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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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30.10.2010
 

Sommerzeit
Erinnerung an Eduard Engel

Das Ende der Sommerzeit veranlaßt mich, wieder einmal an Eduard Engel zu erinnern, der 1912 die Einführung der Sommerzeit vorschlug und später der Meinung war, daß die (vorübergehende) Einführung tatsächlich auf ihn zurückging.
Ob er recht hatte, weiß ich nicht. Aber jedenfalls gibt es, wie ich sehe, seine großartige "Deutsche Stilkunst" immer noch billig im Antiquariatshandel; billiger als amazon ist ZVAB.



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Kommentare zu »Sommerzeit«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2019 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1356#41149

Heute nacht wird wieder umgestellt, und auch die Diskussion flackert nach den neuesten Beschlüssen wieder auf. Mir scheint jetzt noch deutlicher die rhetorische Wirkung der mitschwingenden Assoziationen: ewiger Sommer oder ewiger Winter? Da fällt die Entscheidung nicht schwer.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.09.2018 um 20.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1356#39540

Richtig, und die suggestive Wortwahl läßt vermuten, daß das Ergebnis so beabsichtigt war. Die Folgen vor allem für Spanien wären ziemlich dramatisch (St. Petersburger Zeit in Santiago!).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2018 um 14.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1356#39537

Die breite Befürwortung der Sommerzeit könnte damit zu tun haben, daß der Begriff mit der freundlichen, durch Urlaub zusätzlich versüßten Phase des Jahres assoziiert wird. Viele Männer, für die eine Kneipe das Schönste ist, richten sich eine Bar im Keller ein, und Prominente kaufen sich ein Haus in Mallorca, wo es in den Ferien immer so schön war. Und etwas Kindliches hat das Ganze.

Der Nutzen der Sommerzeit ist nicht erwiesen und wird kaum noch behauptet, aber inzwischen ist es üblich, die Beweislast den Gegnern der Zeitumstellung zuzuschieben. Ähnlich lief es bei der Rechtschreibreform. Eine Art „Ersitzung“.

Übrigens kenne ich Menschen, denen die eigentliche Zeitumstellung nicht viel ausmacht – nur so wie eine durchgefeierte Nacht. Erst in den Wochen danach macht sich eine gewisse Mattheit bemerkbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2017 um 10.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1356#36784

Daytime Saving Ends steht für Sonntag auf unserem Wandkalender. Na ja.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2014 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1356#25514

Dasselbe distanzierende Herr wendet der schon zitierte Extremkatholik Georg May in seinen Predigten an:

Das nega­tive Dogma von der unbe­ding­ten Not­wen­dig­keit geschlecht­li­cher Betä­ti­gung stammt von Herrn Luther. Mit die­ser Irr­lehre hat er uner­mess­li­chen Scha­den ange­rich­tet!

Das wirkt besonders eigenartig, weil Luther seit 500 Jahren tot ist, hier aber wie ein übler Zeitgenosse auf die Hörner genommen wird.

Die Wirkung ist schwer zu erklären, denn wenn ich hier auf diesen Seiten etwa Herrn Markner oder Herrn Riemer so nenne, ist ja keine Spur von Despektierlichkeit dabei. Es muß damit zusammenhängen, daß bei historischen Personen die gesellschaftliche Rücksichtnahme ("Höflichkeit", "Respekt") im selben Sinn irrelevant wird wie bei der schon besprochenen Anrede (duzen, siezen). Obama und Putin sind eben Obama und Putin, ein Herr davor ist ausgesprochen distanzierend. (Natürlich nicht Frau bei Merkel, aber es gibt schon eine Tendenz in derselben Richtung.)

Luther geht gerade noch, aber wenn man noch viel weiter zurückgeht, wird es ziemlich schief. Herr Jesus geht schon wieder in eine ganz andere Richtung. Herr Aristoteles ist wohl unmöglich, außer scherzhaft. Man kann Aristoteles kritisieren, aber man kann eigentlich nicht gegen ihn polemisieren.

Wie der zeitliche Abstand wirkt, sieht man auch an der Wahl zwischen gestorben und verstorben. Wer sozusagen noch satisfaktionsfähig war und uns angeht, ist irgendwann verstorben, sonst einfach gestorben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2013 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1356#24270

Zur Rückumstellung auf die Normalzeit glaubt diesmal auch ein Pfarrer in der Rheinischen Post etwas Besinnliches beisteuern zu müssen: www.rp-online.de.

Der Text ist ganz entsetzlich, aber ich möchte nur einen sprachlich interessanten Passus zitieren:

Ein merkwürdiges Phänomen, die Zeit. Mal zuviel davon, mal zuwenig, mal vor und zurück.
Und doch komme ich nicht los von der Vorstellung, dass Zeit dahin fließt wie ein Strom und dass man eben niemals in denselben Fluss steigen kann, weil er eben unaufhörlich fließt.
Herr Albert Einstein mit seiner Relativitätstheorie ist mir da relativ egal.


Wieso Herr? Mit dieser ironischen Distanzierung lächelt ein Vertreter der Zweiten Kultur (oder einer Dritten?) auf einen Vertreter der Ersten Kultur hinab. Das überaus geistvolle Spiel mit dem Wort relativ paßt dazu.

Aus dem Predigthandbuch hat sich der schläfrige Verfasser die Stichwörter besorgt, mit denen man von der Sommerzeit zum 31. Psalm überleiten kann. Wie schätzt die Zeitung eigentlich ihre Leser ein?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2012 um 06.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1356#21797

Wenn Engel wirklich entscheidend dazu beigetragen hat, die Sommerzeit einzuführen, sei er feucht und schmutzig verflucht! (Zu Gaugers neuem Buch demnächst mehr...) Was soll ich morgens um drei am Schreibtisch!

Mir fiel ein Buch in die Hände; an sich nicht wichtig, aber persönlich dann doch:

Elisabeth von Christen: So herrlich war Südafrika. Egelsbach 1999.

Eines von mehreren Büchern, in denen die Verfasserin (später für den Börsenverein tätig) die verschiedenen Stationen im Ausland, wo ihr Mann als Forstwirtschaftler tätig war, tagebuchartig beschrieben hat. Zuerst kam es mir sehr banal vor, aber dann fand ich, daß das Milieu und der Alltag der Auslandsdeutschen – hier in Pretoria – sehr gut rüberkommen, wie ich es aus Indien kenne. Nun zum Persönlichen:

„Frau Kreuz bekommt ein Baby. Das erfuhren wir nach einem Kinobesuch ‚Love in the afternoon‘ mit Audrey Hepburn.“ (S. 66)
„Sonntag wurde Irene Kreuz getauft. Wir fuhren zur Kirche und sahen, wie dem armen Wesen das Salz der Erkenntnis ins Mündchen gestreut wurde, die Stirne geölt, die Glatze gewässert, sie benahm sich musterhaft – eine Vorzeigekatholikin.“ (Ebd. S. 90)

Komisch zu lesen, wenn man mit dem "armen Wesen" seit Jahrzehnten verheiratet ist!

(Einige Namen in dem Buch sind begreiflicherweise verschlüsselt; ich könnte sie auflösen, aber so ein Spielverderber bin ich nicht.)
 
 

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