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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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05.05.2010
 

Meinungsmache
Auf die Formulierung kommt es an!

Bei Welt-online kann man sich gerade an einer Umfrage beteiligen:

"Hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Griechenlandkrise eine gute Figur abgegeben?
+ Ja, sie hat Deutschlands Interessen zu Recht souverän vertreten.
+ Nein, ihr Zögern und ihre Unentschlossenheit waren fatal."

Ich formuliere mal probeweise anders:

+ Nein, mit ihrem Eintreten für deutsche Interessen hat sie den Rückfall in den nationalen Partikularismus gefördert.
+ Ja, mit kluger Hinhaltetaktik hat sie Griechenland zu größeren Eigenleistungen gezwungen und damit der EU einen Dienst erwiesen.

Nicht daß ich eine dieser Meinungen verträte, aber man sieht, wie fies das Ganze ist. (Die Meinung der Mehrheit dürfte sein, daß die deutsche Politik mittelmäßig ist, aber diese Meinung fällt durchs Raster glatt hindurch.)



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Kommentare zu »Meinungsmache«
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Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 31.10.2012 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#21824

Pünktlich zu Halloween läßt die Netzausgabe der FAZ nichts aus:

Immer mehr Kinder (und Erwachsene) feiern am 31.10. Halloween - ein Brauch aus Amerika, den man übernehmen sollte?

Und wie üblich mit vorgegebenen Begründungen für die Antworten (und deshalb wie üblich nicht brauchbar):

Ja, ist doch lustig. Verkleiden macht nicht nur zum Fasching Spaß.

Nein, fürchterlich. Bettelnde Kinder in scheußlichen Kostümen - ohne mich!

Angeblich sind bislang 85 Prozent gegen Halloween.

In spätestens fünf Jahren wird niemand mehr eine eigene Meinung zu etwas haben. Dann warten alle darauf, etwas anzukreuzen und sich der von einem Institut generierten Begründung der vermeintlichen Allgemeinheit anzuschließen. Paßt aber sehr gut zur Unterrichtsplanung und Wissensvermittlung in Modulhäppchen...
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 19.07.2012 um 20.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#21099

Sind die Deutschen mit den Maßnahmen zur Euro- bzw. Kristenstaaten- und Bankenrettung einverstanden? Je nach Fragestellung mögen sich die Prozentzahlen in den Umfragen unterscheiden, aber unter dem Strich zeigt sich eine deutliche Ablehnung. In den angeblich begünstigten Ländern sieht es ähnlich aus, weil die dortigen Bürger nichts von der Unterstützung haben, sondern im Gegenteil unter den harten Sparauflagen leiden. Das erinnert an die Einführung und Durchsetzung der Rechtschreibreform: Die Regierung zieht eine Politik durch, die das Volk ablehnt. Wie es wohl diesmal ausgeht?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.05.2012 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#20777

Ist das nicht ein bißchen verrückt? Der Hochstapler zu Guttenberg war noch nicht richtig weg, da wurde schon gefragt, wann er denn wiederkäme. Auf Röttgen dagegen, der sich nun wirklich nichts als politische Fehler vorzuwerfen hat, werden überall nur Grabesreden gehalten, der aktuelle Spiegel titelt auf S. 4 "Der Todesstoß", und über Merkel wird geurteilt als hätte sie ihn tatsächlich ermordet. Röttgen wird ganz selbstverständlich wiederkommen, und auch Merkel wird nichts dagegen haben.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 27.11.2011 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#19600

Alternative Antwort-Angebote:

Ja. Sonst bekommt er ja gar nicht mit, wie sehr man ihn inzwischen verachtet.
Nein. Ein junger Familienvater sollte vor allem für seine Kinder da sein.

Ja. Er sorgt für Aufmerksamkeit und ist deshalb für die Demokratie wertvoll.
Nein. Er hat ja selbst gesagt, daß er chaotisch arbeitet.

Warum nicht? Die anderen sind auch nicht besser.
Nein. Er ist zu elitär, um sich in die Bürger hineinversetzen zu können.

Ja. Ohne Brille sieht er jetzt noch besser aus, zum Verlieben!
Nein. Seine neue Frisur überzeugt mich nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2011 um 14.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#19599

Focus fragt:

Sind Sie für ein Politik-Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg?
- Ja, er hat eine zweite Chance verdient.
- Nein, ein Plagiator hat in der Politik nichts zu suchen.


Das ist wieder eine dieser unbrauchbaren Umfragen, weil zusammen mit der Zustimmung oder Ablehnung auch gleich eine bestimmte Begründung mitabgefragt wird. Die erste Antwort bemüht eine geläufige Redensart: Jeder hat eine zweite Chance verdient, nicht wahr? Als ob Guttenberg resozialisiert werden sollte. Hätte man statt "Plagiator" "Betrüger" oder "Hochstapler" gesagt, wäre die Antwort bestimmt wieder anders ausgefallen. Es gibt auch noch viele andere Menschen, die eine Rückkehr zwar nicht für wünschenswert halten, aber nicht aus dem genannten Grund.
 
 

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