zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


02.01.2011
 

Lesen ohne Licht
Bücher im Hotel

Eines Nachts, als ich mich mal im Bett umdrehte, fragte meine Frau plötzlich: "Liest du?" Sie glaubte im Stockdunkeln eine umgeschlagene Buchseite gehört zu haben. Darüber müssen wir heute noch lachen.

Dies fällt mir ein, wenn ich im Tagesspiegel lese, daß immer mehr Hotels ihre Gäste auch mit Büchern versorgen. Gottfried Knapp hat kürzlich in der Zeitung seinem Ärger darüber Luft gemacht, daß man in Hotels zwar allen erdenklichen Beleuchtungs-Schnickschnack antrifft und ein längeres Studium braucht, bis man sämtliche Schaltungsmöglichkeiten herausgefunden hat und sich endlich schlafen legen kann, daß es aber fast nie eine ausreichende Lesebeleuchtung gibt. Ebenso in den neueren ICE-Zügen, die nicht mehr jene Spots haben, mit denen man zur Not noch ein Buch lesen konnte, sondern nur noch eine Lichtleiste mit diffuser Gesamtwirkung. (Knapp ist einer der wenigen, die regelmäßig die Tyrannei des Designs über die Funktion anprangern.)

Ich bin schon mit eigenem Glühlampensortiment gereist, um mir in Hotels und Ferienwohnungen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Lesen ohne Licht«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2013 um 19.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1394#22365

Zu Büchern in Hotels noch eine Beobachtung: Seit einiger Zeit werden die Besucher der Uni-Cafeterias durch zahllose Schilder ermahnt, dortselbst keine Hausaufgaben zu machen. In gewisser Weise verständlich, weil es vor allem mittags recht voll wird. Viele Studenten (sogar Studierende könnte man sie nennen!) weichen in die kommerziellen Cafés aus, meist in Bäckereien, wo es auch nicht viel teuerer ist und man nicht gestört wird. Die Bäckerei-Kette "Der Beck" hat nun damit angefangen, ihre Cafés mit Bücherregalen auszustatten, die sich immer mehr füllen (offenbar Spenden, durchweg klassische Rechtschreibung). Fast wie in den guten alten Wiener Cafés. Nur mit Zeitungen wird noch geknausert, da hat die deutsche Gastronomie schon immer einen blinden Fleck gehabt. Ein findiger Unternehmer könnte mit wenig Aufwand Abhilfe schaffen und gute Geschäfte machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2012 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1394#21543

Zum Steuergeschenk an die Hotelbesitzer, das nun wieder kassiert werden soll:

www.bundesrat.de/.../485-12.pdf

Alles, was in diesem Antrag als Begründung angeführt wird, war vor zwei Jahren schon bekannt und ist damals auch ausgesprochen worden. Der Bundestag verabreicht sich nun selbst eine schöne Ohrfeige. Aber wenn's dem Allgemeinwohl dient, nehmen wir es gern hin. Leider ist die erwiesene Nutzlosigkeit und Schädlichkeit der Rechtschreibreform nicht in ähnlicher Weise wirksam geworden.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 03.01.2011 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1394#17684

Nachgesendet:

χρόνια πολλά !
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 03.01.2011 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1394#17683

Ein mir hier in Griechenland gut bekanntes Hotel hat einen ansehnlichen Bücherbestand an deutschen Ausgaben. Viele deutsche Gäste lassen gelesene Bücher dort.
Die Bibel im Nachtkasten (neben dem Telefonbuch) ist mir vor Jahrzehnten in den USA schon aufgefallen. Möglicherweise war das die Vorlage für deutsche Hotels.
Wem es aber im Hotel zu dunkel ist, gehe auf die Straße:

Warum Gas-Straßenbeleuchtung abzulehnen ist ...
Wie alle großen Erfindungen, hatte auch das Leuchtgas Feinde, die ihm viel zu schaffen machten und die Entwicklungen verzögerten. Am bekanntesten ist eine Stellungnahme der Kölnischen Zeitung gegen die Einführung der Gas-Straßenbeleuchtung, die in der Nummer vom 28.März 1819 veröffentlicht wurde und folgenden Wortlaut hatte:
1. Aus theologischen Gründen: weil sie als Eingriff in die Ordnung Gottes erschien. Nach dieser ist die Nacht zur Finsternis eingesetzt, die nur zu gewissen Zeiten vom Mondlicht unterbrochen wird. Dagegen dürfen wir uns nicht auflehnen, den Weltplan nicht hofmeistern, die Nacht nicht zum Tage verkehren wollen.
2. Aus juristischen Gründen: weil die Kosten dieser Beleuchtung durch eine indirekte Steuer aufgebracht werden sollen. Warum soll dieser und jener für eine Einrichtung zahlen, die ihm gleichgültig ist, da sie ihm keinen Nutzen bringt oder ihn gar in manchen Verrichtungen stört.
3. Aus medizinischen Gründen: die Gasausdünstung wirkt nachteilig auf die Gesundheit schwachleibiger und zartnerviger Personen und legt auch dadurch zu vielen Krankheiten den Stoff, weil sie den Leuten das nächtliche Verweilen auf den Straßen leichter macht und ihnen Schnupfen, Husten und Erkältungen auf den Hals zieht.
4. Aus philosophischen Gründen: die Sittlichkeit wird durch Gassenbeleuchtung verschlimmert. Die künstliche Helle verscheucht in den Gemütern das Grauen vor der Finsternis, das die Schwachen von mancher Sünde abhält. Die Helle macht den Trinker sicher, daß er in den Zechstuben bis in die Nacht hinein schwelgt, und sie verkuppelt verliebte Paare.
5. Aus polizeilichen Gründen: sie macht die Pferde scheu und die Diebe kühn.
6. Aus volkstümlichen Gründen: öffentliche Feste haben den Zweck, das Nationalgefühl zu wecken. Illuminationen sind hierzu vorzüglich geschickt.. Dieser Eindruck wird aber geschwächt, wenn derselbe durch allnächtliche Quasi-Illuminationen abgestumpft wird. Daher gafft sich der Landmann toller in dem Lichtglanz als der lichtgesättigte Großstädter.
(Stadtwerke Bochum GmbH)

Ein frohes und erleuchtetes Jahr 2011 wünscht allen Mitstreitern
Argonaftis
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2011 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1394#17682

Die Bibeln in Hotels und Pensionen werden gratis vom Gideonbund geliefert, man kann sie auch mitnehmen. Allerdings sind sie in reformierter Rechtschreibung gedruckt. Gelesen werden sie kaum, sind daher immer appetitlich neu.

Es gibt ja auch bisher schon Herbergen mit einem mehr oder weniger ansehnlichen Bücherschrank, zur Not findet man da immer etwas. Den deutschen Hotelbesitzern werden nun auf Wunsch Seehofers und der entsprechend bespendeten FDP jährlich eine Mrd. Euro aus Steuermitteln geschenkt. Ich habe im Radio einen Hotelier (bei dem ich sogar mal übernachtet habe, in Füssen) sagen hören, er denke nicht daran, das Geld an die Kunden weiterzugeben, sondern wolle es in die Ausstattung seines Betriebes investieren. Da müßte doch etwas für Bücher abfallen. Das könnte in der Werbung sogar ein preiswertes Argument sein. Warten wir's ab!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.01.2011 um 22.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1394#17681

Dem kann ich nur voll zustimmen. Ich habe zwar noch nie eine eigene Glühlampe mitgehabt, aber jedesmal ärgere ich mich, daß ich es schon wieder vergessen habe. Ich mache immer sämtliche trüben Funzeln rundum an, das reicht dann wenigstens, um mir die Augen zu verderben.

Zu "Bücher im Hotel" – ich kann mich nicht erinnern, schon mal in einem deutschen Hotelzimmer (seit der Wiedervereinigung auch im Osten) kein Neues Testament gefunden zu haben. Ich bin aber nicht sicher, ob ich immer nachgesehen habe. Jedenfalls macht es auf mich den Eindruck, als seien die Hotels in Deutschland gesetzlich dazu verpflichtet, was aber doch eigentlich nicht sein kann.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 02.01.2011 um 18.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1394#17679

Zu den eigenen Glühlampen siehe auch "Efraim Kischon: Der sehkranke Wahlfisch" ... oder so ähnlich, jedenfalls im ersten Kapitel.
 
 

nach oben


Ihr Kommentar: Sie können diesen Beitrag kommentieren. Füllen Sie dazu die mit * versehenen Felder aus und klicken Sie auf „Kommentar eintragen“.

Sie können in Ihrem Kommentar fett und/oder kursiv schreiben: [b]Kommentar[/b] ergibt Kommentar, [i]Kommentar[/i] ergibt Kommentar. Mit der Eingabetaste („Enter“) erzwingen Sie einen Zeilenumbruch. Ein doppelter Bindestrich (- -) wird in einen Gedankenstrich (–), ein doppeltes Komma (,,) bzw. ein doppelter Akut (´´) werden in typographische Anführungszeichen („ bzw. “) umgewandelt, ferner werden >> bzw. << durch die entsprechenden französischen Anführungszeichen » bzw. « ersetzt.

Bitte beziehen Sie sich nach Möglichkeit auf die Ausgangsmeldung.
Für sonstige Diskussionen steht Ihnen unser Diskussionsforum zur Verfügung.
* Ihr Name:
E-Mail:
(Wenn Sie eine E-Mail-Adresse angeben, wird diese angezeigt, damit andere mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.)
* Kommentar:
* Spamschutz:   Hier bitte die Zahl einhundertvierundfünfzig (in Ziffern) eintragen.
 


Zurück zur vorherigen Seite | zur Tagebuchübersicht


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM