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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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09.12.2009
 

mannsch
Ungelöstes Problem der Groß- und Kleinschreibung

Vor etlichen Jahren habe ich schon mal darauf hingewiesen, daß auch vor der Reform eher von Thomas-Mannscher Ironie gesprochen wurde, auch wenn das Adjektiv qualifizierend gemeint war und daher eigentlich hätte klein geschrieben werden müssen.
Die Kleinschreibung von Eigennamen wirkt immer irgendwie verkehrt. Heute stieß ich in der Zeitung auf die mannsche Kurve (nach einem Klimaforscher namens Mann) und fand es sonderbar. Die thomas-mannschen Werke gar wären fast nicht zu ertragen, kommen aber selbst nach der Reform auch kaum vor.



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Kommentare zu »mannsch«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.06.2019 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#41760

"Im Gegensatz zu Adjektiven wie abelsch leitet sich binomisch nicht vom Namen eines Mathematikers ab. Im Sinne des wissenschaftlichen Witzes wird die Bezeichnung binomisch scherzhaft auf einen fiktiven Mathematiker namens Alessandro (oder Francesco) Binomi zurückgeführt, der wahlweise auch in einigen Schul- und Lehrbüchern als deren Urheber auftaucht."(https://de.wikipedia.org/wiki/Binomische_Formeln)

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2019 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#41494

Der Große Fermatsche Satz (Wikipedia) wird im Eintrag über Hilary Putnam als großer fermatscher Satz bezeichnet, was gewöhnungsbedürftig aussieht. Das Adjektiv heißt also fermatsch. Diese Bezugsadjektive stehen funktional den Adjektivattributen nahe, sind aber flektiert und daher für die Stellung zwischen Artikel und Substantiv geeignet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.04.2018 um 21.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#38402

Kafka’esk oder vielmehr Orwell’ianisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2018 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#38401

Aus dem neuesten Duden-Newsletter:

Adjektive aus Personennamen

Nach Musil bestand ja der Mann ohne Eigenschaften aus Eigenschaften ohne Mann. Bisweilen macht man aber aus einem Mann oder einer Frau bzw. dessen oder deren Namen eine Eigenschaft: ein Adjektiv.
Ganz leicht geht das mit der Nachsilbe -(i)sch und solche Bildungen schreibt man als Adjektive natürlich klein: der musilsche Essayismus, der wolfsche Feminismus. (...) Adjektive, die aus Personennamen gebildet sind, werden jedoch großgeschrieben, wenn die Grundform des Personennamens durch einen Apostroph verdeutlicht wird: das Musil’sche Generalsekretariat für Genauigkeit und Seele, der Wolf’sche geteilte Himmel.


Wenn man bedenkt, wie lange Duden die Großschreibung gelehrt hat, kann man dieses "natürlich klein" nur als Unverschämtheit bezeichnen. Leider sagt die Redaktion nicht, warum der Apostroph die Großschreibung zur Folge haben soll. Ist das etwa auch "natürlich"?

Und was heißt -(i)sch? Ein Beispiel wie musilisch wird nicht geboten.

("bzw." ist übrigens auch falsch gebraucht.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2016 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#32697

Wichtig war dabei die Formulierung der maxwellschen Gleichungen, welche Hertz seiner Theorie als Postulat zugrunde gelegt hatte, und die später in der Form der „maxwell-hertzschen Gleichungen“ großen Einfluss hatten – wobei die Gleichungen ihre moderne Form schließlich durch Heaviside erhielten. (Wikipedia: Äther)

Die Kleinschreibung der Bezugsadjektive stört, mich jedenfalls.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2015 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#30736

Über Google und insbesondere bei Wikipedia findet man unterschiedliche Schreibweisen für mathematische Sachverhalte: Goldbachsche Vermutung, bernoullische Gleichung, Klein'sche Flasche in diversen Varianten. Entweder haben die Reformschreiber nicht aufgepaßt, oder es ist ihnen zu hoch. Falls sie sich aber etwas dabei gedacht haben, ist es nicht gerade leichter geworden, so etwas richtig zu schreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2014 um 08.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#24823

Eine Germanistin schreibt:

"Viele Nomina sacra wie Gott können auch als die belebteste nominale Subklasse angesehen werden, da sie mit dem Merkmal [+unsterblich] ausgestattet sind. Nicht selten erfahren sie deshalb auch Teil- oder Ganzwortgroßschreibung: <GOtt, GOTT>, <HErr, HERR."


 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 23.01.2013 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#22443

Ich habe noch eine Beobachtung gemacht zu den er-Jahren (Duden-Empfehlung: Bindestrich statt Leerzeichen), möchte aber diesen Tagebucheintrag nicht noch weiter damit belasten. Lieber Professor Ickler, wenn Sie mal etwas zu den er-Jahren in Ihr Tagebuch schreiben, mache ich einen Kommentar daraus.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 07.11.2012 um 12.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21867

Zum Gründungszeitpunkt scheint die Schweizergarde schon eine Dienstleistung der Schweiz am Vatikan gewesen zu sein, weil ja ein Papst um diese Leistung bei Vertretern der Schweiz ansuchte.
Heute kann natürlich diskutiert werden, inwieweit diese Sicht noch vertretbar ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.11.2012 um 01.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21864

Ich möchte noch ergänzen, daß die meisten Wörterbücher (auch schon vor der Reform) zwischen den Achtzigerjahren (als Lebensalter) und den achtziger Jahren (des vorigen Jahrhunderts) unterscheiden. Danach wären also bewährt zwar auch 80er-Jahre, aber nicht 1980er-Jahre denkbar, denn so alt dürfte wohl kein Mensch werden.

Trotzdem sollte das Rot der "Achtzigerjahre [des vorigen Jahrhunderts]" im ersten reformierten Duden 1996 höchstens ein Orange sein, denn schon im Duden des Bibliographischen Instituts Leipzig von 1969 stehen ausdrücklich auch ebendiese "Achtzigerjahre [des vorigen Jahrhunderts]".
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 06.11.2012 um 18.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21859

Wer es so sieht, wird eben Schweizer Garde schreiben. Wenn jemand die Arbeit einer Gruppe von Schweizern als Dienstleistung des Landes Schweiz interpretieren möchte, warum nicht? Solche gedanklichen Übertragungen sind ja durchaus möglich.

Wenn man es genau nimmt, möchte man unterscheiden. In München gibt es eine Augsburgerstraße. Nomalerweise gibt es Augsburger Straßen, also Straßen, die nach Augsburg führen oder Augsburg in ihrem Namen ehren. Die Augsburgerstraße ist aber einem Herrn Augsburger gewidmet. Nun könnte man sagen: "Herr Augsburger heißt so, weil er oder seine Vorfahren aus Augsburg stammen, also wird mit Herrn Augsburger zugleich die Stadt Augsburg geehrt. Man kann deshalb auch Augsburger Straße schreiben. Letztlich handelt es sich um eine Augsburger Straße."

Ich möchte micht da nicht anschließen; nicht nur deshalb, weil die Schreibweise von Straßennamen amtlich verwaltet wird. Für mich ist die Schweizergarde eine aus Schweizern bestehende Garde. Diese Gardisten werden nicht von der Schweiz abgeordnet, verwaltet, beaufsichtigt oder sonstwie verantwortet. Sie bewerben sich aus eigenem Interesse im Vatikan. Sie sind eher das Gegenteil einer Schweizer Garde, weil sie der Heimat nicht zur Verfügung stehen, solange sie für den Vatikan Dienst tun.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.11.2012 um 14.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21858

» . . . denn der Schutz Papstes ist ja keine Dienstleistung der Schweiz.« Na doch, das genau ist es.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.11.2012 um 10.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21856

Die Schreibung in den Zwanzigerjahren, die Achtzigerjahre usw. fand ich schon immer unschön, dennoch ist sie neben den zwanziger Jahren, den achtziger Jahren usw. schon lange weit verbreitet. Das entsprechende in Ziffern ist 20erjahre, 80erjahre, was ich zwar auch seltsam finde, aber ist eben so. Noch schlimmer sieht 1920erjahre, 1980erjahre aus, aber rein logisch hätte sich nichts geändert. Und von da zum Bindestrich 1920er-Jahre, 1980er-Jahre ist es nun auch nicht mehr weit. Man muß ihn wohl sogar als "bewährt" gelten lassen, oder? Wie gesagt, ich finde ihn bzw. die Zusammenschreibung in allen diesen Beispielen auch schrecklich.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 06.11.2012 um 07.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21855

Italienisch ist kein Argument für die Bewertung deutscher Konstruktionen. Zusammensetzungen werden im Deutschen anders gebildet als in romanischen Sprachen. Die Form Schweizer (zum Beispiel in Schweizer Uhren) ist eine deutsche Eigenheit. Deshalb behilft sich das Italienische mit einem anderen Ausdruck. Guardia Svizzera ist die kürzeste Möglichkeit, also wird das Adjektiv gewählt. Man kann ja auch nicht argumentieren, es müsse Schweizerische Garde heißen, nur weil die Italiener Guardia Svizzera sagen.

Im Lateinischen sieht es schon anders aus: Pontificia Cohors Helvetica, auch Cohors Pedestris Helvetiorum a Sacra Custodia Pontificis (Wikipedia). Das lateinische Helvetiorum hat wie das deutsche Erstglied Schweizer... den Vorzug, daß die Bestimmtheit nicht festgelegt ist, anders als bei italienisch degli Svizzeri (mit bestimmtem Artikel, der hier nicht gut paßt).

Herr Achenbach versteht mich wieder mutwillig falsch. Wenn ich zum Vergleich mit anderen Zusammensetzungen auffordere, heißt das natürlich nicht, daß alle Bestandteile in allen denkbaren sonstigen Zusammenhängen dieselben Eigenschaften haben müssen. Es ist nur die Aufforderung zum Vergleichen.

Ich akzeptiere gerne den Einwand, daß man statt der Konstruktion Schweizergarde auch die Konstruktion Schweizer Garde wählen kann und damit eine fast ebenso treffende Bezeichnung hat. Fast, denn der Schutz Papstes ist ja keine Dienstleistung der Schweiz. Ich denke, daß den Sprechern der feine inhaltliche Unterschied (im Verhältnis der beiden Glieder) zwischen Schweizer Käse und Schweizergarde nicht bewußt ist. Man ahmt dann die weit überwiegend verwendete Konstruktion nach, und das ist natürlich Schweizer Schokolade, Schweizer Franken usw. Dann ist es kein Wunder, wenn bei Schweizergarde keine einheitliche Betonung und keine einheitliche Schreibung herauskommt. Ich habe einen Sprecher unterstellt, der Schweizergarde aus inhaltlichen Gründen (eine aus Schweizern bestehende Garde) als Kompositum auffaßt und der deshalb auch vorne betont.

Wer Schweizer Garde schreiben möchte, soll das tun. Der Leser wird trotzdem verstehen, was gemeint ist. Von mir aus kann man die Schreibung sogar in ein deskriptives Wörterbuch aufnehmen.

Das war aber gar nicht mein Thema. Mir ging es um den grassierenden Bindestrich bei 1980er-Jahre usw.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.11.2012 um 01.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21853

Die Truppe heißt Guardia Svizzera und nicht etwa Guardia degli Svizzeri.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 05.11.2012 um 22.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21852

Ich bezweifle, daß Schweizergarde „eindeutig auf dem vorderen Bestandteil“ betont wird. Ich habe das Wort vielleicht nie gebraucht, würde es aber intuitiv auf dem hinteren Bestandteil betonen und auch getrennt schreiben (Schweizer Garde). Im ZEIT-Korpus des DWDS gibt es auch mehr Fundstellen für die Getrennt- als für die Zusammenschreibung.

Der Vergleich mit Warägergarde und Prätorianergarde hinkt, da weder Waräger noch Prätorianer als Adjektive gebraucht werden.

Übrigens findet man im Grimmschen Wörterbuch noch zahlreiche Zusammensetzungen mit Schweizer, so auch Schweizerkäse.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 05.11.2012 um 03.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21850

Diese Zusammenschreibung ist eine Spezialität in der Schweiz und Österreich (Genfersee, Wienerstraße usw.), die man in diesen Ländern aus Gewohnheit schon mal auf Ausdrücke wie Schweizergeschichte ausweitet.

In diesem Zusammenhang muß man die Reformer dafür kritisieren, daß sie – für den ganzen deutschen Sprachraum – die Auffassung durchsetzen wollen, achtziger Jahre (oder 80er Jahre) sei beliebig austauschbar mit Achtzigerjahre (oder 80er-Jahre). Ersteres sind zwei Wörter, vergleichbar mit Schweizer Uhren. Letzteres ist ein Kompositum (also nur ein Wort), vergleichbar mit Schweizergarde. Der Unterschied ist an der Betonung deutlich erkennbar und wurde vor der Reform ebenso selbstverständlich im Schriftbild wiedergegeben: zwei Wörter oder ein Wort (das Kompositum ggf. mit Bindestrich realisiert).

Nur das Kompositum (Schweizergarde, zur Wortbildung vgl. auch Warägergarde und Prätorianergarde) wird eindeutig auf dem vorderen Bestandteil betont, während Fügungen wie Schweizer Uhren entweder gleichmäßig auf beiden Teilen betont werden oder auf dem hinteren Bestandteil, analog zu schweizerische Uhren. Der üblichen Betonung bei den Jahrzehntangaben dürfte 80er Jahre entsprechen. Deshalb war dies ja auch die Schreibung vor der Reform. Niemand hat einen Bindestrich vermißt.

Wenn man dem Schreiber also die Auffassung als Kompositum anbieten will, dann hätten diese Zusammenschreibungen als Nebenvariante eingeordnet werden müssen. Duden macht es natürlich genau umgekehrt und empfiehlt mit signalgelber Farbe Achtzigerjahre sowie 80er-Jahre.

Seither wimmelt es beispielsweise in Wikipedia von Bindestrichen vor Jahren, und die Schreiber merken nicht, daß diese Zusammenschreibungen sozusagen eine Schweizerunsitte sind.

Aber vielleicht sollten wir das an dieser Stelle nicht weiter besprechen, denn im Tagebucheintrag geht es um die Ableitungen von Personennamen des Typs Ohmsches Gesetz.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 03.11.2012 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21841

Schweizergeschichte könnte ein Helvetismus sein (analog zu Schweizergarde). Wikipedia enthält immerhin einen Eintrag Schweizergeschichte, der auf Geschichte der Schweiz verweist. In diesem heißt es wiederum u. a.: In der traditionellen Schweizergeschichte endet damit die expansionistische Phase der Eidgenossenschaft ...
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 03.11.2012 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#21840

Wer sich nicht regelmäßig mit der badenischen Sprachenverordnung beschäftigt, stolpert garantiert darüber. Man schaut zweimal hin und fragt sich, ob es nicht badisch oder badensisch heißen müßte. Eine Ahnung, daß es hier nicht um Baden geht, sondern um einen Herrn Badeni, bekommt man schneller bei der herkömmlichen Schreibung: die Badenische Sprachenverordnung. Die Google-Suche wirft denn auch ganz überwiegend Fundstellen mit der Großschreibung Badenisch aus. Dasselbe gilt für die Badenische Wahlrechtsreform.

Bei einem kaum bekannten und zudem mißverständlichen Namen wie Badeni wäre der Apostroph hilfreich: die Badeni'sche Sprachenverordnung. Dennoch wird der Apostroph laut Google kaum eingesetzt. Ein Hinweis darauf, wie unbeliebt sowohl die Kleinschreibung als auch die Apostrophschreibung ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.06.2012 um 08.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#20907

Monika Burri, geboren am 14.07.1970, Studium der Allgemeinen Geschichte, der Schweizergeschichte und der Philosophie an der Universität Zürich. (Von Burris Homepage)

Es sollte Schweizer Geschichte heißen.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 12.12.2009 um 16.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15407

Mein Beitrag #15405 war bezogen auf den Begriff „ohmsch“.
Ausflüge in elektrotechnische Spezialgebiete gehören nicht in diesen Strang.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.12.2009 um 15.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15406

Es gibt frequenzabhängige Wirkwiderstände bei Erwärmungsverlusten durch Stromverdrängung (Skin-Effekt) in Leitern, durch induzierte Wirbelströme in magnetischen Werkstoffen und durch elektromagnetische Wellen und Felder in "verlustbehafteten" Dielektrika. Man kann sie ausgehend von der gemessenen Verlustleistung als "Verlustwinkel" oder durch Ersatzschaltbilder in Form von ohmschen Widerständen bei einer Frequenz darstellen.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 12.12.2009 um 15.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15405

In der Elektrotechnik wird „ohmsch“ verwendet, um den Realanteil eines komplexen Widerstands zu benennen. Es ist der Wirkanteil, die Benennung Wirkanteil ist aber seltener.
Neben dem ohmschen Anteil hat ein komplexer (allgemeiner) Widerstand auch noch einen kapazitiven und einen induktiven Anteil. Die beiden letzteren zeigen ein frequenzabhängiges Verhalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2009 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15403

Es wird immer Grenzfälle geben, bei denen der Unterschied zwischen Qualifikation und Bezug (Kontiguität) entweder unklar ist oder nicht ins Gewicht fällt. Aber deshalb mußte man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und jede Unterscheidungsmöglichkeit beseitigen. So etwas ist den Sprechern bzw. Schreibern zu überlassen. Der Reformer Schaeder hat seinerzeit vorgebracht, den Sprechern sei die Unterscheidung zwischen einem Tiroler Fest und einem Tirolerfest nicht zuzumuten, und deshalb müsse die Unterscheidung in der Schreibweise beseitigt werden. Da haben wir den Nerv der ganzen Reform: das unterste Niveau als einzig zulässig. Wie sich zeigt, klappt es nicht einmal in diesem Fall, sondern es treten neue Sonderfälle wie der bewußte Komet auf, der Apostroph und der Bindestrich zeigen ihre Tücken usw.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 12.12.2009 um 12.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15402

Richtig, Herr Strasser, bei einem ohmschen Widerstand kommt es vor allem auf das Frequenzverhalten an, die Linearität der Strom-Spannungs-Kennlinie allein genügt nicht. Aber das war ja gar nicht der Punkt (daher geht auch die Anmerkung des geschätzten Germanisten in die falsche Richtung), sondern die Überlegung, was es nach den Regeln der Logik bedeutet, wenn man ohmsches Gesetz schreibt und ohmsch dabei das gleiche bedeutet wie beim ohmschen Widerstand – wie sollte man den Stromfluß durch ein Gesetz beurteilen?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.12.2009 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15401

Es wurde hier wiederholt klargestellt, daß Georg Simon Ohm den ohmschen Widerstand weder erfunden noch entdeckt hat, sondern das Ohmsche Gesetz. In der Elektrotechnik heißt er Wirkwiderstand.
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 11.12.2009 um 21.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15400

Ich fürchte, ich habe mich eben unklar ausgedrückt. Ich meinte: diese Namensregel macht dann aus dem h ein H, also aus dem halleyschen Kometen (ohne Apostroph) den Halleyschen Kometen (ebenfalls ohne Apostroph).
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 11.12.2009 um 21.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15399

Halleyscher Komet: es gibt ja netterweise auch noch die Regel, nach der Eigennamen groß geschrieben werden, und das ist der Name dieses speziellen Kometen – alles ganz einfach.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 11.12.2009 um 02.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15389

Die Schreibung "Halleyscher Komet" ist durch die Reform zum Sonderfall geworden. Reformiert müßte man ja halleyscher oder Halley’scher Komet schreiben. Scheinbar getrauten sich die Reformer aber nicht, die Fachsprache der Astronomen anzutasten.
Bei den Elektrotechnikern waren sie weniger zimperlich. Obwohl das ebenfalls fachsprachliche "Ohmsche Gesetz" ganz sicher wesentlich häufiger in der Literatur vertreten ist als der "Halleysche Komet", wurde die Schreibung dennoch 'reformvereinfacht'. Die Elektrotechniker scheinen das noch nicht bemerkt zu haben, oder sind Einwände dagegen bekannt?

Im übrigen Hr. Wagner, eine lineare Strom-Spannungs-Kennlinie haben (im jeweiligen Arbeitsbereich) nicht nur ohmsche Widerstände. Sie meinen vermutlich nicht frequenzabhängig.
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 10.12.2009 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15373

Der Duden läßt losgelöst vom Inhalt beide Varianten zu. In der Praxis beobachte ich eine Umkehrung dessen, was inhaltlich sinnvoll wäre, in sein Gegenteil.

Es gibt einen breiten Grenzbereich, in dem die Unterscheidung groß/klein auf eine andere Akzentsetzung hinausläuft.

"Er hat eine Rede im Merkelschen Stil gehalten." Die Rede wies Stilmerkmale auf, wie man sie oft auch bei Frau Merkel findet. Es kann sich um eine allgemeine Ähnlichkeit handeln.

"Er hat eine Rede in merkelschem Stil gehalten." Gewisse, schon sprichwörtlich gewordene Eigenarten der Reden von Frau Merkel finden sich auch bei ihm. "Du hast keine einzige konkrete Aussage gemacht. Das war schon ziemlich merkelsch."
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 10.12.2009 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15372

Das mündet dann in den Unfug, daß das Gesetz genauso ohmsch ist wie der Widerstand (der eine lineare Strom-Spannungs-Kennline zeigt) – denn schließlich sollen ja "Ohm'sch" und "ohmsch" gleichbedeutend sein.

Mein Fazit: Die Reform hat die Möglichkeit der eindeutigen Zuordnung zu einer Person („possessiv“ geht mir zu weit) abgeschafft (von Ausnahmen wie dem „Halleyschen Kometen“ etc. abgesehen).
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 10.12.2009 um 10.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15370

Soweit ich das verstanden habe, nimmt die Reformschreibung keine Rücksicht auf qualifizierend oder nach jemandem benannt.
Es gibt also den ohmschen Widerstand oder den Ohm’schen Widerstand, es gibt das ohmsche Gesetz oder das Ohm’sche Gesetz, es gibt die thomas-mannsche Ironie oder die Thomas-Mann’sche Ironie und es gibt die thomas-mannschen Werke oder die Thomas-Mann’schen Werke.
Überschrift: "Durch behutsame Änderungen die Systemhaftigkeit der Rechtschreibung und den Grad der Allgemeingültigkeit ihrer Regeln erhöhen“ oder auch: „Eliminierung nicht nachvollziehbarer Sonderregeln“. Die Einführung eines Deppenapostrophs ist hinzunehmen.
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 10.12.2009 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15369

In beiden Fällen würde ich in der Tat steinsch bzw. goldbachsch schreiben. Ich halte die herkömmliche Unterscheidung zwischen adjektivischem (also qualifizierendem) und possessivem Gebrauch für lesbarkeitsförderlich. Standardbeispiel: das Ohmsche Gesetz, ein ohmscher Widerstand. Die in letzter Zeit zu beobachtende Inversion, bei adjektivischem Gebrauch groß (und mit Apostroph) und bei possessivem Gebrauch klein zu schreiben, ist nicht zweckmäßig.
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 10.12.2009 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15368

Genau diese Unsicherheit beschlich mich anläßlich eines Beitrags in diesem Forum.
Es ging um Frau Merkels Ausdrucksweise, die ich zuerst mit
Merkelscher beschrieb. Einige Tage später las ich in einer Zeitung vom schröderschen Stil. Daraufhin "verbesserte" ich mit merkelscher.
Wohl ist mir dabei nicht, obwohl doch ein adjektivischer Gebrauch des Eigennamens vorliegt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2009 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15367

Völlig richtig. Ich habe früher (in meinem Fachsprachenbuch) auch auf die prädikative Verwendbarkeit der qualifizierenden -sch-Adjektive hingewiesen und ebenfalls Beispiele aus der Fachsprache der Mathematik angeführt:

"STEINsche Räume sind genau die holomorph-konnexen Gebiete über Zahlenräumen. X ist bereits STEINsch, wenn X holomorph-konnex und holomorph-ausbreitbar ist."

"Lassen Sie uns eine natürliche Zahl, welche sich als Summe zweier Primzahlen schreiben läßt, Goldbachsch nennen. Zum Beispiel sind die Zahlen 4, 6, 8, 10, 12 Goldbachsch."

Wie man sieht, ist die Rechtschreibung in den beiden Quellen unterschiedlich gehandhabt, aber man spürt deutlich eine Abneigung gegen die dudenkonforme Kleinschreibung des Eigennamen-Bestandteils.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 10.12.2009 um 08.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15366

Es ist nicht ganz klar, was mit "ungelöst" gemeint ist: von der Reform nicht gelöst oder unabhängig von der Reform problematisch? Wenn man die Reform beiseite läßt, meine ich, daß hier eher der Bindestrich fraglich ist.

Wieso Thomas-Mannsche Romane mit Bindestrich? Ich finde die Schreibung Thomas Mannsche Romane angenehmer. Es findet ja auch niemand etwas dabei, Thomas Manns Romane zu schreiben, also das Genitiv-s einfach an den Nachnamen anzuhängen, obwohl eigentlich der ganze Name in den Genitiv gesetzt wird und nicht nur die zweite Hälfte.

Etwas anderes wäre es mit wirklich adjektivischen Ableitungen, zum Beispiel könnte man nicht Thomas Mannhaft schreiben, man würde Thomas-Mann-haft schreiben.

Thomas Mannsche Werke sind einfach dasselbe wie Thomas Manns Werke, und die Bedeutung hat schon immer (= vor der Reform) den Ausschlag gegeben bei der Tendenz zu bestimmten Schreibungen. Die Ableitung -sche gehört historisch gesehen vielleicht in die Kategorie der Adjektive, aber das spielt doch für den heutigen Schreiber keine Rolle mehr.

Übrigens ergibt sich daraus eine schöne Unterscheidungsschreibung: Bei Leonhard Franksche weiß der Leser, daß von Herrn Leonhard Frank die Rede ist, und bei Leonhard-Franksche kann er damit rechnen, daß von den Herren Leonhard und Frank die Rede ist, vgl. Kant-Laplacesche Theorie.

Außerdem soll es ja Leute mit mehreren Vornamen geben, das würde dann zu genausovielen Bindestrichen zwingen. Nur um ...sche anzuhängen? Das ist nicht einzusehen.

Hingegen bei einem qualifizierenden Adjektiv mit Kleinschreibung: thomas-mannsche Ironie. Dort wäre der Bindestrich sinnvoll; der Name Thomas Mann liegt offensichtlich nicht mehr als solcher vor. Von diesen höchst seltenen Fällen sollte man sich nicht irritieren lassen. Wer verwendet schon den Vornamen, wenn er von einer Person ein allgemeingültiges Adjektiv abstrahieren will?
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 10.12.2009 um 08.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1257#15365

Aus der Mathematik kann ich berichten:

vorher: abelsche Gruppen (d.h. kommutative), aber: Riemannsche Vermutung (von Riemann geäußert).

nachher: Abel'sche Gruppen (häufig, insbes. bei Schreibern, die alles richtig machen wollen, nach Möglichkeit noch mit "Abel" in Kapitälchen), aber: riemannsche Vermutung (so z.B. in Spektrum der Wissenschaften oder Wikipedia).
 
 

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Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

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