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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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29.05.2005
 

wohl bekannt

Augst und Schaeder schrieben am 14.12.1996 in der Süddeutschen Zeitung, „wohlbekannt“ werde weiterhin zusammengeschrieben.
Das war in einer großen Polemik gegen die Frankfurter Erklärung. Keines der bekannten Wörterbücher von Duden über Bertelsmann bis ÖWB weiß etwas davon, sie lehren ausnahmslos Getrenntschreibung. Und das im Jahre 2004, nachdem Augst in zwei Dutzend Beratungsrunden mit den Wörterbuchredaktionen reichlich Gelegenheit hatte, die eigentlichen Absicht der Reform zu verdeutlichen. Dieser Teil stammt schließlich von Schaeder selbst, so daß die üblichen Ausreden nicht möglich sind.



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Kommentare zu »wohl bekannt«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2010 um 15.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=111#16343

Ein weiteres schönes Buch von Wilfried Stroh, "Latein ist tot - es lebe Latein!", ist wie seine meisterhafte Geschichte der antiken Rhetorik in Reformschreibung gedruckt, aber sehr gemäßigt. Ein paar dumme Trennungen, die Meister Stroh gewiß nicht billigt, und mal "nicht Entferntesten", das war's dann schon (außer ss natürllch). Aber halt! Da ist noch eine ärgerliche Stelle:
"Er war auch wohl gebildet genug, um zu wissen, dass Deutschlands sprachgewaltigster Humanist, Ulrich von Hutten, nicht die Reinheit des deutschen Geistes (...) im Sinn hatte."
Es geht um Goebbels, der unverschämterweise bei der Bücherverbrennung Hutten zitierte.
"wohl gebildet"? Die Reform macht es leider unmöglich, den Ausdruck eindeutig im Sinne des Verfassers zu verstehen.
 
 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 05.08.2009 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=111#14886

Was mir beim Durchblättern der Neuauflage des ÖWB aufgefallen ist: Der Eintrag wohlbekannt bzw. wohl bekannt wurde vollständig aus dem Wörterverzeichnis entfernt, da sich die Redaktion anscheinend nicht sicher ist, ob nun Getrennt- oder Zusammenschreibung oder gar beides möglich sein soll. Das amtliche Wörterverzeichnis hilft nicht weiter, das Regelwerk ebensowenig.

In der 37. Auflage (1990) lauten die entsprechenden Einträge im ÖWB noch so:

wohlbehalten: unversehrt, gesund
wohlbekannt, besser bekannt, bestbekannt
wohlberaten: gut beraten; vernünftigerweise

(Angaben zur Silbentrennung machte das ÖWB vor 1997 im Wörterverzeichnis im allgemeinen nicht.)

Jetzt sieht es im ÖWB in der 41. Auflage (2009) an selber Stelle so aus:

wohl|be|hal|ten: unversehrt, gesund
wohl be|ra|ten = wohl|be|ra|ten: vernünftigerweise

Auch im Kasten zu wohl findet man im ÖWB keine Aussage zur Schreibung von wohlbekannt – auch eine Möglichkeit der Problembewältigung.

(Bis zur 24. Auflage des Dudens unterlief der Dudenredaktion im Wörterverzeichnis der Fehler das x-fache, während Wahrig neuschreiblich korrekt das x-Fache verzeichnete. Das ÖWB erkannte zwar die Divergenz der beiden Wörterbücher, nicht aber den Fehler, so daß heute im ÖWB beide Schreibungen gleichberechtigt angeführt werden; und daß das ÖWB bis heute in seiner eigenen Schreibpraxis strikt an so genannt, zu Grunde liegend usw. festhält, vervollständigt das Bild, steht aber wieder auf einem anderen Blatt.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2009 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=111#14777

Interessant sind die Argumente, die Bayerns Innenminister gegen die bessere Kontrolle anführte. Das erste ist wohl bekannt: Zu viel Kontrolle schränke die Arbeitsfähigkeit der Geheimdienste ein. (SZ 14.7.09)
(Manchmal wüßte man schon gern, was eigentlich gemeint ist.)

Im Duden von 2006 wird herkömmliches wohlbekannt empfohlen, wohl bekannt als Neuschreibung markiert. Vorher ist in allen Reformduden nur die Getrenntschreibung überhaupt erlaubt worden, wegen der Steigerbarkeit des ersten Bestandteils: besser bekannt was allerdings die Steigerung von gut bekannt wäre. Auch das Regelwerk von 2006 samt Wörterverzeichnis schafft keine Klarheit, da es den Eintrag nicht enthält.
 
 

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