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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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08.02.2009
 

Kopfrechnen
Nachsicht für fehlbare Menschen!

"In sprachlichen Dingen ist der Mensch ein schwacher Kopfrechner." Mein Lieblingszitat aus Wilhelm Havers' großartigem "Handbuch der erklärenden Syntax".

Mir ist das wieder eingefallen anläßlich einer Diskussion im Forum. Dazu eine Bemerkung:
Hans hat keinen Computer, aber Grete benutzt ihn gern.
Das ist logisch nicht in Ordnung, weil der Computer, den Grete gern benutzt, im Vordersatz gar nicht erwähnt ist. Die Sprachwissenschaft nennt so etwas "pronouns of laziness". (Logisch richtig wäre: aber Grete benutzt ihren gern.)



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Kommentare zu »Kopfrechnen«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2021 um 04.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#47174

Auch Weidel propagierte in der Schlußrunde den Thorium-Reaktor. Man wundert sich über die plötzliche Expertise der Rechtsradikalen in diesen Fragen.
Finstere Mächte verhindern die Lösung aller Energieprobleme, die den Chinesen und der AfD längst bekannt ist. So wird es dargestellt, aber die Chinesen sind viel klüger als die AfD.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2021 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#47151

Die SZ (21.9.21) gibt eine umsichtige Darstellung des Thorium-Reaktors, der in China erprobt wird, auch der Probleme mit der Flüssigsalztechnik. In Tichys Volksverdummungsorgan hatte der Universalexperte Holger Douglas das chinesische Experiment schon für seine Zwecke benutzt: Unsere Politiker verhindern den Thorium-Reaktor, der alle unsere Probleme lösen könnte usw. Das war auch schon für den Schnellen Brüter versprochen worden. Man sollte etwas vorsichtiger sein. Die Endlagerung ist völlig aus dem Blick geraten, nur über die Verfüllung von Gorleben wurde gerade noch berichtet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2021 um 04.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#47144

Da die drei Trielle sich glichen bis in den Wortlaut hinein, kündigte Laschet auch im dritten den Ausstieg der Stahlindustrie aus "Kohle und Eisenerz" an. Es erinnerte an Sloterdijk, der das CO2 aus der Kohle entfernen will, bevor sie verbrannt wird. Zu Laschet paßt es wie jene Verwechslung von Hektar und Quadratmeter und einige andere Zeichen von Unkonzentriertheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2021 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#47104

Bei 2,37 Mrd. vollständig Geimpften gehört schon Mut dazu, von einem „weitgehend unerprobten Eingriff“ zu sprechen. „Aber die Langzeitfolgen...“ Und die Langzeitfolgen der Infektion? Die Ungeimpften werden sich allesamt anstecken, und wenn sie es überleben, können sie in Ruhe über die Langzeitfolgen der Infektion nachdenken.

Jedes Tun hat Langzeitfolgen, die man erst nach langer Zeit kennen wird. Aber Nichtstun ist auch keine Alternative, denn das hat auch Langzeitfolgen.

Kleine Entscheidunghilfe: Der Impfstoff ist besser erforscht als das Virus; die möglichen Wirkungen sind überschaubarer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2021 um 20.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#47078

Der genannte Experte für alles, Holger Douglas, hat herausgefunden, wer an der schlechten Ernte und den weltweit steigenden Getreidepreisen schuld ist: die Grünen. Weil die Bauern nicht mehr düngen und Schädlinge bekämpfen dürfen... (https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/schwache-ernte-treibt-die-nahrungsmittelpreise-an/)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2021 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#47056

Wenn ich Laschet vorgestern abend richtig verstanden habe, meint er, nicht der Staat solle den gesetzlichen Mindestlohn festsetzen, sondern die Gewerkschaften sollten ihn aushandeln. Niemand ging auf den Widerspruch ein. Die Gewerkschaften und die Arbeitgeber handeln den Tarifohn aus, und der hat sich offenbar als unzureichend erwiesen, darum wurde ja der gesetzliche Mindestlohn eingeführt. Er ist ein Eingriff in die Tarifautonomie, nicht deren Ergebnis.

Es gab noch weitere Seltsamkeiten, die z. T. auch in der Presse kommentiert werden (Energiewende).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.09.2021 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#47009

"Doch diese Behauptung des RKI ist, man muss es leider so deutlich sagen, vollkommen falsch."

Das sagt dem Focus
(https://m.focus.de/gesundheit/coronavirus/focus-online-kolumne-von-alexander-kekule-2g-regel-ist-unsinn-weil-sie-auf-vollkommen-falscher-rki-behauptung-beruht_id_20910598.html)
Alexander S. Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle.
So auch gestern abend in der ZDF-Sendung "Markus Lanz".

Am RKI orientieren sich aber Richter und z.B. Verfechter von "2G". Das RKI behauptet ja inzwischen alles mögliche, sich dem enormen Druck der Politik beugend. Nach Kekulé müßte die Regel "1G" heißen, also nur "getestet" zählt, egal, wie oft geimpft, genesen oder noch geschont (um bei den "G"s zu bleiben).

Man fragt sich natürlich auch, was in Sachen SARS-Cov-2 vielleicht noch alles "vollkommen falsch" läuft. Auch die steigenden Todeszahlen im durchgeimpften Israel werfen solche Fragen auf.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 30.08.2021 um 14.12 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#47000

Die israelische Regierung scheint der zweimaligen Impfung nicht recht zu trauen.
https://twitter.com/IsraeliPM/status/1431987209561849861
https://twitter.com/mamjahid/status/1432004685657935875
Das ist allerdings schon länger im Gespräch. Nach wie vor erscheint mir die Sterblichkeit trotz erfolgreicher Impfkampagne recht hoch. Auf die Einwohnerzahl gerechnet steht Israel eigentlich nicht schlecht da, aber die jetzige Welle ähnelt stark den vorausgegangen.
https://worldometers.info/coronavirus/country/israel
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.08.2021 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46979

Was ein Häkchen werden will, krümmt sich beizeiten.

Wieso Häkchen und nicht Haken? (Letzteres kommt auch vor, aber viel seltener.) Der Gedanke, daß man früh anfangen muß, scheint den Diminutiv in den Nebensatz verschleppt zu haben. Vgl. dagegen Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

(Eine ähnliche unlogische "Verschleppung" stellt sich immer wieder beim Optativ im Obersatz von Wunschsätzen ein.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.08.2021 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46960

Ab 11. Oktober wird alles gut. Tests werden kostenpflichtig, damit sinken sofort die Fallzahlen, dadurch werden Tests sowieso nicht mehr pflichtig und noch weniger. Die hohe Impf- und Genesungsquote tut das Übrige, die Fallzahlen werden "wie weg" sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2021 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46958

Von Juist aus sieht man bei klarem Wetter den neuen "Windpark" 35 km weit draußen, noch hinter der Schiffahrtslinie, der mit seinen 54 Turbinen innerhalb von knapp zwei Jahren gebaut worden ist. Ebenso wie die älteren Anlagen vor Borkum, die man ebenfalls sieht, und die näheren an der Küste habe ich die Räder noch keine Minute stillstehen sehen. Die deutschen Offshore-Anlagen leisten inzwischen etwa so viel wie die noch verbliebenen AKWs. Es sind Wunderwerke der Ingenieurskunst. Die Sonnenenergie ist unerschöpflich, aber leider nicht sehr dicht. Die Windräder sind eine ziemlich elegante Möglichkeit, das Beste daraus zu machen. Ich könnte ihrer bienenfleißigen Geschäftigkeit stundenlang zusehen.

Wegen der Unterseekabel müssen ab und zu einige Exemplare der verdammten Bomben oder Torpedos gesprengt werden, die noch auf dem Meeresgrund vor sich hinrosten – Millionen Tonnen in Nord- und Ostsee. Das sollte uns eine Warnung sein, keine solchen Altlasten zu hinterlassen ("Endlagerung" gibt es nicht).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2021 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46957

Perfekten Schutz gibt es nicht, aber ich denke, jede Maske vermindert das Risiko, sogar die selbstgenähten Stoffmasken am Anfang. Seit wir geimpft sind und mit Maske, Abstand und Vermeidung von dichtgedrängter Menschheit fühlen wir uns einigermaßen geschützt. Meine Frau sucht immer die Masken mit dem besten Ruf heraus und bestellt sie dann.


Zum Thema Bahn:

Da wir kein Auto haben und die Bahn bekanntlich auch im Fall Corona versagt, haben wir voriges Jahr unseren Insel-Urlaub ausfallen lassen. Neulich sind wir dann doch mit der Bahn gefahren, sogar erster Klasse, um mehr Luft zu haben. Tatsächlich sah es in der zweiten wüst aus, die Leute dicht an dicht.

Aber das lag wie so oft auch daran, daß auch ohne Streik ständig Züge ausfallen oder nicht richtig funktionieren oder Verspätung haben. Tatsächlich blieb unser ICE schon nach zehn Kilometern aus unbekannten Gründen liegen, nämlich in Fürth. (Immerhin war ich bei meiner letzten Reise nach Norddeich-Mole bis Essen gekommen; erst dann ging es nicht weiter, und ich mußte an der Küste übernachten, weil die gezeitenabhängige Fähre nach Juist schon weg war. Das war aber sozusagen die Normalität.) Nach einer halben Stunde Weiterfahrt kam außerdem die Durchsage, man habe gerade entdeckt, daß Wagen 23 irgendwo vergessen worden war. Wegen eines "Signalschadens" kam es zu einem weiteren Halt auf offener Strecke. Wir haben dann in Bremen improvisiert und sind überraschenderweise doch noch am gleichen Tag auf die Insel gekommen. Den netten Gasthof in Leer, wo man uns wegen dieser regulären Pannen schon kennt, hatten wir aber schon vorgemerkt...

Zu den Streiks des Herrn Weselsky wollte ich schon lange anmerken, daß solche Ereignisse doch die Entwicklung führerloser Züge vorantreiben müßten. Ich denke immer, daß der Schienenverkehr viel leichter automatisiert werden kann als der Straßenverkehr. Es gibt ja auch seit langem erfolgreiche Beispiele. Die Lokführer werden ja auch längst automatisch überwacht, damit sie nicht einschlafen, keine Signale überfahren usw.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 25.08.2021 um 16.20 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46955

Ist das Maskenthema hier eigentlich noch interessant? Ich schreib einfach mal über meine Eindrücke.

Wegen der Ausbreitung der Viren über Aerosole hatte ich nie wirklich Vertrauen in Stoffmasken und deshalb im letzten Jahr verschiedene FFP2- und FFP3-Masken ausprobiert.

Manche sagen, man könne leicht Fehler machen beim Aufsetzen. Das halte ich für übertrieben. (Welche Fehler sollen das sein?)

Standard sind ja diese China-Faltmasken (oft als "KN95" gelabelt) mit senkrechtem Falz und Ohrbändern. Die sitzen so locker, daß sie ein Ventil quasi eingebaut haben. Beim Ausatmen geht die Luft nämlich seitlich raus. Sicher besser als OP-Masken, aber nicht wirklich dicht.

Ich bin etwas empfindlich an den Ohren und mag bei längerem Tragen lieber Kopfbänder.

Es gibt Masken mit umschließender Gummi-Dichtlippe. Ich habe davon verschiedene Modelle, eins davon sitzt wie angegossen, FFP3 mit kaum spürbaren Atemwiderstand (wegen der großen Fläche).

Was bei mir auch erstaunlich dicht sitzt, sind die "Aura"-Faltmasken von 3M. Die dürfte es in den meisten Baumärkten geben. Zwei horizontal verlaufende Falze, die Brille liegt ganz hervorragend auf der Maske und beschlägt kaum. Ich habe auch noch bessere von der Firma Dräger (Modell "X-plore"). Im Gegensatz zur 3M keine einfachen Gummibänder, die unversehens reißen können, sondern Textilgummibänder mit Führung durch Kunststoff-Öse – sehr praktisch, weil man sie dadurch am Hals baumeln lassen und sehr schnell überziehen kann. Teilweise nutze ich die 3M-Masken und baue die Dräger-Ösen dran. Diese Bauart gibt es mit und ohne Ventil, FFP2 und FFP3, Dräger hat sogar zwei Größen.

Aber das ist nicht jedermanns Sache; meine Mutter konnte ich nicht davon überzeugen. Sitzt halt strammer, und man hat mehr Material im Gesicht.

Ein Einfallstor wären noch die Augenschleimhäute. Luftdichte Schutzbrillen beschlagen sehr schnell und sind natürlich nicht alltagstauglich – aber vielleicht eine Option für den überfüllten Zug.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2021 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46943

Auch interessant: Die Kreiszahl Pi ist so genau wie nie berechnet. Soll ich alle Stellen nach dem Komma aufsagen? Das dauert rund 38.000 Jahre (eine Stelle pro Sekunde), ohne Mittagspause und Schlaf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2021 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46942

Ich will kein garantiertes Intensivbett, ich will gar nicht erst krank werden.

Außerdem: Die Krankenhausbelegung folgt der Inzidenz in drei Wochen Abstand, das ist für Gegenmaßnahmen zu spät. Darum halten viele Epidemiologen an der Inzidenz fest.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 22.08.2021 um 16.32 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46926

Vielleicht eine Aufzählung?
"Wir werden die unverzügliche und ohne Verzögerung durchgeführte Präzisierung der Planung, der Auslösung, der Vorbereitung der Mission seit letzter Woche, insbesondere seit Donnerstag letzter Woche, noch einmal darlegen."
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 22.08.2021 um 16.28 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46924

"Wir werden die unverzügliche und ohne Verzögerung durchgeführte Präzisierung der Planung der Auslösung der Vorbereitung der Mission seit letzter Woche, insbesondere seit Donnerstag letzter Woche, noch einmal darlegen."
https://twitter.com/Buurmann/status/1428851720017399812
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 17.08.2021 um 23.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46872

Zu #43039 will ich folgendes für mich Bemerkenswerte ergänzen: Einerseits werden benigne und maligne mit Schwa als Grundformen gebraucht (eine Silbe gn wäre ja auch seltsam; möglich ist natürlich gen [ɡn̩], aber man sagt nicht maligener Tumor), andererseits euryhydr und euryhygr ohne Schwa als Grundformen. Grr! Im Großen Wörterbuch der deutschen Sprache unter wissen.de steht zu maligne „lat., Adv. zu malignus“, aber rührt das -e im Deutschen wirklich vom lateinischen Adverb?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.08.2021 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46848

Logisch ist die Analyse von Herrn Metz richtig, aber phraseologisch ist die Wendung, wie er selbst ja auch sagt, mißlungen, wie so oft.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.08.2021 um 02.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46847

Unter uns: Ich glaube ja auch, daß in dem konkreten Beispielsatz etwas durcheinandergeraten ist, und zwar genau so, wie es hier vorgetragen worden ist. Aber ich halte die Formulierung mit »unterschätzt« in solchen Fällen nicht von vornherein für unsinnig, und der Advocatus Diaboli in mir rutscht noch etwas unruhig auf dem Stuhl herum. Deshalb noch eine kurze Erwiderung auf Herrn Riemer:

»Auch wenn die Größe noch so evident ist, kann man sie zumindest theoretisch geringer veranschlagen.« Nicht nur theoretisch. Man kann sich bei der Beurteilung der Bedeutung von etwas immer verschätzen, aber eben nicht nur nach unten, sondern auch nach oben. Die Behauptung der Unmöglichkeit einer Überschätzung ist ja nicht wörtlich zu nehmen. Sie ist eine rhetorische Übertreibung, im Grunde eine Anmaßung gegenüber dem Leser, dem damit signalisiert wird, daß er sich das Schätzen gleich sparen kann, weil die Bedeutung sowieso unendlich groß ist. Entsprechend beschreibt aber auch »kann nicht unterschätzt werden« keine faktische Unmöglichkeit. Hier wird eine Fehleinschätzung der Bedeutung angesichts ihrer Unübersehbarkeit genauso rhetorisch-apodiktisch für unmöglich erklärt. Dazu muß natürlich die Dimension tatsächlich unübersehbar sein oder zumindest ihre Unübersehbarkeit als gegeben vorausgesetzt werden. Das wird man verneinen müssen, wenn der Autor meint, seinen Lesern einen neuen Gedanken mitzuteilen. Das ist in dem hier besprochenen Beispielsatz vermutlich der Fall.

Nun geht der Advocatus aber ins Bett. Die Bedeutung einer erholsamen Nachtruhe sollte nicht unterschätzt werden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.08.2021 um 23.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46845

Die logische Entsprechung zu etwas, das so groß ist, daß es nicht überschätzt werden kann, wäre eigentlich, es ist so klein, daß es nicht unterschätzt werden kann.
(Ich bin nur nicht sicher, ob das in der Sprachpraxis vorkommt, könnte es mir aber vorstellen.)

Man kann etwas Großes gewiß unterschätzen, egal wie groß es ist. Es wird ja groß genannt, weil das Kleine zumindest denkbar ist. Auch wenn die Größe noch so evident ist, kann man sie zumindest theoretisch geringer veranschlagen.

Die Macht des Wortes sollte nicht unterschätzt und kann kaum überschätzt werden. Das war gemeint und wurde vermischt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.08.2021 um 13.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46842

Solche Aussagen mit überschätzen und unterschätzen bringen mich immer zum Grübeln, und ich komme dabei oft zu dem Ergebnis, daß eigentlich beides richtig ist. Ich verstehe den Gedankengang jeweils so: Etwas (die Bedeutung, der Einfluß, die Macht, der Wert usw.) ist so groß, daß man es nicht überschätzen kann = Egal, wie hoch man die Schätzung ansetzt, die wirkliche Bedeutung usw. ist noch größer als die Schätzung, also gewissermaßen unendlich. Etwas ist so groß, daß man es nicht unterschätzen kann = Die enorme Bedeutung usw. liegt so offen zutage, daß es niemandem passieren wird, die Schätzung zu niedrig anzusetzen. In beiden Fällen handelt es sich natürlich um eine rhetorische Übertreibung. Ich selbst schreibe meistens kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2021 um 12.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46840

Denn wenn das Wort dem Gegenstand vorausgeht und ihn bestimmt, geht vom Wort eine Macht aus, die man kaum unterschätzen kann. (FAS 15.8.21, über Lévi-Strauss)

(Kontaminiert aus darf man nicht unterschätzen und kann man kaum überschätzen)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.08.2021 um 22.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46834

Das Zitat ist aus der heutigen Freien Presse, Seite 1.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.08.2021 um 22.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46833

Erzgebirge
Todeszahlen über Bundesdurchschnitt
905 Erzgebirger sind nach Angaben des Robert-Koch-Institutes bislang an oder mit Corona gestorben. Damit hat der Landkreis im Vergleich zum Bundesdurchschnitt mehr als doppelt so viele Coronatote, sagt Bundestagsabgeordneter und Gesundheitspolitiker Alexander Krauß (CDU). Während im Erzgebirgskreis die Statistik 270 Todesfälle je 100.000 Einwohner ausweise, seien es bundesweit 110. Krauß plädiert daher für weitere öffentliche Impfaktionen.

Immer wieder kann man feststellen, wie mit Zahlen nur getrickst wird. 90% aller Coronatoten sind bekanntlich ab 65 Jahre alt. Rund 29% aller Einwohner im Erzgebirgskreis, aber nur rund 22% aller Bundesbürger gehören in diese Altersgruppe. Würde Herr Krauß nur einen Blick auf die Altersstrukturen werfen, wüßte er, daß es im Erzgebirge mit den Coronatoten kein bißchen anders als woanders ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2021 um 04.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46810

Sportlehrer Josef Kraus beschäftigt sich schon wieder mit dem Medaillenspiegel und unserer Kuschelpädagogik:

Wie gesagt: Die sportliche Bilanz dieser „Nation“ (wenn man sie denn noch so nennen soll) ist ein Symptom neben vielen anderen: neben den schwachen Bilanzen bei Patenten oder gar Nobelpreisen. Will sagen: Deutschland befindet sich allerorten im freien Fall! Die Ostasiaten machen es anders.

Von China lernen heißt siegen lernen.

Übrigens: „Im Ranking der aktivsten Ursprungsländer lagen nur die USA (44.293 Patentanmeldungen) vor Deutschland mit knapp 26.000 Patentanmeldungen. Dahinter reihten sich Japan (21.841), China (13.432) und Frankreich (10.554) ein.“

Auf die Bevölkerung bezogen meldet Spitzenreiter Deutschland 30mal so viele Patente an wie China.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2021 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46805

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46558

Weltweit hat die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit ernsten psychischen Problemen während der Pandemie zugenommen. Seit Sars-CoV-2 das Leben überall auf dem Planeten bestimmt, leiden etwa doppelt so viele junge Menschen an Symptomen einer Depression oder Angststörung wie zuvor. Insgesamt könnte in der jüngsten Generation jeder Vierte eine Depression und jeder Fünfte generalisierte Angstbeschwerden entwickelt haben, schätzten kanadische Wissenschaftlerinnen in einer Meta-Analyse, in die die Daten aus 29 einzelnen Studien mit insgesamt fast 81 000 jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingeflossen. (SZ 11.8.21)

Die Medien greifen diesen Zahlenrausch gern auf; kritische Stimmen dürfte es kaum geben. Die jungen Psychologinnen der Universität Calgary (Nicole Racine u. a.) können zufrieden sein. Welche Aussichten: Hunderte von Millionen Depressiver zusätzlich!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2021 um 19.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46790

An­ge­sichts ei­ner Ge­samt­zahl von ca. 700 Menschen, die pro Jahr in Deutsch­land bei ei­nem Tötungs­de­likt ster­ben, dar­un­ter vie­le in Fa­mi­li­en und Part­ner­schaf­ten, sind Eh­ren­mor­de quan­ti­ta­tiv sehr sel­te­ne Er­eig­nis­se. (https://csl.mpg.de/de/forschung/projekte/ehrenmorde-in-deutschland/)

(nämlich 7 bis 10 Fälle pro Jahr, ungefähr gleich der Zahl der Toten durch Blitzschlag)

Der so genannte Ehrenmord ist in Deutschland leider nicht selten. (Ahmed Mansour laut Tagesspiegel)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2021 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46743

Zehn Jahre nach dem Atomausstieg: Deutschland vor dem großen Blackout

Prophezeiungen, die jedes Jahr wiederholt werden, aber nie eintreffen, verlieren ihre Glaubwürdigkeit.

Die Agentin aus dem Osten hat Deutschland zwar vollständig ruiniert und vor allem "deindustrialisiert", so daß wir heute als Morgenthauscher Agrarstaat dahinkümmern, aber einen ordentlichen Stromausfall hat sie nicht hingekriegt. Aber jetzt kommt er ganz bestimmt!

Retten könnten uns AfD und FDP, aber die sind auch zusammen nicht stark genug.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2021 um 16.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46725

Verdienstvoll, danke für den Link!

Wenn es ein Lebensmittel gäbe, das einen nennenswerten Beitrag zur Krebsprophylaxe leistete, wäre es längst bekennt. Eine vernünftige Ernährung ist aber insgesamt nicht nur gesundheitsförderlich, sondern man fühlt sich auch wohler.

Sehr erfreulich ist der Rückgang des Rauchens, wohl durch Verteuerung und gesellschaftliche Ächtung gleichermaßen gefördert. Es soll ja auch fast sofort zu einer Verbesserung bei den Herz-und Kreislaufleiden gekommen sein, und beim Krebs wird man es auch merken.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 04.08.2021 um 15.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46724

Zu Brokkoli (immer wieder erhellend):
http://www.quarkundso.de/die-zeit-krebs-brokkoli/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2021 um 14.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46723

Da ist wieder diese Werbung für ein Mittel, das die wunderbare Wirkung von Kurkuma (gegen Alzheimer und alles übrige) um genau 18 500 Prozent verstärkt. Es gibt auch Pillen, die einige Miligramm Brokkoliextrakt enthalten, entsprechend dem Verzehr eines Brokkoliröschens pro Monat (wie die Verbraucherzentrale ausgerechnet hat). Die gesundheitsbezogenen Aussagen sind wahrscheinlich zum Teil strafbar, aber die Grauzone wird raffiniert genutzt.

Es gibt einen an die Homöopathie erinnernden Aberglauben an die "Konzentration" von Heilkraft in winzigen Dosen. Ein Kollege sagte einmal, Liebigs Fleischextrakt habe im 19. Jahrhundert mit der Illusion gespielt, daß man sozusagen eine ganze Kuh in ein Gläschen eindampfen könne, was natürlich beim Verzehr dann eine enorme Kraft verleihen mußte.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 01.08.2021 um 15.25 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46688

Was das Argument der Flächenversiegelung angeht, wollte ich Ihnen gar nicht widersprechen. Flächenversiegelung durch Windkraftfundamente ist mit Sicherheit ein vernachlässigbarer Effekt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2021 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46674

Soweit ich weiß, ist ein Teil des Fundaments mit Erde bedeckt; das war mit der Einschränkung gemeint. Aber wir haben ohnehin genügend Windräder aus der Nähe gesehen und wissen, daß es keine nennenswerte Bodenversiegelung ist, nicht wahr?
Ich hatte beim Vergleich mit einem Parkplatz auch den verschiedenen Nutzen im Sinn. Was der "ruhende Verkehr" an Fläche verbraucht, geht auf keine Kuhhaut.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 31.07.2021 um 16.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46673

Die 100 qm pro Windrad kommen mir sehr unrealistisch vor. Man googelt schnell einen Durchmesser der Fundamente von 20 bis 30 Metern, je nach Höhe und nach Bodenbeschaffenheit. Das wären 320 bis 700 qm. Und das bei einer vollbewehrten Tiefe des Fundaments bis 4 Meter. Das ist schon durchaus eine andere Nummer als 10x10 qm asphaltierter Parkplatz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2021 um 14.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46672

Ein rechter Klimaskeptiker behauptet, durch Windräder werde der Boden versiegelt. Nun, ein Windrad benötigt eine Standfläche von 100 Quadratmetern; hinzu kommt noch einiges, was nicht wirklich "versiegelt " wird. (Wie viele Autos können eigentlich auf 10 mal 10 Metern parken, der Fläche einer mittleren Wohnung?)

Für die Landwirte, die ja nach Diversifikationsmöglichkeiten suchen, sind Windräder eine schönes Zusatzeinkommen:

Für ein Windrad, das an einem durchschnittlichen Standort in Deutschland pro Jahr rund sechs Millionen Kilowattstunden Strom produziert, ergeben sich so Pachteinnahmen von rund 70.000 Euro. An windreichen Standorten sind aber auch 100.000 Euro möglich.

Das ist für alle Seiten besser als eine Stillegungsprämie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2021 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46614

Die Impfung mit einem nicht ausreichend erprobten Impfstoff ist nichts anderes als ein Massenexperiment am lebenden Menschen.

Bisher sind etwa zwei Milliarden Menschen wenigstens einmal gegen Corona geimpft. Noch nie wurde ein Impfstoff in so kurzer Zeit so umfassend "erprobt". Wann würden die Nichtdenker ihn für "ausreichend erprobt" halten?

Man könnte, wie gesagt, andere Beispiele heranziehen, nicht nur Impfungen. War der Motorradhelm, der Sicherheitsgurt ausreichend erprobt, als er verpflichtend eingeführt wurde? Nicht in den Augen der Kritiker. Denen kann man es nie recht machen. Wo kein Wille ist, ist auch kein Weg.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2021 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46608

Das Coronavirus legt eine Reihe sehr beunruhigender Details frei. So eröffnen die neuen genetischen »Impfstoffe« vollkommen neue Möglichkeiten. Sie könnten künftig als Fortsetzung der Biowaffen mit neuen Technologien dienen.
Das betont Ralph Thiele im Podcast mit TE. Thiele ist Oberst a.D., CEO von StratByrd Consulting, und Vorsitzender der politisch-militärischen Gesellschaft in Berlin, die er in den vergangenen 17 Jahren zu einem national und international renommierten Forum entwickelt hat.

Thiele weist auf die vollkommen neue Bedrohung hin, die sich aus den genetischen Manipulationsmöglichkeiten mit den neuen Impfstoffen ergeben. Das sind keine Impfstoffe im herkömmlichen Sinn mehr, sondern programmierte Handlungsanweisungen für unseren Organismus, reine Gentechnik also. Der weltweite Massentest zeigt, dass die neue Technik im Prinzip funktioniert, und den Wert der dabei gesammelten millionenfachen Erfahrungen kann man gar nicht bedeutend genug einschätzen.
Mit dieser neuen Gentechnik [kann] man künftig nach Belieben im menschlichen Organismus herummanipulieren. Wen wundert’s, wenn die Sache auch militärisch höchst interessant wird.

(Tichys Einblick 24.7.21)

Die Volksverdummung bedient sich der Assoziationen, die sie jahrelang mit Vokabeln wie „genetisch“ verknüpft hat. Der Artikel ist übrigens von dem erwähnten Holger Douglas, der seither noch anderen Unsinn verbreitet hat. Es gibt aber auch gebildetere Autoren, die so ähnlich schreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2021 um 08.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46592

Eine Impflotterie würde Skinners Beifall finden. Er hatte nachgewiesen, daß bestimmte "Verstärkungspläne" eine fast unwiderstehliche Anziehung ausüben, und zwar nicht nur auf Menschen, sondern auch schon auf Schimpansen, Tauben usw. Darum schlug er gelegentlich vor, das ganze Steuerwesen auf eine Lotterie umzustellen, und sah ähnliche Muster für die Motivation von Studenten vor, Studiengebühren zu zahlen.

Natürlich bleibt es paradox, daß man Menschen bestechen muß, damit sie sich vor einer schlimmen Krankheit schützen. Aber so sind sie eben, die federlosen Zweibeiner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2021 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46578

Hier in der Gegend werden Erinnerungen an einen Starkregen 2007 lebendig. Damals rauschten lokal eng begrenzt zu nächtlicher Stunde ungeheure Wassermassen von dem Höhenzug herunter, der das Regnitztal vom Schwabachtal trennt. Ein winziges Bächlein, das man sonst kaum sieht, stieg in der kleinen Schlucht 50 m von unserem Haus entfernt um etwa 7 m an. Wenn ich heute jemandem zeige, wie hoch das Stroh von den Feldern in den Bäumen gehangen hat, glaubt er es nicht. Die Zerstörungen in beiden Tälern waren beträchtlich, drüben in Baiersdorf ertrank eine Frau im Keller.
So etwas kommt vielleicht alle 1000 Jahre mal vor. Man kann praktisch nichts dagegen tun. Diese Erfahrung lehrt mich Zurückhaltung beim Urteilen über Katastrophenschutz. Wahr ist, daß zuviel in Überschwemmungsgebieten gebaut wurde und dann das Wehklagen über Hochwasserschäden nicht sehr überzeugend klingt. Aber man kann nicht gegen alles vorsorgen, ohne daß das Land mit grotesken Schutzanlagen vollgestellt wird. Und was das Warnsystem betrifft: auch evakuieren kann man nicht alle paar Wochen für den schlimmsten aller Fälle, der nur alle 100 Jahre oder nie eintritt. – Damit will ich aber, wie gesagt, nichts zum aktuellen Fall gesagt haben. (Für die Rechten stand sofort fest: Merkel ist schuld. Und natürlich die Grünen, die vom Wetter auf das Klima abgelenkt haben...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2021 um 08.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46574

Mal abgesehen vom konkreten Fall des Hochwassers: Nach jeder Katastrophe läßt sich jemand finden, der sie vorhergesehen und davor gewarnt hat, aber nicht gehört oder nicht ernst genommen wurde. Das hat weniger mit prophetischen Gaben als mit Wahrscheinlichkeitsrechnung zu tun.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 19.07.2021 um 08.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46572

Mir scheint, daß bei der Diskussion um die Corona-Maßnahmen ein paar Aspekte zu kurz kommen. Leider kenne ich den SZ-Artikel zu den Impfstoffen nicht. Aber vielleicht ist das auch nicht nötig; mir geht es nur um Fragen des Blickwinkels.

Eins hatte ich schon ein andermal gesagt: Vielen Diskussionsteilnehmern liegen die Naturwissenschaften nicht so. Da bringt es nichts, wenn die Informationen offen liegen; sie werden nicht verstanden. Das Vertrauen in wissenschaftliche Unbefangenheit ist zudem angeschlagen.

Ein anderer Punkt ist, daß der Diskussion – wie eigentlich immer – auch moralische Aspekte zugrunde liegen. Und die lassen sich nicht wissenschaftlich diskutieren. Ein moralisches Prinzip wäre zum Beispiel, daß vordringlich Alte und Schwache geschützt werden müssen. Andererseits kann man aber auch der Ansicht sein, daß das Aufrechterhalten des Arbeits- und Soziallebens für das Wohl der Allgemeinheit (oder das der Jüngeren) wichtiger ist. Letzteres hat natürlich wenig mit Impfung zu tun, dafür mit anderen Maßnahmen. Aber vielleicht auch ein wenig mit der Impfung, siehe unten.

Solche Differenzen in der Herangehensweise sind völlig normal und sollten nicht zur gegenseitigen Blockade, den sprichwörtlichen "Grabenkämpfen" führen. Ich frage mich, ob uns nicht die Bereitschaft zu Kompromissen abhanden gekommen ist.

Zu den Risiken. Wir haben in der Corona-Pandemie den wissenschaftlichen Erkenntnisprozeß live mitverfolgt – und der war nicht frei von Fehlern. Wenn man einen intelligenten Menschen vor die Frage stellt, ob er lieber ein Sterberisiko von 0,1% oder ein Impfnebenwirkungsrisiko von 0,01% in Kauf nimmt, heißt es nicht, daß er sich für letzteres entscheidet. Er sagt sich vielleicht: Das wirkliche Risiko ist ja gar nicht bekannt. Vielleicht hat man da was übersehen, was sich erst später zeigt.

Das mag auch für Covid-19 gelten, wir kennen die Spätfolgen nicht. Aber das Vertrauen in die guten alten Viren ist vielleicht größer als das in die moderne Technik. Und selbst wenn manche Impfgegner der Meinung sind, daß Sars-CoV-2 ein amerikanisch-chinesisches High-End-Produkt ist, muß das die Impfbereitschaft nicht steigern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2021 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46569

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46487

Gegen die Impfskeptiker ("unerprobt") spricht nicht nur das hundertmillionenfache Massenexperiment der Phase 4, sondern auch die Kenntnis des Virus und der Impfstoffwirkung – wenn man sich wirklich damit beschäftigt. Die Medien haben sich durchaus bemüht, so zum Beispiel die SZ am 12./13. Juli mit einer doppelseitigen Grafik. Die kann man ohne viel Biochemie studieren und dann nach persönlicher Neigung anderswo ins Detail gehen. Die Risiken lassen sich lokalisieren und vernünftig beurteilen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2021 um 20.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46558

In einem zierlich gegenderten Beitrag in der SZ plädiert Alex Rühle dafür, die Unis zu öffnen. Er zitiert kritiklos einen Experten, der behauptet, ein Drittel der Studenten zeige Symptome einer Angststörung, die Hälfte Symptome einer Depression. Sie haben also keine Angststörung und keine Depression, sondern nur Symptome, wie jeder.

Außerdem behauptet Rühle, die Zustände an den Universitäten zu Corona-Zeiten seien den Politiker "egal". Für solche und andere Thesen könnte man Belege erwarten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2021 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46546

Ich kenne Klimaskeptiker, die aus der banalen Feststellung, daß Wetter und Klima zweierlei sind, folgern, das Wetter habe nichts mit dem Kima zu tun und sei daher nicht weiter beachtenswert. Und "Klima" andererseits sei ein Abstraktum, das nichts bewirken könne. So können sie aus ihrem bequemen Sessel den "Klima-Aktivismus" belächeln.

Wenn es aber einmal ein paar Tage sehr kalt ist, fragen sie höhnisch: Wo bleibt denn nun die Erderwärmung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2021 um 04.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46522

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46468

Selbstverständlich greifen auch die Rechten die Milchmädchenrechnung des Steuerzahlerbunds auf und tun so, als wüßten sie nicht, worum es sich in Wirklichkeit handelt. Um den Staat, das ganze Scheißsystem, schlechtzumachen, ist jedes Mittel recht.

In den letzten Tagen war ich (aus einem diesmal harmlosen Anlaß) wieder mal in den Kliniken, aus denen Erlangen zur Hälfte besteht. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Das kostet natürlich, aber wer würde sagen, das Geld sei ihm "vom Staat" in Form von "Steuern und Abgaben" abgepreßt worden?

Übrigens: Meine Frau wurde gefragt, ob sie als Versuchskaninchen bei einer Endoskopie mit Künstlicher Intelligenz mitwirken wolle, und hat selbstverständlich zugestimmt. Ich selbst nehme an einer Langzeitstudie teil. Daß wir uns haben impfen lassen, versteht sich von selbst. Organe würden wir auch spenden, wenn sie noch brauchbar sind.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 17.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46499

Tomas Pueyo (Autor des Artikels The Hammer and the Dance) hat seit gestern einen Artikel zur indischen Variante:

https://unchartedterritories.tomaspueyo.com/p/delta-variant-everything-you-need
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2021 um 13.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46495

Der enorme Ansteig der chinesischen Exporte wird nicht zuletzt auf die radikale No-Covid-Strategie zurückgeführt. Wenn es nur noch sporadisch zu lokalen Ausbrüchen kommt, kann das riesige Land die Seuche praktisch ignorieren.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 09.12 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46492

Ja, es ist sehr kompliziert, und ich kann selbst nicht mehr aufdröseln, wie ich zu meiner Meinung gekommen bin. Und wenn ich es ernsthaft in Angriff nähme, müßte ich mich jetzt an einen wirklich sehr langen Text machen.

Ich nenne ersatzweise ein ganz winziges Detail: Auch Drosten hat in seinen letzten Folgen mit dem Gendern begonnen (kein Schluckauf, nur Beidnennung).

Natürlich ist auch die Wissenschaft Spielball gesellschaftlicher Entwicklungen (obwohl es nicht immer so sein sollte). Warum sollte ich also "Reiter" nennen, wenn ich eine allgemeine Entwicklung beklage?

Noch ein anderes Detail: Der inflationäre Gebrauch gewisser Wörter wie "Schwurbler", "rechts". Ich glaube nicht, daß man damit Glaubwürdigkeit gewinnt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2021 um 08.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46490

So gerne ich Ihnen sonst zustimme – hier zögere ich. Schon wegen "die Wissenschaftler" und "man". Sind das dieselben? Da sollte man Roß und Reiter nennen, aber das ist ungeheuer schwierig im vielstimmigen Chor der öffentlichen Stimmen.

Wie kommt es andererseits, daß die meisten Menschen (wie ich und die Meinen) zwar aufmerksam, auch vorsichtig, aber nicht mißtrauisch sind, was die Tatsachen um Corona betrifft? Ich kenne allerdings zu meinem Leidwesen einige wenige, auf die Ihre Beschreibung zutrifft, und an deren Mißtrauen sind, wie ich genau weiß, nicht die Wissenschaftler schuld...

Aber wie gesagt, das ist sehr komplex, und mir fehlen die Mittel, diese Fragen zu beantworten. Wahrscheinlich wird darüber noch viel geschrieben werden, und die Rückblicke auf Corona werden so verschieden ausfallen wie der Verlauf der Sache selbst.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 07.16 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46488

Letztlich muß man es akzeptieren, wenn Menschen sich nicht impfen lassen wollen.

Die wichtigste Frage, der sich die Wissenschafter mal stellen sollten, ist meines Erachtens die: Wie hat man es geschafft, so viel Mißtrauen in der Bevölkerung zu säen. Da warten noch einige "unangenehme Rechenaufgaben".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2021 um 06.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46487

Mutanten entstehen fortwährend, auch ohne Druck. Je mehr Infizierte, desto mehr Mutationen. Die Ausbreitungsdynamik ist eine andere Sache.

Aber Sie haben in vielen Punkten recht. Was die Ungewißheiten betrifft, sollte man auch die "Phase 4" bei der Impfstoffprüfung bedenken, die seit mehreren Monaten läuft, also das ungeheure Massenexperiment der tatsächlichen Impfungen.

Zur Frage einer Impfpflicht titelt die SZ heute "Menschen lassen sich nicht zu ihrem Glück zwingen" und lehnt entsprechend ab. Das ist doppelt falsch. Erstens geht es bei der Seuchenbekämpfung eben nicht nur um das Glück der Geimpften (das hatte ich gerade hervorheben wollen). Zweitens werden die Menschen vielfach zu ihrem Glück gezwungen. Dazu dienen ja die erwähnten Pflichten (Gurt, Helm), auch Pflichtversicherung, Rauchverbot und eben auch Impfzwang (seinerzeit bei uns gegen Pocken, in der DDR gegen alle möglichen Krankheiten, auch sonst weltweit).
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 06.30 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46485

Wie läßt sich eigentlich die Gefährlichkeit zukünftiger Virusvarianten ausrechnen?
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 06.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46484

Eigentlich sind die Ungewissheiten einer medizinischen Neuentwicklung wie die mRNS-Impfstoffe ein gutes Thema für diesen Thread. Meines Erachtens verhält es sich so, daß die Risikoabschätzungen von Laien und Experten sich bezüglich ihrer Qualität annähern, wenn man auf unbekanntes Terrain vorstößt.

Ich habe mich selbst so früh wie möglich impfen lassen, aber ich weiß nicht, wie ich mich entschieden hätte, wenn ich jünger wäre. Und noch viel wichtiger: wenn ich ein anderes Gehirn hätte (s.u.)

Die Rechnung ist eben nicht so trivial, denn wir haben es auf beiden Seiten – Covid und Impfung – mit Unbekannten zu tun. Abgesehen davon spielt auch Persönlichkeit und naturwissenschaftliches Verständnis eine Rolle. Man kann eben nicht voraussetzen, daß alle so denken wie man selbst.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 05.43 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46483

Mutanten entstehen bei erhöhtem Mutationsdruck, also z.B. bei zunehmender Immunität oder durch Hygienemaßnahmen.

Das spricht natürlich nicht gegen diese Maßnahmen. Allerdings wird eine Zero-Covid-Strategie nicht funktionieren. Ausgerottet wurden bisher nur die Pocken. Kinderlähmung und Masern wären möglich. Voraussetzung: Das Virus darf keine Mutanten bilden und keine Reservoire haben. Covid-19 ist nicht auf den Menschen beschränkt, ähnlich wie die Influenza.

Bei der Influenza brauchen wir jedes Jahr neue Impfstoffe wegen der Varianten. Bei Covid-19 könnte es auch so kommen, wenn es schlecht läuft. Wenn es gut läuft, wird die Krankheit harmloser.

Soweit ich sehe, haben wir noch keine wirklich gute Strategie, die Wellen der Pandemie abzufangen. Mir scheint vieles noch nicht gut verstanden zu sein, z.B. auch das Abflauen der Wellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2021 um 04.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46481

Wir haben uns sehr eingehend mit Corona beschäftigt, auch mit den neuartigen Impfstoffen, die wir sehr bewundern und uns dankbar zunutze gemacht haben.

Boris Johnsons ab Montag geltende Durchseuchungsstrategie wird vor allem auf Kosten der Ungeimpften, also der Kinder gehen. Selbst wenn sie meistens nicht schwer erkranken (aber die Langzeitfolgen sind unklar), ermöglicht eine hohe Zahl von Infizierten die Entwicklung von vielen Mutanten, deren Gefährlichkeit nicht abzuschätzen ist. Das wird in der Diskussion meistens übersehen, weshalb ich es hier einmal erwähnt haben will. Es ist eine der unbeliebten Rechenaufgaben, vor denen man sich am liebsten drücken möchte, weil sie so unbequeme Folgen haben. Für mich folgt daraus, daß es darauf ankommt, die Inzidenz möglichst niedrig zu halten, bis alle geimpft sind. (Bis auf die Helden natürlich, die ein ums anderemal verkünden, sie würden sich auf keinen Fall impfen lassen...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2021 um 04.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46468

Auch dieses Jahr wieder:

Bis jetzt haben Durchschnittsverdiener in diesem Jahr nur für den Staat gearbeitet (WELT 13.7.21).

Der Vorsitzende des Steuerzahlerbunds weiß, daß die Rechnung irreführend ist, hält aber daran fest, und die Zeitung macht es zur Überschrift. Damit erfüllt sie den Tatbestand der Volksverhetzung. Der Verein selbst sollte vom Verfassungsschutz beobachtet werden.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 12.07.2021 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46462

Ich höre und lese seit Jahren fast nichts anderes mehr. In einer Fernsehsendung sagte eine junge Frau sogar einmal »seit ich kleiner bin«, was man vielleicht in »seit der Zeit, als ich noch kleiner war« aufdröseln könnte. Ein 50jähriger, der »seit ich 16 bin« sagt, ist natürlich nicht seit 34 Jahren 16 Jahre alt, aber »seit ich 16 war« klingt auch schräg, weil »seit« und das Präteritum schlecht zusammenpassen, das Präsens ist gebildet, ehe man es merkt. Und »seit meinem 16. Lebensjahr« ist zwar korrekt, würde man aber in der Alltagssprache so schnell nicht sagen.

Bei »seit ich 18 bin« (hört man eigentlich nur noch so) liegt der Fall etwas anders, weil die Zahl hier oft für die Volljährigkeit steht. In diesem Sinne ist der 50jährige tatsächlich seit 32 Jahren 18, das heißt volljährig. Ähnlich ist es, wie besprochen, mit dem Arbeitnehmer, der durch die Krankschreibung zwar nicht physisch, wohl aber offiziell krank wird, weshalb man in »krankschreiben« sehr wohl eine Resultativkonstruktion sehen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2021 um 06.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46461

Und trotzdem, seitdem ich ein Kind bin, begleitet mich Crvenka, Jugoslawien. (Jan Grossarth, WELT 12.8.19)

Vielleicht kontaminiert aus "seit ich auf der Welt bin" und "seit meiner Kindheit".
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.07.2021 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46428

Impfpflaster ist auch noch üblich.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.07.2021 um 10.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46425

Impfpferweigerer
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.07.2021 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46423

Sumpfpflanze
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2021 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46404

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat sich für eine Aufhebung aller Corona-Einschränkungen ausgesprochen, sobald alle Menschen in Deutschland ein Impfangebot bekommen haben. (Meldung 6.7.21)

Das klingt wie: Wer jetzt noch krank wird oder andere ansteckt, ist selbst schuld, denn er hat ja ein Impfangebot bekommen. Die Umfragen, auf die Maas Bezug nimmt, besagen, daß die Mehrheit eine Aufhebung der Einschränkungen für vollständig Geimpfte befürwortet. Das ist nicht dasselbe wie ein Angebot.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.07.2021 um 21.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46368

Heutige Tagesschau im Ersten:

In Deutschland liegen die Corona-Fallzahlen weiter niedrig, allerdings breitet sich die besonders ansteckende Delta-Mutante immer mehr aus.

Bundesgesundheitsminister Spahn sagte beim wöchentlichen Computerbriefing, er gehe davon aus, daß der Anteil von Delta an den Corona-Neuinfektionen noch in diesem Monat bis zu 80% ausmachen werde.

Ja, und? Der Anteil kann ja gern auf 100% anwachsen, das besagt doch nicht, daß sich die Mutante ausbreitet. Das Gegenteil ist der Fall!

Laut der vom RKI gestern veröffentlichten Zahlen betrug der Delta-Anteil in KW24, also vom 14. bis 20. Juni 36,7%. Die Gesamt-Neuansteckungen betrugen am Mittwoch, dem 16. Juni (mittwochs haben wir immer ungefähr den Wochenmittelwert) 1557 im 7-Tages-Mittel. Das ergibt für diesen Tag etwa
1557 * 36,7% = 571 Delta-Neuansteckungen.

Gestern, Mittwoch, den 30. Juni, gab es laut den offiziellen Statistiken insgesamt 538 Neuansteckungen. Hätten wir also gestern schon die von Spahn erst für Juli prognostizierten 80% erreicht, dann wären es gestern
538 * 80% = 430 Neuansteckungen mit Delta gewesen.

Wenn die absolute Zahl der Neuansteckungen mit der Delta-Mutation innerhalb von zwei Wochen von 571 auf 430 Neuansteckungen pro Tag sinkt (die erst später zu veröffentlichenden genauen Zahlen können nur noch kleiner sein), dann heißt das also für die Tagesschau, die besonders ansteckende Delta-Mutation breite sich immer mehr aus. Eine sehr interessante Interpretation!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.06.2021 um 22.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46350

Das mit dem exponentiellen Wachstum war ja bisher eine feine Sache. Auch jetzt wieder verdoppelt sich der Anteil der bösen Delta-Variante jede Woche. Aber leider hat die neue Rechnung einen Haken, denn auch wenn man ganz niedrig bei 0,1% anfängt, ist nach zehn Verdopplungen unweigerlich bei 100% Schluß.

Und wenn dann auch noch parallel dazu die Gesamtzahl der Neuansteckungen exponentiell fällt, jede Woche nur noch die Hälfte und nur durch Null begrenzt, dann ist für Corona-Maßnahmen-Erfinder guter Rat teuer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2021 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46319

Erzbischof Georg Gänswein sagte zur Ausstellung einer Kopie des „Schweißtuchs der Veronika“: „Dieses Gesicht ist das Alleinstellungsmerkmal der Christen (...) Nur wir wissen, wie Gott aussieht – und wie und wer er ist. Das Gesicht Christi ist darum der vornehmste und kostbarste Schatz der Christenheit.“ (FAZ 18.1.16)

(Ich war immer der Meinung, ich hätte dies schon mal zitiert, aber das stimmt anscheinend nicht.)

Abgesehen davon, daß eine solche Aussage den Juden und Muslimen ein Greuel sein muß, interessiert mich die Logik. Wenn Gänswein wirklich glaubt, daß das Tuch (eine mittelalterliche Stoffmalerei wie das Turiner Grabtuch) Jesus abbildet, dann können doch nicht nur Christen, sondern alle es sehen und wissen. Die andere Deutung wäre: Nur wenn man – wie wir – daran glaubt, weiß man es = glaubt man es zu wissen. Aber kann man seinen eigenen Glauben so distanziert sehen? Außerdem glaubt der gelehrte Theologe Gänswein ja nicht wirklich daran; er weiß sehr wohl, was die Wissenschaft dazu sagt. Nur fürs Volk tut er so, wie er es um mehrere logische Ecken herum tut. Für Kirchenfunktionäre, die offiziell mit dem vierfachen Schriftsinn arbeiten (KKK 115f.), keine Gewissensfrage.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.06.2021 um 14.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46316

Ich weiß schon, das ist im Alltagsgebrauch üblich. Aber in meinen Ohren klingt es leicht komisch.

Sokrates könnte es gefallen. Der hat sich ja selbst eine "narkotisierende" Wirkung zugeschrieben: alle seine Gesprächspartner wußten am Ende weniger als vorher. Er verbreitete sozusagen sein eigenes (therapeutisches) Unwissen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.06.2021 um 13.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46315

Diese Frage entsteht, wenn man Unwissen mit Nichtwissen gleichsetzt. Aber vielleicht kann man es auch im gleichen Sinne wie Unkraut verstehen, das ja auch kein Nichtkraut ist? Unwissen sozusagen als schlechtes oder falsches Wissen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.06.2021 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46314

Zu Diabetes kursiert viel Unwissen (Westdeutsche Zeitung)

Wie soll man sich das vorstellen? Wer setzt das Unwissen in die Welt, so daß es sich dann verbreiten kann?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2021 um 09.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46306

Heute greift derselbe Mann eine marode Autobahnbrücke auf und stellt irgendwie die Verbindung zur "grünen Verkehrspolitik" her. Für die Autobahnen ist der Bund zuständig, dessen Verkehrspolitik bisher nicht gerade von den Grünen bestimmt war. Der Vorwurf, daß irgendein Dezernent das Weltklima retten will, statt sich um die Autobahnbrücken zu kümmern, ist wirklich nicht sehr anspruchsvoll. Aber den Kreuz-und-quer-Denkern gefällt’s anscheinend.

In Deutschland sind Tausende von Brücken sanierungsbedürftig, z. T. wegen mangelhafter Beherrschung des Spannbetonbaus, das ist ja bekannt. Aber die Grünen haben damit nichts zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2021 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46299

Und noch etwas gibt derselbe Mann zum besten:

Ohne Einsatz von Glyphosat würde es in den großen Anbaugebieten in den USA und Asiens düster aussehen. Die Ernteergebnisse würden wieder auf frühere Quoten zurückfallen. Hungersnöte wären die Folge. (Holger Douglas bei Tichy 21.6.21)

Auch davon versteht er also nichts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2021 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46253

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46162

Derselbe Rechenkünstler teilt bei Tichy mit, daß Windräder einander stören, wenn sie zu dicht stehen. Nun, darüber hat mich ein wirklicher Fachmann schon vor Jahrzehnten aufgeklärt, und es ist selbstverständlich bei den Windparks in der Nordsee und anderswo berücksichtigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2021 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46221

In einer Mathearbeit hatte ich mal geschrieben, der gefundene Wert bewege sich zwischen x und y. Das strich der nette Lehrer naturgemäß an: Der Wert war zwar richtig, bewegt sich aber nicht, sondern liegt. Wirklich? – Komisch, daß ich das nicht vergessen habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2021 um 15.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46162

Die Rechten bei „Tichy“ schöpfen Hoffnung aus der Sonnenfinsternis:

Die Sonnenfinsternis minderte die Stromproduktion der Photovoltaikanlagen. Kohle- und Kernkraftwerke konnten die Ausgleichsmengen liefern. (...)

Das ist Quatsch. Es bedurfte keiner Ausgleichsmengen. Solarstrom wird ständig durch Wolken unterbrochen, die sich ungleich stärker auswirken als das bißchen Bedeckung gestern, und ist ohne Speicher sowieso nicht zu gebrauchen.
Weiter geht es mit der Volksverdummung durch diesen „Experten“ (Holger Douglas), den Tichy auf das Thema angesetzt hat:

Die nächste partielle Sonnenfinsternis kommt übrigens am 25. Oktober 2022 und wird voraussichtlich mehr Schatten werfen. Am Ende des Jahres wird das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet sein, hoffentlich haben die Nachbarländer ein wenig Strom übrig.
Die nächste totale Sonnenfinsternis ist dann für den September 2081 vorausberechnet. Ob es dann noch grüne Energie- und Klimawender gibt, ist eher fraglich. Nach vielen dunklen, kalten Jahren ohne ausreichende Energieversorgung werden dann vermutlich in Deutschland wieder leistungsfähige Kraftwerke stehen, während Windräder und Photovoltaikanlagen noch als Sondermüll in der Landschaft liegen dürften, so, wie man dies bereits jetzt in Teilen Amerikas sieht.


Der Verfasser scheint nicht zu wissen, daß Sonnenfinsternisse nur einen schmalen Streifen für wenige Minuten bedecken. Der Stromverbund wird sowieso ständig genutzt, und daß alle Welt an Speicherformen arbeitet, sollte auch bekannt sein.

Übrigens: GB liegt bei der Windkraft vor Deutschland und erzeugt keinen Strom mehr aus Kohle. Solarenergie ist aus naheliegenden Gründen unbedeutend, dafür werden noch 15 Kernreaktoren betrieben. Bei uns ist es umgekehrt, aber die Dekarbonisierung wird weltweit betrieben und kommt schnell voran.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.06.2021 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46141

Nun ja, Schwarz-Rot wäre auch noch möglich. Haseloff wäre eine Koalition mit der SPD wohl am liebsten. Allerdings gehört die SPD zu den Wahlverlierern, FDP und Grüne dagegen zu den Gewinnern, wenngleich die Zugewinne bescheiden ausgefallen sind. Haseloff betont, daß er vor allem keine »Wackelpartien« möchte, und hält sich damit alle Optionen offen. Manche Regierung, die im Parlament nur über eine Stimme Mehrheit verfügt, ist besonders stabil, siehe NRW. Was nützt ein etwas dickeres Polster, wenn die Partner eigentlich nicht zusammenpassen und sich nur mit Müh und Not einen Vertrag abringen, über den es dann im Laufe der Legislaturperiode immer wieder Streit gibt? Die Gefahr einer permanenten Wackelpartie kann bei beiden Optionen nicht ausgeschlossen werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2021 um 13.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46140

Anscheinend bin ich schon widerlegt. Jedenfalls haben auch die Grünen in Sachsen-Anhalt bekanntgegeben, daß sie nur in eine Koalition eintreten werden, in der sie rechnerisch gebraucht werden, also bleibt praktisch nur CDU-FDP-Grüne. Vor soviel Rechnerei kapituliere ich. Die Möglichkeit, Einfluß zu nehmen, scheint wirklich nicht verlockend genug zu sein. Das hätte ich nicht gedacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2021 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46134

Kleine Nachbetrachtung:

Bei „Tichy“ hatten die Wunschdenker auf den Wahlausgang gewettet, zuletzt stand es bei 27 Prozent für die AfD und 24 für die CDU. Mit 20 : 37 hatten sie nicht gerechnet. Jetzt lecken sie ihre Wunden, Ablenkung hilft ein wenig: Die Grünen hätten ihren Zenit überschritten usw.

Die FDP hat schon vor allen Verhandlungen ausgeschlossen, sich an einer Koalition mit CDU und SPD zu beteiligen; eher schon mit CDU und Grünen. In letzterer würde sie benötigt, dagegen wäre sie neben der SPD nur „Reserverad“. Das stimmt zwar, was die Mehrheitsbeschaffung betrifft, aber die Möglichkeit der Mitentscheidung ist doch auch nicht zu verachten. Merke: Opposition ist Mist!

Für Haseloff wird es natürlich entsprechend einfacher: Wenn die Gelben nicht mit den Roten wollen und die Grünen vielleicht nicht mit den Gelben (was schwer sein dürfte), dann braucht nicht jeder mit jedem zu reden. Er könnte sich mit der knappen schwarz-roten Mehrheit begnügen oder die Grünen noch dazubitten, die sich wohl kaum sträuben dürften, als Reserverad dabeizusein. So sieht also jetzt meine Prognose aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2021 um 14.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46133

Diese "absolute Priorität" halte ich für bloßes Gerede der Politiker. Die Wirklichkeit sieht anders aus und unterscheidet sich nicht sehr von der in anderen Ländern.

Darum stellen sich Länder wie Saudi-Arabien auch schon auf die Zeit nach dem Öl um (wegen sinkender Nachfrage, nicht wegen versiegender Quellen).
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 07.06.2021 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46131

Die absolute Priorität, die der "Klimarettung" trotz Deutschlands geringem ökologischem Gewicht zugemessen wird, ist schon seltsam. Auch dem weltweiten Artensterben können wir im Gegensatz zu jenem im eigenen Land wenig entgegensetzen. Ich läse gern mehr über die künftige deutsche Forstwirtschaft, über Deichbau, Wasserbevorratung, zukunftsfähige Nutzpflanzen …
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.06.2021 um 10.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46129

Ich denke, daß der "deutsche Alleingang" ein Kampfbegriff sowohl von Gegnern als auch von Befürwortern der Energiewende ist, Während die einen vor einem Alleingang oder Teilalleingängen warnen, meinen die andern, daß notfalls bestimmte Maßnahmen auch im Alleingang getroffen werden müßten. Diese Verwendung ist unabhängig davon, inwiefern es ihn tatsächlich bereits gibt oder nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2021 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46126

Man liest ständig vom „deutschen Alleingang“ in der Klimapolitik (und daß Deutschland mangels Masse nicht viel zum Weltklima beiträgt, so oder so; aber am deutschen Wesen soll wieder mal die Welt genesen usw. – die ganze Palette). Wovon ist eigentlich die Rede? Mit der Energiewende ist Deutschland doch weder allein noch führend.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.06.2021 um 15.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46122

Merkwürdig, in dem Fall habe ich es sofort richtig verstanden, vielleicht weil ich berufsbedingt beim Wort »nachhaltig« inzwischen fast immer als erstes die Assoziation Umweltschutz habe, schon gar, wenn es um eine Anzeige der Bahn geht. Bei mir setzt das Weltwissen gern mal bei der Lektüre von Zeitungsüberschriften aus. Jüngstes Beispiel (spiegel.de, 4.6.21):

So will Jens Spahn unbrauchbare Masken
für eine Milliarde Euro verschwinden lassen

Mein allererster Gedanke war: Jetzt soll auch noch die Entsorgung eine Milliarde kosten!!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2021 um 13.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46121

Die Bahn behauptet in ganzseitigen Anzeigen, der ICE habe nur ein Ziel: "Menschen schnell, aber nachhaltig zusammenzubringen". Ich habe zuerst gestutzt: Ist die Bahn jetzt eine Partnervermittlung, der es darum geht, daß die Menschen nach dem Speed-Dating auch zusammenbleiben? Aber es ist wohl gemeint, daß der Strom aus nachhaltigen Quellen kommt. Die beiden Gesichtspunkte sind so weit voreinander entfernt, daß man das kaum so nebeneinanderstellen kann.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 31.05.2021 um 12.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46076

Der SPIEGEL hat eine Umfrage in Auftrag gegeben, die belegen soll, daß nichts dran ist an dem Vorwurf, Anhänger der Grünen predigten Fahrrad und führen SUV. (https://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/deutschland-die-maer-von-den-gruenen-suv-fahrern-a-f27a2db3-0427-4766-b02d-dc7eb806083d). Schauen wir genauer hin. Die Fragestellung lautete: »Können Sie sich grundsätzlich vorstellen, ein SUV zu kaufen?« Die Frage sollen 24 Prozent der Grünenanhänger mit ja beantwortet haben, während die Quote bei Anhängern anderer Parteien deutlich höher ausgefallen sei. Daraus schließt der Autor des Artikels, daß der Vorwurf widerlegt sei.

Ich komme zu einem ganz anderen Schluß. Die Bezugsgrößen stimmen hier mal wieder nicht. Der Vorwurf lautet ja nicht, daß anteilmäßig mehr Anhänger der Grünen als Anhänger anderer Parteien SUV fahren. Moniert wird vielmehr, daß auffallend viele Grüne offenbar kein Problem damit haben, mit solchen als Dreckschleudern verrufenen Autos durch die Stadt zu gurken. Würde man nicht erwarten, daß die Wähler einer ökologischen Partei solche Gefährte fast geschlossen ablehnen und jedenfalls für sich selbst einen Kauf ausschließen? Ich hätte erwartet, daß vielleicht 5 Prozent die Frage mit ja beantworten. Es hat aber jeder Vierte mit ja geantwortet! Das ist fast die Hälfte des Anteils der SUV-Sympathisanten etwa bei der FDP (52 Prozent). Das finde ich extrem viel. Man stelle sich vor, eine Umfrage würde ergeben, daß 24 Prozent der SPD-Wähler die Abschaffung der Gewerkschaften befürworten, während es bei der FDP 52 Prozent sind. Niemand käme auf die Idee, dieses Ergebnis als Beleg dafür zu werten, daß die Programmatik der Partei und die Einstellungen ihrer Wähler beruhigend deckungsgleich sind.

Hinzu kommt die vermutlich hohe Dunkelziffer. Die Befragten werden sich dreimal überlegen, ob sie wirklich angeben sollen, daß sie SUVs gut finden und gleichzeitig die Grünen wählen. Der wahre Prozentsatz dürfte also noch höher sein.

Alles in allem widerlegt die Umfrage aus meiner Sicht keineswegs eine »Mär«, sondern sie bestätigt eher den Eindruck, daß vergleichsweise viele Grüne in Sachen Mobilität anders handeln, als sie reden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2021 um 20.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46044

In der Tat: Dies war der Sinn meines Verweises auf Wikipedia, und dann ist die Diskussion auf eine andere Bahn geraten. Aber macht ja nichts, wir mäandern auch sonst viel herum, und solange es interessant bleibt, lasse ich es gern geschehen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.05.2021 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46043

Ausgangspunkt war doch die Übersicht in dem Wikipedia-Eintrag, und der kann man entnehmen, wie die Sache in verschiedenen Ländern geregelt ist. Man kann zum Tempolimit auf Autobahnen stehen, wie man will, aber wenn man darin einen »Angriff auf die Grundrechte« sieht, dann stünde Deutschland bei einer Einführung jedenfalls nicht alleine da. Da besteht eine Parallele zu den Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie, die man natürlich ebenfalls unterschiedlich bewerten kann. Übrigens mußte ich schmunzeln, als ich bei Grönland in der Spalte »Autobahn« den Strich erblickte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.05.2021 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46042

Wenn Sie "berechtigte Interessen", wie ich schrieb, so deuten, daß es nicht Aufgabe von Wikipedia sei, Interessen abzuwägen, dann kann ich dazu nur sagen, auch die bei Wikipedia angeführte höhere Sicherheit durch Tempolimits kann man ein abzuwägendes Interesse nennen.

In meinem Beitrag ging es mir gar nicht darum, daß manche vielleicht aus Spaß gern schnell fahren (dazu stehe ich ähnlich wie Herr Virch), sondern ich finde, daß eben genau die auch von Ihnen geforderten Fakten in diesem Wikipedia-Artikel sehr einseitig behandelt werden.
 
 

Kommentar von tk, verfaßt am 27.05.2021 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46041

Das ist genau das Problem, das in diesem Wikipedia-Artikel allerdings ausgespart wird.

Es ist nicht Aufgabe der Wikipedia, zwischen Interessen abzuwägen. Aufgabe einer Enzyklopädie (was die Wikipedia sein will) ist es, Fakten aufzuführen. Natürlich ist auch die Tatsache, daß es viele Leute gibt, die „schnell“ fahren möchten, eine, nun ja, Tatsache, die man erwähnen könnte, aber sie ist so banal, daß sie wohl selbst für Wikipedia zu doof wäre.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.05.2021 um 11.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46039

https://virchblog.wordpress.com/2019/01/28/tempolimit/
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.05.2021 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46038

... nachdem er ausführlich die physikalischen Zusammenhänge und Vorteile (Verkehrssicherheit, Umwelt und Klima, Staubildung, Streßreduktion, Verkehrszukunft) eines umso niedrigeren Tempolimits begründet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2021 um 04.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46035

Der Wikipedia-Artikel gibt eine Übersicht über die Geschwindigkeitsbegrenzungen in den einzelnen Staaten der Erde.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.05.2021 um 21.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46034

Wikipedia:
Durch eine niedrigere Geschwindigkeit kann daher sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die Schwere von Unfällen deutlich verringert werden.

Das ist natürlich sehr einleuchtend, nur beantwortet Wikipedia leider nicht die Frage, warum dann nicht auf allen Straßen und Autobahnen eine einheitliche Höchstgeschwindigkeit von 5 km/h festgelegt wird. Das wäre doch am sichersten, kein Fahrzeug fährt schneller als Fußgänger.

Anscheinend wäre das so absurd, daß überhaupt niemand auf so eine Begrenzung kommt. Es muß also auch berechtigte Interessen geben, schneller als 5 km/h zu fahren.

Vielleicht ja auch schneller als 130!

Das ist genau das Problem, das in diesem Wikipedia-Artikel allerdings ausgespart wird.

Um Unfälle noch weiter zu vermindern, könnte man übrigens das private Autofahren auch gleich ganz verbieten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2021 um 14.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46033

Noch einmal zum Tempolimit. 130 auf Autobahnen! Das wäre zweifellos der Untergang. Um diesen unerhörten Angriff auf die Grundrechte besser einzuschätzen, könnte man die Übersicht bei Wikipedia studieren:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zul%C3%A4ssige_H%C3%B6chstgeschwindigkeit
 
 

Kommentar von , verfaßt am 25.05.2021 um 07.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#46019


 
 

Kommentar von Theoor Ickler, verfaßt am 22.05.2021 um 03.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45987

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44801

Ein Kabelbrand in München mit lokalem Stromausfall soll ein Vorgeschmack auf die Energiewende sein ... (Tichy)

Dann wäre wohl ein Wasserrohrbruch im Reihenhaus ein Vorgeschmack auf das Steigen des Meeresspiegels.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.05.2021 um 23.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45986

Vorgestern vor unserer Kurzreise nach Österreich hatten meine Frau und ich uns vorsorglich auf Corona testen lassen und das Ergebnis am selben Abend von dem entspr. Link im Netz auch ausgedruckt. Auf den Ausdrucken steht oben groß in der Mitte:

NEGATIV
Getestet vor 4 Stunden

darunter in kleiner Schrift u.a. das Testdatum und die Uhrzeit.
Gestern, also knapp einen Tag später wollte die freundliche österreichische Grenzbeamte die Nachweise tatsächlich sehen. Ich hielt sie ihr vom Autofenster aus entgegen, sie sah von weitem hin und las nur laut "Getestet vor 4 Stunden" und ergänzte sofort "Super, alles klar, gute Reise!"

Die lockere Lesart der Beamten war dabei natürlich genauso komisch wie überhaupt die völlig unnötige deiktische Zeitangabe auf dem auszudruckenden Dokument. Vielleicht sollten wir diese Nachweise gleich noch für die Rückreise in ein paar Tagen aufheben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2021 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45978

Nach einigen Tagen Pause geht die Vitamin-D-Werbung wieder los (17.5.21 t-online News). Das Thema ist schon so lange überproportional vertreten, daß man nicht an Zufall glauben kann. Ob Forschungsergebnisse zugunsten von Vitamin D ausfallen oder nicht – die Bekanntheit wächst in beiden Fällen, wie bei Politikern die Prominenz.
Die Zuschriften in verschiedenen Foren zeigen, daß es auch hier eine Gemeindebildung gibt. Selektive Wahrnehmung von Forschungsergebnissen wirkt selbstverstärkend und immunisierend. Zurück bleibt der Eindruck: Es wird schon etwas dran sein, und schaden kann es nicht, ein wenig nachzuhelfen. Übertreiben sollte man es nicht, aber das tun wir ja sowieso nicht.
Möglicherweise gibt es einen Nutzen, das wird ja nicht bestritten, aber er kann nicht so überwältigend sein, wie er sich in den Augen der Gläubigen darstellt. Manche Menschen schwören auf Honig, andere auf Sauerkraut, lauwarmes Wasser, Knoblauch usw.
Es ist lehrreich, weil fixe Ideen die Menschen doch sehr beeeinflussen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.05.2021 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45896

Die FAS vergaloppiert sich bei einer Reihe von Neunen
(9.5.2021, Seite 2):

Können Geimpfte das Virus wirklich nicht weitertragen?

Nach einer regelmäßig aktualisierten Datensammlung der amerikanischen Seuchenbehörde hat man nach 100 Millionen Zweifachimpfungen jüngst 9245 „Impfdurchbrüche“ gezählt, bei denen es dennoch zu Erkrankungen kam. Heißt statistisch: 99,999 Prozent werden nicht krank.

Rund 10000 von 100000000, das ist 1 von 10000, also 0,01 Prozent Erkrankte. Nicht krank wurden also nur 99,99 Prozent, eine Neun weniger.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 10.05.2021 um 13.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45891

"Corona: Es geht bergauf in NRW [..] Inzidenzen sinken" (Der Westen)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2021 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45888

Es geht abwärts – Inzidenz in NRW so niedrig wie lange nicht! (BILD)

Klingt irgendwie schräg, obwohl logisch in Ordnung. Etwa wie: Es geht aufwärts – Kirchenaustritte nehmen zu!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2021 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45884

„Wie verdammt mutig ist diese Kirche?“, fragt Anna-Nicole Heinrich, kurz nachdem die EKD-Synode sie in das ranghöchste Laienamt der evangelischen Kirche gewählt hat.
Diese Kontamination ist häufig ("Wie schrecklich dumm muß man sein..."). Logisch wäre: „Wie mutig?“ und die Antwort wäre: „Verdammt mutig“. Auf „wie verdammt?“ könnte man allenfalls antworten „gottverdammt“. Immerhin ist die Theologiestudentin und neue Praeses verdammt mutig, wenn sie solche blasphemischen Ausdrücke nicht scheut. Da kommt sicher noch was, verdammt noch mal!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.05.2021 um 13.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45873

zur Dunkelziffer in Indien und weltweit
(http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45842):

Viel mehr Corona-Tote als gemeldet (FAZ, 7.5.21, S. 6)

Nach Berechnungen amerikanischer Wissenschaftler sind schon weit mehr als doppelt so viele Menschen durch Covid-19 gestorben, als offiziell vermeldet wurden. Wie das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der Universität von Washington in Seattle am Donnerstag berichtete, sind mindestens 6,9 Millionen Corona-Tote zu beklagen und nicht erst 3,3 Millionen. [...] Die Diskrepanzen seien dabei besonders hoch in Ländern mit unzureichender Gesundheitsversorgung wie etwa Indien (654395 Corona-Tote statt 221181) [...]
Deutschland liegt auf Platz 16 (120729 statt 83365 Corona-Tote).

Die Dunkelziffer ist danach in Deutschland anderthalbmal, weltweit doppelt und in Indien dreimal so hoch wie offiziell vermeldet.

Daraus ergibt sich eine Mortalität (Gesamtanzahl Tote pro 100000 Einwohner) von 145 in Deutschland, 88 weltweit und 47 in Indien. Die Mortalität ist also nach dieser Schätzung der Dunkelziffer in Deutschland dreimal so hoch wie in Indien. Selbst die offiziellen Todeszahlen (Mortalität 100) in Deutschland sind noch ca. doppelt so hoch wie die geschätzte Dunkelziffer in Indien und höher als die geschätzte Dunkelziffer weltweit.

Wann rollt endlich die internationale Hilfsaktion für Deutschland an?

Bemerkenswert ist auch, daß die Zahlen, die laut dem FAZ-Artikel "auf Erfahrungswerten" basieren, selbst bei 6-stelligen Gesamtzahlen noch auf den einzelnen Toten genau geschätzt werden können. Alle Achtung!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2021 um 14.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45865

Grammatische Reflexionen sind nicht nur eine Luxusbeschäftigung menschlicher Geistestätigkeit an lauen Sommerabenden, sondern auch ein Stück geistiger Grundhygiene, die man nicht ungestraft vernachlässigen sollte. (Wilhelm Köller, zitiert von Christa Dürscheid)

Sie sind also geistige Grundhygiene, außerdem aber auch eine Luxusbeschäftigung an lauen Sommerabenden, und man sollte die Grundhygiene nicht vernachlässigen (gemeint ist aber wohl dieses Stück, so daß der Anschluß mit „das“ näher läge); aber was bedeutet es, daß man sie nicht ungestraft vernachlässigen sollte? Sollte man gegebenenfalls auch selbst für die Bestrafung sorgen? Oder sollte es „kann“ statt „sollte“ heißen? Jedenfalls wäre etwas mehr grammatische Reflexion bei der Formulierung aus hygienischen Gründen geboten gewesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2021 um 14.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45864

Und umgekehrt.

Jedenfalls muß man sich weiterhin vorsehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.05.2021 um 13.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45863

Ja, ich glaube, ich habe das zwar verkürzt, aber sinngemäß genau wiedergegeben. Die Inzidenz von 400 für die Ungeimpften ist einfach Unsinn.

Zu meinem letzten Satz
"Die Gefahr für einen einzelnen Ungeimpften ist nicht davon abhängig, wie viele der anderen geimpft sind."
möchte ich, um evtl. Mißverständnisse zu vermeiden, noch mal klarstellen:
Das gilt natürlich nur bei einer fest vorgegebenen Inzidenz. Je mehr Geimpfte es anteilig gibt, umso schwieriger wird es natürlich, hohe Inzidenzen zu erreichen, und dadurch sinkt dann auch implizit die Gefahr für Nichtgeimpfte.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.05.2021 um 13.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45862

Im Original hat Lauterbach übrigens gesagt: »Stellen Sie sich mal vor, es ist nur die Hälfte der Bevölkerung geimpft, die andere Hälfte noch nicht, und wir hätten eine Inzidenz – die geht dann [bei zu schneller Lockerung der Maßnahmen] wieder ein bißchen hoch – von 200. Die verteilt sich dann auf die Hälfte der Bevölkerung, die ist dann 400 für diejenigen, die noch nicht geimpft sind. Das heißt, diejenigen, die nicht geimpft sind, die sind in einem riesigen Risiko. Und je kleiner die Zahl derer ist, die noch nicht geimpft ist, bei einer gegebenen … [hier unterbricht ihn Frau Illner, die diese Gedanken offenbar schon wieder zu kompliziert findet und das Ganze abkürzen möchte: ›desto größer ist sie in dieser Gruppe‹] … desto größer ist sie in dieser Gruppe.«
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.05.2021 um 13.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45861

200 von 40 Mio. ist natürlich dasselbe wie 400 von 80 Mio. Aber hier geht es um die Inzidenz, das Verhältnis zu einer festen Zahl, bei uns üblicherweise 100000. Von den 100000 sollten 50000 geimpft und 50000 ungeimpft sein. Eine Inzidenz von 200 bedeutet also in diesem Beispiel, daß 200 von 50000 Geimpften und 50000 Ungeimpften sich infiziert haben. Da sich Geimpfte normalerweise nicht infizieren, ist es das gleiche, wie wenn 200 von 50000 Ungeimpften oder eben 400 von 100000 Ungeimpften infiziert wären. Das wäre dann Inzidenz 400. Auf 100000 Ungeimpfte in einer beliebigen zufälligen Auswahl von 100000 Personen aus der Bevölkerung kommen wir aber nur dann, wenn die gesamte betrachtete Bevölkerung ungeimpft ist. Das heißt, die Inzidenz 400 läge nur dann vor, wenn alle Geimpften das betrachtete Gebiet verließen, aber alle Infizierten blieben. Damit diese erhöhte Inzidenz auch eine entsprechend doppelte Gefährlichkeit entwickelt, müßten die verbliebenen Ungeimpften und Infizierten dann auch auf das halbe Territorium zusammenrücken.

Was Sie mit dem Unterschied meinen, lieber Prof. Ickler, ist wohl der Punkt, daß eine Inzidenz von 200 sicherlich viel schwerer zu erreichen ist, wenn schon die Hälfte der Bevölkerung geimpft ist. Da fehlt ja nicht mehr viel zur sog. Herdenimmunität. Entsprechend unwahrscheinlicher sind hohe Inzidenzen. Aber darum ging es ja nicht, Lauterbach hat einfach mal angenommen, es sei so, um sein Gedankenspiel vorzutragen.

Und dazu muß man nun einmal sagen, daß das Virus nicht weiß, wer in der gemischten Bevölkerung geimpft ist, um sich dann ganz gezielt auf diese Hälfte zu stürzen. Wenn wir von einer Inzidenz 200 ausgehen, ist die Gefahr sich als Ungeimpfter anzustecken, eben so hoch, wie diese Inzidenz besagt. Sie ist direkt ein Maß für die durchschnittliche Ansteckungswahrscheinlichkeit. Die Gefahr für einen einzelnen Ungeimpften ist nicht davon abhängig, wie viele der anderen geimpft sind.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.05.2021 um 13.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45860

Ich denke, man muß zwischen dem (praktischen) individuellen und dem (statistischen) gruppenweiten Ansteckungsrisiko unterscheiden. Wenn in einer Stadt mit 100 000 Einwohnern jede Woche 200 Infizierte dazukommen und diese Infizierten einigermaßen gleichmäßig aufs Stadtgebiet verteilt sind, kann es einem einzelnen Ungeimpften zunächst egal sein, wie viele andere Einwohner schon geimpft sind, solange er sich vorsichtig verhält. Das gilt aber immer, auch bei noch so hohen Inzidenzen. Wer das Haus nie verläßt, ist nicht gefährdet. Bezogen auf die Gruppe der Nichtgeimpften steigt allerdings das Infektionsrisiko bei steigender Impfquote, wenn man es als statistische Größe versteht, die durch die Infektionsquote innerhalb der Gruppe der Nichtgeimpften definiert ist. Unter praktischen Aspekten wäre interessant, warum diese Quote steigt. Dafür kommen verschiedene Gründe in Betracht, beispielsweise nachlassende Vorsicht oder ansteckendere neue Varianten des Virus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2021 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45859

Ich habe das Original nicht gehört, aber im NDR-Podcast wurde eine ähnliche Rechnung angestellt, und ich habe es so verstanden: Wenn wir die Zahl der Infektionen auf die Gesamtbevölkerung umlegen und wenn von dieser schon die Hälfte immunisiert ist, dann ist das Risiko für die ungeimpfte Hälfte doppelt so hoch. Oder: 200 von 40 Millionen sind wie 400 von 80 Millionen. Was ist daran falsch?

Man könnte sogar sagen: Wenn sich trotz Impfung immer noch die 200 anstecken, obwohl sie weniger Kontakte mit Infizierten haben, sollten sie sich doppelt vorsehen.

In unserem Landkreis sind wir endlich wieder unter 100, aber die Zahl ist wie bisher auf die Grundmenge der ganzen Bevölkerung bezogen, auch Kinder und Geimpfte und Genesene eingeschlossen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.05.2021 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45858

Ich wende ja nichts gegen das "könnte" ein, sondern gegen die Schlußfolgerung. Eine Inzidenz über die Hälfte einer durchmischten Bevölkerung ergibt gar keinen Sinn.

Wie gesagt, man müßte räumlich trennen, alle Geimpften nach Norden (-> Inzidenz null), alle Ungeimpften nach Süden (-> Inzidenz verdoppelt).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2021 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45852

Wenn er gesagt hat, das könnte eintreten, ist dagegen ja wenig einzuwenden. Es könnte natürlich auch anders kommen.

Die regionalen Unterschiede könnten sich ausgleichen oder auch nicht. Man hat es ja im Ost-West-Gefälle gesehen, das sich im Laufe eines Jahres umgedreht hat.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.05.2021 um 00.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45850

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gab heute in "maybrit illner" (ZDF) ein schönes Beispiel seiner Rechenkunst:

Wenn die Hälfte der Bevölkerung geimpft ist und wir zu früh alles öffnen, könnte die Inzidenz bald wieder auf 200 steigen, und das sei dann so wie eine Inzidenz von 400 für die ungeimpfte Hälfte.

Ja, in der Tat wäre das so, wenn alle Geimpften sich sofort nach nördlich der Linie Köln-Dresden begeben und alle Ungeimpften südlich davon blieben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2021 um 19.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45847

In Marokko hat eine Frau aus Mali Neunlinge zur Welt gebracht. Das "Symbolbild" zeigt allerdings zwölf Babies. Das kann bei so großen Zahlen schon mal passieren. Wenigstens sind sie hellhäutig wie echte symbolische Berliner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2021 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45842

Durch die Masken und andere Maßnahmen der Kontaktvermeidung ist die Grippe praktisch ausgefallen. Das hat nichts mit der Gefährlichkeit von Corona zu tun. Die britischen Forscher selbst halten "ihre" Mutante für ansteckender und tödlicher.

Was Indien betrifft, so sind die wahrscheinlich sehr hohe Dunkelziffer und die medizinische Versorgung die beiden heiklen Punkte, die das Land von Deutschland ganz wesentlich unterscheiden. Das hat die Weltöffentlichkeit auch verstanden.

Im übrigen kommt es immer auf die Darstellung an. Wenn man ihr die Absicht ansieht, wird es bedenklich. Nur darum geht es mir, nicht um Medizinstatistik, die ich zwar beobachte, aber hier natürlich nicht diskutieren will. Daher meine Aufmerksamkeit auf "Tichy", besonders auch die Zuschriften.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.05.2021 um 20.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45841

zu #45828:

Man muß nicht unbedingt Tichys Einblick sehen. Auch das Statistische Bundesamt ("Pressemitteilung Nr. 202 vom 27. April 2021") weist nach, daß das Coronajahr 2021 bisher zumindest nicht schlimmer war als im Durchschnitt die vier Jahre davor.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/04/PD21_202_12621.html%3Bjsessionid=9724062D24A24B1C0CA52DB382A1E095.live722

Bis KW 5 überwogen danach die Todesfälle 2021, von KW 6 bis KW 14 überwogen die Todesfälle 2017–2020. Insgesamt kommt das Statistische Bundesamt von KW 1 bis KW 15 2021 auf einen minimalen Überschuß von 1 %.

(Das Statistische Bundesamt rechnet allerdings dabei mit den reinen Sterbezahlen ohne Berücksichtigung von Bevölkerungswachstum und Zunahme des Anteils älterer Menschen von 2017 bis 2021. Klar ist, daß sowohl in einer größeren als auch in einer älteren Bevölkerung automatisch auch Todesfälle zunehmen. Um einen Zusammenhang mit Corona herzustellen, müßte das berücksichtigt werden. Tichy macht das anscheinend.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.05.2021 um 01.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45829

Wenn die Todeszahlen in Deutschland weiter so sinken wie in diesen Tagen (aktuell noch 232 Tote pro Tag im 7-Tages-Mittel, Stand 2. Mai), dann haben wir bald sogar weniger Tote als Indien (aktuell 205 Tote pro Tag im 7-Tages-Mittel je 83,3 Millionen Einwohner).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2021 um 17.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45828

Die dritte Corona-Welle war wieder eine Wohltat für Deutschland:

https://www.tichyseinblick.de/meinungen/corona-update-3-mai-das-war-die-dritte-welle/
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.04.2021 um 14.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45740

Betrachten wir den Anstieg in Indien:

03.4.21: 93.207 Neuinfizierte pro Tag (im 7-Tages-Schnitt)
22.4.21: 301.452 Neuinfizierte pro Tag ( " )

d.h. in den letzten 19 Tagen (weil er in diesen 19 Tagen bisher am steilsten war) täglich durchschnittlich 701 mehr Neuinfizierte als am Vortag pro 83 Mio. Einwohner

Zum Vergleich:
In Deutschland betrug dieser Anstieg in den 19 Tagen

19.10. bis 07.11.20: täglich 692 mehr,
07.03. bis 26.03.21: täglich 630 mehr als am Vortag.

Auch die Anstiegszahlen in Indien sind also z. Z. ähnlich, kaum größer als in Spitzenzeiten bei uns. Man muß abwarten, ob sie wie bei uns erfolgreich gebremst werden können. Die vorzeitige Dramatik im Ersten (genauso im ZDF) ist fehl am Platz.

Was die angeblich "tödlicheren" Mutanten betrifft, so lassen die offiziellen Statistiken einen solchen Schluß auch nach jetzt mehreren Monaten und bei inzwischen fast 100%igem Anteil der britischen Virusvariante nicht zu.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2021 um 04.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45729

Letzteres sage ich ja auch immer (z. B. wenn Gewalt gegen Frauen angeprangert wird: Schlimm genug, aber wenn man verdoppelt, was in ganz Europa passiert, kommt man auch auf große Zahlen). Der zitierte Ausschnitt aus der Berichterstattung ist insofern irreführend, als er absolute Zahlen angibt; ich erinnere mich aber, dazu auch die Kurve gesehen zu haben, die eine andere Sprache spricht.

Das Beunruhigende an Indien sind der extreme Anstieg und die neue Variante.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.04.2021 um 20.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45727

Aus der heutigen Tagesschau, 20 Uhr:

In Indien verschärft sich die Coronalage dramatisch. ... Das Land mit seinen mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern ist weltweit mit am schwersten von der Pandemie betroffen. ... Heute vermeldete Indien so viele Neuinfektionen wie weltweit noch nie ein Land zuvor – fast 315.000 innerhalb von 24 Stunden.

315.000 von 1300 Millionen
= 20.000 von 83 Millionen

Dieser indische Spitzenwert entspricht ziemlich genau dem Durchschnitt dieser Tage seit Mitte April und dem Durchschnitt im Nov./Dez. 2020 in Deutschland. Indien ist eben ein großes Land.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2021 um 14.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45709

Rechnen wir – als neutrale Beobachter – mal nach:

Viele sehen Söder als den eigentlichen Sieger, von dessen Gnaden Laschet Kanzler werden kann. Laschet brauchte nur abzuwarten; er kannte seine Pappenheimer und wußte, daß sie ihn nach nur drei Monaten nicht einfach übergehen und einen anderen aufstellen konnten, ohne sich selbst zu erledigen. Das ist auch eine Leistung. Ob er zwischendurch wie ein Häuflein Elend dasaß (wie die SZ meint – mir kommen die Tränen!), ist gleichgültig, der Sieg war ihm sicher. Söder hat natürlich die gleiche Rechnung angestellt und eingesehen, daß er für diesmal nicht gewinnen kann. Sein rechtzeitiger Rückzug wird als noble Geste wahrgenommen und wird sich auszahlen, auch wenn gar kein Verdienst darin lag.

Söders Rückzug ist auch kein „großer Vertrauensbeweis“, wie Laschet sagt, aber bestimmt nicht meint (ebenso wie das gute persönliche Verhältnis zwischen Söder und ihm; niemand glaubt es ihm).

Ein großer Teil der Union gibt zu verstehen: Jetzt müssen wir mit Laschet durch dick und dünn, auch wenn wir ihn nicht wollten. "Gewinnen werden wir nur, wenn wir als Union geschlossen auftreten." (Kuban, JU) – Aber diese innerparteiliche, noch dazu erzwungene Einigung auf das kleinste gemeinsame Übel ist für den Wähler so bedeutungslos wie bei früheren Einigungen (auch bei anderen Parteien). Schon purzeln die Umfragewerte.

Man sagt jetzt, Merkel hätte den Parteivorsitz nicht abgeben dürfen – aber was ist das für eine Partei, in der es keinen kompetenten Nachfolger für die Vorsitzende gibt? Dann haben sie es wirklich nicht anders verdient, als es mit AKK und Laschet gekommen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2021 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45696

Noch einmal zu Vitamin D:

In den Gesundheits-News von Google gibt es manchmal eine Pause, aber dann wird das Pferd "Vitamin D" weitergeritten. Unter den verlinkten Texten steht dann die Werbung für Vitamin-D-Präparate. Kein Thema außer Corona selbst (wogegen es helfen soll oder auch nicht) beherrscht die Rubrik so ausdauernd.:

Frau Ciesek hat gestern im Podcast die Dinge zurechtgerückt. Nur wenigen Menschen, bei denen ein Mangel festgestellt worden ist, hilft zusätzliches Vitamin D.
 
 

Kommentar von tk, verfaßt am 19.04.2021 um 15.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45691

Sie „dürfen“ sie natürlich nicht vorlassen, da damit ja auch alle, die in der Schlange hinter Ihnen stehen, benachteiligt werden, aber Sie dürfen selbstverständlich den Platz mit ihr tauschen, wenn Sie nur sicherstellen, daß die Vordränglerin am Schalter nicht mehr Zeit verbringt als Sie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2021 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45685

Eine Journalistin (das Geschlecht ist hier wichtig) schreibt über die Empörung von Leuten über Dinge, denen gar kein persönlicher Schaden entstanden ist. Beispiel: Eine Schlange vor dem Postschalter. Die Frau will nicht warten, geht gleich zur Spitze vor und bittet den nächsten, der dran ist, ihr ein Heftchen Briefmarken mitzubringen, und will ihm das Geld geben. Der lehnt ab, fordert sie auf, sich hinten anzustellen, ebenso der nächste und übernächste. Über deren Empörung empört sie sich in dem Zeitungsartikel.
Der Auftrag an den Mann läuft auf das gleiche hinaus wie ein körperliches Vordrängen. Es würde die ganze Schlange um eine gewisse Zeit aufhalten – es spielt hier keine Rolle, wie lange. Mir ist das schon oft passiert. Es würde mir wenig ausmachen, eine Frau vorzulassen (es sind immer Frauen; sie behaupten es eilig zu haben, später sieht man sie gemütlich auf der Straße plaudern – in Erlangen hat es sowieso niemand eilig), aber ich habe Skrupel, meine Großzügigkeit der ganzen ungefragten Schlange hinter mir abzuverlangen. Darum folge ich seit Jahren der Maxime: Ich dränge mich nie vor und lasse auch niemanden vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2021 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45676

Zu „Kreuth“:

Im Machtkampf um die Unions-Kanzlerkandidatur mahnt der nordrhein-westfälische CDU-Politiker Dennis Radtke CSU-Chef Markus Söder, endlich einzulenken und CDU-Chef Armin Laschet den Vortritt zu lassen – andernfalls könnte die CDU einen Landesverband im CSU-Stammland Bayern gründen. "Wenn Söder die Kanzlerkandidatur erzwingen will, wenn er die CDU zerstören will, dann darf die Gründung der CDU in Bayern kein Tabu mehr sein", sagte Radtke dem ZDF. (n-tv.de 17.4.21)

Wer zerstört hier die CDU?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2021 um 00.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45675

CDU und CSU hätten sich schon längst darauf einigen sollen, wie der gemeinsame Kandidat bestimmt wird. Gleiche Chance für beide heißt eigentlich aufgrund der Mitgliederzahlen, daß spätestens nach drei Kandidaturen der CDU einmal die CSU dran ist. Man könnte es vielleicht auch an der Wählerzahl festmachen, das habe ich nicht nachgerechnet, wird aber wohl auf ein ähnliches Verhältnis hinauslaufen.

Seit 1949 hat die CDU aber schon 17 Kanzlerkandidaten gestellt, die CSU erst zwei.

Die CDU hatte vier Kanzler mit insgesamt 13 Amtszeiten, die CSU noch keinen, was m. E. nicht nur an den Kandidaten lag. Kohl und Merkel haben Strauß und Stoiber recht clever den Vortritt gelassen, als die Zeit zum Wechsel eh noch nicht reif war, um dann jeweils vier Jahre später unter verbesserter politischer Stimmungslage die verbrauchten Kandidaten leicht abzuschütteln.

Vielleicht war auch das Glück etwas mehr auf CDU-Seite, aber egal, wer aus Gründen der Chancengleichheit diesmal für die Union kandidieren sollte, darüber gibt es aus meiner Sicht gar keinen Zweifel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2021 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45667

Man hört jetzt auch, die CDU habe als größere Partei das "Vorgriffsrecht" bei der Kanzlerkandidaten-Frage. Das ist natürlich doppelter Unsinn.
CDU und CSU konkurrieren vereinbarungsgemäß nicht miteinander, folglich wäre es richtiger zu sagen: Es gibt die Union in allen Bundesländern, nur in Bayern heißt sie CSU. Bei der Besetzung des Kanzleramts müssen alle die gleiche Chance haben, sonst wäre "Kreuth" die logische Folge.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.04.2021 um 23.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45636

Wie man liest, argumentieren Unionsabgeordnete, die um ihr Mandat bangen, Laschet wäre vielleicht der bessere Kanzler, Söder sei aber sicher der bessere Wahlkämpfer. Wenn das stimmt, dann soll doch Söder den Wahlkampf machen und Laschet den Kanzler. Das Grundgesetz kennt keine Kanzlerkandidaten, und der Bundestag wählt den Bundeskanzler mit Mehrheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2021 um 20.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45633

Die Konstruktion "CDU/CSU" (zwei Parteien, aber eine Fraktion) war immer prekär und führt gelegentlich zu Zwickmühlen. Die CDU kann ihren Vorsitzenden kaum übergehen, auch wenn sie ihn nicht für den besten Kanzlerkandidaten hält (vielleicht auch deshalb, weil schon seine Wahl zum Vorsitzenden eine Verlegenheitslösung war). Das würde bedeuten, daß nie ein CSU-Kanzler möglich wäre. Das wäre aber auch nicht gerecht.
Ich sehe nur eine Lösung: Angesichts von Umfragewerten müßte der Kandidat der CDU verzichten. Natürlich kann Söders Stern schnell sinken, aber das ist noch unwahrscheinlicher als daß Laschets Stern steigt. Ich sehe nur Verlierer. Dann müßten wohl die Grünen ran. Wer hätte das gedacht!
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 04.04.2021 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45575

Was soll der Blick ins Ausland in diesem Fall bringen? Die Frage in meinem Beitrag ist vor allem, ob man R < 0,01 im Einzelhandel für zutreffend hält und was daraus folgen müßte: Schließung ist kropfunnötig, wenn nicht sogar kontraproduktiv. Maske würde genügen, fertig. Sicherheitshalber noch eine Obergrenze für die Kundendichte: noch besser. Viel wirksamer wären Ausgangssperren über Nacht, weil sie die gefährlichen privaten Treffen immerhin zum Teil unterbinden. Aber gerade davor schreckt die Politik zurück. Das ist doch alles hirnrissig.

Warum wird R < 0,01 im Einzelhandel überhaupt nicht diskutiert? Im Blick auf diesen Punkt haben die Querdenker sogar recht, wenn sie behaupten, Politiker und Medien wollten den Menschen nur Angst einjagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2021 um 07.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45572

Starke Worte. Ein Blick aufs Ausland wäre nützlich. Überhaupt versucht man von Beginn an viel zu selten, von verschiedenen Erfahrungen anderer Länder zu lernen.

Es ist eine außergewöhnliche Situation, und ich halte "den Politikern" zugute, daß sie überwiegend nach Lösungen suchen, wobei eine gewisse Paschaulisierung ("Kontakte vermeiden") schon zu rechtfertigen wäre, auch wenn sie ungerechte und wirkungslose Seiteneffekte hat.

Damit will ich aber die Zersplitterung der Kompetenzen so wenig rechtfertigen wie die Profilierungssucht einzelner. Nur helfen Wutausbrüche nicht weiter.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 04.04.2021 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45571

Ich habe schon vor zwei Wochen etwas Handfestes gefunden, was meine Kritik an der Coronapolitik bezüglich der Strangulierung des Einzelhandels untermauert. Es handelt sich um den "MODUS-COVID-Bericht" von Kai Nagel et al.: https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/12878 (Download unten).

Kai Nagel ist nicht irgendwer, und er erfindet nicht einfach irgendwelche Werte, auch wenn die Modellierung mit gewissen Vorbehalten betrachtet werden muß. Auf Seite 16 wird jedenfalls die enorme Wirkung von FFP2-Masken in Zahlen ausgedrückt: Senkung des Beitrags zum R-Wert im Einzelhandel von 0,10 auf <0,01. Und zwar angeblich sogar ohne Begrenzung der Kundendichte (Personen pro Ladenfläche). Hingegen tragen "Besuche/Treffen innen (Winter) ohne Schutzmaßnahmen" 0,60 zum R-Wert bei, und zwar sogar dann, wenn "Restaurants geschlossen und Feiern verboten" sind.

Wer würde denn etwas anderes erwarten? Tag für Tag treffen sich einige Millionen Menschen in Deutschland privat, kreuz und quer. Teils haben diese Personen gleich mehrere solche Treffen pro Tag, teils mit vielen anderen. Typischerweise ohne Maske und mit wenig bis keinem Abstand. Das sind also viele Millionen ungeschützte Kontakte, jeden Tag! Wer wollte bezweifeln, daß auf diese Weise viel mehr Infektionen übertragen werden als im Einzelhandel, also mit Maske und mit Abstand? Wie viel mehr sind es? Wenn es 100-mal mehr sind und 0,60 für den privaten Bereich zutrifft, dann wären es 0,006 im Einzelhandel. Ich würde allerdings eher darauf tippen, daß das Verhältnis 300:1 oder 600:1 ist. Wenn diese Annahme sowie die 0,60 für die privaten Treffen stimmen, betrüge der R-Beitrag im Einzelhandel sogar nur 0,002 bzw. 0,001.

Was bedeutet das für die Bemühung, den R-Wert zu senken? Es bedeutet, daß der R-Wert durch Schließung oder Einschränkung des Einzelhandels so gut wie überhaupt nicht gesenkt werden kann. Schon gar nicht durch solche krassen Gängelungen wie "Terminshopping" oder Einkaufen nur mit negativem Test. Die wochen- und monatelange Schließung des Einzelhandels war schlicht für die Katz.

Die Politiker können es aber, schon aus Gewohnheit und nach dem Prinzip des gegenseitigen Nachplapperns, nicht lassen, den Einzelhandel permanent als Gefahrenquelle zu skandalisieren und zehntausend, wenn nicht hunderttausend Geschäfte in den Ruin zu treiben. Mit einer rationalen, wissenschaftlich begründeten Pandemiebekämpfung hat das nichts zu tun. Wenn alle Kontakte so aussähen wie im Einzelhandel, wäre das Virus sehr schnell ausgestorben. Und wer ein, zwei Stunden lang einkauft, geht in dieser Zeit schon mal keine riskanten Begegnungen ohne Maske ein.

Der entscheidende Bereich sind also diese privaten Treffen. Diese um wenige Prozent zu reduzieren würde viel mehr bringen als die Schließung des Einzelhandels. Sollte das etwa nicht möglich sein? Es wäre wohl schon allein dadurch möglich, daß man die Leute ausgiebig shoppen läßt, so daß in dieser Zeit keine privaten Treffen stattfinden!

Die Politiker mit ihren ständigen Aufforderungen zur Disziplin vergessen auch, daß sie denkbar schlecht geeignet sind, das Volk zu ermahnen. Millionen Bürger halten Politiker schlicht für Lügner, Heuchler und eitle Selbstdarsteller, womit sie ja nicht so falsch liegen. Politiker erreichen mit ihren Reden zwar brave Bürger, also jene, die sich nach nur wenig Aufklärung schon korrekt verhalten. Gerade die Undisziplinierten, die alles kaputtmachen, erreichen die Oberlehrer nicht, egal ob es Politiker sind oder illustre Professoren wie ein Lothar Wieler. Wieso spannt man nicht schwerpunktmäßig andere Multiplikatoren ein, die in den relevanten Zielgruppen mehr Anerkennung und Einfluß haben? Das könnten zum Beispiel Imame in den Moscheevereinen sein, aber vor allem auch jene beliebten Schauspieler oder Musiker, die in den sozialen Medien hunderttausend Follower erreichen.

Zurück zu den <0,01 R-Beitrag im Einzelhandel. Seit zwei Wochen scheint kein Politiker diese Zahl aufzugreifen, um daraus die naheliegenden Schlüsse zu ziehen. Keine Diskussion, keine Thematisierung, nichts. Nach meinem Eindruck werden die <0,01 auch von den "Experten" und den Medien gezielt verschwiegen, damit die Politiker ja nicht auf die Idee kommen sollen, den Einzelhandel zu öffnen. Immer schön schließen, immer schön warnen, verbieten, totregulieren, egal ob das etwas bringt oder nicht. Für mich ist das alles ein ungeheurer Skandal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2021 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45564

´It is so easy to condemn,´ said he. ´I know no life that must be so delicious as that of a writer for newspapers, or a leading member of the opposition — to thunder forth accusations against men in power; show up the worst side of everything that is produced; to pick holes in every coat; to be indignant, sarcastic, jocose, moral, or supercilious; to damn with faint praise, or crush with open calumny! What can be so easy as this when the critic has to be responsible for nothing?´ (Trollope: Barchester Towers, 1857)

Trollope stellt an mehreren Stellen die Allmacht der Zeitung „Jupiter“ dar (gemeint ist die „Times“). Gerade in der Corona-Krise wundert man sich ja oft, wie rabiat Journalisten und Leserbriefler über Politiker urteilen, denen sie größtenteils das Wasser nicht reichen können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2021 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45563

Die Prediger des Lockdown beherrschen Politik und Medien. Aber sie haben weder Medizin, Wissenschaft noch Logik auf ihrer Seite. Sie erinnern an Bußprediger des Mittelalters. Warum man diesem Treiben Einhalt gebieten muss. (Roland Tichy 3.4.21)

Querer geht es nicht. Als die Inzidenz vor einigen Wochen wieder anstieg, forderte Tichys 18jähriger Wadenbeißer, sofort alle Maßnahmen gegen Corona aufzuheben. Auch das fand seine Gemeinde wunderbar.

Ganz Schlaue stellen dort fest, daß die vierte Phase der Impfstoffprüfung, nämlich die tatsächliche Impfung von vielen Millionen Menschen, ein „Massenexperiment“ ist. In der Tat, so ist es definiert. Übrigens ist jede Maßnahme gegen Corona und jede Lockerung ebenfalls ein Massenexperiment.
Gerade wird bekannt, daß Portugal nur durch strengen Lockdown von seinen schlimmen Inzidenzen heruntergekommen ist. Ähnlich GB und andere. Das ist sonnenklar, aber nicht quer genug.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2021 um 06.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45561

Daß nur sehr wenige Menschen sich in Gastwirtschaften ansteckten, relativiert sich, wenn man berücksichtigt, daß die Gastwirtschaften mehr oder weniger geschlossen sind. Ich gehe zwar so gut wie nie in Gastwirtschaften, aber immerhin haben wir vor einem halben Jahr die Hochzeit unserer Jüngsten gefeiert, was nicht ganz einfach war.

Die Nichtdenker tun so, als hinderten uns nur die Politiker daran, "normal" zu leben. Wir müssen überhaupt vieles lernen:

Wenn Deutschland wegen Corona Schulden macht, ist es eine Katastrophe.
Als Trump für seine Milliardärsfreunde Schulden machte, war es okay.
Wenn Biden wegen Corona Schulden macht, ist es eine Katastrophe.

Die Corona-Pandemie gibt es gar nicht.
Impfen schadet mehr, als es nutzt.
Die Verzögerungen beim Impfen sind ein Skandal.

Alles zusammen beweist Merkels Absicht, Deutschland abzuschaffen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.03.2021 um 23.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45533

Ich habe immer viel Respekt vor Leuten, die frei sprechen können wie gedruckt. Darum verzeihe ich beim freien Sprechen auch jeden versehentlichen sprachlichen Fehler. Mir selbst würden noch mehr unterlaufen. Das folgende ist also nicht als Kritik an der Kliniksprecherin zu verstehen, sondern es gehört einfach zur allgemein sehr häufigen unnötigen oder falschen Benutzung von Modalverben (siehe auch das entspr. Thema im Diskussionsforum):

Das Wort "mußten" ist für diese Aussage völlig überflüssig, genaugenommen verfälscht es sie sogar. Es spielt keine Rolle, ob die Patienten intensivtherapeutisch behandelt werden mußten oder nicht. Hier ging es ganz offenbar nur darum, ob sie intensivtherapeutisch an dieser Klinik behandelt wurden.

Das ist ja auch das eigentliche sprachliche Kopfrechnen (neben dem Kopfrechnen mit Zahlen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2021 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45532

„Von den zirka 110 bisherigen COVID-19-Patienten, die im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum intensivtherapeutisch behandelt werden mussten, hatten weniger als 1 Prozent einen Migrationshintergrund“, so Kliniksprecherin Anke Brauns zum Nordkurier. (Nordkurier 3.3.21)

Wie viele könnten das gewesen sein?

(Die AfD fragt immer wieder, wie viele Migranten in unseren deutschen Intensivbetten liegen. Es erinnert an die „Judenzählung“ im Ersten Weltkrieg und danach.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2021 um 09.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45530

Ich möchte nicht immer dasselbe sagen, darum nur ein Hinweis auf den Beitrag "Bessere Chancen für Covid-Patienten" in der heutigen SZ (zu Intensivmedizin, Alterskohorten, B 1.1.7 usw.).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.03.2021 um 14.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45526

Was wäre aber die Mainstream-Wissenschaft, wenn sie Zahlen nicht ernst nähme?

Natürlich möchten wir am liebsten keine Rechtsradikalen haben, aber der ständige Ärger darüber, daß sie besser schreiben und rechnen können, als viele Mainstream-Wissenschaftler und -Politiker, hilft uns doch auch nicht weiter.

Von einer Aussage wie 2+2=4 brauchen wir uns nicht zu distanzieren, nur weil sie mal ein Radikaler traf. Wir sollten uns m. E. nicht so um Radikale, sondern um die Fakten kümmern. Und wenn schon um Radikale, dann um das, was sie radikal macht. Ihre Rechtschreibung und ihre Mathematik haben damit nichts zu tun.

Wir sehen zur Zeit, daß die Inzidenzen wieder stark steigen.
Gleichzeitig steigt der Anteil an Virusmutanten.
Gleichzeitig sinken die Todeszahlen seit Jahresbeginn ständig.

Letzteres ist nun wirklich sehr bedenklich für die Moral der Menschen, deshalb werden die Todeszahlen im täglichen Bericht der Tagesschau gar nicht mehr genannt. Im ZDF werden sie zwar noch genannt, aber nur noch absolut, nicht mehr im Vergleich zur Vorwoche, wie bei den Inzidenzen. So springt das markante Sinken der Todesfälle nicht so sehr ins Auge.

So konnte neben den Mainstream-Wissenschaftlern nun auch die Kanzlerin das etwas weniger auffällige Sinken der Todeszahlen mit den Worten kommentieren, die neue Virusvariante sei tödlicher als die alte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2021 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45519

Das Hochschnellen der Inzidenzen läßt die Nichtdenker in meinen rechtsradikalen Lieblingsmedien vorübergehend verstummen; sie beschäftigen sich jetzt mit anderen Problemen unseres schönen christlichen Abendlandes. Aber ihre Rechenkünstler werden uns schon bald beweisen, daß alles nur ein falcher Zahlenzauber ist. Kürzlich hat ein "einsamer Mathe-Student" es mit Drosten und Co. aufgenommen, und er hat selbstverständlich recht, wie alle Außenseiter und Einzelkämpfer. Bloß nicht glauben, was die Mainstream-Wissenschaft sagt!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.03.2021 um 04.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45492

Ich kenne naturwissenschaftlich ausgebildete Menschen, die steif und fest behaupten, die Corona-Impfungen seien Massenexperimente mit unzulänglich getesteten Impfstoffen. (Oft leugnen sie sogar die Krankheit.) Inzwischen läuft die "vierte Phase" der Impfstoffprüfung, also die Beobachtung von Millionen tatsächlich Geimpften. Erst dabei treten die wirklich seltenen Nebenwirkungen auf, die sich bei rund 30.000 Probanden naturgemäß nicht beobachten lassen. Frau Ciesek hat gestern im NDR-Podcast erklärt, welche Zusammenhänge in Frage kommen. Immunologie und Blutgerinnung sind allerdings besonders kompliziert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2021 um 20.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45490

In vielen anderen Ländern ist man nicht der Meinung, daß die (z. T. viel härteren) Maßnahmen gegen Corona schlimmer sind als die Krankheit selbst.

Aber wohin soll diese Diskussion führen? Ich sehe unterm Strich nur, daß der Verdacht auf ein Verschweigen von Daten nicht begründet werden kann. Es fehlt offensichtlich das Motiv.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.03.2021 um 19.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45489

Jetzt habe ich doch etwas bei Ihnen, lieber Herr Metz, überlesen, was gegen Ende Ihres ersten Absatzes klarer wird. Sie meinen natürlich, Schnelltests sind sehr schwer zählbar, schwerer als es bei mir anklang.
Na ja, Möglichkeiten gäbe es schon, nicht alle Schnelltests werden individuell verkauft. Man könnte über Umfragen einen Näherungswert ermitteln. Die meisten Schnelltests werden wohl immer noch von offiziellen Stellen ausgeführt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.03.2021 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45488

Lieber Herr Metz, jetzt weiß ich tatsächlich nicht, in welche Richtung Sie die "Untertreibung" sehen. Meinen Sie, Schnelltests seien nicht schwer, sondern sehr schwer erfaßbar, oder meinen Sie, sie seien in Wirklichkeit auch gut erfaßbar?
Negative Ergebnisse von Schnelltests sind übrigens zehnmal sicherer als positive, deshalb wird man den gegenteiligen Effekt fast außeracht lassen können.
Wie auch immer, grundsätzlich, was die Probleme mit Schnelltests betrifft, stimme ich Ihnen zu.

An irgendwelche Verschwörungen glaube ich nicht. Ich glaube nur an Fakten. Und skeptisch gegenüber den offiziellen Zahlen bin ich auch nicht. Ich selbst verwende nur die offiziellen Zahlen des RKI und des Statistischen Bundesamtes.

Ansonsten ist mir allerdings jede gesunde Skepsis sozusagen angeboren. Ich bin grundsätzlich skeptisch gegenüber allem, was ich nicht selbst geprüft habe. Nun gut, ich rechne nicht schriftlich nach, was mir der Taschenrechner anzeigt, deshalb rede ich hier von gesunder Skepsis.

Wenn also ein Wissenschaftler behauptet, die neue Virusmutation sei tödlicher als bisherige, und die Bundeskanzlerin sagt gestern abend das gleiche, dann möchte ich schon gern wissen, wie sie darauf kommen, zumal die offiziellen Zahlen bisher das Gegenteil nahelegen. Da bleibe ich dann so lange skeptisch, bis ich entweder bestätigt oder widerlegt bin.

Dann gibt es da noch die Fakten, die zwar feststehen, aber individuell unterschiedlich bewertet werden. Daß z. B. die coronabedingte Übersterblichkeit 2020 gegenüber dem Durchschnitt der vier Vorjahre maximal 2% betrug, ist ein unumstößlicher Fakt, den kann niemand widerlegen, außer er ignoriert die offiziellen Statistiken. Hierzu hat selbst das Statistische Bundesamt über seine eigenen Zahlen schon anderes geschrieben. Das tut mir leid, aber auch wenn das Statistische Bundesamt 2+2=5 behauptete, würde ich auf 4 bestehen.

Etwas anderes ist es allerdings, wenn jemand sagt, diese 2% Übersterblichkeit sind eine reine Katastrophe. Da kann ich nicht widersprechen, da kann ich nur sagen, ich finde es auch schlimm. Aber ich kann meinerseits sagen, daß ich die getroffenen Einschränkungen dennoch für unverhältnismäßig schlimmer halte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2021 um 15.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45487

Alle Vergleiche zwischen Regionen und Zeiträumen sind wertlos ohne Berücksichtigung der Altersgruppen.

Über das fehlende Motiv für "Verschleierungen" braucht man dann erst gar nicht zu reden.

Ich sehe leider den Hoffnungsschimmer nicht. Wir müssen Kontakte einschränken und impfen, etwas anderes gibt es nicht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.03.2021 um 14.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45485

Herr Riemer, Sie hatten geschrieben: »Aufklärung könnte es bringen, wenn nicht nur die Anzahl positiver, sondern auch die Gesamtanzahl der Tests veröffentlicht würde.« Wenn Sie damit die PCR-Tests gemeint haben, sind diese Zahlen wie gezeigt verfügbar. Wenn Sie auch die Schnelltests mit einbeziehen möchten, wird die Sache sehr wacklig. Sie haben selbst geschrieben, daß diese Tests nur schwer erfaßbar sind, was ich für eine Untertreibung halte. Schnelltests können einerseits zu mehr PCR-Tests führen, weil die Leute, wie Sie zutreffend sagen, sich »richtig« testen lassen, wenn der Schnelltest ein positives Ergebnis gezeigt hat. Der gegenteilige Effekt ist aber auch denkbar, denn wegen der höheren Fehlerquote von Schnelltests lassen sich vermutlich einige bei negativem Ergebnis nicht mehr PCR-testen, was sie ohne Schnelltest vielleicht getan hätten. Bei leichtem Verlauf kommt dann nie ans Licht, daß sie positiv sind. Ich denke auch, daß der Anteil der unbrauchbaren Testergebnisse infolge unsachgemäßer Handhabung bei den Schnelltests viele Male höher ist als bei den Labortests. Man weiß auch nicht, wie viele der verkauften Schnelltests tatsächlich benutzt worden sind. Und so weiter.

Würde das RKI Ihren Text, in dem Sie den möglichen Einfluß der Schnelltests auf die Fallzahlen beschreiben, wörtlich übernehmen, wären Sie wahrscheinlich immer noch nicht zufrieden und würden das als weiteren Beleg für »Verschleierung« werten. Ich frage mich, woher Ihre tiefe Skepsis gegenüber allen offiziellen Zahlen und Zahlendeutungen herrührt. Glauben Sie wirklich an eine große Verschwörung von machthungrigen Politikern, sensationslüsternen Medien und geltungsbedürftigen Behördenchefs, Virologen und Krankenhausfunktionären?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.03.2021 um 13.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45484

Die Zahlen, die das RKI auf diesen Seiten veröffentlicht, helfen leider kaum weiter.
Es ging mir ja um zwei Dinge:

1.)
Sorgt die britische Virusmutation für einen schwereren Krankheitsverlauf, wie Prof. Meyer-Hermann behauptet?

Dazu müßte man Krankheits- und Sterblichkeitsstatistiken haben, auch nach Alter aufgeschlüsselt, wie sie bereits für das allgemeine Corona-Virus verfügbar sind, jedoch jetzt getrennt nach Mutationen. Solche Statistiken habe ich noch nicht gesehen. Jedoch die stark sinkende Todesrate (um 75% innerhalb der letzten 5 Wochen!) bei mehr als verdoppeltem Anteil der brit. Mutation (auf bereits ca. 70%) deuten auf das Gegenteil hin.

2.)
Hängen steigende Infektionszahlen mit steigenden Testzahlen zusammen, d.h. steigt das Infektionsgeschehen nur scheinbar, weil mehr getestet wird?

Zugegeben, die Anzahl der kostenlosen Antigen-Schnelltests, die in letzter Zeit stark zugenommen haben, ist schwer zu erfassen. Aber wenn das RKI sie einfach verschweigt und auf seinen Seiten nur allgemein von "Tests" spricht, damit aber in Wirklichkeit nur PCR-Tests meint, dann sieht auch das wieder nach Verschleierungstaktik aus.
Es ist doch klar, wenn eine nicht unwesentliche Anzahl Menschen mit Schnelltests schon vorgetestet ist und nur diejenigen von ihnen zum PCR-Test gehen, die im Schnelltest positiv waren (und genauso ist das Prozedere mit Schnelltests!), dann erhöht sich dadurch die Positivrate der PCR-Tests. Wenn sich nun zusätzlich auch die Anzahl der PCR-Tests erhöht, dann weiß man wieder nicht, ob die Erhöhung nur scheinbar ist (wegen mehr Tests), oder ob es tatsächlich mehr Ansteckungsfälle gibt.
Diese Zahlen sind also nur sehr bedingt verwertbar.
Das einzig solide und verläßliche sind auch hier, wie gesagt, die zuletzt stark gesunkenen Todeszahlen, die auf eine allgemeine Entspannung hindeuten.

Meiner Ansicht nach wirken sich die Impfungen sowie auch die britische Mutation bereits günstig aus: Weniger Tote und weniger Infektionen wegen der Impfungen, leider insgesamt mehr Infektionen, aber leichterer Verlauf, auch weniger Tote wegen der Mutation. Das sind gute Anzeichen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.03.2021 um 09.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45482

Klar gibt es diese Zahlen. Das RKI veröffentlicht sie jeden Mittwoch:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Testzahlen-gesamt.html

(Positivenanteil in der Excel-Tabelle unter dem Reiter »Testzahlerfassung«)

Siehe auch hier:

https://de.statista.com/infografik/22496/anzahl-der-gesamten-positiven-corona-tests-und-positivenrate/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2021 um 04.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45480

Ich weiß nicht, ob es die Zahlen, die Sie sich wünschen, "nicht gibt", und kann auf die Einzelheiten nicht eingehen. Aber warum sollte etwas verschwiegen werden? Manchmal bedauert auch Drosten die Vernachlässigung gewisser Forschungsfragen (auch der Sequenzierung), aber daß eine Absicht dahintersteckt, haben weder er noch die Modellierer außerhalb der Virologie je unterstellt. In rechten Kreisen steht fest, daß Corona ein weiteres Instrument unserer Diktatorin aus dem Osten ist, um ihre Macht zu sichern (nicht sehr plausibel, wo sie doch in wenigen Monaten abtritt), aber damit haben wir doch nichts zu tun.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.03.2021 um 02.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45479

Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig sagte am 22.3.21 im Interview der Tagesthemen, es sei unstrittig, daß die neue britische Variante des Coronavirus eine höhere Todesrate mit sich bringe.

Das sagt er, obwohl sich die Corona-Ansteckungen seit 15. Februar bis heute ungefähr verdoppelt und die Todesfälle dabei etwa halbiert haben. Das bedeutet immerhin einen Rückgang des Anteils der Todesfälle um 75%! Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der britischen Variante an allen Infektionen von 27% auf jetzt ca. 70%.

Detaillierte Zahlen habe ich leider im Moment nicht. Aber an der recht legeren Behauptung von Prof. Hermann wage ich dennoch zu zweifeln. Dieser Rückgang von Todesfällen um 75% soll allein den Impfungen von vorrangig Über-80jährigen trotz höherer Todesrate zu verdanken sein?

Die offizielle Inzidenz hat sich, wie gesagt, seit Mitte Februar fast verdoppelt. Inzwischen gibt es viele kostenlose Schnelltests. Wer kann sagen, ob nicht jetzt nur durch das häufigere Testen viel mehr Infektionen entdeckt werden? Die erstaunliche gleichzeitige Halbierung der Todeszahlen scheint u. a. auch das anzudeuten.

Aufklärung könnte es bringen, wenn nicht nur die Anzahl positiver, sondern auch die Gesamtanzahl der Tests veröffentlicht würde. Warum gibt es diese Zahlen nicht? Warum werden solche Fragen nicht öffentlich beantwortet? Es bleibt immer der Eindruck, daß etwas verschwiegen wird. Vertrauen schaffen ginge anders.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2021 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45476

Der Verhaltensbiologe Martin Wikelski wird nie seine Meinung aufgeben, daß manche Tiere ein Erdbeben im voraus spüren und durch ihr Verhalten ankündigen. Mathematiker haben nachgewiesen, daß die Statistik fehlerhaft ist, aber das ficht ihn höchstwahrscheinlich nicht an. Seine Ausreden ähneln denen der Astrologen, Homöopathen usw. (Bericht in FAS 21.3.21) Diese Beobachtung ist unabhängig davon, daß ein solches Gespür nicht auszuschließen ist – man hat es nur bisher nicht nachgewiesen.
Interessant ist das Psychologische. Man sollte auch meinen, daß in solchen naturwissenschaftlichen Fragen das Leibnizsche „calculemus!“ greift, aber das ist in keiner Wissenschaft der Fall. (Sogar die Mathematiker selbst streiten, allerdings wohl mehr über die Philosophie ihrer Wissenschaft.)
Die Frage ist angesichts der Querdenker, Verschwörungstheoretiker, QAnonisten, Coronaleugner, Impfgegner, Klimaskeptiker virulent. Nach meiner langjährigen Erfahrung ist es nicht möglich, mit ihnen vernünftig zu reden. Noch nie in der Weltgeschichte hat sich einer von seiner Meinung abbringen lassen.
Ein Sonderfall, der mir näherliegt, sind mentalistischen Psychologen und Philosophen, die gegen alle Naturalisierungsversuche zum Schluß den Qualia-Trumpf aus dem Ärmel ziehen, also die vermeintliche Evidenz der Erlebnisperspektive, des Subjektiven („daß es sich irgendwie anfühlt...“). Da kann man dann nur noch seine Siebensachen packen und weggehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2021 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45475

Ich stimme Ihnen in jeder Hinsicht zu, bin ja auch immer ein Vertreter strengster Maßnahmen (No-Covid) gewesen und bin es heute mehr denn je. Meine Vermutung betraf den Grenznutzen, und ich muß auch sagen, daß ich die Experimente (mit Apparaten, die das Atmen usw. simulieren, standardisierten Räumen usw.) skeptisch beurteile, was die realistische Nachbildung des Alltags betrifft.
Wir unterhalten uns jeden Tag über diese Frage. Bei unseren Wanderungen (zwei Stunden jeden Vormittag) kommen uns Spaziergänger und schnaufende Jogger entgegen, die meisten rücksichtslos. Meine Frau weicht manchmal auf andere Wege aus, während ich bloß ein oder zwei Schritte beiseite trete. Wir wissen nicht, wie hoch die Ansteckungsgefahr im Vorübergehen ist, was der Wind bewirkt usw. Niemand scheint das zu wissen. Aber ich will mich natürlich auf keinen Fall anstecken (ich werde bald 77, der nächste Enkel wird in wenigen Tagen erwartet...).

(Die Bilder von den Querdenkern in meiner zweiten Heimat Kassel lassen mich an der Menschheit zweifeln.)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.03.2021 um 09.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45452

Herr Ickler schrieb an anderer Stelle:

"Ich möchte hier noch eine alte Vermutung loswerden: Die Ersetzung von billigen, waschbaren Stoffmasken durch FFP2-Masken hat wahrscheinlich keinen so großen Zusatznutzen gebracht, daß der Milliardenaufwand sich gelohnt hätte. Das Abfangen von Tröpfchen war in der ersten Welle wirksam genug, die Aerosole, von denen jetzt auch nur ein Teil in die FFP2-Maske geht, verursachen nur wenige Zusatzinfektionen. In der Klinik werden, wie ich höre, auch die einfachen OP-Masken getragen, nur in besonderen Situationen die anspruchsvolleren, unter denen man es auch nicht den ganzen Tag aushält. (Manche Kolleginnen meiner Tochter haben schon einen Kreislaufkollaps erlitten.) Ob der Grenznutzen schon berechnet worden ist?"

––

Der wichtigste Unterschied, den eine Maske bringt, ist das Abfangen von Tröpfchen. Insoweit ist es fast egal, welche Maske, das stimmt. Aber es gibt schon relevante Leistungsunterschiede zwischen den Maskentypen.

Wenn Stoffmasken immer professionell genäht wären, zwei oder mehr Stofflagen und eine ordentliche Paßform mit Nasenbügel hätten, mit anderen Worten: wenn Stoffmasken genormte Qualitätsprodukte wären, dann könnten sie mit den anderen Masken weitgehend mithalten. Das Problem war hauptsächlich, daß mangels Normung auch untaugliche Eigenbau-Modelle mit sehr hohem Luftdurchlass verwendet wurden.

Die OP-Masken haben im Blick auf Aerosole den Nachteil, daß sie locker anliegen, so daß vor allem an den Seiten die Luft fast ungehindert aus- und einströmen kann. In dieser Hinsicht wären sogar viele Stoffmasken besser. Viele Träger kümmern sich auch nicht um einen guten Sitz. Bei ihnen hängt die OP-Maske schlabberig an der Nasenspitze oder darunter. Man kann OP-Masken auch schnell unter das Kinn schieben, etwa zum Telefonieren. Das geht mit den kegelförmigen FFP2-Masken nicht so leicht. Solche Effekte machen schon etwas aus.

In Umgebungen wie Bus und U-Bahn oder Kaufhäusern halten sich immer wieder auch infektiöse Menschen auf, die trotz Maske mehr oder weniger viele Aerosolwölkchen hinterlassen. Auch wenn die von ihnen erzeugte Virenkonzentration in der Luft durch höherwertige Masken nur um wenige Prozent reduziert wird, kann das auf eine ganze Nation und längere Zeiträume hochgerechnet einen Unterschied machen. Denn für eine Infektion braucht es eine bestimmte Menge von eingeatmeten Viren (auf die interindividuellen Unterschiede kommt es hier nicht an). Wenn die Konzentrationen in der Luft insgesamt etwas höher sind, wird diese Grenze entsprechend öfter überschritten, so daß es mehr Infektionen gibt.

Zum Vergleich der Effekt der Mutanten: Die eingeatmeten Virenmengen haben sich wahrscheinlich nicht geändert, aber wegen der höheren Infektiosität der Mutanten wird die kritische Grenze öfter überschritten, und schon gehen die Infektionen rasant nach oben. Denselben Effekt, nur nicht so ausgeprägt, gibt es bei schlechten Masken (und schlecht getragenen Masken): mehr Aerosole in der Luft, die kritische Grenze wird öfter überschritten, mehr Infektionen.

Es gibt viele Situationen, in denen die Aerosole einen bedeutenden Anteil zur Infektionsgefahr beisteuern: längerer bis langer Aufenthalt vieler Personen in geschlossenen Räumen mit mangelnder Belüftung. Da könnten gute Masken auf die Dauer schon einen merklichen Vorteil bringen.

Ob das aber den Milliardenaufwand lohnt? Wie viele Infektionen dieser Art sich überhaupt ereignen, kann man nur indirekt abschätzen. Meiner Meinung nach ist es nur ein (sehr) geringer Teil aller Infektionen. Die meisten geschehen in hochriskanten Situationen: Pflege, aber vor allem im privaten, maskenfreien Verkehr.

Spielen die öffentlichen Orte überhaupt eine nennenswerte Rolle? In Schweden haben Millionen Bürger in der Öffentlichkeit monatelang überhaupt keine Maske getragen, aber sie haben es bei weitem nicht geschafft, auf diese Weise die erhoffte Herdenimmunität zu erreichen. Es ist gar nicht so einfach, sich im Café, im Bus oder im Kaufhaus zu infizieren, sogar ganz ohne Masken.

Wenn die ohnehin geringe Gefahr durch irgendwelche Masken schon größtenteils eliminiert wird (weil in jedem Fall die meisten Tröpfchen abgefangen werden), könnte es tatsächlich sein, daß es am Ende kaum noch darauf ankommt, welche Art von Masken getragen werden. Weil man es aber nicht so genau weiß, sollte man nicht mit dem Risiko spielen. Das spricht dafür, Masken mit hoher Filterleistung vorzuschreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2021 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45448

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27568

Wir verachten die Gaffer und preiskrönen die Fotografen, die feste draufhalten, damit die Gaffer zu Hause erschüttert sein können. Viele Fotos stammen aus einem anderen Zusammenhang oder sind anderweitig gefälscht (zum Glück!).

Die SZ bringt noch einmal das „Pressefoto des Jahres“ von 2019. Es wurde ausgezeichnet, obwohl es eine Fälschung war (das Mädchen war gar nicht von seinen Eltern getrennt worden – ein weinendes Kind kann man überall fotografieren):

Die Jury des renommierten Wettbewerbs World Press Photo zeichnete deshalb die Aufnahme des US-Fotografen John Moore mit dem mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis aus. Es trägt den Titel "Crying Girl on the Border". Kurz nachdem die Agentur Getty Images das Bild veröffentlicht hatte, stoppte Trump die Trennung von Flüchtlingsfamilien. Doch viele Eltern mussten weiter verzweifelt nach ihren Kindern suchen.
Nicht nur die politische Relevanz, auch einzelne Details im Bild hätten die Jury überzeugt, erklärte Whitney Johnson, Vizepräsidentin des Wettbewerbs: "Von den Handschuhen, die der Grenzbeamte trägt, bis hin zu dem Umstand, dass die Schnürsenkel aus den Schuhen entfernt wurden." Ein anderes Jurymitglied erklärte: "Das Bild sagt sofort so viel über die Geschichte dahinter. Gleichzeitig fühlt man sich der Situation verbunden. Das Foto zeigt eine Form von psychologischer Gewalt."
(Spiegel 11.4.19)

Das Foto zeigt ein weinendes Kind zwischen Erwachsenen, mehr nicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.03.2021 um 13.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45447

Wie mit allem rund um Corona wird auch um Impfungen und jetzt um die Aussetzung eines Impfstoffes ein viel zu großer Hype veranstaltet. Die Medien sind sensationslüstern und machen damit alle verrückt, statt neutral und unaufgeregt zu berichten.

Dazu kommt teils auch tendenziöse Berichterstattung. Im DLF hörte ich gerade jemand sagen, die Gefahr, an Corona zu sterben, sei 1000mal höher als das jetzt festgestellte Thrombose-Risiko durch eine Impfung.

Ja, dazu muß man Corona aber erstmal haben. Berücksichtigt man hingegen, daß sich im Laufe des letzten Jahres nur etwa jeder 40. Deutsche angesteckt hat, und daß das Sterberisiko besonders für jüngere Menschen nochmal um ein bis zwei Zehnerpotenzen geringer ist als für ältere, dann werden plötzlich diese Risiken vergleichbar, und dann muß man jungen Leuten schon zugestehen, sich zu überlegen, lieber eine Coronainfektion oder eine Impfung zu riskieren.

Für ältere Menschen bleibt es sicher richtig, daß die Impfung das wesentlich kleinere Risiko und zu empfehlen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2021 um 12.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45446

Meine Frau und ich waren sich (uns?) eben auf dem Spaziergang auch einig, daß Spahns Äußerung nicht besonders einleuchtend war. Ich lege allerdings solche Worte nicht auf die Goldwaage und halte mich an die Beschlüsse und Tatsachen selbst. In der Statistik sind noch Lücken: Wie viele Menschen einer vergleichbaren Kohorte erleiden diesen Typ von Thrombose (einen anderen als wegen der Antibabypille) ohne Impfung? Wirkt die Impfreaktion, die ja eigentlich erwünscht ist, in seltenen Fällen wie das Coronavirus selbst?

Die Zahlen selbst schrecken mich aber nicht, schon weil auch alle anderen Impfungen ein Restrisiko haben.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.03.2021 um 12.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45445

In Deutschland gibt es bisher elf Thrombose-Meldungen auf 1,2 Millionen Impfungen (Zusammenhang nicht nachgewiesen). Die neuesten Antibabypillen gehen mit neun bis elf Thrombosen auf zehntausend Anwendungen einher (Studie der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.03.2021 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45444

Spahn hat gesagt: »Uns allen ist die Tragweite dieser Entscheidung sehr bewußt, und wir haben uns diese Entscheidung nicht leichtgemacht. Aber für mich war immer klar: das ist eine fachliche Entscheidung und keine politische.« Ihm ist also eine Entscheidung, die gar nicht seine ist, schwergefallen. Das ergibt nur dann einen Sinn, wenn er seine eigene Rolle so versteht, daß er die Schlußfolgerungen der offiziell zuständigen Fachleute (in dem Fall Paul-Ehrlich-Institut) eins zu eins exekutiert. Diese rein administrative Aufgabe könnte er aber auch an einen Abteilungsleiter delegieren, dafür braucht man keinen Minister. Auch das wäre allerdings eine politische Entscheidung, was denn sonst? Entscheidungen eines Ministers sind per definitionem politische.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.03.2021 um 09.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45443

Gesundheitsminister Spahn betonte, daß er beim Aussetzen von Astrazeneca auf den Rat von Medizinern hört. Es sei keine politische Entscheidung.

Damit versteckt er sich aber nur geschickt hinter der Medizin. Von ihm als Politiker werden genau politische Entscheidungen erwartet. Daran krankt die gesamte Corona-Politik. Die Politiker tun so, als gäbe es nichts als Medizin, koste es, was es wolle.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.03.2021 um 08.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45441

Das Absetzen der Impfung mit AstraZeneca wird rundum als vorübergehend bezeichnet. Wenn man bereits weiß, daß bald weitergeimpft werden kann, wieso hört man dann überhaupt damit auf?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2021 um 07.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45440

Wenn man überzeugt ist, daß die Impfung mit Astra-Zeneca sehr viel besser ist als die Nicht-Impfung, dann muß man das auch durchsetzen. Zumindest muß den Impfwilligen die Möglichkeit gelassen werden, sich damit impfen zu lassen. Man erlaubt ja auch den Impfgegnern, sich überhaupt nicht impfen zu lassen; dann muß man uns Impfwiligen auch die ungleich harmlosere Risikoabwägung zutrauen und erlauben.

Ich habe die Impfpolitik der Bundesregierung lange verteidigt oder zumindest mit Nachsicht beurteilt, schon weil mir die Kompliziertheit der Lage bewußt war. Die neue Laschheit finde ich fatal.

(Vor einigen Wochen hat Michael Meyer-Hermann in einem Podcast die No-Covid-Strategie erläutert. Das kam mir sehr plausibel vor; ich empfehle das Nachhören. Es gehört wirklich hierher, denn die Modellierer liegen leider meistens verdammt richtig.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2021 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45438

Man stirbt zwar nicht an, sondern mit Corona, aber man stirbt an Astra-Zeneca-Impfstoff, nicht mit. Impfen tötet halt. (Ich würde mich auch mit Astra-Zeneca impfen lassen, wenn ich nur schon dran wäre.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2021 um 03.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45434

Über Metaphern braucht man nicht zu streiten. Es genügt, die graphischen Darstellungen der Infektionszahlen zu beobachten, übrigens auch international. Die Modellierer haben bisher stets recht behalten.

Die gestrigen Demonstrationen ("Es reicht") von Tausenden dicht gedrängt ohne Maske waren kein schöner Anblick. Der ideologische Flankenschutz in rechtsradikalen Medien auch nicht. Dort liebäugelt man mit dem Bürgerkrieg, damit endlich die Maßnahmen gegen Corona eingestellt werden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.03.2021 um 21.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45432

Jetzt wird ständig spekuliert, ob oder wann die dritte Welle beginnen würde oder begonnen habe.

Aber noch nie hat jemand die zweite Welle für beendet erklärt.
Kein Wunder, der Wochenmittelwert in der zweiten Welle lag ja auch noch nie unter dem größten Mittelwert der ersten.

Wenn natürlich aus jedem Zwischenkräuseln eine neue Welle gemacht wird, bleiben wir lieber doch bei der herkömmlichen Jahreszählung (-> #45351).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2021 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45418

Die von rechtsextremen Kritikern der Coronamaßnahmen vorausgesagten millionenfachen Selbstmorde scheinen Deutschland bisher nicht erreicht zu haben.

Erste Zahlen deuten darauf hin, dass sich in der Coronapandemie möglicherweise weniger Menschen das Leben genommen haben. (Deutsches Ärzteblatt)

Das würde einen nicht wundern. Auch Depressionen haben nicht zugenommen, Depressive leiden allerdings etwas stärker, werden vielleicht auch schwerer von Hilfen erreicht, die ja durchaus wirksam sind und gegen aktive Sterbehilfe sprechen. Das ist aber nicht genauer bekannt.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 10.03.2021 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45409

Das sehe ich anders. Erstens gibt es nicht nur einzelne Feiern, sondern ein ständiges Zusammensein und Kontaktpflege in der eigenen Gruppe. In den Krankenhäusern sammeln sich die schwer Erkrankten, diese sind zum größten Teil älter, alt oder sehr alt. Diese Älteren und Alten sind umgeben von vielen Kindern, Enkeln und sonstigen jüngeren Kontaktpersonen, die in Deutschland aufgewachsen sind, also perfekt Deutsch verstehen. Die meisten aus dieser Population verstehen Deutsch, und in der Familie reden, im Freundeskreis reden tun sie die ganze Zeit. Mangelnde Sprachkenntnisse oder "Schwererreichbarkeit" der Erkrankten sind also bestenfalls ein sehr schwaches Argument. Sie sind ja wohl erreichbar für das, was ihre jüngeren Angehörigen ihnen sagen oder sagen könnten.

Epidemiologisch riskante Niedriglohnberufe und skandalöse Sammelunterkünfte sollen ein viel wichtigerer Faktor sein, warum? In den skandalösen Sammelunterkünften von Tönnies leben nur die Arbeiter im jüngeren, höchstens mittleren Alter, die hundertmal weniger gefährdet sind als die Alten, schwer zu erkranken. Ihre Eltern leben da nicht. Dann gibt es noch die Unterbringung von Asylbewerbern. Da sind die allermeisten Bewohner jünger als 50 Jahre, also ebenfalls nur wenig gefährdet, im Krankenhaus zu landen.

Siehe dazu https://mediendienst-integration.de/artikel/fluechtlingsunterkuenfte-stark-betroffen.html

Zitat: "Im vergangenen Halbjahr sind auch fast alle Bundesländer dazu übergegangen, Geflüchtete verstärkt außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtungen unterzubringen." Ferner gibt es verschiedene Kontrollmaßnahmen, z. B. einen Test für jeden Ankömmling. Bis Ende Januar wurden etwa 6000 Corona-Fälle gezählt. Das sind nicht einmal 0,3 Prozent der ingesamt bekanntgewordenen 2,2 Millionen Fälle zu diesem Zeitpunkt! Obwohl die Dunkelziffer in den Sammelunterkünften sicherlich viel niedriger ist als in der ganzen Bevölkerung. Also, um wesentliche Treiber der Pandemie kann es sich bei diesen Sammelunterkünften nicht handeln. Sie sind keine Erklärung dafür, daß so viele Menschen mit Migrationshintergrund in den Krankenhäusern liegen.
 
 

Kommentar von , verfaßt am 10.03.2021 um 07.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45405


 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 10.03.2021 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45403

Ich hatte gesagt, ich würde mich in diesem Jahr wieder melden, um meine eigenen Prognosen aus dem letzten Jahr zu beurteilen. In manchem hatte ich recht, in manchem nicht.

Ich hatte vorausgesagt, und zwar schon Ende Oktober 2020, Mitte Januar würden wir wieder Inzidenzen von 20.000 sehen, egal welche Maßnahmen es zuvor geben würde, und so war es auch. Ich hatte vorausgesagt, daß die Politiker an ihrem Fehler festhalten würden, Besuche im Einzelhandel als gefährlich zu dämonisieren, und damit den Einzelhandel weiterhin massiv beschädigen würden (und zwar schon deshalb, weil sie sonst einen Fehler zugegeben hätten), und so war es auch. Aktuell darf der Einzelhandel nur teilweise öffnen und gebunden an Inzidenzen, teils mit ruinösen Schikanen wie Terminvereinbarung. Ich hatte vorausgesagt, daß sich die Lockdown-Politik sowieso nicht durchhalten läßt, weil sie zu viele Schäden verursacht, und so ist es: Gerade jetzt, wo die Zahlen wieder ansteigen und auch wegen der Mutationen aus epidemiologischer Sicht mehr Lockdown als je nötig wäre, wird plötzlich an allen Ecken und Enden gelockert, von den Schulen über die Friseure ("körpernahe" Tätigkeit!) bis zu Museen und Jogging in Gruppen. Folglich werden auch die Zahlen wieder steigen.

Manches war nicht vorauszusehen, zum Beispiel die Rolle der Mutationen, die sich erst vage angedeutet hat, als ich meine Prognosen abgab.

Was mich am meisten empört hat, war und ist der Umgang der Politik mit dem Einzelhandel. Ich sagte, es sei doch völlig klar, daß das Infektionsgeschehen nicht dort getrieben wird, sondern in hochgefährlichen Situationen wie in der Pflege oder eben, vor allem, im privaten Bereich. Ich sehe mich gerade jetzt bestätigt, wo das inoffizielle Eingeständnis von Wieler an die Öffentlichkeit kam, es gebe ein Riesenproblem mit Migranten bzw. Menschen mit Migrationshintergrund, und das dürfe leider nicht gesagt werden, weil es hochgradig tabu ist.

Also, ältere Menschen aus dieser Population sind in den Krankenhäusern massiv überrepräsentiert, teils stellen sie dort die Mehrheit der COVID-Fälle, obwohl Menschen mit Migrationshintergrund eine Minderheit sind – und die Älteren unter ihnen eine viel kleinere Minderheit innerhalb ihrer Altersgruppe. Woran liegt das? Natürlich nicht an ihrem Einkaufsverhalten. Sie gehen ebenso einkaufen wie die übrige Bevölkerung und haben dabei eine Maske auf, wie alle anderen. Es liegt an dem privaten Kontaktverhalten in dieser Gruppe: ständige Treffen in und quer durch die Familien, Großfamilien, Sippen und die ganze Community am Ort oder in der Region, mit oder ohne Geburtstags- oder Trauerfeiern, aber jedenfalls dann ohne Maske und Abstand. Das ist doch bekannt.

Was bedeutet das? Es bestätigt anschaulich, daß sich die staatlichen Maßnahmen überhaupt nicht auf den hauptsächlichen Treiber der Pandemie auswirken, nämlich auf das Fehlverhalten im privaten Bereich. Und wir haben geradezu einen weiteren Beweis dafür, daß das Einkaufen im Einzelhandel harmlos ist, folglich schon längst hätte wieder zugelassen werden müssen. Vielleicht mit einer Auflage zur maximalen Zahl der Kunden pro Fläche, das würde genügen. Zugespitzt gesagt: Anstatt die Öffentlichkeit über diese aufschlußreichen Befunde aufzuklären, wird das hochrelevante Migranten-Thema maximal tabuisiert. Die Politiker bevorzugen es, stattdessen weiterhin den unschuldigen Einzelhandel zu schädigen und zehntausend Existenzen zu ruinieren. Das empört mich.

Inzwischen wird das Versagen der Corona-Politik an verschiedenen Ecken und Enden thematisiert. Am meisten fassungslos hat mich persönlich gemacht, daß die komplette Risikogruppe 1 gleichzeitig zur Terminvereinbarung aufgerufen wurde, sogar sekundiert durch eine Werbekampagne für das Impfen, obwohl klar war, daß es auf Monate hinaus nicht genug Impfstoff für diese Risikogruppe geben würde. Für mich war das der Inbegriff der Inkompetenz. Hunderttausend Interessenten rufen jetzt in der monatelangen Wartezeit voller Unruhe bestimmt dreimal, fünfmal, zehnmal hintereinander an und fragen, ob es endlich einen Termin für sie gibt, obwohl es nichts bringt und sie das nicht tun sollen. Die bessere Lösung wäre gewesen: jede Woche einen Jahrgang nach dem anderen aufrufen, von alt nach jünger. Dann wären die Leute am Telefon durchgekommen (Erfolgserlebnis). Sie hätten ihren Termin innerhalb weniger Tage bekommen (Erfolgserlebnis). Die Leute hätten besser abschätzen können, wann ihre Impfung stattfinden wird (Planbarkeit, Gefühl der Kontrolle). Jeder neue Aufruf eines Jahrgangs hätte dem Land das Gefühl gegeben, daß es schrittweise vorwärtsgeht, anstatt monatelang hauptsächlich Chaos, Unsicherheit und Verdruß auf allen Seiten. Man hätte dann auch viel besser auf das ängstliche wochenlange Zurückhalten von Impfstoff verzichten können, weil man auf die kurze Sicht von wenigen Tagen genau gewußt hätte, wie viele Dosen man wo verabreichen kann. Es hätte also auch zahlenmäßig einen schnelleren Fortschritt beim Impfen geben können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2021 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45353

Das ist zwar nicht zu erwarten, aber es gibt durchaus eine kurz- oder mittelfristige Zeitrechnung auf der Grundlage von Ereignissen. Oft liest man von 9/11 als Zeitenwende, und für mich ist 1989 ein Epochenjahr. Als Kind habe ich unzähligemal gehört: "Das war vor der Währung."
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.02.2021 um 15.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45351

Den Beginn unserer heutigen Zeitrechnung datieren wir (noch) auf Christus. Aber es zeichnet sich bereits ab, daß wir und künftige Generationen die Zeit bald nach Coronawellen zählen. Die erste kam (gerade noch rechtzeitig) zur Saison 2019/20, die zweite 2020/21 läuft noch. und die dritte Welle wird im kommenden Herbst beginnen.
Usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2021 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45350

Hendrik Streeck hat 2020 wieder und wieder gesagt, er erwarte keine zweite Welle der Corona-Seuche.
Im Gegensatz zu Robert-Koch-Institut
Virologe Streeck erwartet keine zweite Corona-Welle
(RTL 28.5.20) Usw.

Er ist natürlich ständig mißverstanden worden, und auch sein neues Buch ("Hotspot") wird sicher mißverstanden werden. (Wer viel redet, wird viel mißverstanden – aber man kann es auch übertreiben.)

Hier findet man gute Grafiken des Infektionsverlaufs seit Beginn:

https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie_in_Deutschland

Keine zweite Welle? Wie glaubwürdig ist denn das?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2021 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45313

Die "Priorisierung" ist ein bürokratisches Monstrum. Ich betrachte sie mit einer gewissen Nachsicht angesichts der Verhältnisse, die ich hier nicht noch einmal ausführen will (Knappheit, Föderalismus, Kompetenzverteilung...). Aber viele meinen ja, das Problem werde sich bald erledigen und einfach jeder geimpft werden, der es will.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.02.2021 um 21.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45312

Ein Zahnarzt ist vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg mit einem Eilantrag auf schnellstmögliche Corona-Schutzimpfung gescheitert. Er könne sich schließlich durch Tragen einer FFP2-Maske vor den Aerosolen der Patienten schützen und solche mit Coronasymptomen durch einen Aushang an der Tür vom Aufsuchen der Praxis abhalten. Man wünscht dem Richter eine Wurzelbehandlung und einen Zahnarzt, der das Urteil kennt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2021 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45311

Juristen bringen uns immer wieder zum Staunen. Kürzlich warnte Strafrechtsprofessor Volker Erb Merkel, Spahn u.a. vor einer Strafanzeige wegen "Gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen sowie Totschlag durch Unterlassen". Sie haben es nämlich versäumt, den Export von Impfstoff zu verbieten, und damit den Tod vieler Menschen hierzulande bzw. in der EU verursacht.

Nun wird allerdings der Impfstoff, den wir brauchen, auch anderswo hergestellt, und wenn alle den Export verbieten, dann kann es leicht passieren, daß wir zu wenig davon haben. Es wechselt ständig: mal hat der eine mehr, mal der andere.

Wenn man den kategorischen Imperativ darauf anwendet, kommt man zu dem Schluß: keine gute Idee.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.02.2021 um 15.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45300

Die Freie Presse titelt am 19.2.2021 auf Seite 2:
„16 Senioren sterben trotz Impfung“

Im Text erfährt man dann, daß die Coronainfektion im Pflegeheim ungefähr gleichzeitig (+/- 2 Tage) mit der ersten von zwei notwendigen Impfungen stattgefunden hat.

Richtig hätte es also heißen müssen: 16 Senioren starben, weil sie nicht (rechtzeitig) geimpft waren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.02.2021 um 14.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45294

Die Freie Presse schreibt heute auf Seite 5 (die Hervorhebung des Relativpronomens von mir ist ein Nebenaspekt):

Ohnehin können Angaben zur Wirksamkeit leicht missverstanden werden. Wenn etwa von 95 Prozent die Rede ist, bedeutet das nicht, dass 95 von 100 Geimpften durch Impfung geschützt sind. Die Zahl bezieht sich schlicht auf etwas anderes. Ein Beispiel, dass das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen auf Basis von Studiendaten anführt: Während beim Biontech-Pfizer-Impfstoff fünf von 10.000 Geimpften erkrankten, waren es in der Gruppe, die ein Placebo bekommen hatte, 93 von 10.000. Daraus errechnet sich eine Wirksamkeit von 95 Prozent, denn unter den Geimpften treten 95 Prozent weniger Erkrankungen auf als unter den Ungeimpften. Angenommen wird, dass alle drei Impfstoffe einen Großteil schwerer und potenziell tödlicher Fälle verhindern.

Na, 95% ist doch schließlich ein Großteil, oder etwa nicht? Da muß man nicht so tun, als wäre der wirkliche Großteil noch größer.

Selbstverständlich hilft die Impfung niemandem, der sich sowieso nicht infiziert hat bzw. der nicht erkrankt. Sie soll genau die Menschen schützen, die sich anstecken und evtl. krank würden.

Wenn in der einen Gruppe 93 krank wurden, dann kann man davon ausgehen, daß in der anderen, gleichgroßen Gruppe auch ungefähr 93 krank geworden wären. Darauf beruht ja der ganze Vergleich. Und genau für diese 93 wurde die Impfung gemacht, der Rest der Gruppe (ob 10000 oder 100000) spielt gar keine Rolle. Wenn nun statt dieser 93 Kranken nur 5 krank wurden, zeigt das eben genau, daß 95% davon geschützt waren.

Wenn also von 95% die Rede ist, bedeutet das selbstverständlich, daß 95% der Geimpften geschützt sind. Es werden ca. 95% weniger Todesfälle, ca. 95% weniger schwere und ca. 95% weniger leichte Erkrankungen auftreten. Davon ist jedenfalls auszugehen, und mißzuverstehen ist da gar nichts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2021 um 09.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45292

...wir im dritten Jahrtausend der Menschheitsgeschichte... (Stephan Schleim: Gedankenlesen. Hannover 2008:13)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.02.2021 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45275

Walter Krämer, gegen den sich meine ironische Darstellung richtete, meinte es ja anders; er hat nicht die indirekte Wirksamkeit der Kontaktbeschränkungen auf die Grippe im Sinn gehabt.

Es gibt tatsächlich Überlegungen, auch nach Corona im Winter generell Masken zu tragen, wie es in ostasiatischen Ländern, von uns viel belächelt, schon lange üblich ist.

Corona ist durch und durch schlimm, und man muß befürchten, daß es nicht die letzte Zoonose mit solchen Ausmaßen bleiben wird.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.02.2021 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45274

Es ist ein zweischneidiges Schwert, darauf hinzuweisen, daß Maßnahmen gegen Corona auch gute Nebeneffekte haben. Das ist sehr erfreulich, man könnte sich aber auch fragen, weshalb sollen wir eigentlich diese guten Maßnahmen beenden, wenn Corona vorbei ist?
Das Prinzip ließe sich auch noch ausbauen. Ein sofortiges Verbot privater Autofahrten könnte jährlich bis zu 3000 Verkehrstote und 300000 Verunglückte verhindern. Das Mittel allgemeiner Verbote scheint mir lange noch nicht ausgereizt.

Was ich mit diesem Sarkasmus nur sagen will – auch die Maßnahmen gegen Corona müssen immer verhältnismäßig sein. Nicht nur ihr Nutzen, auch ihr Schaden muß beizeiten bewertet werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2021 um 07.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45271

Die Kontaktbeschränkungen wegen Corona haben erwartungsgemäß auch die Grippe in diesem Winter stark zurückgedrängt. Das gibt den Coronaskeptikern willkommene Daten an die Hand, um ihre Rechenkünste an der Übersterblichkeit zu erproben, die dann geradezu in eine Untersterblichkeit umschlägt, so daß man sagen kann: Corona ist gut für uns.
Hinzu kommt, daß sie nicht sehen wollen, wie andere Länder es machen. Corona-Maßnahmen sind dann eine deutsche Spezialität; was anderswo angeordnet wird, wäre hierzulande "nicht durchsetzbar". Der deutsche Michel möchte nicht gestört werden, sonst wird er richtig böse.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.02.2021 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45266

Wenn es nur nach der Verfügbarkeit von Krankenhausbetten ginge, dann könnten wir unser normales Leben vielleicht lange nach der letzten Corona-Infektion immer noch nicht wiederaufnehmen, weil alle Betten restlos mit den üblichen Kranken belegt sind. Man müßte also erst einmal sicherstellen, daß die vorhandenen Kapazitäten auch einer evtl. gestiegenen Bevölkerungszahl und veränderten Altersstruktur entsprechen. Im Moment werden ja alle Engpässe praktischerweise Corona zugerechnet. Über einen Pflegenotstand wurde aber schon lange vor Corona berichtet, der hat sich durch Corona nur verstärkt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2021 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45264

Auch Jasper von Altenbockum (FAZ) meint, man solle nicht die Inzidenz, sondern die Verfügbarkeit von Krankenhausbetten zugrunde legen. Ja, das wäre schön, dann könnten wir unser normales Leben wiederaufnehmen und die Seuche und das ewigen Lamentieren der Ärzte mit einem Achselzucken abtun. Es ist eben, wie es ist.

Auch scheint Corona ja nun miraculously zu verschwinden, wie von Trump vorhergesagt, wenn auch ein Jahr später. Also waren alle Maßnahmen überflüssig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2021 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45249

Für Palmer ist der Inzidenzwert nicht der Maßstab, nach dem weitere Handlungen vorgenommen werden müssen. Entscheidend sei die Verfügbarkeit der Intensivbetten. Solange diese gewährleistet sei, könnten auch Bereiche des sozialen Lebens wieder aufgenommen werden, so der Politiker bei Maischberger in der ARD. (FR 11.2.21)

Man könnte auch die Verfügbarkeit von Särgen zum Maßstab machen.

Palmer plappert ja gern drauflos. Ein Arzt hat ihm gleich widersprochen, weil er weiß, was eine Corona-Erkrankung bedeutet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2021 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45244

Die Gelehrten streiten, ob Aristoteles eher ein Zeichenmodell wie Saussure oder wie Ogden/Richards vertreten hat. Schlüsselstelle ist der Anfang von De interpr.
Aber Aristoteles setzt als bekannt voraus, was unter „symbolon“ zu verstehen ist, und erklärt es nirgends. Schon dies macht Vergleiche mit modernen Begriffen unmöglich. „Seele“ erklärt er zwar, aber in verschiedenen Schriften auf verschiedene Weise und weitgehend unverständlich, weil z. B. sein Begriff „Entelechie“ für uns unverständlich ist; er kommt jedenfalls in welcher Übersetzung auch immer in keiner modernen Wissenschaft vor (wie schon „Seele“ selbst). Man kann so etwas nur nachsprechen, aber damit ist nichts gewonnen.
Hinzu kommt, daß die heutigen Wissenschaften ebenfalls aneinander vorbeireden. „Mentale Repräsentation“ ist für Kognitionswissenschaftler selbstverständlich, für Behavioristen sinnlos usw.
Ich kenne einige Aristoteles-Deutungen, gelernt habe ich daraus nichts, was über mein schlichtes Verständnis bei der Lektüre des Originals hinausginge. Er hat offenbar an dieser Stelle gar kein Problem gesehen; wir würden ihn verstehen, wenn wir ebenfalls keins sähen, aber das geht eben nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2021 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45240

Psychologen wollen durch Telefongespräche mit Kindern und Eltern herausgefunden haben, wie sehr Kinder unter der Corona-Krise seelisch leiden („psychische Auffälligkeit“ usw.). Daraus gehen Prozentzahlen und Balkendiagramme hervor, die auch in der Tagesschau präsentiert werden. Es wird auch ein Erstkläßler gezeigt, der in die Kamera sagt: „Ich bin traurig“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2021 um 06.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45226

Von Montag bis Samstag müssen die Gehwege von 8.00 bis 20.00 Uhr frei und ggf. gestreut sein. Am Sonntag ab 8.00 Uhr. (FOCUS)

Der Sonntag ist eben ein besonderer Tag.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.02.2021 um 13.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45202

Die niederländische Regierung hat gestern vorsorglich verlautbart, daß Schneeballschlachten nur mit Angehörigen des eigenen Hausstandes plus eventuell einer haushaltsfremden Person gestattet sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2021 um 04.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45182

Walter Krämer (VDS) rechnet vor, daß Corona sogar gut für die Volksgesundheit ist. Er vergleicht u. a. die Sterblichkeit des ersten Corona-Novembers mit der des vorletzten Novembers, während seriöse Forscher die im letzten November erwartbare Sterblichkeit ohne Corona mit der tatsächlichen vergleichen. Die Rechnungen standen in der Zeitung, Krämer dürfte sie kennen, aber er macht es genau wie der junge Schnösel in derselben rechten Ecke.

Krämer gehört übrigens zu den Unterzeichnern, die die Meinungsfreiheit in Gefahr sehen, wenn viele Menschen anderer Meinung sind als sie.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.02.2021 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45180

Ich glaube, ich verstehe jetzt, daß Sie meinen, jeder Mensch kann auf viele Arten zu früh oder zu spät sterben, je nachdem, welche Lebenserwartung welchen Alters man als Bezug festlegt.

Ich hatte hingegen „zu früh“ und „zu spät“ und überhaupt unterschiedliche Werte ohne Nennung des jeweiligen Bezugsalters für ein und dieselbe Person als Widerspruch aufgefaßt, habe deswegen den festen Bezugspunkt für alle gesucht. Ein bestimmtes Alter (z. B. 80 oder 100) wäre aber sehr willkürlich, deshalb ist dafür m. E. nur die Lebenserwartung bei der Geburt (im Alter 0) oder die Lebenserwartung, die die Person in ihrem Todesjahr noch gehabt hätte, geeignet.

Im letzteren Fall kann man natürlich nie „zu spät“ sterben, weil man in jedem Sterbealter noch eine Lebenserwartung größer oder gleich null hat.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.02.2021 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45177

Das Alter zum Zeitpunkt seines Todes (Ihr letztes Beispiel) ist also 100. Und wie kommen Sie jetzt auf die 90? Sie könnten doch statt dessen auch sagen, mit 100 stirbt er 12 Jahre später, als seiner Lebenserwartung mit 80 entsprach.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2021 um 07.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45174

Ich meinte das Alter zum Zeitpunkt seines Todes. Wenn ein 90jähriger 100 wird, stirbt er 6 Jahre "zu spät", nämlich später als statistisch zu erwarten. Wie Sie mit Recht andeuten, sinken die Beträge mit zunehmendem Alter. Mit 100 stehen die Aussichten, 110 zu werden, nicht mehr so gut.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.02.2021 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45170

Ich dachte, Sie meinten es so:
Ein 80jähriger hat noch eine Lebenserwartung von 8 Jahren. Wer mit 80 stirbt, stirbt also 8 Jahre zu früh.
Ein 86jähriger hat noch eine Lebenserwartung von 5 Jahren. Mit 86 stürbe er also 5 Jahre zu früh.
Ein 90jähriger hat noch eine Lebenserwartung von 4 Jahren. Mit 90 stirbt er also 4 Jahre zu früh.
Usw.

Das ist doch die Zeit, die "ein Mensch zum Zeitpunkt seines Todes noch zu erwarten gehabt hätte", oder?

So gesehen kann man ja nur zu früh sterben, nie später. Oder was meinen Sie mit "bezogen auf die durchschnittliche Lebenserwartung auf jeder Altersstufe"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2021 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45167

Da muß ich ja schon wieder widersprechen! Manche sterben zu früh, andere zu spät, bezogen auf die durchschnittliche Lebenserwartung auf jeder Altersstufe.

Das Entscheidende war aber, daß jemand, der es schon auf 80 gebracht hat, eine größere Chance hat, auch noch 90 zu werden, als ein 20jähriger.

Mir nahestehende Personen sind 88 und 90 und haben gar keine Lust, so jung zu sterben. Warum sollten sie auch! Sie können gut und gerne 100 werden, wenn sie gegen Corona geimpft sind.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.02.2021 um 11.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45165

Sie haben natürlich recht, jeder Mensch stirbt im Grunde eine gewisse Zeit zu früh, wenn man die jeweils aktuelle Lebenserwartung zugrunde legt.

Ich hatte darin bei Ihnen einen ironischen Ton vernommen und wollte meinerseits mit einem Schuß schwarzem Humor antworten. Das hat vielleicht nicht ganz geklappt. Meine Einteilung in früher oder später bezog sich dann doch auf eine feste Lebenserwartung, z. B. auf die bei der Geburt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2021 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45164

Wieso denn? Es ist doch statistisch irrelevant, wie viele dem Durchschnitt genau entsprechen. Meistens wahrscheinlich kein einziger, aber das entwertet den Durchschnitt nicht. (Wer verdient schon genau 3.994 € im Monat? Nicht mal welche...)

Wie dem auch sei, den Hauptpunkt habe ich hoffentlich verständlich gemacht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.02.2021 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45162

Man könnte z. B. fragen, wie viele sind denn die, welche 10,2 Jahre früher oder später sterben, schon werden "welche" statistisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2021 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45157

Statistik beschäftigt sich nicht mit "welchen"...

Der achtzehnjährige Rechenkünstler, den Roland Tichy auf die Menschheit losläßt, schreibt:

In Deutschland und den von der Corona-Mutante am stärksten betroffenen Ländern sind die Inzidenzen im Sturzflug. Die letzte Drohkulisse fällt. Welches Argument bleibt für den Lockdown überhaupt noch übrig? (usw.)

In Portugal zum Beispiel bilden sie sich gerade ein, ein Corona-Problem zu haben, und rufen die imaginäre Bundeswehr zu Hilfe. So weit reicht Merkels machtgeiler Arm schon! (Übertreibe ich? Im Gegenteil, bitte nachlesen!)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.02.2021 um 22.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45152

Ja, das gilt für den Durchschnitt der zu früh Verstorbenen.
Unter den anderen sind aber auch welche, die schon 10,2 Jahre hätten tot sein müssen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2021 um 19.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45151

Die Corona-Verharmloser rechnen vor, wie lange die Corona-Toten sonst noch zu leben gehabt hätten, und legen die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt zugrunde. Das ist falsch. Man muß zugrunde legen, wie viele Jahre ein Mensch zum Zeitpunkt seines Todes noch zu erwarten gehabt hätte. Das sind in Deutschland 10,2 Jahre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2021 um 07.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45146

Trump liefert eine schöne Denksportaufgabe:

Seine bisherigen Anwälte wollten ihn mit dem Argument verteidigen, daß ein Impeachment gegen ehemalige Präsidenten nicht verfassungskonform sei. Damit wären sie juristisch vielleicht durchgekommen. Nun besteht ihr Mandant aber darauf, daß er immer noch rechtmäßiger Präsident sei...

Sie haben die Verteidigung niedergelegt.

(Manche Beobachter rechnen schon damit, daß Trump auf neue Rechtsvertreter verzichtet und das ganze Verfahren einfach aussitzt, etwa nach dem Motto: Stell dir vor, es ist Impeachment, und keiner geht hin!) Was dann?

Die Rabauken vom Kapitol – eigentlich Zeugen der Verteidigung – werden allesamt aussagen, sie seien doch nur der Aufforderung des Präsidenten gefolgt.
 
 

Kommentar von , verfaßt am 01.02.2021 um 04.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45144


 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.01.2021 um 13.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45143

Ich rede nicht von Staatsversagen, will ja die Überreaktion des Staates nicht auf anderer Ebene selbst mitmachen. Staatsversagen wäre es zum Beispiel, wenn der Staat diese um 2% höhere Sterblichkeit verursacht hätte. Aber er möchte ja nur die Auswirkungen der Krankheit, für die er nichts kann, niedrig halten. Leider mit m. E. übertriebenen Mitteln und, wie man sieht, sogar mit absichtlich falsch interpretierten Zahlen. Mit diesen Maßnahmen erzeugt der Staat vor allem eine unnötige Gefahr für die Wirtschaft. Ich halte nicht alle Maßnahmen gegen Corona für übertrieben. Gegen vorübergehende Maskenpflicht, gegen Impfungen, strikte Kontrollen für Heim- und Krankenhausbesucher habe ich nichts.

Somit ist es auch kein Weltversagen. Aber dort, wo Zahlen und Gegenmaßnahmen ähnlich wie bei uns sind, wird natürlich ebenso übertrieben. Mein Eindruck ist, daß es schon in den meisten Ländern der Welt so ist. Warum? Wie kann ich das wissen? Vielleicht liegt es daran, daß es nicht nur die in letzter Zeit viel zitierte Herdenimmunität, sondern auch einen (internationalen) Herdentrieb gibt.

Ebenso, wie ich wegen der Seltenheit von Infektionen und Komplikationen keine übertriebene Angst vor Corona habe, habe ich auch keine vor noch selteneren schweren Nebenwirkungen einer Impfung. Ich habe mich schon ein- oder zweimal freiwillig gegen Grippe impfen lassen, also warum nicht auch gegen Corona, wenn die Möglichkeit besteht? Auch wenn die Gefahr gering ist, schließt man sie doch besser ganz aus. Und ich komme ja auch langsam in ein Alter, wo sie etwas größer wird.

Den Sinn einer Impfung sehe ich zuallererst im Schutz des Geimpften selbst. Daß dadurch auch die Weiterverbreitung innerhalb einer Gruppe erschwert wird, ist nur ein angenehmer Nebeneffekt. Die vollständige Ausrottung von SARS-Cov-2 halte ich innerhalb weniger Jahre sowieso nicht für möglich.
Wer Befürchtungen hat, weil nicht alle anderen geimpft sind, braucht sich doch nur selbst impfen zu lassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2021 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45139

Zum deutschen Fernsehen kann ich nichts sagen, aber haben Sie, lieber Herr Riemer, schon auf meine Frage geantwortet, ob Sie die Coronamaßnahmen der übrigen Welt ebenso kritisch sehen wie die deutschen? Manche Leute werfen ja, wie zitiert, Deutschland ein "Staatsversagen" vor, zum Teil in sehr drastischen Worten. Müßte man nicht von einem Weltversagen sprechen?

Ich selbst sehe nur, daß alle Staaten Anstrengungen unternehmen, um die Seuche abzuwenden, und daß dabei natürlich auch Fehler gemacht werden, wie man besonders hinterher erkennt. Aber ein weltweiter Irrtum – von Portugal bis China und Amerika? Was ist davon zu halten?

Lassen Sie sich impfen, wenn Sie dran sind?

Übrigens hat bei uns die Anmeldung zur Impfung gut funktioniert, wir können nicht klagen. Meine beiden jüngeren Töchter sind schon geimpft, weil sie hoch gefährdet sind, die eine wegen ihrer Arbeit in der Klinik, die andere aus mehreren anderen Gründen. Ein erster Beitrag zur Entspannung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.01.2021 um 00.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45138

Am 29.1.2021 meldete die Tagesschau, 2020 sei die allgemeine Sterblichkeit um 5% höher gewesen als im Durchschnitt der vier Jahre davor, was im Kontext dann vor allem auf Corona zurückgeführt wurde.

Angenommen, jemand vergleicht Deutschland mit Polen, das rund die Hälfte der Einwohner von Deutschland hat. In Deutschland sterben pro Jahr rund 1 Million Menschen, in Polen nur rund eine halbe Million. Und nun behauptet jemand, damit sei die Sterblichkeit bei uns doppelt so hoch wie in Polen. Eine sinnlose Feststellung, denn da, wo doppelt so viele Menschen leben, sterben natürlich auch doppelt so viele, was man kaum höhere Sterblichkeit nennen kann!

Aber die Tagesschau tut genau das. Daß Deutschland 2020 auch ca. 340000 Einwohner mehr als im Schnitt der vier Jahre davor hatte, wird nicht erwähnt.

Außerdem lebten nach den offiziellen Statistiken 2020 etwa 600000 (!) mehr Menschen in der Gruppe Ü80 als im Schnitt der vier Jahre davor, weil inzwischen bevölkerungsreichere Jahrgänge in der Alterspyramide aufgestiegen und die 80-Jahre-Grenze überschritten haben. Natürlich sterben in einer älteren Gesellschaft auch mehr Menschen als in einer jüngeren. Das hat ebenfalls nichts mit einer erhöhten Sterblichkeit zu tun!

So ergibt sich aus den jetzt für 2020 komplett vorliegenden Zahlen von destatis.de unter Beachtung dieser Bevölkerungsentwicklung, daß die wahre Sterblichkeit 2020 den Durchschnitt der vier Jahre davor höchstens um 2% überschritten hat, statt um 5%, wie die Tagesschau meldete. Die 5% der Tagesschau (wie auch andere in der gleichen Sendung genannte Zahlen) entsprechen exakt den unbedarft übernommenen Todesfallzahlen, d.h. genau dem unsinnigen o.g. Beispiel des Polenvergleichs.

Meinen in http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1024#45084 noch mit maximal 3,5% angegebenen Wert möchte ich also hiermit auf maximal 2% verfeinern. Dies ist ein Maximalwert für die allgemeine Übersterblichkeit im Jahre 2020. Genauere Ursachen dieser erhöhten Sterblichkeit wie die Hitzewelle im August mit ca. 5000 Toten mehr als üblich oder Sterbefälle an oder mit Corona sind hierbei noch nicht im einzelnen betrachtet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.01.2021 um 23.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45099

Das ZDF meldete um 19 Uhr, es gebe heute 6729 Neuinfektionen, 412 weniger als vor einer Woche am 18.1. Aber: Die Zahl der Todesfälle stieg um 217.

Das ist verwirrend. Eine Gesamtzahl, egal ob Todesfälle oder Infizierte, kann natürlich höchstens steigen, niemals kleiner werden.

Vergleicht man aber mit den Tageszuwächsen von vor einer Woche, dann sind es heute nicht nur 412 Neuinfektionen weniger, sondern auch 145 "neue" Tote weniger als am 18.1. In der Sendung hörte es sich aber so an, als gebe es heute zwar weniger Neuinfizierte, jedoch eine gestiegene Todeszahl.

Es verwirrt zu sagen, die eine Zahl sinkt, die andere steigt, wenn die erstere der reine Tageszuwachs ist, mit der anderen man sich aber auf die Gesamtanzahl bezieht. Es ist, wie man so sagt, Äpfel mit Birnen vergleichen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2021 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45097

Ernst betonte, sollte Nord Stream Zwei nicht fertiggestellt werden, schade dies nur den deutschen Gaskunden, nicht aber Russlands Präsident Putin. Nutznießer wären hingegen die USA, die ihr billiges Fracking-Gas verkaufen wollten. (DLF 25.1.21)

Wenn das Fracking-Gas billig wäre, würde es den deutschen Gaskunden ja nicht schaden. Aber gerade weil es nicht konkurrenzfähig ist, gehen die Frackingfirmen reihenweise pleite. Helfen würde, es den Deutschen aufzuzwingen, und deswegen darf Nordstream nicht sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2021 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45094

COVID-19-Impfstoff von Moderna: Schwere allergische Reaktionen
(...)
Zehn Fälle bei vier Millionen Geimpften

(heilpraxisnet.de 25.1.21)

Es gab keine Todesfälle. Die Überschrift vermittelt eine andere Botschaft als der Text und ist ein weiterer Beitrag zu gemeingefährlichen Panikmache.

In unseren Impfzentren bleibt der Geimpfte noch eine halbe Stunde, bevor er geht. Da der anaphylaktische Schock sich gegebenenfalls sofort einstellt, sind die erforderlichen Remedien vorhanden.

Das Impfrisiko ist hier geradezu sensationell niedrig.

In unserer Familie sind mehrere junge Menschen schon geimpft, weil sie in Hochrisikobereichen arbeiten. Wir anderen können es kaum erwarten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2021 um 14.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45083

Bei Algernon Blackwood geht es unheimlich genug zu, aber er schreibt auch dies:

The sun was down, and twilight is unknown in these northern regions. The darkness comes up at once.

So ist es am Äquator, aber nicht in Kanada.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.01.2021 um 16.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45078

„Den größten Wortschatz hat das Englische. Es übernimmt von jeher gern Wörter aus anderen Sprachen und hat deshalb für ein und dasselbe Ding und Tun viele Ausdrücke. Ganz anders das Französische. Dort werden für neue Dinge auch neue Wörter kreiert und so Mehrfachbezeichnungen unterbunden.“ (Aus dem Brockhaus-Kalender „Was so nicht im Wörterbuch steht“ 2020)

Nachts ist es kälter als draußen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2021 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45068

Kein Tag, an dem die Medien nicht von Chaos reden: Schnee, Impfen, Schule...

Das ist der Fluch der Unterhaltungsindustrie, und er ist vielleicht gefährlicher als die Unwahrheiten der "Lügenpresse": Ein Impfschaden in Alaska nimmt mehr Platz ein als eine Million Impfnutzen in Mitteleuropa.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 18.01.2021 um 23.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45054

Wenn die jetzigen Maßnahmen nicht die erhoffte starke Senkung der Corona-Fallzahlen gebracht haben, muß man nicht auf die Idee kommen, wieder zu öffnen, weil es ja ohnehin nichts bringt.

Man könnte auch folgern, daß es schlicht die falschen Maßnahmen waren. Evtl. wäre die Rücknahme der aktuellen Regeln und das Einführen anderer (durchaus schmerzhafter) Einschränkungen viel wirksamer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2021 um 07.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45051

Angesichts der immer noch hohen Infektions- und Sterbezahlen folgern manche, die (milden) Maßnahmen hätten nichts gebracht. Jedes Kind sagt sich, daß es ohne die Maßnahmen zweifellos viel schlimmer stünde. Nicht so die Querdenker: „Wann lockern wir endlich?“ (17.1.) „Die Realität schreit nach dem sofortigen Ende des Lockdowns“ (18.1.) So geht das den ganzen Tag. Über die Folgen braucht man sich nicht zu wundern.

Bei „Tichy“ schreibt einer:
In die Geschichtsbücher wird „Lockdown“ als Code für Staatsversagen eingehen

Das müßte dann aber für nahezu alle Staaten der Erde gelten. Ein anderer meint, die Merkeldiktatur halte Corona am Köcheln, um sich das Herrschen einfacher zu machen usw. Die beschränkte Sicht auf Deutschland ist typisch für die Blase. (Vgl. auch dies: https://www.tichyseinblick.de/tichys-einblick/merkels-corona-runde-deutschland-abwracken/) Nur wenn es den großen Trump zu verherrlichen gilt, schauen sie auch mal über die Grenze.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2021 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45012

Wenn eine "Priorisierung" beim Impfen verfassungswidrig ist, müssen alle gleichzeitig geimpft werden. (Auf die Plätze, fertig, los!)
Oder man würfelt. Juristen...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2021 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#45000

Ich bin erst jetzt auf die Youtube-Beiträge des trefflichen Martin Moder zur Corona-Impfung gestoßen. Ein gutes Beispiel, wie man mit sehr geringen Mitteln, aber sorgfältig gewählten Worten Aufklärung betreiben kann.
Moder äußert immer wieder Verständnis für die Bedenken der Laien, aber dann setzt er zu einer Erklärung an, die eigentlich jedem die notwendigen Kenntnisse vermitteln sollte, um sich ein realistisches Bild zu machen. Besonders wirkungsvoll finde ich die Einführung einer Denkfigur, die schon Platon entwickelt hat: Angenommen, die Aminosäure-Folgen des Impfstoffs würden aufgrund ihrer (sehr geringen!) Ähnlichkeit mit gewissen Hormonen unfruchtbar machen – dann müßten wir bei jedem Schnupfen, jeder Grippe usw. längst unfruchtbar geworden sein.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.01.2021 um 04.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44974

Man kann es natürlich auch von einer anderen Seite her betrachten. Den »Unrechtsgehalt« des Verhaltens könnte man daran messen, in welchem Maße jede einzelne der beteiligten Personen potentiell zur Ausweitung des Infektionsgeschehens beiträgt. Demnach nehmen die beiden Personen des Haushalts A mit ihrem Verhalten das Risiko in Kauf, daß 1 haushaltsfremde Person infiziert wird, denn das Risiko, daß sie sich gegenseitig anstecken, steigt durch das Treffen mit dieser Person nicht. Die Person des Haushalts B riskiert dagegen, daß sie 2 Personen ansteckt. Zusätzlich riskiert jeder der Beteiligten, bei dem Treffen selbst infiziert zu werden: die beiden Personen aus Haushalt A durch die Person aus Haushalt B und die Person aus Haushalt B durch eine der Personen aus Haushalt A. Unter dem Strich beschwört die Person aus Haushalt B damit ein höheres Risiko herauf als jede der beiden Personen aus Haushalt A. Da aber die Personen aus Haushalt A als Einheit aufgefaßt werden, könnte man ebensogut fordern, daß ihr Anteil addiert werde, usw. usf.

Allerdings dürften dem Virus all diese Überlegungen ziemlich egal sein und müßte eine zweckmäßige Regelung doch darauf abzielen, bestimmte Situationen als solche zu tolerieren oder zu unterbinden.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.01.2021 um 03.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44973

Allerdings wäre die Vorschrift bei dieser Auslegung meines Erachtens unsinnig, wenn sie die Eindämmung des Infektionsgeschehens zum Zweck haben soll. Wenn drei Personen gemeinsam eine als gefährlich anzusehende Situation herbeiführen, kann nicht nur eine von ihnen dafür bestraft werden. Aus Haushalt A riskieren, um in diesem Beispiel zu bleiben, 2 Personen, durch das Treffen mit einer Person aus einem anderen Haushalt infiziert zu werden, während umgekehrt aus Haushalt B nur 1 Person sich diesem Risiko aussetzt, wenngleich dieses Risiko insofern größer ist, als sie mit 2 Personen Kontakt hat. Rein theoretisch hebt sich das gegenseitig auf. In der Praxis ist es natürlich komplizierter. Wenn etwa die beiden Personen aus Haushalt A praktisch nie aus dem Haus gehen und seit Wochen symptomfrei sind, ist das Risiko der Person aus Haushalt B ungleich geringer als das der Personen aus Haushalt A, wenn die B-Person im Alltag viel mehr Kontakt zu anderen Menschen hat.

Die von mir zitierte Formulierung stammt aus einer Bekanntmachung vom 6. Januar und beschreibt eine Veränderung gegenüber den Regelungen der Elften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 15. Dezember 2020. Ich vermute, daß es um § 4 geht. Die Begründung zu dieser Änderung bleibt abzuwarten.

Ähnliche Unklarheiten gibt es übrigens auch hier in Holland, etwa bei der Interpretation des Wortes »groep« im Sinne entweder einer Gruppe von ≥ 2 Personen oder des Besuchs von ≥ 1 Person.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.01.2021 um 00.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44972

Ich verstehe es so:

Der gastgebende Haushalt mit beliebig vielen Personen (auch wenn es ein Einpersonenhaushalt ist) darf einen einzelnen Gast einlassen und beherbergen, der Gast darf kommen. Keiner kann bestraft werden.

Außerhalb der Wohnung dürfen sich beliebig viele Personen (1 oder mehr) eines Haushaltes mit nur einer Person eines anderen Haushaltes treffen. Treffen sich 2 Einzelpersonen aus verschiedenen Haushalten, ist also alles gut.

Treffen sich zwei oder mehr Personen eines Haushaltes mit einer Einzelperson eines anderen Haushaltes, ist für die erstere Gruppe auch alles in Ordnung. Die Einzelperson zahlt jedoch eine Ordnungsstrafe, da sie gegen die Auflage verstößt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.01.2021 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44971

(mit = zuzüglich)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.01.2021 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44970

»Private Zusammenkünfte werden nur noch im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstandes und mit maximal einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person gestattet.« (https://www.bayern.de/bericht-aus-der-kabinettssitzung-vom-6-januar-2021/)

Wenn Sie und Ihre Frau etwas zusammen unternehmen, ist das eine »Zusammenkunft im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands«. Wenn Ihre Tochter dazustößt, ist sie die »weitere nicht im Haushalt lebende Person«. Ihrer Tochter allein stellt aber keine Zusammenkunft dar, deshalb ist diese Vorschrift auf sie insoweit nicht anwendbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2021 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44969

Heute sind meine Frau und ich mit unserer Tochter spazierengegangen: mit einer Person aus einem anderen Haushalt, das war korrekt.

Unsere Tochter ist mit uns spazierengegangen: zwei Personen aus einem anderen Haushalt, das war nicht korrekt.

Wer hilft weiter?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2021 um 07.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44943

Wie schon bemerkt: Wenn die Lokalpresse berichten muß, daß eine Autofahrer einen Fußgänger oder Radfahrer verletzt oder getötet hat, liefert sie die Entschuldigung ziemlich regelmäßig mit. Das sieht dann so aus:

In Erlangen ist am Donnerstag eine Frau beim Überqueren einer Straße schwer verletzt worden. Ein Autofahrer hatte die 86-Jährige, die mit einem Rollator unterwegs war, beim Abbiegen übersehen.
Es war der 31. Dezember gegen 10 Uhr vormittags, als es an der Ampelkreuzung in der Weisendorfer Straße in Erlangen zu einem folgenschweren Verkehrsunfall mit einer Fußgängerin kam. Vermutlich durch die tief stehende Sonne übersah ein Pkw-Fahrer beim Abbiegen nach links eine Fußgängerin mit ihrem Rollator.

(nordbayern.de 1.1.21)

Jeder Leser – also Autofahrer – wird dafür Verständnis haben. Die tiefstehende Sonne ist der beliebteste Grund fürs Übersehen. Ersatzweise ist die Straße glatt. Na ja, und 86 mit Rollator auf der Straße, das ist ja auch ein bißchen schräg.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2020 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44929

Bauern blockieren ALDI-Lager, weil ALDI die Butterpreise senkt.

Politiker verordnen Mietdeckel, weil vielen die Wohnung zu teuer wird.

In der Schule haben wir etwas anderes gelernt. Es gibt zu viel Milch und zu wenige Wohnungen (regional). Die logische Reaktion wäre, etwas anderes zu produzieren und mehr Wohnungen zu bauen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.12.2020 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44914

Zur naiven Theorie des Problemlösens:

„Das Beispiel einer Löwin, die eine Beute geschlagen hatte und ihre Jungen heranholen wollte, zeigt ihre Grenzen der Problemlösungsfähigkeit: Nachdem sie das erste Junge zur Beute gebracht hatte und auf dem Weg war, das zweite zu holen, erkannte sie die Gefahr durch einen sich nähernden Leoparden. Die konkurrierenden Tendenzen, das zweite Junge heranzuholen und das gefährdete Junge nicht alleine zu lassen, ließ sie eine halbe Stunde einige Meter hin- und herlaufen, bis ihr Abstand zum Jungen so groß war, daß der Leopard es angreifen und töten konnte. Das Schwanken zwischen den beiden Tendenzen zeigt zwar, daß die Löwin das Problem erkannte – der richtige Schluß, das Junge wieder mitzunehmen, war ihr jedoch nicht zugänglich.“ (https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/problemloesung/53788)

Es ist fraglich, ob man hier sagen kann, die Löwin habe „das Problem erkannt“. Ihr schwankendes Verhalten kann als Ergebnis der „konkurrierenden Tendenzen“ beschrieben werden, d. h. verschiedener Verhaltensimpulse, von denen je nach Situation einmal der eine, dann wieder der andere überwog. Ein Mensch würde die möglichen Folgen seine Entscheidung "bedenken" – erst dadurch würde es begrifflich überhaupt diese „Entscheidung“ und den „richtigen Schluß“ geben. Das bedeutet nicht unbedingt, daß der Mensch das Problem in Worte fassen müßte; solche Problemlösungen können auch zur Routine geworden sein und dann „intuitiv“ erfolgen. Erst wo eine sprachliche Begleitung immerhin möglich wäre, sollte man vom „Willen“ sprechen.

Wir sind anders als Computer nicht besonders gut im Lösen von kombinatorischen Aufgaben nach Art des „Flußüberquerungsrätsels“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Flussüberquerungsräsel). Mark Twain hat daraus seine humoristische „Story without an end“ gemacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2020 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44908

Biontech-Impfstoff (deutsche Medien) = Pfizer vaccine (US-Medien)

Natürlich verdienen viele an der Krankheit und sollen es auch. Im November hieß es zu Biontech:

Impfstoff-Hoffnung schickt Zalando, Delivery Hero, Hellofresh, Dräger auf Talfahrt

Das sind Aktien von Unternehmen, die von einer langdauernden Seuche profitieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2020 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44907

In der ZEIT wird Trump gelobt: „Die schnelle Lieferung des Corona-Impfstoffs ist auch das Verdienst des Noch-Präsidenten.“ (Heike Buchter, 21.12.20)

Das entspricht dem Selbstbild Trumps: "Die Chinesen haben die Seuche in die Welt gesetzt, wir beenden sie."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2020 um 05.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44904

Ich hatte schon meinen Eindruck erwähnt, daß die Kulturschaffenden aufgrund ihres privilegierten Zugangs zu öffentlichen Auftritten (zum Feuilleton, grob gesagt) in der Corona-Krise überproportional zu Wort kommen. Meiner Frau fällt seit langem auf, daß danach gleich die Gastwirte kommen. Keine Zeitung, die nicht alle drei Tage Gastwirte interviewt. Nichts gegen Gastwirte, aber wir kennen auch viele andere Leute, die schwer zu knapsen haben.

Ich selbst fühle mich bei dem Thema nicht wohl, weil ich als Beamter zwar keine Reichtümer anhäufen konnte, aber insgesamt doch unverschämt gut versorgt bin, gerade im Ruhestand und bei meinen geringen Ansprüchen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.12.2020 um 01.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44903

Fragt sich nur, was der Bürgermeister und vielleicht auch DER SPIEGEL genau mit "wagemutig" meinten bzw. ob ihnen die Doppeldeutigkeit überhaupt bewußt war: Ist es Wagemutigkeit in bezug auf die Krankheitsrisiken oder ist es Wagemutigkeit in bezug auf die drohende Strafe für den Auflagenverstoß?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 23.12.2020 um 23.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44902

Ich möchte beispielhaft zwei Aussagen aus dem neuen SPIEGEL zitieren, die den meinen entsprechen. Jeweils Einschätzungen aufgrund von Lebenserfahrung und Beobachtungen.

Ein Gastronom sagt: "Was wir in diesem Jahr an Pleiten erlebt haben, ist erst der Anfang. Im Januar und Februar wird es Insolvenzen rieseln wie Nadeln von Ihrem trockenen Tannenbaum, den Sie nach Weihnachten vor die Tür stellen."

Ein Bürgermeister sagt: "Es zeigt sich […], dass viele junge Menschen oder Berufsjugendliche es für besonders wagemutig halten, gegen die Corona-Auflagen zu verstoßen."

Ich finde, man muß nur die Fakten ansehen und mit ein wenig Realismus eins und eins zusammenzählen. Wir werden ja im neuen Jahr sehen, ob oder wo ich falsch gelegen habe. Melde mich dann wieder.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.12.2020 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44899

Kann alles sein. Oder auch nicht.

Jeder kann Vorschläge machen und sehen, ob er damit durchkommt. Einfach ist es nicht.

Das gilt auch für die Impfpläne. Jeder läßt sich kritisieren, und wenn nun noch gefordert wird, jedesmal die Parlamente zu beteiligen, geschieht erst mal gar nichts.

Übrigens: Ich hole mir in der Apotheke kostenlos drei Masken, die der Staat – wahrscheinlich viel zu teuer, wie man hört – den Apothekern bezahlt. Das ist eine sinnlose Verschleuderung von Steuergeld, weil die meisten Leute genau wie ich die Masken auch selbst bezahlen können und nicht gerade in der Apotheke mit ihren sprichwörtlichen Preisen kaufen müßten. Und mit drei Masken, die nicht mal gewaschen werden können, kommt man ja auch nicht weit. Wir hatten uns ohnehin einen Vorrat angelegt – nach der Anfangszeit mit den selbstgenähten.

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Nachtrag: Auf der zweiten Seite der SZ werden heute die deutschen Corona-Maßnahmen ausführlich erörtert und bewertet, auch vergleichend. Dazu ein Artikel über die Schuldenaufnahme. Ganz lesenswert.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 23.12.2020 um 01.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44898

Die Insolvenzen kommen größtenteils erst in 2021, diese Zahlen haben wir noch nicht. Die Annahme einer großen Pleitewelle drängt sich aber auf. Die meisten Unternehmen müssen schon in normalen Zeiten knapp kalkulieren. Wenn dann monatelang das Geschäft tot ist, aber ein erheblicher Teil der Kosten weiterhin anfällt (Mieten!), geht vielen von ihnen die Luft aus. Hinzu kommt in vielen Fällen, daß das Geschäft nach einer langen Zwangsschließung nicht gleich wieder aufblühen kann, das Minus in der Kasse also weiterhin zunehmen würde. Wie viele Pleiten es am Ende sein werden, wird auch davon abhängen, ob die Geschäfte ab Mitte Januar wieder öffnen dürfen. Ich gehe nicht davon aus, weil die Politiker damit ja eingestehen würden, daß die bisherigen Schließungen und das Abwürgen des Weihnachtsgeschäfts nicht hätten sein müssen. Fehler zugeben ist nicht ihr Ding.

Das pauschale "Kontakte reduzieren!" sei bestimmt besser? Wenn damit keine größeren Schäden verbunden wären, dann ja, aber doch nicht, wenn man damit einen Teil der Wirtschaft ruiniert und zig Milliarden Euro Schäden anhäuft. Dann kann und muß man doch abhängig vom Risiko abwägen. Gastronomie und Bars schließen ja. Ausgangssperre ja (solange die Inzidenzen hoch sind), weil dann weniger private Treffen zu Hause. Aber wieso den normalen Einzelhandel schließen, wenn er mutmaßlich nicht einmal ein Prozent zu den Neuinfektionen beisteuert?

In einem Geschäft hat man keinen physischen Kontakt, man trägt zusätzlich Maske, man spricht meist nur an der Kasse ein paar Wörter oder gar nichts. Dies unter dem Motto "Kontakte reduzieren!" in einen Topf zu werfen mit den privaten Treffen zu Hause, wo man ohne Maske endlos plaudert, lacht und sich anhustet, teilweise auch mit Hautkontakt, teilweise enthemmt durch Alkohol, das finde ich grotesk und höchst ungerecht.

"Vor einigen Wochen dämmerte vielen Unternehmen, daß ein kurzer scharfer Lockdown (mit Hilfen) besser zu überstehen ist als das Hin und Her mit seiner fatalen Folge der Unplanbarkeit."

Ja, das war die Idee. Der Lockdown ist bezogen auf den Einzelhandel nun scharf, aber er wird nicht kurz und auch nicht erfolgreich sein. Von wegen Planbarkeit: Anders als geplant wird man den Lockdown (meine Vermutung) immer weiter verlängern. In anderen Ländern sieht man: Nach dem Lockdown ist vor dem nächsten Lockdown, und es ist zu erwarten, daß im Winter daraus ein Dauer-Lockdown wird.

Der Clou: Vor lauter Lockdown werden sich viele Millionen junge Leute zuzüglich junggebliebene Ältere um so mehr an jedem Wochenende zu Hause mit ihren Freunden treffen und ihre Viren austauschen, bis es im Frühling wieder wärmer wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2020 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44895

Ich stimme Ihnen in vielem zu. Ohne Zahlen kann man allerdings nicht viel sagen.

Was mir durchweg fehlt, ist ein Blick in erfolgreichere Länder.

Warum die Geschäfte? Meiner Ansicht nach wäre eine Auffächerung nach Risiken zu kompliziert und würde den Beigeschmack der Willkür nicht beseitigen. Das pauschale "Kontakte reduzieren!" ist bestimmt besser.

Vom Ruinieren und Vernichten von Existenzen liest man viel, aber gibt es Zahlen? Wie wirken die Staatshilfen?

Vor einigen Wochen dämmerte vielen Unternehmmen, daß ein kurzer scharfer Lockdown (mit Hilfen) besser zu überstehen ist als das Hin und Her mit seiner fatalen Folge der Unplanbarkeit.

Die Schulen wurden offengehalten unter dem Vorwand der Bildung, in Wirklichkeit wegen der Unterbringung der Kinder berufstätiger Eltern. Das hätte man offener handhaben können.

Natürlich dauert es, bs man die Folgen der neuen Beschränkungen sehen kann, aber ich glaube ziemlich stark, daß sie kommen werden. Es hätte ja auch jetzt schon noch viel schlimmer kommen können. Unter "exponentiellem Wachstum kann sich der Mensch leider oft nichts vorstellen.

In der rechten Blase rechnet man vor, daß es keine Corona-Pandemie gibt, daß es mehr freie Intensivbetten gibt als vor der nichtexistenten Krise, daß Impfungen nicht in Frage kommen usw. (https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/lockdown-ohne-wirkung-antworten-auf-die-echten-probleme-in-der-warteschleife/)
Wenn man Familienmitglieder hat, die in der Klinik arbeiten, möchte man solche frivolen Hetzer gleich erwürgen.

Die größten Schäden werden unterhalb der Kriminalitätsschwelle angerichtet.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.12.2020 um 11.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44894

Noch mal zu Corona. Ich möchte meine Prognose aktualisieren. Inzwischen haben wir ja einen härteren Lockdown, aber die Zahlen gehen immer noch nicht herunter. Ich nehme an, daß es noch etliche Wochen lang dabei bleiben wird.

Mit der Lockdown-Politik sollte das Ziel erreicht werden, die Inzidenzwerte wieder deutlich unter 50 zu drücken, um Nachverfolgung wieder zu ermöglichen. (Frage: Warum gingen denn die Inzidenzwerte jemals über 50 hinaus, wenn doch zuvor die Nachverfolgung angeblich die Beherrschung ermöglicht hat?) Momentan ist der landesweite Durchschnitt bei rund 200. In Sachsen liegt der Durchschnittswert bei über 400 und überschreitet den vermeintlich noch erreichbaren Zielwert schon etwa zehnfach.

Aktuell schreibt Karl Lauterbach auf Twitter: "Die 2. Welle muss konsequent beendet werden. Zielwert sollte bei 25 Inzidenz liegen. [...] Es wird darauf ankommen, Lockdown nicht zu früh zu beenden. [...] Jetzt können wir noch einmal die Kontrolle gewinnen. Das sollte Strategie sein."

Ähnlich reden andere Experten und Politiker. Meine Meinung: Das ist völlig unrealistisch, und das hätte auch von vornherein ziemlich klar sein müssen. Die Lockdowns von Geschäften bringen nämlich nahezu überhaupt nichts. Warum? Weil die Übertragungen größtenteils gar nicht dort stattfinden. Wäre es anders, dann hätten wir längst ein sehr großes Übergewicht bei Infektionen unter den Verkäufern in den Geschäften, weil sie sich in der Summe vielleicht 50mal länger an diesen vermeintlich gefährlichen Orten aufhalten als die Kunden, die zwei- oder dreimal pro Woche für fünf bis zehn Minuten in ein Geschäft hineingehen. (Außerdem nehmen die Verkäufer wahrscheinlich in den Arbeitspausen die Maske ab, wenn sie in kleinen Gruppen etwas trinken oder essen, wodurch sich Ansteckungen längst multipliziert haben müßten.) Also, wo ist bitte der Nachweis einer massiv erhöhten Inzidenz beim Personal im Einzelhandel? Genau dieser hätte eine ernstzunehmende Grundlage für einen Lockdown der Geschäfte sein müssen, aber man hat, soweit ich weiß, nichts dergleichen gehört und gelesen.

Es ist doch völlig klar, daß der größte Teil der Ausbreitung im privaten Bereich stattfindet, wo in der Regel gar keine Masken getragen werden (und dann zum Beispiel in Altenheimen, sobald das Virus dort angekommen ist). Wenige Hochzeiten, Partys oder Gottesdienste mit zahlreichen Teilnehmern haben ausgereicht, ganze Landkreise zum Hochrisikogebiet zu machen. Wenn man nun alle privaten Treffen in Deutschland zusammenzählt, wie sie täglich stattfinden, sind das insgesamt vielleicht so viele Kontakte wie bei zehntausend Hochzeiten oder Partys oder Gottesdiensten.

Wie soll denn da eine Eindämmung gelingen? In die privaten Räume kommt die Politik nicht hinein. Damit es wenigstens so aussieht, als ob man so viel wie möglich zur Eindämmung tut, werden stattdessen die Geschäfte geschlossen und damit massenhaft Existenzen ruiniert. Das ist Symbolpolitik mit der Folge exzessiver Schäden. Nicht viel klüger als ein Schildbürgerstreich.

Wenn man aber die Statements von Lauterbach et al. liest oder hört, sieht es ja so aus, als glaubten diese Experten und die Politiker immer noch, die Zahlen ließen sich noch erheblich nach unten drücken (auf Inzidenzen unter 50).

Ich wette dagegen: Es wird nicht so kommen. Wenn die Schulen monatelang geschlossen werden, könnte das etwas Erleichterung bringen (aber Politiker wie Giffey können es nicht erwarten, sie wieder zu öffnen). Unabhängig davon glaube ich, daß wir erst dann wieder dauerhaft weniger als 20.000 Infektionen pro Tag haben werden, wenn ein relevanter Teil der Bevölkerung geimpft wurde (erster Effekt: starker Rückgang der Infektionen etwa in Seniorenheimen) und zugleich das Wetter wieder wärmer wird, also etwa ab März 2021.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2020 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44883

Herr Riemer hat mir sogar geholfen, den Text wiederzufinden. Aber ich habe mich entschieden, das Thema nicht weiterzuverfolgen. Herr Riemer weiß, wie sehr ich ihn schätze – und daß ich in dieser Frage völlig anderer Meinung bin.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 20.12.2020 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44881

Er war da, ich habe ihn gelesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2020 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44880

Ich hatte hier einen Kommentar eingetragen, der auch angenommen war, dann aber mysteriöserweise wieder verschwand.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.12.2020 um 01.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44876

Nach einem abgenutzten Spruch ist das Glas halb voll oder halb leer, wie man will, denn beides bedeutet gleich viel.
Ebenso ist es mit den Corona-"Fallzahlen". Dreißigtausend Infizierte pro Tag beunruhigen uns, aber daß sich jeden Tag nur einer von je dreitausend ansteckt, was dasselbe ist, hört sich weniger aufregend an. Deshalb sagt es niemand. Über 25000 Corona-Tote - oh mein Gott! -, aber daß seit März nur einer von je 40 Verstorbenen in Deutschland mit Corona infiziert war und somit VIELLEICHT an Corona gestorben ist, was wiederum dasselbe ist, klingt wieder ziemlich langweilig. Deshalb sagt auch das niemand.

Bei dem tagtäglichen Medien-Bombardement mit neuen "Höchstwerten" über Corona-Infizierte und -Tote ist es kein Wunder, daß ein Großteil der Bevölkerung glaubt, die Zahlen seien mittlerweile extrem hoch, daß sie in Angst leben und den wirtschaftlichen Lockdown gutheißen. Kaum jemand rechnet nach, niemand bedenkt, daß wir ein Volk von 83 Millionen sind!

Im Durchschnitt der letzten vier Jahre (2016-19) sind jährlich insgesamt rund 934000 von 83 Mio. Einwohnern gestorben, d.h. pro Jahr stirbt 1,1% der Bevölkerung. Und zwar sowieso. Das ist sozusagen das durchschnittliche allgemeine Lebensrisiko.
Stand heute (1471238 Infizierte, 25640 Tote) beträgt die Wahrscheinlichkeit, "an oder (im Zusammenhang) mit" Corona zu sterben, wenn man sich einmal infiziert hat, durchschnittlich 1,7%. Bedenkt man dazu, daß mit Sicherheit nicht alle Infizierten entdeckt werden und daß nicht alle mit Corona infizierten Toten ursächlich auch an Corona sterben, dann liegt die tatsächliche Corona-Sterberate statt bei 1,7% noch näher am allgemeinen Lebensrisiko von 1,1%. Das Sterberisiko für einen an Corona Infizierten ist also kaum höher ist als das Risiko für einen beliebigen Nichtinfizierten, innerhalb des betreffenden Jahres an irgendeiner anderen Ursache zu sterben.
Beide Risiken (Raten) haben gemeinsam, daß sie in jungen Jahren weit unter dem genannten (fast gemeinsamen) Durchschnitt liegen und im höheren Alter weit darüber.

https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Gesellschaft/bevoelkerung-sterbefaelle.html zeigt die Übersterblichkeit in diesem Jahr über dem Durchschnitt von 2016 bis 2019. Übers Jahr bis Ende November lag sie nur um 2 bis 3% höher. Bis Ende Dezember könnte sie noch etwas steigen.

Soweit die nackten Zahlen, bis hierher habe ich keine Meinung geschrieben.

Allerdings gibt es einen scheinbaren Widerspruch mit diesen Zahlen. Wenn insgesamt nicht mehr Menschen sterben als in anderen Jahren, woran liegt es dann, daß die Krankenhäuser so voll sind, daß Ärzte und Pfleger an der Leistungsgrenze arbeiten, daß schon von drohender Triage die Rede ist? Hierzu gibt es leider keine genaueren Zahlen. Warum nicht, RKI? Ich kann also dazu nur Mutmaßungen anstellen.

Corona war eine neue, mystische, weil aus China stammende, Krankheit. Sofort sprangen sensationsgierige Medien auf und zählten jeden einzelnen Krankheits- und Todesfall. So etwas gab es bei noch keiner anderen Krankheit. Daraus entwickelte sich eine Hysterie, die jetzt nicht mehr zu stoppen ist. Früher starben sehr alte Menschen mit schwerer Grippe zu Hause oder im Heim. Jetzt werden 80- und 90jährige auf Intensivstationen gequält. An allem darf gestorben werden, nur nicht "im Zusammenhang mit" Corona. Schließlich stirbt die Hälfte von ihnen doch, denn für einen 80jährigen genügt nun mal schon ein leichter Wind, es braucht gar keinen Sturm mehr. Kein Wunder also, daß die Krankenhäuser ächzen, obwohl die Gesamtsterblichkeit gar nicht steigt. Corona ist gefährlich, aber nicht so, wie behauptet wird. Und wir gehen, auch wegen der Panik, völlig falsch mit der Krankheit um.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2020 um 08.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44869

Im nordrhein-westfälischen Landtag rät Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), keine Weihnachtsgeschenke online zu bestellen. Außerdem kündigt er an, in welchem Bereich seine Regierung zuerst den harten Lockdown beenden werde.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat dazu aufgerufen, nach Möglichkeit auf das Bestellen von Geschenken bei Onlinehändlern zu verzichten. Stattdessen solle man einen Gutschein ausstellen, der im kommenden Jahr eingelöst werden könne. Er jedenfalls werde das so machen, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in einer Unterrichtung des Landtags in Düsseldorf.
Laschet verwies auf mittelständische Geschäfte, denen das überlebenswichtige Weihnachtsgeschäft entgehe. Stattdessen würden die Geschenke jetzt online bestellt, bei Konzernen, „die in Europa keinen Cent Steuern zahlen“. Ein deutlicher Seitenhieb in Richtung Amazon.


Die Versäumnisse der Steuergesetzgebung können nicht durch Boykottaufrufe an die Verbraucher ausgeglichen werden.
Amazon vertreibt und vermittelt unzählige in Deutschland hergestellte Produkte, auch kleine deutsche Anbieter, von Gärtnereien bis zu Antiquariaten.
Amazon beschäftigt in Deutschland 20.000 Mitarbeiter, hat 120.000 zusätzliche Arbeitsplätze bei anderen Anbietern geschaffen.
Dem Kandidaten Laschet fehlt der Überblick. Ich bestelle natürlich weiterhin bei Amazon. (Wenn es denn schon konventikelhafte Bekenntnisse sein müssen...)

Übrigens – auch Laschet spart Steuern, anders als Amazon sogar auf unerlaubte Weise: „2009 veröffentlichte Laschet das Sachbuch Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance, wobei er auch Unterstützung von Mitarbeitern des Ministeriums in Anspruch genommen hatte. Das Honorar spendete er und machte die Spende in seiner Steuererklärung geltend, ohne das Honorar als Einnahmen angegeben zu haben.“ (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2020 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44868

Das Risiko, sich im Familienkreis mit Corona anzustecken, beträgt überraschenderweise nur 16,7 Prozent. Und ich hatte gedacht, es wären 18,2 Prozent.

Pornhub löscht 9 Millionen Videos. Ein Anbieter will mir 40 Millionen Songs zum Runterladen zugänglich machen. Mir schwirrt der Kopf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2020 um 19.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44861

Trump behauptet fast täglich, er habe mehr Stimmen als vor vier Jahren gewonnen und könne daher die Präsidentenwahl nicht verloren haben. Er übersieht, daß sein jetziges Ergebnis nicht an seinem früheren gemessen wird, sondern an dem seines Konkurrenten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2020 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44851

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26957 usw.

Die beste Kritik an "Gedankenexperimenten" und überhaupt an der "Theorie des Geistes" ist dies:

Kathleen V. Wilkes: Real people. Personal identity without thought experiments. Oxford 1988.

Viel zu wenig beachtet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.12.2020 um 01.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44806

zu #44737:

Lieber Prof. Ickler, ich wünschte, Sie hätten die gerade im ZDF zu Ende gegangene Talkshow mit Markus Lanz (Der Talk vom 3. Dezember) gesehen, besonders die zweite Hälfte bis zum Schluß. In der ZDF-Mediathek kann man sie noch abrufen.

Und dann würde es mich sehr interessieren, ob Sie immer noch sagen, ich hätte übertrieben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2020 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44801

Wenn die Kritiker des Energiewandels recht hätten, müßten wir schon längst mit dicken Pullovern in dunklen kalten Zimmern sitzen. In Wirklichkeit haben wir seit Jahrzehnten keine Sekunde Stromausfall gehabt, wie er noch in meiner Kindheit nicht selten war (weshalb immer Kerzen bereitlagen; der Grund war aber schon damals nicht Energiemangel, sondern ein marodes Netz und andere Verteilungsprobleme).

Im faulen Zauber der Zahlen habe ich manchmal das Bedürfnis, auf die Tatsachen zurückzukommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2020 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44787

Ich weiß schon, wie es gemeint ist, wollte aber auf die Diskrepanz hinweisen zwischen der groß aufgemachten Meldung und dem Kleingedruckten, typisch für so manchen Bericht aus den Wissenschaften.

Der Mensch ist offensichtlich ein Allesfresser. Wenn er sich einseitig ernährt, aber für Ausgleich sorgt, ist alles wieder gut. Wer hätte das gedacht!

Gerade lese ich von der Weltsensation einer Erklärung für die Dunkle Energie im Weltraum; am Ende sind alle Fragen weiterhin offen, und wir sind so klug als wie zuvor.

Ob eine Tageszeitung eine Chance hätte, die keine Unterhaltung brächte? Also keinen Sport, keine Theater- und Romanbesprechungen, keinen Promiklatsch?
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 30.11.2020 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44786

„Wenn man es richtig macht, macht man es nicht falsch, das leuchtet ein.“

Die Formulierung mag tautologisch klingen, aber gemeint ist doch wohl die Möglichkeit einer adäquaten veganen Kinderernährung. American Academy of Pediatrics: „[The AAP] recommends that your child only be on this diet after consultation with your pediatrician or health care provider. It is possible to have a child on a safe vegan diet, but it should be done carefully. There are critical vitamins and minerals which can be deficient in a vegan diet, particularly vitamin B12, vitamin D, iron, vitamin A, calcium, zinc, and riboflavin.“ Siehe auch meinen Kommentar hier: https://www.zoeharcombe.com/2020/01/is-veganuary-healthy/#comment-84562

Anderes Thema: Auf Massengeschmack-TV wurde kritisch über einen „Beitrag, der zu Recht wieder einmal die Gamingszene auf die Palme brachte“, gesprochen. Gemeint ist hier eigentlich „wegen dessen die Gamingszene zu Recht auf die Palme ging“. Oder sind beide Formulierungen möglich (und mehrdeutig)?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2020 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44764

Der Vitamin-D-Apostel Prof. Jörg Spitz wirkt sehr vertrauenerweckend. Ich habe seinen Vortrag (Youtube) nur bis zu der Stelle gehört, wo er dem RKI und anderen offiziellen Autoritäten unterstellt, die Volkskrankheit Vitamin-D-Mangel wider besseres Wissen zu verschweigen. Solches Verschweigen und Verharmlosen kommt vor, wo der Staat einem Mißstand nicht oder nur zu hohen Kosten abhelfen kann oder unter dem Druck einer starken Lobby steht (wie Verkehrs- und Landwirtschaftsminister). Aber die Pharmalobby, die hier in Betracht kommt, müßte doch im Gegenteil ein starkes Interesse am Verkauf von Vitamin-D-Präparaten haben. Wenn schon Verschwörugstheorie, dann auch richtig!

Nicht überzeugend kommt mir auch vor, daß die Sonne mindestens 45 Grad hoch stehen müsse, damit überhaupt Vitamin D in der Haut gebildet werden kann. Im Winter wird also gar keins (das drückt Spitz gleich in mehreren Sprachen aus) gebildet. So steht es auch im Wikipedia-Artikel, wo man aber im übrigen abwägende Informationen findet.
Grundsätzlich muß man unterscheiden zwischen einem theoretisch errechneten Mangel und dem wirklichen Auftreten von Mangelerscheinungen. So wird auch bei Wikipedia zugegeben, daß Schwarzafrikaner durchweg zu wenig Vitamin D haben und zugleich eine höhere Knochendichte als Weiße. Ein Wunder der Natur. (Es gibt auch einen verbreiteten Eisenmangel ohne Eisenmangelerscheinungen.) Die Kinder spielen angeblich immer weniger draußen, trotzdem kommt Rachitis kaum noch vor (nicht alle Schwangeren bekommen Vitamin-D-Supplemente).
Je mehr man darüber liest, desto mehr beeindrucken die Unsicherheiten; desto weniger leicht greift man aber auch zu den Präparaten, denen mehr und mehr wundertätige Wirkungen zugeschrieben werden, jetzt sogar gegen Corona.

In einem Bericht der SZ über Kinderernährung wird dargelegt, daß vegetarische und sogar vegane Ernährung Kindern nicht schadet, „wenn sie richtig durchgeführt wird“ (wie es mehrmals heißt). Wenn man es richtig macht, macht man es nicht falsch, das leuchtet ein. Kronzeuge ist der „weltweit erste Professor für vegane Ernährung“ (https://www.drmarkuskeller.de/) an einem einschlägigen privaten Institut.

Je populärer das Medium, desto unbedenklicher die Verschlagzeilung, das haben wir auch bei der Rechtschreibreform gemerkt. Wissenschaftler kann das zur Verzweiflung treiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2020 um 09.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44742

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27603

Könnte ein Maler heute noch Flügel an den Schulterblättern eines Engels montieren? Bei älteren Bildern sind wir nachsichtig, aber ganz können wir uns nicht von dem Eindruck befreien, daß es sich um eine Mißgeburt von monströsem Ausmaß handelt.

Der musizierende Greis auf Poussins "Danse à la musique du temps" ist ein besonders krasses Beispiel, wird aber kaum kommentiert. Nur Hilary Spurling in ihrer Powell-Biografie stellt schlicht fest:

Their music comes from some sort of classical banjo strummed by a bald, bony, bearded old man with nothing on and a large pair of wings implausibly attached to his shoulder blades.

Trotzdem ist es ein wunderbares Bild, mit dem man sich als Leser von Powells gleichnamigem Roman immer wieder beschäftigen muß. Werde es mir an die Wand hängen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2020 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44740

Ausgesorgt mit 45 – so geht’s. Finanzstrategien von Vermögenden (SPIEGEL 22.11.20)

20 Jahre arbeiten, 80 Jahre von der Arbeit anderer leben. Das ist bewundernswert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2020 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44737

Von den Übertreibungen abgesehen bin ich auch der Meinung, daß man der Entstehung von kriminelllen Clans schon viel früher hätte entgegentreten müssen. Sie reicht ja einige Jahrzehnte zurück.
Daß ich mich auch der späteren blinden Begeisterung ("Refugees welcome") nicht anschließen konnte, habe ich mehrmals zum Ausdruck gebracht. Das Thema geht uns hier an, weil es einer der Schwerpunkte sprachlicher Vernebelung ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.11.2020 um 02.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44735

"Zwischen Null-Toleranz und Laufenlassen liegt ein weites Feld"

Es geht heute schon nicht mehr nur um dieses weite Feld, sondern um ein noch viel weiteres. Es geht schon darum, daß Polizisten bestimmte Bereiche von vornherein meiden bzw. lieber die Flucht vor erzürnten Großfamilien oder randalierenden Migrationshintergründlern ergreifen, anstatt die gesetzliche Ordnung und das Gewaltmonopol des Staates durchzusetzen. Die Polizei hat leider keine Autorität mehr, weil sie keine haben darf.

Ja, natürlich, wenn ich im Auto nicht angeschnallt bin, dann dürfen sie mich noch zur Kasse bitten. Verständnis für die Polizei habe ich jede Menge, aber eben keins mehr für Gesetzgebung und Rechtsprechung.

Eine einzelne Großrazzia wie kürzlich anläßlich des Dresdner Diamantenraubes bestätigt nur die Regel und den Fakt, daß die Polizei sich in kleineren Gruppen zu bestimmten Ereignissen nicht mehr sehen lassen darf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2020 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44728

So geringschätzig würde ich vom "sogenannten Rechtsstaat" nicht sprechen. Man sollte schon etwas Verständnis für die Polizei und die Innenminister usw. aufbringen. Wie sollten sie denn vorgehen? Zwischen Null-Toleranz und Laufenlassen liegt ein weites Feld – beides führt zur Diagnose "Abdanken des Rechtsstaats". Ganz zu schweigen vom bunten Gemisch der Demonstranten (in diesen Tagen überall zu lesen). Ich kann und will hier nicht näher darauf eingehen; das Problem ist ähnlich wie bei der Behandlung der sogenannten "Geflüchteten".

Seniorenheime (Altersheime, sagten wir früher) und Pflegeheime sind ziemlich verschieden. Es gibt hier sehr schöne, altengerechte Wohnheime. Ich habe eins näher kennengelernt, weil ein betagter Emeritus (ein einst berühmter Altgermanist) und seine Frau dort wohnten; das war richtig beneidenswert. Dort gibt es auch Konzertprogramme usw., und man stirbt nicht dauernd. Aber jetzt ändert Corona alles.

Noch eine Bemerkung nach der Zeitungslektüre: Man kann das Gerede von der "Wut" bald nicht mehr hören. Wut an sich ist ja noch nicht respektabel. Nicht zufällig stellt sich das Attribut "blind" ein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.11.2020 um 02.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44727

Es ist leider so, daß die rechtsextremen Protestanten glauben, ihre Forderungen auf ungesetzliche Weise erzwingen zu dürfen. Das haben sie mit den Linksextremen gemeinsam, und der Staat läßt sich ständig von beiden Seiten vorführen.
Die staatliche Autorität existiert im Prinzip nicht mehr. Wenn die Polizei hart durchgreift, muß sie sich immer als erste verantworten. Das ganze Theater nennt sich dann Rechtsstaat.

In Wirklichkeit erzieht der sogenannte Rechtsstaat die Extremisten auf beiden Seiten geradezu zum gesetzlosen Handeln, weil sie wissen, daß ihnen nichts passiert. Den Schaden und die Alibi-Polizeieinsätze ("Beregnung") bezahlen schließlich nicht die Chaoten, sondern die friedlichen, demokratisch gesinnten Bürger. Jeder solche Polizeieinsatz ist eine Aufforderung an die Links- und Rechtsextremen, beim nächsten Mal noch einen draufzulegen.

Abgesehen von den Verstößen gegen die gesetzlichen Coronaauflagen, gegen die man protestieren darf, die man aber einzuhalten hat, finde ich allerdings diese Gegenüberstellung mit der Situation in dem Seniorenheim nicht überzeugend. Von den 200 Essen, so schätze ich mal, gehen vielleicht 120 an Senioren, auch weil die Pflegekräfte in Schichten arbeiten und wohl nicht alle am Essen teilnehmen. Andernorts habe ich gelesen, daß Bewohner in Pflegeheimen im Durchschnitt etwa 1 Jahr im Heim verbringen, bevor sie sterben. Bei 120 Senioren bedeutet das, daß im Schnitt jede Woche 2 Heimbewohner sterben, und zwar sowieso, auch ohne Corona. Wenn also das Heim aktuell 2 Coronatote ("an oder mit" und über welchen Zeitraum?) zu beklagen hat, dann sollte man das am besten gar nicht erwähnen, anstatt es zur Rechtfertigung von einschneidenden Coronamaßnahmen zu benutzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2020 um 13.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44726

Schulklassen fahren nach Auschwitz (einschl. Besäufnis mit billigem Wodka) oder wenigstens nach Flossenbürg. Das ist in Ordnung, aber man sollte sie auch durch Kliniken führen, soweit möglich. Was dort zur Zeit "abgeht", wie man heute sagt, ist eindrucksvoll.

Ein naher Verwandter kocht in einem Seniorenheim das Mittagessen für 200 Personen. Bisher 60 Corona-Infizierte und zwei Tote. Immer wieder neue Tests, Personalausfälle.

Die Rechte tobt:

Corona-Abstimmung: Bürger-Protest mit Wasserwerfern niedergekämpft

Zehn Zeugnisse des neuen obrigkeitlichen Denkens

Mit der Corona-Politik ist nicht nur bei regierenden Politikern der Anspruch wieder wach geworden, Absurditäten zu unwidersprechbaren Grundsätzen zu erklären.
Usw., Tag für Tag.

Als Jahrhundertkatastrophe gilt nicht die Seuche, sondern deren Bekämpfung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2020 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44717

„Tichys Einblick“ stellt zufrieden fest, daß die Zustimmung zu den Corona-Maßnahmen stark gesunken sei. Ein Forist schreibt:

Patriot
Diese Corona-Hysterie wird von Politikern hochstilisiert, um abzulenken von den eigentlichen schwerwiegenden Problemen. Aber die Deutschen waren schon immer ein besonders leichtgläubiges und leicht zu erschreckendes Volk; also fällt einer großer Teil auf die Lügen herein.


Typisch ist der auf Deutschland begrenzte Blick. Vom übrigen zu schweigen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 16.11.2020 um 10.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44716

Wir können von Taiwan oder Neuseeland nicht lernen, eine Insel mit mildem Klima zu werden. Wir können auch nicht einfach ein Jahr lang die Grenzen abdichten und damit simulieren, eine Insel zu sein. England wurde kalt erwischt: Man bemerkte die schnelle Ausbreitung zu spät, es fehlte an Tests und Masken. Mit der starken ersten Welle verfiel der Vorteil, den die Insellage geboten hätte.

Das Thema ist doch, ob jetzt weitere Lockdowns nötig, effektiv und im Blick auf den wirtschaftlichen Schaden vertretbar sind. Es geht dabei vor allem um die Frage, wie nachhaltig ihr Erfolg ist. Das müssen wir erst noch sehen. In Israel ist das Ende des zweiten Lockdowns erst zwei Wochen her, unserer läuft gerade, in Österreich beginnt er gerade erst. In vier bis sechs Wochen wissen wir mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2020 um 09.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44715

Sie bestätigen weitgehend, was ich gesagt habe, und auf Ihre Bedenken gegen meine Vergleiche könnte ich manches antworten, es wäre aber nur Wiederholung. Jede Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich (Tolstoi), und jedes Land hat andere Bedingungen, aber das macht Vergleiche nicht wertlos. Emgland ist auch eine Insel. Israel hat auch bei ganz anderen Bedingungen einiges erreicht. Usw., wo kämen wir hin, wenn wir nicht vergleichen und von anderen zu lernen versuchen?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 16.11.2020 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44713

Taiwan und Neuseeland, was sind denn das für Beispiele? Inseln sind sozusagen Länder in Quarantäne, dazu kommt ein milderes Klima. Ferner war in Ostasien das Masketragen schon vor Corona als selbstverständliches Verhalten etabliert, in Japan sogar unabhängig von Epidemien (https://www.deutschlandfunkkultur.de/schutz-aus-zellstoff-warum-so-viele-japaner-mundschutz.979.de.html?dram:article_id=292628). Auf Inseln wie Japan, Taiwan und Neuseeland gibt es auch ein ganz anderes Gefühl, eine Schicksalsgemeinschaft mit gemeinsamer Verantwortung zu sein. In Neuseeland könnte außerdem das Vertrauen in die Regierung unter der sehr beliebten Premierministerin geholfen haben.

In diesen Ländern gab es kein Ischgl, das Corona in halb Europa schlagartig verbreitet und angeschoben hat. Dort gibt es keine hunderttausend Bürger oder Migranten, die im Sommer Corona aus dem Urlaub bei Angehörigen auf dem Balkan und in der Türkei importiert haben. Es gab dort keine türkischen und arabischen Hochzeiten als Superspreader-Ereignisse. Hauptsächlich zwei solcher "privaten Familienfeiern" haben bei uns den Landkreis Hildburghausen in die Top-Liga der höchsten Inzidenzen gebracht. Was taugen die "Vergleiche" auf dem Hintergrund all dieser Unterschiede?

Ich habe mir gestern, an diesem sehr milden, freundlichen Novembertag, das Treiben auf den Gehwegen und in einer Grünanlange in München angesehen. Überall Gruppen von bis zu 20 Leuten, die zusammen gehen, stehen, sitzen, sich beim Tischtennis (im Doppel, mit fröhlichem Abklatschen nach einem Punkt), Boccia, Fußball vergnügen. Nahezu alle ohne Maske. Genau dasselbe, nur noch enger und ohne Lüftung, wird sehr wahrscheinlich in Millionen Wohnzimmern stattfinden, im Winter noch mehr als bisher. Freie Fahrt für Corona. Daher wieder die Frage: Was genau bringen Lockdowns, wenn die Menschen sich privat so verhalten?

Mal Kopfrechnen. Wir haben in Deutschland bisher rund 12.500 Todesfälle. Bei einer Bevölkerung von rund 83 Millionen ist das einer von rund 6650 Mitbürgern. Das bedeutet: Nicht einmal eine von 1000 Familien klagt bisher über einen Todesfall. Wie soll man es den Menschen verübeln, wenn sie die Pandemie bisher nicht wirklich ernst nehmen? Es gibt hundertmal mehr Menschen und Familien, die in den Ruin getrieben werden oder zumindest unter massiven wirtschaftlichen Verlusten leiden. Wie soll man es den Millionen Betroffenen verübeln, vom Musiker bis zur Hotelangestellten, wenn sie die Lockdowns vor allem als schädlich empfinden?

Vielleicht wäre es anders, wenn wir hier Fernsehbilder wie seinerzeit in Italien zu sehen bekämen, also wie Leichen in Containern vor den Krankenhäusern gestapelt werden. Möglicherweise würde das zu mehr Vorsicht und Disziplin im privaten Verhalten führen. Mit Lockdowns werden aber gerade diese Bilder verhindert. Die meisten Menschen werden sich daher weiterhin so verhalten wie bisher und die Ausbreitung befördern. Es könnte somit sein, daß man mit Lockdowns unter dem Strich rein gar nichts gewinnt. Die Politiker werden sie dennoch anordnen, weil sie sich nicht vorwerfen lassen wollen, sie hätten nichts unternommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2020 um 17.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44706

Es hängt alles davon ab, ob wir die Verbreitungsketten unterbrechen können. Immer mehr Regierungen sehen das ein, aber viele Querdenker, Richter und Politiker anscheinend nicht.
Der einfache Grundgedanke ist: Wenn wir die Schulen offen lassen, müssen wir anderswo um so strenger auf Kontakte verzichten. Dabei kann es nicht gerecht zugehen. Aber was haben Fitneß-Zenten davon, wenn Gaststätten ebenfalls schließen?
Es ist bedrückend zu sehen, wie ein mühsam erreichter Konsens von allen Seiten sofort wieder zerredet, angenagt und in Frage gestellt wird. Die Deutschen zeigen sich hierin besonders talentiert.
Nun werden wir sehen, wie die Schulen reihenweise wieder geschlossen werden. 10 Millionen Schüler jeden Tag mehrere Stunden zusammen und anschließen nach Hause in die Familien, das kann nicht gut gehen, besonders im Winter. Es werden noch viele Menschen sterben, bis wir von anderen Staaten lernen, und auch der wirtschaftliche Schaden wird ungleich größer sein, als es notwendig wäre. Hinzu kommt, daß auch die Genesenen zu eiem großen Teil nicht gesund sind, vielleicht nie wieder gesund werden.
(In Taiwan sind bisher 7 Menschen an Corona gestorben, in Neuseeland 25.)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 14.11.2020 um 09.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44705

Meine Mutter, die auf die 90 Jahre zugeht, erzählte gestern von einer längeren Busfahrt übers Land zwecks Arztbesuch. Auf der Hinfahrt (eine halbe Stunde im Bus) unterhielt sich ein Mann ausdauernd und mit lauter Stimme mit dem Busfahrer, den er offenbar gut kannte. Ohne Maske. Meine Mutter forderte ihn auf, eine aufzusetzen, was er dann auch tat (allerdings ohne die Nase mitzubedecken).

Gibt es eigentlich Zahlen dazu, wie viele Menschen die Corona-Regeln (Abstand, Maske, Kontakte möglichst reduzieren) mißachten? Ich finde auf die Schnelle keine und nehme diesen Bus mit vielleicht 10 bis 15 Insassen als Modell. Wenn einer unter ihnen die Regeln unter den Augen der Fremden so offensichtlich verhöhnt, wie sieht es dann erst aus, wenn sich die Menschen privat treffen? Es wird wohl deutlich über 10 Prozent Regelverächter in der Bevölkerung geben. Jedenfalls zu viele. Auch ein harter Lockdown mit Ausgangssperre würde durch deren Sabotage weitgehend unterlaufen werden, selbst wenn er politisch "durchsetzbar" sein sollte.

Die Politik der Einschränkungen geht davon aus, daß es von der Kooperation in der Bevölkerung nur vereinzelte Ausnahmen gibt. Diese Voraussetzung ist nicht realistisch.

Nehmen wir an, die Politik hätte die Bordelle nie geschlossen. Nach einiger Zeit hätte das Virus alle Prostituierten erreicht. Jede von ihnen ist nach ein, zwei Wochen immun, und ab dann ist sie wieder ungefährlich. So läuft es in vielen Ländern.

Bei uns läuft es eigentlich auch so ab, nur eben außerhalb der Bordelle und etwas langsamer: Die Dummen, von Bolsonaro bis zum deutschen Querdenker, infizieren sich und ihre Kumpel und indirekt dann auch andere, egal ob mit Lockdown ohne ohne. Was also bringt genau ein Lockdown? Wirksame Maßnahmen gegen Dummheit und schlechte Charaktereigenschaften wären nötig, aber die sind nicht in Sicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2020 um 03.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44702

Daß die Rücksichtnahme nachgelassen hat, kann ich bestätigen. Wenn wir auf unserem täglichen zweistündigen Gang durch Feld und Wald einer Gruppe von zwei oder drei nebeneinander gehenden Personen, besonders mit Walkingstöcken, begegnen, können wir sicher sein, daß sie keinen Millimeter Platz machen. Wir drücken uns an den Rand oder weichen auf die Wiese aus und müssen uns nicht selten, besonders von Männern, einen mehr oder weniger lustigen Spott anhören. Bei Joggern und Läufern kommt noch tüchtiges Keuchen und Schnauben hinzu.
Feld und Wald sind sicher nicht die wichtigsten Ansteckungsorte, aber die demonstrative Mißachtung der einfachsten Regeln ist bezeichnend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2020 um 03.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44701

Ein totaler Lockdown von drei Wochen würde die Pandemie nahezu stoppen, aber das scheint nicht durchsetzbar.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 14.11.2020 um 02.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44699

Zu #44596, Zitat:

"Die Infektionsdynamik einfach laufen lassen"? Wäre das leichter durchsetzbar als der Versuch, die Kontakte einzuschränken?

Mit "laufen lassen" war im Kontext gemeint: auf Lockdowns verzichten, weil sie sowieso kaum etwas bringen außer ein paar Wochen Aufschub. Ich hatte prophezeit, daß wir spätestens Mitte Januar wieder bei 20.000 nachgewiesenen Infektionen pro Tag sein werden – im Moment sind wir aber noch nicht einmal von diesem Wert heruntergekommen! Wenn das so weitergeht, bräuchten wir einen permanenten Lockdown über den ganzen Winter. Irgendwann wird man begreifen, daß diese Lockdown-Politik unverhältnismäßig und nicht verkraftbar ist.

Da haben die Politiker aller Parteien immer "Bildung, Bildung, Bildung" gerufen, also sind sie jetzt quasi genötigt, den normalen Schulbetrieb zu fordern ("Recht auf Bildung"). Das Ergebnis: mehr Covid, Covid, Covid. Man kann nicht alles haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2020 um 14.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44686

Ist die Ansteckungsgefahr in Restaurants größer als vermutet? (t-online – könnte aber auch anderswo stehen)

Alles ist immer größer, als manche vermutet haben, aber kleiner, als andere vermutet haben. Aus irgendeinem Grunde ist es immer so groß, wie diejenigen vermutet haben, die vermutet haben, daß es so groß ist, wie es wirklich ist. Weitere Forschungen sind notwendig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2020 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44627

Covid covid covid

US-Präsident Donald Trump hat die Entlassung des Virus-Experten Anthony Fauci angedeutet. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Opa-locka in Florida äußerte sich Trump in der Nacht zum Montag frustriert darüber, dass der Anstieg der Fälle mit dem Coronavirus in den USA weiterhin viel in den Nachrichten vorkomme. Damit löste er „Fauci entlassen“-Rufe unter Tausenden seiner Anhänger aus. „Sagt es keinem, aber lasst mich bis etwas nach der Wahl warten“, sagte Trump daraufhin. Er schätze ihren „Rat“.

Immerhin, früher wurden Unglücksboten hingerichtet. Das magische Denken nimmt zu. Die Sprachreinigung ist ja auch ein Teil davon.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2020 um 05.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44614

"CO2 ist kein Gift." Dieser Satz aus der Mottenkiste der Klimaskeptiker ist ebenso dumm und überflüssig wie der Hinweis auf den klitzekleinen Anteil an der Atmosphäre.

Jeder weiß, daß es ohne CO2 kein Leben gäbe und daß die ganze Lufthülle ein Treibhaus ist. Die Max-Planck-Gesellschaft hat vor einiger Zeit gesagt, worum es geht:

Der CO2-Anteil an der Atmosphäre scheint in ppm zwar gering, aber er ist es (mehr als einige andere Gase), der dafür sorgt, daß die Durchschnittstemperatur plus 15 und nicht minus 18 Grad beträgt. Er ist durch die Industrialisierung um ein Drittel gestiegen, und das CO2 bleibt auf jeden Fall Tausende von Jahren in der Atmosphäre. Die Aerosole sinken dagegen binnen Wochen herab; sie kühlen um einige Grad. Es wird also zunächst wärmer, wenn die Verbrennung zurückgefahren wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2020 um 10.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44609

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44544

Heute, also vor etwa zehn Tagen, erreichen wir die vielbespöttelte Zahl von 19.200 Neuinfektionen. Wer hätte das gedacht!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2020 um 03.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44599

Der derzeitige Wert der Neuinfektionen in Schweden liegt im europäischen Vergleich auf die Bevölkerungszahl heruntergerechnet aber niedriger als in anderen Teilen Europas und auch leicht unter den Werten Deutschlands. (Rheinische Post 29.10.29)

Das stimmt doch gar nicht. 3254 Neuinfektionen sind proportional immer noch mehr als in Deutschland.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2020 um 13.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44596

"Die Infektionsdynamik einfach laufen lassen"? Wäre das leichter durchsetzbar als der Versuch, die Kontakte einzuschränken?

Logischerweise müßte man die Kranken nach Hause schicken, weil in den Kliniken kein Platz mehr ist, ganz zu schweigen vom Personal, das schon jetzt die noch freien Betten nicht versorgen kann.

Massengräber bieten sich an.

Das ganze Problem hat Trump auf die kürzeste Formel gebracht:

"covid covid covid covid covid covid covid covid"
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 29.10.2020 um 09.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44595

Zum letzten Absatz bei Herrn Riemer, wo es um die Frage geht, ob der jetzige Lockdown überhaupt etwas bringen kann.

Ich schätze es ähnlich ein wie Herr Riemer. Ein Lockdown müßte vor allem dort gelten, wo die Infektionen hauptsächlich stattfinden, und das sind private Treffen und Feiern. Aber gerade da gibt es keinen Lockdown. Es gibt die Aufforderung, jeder müsse oder solle auf unnötige Kontakte verzichten, aber das kann zu 99 Prozent nicht kontrolliert werden. Wer also bisher das Gebot der Vorsicht und der Kontaktbeschränkung sabotiert hat, wird der sich nun im November, im Zeichen des Lockdowns, plötzlich disziplinieren? Vielleicht der eine oder andere, aber sicher nicht alle unter den Unvernünftigen. Und spätestens nach dem Lockdown geht es im privaten Bereich wahrscheinlich weiter wie zuvor. Möglicherweise mit noch mehr Infektionsdynamik, weil das Wetter immer kälter wird, also nur noch Aufenthalte in Räumen, und weil die Unlust zur Selbstbeschränkung zunehmen wird.

In Israel hat man innerhalb von 4 Wochen immerhin eine Reduzierung auf ein Zehntel erreicht. So zumindest die offizielle Statistik, die allerdings trügerisch sein könnte, weil sich viele Infizierte in Israel mittlerweile aktiv vor der Erfassung verstecken und außerdem ihre Kontakte verbergen. Und beim Lockdown in Israel im Oktober konnte man sich noch viel im Freien aufhalten, was im November in Deutschland nicht möglich ist. Das spricht ebenfalls gegen einen ausgeprägten Erfolg in Deutschland.

Vielleicht wird man schon froh sein können, wenn in 4 Wochen Lockdown wenigstens die Reduzierung des Infektionsgeschehens auf ein Viertel erreicht sein wird. Wenn es dann wieder losgeht wie vorher, dann haben wir binnen drei Wochen eine Vervierfachung. Wir könnten also, wenn es nicht gut läuft, schon zu Weihnachten an demselben Punkt stehen wie jetzt. Dann kommen Weihnachten, die Weihnachtsferien mit vielen privaten Treffen und die Silvesterfeiern. Dies zusammen könnte nochmals eine Verdreifachung innerhalb einer guten Woche bewirken. Dann wären wir bei weit über 20.000 Infektionen pro Tag zum Jahresende.

Der Lockdown soll wieder eine Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten ermöglichen. Was aber, wenn viele in der großen Problemgruppe nur noch halb oder gar nicht mehr mitspielen? Es könnte sein, daß sie nicht sagen wollen, wer bei ihren Feiern dabei war, sei es wegen Schuldgefühlen oder weil sie nicht daran schuld sein wollen, daß ihre Freunde in Quarantäne gehen müssen. Oder weil sie die ganze staatliche Corona-Politik verachten. Somit könnte der R-Wert trotz aller Bemühungen zur Nachverfolgung schnell wieder auf über 1 steigen.

Falls diese Überlegungen stimmen, dann bräuchten wir zum Beispiel im Januar nochmals einen Lockdown der jetzt geplanten Art, dann nochmals einen im März. Im Mai könnte dann die warme Jahreszeit weitere Lockdowns bis zum Herbst erübrigen.

Könnte man diese weiteren Lockdowns noch durchsetzen? Oder würde man zuvor kapitulieren müssen, weil die Kosten nicht mehr vermittelbar sind? Welchen Wert hatte dann, im nachhinein, der Lockdown im November, wenn man zwei, drei Monate später doch noch kapitulieren muß?

Wenn man die Sache auf diese Weise weiterdenkt, könnte man eben auch zu dem Schluß kommen: Die Älteren und Verwundbaren müssen sich, so gut es irgend geht, selbst schützen beziehungsweise von denen geschützt werden, die Kontakt zu ihnen haben. Ansonsten aber hat man gegen die Infektionsdynamik keine Chance und sollte sie deshalb laufen lassen. Der Kampf dagegen ist mehr oder weniger aussichtslos. Die immer wieder nötigen Lockdowns sind zu teuer.

Man wird sehen, wie sich die Zahlen entwickeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2020 um 09.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44594

Übrigens hat unsere Infektionsrate gerade das Niveau der USA erreicht und wird es in den nächsten Tagen wohl übertreffen.

Den „Niedergang ganzer Wirtschaftszweige“ zu diagnostizieren ist eigentlich nicht die Aufgabe der Virologen Streeck und Schmidt-Chasanit. (29.10.20)

Streeck bleibt im Grunde bei seiner Herdenimmunität, sagt es aber nicht mehr so deutlich. Er wiederholt ständig, das Virus werde nicht verschwinden, und wir müßten mit ihm leben. Darum stellt er die Kontaktnachverfolgung als einzige Alternative dar, die in der Tat nicht mehr möglich ist. Die allgemeine Kontaktunterbrechung, um die es bei den neuen Maßnahmen geht, lehnt er ab. Aber gerade Israel und Australien hatten Erfolg, nicht Schweden.
Wenn wir uns auf den Schutz der Alten und Kranken konzentrieren, werden Hunderttausende anderer in die Kliniken kommen und was dann? Der Appell an die Bereitschaft, "Gebote" und nicht "Verbote" einzuhalten, war nicht von Erfolg gekrönt, das haben die Gesundheitsbehörden einmütig festgestellt.

Die neuen Maßnahmen sind noch nicht in Kraft, da wird schon wieder kräftig dagegen polemisiert und gestichelt. So wird das nichts.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.10.2020 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44589

Lieber Herr Metz, Ihr letzter Beitrag zu Corona hat mich besonders interessiert und ich fand ihn sehr lesenswert, denn darin fand ich so manches, was ich bisher nicht bedacht habe. Trotzdem fallen mir dazu ein paar Ergänzungen oder Anmerkungen ein.

Sie verweisen auf die Übersicht der Unterschiede zwischen Grippe und Corona. Corona sei ansteckender als Grippe, länger ansteckend, und eine evtl. Intensivbehandlung dauere bei Corona länger als bei Grippe.
Mag alles sein, aber macht das die Gefährlichkeit einer Krankheit aus? Ich denke, letztendlich entscheidend für die Gefährlichkeit einer Krankheit ist, wie viele Menschen daran sterben und wie viele für ihr weiteres Leben schwer gezeichnet sind.

Da kommen wir nun wieder zu den Todeszahlen. Richtig, die 25000 sind eine Schätzung, ich habe selbst gesagt, wie viele genau "an" Corona sterben, und das gilt natürlich auch für Grippe, kann man nie genau sagen. Fakt ist aber, und das ist jetzt keine Schätzung, daß es 2018 allein im März insgesamt 24000 Tote mehr gab als im März 2017. Fast ein Drittel mehr. Woran sind die gestorben? Einen so deutlichen Ausschlag nach oben in der Kurve der Todeszahlen muß man in diesem Jahr im April, als die "erste Welle" ihr Maximum hatte, schon mit der Lupe suchen.

Nun die rigorosen Gegenmaßnahmen dieses Jahres. Daß sie rigoros waren, bestreitet niemand, aber wie viele Leben sie gerettet haben, weiß auch niemand. So, wie 2018 die Grippe im April plötzlich und ohne Gegenmaßnahmen vorbei war, so könnte auch dieses Jahr im Mai Corona sowieso vorbei gewesen sein, auch ohne rigorose wirtschaftliche und seelische Schäden.

Wie gesagt, ich halte Ihre Analyse für sehr gut und in jeder Hinsicht bedenkenswert, aber letztlich überzeugt sie mich nicht.

Ich muß dazu sagen, daß ich mich heute aufgrund der aktuellen Nachrichten auf einem mentalen Tiefpunkt befinde. Die zu erwartenden wirtschaftlichen Schäden tun mir leid für unser Land. Es wird sich zeigen, was der neue Aktionismus der Politiker bringt. Meine Voraussage ist, so gut wie nichts. Die Neuansteckungszahlen werden auf dem Höhepunkt im Januar/Februar 2021 sowieso auf 100000 täglich klettern. Das wird schlimmstenfalls vergleichbar mit der Grippesaison von 2018 sein.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.10.2020 um 10.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44584

Auch ich will und kann nichts ausdiskutieren, aber der Vergleich mit der Grippewelle 2017/18 beschäftigt mich schon länger, deshalb dazu nur ein paar Anmerkungen. Zwischen Influenza und COVID-19 scheint es viele Gemeinsamkeiten, aber auch wichtige Unterschiede zu geben. Eine Übersicht findet man unter anderem hier: https://www.netdoktor.de/krankheiten/coronavirus-infektion/coronavirus-oder-grippe-das-sind-die-unterschiede/. Wenn es stimmt, daß SARS-CoV-2 ansteckender ist als Influenzaviren; daß der Zeitraum, in dem Infizierte andere anstecken können, länger ist; daß bei COVID-19 öfter schwere Verläufe auftreten als bei der Grippe und daß lebensbedrohlich Erkrankte wesentlich länger auf der Intensivstation behandelt werden müssen, dann wird man annehmen können, daß das neue Coronavirus aufs Ganze gesehen gefährlicher ist als »normale« Grippeviren.

Insbesondere führt eine bestimmte Zahl von Coronainfizierten zu einer größeren Belastung der Krankenhäuser als die gleiche Zahl an Grippe infizierter Menschen. Es ist zu beachten, daß die immer wieder zitierte Zahl von 25.000 Grippetoten 2017/18 eine grobe Schätzung mittels statistischer Verfahren ist, während sich die registrierte Zahl der Coronatoten auf Laborbefunde stützt. Die Zahl der laborbestätigten Influenzatoten betrug in der Grippesaison 2017/18 »nur« 1.674. Nun bedeutet ein Fall mit Influenzainfektion nicht automatisch, daß Influenza auch die Todesursache war, es könnten also noch weniger Grippetote gewesen sein, aber das gilt auch für COVID-19, weshalb ja immer etwas kryptisch davon gesprochen wird, daß soundsoviele »an oder mit« oder »in Verbindung mit« Corona gestorben seien. Wenn es um Influenza geht, traut das RKI den Totenscheinen nicht, denn verdächtig selten werde Influenza als Todesursache eingetragen, statt dessen oft eine Vorerkrankung. Auch wenn es 2017/18 also wohl erheblich mehr Grippetote gab als 1.674, ist ein Vergleich der 10.000 jetzt mit den 25.000 damals mit Vorsicht zu genießen. Außerdem hätten wir heute ohne die rigorosen Gegenmaßnahmen mit Sicherheit deutlich mehr als 10.000 Coronatote.

Das gilt aber auch andersherum. Es ist nicht auszuschließen, daß es damals sogar noch mehr Tote gab als die geschätzten 25.000. Die Dunkelziffer bei der Influenza dürfte bisher jedenfalls viel höher gewesen sein, als sie es jetzt, da jede Woche Hunderttausende von Tests durchgeführt werden, bei COVID-19 ist. Das wird auch der Grund dafür sein, warum man 2017/18 nichts gehört hat von überfüllten Intensivstationen, erschöpftem Klinikpersonal und Kolonnen von Lastwagen, die Leichen abtransportieren. Ich vermute, daß sich das Sterben in Grippewellen schlicht außerhalb der Krankenhausmauern vollzieht, jedenfalls nicht auf den Intensivstationen. Die schwer Erkrankten sterben zu Hause oder auf den Normalstationen und damit von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Heute ist die gesamte Aufmerksamkeit auf Corona fixiert: man braucht nur mal zu husten, und schon wenden sich die Umstehenden ängstlich ab oder fragen besorgt, ob man sich schon hat testen lassen.

Das Durchgreifen der Politik hat sicher damit zu tun, daß man anfangs wenig über das neue Virus wußte, so daß man die Gefahr für schwer kalkulierbar hielt. Die Bilder aus Italien lösten in anderen europäischen Ländern keine Gelassenheit aus. Für eine lasche Reaktion mit in der Anfangsphase exponentiell steigenden Infizierten- und Totenzahlen wäre die Regierung in der Luft zerrissen worden.

Die von Herrn Riemer aufgeworfene Frage, warum denn bei einer Grippewelle der Anstieg der Infektionszahlen irgendwann von selbst zum Erliegen kommt, ist berechtigt. Da es meines Wissens kein einigermaßen mit Deutschland vergleichbares Land gibt, das keine Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen hat, werden wir nicht erfahren, wie weit die Todeszahlen gestiegen wären, wenn man alles hätte laufen lassen. Es gibt aber wohl auch in dieser Hinsicht Unterschiede zwischen der ausgeprägt saisonalen Influenza und COVID-19. Eine gewisse Grundimmunität in der Bevölkerung und die Grippeschutzimpfungen scheinen eine Rolle zu spielen, möglicherweise sind Influenzaviren auch wärmeempfindlicher als SARS-CoV-19 (https://www.aerzteblatt.de/archiv/158621/Wo-bleibt-die-Grippe-im-Sommer). Vielleicht weiß jemand Näheres.

Ich kann mir übrigens gut vorstellen, daß man nach den Erfahrungen mit Corona künftig auch bei einer schweren Grippewelle der Entwicklung nicht tatenlos zusehen wird. Um die Lage tagesaktuell anhand von Laborbefunden statt am Saisonende aufgrund von Schätzungen beurteilen zu können, müßte ebenfalls massenhaft getestet werden. Das wird wohl so nicht kommen, aber ich rechne damit, daß wir künftig in der Grippesaison mehr Menschen mit Schutzmasken sehen werden.

Tja, und dann noch die Kostenfrage: wieviel ist ein Menschenleben, oder genauer: seine Verlängerung, wert? Es wäre billig, sie als zynisch abzutun. Tagtäglich hängen die Überlebenschancen von Menschen auch davon ab, wieviel etwa eine Krankenkasse für die Behandlung zu zahlen bereit ist. Ich verurteile das nicht, denn in der kruden Wirklichkeit müssen solche Fragen nun einmal konkret beantwortet werden. Es geht aber nicht nur um finanzielle Ressourcen. Was nützt ein offener Geldhahn, wenn kein Intensivbett mehr frei oder kein qualifiziertes Pflegepersonal vorhanden ist? Hier in Holland werden schon jetzt wieder, am Anfang der zweiten Welle, viele reguläre Behandlungen verschoben. Ich kenne persönlich schwer erkrankte Kollegen, deren OP-Termine erst einmal abgesagt worden sind und die nun fast umkommen vor Angst – eine kaum zu ertragende zusätzliche psychische Belastung. Es gibt Berechnungen, nach denen hierzulande während der ersten Welle mehr Patienten diesen Engpässen zum Opfer gefallen sind, als durch die Coronaschutzmaßnahmen gerettet wurden. Auch diese Berechnungen sind natürlich wieder mit allergrößter Vorsicht zu genießen, aber sie bestätigen noch einmal, wie schwer es ist, die richtigen Abwägungen zu treffen.

Herr Wrase weist zu Recht darauf hin, daß keine Krankenkasse 15 Millionen Euro für eine Behandlungsmaßnahme bereitstellen würde, um ein Menschenleben zu retten. Zugleich lese ich, daß kürzlich für einen Fußballer eine Ablösesumme von 500 Millionen Euro gezahlt worden ist, das entspräche nach dieser Rechnung 33 Menschenleben. Ich weiß natürlich, daß der Vergleich hinkt und daß nicht die AOK und damit die Versichertengemeinschaft die halbe Milliarde berappt hat. Es soll kein sachlicher Beitrag zu einer seriösen Kostenberechnung sein (wenn es so etwas überhaupt geben kann), aber manchmal drängen sich solche Vergleiche einfach auf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2020 um 09.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44583

Zu Wales habe ich ja dasselbe gesagt ("ob es wirkt"). Auch der SZ-Artikel weist auf die Unterschiede zwischen den Ländern hin. Im übrigen zeigt Ihre Replik, wie schwer es ist, über diese Dinge zu diskutieren. Q. e. d.

Ich lebe schon ziemlich zurückgezogen und kann kaum noch mehr "geschützt" werden.

Eine meiner Töchter arbeitet in der Universitätsklinik, die andere kann nur arbeiten, wenn ihre Tochter in die Kita gehen kann; das steht auch auf der Kippe. Aber vor allem: Beide sind sozusagen Löcher in unserer unsichtbaren Schutzhülle - es sei denn, wir vermeiden den Kontakt.
Die Schwiegermutter liegt noch in der Reha und braucht den Besuch und die Hilfe ihrer nächsten Verwandten wie die Luft zum Atmen.
In den Kliniken und Kindergärten wechselt das knapp gewordene Personal ständig, großenteils wegen der Seuche, jedenfalls sehr unerfreulich.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.10.2020 um 09.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44582

Zum Lockdown in Wales: Man kann noch nicht sehen, wie er wirkt, weil er erst vor fünf Tagen begonnen hat und Zahlen zu den Auswirkungen noch nicht vorliegen.

Zum Bericht in der Süddeutschen Zeitung: Ich kann nur den Artikelanfang lesen. Australien, Japan und Israel sollen die zweite Welle "schnell" in den Griff bekommen haben.

Australien: Zuletzt war Melbourne das Problem. Der Lockdown dort hat fast vier Monate gedauert, das ist doch nicht "schnell". Und Australien hat eine ganz andere Geographie. Die können mal eben ihre Bundesstaaten gegeneinander abschotten, das geht hier nicht.

In Japan, ebenfalls ein Inselstaat, gibt es eine ganz andere Kultur bei Masken, sozialer Disziplin und Einverständnis mit elektronischer Überwachung. Natürlich ist hat so ein Land sehr viel mehr Erfolg als Deutschland. Wir können Japan nicht kopieren.

In Israel hat der letzte Lockdown vier Wochen gedauert, das ist auch nicht besonders "schnell". In vier Wochen kann man eine Reduzierung auf ein Zehntel erreichen, aber die Zahlen könnten auch geschönt sein. Und wie geht es jetzt weiter? Experten warnen: Man könnte bald den nächsten Lockdown brauchen. Das vermute ich auch. Hier nachzulesen: https://www.morgenpost.de/politik/article230757020/Wie-Israel-mit-neuem-Lockdown-von-9000-auf-900-Faelle-kam.html

Ein R-Wert weit unter 1 soll durch den Lockdown erreichbar sein? Das glaube ich nicht, denn dazu müßte sich das Verhalten der Menschen nach dem Lockdown verbessern, was ich nicht sehen kann. Ich wage folgende Vorhersage: Egal welchen Lockdown die Regierung hier demnächst beschließt und auch wenn er bis Ende November, also mehr als drei Wochen dauern sollte: Spätestens Mitte Januar werden wir wieder dieselben Zahlen sehen wie heute.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2020 um 08.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44581

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44578

Die Süddeutsche Zeitung wirft heute einen vergleichenden Blick auf Länder, die die zweite Welle erfolgreich bekämpft haben:
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/lockdown-coronavirus-pandemie-1.5095978?reduced=true

Damit vergleiche man die absurden Behauptungen des Geisterfahrers Gauland:
https://www.presseportal.de/pm/130241/4746306
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2020 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44579

Noch eine Erfahrung aus dem Umfeld:
Manche Einzelhändler machen dicht, das hat aber in der Stadt schon lange vorher angefangen, der Leerstand in Erlangen (und in anderen Städten) ist sprichwörtlich.
Andere haben sogleich mit einem gut durchdachten Lieferdienst angefangen und machen offenbar Umsatz. Die Gewinnmargen besonders im Lebensmittelhandel sind gering, aber man darf es nicht so stupide anfangen wie ein Naturkosthändler, der sich erbot, die Waren ins Haus zu liefern, wenn wir die Kosten fürs Taxi tragen... (40 Euro pro Lieferung)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2020 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44578

Nachtrag: Andere gehen bereits mit dem Versuch eines scharfen kurzen Bremsmanövers voran; Drosten hat es erwähnt, und ich hatte auch schon von Wales usw. gehört. Da kann man sehen, ob es wirkt.
Mit "quantitativ" meinte ich: Auf niedrigem Infektionsniveau ist Nachverfolgung möglich, auf hohem nicht nur schwerer, sondern unmöglich ("Kippunkt").
Was die Kosten betrifft, so will ich die Probleme einiger Branchen nicht verharmlosen. Eine Katastrophe bleibt eine Katastrophe. Es gibt aber auch Gewinner. Ich selber schiebe zum Beispiel dem Versandhandel eine Menge Geld zu, weil ich als gefährdete Person schon ein halbes Jahr nicht mehr "in der Stadt" war. (Das ist für uns Erlangen, bisher ziemlich geschont, inzwischen auch "rot"; sogar im Dorf ist Corona schon agekommen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2020 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44577

Dazu könnte man viel sagen, aber das will ich gar nicht erst versuchen. Drosten erwartet, daß von einem kurzen Bremsmanöver die Infektionszahlen so weit heruntergehen, daß man auf diesem niedrigen Niveau ganz anders operieren könnte, als es jetzt zu geschehen droht (nicht nur quantitativ also). Natürlich gibt er keine genauen Zielgrößen an, das geht ja auch gar nicht seriös. Ich denke, ein R weit unter 1 wäre möglich.
Bis auf einige Geisterfahrer bemühen sich alle, einen Weg aus der Krise zu finden, das sollte man anerkennen. Als interessierter (und auch betroffener) Laie finde ich, daß an der nun von vielen Seiten vorgeschlagenen Lösung kein Weg vorbeiführt.
Nur die gefährdeten Personen zu schützen – das klingt gut, aber die nähere Ausführung, die ja auch schon oft durchdacht worden ist, erweist sich als kaum gangbar ("Lock them up"?). Ich will es hier aber wirklich nicht durchdiskutieren, das übersteigt meine Möglichkeiten. Ich würde sonst aus meiner persönlichen Situation einiges beisteuern, um die Ungangbarkeit dieses Weges aufzuzeigen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.10.2020 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44575

Lieber Herr Ickler, ich wäre mir da nicht so sicher. Die Ausgaben des einen sind die Einnahmen des anderen: Das gilt, wenn die Wirtschaft läuft, aber in einem echten Lockdown wird die Wirtschaft ja gerade abgewürgt. Oder, wenn die Menschen weiterhin zur Arbeit gehen sollen, was soll das für ein Lockdown sein? Das wäre nur ein halber Lockdown mit nur halber Wirkung auf die Infektionszahlen.

Christian Drosten empfiehlt mindestens zwei Wochen Lockdown, besser drei Wochen. Und wie weit sollen dadurch die Infektionszahlen nach unten gebracht werden, was erhofft er sich? Dazu sagt er nichts, komisch. Nehmen wir an, die Infektionszahlen werden auf ein Viertel gekappt. Wir hatten aber zuletzt eine Verdoppelung alle eineinhalb Wochen. Nach einem knappen Monat wäre der Effekt also schon wieder zunichte gemacht. Damit die Zahlen nicht weiter steigen, müßte man, falls die Annahme mit der Viertelung der Infektionszahlen stimmt, nach jeweils einem Monat wieder zwei oder drei Wochen Lockdown machen. Würde einem das nicht unverhältnismäßig teuer und sinnlos vorkommen? Wir werden ja sehen, wie die Zahlen direkt nach dem Lockdown und einen Monat danach aussehen.

Das Ansteigen der Infektionszahlen könnte bis auf weiteres doch nur wirksam verhindert werden, wenn die Undisziplinierten mit ihren privaten Treffen ihr Verhalten grundlegend ändern, aber dafür sehe ich keine Hoffnung. Im Gegenteil, die Unlust, sich zu disziplinieren, wird wohl eher zunehmen.

Letztlich müßte es aber doch darum gehen, nicht die bloßen Infektionen, die ja bei Jüngeren fast immer harmlos sind, sondern die schweren Krankheitsverläufe und vor allem die Todesfälle großenteils zu verhindern. Könnte man das nicht am besten dadurch erreichen, daß die gefährdeten Gruppen konsequenter geschützt werden? Ein Lockdown erscheint mir wie das Eingeständnis, daß man nicht weiß, wie man die Gefährdeten besser schützen könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2020 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44573

Gestern abend habe ich mir u. a. noch den neuen Podcast von Christian Drosten angehört. Es läuft tatsächlich alles auf eine angekündigte (also Vorratshaltung ermöglichende) kurze Vollbremsung hinaus. Der Gegensatz zwischen Wirtschaftsbelebung und Seuchenbekämpfung wird mehr und mehr als scheinbar durchschaut.

Übrigens sind die Ausgaben des einen die Einnahmen des anderen, das sollte man auch noch berücksichtigen. Es muß auch nicht sein, daß das Geld, das für die Gesundheit ausgegeben wird, bei der Klimarettung fehlt.

Mir ist die Sache zu komplex, als daß ich mich zu den umfangreichen Berechnungen äußern könnte.

Ein Blick in die übrige Welt zeigt jedenfalls, daß man Corona nicht laufen lassen kann, sondern schnell und energisch bekämpfen muß, whatever it takes. (Wenn bloß die Geisterfahrer nicht wären, die mir auch eine Befassung des Bundestags untunlich erscheinen lassen, aber das nur nebenbei.)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 27.10.2020 um 22.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44571

Lieber Herr Riemer, natürlich: Man kann nur Vermutungen anhand von Indizien anstellen.

Ihre Kategorisierung Grippewelle von 2018 = relativ schwere Epidemie, Coronawellen = relativ leichte Epidemie einfach anhand der Todeszahlen wirkt auf mich nicht überzeugend. Hier Möglichkeit der Impfung, aber keine AHA-Regeln, dort keine Impfung, aber AHA-Regeln zuzüglich Lockdown, da vergleicht man doch Äpfel mit Birnen. Aber wenn Sie es so definieren wollen, also Einordnung anhand der Zahl der Todesopfer, dann wird es wohl stimmen.

Zu der Veranschlagung der wirtschaftlichen Schäden durch mögliche massenhafte Erkrankungen: Auch auf sehr lange Sicht infiziert sich unter den AHA-Regeln nicht die ganze Bevölkerung, sondern nur ein Teil, sagen wir: höchstens die Hälfte. Von den Infizierten haben rund 80 Prozent entweder keine Symptome oder nur leichte, die nach zwei Wochen vorbei sind. Nur ein Zehntel der ganzen Bevölkerung wäre also einige Wochen lang ernsthaft lahmgelegt. Das sind aber hauptsächlich Menschen im Rentenalter. Somit ist nur ein kleiner Bruchteil der arbeitenden Bevölkerung davon betroffen. Kosten aufgrund von Erkrankungen entstehen wohl vor allem durch die langwierigen und teuren Behandlungen im Krankenhaus.

Größenordnung 1,5 Billionen Euro: So einen gigantischen Aufwand kann man doch nur einmal in Jahrzehnten treiben. Hätten wir das Geld nicht an anderer Stelle noch dringender gebraucht, zum Beispiel für den Umbau der ganzen Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität? Im Vergleich zu den absehbaren Schäden durch die globale Erwärmung ist die Corona-Pandemie einigermaßen harmlos. Wozu eigentlich noch die Rettungsmilliarden für die Lufthansa in ihrer bisherigen Form, wenn man sowieso den Luftverkehr baldmöglichst und überall auf ein Minimum drosseln sollte? Solche Fragen kann man schon stellen.

Jetzt steht wieder ein Lockdown der einen oder anderen Art an. Ich glaube, die Politiker greifen reflexartig zum Lockdown, sobald die Überlastung der Krankenhäuser und damit Triage droht. Das ist verständlich und wird vielleicht auch von der Mehrheit getragen, aber die Frage nach den Kosten muß man dann weiterhin ausblenden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.10.2020 um 13.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44568

Lieber Herr Wrase, zu Ihrer Vorbemerkung 1:

Ich meine, man kann aus moralisch-ethischen Gründen niemals den wirtschaftlichen Aufwand bzw. Schaden mit der Anzahl von Toten oder Geretteten in ein direktes Verhältnis setzen, geschweige denn sagen, welcher Aufwand für ein Menschenleben gerechtfertigt wäre. (Dies ergänzend zu #44563.)

Außerdem ist es auch gar nicht möglich zu sagen, wie viele Menschen mit einer bestimmten Maßnahme (z.B. Ausgangssperre oder gesamter Lockdown) gerettet werden konnten oder wie viele sterben mußten, weil eine Maßnahme nicht ergriffen wurde. In beiden Fällen liegt der Bereich zwischen allen und gar keinem. Man kann höchstens Vermutungen aufgrund von Indizien anstellen.

Andererseits ist die Anzahl von Infizierten und Toten sehr wohl ein Maß für die Schwere einer Epi- oder Pandemie. So bin ich der Ansicht, daß man bei der Grippewelle von 2018 von einer relativ schweren Epidemie sprechen kann, während die beiden Coronawellen Anfang 2020 und auch bisher in der Saison 2020/21 vergleichsweise leichter sind. Das ergibt sich selbstverständlich aus der Anzahl der Todesopfer. An diesem Verhältnis sollten sich dann auch die jeweils eingeleiteten Schutzmaßnahmen orientieren. Das meinte ich mit meinem Satz, den Sie in Ihrer Vorbemerkung 1 zitiert haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2020 um 12.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44567

Ist eigentlich über den Kosten der Rettung auch der volkswirtschaftliche Schaden durch massenhafte Erkrankung hinreichend berücksichtigt?

Ich lese und höre jetzt von immer mehr Wirtschaftsleuten, daß die beste Maßnahme wohl ein kurzer harter Lockdown wäre (14 Tage würden auch nach Ansicht der Virologen genügen), mit anschließendem vorsichtigem Neubeginn (AHA) – statt eines monatelangen Herumwurschtelns mit Vorstößen und Zurückweichen, wodurch nur die Unsicherheit wächst und der Unternehmungsgeist gelähmt wird.

Nach dem Krieg hatten wir eine ungeheure solidarische Anstrengung, an die ich mich aus meiner Kindheit sogar noch erinnere, die Einquartierung von 13 Mill. Vertriebenen bei halbiertem Wohnungsbestand usw. – Heute klagen die Leute wegen eines Stoffetzens auf Einhaltung der Grundrechte, und hunderttausend Irre verbreiten subversive Wahnvorstellungen.
 
 

Kommentar von wolfgang Wrase, verfaßt am 27.10.2020 um 03.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44565

Vorbemerkung 1. Meine Rückfrage ergab sich daraus, daß Herr Riemer geschrieben hatte: "... aber der Mensch ist nun einmal sterblich. Damit müssen wir uns auch abfinden und müssen, wenn es um das gesamte gesellschaftliche Leben geht, im richtigen Verhältnis handeln." Aus dieser Formulierung hatte ich geschlossen, daß die Frage zumindest mitschwingt: Wie viel Geld wird da für die Rettung von Menschenleben eigentlich ausgegeben, steht das noch in einem vertretbaren Verhältnis?

Vorbemerkung 2. Ich hatte von der Rettung durch die bisherigen Maßnahmen gesprochen, nicht von den bisher Geretteten. Relevant ist ja wohl in diesem Zusammenhang, wie viele Menschen am Ende, also insgesamt, vor Tod oder körperlichen Dauerschäden gerettet werden.

Vorbemerkung 3. Der Wert eines Menschenlebens ist natürlich nicht in einem Geldbetrag zu erfassen. Dennoch stellt sich gerade im Gesundheitswesen die Frage: Wie viel Geld ist die Solidargemeinschaft für die Rettung eines Lebens zu bezahlen bereit? Denn unendlich viel Geld haben wir nicht. Und man sollte doch, wenn man schon viel Geld für die Rettung von Menschenleben ausgeben will, es möglichst effizient aufwenden, also möglichst wenig Geld pro Rettung beziehungsweise möglichst viele Gerettete für den ganzen Aufwand. Man kann zu diesem Thema viele Texte im Internet finden. Da geht es am Ende um konkrete Geldbeträge, zum Beispiel bei der Frage, ob eine extrem teure lebensrettende Therapie bezahlt werden soll oder nicht.

Wie viele Menschen werden am Ende in Deutschland durch die Corona-Maßnahmen einschließlich der dadurch verursachten finanziellen Gesamtkosten und -schäden gerettet worden sein? Man kann das natürlich nur ganz grob abschätzen. Aber es sollte möglich sein, die ungefähre Größenordnung zu bestimmen.

Zu den Kosten hier eine relativ aktuelle Schätzung der Bundesregierung: 1,5 Billionen Euro (https://www.rnd.de/politik/was-kostet-die-corona-krise-bund-rechnet-mit-15-billionen-euro-ZDHKOHL7QNCGJKMB5WA6JO5G4E.html). Das ist aber nur die Belastung der öffentlichen Haushalte. Hinzu kämen noch Verluste, die einzelne Bürger erleiden, bis hin zur Verarmung zum Beispiel wegen Geschäftsaufgabe. Derartige Verluste werden durch Hilfen aus den vorgenannten 1,5 Billionen Euro ja nicht ausgeglichen, sondern nur teilweise abgemildert.

Der Frage, wie viele Menschenleben durch die Maßnahmen in Deutschland am Ende gerettet sein werden, könnte man sich vielleicht mit einem Blick auf die USA annähern. In den USA gibt es bisher etwa 225.000 Todesopfer. Am Ende werden es vielleicht 400.000 sein. In den USA leben etwa viermal so viele Menschen wie in Deutschland. Auf Deutschland übertragen, wären das also ungefähr 55.000 Todesopfer (bisher) bzw. 100.000 Todesopfer (insgesamt). Nun ist aber die Disziplin bei Abstand halten, Maske tragen usw. in Deutschland viel höher als in den USA, wo ein großer Teil der Bevölkerung sichtlich dagegen rebelliert. Obwohl die Disziplin auch in Deutschland lückenhaft ist, hätten wahrscheinlich in Deutschland allein schon die AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene, Alltagsmasken) dafür gesorgt, daß es am Ende deutlich weniger als 100.000 Todesopfer gegeben hätte. Tatsächlich haben wir ja bisher nur etwa 10.000 Todesopfer (und nicht 55.000).

Nehmen wir also an, es hätte in Deutschland nur die AHA-Regeln gegeben zuzüglich der Empfehlung „Kontakte reduzieren“, aber keinen Lockdown. Nahezu alles in der Wirtschaft wäre nicht durch den Staat stillgelegt worden. Und nehmen wir an, dieses Vorgehen hätte am Ende zu 100.000 Todesopfern geführt (obwohl die Zahl viel zu hoch gegriffen sein könnte). Nehmen wir weiterhin an, mit den 1,5 Billionen Euro hätte man alle 100.000 retten können (obwohl das nicht der Fall ist und obwohl der volkswirtschaftliche Gesamtschaden noch höher ist). Diese Gegenüberstellung drängt sich auf, denn wofür wird denn letztlich der ganze Aufwand getrieben, wenn nicht für die Rettung von möglichst vielen Menschenleben? Das wären also 1,5 Billionen Euro für die Rettung von 100.000 Menschenleben = 15 Millionen Euro pro Menschenleben. Das ist eine enorme Zahl. So viel würde eine Krankenkasse niemals für eine lebensrettende Therapie bewilligen.

Natürlich stimmt vieles an dieser groben Abschätzung nicht. Zum Beispiel hätte die Wirtschaft auch ohne Lockdown Schäden erlitten: Viele Menschen hätten, gerade bei sehr hohen Infektionszahlen, von sich aus nicht mehr in Konzerte und ins Restaurant gehen wollen, nicht mehr mit der Bahn reisen oder in einem Hotel Urlaub machen wollen. Staatliche Hilfen wären also auch in diesem Fall nötig gewesen. Andererseits hätten vor allem Senioren und andere gefährdete Menschen, gerade bei sehr hohen Infektionszahlen, von sich aus noch mehr Vorsicht geübt und daher auch dafür gesorgt, daß die Zahl der Todesopfer trotz hoher Infektionszahlen vergleichsweise gering bleibt. Man kann jedenfalls annehmen, daß ein großer Teil der volkswirtschaftlichen Schäden, die mit den 1,5 Billionen Euro abgemildert werden sollen, erst durch den Lockdown und ähnliche Maßnahmen in der Folgezeit entstanden ist.

Ich habe den Eindruck, daß man in der Politik sehr lange dem Prinzip „Koste es, was es wolle“ gefolgt ist, insbesondere beim (ersten) Lockdown. Erst jetzt, bei der Frage nach der Notwendigkeit eines zweiten Lockdowns, mehren sich die Stimmen, die beschwörend sagen: Das darf auf keinen Fall passieren, es wäre der GAU, wir können uns das einfach nicht leisten. Von daher stellt sich aber auch die Frage, ob nicht schon der erste Lockdown möglicherweise falsch, weil viel zu teuer, zu schädlich war.

Unabhängig davon: Bei Kosten im Bereich von Billionen Euro sollte es eigentlich selbstverständlich sein, die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis gewissenhaft zu klären und auch zu diskutieren. Das scheint bisher in der Politik nicht stattgefunden zu haben. Es hieß (fast) immer nur: Wir müssen alles tun, um die Infektionszahlen niedrig zu halten.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.10.2020 um 01.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44564

Wie viele Menschen sind denn bisher durch die Maßnahmen vor Tod oder körperlicher Dauerschädigung gerettet worden? Und ab wieviel hunderttausend oder Millionen Toten wären wirtschaftliche Schäden im bisherigen Ausmaß gerechtfertigt?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.10.2020 um 22.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44563

Lieber Herr Wrase,

so ein Unverhältnis empfinde ich nicht.

Ich stimme Ihnen aber zu, daß

(1) die wirtschaftlichen Gesamtschäden gigantisch sind

und daß

(2) die Zahl derer, die durch die bisherigen Maßnahmen vor Tod oder körperlicher Dauerschädigung gerettet werden, gering ist.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 26.10.2020 um 16.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44562

Lieber Herr Riemer, noch eine Rückfrage. Könnte es sein, daß Sie ein Unverhältnis empfinden zwischen den gigantischen wirtschaftlichen Gesamtschäden und der vergleichsweise geringen Zahl derer, die durch die bisherigen Maßnahmen vor Tod oder körperlicher Dauerschädigung gerettet werden?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 25.10.2020 um 19.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44558

Lieber Herr Riemer, vielen Dank für Ihre Erläuterungen. Bei meiner Formulierung "die Zahlen zurechtrücken" war nichts Spöttisches intendiert. Ich meinte genau dasselbe wie Sie: die Zahlen hinterfragen, die Zahlen ins richtige Licht rücken.

Ich stimme Ihnen übrigens in vielem zu. Daß die Fixierung auf die bloßen Infektionszahlen nicht sachgemäß ist, das wird ja in letzter Zeit öfter gesagt. Die rituelle Darbietung der offiziellen Zahlen aus den verschiedensten Ländern, die eigentlich gar nicht vergleichbar sind, irritiert mich schon lange.

Den größten Unterschied zwischen uns sehe ich bei der Bewertung der Masken. Deren Wirksamkeit ist für mich völlig unbestreitbar. Masken, Abstand, das Prinzip, verzichtbare Kontakte möglichst zu reduzieren, vielleicht noch Hände waschen – das ist das Handwerkszeug gegen die Ausbreitung. Wenn das alle machen würden, hätten wir Corona schon weitgehend niedergerungen. Wenn zu viele nicht mitmachen, siegt das Virus. Das ist jetzt der Fall.

Bei den Maßnahmen ging mir auch einiges zu weit. Der Schaden für die Wirtschaft mit zahllosen Existenzvernichtungen wurde von den Politikern meiner Meinung nach sehr lange massiv unterbewertet. Ich fand es höchst empörend, daß zigtausend Geschäftsinhaber kaum noch oder gar nicht mehr wirtschaften konnten, aber die sehr hohen Mieten für ihre Läden weiterhin zu zahlen hatten. Das grenzt an Hinrichtung. Und warum müssen unbedingt die Schüler Unterricht haben, als ob nichts wäre? Im Zweifel hätte ich lieber den Schülern ein Jahr lang frei gegeben beziehungsweise sie mit alternativen Beschäftigungen versorgt (möglichst in Kleingruppen, möglichst immer im Freien) und dafür die Wirtschaft weiterlaufen lassen. Das hemmungslose staatliche Schuldenmachen auf Jahrzehnte hinaus fand ich in dem Ausmaß nicht in Ordnung. Maskenpflicht auf Plätzen und in Einkaufsstraßen erscheint mir übertrieben – solche Maßnahmen wirken auf mich hilflos, wie das letzte Aufgebot in einer verlorenen Schlacht.

Absolut verheerend war, daß auch Entwicklungsländer und Länder wie Indien versucht haben, die Chinesen mit einem Lockdown zu kopieren. Sie haben sich damit vor allem Schäden eingehandelt und außer ein paar Wochen Aufschub nichts erreicht.

Der Lockdown hat aber immerhin eine gute Phase im Sommer ermöglicht und wird am Ende auch dafür gesorgt haben, daß in Deutschland vielleicht ein paar zehntausend Todesfälle vermieden wurden. Nicht zu vergessen die monatelange Entlastung der Krankenhäuser, der Ärzte, der Gesundheitsämter – wenigstens ein halbes Jahr lang, immerhin. Es war nicht von vornherein absehbar, daß der Kampf am Ende verloren gehen würde, daß nur die Chinesen und ein paar Zerquetschte ihn gewinnen können. Im nachhinein ist man immer klüger, das muß man den Politikern zugestehen. Einen Versuch war es wert.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.10.2020 um 20.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44556

Lieber Herr Wrase, damit kein falscher Eindruck entsteht, möchte ich vorausschicken, daß auch ich immer brav meine Maske trage, Abstand halte usw., denn auch, wenn ich manches für nicht notwendig oder sogar für falsch halte, erkenne ich natürlich die Entscheidungen der repräsentativen Mehrheit an.

Richtig handeln fängt meiner Meinung nach schon mit einer korrekten Faktenanalyse an, und diese Fakten sollten dann nicht propagandistisch oder sensationslüstern, sondern seriös und neutral veröffentlicht werden.

Wenn ich aber die täglichen Nachrichten in den Hauptmedien verfolge, das tägliche Rennen um neue Rekorde bei den Infektions- und Todeszahlen, die beängstigenden Überschriften in der Zeitung, und das alles beruhend auf Vergleichen von Äpfel mit Birnen, ich habe ja hier schon genügend Beispiele gebracht, dann verliere ich leider an Zutrauen in die Politik.

Mein Hauptpunkt ist also, wahrheitsgetreu und ehrlich mit den Fakten umzugehen. Es hat nichts mit Wahrheit zu tun, wenn absolute Infektionszahlen von Afrika und Deutschland nebeneinander gestellt werden, ohne Berücksichtigung der Bevölkerungszahl, und damit angedeutet wird, oh, seht mal, wie schlecht geht es Afrika und wie gut stehen wir mit unseren tollen Maßnahmen da. Das ist nicht glaubwürdig.

Was einzelne, konkrete Maßnahmen betrifft, so habe ich ja schon geschrieben, daß ich es sinnvoll finde, Krankenhäuser und Pflegeheime besser auszustatten und zu schützen. Ich habe mich schon immer darüber gewundert, wie in deutschen Krankenhäusern jeder x-beliebige Mensch ohne Prüfung und Registrierung einfach herein- und überall herumspazieren kann. Eigentlich ein Unding. Die Patienten und Bewohner dürfen aber andererseits auch nicht völlig von Besuchen abgeriegelt werden. Das ist nicht leicht.

Die Maskenpflicht, wie sie zur Zeit besteht, halte ich für nicht notwendig. Masken in der Schule sogar für schädlich. Ich verstehe auch nicht, was sie in Schulen eigentlich bewirken soll, denn wenn ein einziger Coronafall auftritt, wird meines Wissens sowieso die ganze Klasse in Quarantäne geschickt.

Maskenpflicht bei Kultur- und Sportveranstaltungen, da bin ich unsicher. Kann sein, daß es ab einer bestimmten Ansteckungsquote sinnvoll wäre. Bis jetzt aber sicher nicht.
Reisebeschränkungen, Gaststättenschließungen und "Beherbergungsverbote" sind für mich Unwörter.

Sie schreiben, lieber Herr Wrase, ich rücke die Zahlen zurecht. Damit verwenden Sie zwar meine eigenen Worte, ich habe geschrieben, ich rücke sie ins rechte Licht, aber stimmt mein Eindruck, daß ein leicht spöttischer Unterton in der Übernahme meiner Worte steckt? Es klingt für mich so, als meinten Sie, ich lege mir die Zahlen so zurecht, daß sie zu meiner Argumentation passen. Ich finde aber, als relative Zahlen lassen sie überhaupt erst objektive Vergleiche zu.

Ich würde Sie deshalb auch gern fragen, sind Sie denn nicht der Meinung, daß man die Zahlen erst auf einen gemeinsamen Nenner bringen muß, bevor man sie vergleichen kann, und daß solche Vergleiche unbedingt notwendig sind, um sie überhaupt zu beurteilen? Wie sehen Sie denn den Vergleich mit den 25000 Grippetoten 2018?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 24.10.2020 um 07.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44555

Lieber Herr Riemer, Sie rücken die Zahlen zurecht und kommen zu dem Schluß, daß es doch gar nicht so viele Tote sind, Corona würde maßlos überbewertet. Das brauchen Sie nicht mit immer neuen Rechnungen immer noch einmal darzulegen.

Sie wurden gefragt: Was folgt daraus? Sie sprechen in Ihrer Antwort pauschal von falschen politischen Entscheidungen. Man müsse stattdessen angesichts der Tatsache, daß wir alle sowieso sterben werden, "im richtigen Verhältnis handeln".

Das ist im Vergleich zu Ihren konkreten Zahlenrechnungen extrem vage. Was bedeutet es denn, richtig zu handeln? Sie sollten konkreter werden. Inwiefern waren die Entscheidungen der Politiker bisher falsch? Und wie müßten sie demnächst aussehen, wenn die Infektionszahlen weiter steil ansteigen?

Ich tippe mal, Sie wollen: kein Lockdown mehr, auch nicht regional. Auch nicht in einzelnen Schulen. Wollen Sie zum Beispiel, daß mehr Zuschauer in die Konzerte gehen können, mit weniger Abstand, damit die Kulturszene wieder mehr in Gang kommt? Also Abschaffung der Abstandsregeln in Konzerten? Sind Sie gegen Sperrstunden in jeglicher Form? Man weiß es nicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.10.2020 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44554

Ich würde natürlich niemanden auf der Welt dafür kritisieren, daß er sich sorgt. Kritisieren muß man aber falsche politische Entscheidungen. Reine Sorgen sind nicht immer der beste Ratgeber.

Ich wiederhole unermüdlich meine absoluten Zahlen?
Wir werden doch von den Medien täglich mit neuen absoluten Zahlen überschüttet. Ich versuche lediglich, ab und zu diese Zahlen ins rechte Verhältnis, d.h. ins rechte Licht zu rücken.

11000 Neuinfizierte heute, und wenn Merkel eine Luftnummer geschossen hat, was ich auch glaube, dann vielleicht 20000 schon Ende Oktober und 80000 täglich zum Jahresende? Das halte ich für realistischer. Das klingt wirklich furchterregend. Sollen die täglichen Nachrichtenmeldungen so klingen?

Aber wir sind nun mal ein Land von 83 Mio. Einwohnern. Selbst bei diesem "Schreckensszenario" würde sich Ende des Jahres täglich nur einer von tausend infizieren. Für einen von zwanzigtausend würde dann die Krankheit gefährlich werden und ungefähr einer von hunderttausend würde dann daran sterben.

Wenn dies jetzt harmlos klingt, kann ich nur sagen, das sind aber die Fakten!

Ich möchte nichts verharmlosen, aber ich möchte schon gern wissen, warum 25000 Grippe-Tote im Jahr 2018 niemanden hinterm Ofen vorgelockt haben, während 10000 Corona-Tote (die man eigentlich ab jetzt schon auf zwei Kältesaisons verteilen muß) zu einer Gefahr für die gesamte Volkswirtschaft werden und das gesamte gesellschaftliche Leben lähmen. Ist der Grippetod irgendwie leichter als der Coronatod, zählt er weniger?

Covid-19 kann schlimm sein, wie andere schlimme Krankheiten auch. Wir haben gelernt, daß besonders ältere Menschen gefährdet sind. Darum ist es richtig, Pflegeheime, Krankenhäuser, alte Menschen besonders zu schützen.
Den Pflegenotstand in Krankenhäusern und Heimen gibt es nicht erst seit Corona!

Jüngere sind auch unter den Toten, aber auch unter den 2500, die täglich ohne Corona sterben, sind einige jüngere. Um jedes einzelne Leben wollen wir kämpfen, aber der Mensch ist nun einmal sterblich. Damit müssen wir uns auch abfinden und müssen, wenn es um das gesamte gesellschaftliche Leben geht, im richtigen Verhältnis handeln. Darum meine Prozentangaben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2020 um 06.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44552

Und – was folgt daraus?

Sie wiederholen unermüdlich Ihre absoluten Zahlen und Prozentangaben, als wüßten Sie nicht, warum die ganze übrige Welt so besorgt ist. Spinnen die alle (mich eingeschlossen)?

Wenn aus der Verdoppelung innerhalb von Wochen eine Verhundertfachung der Infizierten wird, kann man schon nachdenklich werden. Söder hat das Seerosenbeispiel aufgegriffen, im übrigen eine gewisse Ratlosigkeit eingestanden. Die anfängliche Bereitschaft der Bevölkerung zu einer großen solidarischen Aktion wird durch die "Merchants of doubt" unterminiert.

Die Sterberaten sind mit großer Anstrengung gedrückt worden, aber es gibt noch andere Folgen. Durch meine familiären Beziehungen zum Klinikbetrieb weiß ich von Personalengpässen wg. Quarantäne, das ist ein täglich wachsendes Problem. Dagegen immer wieder die Sterbepromille ins Spiel zu bringen scheint mir nur ein rhetorischer Trick zu sein, den ich leider nicht harmlos finden kann.

Immer mehr Unternehmer meinen inzwischen, ein kurzer harter Lockdown von zwei bis drei Wochen mit anschließendem beherztem Wiederaufbau sei besser als ein monate- und jahrelanges Durchwurschteln mit lähmender Ungewißheit. Zwischen harter Seuchenbekämpfung und wirtschaftlicher "Öffnung" besteht kein Gegensatz.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.10.2020 um 20.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44550

Zur Zeit infiziert sich in Deutschland jeden Tag einer von ca. 8000 Menschen an Corona.
Jeden Tag stirbt einer von 2 Mio. Deutschen an oder mit Corona.
Die Todesrate (an oder mit Corona) liegt z. Z. bei etwa 0,4 Prozent der Infizierten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.10.2020 um 06.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44544

Merkels vermeintliche Hochrechnung auf 19.200 Neuinfektionen täglich zum Jahresende könnte sich tatsächlich als "Luftnummer" erweisen, aber anders, als ntv es meinte. Ende Oktober ist noch lange nicht erreicht, aber: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland ist auf 11.287 gestiegen. (tagesschau.de 22.10.20)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2020 um 07.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44430

Virologe Streeck im Interview (Tagesschau):

Das Problem ist, dass eine Pandemie nur gemeinsam bewältigt werden kann. Da geht es nicht nur um eine Solidarität von allen Menschen in Deutschland, sondern auch weltweit und vor allem auch innerhalb Europas.
Das Wichtigste hierbei ist in meinen Augen die Kommunikation. Dass jeder Mensch versteht, dass man Eigenverantwortung übernehmen und achtsam füreinander sein muss. Es ist leider ein Marathon, es ist kein kurzes Sprint. Daher ist es umso wichtiger, dass wir über Gebote reden und nicht über Verbote und Verordnungen. Das funktioniert viel besser. Wir wissen auch aus anderen Pandemien und anderen Erkrankungen, dass solche Strategien besser funktionieren als wenn man das über Verordnungen regelt.


Was unterscheidet Gebote von Verordnungen? Meint er vielleicht Ratschläge? Gebote und Verbote sind logisch gleichwertig. Das Gebot, rechts zu fahren, ist das Verbot, links zu fahren. Der Rat, rechts zu fahren, wäre weniger effizient.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2020 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44405

n-tv zieht sogar einen Mathematiker zu Rate, um Merkels "Voraussage" von 19.200 Corona-Infektionen in Zweifel zu ziehen. Obwohl die Verfasser wissen, daß die Bundeskanzlerin nur veranschaulichen wollte, was exponentielles Wachstum bedeutet (dringend nötig, wie sich wieder mal zeigt), tun sie so, als wüßten sie es nicht, und kommen immer wieder auf die tolle Einsicht, so "präzise Vorhersagen" seien nicht möglich. Der Mathematiker entdeckt sogar, daß R in der letzten Zeit immer wieder mal unter 1.0 gesunken ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.10.2020 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44396

zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34817:

Alle 15 Minuten wird in Indien eine Frau vergewaltigt.
(ZDF, „heute“, Nachrichten, 19 Uhr)

Das sind 25 Vergewaltigungen pro Jahr pro Million Einwohner.

Zum Vergleich in Deutschland:
113 Vergewaltigungen*) im Jahr 2019 pro Million Einwohner.
*) Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriff im besonders schweren Fall einschl. mit Todesfolge §§177, 178 StGB
(Quelle: www.bka.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2020 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44370

Ein Musterknabe der Klimapolitik ist China freilich nicht. Das bevölkerungsreichste Land der Erde ist der größte Verursacher von Treibhausgasen, verantwortlich für 28 Prozent des weltweiten Ausstoßes von Kohlendioxid. (FAZ 23.9.20 Friederike Böge)

Pro Kopf stoßen die USA fast dreimal so viel CO2 aus wie China, als Land fast die Hälfte des sehr viel größeren China. In China stehen mit Abstand die meisten Windräder (wiederum nicht pro Kopf, aber immerhin). Außerdem steckt China mitten in der industriellen Aufholjagd; man kann nicht die luxuriösen Auflagen (Verzicht auf Kohle) erwarten, die sich ein sehr fortgeschrittenes Land leisten kann (aber im Fall der USA nicht leisten will).
Warum werden immer wieder solche stupiden Rechnungen aufgemacht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2020 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44369

Das erinnert mich an das einzige Bundesligaspiel, das ich im Stadion gesehen habe, auf Einladung eines Vereinsmitglieds in bevorzugter Lage. In der Pause haben wir uns im Restaurant vergnügt (keine vulgäre Currywurst!) und darüber den Beginn der zweiten Halbzeit verpaßt. Als wir wieder zu unseren Plätzen kamen, waren schon wieder zwei Tore gefallen.

Dieses legendäre Spiel wird übrigens kein Nürnberger je vergessen: 5:1! So etwas kennen die Clubberer ja sonst nicht.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.09.2020 um 11.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44352

Statt Brot hätte natürlich Currywurst dastehen müssen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2020 um 16.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44348

Fan-Rückkehr ins Station
"Für Brot und Spiele dürfen wir unsere Erfolge nicht riskieren"
(...)
Für ein reines Freizeitvergnügen, für Brot und Spiele also, dürfen wir unsere bisherigen Erfolge einfach nicht riskieren.
(t-online 28.9.20)

Ist Ernährung eine Freizeitbeschäftigung? Verteilt die Bundesliga auch Brot?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2020 um 13.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44308

Können Corona-Viren Folge für Unfruchtbarkeit sein? (swp 9.9.20)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2020 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44283

Forschende der University of East Anglia (UEA) haben eine neue App entwickelt, die anhand verschiedener medizinischer Faktoren und dem Lebensstil die zu erwartende Lebenserwartung der Nutzerinnen und Nutzer berechnet.
Laut den Forschenden trägt die App dazu bei, darüber aufzuklären, wie sich einzelne Faktoren und Lebensstile auf die Langlebigkeit auswirken. Dies könnte Menschen vielleicht auch dazu motivieren, positive Änderungen durchzuführen, die die Lebenserwartung erhöhen, wie beispielsweise das Rauchen aufgeben.
(6.9.20)

„App“ ist das Zauberwort des Jahres. Wenn Banalitäten durch eine App bestätigt werden, zählen sie gleich doppelt. Die mittlere Lebenserwartung bei verschiedenen Lebensstilen ist ja längst bekannt. Das ist und bleibt Statistik. Wenn der einzelne irrigerweise sein persönliches Schicksal zu kennen glaubt, hat das unabsehbare Folgen für sein Leben.
Aber die Meldung wirft eine interessantere, geradezu philosophische Frage auf: Wie wirkt sich die Kenntnis der Vorhersage auf deren Wahrscheinlichkeit aus? Es wird ja ausdrücklich ins Auge gefaßt, daß man z. B. das Rauchen aufgeben könnte. Dieses Motiv hat die Schriftsteller seit der Antike (Ödipus) beschäftigt. Der Versuch, dem Schicksal zu entgehen, führt gerade zu dessen Erfüllung. Eine nette Variante hat Rowling in „Harry Potter“ gefunden: Die zwielichtige Seherin Prof. Trelawney sagt dem armen Neville im Ton der Sebstverständlichkeit voraus, daß er gleich einen Teetopf zerdeppern wird, und sofort zerdeppert er ihn.
Aktuelle Beispiele liegen auf der Hand. Unser Wissen über den Klimawandel kann diesen verlangsamen oder auch nicht. Auch das Präventionsparadox bei Corona gehört hierher: Die erfolgreiche Eindämmung der Seuche führt zur Geringschätzung der Eindämmungsmaßnahmen usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2020 um 07.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44217

In Diskussionen mit Windkraftgegnern konnte ich nie herauskriegen, ob denn wirklich der Boden unter Windrädern mit toten Vögeln übersät ist. Nun lese ich endlich mal Zahlen:
„In Deutschland sind zwischen 2002 und 2017 über 3500 Vögel durch Kollisionen mit Windrädern gestorben.“ (SZ 29.8.29)
In Norwegen sind in drei Jahren nur 6 Vögel durch schwarz angestrichene Windräder gestorben gegenüber 18 durch helle. Was soll man dazu sagen?
Millionen tote Vögel durch den Straßenverkehr und Glasscheiben sind dagegen kein Hirngespinst.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2020 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44215

Eier erhöhen die Gefahr einer Hirnblutung (Kurier 25.8.20)
Diese Lebensmittel können Hirnblutungen auslösen (FR 28.8.20)

Man kann hier wieder beobachten, wie Thesen zugespitzt werden und dann Sensation machen. Der Originalartikel gibt es nicht her, eine statistische Metaanalyse der Daten von über 400.000 Menschen, mit vielen Wenn und Aber. Im Kern geht es um Hochdruck und Blutfettwerte, und das ist nichts Neues.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2020 um 14.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44169

So hat man ja auch ausgerechnet, daß es klug von unseren Vorfahren gewesen wäre, zur Zeit Jesu eine kleine Summe auf Zins und Zinseszins anzulegen. Auch bei einem bescheidenen Zinssatz wären wir heute alle stinkreich und brauchten nicht mehr zu arbeiten, sondern könnten uns bedienen lassen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.08.2020 um 13.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44168

Jede Reproduktionszahl größer als 1 führt irgendwann auch zur Verdopplung, die Frage ist nur, in welchen (jeweils konstanten) Zeiten. So hat jedes exponentielle Wachstum auch mit ständiger Verdopplung zu tun. Das gleiche gilt für Verdreifachung, Verzehnfachung, dss Millionenfache usw.

Aktuell soll die Reproduktionszahl 1,02 sein. Das bedeutet Verdopplung nach 35 Ansteckungszyklen (1,02 hoch 35 ist rund 2). Wenn ein Zyklus 10 Tage ist, sind das 350 Tage, also ist aktuell die Verdopplungszeit bei uns etwa 1 Jahr..
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2020 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44164

Man liest täglich, die Reproduktionszahl R liege zwar über 1, aber noch sei das Wachstum nicht "exponentiell". Das scheint für viele Journalisten erst bei Verdoppelung zu beginnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2020 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44076

Die Zunahme der Neuinfektionen in Deutschland ist zwar ernst zu nehmen, aber Trumps Krokodilstränen sind übertrieben. Er verweist auf steigende Zahlen im unglücklichen Deutschland und sinkende in den USA, ohne die absoluten Beträge zu erwähnen.
In Neuseeland hat sich, nach einer coronafreien Zeit, eine vierköpfige Familie angesteckt. Das ist eine Steigerung um soviel Prozent, daß die Mathematik davor versagt. Wann bietet Trump diesem geschlagenen Staat Hilfe an?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2020 um 15.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44074

Eine Presseabteilung arbeitet wieder mal vortrefflich, und so geht durch alle Medien die Meldung, Coronaviren seien durch eine handelsübliche Mundspülung abzutöten. Darauf setzte ja vor einigen Monaten auch der Hygieniker Zastrow, man hat aber nichts mehr darüber gehört.
Was die Forscher wirklich herausgefunden haben: Die Lösung wirkt wie andere Desinfektionsmittel bekanntermaßen tödlich auf die Viren, und das dürfte sie ja dann wohl auch in der Mundhöhle tun. Nur: Man müßte in jeder Kontaktsituation sofort das Spülmittel in den Mund nehmen, und weiter hinten im Rachen erreicht es seinen Zweck auch nicht.
Das Ganze ist also ein Windei.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2020 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44064

Im Juni lagen die täglichen Neuinfektionen mit Corona bei 350, im Juli waren sie doppelt so hoch, und heute sind wir seit Tagen über 1000. Laut Streeck ist das aber "kein deutlicher Anstieg". Es ist auch keine zweite Welle, sondern das Auf und Ab einer "Dauerwelle". Aber was folgt daraus? Die "Umcodierung" muß doch einen Zweck haben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.08.2020 um 01.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44052

Ammoniumnitrat hat fast die halbe Sprengkraft der gleichen Menge TNT. Die Explosion in Beirut entsprach also ungefähr 1,3 Kilotonnen TNT.

Die Hiroshima-Bombe hatte ein TNT-Äquivalent von 13 Kilotonnen, war also etwa 10mal so stark.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.08.2020 um 00.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44051

2750 Tonnen Ammoniumnitrat (Dichte 1,72 Tonnen pro Kubikmeter) nähmen z. B. einen Würfel von 11,7 Meter Kantenlänge oder eine Kugel von 14,5 Meter Durchmesser ein. Wirklich nichts für eine durchschnittliche Garage.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2020 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44050

Was für eine "Bombe" könnte das in Beirut denn gewesen sein? Ich möchte Trumps "großartige Generäle" um Basteltips bitten. Aber bitte nicht mit 3000 Tonnen Ammoniumnitrat – dafür habe ich keinen Platz in der Garage.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2020 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44029

In der Tagesschau wurden "Experten" zitiert, die ausgerechnet haben, daß die Mehrwertsteuersenkung bei größeren Anschaffungen eine höhere Ersparnis bringt als bei kleinen.

Psychologen erklären, warum die Leute wegen Corona nicht mehr so vorsichtig sind: sie halten das Risiko nicht mehr für so groß oder haben sich daran gewöhnt.

Im übrigen gibt es aber wenig zu lachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2020 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44018

Zum ZDF kann ich nichts sagen, und ich habe auch keinen Überblick, wer was mehr als andere dramatisiert usw.

Zahlenspiele lassen sich unendlich variieren. Ich will aber doch auf einen Umstand hinweisen: Wo relativ wenige an Corona erkrankt und gestorben sind, waren es naturgemäß zuerst die Alten und Kranken, und bei denen ist die Mortalität unvergleichlich höher. Wenn heute in einem Land sehr viele Menschen erkranken, werden auch immer breitere Schichten erfaßt, die Mortalität sinkt also relativ. Wegen der hohen absoluten Zahlen sind die Verhältnisse in den USA besonders "dramatisch". Daran läßt ja auch drüben niemand einen Zweifel (außer FOX), es braucht also keinen deutschen Fernsehsender.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.07.2020 um 22.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44017

Mit der ansteigenden Kurve meinte ich natürlich die der Neuinfektionen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.07.2020 um 21.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44016

Das ZDF meldete heute in den 19-Uhr-Nachrichten:
"Die Corona-Situation in den USA wird immer dramatischer. Kein Land hat mehr Neuinfektionen und Tote zu beklagen."
Dazu wurden diese Zahlen der Johns Hopkins Universität genannt:
4495737 Infizierte, davon 152074 Tote.
Es folgte ein Bericht über den Bundesstaat Florida:
"Ein Fünftel der Patienten mit schweren Symptomen stirbt."

Ein Fünftel, also 20% Tote, das ist schon allerhand, nicht wahr?
Aber, Moment mal, das bezieht sich auf Patienten mit schweren Symptomen. Bei 80% aller Infizierten verläuft die Krankheit leicht, nur 20% zeigen schwerere Symptome, 5 bis 10% müssen beatmet werden. Also 20% von 20% ergibt eine Todesrate von max. 4% in Florida.
Die Zahlen von Johns Hopkins bedeuten eine Todesrate von 3,4% in den gesamten USA.

In Deutschland sind aber bisher 4,4% aller Infizierten gestorben, wir haben also eine um ein Drittel höhere Todesrate als die USA.

Nanu? Weshalb dramatisiert das ZDF die Situation in den USA dann so?

Mittlerweile haben die USA nach diesen Zahlen insgesamt 46 Corona-Tote pro 100000 Einwohner (weniger als viele westeuropäische Länder). Vor gut zwei Monaten waren es schon über 30. Nach einer ansteigenden Kurve sieht das also auch nicht gerade aus, im Gegenteil.

Also noch einmal, was wird nach Meinung des ZDF in den USA immer dramatischer?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2020 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44006

Zu "Myriade" (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43126)

Zehntausend für eine Unmenge zu halten ist entweder kindlich oder archaisch. Wir werfen doch heute mit Terabytes um uns, und gerade lese ich, daß ein Polizeihund die Spur eines Schweißfußes auch dann noch wahrnimmt, wenn der Gesuchte Gummistiefel trug, denn das Gummi läßt bei jedem Schritt noch Billionen Buttersäuremoleküle durch.

Ähnlich haushoch, meilenweit. Das war früher mal sehr hoch bzw. sehr weit.

Seltsam auch das gleiche in geographischer Verteilung. Nur im Süden sagt man Roß, aber auch im Norden spricht man ausschließlich von Roßhaarmatratze, nie von Pferdehaarmatratze.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2020 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43959

Wenn Trump durch Vermeidung von Einschränkungen wg. Corona "drei bis vier Millionen Menschenleben gerettet" hat (wie seine Sprecherin mitteilt), dann müßten umgerechnet in Deutschland rund eine Million wegen der Einschränkungen gestorben sein. Von einer solchen Übersterblichkeit in den letzten Monaten war aber nichts zu sehen.
Trump trägt jetzt Maske, weil er der größte Patriot aller Zeiten ist, und bald werden wir hören, daß er schon immer Maske getragen hat, auch wenn die Lügenpresse es nicht bemerkt haben will. Er soll laut Sprecherin oft mehrmals täglich getestet werden, bestreitet es allerdings, weil Tests zwar patriotisch sind, andererseits aber die Infektion beschleunigen ("Slow the testing down!"). Aber wenn dieselbe Person mehrmals getestet wird, schadet es der Bilanz naturgemäß nicht weiter.

Kinder unter zehn bremsen die Ausbreitung des Virus, Kinder über zehn beschleunigen sie (nach neuesten Erkenntnissen); das ist auch bemerkenswert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2020 um 06.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43923

Covid-19: Kinder bremsen laut Studie das Virus aus

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/schulen-kinder-sachsen-corona-normalbetrieb-1.4965841

Kinder stecken sich nach einer Dresdner Untersuchung seltener an und verbreiten das Virus nicht so stark, aber warum sie deshalb „Virusbremsen“ und „Bremsklötze“ sein sollen, ist mir nicht klar. Eine Bremse würde die Ausbreitung verhindern und nicht um einen – wenn auch kleinen – Beitrag fördern. (Sachsen meldet insgesamt nur 2 Neuinfektionen pro Tag. Die Zahlen lagen auch vorher in Sachsen schon sehr niedrig. Natürlich müssen die Schulen usw. wieder geöffnet werden, das sagt ja auch Drosten, gegen den unterschwellig polemisiert wird.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2020 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43885

Was verschiedene Medien daraus machen, interessiert mich nicht so sehr, ich habe auch keine Zeit, all diese Kommentare zu lesen. Daher mein wiederholter Hinweis auf die Kurven, die meistens auf den Daten der Johns-Hopkins-Universität beruhen.
Tatsache ist, daß Deutschland, Italien, GB und andere von den Maxima zu Beginn (um den 1. April herum) schnell ganz stark heruntergekommen sind, die USA und Brasilien aber nicht, sondern dort geht es mehr oder weniger steil weiter hoch. (Auch Indien wäre von den großen Ländern hier einzuordnen, aber das wundert mich nicht.) Bei den USA haben wir jetzt seit längerem wachsende Zuwächse – Sie wissen besser als ich, was das bedeutet.
Ich war heute seit einem Vierteljahr erstmals wieder in der Stadt, auf dem Markt, in der UB und in einigen Geschäften. Man hat sich eingerichtet, das Leben normalisiert sich, mit Schutzvorrichtungen, Abstand und Masken ohne Ausnahmen. Vielleicht sind die Erlanger besonders einsichtig, ich habe sie ja früher schon gelobt. Im Schuhgeschäft ("maximal 4 Kunden gleichzeitig") ging es so nett und ordentlich zu, daß wir gleich zwei Paar besonders teure Wanderschuhe gekauft haben. Beim Hinausgehen wurde uns die Desinfektion der Hände angeboten, und dann haben wir die Masken wieder abgenommen und uns aufs Rad geschwungen – wo sollen denn da die Grundrechte eingeschränkt sein?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.07.2020 um 13.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43883

Ich sage natürlich nicht, daß Brasilien kein Problem mit Corona hat. Ich glaube, alle Länder der Erde haben zur Zeit Probleme mit Corona.
Aber wenn die Zahlen sich wirklich im Rahmen der normalen Schwankungen halten, wonach es zur Zeit noch aussieht, dann gibt es auch keinen Anlaß, das dortige Geschehen als Katastrophe auszumalen.
(1000 Tote täglich in den USA mit anderthalbfacher Bevölkerung wären sogar weniger als in Brasilien.)

Mir fällt auf, daß in unseren Hauptmedien viel mit Statistiken manipuliert wird. Ständig werden Äpfel mit Birnen verglichen. Nehmen wir nur diese aktuelle Überschrift auf welt.de:

442 neue Fälle in Deutschland – Über eine halbe Million Infizierte in Afrika

Man stellt also die Zahl der neuen Fälle an einem Tag in Deutschland neben die Gesamtzahl aller Fälle in Afrika. Zwei Zahlen, die so schon nichts miteinander zu tun haben und sich außerdem auf ganz unterschiedliche Menschenmengen beziehen. Warum macht man das? Nebeneinander gestellt suggeriert die kleine Zahl in Deutschland, wir machen alles richtig, während die große Zahl von Afrika wohl sagen soll, wie bedauerlich und verantwortungslos die Machthaber dort damit umgehen.

Daß Deutschland der Einwohnerzahl nach 16mal in Afrika paßt und daher insgesamt (200000 Infizierte, 9000 Tote) die sechsfache Infiziertendichte und die 12fache Todesdichte (bezogen auf gleiche Bevölkerungsanteile) wie Afrika (500000 Infizierte, 12000 Tote) hat, und daß von den Infizierten in Deutschland anteilig doppelt so viele gestorben sind wie in Afrika, wird nicht geschrieben, weil es propagandistisch nicht so dienlich ist.

Ich finde, Deutschland steht im internationalen Vergleich insgesamt sehr gut da, weil es schnell strikte Maßnahmen ergriffen hat. Deutschland hätte es gar nicht nötig, sich mit unlauteren Zahlenvergleichen zu rechtfertigen. Andererseits könnte so, wie uns im März/April die kurzen Verdopplungszeiten beunruhigt haben, ein ehrlicher Umgang mit den Zahlen jetzt auch zur Deeskalation beitragen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2020 um 08.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43881

Trumps Verweis auf Deutschland, wo die Schulen angeblich problemlos öffnen, ist verfehlt. Erstens machen wir gerade die ersten vorsichtigen Schritte und stehen sozusagen Gewehr bei Fuß, falls es schiefgeht. Zweitens hat Deutschland die Infektionen sehr schnell auf überschaubare Ausmaße zurückgeführt, nicht nur durch Verordnungen, sondern auch durch die spontanen Vorsichtsmaßnahmen der Leute, ihre eindrucksvolle "Compliance". In den USA und Brasilien ist das nicht gelungen, im Gegenteil. Das liegt sicher auch an den Politikern. Sie müssen ja nicht gleich "an allem schuld" sein, aber das Kleinreden der Seuche macht es schwierig, nach Monaten zurückzurudern.

Lieber Herr Riemer, mal abgesehen vom ZDF; wenn ich Sie richtig verstehe, finden Sie, daß Brasilien kein Problem mit Corona hat, weil alles sich im Rahmen der normalen Schwankungsbreite hält?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2020 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43878

Zu diesem Fall kann ich nichts sagen. Aber es kommt ja wie immer auf die Tendenz an. In den USA infizieren sich täglich etwa 150mal so viele Menschen wie in Deutschland, Tendenz steigend. Fast 1000 Tote wg. Corona täglich. Darum ist Fauci so besorgt, und darum putzt Trump ihn herunter und wird ihn wohl bald abservieren, wie es eben das Schicksal der Unglücksboten ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.07.2020 um 23.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43876

Allein gestern verzeichnete man über 1300 Tote – an einem Tag!
(ZDF, Auslandsjournal, 8.7.20, über die aktuelle Corona-Situation in Brasilien)

In Brasilien mit seinen 210 Millionen Einwohnern sterben täglich über 6000 Menschen an den verschiedensten Ursachen. Die Zahlen sind in der Vergangenheit schon um bis zu 25% geschwankt, d.h. eine Schwankungsbreite von 1500 Toten ist ganz normal.

Nun kommt also die ZDF-Moderatorin und serviert im Brustton des Erschreckens die Zahl von 1300 Coronatoten an einem einzigen Tag, an der natürlich der böse Präsident schuld ist.

Anschließend gleich eine Sendung, in der sich das ZDF angeblich wundert, wo denn bloß die ganzen Verschwörungstheorien herkommen. Ich weiß nicht mehr, was ich dazu sagen soll. So naiv sind die Leute vom Öffentlich-Rechtlichen doch nicht. Aber dann kann es ja nur Absicht sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2020 um 12.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43870

Aus einer bestimmten Ecke (besonders unter welt.de, mehr und mehr aber überall) kommen ständig Kommentare zu den Corona-Maßnahmen auf der ganzen Welt: völlig übertrieben! So jetzt wieder zu Melbourne, als seien die dortigen Behörden strunzdumm. Dabei haben bloß die Leserbriefschreiber nicht verstanden, was exponentielles Wachstum bedeutet.

Bei uns ist die Sache sonnenklar:

Ein Virologe warnt vor einem „Dauerzustand der Erregung“ . . . genau das wünscht sich aber die Regierung. Möglichst bis zum September 2021 oder noch länger, damit man auch weiterhin ungestört regieren kann. Und Wahlen so ohne Opposition (Beschränkung Versammlungs- und Demofreiheit) ist doch auch ganz praktisch. Und man kann alles mit Corona begründen.

Alle spielen verrückt, nur Trump nicht, der tut etwas für sein Volk, der einzige wahre Patriot.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.07.2020 um 10.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43846

Mit einer solchen Kurve (und einem solchen Präsidenten) geschlagen zu sein ist schon sehr hart.

Einige Bundestaaten nehmen jetzt die Lockerungen zurück und gestehen damit ein falsches Krisenmanagment ein. Wie aber auch amerikanische Beobachter feststellen, gibt es einen frustrierenden Nebeneffekt: Millionen, die ihre Arbeit verloren haben, müssen einsehen, daß ihr Opfer umsonst war.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.07.2020 um 09.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43845

Wohin die Kurven uns führen, werden wir ja sehen. Hätte die WELT geschrieben, aufgrund der bisherigen Entwicklung sei zu befürchten, daß die USA bald "das mit Abstand am härtesten von der Pandemie heimgesuchte Land der Welt" seien, wäre das für mich plausibel. Aber so?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.07.2020 um 04.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43844

Ich habe die Kurve erwähnt.

In europäischen Ländern, z. B. hier in Bayern (wegen der Skiurlauber), hatten wir am Anfang eine große Zahl von Infizierten und Toten, die sind immer noch in der Statistik der absoluten Zahlen. Dann ging es dank Maßnahmen schnell runter, jetzt haben wir hier im Landkreis und in Erlangen schon lange fast gar keine Fälle mehr.
In den USA geht die Kurve steil nach oben. Die Illusion, die Trump vielleicht guten Glaubens am Anfang noch verbreiten konnte, ist verflogen.

Die absoluten Zahlen sind richtig, aber man muß doch sehen, daß unsere hohen Opferzahlen auf den Überraschungseffekt am Anfang zurückgehen und die Politik dann im wesentlichen richtig gehandelt hat, besonders in Deutschland. Das ist gar nicht so leicht, weil Geltungssucht und Dumpfsinn überall dagegen arbeiten.

Dazu noch: Maske und Abstand sind meiner Ansicht nach, wenn man Kosten/Nutzen abwägt, das wirksamste Mittel, nicht perfekt (wie die Superschlauen einwenden), aber flächendeckend sehr effizient, und den Erfolg erleben wir hier im Landkreis. Und ausgerechnet dagegen rotten sich jene Narren in einem eigens gegründeten Verein im Namen der Menschenrechte zusammen!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.07.2020 um 23.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43843

(Zu EU habe ich hier GB noch mitgezählt.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.07.2020 um 23.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43842

Noch ein interessanter Vergleich
(Quelle www.bing.com, Statistiken zum Coronavirus):

Coronatote pro 100000 Einwohner: USA 39, EU 35
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.07.2020 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43841

Aber was heißt "darauf herumreiten"? Wonach soll man denn urteilen, wenn nicht nach den exakten Zahlen?

Auf welt.de steht z. B. auch:
"Die USA sind das mit Abstand am härtesten von der Pandemie heimgesuchte Land der Welt."

Was soll denn das? Die USA haben zwar die meisten Coronatoten von allen Ländern, aber sie sind bevölkerungsmäßig ja auch viermal so groß wie Deutschland. Sie stehen damit doch wirklich besser da als die genannten Länder, auch Frankreich könnte man noch hinzufügen. Es ist doch klar, daß die absoluten Zahlen in einem großen Land größer sein können als in einem kleinen, ohne daß die durchschnittlichen Verhältnisse im großen Land schlechter sind als im kleinen.

Ich will keinen Helden Trump retten, aber man muß doch bei der Wahrheit bleiben!
Bei der Bezeichnung als "das mit Abstand am härtesten von der Pandemie heimgesuchte Land der Welt" beschleicht mich schon der Verdacht, daß hier nichts als Propaganda gemacht wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.07.2020 um 14.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43839

Ein WELT-Leser:

Warum verschweigen Sie immer den einzig halbwegs objektiven Parameter, die Todesrate auf 100.000 Einwohner? USA 39, deutlich günstiger als GB, Schweden, Spanien, Italien, Belgien.

Auf diesem Punkt reiten dort viele herum, offensichtlich froh, daß sie etwas entdeckt haben, was ihren Helden Trump rettet. Jeder kennt aus der Tagesschau einen anderen „objektiven Parameter“, der weniger schön aussieht, eine Kurve...

Oder man unterhält sich mit ganz intelligenten und netten Leuten, und dann kommen sie mit diesem Schnack: Corona ist nicht schlimmer als die Grippe, an der auch jedes Jahr viele Menschen sterben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2020 um 15.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43781

Trump nannte das Buch (Boltons) eine "Zusammenstellung von Lügen und erfundenen Geschichten". – Dann kann es mit dem Verrat von Staatsgeheimnissen nicht weit her sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2020 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43747

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43623

Die Gewerkschaften gehen die SPD nach der gescheiterten Autokaufprämie scharf an. DGB-Chef Reiner Hoffmann mahnt die Partei, auch auf Industrie und Arbeitnehmer zu schauen, um die AfD kleinzuhalten. (Spiegel 14.6.20)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2020 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43739

Aufgrund der Corioliskraft, die für die Drehung der Erde verantwortlich ist, wird der Wind auf der Nordhalbkugel bei Nacht stärker nach rechts abgelenkt. (FAS 14.6.29)

Die Drehung der Erde ist für die Corioliskraft verantwortlich, nicht umgekehrt. Und der Wind wird auf der Nordhalbkugel, wenn er in Nord-Süd-Richtung weht, immer nach rechts abgelenkt, nicht nur nachts, genau wie das Wasser.

Im Artikel wird über Untersuchungen des DLR berichtet, wonach Windräder um 12 bis 23 Prozent effizienter wären, wenn sie andersherum rotierten. Kann ich nicht glauben, lasse mich aber gern belehren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2020 um 18.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43721

Daß es am Ende des Jahres in Deutschland nicht nennenswert mehr Sterbefälle gegeben haben könnte als in anderen Jahren (Streeck), ist möglich und wäre auf die Eindämmungspolitik zurückzuführen, für die Deutschland international viel Anerkennung gefunden hat. Es ist ja nicht schwer, die jüngste Entwicklung zu extrapolieren. Wenn annähernd eine Million sterben, gehen 10.000 im statistischen Rauschen unter. Weitere Folgerungen sind dem Präventionsparadox zuzurechnen, auf das eigentlich keiner mehr hereinfallen sollte. Die jetzige "Öffnung" ist in gewissem Umfang unvermeidlich, aber sie ist auch ein riskantes Experiment, und die Regierung hat recht, sozusagen Gewehr bei Fuß zu stehen.
Studien zum Maskentragen haben ergeben, daß sogar behhelfsmäßiger Eigenbau sehr viel besser wirkt als gar nichts. Manchmal werden Masken falsch benutzt; theoretisch wären sie dann möglicherweise sogar schädlich, aber nachgewiesen ist es nicht. Eine allgemeine Kritik des Maskentragens ist daraus nicht abzuleiten und käme beispielsweise in Jena auch nicht gut an.
Man könnte noch mehr Gerede anführen, aber es lohnt nicht.

Wir sind durchaus Leidtragende, haben den Juist-Urlaub gestrichen, können die Enkelin nicht knuddeln und verzichten auf Chorsingen, Tanzen usw., aber so sind die Zeiten. Obwohl unser Landkreis verhältnismäßig schwach betroffen ist, gibt es im weiteren Bekanntenkreis schwerste Fälle, die uns zu denken geben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.06.2020 um 20.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43720

»Im April verkauften die deutschen Unternehmen nur noch Waren im Wert von rund 75 Milliarden Euro ins Ausland, das sind 31,1 Prozent weniger als im gleichen Monat im Vorjahr – und das, obwohl die Grenzen langsam wieder öffnen und die Konjunktur vorsichtig anzieht.«

(Sendung »heute«, ZDF, 9. Juni 2020, 19 Uhr)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.06.2020 um 16.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43703

Zur Mehrwertsteuersenkung um 3 Prozent:

Da bin ich ja gespannt, ob ich nächstens einen Artikel, der bisher 9,99€ gekostet hat, tatsächlich für 9,74€ bekomme.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2020 um 06.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43675

Italien gehört zu den Nettozahlern der EU, erhält schon jetzt also fünf Milliarden Euro jährlich mehr, als es einzahlt. (ZEIT 30.5.20)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2020 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43649

Genau so ist es, und ich hatte gerade darauf hinweisen wollen, daß "Seite" und "Rückseite" offenbar operational definiert werden müssen, also durch das, was man "tun kann". Und gerade dies kommt gewissermaßen unerwartet, darum ist ja das Möbiusband etwas Verblüffendes und stellt den Mathematiker vor eine Aufgabe.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.05.2020 um 21.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43648

Der Mond hat auch eine Rückseite, seine von der Erde aus unsichtbare Seite, und die Antipoden leben auf der andern Seite der Erde. Die "Seite" einer Fläche aber ist sowieso etwas ganz anderes als die Seite eines Körpers. Wenn wir uns ein Möbiusband, eigentlich eine Fläche, anschaulich aus Papier gebastelt vorstellen, verschwimmt das etwas, weil das Papierband genaugenommen ein Körper ist. Einen Körper kann man von beiden Seiten unterschiedlich färben, aber einer Fläche ist es egal, von welcher "Seite" man sie betrachtet, es sind immer die gleichen Punkte.

Weist man einer Fläche bzw. Ebene dennoch eine "Seite" zu, so führt man eigentlich eine Orientierung ein. (Drehen sich die Uhrzeiger falsch herum, sieht man sie von hinten, von der Rück-"Seite".) Und dann stellt sich heraus, daß manche Flächen, wie z. B. das Möbiusband, gar nicht orientierbar sind, sie haben also gar keine "Seite", weder zwei noch überhaupt eine.

Teile oder Abschnitte des Möbiusbandes sind natürlich orientierbar, haben sozusagen zwei "Seiten", aber das sind dann eben auch keine Möbiusbänder mehr. Was ich also nur sagen wollte, die Definition der "Rückseite" ergibt sich im Grunde aus der Definition der "Seite".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2020 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43645

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41192

Das Möbiusband hat keine Rückseite – aber nur unter einer gewissen Definition, die auf das Entlangfahren Bezug nimmt; jeder Abschnitt hat eine Rückseite und kann z. B. durchbohrt werden. Das heißt, auch der Begriff der "Rückseite" muß definiert werden; das hätte man nicht ohne weiteres erwartet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.05.2020 um 15.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43638

Ich möchte eigentlich gar nicht über Wörter (Größenordnung, glimpflich) diskutieren. Die Tatsachen sind ja klar.

Was die leerstehenden Intensivbetten betrifft (Pt), so kann ich nicht sehen, daß daraus ein Geheimnis gemacht würde. Aber hier trifft das von Drosten und anderen vorausgesagte Präventions-Paradox uns mit voller Wucht: Weil die Maßnahmen erfolgreich waren, erscheinen sie manchen als überflüssig. Es gäbe noch einiges zu sagen, auch zu den Tests, aber das hätte wenig Sinn.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.05.2020 um 14.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43637

Ich habe mal ein bißchen gegoogelt und gleich dividiert und sortiert, hier ist für ausgewählte Länder die Anzahl der Coronatoten pro 10000 Einwohner:

Rußland 0,2
Welt 0,4
Türkei 0,5
Brasilien 1
Deutschland 1
USA 3
Schweden 4
Frankreich 4
Italien 5
GB 6
Spanien 6
Belgien 8

Ob das nun glimpflich ist, z. B. in Deutschland, weiß ich nicht, ich meinte nur, sinngemäß wurde es so im deutschen Fernsehen schon öfter gesagt.

Interessantes Problem, was ist eine Größenordnung? Ich glaube, auf jeden Fall bezieht es sich aufs Dezimalsystem.

Die Mitte zwischen dem 1fachen und dem 10fachen ist das 5,5fache, man könnte also sagen, bis zum 5fachen geht noch die gleiche Größenordnung, ab dem 6fachen gehört die Zahl zur nächsthöheren.

Man könnte aber auch sagen, alles was einstellig ist, gehört zur gleichen, alles was zweistellig ist, zur nächsthöheren Größenordnung usw. Dann begänne im Extremfall die nächste Größenordnung tatsächlich erst beim 10fachen.

So wäre ich auch bei der obigen Liste versucht zu sagen, alles von Brasilien bis Belgien gehört im Grunde noch ungefähr zur gleichen Kategorie oder Größenordnung. Also alles noch glimpflich? Es ist sicher auch ein bißchen Ansichtssache.

Was mir halt an der Liste auffällt, ist, daß z.B. Belgien in den Fernsehnachrichten meines Wissens noch nicht besonders hervorgehoben wurde, Brasilien jedoch schon öfters und immer recht dramatisch.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 23.05.2020 um 13.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43636

Es ist zweifelhaft, ob alle "gesicherten" Corona-Todesfälle auch wirklich durch das Corona-Virus gestorben sind. Es ist mittlerweile allgemein bekannt, daß der sog. Test sehr unzuverlässig ist und auch von seinem Erfinder nicht als Test entwickelt wurde. Außerdem fehlt ihm (dem Test) die Validierung, ohne die er letzlich noch nicht mal als Test angesehen werden kann.

Weiterhin ist die ganze Diskussion über Corona-Tote müßig, wenn nicht die Vergleichszahlen aus den Vorjahren bzgl. Grippetoten oder Sterblichkeit zum Vergleich herangezogen werden.

Eine Krankenschwester erzählte mir vor ein paar Tagen, daß kleinere Krankenhäuser, die – angeblich – für die Aufnahme von Corona-Fällen vorgesehen seien, leerstehen. Bei einem Universitätsklinikum war ein ganzes Gebäude für die Aufnahme von Corona-Fällen vorgesehen, es steht seit Wochen leer. Die Arzte dürfen nicht den normalen Betrieb aufnehmen und die Krankenhäuser müssen Kurzarbeit beantragen. Offenbar hat man dem Klinikpersonal einen Maulkorb verhängt, denn diese Krankenschwester sagte auch, daß diese Sachverhalte nicht in den sozialen Medien kommuniziert werden dürfen. Auch in der Schweiz stehen für Corona-Fälle reservierte Intensivbetten leer.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.05.2020 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43635

Was heißt »glimpflich«? Es gibt jedenfalls Länder, die wesentlich mehr Corona-Tote zu beklagen haben als Deutschland. In Belgien etwa kommen auf 100.000 Einwohner rund 80 Tote. Das wären umgerechnet auf eine Stadt wie Köln ungefähr 800 Menschen. Tatsächlich sind laut RKI aus Köln bisher 96 Todesfälle gemeldet worden. Ist das viel, ist das schlimm? Den Betroffenen kann die Statistik ohnehin egal sein.

Unter den bevölkerungsstarken europäischen Ländern (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien) hat Deutschland mit Abstand die niedrigsten Todeszahlen, nicht nur absolut, sondern auch bezogen auf die Gesamtbevölkerung (bei hoher Dunkelziffer ist die Einwohnerzahl meines Erachtens immer noch die interessanteste Bezugsgröße, sofern sich die Länder in ungefähr vergleichbaren Stadien der Epidemie befinden).

Wie »schlimm« ein Land von der Seuche betroffen ist, hängt auch noch von anderen Faktoren ab, zum Beispiel davon, wie wahrscheinlich es ist, daß einem Infizierten bei schwerem Krankheitsverlauf die beste verfügbare Behandlung zuteil wird. Da gibt es schon große Unterschiede.

Und was speziell Brasilien angeht, so steigen die Zahlen seit einigen Wochen rasant. Außerdem scheint dort die Dunkelziffer bei den Todesfällen, gerade in den Armenvierteln, besonders hoch zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.05.2020 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43634

Was ist die gleiche "Größenordnung"? Alles unter zehnmal?

Deutschland steht vergleichsweise gut da, darum wird es auch im Ausland so oft erwähnt. Zufrieden sein kann man natürlich nicht.

Manche Länder wie Brasilien, Indien, Afrika stehen erst am Anfang und lassen daher Schlimmes fürchten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.05.2020 um 20.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43632

Angeblich, so hört man jetzt täglich in den Nachrichten, sei Brasilien von der Pandemie besonders schlimm betroffen:
20000 Coronatote bei 210 Millionen Einwohnern, d.h. fast jeder 10000. Einwohner ist an Corona gestorben.

Deutschland hat 83 Mio. Einwohner und Stand heute 8300 Coronatote, das ist jeder 10000. Einwohner.

Die Todesrate in den USA ist etwa dreimal so hoch, liegt damit aber noch in der gleichen Größenordnung.

Wenn wir sagen, und das wird ja gesagt, bis jetzt seien wir in Deutschland noch einigermaßen glimpflich durchgekommen – für welche Länder der Welt gilt das eigentlich nicht?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.05.2020 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43626

Eine offene Wahl a la DDR läßt sich per Gesetz und Kabinenpflicht verhindern, und das wird ja in der Bundesrepublik auch gemacht.
Niemand hat also die Möglichkeit, sein oder anderer Wahlverhalten offenzulegen, auch nicht, wenn es alle zu tun behaupten.

Wie unter dieser Bedingung das Wahlgeheimnis ad absurdum geführt oder Zwang ausgeübt werden könnte, leuchtet mir nicht ein. Jeder kann ja vorher oder danach sagen, was er will oder was der Frager hören will, ohne daß seine wirkliche Wahlentscheidung davon betroffen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2020 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43625

Das Wahlgeheimnis wird nicht verletzt (außer wenn jemand "offen wählt", wie uns noch in Erinnerung sein dürfte: Warum sollte ich die Wahlkabine aufsuchen? Ich habe doch nichts zu verbergen), aber es wird ad absurdum geführt. Außerdem könnte ein sanfter Zwang davon ausgehen, so daß jemand, der nicht verraten will, wie er abgestimmt hat, sich verdächtigt macht (wie eben seinerzeit jemand, der die Wahlkabine aufsuchte).

Den anderen Punkt hatte ich schon angedeutet: einfach behaupten, man habe so oder so abgestimmt. Das wäre nur zu widerlegen, wenn auch alle anderen ihr Abstimmungsverhalten offenlegen. Beweisen läßt es sich aber wegen der Geheimhaltungsfarce nicht. Dadurch können auch kleine Parteien überproportional mächtig werden (wie jene Heuschrecken, die ein Unternehmen zerlegen).

Wie kann man da rauskommen? Jedenfalls nicht durch Isolierung bestimmter Parteien, als seien es Virenschleudern. Theoretisch dürfte jener SPD-Mann ja gar nicht wissen, wer ihn gewählt hat, und kann daher auch nicht von bestimmten Leuten abhängig werden. Dem Gegenkandidaten von der CSU hätte das gleiche passieren können, so daß eigentlich überhaupt kein Bürgermeister hätte gewählt werden können, seit die AfD einen Mann im Gemeinderat hat.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.05.2020 um 02.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43624

Der AfD-Mann hat sich offenbart? Was, wenn er gelogen und in Wirklichkeit doch nicht den SPD-Kandidaten gewählt hat? Wer will das so genau wissen?

Die Geheimheit der Wahl besteht darin, daß niemand dabei gefilmt oder beobachtet wird. Was der Wähler selbst vorher oder hinterher erzählt, ist seine Sache und beweist gar nichts, ist auch nicht unzulässig.

Manchmal, wie in Thüringen, kann man allerdings aus dem Wahlergebnis rein rechnerisch bestimmte Rückschlüsse über das Wahlverhalten einer Gruppe oder Einzelner ziehen. Das verletzt das Wahlgeheimnis auch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2020 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43623

In einer Nachbargemeinde kommt ein SPD-Bürgermeister in Schwierigkeiten, weil er mit Hilfe der einzigen AfD-Stimme im Gemeinderat ins Amt gekommen ist.

Dies kam nur heraus, weil der AfD-Mann sich offenbart und damit die geheime Wahl um ihre Geheimheit gebracht hat. (Ist das überhaupt zulässig?)

Wie jemand richtig bemerkt, kann die AfD jeden Bürgermeister aus dem Amt kegeln, indem sie behauptet, sie habe ihn ebenfalls gewählt.

Im Fall Thüringen war die Arithmetik etwas anders.

Die Unterstellung, jener Bürgermeister werde mit der AfD "zusammenarbeiten", ist auch nicht überzeugend. Im Gemeinderat arbeiten alle zusammen. Die AfD kann aber jeden Gemeinderatsbeschluß hintertreiben, indem sie dafür stimmt. Nur wenn es nichts an einer ohnehin vorhandenen Mehrheit ändert, könnte man sich darüber hinwegsetzen, aber eine Zusammenarbeit wäre es trotzdem.

Ob sich die Empörten darüber im klaren sind, daß sie die AfD zur mächtigsten Partei machen?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.05.2020 um 09.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43604

Laut Ö1 ist die Zahl der Corona-Toten »erstmals« auf über 300.000 gestiegen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2020 um 11.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43568

Das Haus im Toskana-Stil (...) ist perfekt für die kleine Familie. Es verfügt über acht Schlafzimmer, zwölf Badezimmer und einen Outdoor-Pool mit Blick über die glitzernde Skyline der Stadt. (Bunte, 7.5.20 über Prinz Harry mit Frau und Kind)

Die meisten "Badezimmer" sind wahrscheinlich keine. Aber selbst dann ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2020 um 14.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43563

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43353

Auch die FAZ, die dem Virologen Streeck mehrmals ein Forum geboten hat, weist ihm nun Rechenfehler nach (7.5.20 online), geht aber nicht darauf ein, daß er sich vor vier Wochen "weit aus dem Fenster gelehnt" hat und von Laschet mehr oder weniger in einer bestimmten Erwartung mit der Heinsberg-Studie beauftragt worden war. Und er hat geliefert, aber nun kriegt er die zweite Schelte ab.

Das geschieht ständig in den Wissenschaften. Wenn jemand überzeugt ist, bilingualer Schulunterricht sei etwas Gutes, findet heraus, daß er sich positiv auf die kognitiven Fähigkeiten auswirkt. Die Rechtschreibreform hat das Schreibenlernen erleichtert. Das Gendern hilft den Frauen, wie jeder weiß. Usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.04.2020 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43535

Laut den vorläufigen Studienergebnissen benötigten mit Remdesivir behandelte Patienten im Mittelwert elf Tage bis zur Genesung. Patienten, die ein Placebo erhielten, benötigten dagegen 15 Tage. Nicht so signifikant sind die Unterschiede bei der Sterblichkeit. Patienten, die Remdesivir erhielten, starben in acht Prozent der Fälle. In der Kontrollgruppe betrug die Sterblichkeit 11,6 Prozent. Der Unterschied ist demnach laut den Wissenschaftlern zu gering, um ihn eindeutig dem Medikament zuzuschreiben. (SPON 30.4.20)

Der Unterschied ist ungefähr gleich groß. Vielleicht ist die Genesungsdauer einfach interpretierbarer als der Todesfall. Das Geschäftsinteresse des amerikanischen Herstellers ist auch nicht zu verachten. Mal sehen, was Prof. Drosten heute dazu sagen wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2020 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43519

„Wir wissen, die meisten Menschen über 80 sterben irgendwann“, sagt der Tübinger Oberbürgermeister.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2020 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43457

Man darf jetzt wieder mit einer dritten Person auf einer Parkbank sitzen, allerdings ist der Mindestabstand von 1,50 m einzuhalten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.04.2020 um 14.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43453

Die Frage ist eben, ob man den Anfangs- oder den Endwert als Bezugsgröße nimmt.

Fällt der Wert eines Hauses um 50%, dann halbiert er sich. Macht man das rückgängig, dann verdoppelt er sich wieder, und in dem Fall wäre es auch nicht ganz abwegig zu sagen, er sei um die gleichen 50% wieder gestiegen.

Im Beispiel mit China war natürlich die Bezugsgröße klar, andererseits erklärt das den Versprecher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2020 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43448

China hat die Zahl seiner Corona-Opfer um 50 Prozent nach oben korrigiert, also glatt verdoppelt (nach Trump).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2020 um 16.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43399

Am Schluss waren die Überlebenden immun, die anderen tot. (Medizinhistoriker über die Spanische Grippe, t-online.de 12.4.20)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2020 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43388

Aus dem WELT-Forum:
„Komisch, dass das RKI genau immer die Aussagen trifft, welche zur amtlichen passen.“
Einer antwortet:
„Das RKI ist eine Behörde und untersteht dem Gesundheitsminister. Vom RKI kommt nichts, was nicht zuvor mit der Politik abgestimmt ist.“
-
Das ist so komisch wie die Tatsache, daß immer gerade so viel passiert, wie in die Zeitung paßt.
Das Ministerium übernimmt die Daten des RKI, denn dazu ist es da. Eine Verschwörung braucht man nicht anzunehmen.
-
Die Besserwisser im Forum der WELT machen der Regierung zwei Vorwürfe: Sie hat erstens Corona verharmlost und zweitens unnötige Maßnahmen verhängt, denn Corona ist harmlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2020 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43387

„Heinsberg-Studie enträtselt Coronavirus“ – so geht die Heroisierung des Virologen Streeck, besonders in Medien, die nicht das Glück hatten, Prof. Drosten an Land ziehen zu können.

Viele wollen weiterhin und nun erst recht aus den Zahlen, die Streeck in Heinsberg (überraschend schnell und „vorläufig“) ermittelt hat, errechnen, daß Corona nicht schlimmer als die jährliche Grippewelle ist und daß daher die staatlichen Maßnahmen überflüssig und sinnlos sind (wahrscheinlich nur die Vorbereitung weiterer Grundrechtsberaubungen). Schön wär’s, und es ist ja auch ein gutes Gefühl, wenn man eine Verschwörung durchschaut, die Milliarden Menschen nicht durchschauen. Aber woher kommen dann die überfüllten Leichenhallen? Nun, das sind die alten Leute, die sowieso dem Tod näher als dem Leben waren (so mehrere Leser). Corona ist so eine Art Frühjahrsputz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2020 um 04.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43383

All die hinterher so Neunmalklugen (bzw. 9 Mal Klugen), die jetzt anklagend rufen: Hätte man die scharfen Maßnahmen doch schon gleich zu Beginn verhängt! – kann man sich gut vorstellen, wie sie dann geschrien hätten: Völlig überzogen usw. Noch heute finden das ja manche.

Das ist das Dilemma der Regierungen in jedem solchen Fall. Man stelle sich eine Ausgangssperre in Deutschland gleich nach den ersten Corona-Meldungen in China vor!

Zum Glück scheint die Mehrheit dafür Verständnis zu haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.04.2020 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43370

Professor Drosten leistet in seinem Podcast viel für unsere Aufklärung über Viren. Bei der Ansteckung über Tröpfchen und Aerosole spricht er von "Mykrometern" (wohl wegen μm) und "Ärosolen" (vielleicht unter englischem Einfluß, aber auch sonst im Deutschen übliche Vereinfachung).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2020 um 16.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43362

Wir sollten die Schulen nicht zu lange geschlossen halten. Wir sollten sie aber auch nicht zu früh öffnen. (Wenn ich recht verstanden habe.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.04.2020 um 12.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43354

Mittlerweile sollen es gut 1400 Coronatote sein. Wenn man annimmt, diese Menschen wären sonst noch nicht gestorben und verteilt die Zahl auf die letzten 14 Tage, dann sind in Deutschland zuletzt täglich 2600 statt 2500 Menschen gestorben, nur 1/25 (4%) mehr als sonst.

Es ist ja wirklich schwer vorstellbar, daß sich eine so kleine Schwankung gleich so markant auswirken kann. Ich glaube aber, in schnell laufenden Systemen haben eben manchmal schon kleine Störungen große Wirkungen, d.h. sie sind wenig belastbar. Das haben wir z. B. auch gerade bei den Engpässen verschiedener Waren gesehen, oder ich erlebe es oft auf der Autobahn, da muß nur im zügig fließenden dichten Verkehr ein langsamer LKW einen noch langsameren überholen, schon gibt es einen kilometerlangen Stau, der sich nicht so schnell auflöst, wie er entstanden ist.

Die Engpässe bei Beerdigungen sehen also zwar insgesamt beunruhigend aus, sind aber ein schlechtes Maß für den wirklichen Anstieg der Todesfälle.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2020 um 06.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43353

Virologe Hendrik Streeck, der gern seine eigenen Pionierleistungen hervorhebt (vielleicht auch um aus dem Schatten seines Vorgängers Drosten herauszukommen): In Deutschland sterben jeden Tag rund 2500 Menschen, bei bisher zwölf Toten gibt es in den vergangenen knapp drei Wochen eine Verbindung zu Sars-2. Natürlich werden noch Menschen sterben, aber ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage: Es könnte durchaus sein, dass wir im Jahr 2020 zusammengerechnet nicht mehr Todesfälle haben werden als in jedem anderen Jahr. (FAZ 16.3.20)

Das mag sein, denn die zusätzlichen Corona-Toten könnten aufs Jahr gerechnet im statistischen Rauschen untergehen. Andererseits sehen wir, daß die Intensivbetten nicht ausreichen und die Leichen in Kühl-Transportern aufbewahrt werden, weil die Bestatter nicht nachkommen.
Wie üblich, werden später die Bekämpfungsmaßnahmen als übertrieben dargestellt werden, weil – gerade wegen der Maßnahmen – alles nicht so schlimm gewesen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2020 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43350

Ich weiß nicht genau, wie die Rückverfolgung von möglicherweise Corona-Infizierten gehen soll, aber es ist auch noch folgendes zu bedenken: Wir wissen inzwischen, daß die ansteckendste Phase zwei oder drei Tage von dem Auftreten von Symptomen liegt. Es müßten also Kontakte aus dieser Zeit gespeichert werden, damit bei einer erst später möglichen Identifikation von positiv Getesteten eine Benachrichtigung "nachgeschoben" werden kann. Wie soll das gehen, ohne daß in kurzer Zeit praktisch jeder Handybenutzer (aber auch nur diese) zu Hause bleiben sollte? Dann ist es doch besser, wir bleiben gleich alle zu Hause.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2020 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43289

Professor Drosten hat recht gut erklärt, welche beiden Wege der Medikamentenforschung es gibt. Traditionell hat man alle möglichen Stoffe durchprobiert und nach entsprechenden Unbedenklichkeitsprüfungen dann verordnet, was wirkte - ohne daß man wissen mußte, wie es wirkt. Dieser Weg wird auch jetzt gegen Corona versucht, wobei es von Vorteil wäre, ein bereits anderweitig zugelassenes Heilmittel verwenden zu können.
Aber der Hauptweg der Virenbekämpfung besteht in der Erforschung des Virus und seiner Vermehrungsstrategie, wobei man einen Ansatzpunkt für die medikamentöse Intervention zu finden hofft.
Die Vorgänge sind von schwindelerregender Komplexität. So hat die Evolution dazu geführt, daß manche Viren schon die Enzyme mitbringen, mit denen sie sich Zugang zur Zelle verschaffen; andere regen die Zelle dazu an, solche Proteine herzustellen, mit denen sie ihren eigenen Untergang herbeiführen.

Wenn man sich ein wenig damit beschäftigt, findet man die großzügig entworfenen Strategien der ahnungslosen Juristen und Ökonomen ziemlich unverantwortlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2020 um 16.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43234

Jemand rechnet vor: In Italien sterben normalerweise 1700 Menschen am Tag, wieso kommen die Krematorien jetzt mit 600 (inzwischen 800) nicht zurecht?

Das ist so ungefähr das Niveau der Zeitungs(überschriften)leser bei welt.de.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2020 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43212

Thomas Straubhaars Artikel (https://www.welt.de/wirtschaft/article206586337/Coronavirus-Kontrollierte-Infizierung-ist-die-beste-Strategie.html) beansprucht, nüchtern usw. zu sein – diese Rhetorik verdeckt die medizinisch-epidemiologische Unzulänglichkeit. Wikipedia faßt zusammen:
„Im Zuge der Coronavirus-Pandemie in Deutschland schlug Straubhaar am 16. März 2020 in einem Artikel der Tageszeitung Die Welt vor, die Strategie zur Bekämpfung der Infektionsausbreitung einer ökonomischen Perspektive zu unterwerfen. Demnach sei es sinnvoll, sämtliche jungen, aktiven und gesunden Menschen auf einmal kontrolliert zu infizieren und zugleich alle älteren, kranken oder sonstigen risikobehafteten Personen in der gleichen Zeit zu isolieren. Dies hinterlasse den geringsten ökonomischen Schaden und helfe zugleich, die Ausbreitung des Erregers auf Populationsebene zu bremsen. Die Regierung des Vereinigten Königreichs hatte wenige Tage zuvor genau diese Maßnahme in ihrem Staatsgebiet eingeleitet, aber ebenfalls am 16. März 2020 festgestellt, dass das Vorgehen zu einer enormen Sterblichkeit führt und Social distancing durch jeden Einzelnen wirksamer sei.“

Leser erinnern daran, daß in den sehr ökonomisch orientierten Ländern Ost- und Südostasiens die Strategie der kontrollierten Durchseuchung ("Herden-Immunität" durch Corona-Parties usw.) auf völliges Unverständnis stoßen würde. Andererseits ist das sowieso nicht aufzuhalten, soll aber verlangsamt werden, auch wenn es sehr teuer wird, wie der Ökonom überflüssigerweise mahnt.

So schwer es auch fällt: Man sollte zugeben, daß keiner die Patentlösung hat. Das wäre wirklich "nüchtern".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2020 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43211

Die FAZ ist zwar wie andere Zeitungen von der ersten bis zur letzten Seite mit "Corona" beschäftigt, hält es aber für richtig, durch Leserbriefe Zweifel an den Vorsichtsmaßnahmen zu verbreiten. Meinungsfreiheit und -vielfalt, gewiß, ab es paßt leider in das aufklärungsfeindliche Muster, das wir bei anderen Gelegenheiten beobachtet haben.

Prof. Drosten, der sich in seinem Podcast durchaus zu Korrekturen früherer Ansichten bekennt, will und kann es sich einfach nicht ausdenken, was geschähe, wenn die Maßnahmen etwa zwei Jahre lang alles lahmlegten, aber damit meint er natürlich, daß es durchaus so kommen könnte.

Man sagt zwar mit Recht, daß die verhältnismäßig solide Finanzpolitik (die berühmte "schwarze Null" und keine überbordende Ausgabenfreudigkeit, wie vielerseits prozyklisch gefordert) uns ein gewisses Polster verschafft, aber eine Entschädigung aller ist natürlich völlig utopisch. Meine freiberufliche Tochter wird wohl in die Röhre gucken, und das ist nur ein winziges Beispiel. Man wird vielleicht wie nach dem Krieg ziemlich weit unten neu anfangen müssen. Auch unsere Beamtenpensionen sollten gekürzt werden.

Ein alltägliches Problem ist für uns, daß die Großeltern gerade jetzt gebraucht werden, aber von den Kindern ferngehalten werden sollen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.03.2020 um 23.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43210

Es gilt als unwahrscheinlich, daß die Wärme im Sommer einen wesentlichen Effekt haben wird. Und der Schutz durch Immunität greift leider erst dann, wenn ein großer Teil der Bevölkerung sie erworben hat, also infiziert wurde und wieder genesen ist. Die Maßnahmen der sozialen Isolation sollen massenhafte Infektionen aber gerade verhindern. Derzeit haben wir in Deutschland nur gut 12.000 bestätigte Fälle, gegen Ende der Woche werden es vielleicht 20.000 sein. Dann werden wir allmählich die Auswirkungen der Maßnahmen sehen. Man könnte vielleicht noch eine Dunkelziffer mit dem Faktor 2 oder 3 ansetzen, weil mangels Testungen nicht alle Fälle erfaßt werden. Das wären dann möglicherweise 50.000 Fälle inklusive Dunkelziffer in Deutschland. Einige Wochen später, nachdem sie alle wieder genesen sind, ist somit noch nicht einmal 0,1 Prozent der Bevölkerung immun. Keinerlei Herdenimmunität.

Erst seit wenigen Stunden gibt es auf spiegel.de einen Artikel, der das von mir angesprochene Tabuthema schonungslos behandelt. Titel: Bis ein Impfstoff verfügbar ist: Epidemiologen empfehlen monatelange Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Im Text heißt es sogar: Also womöglich 18 Monate oder länger (was meiner Meinung nach unnötig hoch gegriffen ist). Nach meinem Eindruck hatte man sich bei spiegel.de zuvor immer bemüht, um den heißen Brei herumzureden und diese katastrophalen Aussichten nicht klar auszusprechen.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronakrise-epidemiologen-rechnen-mit-monatelangen-einschraenkungen-a-a7743f7f-83e3-44fd-91b0-29f645130207

Zur Dunkelziffer:
https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-hohe-dunkelziffer-bei-coronavirus-infektionen.1939.de.html?drn:news_id=1111883
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.03.2020 um 13.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43203

Es gibt so viele verschiedene Einflüsse, die sich schwer vorausberechnen lassen. Jetzt muß man erstmal sehen, ob sich mit diesen Maßnahmen in ca. 2 Wochen herausstellt, daß sich die Zahl der Neuinfektionen einigermaßen kontrollieren läßt. Vielleicht geht die Krankheit auch wie jede Grippe mit den ersten Hitzewellen im Frühjahr und Sommer von allein zurück und steigt erst wieder Ende des Jahres an. Auch gibt es mit der Zeit immer mehr Menschen, die es überstanden haben und immun sind. So könnte man irgendwann nicht mehr nötige Quarantänemaßnahmen auch schon lange vor Fertigstellung eines Impfstoffes aussetzen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.03.2020 um 10.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43202

Ich habe zum Beispiel gerade bei n-tv einen Bericht über dieses Tübinger Unternehmen angesehen, das an einem Impfstoff arbeitet und als einer der Vorreiter gilt. Mehrheitseigner Dietmar Hopp sagte "optimistisch", der Impfstoff könne schon im Herbst zur Verfügung stehen. Ein anderer Fachmann sagte, das werde wohl etwas länger dauern, bis Anfang 2021. Was sind denn das für Zeiträume? Und bei Medikamenten sieht es doch ähnlich aus. Die Politiker und die Medien könnten oder müßten also sagen: "Wir rechnen aktuell damit, daß die Maßnahmen mit geschlossenen Schulen, Geschäften und so weiter noch mindestens sechs Monate aufrechterhalten werden müssen." Aber das sagt doch so niemand, schon weil das die Bevölkerung und die Wirtschaft nicht mitmachen würden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2020 um 08.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43200

Alles richtig, aber ich habe in den letzten Tagen viel darüber gelesen und auch in Podcasts usw. gehört, so daß ich nicht den Eindruck hatte, diese Dinge würden nicht besprochen. Damit wurde ja auch immer wieder begründet, warum den beiden bekannten Kurven keine Zeitskala hinzugefügt war.

Über die rasend schnelle Ausbreitung der Viren um die ganze Erde wundere ich mich sehr. Man kann sich denken, daß es mit anderen Viren, die keine Krankheiten erregen, ähnlich ist. Ich will mich mehr mit Viren beschäftigen, sobald ich etwas mehr Zeit habe (falls ich es überlebe in meinen vorgerückten Jahren). Mein appetite for wonder ist noch sehr rege.

Eine Ausgangssperre wird ja hoffentlich nicht das Wandern in der Natur verhindern, das wir gut zwei Stunden täglich betreiben und wozu wir glücklicherweise nur ein paar Meter Straße überqueren müssen. Am Alter können wir nichts ändern, aber fit halten wollen wir uns schon.

Gestern haben wir diskutiert, welche Folgen die Seuche für das Wahlverhalten haben könnte. Vielleicht halten sich die Menschen intuitiv eher an das Vertraute, also an Biden statt Sanders (auch aus anderen Gründen, ich weiß), und in Deutschland vielleicht eher an die Regierungsparteien.

Nicht alle Maßnahmen sind gleich sinnvoll, aber man muß Nachsicht haben wegen der Beispiellosigkeit der Lage.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.03.2020 um 07.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43199

Bei Corona scheint mir, daß die gesamte Berichterstattung zu den radikalen Maßnahmen einen wichtigen Punkt verschweigt.

Richtig ist: Es geht darum, die Kurve der Infektionen abzuflachen und zeitlich zu strecken, damit die Kapazität der Krankenhäuser nicht überlastet wird und jeder schwere Fall angemessen behandelt werden kann. Aber: Wie lange sollen denn die Maßnahmen gelten? Also etwa: keine Veranstaltungen, kein Schulunterricht, Schließung aller nicht lebensnotwendigen Geschäfte.

Es heißt doch auch immer, früher oder später werde sowieso die Mehrheit der Bevölkerung infiziert werden, man wolle dies nur zeitlich strecken. Wie lange wird nun diese zeitliche Streckung dauern? Da muß man ein paar Parameter auswerten, deren Werte teils sehr genau, teils ungefähr bekannt sind: Die Bevölkerung, wie viele Menschen sind das? Welcher Prozentsatz der aktuell Infizierten braucht Krankenhausbehandlung? Wie lange liegen diese Bedürftigen im Krankenhaus? Wie viele Betten und Plätze für die Intensivbehandlung samt Pflegepersonal gibt es?

Anhand grober Schätzungen meine ich, daß es unter den jetzigen Voraussetzungen etliche Jahre dauern würde, die Infektionen derart langsam voranschreiten zu lassen, daß immer etwa das Maximum der Krankenhausbehandlungen ausgeschöpft werden kann. So lange müßten die Maßnahmen im Prinzip also beibehalten werden. Denn wenn man sie aufgibt, rennt man sofort in jene totale Überforderung der Krankenversorgung hinein, die man doch vermeiden wollte. Man hätte außer einer bloßen Verzögerung kaum etwas gewonnen, aber gigantische wirtschaftliche Schäden erzeugt.

An dieser Rechnung könnten nur hocheffektive Medikamente und/oder ein Impfstoff etwas ändern, die es bislang nicht gibt. Will man die Maßnahmen also so lange aufrechterhalten, bis diese Mittel flächendeckend zur Verfügung stehen? Die Frage wäre dann: Wie lang wird dies wiederum dauern?

Eine aufrichtige Darstellung wäre meiner Meinung nach: Man versucht die Zahl der Infektionen so lange niedrig zu halten, bis wirksame Medikamente gefunden, getestet und massenhaft produziert worden sind. Erst dann kann man die Schulen, die Geschäfte, die Konzerthäuser und alles andere wieder öffnen. Das könnte aber noch viele Monate dauern. Warum sagt das niemand? Ich schätze mal: Man will Panik und Massenproteste vermeiden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2020 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43173

Ist Hamstern unsolidarisch, wie Herr Laschet sagt? Eigentlich ist es doch nur die verschärfte Form des Handelns, das vom "rationalen Wirtschaftssubjekt" erwartet wird. Einkaufen ist nie solidarisch, Herstellen auch nicht (Adam Smith).

Wir Älteren erinnern uns noch der "Aktion Eichhörnchen" (Denke dran, schaff Vorrat an!). Zwischen Eichhörnchen und Hamstern ist kein großer Unterschied, außer daß die Eichhörnchen die Hälfte ihrer Vorräte nicht wiederfinden - worauf die Haseln spekulieren. Na ja, erst gestern habe ich hinter einer Regalwand ein Häufchen Sonnenblumenkerne gefunden; wir hatten vor 20 Jahren mal einen Goldhamster. Der scheint verstorben zu sein, bevor er seinen Vorrat nutzen konnte.

Womit die Leute ihre Einkaufswagen füllen, ist allerdings nicht immer sinnvoll. Beim Aldi stand vor meiner Tochter jemand in der Schlange, der den Wagen mit Seife und Klopapier gefüllt hatte. Ein anderer mokierte sich: Was wollen Sie denn die nächsten Jahre machen? Scheißen und Hände waschen?

Der bekannte Engpaß bei Mineralwasser ist schwer verständlich; Wasser wird uns nicht ausgehen. Das ist wohl die Wirkung von Katastrophennachrichten aus Erdbebengebieten usw.

Staat und Kirchen mahnen mit Recht, Versammlungen, Chorproben usw. ausfallen zu lassen. Daran halten wir uns, auch wegen der Vorbildwirkung auf die Kinder, deren Schulen geschlossen werden. Unsere einzige Hoffnung liegt in der Reduzierung gesellschaftlicher Kontakte, womit die Durchseuchung so gestreckt werden kann, daß das Gesundheitssystem damit zurechtkommt. Die Bundeskanzlerin hat das genau richtig gesagt. Aber bei vielen stößt das auf eine gewisse Wurschtigkeit, weil es ihnen schwerfällt, überhaupt noch etwas ernst zu nehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2020 um 06.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43155

Der bayerische Freistaat untersagt vorübergehend Großveranstaltungen mit bis zu 1000 Teilnehmern. (nordbayern.de)

Oder von bis zu mit mehr als?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2020 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43128

Die Frage muss erlaubt sein, ob das nicht alles etwas übertrieben ist für ein Virus, das weniger tödlich ist als SARS 2002 und schwerer übertragbar als eine Grippe? Ist unser Leben aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft oder Gesundheitssystem am Ende nur ein labiles Kartenhaus, das zusammenbricht, sobald eine Karte rausgezogen wird, also sich ein paar Menschen ein vergleichsweise harmloses Virus einfangen? Was soll erst passieren, wenn Seuchen, Kriege oder andere schlimme Krisen flächendeckend ausbrechen?
Sicher, es handelt sich um ein neuartiges Virus, das wohl erst vor wenigen Monaten erstmals auf einen Menschen übertragen worden ist. Das menschliche Immunsystem ist nicht darauf vorbereitet. Und: Das Coronavirus könnte 60 bis 70 Prozent der Menschen infizieren. Zugelassene Impfstoffe oder Therapien gibt es bislang nicht. Zudem fordert das Coronavirus Todesopfer, bisher vor allem ältere oder gesundheitlich vorbelastete Menschen.
Auf der anderen Seite gibt es auch weiterhin keinen Grund zur Panik. Um sich zu schützen, genügt es, sich regelmäßig und richtig die Hände zu waschen, in die Armbeuge zu niesen und Abstand zu erkrankten oder notfalls grundsätzlich zu Mitmenschen zu halten. Die Maßnahmen funktionieren.
 
(Florian Wichert auf t-online.de 10.3.20)

Was stellt der Kommentator sich unter „Seuchen“ vor, zu denen er Corona anscheinend nicht rechnet? „Das Coronavirus könnte 60 bis 70 Prozent der Menschen infizieren.“ Selbst bei einer niedrig angesetzten Sterblichkeit von zwei Prozent würde das für Deutschland eine Million Tote bedeuten – kein Grund zur Aufregung?

Aus einer Klinik wird mir gerade berichtet, daß die Besucher Masken und Schutzkleidung stehlen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2020 um 04.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43126

Warum sollte man sich bei Veranstaltungen mit 1000 Teilnehmern eher anstecken als in kleineren? Die Art der Kontakte dürfte wichtiger sein. Aber 1000 ist eine symbolische Zahl, wie die "Myriade".

Übrigens:

Zahl der Infizierten durchbricht nächste Schallmauer (Merkur 9.3.20)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2020 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43119

Bei einer Befragung auf der Straße sagt ein AfD-Anhänger, CO2 könne keinen Treibhauseffekt bewirken, weil es schwerer als Luft sei und deshalb zu Boden sinke. Klingt vernünftig, aber warum wird nicht der tatsächliche CO2-Gehalt in der Höhe erwähnt, der ja nicht unbekannt ist? In Wirklichkeit wird die Lufthülle ständig durchmischt, so daß der CO2-Anteil praktisch überall gleich ist. Aber auch wenn das CO2 Zeit hätte, sich in Bodennähe abzusetzen, würde es dort den Treibauseffekt entfalten, also die Erwärmung fördern. Das ist aber wohl schon zu kompliziert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2020 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43097

Dieser Aufsatz wurde als Vortrag in Berlin, Göttingen und München im November 1995 gehalten.

Vorträge kann man halten, Aufsätze nicht. Der Satz klingt nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig, ein sprachliches Vexierbild.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2020 um 15.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43093

Noch ein Fehler vom genannten Typ (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31991):

Mein lieber Herr von Czako, die Beantworung Ihrer Frage hat selbst für einen Anwohner des Stechlin seine Schwierigkeiten. (Fontane: Stechlin)

Zwei Maskulina in der Nähe dürften das Possessivum bestimmt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2020 um 10.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43039

Noch einmal zu Fuhrhop:

Adjektive mit einem stimmhaften Obstruenten (trübe, müde usw.) „behalten ihr Schwa gewissermaßen, um die Auslautverhärtung zu vermeiden (Eisenberg, mündliche Mitteilung)“ (Fuhrhop, Stadtadjektive). – Je nun, das steht doch in den älteren Grammatiken, die allerdings unsere Junggermanisten nicht mehr lesen zu müssen glauben. Sogar in Sütterlins bescheidenem Handbuch für Lehrer „Die deutsche Sprache der Gegenwart“, S. 65 kann man lesen:

„Man sollte erwarten, daß im Auslaut z. B. e ausnahmslos gefallen wäre hinter Ableitungssilben sowie in allen Wortformen, bei denen nicht sein Verschwinden den Endlaut um seinen Stimmton bringen mußte.“
(Mit Verweis auf §§ über Auslautverhärtung.)
Ebd. auch zu Ausnahmen. Dazu braucht man nicht auf persönliche Mitteilungen von Lehrern und Kollegen zu warten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2020 um 03.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43033

Lieber Herr Riemer, irgendwie reden wir aneinander vorbei. Wenn ich hier unter der Rubrik "Kopfrechnen" vorführe, wie die Menschen mit ihrer Sprache umgehen, bin ich auf der Linie Hermann Pauls, der wie seine großen "junggrammatischen" Zeitgenossen dem Sprachwandel nachgeht und dabei einem harmlosen "Psychologismus" folgt. So auch meine "Kopfrechnen"-Ausdrucksweise. Der ganze Sprachwandel besteht im Gewohntwerden des "eigentlich" Falschen. Welchen Sinn hat es denn, ein Wort einer anderen Wortart als bisher zuzuschlagen? Ein klasse Auto ist ja wohl das Letzte... Welchen Sinn hat es, die Adjektive nach dem Genus zu zu deklinieren, als ob die Schönheit einer Frau eine andere wäre als die Schönheit eines Mannes (worüber sich schon Platon lustig machte). Und doch geschieht es.
Manches können wir einfach nicht sagen, weil ein grammatisches "Programm" nicht überall anwendbar ist. Ich erinnere an ihre weißere Hand als Schnee (Shakespeare, von Skinner diskutiert).

D. h., natürlich können wir es doch sagen, aber eben nicht mit diesem "Programm".

Zu den Leipziger Bäckern und Herrn Markners Einwand gegen "Stadtadjektive" noch: der Freiheitsdrang Schweizer Hirten, der Geschmack Neuseeländer Kiwis...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.02.2020 um 00.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43032

Den Fehler in aus aller Herren Länder kann man korrigieren, und ich finde aus aller Herren Ländern auch ganz akzeptabel. Kann man ohne weiteres so sagen.

Aber wie könnte man den Fehler, falls es einer ist, in der Erfindung Leipziger Bäcker oder Ich kenne Leipziger Bäcker korrigieren? Etwa doch mit flektierten Formen wie
Leipzigerer, Leipzigere?
Das ist nicht realistisch, so redet niemand, einzelne solche Funde kann man wohl nicht ernst nehmen, oder?

Wenn es keine Korrektur gibt, trotzdem aber so gesprochen wird, muß man Leipziger Bäcker eben wohl oder übel als korrekten Genitiv oder Akkusativ (je nach Kontext) anerkennen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2020 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43030

Bei Fuhrhop steht erwartungsgewäß noch mancherlei Seltsames.

Wieso enden lila, rosa usw. auf einen „betonbaren Vokal“?

ein türkis Kleid ist eher zweifelhaft.

Ich sehe im "nicht gekennzeichneten Genitiv" Leipziger einen Fehler wie in aus aller Herren Länder, wo man aus ähnlichen Gründen das Gefühl hat, die Kasusforderung sei erfüllt, und wo dies zur Gewohnheit und damit beinahe richtig geworden ist.

Eine Erfindung junger Bäcker/Leipziger Bäcker. Das wird als parallel aufgefaßt, obwohl es das nicht ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.02.2020 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43028

Mir ging es ja vor allem um die Flexion, und dazu heißt es in dieser Arbeit, die „Stadtadjektive“ werden nicht flektiert.

Das heißt m. E. nicht, daß kein Genitiv existiert oder daß diese Wörter im Genitiv nicht benutzt werden können, sondern es heißt, daß der Genitiv existiert und gegenüber dem Nominativ unverändert ist. Der unflektierte Genitiv heißt Leipziger Bäcker!

Aber das ist doch die ganze Zeit mein Reden. Weshalb behaupten Sie, lieber R.M., daß in die Erfindung Leipziger Bäcker kein Genitiv sei, und Sie, lieber Prof. Ickler, daß die Genitivforderung wegen der Kopfrechenschwäche nicht erfüllt sei? Dann rechnen Sie doch bitte einmal richtig und verraten mir das richtige Ergebnis!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.02.2020 um 15.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43027

Auch ansonsten ist die Orientierungslosigkeit der Autorin befremdlich. So kennt sie nur kölsch, nicht aber kölnisch. Unfaßbar.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.02.2020 um 09.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43026

Da es keinen grammatikalischen Unterschied zwischen Berliner Ballen und Mecklenburger Stier gibt, ist Nanna Fuhrhops Begriff »Stadtadjektiv« nicht gerade glücklich gewählt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2020 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43023

Vgl. vorläufig http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/year/2013/docId/30775
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.02.2020 um 01.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43022

Meinetwegen eine genitivische Konstruktion.

Aber kann mir wirklich niemand sagen, wie der korrekte Genitiv Plural zu ein Leipziger Bäcker (mit unbest. Artikel) lautet?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.02.2020 um 21.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43020

Funktional ist die präpositionale Fügung mit von ein Genitiv oder genauer gesagt eine genitivische Konstruktion.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.02.2020 um 20.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43019

Mit von ist da erst recht kein Genitiv, aber natürlich wenigstens eine Kasusmarkierung.

Aber ich verstehe Sie nicht, es heißt doch Wessen Erfindung? Die Erfindung Leipziger Bäcker, ist das denn nicht ganz klar ein Genitiv? Er ist halt nur nicht als solcher markiert.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.02.2020 um 20.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43018

Ohne von ist da kein Genitiv mit Bezug auf die Erfindung.

Übrigens lautet das Adjektiv eigentlich leipzigisch, es ist aber noch früher der Vergessenheit anheimgefallen als kölnisch usw.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.02.2020 um 13.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43015

Na ja, auf so eine Umschreibung bin ich auch schon gekommen, aber ich dachte, es geht eben gerade um die Genitivpflichtigkeit von Leipziger Bäcker, d.h. wie man genau diesen Ausdruck richtig in den Genitiv setzt.

Es geht wohl gar nicht anders, aber was heißt dann eigentlich „Pflichtigkeit“, denn sie ist ja erfüllt, Leipziger Bäcker ist der korrekte Genitiv Plural, oder was sonst? Das Problem, finde ich, ist nicht die Genitivpflichtigkeit, sondern die Genitivsichtbarkeit, weil man diesen an sich korrekten artikellosen Genitiv Plural eben leider nicht vom Nominativ unterscheiden kann.

Aber ist das so schlimm, wenn man doch aufgrund des Satzbaues den Sinn auch so genau erfaßt? Wer sich mit Grammatik auskennt, weiß auch so, daß da ein zwar nicht unterscheidbarer, aber doch vorhandener Genitiv steht, mithin die Genitivforderung erfüllt ist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.02.2020 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43013

Zur Beantwortung der anderen Frage:
Der Mohrenkopf in dieser Form gilt als Erfindung von Leipziger Bäckern Ende des 19. Jahrhunderts.
(Natürlich immer noch stilistisch unbeholfen wegen der einfach angepappten Zeitangabe, aber das ist eben Wikipädie.)
der statt von geht hier nicht, vgl. aber
Die Schnoddrigkeit gilt als typische Eigenschaft der Berliner Busfahrer.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 25.02.2020 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43012

Wenn ich nun die Genitivforderung für das Adjektiv Leipziger doch erfüllen will, wäre dann nicht Leipzigerer die richtige Form im Genitiv? Und wäre dann nicht im Sinne der haplologischen Kürzungsregeln auch Leipziger die durchaus richtige Form für den Genitiv? Mithin sind Nominativ und korrekter Genitiv des Adjektivs Leipziger gleich?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2020 um 08.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43011

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42998

Ich habe Krauels Milchmädchenrechnung nicht kommentiert, weil ich es für überflüssig hielt. Bei Wahlen geht es immer um Anteile, also Prozente. In Hamburg haben alle verloren außer den Grünen.

Sich mit gleichbleibenden absoluten Zahlen zu trösten ist Selbstbetrug. Wenn die Nichtwähler zur Wahl gehen und einen nicht wählen, ist man ein Verlierer, das ist doch ganz einfach. Darum kriegt man dann auch weniger Sitze.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2020 um 08.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43008

Weder noch. Das aus dem Genitiv Plural entstandene Einwohneradjektiv suggeriert durch seine Endung, die Genitivforderung der Attribuierung sei erfüllt, und weil der Mensch in sprachlichen Dingen ein schwacher Kopfrechner ist, merkt er im allgemeinen nichts.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 25.02.2020 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#43007

zu #42927:

Ist „Leipziger“ bereits ein Genitiv oder ist es eine haplologische Kürzung von „Leipzigerer“?
Für letzteres bekomme ich mit Google 102 Fundstellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2020 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42998

Die AfD hat nicht verloren, sie ist in absoluten Wählerzahlen stabil geblieben. In Prozentpunkten abgesunken ist sie wegen der gestiegenen Wahlbeteiligung. (Torsten Krauel, Welt 24.2.20)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.02.2020 um 10.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42927

Aber ohne bestimmten Artikel oder erweiterndes Adjektiv ist dem Ausdruck Leipziger Bäcker der Genitiv nun mal nicht anzusehen. Wie sollte es denn sonst heißen, damit sich nichts kräuselt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2020 um 08.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42925

Der Mohrenkopf in dieser Form gilt als Erfindung Leipziger Bäcker Ende des 19. Jahrhunderts.(Wikipedia)

Für viele Muttersprachler ist die Genitivpflichtigkeit des Attributs mit der Form Leipziger abgegolten, wie man ja auch hier wieder sieht.

Andern kräuseln sich dabei die Zehennägel. (Auf diese Metapher bin ich gerade wieder gestoßen. Sie gehört in den Bereich der übertreibenden Beschreibungen körperlicher Reaktionen wie "Haaresträuben" usw.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.02.2020 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42884

Ich bekam heute Werbung von der MDM Münzhandelsgesellschaft für einen "Barren" aus Gold mit der Aufschrift "FRAUENKIRCHE DRESDEN". Der "Barren" wiegt 0,31g (1/100 Unze) und hat die "Maße: 15,2 x 8,7 mm".

Die Abbildung vorn ist allerdings 100mm x 55mm groß, also mehr als 6fach vergrößert, und obwohl räumliche Gegenstände immer drei Dimensionen haben, wird die dritte in dieser Werbung wohlweislich verschwiegen: 0,1 mm, wie sich ausrechnen läßt.

Dieser "Barren" kostet 29€, dazu 3,95€ für den Versand. Wer ihn sich schicken läßt, bekommt also für 33 Euro ein fingernagelgroßes Blättchen Goldfolie im Materialwert von aktuell 13 oder 14 Euro.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2020 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42728

Aus den Schlagzeilen:

Unser Kohlendioxid-Ausstoß ist stark zurückgegangen, aber nicht wegen der Klimapolitik, sondern wegen der Energiewende (Windenergie).

???
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.01.2020 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42716

Wer weniger verdient, zahlt sicherlich überall auch weniger Miete, aber nicht wegen eines Rabatts, sondern weil er sich mit einer kleineren oder qualitativ einfacheren oder ungünstiger gelegenen Wohnung bescheidet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.01.2020 um 08.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42713

Bekommt man in der Schweiz von den Vermietern einen Rabatt, wenn man weniger verdient?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2020 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42711

Mit einer Wohneigentumsquote von gerade einmal gut 40 Prozent gilt die Eidgenossenschaft als das Land mit den meisten Mietern in Europa. Gleichzeitig sind die Mieten deutlich höher als in den meisten Nachbarländern. Eine Dreieinhalbzimmerwohnung in Zürich kostet im Schnitt rund 2500 Franken (2290 Euro), in Genf werden sogar 2700 Franken (2473 Euro) fällig. (Handelsblatt)

Auch hier wären die Einkommen heranzuziehen. In deutschen Spitzenlagen sind die Wohnungen ebenso teuer wie in den schweizerischen. Obwohl Zahlen schwer zu finden sind, dürfte hier wie dort im Durchschnitt ein Viertel bis ein Drittel für die Mietwohnung draufgehen.

Interessant ist wie immer der Hinweis auf die Schweizer als Volk von Mietern. Man hält das ja oft den Deutschen im Klageton vor, obwohl hierzulande der Wohnungsbestand durch die bekannten Kriegsfolgen verständlicherweise zurückgeblieben ist und durch neue Erschwernisse am Wachsen gehindert wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2019 um 16.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42677

Gute Idee.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.12.2019 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42676

Der Vergleich funktioniert bestens und wird noch besser funktionieren, wenn Bulgarien demnächst den Euro einführt. Soll die Welt etwa melden, daß Strom in Düsseldorf viel billiger ist als in Duisburg?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2019 um 14.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42675

Nun, das habe ich auch nicht getan, aber welchen der beiden Werte man auch nimmt – der Vergleich der Strompreise nach dem Nennwert funktioniert nicht. Die flächendeckende Verbreitung des Unsinns erfüllt den demagogischen Zweck, den man an den Leserzuschriften ablesen kann.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.12.2019 um 11.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42674

Die Kaufkraft ist wiederum nicht gleichzusetzen mit dem Haushaltseinkommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2019 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42668

Wenn es überhaupt einen Sinn haben soll, Stromkosten zu vergleichen, muß man die Kaufkraft einbeziehen. Das ist doch wohl selbstverständlich.

In Indien habe ich mich der unglaublich niedrigen Preise erfreut. Hotelfrühstück für umgerechnet 8 Pfennige! (Es ist schon eine Weile her, wie man sieht.) Fast habe ich mich geschämt, weil ich eben deutsches Geld hatte.

Die Einkommensunterschiede innerhalb eines Landes sind eine ganz andere Sache. Ich weiß selbst noch sehr gut, wie es sich anfühlt, jede Mark dreimal umdrehen zu müssen, wie man sagt. Da läßt man auch die Lampen keine Minute länger brennen als nötig. Das Stromsparen steckt uns Älteren noch in den Knochen, obwohl der Verstand uns sagt, daß die großen Batzen anderswo verschwendet werden (s. "Heizen mit Brot").

Strom ist in Bulgarien viel teurer als bei uns, natürlich alles im Durchschnitt – was sonst?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.12.2019 um 00.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42667

Wenn man das mittlere Monatseinkommen jeweils gleich 100% setzt und die Einkommensschwankungen in beiden Ländern von +-40% betrachtet, dann bezahlten Deutsche für 100 kWh Strom zwischen 0,6% und 1,4% ihres Monatseinkommens, während Bulgaren zwischen 1,6% und 3,8% zahlten.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.12.2019 um 17.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42666

Na und? Auch in Bulgarien ist das Einkommen von Haushalt zu Haushalt ganz verschieden, der Strompreis hingegen für alle nahezu gleich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2019 um 10.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42662

„Nirgendwo in Europa ist der Strom für Privatverbraucher so teuer wie in Deutschland.“ (Welt 29.12.19)

„Für Haushalte in der Europäischen Union war Strom 2017 am günstigsten in Bulgarien mit zehn Cent pro Kilowattstunde.“

Bulgarien 10 Ct, Einkommen 436 €
Deutschland 31 Ct, Einkommen 3600 €

Eigentlich Grundschulmathematik...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2019 um 10.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42594

Diäten aus Steuermitteln sollen es den Abgeordneten ermöglichen, sich voll und ganz ihrer Arbeit für das Allgemeinwohl zu widmen. Die "freiwillige" Abführung eines Teils an die Partei wird von vielen Staatsrechtlern als illegal betrachtet. Es ist ja klar, daß ein Abgeordneter, der diesen Beitrag verweigert, nicht wieder aufgestellt und folglich nicht wieder an die Fleischtöpfe gelassen wird. Also zahlt er. Katja Kipping zum Beispiel laut eigener Auskunft 1400 Euro monatlich. Das kann sie dann auch noch von der Steuer absetzen. Weitere Zuwendungen sind ohnehin steuerfrei.
An uns denkt Frau Kipping aber auch und will eine kostenlose Bahncard 50 für jedermann. (Einfacher wäre es, die Bahnpreise gleich zu halbieren oder auf Null zu senken, was ja auch schon vorgeschlagen worden ist. Gratiswohnen und -essen wären weitere Schritte zu einem menschenwürdigen Leben.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2019 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42527

Glückliches Österreich! Shisha-Bars sind nicht verboten, nur das Rauchen dortselbst. Das hat der Verfassungsgerichtshof klargestellt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.11.2019 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42425

DLF, Nachrichten, heute 16 Uhr (zu Wilke-Wurst), Audio-Mitschrift:

"Das Unternehmen hätte monatlich kontrolliert werden müssen", heißt es in dem Abschlußbericht [„,]. Wegen eines Fehlers des Landkreises sei das Kontrollintervall aber auf drei Monate herabgesetzt worden.

Die Kontrollintensität wurde damit sicher herabgesetzt, aber nicht das Kontrollintervall!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2019 um 07.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42421

Einer unserer Freunde hat neulich vorgerechnet, wie lange man die Stadt Erlangen mit Energie versorgen könnte, wenn es gelänge, den gesamten Wasserstoffanteil am Körper meiner Frau zur Kernfusion zu bringen. Dabei würden etwa 7 Prozent in Energie umgewandelt. Da wir nicht annähernd so hohen Druck wie im Inneren der Sonne erzeugen können, müßten wir meine Frau auf mehrere hundert Millionen Grad erhitzen.
Wir beschlossen, es vorläufig aufzuschieben.
Ein Tischnachbar, mehr im Kaufmännischen zu Hause, wunderte sich, wie die Lichtgeschwindigkeit in Einsteins Formel kommt. Seit Archimedes dürfte es keine Erkenntnis gegeben haben, die uns vergleichbar vor den Kopf stößt.

Viele denken wohl: Dann ist alles möglich! Dann helfen vielleicht auch Globuli...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2019 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42420

Man greift sich ans Hirn. Der bayerische Landtag will die Wirksamkeit von Globuli untersuchen lassen.

Christian Stöcker erinnert im SPIEGEL daran, daß der Wunderglaube zum Markenkern der CSU und zur esoterischen Erblast der Grünen gehört.

Wer "im Einklang mit der Natur leben" möchte, stirbt früher. (Christian Stöcker, SPIEGEL 18.11.19)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2019 um 06.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42396

Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen? Da muß einer senil sein oder Schlimmeres.

Ein Blick auf die Weltkarte der Geschwindigkeitsbegrezungen ist für uns Deutsche sehr befriedigend. Mögen die Amis und andere Troglodyten doch dahinschleichen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2019 um 12.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42373

Drei Jahre lang wurde Adele Haenel als Zwölfjährige von Christophe Ruggia verfolgt und sexuell missbraucht. (FAZ 8.11.19)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2019 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42311

Trump selbst brachte sogar die bizarre Idee ins Spiel, ein US-Ölunternehmen mit der Förderung der Vorkommen zu beauftragen. Wohlgemerkt: Es handelt sich um Ölvorkommen in einem Drittstaat. (ZEIT 26.10.19)

Welcher Staat wäre der zweite, wenn Syrien der dritte ist?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.10.2019 um 16.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42242

»So eine Currywurst hat doch nahezu kein Fleisch mehr in sich. Das grenzt an Körperverletzung. Es ist wichtig, umzudenken. Zu versuchen, sich vornehmlich vegetarisch oder vegan zu ernähren.« (Tim Raue, ein deutscher Koch)
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 14.10.2019 um 09.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42238

Das Forum hat technische Probleme. Wem kann man das melden?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 14.10.2019 um 09.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42232

Zu den Mythen der Mittelmehrkost: Ernährung hat sich seit der segensreichen Überwindung des Mangels bekanntermaßen zur Ideologie entwickelt.
Der Blog http://www.quarkundso.de/ nimmt es kenntnisreich und pointiert aufs Korn, gerade erst u.a. zu Pizza und Weißbrot in Sizilien: http://www.quarkundso.de/arme-kinder-deutsche-welle/
Selbst der Duden hat schon sein Fett wegbekommen: http://www.quarkundso.de/duden-umami/
Lesenswert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2019 um 04.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42228

Noch einmal zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35412

Obwohl es an sich nicht wichtig ist, finde ich es doch aufschlußreich. Die meisten Deutschen waren wohl schon am Mittelmeer, viele haben sich auch über die olivenöltriefende Kost beklagt (auf Kreta 31 Liter pro Kopf und Jahr!) und erinnern sich, daß Vollkornbrot nie auf den Tisch kam. Wikipedia:

"Publikationen im deutschsprachigen Raum nennen als Bestandteil häufig auch Vollkorn-Produkte, die in den Mittelmeerländern de facto aber keine nennenswerte Rolle spielen, wenn sie überhaupt gegessen werden."

Auch das Ärzteblatt hat gerade wieder die "vollkornbetonte" Mittelmeerkost gerühmt.

Ist es nicht erstaunlich, wie leicht man den Leuten ein X für in U vormachen kann?

Man kann ihnen auch einreden, wie schlecht es ihnen geht, während es ihnen so gut geht wie noch nie. Das ist dann schon folgenreicher.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.09.2019 um 22.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42134

Auf die Mathematik bezogen, hätte er recht. Selbst wenn 97% aller Mathematiker an eine Vermutung glauben, ein einziges Gegenbeispiel reicht, sie zu einer bloßen Randnotiz aller zukünftigen Lehrbücher zu machen.
Aber so eindeutige Ergebnisse liefert die Klimaforschung nicht. Jedes Gegenbeispiel dort ist auch wieder mit Unsicherheit behaftet.

Vielleicht ist das Klima ja wirklich noch ungenügend erforscht. Verringern wir unter großen Anstrengungen den CO2-Ausstoß, könnte die Mühe umsonst gewesen sein, aber wir überleben. Machen wir sorglos weiter wie bisher, könnte es dazu bald zu spät sein.

Selbst wenn es also stimmte, daß die Ursache der Klimaänderung nicht sicher erforscht ist, kann es nicht heißen, Kopf in den Sand und weiter so, sondern Vorsicht und zumindest solange Zurückhaltung, bis wir eben sicher sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2019 um 18.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42133

Zu den Klimabeschlüssen erscheinen bei welt.de sofort an die 2000 Leserzuschriften, die meisten auf Weidels Linie. Einer schreibt:

„Es ist vollkommen irrelevant, ob 97 Prozent der Wissenschaftler davon überzeugt sind, oder nicht. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden nicht in demokratischen Abstimmungen gewonnen. Bereits ein relevantes, abweichendes, reproduzierbares Forschungsergebnis reicht, um ein Theoriegebäude einstürzen zu lassen.“

Da hat jemand Wissenschaftstheorie gelesen, aber nicht genug. Wenn die Relativitätstheorie hundertmal bewiesen und einmal widerlegt worden ist, wird man nicht die hundert Beweise verwerfen, sondern nach einer Erklärung der entgegenstehenden Befunde suchen. Das hat nichts mit demokratischer Abstimmung zu tun.
In diesem Fall kommt noch hinzu, daß die Klimaforschung größtenteils nicht experimentell, sondern historisch ist, daß es also um die Interpretation von Befunden geht, deren Zustandekommen man kaum manipulieren kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2019 um 08.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42121

Der Friseur schnitt ihr die langen Haare ab und färbte sie. (FAZ 19.9.19 über Twiggy)

Die Anaphorik ist sehr „sloppy“, wird aber richtig verstanden. (Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1369#31754)

Er färbte die verbliebenen kurzen Haare. Er kürzte die Haare und färbte sie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2019 um 03.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42095

Trump hat festgestellt, daß konventionelle Glühlampen billiger sind als Energiesparlampen. (Die Sache mit seinem orangenen Teint lasse ich auf sich beruhen.) Das ist für einen Geschäftsmann eine überraschend unvollständige Rechnung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2019 um 07.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42048

In der der Ferienwohnung steht ein Fernseher, darum gucken wir ab und zu.

Im üblichen anklagenden Ton wird berichtet, daß Deutschland einmal vollständig bewaldet war, wovon heute nur noch ein Drittel übrig sei.
Deutschland war auch eimal fast vollständig menschenleer, heute leben hier 82 Millionen. Was für ein Unglück.
(Deutschland war zwischendurch auch mal weitgehend entwaldet, das ist planmäßig repariert worden.)

Jammervoll auch der geringe Anteil von naturbelassenem Urwald. Anderswo wird allerdings vorgerechnet, daß ungenutzter Wald keine CO2-Senke sein kann, weil das Holz verrottet statt wie Nutzholz verbaut zu werden.

Die Douglasie wird geschmäht, weil sie fremd ist. Man sollte sie rausschmeißen wie das gewandelte Klima und die Migranten.

Ich wußte es zwar, aber die ununterbrochene Aufforderung zur Empörung hat mich doch ein wenig befremdet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 24.08.2019 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42018

Trump ist undiplomatisch? Echt jetzt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.08.2019 um 05.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42017

Was die Reihenfolge der Bekanntgabe betrifft, kann ich mich in diesem Fall geirrt haben. Zu Problematik des Twitterns folgt gleich der nächste Streich:

Our great American companies are hereby ordered to immediately start looking for an alternative to China, including bringing your companies HOME and making your products in the USA.
Donald J. Trump (@realDonaldTrump) August 23, 2019


Was bedeutet hereby im Hinblick auf die Verbindlichkeit von Twitterbotschaften? (Abgesehen davon, daß Trump den Firmen so etwas nicht befehlen kann.)

Übrigens: Wie Trump selbst austeilt, dafür gibt es auch viele Beispiele:

We will announce a substantial reciprocal action on Macron’s foolishness shortly (Donald Trump 26. Juli 2019)

Redet man so mit Frankreich?

Die gestrige Abfolge von Tweets zeigt Trumps Weltbild erschreckend deutlich.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.08.2019 um 19.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42016

Die Sache wurde nicht zuerst auf Twitter besprochen, sondern im Kabinett und dann (nicht von Trump) an das Wall Street Journal ausgeplaudert.

Der Verkauf der dänischen (!) Jungferninseln an die USA wurde vom damaligen US-Außenminister ausgehandelt und der Vertrag dann vom Senat ratifiziert.

Damals hat niemand behauptet, die Jungferninseln seien nicht dänisch, sondern jungfräulich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2019 um 19.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42015

So würde ich die Sache nicht drehen.
Die Einfälle, die Trump täglich über Twitter veröffentlicht (!), kann man nicht den Vereinigten Staaten zuschreiben, es sind eigentlich private, rechtlich unwirksame Botschaften. Die USA haben weder Grönland noch Dänemark ein Angebot gemacht. Das geht nur auf bestimmten diplomatischen Wegen. Ob der Präsident allein dazu überhaupt befugt wäre, weiß ich nicht, aber das wäre auch noch zu diskutieren.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.08.2019 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42014

Also an die USA würde sie Grönland verkaufen, nur an Trump nicht? Wann hat sie das gesagt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2019 um 07.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42013

“I thought it was a very not nice way of saying something,” Trump said. “Don´t say ´What an absurd idea that is´ … You don´t talk to the United States that way, at least under me.
(...) I thought it was not a nice statement, the way she blew me off.”

Nun, Frederiksen hat nicht zu den Vereinigten Staaten gesprochen, sondern unterscheidet ausdrücklich zwischen diesen und ihrem Präsidenten. Trump will den Patriotismus seiner Landsleute auch noch zur Stützung seiner höchstpersönlichen Einfälle nutzen.

Wenn er sich selbst as "the Chosen One" bezeichnet, stelt er sich in eine Reihe mit Jesus und Harry Potter. Das geht ja nun gar nicht.

“The Jewish people in Israel love him,” Trump quoted Root as saying on Wednesday, “like he’s the King of Israel. They love him like he is the second coming of God.”
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2019 um 15.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42005

"Der Soli wird weitgehend abgeschafft." Alle sprechen es nach. Aber es stimmt nur, was die Zahl der Zahlungspflichtigen betrifft. In Wirklichkeit wird nur die Hälfte der Einnahmen gestrichen, die andere Hälfte zahlen die "Gutverdienenden", wie bisher schon. Besonders die Sozis nutzen die Gelegenheit zur Umverteilung. Das steht, wenn überhaupt, im Kleingedruckten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2019 um 04.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42003

Denmark is a very special country with incredible people, but based on Prime Minister Mette Frederiksen’s comments, that she would have no interest in discussing the purchase of Greenland, I will be postponing our meeting scheduled in two weeks for another time....
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) August 20, 2019


Damit ist endgültig klar, daß Trump es ernst meint. Full spectrum dominance nicht durch Militäreinsatz, sondern durch Immobilienkauf zu gewinnen ist ja eine vergleichsweise sympathische Idee.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2019 um 03.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#42000

Psychologen lieben über alle Maßen Versuche mit Spielsituationen, weil sie überschaubar und leicht reproduzierbar sind und immer zahlenmäßige Ergebnisse hervorbringen, die man gut veröffentlichen kann: „Hier hast du zehn Cent, dafür kannst du dir heute ein Bonbon oder morgen zwei Bonbons kaufen“ (usw.).
Das Weglassen der wirklichen Lebensumstände mit wirklichen Personen führt zu einem grundsätzlichen Fehler. Kinder wissen bereits, daß es im wirklichen Leben nicht arithmetisch zugeht, sondern menschlich; daß es also immer unvorhersehbare Chancen und Verhandlungsmöglichkeiten gibt. Dieselbe „ökologische Unangemessenheit“ haftet den „False-belief“-Tests an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2019 um 03.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41999

Schönes Beispiel, auch wenn die Beziehungen hier auf "künstlicher" Vereinbarung beruhen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.08.2019 um 02.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41998

zu #41980:
Besonders anschaulich wird das bei dem Spiel, das wir als Schüler in Pausen gespielt haben:

Zwei Spieler formen auf Kommando (1 - 2 - 3) mit den Fingern einer Hand die Figuren Stein, Schere und Papier. Stein schleift Schere (St>Sch), Schere schneidet Papier (Sch>P) und Papier wickelt Stein ein (P>St). Das Zeichen > kann man als "gewinnt gegen" lesen.

Auch bei diesem Spiel folgt aus A>B und B>C nicht A>C.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.08.2019 um 20.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41997

Sie soll gesagt haben, Grönländ sei nicht dänisch, sondern grönländisch. Offensichtlicher Humbug.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2019 um 19.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41996

Die dänische Ministerpräsidentin hatte sich so ähnlich ausgedrückt, womit sie wohl ironisch die Begriffe des Immobilienhändlers aufgriff.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.08.2019 um 16.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41995

Eigentum ist im Hinblick auf Territorien kein völkerrechtlicher Begriff. Daß Hoheitsrechte verkauft werden können, unterliegt aber keinem Zweifel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2019 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41993

Da Grönland kein dänisches Eigentum ist, kann und muß es nicht gekauft werden. Die USA könnten die Insel wohl umsonst haben, wenn sie mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker argumentierten und ein Referendum anregten. Der Immobilienhändler müßte sich bloß von seinem gewohnten Geschäftsmodell freimachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2019 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41992

Laut WELT ist Grönland von einer "meterdicken Eisschicht" bedeckt. Das stimmt. 1,5 km (Durchschnitt) sind auch Meter. Auch "millimeterdick" wäre nicht falsch. Das Ganze verstößt allerdings gegen eine "Konversationsmaxime" (der Quantität).

Trumps Kaufangebot (der Anlaß jener Meldung) hat den Sekundärnutzen, uns an die fortschrittlichste Idee des Kapitalismus zu erinnern: Alles ist käuflich, es ist nur eine Frage des Preises.

Sollte allerdings Grönland wirklich zum Verkauf stehen, würde vielleicht China Interesse anmelden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.08.2019 um 19.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41980

Aus einem Bericht über kindliche Logik (Jürgen Kaube in FAS 18.8.19)

Wenn ich A besser finde als B und C besser als A, sollte ich auch C besser finden als A.

Das wäre richtig, wenn es sich bei gut/besser um eine Eigenschaft handelte wie das gleich danach angeführte alt/älter. Dem ist aber nicht so (keine Transitivität). Wenn mir Beethoven besser gefällt als Mozart und Wagner besser als Beethoven, kann mir trotzdem Mozart besser als Wagner gefallen. Die drei Vergleichsoperationen können nämlich auf ganz verschiedenen Kriterien beruhen. Darüber ist in dem Wert- oder Geschmacksurteil nichts enthalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.08.2019 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41964

Endlich werden die Zigarettenkippen als Problem wahrgenommen. (Rings um die Sitzbänke, die der Heimatverein an unseren Wanderwegen aufgestellt hat, liegen sie in großen Mengen herum; man möchte einfach weitergehen, statt sich in solchen Schmuddelecken aufzuhalten.)

4,5 Billionen Zigarettenkippen jährlich, jede enthält bis zu 2mg Nikotin. Die Filter selbst sind zu 60 Prozent aus schwer abbaubarem Kunststoff.
Großzügig gerechnet, gelangt vielleicht die Hälfte in die Umwelt, wo das Nikotin zusammen mit anderen teilweise sehr giftigen Stoffen ausgewaschen wird. Rechnen wir gnädig untertreibend mit 2 Billionen Milligramm, so sind das 2.000 Tonnen Nikotin. Wer hätte das gedacht! (Die Menge reicht aus, sämtliche Erwachsenen zu töten.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2019 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41957

Seit Tagen traktieren uns die Medien mit sensationellen Überschriften wegen des Asteroiden, der an der Erde "vorbeirast". Im Kleingedruckten dann jeweils:

Aber es besteht kein Grund zur Panik. Denn nach den Berechnungen der NASA-Wissenschaftler wird der Asteroid mit einem Abstand von mehr als sieben Millionen Kilometer an der Erde vorbeirasen – das ist 19 Mal so weit weg wie der Mond. Eine Katastrophe mit gigantischem Ausmaß bleibt der Menschheit also offenbar erspart.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2019 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41953

Sozialausgaben erreichen fast eine Billion Euro

Das ist so irreführend wie jene „Steuern und Abgaben“, für die wir länger als ein halbes Jahr arbeiten. Wenn ich etwas für Krankheit und Alter zurücklege, ist es eine Abgabe, und wenn ich es mir auszahlen lasse, ist es eine Sozialleistung, und beides wird als etwas Schlimmes dargestellt, worunter wir ächzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2019 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41908

Politiker gegen Verteuerung des Autofahrens:

Wir wollen insbesondere die Pendler im ländlichen Raum vor höheren Abgaben schützen", sagte Schwesig. Der ländliche Raum müsse stärker Beachtung finden: "Die meisten Menschen wohnen nun mal nicht in Großstädten." (tagesschau.de 1.8.19)

Was sie nicht erwähnt:

Laut Forschungsinstitut empirica ist eine Wohnung in den westdeutschen Städten rund 27 Prozent teurer als in den umliegenden Landkreisen. Je nach Standort gibt es zwischen Großstadt und Umland noch größere Unterschiede. (https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/wohnen-in-der-stadt-oder-auf-dem-land/)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.08.2019 um 14.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41907

aus der Liste der längsten Flüsse der Erde
(https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_l%C3%A4ngsten_Fl%C3%BCsse_der_Erde):

1. Amazonas (6400 km)
...
7. Orinoco (3010 km)
...
53. Essequibo (1014 km)
...

Diese Numerierung habe ich ergänzt, sie bezieht sich nur auf südamerikanische Flüsse.
Zum Vergleich die Länge der Elbe: 1094 km.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2019 um 11.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41905

Zur Ergänzung des vorigen:

Die deutsche Expedition von 2013 muß herabgesetzt werden, damit die Pionierleistung der drei Frauen glänzen kann:

In April 2018, Bingham conceived, organised and led the first-ever descent of the Essequibo River in Guyana. Contrary to the expedition’s own knowledge, when they arrived in the Wai Wai village to begin their journey the Wai Wai told them that they would be the first people ever to visit the source of the river. A German-Guyanese expedition had claimed the feat but the Wai Wai explained that that expedition had run out of time and "faked" reaching the source. As a result, Bingham, alongside expedition members Pip Stewart and Ness Knight and their Wai Wai guides, became the first ever team to visit the source and then paddle the entire river to the Atlantic Ocean.
(https://en.wikipedia.org/wiki/Laura_Bingham)

Vgl. https://www.htw-dresden.de/fakultaet-geoinformation/labore/photogrammetrie-fernerkundung/projekte/guyana.html
https://en.wikipedia.org/wiki/Essequibo_River
(Dort wird der Unterschied zwischen einer wissenschaftlichen Expedition und einer kommerziell verwertbaren Sensationssuche erkennbar.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2019 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41903

Drei Abenteuerinnen, die sich selbst als „explorer“ bezeichnen, verbreiten überall, sie hätten den „drittlängsten“ oder „drittgrößten“ Fluß Südamerikas erkundet, nämlich den Essequibo:

In April 2018 she successfully completed a world first ´source to sea´ descent of the Essquibo River in Guyana, the third largest river in South America. (http://www.nessknight.com/about/)

South America´s third-largest river (behind the Amazon and Orinoco), incredibly, the Essequibo has never been navigated from source to sea. (https://www.laurabingham.org/latest-project/)

Usw. (Hier sieht man die drei Schönheiten: https://en.wikipedia.org/wiki/Essequibo_River#/media/File:Team_at_the_furthest_source_of_the_Essequibo_River_aka_Sipu_River._.jpg)

Nun, „South America’s third-largest river (behind the Amazon and Orinoco)“ ist in Wirklichkeit „the largest river in Guyana, and the largest river between the Orinoco and Amazon“. (Wikipedia, meine Hervorhebung)

Es ist erstaunlich, daß die drei Frauen auf ihren Websites und die vielen Magazine, die es nachsprechen, nicht zu wissen scheinen, welche Flüsse es sonst noch in Südamerika gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2019 um 16.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41862

Kirchenaustritte: Kirchen in Bayern laufen Gläubige weg
Immer mehr Gläubige verlassen die beiden großen Kirchen in Bayern.
(BR 20.7.19)

Eine gewagte Aussage. Sind es nicht meistens die Ungläubigen, die der Kirche nur noch aus Gewohnheit angehört haben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2019 um 05.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41857

Zwei Leserzuschriften an die WELT:

Jeder Landwirt weiß allerdings: ohne CO2 keine Photosyntese (= keine Ernten) Alle Gewächshäuser wissen das auch. Mit mehr CO2 gibt es reichere Ernten! Soll das durch die CO2-Steuer verhindert werden?
-
Wissen die Greta und die Kanzlerin eigentlich, daß CO2 nur ein Spurenelement in der Luft ist?

-
Das sind die beiden Argumente der „Klimaskeptiker“, die man am häufigsten hört, obwohl sie sich in gewisser Weise widersprechen und beide natürlich auf eine unzureichende Beschäftigung mit dem Gegenstand hindeuten. (Über Spurenelement wollen wir großzügig hinwegsehen, das ist ein sprachlicher Automatismus, den man auch sonst oft findet.)

Gegen das rhetorische Imponieren mit kleinen Zahlen könnte man, auf demselben Niveau, mit dem Hinweis auf Jod punkten: Unser Körper enthält 10 bis 30 Milligramm davon, und jeder weiß, welche Folgen kleine Abweichungen nach oben oder unten haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2019 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41838

Ich habe auch den laienhaften Eindruck, daß die Rechnung, so wie sie vorgeführt wird, nicht stimmt, sondern etwas Relavitistisches dahintersteckt, das ich nicht verstehe (und das vielleicht noch niemand versteht). Über den Big Bang und die ersten Nanosekunden lese ich immer wieder mal etwas, aber eigentlich warte ich immer darauf, daß einige Zeilen später etwas Faßlicheres folgt. Damit will ich selbstverständlich keine Geringschätzung der brillanten astrophysikalischen Köpfe ausdrücken, die sich etwas ja keineswegs willkürlich ausdenken.

Die Unverständlichkeit solcher Texte ist etwas anderes als die von Berechnungen, zu denen mir die mathematischen Fähigkeiten fehlen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.07.2019 um 14.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41837

Daß sich etwas angeblich schneller als Licht entfernen kann, hängt, falls ich es richtig verstanden habe, damit zusammen, daß es neben der Voneinanderwegbewegung von Massen, die höchstens mit Lichtgeschwindigkeit erfolgt, noch eine scheinbare Bewegung durch reines Raumwachstum geben soll, die nicht durch die Lichtgeschwindigkeit begrenzt ist.

Das heißt, die Entfernung zwischen zwei zueinander ruhenden Körpern könnte wachsen, sogar mit Überlichtgeschwindigkeit, ohne daß einer der beiden Körper beschleunigt würde. Wenn diese Annahme richtig wäre, dürfte sie meiner laienhaften Ansicht nach nur für intergalaktische Räume, nicht für kleinere wie Planetensysteme oder atomare Abstände gelten. Wie das gehen soll, ist halt noch sehr hypothetisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2019 um 06.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41834

„In der Zeit, in der das Licht von einer fernen Galaxie zu uns unterwegs ist, wird das Universum immer größer. Es hat dann zwar im Extremfall wirklich 13,819 Milliarden Jahre bis zur Erde gebraucht. Aber in dieser Zeit ist das Universum gewachsen und die Entfernung ist daher größer!
Berücksichtigt man die Ausdehnung des Universums in den entsprechenden Rechnungen, dann folgt daraus, dass wir knapp 46,6 Milliarden Lichtjahre in jede Richtung blicken. Die Antwort auf die Frage “Wie groß ist das (beobachtbare) Universum?” lautet also: Es hat einen Durchmesser von etwa 93 Milliarden Lichtjahren!“ http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2014/07/14/wie-gross-ist-das-universum/

„Wir können heute zwar Licht sehen, das von Atomen vor mehr als 13 Milliarden Jahren ausgesendet wurde (genauer gesagt einige hunderttausend Jahre nach dem Urknall) und somit auch gut 13 Milliarden Jahre alt ist. Allerdings sind genau diese Atome, die damals dieses Licht entsandten, heute viel, viel weiter weg von uns – nämlich nicht 13,8 Milliarden Lichtjahre, sondern eben 46 Milliarden Lichtjahre.“ https://www.abenteuer-sterne.de/wie-gross-ist-das-beobachtbare-universum/

Ist das so? Wir blicken nicht 46 Mrd. Lichtjahre in jede Richtung, sondern die Objekte sind heute so weit entfernt; sehen tun wir sie aber nicht an ihrer heutigen Position. Wie können sie sich in 13 Mrd. Jahren um weitere 33 Mrd. Lichtjahre entfernt haben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2019 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41826

Jedes Jahr dieselbe Milchmädchenrechnung:

Deutsche arbeiten erst ab Mitte Juli für sich selbst
Was verdient ein ganz normaler Haushalt und was muss er davon an den Staat abführen? Der Steuerzahlerbund hat das so präzise ausgerechnet wie nie – und kommt zu einem anderen Steuer-Stichtag als im Vorjahr.
(FAZ 12.7.19)

Ideal wäre natürlich der 1. Januar: keine „Steuern und Abgaben“ - kein Staat, keine Schulen, keine Polizei, keine Beamten, keine Krankenkasse, keine Rentenversicherung usw. Das alles könnte dann jeder vom ungeschmälerten Einkommen privat bezahlen.

WELT-Leser kommen überwiegend zu der Erkenntnis, daß wir in Deutschland ziemlich elend leben, mit Seitenhieb auf Merkel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2019 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41788

Bereits am Samstag kam es im Rheinbad zu heftigen Auseinandersetzungen. Eine Familie soll rund 400 Badegäste bedroht haben. (Berliner Zeitung 1.7.19)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2019 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41746

Aus Broders Rede vor der AfD-Fraktion:

Ich glaube nicht einmal daran, dass es einen Klimawandel gibt, weil es noch keinen Tag in der Geschichte gegeben hat, an dem sich das Klima nicht gewandelt hätte. Klimawandel ist so neu wie die ewige Abfolge von Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst.

Das scheinen die Klimaforscher der ganzen Welt bisher nicht bemerkt zu haben. Aber nun wissen sie es.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.06.2019 um 15.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41723

Gabriel spricht sich für Merkel als EU-Ratspräsidentin aus – Ex-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat sich für Angela Merkel als neue EU-Kommissionspräsidentin ausgesprochen. (WELT 20.6.19)

Im "Handelsblatt" scheint Gabriel das Amt des Ratspräsidenten (Nachfolge Tusk) im Blick zu haben, da er jedoch auch Timmermanns als geeignet erwähnt, der sich ja als Kommissionspräsident (Nachfolge Juncker) bewirbt, ist es nicht ganz sicher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2019 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41717

Man will herausgefunden haben, daß Hitlers Reden die Wähler an den Orten seines Auftretens (10 km im Umkreis) nicht zugunsten der NSDAP beeinflußt haben. Daraus wird auf die Unwirksamkeit seiner Rhetorik geschlossen. Das ist aber nicht zulässig. Eine Erklärung könnte sein, daß zu den Auftritten fast nur die gekommen sind, die ihn ohnehin wählen wollten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2019 um 03.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41701

Der Stromausfall in Südamerika ist für viele, denen die ganze Richtung nicht paßt, eine willkommene Gelegenheit, auch für Deutschland vermehrte Stromausfälle wegen der Energiewende vorauszusagen. Bisher hat der Umbau der deutschen Energiesysteme nicht zu einer Erhöhung der statistisch ermittelten Ausfälle geführt; die deutsche Stromversorgung bleibt mit 15 Minuten Ausfallszeit pro Jahr eine der sichersten der Welt. Wie mir ein Fachmann erklärt, gibt es keinen Grund, warum sich das ändern sollte.

Die Journalisten, die wieder mal so flott darüber schreiben, können ziemlich sicher sein, daß niemand ihnen auf die Finger klopft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2019 um 03.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41700

Das sind aber nur Wortspiele, nicht wahr? In Wirklichkeit ist das Verhältnis zwischen Grund- und Bestimmungswort ganz unbestimmt und für vieles offen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.06.2019 um 18.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41683

Entsprechendes gilt für "Uran-Abreicherung".
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.06.2019 um 16.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41682

Jetzt war in den Medien im Zusammenhang mit dem Iran wieder mehrfach von "Urananreicherung" die Rede.

Ein seltsames Wort. Da könnte man die Erhöhung der Sauerstoffkonzentration in der Luft ja auch Luftanreicherung nennen, oder die Erhöhung des Alkoholgehalts von Wein eine Weinanreicherung.
Jede neue Brotsorte wäre eine Brotanreicherung, usw.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.06.2019 um 22.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41671

Merchants of doom.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2019 um 19.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41670

In Banda, im indischen Utta Pradesh, stieg die Temperatur diese Woche auf über 48 Grad Celsius, fünf Grad über die normale Temperatur für diese Jahreszeit. Das ist nur ein Vorgeschmack. (SPIEGEL 11.6.19)

Das haben die Temperaturen so an sich, daß sie tage- und wochenweise über oder unter den für die Jahreszeit normalen liegen. Der Bundesstaat heißt übrigens Uttar Pradesh ("Nordland"), von sanskrit uttara.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2019 um 18.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41669

In der Klimadiskussion kommen die "Skeptiker", wie sie es von den Merchants of doubt gelernt haben, gern mit den Prozent und Promille: So klitzekleine Anteile von CO2 (und erst recht von menschengemachtem) in der Luft können doch praktisch gar nichts bewirken – und dabei kommt man sich sehr aufgeklärt vor. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon damit konfrontiert worden bin. An besten, man sagt dazu gar nichts, sondern wechselt den Umgang.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2019 um 06.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41651

Unicef beklagt die Verheiratung von Kindern, auch Jungen, unter 18:

"Ehe stiehlt die Kindheit", beklagte Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Auch wenn Mädchen nach wie vor überproportional von Frühehen betroffen seien, so bedeute auch für Jungen eine frühe Verheiratung das "plötzliche Ende der Kindheit und eine Verletzung ihrer Kinderrechte".

Man sieht, wie der moderne westliche Begriff der Kindheit zum universalen Maßstab gemacht wird und sich dann natürlich in weiten Teilen der Welt Handlungsbedarf zeigt. Dabei vergißt man, daß die Menschheit den größten Teil ihrer Geschichte andere Maßstäbe hatte. Hinzu kommt die geringe Lebenserwartung und hohe Kindersterblichkeit unserer Vorfahren (z. T. heute noch in anderen Regionen). Man mußte sich in vieler Hinsicht beeilen, sonst wäre die Menschheit ausgestorben – was über lange Zeit nur um Haaresbreite vermieden wurde.

In Indien wurde die freie Gattenwahl (sogar durch die Frau!) zwar in der Literatur gefeiert, aber gerade daß es dafür ein eigenes Wort (svayamvaram) gab, zeigt ja, wie ungewöhnlich der Vorgang war. Die Menschheit hat schon immer aus Liebe kopuliert, aber nicht aus Liebe geheiratet. In Deutschland konnte etwa im 19. Jahrhundert nur ein Teil der Männer heiraten, die anderen betätigten sich anderweitig.

Die Einführung der nun von Unicef angestrebten Verhältnisse bedeutet nichts Geringeres als die radikale Umwälzung ganzer Gesellschaften. Das erfordert etwas mehr Verständnis.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2019 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41632

Wenn in einem Diamanten der Kern eines Kohlenstoffatoms so groß wie ein Fußball wäre, dann wäre der nächste 15 km entfernt. Der Raum dazwischen ist fast leer (bis auf ein paar insektengroße Elektronen).
Wenn die Sonne ein Fußball wäre, dann wäre die Erde ein Pfefferkorn in 25 m Entfernung und der nächste Fußball 6.500 km entfernt (Paris – Delhi). Das ist aber sozusagen fußläufig. Die weitesten Objekte wären zwei bis drei Mrd. mal so weit entfernt.

Nur mal so nebenbei, auch zum Weitersagen an die Kinder.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2019 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41624

Dafür gibt es viele Beispiele. Besonders bekannt war das Urteil über die Dauer des Ersatzdienstes. Texte sind eben unendlich auslegbar. Wenn dann noch nachlässige Arbeit des Gesetzgebers hinzukommt...

Andererseits bietet sich auch die Möglichkeit, den geänderten Zeitgeist früher als durch Gesetze wirksam werden zu lassen, was ja manchmal auch wünschenswert ist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.06.2019 um 11.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41622

Aus dem Urteil: »Maßgeblich für die Frage der weiteren Beibehaltung, Abschaffung oder (Wieder-)Einführung einer Sperrklausel sind allein die aktuellen Verhältnisse.«

Und die Beurteilung der »aktuellen Verhältnisse« obliegt natürlich den Richtern selbst. So sieht Karlsruher Selbstermächtigung aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2019 um 04.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41619

Die FAZ (K. F., 31.5.19) findet das Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegen Sperrklauseln bei der Europawahl „kaum zu begreifen“.
Die Unionsparteien wollten sie einführen, die Grünen waren dagegen.

https://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/es20140226_2bve000213.html
Leitsatz 1:
„Der mit der Drei-Prozent-Sperrklausel im Europawahlrecht verbundene schwerwiegende Eingriff in die Grundsätze der Wahlrechtsgleichheit und Chancengleichheit der politischen Parteien ist unter den gegebenen rechtlichen und tatsächlichen Verhältnissen nicht zu rechtfertigen (im Anschluss an BVerfGE 129, 300).“

Was ist denn daran „schwer zu begreifen“?

„Alle größeren EU-Mitgliedstaaten, die mehr als 35 Abgeordnete nach Straßburg schicken, haben bereits Sperrklauseln eingeführt – bis auf Deutschland und Spanien. Die Sperrklausel soll dafür sorgen, dass in Deutschland Parteien mit einem niedrigen einstelligen Wahlergebnis wie derzeit die Satirepartei Die Partei und die rechtsextreme NPD keinen Sitz mehr im Europaparlament bekommen.“ (FAZ 22.2.19)

Sperrklauseln sind ein systemfremder Eingriff in das Verhältniswahlrecht. Man muß schon eine gute Begründung dafür haben. Ad hoc bestimmte Parteien auszuschließen hat immer einen schlechten Beigeschmack. Etablierte Parteien haben allerdings schon immer versucht, neue kleinzuhalten. Das ist nun gar nicht schwer zu begreifen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2019 um 03.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41606

Zum vorigen:

Unter der Überschrift Weniger Arbeitslose in Deutschland schrieb die FAZ denn auch: Die Arbeitslosenzahl in Deutschland steigt. Sozusagen beim Kopfrechnen erwischt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2019 um 12.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41593

Die Bundesagentur gibt an, daß die Zahl der Arbeitslosen im Mai gegenüber April um 7.000 gestiegen ist. Zugleich rechnet sie vor, daß im Zuge einer Bereinigung der Statistik eine rein rechnerische Zunahme um 30.000 bis 40.000 verzeichnet wird. Zusammen mit der realen Zunahme müßte die Zahl im Mai um 37.000 bis 47.000 gestiegen sein. In Wirklichkeit ist sie also um 23.000 bis 33.000 gesunken.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.05.2019 um 22.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41586

Somit ergäbe das Weltall ungefähr einen Kubikmeter Fliegenschiß. *)
Eigentlich doch ganz überschaubar, oder?


*)
Unter der Annahme von 1 Bio. Galaxien (faz.net, 14.10.16) und daß diese im Schnitt alle so groß sind wie die Milchstraße und daß eine einzelne Hinterlassenschaft einer Fliege ein Kügelchen von ca. 1/10 mm Durchmesser ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2019 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41585

Die AfD-Jugend fordert, „die Entwicklungshilfe für Schwellenländer an die Einführung einer Ein-Kind-Politik zu koppeln, um einem der größten Klimaprobleme, der Überbevölkerung, entgegenzutreten“.

Das ist leicht gesagt. Man hat es, jeweils mit sehr unschönen Begleiterscheinungen, in China und in Indien unter Indira Gandhi versucht. (Es war ein Hauptgrund ihrer Wahlniederlage, die ich in Neu-Delhi miterlebte.) Glaubt jemand wirklich, daß Staaten sich das Kinderkriegen abkaufen lassen? Die Geburtenzahlen sinken durchgreifend, sobald der Lebensstandard und die Bildung – besonders der Frauen – sich verbessern. Hundertfach bewährt. Dort sollte man investieren.
Verhältnismäßig dünn besiedelte Länder können größere Umweltschäden verursachen als dichtbesiedelte. (Natürlich dringt die AfD auf Geburtenreduzierung nur bei den anderen, obwohl mit einer Beseitigung der Deutschen auch schon etwas fürs Klima getan wäre. Es ist logisch falsch, die Menschen selbst als Klimaproblem anzusehen, weil es das Problem ja nur aus der Sicht des Menschen gibt. Mir fällt Kants "leichte Taube" ein, die auch den Luftwiderstand noch weghaben möchte.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2019 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41584

300 Kisten mit je 1 Kubikmeter Sand enthalten so viele Körner, wie es Sterne in unserer Galaxie gibt, und diese ist nur ein Fliegenschiß im Weltall, denn Galaxien gibt es auch wieder mehrere hundert Milliarden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2019 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41576

Worauf ich mit meiner Unterscheidung hinauswollte, ist aber schon klar, oder? Die nicht Wählenden und die Nichtwählenden bilden auch fiktiv keine Partei, ob organisiert oder nicht.

Das Gedankenspiel wird meist dazu benutzt, die Gewählten zu delegitimieren.

Manche gehen nicht zur Wahl, weil sie zufrieden sind, manche, weil sie unzufrieden sind, viele, weil ihnen Politik gleichgültig ist oder weil sie sich keine Einflußmöglichkeit zuschreiben, usw.

Übrigens habe ich besonders oft von jungen Frauen gehört, sogar Studentinnen, die weder Zeitung lesen noch Nachrichten hören und Politik für etwas halten, was ebenso gut auf dem Mond stattfinden könnte.

Über die niedrige Wahbeteiligung der östlichen und südöstlichen EU-Länder wird selten gesprochen, es ist eine peinliche Tatsache.

Man wird immer wieder an das erinnert, was Thukydides seinen Perikles über die Stillen im Lande sagen läßt.

Wenn man nach Jahrtausenden endlich die Möglichkeit hat, seine Angelegenheiten selbst zu regeln (daher das Hochgefühl des Atheners) und dann keinen Gebrauch davon macht, dann ist das schon zum Haareraufen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.05.2019 um 22.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41574

Richtig. Außerdem ist der Konjunktiv inkongruent zum Indikativ am Satzanfang.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.05.2019 um 22.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41573

Einer solchen Andeutung bedarf es nicht, das ist schon hinreichend deutlich durch das Wort fiktiv gesagt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.05.2019 um 18.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41572

Der Konjunktiv deutet immerhin an, daß es keine organisierte Nichtwählerpartei gibt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.05.2019 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41571

Die Bedingung (Umrechnung) und der Konjunktiv sind überflüssig. Die Nichtwähler bilden die größte Gruppe, ob man nun etwas ausrechnet oder nicht. Die Rechnung dient höchstens dem Zweck, daß man den Fakt leichter erkennt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2019 um 12.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41567

Bei der Europawahl stieg die Wahlbeteiligung in Deutschland von 48,1 auf 61,4 Prozent. Rechnet man das Wahlergebnis auf die Zahl aller wahlberechtigten Bürger um, wäre die fiktive Partei der Nichtwähler deutlich stärkste Kraft in Deutschland. (WELT 27.5.19)
Usw. – Lauter irrelevante Betrachtungen über eine nichtexistente Gruppe. Es gibt Menschen, die nicht wählen, und solche, die die Nichtwahl wählen.

Spardorf als Zentrum der deutschen Intelligenz hat eine Wahlbeteiligung von 78,56 %. Über die Ergebnisse brauche ich wohl nichts weiter zu sagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2019 um 15.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41527

Die Regenfälle dieser Tage lassen bei welt.de mehr als 1000 Klima-Experten in die Tasten greifen. „Erst verbrennen, nun ersaufen. Was denn nun Greta?“ „Wo bleibt Greta und die Klimaerwärmung?“ „Unsere Klimahysteriker haben nun ein Problem.“ Usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2019 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41525

Das Trinken zu vieler zuckerhaltiger Getränke kann zu einem vorzeitigen Tod führen. Aber auch der Konsum einer übermäßigen Menge Fruchtsaft erhöht laut der aktuellen Studie das Risiko des vorzeitigen Todes von neun bis 42 Prozent.

Um wieviel Prozent steigt das Risiko eines vorzeitigen Todes, wenn die Fruchtsafttrinker im Durchschnitt zwei Stunden früher sterben?

Zum Glück lassen sich all diese furchtbaren Gefahren vermeiden, wenn man täglich fünf Walnüsse ißt. Oder war es eine halbe Avocado?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2019 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41477

Psychologen können zwar nichts voraussagen, aber hinterher alles erklären.

Warum fiel die Wahl auf die Armbrust?

Die Kriminalpsychologin und Selbstvermarktungsvirtuosin Lydia Benecke (wer sonst?) kann es aus der Ferne erklären (bei RTL).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2019 um 13.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41471

Stimmt. Ich hatte mich auch nicht mit den ungültigen Versuchen beschäftigt, sondern war nur über die große Zahl der gültigen erstaunt, weil ich mich selbst, wenn ich meinen Kindern imponieren wollte, immer nur einen oder zwei Wege gegangen bin. Das haben sie natürlich auch schnell rausgehabt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.05.2019 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41470

Die 44 Lösungen und 10 ungültigen Versuche beziehen sich aber nur auf den Fall, daß man an der Ecke links unten anfängt. Fängt man an der Ecke links oben oder an der Dachspitze an, gibt es nur ungültige Versuche. Berücksichtigt man alle möglichen Anfangspunkte für die 8 Teilstrecken, gibt es mit Sicherheit mehr ungültige Versuche als Lösungen. Ich habe sie nicht gezählt.

Und dann muß man genauer sagen, was man unter einem regulären "ungültigen Versuch" versteht. Man könnte ja auch im Kreuzungspunkt in der Hausmitte oder innerhalb einer beliebigen Strecke anfangen oder in der Hausmitte über Eck (ohne zu schneiden) zeichnen. Dann hätte man nicht 8, sondern mehr Teilstrecken zu zeichnen. Diese Versuche wären auch ungültig, aber irgendwie nicht ganz regulär ungültig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2019 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41469

Zum Haupteintrag und der Diskussion dazu: Es gibt hier eine Variante, die zwar ebenfalls die "sloppiness" der alltagssprachlichen Pronomina zeigt, aber doch erwähnt werden sollte:

Ich habe in der Klinik keinen einzigen Amerikaner gesehen, aber meine Frau hat mit ihm gesprochen.

Das ist sicher ziemlich schräg. Dagegen:

Haben Sie den Amerikaner gesehen?

- Nein, ich habe keinen Amerikaner gesehen, aber meine Frau hat mit ihm gesprochen.


kein kann offenbar definit oder indefinit gebraucht werden (nicht irgendeinen vs. nicht einen bestimmten).

Das ist wohl die Ursache unserer Uneinigkeit damals. (Kinder, wie die Zeit vergeht!)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2019 um 04.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41468

Ich bin überrascht, daß es für das „Haus vom Nikolaus“ 44 gültige und nur 10 ungültige Lösungen gibt: https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_vom_Nikolaus und https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f0/Haus_vom_Nikolaus_eulerian_hori.webm
Warum haben wir solche nützlichen Dinge nicht im Mathematikunterricht gelernt? Erst nach der Schule bin ich auf Tietzes „Gelöste und ungelöste Probleme der Mathematik“ und ähnliche Bücher gestoßen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2019 um 18.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41447

Ich hatte vor über 40 Jahren Einblick in nicht zur Veröffentlichung bestimmte Gutachten von Hochschullehrern zu den Fähigkeiten (heute "Kompetenzen") von Studienanfängern. Ich glaube, deren desaströses Urteil über die Lateinkenntnisse habe ich schon zitiert. In Mathe war es nicht besser.

Auf der anderen Seite meint fast jeder, zum Abitur habe er mehr gewußt als je zuvor und danach.

Beide haben recht. Man redet eben aneinander vorbei. Das Gymnasium zielt auf Allgemeinbildung und verfehlt selbst dieses Ziel, gerade weil es mit falschem Ehrgeiz fachlich-propädeutisch sein will. Die Altphilologen und Mathematiker an der Universität sind enttäuscht, weil ihnen keine Viertellatinisten und Viertelmathematiker geliefert werden und sie wieder "ganz von vorn" anfangen müßten. Wie oft habe ich das gehört!

Als Studienreferendar hört man dann als allererstes: "Vergessen Sie alles, was Sie an der Uni gelernt haben"! So schließt sich der Kreis.

Hinzu kommt, daß die Schullehrer in den MINT-Fächern von Hause aus nicht gerade pädagogikaffin sind (mit schönen Ausnahmen). Viele können es nicht verwinden, daß sie nur Lehrer geworden sind.
 
 

Kommentar von Theodor Tempelmeier, verfaßt am 10.05.2019 um 17.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41446

Mit der Stochastikaufgabe habe ich schon ein Problem: Das hat eigentlich mit höherer Mathematik fast nichts mehr zu tun. Die vier Grundrechenarten und das Lösen eines linearen Gleichungssystems reichen aus (Mittelstufenmathematik).

Die "Kunst" bei dieser Aufgabe besteht darin, sich die Information aus dem Textwust herauszusuchen. Das kann man gut finden. Dann liegt der Schwerpunkt im Matheabitur auf Textverstehen und Textanalyse (mit einer anschließend fast trivialen mathematischen Rechnung).

Man könnte sich als Schüler schon verulkt fühlen, wenn man höhere Mathematik geübt hat und dann Textanalyse betreiben muss. Im Prüfungsstress ist so etwas eigentlich eine Zumutung.

Warum formuliert man die Aufgabe nicht (ungefähr) wie folgt:

Gegeben ist folgende Situation in einer Lotterie:
- Jedes Los gewinnt.
- Ein Los kostet 1 Euro.
- Folgende Kategorien an Sachpreisen sind vorgesehen:
«Hierher eine Tabelle mit Kategorie A,B,C, mit dem jeweiligen Anteil der Lose (unbekannt bzw. viermal so groß wie bei A) und mit den Einkaufspreisen für die Sachpreise für jede Kategorie»
Wie groß muß der Anteil der Lose der Kategorie A sein, damit die Lotterie im Mittel einen Gewinn von 0,35 Euro pro Los erzielt?


Nebenbei bemerkt: Man braucht dann auch nicht die hier unwesentliche LosverkäuferIN.

Es liegt m.E. bei dieser Aufgabe wieder einmal sogenannte "Kompetenzorientierung des Mathematikunterrichts" vor. Lesetipp hierzu:
https://www.frankfurt-university.de/de/hochschule/fachbereich-1-architektur-bauingenieurwesen-geomatik/kontakt/professor-innen/lehrkrafte-fuer-besondere-aufgaben/astrid-baumann/
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.05.2019 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41445

Um den Schwierigkeitsgrad zu vergleichen, müßte man sich hinsetzen und ein paar Aufgaben aus Ost und West von damals und heute wirklich vollständig schriftlich lösen und die Zeiten notieren. Ich würde natürlich heute auch länger brauchen als damals, als man noch in der Übung war. Einfach so vom Querlesen durch verschiedene Jahrgänge ist mein Eindruck, daß es weder große Ost/West- noch Unterschiede von damals zu heute gibt. Aber das ist jetzt wirklich nur sehr oberflächlich gesagt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2019 um 16.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41444

Ja, solche Schulbücher habe ich vor langer Zeit mal untersucht.

Aber mich würde noch interessieren, wie Sie den Schwierigkeitsgrad einschätzen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.05.2019 um 16.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41442

Ich habe doch tatsächlich noch im Netz die Aufgaben meiner eigenen Matheabiprüfung von 1973 in der DDR gefunden! An keine einzige kann ich mich noch erinnern, aber die erste Aufgabe muß ich einfach mal hier einstellen. Aus heutiger Sicht ist das ja nur noch amüsant, aber damals war diese ständige politische Verdonnerung bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit für uns gar nicht zum Lachen:

Aufgabe 1
Bei einer gemeinsamen Übung der Luft- und Seestreitkräfte unserer NVA ortet eine Radarstation der Küstenüberwachung ein Schiff nacheinander in den Punkten P1(30; 12; 0) und P2(22; 8; 0).
Der Kurs des Schiffes verlaufe geradlinig.
Zur Bekämpfung des Schiffes wird von einem Flugzeug aus im Punkt P3(10; 7; 3) eine Luft-Boden-
Rakete abgeschossen. Die Flugbahn der Rakete wird als geradlinig angenommen.

Richtungsvektor dieser Flugbahn ist a = 6i - 2j - 3k. (Koordinatenangaben in km)

a) Ermitteln Sie je eine Parametergleichung für den Schiffskurs und für die Flugbahn der Rakete!

b) Das Schiff wird von der Rakete im Punkt S getroffen.
Berechnen Sie die Koordinaten dieses Punktes!

c) Berechnen Sie den Winkel zwischen der Bahn der Rakete und dem Kurs des Schiffes!

d) Welche Durchschnittsgeschwindigkeit hat die Rakete, wenn ihre Flugzeit vom Abschußpunkt bis
zum Treffpunkt 7 Sekunden beträgt?


Tja, das war mein Matheabi!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2019 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41426

Nachtrag: Meine beiden jüngeren Töchter haben das bayerische Abitur gemacht und sind G8-geschädigt. Sie haben die ganze Zeit darüber geklagt, daß in Mathematik zu wenig Zeit zum Üben war. Kaum war ein Thema eingeführt, kam schon das nächste dran.

Ich kann nicht erkennen, daß diese Quälerei irgendeinen Nutzen gehabt hätte. Als stolzer Vater kann ich natürlich auch nicht zugeben, daß die beiden jungen Frauen besonders dumm oder faul wären. Also brauchen sie sich von Sportlehrer Kraus und ähnlichen "Padagogen" auch nicht beschimpfen zu lassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2019 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41425

Lieber Herr Riemer, ich kann natürlich nicht mitreden, vermute aber, daß die meisten Erwachsenen mit Abitur nach wenigen Jahren solche Aufgaben als äußerst schwer erleben. Ich bin auch sicher, daß Josef Kraus schon an den Testaufgaben nach der 8. Klasse scheitern würde. Er war Lehrer für Deutsch und Sport und würde vielleicht sagen, daß sein Mathe-Abitur weit zurückliege und trotzdem seinen Bildungswert gehabt habe. Das ist die Kernfrage. In einfacher Statistik und schlichter Logik hat er nicht viel auf dem Kasten, sonst würde er nicht auf verschiedenen Gebieten so wüten, daß es unsereinem peinlich ist, mit ihm gegen die Rechtschreibreform gekämpft zu haben (er läßt aber schon lange reformiert drucken, wie dargelegt). Den Deutschen Sprachpreis hat er auch...

Mit seinen Unterstellungen bestätigt Kraus übrigens, was wir alle wissen: Zum Abitur wissen wir auf so vielen Gebieten so viel wie nie wieder im Leben, und die Momentaufnahme glänzender Mathematikkenntnisse wird dadurch erreicht, daß man sich auch in den Ferien und am Wochenende auf den Hosenboden setzt und ordentlich büffelt. Aber kann es sich um wahres mathematisches Verständnis handeln, wenn ein paar Stunden Straßendemonstration das Ergebnis von 12 Jahren Unterricht ernsthaft gefährden? (Könnte nicht die Beschäftigung mit dem Klimawandel dieses Verständnis sogar fördern?)

Ich habe es schon lange satt, ausgerechnet Pädagogen auf die allzu bequeme "Jugend von heute" schimpfen zu hören.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2019 um 04.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41424

Josef Kraus äußert sich erwartungsgemäß:

„Die Schüler sind heute nur verwöhnt, weil die Matheaufgaben in den letzten Jahren vergleichsweise leicht waren.“
Harte Kritik aus dem Mund des Ex-Pädagogen. Dennoch bestätigt er, dass die Aufgaben dieses Jahr „wieder ein bisschen schwerer“ geworden seien. Dies sei jedoch notwendig gewesen, da sich Universitäten bereits über das fehlende Vorwissen der Schüler beschwert hätten. Um zu verhindern, dass studienrelevanter Stoff an den Universitäten zunächst in Aufbaukursen nachgeholt werden müsse, sollten die Schüler bereits vorab besser vorbereitet werden.
 (merkur.de 8.5.19)

Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Klagen der Hochschullehrer vor 50 Jahren: Das Gymnasium bereitet die jungen Leute nicht auf ein Mathematikstudium vor; an der Uni muß man praktisch noch einmal von vorn anfangen. (Das war natürlich polemisch übertrieben; hinzu kam, daß die Hochschulmathematik einfach anders an das ganze Fach heranging als die Schule.)
Von Martin Wagenschein mag man halten, was man will, aber er dürfte mit seiner Auffassung recht gehabt haben, daß der Bildungswert des Mathematikunterrichts nicht darin bestehen kann, einige wenige Schüler auf ein Mathematikstudium vorzubereiten. Das meinen auch Didaktiker im Ausland, vgl. „Wie alt ist der Kapitän?“ und andere Bücher.

Mit einer besonderen Anschuldigung an die Schüler geht Kraus sogar noch einen Schritt weiter und sieht die Begründung für den derzeitigen Abi-Protest auch in der „Fridays for future“- Bewegung.  „Sie merken, wenn sie Zirkus machen, tanzt die Politik vielleicht nach ihrer Pfeife“, so Kraus über die Schüler. Diese wollten jedoch keine Wiederholung der Prüfungen erreichen, sondern hofften lediglich auf bessere Noten. „Auf ihren geplanten Sommerurlaub wollen sie nicht verzichten“, so Kraus höhnisch. (Ebd., korrigiert)

Am Überschuß an Gehässigkeit erkennt man den Menschen. Bei einem Lehrer würde man solche pauschalen Urteile nicht ohne weiteres erwarten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.05.2019 um 00.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41423

Natürlich ist es wahr, daß in der aktuellen Auseinandersetzung ums Matheabi gerade viel von Textaufgaben die Rede ist. Vielleicht, weil es halt bei den Beschwerden der Schüler vor allem um Texte und Textverständnis geht. Trotzdem bleibe ich dabei, daß das Wort in die höhere Mathematik, also ca. ab dem Abiturlehrstoff, einfach nicht mehr paßt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.05.2019 um 14.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41422

Das Wort "Textaufgabe" ergibt in der Mathematik der Abiturstufe gar keinen Sinn.
Es hatte seine Berechtigung in der Unterstufe, wo man noch rechnen lernte. Da gab es dann in den Arbeiten ein paar Kästchen in der Art
3 + 6 = ?
9 - 3 = ?
Und dazu eine Textaufgabe, etwa:
"Wie viele Schüler bleiben im Zimmer, wenn 10 drin waren und 8 hinausgehen."
Natürlich mit den Jahren auch noch etwas schwieriger, aber im Prinzip so. Das eine waren die reinen Rechenaufgaben, und bei den sog. Textaufgaben mußte die Rechenformel erst gefunden werden.

Spätestens in der Abiturstufe brauchen Schüler aber nicht mehr rechnen zu lernen, es geht darum, mathematische Probleme zu lösen. Es gibt überhaupt kein solches, das man nicht als Text formulieren müßte. Deshalb sind alles nur noch "Textaufgaben", man kann den Zusatz "Text" getrost weglassen. Auf mich wirkt das Wort in der Abiturstufe schon etwas albern.

Eine Aufgabe des angeblich so schweren Abiturs fand ich auf focus.de:

Gegeben ist die Funktion f(x) = 4x/(x+1)² mit der Definitionsmenge der reellen Zahlen ohne -1.

Begründen Sie, dass x=0 die einzige Nullstelle von f ist. Geben Sie die Gleichung der senkrechten Asymptote von Gf an und begründen Sie anhand des Funktionsterms von f, dass Gf die Gerade mit der Gleichung y = 0 als waagrechte Asymptote besitzt.

Was ist daran schwer verständlicher, typisch mathematischer Text? Die mathematischen Ausdrücke und Symbole muß man natürlich kennen, das gehört dazu.
Im Lösungshinweis des Focus heißt es, diese Teilaufgabe sei noch leicht gewesen. Aber selbst in dieser Leichtigkeit werden die Schüler noch mit der Nase auf die Lösung gestoßen. Sie müßten eigentlich allein darauf kommen, daß die Funktion an der Stelle -1 nicht definiert ist, daß 0 die einzige Nullstelle ist und daß y=0 die waagerechte Asymptote ist. All das wird ihnen vorgesagt.

Für die Abiturstufe sollte die Aufgabe so formuliert sein:

Nennen Sie den Definitionsbereich sowie alle Nullstellen und Asymptoten der reellen Funktion f(x) = 4x/(x+1)².

Das wäre dann eine wirklich leichte Abituraufgabe.

Dann zitiert der Focus eine Aufgabe aus der Stochastik:
Bei einer Losbude wird damit geworben, dass jedes Los gewinnt. Die Lose und die zugehörigen Sachpreise können drei Kategorien zugeordnet werden, die mit "Donau", "Main" und "Lech" bezeichnet werden. Im Lostopf befinden sich viermal so viele Lose der Kategorie "Main" wie Lose der Kategorie "Donau". Ein Los kostet 1 Euro. Die Inhaberin der Losbude bezahlt im Einkauf für einen Sachpreis in der Kategorie "Donau" 8 Euro, in der Kategorie "Main" 2 Euro und in der Kategorie "Lech" 20 Cent. Ermitteln Sie, wie groß der Anteil der Lose der Kategorie "Donau" sein muss, wenn die Inhaberin im Mittel einen Gewinn von 35 Cent pro Los erzielen will.

Wo ist hier eine schwer verständliche mathematische Formulierung?
Die Beschwerden der Abiturienten kann ich nicht nachvollziehen. Ich sehe in diesen Beschwerden eher einen gesellschaftlichen Realitätsverlust und einen Niveauverlust des deutschen Abiturs. Mittlerweile machen es schon über 50% aller Schüler. So langsam wird es wertlos, weil es bald alle haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2019 um 03.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41420

Der Protest der Abiturienten gegen zu schwere Aufgaben mag begründet sein oder nicht. Natürlich melden sich unzählige Leserbriefschreiber, die vermutlich keine einzige der Aufgaben lösen könnten, mit höhnischen Kommentaren über die heutige Jugend, die ihre Lektion gelernt habe (u. a. von "Fridays for Future"): auf die Straße gehen statt sich anstrengen usw.
Mich bedrückt auch hier das Übermaß an Gehässigkeit, das jede diskutierbare Kritik übersteigt.

Besonnene Menschen kritisieren, daß die Textaufgaben in der Mathematik (die schon zu meiner Zeit gefürchtet waren), oft sehr ungeschickt formuliert seien. Das ist auch meine Erfahrung und sollte Sprachwissenschaftler beschäftigen. Mathematiker glauben gar nicht, wie leicht ihre Sätze miß- oder unverständlich werden. Vielleicht sollte in der Schule auch der umgekehrte Weg geübt werden: mathematische Probleme in Textaufgaben überführen.

Die natürliche Sprache ist dafür schlecht geeignet, das ist das Problem. Vielleicht sollte man darauf verzichten, die eigentliche mathematische Aufgabe in natürlicher Sprache zu formulieren, und sich darauf beschränken, die Konstruktion der berechenbaren Formel zu beschreiben, also gewissermaßen die natürliche Sprache nur als Metasprache zu benutzen...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2019 um 08.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41417

Wie viele Vögel durch Windräder umkommen, scheint sich auch nicht annähernd feststellen zu lassen. Jedenfalls weniger als durch den Verkehr. Besonders schlimm sind die Millionen Hauskatzen, die fressen mehr Singvögel als die Italiener.

Gerade lese ich was vom billigen Atomstrom. Die Subventionen vor und nach der Nutzung werden meistens herausgerechnet, das haben wir schon besprochen. Nach einer sehr vorsichtigen Schätzung muß der Atommüll mindestens 50.000 Jahre rückholbar (!) eingelagert und bewacht werden. Verträge mit einer Laufzeit von 100 Jahren und mehr fallen mir kaum ein. Kronkolonie Hongkong... Die Staatsleistungen an die Kirchen... (Laufzeit Millionen Jahre, wenn es nach der Bundesregierung geht, die "keinen Handlungsbedarf" sieht). Aber Spaß beiseite: Wenn wir mal zurückrechnen, kommen wir auf Verpflichtungen, die die Schöpfer der frühesten Höhlenmalerei eingegangen wären. Unsere Nachfahren schwimmen auf ihren Kontinentalplatten durch die Gegend, aber die Endlagerung überwachen sie aufs genaueste.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.05.2019 um 14.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41414

(Ich meinte nicht, unterschiedlich definieren, sondern wollte sagen, unterschiedlich auslegen.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.05.2019 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41413

Amazon zu diesem Buch:
"der Glaube an Schönheit ist so dogmatisch geworden, dass er nun in Konflikt mit wissenschaftlicher Objektivität gerät"

Ich halte diese Darstellung für polemisch übertrieben, vielleicht soll sie auch einfach den Buchverkauf steigern. Natürlich weiß jeder ernstzunehmende Physiker, daß jede noch so schöne Theorie erst praktisch bewiesen werden muß.

Nicht jede Schönheit ist wahr, sondern erst kommt die Wahrheit. Jede Wahrheit ist schön, und zwar zumindest schöner, als gar keine Erklärung für einen natürlichen Vorgang zu haben. Ein häßliches Universum wäre darum für mich ein Widerspruch in sich.

Aber man kann diese Begriffe unterschiedlich definieren, vielleicht ist das Buch gar nicht so schlecht. Ich bin jedenfalls neugierig geworden und danke für den Tip.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 06.05.2019 um 05.56 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41412

Die ursprüngliche Schrödinger-Gleichung, heute unter dem Namen Klein-Gordon bekannt, war schön, schwer lösbar und beschrieb nichts damals Bekanntes. Durch Vereinfachung wurde sie extrem nützlich, aber unschön und unrelativistisch. Das empfand auch P.A.M. Dirac so und fand die nach ihm benannte Gleichung, die auch den Spin enthielt. Die darauf aufbauende Feynman-Graphen-Theorie beschreibt elektromagnetische Vorgänge mit extremer Genauigkeit. Es ist fraglich, ob sie als Störungstheorie „schön“ sein kann. Das Standard-Modell der Elementarteilchen scheint noch unschön zu sein. Aus Protest gegen die Schönheitssuche hat die Physikerin Sabine Hossenfelder das Buch „Das hässliche Universum“ geschrieben, das ich noch nicht kenne.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.05.2019 um 00.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41410

Schön, aber was ist das Naturschöne überhaupt?
Was meint man genau, wenn man eine Rose, den Sternenhimmel, das vergrößerte Facettenauge eines Insekts oder einen natürlich gewachsenen Kristall "schön" findet?

Es ist klar, daß der Schönheitsbegriff immer vom Subjekt, auf das es sich bezieht, abhängt. Daß man selbst innerhalb der Kategorie Naturschönheit keinen einheitlichen Maßstab finden kann, zeigt sich, wenn man fragt, was schöner ist, ein sonniges Alpenpanorama oder der Gesang einer Lerche. Wie soll man das vergleichen? Es geht einfach nicht!

Und genauso verhält es sich eben auch mit der Schönheit eines mathematischen Satzes. Selbstverständlich kann man den nicht mit der Sixtinischen Madonna in Dresden vergleichen. Ebensowenig kann man sagen, daß die Einsteinsche Relativitätstheorie "schöner" als als die Newtonsche Gravitationstheorie war.

Newtons Theorie wurde halt als sehr schön empfunden, bis Einstein ein Stäubchen darin fand, das alles verdarb. Die Ironie, daß die Theorien immer schöner werden, ist ganz fehl am Platz. Theorien sind einfach nur so lange schön, wie sie zutreffen, danach kann man nur noch sagen, schade, es hätte so schön sein können.

Ob die Relativitätstheorie für alle Zeit "schön" ist, wird sich zeigen. Vorläufig können wir uns an ihr freuen, da wir uns nichts anderes vorstellen können. Das Schöne an der Mathematik aber ist, daß die Sätze von Pythagoras, Thales, Fermat und viele andere niemals "unschön" werden können, sie sind absolut sicher, so sicher wie 1+1=2, was auch immer in Zukunft neu entdeckt werden wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2019 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41408

Meint man wirklich dasselbe, wenn man Theorien "schön" findet? Kant hätte das wahrscheinlich gar nicht verstanden, Schiller und Winckelmann auch nicht. Sie waren sich einig, daß es das Naturschöne und das Schöne in der Kunst gibt.
 
 

Kommentar von Sigmar-Salzburg, verfaßt am 05.05.2019 um 06.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41407

Schon die reine C-Dur-Tonleiter enthält eine unreine Quinte. In der mehrstimmigen Musik gleichen Sänger dieses pythagogoräische Komma durch ständige Anpassung aus, wie Hindemith treffend bemerkte. Die „Riemersche Vermutung“ über die Einfachheit des Schönen kann daher immer nur annähernd gelten. Selbst die Natur macht es nicht einfach. Newtons schöne Gravitationstheorie mußte durch Einsteins schönere Relativitätstheorie minimal korrigiert werden (Periheldrehung des Merkur), Diracs Theorie der Elektronen durch die Auswertung der Feymann-Graphen (magn. Moment).
 
 

Kommentar von A.B., verfaßt am 04.05.2019 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41404

Herr Ickler dürfte sein "katastrophal" zwar mit einem Seitenblick auf andere Probleme gemeint haben, vor die J. S. Bach manch einen stellt, etwa den Klavierschüler, aber die Frage, was man hier unter "wohl" bezüglich der Stimmung versteht, betrifft die Frage, wie, wo und wieviel Unordnung in einer "vollkommenen" (=schönen) Ordnung zu stecken habe, durchaus.

Es dürfte mittlerweile als sicher gelten, daß Bachs "wohltemperirt" nicht gleichschwebend oder gleichstufig ist, sondern daß die Tonarten zwar eine starke Charakteristik behalten, aber durch geschickte Verteilung der reinen oder fast reinen Terzen alle brauchbar waren. Es sind auch aus dem Bachschen Umfeld einige theoretisch-praktische Untersuchungen und Anleitungen dazu überliefert mit konkreten, rationalen Schwingungsverhältnisberechnungen, d.h. Brüche, keine Wurzeln. Man versuchte den Kompromiß mathematischer Schönheit im antiken Sinne (einfache rationale Zahlenverhältnisse) mit ästhetischer Schönheit. Die zentralen, einfachen Tonarten klingen reiner, schöner als die entlegenen. Mit "Werckmeister III" (veröffentlicht 1691) kann man den Bachschen Zyklus komplett spielen, und es klingt selbst in Fis- oder Cis-Dur wunderbar.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 04.05.2019 um 08.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41403

Als Schüler mühte ich mich verzweifelt, auf der Gitarre neben den sonst im Quartabstand gestimmten Saiten auch die einzige Terz g-h rein zu stimmen. Es ist natürlich mathematisch unmöglich – wie bei allen Instrumenten mit vorgegebenen Tonhöhen. Die barocke „mitteltönige Stimmung“ versuchte durch Reinstimmung der Terzen die zwingende grobe Unreinheit der Quinten zu übertönen. Ein Kompromiß war die Silbermannsche Stimmung u.ä. Es ist gar nicht sicher, daß mit der Bachschen Wohltemperierung durchgängig das Halbtonintervall eins zu zwölfte Wurzel aus zwei gefordert ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2019 um 03.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41401

Das katastrophale "Wohltemperierte Klavier"...

Die Relativierung des Winckelmannschen Schönheitsideals in der bildenden Kunst ist ein alter Hut, aber immer noch lehrreich. Bevor man entdeckte, wie fremd die scheinbar so vertraute Antike uns eigentlich ist, gab schon die lange als barbarisch abgetane Kunst anderer Völker zu denken.

Kitsch ist eigentlich das Schöne schlechthin, nur eben mit einer Prise schlechten Gewissens gewürzt bzw. versalzen.

Ich kann übrigens die afrikanischen Masken und Skulpturen, die in unseren Wohnzimmern und Vorgärten herumstehen, ob made in China oder nicht, nicht ausstehen; das ist wie Fengshui vom Obi. An sich okay, aber nicht hier.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.05.2019 um 23.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41399

Ich möchte gern noch einmal auf die Frage zurückkommen, was Schönheit eigentlich ist. Wäre sie exakt definierbar, könnte man einen Computer programmieren, das absolut schönste Bild zu malen. Dabei käme vielleicht eine gleichmäßig himmelblaue Fläche heraus, keine Rot-blau-Dissonanzen. Aber alle berühmten Gemälde enthalten viele Farben und Formen. Die Realität ist nicht nur absolut langweilig monoton schön. Das gleiche gilt für die Musik. Deshalb kann man in anspruchsvollen Sinfonien nicht nur einen einzigen harmonischen Gleichklang erwarten.

Man muß dabei sehr abstrakt denken. Ich bin immer noch davon überzeugt, daß Schönheit mit Einfachheit zu tun hat. Auch e hoch pi mal i gleich -1 ist ja nicht ganz trivial. Um es als schön zu empfinden und darüber staunen zu können, muß man es erst mal verstehen.

Warum empfinden wir Ordnung als schöner als Unordnung? Symmetrien sind sozusagen halb geordnet. Jede Ordnung beruht auf einer vorgegebenen Struktur, hat damit weniger Freiheitsgrade, ist eine Vereinfachung des Chaos.
 
 

Kommentar von A.B., verfaßt am 03.05.2019 um 20.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41398

Herr Virch, da schließe ich mich Ihnen an.
Ausuferndes Dauervibrato beim Singen ist übrigens eine Unart und durchaus als ein sängerisches Defizit zu verstehen, insbesondere dann, wenn es mit Tonhöhenverunklarung einhergeht, was ja gar nicht sein muß.
Und in der Tat, Herr Ickler, gibt es Menschen, die die gleichschwebende Temperatur bzw. gleichschwebend gestimmte Intervalle als unrein empfinden. Wenn man sich etwa – wie ich – an die in historischer Aufführungspraxis angestrebten reinen großen Terzen gewöhnt hat, gewinnen die viel zu weiten großen Terzen der gleichschwebenden Stimmung mit der Zeit etwas Ordinäres. Aber das alles ist wohl wirklich Gewöhnungssache!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2019 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41396

Genau mein Eindruck, ich denke auch, daß es etwas anderes ist, von der Funktion her sowieso.
Da ich leider selbst nicht singe (psychisches Handicap), weiß ich auch nicht, wie man eigentlich ein Vibrato erzeugt. Der Naturbursche Elvis zum Beispiel hatte von Anfang an ein Vibrato, ohne Ausbildung. Aber eine Ausbildung zum Opernsänger hätte auch wieder nicht zu ihm gepaßt, so sehr er Mario Lanza bewunderte.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.05.2019 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41395

Ganz sicher gibt es Menschen, die unseren Vibratogesang als Jaulen empfinden. Ich gehöre zu ihnen, wenn, namentlich bei Sopranistinnen, vor lauter diffusem Vibrato kaum mehr zu erraten ist, welcher Ton gerade gemeint ist. Daran besteht bei Bhimsen Joshi nie ein Zweifel; er intoniert präzise. Ich würde bei ihm auch nicht von Vibrato sprechen, eher von sehr schnellen Koloraturbewegungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2019 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41392

Vielen Dank für Korrektur und ausführliche Darlegung! Das mit "leiterfremd" war natürlich ein gedankenloses Versehen, nachdem ich selbst kurz zuvor gerade auf dem (digitalen) Klavier herumexperimentiert hatte.
Ob es Menschen gibt, die unsere temperierte Stimmung als unrein hören?
Als Laie habe ich mich erst an das Nonvibrato etwa der indischen Musik gewöhnen müssen. Vibrato gibt es dort auch, aber es hat eine andere Bedeutung als bei uns.
Ich habe mehrmals den berühmten Bhimsen Joshi singen hören und mir dabei gedacht, daß die Inder unseren Vibratogesang als furchtbares Jaulen erleben müssen, aber ich hatte keine Gelegenheit, mit ihnen darüber zu sprechen.
Die plagale Musik wird durch den Hintergrundton strikt auf Linie gehalten, während zum Beispiel der Laienchor, in dem meine Frau singt, jeden Augenblick vor dem Absacken bewahrt werden muß. Wie kommt das eigentlich?
 
 

Kommentar von A.B., verfaßt am 02.05.2019 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41390

In der sog. Oberton- oder Naturtonreihe gelten die ersten fünf zwischen je zwei benachbarten Tönen entstehenden Intervalle Oktave, Quinte, Quarte, große Terz, kleine Terz (und auch deren Umkehrungen, also auch kleine und große Sexte) gemeinhin als konsonant, die weiteren oberhalb als dissonant. Also alles, was zum 6. Ton aus je zwei Tönen zu bilden ist, mitsamt den entsprechenden Schwingungsverhältnissen 1:2 (Oktave), 2:3 (Quinte) usw., empfinden wir "im Abendland" als konsonant mit zunehmendem sinnlichen Reiz (von der verschmelzenden, "langweiligen" Oktave bis hin zu süffigen Terzen und Sexten, die in mittelalterlicher Harmonielehre noch als dissonant galten). Alles oberhalb, das nicht mathematisch (wie etwa 12:8 = 3:2) auf einfache Verhältnisse gekürzt werden kann, empfinden wir als dissonant.

Der 7. Naturton ist dann tatsächlich "leiterfremd", kann also weder in der diatonischen, noch in der chromatischen Skala notiert werden (er liegt so zwischen a und b vom Grundton C aus); für alle weiteren mit Primzahlnummer verhält es sich ähnlich, aber wegen der Temperaturproblematik (12 reine Quinten sind merklich größer als 7 reine Oktaven, denn (3:2)12 = 129,746... und (2:1)7 = 128 → Pythagoreisches Komma mit dem Schwingungsverhältnis 1,512:27 = 1,0136...:1) kann man ohnehin die Naturtonreihe nicht eins zu eins mit einer "reinen" Stimmung gleichsetzen. Die Sache wird dann kompliziert.

Jedenfalls braucht es in konventioneller Musik harmonische Spannung durch Dissonanzen, die sich in Musik regelhaft in Konsonanzen auflösen, damit es nicht als langweilig oder kitschig ("tränenselige Terzgirlanden") empfunden wird. Nur entstehen diese Dissonanzen auch bereits durch "leitereigene" Töne, d.h. dem diatonischen Tonvorrat der jeweiligen Tonart, leiterfremde Töne (z.B. alle Töne mit Vorzeichen in C-Dur) bewirken dann in konventioneller Auffassung bereits eine Verschiebung des tonalen Zentrums (Modulation in eine andere Tonart), sind aber gleichwohl spannungsgeladen bzw. können als "Reibung" beschrieben werden.
Im Jazz ist das System aufgeweicht, blue notes sind nicht immer leitereigen; in atonaler Musik wird dieses System vollkommen aufgegeben. Hindemiths Tonlehre rettet es wieder, indem es den Grad der Reibung in Akkorden zum konstruktiven Maß macht...
 
 

Kommentar von Timo Pähler, verfaßt am 02.05.2019 um 14.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41388

Leiterfremde Töne sind nicht (speziell) zur Reibung da, lieber Herr Ickler; Sie meinen einfach Spannungstöne / Intervalle mit komplizierterem Frequenzverhältnis (also ändert sich für Ihr Argument nichts).

Für Reibungen sind leitereigene Töne (2, 6, 7) sogar beliebter. Im klassischen Jazz verbindet man mit exotischeren Reibungen wie #9 gegen 3, #11 gegen 5 denn auch gleich eine andere Skala wie die alterierte oder Halbton-Ganzton.

Aus leiterfremden Tönen ergibt sich eine andere Spannung, gewissermaßen eine diachrone.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.05.2019 um 13.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41387

Natürlich soll es sich manchmal reiben und nicht langweilig werden, dann nutzt man eben z. B. auch Disharmonien. Aber ich denke, das ändert nichts am Grundprinzip, daß Tonharmonie immer auf einfachen Frequenzverhältnissen beruht.

Auch die oft als schön empfundene Symmetrie bedeutet letztlich eine Vereinfachung durch die Halbierung der Anzahl freier Koordinaten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2019 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41384

In der Musiktheorie hat besonders Helmholtz diese Lehre entwickelt (http://psychologie.biphaps.uni-leipzig.de/wundt/opera/helmhltz/toene/TonEmpIn.htm)

Vielleicht muß man sich hier an die Volksmusik halten, denn die professionelle hat sich ja erstaunlich schnell entwickelt und "klassische" Maßstäbe schnell über Bord geworfen.

Die Harmonie- und Symmetrieseligkeit wird leicht als Kitsch empfunden, aber selbst dies (das "allzu Schöne") ist wohl eine zeitgebundene Kategorie. Interessant finde ich, daß schon die Wahrnehmung sich nicht mit der augenblicklichen Orientiertheit begnügt, sondern, wie beim Neckerschen Würfel, alsbald und unaufhaltbar nach Neuem sucht. Mischen wir nicht leiterfremde Töne bei, damit es sich reibt? Dazu Synkopen...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.05.2019 um 02.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41382

zur Schönheit in den Wissenschaften, #41376

In dem FAS-Artikel wird der Schönheitsbegriff zuerst allgemein verwendet:
- In den tiefsten Strukturen ist das Weltall schön
- weil das Weltall für das geistige Auge schön ist, ...
- Schon für sich allein ist jedes dieser Gebilde [Platonische Körper] mathematisch schön,
dann eher individuell:
- Keplers Schönheitssinn
- über den Schönheitssinn von Physikern,
und schließlich wieder
- unser Schönheitssinn.
Da Schönheit keine Garantie bietet aber doch auffällig oft beteiligt ist, wird sie schließlich mystifiziert, ihr Rätsel sei bis auf weiteres ungelöst.

Für mich ist das gar nicht mystisch. Wie sollte man Schönheit klarer fassen, sie ist nun mal subjektiv und nicht exakt definierbar. Aber etwas läßt sich ganz allgemein sagen: Schönheit hat immer etwas mit Einfachheit zu tun und mit dem menschlichen Staunen darüber, wie man anscheinend komplizierte Sachverhalte manchmal mathematisch sehr einfach beschreiben kann. Die Einfachheit ist allerdings relativ.

Das Zusammengehen von Einfachem und Schönem wird besonders in der Musik deutlich. Manche Klänge werden von uns allen als sehr harmonisch empfunden. Und da stellt sich heraus, daß die am besten miteinander harmonierenden Töne immer ganzzahlige Frequenzverhältnisse (Oktave 2:1) bilden. Auch rationale Verhältnisse klingen noch gut, wenn sie klein sind (Quinte 3:2).

Beim Goldenen Schnitt, der für Harmonie in der Archtektur sorgt, kommt die irrationale Wurzel aus 5 ins Spiel, zwar kein rationales Verhältnis mehr, wie man erst einmal irritiert feststellt, aber es läßt sich wenigstens noch mit algebraischen Ausdrücken (Grundrechenarten, Potenzen und Wurzeln) darstellen.

Um das kontinuierliche Wachstum von Lebewesen zu beschreiben, braucht man schon die transzendente Eulersche Zahl e. Der auf ihr basierende Logarithmus wird wegen dieser Anwendung auch der natürliche genannt. Und die transzendente Zahl pi entspricht genau dem Verhältnis von Kreisumfang zum Durchmesser. Wie man sieht, wird es Schritt für Schritt komplizierter. Schließlich werden sogar imaginäre Zahlen gebraucht, um auch noch Wurzeln aus negativen Zahlen ziehen zu können, z. B. bedeutet i die Wurzel aus -1.

Sind Mathematiker nicht ziemliche Witzbolde? Sie denken sich abwegige Namen wie negative, irrationale, transzendente, imaginäre Zahlen aus, und dennoch gibt es für all diese ganz reale Anwendungen, keine dieser Zahlen hat in der Natur etwas Negatives, Irrationales, Transzendentes, Imaginäres!

Als es dann kaum noch verrückter geht, stellt plötzlich jemand fest, daß diese drei grundverschieden begründeten Zahlen als (e hoch pi mal i) wieder zur einfachen ganzen Zahl -1 verschmelzen. Das ist doch der Gipfel der Einfachheit, so etwas muß man einfach bestaunen und darüber beglückt sein und es als schön empfinden! Es gibt viele ähnliche Beispiele.

Aber das Staunen kommt immer nach dem Beweis. Nirgends in den Wissenschaften gilt Wunschdenken, es gilt weder der Satz "Das ist so schön, es muß einfach stimmen" noch "Das wäre zu schön, um wahr zu sein".
Schönheit kann wegweisend, aber auch irreführend sein. Wirkliche Schönheit entfaltet sich erst nach der Gewißheit.

Nur eins halte ich für sicher: Das Häßliche ist immer falsch!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2019 um 08.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41381

Man beklagt Umweltschäden wg. 500 Mill. Retoursendungen im Internethandel („238.000 Tonnen CO2 im vergangenen Jahr“). Unerwähnt bleibt, daß die Kunden sonst einzeln zu den Geschäften fahren und die Waren aussuchen, in vielen Fällen auch ein zweites Mal zum Umtauschen. Die meisten Retouren werden vom selben Paketboten wieder mitgenommen, der die Lieferungen zustellt. Auf diesem Abschnitt fällt also kaum zusätzliches Abgas an. Soweit ich es überblicke, ist der Internethandel trotz Retouren immer noch umweltfreundlicher als der stationäre Einzelhandel. Das gilt besonders auf dem Lande, wo die Auslieferung von 100 Paketen fast ebenso viele Fahrten in die nächste Stadt ersetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2019 um 06.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41376

Der Wissenschaftshistoriker Olaf L. Müller versucht in der FAS (28.4.19, Auszug aus einem neuen Buch) nachzuweisen, daß ästhetische Betrachtungen für Kopernikus, Kepler, Galilei, Newton eine wichtige Rolle bei der Entwicklung ihrer Modelle spielten (Planetenbahnen, Theorie des Lichts). Der Begriff der „Schönheit“ bleibt aber unklar, in Wirklichkeit geht es um verschiedene Dinge: Symmetriebetrachtungen, Anwendbarkeit der Mathematik auf die Natur (Pythagoras), Idealisierung der empirischen Daten. Die Polemik gegen Sabine Hossenfelder (die sich voriges Jahr an gleicher Stelle geäußert hatte (https://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-mehr/krise-in-naturwissenschaft-verfuehrte-physiker-15667988.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0:)), geht daher ins Leere. (Ich habe Hossenfelders Buch noch nicht gelesen.)
Die Beobachtungsdaten etwa zur Bestimmung der Marsbahn ergeben naturgemäß eine zackige, nur ungefähr elliptische (oder kreisförmige, wie man früher meinte) Bahn, die für die weitere Berechnung geglättet, also um die Meßfehler bereinigt werden muß. Daß der Mars in Wirklichkeit keine solchen Zitterbewegungen ausführt, wird nicht aus ästhetischen Gründen angenommen, sondern aus physikalischen.
Die winzige Abweichung der Wanderung des Perihels der Merkurbahn vom berechneten Wert war im 19. Jahrhundert beobachtet worden und widerstand jeder Erklärung. Einstein konnte vor Aufregung nicht schlafen, als er mit seiner Allgemeinen Relativitätstheorie diese Abweichung genau berechnen konnte. Das hatte aber mit Schönheit nichts zu tun.
(Die Beispiele sind von mir.)
Die antiken Philosophen haben sich eingehend mit dem Gegensatz zwischen den reinen Größen der Mathematik und deren unreinen Manifestationen in der sinnlich erfahrbaren Wirklichkeit beschäftigt. Eine Lösung war die platonische, also die Ansetzung einer zweiten, „noumenalen“ Wirklichkeit („Ideen“). Aristoteles nahm dagegen an, daß die Formen in den Dingen seien. Mathematiker streiten bis heute, aber das berührt ihre eigentlich mathematische Arbeit nicht; sie veröffentlichen denn auch in denselben Zeitschriften.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2019 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41356

Zum http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41346

Es ist gar nicht so einfach, das Durchschnittsalter der Regierungen herauszufinden. Im Kabinett Trump liegt es anscheinend bei 62.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2019 um 08.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41347

„Damit klafft auch global gesehen eine riesige Lücke im natürlichen Kohlenstoffkreislauf, die in den aktuellen Klimamodellen nicht berücksichtigt wird.“ (FAZ 23.4.19)

Es geht darum, daß durch Subduktion der Kontinentalplatten viel weniger Kohlenstoff in den Erdmantel gerät, als die Vulkane dann wieder ausstoßen.

Man findet immer wieder solche nicht berücksichtigten, keineswegs geringfügigen Faktoren, die durchaus zur Skepsis gegen Klimamodelle berechtigen, auch wenn man den menschengemachten Wandel nicht in Frage stellt.

Die Vulkane sollen übrigens 250 Mill. Tonnen CO2 jährlich ausstoßen, ein Sechzigstel dessen, was wir durch die Verbrennung fossiler Energieträger emittieren. Größte einzelne Quelle ist der Ätna (6 Mill. t).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2019 um 07.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41346

Das Durchschnittsalter der Bundesregierung liegt etwas tiefer (als das der Parteimitglieder): bei 51 Jahren, was aber immer noch rund sieben Jahre mehr als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung sind.

Zieht man die Minderjährigen ab, die nicht Minister werden können, kommt man zu sinnvolleren Zahlen, braucht dann aber auch keinen Artikel darüber zu schreiben. Das Kabinett liegt ziemlich richtig, was das Alter betrifft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2019 um 05.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41298

Manche bestreiten zwar nicht, daß der Mensch der Hauptverursacher des Klimawandels ist, wohl aber, daß er etwas dagegen tun könne. Das ist unlogisch.

"Zum Beispiel halten Soentgen und Bilandzic fest, dass die von ihnen untersuchten ´Klimaskeptiker´ üblicherweise nicht unentschieden seien, sondern vielmehr Dogmatiker, die sich längst eine Meinung gebildet hätten und entschlossen seien, für diese zu kämpfen." https://de.wikipedia.org/wiki/Leugnung_der_menschengemachten_globalen_Erw%C3%A4rmung Das ist auch meine Erfahrung. Für die Argumente des genannten Wikipedia-Eintrags sind diese Leute nicht erreichbar. Ich selbst habe hier mindestens ein Dutzend Einwände gegen die Klimaforscher vorgebracht, was aber meine Überzeugung von der Richtigkeit ihres Hauptbefundes nicht erschüttert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2019 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41297

Sogar Andreas Mihm gibt in der FAZ einen ausgewogenen, insgesamt zuversichtlichen Bericht über den Ausbau der Offshore-Windkraftanlagen. - Am nächsten Tag kommentiert er etwas säuerlich und stellt zutreffend fest: „Die meisten Leute würden aber lieber alles lassen, wie es ist.“ (17.4.19)

Die ablehnende Haltung der FAZ gegen die Energiewende wurde milder, seit die Zeitung entdeckte, daß sich mit grünen Investitionen Geld verdienen läßt.


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2019 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41286

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41274

Die FAZ (Roland Lindner, 17.4.19) scheint dem „Klassenkämpfer Bernie Sanders“ übelzunehmen, daß er nicht am Hungertuch nagt wie alle anständigen Linken. (Als „selbsternannten Sozialisten“ hat er ihn auch schon mal bezeichnet.) Sanders hat nichts gegen Millionäre, er verlangt nur, daß sie ihre Steuern zahlen (wie er selbst: 145.000 Dollar im letzten Jahr). Er hat früher wenig besessen, aber jetzt verdient er vor allem mit seinen Büchern viel Geld, seine Frau ist auch tüchtig. Aber die FAZ stellt ihn in einem ganz ungewöhnlich tendenziösen Artikel als Heuchler hin.

Auf einem anderen Blatt steht, wie gut es bei den Landsleuten ankommt, wenn die Demokraten reihenweise ihre Steuerklärungen veröffentlichen, um Trump unter Zugzwang zu setzen, dessen Steuertricks vielleicht vielen besser gefallen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2019 um 16.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41285

Deutsche trinken literweise Alkohol (n-tv)
Deutsche trinken 131 Liter Alkohol im Jahr (t-online)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2019 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41280

Die Sinuskurve, die ich dem Veränderlichen zuordne, ist eher ein Film.

Im Grunde wissen wir ja, was wir meinen, und diskutieren über den Sprachgebrauch (was auch wichtig ist).

Ich wollte sagen: Die bekannten "künstlerischen Darstellungen" etwa in "Sterne & Weltraum" (wo sie immer wieder mal diskutiert werden) veranschaulichen etwas Nichtanschauliches oder bisher nicht Beobachtbares. Anstelle der Phantasie des Zeichners (der den Angaben der Wissenschaftler folgt) wird die visuelle Darstellung des schwarzen Lochs nach bestimmten Algorithmen errechnet. Es ist also eine Art Umrechnung oder Verschiebung der Werte in den sichtbaren Bereich. (Ich weiß im Augenblick den Umrechnungsfaktor nicht.)

Eine ähnliche Manipulation findet aber auch sonst statt. Schwarzweißfotografie ist ein Beispiel. Mein Hinweis auf Machs Zeichnung und unsere Diskussion dazu sollte zeigen, daß mit der flächigen Abbildung immer ein unaufhebbarer Unterschied zum Sehen verbunden ist. Das Auge bildet nicht flächig ab (das wäre allenfalls das erste, ziemlich schlechte Netzhautbild), sondern verarbeitet Daten unter dem Einfluß von Evolution und Lernen, so daß Verhalten möglich wird. Insofern gibt es keine realistische Fotografie schlechthin, sondern immer nur apparatbedingte Abstraktionen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.04.2019 um 21.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41278

Wieso? Ich verschärfe doch den "Foto"-Begriff nicht, im Gegenteil, ich verteidige ihn!
Wenn man die hier besprochene Abbildung des Schwarzen Lochs nicht Foto nennen dürfte, wie bei welt.de, dann wäre es eine solche übertriebene Verschärfung.

Eine Sinuskurve ist natürlich kein Foto. Unter einem Foto versteht man wohl (siehe z.B. Wikipedia) eine analoge Darstellung der natürlichen Lichtverhältnisse auf einer ebenen Fläche. Manchmal wird nur die Lichtintensität wiedergeben (Schwarz-weiß-Foto), manchmal auch die Frequenz (Farbfoto), und manchmal wird das Licht als Strahlung noch ein wenig verallgemeinert. Eine Röntgenaufnahme wird auch eher Foto als Visualisierung genannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2019 um 14.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41274

Senator Bernie Sanders veröffentlicht seine Steuererklärung und „enttarnt sich als Millionär“ (ZEIT). – Davon gibt es in den USA fast 20 Millionen, in Deutschland mehr als 2 Millionen. Viel zu enttarnen ist da nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2019 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41268

Sehr anregende Überlegung. Sie führt allerdings zu einer solchen Verschärfung des "Foto"-Begriffs, daß es streng genommen überhaupt keine Fotos mehr gibt. Kann man den Mond fotografieren? Das hängt von der Brennweite des willkürlich ausgewählten Objektivs ab. (Wir haben schon über die Mondillusion und ähnliche Erscheinungen gesprochen.) Irgendeine Belichtungszeit muß ich wählen, das ist also auch willkürlich.

Ich könnte mir eine technische Einrichtung vorstellen, die aus der Leuchtkraft eines veränderlichen Sterns unmittelbar eine Sinuskurve macht. Das wäre dann auch ein Foto...

Ich habe die Jupitermonde gesehen – durch mein Fernrohr.
Ich sehe jetzt diesen Text – durch meine Brille.

Kann man das "Sehen" nennen?

Dazu: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1541
http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1541#37730
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2019 um 18.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41266

Meiner Ansicht nach vermittelt der Ausdruck Foto ein wesentlich besseres Verständnis des wirklichen Sachverhalts als Visualisierung.

Eine Visualisierung kann alles mögliche sein, z. B. die Darstellung der Parteienverhältnisse im Parlament als buntes Kreisdiagramm. Bei der Abbildung des Schwarzen Lochs wurden aber wie bei einem Foto die Lichtverhältnisse analog zur Wirklichkeit auf dem Untergrund abgespeichert. Daß dabei die Frequenz, also letztlich nur die Farben, im kontinuierlichen Strahlungsspektrum in den sichtbaren Bereich hinein verschoben wurden, ist hier unwesentlich und vernachlässigbar.

Sonst dürften so manche der üblichen Überbelichtungen von Polarlichtern, Unterwasserfotos und nächtliche Tierfotos mit Infrarotkameras usw. oder viele Aufnahmen mit künstlerischen Verfremdungen auch nicht Foto heißen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2019 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41262

Nachtrag:

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version des Textes wurde die Aufnahme des Schwarzen Lochs als Foto bezeichnet. Dies ist nicht richtig, es handelt sich eine aus Daten berechnete Visualisierung. Wir haben den Text entsprechend geändert. (welt.de)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2019 um 10.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41261

Der Wahlausgang fiel äußerst knapp aus.
(DLF-Nachrichten, 15.4.19, 8.00 Uhr)

Warum nicht gleich richtig doppelt:
Der Wahlausgang ging äußerst knapp aus?

Besser wäre es so:
Die Wahl fiel/ging äußerst knapp aus
Der Wahlausgang war äußerst knapp
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2019 um 12.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41249

Ich verstehe Ihr Unbehagen, aber mir geht es gerade umgekehrt. Ihre Lösung habe ich auch manchmal genutzt, aber ich empfinde das Pedantische, sozusagen Schulgrammatische daran.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 13.04.2019 um 10.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41248

Auch "die Rekonstruktion eines … Urzustände“ schreibe ich nur ungern. Etwas leichter geht mir die „Rekonstruktion eines Urzustandes oder mehrerer“ von der Hand.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2019 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41247

Auch die Rekonstruktion einer oder mehrere Urzustände wird zumeist skeptisch gesehen oder gilt als hoch spekulativ. (https://de.wikipedia.org/wiki/Soziokulturelle_Evolution)

(statt eines oder mehrerer)

Selbst solche groben Schnitzer werden kaum bemerkt. Es erinnert an Lessings nicht ohne Mißfallen, das erst nach hundert Jahren jemandem auffiel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2019 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41246

Vegetarier und Veganer haben "bessere Blutwerte". Das haben "Forschende" der Loma Linda University herausgefunden, einer Einrichtung der Siebenten-Tags-Adventisten, zu deren Glaubensbekenntnis der Vegetarismus zählt (das wird freilich hierzulande nicht mitgeteilt). Wie weit die Religionsgesellschaft noch an einschlägigen Lebensmittelfirmen beteiligt ist, überblicke ich nicht ganz. Jedenfalls sind die Autoren bei heilpraxisnet.de mehr am Gendern als an Recherche interessiert. Das meiste ist einseitig bis sinnlos, aber bestimmt nicht ungefährlich, weil viele Menschen auf gesundheitsbezogene Nachrichten hereinfallen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.04.2019 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41237

Wie der Name des Projekts sagt, geht es um den sog. Ereignishorizont oder hier Schwarzschild-Radius. Davon vermittelt der betreffende Wikipedia-Eintrag eine ungefähre Vorstellung, auch wenn Laien wie ich die Einzelheiten nicht nachvollziehen können.

Wenn ich es recht sehe, sind die jetzt veröffentlichten Ergebnisse zwar eine große technische Leistung (wie kürzlich die Messung der Gravitationswellen), aber keine Sensation im Sinne einer Überraschung. Es gibt gerade in der Astronomie fast täglich neue Erkenntnisse, die aber nicht so anschaulich aufbereitet werden können. Trotzdem ist es gut, die Öffentlichkeit immer wieder mal mit diesen Dingen zu unterhalten, auch wenn einige Banausen nicht davon zu überzeugen sind, daß ihr Steuergeld darin gut angelegt ist.
Wir zitieren gern den guten alten Philosophen: Der Mensch strebt von Natur nach Wissen usw., aber er strebt auch nach Fußballgucken und anderen Unterhaltungen, und man kann jeden Euro nur einmal ausgeben. Darum versteht es sich nicht von selbst, daß es doch immer noch möglich ist, so viel Geld in die astronomische Forschung zu lenken, die wohl noch nie den geringsten Nutzen gebracht hat und am Ende nichts weiter als künstlich kolorierte rote Ringe vorzeigen kann... Nur gut, daß diese Mittelvergabe nicht schön demokratisch zum Gegenstand eines Volksentscheids gemacht wird!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.04.2019 um 22.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41236

Ein Schwarzes Loch ist einerseits ziemlich das Gegenteil eines der üblichen Löcher, z. B. im Strumpf oder im Käse. Während letztere aus nichts bestehen und sich nur über ihre Umgebung definieren, ist das Eigentliche des ersteren tatsächlich sein Inhalt.

Trotzdem haben beide Arten von Löchern andererseits auch etwas Gemeinsames: Sehen (und sei es mit technischer Hilfe) kann man in jedem Fall nur ihre äußere Umgebung, nicht das eigentliche Loch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2019 um 18.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41235

Die erste Fotografie eines Schwarzen Lochs wird als große Sensation verbreitet, und es ist ja auch erfreulich, daß die weltweit verbundenen Radioteleskope diese Daten gewinnen konnten. Wie üblich, wird auch gleich wieder behauptet, es gehe darum, Einstein zu beweisen oder zu widerlegen. Das ist sicher stark übertrieben. Sprachlich interessant:

Es geht um nichts Geringeres als die Überprüfung von Einsteins Relativitätstheorie: Wissenschaftler wollen zum ersten Mal ein Schwarzes Loch sichtbar machen. (...) Dabei geht es um nichts weniger als eine Überprüfung der Allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins. (welt.de 10.4.19)

Hier sieht man die Grundform nichts Geringeres und die kontaminierte nichts weniger als nebeneinander.

Zurück zum vermeintlichen Foto des Schwarzen Lochs: Da die Daten im radioastronomischen Bereich des Spektrums gewonnen wurden, mußte erst eine Umrechnung in visuell darstellbare Werte vorgenommen werden. Das Bild ist also keine Fotografie, es zeigt nicht nur Falschfarben, sondern bestenfalls eine analoge Darstellung der wirklichen Verhältnisse. Wenige Berichte stellen das klar:
„Allerdings beobachtet der Teleskopverbund kein sichtbares Licht, sondern Radiostrahlung mit Wellenlängen von etwas mehr als einem Millimeter. Die eingefangenen Strahlen werden im Bild rot dargestellt, damit das menschliche Auge sie wahrnehmen kann.“

Gleichwohl kommentiert einer: "Es ist wunderschön."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2019 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41228

Überraschung: Meghan ist Harrys Kusine 17. Grades

Usw. – Sie ist auch mit neun amerikanischen Präsidenten verwandt. Nicht erwähnt sind die Galgenvögel, mit denen sie und ihr Prinz ebenfalls verwandt sind. Ahnenschwund eben. (https://de.wikipedia.org/wiki/Ahnenverlust) Ich bin sicher mit Trump viel enger verwandt als im 17. Grad.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2019 um 04.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41227

Bei der hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41074 erwähnten Studie handelt es sich übrigens um eine epidemiologische Untersuchung über Schaden und Nutzen von mäßigem Alkoholkonsum. Der Originalbeitrag in "Lancet" ist voller Einschränkungen, auch wird die bekannte Alkoholintoleranz der "chinesischen Teilnehmenden" berücksichtigt. Die vereinfachten Schlußfolgerungen in unseren Medien sind eigentlich kaum gerechtfertigt, aber man hat wieder mal was zu melden.
Gemeinsam ist allen solchen Beiträgen die sensationelle Höhe der Prozentzahlen, um die angeblich ein Risiko erhöht oder vermindert werden soll. Die Mathematik dahinter wird in Büchern wie Goldacres "Bad Science" klargestellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.04.2019 um 07.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41211

In der FAS, wird vorgerechnet, daß die Produktpiraterie Deutschland 54,5 Mrd. Euro und 500.000 Arbeitsplätze kostet. Wie üblich wird vorausgesetzt, daß die Leute das Original kaufen würden, wenn es das Plagiat nicht gäbe. Wie kann man sich so dumm stellen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2019 um 06.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41205

„Our country is full.“ (Trump)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2019 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41202

Die spirituelle Bedeutung der Flügel haben schon Kirchenväter erläutert. Es bleiben aber ikonographische Fragen: Warum haben die Engel, die doch morphologisch zu den Säugetieren gehören, ausgerechnet Federn und nicht Flugmembranen wie Fledertiere? Über die Ikonographie der Engel erfährt man zwar, wann sie mit Flügeln ausgestattet wurden, aber nichts über die Herkunft der Federn. Vielleicht hat das unheimliche nächtliche Wesen eine Angleichung der Götterboten an die Fledermäuse verhindert. (Bei dieser Gelegenheit erfahre ich, daß blutsaugende Gattungen nur in der Neuen Welt vorkommen und daß die Fledertiere nächst den Nagetieren die artenreichste Säugetierfamilie sind.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.04.2019 um 11.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41196

Dann stelle ich mir eben eine solche Welt (Physik gilt nicht) vor, in der es Sprache und "Vorstellungen" gibt. Ich bin Teil dieser Welt. Genau so verstehen sich ja Religionen.

Auch fromme Gemüter nehmen es heutzutage mit den bildlichen Darstellungen nicht mehr so genau. Die Flügel symbolisieren nur, daß der Engel "fliegen", also überall sein kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2019 um 09.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41195

Stell dir eine Welt vor, in der die Gesetze der Physik nicht gelten und darum auch Engel mit riesigen Schwingen wie auf den Gemälden möglich wären!
Aber in einer solchen Welt sind möglicherweise weder Sprache noch „Vorstellungen“ (ein sprachliches Konstrukt!) möglich. Ich müßte also den Vorbehalt machen, daß ich selbst, der ich mir das vorstellen soll, nicht Teil dieser vorgestellten Welt wäre. Es wäre eine von mir abgesonderte Welt der Träume oder der Animationsfilme (oder der Mythen). Das sind aber gerade keine „möglichen Welten“.
(Die "Bedingung der Möglichkeit", darüber zu sprechen, wäre selbst aufgehoben, darum kann man diese sprachkritische Beweisführung "transzendental" im Sinne Kants nennen.)

Fromme Gemüter empfinden es wohl nicht so, aber der ornithologisch informierte Blick kann in den üblichen Engelsdarstellungen nur groteske Mißbildungen (Polymelie) sehen. Man kann es sich an den vielarmigen indischen Göttern klar machen. In beiden Fällen nehmen es die Maler und Bildhauer nicht so genau und schweigen sich über Aufhängung und bewegende Muskulatur weitgehend aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2019 um 07.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41192

Jedes Kind kann ein Möbiusband herstellen, aber für Mathematiker ist es eine harte Nuß, und erst in jüngster Zeit wurden noch Gleichungen gefunden, die bestimmte Eigenschaften erfassen.

Was aus einem Möbiusband wird, wenn ich es längs aufschneide, kann ich mir vorab nur schwer vorstellen, das Ergebnis überrascht daher fast jeden.

Man könnte meinen, das Möbiusband gehöre zu den paradoxen Gegenständen wie eine von Escher gezeichnete unmögliche Treppe, auf der Menschen immerzu abwärts gehen und dann wieder oben ankommen. Aber das stimmt natürlich nicht. Das Band ist ja nicht unmöglich, sondern ganz real, und die Verblüffung beruht nicht auf einem Trick (einem Fehler, genau genommen), sondern auf einer eigentümlichen Unübersichtlichkeit, einer Schwäche unseres Wahrnehmungsapparates.

Der Fehler in Eschers Treppen wird als logischer Fehler erkennbar, wenn ich sprachlich formuliere: Die Menschen steigen abwärts und zugleich aufwärts. Das verstößt gegen den Satz vom Widerspruch (meist erörtert am Beispiel: Eine Fläche kann nicht zugleich rot und grün sein.) Das braucht man nicht empirisch nachzuprüfen, es ist a priori wahr.

Wie steht es mit Engel-Darstellungen, bei denen irgendwo am Rücken hinter den Armen noch mächtige und scheinbar tragfähige Schwanenschwingen zu wachsen scheinen? Sie sind physikalisch-anatomisch unmöglich. Aber ist das eine bloß empirische, kontingente Tatsache? Oder scheint das nur so, weil unsere Einsicht mangelhaft ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2019 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41175

Magier wissen, daß ein Publikum um so leichter zu täuschen ist, je höher sein IQ ist. Der berühmte Zauberer uund Aufklärer James Randi bestätigt es. Akademiker, Nobelpreisträger sind perfekt. Sie achten gespannt auf diejenigen Schlüsselreize, die der Zauberer ihnen zwecks Ablenkung serviert.

Niemand verteidigt seine Vorurteile (Schwarze sind dümmer, Deutschland schafft sich ab usw.) aufwendiger und hartnäckiger als die Gebildeten. Sie sind die perfekten Opfer der "Merchants of doubt" und halten sich selbst für besonders kritisch ("Skeptiker"). Ihr Wissen und ihr Scharfsinn schaffen immer neue Argumente heran, und rhetorisch sind sie ohnehin überlegen.

Michael Shermer ("Why people believe weird things") zeigt es u. a. am Physiker Tipler, den nichts von seinen Teilhardschen Schnapsideen abbringen konnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2019 um 10.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41172

Nach Frank Sulloway neigen Erstgeborene dreimal so häufig zu konservativen, neuerungskritischen Einstellungen wie Spätergeborene. Es soll damit zusammenhängen, daß Eltern sich intensiv um ihren Erstling kümmern und den Zweiten sich selbst überlassen. Auch mit Geschwisterkonkurrenz. Ich bin natürlich zweitgeboren. Ausnahmen wie Newton oder Einstein bestätigen die Regel.

Meine Frau, erstes von vier Kindern, nimmt es mißmutig zur Kenntnis, weil sie doch immer so rebellisch war. Ich tröste sie mit ihrer revolutionären Tat, mich zu heiraten.

Man hat oft untersucht, welchen Einfluß die Geschwisterfolge auf den Spracherwerb hat, mit unklaren Ergebnissen. Mal sollen die Späteren davon profitieren, daß sie die Gespräche zwischen den Älteren und den Eltern mithören (Gebrauch der Pronomina beschleunigt?) oder sich sprachlich (wie sonst?) gegen die Älteren durchsetzen müssen; andererseits sollen sie retardiert sein, weil die Älteren das ganze Reden für die Kinder übernehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2019 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41166

Mundartsprechen macht klug. Im bundesweiten Vergleich der Schülerleistungen liegen Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg regelmäßig ganz vorne, erklärt er und: "Hier wird am meisten Dialekt gesprochen."

Darum soll an den Schulen wieder mehr Dialekt gesprochen werden, "ohne die Hochsprache zu vernachlässigen".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2019 um 06.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41155

Die Fähigkeit, Aussagen mit statistisch geschultem Blick zu prüfen, sollte in der ganzen Schulzeit auf jedem Niveau geübt werden. Statistik ist oft verblüffend, immer ernüchternd. Auch die politische Verführbarkeit der Menschen, die ja eine der größten Gefahren für das Gemeinwesen ist, beruht wenigstens teilweise auf dem mathematischen Analphabetismus.

Wir haben eine überwältigend starke Neigung, uns hier zu verrechnen. Michael Shermer zum Beispiel erzählt, was er in diversen Sitzungen erlebt hat. Der schnelle Schluß „Das kann doch kein Zufall sein!“ wäre nicht möglich, wenn man sich von der Grundschule an mit der Glockenkurve (Gaußsche Normalverteilung) vertraut machte. Sie sollte zum Alltagsbewußtsein gehören wie das Wetter oder der Benzinpreis. Dazu ist auch nicht viel Mathematik nötig. Schon Grundschüler können es mit Würfelspielen und varietétypischen Kunststückchen verinnerlichen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2019 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41126

Zu den Standardargumenten der Okkultisten gehört, daß auch das Pentagon und amerikanische Geheimdienste die PSI-Phänomene mit eigenen Arbeitsgruppen erforscht haben. Es ist schwer, etwas Objektives darüber zu finden; manchmal wird dergleichen erwähnt, aber mit dem Hinweis, die Arbeiten seien wegen Ergebnislosigkeit eingestellt worden. (Große Überraschung!) Daß sich aufgeklärte Menschen überhaupt mit der "Erforschung" von Zauberei und Hellseherei beschäftigen, bleibt allerdings eine Peinlichkeit. Den Beweis von Wundern sollte man der katholischen Kirche überlassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2019 um 14.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41102

Im Weltglücksreport der UN ist Deutschland von Platz 15 auf Platz 17 "abgerutscht".

Die Gallup-Umfrage zeigt exemplarisch, wie man es nicht machen soll. Das Ergebnis kann nicht valide sein.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 20.03.2019 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41095

Ich hatte von der Gravitationsanomalie noch nichts gehört und habe mit einigem Vergnügen gegoogelt. Am besten hat mir dieser Bericht gefallen: "Sogar unser tonnenschweres Auto rollte im Leerlauf vorwärts den Berg hinauf. Ausgeschüttetes Wasser floss bergauf. Die mitgebrachte Wasserwaage war als Messinstrument unbrauchbar, weil auch das Wasser in der Libelle ebenfalls bergauf gezogen wurde."
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.03.2019 um 11.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41094

Die rein optische Täuschung ist das eine.
Wenn ich mit dem Auto durchs Gebirge fahre, schaue ich manchmal auf die Höhenanzeige des Navis. So manches Mal hat es mich gewundert, daß es doch schon ewig bergab geht, aber die angezeigte Höhe ändert sich gar nicht oder steigt sogar. Man verliert leicht das Gefühl für ein kleines Gefälle oder einen kleinen Anstieg, wenn man mit Motorkraft unterwegs ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2019 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41093

Wenn man das genannte Monument der Volksverdummung durchblättert, gibt es an allen Ecken und Enden unerklärte Phänomene. Ein typisches Beispiel sind die "Gravitationsanomalien".

In Rocca di Papa und an einigen anderen Orten rollen Fahrzeuge und andere Gegenstände den Berg hinauf.
Eine nette optische Täuschung für Touristen, die aber vom Verfasser Fiebag (623, mit Foto am Tatort) als übernatürliches Phänomen dargestellt wird. Er deutet noch eine mysteriöse Beziehung zum Ort von Galileis Prozeß an.

Vgl.

https://www.focus.de/reisen/optische-taeuschung-autos-rollen-von-alleine-berg-hinauf-das-steckt-hinter-der-geisterstrasse-in-suedtirol_id_9366175.html

http://math.ucr.edu/home/baez/physics/General/roll-uphill.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2019 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41089

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41062
eine Ergänzung:

Peter Fiebag/Elmar R. Gruber/Rainer Holbe: Mystica: Die großen Rätsel der Menschheit. Weltbild 2004.

(Über vier kg schwer!)

Man referiert jeden übersinnlichen Unsinn, auch die längst aufgeklärten Tricks werden remystifiziert. Prähistorische Raumfahrt, DNS im I Ging, Gabelbiegen mit Uri Geller, Kornkreise usw. – alles geheimnisvoll und ungelöst. Schöne Fotos und viele durchaus zutreffende Angaben machen die Mischung so verführerisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2019 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41088

Natürlich ist es unvernünftig, Kinder in die Welt zu setzen. Allein schon die Kosten! Warum tun wir es trotzdem? Meine Frau hat es herausgefunden: "Um uns noch einmal frisch verlieben zu können."

So egoistisch, so wahr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2019 um 16.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41062

Conway/Oreskes zeigen in ihrem Buch "Merchants of Doubt" mit unzähligen Belegen, wie eine falsch verstandene „Ausgewogenheit“ der Medien dazu führt, daß längst entschiedene wissenschaftliche Fragen immer noch und sehr lange als „umstritten“ dargestellt werden. Die Tabakindustrie war über die Schädlichkeit des Rauchens schon immer im Bilde, beschäftigte aber unzählige Wissenschafter mit ungeheuren finanziellen Mitteln damit, Zweifel zu säen; das wurde von maßgebenden Leuten intern durchaus zugegeben. Ähnlich dann mit dem Klimawandel.
Die Opfer dieses „Framings“ halten sich selbst für sehr aufgeklärt und nennen sich „Skeptiker“, das ist der höchste Triumph der Manipulation.

Seit die alternativen Fakten sozusagen amtliche Würde erhalten haben, ist kein Halten mehr.

Ich habe diese "Ausgewogenheit" oft am Beispiel von Pseudowissenschaften und Aberglauben exemplifiziert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2019 um 07.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40927

Wenn wir annehmen, daß es zwei grundsätzlich verschiedene Arten des Umgangs mit der Wirklichkeit gibt, Kommunikation und Manipulation (Hantieren, Technik), dann fragt sich, zu welcher Art die magischen Rituale gehören. Das ist nicht leicht zu sagen, weil das Gebiet so umfangreich und heterogen ist.

Gebete und Beschwörungen sind kommunikativ – mit imaginierten Adressaten, aber das tut nichts zur Sache und betrifft ja das ganze Gebiet.

Wer dagegen einen Schadenszauber ausführt, indem er eine Puppe seines Feindes verbrennt oder mit einer Nadel durchbohrt, versucht ihn durch analogische Wirkung seiner Hantierung zu ermorden. Diese Art Kausalität funktioniert zwar nicht, das ändert aber nichts an der bösen Absicht, und so hat man früher den Zauberer konsequenterweise hingerichtet.

Aber es gibt andere Beispiele. Opfer sind oft stilisierte Bewirtungen imaginierter Ahnen oder Götter, Einladungen zu gemeinsamen Mahlzeiten. Der kommunikative Akt der Einladung kann einhergehen mit dem anderen Sinn von "Opfer" (im Deutschen): Sühne, Tausch gegen Sündenerlaß. Wohin das christliche Abendmahl (Eucharistie) gehört, ist umstritten, wie alles in der Theologie.

Kannibalismus ist normalerweise keine Form der Ernährung, sondern mit magischer Bedeutung aufgeladen. Dazu kann die imaginierte Einverleibung der Kräfte des Opfers gehören. Potlatch ist überwiegend zeichenhaft.

Die Erforschung dieser Dinge wird dadurch erschwert, daß die Beteiligten oft selbst nicht mehr wissen, warum sie die Rituale ausführen. Daß sie überhaupt ausgeführt werden, ist zu einem sozialen Tatbestand umfunktioniert worden. (Hier könnte man die auffallend zahlreichen Juden erwähnen, in deren Biographie man liest, sie seien "säkular" oder schlicht Atheisten, ohne aber aus dem Judentum und seinen Ritualen auszutreten.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2019 um 04.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40838

Wenn es stimmt, daß der autofreundliche Lungenarzt sich um mehrere Zehnerpotenzen verrechnet hat (wie er selbst zugibt), dann wäre das nicht weiter bemerkenswert. Es gibt viele Freaks, die mit falschen Zahlen hausieren gehen, z. B. um Einstein zu widerlegen. Aber warum haben über 100 Berufskollegen etwas unterschrieben, was Journalisten mit Grundschulrechnen als Humbug entlarven konnten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2019 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40809

Gerade wieder einmal geht durch die Medien, daß es bei Husten usw. nichts Verkehrteres gibt als heiße Milch mit Honig, während dieses Hausmittel anderswo weiterhin empfohlen wird.

Erwartungsgemäß nutzen Veganer die Gelegenheit, gegen den Milchkonsum überhaupt zu polemisieren. Kein anderes Säugetier komme auf die Idee, noch im Erwachsenenalter die Absonderung der Milchdrüsen, gar einer fremden Art, zu sich zu nehmen usw. Die Wortwahl dient dazu, das Ganze als möglichst ekelerregend darzustellen. Außerdem sollen wir ein schlechtes Gewissen haben, weil wir den Kälbchen die Nahrung wegnehmen. Das Sendungsbewußtsein kann sich wohl nur in einer Luxusgesellschaft so leidenschaftlich ausbilden.

Informativ und nüchtern dazu "Laktoseintoleranz" bei Wikipedia.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2019 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40803

Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, der einen Großteil der Schüler Sigmund Freuds zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten gezwungen hatte, gelten heute als das Goldene Zeitalter der Psychoanalyse. (FAS 10.2.19)

Nicht der Krieg.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2019 um 07.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40764

Aus gegebenem Anlaß: Selbstmord ist die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen. Wegen der politisch korrekten Bezeichnungsvielfalt ist es nicht ganz leicht, an Zahlen zu gelangen, aber es dürften etwa 250 Fälle jährlich in der Gruppe bis 20 Jahre sein, davon etwa 30 zwischen 10 und 15. Mobbing, das man früher nicht so nannte, ist oft Mitursache.

Es ist auch nichts Neues, die Quoten haben sich anscheinend nie verändert. Wenn das stimmt, ist es ziemlich schwer zu erklären, zumal die Bedeutung des gesellschaftlichen Hintergrunds am Beispiel Japans mit seinen hohen Selbstmordraten auch bei Schülern erkennbar wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2019 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40746

Die Nervenbahnen im menschlichen Gehirn sind über 1 Million km lang, dreimal zum Mond. Nun mal so nebenbei.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2019 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40737

Grenzwerten vorzuwerfen, sie seien nicht "wissenschaftlich" hergeleitet, ist offenbar sinnlos, weil sie immer im Bezug auf das Wünschbare festgelegt werden, also politisch und bis zu einem gewissen Grade willkürlich. Die Wissenschaft kann als Entscheidungshilfe nur Daten liefern, und die können natürlich falsch sein, aber das läßt sich korrigieren.

Wünschenswert wäre es, überhaupt keine Schadstoffe zu emittieren. Der Zeitgeist ändert sich und kann mal mehr zur Wirtschaft oder mehr zur Gesundheitsvorsorge neigen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 31.01.2019 um 23.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40730

Man sollte auch bedenken, daß die Fahrbedingungen international sehr unterschiedlich sind. Das betrifft Straßenverhältnisse, Wetter, Verkehrsdichte, Verkehrsregeln. Wo es z. B. wie in den USA kein striktes Rechtsfahrgebot auf dem Highway gibt, wo man also beidseitig überholen darf, wird es ohne Tempolimit riskant. Und auf den engen Straßen in Nordeuropa kann man sowieso kaum schneller als erlaubt fahren. Wir haben in Deutschland geeignete Straßen, brauchen also kein allgemeines Tempolimit. Man muß da regeln, wo es nötig ist, und wo es nicht nötig ist, muß man es lassen (frei nach FDP (Lindner?)).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2019 um 13.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40725

Es bleibt erklärungsbedürftig, warum sich gerade die in dieser Hinsicht sehr empfindlichen US-Amerikaner ihre "Freiheit" haben nehmen lassen. Soweit ich weiß, wird in den USA zu schnelles Fahren ziemlich rigoros geahndet.
Auf den "Spaß" verzichten sie also, aber es soll ja viele geben, die eigens deshalb nach Deutschland kommen, in das einzige Land der Welt mit richtigem Spaß am Fahren.
Ich nehme an, daß auch die Autowerbung sich auf diese Unterschiede einstellt. Vor Jahrzehnten hieß ein "Lehrgang" Fahr schick mit Quick – nämlich mit der Zeitschrift dieses Namens. Ich glaube mich zu erinnern, daß darin der Rennfahrer Huschke von Hanstein den Deutschen beibrachte, wie man Kurven schneidet, wenn es niemand sieht usw. Genaueres weiß ich aber nicht, weil ich damals schon kein Autofahrer war. Aber das Ganze ist doch kennzeichnend für die Mentalität.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.01.2019 um 15.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40720

Was heißt schon schnelles Fahren? Das ist alles relativ. Wir im Osten sind mit dem Tempolimit 50/90/100 (innerorts/außerorts/auf Autobahnen) aufgewachsen, ungefähr ab den 1980er Jahren (auch um "Sprit" zu sparen) galt sogar 50/80/100. Selbst mit dem Trabbi konnte man bergab bis 110 oder 115 fahren und war dann natürlich auch schon ein "Raser".

Nun soll also nach manchen Spaßverderbern 130 das Ende sein, wohl dieselben Leute, die Radlern auch den Fahrradhelm verpassen möchten und Raucher zwingen, diese Ekelbilder zu kaufen. (Das geht wirklich zu weit, es ekelt sogar mich Nichtraucher.) Denen wird immer wieder etwas neues einfallen, irgendwann wird niemand mehr in einer Gaststätte ein Bier oder ein Glas Wein bekommen, der nicht vorher unterschreibt, daß ihn der Kellner vor den Alkoholgefahren gewarnt hat.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 30.01.2019 um 15.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40719

Für Andreas Scheuer wäre ein Tempolimit „Gängelung“. Das Wort hatte sein letztes Hoch zu Zeiten der Piratenpartei. Die „Piraten“ bezeichneten damit alles, was sie beim rücksichtslosen Übergriff auf die Belange anderer störte. Nun haben wir einen Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung auf demselben geistigen Tiefstand.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2019 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40718

Die Älteren werden sich an "Freie Fahrt für freie Bürger!" erinnern. Das war der Slogan des ADAC 1974 nach der Ölkrise, aber meiner Erinnerung nach ging dieser Schuß nach hinten los, weil die Verknüpfung von Freiheit und schnellem Fahren vielen denn doch zu hoch gegriffen schien und der Spruch dann meistens ironisch zitiert wurde. Daß er fast ein halbes Jahrhundert später noch einmal aus der Mottenkiste hervorgekramt werden würde, konnte sich niemand vorstellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2019 um 03.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40710

Die Luftverschmutzung kann, wie die epidemiologisch arbeitenden Forscher sagen, am Tod von Millionen Menschen schuld sein, und zugleich können Lungenärzte ehrlicherweise behaupten, von ihren Patienten sei noch keiner an der Luftverschmutzung gestorben. Das ist für die meisten Menschen allerdings zu hoch, darum kann sich hier die Rhetorik austoben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2019 um 03.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40708

Gegen die Rauchverbote, über die heute jeder froh ist, wurde auch schon mit der "Freiheit" polemisiert. Mit der Zwangsgebühr für den Rundfunk scheint keiner dieser Politiker Schwierigkeiten zu haben. Auch nicht mit dem Einfall, die Nichtchristen unter das Kreuz zu zwingen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2019 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40707

Das Prinzip der Freiheit habe sich bewährt, betonte Scheuer nun im "BamS"-Interview. "Wer 120 fahren will, kann 120 fahren. Wer schneller fahren möchte, darf das auch. Was soll der Ansatz der ständigen Gängelung?"

"Das Tempolimit ist eine typisch ideologische Verbotsdiskussion aus der grünen Mottenkiste." Ein Tempolimit bringe "ökologisch wenig", so Söder. "Wir brauchen neue Technik und keine alten Verbote."
(Spiegel 28.1.19)

Alle anderen Staaten der Erde fahren auf der falschen Spur, immer der grünen Mottenkiste nach, nur Deutschland trotzt diesen Geisterfahrern.
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 28.01.2019 um 15.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40702

Die Diskussion über Feinstaub, CO2 und Stickstoffgrenzwerte weckt in mir Erinnerungen an die Rechtschreibreform. Eine von offiziellen Instanzen beschlossene Tatsachenbehauptung (die in diesem Fall ja vielleicht sogar richtig ist), darf auf keinen Fall in Frage gestellt werden. Zum Beweis wird nicht wissenschaftlich diskutiert, sondern "gepunktet". Wer mehr "Fachleute" aufzubieten hat und die vorgespurte Linie bestätigt, beansprucht im Recht zu sein. Da muß die Gegenposition gar nicht erst ernstgenommen geschweige denn falsifiziert werden. Ob da nicht doch auch die "Staatsraison" eine Rolle spielt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2019 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40701

Bahnfahren müsse teurer werden; für 19 Euro durch ganz Deutschland, das dürfe nicht der Normalfall sein usw.

Ist es ja auch nicht. Wie berichtet, haben wir uns auch schon mal geärgert, als wir einen Stehplatz im überfüllten Zug ergattert hatten und von Mitreisenden hörten, daß sie eines der Schnäppchen für 19 Euro nutzten, während wir das Zehnfache bezahlt hatten.

Das Problem ist die Unübersichtlichkeit der Preise und Sonderpreise. Kürzlich buchte meine Frau für ihre betagte Mutter eine Reise innerhalb Bayerns. Am Ende konnte sie in der ersten Klasse billiger als in der zweiten fahren, und das Ganze war überhaupt unglaublich kompliziert und dauerte am Schalter fast eine Stunde – aber am heimischen Computer wäre es wohl erst recht nicht herauszufinden gewesen. Da gewinnt man das Gefühl, als Reisender mit großer Wahrscheinlichkeit jedesmal zuviel bezahlt zu haben; tatsächlich hat sich herausgestellt, daß nur wenige Schaltermenschen das günstigste Angebot kennen. Aber wir haben einen Verkehrsminister, der den Bürgern durchweg den gesunden Menschenverstand abspricht, wenn sie glauben, Geschwindigkeitsbegrenzungen (wie überall sonst in der Welt) seien sinnvoll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2019 um 05.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40697

Seit Tagen quält uns die Mitteilung, daß nach neuesten Forschungen Blutverdünner das Blut verdünnen. Das ist natürlich nicht immer erwünscht.

Die Berichte sind etwas umständlicher, aber darauf läuft es hinaus. Weitere Untersuchungen sind erforderlich.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.01.2019 um 21.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40655

Was sind schon sechshundert Jahre unter Freunden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2019 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40654

Der letzte Akt dauerte genau eine Minute. Angela Merkel und Emmanuel Macron saßen im Krönungssaal des Aachener Rathauses an einem Tisch. Vor ihnen lag jeweils ein Dokument. Um exakt 11.37 Uhr setzten sie ihre Stifte auf das Papier, unterschrieben, warteten, bis die Dokumente ausgetauscht waren. Unterschrieben wieder. Um exakt 11.38 Uhr waren sie fertig. Der Aachener Vertrag über die Zusammenarbeit und Integration von Deutschland und Frankreich war unterzeichnet.
Im Jahr 800 nach Christus ließ sich in diesem Raum Karl der Große zum Kaiser krönen.
(t-online.de 22.1.19)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.01.2019 um 20.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40598

Oh, da geht es mir beim Einkaufen aber ganz ähnlich wie Ihnen, meine Frau läßt mich da auch selten ran, weil ich immer das Falsche und vor allem das Teuerste bringe. Aber ab und zu gehe ich schon einkaufen und werde dann immer ganz genau instruiert, welchen Coupon ich wofür einsetzen muß. Das ist eigentlich eine Wissenschaft und für mich unter "Kopfrechnen" ehrlich gesagt fehl am Platz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2019 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40596

Gerade bemerke ich noch, daß ich eine Ungeheuerlichkeit in Herrn Riemers Mitteilung übersehen habe: Er überläßt das Einkaufen seiner Frau!

Ich muß zwar zugeben, daß meine Frau Waschmaschine und Geschirrspüler bedient, aber das liegt nur daran, daß sie mich nicht ranläßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2019 um 16.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40595

Oft habe ich gefunden, daß Geschäfte, die zum Punktesammeln einladen, nicht die preisgünstigsten sind. Das ist bei den geringen Gewinnspannen auch kein Wunder.

Eigentlich ging es mir um die Belastung der Kassiererinnen. Die Bäckereikette läßt nicht nachfragen, sondern schiebt die über den Tresen gereichte Karte in die Kasse und bucht die Punkte darauf. Das nehmen wir dann schon mit und kriegen alle paar Wochen ein schönes rundes Brot "gratis". Irgendwie macht uns das glücklicher, als wenn die Brote von vornherein drei Prozent billiger wären. Soviel zum "rationalen Wirtschaftssubjekt". Wir sind eben mit Ökonomielehrbüchern nicht zu erfassen, nur mit solchen der Psychopathologie.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.01.2019 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40594

Meine Frau sagt, es gibt 10-fach-Coupons, also 5%, zunächst auf den gesamten Einkauf. Außerdem, also zusätzlich, gibt es 10-fach-Coupons z.B. für Spirituosen und Wein, für Bier und alkoholfreie Getränke, für Konserven und Tiefkühlkost, für Fleisch- und Wurstwaren, für Molkereiprodukte, manchmal auch für Haushaltswaren.
Wenn man das geschickt kombiniert, hat man also statt einem Paybackpunkt für den gesamten Einkauf zunächst 10, also 9 mehr, dann nochmal 9 Punkte mehr für die meisten speziellen Artikel, insgesamt also 19 Punkte bzw. 9,5% des Einkaufs in Form von Punkten vergütet. Diese kann sie dann entweder beim nächsten Einkauf wie Bargeld verwenden oder z.B. auch Kinokarten incl. Popcorn und Getränken dafür kaufen. Auf die Art haben wir öfters mal einen kostenlosen Kinoabend.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.01.2019 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40593

Man kann auch „mit Treue punkten". Dank meiner gesammelten Treuepunkte habe ich einen Nasen- und Ohrhaartrimmer für 14,99 erwerben können.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.01.2019 um 14.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40591

Na ja, eine Karte vorzuzeigen ist nicht gerade Schinderei. Außerdem kann man ja Coupons einlösen, mit denen man ein Mehrfaches der Punkte bekommt. Da läßt sich dann ein Rabatt von immerhin 5% erzielen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2019 um 10.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40590

Du lieber Himmel! Und dafür die ganze Schinderei.

Ich glaube, die Leute würden sich auch darauf einlassen, wenn es überhaupt nichts brächte. Einfach weil es ihnen ein gutes Gefühl gibt, irgendwo mitzumachen. Das Herausgeben persönlicher Daten (und täglich Werbung in der Mail!) suggeriert vielleicht auch, daß man doch irgendwie einen Vorteil dafür einhandeln muß.

So senden ja auch viele Leute ihre Vorschläge zum Wort und Unwort des Jahres ein, obwohl sie wissen könnten, daß die Einsendungen nicht berücksichtigt werden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.01.2019 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40589

Payback bringt 5 Promille (vielleicht sind es auch 4,99).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2019 um 07.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40588

Beim Blick auf den Kassenzettel des Supermarkts stelle ich fest, daß sämtliche Einzelpreise auf 99 enden. Bei zwanzig Posten kann man also auf den Nennwert vor dem Komma rund 20 Euro draufschlagen, dann hat man den Gesamtpreis. Das machen wir seit Jahrzehnten mit und freuen uns noch über die günstige Einkaufsmöglichkeit.

Zwar wird das Zahlen automatisiert, aber die verbliebenen Kassiererinnen müssen mehrere tausendmal am Tag fragen: "Haben Sie eine Payback-Karte?" Ich glaube, mit einer solchen würde man 1 Prozent vergütet bekommen, also viel weniger als die 3 Prozent mit den Rabattmarken seligen Angedenkens, und zahlt außerdem mit seinen Daten.

Die Post will das Briefporto auf 75 Cent erhöhen, kündigt also 80 an und läßt sich dann auf den von Anfang an gewünschten Preis herunterkommandieren. Wir sind auch darüber begeistert.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.01.2019 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40579

... wegen drohender Lawinengefahr geschlossen
usw.

Vielleicht gäbe es weniger Tote, wenn man richtig sagen würde, daß die Gefahr nicht nur "droht", sondern tatsächlich besteht:

... wegen Lawinengefahr geschlossen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2019 um 04.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40576

Noch einmal zur Deutschen Umwelthilfe, auf die sich nun auch Kramp-Karrenbauer einschießt. Sie begeht einen taktischen Fehler, aus den genannten Gründen. Wenn die Gesetze solchen Vereinen ungebührlich viel Macht verleihen, dann müssen die Gesetze geändert werden; das ist die eigentliche Aufgabe der Politiker, nicht das Polemisieren gegen Kläger, die die Gesetzeslage nutzen. Das wirkt nur wie ohnmächtiges Kläffen.
Auf meinem AKK-Konto sammeln sich Minuspunkte an, die ich mit Mißmut registriere. Frau Merkel wäre das wohl nicht unterlaufen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2019 um 03.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40572

Ja, das wird im allgemeinen so verstanden, allerdings gibt es viele Überschriften, bei denen ein solcher relationaler Begriff seine Leerstelle nicht aus dem ausdrücklich genannten Pool anderer Begriffe füllt; das stört dann ziemlich. Es ergibt sich daraus, daß z. B. Muttersein ein Begriff für sich ist, Sohnsein aber meistens nicht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.01.2019 um 20.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40571

Sohn sticht Bürgermeister nieder wirkt unvollständig, gemeint wäre dann wohl Eigener Sohn sticht Bürgermeister nieder.

In Zukunft wird es aber ohnehin aus datenschutz- und geschlechtspolitischen Gründen heißen müssen Person sticht andere Person nieder oder auch, damit sich endgültig niemand mehr ereifern kann, Vorkommnis ereignet sich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2019 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40569

Schwer zu sagen, worauf mein Unbehagen bruht. Eine Überschrift wie Sohn sticht Bürgermeister nieder wäre mir nicht aufgefallen. Hand aufs Herz: Geht ihnen die ursprüngliche Überschrift glatt runter?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.01.2019 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40568

Überschriften haben eben ihre eigenen Regeln, wozu hier ja auch das Präsens gehört, das in der Paraphrase unwillkürlich (?) berichtigt ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2019 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40567

Mir war gar nicht so bewußt, daß auch unsere Politiker anscheinend den ganzen Tag twittern.

Katrin Göring-Eckardt:

Sehr traurig. Der Danziger Bürgermeister #PawełAdamowicz ist seinen Verletzungen erlegen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freunden.

Was soll das? Es sieht nach einer ungeheuren Abgelenktheit aus. Und "tautologisch" in einem höheren Sinne ist es auch, wie die wiederkehrende Meldung Papst fordert die Menschen zum Frieden auf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2019 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40565

Aber auch dann wäre er erst durch die Tat zum Angreifer geworden. Ihn vor dem Erscheinen des Prädikats als Angreifer zu bezeichnen wäre als Fortsetzung eines Berichts möglich, das sein Angreifertum bereits einführt. Im Anschluß an Roland Harweg ("Nachfolgeradjektive") könnte man von "Nachfolgersubstantiven" sprechen – eine textlinguistische Kategorie, weil sie über den Satz hinausgeht.

Ich paraphrasiere: "Jemand, der den Bürgermeister angriff, stach ihn nieder." Nicht unmöglich, aber ziemlich schräg. Die Verletzung textlinguistischer Regeln wird oft so, nicht falsch, aber eben schräg.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.01.2019 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40564

Wirklich tautologisch ist das nicht, denn der Angreifer hätte den Bürgermeister ja auch mit einem Faustschlag niederstrecken können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2019 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40560

Angreifer sticht Danziger Bürgermeister nieder

Hätte er das nicht getan, wäre er auch kein Angreifer gewesen. Das ist vom Typ Täter verübt Tat, irgendwie unlogisch.

Übrigens hat der polnische Präsident die Bevölkerung zum Gebet für den verletzten Bürgermeister aufgerufen. In umfangreichen Versuchsreihen ist nachgewiesen worden, daß Gebete nicht helfen. Oder vielmehr: Sie helfen allenfalls den Betenden, nicht den Bebeteten. Auch schart man mit solchen Aufrufen die Frommen hinter sich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 04.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40521

Die USA haben ein Drogenproblem. Daß es durch eine Mauer oder einen Zaun gegen Mexiko gelöst werden könnte, ist nicht wahrscheinlich. Eher werden Preise und Beschaffungskriminalität steigen. Dagegen spricht auch der blühende Drogenhandel und -konsum in Gefängnissen, die doch über besonders hohe und gut bewachte Mauern verfügen.
Die Milliarden wären besser in eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse investiert, auch in Mexiko selbst. Das meinen auch viele amerikanische Autoren (s. counterpunch.org).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2019 um 05.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40499

Vielen Dank für die ausgezeichnete Klarstellung! Ich war schon in Versuchung, ausnahmsweise mal die ganze überflüssige Diskussion zu löschen. Nun mag sie von selbst in den Tiefen des Netzes versinken. Auch jagt eine solche Meldung die nächste...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.01.2019 um 20.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40498

Was heißt überhaupt, der Arsengehalt lag unverändert bei 84%? Ein fertiges Reisgericht oder auch eine Portion roher Reis wird ja wohl kaum 84% Arsen enthalten, weder in Volumen- noch Masse-Prozent. Mit solchen Angaben kann man gar nichts anfangen.

Und was soll die Behauptung, der Arsengehalt in Prozent habe sich nach Methode 1 nicht verändert? Wenn man den massemäßigen Arsengehalt von Rohreis gleich 100 setzt (als Vergleichswert) und dann zu einem Teil Reis 2 Teile arsenfreies Wasser gibt (immer auf die Masse bezogen), dann kann das daraus hergestellte Gericht, falls kein Wasser verdampft oder weggeschüttet wird, maximal einen entsprechenden massemäßigen Arsengehalt von 33 haben. Absolut hat sich am Arsengehalt nichts geändert, aber relativ zur Gesamtmenge drittelt er sich natürlich, wenn 2 Teile reines Wasser dazukommen.

Ich sage das nur deshalb, um zu illustrieren, daß man aus der vorliegenden Beschreibung der drei Methoden eigentlich gar nichts ableiten kann, außer daß der absolute Arsengehalt natürlich immer geringer wird, je mehr Arsen mitsamt dem Restwasser weggespült wird, und das ist nun wirklich nicht schockierend und man braucht für diese Erkenntnis keine höhere Schulbildung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2019 um 17.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40497

Ja, die Konzentration hängt wie überall von der Menge des Lösungsmittels ab, das habe ich verstanden, sonst aber nicht viel. Darum will ich das Thema auch nicht vertiefen.

Meine simple Methode wird anderswo so beschrieben: Reis nach der Quellmethode zu kochen, ist nicht viel aufwändiger als die herkömmliche Zubereitung, sie müssen lediglich Reis- und Wassermenge genau abmessen. Dabei gilt die Faustregel immer doppelt so viel Wasser wie Reis zu verwenden, denn dies ist genau die Menge Flüssigkeit, die der Reis aufnehmen kann.

Der Reis wird also im Verhältnis eins zu zwei mit Wasser in den Topf gegeben, danach den Deckel darauf und dann zum Kochen bringen. Sobald das Wasser kocht, die Hitzezufuhr auf ein Minimum beschränken und den Reis quellen lassen, bis er gar ist.


So kann gar nichts schiefgehen. Ich bin übrigens immer mehr zu braunem Basmati übergegangen, der schmeckt am herzhaftesten.

Bei dieser Gelegenheit noch eine Erinnerung: Heute fast aus der Mode gekommen, aber in Liebhaberkreisen noch in Gebrauch ist die "Kochkiste", die sich gerade für Reis besonders eignet. Die Quellmethode kommt ihr nahe (Wasserdampf entweicht bei beiden nur sehr wenig). Man sollte das Prinzip wiederbeleben, weil sich damit wohl mehr Energie sparen läßt als mit Energiesparlampen, und gesund ist es auch. Nachteilig ist, daß man Platz und Zeit braucht.
 
 

Kommentar von Claus C., verfaßt am 07.01.2019 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40496

Sie, Sie haben das doch bestimmt gedacht. So wie Sie mit Ihrer Schulbildung auch ansonsten alles zu durchschauen scheinen, bevor Sie es in Kommentare verpacken, denen man das nicht mehr ansieht. Hut ab, Sie brauchen wahrlich keine Belehrung! Zur Sache: Auch mit guter Schulbildung kann einen das Ergebnis der „Methode 1“ sehr wohl verwundern. Aus verschiedenen Gründen, zumal die Testbedingungen nicht bekannt sind. Die pauschale und falsche Rechnung "ein Teil Reis nimmt zwei Teile Wasser auf, deshalb bleibt der Arsengehalt gleich" ist jedenfalls kein Zeugnis von Bildung. Etwa ist die Menge des zum Kochen oder Spülen verwendeten Wassers bei vielen Verbindungen entscheidend dafür, ob und in welcher Konzentration diese ausgespült werden. Eben auch dann, wenn das Wasser abgegossen wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2019 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40495

Bei Reis gibt es übrigens kulturelle Unterschiede. Die erste Inderin, mit der ich über ihre Deutschlanderfahrung sprach, erzählte mir, daß die Deutschen den Reis nicht richtig gar kochen. Jedenfalls damals war in Deutschland der "körnige" Reis erstrebenswert, der natürlich in Indien, wo man mit den Fingern ißt, nicht in Frage kommt. In China (mifan), Korea (ipap) usw. muß der Reis mit den Stäbchen faßbar sein, also schön zusammengeklumpt.
Das weiß man aber inzwischen durch die China-Restaurants auch hierzulande.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2019 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40493

Selbstverständlich ist es nicht, sondern dafür braucht man Schulbildung; das habe ich ja auch gesagt. Aber vielen Dank für die ausführliche Belehrung! Vier Fünftel des Doppelten – wer hätte das gedacht! (Aber das mit dem Abwiegen des Schüttvolumens habe ich nicht ganz verstanden.)
 
 

Kommentar von Claus C., verfaßt am 07.01.2019 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40491

Reis nimmt, je nach Sorte und Vorbehandlung, beim Kochen nur etwa die Hälfte bis Vierfünftel des Doppelten seines Schüttvolumens an Wasser auf. Das kann durch Abwiegen festgestellt werden. Der Rest verdunstet oder muß abgegossen werden. Herkömmliche Kochtöpfe sind nicht dicht, weshalb in der Praxis ein wesentlicher Teil des Wassers verdunstet – selbst wenn man das nicht möchte. Daß Arsen nicht in Wasserdampf gelöst entweichen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Mit einer simplen Rechnung und Mutmaßungen kommt man hier also nicht weiter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2019 um 10.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40490

Wahr ist, daß der Bericht unvollständig ist. Ich halte mich daher an vernünftige Durchschnittswerte. Ich habe schon Tausende von Reismahlzeiten zubereitet, und zwar nach der ersten Methode, lasse auch kaum Wasserdampf entweichen. Aber um einige Prozent werde ich nicht streiten. Der Kernpunkt ist doch, daß Arsen bzw. Arsenverbindungen nicht durch Dampf entweichen, sondern nur durch Abgießen des Koch- bzw. Waschwassers.

Unser Arsenproblem hier steckt übrigens im Trinkwasser (aus Sandsteinuntergrund) und nicht im Reis, den ich entsprechend auswähle.
 
 

Kommentar von Claus C., verfaßt am 07.01.2019 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40489

Das ist nicht richtig. "Ein Teil Reis" nimmt nicht "zwei Teile Wasser" auf. Je nach Reisart, Topfgröße und Umständen des Kochens verdunstet ein großer Teil des Wassers oder muß, wenn er nicht vorher entweichen kann, abgegossen werden. Die Erkenntnis hier ist also, daß Arsen nicht vom Wasserdampf aufgenommen wird oder je nach Mischungsverhältnis nicht ausgewaschen wird. Zur Aufklärung müsste man die Testbedingungen kennen, eine durchschnittliche Schulbildung hilft nicht weiter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2019 um 03.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40483

Bei der ersten Methode nimmt der Reis das Wasser auf, bei der zweiten wird das überschüssige Wasser weggegossen, mitsamt einem großen Teil des ausgewaschenen Arsens. Das ist nicht eigens erwähnt, versteht sich aber von selbst.
 
 

Kommentar von Claus C., verfaßt am 06.01.2019 um 00.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40479

Zu #40463:

Da es um den Arsengehalt des gekochten Reises geht, ist der Zusammenhang – daß beim Kochen in Wasser nur ab einem bestimmten Mischungsverhältnis überhaupt Arsen gelöst wird – alles andere selbstverständlich. Ob das nun schockierend ist oder nicht, mit durchschnittlicher Schulbildung hat es jedenfalls nichts zu tun.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.01.2019 um 13.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40478

Deswegen heißt altgriechisch "to probläma" u. a. Vorsprung, Vorgebirge, Klippe.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.01.2019 um 10.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40477

"Ein Meer ist doch kein Problem" – sag ich ja, offener, kostenloser Linienverkehr. Eine Mauer wäre aus ähnlichen Gründen auch kein Problem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2019 um 05.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40473

Die Navigation ist keine Kleinigkeit. Die "Argonauten des westlichen Pazifik" (Malinowski) erregen noch heute unsere Bewunderung.

Die alten Griechen hielt sich gern in Sichtweite der Küste. Trotzdem wurde "mare nostrum" im ganzen von Griechen und Römern (und anderen) bereist und bewirtschaftet, auch mit Pflanzstädten bestückt. Der Bischof von Hippo schließlich war auch nicht aus der Welt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 03.01.2019 um 23.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40472

Ein Meer ist doch kein Problem, wenn man ein geeignetes Schiff hat und kein Packeis im Weg ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2019 um 15.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40470

Nur weil das Mittelmeer und Trumps Mauer hier erwähnt wurden:

Utopien sehen praktisch immer vor, daß der perfekte Staat entweder vom Meer oder von einer Mauer umgeben ist. Es ist immer ein totalitärer Staat, ob wohlwollend oder nicht. Versuche mit offenen Grenzen, wie der ursprüngliche Ansatz Oglethorpes in Georgia, scheitern.
„Mauern“ (es können auch Zäune sein) dienen heute zum Einsperren oder zum Aussperren und wirken nicht ohne Grund atavistisch. Wo – außer bei Gefängnissen – haben sie sich bewährt?

Der Streit in den USA über die Finanzierung der Großen Mauer befremdet mich, weil ich mich noch sehr gut erinnere, wie Trump sagte, Mexiko werde sie bezahlen. Was ist denn daraus geworden? Trump gilt doch unseren Trumpverehrern (z. B. bei welt.de) als derjenige, der alle seine Versprechen erfüllt, ein Ausbund an Berechenbarkeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2019 um 05.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40463

Methode 1
Zunächst kochte er ein Teil Reis mit zwei Teilen Wasser. Das schockierende Ergebnis: Der Arsengehalt war am Ende unverändert hoch. Er lag bei 84 Prozent.
Methode 2
Dann kochte Meharg den Reis mit fünf Teilen Wasser. Diesmal halbierte sich der Arsengehalt.
Methode 3
Im dritten Experiment weichte der Professor den Reis über Nacht ein. Im Anschluss wusch er die Körner solange, bis das Wasser klar war. Erst dann kochte er den Reis mit fünf Teilen Wasser. Diesmal reduzierte sich der Arsengehalt um 82 Prozent.
(FOCUS)
-
Mit einer durchschnittlichen Schulbildung sollte hier eigentlich niemand schockiert sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2019 um 17.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40458

Ein besonders gescheiter Leser der FAZ fand es nicht gescheit, daß Kernkraftgegner auf die Sonnenenergie setzen, die doch auch aus Kernfusion stamme.
Manche Leute weisen darauf hin, daß die ganze Natur Chemie und Chemiekritik daher nicht gescheit sei.
Da stelle mer uns mal janz dumm – und verstehen überhaupt nicht, was die Leute eigentlich wollen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2019 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40457

Wenn man schon diese welt- und erdgeschichtliche Perspektive öffnet, sollte man sich auch wirklich mit der Rolle des Mittelmeers für Europa beschäftigen. Es ist nicht die Geschichte einer Grenze.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.01.2019 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40455

zu #40435:
Die Natur hat uns Europäern das Mittelmeer geschenkt. Wieviel diese natürliche Barriere wert ist (ganz ohne Waffen und Soldaten), könnten wir theoretisch am besten sehen, wenn wir einen regelmäßigen, sicheren, kostenlosen Linienverkehr zwischen seinem Nord- und Südufer einführten. Statt dessen sehen wir alle (incl. Frau Merkel) aber lieber zu, wie jährlich ein paar hundert oder tausend Migranten darin umkommen. Trump mit seiner Mauer will also eigentlich gar nichts anderes, als wir schon haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2018 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40439

Wie die FAS in einem Rückblick auf die Weimarer Republik schreibt, kann man eine Demokratie auch durch böswilliges Schlechtreden ruinieren. Heike Göbel (FAZ, Hayek-Gesellschaft) treibt die Demagogie besonders schamlos. Ideologischer Kampf gegen alles Rote und Grüne, gegen Energiewende, Klimaschutz, Tierschutz, Familienpolitik usw.; „sozial“ als Schimpfwort, wie von Hayek vorgezeichnet.

„Der Wähler soll lieber nicht so genau wissen, wem er das teure Schnitzel verdankt.“ (Heike Göbel, FAZ 6.1.17 gegen Pläne, Fleischwaren durch Vorschriften für Tierhalter zu verteuern)

Am Tag zuvor berichtete die FAZ, daß in der Schweiz das Fleisch zwei- bis dreimal soviel kostet. Schnitzel gehören bei uns zu den billigsten Nahrungsmitteln. (Schweinekotelett bei Edeka 3,90/kg)

Am 8. Juni 2018 twittert Göbel, Deutschland habe den höchsten Strompreis in Europa. Sie verschweigt, daß im Verhältnis zur Kaufkraft Bulgarien den höchsten Strompreis hat, hält sich gegen besseres Wissen an den Nominalbetrag. Deutschland liegt im Durchschnitt trotz EEG.

Das ist nun die Elite der deutschen Wirtschaftsjournalisten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2018 um 06.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40435

„Jeder Tod von Kindern oder anderen an der Grenze sind strikt der Fehler der Demokraten und ihrer armseligen Migrationspolitik, die den Leuten erlaubt, den langen Marsch anzugehen, in dem Glauben, unser Land illegal betreten zu können. Das können sie nicht“, schrieb Trump am Samstag auf Twitter. „Hätten wir eine Mauer, würden sie es nicht einmal versuchen“, fuhr er fort.

So wurde ja auch Merkel zur Massenmörderin. Aber in einem Punkt irrt er. Die lateinamerikanischen Verbrecher werden auch die Mauer zu überwinden versuchen und dabei umkommen. Denn wie die Geschichte lehrt (Chinesische Mauer, römischer Limes, DDR-Grenze in umgekehrter Richtung), ist eine Grenzbefestigung nur so viel wert wie ihre Bestückung mit Waffen und schießbereiten Soldaten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2018 um 10.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40428

Neue Studie: So gefährlich sind Elektroautos für Herzpatienten
(...)
Und zu welchen Ergebnis sind die Mediziner gekommen? "Unsere Untersuchungen ergaben keinen Hinweis darauf, dass von Elektroautos für Herzpatienten bedenkliche elektromagnetische Interferenzen ausgehen", sagt Dr. Lennerz. Fehlfunktionen der Herzimplantate aufgrund der Nutzung von Elektroautos seien somit unwahrscheinlich.
(t-online)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.12.2018 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40414

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26957

Gegen "Gedankenexperimente" ist allgemein einzuwenden, daß wirkliche Experimente eine Hypothese der Widerständigkeit der Wirklichkeit aussetzen und dadurch der möglichen Falsifikation. Aber in bloßen Gedanken gibt es keinen solchen Widerstand. Was man für gültige und manchmal bahnbrechende Gedankenexperimente hält, ist anders zu erklären. Einstein zog einfach besonders scharfsinnig und unerschrocken die logischen Konsequenzen aus vorliegenden Tatsachen. Er gelangte zu neuen Thesen, die dann auch wiederum durch wirkliche Experimente (und andere Beobachtungen) bestätigt wurden. Nur in volkstümlichen Darstellungen der Speziellen Relativitätstheorie – auch von Einstein selbst – scheint es so, als stelle man Gedankenexperimente an

Gedankenexperimente mit "transgressiven" mentalistischen Konstrukten sind noch aus anderen Gründen unmöglich, wie ich an verschiedenen Stellen zu zeigen versucht habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.12.2018 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40409

Ausgerechnet an Weihnachten bricht der Vulkan Ätna erneut aus. (t-online 25.12.18)

Das könnte ein Zeichen sein. Vielleicht will er der Mahnung des Papstes Nachdruck verleihen, nicht so viel zu essen. Zuvor wäre aber zu klären, ob das Zusammentreffen unwahrscheinlich genug ist, um als „Zeichenkandidat“ in Frage zu kommen und eine Deutungsanstrengung auszulösen. Der Ätna ist ständig aktiv und bricht alle paar Monate, spätestens Jahre mehr oder weniger stark aus. Um die Weihnachtszeit ist es nicht viel unwahrscheinlicher als zwei Sechser beim Würfeln. Also nichts da mit „ausgerechnet“.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.12.2018 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40353

In Mexiko ist es erlaubt . . .
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2018 um 07.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40352

Das Besteigen der Pyramiden ist in Ägypten verboten. (t-online.de 15.12.18)

In Deutschland glücklicherweise nicht. Übrigens wundert es einen, daß die Islamisten die gotteslästerlichen Pyramiden noch nicht in die Luft gejagt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2018 um 15.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40340

Ohne rotes Fleisch sinkt unser Risiko für schwere Herzleiden bereits nach 30 Tagen

Darmbakterien produzieren bei der Verdauung von rotem Fleisch Stoffe, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkts und Schlaganfall fördern. Wer bei seiner Ernährung auf rotes Fleisch verzichtet, kann diese schädlichen Stoffe innerhalb von drei bis vier Wochen stark senken und somit auch das Risiko für Herzkrankheiten. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung der Cleveland Clinic, eines der besten Krankenhäuser Amerikas.


Untersucht wurde allerdings nur das Vorkommen gewisser Stoffe abhängig von bestimmten Diäten. Das Krankheitsrisiko wurde daraus errechnet, nicht etwa in Langzeitstudien empirisch ermittelt. Das bedeutet die Formulierung „und somit das Risiko“, und so steht es auch in der Originalveröffentlichung.

Laien denken leicht, sie könnten innerhalb von 30 Tagen etwas Wesentliches für ihre Lebenserwartung tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2018 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40298

Schwedische Forscher haben festgestellt:

Der Verzicht auf ein Kind entlastet die Umwelt viel stärker als irgendeine andere Maßnahme. Oder umgekehrt: Ein Kind bedeutet die größte Umweltbelastung, die ein Mensch nur machen kann. (stern.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2018 um 14.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40280

Die Stiftung Warentest hat bei 28 Prozent der Produkte für Kinder Mängel festgestellt. In Wirklichkeit haben die häufigsten Kinderunfälle im Haushalt und auf Spielplätzen (Stürze, Verbrennungen, Verschlucken und Vergiftungen) mit diesen Produkten nichts zu tun. Die Risiken sind abstrakt berechnet, wie auch sonst meistens bei unseren Aufpassern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2018 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40249

Bayer hält an Glyphosat fest. Ein Verzicht darauf hätte „massive negative Effekte für die weltweite Landwirtschaft, nicht nur in Amerika“, sagte Baumann. So würden die Kosten für Nahrungsmittel steigen, und die CO2-Bilanz würde sich verschlechtern, weil die Felder dann gepflügt werden müssten, um das Unkraut erfolgreich zu bekämpfen. (FAZ 3.12.18)

Es ist interessant, wie das CO2 je nach Bedarf bemüht wird, um alle möglichen Interessen zu stützen. (Ist das Pflügen in einer SUV-besessenen Welt wirklich eine nennenswerte Quelle?) Trotzdem setzt Bayer meiner Ansicht nach auf das falsche Pferd, und am Niedergang der Aktie ist nicht nur das wortreich heruntergespielte Gerichtsurteil einer einzigen Instanz schuld. Trotzreaktionen können nicht darüber täuschen, daß die Chemikalie keine große Zukunft mehr hat, selbst wenn es teilweise rhetorisch-psychologische Gründe hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.12.2018 um 04.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40236

2017 lag der durchschnittliche Strompreis für europäische Haushaltskunden bei 20,4 Cent/kWh. Die Unterschiede innerhalb Europas sind hoch und reichen für private Verbraucher von 9,6 Cent/kWh in Bulgarien bis 30,5 Cent in Deutschland und Dänemark.

Da kann man schon wütend werden. Aber gemach!

Die Verbraucherpreise in Bulgarien sind im Durchschnitt um 56 Prozent niedriger als in den übrigen Ländern der Europäischen Union. Diese Feststellung des Statistischen Amts der Europäischen Union Eurostat rückt Bulgarien als Billigland an die Tabellenspitze. Gefolgt wird es von Rumänien und Polen. Angesichts der Tatsache, dass die Preise halb so groß sind, müssten die Bulgaren theoretisch gesehen zu den glücklichsten Menschen zählen und mit den höchsten Konsum verzeichnen. In Wirklichkeit stehen die Dinge jedoch anders.
Die Preise mögen niedrig sein, die Einkommen sind es aber noch mehr! Experten gehen davon aus, dass die Gehälter und Renten in Bulgarien 5 bis 7 Mal niedriger liegen, als im restlichen Europa. Einige Beispiele: Der Mindestlohn in Bulgarien beträgt 261 Euro; in Frankreich sind es 1.498,50 Euro. Das Durchschnittsgehalt in Bulgarien liegt bei umgerechnet 550 Euro; in Dänemark sind es 2.575,68 Euro. Die Mindestrente in Belgien beläuft sich auf 1.221 Euro, während in Bulgarien die niedrigste Rente 102 Euro beträgt.


Demnach hätten die Bulgaren nicht die niedrigsten Strompreise, sondern vielleicht sogar die höchsten. Aber unsere Volksverhetzer gehen nur mit der einen Hälfte der Tatsachen hausieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2018 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40225

„Es gibt keinen Hinweis darauf, dass das Vertrauen in Religion und Magie in dem hier behandelten Zeitraum, ja im Verlauf der gesamten Antike abgenommen hätte.“ (Robert Knapp: Römer im Schatten der Geschichte. Stuttgart 2012:27)

Wenn Gebete und Beschwörungen nicht halfen, hatte man eben etwas falsch gemacht. Ein lehrreiches Beispiel. Die Selbstimmunisierung gegen jegliche Erfahrung funktioniert auch heute noch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2018 um 05.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40138

"Nur durch den Zauber bleibt das Leben wach."

So holpert sich Stefan George durch "Der Mensch und der Drud", aber recht hat er. Man soll nicht in Systeme eingreifen, die man nicht verstanden hat. Das gilt für die Rechtschreibung wie für die Bodenflora und -fauna (Glyphosat usw.). Ganz läßt es sich nicht vermeiden, sonst könnten wir nur noch stillsitzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2018 um 04.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40125

Es gibt bekannte Fälle von "kontraintuitiven" Problemlösungen, besonders bei statistischen Sachverhalten. Also etwa die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, daß zwei Schüler in einer Klasse am selben Tag Geburtstag haben. Aber das ist schon kompliziert im Vergleich mit dieser auch recht bekannten Aufgabe:

Vier Leute erreichen eine Schlucht mit einer Hängebrücke, die nur zwei Menschen gleichzeitig trägt. Es ist Nacht und die Vier haben nur eine Taschenlampe, die sie zur Überquerung der Brücke brauchen. Person A kann sie in einer Minute überqueren. Person B in zwei Minuten, Person C in fünf Minuten und Person D in acht Minuten. Wenn zwei Leute gleichzeitig gehen, müssen sie im Tempo des Langsameren gehen. Können sie alle in 15 Minuten oder sogar weniger über die Brücke kommen?

(Dennett führt es in seinem neuesten Buch an.)

Wir Nichtmathematiker gehen ungefähr so ran: Der Schnellste muß die Lampe zurückbringen, also jedesmal dabei sein. Dann kann er aber immer nur einen der anderen begleiten. – Das ist schon falsch, aber es ist schwer, von der Grundfigur wieder loszukommen. Der Mathematiker denkt: Die beiden Langsamsten können nicht nacheinander gehen, denn das würde schon 13 Minuten kosten – hoffnungslos! Der Rest ergibt sich von selbst.

Politische Diskussionen leiden oft darunter, daß die meisten Beteiligten nicht "rechnen" können, sondern auf ihren intuitiven Lösungen beharren. Man kann das populistisch nennen. Hoffnungslos!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2018 um 03.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40124

Ein Nachbarschaftsstreit betrifft nur die Beteiligten, während die "Umwelt" ein öffentliches Gut ist. Die "Tragik der Allmende" fällt einem dazu ein. Ob es eine gesetzliche Handhabe gibt oder nicht – solange niemand klagt, kann ein enormer Schaden für die Allgemeinheit entstehen und unabsehbar fortdauern.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.11.2018 um 21.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40122

Umgekehrter Fall: Erst durch das neueste Urteil des obersten Gerichts wurde der jahrzehntelange Streit mit Nachbarn von Musik-übenden Kindern beendet. Auch die Gemeinde-Ordnungen waren absichtlich ungenau formuliert. Ähnliches galt bei Anwohnern von Kinderspielplätzen. Oft hilft nur die gerichtliche Klärung.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.11.2018 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40121

Wie schon der pejorative Begriff Prozeßhanseltum beweist, ist niemand gezwungen, sich einer Meinung über eifrige und eifernde Kläger zu enthalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2018 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40120

Erst mal: ja! Natürlich gibt es noch weitere Fragen, u. a. wegen Bagatellverstößen und auch nach Prozeßhanseltum. Aber wenn die Gesetze den Bereich so feinmaschig regeln (no pun intended), dann sollte man sich eben daran halten. Ich bin selbst betroffen. Wenn die Nachbarn nicht so nett wären und wir uns alle gegenseitig hülfen, könnten sie die Entfernung sämtlicher Bäume verlangen, weil bei 6 m Breite des Grundstücks von Rechts wegen überhaupt keine Bäume stehen dürften.

Die Luftverpestung ist keine Bagatelle, allerdings finde ich als Laie den ganzen Umgang mit Diesel (erst subventionieren und dann verbieten, grob gesprochen) ziemlich fragwürdig.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.11.2018 um 19.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40111

Wenn also der Nachbar eine idiotische Klage wegen eines Maschendrahtzauns oder Kirschbaums anzettelt, soll man einzig der Gesetzeslage oder dem Richter gram sein, nicht aber dem Kläger?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2018 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40110

Die Deutsche Umwelthilfe ist mir zwar nicht besonders sympathisch (obwohl ich kein Autofahrer bin), aber wenn einem die gerichtlich verhängten Fahrverbote nicht gefallen, dann sollte man die Gerichte oder die Rechtslage kritisieren und nicht den Kläger (bis hin zu einer Petition gegen ihn). Wer die Klage eingereicht hat, ist doch egal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2018 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40107

Die Diskussion um Friedrich Merzens hohes Gehalt lenkt (absichtsvoll?) vom eigentlichen Problem ab und läßt sich allzu leicht mit Totschlagvokabeln ("Neidkomplex") niederschlagen. Auch daß wohlhabende Politiker weniger leicht korrumpierbar seien, ist nun wieder zu hören. Geschenkt!
Die Frage ist doch, ob er sich jahrelang mit einem sehr viel geringeren Politikereinkommen zufrieden geben wird, und warum sollte er das? Es wäre nicht das erstemal, daß ein Mann der Wirtschaft lange Zeit unbezahlte Lobbyarbeit leistet, für die er erst nach seiner Amtszeit reich belohnt wird, gegebenenfalls nach einer Schamfrist (Karenzzeit), aber auch das ist nicht nötig, auch keine schriftliche Vereinbarung, die irgendwie justiziabel wäre. Der vaterländische Opfergang wäre dann nicht gar so hart.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2018 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40085

Träger dieser Prozesse sind Zellen. Bei höher organisierten Lebewesen bestehen sie aus einem in seinem Aufbau und seinen Funktionen hoch komplizierten Zellkern. Dieser ist umgeben von einer Zellflüssigkeit, in die eine Vielzahl hochorganisierter Körperchen, so genannte Organellen, eingebettet ist. (https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation_(Biologie))

So kann man sich eigentlich nicht ausdrücken. Vgl.: Meine Familie besteht aus mir. Außerdem habe ich eine Frau und drei Töchter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2018 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40022

Alibaba-Gründer Jack Ma proklamiert als Ziel, in den nächsten 20 Jahren weltweit 2 Billionen Kunden mit Dienstleistungen zu versorgen. (FAZ 5.11.18)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.11.2018 um 23.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40006

Wenn man den Mittelwert für 2017 von 2150 Lebendgeburten pro Tag gleich 100% setzt, dann schwanken die entsprechenden monatlichen Mittelwerte um bis zu +/–7,5% (nach der Quelle von RM). Die genauen Werte pro Tag werden natürlich noch stärker schwanken. Wenn man wollte, würde man auch noch Schwankungen nach der Tageszeit feststellen.

Ob man beim Rechnen vereinfachend von einer konstanten mittleren Zahl ausgehen darf, das hängt immer davon ab, was man berechnen will.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.11.2018 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40005

Theoretisch mag die Wahrscheinlichkeit für jeden Tag gleich sein, praktisch ist sie dies jedoch nicht:
https://www.t-online.de/leben/familie/schwangerschaft/id_64230054/geburtenzahlen-pro-monat-das-ist-der-haeufigste-geburtstag.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2018 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40004

Ich fürchte, Sie haben recht mit dem Verschieben. Oder muß man unterscheiden zwischen den Kalenderjahren, auf die sich die Demographen beziehen, und den Einheiten von je 365 Tagen, die sich durch die Kalenderjahre schlängeln und immer die Ernte einfahren?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.11.2018 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#40003

Sie beschreiben da ein schönes Paradoxon, lieber Prof. Ickler. Männer denken wohl eher an die Zeugung, weil sie (zumindest unsere Generation) nur bei dieser dabei waren, Frauen jedoch auch ein dreiviertel Jahr später bei der Geburt. Nun bewirkt aber so ein Schalttag nicht nur, daß das betreffende Jahr einen Zeugungstag mehr hat, sondern auch, daß jeder einzelne Geburtstag des Folgejahres um einen Tag verschoben wird, was den Zeugungseffekt vollständig wieder ausgleicht.

Am einfachsten zum Rechnen ist daher die eher weibliche Sicht. An jedem beliebigen Tag, egal ob Schalttag oder normal, wird etwa die gleiche Anzahl Kinder geboren, unabhängig von allen Jahresgrenzen. Die Wahrscheinlichkeit ist für jeden Tag gleich. Wenn 2017 785000=365*2150 Kinder geboren wurden, dann hätte unter gleichen Umständen 2016 das Potential für 366*2150 Kinder gehabt. Statt 2150 mehr wurden aber tatsächlich 7000 weniger geboren. Das ergibt für 2016 nur 778000=366*2125 Kinder.

(Meine Zahlen sind von
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2018/10/PD18_420_122.html)

Also wurden 2017 im Durchschnitt in Deutschland jeden Tag 25 Kinder mehr als 2016 geboren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2018 um 03.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39997

Meine Liebe zur Mathematik ist ja eine ganz einseitige, unerwiderte. Aber ich will es trotzdem noch mal versuchen. Ein Schaltjahr hat einen Tag mehr zum Zeugen von Kindern, und dabei ist es ganz gleich, wann dieser Tag eingefügt wird, es sind immer 365 + 1.
Und von diesen zusätzlichen Kindern werden drei Viertel im darauffolgenden Jahr geboren, oder nicht? Natürlich nicht die vom 29. Februar. Kommt mir logisch vor.

(Die Ziffer 0,2 stand so im Text, das habe ich nicht nachgerechnet.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.11.2018 um 23.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39995

Ich will mal eine ganz grobe Rechnung versuchen.
Die sog. zusammengefaßte Geburtenziffer gibt an, wie viele Kinder eine Durchschnittsfrau im Laufe ihres Lebens bekommt. Deutschland hat ca. 18 Mio. Frauen im gebärfähigen Alter, einem Zeitraum von 30 Jahren. Wenn diese Geburtenziffer um 0,2 Kinder pro Frau schwankt, entspräche das einer Schwankung von ca. 18000000*0,2/30 = 120000 Kindern pro Jahr oder etwa 330 Kindern pro Tag in Deutschland.

Insgesamt kamen 2017 rund 785000 Kinder zur Welt, also 2150 Kinder pro Tag. Im Schaltjahr 2016 waren es aber sogar 7000 weniger.

Mit einem Schalttag ließe sich also eine Geburtenzifferschwankung von 0,2 über ein ganzes Jahr nicht erklären, eine entsprechende Schwankung nur im Februar aber schon.

Das ist wie mit der Geschwindigkeit beim Autofahren. Die augenblickliche Geschwindigkeit kann schnell mal 30 km/h über dem Durchschnitt liegen, aber es ist sehr schwer, über die gesamte Fahrstrecke den Durchschnitt um 30 km/h zu erhöhen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2018 um 18.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39992

Die Geburtenziffer ausländischer Frauen in Deutschland liegt jetzt ungefähr auf dem Bestandserhaltungsniveau (etwa 2,2), die der deutschen Frauen um ein Drittel darunter.
Kann es sein, daß die Geburtenziffer innerhalb eines Jahres um immerhin 0,2 Punkte zurückgeht und wieder steigt? Oder sind Fehler z. B. wegen eines Schaltjahres eingedrungen? (Oder ein breiter Stromausfall wie damals in New York?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2018 um 08.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39947

Manche rechnen uns vor, daß die Ökobilanz von Wegwerfgeschirr günstigenfalls (unbeschichtete Pappe) günstiger ist als die von Porzellan und Glas. Eigentlich sollten wir zu Hause täglich von solchem "Einweggeschirr" essen. Das wird keine Partei durchsetzen wollen und können (vgl. Veggie-Day). Der Staat selbst könnte aber mit gutem Beispiel vorangehen und beispielsweise bei Staatsbanketten nur Pappteller auftragen.

(Bei einem Essen in Indien wurde auf Bananenblättern serviert und natürlich mit den Fingern gegessen, das war auch sehr fortschrittlich.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2018 um 06.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39925

Gerade arbeitet sich besonders die SPD wieder am bedingungslosen Grundeinkommen ab, das wir hier schon diskutiert haben. Das Problem ist die Bedingungslosigkeit. Entweder das Grundeinkommen ist so niedrig, daß noch ein Anreiz zur Arbeitsaufnahme bleibt – aber dann wäre es menschenunwürdig. Oder es ist so hoch, daß man auf einen neuen Menschen hoffen muß, der trotz Rundumversorgung noch arbeiten möchte, um seinem Leben Sinn zu geben usw. (diese Schalmeienklänge brauche ich nicht auszuführen).

Sämtliche Erfahrungen haben dazu geführt, daß die Wirtschaft lieber auf den stärksten und zuverlässigsten Motor setzt, den es gibt. Nur so lassen sich auch Zwangsmaßnahmen vermeiden, wenn sich der neue Mensch partout nicht zeigen will. Davon sind im Grunde auch die Millionen überzeugt, die jetzt in der Nähe des Mindestlohns herumkreuchen. Sie träumen vielleicht vom Schlaraffenland, aber sie glauben nicht daran.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2018 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39923

Französische Forscher haben herausgefunden, daß Menschen, die viel Bio-Lebensmittel verzehren, ein 25% niedrigeres Krebsrisiko haben. Da jedoch eine auch sonst gesündere Lebensweise nicht herausgerechnet werden konnte, haben sie keinen ursächlichen Zusammenhang, also in Wirklichkeit gar nichts herausgefunden, empfehlen aber, insgesamt gesünder zu leben und vor allem nicht zu rauchen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.10.2018 um 19.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39913

Wirtschaftsminister Altmaier will dauerhafte Sommerzeit

Am Sonntag endet die Sommerzeit, und die Uhren werden umgestellt – vielleicht zum letzten Mal.

(http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/zeitumstellung-peter-altmaier-will-dauerhafte-sommerzeit-a-1234972.html)

So wird es aber nix mit dauerhafter Sommerzeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2018 um 13.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39911

Amerikanische Forscher haben festgestellt:

Mangelnde Fitness [= Bewegungsmangel] erhöht das Sterberisiko um ein Vielfaches mehr als Bluthochdruck, Rauchen oder Diabetes.

Also, Sportsfreunde, raucht weiter!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.10.2018 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39891

Spinnen. Wissenschaftler haben bisher mehr als 46.000 Arten entdeckt, Tendenz steigend. (planet wissen)

Eine fallende Tendenz wäre in der Tat überraschend. Dann würden Spinnenarten sozusagen wieder zugedeckt. So etwas kommt auch vor, aber selten.

Was die Spinnennetze betrifft, habe ich gerade ein schönes Beispiel für nichtunterscheidende Synonymie von mehrfach/mehrmals gefunden:

Spinnennetz-Formen entwickelten sich mehrfach unabhängig (spektrum.de 2.11.04, Überschrift)
Im Text dann: Verschiedene Arten von Streckerspinnen haben auf unterschiedlichen Hawaii-Inseln dasselbe Baukonzept ihrer Netze unabhängig voneinander mehrmals entwickelt.

(Und die unterschiedlichen Hawaii-Inseln sind einfach verschiedene.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2018 um 21.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39867

Regen könnte Trockenheit beenden (t-online.de)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.10.2018 um 15.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39864

Zu den Zahlen der Islamisierung in Deutschland:

Muslime kommen nicht nur aus Asien, auch sowieso nicht nur durch Einwanderung, sie werden auch hier geboren. Man muß also viele Faktoren berücksichtigen, das macht es schwer, die Wirklichkeit zu erkennen.

Alle Zahlen, egal wer sie nennt, sind immer politisch gewichtet, man verfolgt damit einen bestimmten Zweck. Inwiefern man offiziellen Statistiken noch trauen kann, wage ich nicht zu beurteilen. Wir sind es ja heute gewöhnt, daß Nachrichten verschwiegen oder geschönt werden, warum sollte das Statistische Bundesamt eine Ausnahme sein?

Aktuelle Zahlen wie auch die weitere Entwicklung sind oft nicht genau bekannt und beruhen auf Schätzungen, siehe z.B. https://www.tagesschau.de/inland/studie-zahl-der-muslime-in-deutschland-101.html. Dort wird u.a. von einer Studie berichtet, bei der nach drei verschiedenen Szenarien bis 2050 in Deutschland 9% bis 20% Muslime leben werden. Dabei geht das erste Szenario von einer "Null-Migration" aus, was ja wohl alles andere als eine realistische Annahme ist.

Wenn nun andere Institute oder Autoren mit weniger optimistischen Annahmen nicht 20%, sondern 40% bis 2040 ausrechnen, dann erscheint mir das unter diesen Umständen auch nur als ein mögliches Szenario. Man muß es nicht für gesichert halten, aber daß solche Zahlen geradezu "fabelhaft" sind, sehe ich nicht.

Die Frage ist, wo wollen wir eigentlich hin? Wir haben 2018 wohl ungefähr 6% Muslime. Und zwar nicht einfach nur Muslime, sondern zu einem großen Teil Muslime, die entweder noch Ausländer sind oder sich selbst als Bürger dieses Staates nicht zuerst als Deutsche, sondern z. B. als Türken verstehen. Kann sich jemand vorstellen, wie es dann einmal in Deutschland aussehen wird, wenn wir 20% oder mehr solche Muslime haben?

Wieviel Muslime, wenn nicht 40%, dürften es denn sein? Wieviel wollen wir riskieren? Selbstverständlich gilt Religionsfreiheit. Aber wir haben auch keinen Einwanderungs- oder Einbürgerungszwang. Wann wird der Punkt erreicht sein, von dem an sich die Umwandlung in einen islamistischen Staat nicht mehr aufhalten läßt?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.10.2018 um 11.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39861

Es werde klar, daß durch Freihandelsabkommen für alle Seiten Win-Win-Situationen entstünden.

(DLF-Nachrichten, 19.10.2018, 10 Uhr, zum Europa-Asien-Gipfel)

Win-Win für alle Seiten? Das ist doppelt gemoppelt.
Das Win ist deswegen doppelt vorhanden, um auszudrücken, daß jede Seite gewinnt, was man dann nicht noch einmal extra sagen muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2018 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39857

Die Islamisierung schreitet voran. In Österreich und Deutschland verdoppelt sich die Zahl der Muslime alle zehn Jahre. Schon in zwanzig Jahren wird sie 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Auf dem Weg in die zivilisatorische Selbstverstümmelung – Die Altparteien verraten ihr Volk. Von Klaus Peter Krause. (http://www.politikversagen.net/autor/klaus-peter-krause)

Das ist in jeder Hinsicht Unsinn, aber ich kenne Menschen, die es glauben; und wer hat schon immer die wirklichen Zahlen zur Hand?

Die Rechten jonglieren mit fabelhaften Zahlen. Die Wirklichkeit stört da nur. Beispiel: Im Jahr 2017 betrug die Nettozuwanderung aus Asien 140.000. Einzelheiten hier: https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2018-10/45005622-nettozuwanderung-im-jahr-2017-bei-416-000-personen-003.htm
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2018 um 04.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39832

Ja, es iat alles vom selben Geist der "Solidarität" getragen: andere für sich zahlen lassen. Und alles mußte demokratisch aussehen.

Bemerkenswert war und ist in diesem Fall, wie Universitätsleitung, Verkehrsbetrieb und quasi-monopolistische Lokalpresse jahrelang unisono das Lob dieser Konstruktion sangen und immer noch singen.

Den Trick mit dem unbrauchbaren Basisticket (nur nachts und am Wochenende gültig, wenn keine Lehrveranstaltungen sind) hatte ich schon bloßgelegt. Die kaum organisierte "Studierendenschaft" nimmt es hin wie ein Schafherde.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.10.2018 um 21.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39831

bisher: (72 € + 208,50 €) × 2/365 Tage = 1,54 €/Tag
jetzt: (74 € + 208,40 €) × 2/365 Tage = 1,55 €/Tag

Daß die Grundgebühr auch Studenten zahlen müssen, die gar nicht fahren, paßt zur Fernsehgebühr, die auch zahlt, wer gar keinen Fernseher hat. Beides verrückt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2018 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39829

Das Semesterticket in Erlangen wird so gut genutzt, daß der Preis des Zusatztickets von 208,50 auf 208,40 € gesenkt werden kann.

Somit sind Studierende mit Basis- und Zusatzkarte ab Oktober wieder ein ganzes Jahr für 1,14 Euro pro Tag im gesamten VGN-Gebiet rund um die Uhr mobil. (https://www.mittelbayerische.de/region/nuernberg-nachrichten/semesterticket-im-raum-nuernberg-bleibt-21503-art1650710.html)

Das Basisticket wird gleichzeitig um 2 € teurer und kostet dann 74 €, das Ganze also 564,80 € im Jahr. Und nun rechnet noch einmal!

Wusstet ihr, dass der Preis für das Semesterticket weit über dem bundesweiten Durchschnitt (163 Euro) liegt? (http://www.nordbayern.de/region/erlangen/eingeschrieben-neun-kuriose-fakten-uber-die-fau-erlangen-nurnberg-1.6688584?offset=8&article=1.6755280&type=article#ancTitle)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.10.2018 um 07.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39802

Die WHO will den Grenzwert für Lärmbelästigung auf 45 Dezibel festlegen; mehr sei gesundheitsgefährdend. Schlecht für manche Windräder.

Ich habe neun Jahre in Schwabing an einer belebten Straße mit Kreuzung gewohnt. Millionen Menschen müßten umgesiedelt werden. Aber dann würde immer noch der Kühlschrank surren und sie krank machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2018 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39800

Papst Franziskus vergleicht Abtreibung mit Auftragsmord

„Ist es richtig, einen Auftragsmörder anzuheuern, um ein Problem zu lösen?“, fuhr er abweichend von seinem Predigttext fort.

„Einen Menschen zu beseitigen ist wie die Inanspruchnahme eines Auftragsmörders, um ein Problem zu lösen“, sagte Franziskus weiter.

E’ giusto affittare un sicario per risolvere un problema? Non si può, non è giusto “fare fuori” un essere umano, benché piccolo, per risolvere un problema. E’ come affittare un sicario per risolvere un problema.


Der Papst sagt zwar „wie“ (come), aber nach seiner eigenen Logik ist es kein Vergleich. Wer einen unschuldigen jungen Menschen geplant tötet, ist ein Mörder und nicht "wie" ein solcher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2018 um 07.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39792

Stoibers These, der Rückgang der CSU-Wählerschaft gehe auf binnendeutsche Zuwanderung zurück, kann schon rein rechnerisch nicht stimmen. Natürlich haben wir Zuwanderer keine engere Bindung an die Partei, ohne die man in Bayern nur schwer etwas werden kann. Es ist auch beleidigend für die eigenen Wähler, wenn man ihnen unterstellt, der Selbstdarstellung der CSU blindlings gefolgt zu sein.
Unter jungen Leuten, ob zugewandert oder nicht, findet man seltener die sture Identifikation des Landes mit der Partei, von der wir alles haben ("wir preisen dich für deine Gaben"). Das ist auch ein Erfolg der bayerischen Bildungspolitik und letztlich ja nur die Herstellung normaler Verhältnisse auch in diesem Bundesland.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2018 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39679

Was uns hier in Erlangen bewegt:

Über Siemens:

500 Mitarbeiter verlieren Job
(...)
Für Erlangen bedeutet das, dass hier statt der angepeilten rund 260 Beschäftigten jetzt 500 Mitarbeiter ihren Job verlieren werden. (...) Betriebsbedingte Kündigungen werde es "weder jetzt noch in Zukunft" geben.
(nordbayern.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2018 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39677

Nicht einmal zwei Stunden später war Kauder die längste Zeit seines Lebens Fraktionsvorsitzender gewesen, verdrängt von seinem Stellvertreter Ralph Brinkhaus, der dreizehn Stimmen mehr bekam als der Mann, der die Abgeordneten 13 Jahre lang geführt hatte. (FAZ 27.9.18)

Frage: Wie alt ist Volker Kauder?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.09.2018 um 21.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39662

Wieso? Beliebige Völker der Erde können miteinander freundschaftliche Beziehungen pflegen, ohne daß deshalb große Teile des einen Volkes in das angestammte Territorium des anderen Volkes übersiedeln müssen. Dazu haben sie kein Recht.

Die Zeichen der Freundschaft sind natürlich nicht begrenzt, aber wenn einem Volk bestimmte Maßnahmen aus Selbstschutzgründen zu weit gehen, dann ist es nicht gleich feindlich eingestellt, sondern für weniger identitätsrelevante Beziehungen (Handel, Tourismus, Nothilfe) weiterhin offen. Das nenne ich immer noch Freundschaft, Pflege guter Beziehungen.

Feindschaft beginnt meiner Meinung nach erst mit Gewalttätigkeit gegen sich friedlich verhaltende Völker.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2018 um 19.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39661

Das ist aber etwas anderes als die Ansiedlung Fremder.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.09.2018 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39659

Ist das nicht die Definition von Fremdenfeindlichkeit?

Nein, natürlich nicht! Ich kann doch mit meinem Nachbarn freundschaftliche Beziehungen haben, ihn sogar zu Festen einladen usw., ohne daß ich ihm deswegen ein Zimmer in meinem Haus räumen muß, und analog er mir.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2018 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39658

Mit Google kann man sich leicht davon überzeugen, daß jedes Jahr zahllose Male "Merkels Macht schwindet" oder so ähnlich geschrieben worden ist. Die FAZ zum Beispiel hat das Ende von Merkels Kanzlerschaft vom ersten Tage an vorausgesagt und herbeizuschreiben versucht.
Aber diesmal, 2018, wird es doch klappen? Die Wahrscheinlichkeit steigt natürlich rein rechnerisch, und irgendwann werden die Propheten recht gehabt haben. Aber lustig war’s doch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2018 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39657

Ist das nicht die Definition von Fremdenfeindlichkeit?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.09.2018 um 12.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39655

Es läuft immer wieder auf das gleiche hinaus: Wenn jemand gegen die Ansiedlung Fremder mit anderer Kultur in seiner Heimat ist, dann wird er gleich als Feind dieser Fremden bezeichnet. Mit welcher Berechtigung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2018 um 11.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39653

Warum sollen "jüdische Menschen" (Charlotte Knobloch) sich nicht in der AfD engagieren? "Der Feind meines Feindes ist mein Freund." Dieser Grundsatz wird übrigens im altindischen Politiklehrbuch Arthashastra arithmetisch und geometrisch durchgerechnet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.09.2018 um 20.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39625

Car pooling ist der amerikanische Begriff, car sharing der britische, aber auf der Insel spielt die Sache eine untergeordnete Rolle.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.09.2018 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39624

Im Erzgebirge heißt das Spiel Hoppkästl.
Im jüngeren Kindesalter haben es auch Jungs mitgespielt, später nur Mädchen.

Noch zu meiner Bemerkung zum Carsharing in Amerika:
Jetzt erinnere ich mich wieder genauer, das, was ich mit der zweiten Art meinte, wird dort eigentlich "car pooling" genannt, also etwa Fahrgemeinschaft, es gibt sog. "car pool lanes". Als Oberbegriff für verschiedene Arten geht aber "car sharing" wohl auch.
Im Grunde ist beides trivial, selbstverständlich wird beim Carpooling Sprit gespart, jedoch nicht beim Nacheinanderfahren des gleichen Autos. Deshalb ist mir unklar, wie diese Meldung überhaupt gemeint sein könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2018 um 16.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39621

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1194#21558
Der Fehler ist inzwischen korrigiert.

Abzählverse oder -reime sind interessant, schon weil sie bei aller Urtümlichkeit keiner der anerkannten Sprachfunktionen zugeordnet werden können. Irgendwie performativ, aber damit ist die Eigenart nicht erfaßt. Arbeitslieder zwecks Koordination gemeinschaftlicher Tätigkeit (Gruppenleistungen vom Typ I nach Hofstätter) gehören auch dazu.

„Abzählreime sind interaktive Kinderreime. Sie dienen dem reinen Zeitvertreib, der pseudozufälligen Zuordnung einer Rolle im Kinderspiel oder zur spielerischen Verarbeitung von Tabubrüchen.
Bei festen Reimen determiniert der Beginn die Wahl. Die Anzahl der bestimmenden Elemente übersteigt das Rechenvermögen kleinerer Kinder, ihnen scheint das Ergebnis unvorhersagbar.“
(https://de.wikipedia.org/wiki/Abzählreim)

Mit dieser Rechenschwäche arbeiten ja auch Zauberkünstler.

Ich höre die Abzählreime fast täglich vom Garagenhof, der von 19 Reihenhäusern und weiteren Nachbarn bespielt wird - die wievielte Generation schon seit unserem Einzug?

Das Pflaster ist mit Kreidemalereien bedeckt, vor allem Hüpfkästchen (Himmel und Hölle, dazu Dutzende von Synonymen; bei uns früher Hüppekästchen, weil die niederdeutsche Sprachgrenze unscharf angrenzte).
Das spielen aber nur Mädchen. Ich habe gar nicht erst versucht, die Regeln zu lernen, und bin im Grunde meines Herzens überzeugt, daß ich sie nie verstehen würde. (Später dann: "Was will das Weib?")

"Hickelkasten oder Hüpfspiel, auch Paradiesspiel, Himmel und Hölle, Tempelhüpfen, Reise zum Mond, Hinkekasten, Hüpfe-, Huppe- oder Hüppekästchen oder einfach Hopse und Hickeln (mundartlich auch Hickelsches, Hickerles, Hinkepinke oder Hinkeln) genannt, ist ein einfaches Kinderspiel, das mit beliebig vielen Teilnehmern, aber auch alleine gespielt werden kann. Zusammen mit dem Gummitwist ist es ein häufiges Hüpfspiel auf Schulhöfen."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2018 um 08.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39553

Das habe ich auch gelesen, aber in Deutschland versteht man darunter wohl nicht das Mitfahren. Natürlich verbraucht und emittiert ein vollbesetztes Auto weniger als vier einzelne, aber so trivial war das Problem nicht gestellt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.09.2018 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39551

Es gibt ja zwei Arten von Carsharing. Zwei Personen können dasselbe Auto nacheinander oder gleichzeitig nutzen. Letzteres wird zumindest in Amerika auch Carsharing genannt, dafür ist in Stoßzeiten sogar eine gesonderte Fahrspur reserviert. Bei dieser Art Carsharing müßte eigentlich schon auch für die Umwelt etwas herauskommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2018 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39549

Kürzlich wurde herausposaunt, daß Carsharing den CO2-Ausstoß nicht vermindert. Ich habe kein Car und share nichts, aber dieses Ergebnis hat mich nicht besonders gewundert. Wenn von zwei Autos eins stehen bleibt und das andere doppelt so viel fährt...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2018 um 03.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39543

Riesige Schokoladenwerbung, von der Bahn aus gesehen:

Ritter Sport

Honig-Salz-Mandel

mit Honig und Salz verfeinerten, gerösteten Mandeln


(Bei Facebook hat sich auch schon jemand über das Fehlen eines zweiten „mit“ lustig gemacht.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.08.2018 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39455

Bundesminister Heil droht Bayern mit rechtlichen Schritten, wenn es das geplante Familiengeld nicht auf Hartz IV anrechnet (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39305).
Aber was, wenn Bayern ein zu erwartendes Gerichtsurteil ignoriert (wie es ja national und international immer üblicher wird)? Reichsexekution?

Aber wahrscheinlich hilft die Semantik. Schon jetzt argumentiert Bayern, das Familiengeld diene nicht der Existenzsicherung und habe daher mit Hartz IV nichts zu tun. Das leuchtet sogar nach der Logik der Bundesregierung ein, wenn man bedenkt, daß nur die Wohlhabenden es bekommen, während es den Armen gleich wieder abgezogen wird. Auch das ist nichts Neues, schließlich werden auch nur die Wohlhabenden mit einer Prämie zum Kauf von E-Autos (bis 60.000 Euro!) beschenkt (Matthäus-Prinzip).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.08.2018 um 18.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39436

Das versteht sich von selbst, aber es ging bei den beanstandeten Herstellerangaben trotzdem nicht um die Qualität der Dämmung, sondern um den Verbrauch, auf den noch andere Faktoren Einfluß haben.
Übrigens ist neben der Bauart auch wichtig, wieviel Kaltluft beim Öffnen entweicht, weshalb eben der normale Gebrauch mit Öffnen und Schließen dazugehört – wie beim Auto das Fahren auf Straßen und nicht nur die ideale Situation auf dem Prüfstand.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.08.2018 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39435

Die Güte der Wärmedämmung hat einen wesentlichen Einfluß auf den Energieverbrauch.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.08.2018 um 12.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39433

Philadelphia ist die gefährlichste Millionenstadt der USA . . .
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.08.2018 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39432

Im Report über sexuellen Mißbrauch in der katholischen Kirche (http://media-downloads.pacourts.us/InterimRedactedReportandResponses.pdf?cb=22148) heißt es zu Beginn:

There have been other reports about child sex abuse within the Catholic Church. But never on this scale. For many of us, those earlier stories happened someplace else, someplace away. Now we know the truth: it happened everywhere.

Bisher wird dieses "everywhere" kaum ausbuchstabiert, darum setze ich es unter "Kopfrechnen". Pennsylvania ist ja kein besonders krimineller Landstrich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.08.2018 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39431

Es geht nicht um die Qualität der Wärmedämmung, sondern um den Energieverbrauch.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 27.08.2018 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39424

Wer die Qualität der Wärmedämmung eines Kühlschranks messen möchte, der sollte – sagt mir mein beschränkter Laienverstand – vorzugsweise mit geschlossener Kühlschranktür messen.

Wenn man schon mit Interessenlagen argumentiert, dann sollte man beide Seiten ins Auge fassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2018 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39414

Mehr als 70 Millionen Katholiken leben in den Vereinigten Staaten. Das ist beinahe ein Viertel der katholischen Weltbevölkerung. (WELT 26.8.18)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 25.08.2018 um 14.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39407

Und was ist die Interessenlage der Auftraggeber und der Ersteller der "Studie"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2018 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39404

Unter der Meldung über die Schädlichkeit von Low Carb stehen Rezepte, wie man den Tag mit einem Low-Carb-Frühstück beginnt.
Gleichzeitig erschreckt uns die Mitteilung, daß Alkohol in Maßen zwar gesund ist, aber krank macht und das Leben verkürzt oder so ähnlich. Hab’s nicht zu Ende gelesen.

Was den Energieverbrauch von Haushaltsgeräten betrifft, haben die Hersteller richtig gemessen, aber mit veralteten Methoden und im "Schongang" (wer benutzt schon einen Kühlschrank, ohne jemals die Tür zu öffnen?). Die Interessenlage läßt vermuten, daß das kein Zufall ist.

Ein Dreipersonenhaushalt gibt 86 Euro im Monat für Strom aus, davon 34 Euro Steuern und Abgaben. Psychologisch ist wohl von Bedeutung, daß man nicht unmittelbar sieht, wie das Geld dahingeht, und der Anreiz zum Sparen daher gering ist.

Daher das Zetern, wenn jetzt bei den Lampen die EU nochmals strenger regeln will (Halogen) – wo doch die Beleuchtung nur zwei Prozent usw. ...

Kleinvieh macht auch Mist, aber man sieht ja an den sparsamen Benzinmotoren bei immer größer werdenden Autos (SUV), wie wenig Voraussicht dem Menschen gegeben ist. Wir sind Angehörige des "consumer tribe", wie Harari so hübsch sagt.

Die Regierung wird gemahnt, den Inlandsverbrauch anzukurbeln. Früher war ein guter Bürger ein guter Christ, heute ist er ein guter Verbraucher (dieses Wort gab es früher gar nicht ohne Hinzufügung, was er eigentlich gerade verbraucht).
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 24.08.2018 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39403

zu #39393

Warum sollte man den Meßwerten der "Studie" mehr trauen als denen der Hersteller?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.08.2018 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39401

Ungefähr gleichzeitig wird gemeldet:

Die Braunkohle hat uns über den Sommer gerettet, weil oft zu wenig Wind wehte.

Die Windräder haben uns über den Sommer gerettet, weil es an Kühlwasser für die konventionellen Kraftwerke fehlte.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.08.2018 um 22.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39398

Ein sehr bekanntes Beispiel für die (Liquida-)Metathese ist das altnordische Wort "gard" (eingezäunter Bereich), deutsch "Garten", mittelslawisch "grad" oder "hrad", altslawisch (Vollaut) "gorod".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2018 um 17.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39395

Heute morgen habe ich ganz bestimmt zum erstenmal das Wort Berme gehört. Arbeiter erklärten damit, welche Erdarbeiten sie gerade am Bett der Schwabach ausführten. Ungefähr fünf Stunden später las ich dasselbe Wort in einem Buch über die Insel Juist. Ist das nun ein erstaunlicher Zufall? Meine Frau war jedenfalls beeindruckt und meint, daß mir dauernd solche Sachen passieren, aber eigentlich muß so etwas ständig vorkommen, wie man sich leicht ausrechnen kann. Andernfalls verstärkt es den Aberglauben.

Mit Berme ist übrigens Bremen verwandt, mit der üblichen Metathese, vgl. engl. brim.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2018 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39393

Die tatsächlichen Energieverbrauchswerte von Haushaltsgeräten weichen teilweise stark von den Herstellerangaben ab. Laut einer Studie verbrauchen viele Geräte in der Praxis deutlich mehr Energie als angegeben. Der Mehrverbrauch beträgt demnach häufig 20 bis 30 Prozent, in einem Extremfall war der Verbrauch sogar mehr als doppelt so hoch.

Ist das nicht ebenso kriminell wie die Abgasmanipulationen der Autoindustrie? Man hört aber gar keinen Protest.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2018 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39387

"Gesättigte Fettsäuren gehen direkt in Ihre Herzkranzgefäße und führen zum sicheren Herztod. Kokosöl ist das reine Gift."
Das weiß inzwischen jeder, weil es auf Youtube und in allen Medien lief.

Allerdings sind schädliche Wirkungen bisher nicht nachgewiesen (s. Wikipedia).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2018 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39376

Jedes Jahr um diese Zeit kommt Prof. Bodo Melnik in die Zeitung und warnt vor Milch. Stets mit dem Hinweis, daß andere erwachsene Säugetiere auch keine Milch mehr trinken. Logisch ist das nicht. Aber den Veganern gefällt es.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2018 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39375

Jan Grossarth muß auch noch mal ran, eher unlustig, wie mir scheint, und etwas zu Glyphosat, Monsanto und Bayer sagen. Er erwähnt noch einmal die Schonung der Böden (ziemlich einseitig gesehen, denn das Beseitigen der Bodenflora und -fauna kann man kaum Schonung nennen), die Ersparnis an Diesel (weil die Bauern nur noch einmal übers Feld fahren müssen, und alles ist weg), aber nicht mehr die zerhackten Regenwürmer. Aber die Rhetorik hat sich doch gewandelt, vgl. etwa http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/aktivisten-monsanto-und-die-maer-vom-oekozid-14435524.html, mit dem unverdienten Seitenhieb auf Rachel Carson.

Was er immer noch nicht erwähnt: die Manipulation von "wissenschaftlichen" Unbedenklichkeitsbescheinigungen, die heute in großem Umfang von der Auftragsforschung ausgestellt werden. Der Abgasskandal der Autoindustrie hat vielleicht auch das Mißtrauen geschärft. Und der Wertverlust bei Bayer-Aktionären ist eine Realität, die sich mit Pathologisierung nicht mehr erklären läßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2018 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39374

Die Langzeitstudie zu Low-carb hat einen methodischen Fehler: Man untersucht Menschen mit bereits feststehenden, von ihnen selbst (warum wohl?) gewählten Ernährungsgewohnheiten, statt zufällig ausgewählte Probanden über viele Jahre auf Low-carb zu setzen und mit einer ebensolchen Gruppe ohne Low-carb zu vergleichen. Eigentlich müßte der Test auch noch verblindet werden, aber er wäre auch so schon schwer genug.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2018 um 17.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39366

In den Medien wird ein plötzlicher Einbruch der Lebenserwartung diskutiert. Wahrscheinlich ein Artefakt der Meßmethode, lieber erst mal abwarten.

Dazu noch dies:

Kaffee verlängert Lebenserwartung bei Darmkrebs

Aber auch:

Forscher fanden jetzt heraus, dass eine Low-Carb Ernährung die Lebenserwartung um bis zu vier Jahre verkürzen kann.

Mal sehen, was das Leben morgen so bringt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2018 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39351

Nach Ansicht italienischer Politiker ist die EU am Brückeneinsturz von Genua schuld, weil sie Italien am Geldausgeben gehindert hat. Also eigentlich Frau Merkel mit ihrer Sparpolitik. Nach Merkels vielen tausend Morden (durch Ertränken im Mittelmeer, nach Paul Collier) machen die Toten von Genua auch nicht mehr viel aus.

Meine eigenen Vorurteile sagen mir allerdings, daß in Italien etwas ganz anderes herauskommen dürfte.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 16.08.2018 um 19.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39346

In Deutschland ist Mariae Himmelfahrt nur in Bayern gesetzlicher Feiertag – und das nur teilweise.

Ausgerechnet im säkularen Frankreich ist der Tag (Assomption) dagegen landesweit gesetzlicher Feiertag.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2018 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39335

Bayer mußte doch wissen, was sich gegen Monsanto zusammenbraute?

Natürlich wird nun gegen das Urteil geklagt, aber dabei werden unvermeidlicherweise die Praktiken zur Beeinflussung der wissenschaftlichen Untersuchungen und Gutachten auf den Tisch kommen, das ist eine riskante Sache.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2018 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39332

Mariae Himmelfahrt ist gesetzlicher Feiertag

in Bayern nach Artikel 1 Absatz 1 des Gesetzes über den Schutz der Sonn- und Feiertage (FTG) in Gemeinden mit „überwiegend katholischer Bevölkerung“. Dabei ist „überwiegend“ nach Art. 1 Abs. 3 FTG nicht durch die absolute oder relative Mehrheit der Bevölkerung definiert, sondern nur durch den Vergleich der Mitgliederzahl der römisch-katholischen und der evangelisch-lutherischen Kirche in der jeweiligen Gemeinde. Daher ist der Tag zum Beispiel in München gesetzlicher Feiertag, obwohl der Bevölkerungsanteil der Katholiken in München nur knapp ein Drittel beträgt. (Wikipedia)

D. h., auch wenn es in München eines Tages nur noch 1 Protestanten und 2 Katholiken geben sollte, wäre Mariae Himmelfahrt weiterhin gesetzlicher Feiertag. (Schon jetzt gehört die Mehrheit keiner christlichen Kirche an.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.08.2018 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39315

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39299

Am 18. Juli 2014 verurteilte ein Geschworenengericht in Pensacola R. J. Reynolds zu einer Schadenersatzzahlung von 16 Millionen Dollar an die Witwe eines 1996 an Lungenkrebs gestorbenen langjährigen starken Rauchers sowie zu einer Strafzahlung von 23,6 Milliarden Dollar, da der Tabakkonzern es absichtlich unterlassen habe, diesen darüber aufzuklären, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht und Nikotin hochgradig süchtig macht, obwohl diese Wirkung dem Unternehmen bekannt war.

Aber hat Reynolds auch gezahlt? Dazu kann ich nichts finden, ähnlich bei anderen typisch amerikanischen Urteilen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.08.2018 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39309

Da hilft wohl nur das "bedingungslose Grundeinkommen" als Weg aus der Patsche...
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 12.08.2018 um 22.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39308

Es ist ja noch viel schlimmer! Auch das Kindergeld und das Elterngeld werden auf Hartz IV angerechnet!

Damit sitzt ja auch Angela Merkel mit in der Patsche – nicht nur die depperten Bayern.

Wahrlich, wahrlich, ein gefundenes Fressen für Linkspopularisten jeglicher Couleur.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2018 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39305

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34625

Im reichen Bayern hat die Armut vor allem unter alleinerziehenden Eltern und Alten zugenommen. Das geht aus der Antwort des Sozialministeriums auf eine Landtagsanfrage der SPD hervor. (Meldung 11.8.18)

Je mehr Geld in Bayern verdient wird (und Einkommen und Beschäftigung haben kräftig zugelegt), desto mehr Armutsgefährdung, eben weil sie relativ zu den Durchschnittseinkommen berechnet wird. Dabei kann es den Gefährdeten ebenso gut oder besser gehen als vorher, sie sind trotzdem ärmer geworden. Gleichwohl leiten die SPD und andere daraus ihre Forderungen nach staatlichen Unterstützungsleistungen ab.

Übrigens wird man nun sehen, wie Söder sich aus der Falle zieht, die er sich mit seinem Familiengeld selbst gestellt hat: Diese Sonderleistungen werden den Hartz-IV-Empfängern nach Bundesgesetzen und trotz Kreuzen im Eingangsbereich abgezogen, während die Besserverdienenden sie ohne Einschränkung und einkommensunabhängig kassieren. Ein echter Wahlkampfschlager!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2018 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39301

In Deutschland leben gegenwärtig abzüglich der Migranten weniger Menschen als im Jahr 1914. (Thilo Sarrazin Leserbrief FAZ 11.8.18)

Wirklich?

Länder, die nicht einmal ihr eigenes Bevölkerungwachstum in den Griff kriegen, werden bei der Beschränkung ihrer CO2-Emissionen mit Sicherheit scheitern.

Hat Deutschland sein Bevölkerungswachstum in den Griff gekriegt? Der Geburtenrückgang hat sich wie in anderen Industriestaaten so ergeben; angestrebt wurde er nicht. Direkt versucht haben es Indien und China, mit den bekannten Folgen und Begleiterscheinungen. Was also empfiehlt Sarrazin zu tun?

Daß das Bevölkerungswachstum in der Diskussion "gern verdrängt" werde, kann man doch auch nicht sagen. (Es geht praktisch immer um Afrika, also ums Schnackseln, wie Fürstin Gloria so treffend bemerkte.)

Übrigens hebt Sarrazin im selben Text den geringen Anteil Deutschlands am Weltklima hervor, beklagt aber gleichzeitig den Ausstieg aus der Kernenergie, die einen Beitrag zur CO2-Reduktion leisten könne.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2018 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39299

Nachdem Monsanto deutsch geworden ist, stellt ein amerikanisches Geschworenengericht fest, daß ein Hausmeister durch Glyphosat Krebs bekommen hat, und spricht ihm das landesübliche Schmerzensgeld von 290 Mill. Dollar zu. Tausende von ähnlichen Klagen sind anhängig, das Schmerzensgeld könnte also in die Billionen gehen. Teures Schnäppchen. (Haben die Tabakkonzerne eigentlich brav ihre Milliarden gezahlt?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2018 um 13.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39289

„Als die natürliche Selektion die Gehirne immer größer werden ließ, muss die Säuglings- und Müttersterblichkeit auf ein nie dagewesenes Niveau angestiegen sein, und mit der Zeit wurden Neugeborene begünstigt, die einen Teil ihrer Gehirnentwicklung auf die Zeit nach der Geburt verlagert hatte.“ (Dean Falk: Wie die Menschheit zur Sprache fand. München 2010:82)

So war es wohl nicht, auch nicht mit den „zunehmend längeren und schmerzhafteren Geburten“. Dafür sind die Zeiträume zu groß. Selektionsvorteile halten sich sozusagen im Promillebereich. Die Folgen zeigen sich nach 100.000 Jahren, vielleicht weniger. Es gab nie Menschen, die sich wunderten, warum Geburten so viel länger dauerten und Kinder so viel öfter starben als „früher“. Mal starben mehr, mal weniger, und in diesem allgemeinen Rauschen ging das evolutionäre Geschehen völlig unter.

Anders im Garten. Wenn man dort Brennesseln oder Efeu hat und nichts dagegen tut, hat man nach fünf Jahren nur noch Brennesseln bzw. Efeu.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2018 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39285

Die Aufforderung, es Trump gleichzutun, kann für Deutschland zweierlei bedeuten:

1. Germany first!
2. America first!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2018 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39284

Regen ist nur heißer Tropfen auf dem Stein(derwesten.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2018 um 19.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39268

Damit beziehen 18 Prozent der knapp 2,9 Millionen Studierenden Bafög – das ist nur noch jeder Achte. (wr.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2018 um 10.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39264

Dr. Hartfrid Golf, Lampertheim, rechnet vor, daß die Energiewende jeden Vierpersonenhaushalt, auch arme Familien, 50.000 Euro kostet. Das sollte man doch gleich zu Atomenergie und Kohle zurückkehren, die bekanntlich nie subventioniert wurden. (Golf ist oder war Sprecher der Bürgerinitiative „Gegenwind“. Das steht aber nicht unter seinem Leserbrief an die FAZ, obwohl die Redaktion es bestimmt weiß. Ein großer Teil der Leserbriefe bietet ja nur „gebundene“ Funktionärsmeinungen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2018 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39253

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39134

Von ähnlicher Art ist dies:

965,5 Milliarden Euro – das ist die Summe, die die Bundesrepublik im Jahr 2017 für Soziales ausgegeben hat. (WELT 3.8.18)

Man könnte meinen, daß dies ein steuerfinanzierter Posten des Bundeshaushalts sei (der allerdings nur rund ein Drittel davon beträgt). – Wenige weisen darauf hin, daß hier ganz Verschiedenes zusammengeworfen wird. Der Artikel dient nur der Aufhetzung, wie denn auch ein Leser sich bei der „Merkel-Clique“ bedankt und ausdrücklich die SPD erwähnt.

Die größten Summen entfielen demnach auf die Rentenversicherung, die Krankenversicherung und die Beamtenpensionen. (FAZ) – Na und?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2018 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39251

Nachdem wir uns eine Woche lang den Kopf zerbrochen haben, wie wir Toxoplasmose in unser Hirn kriegen, um unternehmungslustiger zu werden (und vielleicht noch BWL zu studieren wie die meisten Parasitenopfer), kommt eine erfreulichere Meldung:

Häufiger Alkoholkonsum, aber auch Abstinenz fördern Demenzen im Alter

(und viele Variationen)

Aber ach! Die Lektüre zeigt, daß kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen ist. Wahrscheinlich trinken einige keinen Alkohol, weil sie schon vorher von allen guten Geistern verlassen waren. Weitere Forschungen sind nötig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2018 um 06.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39247

Die FAZ vom 2.8.18 berichtet wieder einmal recht wohlwollend über den Spökenkieker („Parapsychologen“) Walter von Lucadou. Er beschäftige vier Mitarbeiterinnen, „unter ihnen Psychologinnen, Ethnologinnen und Sozialpädagoginnen“. In diesen Kreisen gelten auch die Grundrechenarten nur eingeschränkt. (Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1106#38892 und http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1404#17835)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2018 um 04.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39229

Der Nährstand fordert 1 Mrd. zum Ausgleich der wetterbedingten Ernteausfälle.

In Deutschland gilt es als selbstverständlich, daß Verluste der Bauern sozialisiert werden, während Gewinne privat bleiben. Darin unterscheidet sich die Subventionswirtschaft von der Besteuerung.

Die 12 Mrd., die Trump den Sojabauern spendieren will, sind immerhin als Ausgleich für die Exportverluste gedacht, die er selbst verursacht hat (falls es nicht ganz anders kommt).

In der SPD planen sie, den Soil nicht aufzugeben, sondern umzuwidmen in einen Bildungssoli. Der Staat gibt eine Sondersteuer nur ganz selten wieder her, auch wenn sie gesetzlich nur für einen gewissen Zeitraum vorgesehen war. Man spricht dann von notwendiger "Gegenfinanzierung". Auch wenn der Staat im Geld schwimmt, reicht es nie aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2018 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39221

Der "jeweils andere" ist oft einfach "der andere" und wirkt daher pedantisch oder unnötig aufgebläht. Manchmal bedeutet es aber auch "verschieden" und wird dann gern zur Wiederholungsvermeidung eingesetzt.

Mit "verschieden" wiederum gibt es auch ein kleines Problem, weil es bekanntlich pronominal verwendet wird und dann "manche" ersetzt. Um diese Deutung zu verhindern, sagt man dann etwa "unterschiedliche".

Weil unterschiedliche Steuerungen jeweils andere Diagnosekonzepte erfordern...

Schlichter und zugleich nachdrücklicher wäre hier:

Weil verschiedene Steuerungen verschiedene Diagnosekonzepte erfordern...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2018 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39196

Zur Zeit wird ja viel auf "wildes" wissenschaftliches Publizieren geschimpft, ohne "Peer review" und so weiter. Nun, wir hatten schon viele Beispiele von ordnungsgemäß geprüften Aufsätzen, die sicherlich den Standards entsprechen und dennoch ganz irrelevante Massenware sind.

Der Publikationsdruck bringt Millionen Beispiele von Korrelationsforschung hervor, von denen einiges dann durch die Pressearbeit der Universitäten in die Medien gelangt, zum Beispiel:

"Macht Katzenparasit Berufsanfänger mutiger?"
(https://www.spektrum.de/news/macht-katzenparasit-berufsanfaenger-mutiger/1580982)

"Katzen-Parasiten machen Menschen oft zu Unternehmern"
(http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/parasitaere-manipulationen-dieser-katzen-parasiten-machen-diese-menschen-manchmal-oft-zu-unternehmern-20180727418363)

Meistens bringen die Verfasser der Originaltexte ihre Vorbehalte an, so daß ihr Ruf nicht leidet. In der popularisierten Fassung fällt das dann weg, und das Ergebnis ist von den geschmähten Fake-Forschungen nicht wesentlich verschieden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2018 um 12.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39181

Alle Infos zum galaktischen Freitag (BILD zur Mondfinsternis)

Außerhalb der Astronomie wird galaktisch neuerdings als flotte Variante von astronomisch mit der Bedeutung "enorm" verwendet.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.07.2018 um 14.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39147

Es ist sogar ein Grundprinzip der slawischen Sprachen, daß es nicht genügt, eine Verneinungspartikel vor den Satz zu stellen, Es muß immer auch das Verb verneint werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2018 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39140

Trumps Probleme mit der doppelten Verneinung könnten auf russische Interferenz zurückzuführen sein. Bekanntlich nehmen es die Slawen mit der Verneinung nicht so genau: drei oder vier oder zehn Verneinungen ergeben am Ende immer "nein".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2018 um 17.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39134

Knapp 46 Prozent bleiben von jedem erarbeiteten Euro in der Tasche der Bürger. Der Rest geht an die Staatskasse. (Bund der Steuerzahler)

Warum Sie bis heute ausschließlich für den Staat gearbeitet haben

Rein rechnerisch haben Deutsche in diesem Jahr sechs Monate nur für den Fiskus gearbeitet. Der Bund der Steuerzahler kritisiert die Politik.
(Handelsblatt)

Jedes Jahr dieselbe Volksverdummung. Die Leute sollen sich ausgebeutet vorkommen. Kritik auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_Steuerzahler_Deutschland
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2018 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39129

Anstatt zu sagen „Ich sehe keinen Grund, warum es (Russland) sein sollte“ hätte er auf der Pressekonferenz in Helsinki eigentlich sagen wollen: „Ich sehe keinen Grund, warum es nicht Russland gewesen sein sollte.“ Trump sagte am Dienstag, bei Lektüre der Mitschrift sei ihm aufgefallen, dass eine „Klarstellung“ wegen eines Problems mit einer „doppelten Verneinung“ geboten sei. (FAZ 18.7.18)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2018 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39080

Spermidin verlängert das Leben.

„Unsere validen Ergebnisse basieren auf Daten von 829 ProbandInnen aus der prospektiven Bruneck Studie und spezifischen Diätfragebögen zur Berechnung der Nahrungsaufnahme. Damit können wir die aus verschiedenen Modellorganismen bereits bekannte Wirkung von Spermidin auf altersbedingte Prozesse bestätigen sowie seine Rolle als unabhängige Einflussgröße auf die Lebensspanne nun auch erstmals beim Menschen untermauern“, erklärt der Neurologe Stefan Kiechl, der an der Medizin Uni Innsbruck mit Johann Willeit die Gesamtleitung von VASCage inne hat.
In enger Zusammenarbeit mit Herbert Tilg (Leiter des Ernährungsprojektes von VASCage) und Jungforscher Raimund Pechlaner hat Stefan Kiechl untersucht, inwieweit die über die Nahrung aufgenommene Menge an Spermidin mit der Lebensspanne korreliert. Das Ergebnis: ProbandInnen, die viel Spermidin über die Ernährung zuführen, also mindestens 80 µmol (Mikromol) Spermidin pro Tag, wiesen ein deutlich geringeres Risiko auf, im 20-jährigen Beobachtungszeitraum zu versterben. „Der Überlebensvorteil von spermidinreicher im Vergleich zu spermidinarmer Ernährung (<60 µmol pro Tag) beträgt rund fünf Jahre“, erklärt Pechlaner.

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Was haben die Probanden sonst noch gegessen usw.? Kann man das konstant halten und nur die Spermidinaufnahme kontrollieren? Die Liste spermidinreicher Lebensmittel läßt auf eine auch sonst gesunde Lebensweise über 20 Jahre hin schließen.

Spermidin ist besonders in Samenflüssigkeit enthalten, aber auch in Vollkorn, Käse u. a.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2018 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39025

Anklagend halten manche den neuesten OECD-Bericht hoch, der besonders hohe Abgaben auf deutsche Einkommen feststellt. Das ist natürlich sinnlos, solange man nicht ganze Sozialsysteme vergleicht, z. B. Rentenzuschüsse. – Wie im Bildungswesen (Abiturientenquoten usw.) treibt die OECD pseudowissenschaftliche Verdummung.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 08.07.2018 um 19.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39023

Als kleiner Junge habe ich mit einer großen Lochkamera experimentiert – unserem Zimmer und einem Loch im Fensterladen. Die Bilder der Leute draußen standen auf der weißen Wand kopf, aber natürlich nicht gespiegelt. Mit meinen Kindern habe ich Sonnenfinsternisse beobachtet – in der gleichen Weise, nur mit einer schwarzen Pappe mit Loch. Sollte es unter Bäumen anders sein?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2018 um 18.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39021

Alles Vergangene hat schließlich zur Gegenwart geführt, war also deren Vorläufer, im Guten wie im Schlechten. Die Reformation war ein Vorläufer der Aufklärung, die Aufklärung führte zur Judenvernichtung, die Magie war auch ein Vorläufer der Aufklärung usw. – alles Beliebige kann so in einen Zusammenhang gebracht werden, und so geschieht es denn auch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2018 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#39020

Wirklich? Haben Sie bemerkt, daß die Sonnensicheln spiegelverkehrt waren?
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 06.07.2018 um 21.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38998

Am 20. Mai 1966 konnte ich unter den Bäumen des Georgengartens in Hannover sogar Tausende Sonnensicheln der Sonnenfinsternis sehen – eine Folge der Geradlinigkeit der Lichtstrahlen. Einige Photonen der ebenen Lichtwelle werden daneben durch die begrenzenden Ränder der Öffnung gebeugt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2018 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38996

Kinder und viele Erwachsene sehen nicht ein, warum man immer von der "Temperatur im Schatten" spricht und nicht die tolle Temperatur in der Sonne danebenstellt. Daß man die nicht messen kann, leuchtet ihnen nicht ein.

Noch was Physikalisches. Durch die Lücken in der Baumkrone (die im Durchschnitt eine halbe Million Blätter hat – hätten Sie es gewußt?) ergeben sich zwei grundverschiedene Arten von Lichtflecken auf dem Boden. Die einen haben unscharfe und unregelmäßig geformte Ränder und sind einfach Nichtschatten. Die anderen sind blasser, annähernd kreisrund und scharf begrenzt; sie entstehen durch Beugung wie bei einer Lochkamera. Hält man die Hand in den Strahlengang, wird sie randscharf abgebildet. Kinder und viele Erwachsene freuen sich, wenn man sie darauf hinweist. (An jenen unscharfen Rändern kann man auch noch ein Beugungs- und Interferenzphänomen demonstrieren.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 03.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38941

Wie die Zeitung darlegt, betrachtet Trump das Handelsdefizit von rund 150 Mrd. Dollar offenbar als Außenstände. Das Geld fehlt irgendwie im amerikanischen Haushalt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.06.2018 um 18.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38940

Frau Merkel hat den Kopf voller Tatsachen, und der Mond ist aus Käse. Steht alles in der SZ.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2018 um 15.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38939

Jedenfalls füllt Trump die Sammlungen seiner kuriosen Aussprüche in atemberaubenden Tempo. So glaubt man ihm nur zu gern, daß er sich nie vorbereitet, aber daß er das auch noch als seine Maxime lautstark verkündet und preist – so etwas hat es noch nie gegeben.
Und es stimmt ja: Wenn alle anderen sich (wie etwa Merkel) uneinholbar gründlich vorbereitet und den Kopf voller Tatsachen haben, dann kann es vorteilhaft sein, nicht etwa weniger gut, sondern überhaupt nicht vorbereitet sei. Wer will einem etwas anhaben, wenn man schier gar nichts weiß und auch nichts wissen will? Sic volo, sic iubeo – mehr braucht es nicht.

(Wir haben auch schon die Erfahrung gemacht, z. B. in der Rechtschreibdiskussion, daß ein vollkommen unwissender Gegner der allerschwerste ist.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.06.2018 um 14.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38938

Wie nennt man Trump Derangement Syndrome auf deutsch?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2018 um 11.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38937

Ist es möglich, daß Trump nicht zwischen Handelsbilanz und Leistungsbilanz unterscheiden kann? Mehrere Wirtschaftsfachleute haben es vorgerechnet, auch ein leichtes Übergewicht zugunsten der USA gegenüber Deutschland.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2018 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38935

Biobauern verwenden die stärkeren Gifte (Ulli Kulke bei Achse des Guten)

Die bekannte Rhetorik. Es kann schon sein, daß Biobauern manchmal ein in gewisser Hinsicht „stärkeres Gift“ verwenden als die konventionelle Landwirtschaft. Die Überschrift soll natürlich verallgemeinernd gelesen werden und etwas Bestimmtes suggerieren, ebenso wie jene Vertauschung von Klima und Wetter bei den Klimaskeptikern oder von „unerklärt“ mit „unerklärlich“ bei den Abergläubischen. Verdummende „Aufklärung“, nicht justiziabel.

Manche Journalisten arbeiten sogar gratis und ohne es ausdrücklich zu wollen für eine bestimmte Lobby. "Bio ist auch nicht besser" gehört zu ihren Lieblingsstrophen. Oder "Erneuerbare Energie zerstört die Umwelt."

Wir haben ein paarmal vom hiesigen Bauern Erdbeeren gekauft. Die Hälfte schmeckte entweder nach gar nichts oder eigentümlich „chemisch“, und wir hatten ja auch das ständige Spritzen der hochertragreichen Flächen beobachtet und hätten gewarnt sein müssen. Ich glaube auch nicht, daß das Einhalten der Vorschriften und Grenzwerte hier kontrolliert wird. Es sind zwar nur kleinere Höfe (max. 25 ha), aber alle treiben brutalstmögliche Agrarchemie. Wir haben buchstäblich die Nase voll (auch von der Milch).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2018 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38843

Auf ähnliche Rechenkünste waren wir vor einigen Jahren bei Peter Schmachthagen gestoßen:

"Nahm man vor 100 Jahren an, das Wissen der Menschheit werde sich in 100 Jahren verdoppeln, lehrte man unsere Kinder, es verdoppele sich alle fünf Jahre, so sagen Informatiker voraus, das Menschheitswissen werde sich 2050 alle fünf Minuten verdoppeln."
(http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1485)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.05.2018 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38842

Nach einem Monat (60 x 12h) wäre die Datenmenge das "2 hoch 60"-, also etwa das Trillionenfache.

Zum Vergleich: Die gesamte Wassermenge der Erde beträgt etwa eine Trillion Kubikmeter.
Für die Datenmenge, die nur in einem Kubikmeter speicherbar ist, bräuchte man also nach einem Monat soviel Raum wie das gesamte Wasser der Erde.

Nach 2 Monaten bräuchte man entsprechend schon das Volumen der Wassermenge von einer Trillion Erden.

Nach einem Jahr sind es dann ungefähr eine Trillion Trillionen Trillionen Trillionen Trillionen Trillionen Trillionen Trillionen Trillionen Trillionen Trillionen Trillionen Kubikmeter für die Datenmenge, die vorher in einen Kubikmeter paßte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2018 um 12.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38841

Laut Gastbeitrag der Bundesbildungsministerin (FAZ 26.5.18) werden in zehn Jahren 150 Mrd. vernetzte "Messsensoren" dafür sorgen, daß sich die Datenmenge alle 12 Stunden verdoppelt.
Aufgabe: Um wieviel wächst die Datenmenge in einem Monat, in einem Jahr? Verdoppelt sich die Bundesbildung ebenso schnell?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2018 um 16.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38815

Die Polizei, die sich nur mit wichtigen Dingen beschäftigt, hat am Münchner Flughafen wieder mal Eltern mit schulpflichtigen Kindern aufgegriffen, die vor dem Ferienbeginn in Urlaub fliegen wollten. Einige müssen ein Bußgeld zahlen.
Nun, das ist immer noch billiger, als zu einer ungünstigeren Zeit zu fliegen. Außerdem wird unmittelbar vor den Ferien sowieso nicht mehr viel gelernt, wie sogar in offiziösen Texten zugegeben wird. Das interkulturelle Bildungserlebnis Urlaubsreise ist auch nicht gering zu schätzen.

Jeder weiß, daß viele reguläre Entschuldigungen während des Schuljahrs das Papier nicht wert sind. (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1289#26806)

Wie ernst die Polizei ihre Aufgabe nimmt, zeigt auch der Fall eines mir gut bekannten jungen Mannes, der allmorgendlich um 5 Uhr zur Arbeit radelt. Er wird immer wieder mal angehalten, untersucht und abgetastet und muß sein Fahrradschloß betätigen, um seine rechtmäßige Eigentümerschaft nachzuweisen. Ungern läßt man ihn ziehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2018 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38779

Im vergangenen lagen die Asyl- und Integrationskosten für den Bund bei ungefähr 20,8 Milliarden Euro. Die Summe setzt sich aus zwei Blöcken zusammen: Der größere sind die Maßnahmen zur Bekämpfung von Fluchtursachen. Das Geld wird etwa vom Entwicklungs- und dem Außenministerium ausgegeben. (welt.de 17.5.18)

Bisher war es nicht üblich, Entwicklungshilfe als „Asyl- und Integrationskosten“ zu buchen. Mißtrauische Leser veranschlagen noch viel höhere Beträge, wie es ja auch Hochrechnungen gibt, die eine halbe Milliarde Schwarzafrikaner an unsere Türen pochen hört, allesamt eingeladen von dieser Frau, die uns abschaffen will.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.05.2018 um 09.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38750

Zur Frage in #38684, wie die sinkenden Zahlen der Kriminalstatistik zu bestimmten Beobachtungen passen, liefert SPIEGEL ONLINE die Antwort:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/pks-was-die-kriminalstatistik-misst-und-was-nicht-a-1206571.html

Nichts läßt sich leichter mißinterpretieren und damit mißbrauchen, als Statistiken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2018 um 15.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38739

In meinen indischen Aufzeichnungen stoße ich auf eine Beobachtung zur eigentlich reichhaltigen, aber chaotischen deutschen Bibliothek der JNU (Jawahralal Nehru University), aus der man sich freihand bedienen konnte. Ein Buch hatte z. B. die Signatur: O, 113, I ´ N: g (W) 113 K5; K 9. – Ein ordentliches Zurückstellen war praktisch unmöglich. Für mich war das ein Symbol für die indische Bürokratie. Man darf die Menschen nicht überfordern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2018 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38705

Mehr "antisemitische" Taten in Deutschland bedeutet nicht Taten von Deutschen. Übrigens hat auch der bedeutende Afrikanist Herrmann Jungraithmayr kürzlich in einem Leserbrief an die FAZ das Gerede vom "Antisemitismus" (statt Judenfeindschaft) der Araber kritisiert, natürlich vergeblich.

Die Kriminalstatistik entfesselt richtige Wutanfälle bei vielen Leuten, die sich ihrer Unsicherheit sicher sind und bleiben wollen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.05.2018 um 20.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38684

zur Kriminalstatistik, Rückgang der Zahl der Straftaten
(http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38570):

In den 19-Uhr-Nachrichten des ZDF wurden heute folgende Zahlen eingeblendet:

Ärztemonitor 2018:
Gewalt gegen Ärzte
288 körperliche Attacken/Tag
2.870 Beleidigungen/Tag
jeder 4. Arzt betroffen

Dr. Dirk Heinrich, Vors. Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, sagte im ZDF-Interview:
"Wir haben eine allgemeine Verrohungs- und Gewalttendenz in unserer Gesellschaft"

zdf.de (11.2.2018):
Die Bundesregierung ist besorgt über zunehmenden öffentlichen Antisemitismus in Deutschland.

welt.de (8.9.2017):
Die Zahl antisemitischer und antiisraelischer Delikte nimmt in Deutschland zu. Es gibt immer mehr Vorfälle.

Was ist bloß mit den Deutschen los?
Die Deutschen verrohen, werden gewalttätiger, antisemitischer, ...
Und wie paßt das alles zur angeblich sinkenden Kriminalstatistik?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2018 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38647

Der Ex-Ehemann der südkoreanischen Lebensgefährtin von Gerhard Schröder hat den Altkanzler nach Medienberichten auf umgerechnet 77 000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Der Kläger werfe Schröder vor, ihm durch eine außerehelische (!) Affäre mit So Yeon Kim «unerträgliche Seelenschmerzen» bereitet zu haben. (welt.de 1.5.18)

Es ist sicher schmerzhaft, wenn einem die Ehefrau ausgespannt wird, und die Summe ist sogar überraschend niedrig angesetzt. Aber ist eine Frau eine Sache, die einem weggenommen wird, oder möglicherweise eine Person, die selbst entscheidet, mit wem sie zusammensein will, und damit die eigentliche Verursacherin der Seelenschmerzen? Früher hat man das anders gesehen, das stimmt schon, aber damals wurden Frauen noch käuflich erworben, für umgerechnet 77 000 Euro.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2018 um 15.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38644

Deutschland hat an diesem Mittwoch seine natürlich verfügbaren Ressourcen für 2018 aufgebraucht. Das ergaben Berechnungen der Forschungsorganisation Global Footprint.
Die Menschen in Deutschland lebten dann für den Rest des Jahres auf Kosten kommender Generationen und der Menschen im Süden, teilte die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch mit. Dass Deutschland diesen Zeitpunkt etwa eine Woche später als im letzten Jahr erreiche, hänge mit wetterbedingten Emissionsschwankungen zusammen, sagte Germanwatch mit Verweis auf Global Footprint. Wenn alle Menschen weltweit so leben und wirtschaften würden wie in Deutschland, dann bräuchte die Weltbevölkerung drei Erden.
(zeit.de 2.5.18)

Alle Medien verbreiten es. Forschung ist Forschung.

Zur (seltenen) Kritik vgl.
http://www.andreasaltelli.eu/file/repository/footprint_PUBLISHED.pdf
oder kürzer
https://www.newscientist.com/article/mg22029445-000-admit-it-we-cant-measure-our-ecological-footprint/.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2018 um 19.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38592

Noch eine Variante des Übernächsten:

Wie tröstlich kann die Lektüre Jacob Burckhardts sein, wenn eine Bildungsstudie nach der nächsten die Sorge nährt, dass eigentlich sowieso schon alles verloren ist. (FAZ 25.4.18)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.04.2018 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38576

Oder sollte man schreiben: Die »rangelnden« »Jugendlichen« waren bestimmt alles »Deutsche«. Man kommt mit den Distanzmarkern nicht mehr hinterher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2018 um 03.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38572

Das liegt nahe und wird in den Zuschriften angedeutet. Daher ja auch die Folgerungen auf die Lage der Nation.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.04.2018 um 21.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38571

Die »rangelnden« Jugendlichen waren bestimmt alles Deutsche.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2018 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38570

Laut Kriminalstatistik geht die Zahl der Straftaten zurück. Die Leser glauben es aber nicht und beharren auf ihrer tiefen Überzeugung, daß es (Danke, Frau Merkel!) an der Zeit sei, auszuwandern. Eigene Daten oder auch nur Erfahrungen haben sie nicht, nur die Medien, denen sie mit dem besseren "Wissen" am Zeug flicken, das sie aus keiner anderen Quelle geschöpft haben.

Unter den Bericht über eine Rangelei unter Jugendlichen (keine näheren Angaben) schreibt einer vielsagend: "Deutschland im Jahre 2018..."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2018 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38457

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30098
und
http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1217#34244

Geruch und Geschmack (Aroma) ist also nur durch Vergleich sprachlich faßbar. Das bestätigen die umfangreichen Listen (Aromarad) bei Wikipedia zu Wein und Parfum. In beiden Bereichen hat man sich darauf geeinigt, eine Dreigliederung vorzunehmen: Kopf, Herz, Basis (Fond) oder ähnlich. Das ist ein reines Konstrukt. Man spürt Ähnlichkeiten mit anderen Geruchsquellen nach, die man aber kennen muß, sonst kann man "schwarze Johannisbeere" oder "Vanille" nicht herausriechen, sondern wird den Gesamteindruck als einheitlich empfinden.

Die Kopfnote wird geruchlich vom strahlend-frischen, leicht metallisch-wachsig-rauchigen Aldehyd-Komplex C-10/C-11/C-12 (1:1:1, 0,6 %) dominiert, mit seinen typischen Anklängen an wachsige Rosenblätter und Orangenschalen. Die hespridisch-zitrusartigen Facetten werden durch Bergamottöl, Linalool und Petitgrainöl aufgenommen und unterstrichen. Die Herznote wird von den Dufteckpfeilern Jasmin, Rose, Maiglöckchen (Hydroxycitronellal), Iris-Butter und Ylang-Ylang-Öl aufgespannt. Schon in den ersten Adaptationsversuchen von Beaux´ Parfüm »Bouquet de Catherine«, das er noch 1912 in Russland zu Ehren der Zarin Katharina die Große entwickelt hatte und die er Chanel nun präsentierte, hatte Beaux aus Preisgründen den Anteil an echter Rosenessenz und echtem Jasminabsolut zurücknehmen müssen, da der Duft sonst unerschwinglich geworden wäre. Da Mademoiselle Chanel auf die Intensität der Jasminkomponente bestand, tat er dies mit der kommerziellen Jasmin-Base Jasmophore und einer eigenen Rosen-Base »Rose E.B.« (E.B. für Ernest Beaux). Nuanciert wird das blütig-blumige Herz durch Jonone (Iralia) mit ihrer pudiert-voluminösen Veilchennote, die das Iris-Thema aufgreifen und verlängern. Weitere Bestandteile sind Mairose, Neroli-Essenz und brasilianische Tonkabohnen. Würzige Akzente von Cassia und Isoeugenol setzen Spannungspunkte und leiten zum Fonds der Komposition über. Ungewöhnlich ist hier für einen Damenduft die Vetiver-Note (Qualität Java), die einen maskulinen Kontrapunkt am Anfang der Basisnote setzt und so von Beaux´ Handschrift zeugt. Nuanciert wird diese Holznote durch Sandelholz- und Patchouliöl. Vanillin, Coumarin und Storax leiten dann zum betont sinnlichen Moschus-Komplex über, der im Schlussakt der Komposition das Thema bestimmt und im Original von 1921 aus echter Moschus- und Zibet-Infusion im Zusammenspiel mit den Nitro-Moschuskörpern Moschus Keton und Moschus Ambrette bestand, die fast unmerklich von Eichenmoos und Zimtrinde umspielt wurden.

Objektiv greifbar ist allenfalls, daß ein Geruch im Laufe der Zeit verschieden wahrgenommen wird, weil die Komponenten unterschiedlich schnell "verduften" und weil die Gewöhnung die Komponenten verschieden stark betrifft, so daß dann andere stärker hervortreten. Die Dreiteilung ist aber wieder willkürlich.

Merkwürdig ist noch, daß Personen nichts dagegen haben, wie Pudding zu riechen, während Schweinebraten oder Matjeshering als Parfum kaum in Frage kommt. Vorspeise – Hauptgang – Nachtisch wäre hier doch auch möglich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2018 um 15.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38396

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37010

Bis zu 40 Prozent mehr Menschen haben Bluthochdruck, seit die amerikanischen Fachgesellschaften die Kriterien dafür heruntergesetzt haben (neu 130/80 mmHg). Die neuen internationalen Richtlinien empfehlen ACE-Hemmer als Blutdrucksenker.

Aha!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2018 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38359

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30098

Zur "Billion Gerüche" vgl.

https://gizmodo.com/humans-probably-cant-smell-one-trillion-different-smell-1716250845

https://www.the-scientist.com/?articles.view/articleNo/43476/title/Can-We-Smell-A-Trillion-Odors-/

https://arxiv.org/ftp/arxiv/papers/1411/1411.0165.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2018 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38269

Die Stiftung Warentest warnt vor irischer Butter, weil sie voller "Keime" sei. Leider erfährt man aus den Medien nicht, um welche Keime es sind handelt. Manche Leser wollen aber weiterhin "Kerrygold" kaufen, weil sie in Irland waren und gesehen haben, daß die Kühe auf der Wiese stehen. Meine Frau holte als kleines Mädchen in Irland jeden Abend die ganze Herde von der Weide zum Melken. Hier in Mittelfranken fiel mir vor 30 Jahren zuerst auf, daß keine einzige Kuh zu sehen war; es gab (und gibt mit wenigen Ausnahmen immer noch) nur Stallhaltung. Wir holten eine Zeitlang die Milch abends vom Bauern (40 Liter durfte er so verkaufen), aber die stank und schmeckte ab und zu so nach Reinigungsmittel, daß wir es aufgegeben haben. Andererseits: Wer den Betrieb von Großmolkereien kennt, wird auch seines Lebens nicht mehr froh.
Noch früher haben wir in einem hessischen Dorf die Milch warm (fast heiß!) von der Kuh gekriegt, nur durch ein Sieb gegossen, was aber nicht jeden Grashalm zurückhielt. Wer das nicht kennt, weiß eigentlich gar nicht, wie Milch schmeckt. Die wurde auch von selbst zu herrlicher Dickmilch, was heute ja unmöglich ist. Bis der Supermarkt einschritt und das untersagt wurde. (Später habe ich es auf Juist noch mal erlebt, das ist aber auch seit Jahren vorbei.)
Ist jemand von irischer Butter krank geworden? Die Experten beunruhigen uns gern wichtigtuerisch mit abstrakten Risiken.
Ein Leser meint, es sollte nicht erlaubt sein, Butter um die halb Welt zu fliegen und dann hier billiger zu verkaufen. Na ja, Irland... – und billiger ist sie auch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2018 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38215

Auf dem 1141 Meter hohen Brocken im Harz ist derzeit eisig und ungemütlich. Die gefühlte Temperatur liegen wegen des „Windchill-Effekts“ bei minus 42 Grad Celsius, sagte ein Mitarbeiter der dortigen Wetterwarte am Samstag. „Tatsächlich zeigt das Thermometer minus 14 Grad“, so der Wetterbeobachter. Der „Windchill-Effekt“ ist der Unterschied zwischen der gemessenen Lufttemperatur und der gefühlten Temperatur in Abhängigkeit vom Wind.

Merkwürdigerweise braucht man niemanden nach seinem Gefühl zu fragen, um die gefühlte Temperatur festzustellen, denn die läßt sich nach bestimmten Meßwerten objektiv bestimmen.

Auch "Armut" ist ein Konstrukt, das objektiviert worden ist, so daß jemand arm sein kann, ohne sich selbst arm zu fühlen, und umgekehrt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2018 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38156

Der Homo oeconomicus giert nach 3kg-Eimerchen Nutella, obwohl er dafür doppelt soviel zahlt wie für die gleiche Menge in normalen Gläsern.
An solchen Kleinigkeiten scheitert jede Theorie.
Leider spiegelt sich dieselbe Rechenschwäche in wichtigeren Angelegenheiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2018 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38063

Kant hat gezeigt, daß ich kein bißchen reicher werde, wenn ich zu einem Sack Geld noch das Prädikat "existiert" hinzufüge. Von Bitcoin verstehe ich nichts, aber hier scheint es buchstäblich darum zu gehen, sich reich zu rechnen (Zusammenschreibung?). Wer im Augenblick über die größte Rechenleistung verfügt, sei es auch nur Sekunden früher als andere, kann sein Vermögen vertausendfachen, und das ist dann nicht nur virtuell. Ich weiß nicht recht, soviel Geld aus dem Nichts – kann das gutgehen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2018 um 16.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#38019

Es wäre eine Katastrophe, wenn es die Tafeln nicht gäbe. Es ist aber auch eine Katastrophe, dass es sie geben muss. Sie zeigen, dass die Not zurückgekehrt ist in ein reiches Land. (Heribert Prantl 3.3.18)

Wirklich? Ich erinnere mich, daß es immer bitterarme Menschen gegeben hat, z. B. viele kinderreiche Mütter, die bekanntlich ihr ganzes Leben "nicht gearbeitet" hatten. Aber Prantl sieht ja auch seit Jahrzehnten die Arbeitsplätze schwinden, während es immer mehr wurden.

Nur selten wird ausgesprochen: Wer sein Essen von der Tafel holt, kann sein Geld für anderes ausgeben. So gut können die hochqualifizierten jungen Männer aus dem Orient schon längst rechnen.

Prantl: Die alten Leute kamen nicht deswegen nicht mehr, weil sie sich auf einmal wieder ein normales Einkaufen leisten konnten, sondern weil sie sich zurückgedrängt fühlten und auch zurückgedrängt wurden. Sollte man sie zu bekehren versuchen? Soll man der alten Frau sagen, dass sie sich nicht genieren muss, neben dem jungen Flüchtling zu stehen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2018 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37965

„Regen kostet – Gebühren für Niederschlagswasser senken“ (t-online.de) und viel Empörung der Leser über die Abzocke der Gemeinden. Manche höhnen sogar über die Bundesregierung, die versprochen habe, die Steuern nicht zu erhöhen.
Die Gemeinden brauchen Einnahmen, unter welchem Vorwand auch immer (Non olet, sagte der römische Kaiser). Wer sich dafür interessiert, kann sich in den Gemeinderat wählen lassen oder wenigstens mal bei den Sitzungen zuhören.
Ärgerlich ist, daß der Gemeinderat ohne viel Diskussion Zuwendungen an Vereine gewährt, die seit langem den Fuß in der Tür haben (Sport, Brauchtumspflege...). Die Beträge sind allerdings gering.

Unersättliches Verlangen der Medien, irgendwo einen Skandal aufzudecken (s. Essener Tafel).

Hier eine weitere lokale Geschichte, die zwecks Stimmungsmache gegen die da oben ganz einseitig berichtet wird: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Anwohner-muessen-98000-Euro-fuer-Gewerbegebiet-zahlen,gewerbegebiet112.html.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2018 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37964

Mehr als 2200 Angriffe auf Flüchtlinge im vergangenen Jahr

(Medien 28.2.18)

Dazu gehören, juristisch einwandfrei, auch „Beleidigung und Volksverhetzung“, die zwar unschön sind, nach allgemeinem Verständnis aber nicht oder nur marginal als „Angriffe“ verstanden werden. Es gibt offenbar ein Interesse daran, solche Zahlen in die Höhe zu treiben. Jemand soll sich schlecht fühlen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2018 um 11.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37925

Die Medien erfreuen uns heute mit dem "Elendsindex". Ein Blick darauf verursacht geradezu Schwindelgefühle, bis man bei Wikipedia wieder beruhigt wird:

Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht ist der Elendsindex weder akzeptiert noch brauchbar, zeigte sich aber in der Vergangenheit als guter Indikator bei Wahlen. Ist der Index hoch, werden Regierungen öfter abgewählt als dies bei niedrigem Stand der Fall ist.

Die Statistiker sind selbst schuld, wenn niemand sie mehr ernst nimmt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2018 um 07.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37922

SPD legt auf 17 Prozent zu und überholt AfD
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2018 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37921

Danke, Herr Riemer! Ich habe in Mathe fast alles vergessen, während mein Sinn für grobe Wahrscheinlichkeiten immer ziemlich gut war. Ich greife mich oft an den Kopf und frage mich: Kann das überhaupt sein? und finde, daß das Abschätzen in der Schule mehr geübt werden sollte. Dann wäre es auch nicht so leicht, die Leute mit Übertreibungen irrezuleiten, z.B. in der Ausländerpolitik.

Beim Anteil psychisch Kranker (= Behandlungsbedürftiger) bin ich besonders empfindlich. Im vorliegenden Fall sind schon die Rohdaten so roh, daß ich mir nicht die Mühe des Rechnens machen wollte.

Anders als in den USA ist es hierzulande nicht üblich, daß jeder, der es sich leisten kann, wöchentlich zu "seinem" Therapeuten geht; da muß man die Menschen eben anders zu fassen kriegen.

Es gibt natürlich "psychische" Krankheiten, sogar sehr schwere, aber schlechte Laune oder Aufschieberitis gehören nicht dazu. (An letzterer leide ich zum Beispiel.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.02.2018 um 22.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37920

Laut Wikipedia beträgt die Studienanfängerquote in Deutschland z. Z. 58%, die Absolventenquote 32%. Wenn die Studienabbrüche im Laufe des Studiums ungefähr gleichmäßig erfolgen, studieren also im Durchschnitt etwa 45% der Altersgruppe.
Daraus ergibt sich:

psychisch kranke Studenten (jeder 6.): 45% / 6
psychisch kranke Nichtst. (jeder x-te): 55% / x
alle ps. Kranken der Altersgr. (jeder 4.): 100% / 4

Summieren und Gleichsetzen liefert x = 3,14, also knapp jeder dritte bzw. 32% der Nichtstudenten gegenüber 17% aller Studenten sind psychisch krank.

"Jeder dritte" war sehr gut geschätzt!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2018 um 16.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37919

Jeder 6. Student ist psychisch krank. Aber in der gesamten Altersgruppe ist sogar jeder vierte psychisch krank! Unter den Nichtstudenten also wohl jeder dritte oder gar zweite. Der Rest muß noch genauer untersucht werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2018 um 05.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37855

Ab Anfang der nächsten Woche soll laut den Experten von wetter.com ein Wettermodell namens „Schneebombe“ auf uns zukommen. „Irgendetwas ist im Busch“, meint Meteorologin Anna Gröbel. „Von einer regelrechten Schneebombe bis zu nur ein paar Schneeflocken kann alles passieren“, mutmaßt sie. (merkur.de)

Das habe ich voriges Jahr auch gemutmaßt, und genau so ist es dann auch gekommen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.02.2018 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37829

Sie infizieren dann das verbliebene Drittel, oder so ähnlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2018 um 12.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37827

Zwei Drittel der Arbeitnehmer gehen krank zur Arbeit (BR 15.2.18)

Nicht so schlimm, wie man zunächst denkt. Zwei Drittel gehen, auch wenn sie krank sind, zur Arbeit.

Und auch das ist wahrscheinlich nicht gar so schlimm; viele sind nicht so krank, daß sie nicht zur Arbeit gehen könnten.

Es gibt so viele Möglichkeiten der Fehldeutung, daß automatische Übersetzungen ohne Nachbearbeitung eines denkenden Menschen unbrauchbar sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2018 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37824

Kostenloser Nahverkehr führt zu mehr Autoverkehr und Abgasen. Wie das? Nun, wegen der zu erwartenden Überfüllung von Bussen und Bahnen steigen die Leute aufs eigene Auto um. – So wird vorgerechnet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2018 um 17.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37806

Ein ZEIT-Leser schreibt:

Im Kapitalismus wird technologischer Fortschritt niemals den Menschen dienen, da ja überhaupt die Ökonomie nicht den Zweck hat, den Menschen zu dienen.

Man könnte zurückfragen, ob im Sozialismus der technologische Fortschritt (welcher?) den Menschen gedient hat.

Aber zum Grundirrtum, den schon Adam Smith richtigstellte: Die Ökonomie dient den Menschen, obwohl und weil sie nicht diesen Zweck hat. Private vices – public benefits.

Ohne die Wohltaten des Kapitalismus könnte dieser Tropf nicht einmal seine abgestandenen Botschaften absetzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2018 um 07.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37797

Der Wolf ist heute keine bedrohte Art mehr, und ausgerechnet die deutschen Wölfe, deren Zahl schon wegen des Flächenbedarfs der Rudel nie sehr groß sein wird, tragen kaum zum Erhalt bei. Übrigens: "So wurde die Mufflonpopulation in den neu besiedelten Wolfsrevieren der sächsischen Lausitz innerhalb kurzer Zeit von den Wölfen ausgerottet." (Wikipedia)
Deutschland wird bald wieder muffelfrei sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2018 um 07.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37796

Die Rückkehr einer heimischen Art wie des Wolfs ist schließlich ein Gebot des Artenschutzes. Deutschland kann sich schlecht für Nashörner in Afrika einsetzen oder für bedrohte Arten im Amazonasgebiet, wenn es selbst nicht einmal mit einigen hundert Wölfen zu Rand kommt. (Reinhard Bingener FAZ 13.2.18)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2018 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37725

Hinzu kommt beim Licht der Vorteil der viel höheren Frequenzen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.02.2018 um 15.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37723

Selbst die bis ins Altertum zurückgehende optische Telegraphie wäre demnach ja noch „schneller“ als Glasfaser und Kupferkabel, da die Lichtgeschwindigkeit in Luft sich von der im Vakuum kaum unterscheidet.

Die Frage der Signalgeschwindigkeit erscheint mir allerdings weniger wichtig. Der Hauptfehler liegt in der Vermengung zweier ganz unterschiedlicher „Geschwindigkeiten“: der Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Signals (m/sec) und der Datengeschwindigkeit (bit/sec). Diese Datengeschwindigkeit hängt von vielen Faktoren ab, etwa der Kapazität und Arbeitsgeschwindigkeit der Elektronik, der verfügbaren Bandbreite usw. Unter normalen Umständen dürften Unterschiede der Signalgeschwindigkeit wohl kaum ins Gewicht fallen.

Der Nachteil des herkömmlichen Telefonkabels liegt nicht in der Signalgeschwindigkeit, sondern darin, daß wegen der Verluste durch Ohmschen Widerstand und Abstrahlung sowie durch das Übersprechen in den Kabelbündeln nur geringe Entfernungen überbrückt werden können.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.02.2018 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37715

siehe dazu:
https://www.ga-weissenstein.ch/fileadmin/gaw/News/Lichtgeschwindigkeit_ist_nicht_gleich_Signalgeschwindigkeit_01.pdf
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.02.2018 um 17.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37714

Laut FAZ vom 3.2. tritt der Leiter von Vodafone Deutschland für einen beschleunigten Ausbau des Glasfasernetzes ein. In diesem Zusammenhang soll er folgendes gesagt haben:

„Wir haben in Deutschland eine Übertragungstechnologie, die 125 Jahre alt ist: das Kupferkabel. Dessen Möglichkeiten sind begrenzt, Glasfaser dagegen überträgt in Lichtgeschwindigkeit. Diese Technologie wird für die nächsten 100 Jahre den Standard setzen, denn es gibt schlicht nichts Schnelleres als das Licht."

Ich wage nicht anzunehmen, das ein hochrangiger Vertreter einer Technologie-Firma wie Vodafone selbst einen solchen Unsinn glaubt. Anscheinend hat er aber unbegrenztes Vertrauen in den naturwissenschaftlich-technischen Analphabetismus der Bevölkerung und seiner potentiellen Kunden.

Erwähnenswert ist auch das rhetorische Mittel, etwas als minderwertig hinzustellen, weil es alt ist. Dieses Mittel ist ja ausgiebig bei der Diskussion über das frühere Staatsangehörigkeitsgesetz benutzt worden. Es gab kaum eine Diskussion ohne den Hinweis darauf, daß das Gesetz von 1914 stamme. Daß das BGB von 1900 stammt und das StGB von 1871, scheint dabei niemandem in den Sinn gekommen zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2018 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37706

Aus der Erlanger Kriminalstatistik:

2016 gab es zwölf Vergewaltigungen (Vorjahr: zehn), wovon drei sich als "unzutreffend" herausstellten und eine "vorgetäuscht" war. Es handelte sich überwiegend um "Beziehungstaten". Polizeichef Kreisel stellte klar: "Einen Täter, der überfallartig im Freien auf sein Opfer wartet, hatten wir somit 2016 kein einziges Mal."
(http://www.nordbayern.de/region/erlangen/erlangen-bleibt-zweitsicherste-grossstadt-in-bayern-1.6055170)

Unzutreffende und vorgetäuschte machen als Untergruppe die Zahl von 12 Vergewaltigungen voll.

Abgesehen von der schrägen Ausdrucksweise ist recht interessant, wie stark die Wirklichkeit von der medial beförderten Verunsicherung abweicht: als ob eine Frau kaum noch allein auf die Straße gehen könnte usw.

In Deutschland hat es im vergangenen Jahr fast 100 gezielte Angriffe auf Christen gegeben. Darunter waren ein Mord, neun Körperverletzungen und ein Fall von Brandstiftung, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) berichten. In rund einem Viertel der Fälle wurden demnach Kirchen und christliche Symbole angegriffen. (ZEIT 2.2.18)

14 Fälle betrafen Migranten untereinander in Gemeinschaftsunterkünften.

Kann man die Beschädigung von Kirchen und christlichen Symbolen als „gezielte Angriffe auf Christen“ bezeichnen? Unterm Strich sind islamische Angriffe auf Christen in Deutschland verschwindend selten.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.01.2018 um 12.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37650

Vor allem aber rottet diese Art von Euthanasie die Krankheit nicht aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2018 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37648

Dort (in Island) sei durch vorgeburtlicher Detektion laut dem isländischen Genetiker Kai Stefansson das Down-Syndrom zu fast 100 Prozent „ausgerottet“ werden, nur noch zwei bis drei Kinder pro Jahr kämen mit Down-Syndrom zur Welt. In den Niederlanden seien es dagegen noch rund 250 Kinder jährlich.

Allerdings haben die Niederlande fast 50mal so viele Einwohner wie Island. Das relativiert den Erfolg der Abtreibungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2018 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37643

Daß jemand herausschmecken kann, ob ein Gericht mit dem sündhaft teuren, aber hübsch benannten Fleur de sel gewürzt ist, halte ich für unmöglich. Allenfalls in einer ungemischten Probe dürfte die Verunreinigung bemerkt werden.

Bei einer Untersuchung von 16 handelsüblichen Meersalzen aus acht Ländern wurden Mikroplastikpartikel nachgewiesen, wobei die Möglichkeit einer Gefahr für den menschlichen Organismus jedoch als gering eingestuft wurde. (Wikipedia)

Unser Steinsalz ist ja auch Meersalz, nur sauberer.

Meersalz wird von einigen Köchen wegen des angeblich besseren Geschmacks oder der besonderen Struktur der Kristalle bevorzugt. Ernährungsphysiologisch ist eine Bevorzugung von Meersalz jedoch nicht zu begründen, da es wie anderes Speisesalz auch zu 95 bis 98 Prozent aus Natriumchlorid besteht und nur geringe Mengen Mineralstoffe, aber dafür bis zu 5 Prozent Wasser als Restfeuchte enthält.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2018 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37634

Wir haben verschiedentlich unübersichtliche Formen besprochen, bei denen sozusagen das Gegenteil einer Haplologie eintritt.(http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=966#24719 u.ö.)

wiedergegebenen statt wiedergegeben ist besonders häufig. (Man gebe etwa ein wiedergegebenen wird.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.01.2018 um 16.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37555

Abgesehen von dem Fehler "fast dreimal" anstatt "über dreimal":
Wenn es in den alten Bundesländern etwa 38mal so viele Schweinebetriebe wie in den neuen Bundesländern gäbe, dann ginge die Rechnung auf. Da die westlichen Betriebe weniger als ein Drittel so groß sind, könnte dieser Teil vielleicht stimmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2018 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37552

Der Durchschnittsbestand in Deutschland pro Betrieb betrug 574 Schweine, in den alten Bundesländern 541 und in den neuen Bundesländern 1833, also fast dreimal so viel. (welt.de 12.1.18)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.01.2018 um 10.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37490

Schon seit längerem funktioniert hier im Tagebuch auch die Suchfunktion nicht mehr uneingeschränkt.
Sie funktioniert nicht, wenn der Suchbegriff Umlaute oder Eszett enthält. Früher ging das problemlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2018 um 08.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37488

Zu Herrn Riemers Beobachtung http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#36278

Es ist in der Tat so, daß Eintragungen mit einfachen Anführungszeichen (auch als Apostroph) nicht möglich sind. Doppelte oder eben Accent aigu müssen es sein, dann geht es.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2017 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37380

Auch dazu, wie oft es in einer Ehe "krachen" sollte, hat er einen Ratschlag parat: "Die Woche zwier (Kombination aus zwei und vier), der Weiber Gebühr, schadet weder mir noch dir, machts Jahr einhundert und vier." Übrig geblieben ist heute von diesem Zitat: In der Woche zwei bis vier, schadet weder ihm noch ihr. (http://www.dw.com/de/wenn-es-dem-esel-zu-gut-geht-13-luther-zitate-die-bis-heute-zutreffen/a-38403391)

zwier ist keine Kombination aus zwei und vier, sonst würde ja auch die Rechnung nicht stimmen. Rätseln könnte man nur, ob die Frau sich zweimal pro Woche hingeben muß oder ihrerseits Anspruch darauf hat...

Ein katholischer (in Wirklichkeit ungläubiger) Mitschüler pflegt uns Protestanten (in Wirklichkeit Ungläubige) mit dem Spruch zu verspotten: "Der Wochen zwier ist der Weiber Gebühr." Das war alles, was er über Luther erfahren hatte. – Wie anderswo berichtet, erfuhr meine Frau als kleines Mädchen auf ihrer irischen Konventsschule, daß die Protestanten beinahe eine andere Spezies waren, verkorkst und verdammt, und wunderte sich später, daß sie so schlimm nun auch wieder nicht zu sein schienen.

Religiöse Pädagogik setzt für den guten Zweck auch zweifelhafte Mittel ein. Schilderungen der Hölle machten einen tiefen Eindruck. Andererseits sollten die kleine Mädchen Jesus ebenso heftig lieben wie die Nonnen mit ihren Jesuspüppchen, die geherzt und gewindelt wurden. Dazu Jungfräulichkeit als leider nicht immer zu bewahrender Idealzustand.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2017 um 07.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37368

Washington scheitert deutlich bei dem Versuch, mit viel Druck zu verhindern, dass die UN-Vollversammlung dafür stimmt, Trumps Beschluss zu Jerusalem zurückzunehmen. (FAZ 22.12.17)

Alles klar?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.12.2017 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37357

Was ist eigentlich eine Gefahr, ein Gefährder?
Ist Gefahr nicht einfach die Wahrscheinlichkeit, mit der ein als negativ angesehenes Ereignis stattfindet?

Aktuell heißt es z. B., die Gefährlichkeit des Attentäters Amri sei vor seinem Anschlag unterschätzt worden. Stimmt das wirklich?

Spielen wir ein Spiel. Wer eine 1 würfelt, muß 100 Euro in den Topf legen. Wer eine andere Zahl würfelt, zahlt nichts. Jeder würfelt einmal. Zum Schluß wird das Geld gleichmäßig an alle Teilnehmer verteilt.
Die Gefahr, einzahlen zu müssen, beträgt 1/6, ist also viel kleiner als die Aussicht, nichts einzahlen zu müssen (5/6).
Angenommen, einige würfeln eine 1 und müssen zahlen. Sagen wir nun, wir haben die Gefahr unterschätzt, oder bleibt es dabei, daß die Gefahr, zahlen zu müssen, für alle 1/6 war?

Nochmal zu den Attentätern. Ein als weniger gefährlich eingeschätzter Gefährder begeht einen Anschlag. Ist die Gefahr, die von ihm ausging, plötzlich dadurch größer geworden, daß er einen Anschlag tatsächlich ausgeführt hat? Kann man sagen, daß seine Gefährlichkeit unterschätzt wurde, nur weil wir jetzt im nachhinein wissen, daß er einen schweren Anschlag verübt hat? Meiner Meinung nach kann man das nicht, es wird aber offenbar immer wieder so gemacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2017 um 10.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37339

Ziemlich leer klingt auch, was die Zeitungen heute als neueste Erkenntnis verkünden: "daß die Hälfte der Gefährder vermutlich nicht so gefährlich ist wie gedacht." Das ist zwar nicht geradezu unlogisch, aber es setzt voraus, daß wir (oder wer?) eine bestimmte Meinung darüber hatten, wie gefährlich die Gefährder sind, und daß diese Meinung jetzt korrigiert würde.

Übrigens: In einem Hamburger Bahnhof scheint ein „Polenböller“ explodiert zu sein. Näheres weiß man noch nicht, aber Leser bedanken sich schon mal bei Merkel für die Zehntausende von Gefährdern, die sie ins Land geholt hat. Viele Leute sind „geladen“ wie Polenböller, aber leichter entzündlich. Den ganzen Tag explodieren sie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2017 um 10.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37338

Vorgeschwebt hat wohl so etwas:

... ob/daß sie diesen oder jenen Inhalt übertragen – oder auch nicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.12.2017 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37337

Internetprovider sollen nun „Informationsdienste“ sein, vergleichbar mit Nachrichtenportalen oder Fernsehsendern, die frei entscheiden können, welche Inhalte sie in welcher Qualität übertragen – oder auch nicht.

Eigentlich weiß man gar nicht, worauf sich die Negation bezieht:

- oder die Internetprovider sollen nicht "Informationsdienste" sein, vergleichbar ...
- oder die "Informationsdienste" sind nicht vergleichbar mit Nachrichtenportalen oder Fernsehsendern, die ...
- oder sie können nicht frei entscheiden, welche Inhalte sie in welcher Qualität übertragen
- oder welche Inhalte sie in welcher Qualität nicht übertragen

Welche dieser vier Möglichkeiten wäre nun unlogisch?
Ich finde keine davon unlogisch, sondern die Gesamtaussage unklar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2017 um 07.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37336

Internetprovider sollen nun „Informationsdienste“ sein, vergleichbar mit Nachrichtenportalen oder Fernsehsendern, die frei entscheiden können, welche Inhalte sie in welcher Qualität übertragen – oder auch nicht. (FAS 17.12.17)

Warum ist das unlogisch?

Der indirekte Fragesatz (welche...) ist eine verkappte Alternativfrage: ob ... oder ob ... oder ob. Im Vordersatz ist keine dieser Optionen als Behauptung ausgesprochen, gegen die sich eine Negation wenden könnte. Darum ist die Fortsetzung mit oder auch nicht gegestandslos. Im Grunde eine Konstruktionsmischung (Anakoluth).

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 13.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37326

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31321

Der Asteroid Oumuamua ist uns natürlich auch nur durch die "künstlerische Abbildung" der NASA bekannt, die in allen Medien zu sehen war. Sensationsblätter stellen es so dar, als habe man ernsthaft mit einer klitzekleinen Möglichkeit gerechnet, daß es sich um ein Raumschiff handele, und angeblich wurde eine Lauschaktion durchgeführt. Das kann ich kaum glauben. Das Ding muß ja Millionen Jahre unterwegs gewesen sein, bevor es in eine Hyperbel um unsere Sonne schwenkte. Die Masse ist auch bekannt.

Die künstlerischen Darstellungen gibt es auch in seriösen Zeitschriften wie "Sterne & Weltraum", wo man sich aber um nicht-irreführende Veranschaulichung bemüht. Die Funktion ist also nicht dieselbe wie in den "Symbolfotos" der Tagespresse.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37320

Amerikanische Forscher haben festgestellt, daß der Konsum von heißem koffeinhaltigem Tee mit einem um 74% niedrigeren Glaukom-Risiko einhergeht. Kalter Tee mit denselben Inhaltsstoffen oder Tee ohne Koffein und andere Getränke zeigten keinen solchen Zusammenhang.
Die Berichte dürften manchem Leser nahelegen, täglich heißen Tee zu trinken. Die statistischen Vorbehalte sind eben schwer zu würdigen: This study is limited by its cross-sectional design and use of multiple statistical testing, and larger prospective studies are needed to investigate the proposed association between tea consumption and decreased glaucoma risk. Man trifft ständig Menschen, die aufgrund solcher Gerüchte auf irgendwelche Wundermittel oder Körpertechniken schwören, alles nur wegen des Publikationsdrucks an amerikanischen Universitäten einerseits, der Gewissenlosigkeit oder Dummheit unserer Medien andererseits.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2017 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37284

Eine Zeitschrift wärmt die Geschichte mit dem Musculus palmaris longus auf, der ein heute nutzloser Atavismus sei. Seltsamerweise ist der Anteil der Menschen, die keinen mehr haben, ganz verschieden angegeben, sogar unter Wikipedia "M. p. longus" und "brevis".
Über die Nutzlosigkeit wäre auch noch mal zu reden. Für Pianisten dürfte er vorteilhaft sein, auch wenn der Brevis seine Funktion (aber auch seine Kraft?) übernehmen kann.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.12.2017 um 14.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37282

Stimmt doch. Eine Abtreibung ist grausig, 100000 pro Jahr sind normal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2017 um 12.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37281

An der kanadischen Küste wurde ein Fuß angeschwemmt. „Ein grausiger Fund, sollte man meinen. Doch nicht in British Columbia: Dort wurden der Zeitung zufolge seit 2007 bereits 13 menschliche Füße angeschwemmt.“ (spiegel.de 13.12.17)

Ein Fuß wäre grausig, 13 Füße sind normal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2017 um 09.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37180

Herzstück der Europäischen Union ist der Gemeinsame Markt. Notabene: Markt. Warum führt man nicht eine europaweite Kennzeichnungspflicht für alle unter Anwendung von Glyphosat produzierten Lebensmittel ein und lässt die Konsumenten zwischen Mittelmeer und Nordkap entscheiden? (Alan Posener, Welt 27.11.17)

Auch Posener ist ein Opfer der absichtsvollen Einengung auf das Krebsrisiko. Für die Bodenqualität und ihre Folgen gibt es keinen „Konsumenten“.
-
In der FAZ (4.12.17) bringt Wirtschaftsredakteur Bernd Freytag einen Totschlagartikel gegen Menschen, die angeblich "alles ohne Chemie" wollen, aber gern das künstliche Insulin in Anspruch nehmen, daher an "beginnender Schizophrenie" leiden usw. Dabei weiß er sehr wohl, worum es geht, spricht es sogar aus. Auch der ungemein geistreiche Satz "Alles ist Chemie" fehlt nicht. Nichts für kluge Köpfe.

(Mit dem Sophismus "Alles ist Chemie, deshalb kann man nicht gegen Chemie sein", hat Hubert Markl vor genau 26 Jahren das Schlagwort geliefert, mit dem seither auf Öko-Strohmänner eingedroschen wird: http://www.zeit.de/1991/50/die-natuerlichkeit-der-chemie/komplettansicht)
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 01.12.2017 um 10.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37159

Ich bezeichne sowas als Totschlagargument, vielleicht vergleichbar mit (nicht: „zu”!) whataboutism.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2017 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37153

Nachdem Minister Schmidt seine Glyphosat-Nummer durchgezogen hat, sagt er, es gebe "weitaus Wichtigeres", und man solle nicht mehr darüber reden.

Dasselbe haben wir seinerzeit mit den Rechtschreibreformern erlebt, deren Werk vorher das allerwichtigste, nachher gar nicht der Rede wert war.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.11.2017 um 14.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37151

Herr Wrase trifft hier genau den Punkt:
"Medien und Politiker haben hingegen so getan, als seien jene besorgten Menschen allesamt nicht ernst zu nehmen, als seien es bemitleidenswerte, geistig verwirrte Bürger von geringem Verstand. Das Ausländerthema wurde auf diese Weise als Ausdruck persönlicher Dummheit derjenigen interpretiert, die sich Sorgen um die Nation machen."

Ergänzen möchte ich nur, daß sehr wohl in letzter Zeit Politiker manchmal gesagt haben, wir müssen die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen. Aber damit meinen sie nicht etwa, die Kritik der Menschen, die sich sorgen, anzunehmen und die Politik zu ändern. Nein, ganz im Gegenteil, genau wie Herr Wrase sagt, mit dem Ernstnehmen meinen sie, sie müßten ihr Tun dem dummen Volk nur besser und geduldiger erklären, dann würden die Leute es schon einsehen und ihren Widerstand aufgeben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2017 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37146

Womit bringt man sein Alter hin? Mit Verteidigung von Meinungen; nicht weil man glaubt, daß sie wahr sind, sondern weil man einmal öffentlich gesagt hat, daß man sie für wahr halte. Mein Gott, wenn die Alten ihre Zeit doch lieber auf Warnung verwenden wollten! (Lichtenberg K 109)

Was ich hiermit getan habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2017 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37142

Die Besorgnis wegen der Nachfolgeprodukte teile ich und wollte sie hier auch schon aussprechen, sozusagen als kleinen Trost für die Glyphosatkritiker. (Grossarths Kommentare wirken immer flüchtiger und konfuser, aber er ist natürlich nicht sehr wichtig.)

Als Argument gegen das Pflügen wird die Bodenerosion angeführt. Dagegen gibt es aber andere Vorkehrungen.

Die 30 Mill. Liter Glyphosat der nächsten fünf Jahre (Deutschland) werden uns auch nicht umbringen, das ist wahr. Manche Irrtümer sieht man früh genug ein, kann sie aber wegen entgegenstehender Interessen nicht korrigieren.

Die Grundfigur, die manche eben nicht hinnehmen wollen, ist diese: "Wir geben euch das Mittel, mit dem ihr alles abtöten könnt. Überleben wird nur, was wir euch verkaufen." (Das erste gibt es vielleicht bald umsonst, das zweite aber nicht. Das ist wie mit den Druckern, die einem nachgeworfen werden; verdient wird dann am Toner. Oder mit den Telefonen...)

Saatgut selbst zu vermehren ist entweder unmöglich geworden oder verboten – dieses Thema ist fast aus dem Blick geraten, spielt ja auch in unserer Region keine große Rolle.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 29.11.2017 um 20.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37141

Die sprichwörtliche Selbstüberschätzung, als glaubten deutsche Politiker die Weltprobleme lösen zu können, begegnet mir ständig in ihren eigenen Aussagen. Ob sie das selber glauben, ist eine andere Frage. Jedenfalls reden sie doch permanent von "Fluchtursachen bekämpfen", beispielsweise. Also auf die vielen Länder in Nahost, in Asien und Afrika, von Afghanistan bis Liberia, so wohltuend einwirken, daß dort keine Menschen mehr nach Europa auswandern wollen. Wenn das keine Selbstüberschätzung ist!

Das Ausländerthema wurde nicht zur Existenzfrage der Nation "hochgepuscht", im Gegenteil. Tatsache ist, daß viele Millionen Menschen – darunter viele, die ein paar Jahrzehnte in die Zukunft denken können – das Ausländerthema als Existenzfrage der Nation ansehen. Medien und Politiker haben hingegen so getan, als seien jene besorgten Menschen allesamt nicht ernst zu nehmen, als seien es bemitleidenswerte, geistig verwirrte Bürger von geringem Verstand. Das Ausländerthema wurde auf diese Weise als Ausdruck persönlicher Dummheit derjenigen interpretiert, sie sich Sorgen um die Nation machen. Es wurde somit verharmlost, geradezu verleugnet.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 29.11.2017 um 19.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37140

Das quasireligiöse Nostra culpa und die sich daraus ergebenden Forderungen begegnen mir auf Schritt und Tritt, namentlich in den „sozialen Netzwerken“: „Wir verseuchen die Weltmeere, wir beuten die Dritte Welt aus, wir liefern Waffen in Krisengebiete“ und so fort. Für die Interventionen unserer Verbündeten sind wir selbstverständlich mitverantwortlich, schließlich sind wir mit ihnen verbündet. Die Schuldgefühle erklären, wie beispielsweise der Nachzug von Familien junger Flüchtlige zur heiligen Bedingung werden kann, obwohl alles dagegen spricht, daß ausgerechnet er die Integration fördert. Mir ist unbehaglich, wenn Fragen wie diese mit Frömmigkeit gelöst werden sollen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 29.11.2017 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37139

Nun ist es in der Tat im höchsten Maße unvernünftig, Glyphosat oder sonst etwas zu verbieten, ohne zu wissen, was an dessen Stelle treten könnte. Der Ersatz ist ja vielleicht noch schlimmer als das Original.

Ich weiß nicht, ob Jan Grossarth tatsächlich „jahrelang das Krebsrisiko in den Vordergrund gespielt“ hat. Nach meinem Eindruck hat die Krebsfrage in letzter Zeit aufgrund der isolierten Entscheidung der IARC ein breiteres Echo in der Öffentlichkeit gefunden. Und es war gerade die Anti-Glyphosat-Lobby, die das besonders ausgeschlachtet hat, so etwa mit der „fake news“ der Grünen über angebliches Glyphosat in der Muttermilch oder der Meldung über minimale Mengen im Bier.

Der Erhalt der Artenvielfalt ist allerdings ein wichtiges Ziel. Dazu müssen aber alle Pestizide und landwirtschaftliche Verfahren auf ihre Auswirkungen geprüft werden und nicht nur eine Substanz, weil sie vom Gottseibeiuns mit Beinamen Monsanto stammt und – was es noch schlimmer macht – in engem Zusammenhang mit der Teufelspraxis der Genntechnologie steht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2017 um 16.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37137

Unter den Migrationsursachen sollte man die Interventionen unserer Verbündeten nicht vergessen.

Die sprichwörtliche Selbstüberschätzung, als glaubten deutsche Politiker die Weltprobleme lösen zu können, begegnet mir eigentlich fast nur als Unterstellung ihrer Kritiker. (Wie der "Untergang des Abendlandes", den wir Rechtschreibreformkritiker angeblich heraufbeschworen haben.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.11.2017 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37135

Das Wort Ausländerfeindschaft ist vor allem eine Erfindung der Medien. Nach der Logik der Medien muß ich wohl Männer hassen, weil ich nicht schwul bin. Vegetarier essen kein Fleisch, weil sie Tiere hassen, und wer gegen die Masseneinwanderung ist, haßt eben Ausländer.

Ich sage nicht, daß es keinen Ausländerhaß gibt, aber wenn rundweg jede gegen die Masseneinwanderung gerichtete Haltung als Ausländerhaß bezeichnet wird, dann wird damit wirklicher Haß verschleiert, man kann einfach nicht mehr wissen, wie verbreitet er tatsächlich ist.

Vor allem dienen die Wörter Islam- und Ausländerfeindlichkeit und -haß dazu, vom wirklichen Volkswillen und von den wirklichen Problemen einer verfehlten staatlichen Politik abzulenken.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 29.11.2017 um 13.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37134

Die Fluchtursachen müssen natürlich bekämpft werden, man sollte bloß nicht so tun, als könnte Deutschland sie mit etwas gutem Willen beseitigen – die Ausbreitung der Wüsten, das Ansteigen des Meeresspiegels, mörderische Despoten, Konflikte, Kriege, Hungersnöte und weiß der Himmel, woran wir sonst noch weltweit schuld zu sein glauben. Das deutsche Wesen sollte dringend von seiner maßlosen Selbstüberschätzung genesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2017 um 12.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37133

Gerade lese ich wieder, daß die Ausländerfeindschaft in Sachsen besonders groß ist (Ausländeranteil 2,8 %).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2017 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37132

Da kann einem ja angst und bange werden. Aber Ihre Auswahl überrascht mich. Die Türken sind ja fast alle mit der Gastarbeiteranwerbung gekommen und werkeln und schnackseln bloß noch vor sich hin, jetzt stehen aber doch eine Milliarde Schwarze vor der Tür!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.11.2017 um 10.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37131

Die deutsche Nation steht vor ihrer Existenzfrage, was gibt es da hochzupuschen? Deutschland als Staat wird natürlich weiterexistieren, auch wenn künftig Türken und Araber die Mehrheit bilden werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2017 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37130

Neulich wurde wieder mal vorgerechnet, daß das Geld für die Migranten besser in den Herkunftsländern angelegt wäre. Der erste Einwand ergibt sich natürlich aus den bisherigen Erfahrungen mit der Entwicklungshilfe und den Regimes ebendort. Aber es ist noch etwas zu bedenken: Bisher bleibt das Geld ja weitestgehend im Land, wirkt also in Deutschland wie eine Konjunkturspritze. Die Milliarden gehen letzen Endes in den Konsum und stärken die Binnennachfrage, wie von jedermann so dringend gewünscht. Mir fehlen die Mittel, um auszurechnen, was dieses Konjunkturprogramm zur Verringerung des Handelüberschusses beiträgt. Vielleicht liege ich als Laie ja auch ganz falsch, aber ich sehe im Augenblick keinen Fehler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2017 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37129

Die Lage kann sich ja täglich ändern, wie gerade der hervorragend geplante Glyphosat-Dolchstoß der CSU in Merkels Rücken zeigt. Die Kanzlerin wird im Augenblick größter Wehrlosigkeit erwischt.

Wenn man zurückblickt, war der völlig überraschende Blitzentscheid von Martin Schulz kurz nach Schließung der Wahllokale der Auslöser der Sondierung usw. - und das alles wiederum nur, weil durch die (vorübergehende) Abwanderung einiger Millionen Wähler zur AfD die bisherigen Koalitionsparteien nicht mehr eine so große, wenn auch immer noch hinreichende Mehrheit mehr hatten! (Und das wiederum, weil das Ausländerthema zur Existenzfrage der Nation hochgepuscht worden war...)

Solange die SPD sich nicht zur Wahl stellen muß, kann sie natürlich an Schulz festhalten. Neuwahlen muß meiner Ansicht nach auch die CSU fürchten, ob mit Seehofer oder - die Tasten sperren sich - mit Söder.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 29.11.2017 um 08.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37128

Zu #37088: Habe gerade noch einmal kopfgerechnet. Schulz wird wohl in den nächsten Stunden oder Tagen zurücktreten.

Ich schätze das ganz anders ein. Parteien gestehen normalerweise keine Fehler ein. Das Absetzen von Schulz wäre auch das Eingeständnis der Partei, daß es dieser Mann nicht bringt oder daß er der Partei hauptsächlich schadet. Damit würde sich die SPD nachträglich selbst erheblich blamieren, schon wegen ihrer Entscheidung, Schulz als Kanzlerkandidaten aufgestellt zu haben, und wegen ihrer jubelnden Unterstützung für ihn. Auch bei den letzten Entscheidungen von Schulz zur Frage der Regierungsverantwortung hat sich die gesamte Führungsriege hinter ihn gestellt. Deshalb können sie ihn auch nicht wegen seiner verfrühten Festlegung auf die Oppositionsrolle absägen. Sonst wäre die ganze Führungsriege mitblamiert.

Außerdem weiß die SPD noch nicht, ob eine Große Koalition zustande kommen wird, egal ob jetzt oder möglicherweise nach Neuwahlen. Es kann gut sein, daß die SPD am Ende in der Opposition landen wird, wo Schulz und der restliche Parteivorstand sie zweimal energisch verorten wollten. Wenn die SPD also in der Opposition landen wird, wäre es sehr unklug, vorher Schulz zum Rücktritt genötigt zu haben mit dem Motiv, er habe die Partei verfrüht auf die Oppositionsrolle festlegen wollen, denn im nachhinein hätte Schulz ja dann doch recht gehabt.

Zu einem Absetzen einer Führungsfigur würde auch gehören, daß die Partei sich einig ist über die Nachfolge und die künftige Ausrichtung der Partei. Auch daran mangelt es, denn die Partei ist in Flügel gespalten und insgesamt sehr verunsichert.

Aus diesen Gründen erwarte ich, daß Schulz frühestens dann zurücktritt, wenn eine Große Koalition gezimmert wird, gegebenenfalls erst nach Neuwahlen. Im Fall einer Großen Koalition halte ich es jedoch für wahrscheinlicher, daß Schulz SPD-Vorsitzender bleibt und zu seiner Rehabilitierung eine vornehme Rolle in der Regierung spielen darf.

Zuletzt möchte ich noch ein psychologisches Motiv erwähnen: Der Sieg der CDU wird am deutlichsten erlebt in der Person der unzerstörbaren Angela Merkel. Den eigenen Kandidaten Martin Schulz als Versager zurückzuziehen würde der SPD dann leichter fallen, wenn auch die ewige Siegerin Merkel stürzen würde. Nicht aber, wenn sie weiterhin die Herrin im Ring bleibt. Diesen Triumph der Konkurrenz – Merkel bleibt, Schulz wird von den eigenen Leuten als Versager entlarvt – möchte die SDP, solange sie es sich halbwegs leisten kann, der CDU nicht gönnen. Solche psychologischen Effekte sollte man nicht unterschätzen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.11.2017 um 01.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37124

Hier ist vermutlich previously übersetzt worden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2017 um 18.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37123

Ich empfinde es genauso. Im Texte steht dann bislang. Überschriften sind allerdings oft "elliptisch" im weiteren Sinn. Aber Ihre Beobachtung sollte man weiterverfolgen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.11.2017 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37122

Täuscht mich mein Sprachgefühl oder ist diese deiktische Verwendung von zuvor regional? Ich hätte geschrieben:
Fliegen verbreiten weit mehr Krankheitserreger als bisher angenommen
Damit bezieht man sich auf die Vergangenheit bis "jetzt" (bisher = bis jetzt). Meiner Ansicht nach fehlt hier für den üblichen anaphorischen Gebrauch von zuvor die Bezugszeit. (Im Netz steht der Satz isoliert als Überschrift, ohne einen Bezug.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2017 um 13.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37121

Fliegen verbreiten weit mehr Krankheitserreger als zuvor angenommen
(„Mama, was sind Fliegen?“ Diesen traurigen Scherz möchte ich aber beiseite lassen.)
In Wirklichkeit hat man nur herausgefunden, daß sie mehr Bakterienarten mit sich herumtragen als angenommen. Das war anzunehmen. Es ist ja nur eine Frage der Analytik, wie so oft. Daß sie die Krankheiten tatsächlich übertragen, ist nicht nachgewiesen. Das hängt wohl auch davon ab, ob die paar Bakterien einen Nährboden finden.
„Ob wohl die Fliegen Eier in uns legen, wenn sie so lange auf uns sitzen bleiben?“ (Ringelnatz)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2017 um 07.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37117

Jan Grossarth verteidigt die Glyphosat-Verlängerung vorsichtig als „vernünftig“, mahnt aber zum Schluß: „Aktivisten sollten sich fragen, ob Schadwirkungen des Glyphosats auf die Landschafts- und Artenvielfalt nicht das relevantere Thema wären.“ (FAZ 28.11.17)
Das ist ja lustig. Die Aktivisten haben sehr oft davon gesprochen (ich hier auch), aber Grossarth hat jahrelang das Krebsrisiko in den Vordergrund gespielt, um es für minimal erklären zu können, und auch die „Würmer“, die er am Anfang seines Kommentars noch einmal erwähnt. Wenn er nun umdenkt, ist das gut und richtig, aber ein „mea culpa“ wäre nicht unangebracht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2017 um 18.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37115

Paul Kirchhof will eine Änderung des Wahlrechts. Die Parteien „sollten vor der Wahl erklären, welche Koalitionen sie nach der Wahl eingehen werden. Damit geben sie dem Wähler seine demokratische Macht zurück“.

Dann müssen sie aber auch vor der Wahl Koalitionsverhandlungen führen. Eigentlicher jeder mit jedem, denn sie wissen nicht im voraus, mit wem es aufgrund der Mehrheitsverhältnisse möglich oder nötig sein wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2017 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37088

Habe gerade noch einmal kopfgerechnet. Schulz wird wohl in den nächsten Stunden oder Tagen zurücktreten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2017 um 17.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37072

Noch ein Nachtrag:

Meine Frau ist viel gescheiter als ich, sie hat sofort die Lösung gefunden: Schulz meint gar nicht die eigenen Wähler, sondern die der anderen Parteien. Sie haben der SPD den Auftrag erteilt, in die Opposition zu gehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2017 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37069

Nachtrag:

Einen Plan, den einfachsten nämlich, hatte nur der Parteivorsitzende Martin Schulz. Er wollte an der Linie festhalten, die er bereits am Abend der Bundestagswahl vor jubelnden SPD-Anhängern ausgegeben hatte: "Es ist völlig klar, dass der Wählerauftrag an uns der der Opposition ist.“
(...)
Tatsächlich hat Schulz seine Truppe in eine schwierige Lage manövriert. Von einer "babylonischen Gefangenschaft" spricht bereits ein Spitzenmann der Partei.
Ex-Fraktionschef Thomas Oppermann sagte am Montagabend: "Wir haben drei Optionen – Große Koalition, Neuwahlen, Minderheitsregierung – und alle sind schlecht."
(t-online)

Ist es logisch überhaupt möglich, von einem Wählerauftrag zur Opposition zu sprechen? Kann man die Opposition wählen? Wohl höchstens so: "Ich wähle die Partei B, weil sie keine Chance hat zu regieren, ich aber eine starke Opposition will." Haben die Wähler die SPD gewählt, damit sie NICHT regiert, auch nicht mitregiert? Oder nur mitregiert, wenn sie stark bleibt, andernfalls aber eine (also schwache!) Opposition bildet? Wäre es nicht umgekehrt logischer: die SPD zu wählen, damit sie möglichst stark wird – und gerade dann die starke Opposition bildet, die wir angeblich brauchen?
Ich komme aus diesem Hirntwister nicht raus. Aber Oppermann hat natürlich recht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2017 um 13.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37067

Schon während des Wahlkampfs haben wir uns mit der kniffligen argumentativen Lage beschäftigt. Die SPD konnte schlecht gegen eine Regierung kämpfen, an der sie maßgeblich beteiligt war und in der sie sozialdemokratische Ziele durchsetzen konnte wie nie zuvor (Nahles u. a.). Darum konnte sie auch nach der Wahl schlecht behaupten, daß die weitere Zusammenarbeit mit der Union aus inhaltlichen Gründen unzumutbar sei. Das wäre auch vor Verhandlungen nicht plausibel gewesen. Was tun? Schulz kam auf den Gedanken, die Fortsetzung deshalb auszuschließen, weil die beiden Parteien vom Wähler abgestraft worden seien. Allerdings haben sie zusammen zwar keine überwältigende (nix gut!), aber doch immer noch eine ganz bequeme Mehrheit, wie sie in anderen Staaten ganz normal ist und völlig ausreichend für eine stabile Regierung.
Das kam also doch recht überraschend und war nicht schlüssig begründet. Ich glaube, auch einige Minister der SPD waren nicht begeistert, so plötzlich vom Platz gestellt zu werden. Noch dazu von einem glücklosen und wenig kompetenten Mann, dessen politisches Ende nur noch eine Frage der Zeit war. Der Spielraum der SPD war dadurch extrem eingeschränkt und läßt sich, wie man sieht, nur schwer wieder erweitern. Schulz redet über seine Aussichten bei Neuwahlen schon wieder genauso unrealistisch daher wie vor der Wahl.
Was die FDP betrifft, kann ich den wichtigen Programmpunkt nicht erkennen, den sie gänzlich hätte aufgeben müssen, so daß sie jede Mitregierung verweigern mußte; aber vielleicht erfahren wir das ja noch.
Anscheinend will außer Union und Grünen niemand wirklich regieren. Das finde ich natürlich gar nicht gut. Vielleicht kann Steinmeier das Blatt noch wenden und sich ums Vaterland verdient machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2017 um 07.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37065

"mit viel Mühe" – kann sein, wir wissen es nicht. Ich bin übrigens ganz neutral, da ich selbst die Fortsetzung der GroKo nicht gewünscht und nicht entsprechend gewählt habe. Mich interessiert hier nur die "Kommunikation", die Gruppendynamik, die Entstehung und Veränderung von Meinungen. Auch deren Unabhängigkeit von der wirklichen Lage, etwa nach dem Motto: "Deutschland geht es gut, ein Weiter-so darf es nicht geben." Ist das nicht komisch?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 21.11.2017 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37064

Hat die SPD-Führung vor der Wahl (klar genug oder überhaupt) angekündigt, unterhalb eines gewissen Ergebnisses in die Opposition gehen zu wollen?

Vor der Wahl hat die SPD versucht, sich selbst Mut zu machen. Martin Schulz kündigte damals den Sieg der SPD bei der Bundestagswahl an.

Lindner kann man nicht in der Schmollecke von Schulz verorten. Die FDP hat nicht von vornherein verkündet, daß sie nicht regieren will, sie hat sich mit viel Mühe an den Jamaika-Sondierungen beteiligt. Die FDP hat auch jetzt nicht gesagt, daß sie nicht regieren will. Lindner hat nur gesagt, die Sondierungen hätten nun gezeigt, daß speziell Jamaika keinen Sinn ergibt (kein Grundvertrauen zwischen den Beteiligten, keine stabile Regierung denkbar) und darüber hinaus für die FDP keinen Sinn ergibt, deren Programm bzw. deren Wähler Lindner nicht verraten wollte.

Apropos Kopfrechnen: Es ist ein Unterschied, ob eine Partei mit rund 20 Prozent Stimmenanteil (SPD) sich zurückzieht oder eine Partei mit rund 10 Prozent Stimmenanteil (FDP). Die SPD hätte doppelt so viel Verantwortung, sich an der künftigen Regierung zu beteiligen. Lindner kann doch nichts dafür, daß Schulz ein schlechter Verlierer ist und jetzt großartig vor sich hin schmollt. Lindner kann auch nichts dafür, daß die ganze SPD sich wie ein trotziges Kind verhält. Im Vergleich zu Lindner ist Schulz ein Charakterzwerg.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2017 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37062

Das ist logisch korrekt. Der Teufel steckt im zweiten Absatz: "offensichtlich", "nicht geboten"? Gestern abend habe ich Schulz im Radio gehört, da klang es nicht so. Aber wenn wir Haarspalterei mal beiseite lassen: Die Darstellung, daß es nach den Wahlergebnissen ausgeschlossen sei, die Koalition zu erneuern, ist für Kopfrechner einfach nicht richtig. So sehen es offensichtlich (!) auch viele SPD-Wähler, über die die Entscheidung der Wahlnacht aus heiterem oder auch weniger heiterem Himmel zu kommen schien. Auch der Bundespräsident.

Noch eine Bemerkung zu Volkes Stimme: Aus unzähligen Einträgen und Reden entnehme ich erstens, daß die Modalitäten der Regierungsbildung vielen Bürgern nicht bekannt zu sein scheinen (Versäumnis der Schule), zweitens, daß länger dauernde Koalitionsgespräche als eine lächerliche Veranstaltung empfunden werden, mit der nun endlich Schluß sein müsse, verdammt noch mal! Zum Lächerlichmachen demokratischer, eigentlich ganz normaler Vorgänge ("Schwatzbuden"-Rhetorik unseligen Angedenkens) haben auch die Medien kräftig beigetragen.

Man könnte es auch so sagen: Die Wahl liefert uns nackte Zahlen, die Deutung ist eine andere Sache. Haben die von den beiden großen Parteien abgesprungenen Wähler "ihrer" Partei einen Denkzettel geben wollen? Haben sie keine Fortsetzung der Koalition gewollt? Haben die verbliebenen Wähler gehofft, "ihre" Partei würde es allein oder in einer anderen Koalition schaffen? Wir wissen es nicht. Tatsache ist, daß die beiden Großen immer noch eine regierungsfähige Mehrheit haben, und wenn sie nicht vorher so viel stärker gewesen wären, dann hätte überhaupt kein Mensch daran gezweifelt, daß sie in erster Line für die Bildung der nächsten Regierung in Betracht kommen.

Der zweite Punkt ist mir immer noch nicht klar: Hat die SPD-Führung vor der Wahl (klar genug oder überhaupt) angekündigt, unterhalb eines gewissen Ergebnisses in die Opposition gehen zu wollen? Auch wenn das Ergebnis für eine große Koalition immer noch ausreichen würde? Ich kann mich nicht erinnern, irre mich vielleicht. Jedenfalls kam der Entscheid nicht nur für mich völlig überraschend, und meine erste Reaktion war: Sollte man das Zuschlagen der Tür geschickterweise nicht dem Verhandlungspartner überlassen? Jeder weiß doch, wie schwer es ist, aus der Schmollecke wieder herauszukommen. (Gilt jetzt auch für Lindner.) Man nennt ja auch Namen von SPD-Vorständlern, die mit dem abrupten Ausstieg nicht glücklich waren.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.11.2017 um 22.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37061

Wenn Koalitionen nicht gewählt werden können, können sie auch nicht abgewählt werden. Dann kann man aber auch nicht argumentieren, die Große Koalition wäre nicht abgewählt, weil Union und SPD insgesamt noch über 50 % der Stimmen auf sich vereinigen konnten (genauer 53,4 % nach 67,2 % 2013). Nach dieser Logik wäre die Große Koalition abgewählt, wenn ihr im Bundestag eine Stimme zur Mehrheit fehlte, und bestätigt, wenn sie eine Stimme Mehrheit hätte, wobei man stillschweigend davon ausgehen müßte, daß hundert Prozent der Wähler, die entweder die Union oder die SPD gewählt haben, eine Große Koalition wollten, was man getrost ausschließen kann.

Demnach muß man entweder den Begriff des Abwählens für Koalitionen gänzlich ablehnen – dann aber kann man die These vom Abgewähltsein nicht mit dem Hinweis auf die 53,4 % widerlegen –, oder man versteht ihn so, wie er von den Sprechern offensichtlich gemeint ist, nämlich daß die Parteien der bisherigen Regierungskonstellation in einem Maße von den Wählern abgestraft worden sind, daß man eine Fortsetzung dieser Konstellation für nicht geboten erachtet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2017 um 16.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37056

SPD-Parteivize Ralf Stegner sagte in der Nacht zu Montag: „Die Ausgangslage für die SPD hat sich nicht verändert. Wir haben kein Mandat für eine erneute große Koalition.“ (FAZ 20.11.17)

Die große Koalition ist zwar gerupft, hat aber weiterhin die Mehrheit, ist also nicht "abgewählt", wie es oft heißt. Abgesehen davon, daß nicht Koalitionen gewählt werden, sondern Parteien. Koalitionen sind Verhandlungssache, sie stehen nicht auf den Wahlzetteln. Soviel zum "Mandat".

Das sofortige und definitive Nein der SPD-Führung nach der Wahl hat viele überrascht, auch in der SPD selbst und unter ihren Wählern. Haben sie wissen oder ahnen können, daß die SPD sich unterhalb eines gewissen Prozentsatzes ganz aus dem Spiel nehmen würde?

Martin Schulz: Mit Jamaika droht Deutschlands Machtverlust in der EU
Also? (Bundespräsident Steinmeier hat auch wenig Neigung, dieser Rechnung zu folgen; gerade hat er, ohne ihn zu nennen, den Genossen Schulz zur Ordnung gerufen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2017 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37030

Ich habe dieses kleine Beispiel angeführt, weil man daran sieht, wie sich einer Gesellschaft allmählich ein gewisser Bildungsstand verbreitet und dann den selbstverständlichen Hintergrund für (beinahe) jedermann bildet. So habe sich die Griechen und ihre Nachfolger (wir) daran gewöhnt, die Himmelserscheinungen als Spezialfall der Geometrie und Mechanik zu betrachten. Das prägt unseren Blick in den Himmel bei Tag und Nacht. Der Riesenunterschied zu einer vorwissenschaftlichen Mentalität ist kaum noch ermeßbar.
Ähnlich ist uns dann in Fleisch und Blut übergegangen, das Lebendige unter dem Gesichtspunkt der Evolution zu sehen. Schriften über die Natur aus vorevolutionärer Zeit muten uns überaus fremdartig an. Nicht wegen einiger Irrtümer und Lücken im einzelnen, sondern wegen der ganz anderen Perspektive.
Spätestens seit etwa 1900 gewöhnen wir uns daran, daß die Welt nicht aus Dingen besteht, die sich hart im Raume stoßen, sondern ganz anders ist. Die alltägliche Ansicht, die grobmechanische sozusagen, ist zwar praktisch wirksam, aber was früher an Theorien darüber hinaus als beinahe unerträglich empfunden wurde, treibt heute keinen mehr auf die Barrikaden.
Auf dem kleinen Gebiet der Sprachwissenschaft erlebe ich es ständig: Die klügsten Menschen haben bis etwa 1800 etymologische Spekulationen angestellt, die uns heute kindlich vorkommen. Es bedurfte nur einer scheinbar winzigen Änderung, dann war das mit einem Schlag vorbei.
Zu Kleomedes: Einige Jahre nach dem Abitur können die meisten von uns keine Brechungswinkel mehr berechnen, aber das macht nichts. Wer auch immer es gesagt hat, es ist nur wenig übertrieben: "Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn wir alles vergessen haben, was wir in der Schule gelernt haben."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2017 um 10.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37027

Manchmal stehen bei einer Mondfinsternis der vollständig bedeckte Mond und die Sonne beide über dem Horizont. Das muß man erst einmal bemerken, dann sich darüber wundern (wenn man überhaupt schon weiß, wie eine Mondfinsternis zustande kommt). Und dann erklären. Die meisten unserer Zeitgenossen werden wohl nicht darauf kommen. Kleomedes hat es vor 2000 Jahren richtig gelöst.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2017 um 16.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37016

Merkel hat sich ja auch als politisch unfähig erwiesen, dafür zu sorgen, dass sich das deutsche Volk durch genügend eigene Kinder zahlenmäßig gleich erhält. Dabei zählt auch das zu den Aufgaben derjenigen, die geschworen haben, sich für das Wohl des deutschen Volkes einzusetzen. (https://dieunbestechlichen.com/wp-content/uploads/2017/09/Ist-die-Bundeskanzlerin-Angela-Merkel-die-gr%C3%B6%C3%9Fte-Verbrecherin-in-Deutschland-seit-1945.pdf)

Fehlt im Grundgesetz, steht aber in der Bibel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2017 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37010

Durch die neuen US-Grenzwerte für Blutdruck werden Hunderte von Millionen Menschen behandlungsbedürftig, allein in den USA 35 Millionen. Der Grenznutzen für die Gesundheit dürfte kaum meßbar sein, der Nutzen für die Pharmaindustrie aber sehr wohl. Deutschland wird bestimmt nachziehen, bei gleicher Interessenlage, teils auch gleichen Akteuren.

Die Definition von "Gesundheit" ist das erfolgreichste Geschäftsmodell aller Zeiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2017 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#37007

Dramatisch gestiegen ist die Zahl der Wohnungslosen (jedenfalls nach Angaben eines Interessenverbandes). Sieht man genauer hin, besteht die Hälfte aus Migranten, die "ohne eigene Wohnung" in Gemeinschaftsunterkünften lebt. Und dabei sollte doch jeder sofort eine eigene Wohnung haben! Unsere Kinder haben auch länger in einer "Gemeinschaftsunterkunft" wohnen müssen (zu Hause), bevor sie etwas Eigenes fanden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2017 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#36990

Man möchte sofort zustimmen, wenn jemand härtere Strafen fordert: Abhacken der Hand bei Diebstahl, Hinrichtung bei Mord usw. Andererseits werden in Ländern mit solchen Sitten nicht weniger Verbrechen begangen. Auch hat das Waffentragen der US-Amerikaner nicht zu weniger Gewaltverbrechen geführt (ich verkneife mir zu sagen: "im Gegenteil"). Darum sollte man seine verständliche Wut vielleicht wegstecken.

Andererseits wirken harte Strafen offenbar wirklich abschreckend bei eher läßlichen Sünden. Zum Beispiel werden die Straßen sofort viel sauberer, wenn das Wegwerfen von Müll und das Hinterlassen von Hundekacke ernstlich bestraft werden.

Diese Unterscheidung regt zu philosophischen Betrachtungen an. Ich folgere vorläufig, daß eine "sexistische" Äußerung etwas ganz anderes ist als eine Vergewaltigung, nicht nur der Schwere nach. Entsprechend in anderen Bereichen (Pornographie).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2017 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#36989

Die meisten Menschen haben Sturm „Xavier” schon wieder vergessen.

Wenn man nachrechnet, findet man meistens, daß wieder in dieser häufigen Verbindung eigentlich überflüssig ist, denn es geht nicht darum, daß etwas nochmals vergessen wird. Wiederhergestellt wird vielmehr der frühere Zustand, in dem man es noch nicht wußte, und diese beiden Gedanken sind ineinandergeschoben (Kontamination).

Wilhelm Buschs Zeichnungen werden durch die treffsicheren Verse in ihrer Wirkung erhöht. (Wikipedia Wilhelm Busch)

Eigentlich werden nicht die Zeichnungen erhöht, sondern deren Wirkung. Beim ebenfalls sehr häufigen verstärken kann man es meistens gerade noch zurechtbiegen.

Das waren zwei Beispiele der täglichen Unlogik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2017 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#36904

Die Wirtschaftsweisen fordern den allmählichen Abbau des Soli. Es gibt schon Kritik daran.

Denn von der geforderten Abschaffung des Soli würden vor allem Besserverdienende profitieren, die unteren Einkommensgruppen dagegen gar nicht. Das bedeute eine "massive Umverteilung – von unten nach oben", schrieb der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, auf Twitter. (SPON 8.11.17)

Da der Soli eine prozentual berechnete Sondersteuer ist (die nicht so heißen darf), profitieren logischerweise höhere Einkommensgruppen stärker von einer Abschaffung. Der ursprüngliche Zweck des Soli spielt schon lange keine Rolle mehr, also auch nicht die Tatsache, daß er höhere Einkommensgruppen stärker schröpft.

Aus dieser rhetorischen Falle der Milchmädchen gibt es keinen Ausweg.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.11.2017 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#36899

In der Informatik wird "wenn" eindeutiger durch "falls" ("if") ersetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2017 um 14.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#36898

Noch einmal zu den wenn-Sätzen als Ergänzungssätzen (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#36609)

Es gibt hier eine Beziehung zu den Abstrakta als "Namen für Satzinhalte". Nehmen wir folgendes Beispiel:

Sie könne verstehen, wenn viele Menschen auf diese Veränderungen mit Unsicherheit und Angst reagierten. (SZ 25.1.07)

Hier könnte man auch sagen:

Sie könne die Reaktion verstehen.

Das Abstraktum Reaktion läßt sich auf zwei Satzinhalte zurückführen oder in sie auflösen:

1. daß man reagiert
2. wenn man reagiert

Der daß-Satz ist grammatisch unproblematisch, weil er ja ohnehin der prototypische Objektsatz ist. Genau parallel wird mit wenn die andere Möglichkeit realisiert. Der Obersatz hat denn auch oft die Form des Potentialis oder Irrealis.

Diese Überlegung könnte die nicht gerade kanonische Verwendung des wenn-Satzes als Objekt verständlicher machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2017 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#36865

Von den abgelehnten Asylbewerbern sind 30.000 nicht mehr a