zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


16.07.2010
 

Koiné
Mißverständnis einer Weltsprache

"Als eine der ersten aposteriorischen Welthilfssprachen gilt Koiné, das im 4. Jahrhundert v. Chr. aus einem attischen Dialekt entwickelt wurde."

So steht es in einer sprachwissenschaftlichen Dissertation, aber es ist nicht richtig. Die Koiné war eine ganz natürlich entstandene Weltsprache, das Griechische des Hellenismus und der Spätantike. Aposteriorische Welthilfssprachen sind künstliche Plansprachen, die ihr Material im wesentlichen aus schon vorhandenen Sprachen schöpfen.

Ich erwähne das hier, weil unsere sprachenpolitische Situation ein neues Nachdenken über Plansprachen und globalisierte natürliche Sprachen anregen könnte. Eine Sprache, die ohne starke zentrale Überwachung (wie die Académie) von vielen Fremden gesprochen wird, macht offenbar rasche Fortschritte hin zu einer optimalen Sprache und zieht nach dem Matthäus-Prinzip immer weitere Sprecher an. Die Vertreter von Plansprachen sehen das oft nicht ein und wenden ihre Mühe an aussichtslose Projekte.

Die Koiné ist eine viel bessere Parallele zum globalen Englisch als das Gelehrtenlatein des Mittelalters und der Neuzeit.



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Koiné«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.07.2010 um 12.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1328#16569

Eine Welt(hilfs)sprache, die sich entgegen den Regeln der Hochsprache und ganz von selbst entwickelt hat, war das Vulgär- oder besser Bürgerlatein, von dem die romanischen Sprachen abstammen. Es gibt sehr wenige schriftliche Dokumente und so gut wie keine Literatur, aber es kann sehr gut erschlossen werden. Die Syntax des Vulgärlateins ist stark vom Griechischen beeinflußt, das in diesem Punkt moderner war als das klassische Latein. Ein großer Vorteil des Bürgerlateins ist die Eigenschaft, daß solche Texte im Gegensatz zum klassischen Latein fließend gelesen und verstanden werden können, weil sie nach unserer Technik des Hörverstehens konzipiert sind.
(Nach Marcello Durante, Geschichte der italienischen Sprache)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2010 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1328#16558

Oettinger hat offenbar keine Schwierigkeiten mit dem Englischen. Bloß die anderen haben Schwierigkeiten mit seinem Englisch. Aber wenn er mit diesen Leuten keine Schwierigkeiten hat, dann hat er tatsächlich überhaupt keine Schwierigkeiten und ist auf dem richtigen Posten.

Ich verstehe nicht viel vom Esperanto, aber wenn ich recht sehe, ist das Problem, das ich eben karikierend angedeutet habe, bei den Welthilfssprachen geringer. Das war ja im Grunde beim Latein auch nicht anders, bis die Humanisten uns auf "Cicero oder gar nichts" festlegten.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.07.2010 um 16.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1328#16557

http://www.youtube.com/watch?v=0Fksc1kzWz8
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 19.07.2010 um 14.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1328#16556

Von meiner Mutter hörte ich Gedichte in Esperanto, mein Stiefgroßvater erfand das Occidental (Interlingue). Nach kurzer jugendlicher Begeisterung für Planprachen bemerkte ich aber bald, daß diese trotz all ihrer Erleichterungen und Systematisierungen schwerer zu lernen sind als gewachsene Sprachen in natürlichem Umfeld mit vielfältiger Literatur. Welche Schwierigkeiten hat den unsereiner – trotz der skurrilen Orthographie – heutzutage noch mit Englisch?
 
 

nach oben


Ihr Kommentar: Sie können diesen Beitrag kommentieren. Füllen Sie dazu die mit * versehenen Felder aus und klicken Sie auf „Kommentar eintragen“.

Sie können in Ihrem Kommentar fett und/oder kursiv schreiben: [b]Kommentar[/b] ergibt Kommentar, [i]Kommentar[/i] ergibt Kommentar. Mit der Eingabetaste („Enter“) erzwingen Sie einen Zeilenumbruch. Ein doppelter Bindestrich (- -) wird in einen Gedankenstrich (–), ein doppeltes Komma (,,) bzw. ein doppelter Akut (´´) werden in typographische Anführungszeichen („ bzw. “) umgewandelt, ferner werden >> bzw. << durch die entsprechenden französischen Anführungszeichen » bzw. « ersetzt.

Bitte beziehen Sie sich nach Möglichkeit auf die Ausgangsmeldung.
Für sonstige Diskussionen steht Ihnen unser Diskussionsforum zur Verfügung.
* Ihr Name:
E-Mail:
(Wenn Sie eine E-Mail-Adresse angeben, wird diese angezeigt, damit andere mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.)
* Kommentar:
* Spamschutz:   Hier bitte die Zahl einhundertvierundfünfzig (in Ziffern) eintragen.
 


Zurück zur vorherigen Seite | zur Tagebuchübersicht


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM