen für geldpolitische Impulse sah. Über sich selbst sagte er: „Ich weiß, dass Sie glauben, Sie wüssten, was ich Ihrer Ansicht nach gesagt habe. Aber ich bin nicht sicher, ob ihnen klar ist, dass das, was Sie gehört haben, nicht das ist, was ich meine.“ Anderthalb Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt gab Alan Greenspan zu, sein Publikum absichtlich aufs Glatteis geführt zu haben. Wenn er etwas gefragt wurde, worauf er nicht antworten konnte oder wollte, sei er in krude Satzkonstruktionen verfallen. Seine Zuhörer hätten dann gedacht, er habe etwas unglaublich Tiefsinniges gesagt und damit ihre Frage beantwortet. (Wikipedia)

Andererseits konnte Alan Greenspan auch sehr deutlich werden. Nachträglich sagte er z. B.: "Ohne das Öl hätte es keinen Golfkrieg gegeben." (Aus dem Gedächtnis zitiert)

Zartfühlender drückt sich heute die FAS aus:

Die Intensität des Interesses (der USA) am Mittleren Osten war letztlich nur durch die gewaltigen Ölreserven zu erklären, die in der Region schlummern und die ganze Welt speisen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2017 um 04.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#35326

Nach den Nürnberger Prostituiertenmorden habe ich erst gelernt, was die Polizei unter einer "Modellwohnung" versteht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.04.2017 um 19.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34863

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29476

Demnach fühle sie sich das erste Mal in ihrem Leben authentisch. „Ich bin so enthusiastisch auf das Leben wie seit der Olympiade vor 39 Jahren nicht mehr“, sagt die ehemalige Olympiasiegerin im Zehnkampf (damals noch als Mann). (MoPo 11.4.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2017 um 08.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34797

„Seit den 1990er Jahren löst die partnerschaftlich orientierte Entwicklungszusammenarbeit als Begriff in der Entwicklungspolitik den der Entwicklungshilfe ab. Entwicklungshilfe verfolgte im Kern weitgehend dieselben Ziele. Der Begriffswandel von Entwicklungshilfe hin zur Entwicklungszusammenarbeit illustriert den Anspruch einer partnerschaftlichen Gleichberechtigung von Geber- und Empfängerländern, im Gegensatz zu der besonders in den Anfangsjahren dominierenden Rolle des Fachwissens und des Reichtums der Geberländer.“ (Wikipedia)

Wie kann es Gleichberechtigung zwischen Gebern und Empfängern geben?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 14.03.2017 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34699

Gewiß. Die Anrede ist allerdings in Deutschland nicht mehr üblich. Das Du reicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2017 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34697

Man gewöhnt sich bestimmt auch an den "Genossen Vorsitzenden", daran zweifele ich nicht.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 14.03.2017 um 10.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34695

Ich kann Ihnen versichern, daß das "Genossen-Du" unter Genossen nach kurzer Eingewöhnungszeit als natürlich empfunden wird. Es hat dann nichts Künstliches mehr. Man kann es selbstverständlich als „kumpelhaft" bezeichnen, aber nicht ohne Häme.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2017 um 07.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34690

Das "Genossen-Du" steht eigentlich quer zu den gewachsenen Anrede-Konventionen und hat immer etwas Künstliches. Vor allem wenn es wie in sozialistischen Diktaturen die entrückten Herrscher sind, denen die kumpelhafte Anrede zuteil wird.
Martin Schulz fordert seine allzu lahmen Anhänger auf, kräftig Martin, Martin zu skandieren. Es muß aber alles spontan aussehen, sonst beschwert sich ein Nürnberger SPD-Bürgermeister beim Bayerischen Rundfunk.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2017 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34655

Wie gesagt, in Synonymenscharen hat oft das Fremdwort eine hypokoristische, "nicht so ernste" Bedeutung. Wenn jemand Beethoven einen renommierten Komponisten nennt, wissen wir, daß er der Musik ziemlich fern steht. Beethoven ist berühmt, aber selbst das sagt man als Musikliebhaber kaum, weil es sich von selbst versteht. Beethoven ist allenfalls groß, im allgemeinen aber einfach Beethoven. (Gewissermaßen selbst der Maßstab.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2017 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34607

Auseinandersetzung in Asylbewerberunterkunft (= Schlägerei)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2017 um 19.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34390

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29608

Ebenso: Netanjahus Büro teilte mit, dass beide unter anderem über den Friedensprozess mit den Palästinensern sprachen. (Welt 23.1.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2017 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34234

Bikinizone ist doppelt gebrochen, weil ja auch noch von den zwei Teilen des Badeanzugs nur der untere gemeint ist. Dort trimmen, rupfen und rasieren mache Leute herum. (Mit interkulturell interessanten Unterschieden.)

Unter Bikini verzeichnet Wikipedia die volksetymologischen Variationen, die meistens die erste Silbe als "klassisches" Morphem deuten (auch wenn der Rest keinen Sinn hat, was aber wieder einmal niemanden stört) und durch andere Elemente ersetzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2016 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34130

China beschlagnahmt amerikanische Forschungsdrohne (FAZ 16.12.16)

Die Chinesen haben eine amerikanische "Forschungsdrohne" aus dem Meer gefischt. „Die von der Sonde gemessenen Werte sind insbesondere für die U-Bootflotte der Vereinigten Staaten wichtig. (...) Obwohl die Sonde der amerikanischen Marine gehöre, sei sie von Zivilisten betrieben worden, sagte der Pentagonsprecher. (FAZ 17.12.16)

Tagesprämie für Forschungsdrohne, es lebe der eingebettete Journalismus!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2016 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#34057

Papst Franziskus hat mit deutlichen Worten die Skandalpresse angeprangert – und deren Leser mit Menschen verglichen, die das Verzehren von Exkrementen sexuell befriedigt. „Ich denke, die Medien sollten klarer und transparenter sein und nicht, entschuldigen Sie den Ausdruck, in eine Koprophilie verfallen, die stets bereit ist, Skandale und widerliche Dinge zu verbreiten, so wahr sie auch sein mögen“, sagte der 79-Jährige in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem belgischen Magazin „Tertio“.
„Und da die Menschen dazu tendieren, an Koprophagie zu leiden, kann das sehr gefährlich sein“, setzte der Papst hinzu. Während Koprophilie als meist sexuelles Interesse an Kot gilt, geht es bei Koprophagie um den Verzehr von Kot.
(Welt online 8.12.16)

Man sieht die vielen Menschen vor sich, wie sie nun in Wörterbüchern nachschlagen. Immerhin lernen sie dabei etwas Griechisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2016 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33856

„In mhd. prutz, tpru, tprütsch, das als Ausdruck der Verachtung gebraucht wurde, haben Schröder und Liebrecht die Nachbildung des Furzlautes erkannt.“ (Wilmanns, Wortbildung 1899:666)

(Ähnliche Interjektionen gibt es auch heute noch: pft). Sie finden naturgemäß selten in die Schrift.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2016 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33853

Bei Wilmanns (Wortbildung 1899:670) versteht sich von selbst, daß egittegit usw. Entstellungen aus o Gott sind; vermutet wird auch, daß du meine Güte eigentlich du mein Gott ist. Vgl. auch (dort nicht erwähnt) my goodness nebst Abwandlungen. Für Gott (Benennungsverbot) und Teufel (Benennungsangst) gibt es unzählige Ersatzbezeichnungen und Entstellungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2016 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33467

Noch einmal zu "Erlebnis". Dieser unbestimmte Begriff dient vor allem zur Rechtfertigung des Datensammelns und -zusammenführens. Die Unternehmen versprechen uns ein immer weiter verbessertes "Kundenerlebnis", wenn wir zustimmen oder wenigstens nicht widersprechen (in welchem Fall wir auf die Dienste des Unternehmens auch gleich ganz verzichten können).
Dieser Gedanke beherrscht neuerdings die Geschäftsbedingungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2016 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33455

Manche Veränderung nach „9/11“ war grundlegend. Es folgten Kriege, an deren Folgen Länder und Regionen bis heute leiden. (FAZ-Leitartikel 10.9.16)

Auf Regen folgt Sonnenschein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2016 um 10.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33439

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#25262

Bei Fischer war der Kosename Joschka so üblich (außer streng amtlich), daß man bei Joseph gleich auf eine gewisse Distanzierung des Verfassers schließen konnte. Bei Gerhard Schröder ist es eher umgekehrt. Es überrascht, wenn er im Wikipedia-Artikel einmal Gerd genannt wird, und ich habe den Eindruck, daß der Text von Freundeshand bearbeitet worden ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2016 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33434

Nein, das Erlebnis der Erfahrung... gehört schon dazu. Meine Frau trägt gern meine T-Shirts, aber nicht um diese Erfahrung zu erleben.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.10.2016 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33433

»Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung, um die zeitweilige [!] Erfahrung der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu erleben«. Also reicht gelegentliches Umziehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2016 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33428

Wikipedia "Transvestitismus" ist kurz, aber recht informativ. Frauenkleider – na ja, bei unserem P&C sind die Abteilungen klar getrennt, auch wenn es Überschneidungen gibt.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 01.10.2016 um 13.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33426

Was sind "Frauenkleider"? Ich sehe überall Frauen in Jeans und Pullover. Frauenkleidung?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.10.2016 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33424

Wie oft muß man denn Frauenkleider anziehen, um als Transvestit zu gelten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2016 um 12.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33423

Um noch einmal auf Bruce Jenner zurückzukommen: Die schon öfter geführte Diskussion der Philosophen, die sich an Thomas Nagels Fledermaus-Aufsatz anschloß, wollte den zweiten Schritt vor dem ersten tun. Bei Organismen, die nicht über Sprache verfügen, ist es wohl logisch unmöglich, auch nur zu fragen, wie es sich für sie anfühlt, dies oder das zu sein. Denn diese Frage und die möglichen Antworten sind das Sprachspiel, in dem so etwas wie "es fühlt sich an" überhaupt vorkommen und sinnvoll sein kann.
Deshalb sollte man erst einmal fragen (und den Sinn einer solchen Frage ergründen, falls sie einen hat), wie es ist, Th. Ickler zu sein usw.
Ich bin darauf zurückgekommen, als ich Linda Thompsons Bericht über ihre Ehe mit Jenner las (in ihrer kürzlich erschienenen Autobiographie). Jenner hat ja in mehreren Ehen mehrere Kinder gezeugt, und außerdem war er sozusagen der Mann schlechthin, wenn man das von Zehnkämpfern sagen kann. In diesem supermännlichen Körper hatte der Unglückliche aber stets das Gefühl, eine Frau zu sein. Was bedeutet eine solche Auskunft eigentlich? Er war kein Transvestit (auch wenn seine Söhne ihn mal ertappten, wie er Frauenkleider trug), fühlte sich auch anscheinend nicht wie ein Homosexueller zu Männern hingezogen, sondern glaubte im Gegenteil, auch nach seinem privaten Coming-out die Ehe mit Linda fortführen zu können. Was bedeutet es also, sich als Frau zu fühlen (wenn man keine ist [??])?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.08.2016 um 20.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#33015

Zur Sammlung der Hypokoristika:
Für denunzieren sagt man bei Kindern petzen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.06.2016 um 11.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32751

Schüttellähmung und Demenz sind ganz unterschiedliche Erkrankungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2016 um 07.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32750

Ali war seit 1984 an Parkinson erkrankt. (Spiegel 4.6.16)

Muhammad Ali leidet vermutlich an einer pugilistischen Form von Morbus Parkinson, ebenso wie Freddy Roach. Ein Zusammenhang ihrer Erkrankungen mit dem Boxen ist zwar nicht belegt, aber durchaus wahrscheinlich. (Wikipedia: Dementia pugilistica)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2016 um 18.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32725

Oder ausgefressen. Von Merkel zum Beispiel würde man das nicht sagen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.05.2016 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32723

noch zu den Hypokoristika:
Man sagt, daß Erwachsene etwas getan haben, dagegen fragt man Kinder eher, was sie schon wieder angestellt haben.
Das Tun Erwachsener verharmlost man auch mit Mist gebaut.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 23.04.2016 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32391

"Ich ben ene Räuber, leev Marielche
Ben ne Räuber durch un durch
Ich kann nit treu sin, läv en dr Daach ren
Ich ben ne Räuber, maach mr kein Sorch
Ich dun jän kaate bes fröh am Morje
Verspelle off, wat ich nit han
Bloß eins behalt ich, dat es ming Freiheit
Die nimp mr keiner, sulang ich mich wehre kann"

(Karnevalsschlager der "Höhner")
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.04.2016 um 12.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32390

Zu #32381: Nun ist allerdings der sachliche Unterschied zwischen Raub und Diebstahl so erheblich, daß nicht nur Juristen das Wort Dieb meiden, wenn ein Räuber gemeint ist. Wer zum Beispiel unter Anwendung oder Androhung von Gewalt in einer Sparkassenfiliale die Herausgabe von Geld erzwingt, ist ein Bankräuber. Kioske und Tankstellen werden von bewaffneten Räubern überfallen. Räuberbanden setzen Touristen in Rom und anderen Städten zu. Usw. Vielleicht führt der romantische Beiklang des Wortes zu einer verzerrten Wahrnehmung. Ich meine jedenfalls, daß das Wort Räuber im Sinne einer Person, die einen Raub begeht, nach wie vor quicklebendig ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.04.2016 um 11.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32388

10000 Euro Schaden durch ausgerissenes Tier
Eine ausgerissene Kuh hat in Worms einen Schaden von etwa 10000 Euro angerichtet.
(MM, 23.4.2016, S. 31)

ausreißen verniedlichend für fliehen, ausbrechen
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2016 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32386

Es kommt gewiß noch so vor, aber die Tendenz dürfte richtig beobachtet sein. Sonst würden nicht so viele Leute ihre Töchter Ronja nennen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 22.04.2016 um 22.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32385

Re "Räuber fast nur noch" (#32381) welt.de heute: "Der Job an einer Tankstelle wird immer gefährlicher. Räuber agieren äußerst brutal. Ein Drittel von ihnen steht unter Drogen."
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 22.04.2016 um 18.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32383

Im Bairischen gibt es die Verben màchln (von machen) und gschàftln (von Geschäft). Ich denke, sie erklären sich wohl von selbst.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2016 um 17.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32382

Ich habe solche Sachen für synonymische Studien gesammelt, z. B.

Warum spricht die SPD über ihre Zugehörigkeit zur Koalition immer noch so, als müßte sie sich dafür zwar nicht schämen, aber doch ein wenig genieren? (FAZ 21.4.90)

Typischer synonymischer (unterscheidender) Kontext.

Oft könnte man von "Spielformen" ernsthafter Handlungen sprechen. Es gibt sicher noch viel zu entdecken, wenn man einmal aufmerksam geworden ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.04.2016 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32381

Während rauben, Raub nach wie vor schwerere Delikte bezeichnen, wird das Wort Räuber fast nur noch in romantischen Kinder- und Gruselgeschichten aus alten Zeiten gebraucht.

morden – Mord – Mörder
rauben – Raub – Dieb, Einbrecher

räubern – Räuberei – Räuber
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.04.2016 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32379

fummeln für hantieren,
pupsen für furzen,
klauen ist wohl eher derb, steht aber, denke ich, manchmal auch verniedlichend für stehlen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.04.2016 um 16.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32378

futtern, schwänzen, bumsen
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.04.2016 um 16.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32377

Na ja, sich genieren und offerieren sind eher preziös als verniedlichend. bummeln kann man doch gelten lassen, soweit es um die Langsamkeit geht, vgl. Bummelzug.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.04.2016 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32376

schnappen, erwischen für fangen, festnehmen, entdecken
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2016 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32375

Teilweise, man muß nur darauf achten, daß nicht (zu viele) weitere Komponenten hinzukommen, wertende oder auch beschreibende ("Troponyme" wie bummeln, schlendern usw. für gehen). Treffendere Beispiele unter http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23170
Scharfe Grenzen wird man aber nicht ziehen können. Stibitzen oder Mausen sind ja gerade deshalb keine ernsten Vergehen, weil das Objekt wohl eher kein Haus und keine Halbinsel ist, aber wer weiß?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.04.2016 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32374

kritzeln für schreiben, schlabbern für essen, herumgurken für fahren?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.04.2016 um 13.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32372

Ist nicht der Ausdruck "sich in die Luft sprengen" ähnlich gelagert? Dieses "in die Luft" hört sich m. E. genauso kindlich albern an wie "einen Sprengsatz basteln". Der ernsten Sache, die es beschreibt, wie auch der realen Situation wird es nicht gerecht. Trotzdem drücken die Medien es kaum einmal anders aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2016 um 07.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32370

Ein "selbstgebastelter Sprengsatz" (wie jetzt bei dem Anschlag auf eine Sikh-Feier) kann nur ein ziemlich harmloser sein, weil basteln ein hypokoristisches Synonym von bauen ist. Mir ist leider kein Verzeichnis dieser Art von Verben bekannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2016 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32095

Im Zusammenhang (Focus) ging es um Verminderung, wegen Boden- und Wasserverbrauch, Kohlendioxid- und Methanausstoß usw. Daran ändert ja auch liebevolles Braten nichts. Der Satz ist aber inzwischen getilgt oder verändert, ich finde ihn nicht mehr.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 29.03.2016 um 09.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32094

Es geht eigentlich nicht um bloße Verminderung des Verzehrs, sondern um besonnenen Umgang mit Fleisch. Das ist doch nicht dasselbe. Man könnte es zum Beispiel stets mit Bedacht zubereiten, statt es lieblos zu fritieren. Ich habe „bewußt“ zwar noch nie im verbreiteten Sinne von "besonnen, wohlüberlegt, willentlich, absichtlich“ gebraucht, werde es aber bei passender Gelegenheit bewußt tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2016 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#32091

Ein ziemlich fehlerhafter, streckenweise absurder Beitrag bei Focus online schließt so:

So einfach und hilfreich wie weltweiter Vegetarismus also in der Theorie scheint, ist er nicht. Ein bewussterer Fleischverzehr ist aber sicher als sinnvolle Handlungsempfehlung des Videos zu sehen.

Was macht es aus, ob ich das Fleisch "bewußt" verzehre oder nicht? Gemeint ist "vermindert", aber das möchte man nicht so deutlich sagen, weil dann das häßliche Wort Einschränkung naheliegt. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Fremdwörter soll man nicht vermeiden, sondern "bewußt" gebrauchen usw. Gewissermaßen wie man jeden Euro zweimal umdrehen soll, bevor man ihn ausgibt. (Hauptsache, man gibt ihn aus!)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2016 um 16.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#31925

Die Suchen nach Ersatzwörtern für politisch unkorrekte Bezeichnungen (und Ersatzwörtern für die Ersatzwörter...) erinnert an "the age of euphemism" - so die Überschrift eines Kapitels des schönen neuen Buchs von Melissa Mohr: Holy shit.

Darin auch die Anekdoten aus Captain Frederick Marryats "Diary in America" (1839):

When at Niagara Falls I was escorting a young lady with whom I was on friendly terms. She had been standing on a piece of rock, the better to view the scene, when she slipped down, and was evidently hurt by the fall: she had, in fact, grazed her shin. As she limped a little in walking home, I said, “Did you hurt your leg much?” She turned from me, evidently much shocked, or much offended,—and not being aware that I had committed any very heinous offence, I begged to know what was the reason of her displeasure. After some hesitation, she said that as she knew me well, she would tell me that the word leg was never mentioned before ladies. I apologised for my want of refinement, which was attributable to having been accustomed only to English society; and added, that as such articles must occasionally be referred to, even in the most polite circles in America, perhaps she would inform me by what name I might mention them without shocking the company. Her reply was, that the word limb was used; “nay,” continued she, “I am not so particular as some people are, for I know those who always say limb of a table, or limb of a piano-forte.”
There the conversation dropped; but a few months afterwards I was obliged to acknowledge that the young lady was correct when she asserted that some people were more particular than even she was.
I was requested by a lady to escort her to a seminary for young ladies, and on being ushered into the reception-room, conceive my astonishment at beholding a square piano-forte with four limbs. However, that the ladies who visited their daughters might feel in its full force the extreme delicacy of the mistress of the establishment, and her care to preserve in their utmost purity the ideas of the young ladies under her charge, she had dressed all these four limbs in modest little trousers, with frills at the bottom of them!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2016 um 07.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#31355

In der FAS plaudert Markus Collalti über Kosenamen. Der häufigste sei Schatz. Der Verfasser geht dem religiösen Ursprung nach, hätte aber noch mehr daraus machen können (Matthäus 6,20).

Auf seiner Website liest man: Herzlich Willkommen und: CURICCULUM VITAE.

Schatz ist wie Liebling nicht gegendert, das haben wir schon besprochen.

In derselben Ausgabe der FAS schreibt Jörg Oberwittler ebenso oberflächlich über Geschmacksempfindungen und täuschbare Blindverkoster.

Beide Autoren sind freie Journalisten, was man auch merkt. Wahrscheinlich arbeiten sie billiger als Leute mit Sachkenntnis. Von Sonntagszeitungen erwartet man ja nicht viel, aber das Niveau sinkt durch solches Outsourcing immer weiter. (Gut ist Patrick Bahners, der noch einmal unseren bayerischen Papierlöwen Seehofer enttarnt.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2015 um 21.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#30535

Ich erinnere mich noch ziemlich gut an die Sturmflut 1962, bei der sich der nun verstorbene Schmidt durch besondere Tatkraft auszeichnete. Vor allem erinnere ich mich der Vorwürfe an die Stadtverwaltung, die in den Jahren zuvor die Instandhaltung und Verstärkung der Deiche vernachlässigt hatte und insofern schuld an der verheerenden Wirkung des Hochwassers war.
Immerhin hat man daraus gelernt, wenn auch später als die Holländer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2015 um 10.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#30529

Helmut Schmidt liegt im Sterben, wir wissen es.
Die Lage ist außerordentlich prekär. - Muß das sein? "Wir müssen jederzeit mit allem rechnen", sagt Leibarzt Heiner Greten. (Focus)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2015 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29810

Natürlich ist es lächerlich, in deutschen Texten von Leadership und Leadern zu sprechen, aber man will eben dem gründlich verdorbenen Führer aus dem Weg gehen. Führung hat überlebt. – Am selben Tag lese ich in der Süddeutschen: Rosenheim nazifrei. Das zeigt nun auch wieder eine gewisse Stumpfheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2015 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29772

Die Pille danach ist auch bemerkenswert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2015 um 08.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29608

Friedensprozeß ist, wie bereits vermerkt, meistens ein bereits festgewordener Euphemismus für den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Im folgenden Satz jedoch nicht:

Die Türkei hat den Friedensprozess mit den Kurden beendet. (FOCUS 1.8.15)

Die Präposition paßt nicht, erklärt sich aber leicht, wenn man das Element -prozeß wegstreicht, weil es eben, wie so oft, nur der Aufschwemmung dient. Besser wäre Waffenstillstand gewesen. Waffenstillstand, Frieden oder auch Krieg mit jemandem ist richtig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2015 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29476

Zugleich noch zu »Großbuchstaben statt Definitionen«, #22519:

Wie ich gerade lese (nicht umhin kann zu lesen), will ein Model sich einen Nippel piercen lassen. Der Anglizismus ersetzt das deutsche Brustwarze, das ja auch wirklich nicht besonders liebenswürdig klingt. Allerdings ist dieser Teil des Körpers auch nicht für euch Kerle bestimmt, und so frage ich mich unwillkürlich: Was soll denn das Baby dazu sagen, wenn es bei seiner reflexhaften Suche auf einen rostfreien Steg mit seitlich angebrachten Metallkügelchen stößt?

Aus meiner intimen Kenntnis von Show-Business und Klatschpresse kann ich noch etwas nachtragen. Das Model gehört zur weitläufigen Sippe des Zehnkämpfers Bruce Jenner, über den Wikipedia nach der vielbesprochenen Geschlechtsumwandlung einen gesamten Eintrag in folgsam umgesteller femininer Form bringt, was aber irgendwie auch nicht richtig klingt:

Caitlyn Jenner (* 28. Oktober 1949 in Mount Kisco, New York als Bruce William Jenner) ist eine US-Amerikanerin, und wurde als Autorin, Schauspielerin, Filmproduzentin und Leichtathletin, die hauptsächlich den Zehnkampf bestritt, bekannt. Usw.

(Das ist wie mit der "ehemaligen DDR", die ja ihre Insassen auch nicht als ehemalige drangsaliert hat. Wie hätte denn Frau Jenner am Zehnkampf der Männer teilnehmen können?)

Als Linda Thompson, die dauerhafteste von Elvis Presleys späten Geliebten, mit ihm zusammen den tatsächlich sehr gut aussehenden Zehnkämpfer im Fernsehen sah, sagte sie: "Den werde ich mal heiraten." Worauf Elvis, halb im Scherz, antwortete: "Nur über meine Leiche". Bekanntlich geschah es genau so.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.07.2015 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29438

Ja, das ist dankenswert, aber Schnitgers Spekulation ist wirklich haltlos. Das ist Dänisch aus der Retorte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2015 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29436

„...wobei m. E. noch niemand an eine Umschreibung des Namens Gottes auch nur im entferntesten gedacht hat.“

Ach Herrje(mine)! Das ist halt so, daß man nicht mehr daran denkt. Soll man ja auch nicht, das ist der Grund der Entstehung. Unzählige Beispiele, natürlich auch im Englischen, wo das Fluchen sehr erfinderisch macht.

Aber ich finde es schön, daß Sie aus ihrer Beschäftigung mit dem Gegenstand manche Fundstelle mitteilen!
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 13.07.2015 um 20.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29431

Empfindungswort, weil damit eine Empfindung (nämlich Ekel) ausgedrückt wird; ist doch so? Wie ich sehe, wird das Wort synonym zu Interjektion verwendet. Wenn es gitt bereits gibt, ist der Weg von i zu igitt nicht viel weiter als der von pfui zu pfui bäh. Die Erklärung mit dem scharfen Dental, als sei er eine unabhängig von der Schöpfung igitt (oder Variationen) selbstverständliche Reaktion, ist auch mir suspekt. Eine Diskussion fand im Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung statt. Christian Rudolf Schnitger:

„Dieser in Hamburg sehr bekannte Ausruf, der einen kräftigen Widerwillen oder gar Abscheu vor etwas ausdrücken soll, wird in Nr. 22 des Hamburger Kirchenblattes 1904, Seite 185 (Sprechsaal) als eine Art Umschreibung des Ausrufs: o Gott! und somit als ein Missbrauch des Namens Gottes angeführt, und zwar in der Form »Eh Gitt«, das vorzugsweise von Kindern gebraucht werde. Ich glaube, dass hier jedenfalls ein Irrtum vorliegt; denn gesprochen wird stets: »Igitt!« und nur in der oben angegebenen Bedeutung, wobei m. E. noch niemand an eine Umschreibung des Namens Gottes auch nur im entferntesten gedacht hat.

[…] Nur ein einziges Mal habe ich den Versuch einer Erklärung für ihn gefunden, und zwar im »Briefkasten« der Hamburger Nachrichten, Abend-Ausgabe, vom 4. Juli 1882. Dort wird vermutet, dass der fragliche Ausdruck aus dem Dänischen herstamme, wie auch noch einige andre in Hamburg gebräuchliche Ausdrücke. […] i gitt = ej gide = nicht mögen; ei gid! = »nicht mag.«

Da ich des Dänischen nicht kundig bin, kann ich die Richtigkeit dieser Ableitung nicht kontrollieren; ich muss aber gestehen, dass, obgleich sie manches für sich zu haben scheint, jedenfalls viel mehr, als die in der oben angeführten Nummer des Hamburger Kirchenblatts gegebene Erklärung, sie mir doch nicht ganz zusagt. Denn der Ausruf bezeichnet doch mehr als ein blosses Nichtmögen.“

Aber (Eduard Kück.):

„In der Lüneburger Heide wird (i) gittigitt neben (o) guttegutt gebraucht. Jenes drückt Abscheu und Ekel aus, dieses entspricht genau dem hochd. o Gott! Also in seiner jetzigen Bedeutung hat (i) gittigitt freilich mit »o Gott« nichts zu tun. Das schliesst aber natürlich nicht aus, dass es etymologisch auf »Gott« (mnd. gade) zurückgeht. Und für diese Ausnahme fällt von anderem abgesehen auch das feststehende, parallele (o) guttegutt ins Gewicht. Ich halte dieses für eine jüngere Prägung, die sich nach dem Bedeutungswandel der älteren Fügung, aber in derselben Richtung vollzogen hat.“
 
 

Kommentar von Theodor ickler, verfaßt am 13.07.2015 um 03.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29430

Das beeindruckt mich nicht, die Verfasser wissen es ebenso wenig wie ich. Man sieht ja, wie sie spekulieren. Gerade bei den "Empfindungswörtern" (dummer Ausdruck, als seien sie nicht kommunikativ!) gibt man sich gern der Illusion hin, sie seien gewissermaßen Naturlaute. Dabei wird u. a. ihre kulturspezifische Konventionalität verkannt: "Es genügt, einen Ausländer zu zwicken, um einzusehen, daß au ein deutsches Wort ist." (Willard V. O. Quine: Wort und Gegenstand. Stuttgart 1980:26) So kommt einem Deutschen dann auch igitt als der natürlichste Ausdruck von Ekel vor. Von einem langen i zu igitt ist der Weg weiter, als man denkt. Der "scharfe Dental" als Ausdruck des Ekels bei Pfeifer ist frei erfunden und ein schönes Beispiel für die Natürlichkeitsillusion. Vor allem kommt mir igitt lautlich viel zu spezifisch vor, als daß ich an spontane Erfindung glauben könnte. Mit pardauz verhält es sich ähnlich. Auch ich hatte die niederdeutschen und niederländischen Entsprechungen nachgelesen und finde, daß sie eher für eine etymologische Herleitung sprechen. Man kann nicht so tun, als habe die ausführlichere Form gegenüber einem bauz o. ä. gar nichts zu bedeuten. Was ist denn an diesem par- noch schallnachahmend? Abschließend: Ich will mich keineswegs für eine bloße Vermutung ins Zeug legen, aber daß die Wörterbücher es sich mit ihren massenhaften "Schallwörtern" zu leicht machen, ist ja bekannt.
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 12.07.2015 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29429

Kluge schreibt: „älter auch gittegitt, vor allem ndd. Wohl nur aus [i:] als Ausdruckslaut für Ekel herausgebildet (kaum Entstellung von o Gott).“

Auch Pfeifer: „Der durch den Laut i breitgezogene Mund in Verbindung mit dem scharfen Dental tt symbolisiert eine Geste des Ekels. Die Annahme, die Ausdrücke seien euphemistische Abwandlungen von lautähnlichem ogott(ogott), läßt sich nicht stützen.“

Deutsches Wörterbuch von Hermann Paul: „gitt auch gitte, Empfindungswort, Ausdruck von Ekel und Abscheu, insb. in Nordd., meist mit ↑i verbunden, oft auch reduplizierend, vgl. i gitt(i gitt), ä gitt(ä gitt), gitte gitte, gattegatt

Wenn das stimmt, ist igitt keine Entstellung von o Gott, aber auch keine Urschöpfung, da aus i und gitt gebildet.

Zu pardauz meint Kluge: „Bezeugt als ndd. pardues im 17. Jh. Schallwort wie bauz, pauz und potz.“

Und Pfeifer: „das Geräusch eines Falles nachahmende Bildung, neben bauz; vgl. pardues (nd., Mitte 17. Jh.), perdutz (Adelung 1777), pardautz (Campe 1809).“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2015 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29420

Elke Donalies hält igitt und pardauz für "Urschöpfungen". Beide sehen nicht so aus. Ich bin nicht der einzige, der Entstellung von o Gott und par dieu vermutet. Beim zweiten dürfte noch Daus = "Teufel" mitgespielt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2015 um 14.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29364

Würden Sie Geld für eine Hose mit Löchern hinblättern? Aber vielleicht für Jeans mit Destroyed-Effekten?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.06.2015 um 22.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29194

Wobei aber »Gesinge« hier wohl besser in die Reihe paßt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.06.2015 um 22.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29193

Bei anderen Tätigkeiten: zanken, Zänkerei, Gezänk; schreien, Schreierei, Geschrei; singen, Singerei, Gesang u.v.a.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 18.06.2015 um 18.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29190

Welch lustiger Pingpong! Leider hatte ich vor meinem Return noch nicht den Schmetterball von Herrn Metz wahrgenommen.

Hätte ja gar nicht gedacht, daß "Geschieße" tatsächlich im Duden steht.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 18.06.2015 um 18.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29189

Auf welcher Grundlage kann man denn eine von zwei möglichen Bedeutungen einfach "auschließen"? Zumal diese Bedeutung ja hier gemeint ist. Ich verspüre hier eine leichte Zirkularität.

Wenn jemand in kurzer Zeit mindestens neun Schüsse hintereinander abgibt, so kann man das nach meinem Empfinden durchaus als "Schießerei" bezeichnen. Jedenfalls sieht es der Duden so.

Vielleicht wäre "Geschieße" aber noch besser.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.06.2015 um 18.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29188

Ich halte das Wort »Schießerei« hier für deplaziert, da es sich nicht für eine neutrale Schilderung des Sachverhalts in einer Nachrichtenmeldung eignet (es sei denn, es handelt sich um einen Schußwechsel, was hier aber nicht der Fall ist). Das Beispiel, das der Duden für Schießerei im Sinne von »[dauerndes] Schießen« bringt, spricht Bände: »die Schießerei geht mir auf die Nerven«. Damit kommt es in die Nähe des Wortes »Geschieße«, das im Duden ebenfalls als »[dauerndes] Schießen« definiert und auch als abwertend eingestuft wird (wenn auch nicht mit der Angabe »meist abwertend«, sondern mit »umgangssprachlich abwertend«).

Der Wahrig arbeitet den Unterschied zwischen beiden Verwendungen von »Schießerei« noch deutlicher heraus: »anhaltendes, lästiges Schießen; kleines Feuergefecht«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2015 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29186

Die erste vom Duden erwähnte Bedeutung hatte ich ja für diesen Fall ausgeschlossen, und die zweite sieht den Schußwechsel vor, also insgesamt genau so, wie ich es empfinde. Liebe Zeitgenossen, denen ich den Fall vorgelegt habe, sehen es ebenso.
In der Tat braucht man den Ursprungstext gar nicht zu kennen, um zu wissen, wie so etwas im Englischen ausgedrückt wird. Durch die tagtäglichen Halbübersetzungen aus dem Englischen verändert sich auch das Deutsche. Das war ja schon immer so (früher vorwiegend aus dem Lateinischen), aber man sollte es ausdrücklich festhalten.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 18.06.2015 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29185

In den amerikanischen Meldungen stand shooting, das hier als Schießerei übersetzt wurde. Leo gibt u.a. auch diese Übersetzung für shooting an.

Ich würde die Bedeutung von Schießerei nicht unbedingt auf Schußwechsel beschränken – zumal in diesem Fall, wo ja wohl mindestens neun Schüsse abgegeben wurden.

Der Duden definiert Schießerei folgendermaßen:
1. (meist abwertend) [dauerndes] Schießen
2. wiederholter Schusswechsel

Immerhin ist Schießerei danach zweideutig.

Neutraler und daher besser wäre die Übersetzung:
9 Tote bei Schüssen in US-Kirche.

Das ist ja auch eine gängige Ausdrucksweise bei derartigen Meldungen. Beim Übersetzen von shooting kommt man allerdings nicht auf Anhieb drauf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2015 um 11.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29180

Noch einmal zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20357 und den Repliken dazu:

9 Tote bei Schießerei in US-Kirche – Täter auf der Flucht (...) Der Mann habe die Kirche betreten und das Feuer eröffnet. (Focus 18.6.15)

Kann man von einer Schießerei sprechen, wenn ein Mensch andere erschießt, die unbewaffnet sind? Ich jedenfalls denke bei Schießerei zuerst an einen Schußwechsel. Es ist ja nicht so gemeint, wie man etwa sagt: "Hören Sie endlich mit der Schießerei (dem Geschieße) auf!" Und dann eben wieder das Eröffnen des Feuers. Anfangen zu schießen ist nicht dasselbe wie mit dem Schießen anfangen.
In manchen Berichten werden Merkmale des flüchtigen Täters angegeben, die eigentlich nur in einem Fahndungsaufruf in der Umgebung des Tatorts sinnvoll sind, nicht in Deutschland.
Die erste Berichte sind also in vieler Hinsicht sehr nahe an den amerikanischen Quellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2015 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#29007

Gefangene bauen Hasenstall für Erlanger Senioren
Insassen der Justizvollzugsanstalt Stadelheim werkeln für Seniorenresidenz Erlenfeld

ERLANGEN - Worin besteht die Verbindung zwischen Senioren, Gefangenen und Tieren? Insassen der Justizvollzugsanstalt Stadelheim haben für die Seniorenresidenz Am Erlenfeld einen Hasenstall gebaut. Zwei Kaninchen sind jetzt in das Seniorenwohnheim eingezogen.
(nordbayern.de 27.5.15)

Usw. - das Wort Häftling wird in dem sentimentalen Artikel gar nicht verwendet. Das kommt mir immer noch falsch vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2015 um 20.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#28724

der Prager Geistliche Jan Hus (gestorben 1415) (Michael Borgolte in FAZ 28.4.15)

Sachlich richtig, trotzdem stutzt man einen Augenblick.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2015 um 13.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#28675

Im Radio (Bayern 5) gehört: Dem Angeklagten im Lüneburger Auschwitzprozeß wird vorgeworfen, das Geld der Häftlinge "an die Nazis" weitergereicht zu haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2015 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#28360

dass auch Plebiszite und andere alternative Partizipationsformen eher von sozial besser Gestellten genutzt werden (FAZ 20.3.15)

= von Reicheren, Wohlhabenderen

Was soll denn "sozial besser gestellt" sonst heißen? Als sprachliches Gebilde ist es im Grunde nicht weniger lächerlich als "vertically challenged" usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2015 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#28132

Einerseits werden Fremdwörter sehr oft als Steigerungsformen genutzt (brutal, sadistisch als Steigerung von grausam, bei sadistisch noch ins Pathologische), andererseits "hypokoristisch" (Beauty ist die Spielform von Schönheit). Der folgende Satz zeigt beides zugleich:

Dies ist alles mit ungeheurer Akkuratesse, Genauigkeit, ja Präzision dargestellt. (J.A. Schmoll in: Jahresring 24 (1977/78):12)

Der Normalbegriff ist genau. präzise weicht, wie die skalierende Satzkonstruktion zeigt, nach "oben" ab, akkurat muß aus demselben Grunde als harmloser angesehen werden. Es paßt in Texte über Mode, weniger in mathematische.

exakt ist weitgehend überflüssig, aber die Angeber lieben es sehr: Exakt dies war zu erwarten usw. – Genau, genau, genau!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.02.2015 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#28025

In der Tat geht aus jeder Kriminalstatistik hervor, daß Stiefkinder überdurchschnittlich häufig Opfer der Gewalt ihrer Erziehungsberechtigten werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2015 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#28023

Ähnlich wie der anderswo besprochene "Migrationshintergrund" wirkt das "Alkoholproblem" verhüllend durch die Unterbestimmtheit, die mit diesem Typ von Zusammensetzung verbunden ist.

Ganz anders die "angeheiratete Tochter", auf die ich gerade stoße. Die negative Konnotation von "Stieftochter" dürfte auf die sprichwörtlichen "Stiefmütter" und "Stieftöchter" der Märchen zurückgehen, diese freilich auf schlechte Erfahrungen in der Wirklichkeit. (Oder auf die Fassungslosigkeit mancher Mädchen, die am liebsten nicht wahrhaben wollen, daß ihre wirkliche Mutter sie so schlecht behandelt?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2014 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#27601

Joe Cocker starb laut seinem Management in der Nacht auf den 22. Dezember 2014 in seinem Haus in Crawford, Colorado (USA) an den Folgen einer langjährigen Lungenkrebserkrankung. (Wikipedia)

Wenn jemand jahrelang erkrankt, dann ist er am Ende krank.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.12.2014 um 22.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#27580

Vier Räuber sind in das Berliner Kaufhaus des Westens eingedrungen, haben Waren im Wert von weit über 100.000 Euro entwendet und sind ungehindert und unerkannt entkommen. »Unser Sicherheitssystem greift sehr schnell«, sagt eine KaDeWe-Sprecherin zur B.Z. »Wir sind auf solche Situationen vorbereitet.« Dann ist ja gut!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2014 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#27522

Das weiß ich nicht mehr, aber "Gefangene" statt "Häftlinge" war trotz mancher Kritik allgemein üblich. Einen gewissen Kredit gewährt man den radikalen Linken ja bis heute, wie an der zitierten einseitigen Verurteilung von Rechtsextremismus (s. Straßennamen) zu erkennen ist. Ich habe oft mit Leuten diskutiert, die Rechtsradikale als von Grund auf böse, Linksradikale als im Grunde gut, nur irregeleitet ansahen. Man möchte es ja gern glauben, aber leider stimmt es wohl nicht. Ich bin ja alt genug, um noch unzählige ehemalige Nationalsozialisten kennengelernt zu haben. Von vielen wußte ich es nicht einmal und habe mich auch nicht dafür interessiert. Durchweg nette Leute...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.12.2014 um 23.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#27520

IS-Kämpfer muss in Haft
(u. a. Süddeutsche, 6./7. Dez. 2014, S. 8)

Hat man damals die RAF-Terroristen auch beschönigend als Kämpfer bezeichnet? Das Wort Kämpfer empfinde ich doch eher als ehrbare Bezeichnung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2014 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#26390

„Meine Mutter hatte einen tollen Arzt, der ließ sie in der Schlussphase ihrer Krebserkrankung die Dosierung des Morphiums selber übernehmen im Wissen, dass ab einer bestimmten Menge ihr Herz aufgibt.“ (FAZ 24.7.14)

Die Schlußphase einer Erkrankung (also des Krankwerdens) ist eigentlich der Zeitpunkt, nach dem man dann wirklich krank IST. Aber man sieht hier die Verdrängung eines Wortes durch seine euphemistische Umschreibung (wie "Volk" durch "Bevölkerung", mit etwas anderer Motivation).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2014 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#26377

Ein katholischer Theologe wies einmal darauf hin, daß die herkömmliche Disziplin "Dogmatik" wegen des heute eher negativen Beigeschmacks in "Systematische Theologie" umbenannt worden sei (ebenso die Lehrbücher). Freilich fühlten sich dadurch die Kollegen auf benachbarten Lehrstühlen herabgesetzt, weil es scheinen könnte, als arbeiteten sie unsystematisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2014 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#26252

Das bekannteste Beispiel eines Kampfes mit euphemistischen Umbenennungen dürfte sein, was Wikipedia so darstellt:

"Als einer der ersten prägte der Physiker Hans Geitel 1899 den Begriff Atomenergie für die im Zusammenhang mit radioaktiven Zerfallsprozessen auftretenden Phänomene. Später kamen die Synonyme Atomkernenergie, Atomkraft, Kernkraft und Kernenergie hinzu.
Die Verwendung dieser Begriffe hat eine politisch-ideologisch motivierte Verschiebung erfahren. In den 1950er-Jahren war Franz Josef Strauß Bundesminister für Atomfragen. Eine 1955 in Genf abgehaltene Konferenz mit hochrangigen Wissenschaftlern trug den Titel International Conference on the Peaceful Uses of Atomic Energy und wurde in deutschen Medien als Atomkonferenz bekannt. In der Folge dieser Konferenz wurde 1957 die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) gegründet. Der Lobbyverband der an der Technik interessierten deutschen Unternehmen wurde 1959 als Deutsches Atomforum gegründet. In den folgenden Jahrzehnten distanzierten sich die Befürworter der Technik von der Vorsilbe Atom und verwendeten in Deutschland ausschließlich Kern. Parallel dazu geschah im englischen Sprachraum eine Verschiebung von atomic zu nuclear. Als Grund gilt die unerwünschte Assoziation mit dem zunehmend negativ besetzten Begriff der Atombombe. Kritiker behielten dagegen die Vorsilbe Atom sowohl in der Eigenbezeichnung Atomkraftgegner als auch in Slogans wie etwa „Atomkraft? Nein danke“ bei. Sie sprachen weiterhin von Atomenergie und Atomkraftwerken mit der Abkürzung AKW."

Hierher gehört auch:

"It is a common, and rarely unsuccessful, ploy to change the name of something unpleasant in order to give it greater acceptability. However, changing the name of Windscale nuclear plant to Sellafield after an accident in 1981 made it no less radioactive, and the new name quickly acquires all the connotations of the old." (http://www.bmj.com/content/341/bmj.c6979)



 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2014 um 06.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#25800

Eigentlich ist es seltsam, daß man jemanden einladen kann mit Aufforderungen wie: Kommen Sie/Schauen Sie doch mal vorbei! - Der Sinn ist wohl, daß man sich selbst nicht so wichtig erscheinen lassen will, als sei man einen Besuch oder einen direkten Blick wert.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.02.2014 um 18.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#25267

"[I]st es denkbar, daß Männer, die schon viele Jahre zusammenleben, einander so förmlich anreden, wenn niemand dabei ist?" Mich erstaunt es nicht. In so manchen Gruppen herrscht ein Stil, der zwar nicht ganz der meine ist, ganz natürlich. Zu "Wenn einer meiner Klassenkameraden Papst geworden wäre, würde ich ihn nicht "Heiliger Vater" nennen", kann ich selbst leicht sagen, ich würde es wohl. Jedoch war natürlich auch keiner meiner Klassenkameraden auf dem Wege zum Heiligen Stuhl, auch wenn, glaube ich, jeder männliche Katholik Papst werden kann und jeder vierte in meiner Klasse katholisch war. Also genau sagen, was ich in so 'ner Situation genau sagen würde, kann ich natürlich auch nicht. Aber liturgisch angemessen fand ich, daß bei John F. Kennedys Beerdigung Kardinal Cushing Gott die Seele von einfach "Jack" anbefahl. Aber mit Gott reden wir ja auch wiederum anders als untereinander. Nicht nur wir haben Stil, der Stil hat auch uns.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2014 um 06.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#25262

An Kosenamen für Politiker kann ich mich nicht gewöhnen. Vielleicht möchte ich nicht in eine Kumpanei hineingezogen werden. Joschka Fischer, Joscha Schmierer - nein danke!

Das fiel mir gerade auf, als ich Daniel Koerfers "Diplomatenjagd" gelesen hatte. Orthographisch übrigens eine Katastrophe.

Apropos Joseph: Die Süddeutsche Zeitung berichtet:

Als der Heilige Vater Gänswein seine Rückzugsentscheidung mitteilte, habe er, Gänswein, ihm spontan geantwortet: "Nein, Heiliger Vater, das dürfen Sie nicht!" Doch sei ihm sofort klar geworden: "Er teilt nicht etwas mit, um eine Entscheidung zu finden, sondern er teilt eine getroffene Entscheidung mit." (28.2.14)

Wir werden es wohl nie erfahren, aber ist es denkbar, daß Männer, die schon viele Jahre zusammenleben, einander so förmlich anreden, wenn niemand dabei ist? Wenn einer meiner Klassenkameraden Papst geworden wäre, würde ich ihn nicht "Heiliger Vater" nennen, außer ironisch unter beidseitigem Schmunzeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2014 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#25040

Krebs immer noch als der Killer schlechthin, mehr als acht Millionen Menschen sind auch im Jahr 2012 an den Folgen ihrer Erkrankung gestorben. (ZEIT online 4.2.14)

An Krebs stirbt niemand, bloß an den Folgen. Eine Beruhigung ist das aber auch nicht.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 07.01.2014 um 19.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#24781

Selbstverständlich sind linke Herrschaftssysteme wie Herrschaftssysteme allgemein nicht anarchistisch. Anarchie ist ja gerade die Abwesenheit von Herrschaft. (Weswegen es auch Unsinn ist, wenn in den Medien wieder einmal zu lesen oder zu hören ist "Es herrschen Anarchie und Gewalt" . Das eine schließt das andere aus.) Die Aussage, Autonomie sei auf der Linken beheimatet, impliziert natürlich nicht, daß alles, was sich als politisch links versteht oder historisch darin wurzelt, sich die Autonomie des Individuums als oberstes Leitbild auf die Fahnen schreibt. Über die Verheerungen, die der Kasernenhofsozialismus insbesondere stalinscher Prägung angerichtet hat, müssen wir wohl nicht streiten. Auch sonst finden sich manche Sumpfblüten der Autoritätsgläubigkeit. Und beim Lied der Partei faßt sich jeder Autonome an den Kopf. "Die Partei, die Partei, die hat immer recht" – das ist doch Realsatire! Genau deshalb wird das ja auch mit Inbrunst als Parteilied bei DIE PARTEI gesungen! (Das ist der einzig richtige Umgang damit.)
Aber eigentlich spielt meine Meinung gar keine Rolle. Die Frage war ja, ob "Linksautonome" Selbstbezeichnung bestimmter Gruppierungen ist oder eine Medienzuschreibung, also Fremdbezeichnung. Mein – etwas verkürzt dargestelltes – Argument war, daß
a) die Belege durchweg nur "Autonome" zeigen,
b) "Linksautonome" als Eigenbezeichung der inneren Logik widerspricht, weil es für autonom-anarchistisch Denkende selbstverständlich ist, sich politisch linksaußen zu verorten. Auch "linkssozialistisch" oder "linkssozialdemokratisch" gibt es ja nur als Bezeichungen für Flügel der einen sozialistischen/sozialdemokratischen Bewegung, wie jede Partei ihre – relativ – linken und rechten Flügel hat. Niemand käme auf die Idee, sich als "linkssozialdemokratisch" zu bezeichnen, um kundzutun, daß die Sozialdemokratie generell links der Mitte steht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2014 um 19.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#24779

Der Müll ist ja nun schon lange zu Wertstoffen geworden, aber statt Geld dafür zu bekommen, zahlen wir kräftig, damit er uns nur überhaupt abgenommen wird. Früher war das anders. Wir Kinder sammelten Altpapier, Flaschen und Metallschrott und brachten es zu einem Händler, der es unter unseren wachsamen Augen auf einer Dezimalwaage abwog und uns dann das Geld aushändigte, lange Zeit unsere einzige Einnahmequelle. Ich glaube, er hieß Altwarenhändler oder Altmaterialhändler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2014 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#24750

Lieber Herr Strowitzki, es geht um das, was sich für Sie von selbst versteht: die Zuordnung der Autonomie zu den Linken, der Heteronomie (Befehl und Gehorsam) zu den Rechten. Andere finden das nicht so selbstverständlich, haben wohl auch Probleme mit der Zusammenstellung von links und anarchistisch, denn die linken Herrschaftssysteme sind durchaus nicht anarchistisch - wenn man sich nicht wie bekanntlich der echte Bayer einen starken Anarchen als Herrscher wünscht.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 04.01.2014 um 15.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#24748

Es scheint schwer zu sein, über solche Dinge vernünftig zu diskutieren. Was hat das Parteilied mit der autonomen Szene zu tun? Dort singt man andere Lieder, und zum orthodoxen Marxismus haben Anarchisten von jeher ein sehr distanziertes Verhältnis. Wenn Herr Mahlmann dann vielleicht noch ein Flugblatt o.ä. beisteuern könnte, wo eine Gruppe sich selber als "Linksautonome" bezeichnet, wären wir ja weiter. Mir ist so etwas noch nicht untergekommen. Auch der vom IDS herausgegebene Band "Brisante Wörter" (SIDS 2, Berlin/New York: De Gruyter, 1989) kennt nur "Autonome(r)".

 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 04.01.2014 um 14.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#24746

Die (alt-)linken Grubenpferde gehen gleich in's Geschirr. Herr Markner hat die richtige Antwort gegeben.

Was die Eigenbezeichnung der Linksautonomen angeht, empfiehlt sich ein Blick auf die Flugblätter und Aufrufe dieser Gruppen auf Mensatischen usw.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.01.2014 um 13.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#24745

http://www.youtube.com/watch?v=865Sn8JrMvY
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 03.01.2014 um 21.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#24742

Linksautonome ist keine Eigenbezeichnung ("Selbstbezeichnung" klingt fast schon wie "Selbstbezichtigung"), sondern Mediengeschreibsel. Die Eigenbezeichung ist autonom. Daß Autonomie, also selbstbestimmtes und selbstverantwortliches (eigenverantwortliches, ach, man kann lange über "selbst" und "eigen" meditieren) Handeln auf der linken Seite des politischen Spektrums beheimatet ist, versteht sich von selbst. Für die Rechten ist eher Heteronomie typisch, also Befehl und Gehorsam.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2014 um 06.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#24727

In unseren Zeitungen findet man öfter rechtsradikal als linksradikal, und die Selbstbezeichnung der Linksautonomen wird bereitwillig übernommen. Rechtsautonome gibt es praktisch gar nicht. Das sind nur wenige Beispiele, ich möchte damit nur einen Anstoß geben, sich mit der unterschiedlichen sprachlichen Behandlung näher zu befassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2013 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#24558

Mandela war seit geraumer Zeit schwer erkrankt. (Meldungen 6.12.13 zum Tod des Politikers)

Wenn man nicht von Anfang an krank war, wird man irgendwann erkranken, und wer lange krank war, war seit langer Zeit erkrankt. Die Erkrankung dauert also ebenso lange wie die Krankheit. Dann kann man die Krankheit gleich ganz vergessen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2013 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#24320

Indem man einen unüblich allgemeinen Begriff wählt, sich also weigert, ins Detail zu gehen, deutet man manchmal an, daß man etwas verschweigt. Man spricht "vielsagend", und daraus kann eine negative Konnotation werden. So dürfte es mit Brut und Ausgeburt gegangen sein. Aber auch Sippe, Sippschaft, Gesindel, Konsorten könnte man dazurechnen, ebenso wohl das veraltete und etymologisch unsichere Gelichter. Ich weiß nicht, ob das schon bemerkt worden ist.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 16.06.2013 um 23.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23434

Rechner können nun mal, auch wenn sie funktionieren, und das ist das Äußerste, was man von ihnen erwarten darf, geistig nicht mehr hervorbringen als Tautologien. Sinnig finde ich immer das "Warten auf ..." am Seitenfuß, wenn ich auf den Aufbau einer bestimmten Seite warte. Noch schöner ist die Auskunft, die Verbindung leide unter eingeschränkter oder fehlender "Konnektivität", wenn man Probleme hat, ins Internet zu kommen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.06.2013 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23433

Auch ein Navigationsgerät stößt ja schon mal an seine Grenzen, z. B. wenn man auf einer erst kürzlich gebauten Straße fährt. Es wäre wohl nicht sehr verkaufsfördernd, wenn es dann sagte, suchen Sie sich den Weg selbst, oder, fahren Sie doch, wohin Sie wollen. Meins sagt lieber vornehm: Bitte dem Richtungspfeil folgen. Nun zeigt der Richtungspfeil aber weiter nichts als die augenblickliche Ausrichtung des Autos an. Es könnte also genausogut heißen: Einfach immer der Nase nach. Dem Richtungspfeil nach klingt natürlich weniger hilflos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2013 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23432

Mir ist noch eine eigenartige deutsche Wendung eingefallen: damit ist es vorbei.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.06.2013 um 19.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23431

Schandfleck ist passé ist ein übler Mißgriff. Übrigens gibt es passé mit genau derselben Bedeutungszuspitzung gegenüber der Ausgangssprache auch im Englischen. Merriam-Webster erläutert sie mit "past one's prime, outmoded, behind the times".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.06.2013 um 15.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23428

Danke für die Präzisierungen meiner nachlässigen Bedeutungsangabe! Ganz treffen sie auch noch nicht (immer) zu, vielleicht sollte man umschreiben: "gehört der Vergangenheit an". Das Neue Deutschland titelt gerade Aufbruchstimmung passé. Ein anderes Blatt schreibt über ein saniertes Kaufhaus Schandfleck ist passé.
Urlaub auf Juist ist natürlich niemals passé, vor allem, wenn man schon die ganze Welt gesehen hat (Forchheim, Ansbach, ...).
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 15.06.2013 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23427

Lieber Herr Achenbach,

das passé besitzt aber doch auch ein Gegenstück, nämlich en vogue. Für in und out mag neben der heutzutage schickeren Herkunftssprache auch die Kürze der Einsilbigkeit sprechen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.06.2013 um 20.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23418

Absolut d’accord. Vorbei ist bei passé immer die Mode(erscheinung). *Die Ferien sind passé kann man nicht sagen, Ferien auf Juist sind passé hingegen schon.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 14.06.2013 um 19.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23417

Mir erscheint allerdings im allgemeinen Sprachgebrauch die Verwendung von passé im Sinne von vorbei/vorüber höchst ungewöhnlich. Ich kenne so gut wie nur nur die Verwendung im Sinne von nicht mehr [in] Mode: Der Minirock ist heute passé. In dieser Bedeutung wird es inzwischen von von dem Anglizismus out bedrängt, der zudem das passende Gegenstück in besitzt.

Einer etwas allgemeinere Bedeutung für passé wäre überholt: Diese Theorie gilt in Fachkreisen heute als passé.

Selbst die Bedeutung in den Beispielsätzen ist nicht gänzlich klar. In dem abgewandelten Satz Das Streben nach immer neuen Rekorden auf dem Aktienmarkt ist vorerst passé wäre etwa passé durchaus im üblichen Sinn gebraucht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2013 um 06.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23412

Die Rekordjagd auf dem Aktienmarkt ist vorerst passé, schreibt die Zeitung. passé bedeutet sachlich dasselbe wie vorbei und gehört zu den Fremdwörtern, die wir gedankenlos mitschleppen. Es handelt sich um die "hypokoristische" Variante. Man würde kaum sagen Der Krieg ist passé. Dagegen paßt vorbei/vorüber immer. Bei der Verschlankung des Deutschen könnte man auf das Fremdwort verzichten. Man muß nicht im Prädikat noch einmal ausdrücken, daß man das Subjekt für geringfügig hält.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.06.2013 um 10.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23339

Wie zu lesen ist, hat Lou Reed, der sich gegenwärtig von einer Lebertransplantation erholt, mit Drogen »experimentiert«. Ob die Ergebnisse dieser Experimente irgendwo veröffentlicht worden sind?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2013 um 08.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23337

Eben sagte eine Sprecherin in Bayern 5

„Der Fall Mollath“ ist die Schdorrie betitelt, die heute abend ...

Es geht um einen Justizskandal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2013 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23315

Obwohl die Stelle sehr bekannt ist und in fast keiner Abhandlung über Fremdwörter fehlt, will ich sie noch einmal hierhersetzen:

Kann eigentlich Fremdwörter nicht leiden. Aber mitunter sind sie doch ein Segen. Wenn ich so zwischen Hydropsie und Wassersucht die Wahl habe, bin ich immer für Hydropsie. Wassersucht hat so was kolossal Anschauliches.

Das sagt der alte Stechlin in Fontanes Roman.

So ist man dann auch für Cheiloschisis usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2013 um 15.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23174

Wie es der Zufall will, stellt heute ein Leserbriefschreiber in der FAZ ("Kleine Sünderlein") ebenfalls fest, daß man nur von Steuer-, Verkehrs- und Umweltsündern spricht, weil diese Vergehen offenbar nicht besonders ernst genommen werden, obwohl doch zum Beispiel auf Steuerhinterziehung hohe Strafen stehen (für mein Gefühl höhere Strafen als auf Gewaltverbrechen). Dagegen spreche niemand von Eigentumssündern, auch wenn jemand nur eine Tüte Gummibärchen im Laden hat mitgehen lassen.

In auffallend vielen Kommentaren wird auch daran erinnert, daß der Staat mit den Steuergeldern oft verantwortungslos umgehe, ohne daß aber je ein Politiker dafür auch wirklich zur Verantwortung gezogen werde. Und man sagt, wer eine Million Steuern zahle, dürfe wohl auch mal hunderttausend hinterziehen.

Das sollte übrigens den Wahlkämpfern zu denken geben, damit sie nicht aufs falsche Propagandapferd setzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2013 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23170

Als Untergruppe der Euphemismen könnte man die Hypokoristika ansehen. Man stellt damit etwas als kleiner, unbedeutender dar. Bei den Verben gibt es z. B, sehr viele Paare wie:

stehlen – mausen, stibitzen
betrügen – mogeln, schummeln
spotten, verspotten – hänseln, frotzeln
sprechen, s. unterhalten – plaudern
s. schämen – s. genieren
anbieten – offerieren
s. beschweren – meckern

Bei Substantiven:

Mißerfolg – Flop
Schönheit – Beauty
Intrige – Kungelei

Adjektive:

krank – malade

(Ich will natürlich nicht behaupten, daß die Paare jeweils genau gleichbedeutende Ausdrücke enthalten. Oft sind Fremdwörter für das weniger Ernste vorhanden, so ja auch Job statt Beruf, wo sich aber wie auch anderswo das Fremdwort allmählich als Standard etabliert.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.05.2013 um 23.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23169

Mit den Sünden ist es wie mit dem Verheimlichen. Hoeneß soll Kapitalerträge verheimlicht haben, heißt es überall, z. B. auf spiegel.de. Heimlichkeiten sind etwas für Kinder in der Vorweihnachtszeit, mit Unterschlagung haben sie nichts zu tun. Fehlt nur noch, daß es bald heißt, der mutmaßliche Einkommensverheimlicher ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2013 um 16.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#23167

In der "Welt" schreibt Alan Posener:

Heute haben ertappte Steuersünder nicht mehr den physischen, sondern allenfalls den medialen und sozialen Tod zu befürchten. Aber dem Delikt haftet in Deutschland immer noch etwas Verruchtes an, wie schon der Begriff "Steuersünder" kundtut; als sei es nicht die natürlichste Sache der Welt, sein Geld möglichst für sich behalten zu wollen.

Ich empfinde das anderes. Ein Steuersünder ist wie ein Verkehrssünder ein Mensch, dessen gesetzwidriges Verhalten man eher als ein Kavaliersdelikt ansieht und mit einem Augenzwinkern "Sünde" nennt. Eine Verkehrssünderkartei würde man eher nicht beim Bundeskriminalamt vermuten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2013 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#22757

Auch von Hugo Chavez berichten die Medien heute ziemlich einhellig, daß er nach einer schweren Erkrankung gestorben sei. Er ist also vom Krankwerden gleich in den Tod gegangen, ohne richtig krank gewesen zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2012 um 12.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#21857

Bei der Choleraepidemie in Berlin engagierte sie sich für soziale Hilfsmaßnahmen in den Armenvierteln und pflegte Erkrankte. (Wiki über Bettine von Arnim)

Das könnte der gewöhnliche Euphemismus sein, es ist aber auch möglich, daß der Verfasser die stärker relationale Bedeutung von erkrankt nutzen wollte, d. h. den Rückbezug auf die zuvor erwähnte Cholera. Man liest also hinein: "die (daran) Erkrankten".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.06.2012 um 07.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20945

Wie zu erfahren ist, werden in deutschen Krankenhäusern unzählige Beschneidungen vorgenommen und allesamt als Phimose-Behandlungen deklariert (und mit den Krankenkassen abgerechnet). Die Kölner Staatsanwaltschaft hat jetzt durch einen Zufall erfahren, daß jüdische und muslimische Knaben beschnitten werden.

Der Sprachnebel war wohl recht wohltuend; durch das Kölner Urteil ist er zerstoben, und es wird sehr heftig diskutiert werden, was aber zu nichts Gutem führen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2012 um 16.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20657

Fahrfehler tötet entgegen kommenden Biker (inFranken.de)

Man sollte ihn ins Gefängnis stecken, den bösen Fahrfehler. (In Wirklichkeit hat eine Autofahrerin den Tod des Mannes verursacht, weil sie auf der Gegenfahrbahn unterwegs war.)
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 05.04.2012 um 16.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20364

Einen euphemistischen Beigeschmack hat der Ausdruck "das Feuer eröffnen" insoweit, als er an den bloßen Vollzug eines durch die Apparatur, Dienstvorschriften usw. ohnehin bereits vorgegebenen Handlungsablaufs denken läßt, hinter den das Subjekt zurücktritt. Es wirkt leicht gespreizt, wenn dann trotzdem ein bestimmtes Subjekt genannt wird (und sei es ein "Unbekannter"). Das ist unumgänglich, wenn eine Einzelperson die Feuerwaffe bedient.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.04.2012 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20363

Ursprünglich mag es das wohl gewesen sein. Heute ist es sprachliche Freischärlerei, dpa-Deutsch als Übersetzung von AP-Englisch, wobei open fire weniger feierlich klingt als das Feuer eröffnen.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 05.04.2012 um 14.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20362

Ich vermute einen fachsprachlichen Hintergrund: ouvrir le feu als Ausdruck für den Beginn einer über den einmaligen Schuß oder die einzelne Salve hinaus andauernden Kriegshandlung. Daß ein Schlachtschiff, eine Küstenbatterie oder eine Flakstellung "das Feuer eröffnet", klingt auch völlig angemessen. Bei einer Einzelperson mit Handfeuerwaffe wirkt es komisch, und zwar unfreiwillig komisch, weil vermutlich nicht eine planmäßige und koordinierte Beschießung gemeint ist. Bewußt auf Komik angelegt ist demgegenüber die Bezeichnung eines Revolvers oder einer Pistole als "Kanone" oder als "Zimmerflak".
 
 

Kommentar von B.Troffen, verfaßt am 05.04.2012 um 13.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20361

"Das Feuer eröffnen" ist seit längerem in Gebrauch, und insbes. bei Attentaten aller Art, also gerade nicht unbedingt für Kampfhandlungen. Es ist wohl als verfestigte idiomatische Verbindung zu sehen, über die kein Mensch nachdenkt, aber jeder versteht was gemeint ist. Daß sowohl "das Feuer" wie auch "eröffnen", und zumal dieses, hier in unüblicher Weise gebraucht werden und als solche jeweils meistens ganz andere Bedeutungen haben, fällt nicht weiter auf – typisch für Idiome, die man ja oftmals nicht wortweise analysieren kann.
Jedoch: translate.google.de übersetzt "Der Mann eröffnete das Feuer" mit "The man opened fire". Korrekt. Das eine (aber welches?) könnte somit ursprünglich eine Übersetzung des andern sein.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.04.2012 um 12.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20360

Ich verstehe »das Feuer eröffnen« nicht als Einleitung eines Schußwechsels (der Mann schoss als erster), sondern als den Beginn des Schießens. Der Satz aus dem Tagesspiegel ist deshalb merkwürdig, weil hier ja nur gesagt werden soll, daß der Mann überhaupt geschossen hat. Mir ist die Formulierung aus Berichten vertraut, in denen die Abfolge der einzelnen Handlungen beschrieben wird: erst passierte dies, dann eröffnete der Täter das Feuer (= begann [unvermittelt] zu schießen) usw. In diesem Rahmen scheint mir die Formulierung angemessen. Vergleiche etwa Spiegel online: »Der Schütze soll die Gruppe gegen 1.15 Uhr in der Rudower Straße, gegenüber dem Klinikum Neukölln, angesprochen und dann das Feuer eröffnet haben.« Vielleicht sind Sätze wie der aus dem Tagesspiegel (und viele andere Medien haben ja aus derselben Quelle zitiert) das Ergebnis einer ungeschickten Zusammenfassung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2012 um 07.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20357

Nicht erkennbar euphemistisch, aber auch eine eigenartige Umschreibung ist das beliebte "Eröffnen" des Feuers. Normalerweise schießt jemand einfach auf jemanden, allenfalls noch fängt er an zu schießen, aber man liest täglich so etwas:

Ein Mann hat in der Nacht zu Donnerstag das Feuer auf eine Gruppe von fünf jungen Männern eröffnet und dabei einen 22-jährigen [!] getötet. (Tagesspiegel 5.4.12)

Das würde doch bedeuten, daß er mit einem Schußwechsel angefangen hat, wie unter feindlichen Truppen. Das ist aber nicht gemeint.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.03.2012 um 21.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20263

Vor einiger Zeit hat der Kabarettist Hagen Rether das Wort mal aufgegriffen und zum Anlaß schwülstiger Entrüstung genommen. In Wahrheit, so Rether, seien nicht die als sozial schwach geschmähten Armen unsozial, sondern die ökonomisch Starken. Der Begriff dürfte aber ursprünglich weder verunglimpfend noch verschleiernd noch beschönigend gemeint gewesen sein. Es ging wohl schlicht darum, daß schwachen Schultern im Sozialstaat weniger Last zuzumuten sei den vielzitierten starken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2012 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1437#20259

Der Euphemismus sozial schwach statt arm klingt in meinen Ohren wie "asozial", jedenfalls so, als fehle es den betroffenen Menschen an sozialen Fähigkeiten und nicht nur an Geld.

Im Augenblick ist ja wieder viel von "sozial Schwachen" die Rede; wenn man der Linken glaubt, wird der neue Bundespräsident, wenn er sich nicht bessert, bald auf den armen Leuten herumtrampeln.
 
 

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