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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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08.02.2009
 

Kopfrechnen
Nachsicht für fehlbare Menschen!

"In sprachlichen Dingen ist der Mensch ein schwacher Kopfrechner." Mein Lieblingszitat aus Wilhelm Havers' großartigem "Handbuch der erklärenden Syntax".

Mir ist das wieder eingefallen anläßlich einer Diskussion im Forum. Dazu eine Bemerkung:
Hans hat keinen Computer, aber Grete benutzt ihn gern.
Das ist logisch nicht in Ordnung, weil der Computer, den Grete gern benutzt, im Vordersatz gar nicht erwähnt ist. Die Sprachwissenschaft nennt so etwas "pronouns of laziness". (Logisch richtig wäre: aber Grete benutzt ihren gern.)



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Kommentare zu »Kopfrechnen«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2017 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35471

Jedes Jahr geht eine andere Untersuchung durch die Medien, wonach der Geburtsmonat die Gesundheit des Menschen beeinflussen soll. Das wird schon stimmen, allerdings bedarf es sehr großer Probandenzahlen, um eine halbwegs zuverlässige Statistik hinzukriegen.
Dieses Jahr soll der Einfluß "enorm, wesentlich, bedeutend" sein – lauter Übersetzungen von "significant", das aber in der Statistik eine sehr viel harmlosere Aussage macht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2017 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35467

Während meiner ganze Lehrtätigkeit habe ich den Studenten Hermann Pauls "Prinzipien" ans Herz gelegt, aber ich glaube nicht, daß auch nur ein einziger es gelesen hat. Man hält es von vornherein für unmöglich, daß ein hundert Jahre altes Buch die Lektüre lohnt, und prüfungsrelevant war es (scheinbar) nie. Ich hätte es durch Abschlußtests erzwingen können, aber das verhinderte die Studienordnung.
Von Skinners "Verbal Behavior" weiß ich, daß wenigstens einer meiner Studenten es gelesen hat; auch kein sehr eindrucksvoller Erfolg.
Eine erfahrene Kollegin bedauerte kürzlich, daß im Bereich Deutsche Grammatik seit langem nichts Wichtiges mehr geschrieben werde. Die Sprachgeschichte profitiert noch von neu erschlossenen Quellen und neuen Recherchemöglichkeiten. Aber sonst? Die generativistische Simulation hat sich totgelaufen, modische Verkleidungen altbekannter Tatsachen ("Konstruktionsgrammatik") sind auch nicht sehr vielversprechend, vor allem wenn man die älteren Bücher kennt.
Die Literaturwissenschaftler haben es besser, schon weil dauernd neue Texte erscheinen, die "interpretiert" werden können. (Aber wer möchte sein Leben damit verbringen?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2017 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35465

Der Mißstand wird abzustellen versucht.

Eigentlich müßte es heißen:

Den Mißstand wird abzustellen versucht.

(Umstellung aus: Es wird versucht, den Mißstand abzustellen. Den Mißstand abzustellen wird versucht.)

Hermann Paul erklärt die Verschränkung und Umdeutung in den "Prinzipien":

§ 205. Ein Satzglied, welches grammatisch von einem Inf. abhängt, kann psychologisch von der Verbindung dieses Infinitivs mit seinem Regens abhängig werden; vgl. dies Buch werde ich dich nie lesen lassen; das Ding selbst bin ich weit entfernt zu sehen (Le.); mit welchem sie sich erinnern, gegen mich glücklich gewesen zu sein (Le.). Infolge davon kann das Sprachgefühl darüber unsicher werden, ob das betreffende Glied eigentlich zu dem Inf. oder zu seinem Regens in direkte Beziehung zu setzen ist. Dazu kommt, dass diesen Fällen andere sehr ähnlich sehen, in welchen wirklich die Abhängigkeit von dem Verb. fin. das Ursprüngliche ist, vgl. was ich zu besorgen habe. So geschieht es, dass eine wirkliche Übertragung der Rektion vom Inf. auf das Verb. fin. stattfindet, die sich deutlich durch Umsetzung in das Pass. dokumentiert; vgl. hier ist sie (Minna v. Barnhelm) auf Ansuchen des Herrn von Hecht zu spielen verboten (Le.); die Anklage ist fallen gelassen worden (Allg. Zeitg.); die Stellung des Fürsten Hohenlohe wird zu untergraben versucht (ib.); wo die Verdorbenheit der Klöster durch eine Reformation abzustellen gesucht ward (Gervinus).

-

Zu was ich zu besorgen habe: Paul spielt darauf an, daß dies entstanden ist aus was ich habe, (es) zu besorgen.

In seiner Grammatik erklärt Paul die Dinge ausführlich und mit vielen Belegen, in den "Prinzipien" ordnet er sie in größere Zusammenhänge ein und zieht auch zum Vergleich die anderen Schulsprachen heran, allerdings viel weniger als Wackernagel in seinen "Vorlesungen über Syntax". Man sollte beide Meisterwerke lesen, dazu muß man kein Sprachwissenschaftler sein. Dazu noch Skinners VB, mehr braucht man nicht zum Leben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.06.2017 um 19.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35412

Mit der Mittelmeer-Diät senken Sie Ihr Brustkrebsrisiko um 40 Prozent

Das ist fast frei erfunden. Und wie sieht die Mittelmeer-Diät nun aus? Wenig rotes Fleisch, Vollkornbrot... wir wir es halt aus dem Urlaub am Mittelmeer kennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2017 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35399

„Durch die aktuelle Studie wurde klar, dass der zwei- bis dreimalige Verzehr von Bratkartoffeln in der Woche zu einem verdoppelten Risiko der Mortalität führt, verglichen mit Menschen, die keine gebratenen Kartoffeln zu sich nehmen. (...)
Allerdings „gibt es noch andere Faktoren, die die Mortalität beeinflussen wie beispielsweise einen Mangel an Bewegung, Fettleibigkeit und Übergewicht. Solche Faktoren könnten ebenfalls die Ursache für frühe Todesfälle bei den Konsumenten von Bratkartoffeln sein, mutmaßen die Forscher.

Weitere Forschung ist nötig

Die Studie sollte keineswegs der Grund dafür sein, dass Menschen keine Kartoffeln mehr zu sich nehmen, erläutern die Experten. Weitere Forschung sei jetzt nötig, um die Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen dem Verzehr von Bratkartoffeln und dem frühzeitigen Tod endgültig zu bestimmen. Nicht gebratene Kartoffeln sind sicher und können verzehrt werden, betonen die Wissenschaftler. Auch gebratene Kartoffeln können durchaus in Maßen konsumiert werden, fügen die Mediziner hinzu.“

Also wieder nix!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2017 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35393

Yoga und Co reduzieren die Aktivität in Entzündungsgenen

Darauf deuten 81 Prozent von 18 Studien hin. Wie viele sind das? Einsendungen bitte an die Coventry University. Unter den richtigen Lösungen werden eine Jogamatte und ein Set von Entzündungsgenen verlost.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2017 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35389

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hat vor einer großen Fluchtbewegung von bis zu 100 Millionen Menschen aus Afrika Richtung Norden gewarnt, falls eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad nicht gelingt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2017 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35332

Noch einmal zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29425

Ich bin durch einen Abgeordneten im Bundestag vertreten, dieser ist aber nicht im Bundestag vertreten, sondern sitzt selbst drin, will ich hoffen.

Auf der Website eines solchen Abgeordneten steht:

Um Ihnen einen Einblick in meine parlamentarische Arbeit zu geben, möchte ich Ihnen hier die Gremien vorstellen, in denen ich vertreten bin. (http://www.jimmy-schulz.com/content/wie-sieht-meine-arbeit-im-deutschen-bundestag-aus-0)

Wir haben schon mehrere Leute kennengelernt, die in irgendwelchen Gremien "vertreten" sein sollen, denen sie in Wirklichkeit angehören.

Damit solche seltsamen Redeweisen zustande kommen, muß die eigentliche Bedeutung der Wörter aus den Augen verloren werden. Kein vernünftiger Mensch sagt ohne weiteres: "Ich bin im Ausschuß vertreten."

Ein ähnliches geistiges Wegtreten liegt dem Konstruktionswechsel zugrunde. Wie kann man auch nur einen Augenblick lang denken: Der Saal sitzt voller Menschen?

Früher galoppierte man sein Pferd, irgendwann galoppierte man selbst.

Besonders in routinemäßigen Zusammenhängen geht die genaue Bedeutung der Teile leicht verloren. Man versteht das Ganze und braucht die Teile nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2017 um 19.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35325

Die Rangliste selbst wirkt wie ein Pranger. Es wird als besonders dringlich dargestellt, daß dieses Fünftel der Menschheit seine Emissionen reduziert, obwohl es andere Fünftel gibt, die viel mehr emittieren. So gesehen, ist China nicht der "größte Emittent".

Wir müssen auch die Chinesen und Inder daran hindern, ebenso viel Auto zu fahren wie wir...

Wie auch in einem neuen Buch (Ulrich Brand/Markus Wissen) dargestellt wird, läßt sich unsere "imperiale Lebensweise" nicht verallgemeinern. (Kantisch gesprochen ist sie damit unsittlich.)
Allerdings: Wenn sich zugleich unsere "Maxime" ausbreitet, jede Generation um ein Drittel kleiner zu machen, hebt sich das Problem auf.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 10.06.2017 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35323

Für die Klimapolitik spielt es schon eine erhebliche Rolle, ob etwa der größte Emittent von Treibhausgasen zu nennenswerten Reduktionen seiner Emissionen bereit ist oder nicht. Das hat mit einem "Pranger" zunächst nichts zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2017 um 18.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35322

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass mehr als jeder zwanzigste Todesfall auf Bier, Wein und Schnaps zurückzuführen ist. (ZEIT 10.6.17)

Es ist doch sonderbar, daß die Journalisten das Sinnlose solcher Meldungen nicht bemerken. Da wir alle sterben müssen, kann es nur darum gehen, um wieviel früher jemand stirbt.

Mir scheint auch nicht der verfrühte Tod, sondern das Elend der Familien von Alkoholikern das Hauptproblem zu sein. Jeder kennt wohl aus seiner Umgebung solche Fälle.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2017 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35321

Eier sind nicht nur nicht ungesund, sondern gesund. Sie vermindern Wachstumsstörungen bei Kindern "um 47 Prozent" (was allerdings aus der offiziellen Kurzfassung der Studie allein nicht interpretierbar ist, und die Langfassung kostet Geld).
Übrigens ging es um vermutlich unterernährte Indiokinder in Ecuador, aber die Meldung geht auch bei uns durch alle Medien und wird den Eierverbrauch (240 pro Kopf und Jahr) nochmals erhöhen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2017 um 15.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35314

Schon wenig Alkohol verändert Gehirn dramatisch (ÄrzteZeitung 7.6.17)

verändern ist ein kausatives Verb. Aus den Berichten geht aber hervor, daß die Forscher keinen kausalen Zusammenhang, sondern nur eine statistische Korrelation (bei recht kleiner Stichprobe) festgestellt haben. Also gibt es vielleicht gar keine Wirkung, aber sie ist dramatisch.

Andere Forscher haben an einer noch kleineren Stichprobe festgestellt, daß Alkohol während der Schwangerschaft die Gesichtsform der Kinder verändert: kürzere, leicht nach oben gebogene Nasen. Eigentlich ja was Hübsches, vor allem bei Mädchen.

Aluminium in Deodorants erhöht signifikant das Brustkrebsrisiko (Überschrift)

Aber ein kausaler Zusammenhang sei nicht nachgewiesen. (Text)

So jagt eine Meldung die nächste ... Man könnte sterben vor Todesangst.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2017 um 12.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35313

Tag für Tag lesen wir, wer der größte, zweitgrößte, drittgrößte Produzent von Treibhausgasen ist. Ich kenne keinen Gesichtspunkt, unter dem diese Rangliste sinnvoll wäre. Es kann doch nur um den Ausstoß pro Kopf gehen. Mit China am Pranger wäre es dann schnell vorbei.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2017 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35212

Im Einzelfall nicht, aber statistisch ist es ja untersucht worden (wie schon erwähnt: Kettenraucher etwa 10 Jahre, aber über die genauen Zahlen will ich nicht streiten). Einfach gar nichts dazu zu sagen geht wirklich nicht.
Beispiel: 300.000 Menschen sterben im Durchschnitt einen Monat früher, als sie ohne Rauchen gestorben wären. Das reißt keinen vom Hocker.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 28.05.2017 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35210

Ihre Kritik ist nicht ganz berechtigt, denn: Wenn jemand, egal welchen Alters, eindeutig an den Folgen des Rauchens stirbt, dann läßt sich wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, daß er länger gelebt hätte, wenn er nicht geraucht hätte. Es läßt sich aber auf keinen Fall sagen, um wieviel länger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2017 um 03.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35205

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35125

300 Tote pro Tag: Jeder siebte Deutsche stirbt vorzeitig am Rauchen
Rauchen schadet der Gesundheit; das weiß eigentlich jeder. Wie groß die Ausmaße sind, verwundert dann aber doch immer wieder. Experten zufolge sterben hierzulande jeden Tag rund 300 Menschen vorzeitig an den Folgen des Rauchens.


Um wieviel? Wieder derselbe Fehler. Nach 12 Jahren Schule sollte doch jeder imstande sein, diese naheliegende Frage zu stellen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.05.2017 um 15.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35192

Zweitens ist die Zweiprozent-Marke abhängig vom Wirtschaftswachstum – mit der bizarren Folge, dass der Anteil der Militärausgaben fällt, wenn sich das Bruttoinlandsprodukt erhöht (Zeit online, 21.2.17)

Wirklich sehr bizarr, eigentlich ganz unglaublich, daß 1 von 20 € einen kleineren Anteil bedeutet als 1 von 10 €.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2017 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35181

Wie gesagt, Wahlfälschung ist gar nicht so leicht, jedenfalls hier in Bayern (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26722). Um so mehr erstaunt das Ergebnis in NRW, wo seltsamerweise alle "Fehler" sich zuungunsten der AfD ausgewirkt haben. Nun hat sie immerhin ein Viertel jener Stimmen hinzubekommen, die sie für einen weiteren Parlamentssitz benötigt hätte. Das sind schon ziemlich kriminelle Dimensionen.
Meiner Ansicht nach sollte absichtliche Wahlfälschung ebenso schwer bestraft werden wie Meineid.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 24.05.2017 um 17.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35180

Beim doppelten Espresso handelt es sich um die doppelte Menge eines einfachen. Mutter ist aber keine Mengenangabe.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.05.2017 um 15.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35178

Ich glaube nicht, daß man doppelt und zweifach so unterscheiden kann. Für dreifach gibt es nur dies eine Wort, und wäre es Kästner eingefallen, eine Geschichte über drei Lottchen zu schreiben, hätte sie nur Das dreifache Lottchen heißen können. Andererseits kann man natürlich zweifach ganz analog zu dreifach verwenden.

Der doppelte Lutz kommt bei Google weniger als zweimal so oft vor wie der zweifache Lutz, also auch hier ist der Gebrauch fast egal.

Das Wort doppelt muß etwas anderes Spezielles haben. Warum bestellt man einen Doppelten und keinen Zweifachen?
(Espresso meine ich natürlich.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 24.05.2017 um 14.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35177

Weil es von der zweifachen Mutter nur diese eine gibt, während es vom Doppelten Lottchen zwei gab.

Das Kind eines geschiedenen und wiederverheirateten Mannes könnte dagegen behaupten, eine doppelte Mutter zu haben, ebenso ein adoptiertes Kind.

Einen achtfachen Schriftsteller gibt es in der Tat nicht, einen achtfachen Autor dagegen durchaus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2017 um 13.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35176

Warum sagt man eigentlich zweifache Mutter, aber kaum je doppelte Mutter?
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 24.05.2017 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35175

Na ja, so ganz neu ist die Formulierung nicht:
https://www.dwds.de/r?q=%22%2F%5E%5B%5B%3Aalpha%3A%5D%5D%2Bfache%5Bnrm%5D%3F%24%2Fi+%2F%5E%28Mutter%7CVaters%3F%29%24%2Fi%22&corpus=public&date-start=1488&date-end=2016&format=full&sort=date_asc&limit=50
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 24.05.2017 um 11.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35174

Wie dem auch sei, jedenfalls dürfte die Redeweise aus der Sportsprache auf andere Lebensbereiche ausgreifen. Ggf. auch mittelbar aus dem Englischen, von woher dpa all seine Weisheiten bezieht, four-time world champion, three-time mother.
 
 

Kommentar von ab, verfaßt am 24.05.2017 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35173

...oder zweimal eine und dann noch eine andere.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 24.05.2017 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35172

Noch nicht. Aber man ist dreifacher Weltmeister, wenn man dreimal eine Weltmeisterschaft gewonnen hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2017 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35171

Dreifache Mutter stirbt an Masern

Gemeint ist eine Mutter von drei Kindern.

Wer acht Romane geschrieben hat, wäre ein achtfacher Schriftsteller.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2017 um 08.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35155

Wenn man sich wieder mal über den Arzt geärgert hat (z. B. weil er schon die telefonische Terminvereinbarung als "Beratung, auch telefonisch" mit 10,72 € abrechnet):
"Deutschland bei Gesundheitsversorgung weltweit nur auf Platz 20". In Griechenland ist es besser, aber am besten in Andorra. Da gibt es über 100 Krankenschwestern und Hebammen. Der zu erwartende Gesundheitstourismus wird dem kleinen Land zusätzlich helfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2017 um 18.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35136

Wenn Darmkrebs-Überlebende mindestens 57 Gramm Baumnüsse (etwa 48 Mandeln oder 36 Cashewnüsse) in einer Woche zu sich nehmen, wird die Wahrscheinlichkeit für eine Rückkehr des Krebs um etwa 42 Prozent reduziert. Außerdem verringerte sich das Risiko an Darmkrebs zu versterben um 57 Prozent, verglichen mit Menschen, welche keine Nüsse zu sich nahmen, erklären die Wissenschaftler.

Das ist sicher Unsinn, aber am meisten verwundern die exakten krummen Zahlen – bis man sich erinnert, daß 57 Gramm etwa zwei Unzen sind, und so heißt es denn auch in der Quelle: "two ounces". Also eine gute Handvoll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2017 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35133

Vom selben Schlag ist dies:

„Jedes Jahr sterben in Deutschland mindestens 74.000 Menschen im Zusammenhang mit Alkohol oder dem kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak.“

Da wir alle sterben müssen, kann es sich nur darum handeln, daß sie früher sterben – aber um wieviel? Ohne diese Angabe ist das Ganze sinnlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2017 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35125

Für uns Nichtmathematiker ist die Welt ein Buch mit sieben Siegeln; ständig müssen wir unseren Nachbarn anstupsen und um Rat fragen.

In den letzten Tagen war zu lesen, daß jährlich über 100.000 Menschen wegen Dieselabgasen vorzeitig sterben, in Deutschland 38.000. (Womit Deutschland mal nicht "Schlusslicht" wäre, sondern das Musterland der Dieseltoten.) Nirgendwo habe ich gelesen, um wieviel sich das Leben durch Diesel verkürzt: Jahre, Monate, Tage?
Aber wäre es nicht unlogisch, einen Durchschnittswert anzugeben und gleichzeitig die absolute Zahl der Todesopfer? Kettenrauchen verkürzt das Leben um 10 Jahre – im Durchschnitt, auf die Menschheit bezogen; also beim einen um 20, beim anderen um 3, bei Helmut Schmidt um gar nichts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2017 um 06.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35108

Beiläufig wird erwähnt, die Berechnung, wonach wir ein bis zwei Billionen Gerüche unterscheiden können (s. u.), sei wegen methodischer Mängel durchgefallen. Das haben wir damals auch ohne Untersuchung sofort gesehen.
Aber während ich die phantastischen Zahlen seither gefühlt zehnmal gelesen habe (erst vorgestern im Deutschlandfunk), ist mir die Widerlegung keine einziges Mal begegnet. Die Journalisten denken beim Sortieren der Nachrichten wohl mit Recht: Die Widerlegung einer Sensationsmeldung interessiert zu wenige Leser. Außerdem versagen bei so großen Zahlen Vorstellung und Kritik. Ja, wenn amerikanische Forscher herausgefunden hätten, daß die Erde in Wirklichkeit nur so groß wie eine Erbse ist...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.05.2017 um 12.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35040

Ich wollte dies eigentlich ins Diskussionsforum unter GKS setzen, aber da dort immer noch nichts geht, paßt es auch ganz gut als Beispiel hierher zum "Kopfrechnen".

Mannheimer Morgen, 6.5.2017, Beilage AUTO & VERKEHR, S. 2
(Hervorhebungen von mir):

Fast jeder zweite Autofahrer (48 Prozent) sucht grundsätzlich erst einen kostenlosen Parkplatz an der Straße, bevor er mit seinem Wagen in ein Parkhaus fährt. [...] Und fast jeder Vierte fährt nur dann in ein Parkhaus, wenn es dort günstiger oder höchstens genauso teuer ist wie das Parken auf der Straße (22 Prozent). Nur gut jeder Siebte (13 Prozent) nutzt auf jeden Fall ein Parkhaus - bei weiteren zwölf Prozent der Befragten gilt das auch dann, wenn es dort teurer ist als auf der Straße.

Diese GKS-Marotte ist mir immer sehr lästig. Vierte und Siebte sind genauso Attribute zu Autofahrer wie zweite. Aber die sog. Rechtschreibreform hat den Zeitungsschreibern schon jegliches Gefühl dafür ausgetrieben.

13 Prozent, das ist weniger als jeder siebte (14,3%), nicht "gut" jeder siebte.

Welcher Autofahrertyp mit diesen 13 Prozent gemeint ist, ist völlig unklar, denn wie der nächste Halbsatz sagt, nutzen die 13 Prozent das Parkhaus zwar auf jeden Fall, aber nur wenn es dort nicht teurer ist als auf der Straße. Was ist der Unterschied zu den vorher genannten 22 Prozent (fast jeder vierte)?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2017 um 13.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#35027

Nicht der Hund, sondern die Katze ist in Deutschland des Menschen bester Freund. 13,4 Millionen von ihnen haben einer repräsentativen Erhebung des Marktforschungsinstituts Skopos zufolge vergangenes Jahr in 22 Prozent der deutschen Haushalte gelebt.

Das nette Prädikat bezog sich nie auf die Zahl der gehaltenen Haustiere, sondern auf ein – wenn auch möglicherweise klischeehaftes – freundschaftliches Verhältnis.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2017 um 21.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34989

Ein Beitrag der FAS zum Lob des Kopfrechnens schöpft Trost daraus, daß das Buch „Mathe ist ein Arschloch“ bei Amazon „weit abgeschlagen“ auf Verkaufsrang 175374 hinter „Rechnen mit dem Weltmeister“ (Rang 104045) gelandet ist. Mit ein wenig Kopfrechnen würde man erkennen, daß beide praktisch unverkäuflich sind. Die Differenz wäre bedeutsamer, wenn es sich um absolute Verkaufszahlen handelte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2017 um 09.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34982

Martin Schulz will die "Parität" bei der Krankenversicherung auf die Zusatzbeiträge ausdehnen. Das mag in sozialdemokratischen Ohren lieblich klingen (holt es euch bei den Fabrikbesitzern!). Aber wenn die Arbeitgeber auch hier die Hälfte übernehmen, behalten sie etwas mehr vom Lohn ein als bisher und setzen es im übrigen als Lohnnebenkosten von der Steuer ab, was bisher die Arbeitnehmer tun konnten. Unterm Strich bleibt nichts übrig.

Ein weiterer Punkt, der anscheinend bisher nicht bemerkt worden ist: Nur bei den Zusatzbeiträgen gibt es eine gewisse Konkurrenz unter den Kassen. Vergleichstabellen stehen jede Woche in den Zeitungen, der Versicherte kann die Kasse wechseln. Zahlen die Arbeitgeber mit, werden sie, da sie professioneller zu kalkulieren pflegen, noch eher als die Versicherten mitbestimmen wollen, welche Kasse zu wählen ist. Hat Schulz das bedacht?

Aus vielen Leserzuschriften sehe ich, daß der Einfall verpufft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2017 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34971

Frühere Untersuchungen, wonach psychologische Aufsätze glaubwürdiger wirken, wenn ihnen die bunten Bildchen von Hirnscans beigegeben sind, scheinen überholt zu sein. Der Effekt hat sich abgenutzt und schlägt ins Gegenteil um, weil "brain porn" sprichwörtlich für modernen Hokuspokus geworden ist.

Heute glossiert die FAZ die immer noch dominierende Preisgestaltung mit der 9, also 99,99 € usw. Ich hatte mich gestern gewundert, daß Aldi sein neues Menü für 7,99 € anbietet. Fällt darauf noch jemand herein, oder wäre es nicht verlockender, ein Drei-Gänge-Menü für runde 8 Euro angeboten zu bekommen?

Einer meiner Lieblingshändler auf dem Wochenmarkt bietet seit Jahrzehnten seine Produkte durchweg mit ganz krummen Preisen an: 2,13 oder 1,26 usw. Das kann ja unmöglich auf einer Kalkulation beruhen, eher vielleicht auf einem höchst subjektiven Sinn des Bauern für dekorative Ziffern. Ich will ihn aber nicht fragen, sonst kommt er auf dumme Gedanken – wie der Geflügelmann, der NACH Ostern den Preis für Eier um 1 Cent angehoben hat.
 
 

Kommentar von Thepdor Ickler, verfaßt am 27.04.2017 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34954

Manchmal beging ich sogar in ihrer Anwesenheit außergewöhnliche Verrücktheiten, die nur die allerheftigste Liebe herbeizuführen können scheint. (Rousseau nach Jonathan Culler: Literaturtheorie. Stuttgart 2015:23)

Das ist der häufigste Fehler bei Infinitivkonstruktionen und ein Beweis dafür, daß die deutsche Sprache sich hier in eine Sackgasse verrannt hat.

(Nicht daß ich das Büchlein gelesen hätte; es gehört zu den Saussure-Derivaten, die ich wie seine Vorlage Derrida usw. naturgemäß nicht lesen kann; und nur um mich dessen zu vergewissern, habe ich einen Blick hineingeworfen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2017 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34923

Ich kann aber Berthold Kohler nicht zustimmen, der auf der ersten Seite der heutigen FAZ das Abstimmungsverhalten der Deutschtürken als Beweis ihrer unzureichenden Integration (und Integrationsbereitschaft) ausschlachtet. Er hat dafür keine Beweise, spekuliert nur in der üblichen Weise, sein Standpunnkt ist ja ohnehin klar. Zwei Seiten weiter legt ein Fachmann die Sache besser dar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2017 um 17.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34909

Cem Özdemir hat fast wörtlich dasselbe gesagt wie ich, aber ich habe es eben erst gelesen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2017 um 11.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34907

Sie dürfen es ja schon lange, ich hatte nur gerade mit "demnächst" die diesjährige Bundestagswahl im Sinn.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2017 um 10.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34905

Laut Spiegel online lebten Stand 2011 in Deutschland
- 800000 türkischstämmige Deutsche (nur deutscher Paß)
- 1500000 Türken (nur türkischer Paß)
- 530000 "Deutschtürken" (mit "Doppelpaß")
Das heißt, gut jeder vierte in Deutschland lebende Türke hatte 2011 auch einen deutschen Paß.

Mögen Türken zu ihrem Land und zu ihren Landsleuten stehen, wie sie wollen, das ist ihre Sache. Das Irre aber ist, daß eine halbe Million Türken, wenn nicht inzwischen weit mehr, demnächst auch in Deutschland wählen und mitbestimmen dürfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2017 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34902

Die in Deutschland lebenden Türken haben mit überwiegender Mehrheit für das Präsidialsystem gestimmt. (Focus 18.4.17)

Mehrheiten haben das Eigentümliche an sich, daß sie überwiegen.

Zur Sache: Sollte es erlaubt bleiben, den Landsleuten zu Hause ein mehr oder weniger despotisches System zu verordnen, während man selbst die Annehmlichkeiten eines demokratischen Rechtsstaates genießt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2017 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34897

Wie jeder Zeitungsleser und Internetnutzer weiß, essen die meisten Menschen falsch, sitzen falsch, gehen falsch, atmen falsch, schlafen falsch, waschen und rasieren sich falsch, erziehen ihre Kinder falsch, legen ihr Geld falsch an und lagern Eier falsch. Außerdem werden sie all das nie lernen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.04.2017 um 10.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34869

Man darf bei den "Gegenleistungen" auch nicht vergessen, daß die Steuern für ein funktionierendes Gemeinwesen bezahlt werden, für das der Staat zuständig ist. Über dessen Effektivität kann man sich wohl streiten, aber ohne Staat geht es jedenfalls auch nicht und möchte niemand leben, wenn er die Konsequenzen betrachtet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2017 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34868

Staat nimmt Mittelschicht halbes Einkommen (FAZ 12.4.17)

Die alljährliche Milchmädchenrechnung der FDP, die der FAZ so gefällt, daß sie jedesmal den Verstand verliert.

Der Hauptanteil der "Steuern und Abgaben" sind Sozialversicherungsbeiträge. Anderswo liest man daher: "Das hessische Finanzministerium macht bei der Steuer- und Abgabendiskussion eine Gegenrechnung auf. So sei zu berücksichtigen, dass in Deutschland den Sozialbeiträgen auch Gegenleistungen gegenüberstehen. „Die Arbeitnehmer erwerben Rentenversicherungsansprüche, erfahren eine Absicherung über die Arbeitslosen- und Pflegeversicherung und erhalten Krankenversicherungsschutz“, so Ministeriumssprecher Moritz Josten. Betrachte man nur die Steuern, stehe Deutschland im internationalen Vergleich besser da, argumentiert er. Der Einkommensteuerwert für einen ledigen Durchschnittsverdiener liege für Deutschland bei knapp 16 Prozent. Noch besser sehe es bei den Familien aus: Hier liege die Belastungsquote für eine Alleinverdiener-Ehe mit zwei Kindern in Deutschland ganz weit unten bei 0,7 Prozent, so Josten."

Die Rentenansprüche stehen nach deutschem Recht sogar unter Eigentumsschutz. Aber die FAZ titelt unverdrossen: "Weltmeister im Schröpfen". (Und wirft Martin Schulz Volksverdummung vor...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.04.2017 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34847

Ich habe keine Ahnung.

Im Wunderland Indien ist ja nun wieder ein Wolfskind, vielmehr Affenkind, entdeckt worden, kann weder sprechen noch auf zwei Beinen gehen und ißt mit den Fingern (wie alle Inder übrigens). "Auch könne sie nicht von einem Teller essen. Ihre Mahlzeiten müssten auf ihr Bett gekippt werden.." (Man sieht aber trotzdem einen Teller...)

In Indien helfen bekanntlich Riesenameisen bei der Goldförderung usw. Da ist praktisch alles möglich. Das Dschungelbuch wird unvermeidlicherweise auch erwähnt, eine ethnographische Quelle ersten Ranges.

Die Aufklärung dieser Geschichte werden wir nicht mehr zu lesen kriegen, sie hat wieder mal ihren Zweck erfüllt.

Mir war beim Gähnen nur aufgefallen, daß die gastfreundlichen Affen (die ich als ziemlich bösartige kleine Biester in Erinnerung habe) abwechselnd als "Bande" und "Horde" bezeichnet wurden, also eine ähnliche Unsicherheit wie bei Baader/Meinhof.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.04.2017 um 20.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34846

PS: Ich bin beim Grübeln auf die Theorie verfallen, daß da irgendein Inder die Finger im Spiel hat, der sich einen Spaß mit der Zeitung erlaubt. Oder der den Indern, die die FAZ lesen, ein aufmunterndes Signal übermitteln will. Oder er will in einer Art Geheimcode den ersehnten Aufschwung in Indien abbilden. Jedenfalls ist ein Inder schuld.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.04.2017 um 20.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34845

Lieber Herr Ickler, wegen des angeblichen täglichen Temperaturmaximus in Neu-Delhi bin ich neugierig. Sie haben sich doch ganz bestimmt gefragt, wie es zu dieser Behauptung im Wetterbericht einer Qualitätszeitung kommen kann, aber keine Erklärung beigefügt. Ist R. M. auf der richtigen Spur?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.04.2017 um 20.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34840

Das Wetter in der Fatz denkt sich vermutlich dieselbe Journalistin aus, die für die FNP das Horoskop schreibt. Das nennt man dann Synergie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2017 um 19.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34839

Aus verschiedenen Gründen interessiert mich der Wetterbericht, und ich werfe aus alter Gewohnheit jeden Morgen einen Blick auf die Vorhersage in der FAZ. Nach jahrelanger Beobachtung kann ich sagen, daß es in Neu-Delhi heute immer ein paar Grad wärmer ist, als es gestern war und morgen sein wird. Morgen dann dasselbe – immer!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2017 um 14.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34832

In absoluten Zahlen liegt Deutschland mit 16,3 Millionen unter den Top Ten der Staaten mit den meisten Rauchern. (Spiegel online 6.3.17)

Die absolute Zahl interessiert nur die Tabakwirtschaft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2017 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34827

"China - der größte Luftverschmutzer der Welt" (FAZ 6.3.17)

Aber nicht pro Kopf. Und das ist ungerecht, wie die Chinesen mit Recht beklagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2017 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34817

Statistischer Analphabetismus.
Aus Indien zum Beispiel wird überproportional über Vergewaltigungen berichtet. Das ruft dann eine Reihe Leserbriefe hervor, in denen pauschal über ein Land, das moralisch noch in der Steinzeit lebe usw., geurteilt wird. Wer dorthin reise, sei selbst schuld. – Indien hat fast doppelt so viele Einwohner wie ganz Europa. Wieviel passiert hier, wieviel dort jeden Tag? Die Mordrate in Indien ist nicht besonders hoch, in den USA zum Beispiel ist sie höher. Fast alle afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten sind ungleich gefährlicher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2017 um 07.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34764

Auch vor 100 Jahren hat man gewusst, dass wenn man eine neue Regelung einführt, schauen muss, dass es keinen Streit mit dem Nachbarn gibt. (schwaebische.de 25.3.17)

"Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande." (Goethe)

Der grundlegende Stilfehler besteht darin, daß man es nicht schafft, mit dem Zuknöpfen noch einmal von vorn anzufangen:

Wenn man eine neue Regelung einführt, muß man schauen, daß es keinen Streit mit dem Nachbarn gibt. Das wußte man schon vor hundert Jahren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.03.2017 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34743

Demokratisch und ergebnisoffen sucht die Bundesregierung nach einem "Endlager" für hochradioaktiven Atommüll. Es soll eine Million Jahre stabil bleiben und muß auch ebenso lange überwacht werden, schon weil künftige Menschen (?) wieder ausbuddeln könnten, was wir eingebuddelt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34720

Bei einem Test haben billige Dosen-Ravioli überraschenderweise besser abgeschnitten als die teuren von Maggi: "Abzüge haben die [Maggi-]Ravioli in Tomatensauce, die bereits seit 1958 in deutschen Supermarktregalen stehen, vor allem wegen des hohen Preises bekommen." Die Überraschung besteht also darin, daß die teuren mehr kosten als die billigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34711

Ein 84jähriger Wiener ist angeblich frisch verliebt in eine 46jährige. Sie ist nach Ansicht des FOCUS "gerade einmal halb so alt" wie er, während Leser ausgerechnet haben, daß sie "nicht einmal halb so alt" ist.

Diese großen Zahlen sollten verboten werden, sie sind elitär und diskriminieren die hart arbeitenden Menschen ohne akademische Bildung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2017 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34662

Nur mal nebenbei: Seit meiner Kindheit denke ich, wenn, wie jetzt wieder, die Haselpollen fliegen und später die von Weizen und Kiefern: Was für eine Verschwendung die Natur mit der Windbestäubung treibt! Aber machen wir es wirklich geschickter? Der durchschnittliche Mann produziert 30 bis 50 Liter Sperma im Leben. Das sind etliche Billionen Spermien – und damit zeugen wir dann zwei Kinder, wenn alles gut geht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2017 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34625

Einige, die davon leben, haben natürlich ein Interesse daran, den Anteil der "Armen" (und "Armutsgefährdeten") möglichst hoch anzusetzen. Damit wird zur Zeit wieder Wahlkampf gemacht. Walter Krämer erneuert die bekannte Kritik an der Berechnungsmethode:

"Man dürfe Armut nie am mittleren Einkommen festlegen. Damit würde sich die Armutsquote auch nicht verändern, wenn plötzlich alle Menschen das Doppelte ihres Gehaltes verdienen würden."

Anscheinend schwer zu begreifen. Die übliche Rechnung ergibt eher ein Maß der Ungleichheit als der Armut.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2017 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34548

Deutschland bildet Schlusslicht in Europa (SPON 18.2.17)

In welcher Hinsicht? Spielt das eine Rolle? (Frauen in Deutschland tragen nach einer OECD-Studie im europäischen Vergleich am wenigsten zum Haushaltseinkommen bei.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2017 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34538

In Sprachentwicklungstests und in der Diagnostik von Sprachstörungen verwendet man gern grammatische Konstruktionen und Transformationen, die aus der generativen Grammatik stammen: Der Hund, den die Kuh jagt, ist braun. - Der Junge schaut das Pferd an und steht. - Der Mann gibt das Pferd dem Hund. - Der Hund wird vom Pferd gejagt. - Dazu Bilder, unter denen das richtige herauszufinden ist.
Der Proband muß wirklich nur den grammatischen Kalkül herausfinden, unter Absehung vom Sinn und von natürlicher Ausdrucksweise. Passiv und Topikalisierungen haben normalerweise einen Grund in Kontext und Situation, hier aber nicht. Es sind schulspezifische Exerzitien. Sie erfüllen ihren Zweck, aber man muß sich dessen bewußt sein, daß es ein ganz spezifischer Zweck ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2017 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34506

Man könnte abergläubisch werden. Jeder kennt dies: Man glaubt jemanden zu sehen, aber dann ist er es gar nicht. Zwei Minuten später sieht man ihn wieder, und diesmal ist er es wirklich. - Das ist aber leicht zu erklären.

Gestern las ich nach vierzig Jahren (wie ich zufällig genau weiß) zum erstenmal wieder den scharfsinnigen kleinen Aufsatz von Benveniste über "Rhythmus" (aber nur weil ich gerade den ganzen Sammelband seiner kleinen Arbeiten lese). Und wenige Stunden später stoße ich in einem Aufsatz von Paul Fraisse ("Rhythm and Tempo"), den ich aus einem ganz anderen, musikwissenschaftlichen Interesse las, auf ein ausführliches Referat von Benvenistes Aufsatz. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Zusammentrefffens? 1 : 1 Million?

Meine Frau meint, daß mir so etwas auffallend oft widerfährt. Bin ich übersinnlich, ein Medium gar? Von diesbezüglichen Anfragen bitte ich abzusehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.02.2017 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34469

2014 (im letzten Jahr vor der Abgasaffäre) hat VW weltweit rund 10 Mio. Autos verkauft und damit 10 Mrd. Euro Gewinn gemacht. Die Strafe von 20 Mrd. entspricht also ungefähr 2 Jahresgewinnen. An jedem verkauften Auto verdient der Konzern rund 1000 Euro.

Mit dem Aufpreis von 1000 Euro wäre die Strafe ohne Gewinneinbuße in zwei Jahren bezahlt. Das wäre aber wohl etwas viel. Verteilt man den Verlust dagegen auf 10 Jahre, wären es nur 200 Euro Aufschlag pro Auto. Das merkt keiner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2017 um 10.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34468

Im Küchenradio rauschen gewaltige Zahlen vorbei. Das Milchmädchen fängt an zu rechnen: Wenn ein Autokonzern bereit ist, mal eben 20 Mrd. Strafe zu zahlen, müßte er doch 20 Mill. Autos mit einem Aufpreis von 1000 verkaufen, um das Geld wieder reinzukriegen. (Oder 2 Mill. mit einem Aufpreis von 10000.) Geht das überhaupt? Oder wird die Strafe als Verlust von der Steuer abgesetzt, und die Allgemeinheit zahlt für das Verbrechen? Dem Milchmädchen wird schwindlig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2017 um 20.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34450

„Der Januar war nicht so kalt wie sonst üblich. In einigen Bundesländern sind deshalb bereits Pollen in der Luft. Das kann ein Grund sein, warum die Nase läuft.“ (FNP 4.2.17)
Das soll an der Klimaerwärmung liegen. In Bayern war der Januar der kälteste seit 30 Jahren.

„Der Januar war in Herne kalt, aber nicht Winter untypisch.“ (WAZ 5.2.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2017 um 20.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34449

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30098:

"Über eine Billion unterschiedliche Düfte, so haben Wissenschaftler einmal ausgerechnet, kann der Homo sapiens unterscheiden." (FAS 5.2.17)

Das stammt sicher wieder aus Wikipedia. "Ausgerechnet", aber nicht getestet, denn wenn man den Probanden nur eine Minute für jeden Geruch gibt, dauert das Experiment immer noch, warten Sie mal, fast 2 Millionen Jahre.

Und es ist auch hilfreich zu wissen, daß die Düfte "unterschiedlich" sein müssen, damit man sie unterscheiden kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2017 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34443

Ich lese in einer Überschrift der FAS Weltverbesserin. Schon klar, wir haben die Sparformen bereits kurz besprochen ("Haplologie"). Der Duden verteilt die "weiblichen Formen" so: Wanderer - Wanderin, Wandrer - Wandrerin. Das mag der eine so halten und der andere so. Ich selbst sage Wanderer - Wandrerin, weil rhythmische Gründe auch eine Rolle spielen. Weltverbesserin stört mich, deshalb fiel es mir auf; ich weiß wirklich nicht, ob ich es sagen würde. Irgendwo ist Schluß, ich würde ja auch nicht Lehrin sagen.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 18.01.2017 um 10.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34346

Essen. Vor zehn Jahren wütete Kyrill über Europa. In Deutschland kamen 47 Menschen in dem heftigen Orkan ums Leben, 13 davon in Deutschland.
Der Westen, Schlagzeile von heute.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2017 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34335

Ein Schützenpanzer Puma kostet so viel wie 1000 Autos...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2017 um 07.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34325

Das Weltwirtschaftsforum stellt den neuen Index des Lebensstandards vor. Das Bruttosozialprodukt wird durch andere Aspekte ergänzt. Für Deutschland (Rang 13) fällt negativ die "Ungleichheit bei Löhnen wie Vermögen ins Gewicht".
Man erkennt die politische Absicht (Ideologie). Eigentlich hat es ja mit meinem Lebensstandard nichts zu tun, ob andere mehr oder weniger haben als ich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.01.2017 um 19.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34306

Interessant sind auch immer Vergleiche mit Autobahn-Neubaukosten.
Für den Preis der Elbphilharmonie bekommt man im Durchschnitt etwa 80 km Autobahn.

Nicht jedoch im Falle der Verlängerung der Berliner Stadtautobahn A100 – da sind es nur gut 5 km. Die Gesamtlänge der A100 (21 km) entspricht also nach den aktuellen Kosten vier Elbphilharmonien. (Allerdings waren die älteren, schon fertigen Autobahnabschnitte nicht ganz so teuer.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2017 um 15.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34305

Die Elbphilharmonie kostet soviel wie zehn Fußballer. Die sind dann zwar sehr gut, aber der Konzertsaal soll auch nicht schlecht sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2017 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34210

Die FAZ bietet folgenden Syllogismus:

Kommunisten und Nazis sind Atheisten.
Kommunisten und Nazis sind böse.
Atheisten sind böse.

Im Original:

"Auch das lehrt das lange 20. Jahrhundert: Eine Welt ohne Religion wäre anders, aber nicht besser. Gegen die Leichenberge, die den Weg des Kommunismus in die klassenlose Gesellschaft säumen, gegen Völkermord im Namen von Rasse und Lebensraum verblassen auch die Kapitel der Religionsgeschichte, die mit Blut geschrieben sind." (Daniel Deckers 24.12.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2016 um 07.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34168

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat 2010 in einer Studie die Karrieren von Extremisten untersucht. Sie zeigt: Nicht der Glaube macht Menschen zu Tätern, sondern ihre Erfahrungen in Kindheit und Jugend. (ZEIT 23.12.16)

Aber wenn Menschen etwas Gutes tun, schreiben wir es gern ihrem Glauben zu. Bei „Mutter Teresa“ hat niemand solche Bedenken.

Ist das logisch oder nur politisch korrekt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2016 um 05.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34146

Also eigentlich hat Trump gar nicht gewonnen. Im Grunde wollte ihn niemand, na ja, fast niemand. Wie wäre es hiermit:

Angesichts einer Präsidentschaft Trumps zeigten sich in einer Umfrage des Senders NBC und des "Wall Street Journal" 54 Prozent der Befragten unsicher oder besorgt. Das sind viel schlechtere Werte als bei Trumps Vorgängern. Bei Barack Obama hatten nur 34 Prozent entsprechende Sorgen geäußert, bei George W. Bush waren es 41 gewesen. (ZEIT 20.11.16)

Auch die Wahlmänner hätten ihn verhindern wollen sollen können, aber haben dann nicht mögen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2016 um 08.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34092

„Welche Stadt in Deutschland hat heutzutage noch die Möglichkeit, riesige Flächen für seine Universität mitten im Zentrum anzusiedeln.“ (FAZ 25.11.16)

Die Gesellschaft darf sich nicht auch noch die Konflikte der Herkunftsländer seiner Neubürger ins Haus holen. (FAZ 12.12.16)

Neben der allgemeinen Tendenz zur "Neutrisierung" könnte das jeweils folgende Neutrum den Fehler verursacht haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2016 um 07.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34062

Forscher haben festgestellt:

„Täglich eine Handvoll Nüsse reduziert das Risiko für eine koronare Herzkrankheit um knapp 30 Prozent, Krebs entsteht zu 15 Prozent seltener und das Risiko eines vorzeitigen Todes sinkt um 22 Prozent.“
Der Effekt tritt sogar bei „Erdnüssen“ auf, weil sie so heißen, obwohl sie zu den Hülsenfrüchten gehören.

Die Studie war allerdings eine nichtexperimentelle Metaanalyse, die das Ernährungsverhalten von 800.000 Menschen mit ihren Sterbegewohnheiten korrelierte.

Aber es ist immer wieder befriedigend zu erfahren, daß die Wundermittel buchstäblich auf der Straße liegen. Sammelt man solche Tips über vier Wochen, kann man sein Sterberisiko leicht unter 0 drücken.

Andere haben herausgefunden, daß Martin Schulz ebenso beliebt ist wie Angela Merkel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2016 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34048

Der Schleier stand für die Sinnlichkeit und Verführungskunst des Orients, von der man träumte, aber vor der man auch Angst hatte.

Für mein Gefühl möglich, aber das aber steht doch etwas falsch, und ich erkläre mir mein Unbehagen so: aber steht, wenn es vorangestellt wird, nach üblicher Auffassung im "Vorvorfeld", nach meiner also zwischen zwei Sätzen, und zwar zwischen Hauptsätzen, nicht zwischen einem Ober- und einem Untersatz. Anders gesagt: ein "Konnektor" kann nicht verbinden, was schon durch Konjunktionen oder Relativa verbunden ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.12.2016 um 23.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34046

Es heißt "schaffen zu lassen", bei "vor der man aber auch Angst hatte" sehe ich jedoch keinen Unterschied. Ist das richtig? Den Unterschied "von/vor" kann man, wenn man will, in beiden Fällen besser mit der Betonung hervorheben.

Eine wieder eher wörtliche Art von Kopfrechnen ist das folgende:

Die Musikindustrie verdient mehr Geld mit Schallplatten als mit Musikdownloads. Das jedenfalls zeigen Marktzahlen aus Großbritannien. Demnach gaben die Musikfans auf der Insel in der vergangenen Woche 2,4 Millionen Pfund für Schallplatten aus, aber lediglich 2,1 Millionen Pfund für digitale Downloads.
(FAZ, 7.12.16, S. 23)

Ob sie wirklich mehr verdient, hängt ja nicht nur vom Umsatz, sondern auch von den Material-, Produktions- und Händlerkosten ab.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2016 um 10.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34020

Diese Lösung aber lief fast automatisch auf die Entdeckung von Schwachstellen auf der afghanischen Seite hinaus, für die sich ebenfalls leicht Abhilfe von außen zu schaffen lassen schien. (FAZ 5.12.16)

Preisfrage: Steht das "zu" an der richtigen Stelle?

Der Schleier stand für die Sinnlichkeit und Verführungskunst des Orients, von der man träumte, aber vor der man auch Angst hatte. (FAZ 5.12.16)

Steht das "aber" an der richtigen Stelle?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2016 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34007

Das hatten wir schon: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32711 usw.

Mich haben bisher vor allem die Würmer interessiert. Es gibt aber noch viele andere Organismen, die durch Glyphosat geschädigt oder beseitigt werden, man erforscht das gerade erst. Grossarth hat es ja auch nicht bestritten, er erwähnt es bloß nicht mehr.
(Der Wikipedia-Artikel, durchaus chemiefreundlich gehalten, nennt auch die Auswirkungen auf die Fische.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.12.2016 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34005

Was ist denn die "schädliche Wirkung auf die Ackerböden"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2016 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#34001

Einige Wochen sind vergangen, und man fragt sich besorgt, was aus Jan Grossarth und seiner Glyphosat-Werbung geworden ist. Nun, in der heutigen FAZ ist er wieder da, verteidigt das Glyphosat wie gewohnt mit dem Hinweis auf nichtbewiesene Krebswirkung, verschweigt aber wieder die ihm bekannte schädliche Wirkung auf die Ackerböden.
Gegen die Umweltbewegung polemisiert er mit derselben pauschal-karikierenden Übertreibung, die er ihr vorwirft. Dabei hat er ja selbst ein grünes Herz. Komischer Vogel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.12.2016 um 07.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33991

Natürlich nicht, es ist ja eine der üblichen Denksportaufgaben. (Nur die Vorgabe von multiple choice kommt mir sinnlos vor, ja geradezu irreführend, weil sie, wie gesagt, zu einem Herumprobieren verleitet.) Man muß eben auf den Lösungsweg kommen, das ist das Problem: den logischen Kern unter den wechselnden Wörtern erkennen.
 
 

Kommentar von Friedhelm Inkmann, verfaßt am 01.12.2016 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33989

Nicht jeder, aber doch ein pfiffiger Grundschüler (im Sinne von MG) erkennt, daß Tom eine große Eiswaffel und ein kleines Eis mehr kauft als Lena und dafür acht Zeds mehr bezahlen muß. Gleichungssysteme zu lösen ist bei dieser Aufgabe nicht notwendig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2016 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33969

Nein, eine Frage der Rechtschreibung ist es so wenig wie die anderen Einträge unter "Kopfrechnen". In einigen geht es mir um die bekannte Schwierigkeit, Textaufgaben in eine rechenbare Form zu bringen. Wer Kinder hat oder sich noch selbst erinnert, wird wissen, daß daran sehr viele schon früh scheitern.

Die vorgeschlagene Lösung des "pfiffigen" Grundschülers bleibt sozusagen im Bereich der Logik, kurz vor der Formalisierung, die dann ein "mechanisches" Rechnen erlauben würde. Natürlich scheint uns die vorgeführte Überlegung nahezuliegen, aber drauf kommen muß man erst mal! Ob es sich üben läßt?

Uns Älteren ist die Umsetzung einer Textaufgabe in Gleichungen so in Fleisch und Blut übergegangen, daß es schon wieder gefährlich wird, wenn wir nämlich unverdrossen an die Aufgabe gehen "Wie alt ist der Kapitän?" (das Buch mit diesem Titel hatte ich anderswo erwähnt).

Wie gesagt, ich weiß nichts Näheres über den TIMSS-Test. Man muß wohl bedenken, daß es drei vorgegebene Antworten gibt, so daß vielleicht ein Ausprobieren mit diesen Zahlen in Betracht kommt (eine davon scheidet von vornherein aus).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.11.2016 um 22.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33968

Etwas praxisnaher wäre aber z. B. folgende Lösung:

1 große Eiswaffel: 6 Zeds
2 große Eiswaffeln: 12 Zeds
1 kleines Eis am Stiel: 3 Zeds
2 kleine Eis am Stiel: 5 Zeds
(Das günstigere Doppelpack war ja nicht ausgeschlossen.)

1 großes und 1 kleines Eis kosten dann 9 Zeds.
1 gr. und 3 kl. 14 Zeds, 2 gr. und 4 kl. 22 Zeds (wie gehabt).

Bei unserem Bäcker gab es sogar schon mal 5 Brötchen im Angebot, die billiger waren als 4. Wer nur 4 wollte, kam also besser, wenn er 5 nahm und bezahlte und dann eins wegwarf.
 
 

Kommentar von MG, verfaßt am 29.11.2016 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33967

"Tom kauft 2 große Eiswaffeln und 4 kleine Eis am Stiel für zusammen genau 22 Zeds (fiktive Währung). Lena kauft 1 Eiswaffel und 3 Eis am Stiel für insgesamt 14 Zeds. Frage: Wieviel kosten 1 Eiswaffel und 1 Eis am Stiel zusammen?"

Die Lösung ist einfach, auch ein pfiffiger Grundschüler kann sie finden.

Wenn 2 Eiswaffeln und 4 Eis 22 Zeds kosten, kosten
1 Eiswaffel und 2 Eis 11 Zeds.

1 Eiswaffel und 3 Eis kosten 14 Zeds.

Also muß 1 kleines Eis 3 Euro kosten (nämlich 14 – 11).

Dann kostet eine Eiswaffel 5 Zeds, nämlich 14 – 3 × 3.

Eine Eiswaffel und ein Eis kosten dann zusammen 5 + 3, also 8.

Ja, die formale Lösung (lineare Gleichungssysteme) kommt viel später, aber auch ein pfiffiger Grundschüler kann die Aufgabe so lösen wie oben.

Das ist allerdings keine Frage der Rechtschreibung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2016 um 19.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33966

BILD bringt drei Fragen aus dem Mathe-Test für Grundschüler, die letzte geht so:

"Tom kauft zwei große Eiswaffeln und vier kleine Eis am Stiel für zusammen genau 22 Zeds (fiktive Währung). Lena kauft eine Eiswaffel und drei Eis am Stiel für insgesamt 14 Zeds. Frage: Wieviel kosten eine Eiswaffel und ein Eis am Stiel zusammen?

8 Zeds   7 Zeds   2 Zeds"

Das Ganze unter der Überschrift "Hätten Sie's gewusst?" – nicht ganz passend, denn so etwas "weiß" man nicht, man "kann" es.

Leider wird nicht gesagt, wie die Aufgabe, die viel schwerer als die anderen ist, zu lösen ist. Wahrscheinlich durch Ausprobieren, denn die saubere Lösung durch Gleichungen mit zwei Unbekannten geht wohl über die Grundschule hinaus – und über das Niveau der meisten Eltern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2016 um 14.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33960

Durch einen geschickt gewählten Kurvenausschnitt kann man bei ungeschulten Betrachtern den Eindruck erwecken, die Kluft zwischen den Einkommen habe sich in wenigen Jahren vervierfacht, während sie in Wirklichkeit um vier Punkte von 25 auf 29 Punkte auf der Gini-Skala gewachsen ist. (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ungleichheit-in-deutschland-hemmt-das-wachstum-a-1122883.html)

Wenn man die staatlichen Zuschüsse zur Sozialversicherung als "Subventionen" bezeichnet, schwillt der Staat zum Subventionsstaat auf, während er in herkömmlicher Sicht einfach der "Sozialstaat" ist (vom GG geboten, aber Erzliberalen der schrecklichste der Schrecken).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 24.11.2016 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33927

Es ist wirklich sehr mühsam, die deutsche Wirtschaft abzuwürgen. Da haben es italienische Politiker viel leichter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2016 um 14.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33926

Neulich rechnete die FAS vor, daß Merkels Wirtschaftspolitik ein Katastrophe ist. Rainer Hank erkannte natürlich das Problem, daß es Deutschland leider relativ gut geht, "trotz Merkel", wie er sagt. Wie kann man das erklären? Nun, Merkel hat es in drei Amtsperioden nicht geschafft, die segensreiche Wirkung von Schröders Agenda völlig zunichte zu machen.

Die vielen tausend Leserbriefschreiber bei SPIEGEL, ZEIT, WELT usw., die "diese Frau" ebenfalls für eine Katastrophe halten, machen sich gar nicht erst die Mühe einer Erklärung, sondern überlegen, ob sie "zur Empathie fähig" sei usw. Das ist sie natürlich alles nicht, sondern "untragbar". – Die Ablehnung in diesen Medien dürfte nahe 100 % liegen. In welcher Schweigespirale sind eigentlich ihre Wähler verschwunden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2016 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33870

Noch einmal zu den Autos. Bis zu 42 Prozent mehr Benzin als angegeben sollen sie verbrauchen. Ich verstehe es immer noch nicht. Die Millionen Autofahrer müssen doch merken, wie weit sie mit einer Tankfüllung kommen.
Oft habe ich mir anhören müssen, wie wenig ihr wackerer Mustang frißt. Einerseits wollen sie wegen ihrer klugen Wahl beim Autokauf gelobt werden, andererseits wohl auch wegen ihrer geschickten Fahrweise. Jedenfalls achten sie auf den Verbrauch – und dann das? Wer hilft einem Außerirdischen, das zu verstehen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2016 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33837

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31991

Solche Kongruenzfehler (bzw. Fehler in der Genusrektion) sind zwar häufig, aber wenn man Belege braucht, sind sie nicht so leicht zu finden. Deshalb setze ich mal meine Zufallsfunde hierher:

Eine Regierung ist doch in erster Linie für seine eigenen Bürger verantwortlich. (Zeit 15.8.87)

Die Tatsache, daß in der Großhirnrinde gewisse Funktionen, wie man sagt, lokalisiert werden können, was für die Neurologie von größter Bedeutung ist, hat seine Ursache nicht in der funktionellen Spezifizität der betreffenden Hirnanteile (...) (Franz Seitelberger in K. Lorenz/F. Wuketits, Hg.: Die Evolution des Denkens. München 1984:181)

Utopisches Denken hat sicherlich auch in der Rechtsphilosophie ihren Platz. (Natur 2/87:53)

Mit seinen Sorgen steht die oberpfälzische Kleinstadt nicht allein. (SZ 13.5.87)

Die Arbeit mit entsprechenden Bildern, in denen besonders das Vermuten und Erklären geübt wird, hat seinen eigentlichen Ort in der Sprachanwendungsphase. (Wolfgang Butzkamm: Praxis und Theorie der bilingualen Methode. Heidelberg 1980:4)

Denn bei den be-Verben, die eine präpositionale Parallele zu ihren Basisverben ausweisen, läßt sich ein regelhaftes Verhältnis zwischen den beiden Konversengliedern aufzeigen, dessen Beschreibung seinen Platz in der Syntax hat. (Hans Werner Eroms: Be-Verb und Präpositionalphrase. Heidelberg 1980:60)

Die Apposition ist einerseits weglaßbar und kann andererseits an die Stelle seines Beziehungswortes treten. (Walter Jung: Grammatik der deutschen Sprache. Leipzig 1982:110)

Eine neue und vielversprechende Gesamtdarstellung deutscher Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte hat seinen Anfang gefunden mit einem glänzenden Werk über die Weimarer Republik. (SZ 23.12.82)

Die eingemauerte, von seinem Umland durch eine militärisch befestigte Frontlinie abgeschnittene Inselstadt (...) (FAZ 17.1.81)

Die DDR hat sich, wie man weiß, bereits vollständig beschildert - und schickt seine Kinder ins Kriegstraining. (Zeit 30.9.83)

Daß das laute Lesen als Zieltätigkeit ausgewiesen ist, die im Sprachunterricht seinen Platz hat und systematisch ausgebildet werden sollte, ist eine bemerkenswerte Orientierung. (DaF 18, 1981:376)

Rekapituliert sei, daß Wahrnehmung seine Wiege in der Oralität haben dürfte. (Die Psychologie des 20. Jhdts. 11. Zürich 1980:77)

Der junge Deutsche kann nämlich immer noch nicht nachvollziehen, daß eine zivilisierte Nation, die extrem viele Tötungsdelikte zu beklagen hat, seinen Bürgern Waffenbesitz erlaubt. (Klaus P. Hansen: Kultur und Kulturwissenschaft. Tübingen 1995:182)

Die Chinesische Akademie der Wissenschaften soll in den nächsten fünf bis zehn Jahren seine 100 000 Beschäftigten um 70 Prozent verringern. (SZ 8.3.93)

... die theologische Bedeutungsverleihung hat, so wie die parapsychologischen Erklärungen auch, seine Berechtigung nur auf der Interpretations- und nicht auf der Phänomenebene. (Die Psychologie des 20. Jahrhunderts 15, München 1979:615)

Seinen Ursprung hat die Beschäftigung mit dem Thema „Männersprache - Frauensprache“ zu Beginn der 70er Jahre in Amerika. (Muttersprache 103, 1993:89)

Selten hat eine Entscheidung der Schweizer Regierung seine Bürger und Parteien so überrascht wie das Beitrittsgesuch zur Europäischen Gemeinschaft. (FAZ 20.5.92)

Die Unterteilung mechanisches/statisches Modell hat seine Entsprechung in einer Reihe anderer Unterscheidungen. (Michael Oppitz: Notwendige Beziehungen. Frankfurt 1975:58)

Ein Kiosk ist eine meist nicht sehr große Verkaufsbude für Zeitschriften, Süßigkeiten, Tabakwaren. Getränke, die über bestimmte schauplatzindikative Symbolik wie Reklametafeln, Zeitschriftenständer, Eis- und andere Fähnchen in seiner Funktion ausgewiesen ist. (Deutsche Sprache 4/1990:291)

In seiner Vergeblichkeit geradezu rührend mußte deshalb auch die Beschwörung dieser kulturellen Einheit bleiben (...) (FAZ 24.3.90)

Die Angst, hinter einem Eisernen Vorhang neuer Art in Vergessenheit zu geraten, hat auch seine guten Seiten. (SZ 21.4.90)

Die Folgen sind noch nicht absehbar. Sie könnten an der Nahtstelle zwischen Ost und West ein in ihren Auswirkungen möglicherweise verheerendes Machtvakuum entstehen lassen. (NZZ 10.12.89)

Typisch fürs Deutsche, aber in seiner Funktionalität nach wie vor umstritten ist die Anfangsgroßschreibung der grundsätzlich grammatisch definierten Wortklasse Substantiv. (Peter Gallmann: Graphische Elemente geschriebener Sprache. Tübingen 1985:23)

Doch erst seit dem 11. September gewinnt die düstere Perspektive dieser Autorin, die als erfolgreichste ihres Genres gilt, seine beklemmende Aktualität. (FAZ 5.2.02)

Die lange Nichterwähnung von Ferdinand de Saussures Hauptwerk und die negative Bewertung Trubetzkoys hat vermutlich seine tiefere Ursache darin, dass ... (Maik Lehmberg: Sprache, Sprechen, Sprichwörter. Fs. f. Dieter Stellmacher zum 65. Geburtstag. ZDL-Beiheft 126, 2004:372)

Die Instrumente, die das Ensemble zeitweilig spielt, finden tatsächlich weit und breit nicht seinesgleichen. (FAS 26.9.04)

Rotierende Strömungen ziehen den Menschen in seinen Bann. (FAZ 17.5.06)

Kollektive Forschung hat in den Naturwissenschaften seinen Sinn. (FAZ 16.9.02)

Der große Vorzug dieser etwas unorthodoxen Beschreibung von Paradigmen ist seine Flexibilität. (Thomas Becker: Analogie und morphologische Theorie. München 1990:128)

So einfach wäre das, zumal in einem Land, das wie kein zweites die Religionsfreiheit doch zu ihren Grundfesten zählt. (SZ 7.12.07)

Eine wachsende Zahl von Verben der deutschen Sprache geht relativ feste Verbindungen mit Substantiven ein und verliert dabei fast völlig seine ursprüngliche Bedeutung. (Schüler-Wahrig: Deutsche Grammatik. Bertelsmann Lexikon Institut 2002:170)

Eine Schule für Lernhilfe in Darmstadt hat sich bereits von seinem Namensgeber Peter Petersen distanziert. (FR 6.7.09)

Diese nach seinem Entdecker Karl Verner (1876) auch als Vernersches Gesetz bezeichnete Regel besagt ... (Stefan Sonderegger: Grundriß deutscher Sprachgeschichte. Berlin 1978:76)

Bergoglios „Entweltlichung“ nimmt seinen Ausgangspunkt nicht bei den Defiziten der säkularen Welt. (Welt online 29.3 13)

20 Jahre Arbeit an einem barrierefreien Erlangen hat seine Spuren hinterlassen (nordbayern.de 21.1.14)

Die Stadt rühmt sich gern seiner prominenten Wahlbürgerin J. K. Rowling. (FAZ 13.6.14)

Diese Festlegung des Menschen auf das Tatsächliche findet nach Adorno seine Fortsetzung im Positivismus. (Wikipedia Adorno)

Diese Entwicklung, so Campbell, habe mit dem Zweiten Weltkrieg seinen nicht mehr zu überbietenden Höhepunkt gefunden. (Wikipedia Joseph Campbell)

Und vermutlich hat jede Jugend der vergangenen siebzig Jahre diese Amerikanisierung auf seine Weise erlebt. (FAS 13.11.16)

Im einzelnen ist der einjährige Zuschlag von gleich 7.5 Prozent auf die Lohn-, Einkommen- und Körperschaftsteuer auch wegen ihrer konjunkturellen Wirkungen äußerst unklug. (SZ 27.7.91)



Wie man sieht, ist der Fehler oft durch ein benachbartes Substantiv zu erklären, das gewissermaßen einen Kongruenzsog ausübt. Manchmal fehlt ein solches aber, dann scheint ein Synonym zu wirken oder eine feste Redewendung wie Jeder erlebt es auf seine Weise. Darum geht auch der Sog fast immer zum Neutrum oder Maskulinum, selten umgekehrt zum Femininum (letztes Beispiel).
Die Erscheinung beweist, wie gesagt, daß das Genus keine große Bedeutung für die Herstellung syntaktischer Beziehungen hat, sonst würde das Versehen nicht so oft in gedruckte Texte gelangen und dort unbemerkt bleiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2016 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33835

Das wahre Ergebnis – nur jeder Vierte wählte Trump (Welt)

- und sogar nur jeder sechste Bürger der USA.

Usw. mit der "Wahrheit".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2016 um 09.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33825

Sehr friedliche Menschen haben einen Friedensatlas hergestellt, aus dem hervorgeht, daß nur 10 Staaten nicht in Kriege verwickelt sind, darunter nur ein europäischer: die Schweiz. Die Schweiz exportiert in 71 Staaten Rüstungsgüter für eine halbe Billion Euro jährlich. Sie muß gar nicht selbst an Kriegen teilnehmen, um davon zu profitieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2016 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33802

Kleine Beobachtung: Als ich vorhin etwas zerstreut das Datum von gestern notieren wollte, dachte ich: "Wenn heute der Neunte ist, dann war gestern der Zehnte."

Der Automatismus der auswendig beherrschten Zahlenreihe (anders existiert sie ja nicht) hat sich einen unbewachten Augenblick lang durchgesetzt: 9 "triggert" 10, nicht 8.

Das ist vielleicht ein bißchen lächerlich, aber es gibt unzählige Versehen dieser Art in gedruckten Texten.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.11.2016 um 02.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33799

Rechenfehler in der ARD-Wahlberichterstattung: die 45. Präsidentin
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2016 um 18.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33772

Bei der WELT kann man abstimmen:

Wäre Rot-Rot-Grün bundesweit eine denkbare Koalition?

- Nein, das wäre keine gute Option

- Ja, ein Linksbündnis könnte funktionieren


Beide Antworten stehen irgendwie quer zur Frage (wie gewohnt).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2016 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33747

Laut Robert-Koch-Institut erkranken jährlich bis zu 658 Patienten an der Augengrippe. (t-online 2.11.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2016 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33685

Plötzlich sind sie nicht mehr zu sehen: der Kiebitz, die Feldlerche, das Reh. Das waren einst Allerweltsarten. Heute sind sie "rar", sagt Christoph Heinrich. Heinrich kennt sich mit dem Schwund der Arten aus wie sonst kaum einer. Sein Job: Vorstand Naturschutz bei der Umweltorganisation WWF. (Morgenpost 28.10.16)

Übersetzungsfehler? Rehe gibt es in Deutschland so viele, daß jährlich 1,5 Millionen durch Jagd und Verkehr zu Tode kommen, ohne daß sich der Bestand vermindert. Also dürfte etwa auf zehn Einwohner ein Reh kommen, niemand weiß das so genau.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2016 um 04.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33641

Das Weltwirtschaftsforum hat seinen Gender Gap Report vorgelegt. Die Chancengleichheit der Geschlechter ist in den skandinavischen Ländern am größten, dann folgt Ruanda. In Deutschland bleibt noch viel zu tun, ein Blick nach Ruanda könnte helfen:

Ruandas Wirtschaft ist stark landwirtschaftlich geprägt. Ungefähr 93 % der Bevölkerung arbeiten in diesem Bereich. Ein großer Teil der Erträge gelten allerdings der Selbstversorgung (90 %). Die Landknappheit ist groß. Über 90 % der vorwiegenden Familienbetriebe bewirtschaften eine Fläche von weniger als einem Hektar. (Wikipedia)

Wahrscheinlich haben dort auch die Kinder die größte Chance, auf dem Feld mitzuarbeiten.

Kinder machen die Hälfte der Bevölkerung aus, und alte Leute gibt es kaum, weil die Lebenserwartung 25 Jahre geringer ist als bei uns. Ideale Verhältnisse.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2016 um 10.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33620

In den letzten Tagen gingen wieder Jubelartikel über die steigende Geburtenrate durch die Medien. Kinder würden wieder Mode usw. Soweit die Daten bekannt wurden, kann davon keine Rede sein. Der Zuwachs geht größtenteils auf Migrantinnen zurück, ein kleiner Rest auf Mütter "mit deutschem Paß", worunter aber auch Migrationshintergründlerinnen sein dürften. Das generative Verhalten ändert sich nicht signifikant.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2016 um 18.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33567

Wer überhaupt nicht rechnen kann, wird an einem Start-up Gefallen finden, das Hilfe beim Kirchenaustritt verspricht. „Wir wollen Menschen, die aus der Kirche austreten wollen, die Möglichkeit geben, diesen Austritt einfach und bequem durchzuführen.“ In Wirklichkeit ist ja nichts einfacher als der Kirchenaustritt, und den persönlichen Gang zur Behörde können einem die beiden smarten Knaben (einer ist Katholik) auch nicht abnehmen. Sie wollen gewisse Informationen schicken, wenn man in einem Formular einträgt, wem man einen Teil der eingesparten Kirchensteuer spenden will. (An den Empfängern wollen sie dann Geld verdienen.) – Aber warum sollte man das überhaupt wollen? "pro" berichtet:

In Deutschland haben die Kirchenaustritte zur Folge, dass die beiden Volkskirchen jährlich rund 100 Millionen Euro an Kirchensteuereinnahmen verlieren. Die fehlen dann unter anderem bei vielen sozialen Einrichtungen, die von den Kirchen betrieben werden. Das sehen auch die beiden Gründer als Problem. Wer die Hilfe von „Dein Kirchenaustritt“ beanspruchen und Informationsmaterial haben möchte, muss sich deshalb zuvor bereiterklären, einen Teil der gesparten Kirchensteuer an eine Hilfsorganisation zu spenden. Auf der Webseite erklären die Gründer das so: „Gemeinsam sind wir der Überzeugung, dass die soziale Infrastruktur in Deutschland gestärkt werden muss. Sie ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Mit ‚Dein-Kirchenaustritt‘ wollen wir dazu beitragen, dass die steigende Zahl der Kirchenaustritte nicht zu einer Schwächung der sozialen Infrastruktur in Deutschland führt.“

Es wird also suggeriert, die Kirchensteuer komme sozialen Einrichtungen zugute; das gilt aber nur für einen sehr geringen Teil. Das Ganze scheint dem Wunsch der Kirchen entsprungen zu sein, die Austrittswilligen nicht einfach ziehen zu lassen – wenn man schon keine allgemeine Kultursteuer durchsetzen kann, die den Kirchenaustritt unattraktiv macht.

Interessant ist eben nur noch die Frage, welche "Hilfe" die beiden anzubieten haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2016 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33561

Der über Vierzigjährige ist eigentlich über-vierzig-jährig.

... warum sich der Gewinn mehr als halbiert hat (FAZ 21.4.2004)

= [mehr-als-halb]iert

Auf den Klettersteigen haben sich die Unfälle mehr als verdoppelt. (SZ 15.10.07)

= ver[mehr-als-doppel]t
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.10.2016 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33519

Durch alle Medien geht, daß viele Studenten bei einer Umfrage angeben, sich gestreßt zu fühlen. Daraus wird für die Veranstalter und erst recht für die Journalisten, daß die Studenten tatsächlich gestreßt sind. Dabei gibt es doch Streß-Indikatoren, die man zu einer objektiven Diagnose heranziehen könnte.

Das ist wie damals bei den überglücklichen Bhutanesen. In manchen Kulturen gehört es zum guten Ton, sein Wohlbefinden zu bekunden, in anderen gerade das Gegenteil. Eigentlich das kleine Einmaleins der empirischen Sozialforschung.

Seit der Begriff Streß aufkam, ist er z. B. nützlich, um wirkliche oder vermeintliche Minderleistung zu erklären, und es mag noch andere Gründe geben: daß Jammern zum Handwerk gehört usw. Das alles müßte doch untersucht werden, bevor man wilde Thesen in die Welt setzt. Die täglichen Umfragen erziehen uns in die gegenteilige Richtung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.10.2016 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33516

Es sei denn, der Lehrer hat sowohl 2010 als auch 2011 "zwischen des Jahren" mit der Schülerin geschlafen...

Das nennt man übrigens Beischlaf und nicht Mitschlaf, wie zu erwarten wäre.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 11.10.2016 um 16.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33514

Ich hätte an die Silvesternacht gedacht. (Lang genug für zweimal "schlafen" – merkwürdiger Euphemismus, denn schlafen tut man ja gerade nicht, höchstens danach.)
 
 

Kommentar von Serjosha Heudtlaß, verfaßt am 11.10.2016 um 15.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33513

Ohne Kontext sieht der Leser sich hier zudem vor das Rätsel gestellt, ob nicht etwa der Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr gemeint sei.
Zugegeben, eine etwas weit hergeholte Ambiguität, aber eine Ambiguität nichtsdestoweniger.
Auch interessant, weil die Reformer den Rauhnächten natürlich ebenfalls das 'h' gemopst haben (soweit ich weiß, ist hier die Etymologie aber strittig).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2016 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33509

Die Anklage hatte dem heute 40-Jährigen vorgeworfen, zwischen den Jahren 2010 und 2011 zweimal mit dem Mädchen geschlafen zu haben. (SPON 10.10.16)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 09.10.2016 um 15.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33501

Ja, mit dem "ernsthaften Leser“ verhält es sich wie mit dem todernsten Kunstrezipienten, der etwa durch die Bastelarbeiten des Großkünstlers Jonathan Meese zu geistiger Erhebung gelangen soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2016 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33499

Dagegen ist natürlich nichts zu sagen. Aber wie gerade das Interview zeigt, wird mit dem "ernsthaften Leser" noch etwas anderes verbunden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 09.10.2016 um 08.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33498

"Warum eigentlich sollte sich ein ernsthafter Leser mit erfundenen Geschichten abgeben?“ Zum Beispiel, um sich zu unterhalten. Deshalb sollte Belletristik nicht langweilig sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2016 um 07.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33497

„Uns gegenwärtigen Schriftstellern sind ein bis zwei Generationen ernsthafter Leser weggebrochen. Heute ist die Literatur vor allen Dingen für jene interessant, die selbst Literatur machen, abgesehen von noch ein paar anderen Leuten, die zu einer immer größer werdenden Minderheit gehören.“ (Bodo Kirchhoff in FAS 9.10.16)

Wenn diese Minderheit immer größer wird, wäre ja bald alles wieder wie früher; wahrscheinlich meint er aber, daß es immer weniger Leute werden.

Eine Rezension seines neuen Buches in der ZEIT schließt so:

Das ist vielleicht der tragischste und zugleich tröstliche Gedanke: Dass diese ambivalent schöne Geschichte mit todtraurigem Ausgang sich nur in Reithers Kopf abgespielt hat. Weil sie eben durch und durch Literatur ist. Große.
(In der „Novelle“ kommen schickerweise auch Flüchtlinge vor. Afrikanische.)

Warum eigentlich sollte sich ein ernsthafter Leser mit erfundenen Geschichten abgeben? Vielleicht fehlt vielen „Leuten“ einfach die Geduld für andere Leute, die „Literatur machen“. Aber jenes Interview endet so:

„Ist das fehlende Interesse an Literatur gleichzusetzen mit der Verweigerung, sich das Leben wirklich anzusehen?
Ja, es ist eine Verweigerung in den eigenen Abgrund und das eigene Kleinsein zu schauen.“ (usw.)

Das ist Unsinn und Wichtigtuerei. Ich brauche keine „Novellen“, um mir das Leben wirklich anzusehen (und noch ein bißchen mehr).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2016 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33491

Bei n-tv.de kann man die Frage beantworten, wer der bessere Kanzlerkandidat der SPD ist. Stand:

Gabriel 0%
Schulz 1%
Scholz 0%
Keiner von den dreien 5%
Die SPD sollte gar keinen Kandidaten aufstellen. Bringt doch eh nichts. 94%
16484396 abgegebene Stimmen

-

Ist das zu glauben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2016 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33482

Mit dem Fernglas kann man ca. 1,5 km weit schauen evtl. sogar noch ein bisschen mehr.

(Aus einer Amazon-Besprechung)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2016 um 08.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33390

Alkohol und Medikamente sind zwar legale Drogen, aber deswegen nicht weniger harmlos. (FAZ 9.1.95)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.09.2016 um 13.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33378

Über Ihr Demokratieverständnis mache ich mir Sorgen, aber mit den Blockparteien haben Sie natürlich völlig recht.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 24.09.2016 um 20.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33374

Die Vorstellung, daß auf 59 Sitzen des Abgeordnetenhauses Reissäcke plaziert sind, hat zumindest einen humoristischen Wert. Doch eins muß man den Reissäcken lassen, sie sind billiger als Abgeordnete. Da sie allerdings auch nicht arbeiten, bedeutet das, daß die lebendigen Abgeordneten für die Reissäcke mit arbeiten müssen. Vielleicht kann ihnen das ein Ansporn sein, weniger Nichtwähler zu produzieren.

Scherz beiseite, auch wenn man die Nichtwähler mit einbezieht, hat sich die absolute Mehrheit der Berliner Wahlberechtigten für eine Fortsetzung der bisherigen Politik ausgesprochen. Für die Parteien des demokratischen Blocks haben 76,7 v.H. derer gestimmt, die gewählt haben. Rechnet man die Nichtwähler mit, sind die Jasager mit 51,4 v.H immer noch in der absoluten Mehrheit. (SPD 14,5 + CDU 11,8 + Grüne 10,2 + Linke 10,4 + FDP 4,5 = 51,4)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2016 um 17.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33335

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29255

Engel regt sich auf über die unlogische Wendung „zwischen a und zwischen b“:

„Würde ein Schüler der Mittelklassen eines Gymnasiums oder einer Realschule schreiben: Inter Caesarem et inter Pompeium oder Entre lui et entre moi? Schwerlich.“ (Stilkunst 2016:146)

Vgl. aber Havers S. 33f. mit Hinweis auf Wackernagel II 202 und auf andere Sprachen, auch Latein:
inter Hectora Priamiden animosum atque inter Achillem / Ira fuit capitalis (Horaz S. I 7, 12) und weitere Stellen.

Engel fällt ja durch Großzügigkeit (s. Abschnitt "Freiheit") angenehm auf, aber an manchen Punkten scheint ihm dann das Richtige und das Falsche felsenfest zu stehen, und er verfällt in ein scharfes Urteilen wie der deshalb getadelte Schopenhauer. Das sind die schwächeren Stellen seines Buchs, zum Glück selten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.09.2016 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33334

Wenn es um die "Partei" der Nichtwähler geht, wird oft die Wahlbeteiligung einfach in Relation zu den Wahlergebnissen gesehen. Dabei vergißt man aber, daß sich der Anteil der Nichtwähler auf alle Wahlberechtigten bezieht, die Ergebnisse der einzelnen Parteien jedoch nur auf diejenigen, die überhaupt gewählt haben.

Betrachten wir also einmal die "wirklichen" Verhältnisse einschließlich der Nichtwähler am Beispiel Berlin 2016, Wahlbeteiligung 66,9%:

Nichtwähler ............... 33,1%
SPD ....... 21,6% x 0,669 = 14,5%
CDU ....... 17,6% x 0,669 = 11,8%
Linke ..... 15,6% x 0,669 = 10,4%
Grüne ..... 15,2% x 0,669 = 10,2%
AfD ....... 14,2% x 0,669 = 09,5%
FDP ....... 06,7% x 0,669 = 04,5%
Piraten ... 01,7% x 0,669 = 01,1%
andere .... 07,4% x 0,669 = 04,9%

Daraus ergäbe sich folgende Sitzverteilung:

Nichtwähler 59
SPD ....... 26
CDU ....... 21
Linke ..... 19
Grüne ..... 18
AfD ....... 17

insgesamt: 160

Mögliche Koalitionen:
Nichtwähler+SPD oder SPD+CDU+Linke+Grüne oder
beliebige Dreierkoalitionen mit den Nichtwählern
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2016 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33333

Die "Welt" rechnet vor, daß in Berlin die Nichtwähler die stärkste Fraktion wären, wenn... Tja, das ist in Demokratien ohne Wahlpflicht fast immer so.

Schön ist auch:

Die SPD wirft der Union vor, für das historisch schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten mitverantwortlich zu sein.

Hätte die SPD um 10 Punkte zugelegt, würde sie dafür doch ganz bestimmt Merkel danken, oder?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2016 um 03.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33330

Der verstorbene Exorzist Amorth will in rund 30 Jahren etwa 70 000 Exorzismen durchgeführt haben. Ist das rein physisch überhaupt zu schaffen? Ganz abgesehen von der Frage, in welchem gottverlassenen Land er eigentlich gelebt haben muß...

1999 legte der Vatikan neue Richtlinien vor, um stärker die Erkenntnisse der Medizin und Psychiatrie zu berücksichtigen. Die Sammlung von Gebeten, Segens- und Beschwörungsformeln ersetzte eine Fassung von 1614. Nach den neuen Regelungen muss ein Exorzist sorgfältig überprüfen, ob tatsächlich ein Fall von Besessenheit vorliegt und soll sich mit Medizinern und Psychiatern beraten.

Dazu: Im strikten Sinn vom Teufel besessen seien aber nur rund 100 Menschen gewesen, gestand Amorth ein.

Das ist wie bei den Wundern, die zur Heiligsprechung nachgewiesen werden müssen: Die Kirche achtet sorgfältig darauf, wirkliche Wunder von scheinbaren zu unterscheiden. So sind der Teufel und unzählige Dämonen zwar allgegenwärtig (auch in Harry Potter, wie Amorth und Gabriele Kuby meinten, sowie in Homosexuellen), aber richtige Besessenheit ist eher selten.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.09.2016 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33322

"Bayern, ja des samma mir!" (Haindling)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.09.2016 um 19.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33320

Eltern, insbesondere solche mit mehr als einem Kind, sind nicht auf dem Stand der Forschung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2016 um 16.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33319

Was beeinflusst die gefühlte Identität am meisten – die Nation, die Region, die eigene Stadt? Nur knapp jeder dritte Erwachsene in Deutschland nennt als Antwort auf diese Frage sein Deutschsein, wie eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. (16.9.16)

Wer hat überhaupt an so etwas Vages wie seine "Identität“ gedacht, bevor ihm diese Frage samt Antwortmöglichkeiten vorgelegt wurde? („Was beeinflusst die gefühlte Identität am meisten – die Nation, die Region, die eigene Stadt?“) Und antwortet er, was er „fühlt“ (der Küchenpsychologie entsprechend), oder was man eben so sagt, wenn man den Jargon halbwegs draufhat?

Der Glaube an Umfragen ist der Aberglaube unserer Zeit. Zum Glück ebenso schnell vergessen wie gelesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2016 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33317

Nach einer MPI-Umfrage "macht ein Baby unglücklicher als eine Scheidung, Arbeitslosigkeit oder der Tod des Partners". (FAZ 16.9.16)

Kann das sein? Immerhin soll es Irre geben, die nach dem ersten Kind noch ein zweites wollen, während die anderen beiden Mißgeschicke nicht ganz oben auf der Wunschliste zu stehen scheinen. Ausgenommen bei Herrn Sauerbrot ("heißa, meine Frau ist tot!"), den es denn auch richtig traf, als sich herausstellte, daß seine Frau nur "schein-/tot gewesen war".
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.09.2016 um 00.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33295

Letzte Woche gab es mehrere Beiträge in den Zeitungen wie diesen (FAZ, 9.9.16, S. 9):

So viele Badetote wie lange nicht
... Anstieg bei Kindern und Flüchtlingen
...
Seit Jahresbeginn sind in Deutschland mindestens 425 Menschen ertrunken, 46 mehr als in den ersten acht Monaten 2015. ... Als besondere Risikogruppe sehen die Lebensretter Flüchtlinge. Seit Januar ertranken 56 Asylsuchende, mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2015. ... DLRG-Präsident Hatje kritisierte: "Diese Zahlen sind das Ergebnis der Bäderschließungen und damit verbundenen Ausfällen von Schwimmunterricht an den Schulen."

Auf den DLRG-Seiten findet man, daß es 2015 insgesamt 488 tödliche Badeunfälle gab, 379 in den ersten 8 Monaten, 27 der 488 waren Flüchtlinge.

Aus den veröffentlichten Statistiken geht nicht hervor, wie lange die verunglückten Flüchtlinge schon in Deutschland waren. Laut Wikipedia kamen 2014 etwa 200000 Flüchtlinge, 2015 insgesamt etwa 1100000, die meisten davon, etwa 700000 bis 800000 erst im Herbst, sie beeinflussen also eher die Zahlen der Badesaison 2016.

Wenn nun die Hauptrisikogruppe derart stark anwächst, ist es wirklich nicht schwer zu erkennen, man kann dazu mit diesen Zahlen auch leicht Plausibilitätsrechnungen anstellen, daß erstens der gesamte Anstieg der Badeunfallzahlen (46) auf das Konto des Anstiegs der Flüchtlingszahlen geht, und daß zweitens auch unter Flüchtlingen die Unfallstatistik keinen Anstieg erfahren hat. Es ist halt einfach ein Vielfaches an Flüchtlingen gekommen. Wenn 10 Menschen von 1 Million verunglücken, ist das das gleiche, als wenn 20 von 2 Millionen verunglücken, und keine Verdopplung!

Hier mit dem schädlichen Einfluß von Bäderschließungen zu argumentieren, ist absolut unbegründet.

Davon abgesehen, ich halte die Bäderschließungen, die es offenbar wirklich gibt, auch für schlimm. Kürzlich hatte ich mir für meine Enkelkinder extra Urlaub genommen und wollte an einem heißen, sonnigen Montag Anfang August mit ihnen ins Freibad im nahegelegenen Ilvesheim gehen. Wir kommen hin und lesen ein Schild am geschlossenen Tor: Montag Ruhetag. Ich war sprachlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.09.2016 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33267

Gestern war als Überschrift zu lesen, daß es bis zu 20 Jahre dauern kann, bis ein Zuwanderer einen Arbeitsplatz findet. Im Artikel stand dann, es könne 20 Jahre dauern, bis die Ausländer auf dem Arbeitsmarkt mit der deutschen Population gleichziehen.
Viele werden sich merken, daß wir die Ausländer 20 Jahre lang durchfüttern müssen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.09.2016 um 01.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33265

Ich hätte den Satz doch zu Ende zitieren sollen, damit man sieht, daß die Zahl von SPIEGEL ONLINE nicht etwa ein Druckfehler ist:

... schätzungsweise 71 Prozent, im EU-Durchschnitt sind es hingegen 60 Prozent.

Es ist unglaublich, wie hier manipuliert wird. Dem unbedarften Leser, der noch die Massen der Einwanderer vor Augen hat, soll insinuiert werden, 71 Prozent davon seien überqualifiziert. Im Text steht zwar, daß die Zahlen noch auf 2014 beruhen, also vor der großen Einwanderungswelle, aber daß sie sich nur auf den Bruchteil derer beziehen, die überhaupt eine Anstellung finden, wird nicht nur in der Überschrift verschwiegen. Und natürlich ist jemand, der wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht entsprechend seinem erlernten Beruf eingesetzt werden kann, auch nicht überqualifiziert.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.09.2016 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33264

Flüchtlinge in Deutschland sind oft überqualifiziert
...
Demnach beträgt der Anteil überqualifizierter Flüchtlinge in Deutschland schätzungsweise 71 Prozent ...

(SPIEGEL ONLINE, 7.9.16)
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 07.09.2016 um 15.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33262

"Überhaupt die Zahlen!"
Vor allem diese ständigen Doppelzahlen. Immer muß bis zum Jahr soundso etwas um soundsoviel Prozent gemindert oder gesteigert/vermehrt werden oder eine bestimmte Stückzahl erreicht werden. Zwanghaft geradezu, ob Interessengruppen oder nicht. (Milleniumsziele!) Fast wie die gute alte Planwirtschaft – nur daß die Pläne dann natürlich immer übererfüllt wurden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.09.2016 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33258

Am Nachbartisch des Ausflugslokals sagt eine Frau: "Und dann gibt es ja noch 1 Million Nichtregistrierte." Richtig unheimlich, hinter jeder Ecke könnte ein Flüchtling stecken.
Wie man liest, stehen die Flüchtlingsunterkünfte zur Hälfte leer, besonders die Erstaufnahme-Einrichtungen, und werden schon wieder abgebaut. Wo sind die Leute hin? Kennt man nur annähernd den Wanderungssaldo? Trotzdem wird mit großen Zahlen Politik gemacht. Minister Herrmann weiß wie durch göttliche Eingebung, daß 200.000 die Obergrenze ist. Dabei hängt es von Umständen und Maßnahmen ab, wie viele Leute man ohne großen Nachteil aufnehmen kann.

Überhaupt die Zahlen!
Die Regierung will bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen bringen. Niemand kann sagen, warum es gerade diese Zahl sein muß, aber seit sie in der Welt ist, hat sie schon viel Geld gekostet und soll noch mehr kosten. Klimaschützer auf der ganzen Welt haben erreicht, daß eine Erwärmung um höchstens 2 Grad nicht überschritten werden soll. Es ist unbekannt, welche Folgen die Erderwärmung insgesamt haben wird – schließlich sind erheblich stärkere Temperaturanstiege in kürzester Zeit aus Eisbohrkernen nachweisbar. Auch diese „2 Grad“ haben schon mächtig Druck erzeugt und verursachen unermeßliche Kosten. Vieles unterbleibt, weil das Geld in die Durchsetzung eines vielleicht weder erreichbaren noch sinnvollen Zieles gesteckt wird.
Es ist immer dieselbe Selbstfesselung durch irgendwann in die Welt gesetzte Zahlen; meist erkennt man noch die Interessengruppen dahinter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2016 um 06.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33248

Vor mehr als einem Jahr brach der Kontakt zum Landeroboter Philae auf dem Kometen Tschuri ab – nun hat die Raumsonde Rosetta ihn kurz vor dem Ende ihrer Mission wiedergefunden. Ein Foto der hochauflösenden Kamera von Rosetta zeigt, dass Philae in einer dunklen Erdspalte eingeklemmt ist, teilt die Europäische Weltraumagentur ESA mit. (SZ 6.9.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.09.2016 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33226

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22105

Um die luftige, gitterartige Struktur zu schaffen, genügt nur eine kleine Mengen (!) des Polymers. (Wikipedia Gore-Tex)

Statt nur müßte es schon heißen, auch eine häufige Konstruktionsmischung.

Aus dem Eintrag geht hervor, daß Gore-Tex („atmungsaktiv“ klingt schön) eigentlich Sondermüll ist. Aber wir entlassen Millionen Tonnen Chemikalien in die Umwelt, nach uns die Sintflut! Die "Funktions"-Kleidung wird übrigens fast ausschließlich in China, auch Vietnam und Indonesien hergestellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.08.2016 um 03.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33103

Zu einem der höchsten Marienfeste im Jahreskreis gehört Mariä Himmelfahrt am 15. August. (Augsburger Allgemeine 16.8.16)

Dieser ungemein häufige Fall von Konstruktionsmischung wird offenbar nicht bemerkt. Ein schöner Beweis, wie schwache Kopfrechner wir in sprachlichen Dingen sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.08.2016 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33090

«In diesem Jahr sind die Körner einfach kleiner», sagte Hemmerling. Das wirkt sich auf das Gewicht aus. Man brauche zum Beispiel mehr Körner als sonst, um eine entsprechende Menge Mehl daraus zu bekommen, erklärte Hemmerling als stellvertretender Generalsekretär des Bauernverbands.

Allmählich lüften die Landwirte ihre Geheimnisse.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2016 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#33054

In den Nachrichten wird ständig wiederholt, jeder dritte in Deutschland sei letztes Jahr mindestens einmal "diskriminiert" worden, meist wegen des Alters oder Geschlechts. Kann das überhaupt sein? Auch scheint es nur auf die subjektive Deutung anzukommen. Wertlose Statistik.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.08.2016 um 00.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32992

Tja, wenn die Kosten das ganze Problem wären ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2016 um 18.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32991

BILD hat ausgerechnet, daß Merkels Satz "Wir schaffen das" 7 Mrd. Euro zusätzlich kostet.

Jetzt müßte man noch berechnen, was "Wir schaffen das nicht" (Seehofer) kosten würde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2016 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32929

Nicht ganz. Die Formulierung ist zwar ungeschickt, aber im Zusammenhang kommt es gerade darauf an, daß Fluor in kleinen Mengen notwendig und nützlich ist, in großen schädlich, und daß der Spielraum klein ist (während man Tabak und Alkohol überhaupt nicht braucht). Daraus wird der Wunsch verständlich, selbst zu wissen und zu bestimmen, wieviel man sich zuführt.

(Wir verwenden übrigens Zahnpasta mit Fluorid und Kochsalz mit Jod. Ich gehöre also nicht zu den Halogenskeptikern - falls es so etwas gibt. Skeptisch bin ich gegen Zwangsmedikamentierung. Meine eigentliche Absicht war, ein weiteres Beispiel für sture einseitige Daten anzuführen, die von den Medien unter die Leute gebracht werden und das eigene Denken lahmlegen. "40 % der Kariesfälle" - nicht mehr und nicht weniger - sollen durch fluoridierte Zahncreme verhindert werden!)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.07.2016 um 23.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32928

Übersetzung: »Fluorid ist ziemlich giftig, so ähnlich wie Selen.«
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.07.2016 um 22.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32925

„Da Fluorid ähnlich Selen in größeren Mengen toxisch wirkt, existiert nur ein kleiner Bereich, in dem Fluorid im Körper vorkommen darf, ohne toxisch zu wirken.“

Ein höchst abstruser Satz – teilweise widersprüchlich, teilweise tautologisch, unbeholfen formuliert und im restlichen Text deplaciert.

An den Wikipedia-Einträgen arbeiten eben viele Leute mit, was dem inneren Zusammenhang nicht immer zuträglich ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2016 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32922

Die Experten von Öko-Test haben 38 Zahncremes aus bekannten Supermärkten und Drogerien getestet. Besonders wichtig war ihnen dabei, dass die Produkte Fluorid enthalten. Denn nur so können sie den wichtigen Kariesschutz garantieren. (focus.de 28.7.16)

Warum soll es nicht Zahncremes mit und ohne Fluorid geben, so daß der Verbraucher sich selbst entscheiden kann? Mancher möchte vielleicht einen gewissen Überblick über seine Fluoraufnahme behalten?

Wikipedia schreibt in einem sehr guten Artikel "Fluor":

Da Fluorid ähnlich Selen in größeren Mengen toxisch wirkt, existiert nur ein kleiner Bereich, in dem Fluorid im Körper vorkommen darf, ohne toxisch zu wirken.

Außerdem kann keine Zahncreme Kariesschutz "garantieren".

Manche Untersuchungen zum wohltätigen Einfluß von Fluorid wirken, als sollten sie von falscher Ernährung, insbesondere Zucker einschl. Cola, ablenken. Deren Folgen können durch Zahnpflege (auch ohne Fluor und nicht "nur so") teilweise abgewendet werden, aber nicht vollständig.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2016 um 18.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32914

Ramanujan hatte "alte Bekannte" bis in zehnstellige Bereiche, aber ich? Vielleicht sieht 137 wegen der letzten beiden Stellen prim aus, und vielleicht "sehe" ich bei 171 doch irgendwie gleich die Quersumme...

Ein altes Phänomen: Der Raum von 1 bis 10 kommt einem größer vor als der von 31 bis 40. Das ist aber leichter zu erklären.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.07.2016 um 18.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32913

Ich denke, das ist wie beim kleinen Einmaleins. Daß 63=7*9 ist, muß normalerweise niemand ab 2. Schuljahr erst ausrechnen, man weiß es einfach. Später kommen aus den unterschiedlichsten Gründen noch ein paar Zahlen dazu.

Zum Beispiel beim Skat. Kein passionierter Spieler rechnet wohl noch 12*16 aus. Die Zahl 192 (bzw. die Reihe 24, 48, 96, 192) kennt man einfach.

So werden im Laufe eines langen Lebens immer mehr Zahlen zu alten Bekannten.

Ich möchte vor allem bei dieser Gelegenheit ein Produkt hervorheben, das man sich unbedingt merken muß und auch sehr leicht merken kann:
7*11*13 = 1001
Das kann man sehr oft gut nutzen, vor allem weil 1001 auch rund 1000 ist. Meist kommt es ja in der Praxis auf ein Promille Abweichung nicht an. Damit hat man sofort z. B. 1000/13 ist rund 77, oder 1000/11 ist rund 91 usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2016 um 14.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32912

Ich habe mich nie näher mit Primzahlen beschäftigt, obwohl ich in populären Mathematikbüchern viel darüber gelesen habe.
Warum kommt mir 137 spontan als Primzahl vor, 171 dagegen nicht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2016 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32895

„Die Zahl der Selbstmorde ist in den letzten 45 Jahren der Weltgesundheitsorganisation zufolge um 60 Pozent gestiegen.“ (FAS 24.7.16)

In dieser Zeit hat sich aber die Weltbevölkerung fast verdoppelt. Demnach sind Selbstmorde relativ seltener geworden. Für Deutschland zum Beispiel ist das auch nachgewiesen.

Entsprechend die Folgerungen zu bewerten, die man aus der Selbstmordstatistik ziehen zu können glaubt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2016 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32828

Aber im Grunde genommen ist es doch seit jeher so, dass Großbritannien mit einem Fuß in der Europäischen Union stand und mit dem anderen draußen. Jetzt ist das umgekehrt. Mit einem Fuß sind sie draußen, und mit dem anderen stehen sie noch drin. (Cohn-Bendit in der WELT 13.7.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2016 um 09.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32825

Mathematiker kennen den berühmten Fall eines wortlosen Vortrags, gehalten von Frank Nelson Cole. Ich zitiere aus dem Wikipedia-Eintrag:

"Im Jahre 1903 präsentierte er bei einem Treffen der American Mathematical Society in einem ungewöhnlichen Vortrag die Faktoren der Mersenne Zahl 267–1 (kurz M67). Bereits 1876 hatte Édouard Lucas gezeigt, dass diese Zahl, entgegen der Angabe von Marin Mersenne, keine Primzahl ist. Primfaktoren dieser Zahl blieben aber unbekannt.
Bei seinem Vortrag ging Cole wortlos zur Tafel und berechnete den Wert von M67. Sodann schrieb er auf die andere Tafelseite die Aufgabe 193.707.721 · 761.838.257.287. Er führte die langwierige Multiplikation handschriftlich aus und zeigte am Schluss, dass beide Berechnungen zum gleichen Ergebnis von 147.573.952.589.676.412.927 führten. Ohne ein Wort gesprochen zu haben, ging Cole an seinen Platz zurück, während seine Kollegen aufstanden und ihm applaudierten. Cole gestand später, dass er für die Suche nach den Faktoren drei Jahre lang an den Wochenenden gerechnet habe."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2016 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32807

Demnach stirbt einer von 65 jungen schwarzen Männern durch Polizeigewalt.

So schrieb die ZEIT kürzlich über die USA, und die gegenwärtigen Medienberichte suggerieren, daß die Polizei neuerdings viel mehr Schwarze erschießt. In Wirklichkeit ist die – freilich beklagenswerte – Statistik ausgeglichener. Jener Satz ist falsch übersetzt; das Original besagt, daß bei jedem 65. verstorbenen jungen Schwarzen Polizeigewalt die Ursache war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2016 um 07.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32777

Zwei von zwölf. Das ist viel mehr als zehn Prozent, fast ein Fünftel! (Zeit online 6.7.16)

Es ist ein Sechstel.

Gern geschehen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2016 um 06.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32755

Auf der ersten Seite der FAZ vom 4.6.16 hat Müller-Jung Gelegenheit zur Wiedergutmachung bekommen, schließt aber recht seltsam:

„Der Papst hat in seiner Umweltenzyklika 'Laudato si' die Welt auf ein neues Paradigma hingewiesen, mehr Sensibilität und Vorsorge für Extremwetterlagen angemahnt. Wie nahe selbst die Kirchen damit an der Lebenswirklichkeit ist, wird uns jetzt schmerzhaft vor Augen geführt.“ (FAZ 4.6.16)

Im Mittelalter war es üblich, Naturereignisse abschließend mit einer spirituellen Deutung zu versehen ("mystice").

Laut Deutschem Wetterdienst gibt es keinen Beleg für eine Zunahme von Starkregen in Deutschland.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2016 um 17.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32746

Lesermeinungen (0) ist schon ein starkes Stück. Da ist sicher etwas vorgefallen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.06.2016 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32744

Inzwischen hat die FAZ die Reißleine gezogen. Man kann nicht nur keine Kommentare mehr abgeben, sondern auch die vorherigen Kommentare nicht mehr lesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2016 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32739

An einigen Orten in Deutschland, mikrokopisch klein auf der Europakarte, hat es schwere Überschwemmungen gegeben (hier in Mittelfranken war gar nichts zu sehen), und schon brennen bei Joachim Müller-Jung, Naturwissenschaftler bei der FAZ, alle Sicherungen durch. (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/begriffseiertanz-klimawandel-14264345.html) Jetzt ist Schluß mit „überflüssiger akademischer Spitzfindigkeit“, Unterscheidungen zwischen Wetter und Klima usw., verdammtnochmal, die ausdrücklich genannten „Bauernregeln“ hatten doch recht. Einige Leser haben ihm schon den Kopf gewaschen. Der Schaden für die FAZ könnte dauerhaft sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2016 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32715

Erdogan lehnt Empfängnisverhütung strikt ab. (Meldung 30.5.16) Er hat vier Kinder.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 29.05.2016 um 18.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32711

Es ist unbestritten, daß Glyphosat unter bestimmten Umständen negative Nebenwirkungen haben kann. Das gilt aber für alle Herbizide, vor allem was die Artenvielfalt anbetrifft. Glyphosat kann deshalb nicht isoliert behandelt werden, sondern nur im Vergleich mit alternativen Herbiziden. Viele sind der Meinung, daß die Nebenwirkungen anderer Herbizide schwerer wiegen als die des Glyphosats.

Es sind die Mikroorganismen im Boden, die Glyphosat "vernichten" und nicht umgekehrt.

Einer der Hauptvorteile von Glyphosat ist, daß es im Boden sehr schnell gebunden und abgebaut wird. Schon eine Woche nach Anwendung kann neu ausgesät werden. Das ist bei der Beurteilung der Gesamtproduktion zu berücksichtigen. Das Glyphosat akkumuliert eben nicht in der Umwelt.

Es gibt sehr viele Dinge zwischen Himmel und Erde, deren Auswirkung auf das Klima noch nicht erforscht sind. Glyphosat ist da vielleicht nicht prioritär.

Der Begriff "Bodenfruchtbarkeit" beschreibt keine dauerhafte Eigenschaft. Bei landwirtschaftlicher Nutzung ist auch der fruchtbarste Boden irgendwann ausgelaugt. Ohne rechtzeitige Entwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens wären im Ersten Weltkrieg noch viel mehr Deutsche verhungert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2016 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32704

Durch die Medien geht die Meldung, daß jedes zehnte Mitglied der AfD zuvor bei der CDU war. Die meisten Überschriften stellen das groß heraus. Erst im weiteren Verlauf erfährt man (aber bei den Stuttgarter Nachrichten und anderen Zeitungen nicht einmal dies), daß die Überläufer von der Linkspartei und der FDP proportional sehr viel zahlreicher sind. Kein Rechenfehler, sondern Täuschungsabsicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2016 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32703

Die Glyphosatdiskussion wird auf das Krebsrisiko eingeengt. Unbestritten ist der Beitrag zum Artenschwund und zur Vernichtung der Bodenorganismen. Die Auswirkungen auf das Klima sind nicht untersucht. Die Produktion beträgt rund 1 Mill. Tonnen, das heißt ein Becher Glyphosat auf jeden Menschen der Erde, jedes Jahr - nur um mal das Ausmaß zu verdeutlichen. Die Chemikalie verändert die ganze Erde.

Den altmodischen Begriff "Bodenfruchtbarkeit" darf man gar nicht mehr verwenden – wozu gibt es Kunstdünger?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2016 um 05.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32702

Am CERN in Genf hat man herausgefunden, daß Bäume ätherische Öle abgeben, die zur Wolkenbildung beitragen – ein bisher nicht berückichtigter Faktor, der "möglicherweise Auswirkungen auf die Prognosen der Klimaerwärmung" haben wird. (FAS 29.5.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2016 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32689

Im üblichen Anklageton wird berichtet:

Mit nur etwa 15 Prozent sind Angestellte mit Migrationshintergrund in den Institutionen des Bundes deutlich unterrepräsentiert. (ZEIT 27.5.16)

Ich finde den Anteil erstaunlich hoch.

Die ebenfalls erwähnten "Biodeutschen" haben zu 10 % keinen Schulabschluß, die Zugewanderten zu 35 %. Bei Türken sind es 60 %. (nach Bildungsbericht der Bundesregierung 2014)

Brauchen wir Quoten für Ausländer und für Unqualifizierte, dem Bevölkerungsanteil entsprechend? Jeden Tag werden neue Skandale herbeigeredet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2016 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32684

Kupfersteinzeitliche Frauen suchten sich ihre Männer in der Ferne

Das haben schwedische Forscher durch genetische Untersuchungen an Bodenfunden festgestellt. Wahrscheinlich haben sich die Männer ihre Frauen aus der Ferne geholt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.05.2016 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32659

Noch zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29255

Zwischen 2008 und 2010 kamen mehr als eine Million Kinder auf die Welt, die mit Hilfe von Methoden zur künstlichen Befruchtung gezeugt wurden. (FAS 22.5.16)

Also kamen sie alle im Jahre 2009 zur Welt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2016 um 07.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32650

Die tägliche Einnahme von 81 Milligramm ASS sollte über die Dauer von mindestens zehn Jahren erfolgen.

Das haben amerikanische Forscher herausgefunden, wer sonst? Zuerst dachte ich an eine Umrechnung aus Unzen, aber das geht nicht auf.
Hm. Ich schlucke also von den 100 mg, die mir der Arzt verschrieben hat, 81 mg und hebe die übrigen 19 mg auf, bis ich soviel davon habe, daß das kleinste gemeinsame Vielfache... Jetzt muß ich den Taschenrechner holen.

Aber hat das überhaupt Sinn, ohne Angaben über die Körpergröße? Ich bin so groß und dick, daß 100 mg wahrscheinlich nicht einmal zuviel sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2016 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32646

Grossarth verkündet sozusagen eine umgekehrte Kulturrevolution: Bauern zum Lernen in die Stadt! Auf dem Lande der Artenschwund (auch durch Glyphosat, nicht krebserregend), in der Stadt die Artenvielfalt. Einen Leitartikel schließt er so:

Denn zur Wahrheit gehört auch, dass viele Landwirte von den „Städtern“ lernen könnten, die sich für „Urban Gardening“ und Food-Trends begeistern. Die Leute wollen mehr als nur satt werden. Sie haben Hunger nach Sinn. Zumindest in der „Nische“ entstehen große Geschäftschancen. Zum Beispiel für Weidemilchmanufakturen. (20.5.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2016 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32637

Jan Grossarth, der Journalist mit dem größten Textausstoß, verteidigt sein geliebtes Glyphosat zwar nicht mehr, „analysiert“ aber die Kritik daran so, daß die lächerlich, korrupt und krankhaft erscheint (FAZ 21.5.16) ("Eine Schlagzeile jagt die nächste", schreibt er sehr anschaulich.) Das kennen wir von der Rechtschreibreform.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2016 um 06.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32597

WHO stuft Herbizid Glyphosat als nicht krebserregend ein (FAZ 17.6.16)
Jan Grossarth ist außer sich vor Freude: „Für Infantilität und Hysterie kennt die Kampagne der Grünen und der mit ihnen befreundeten Umweltverbände keine Obergrenze.“ Usw.
Vor einigen Jahrzehnten war Ex und hopp! ein wirksamer Werbespruch, heute sprichwörtlich für Umweltsünden. Noch etwas früher hatte man vor allem in den USA ein unbegrenztes Vertrauen in Pillen für und gegen alles mögliche. DDT war ein Wundermittel in der Landwirtschaft. Wie wir gesehen haben, mobilisiert Grossarth sogar die armen Regenwürmer, um den Landbau ohne Pflügen zu preisen. Warten wir ab, wie der Klang von Totalherbizid sich entwickelt. Es gibt übrigens nicht nur Krebs, aber von etwas anderem ist gar nicht mehr die Rede. Kürzlich feierte Grossarth die Artenvielfalt in der Stadt als Gegengewicht zur Verarmung des offenen Landes. Das schien mir doch etwas kurzsichtig. „Silent Spring“ ist noch nicht erledigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2016 um 06.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32579

Zu den bekannten Jubiläumsartikeln ("wäre heute 500 Jahre alt geworden") paßt die Mitteilung, daß die besten Atomuhren in 15 Mrd. Jahren nur eine Sekunde falsch gehen. (Warum gehen sie überhaupt falsch? Wie will man das in 15 Mrd. Jahren feststellen?) Besser wäre: gehen in einem Jahr höchstens eine fünfzehnmilliardstel Sekunde falsch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2016 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32490

2009 gab es noch 14.385 Griechisch-Schüler in Deutschland. 2015 waren es noch 11.820. Die meisten davon in Bayern (3451). (welt.de 3.5.16)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.05.2016 um 20.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32486

Politik ist nicht die Kunst des Logischen . . .
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2016 um 19.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32485

Sie sprechen de re, ich de dicto. (Sachlich muß sie nicht, logisch kann sie nicht.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.05.2016 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32483

»Die Wehrpflicht kann nicht wiedereingeführt werden, weil sie gar nicht abgeschafft ist, sondern nur ausgesetzt.«
Richtiger müßte es heißen: »Die Wehrpflicht muß nicht wiedereingeführt werden (usw.).«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2016 um 16.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32480

Zweifellos, aber wollen wir deshalb die Unterscheidung aufgeben?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.05.2016 um 14.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32479

Ja, aber meine Frage ging mehr dahin, ob nicht das Wort wiedereinführen genauso variabel für diese verschiedenen Schritte verwendbar ist.

Ist wiedereinführen wirklich nur das Gegenteil von abschaffen, jedoch als Gegenteil von aussetzen gar nicht verwendbar?

Ich hätte gemeint, daß sich wiedereinführen und wiedereinsetzen in der Bedeutung zumindest überschneiden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2016 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32474

Ich bin kein Staatsrechtler, aber ich nehme an, daß es ganz verschiedene Schritte sind, die im Krisenfall zu tun wären.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.05.2016 um 02.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32473

Ob nun eine Sache wiedereingesetzt oder wiedereingeführt wird – kann man das nicht als synonym gelten lassen?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 02.05.2016 um 21.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32472

#32470: Noch eine Beobachtung zur Sprache: Wenn eine neue Partei aufkommt, sieht man ihr gern ein "Sammelbecken der Unzufriedenen". Das war auch bei den Grünen so. Ich höre darin einen abschätzigen Unterton, als sei es beinahe Bürgerpflicht, zufrieden zu sein."

Ich läse diesen Ausdruck eher als Hinweis, daß es a. nicht so einfach ist, genau festzustellen, was diese Leute denn eigentlich wollen, und b. daß die auch nicht angäben, wie ihre Wünsche zu erfüllen wären. Aber er zeigt natürlich auch, daß die Berichterstatter nicht der Sache professionell auf den Grund gehen. Der doch etwas implizierte Vorwurf hier erinnert mich ein bißchen an die Klage, mit der Welt keine rechte Verbindung herstellen zu können, und den Rat dazu: If you can't communicate with no-one nomore, then the least you can do is shut up. Und dem stimme ich eigentlich irgendwie zu.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2016 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32470

Die Wehrpflicht kann nicht wiedereingeführt werden, weil sie gar nicht abgeschafft ist, sondern nur ausgesetzt.

Noch eine Beobachtung zur Sprache: Wenn eine neue Partei aufkommt, sieht man ihr gern ein "Sammelbecken der Unzufriedenen". Das war auch bei den Grünen so.
Ich höre darin einen abschätzigen Unterton, als sei es beinahe Bürgerpflicht, zufrieden zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2016 um 07.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32462

(Übrigens habe ich eben hier meinen Namen als Theodor Schröder eingetragen, bin aber sonst ganz gesund. Ich komme gleich darauf zurück.]

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26957

Das Wort Gedankenexperiment wird anscheinend auch im Englischen gebraucht, obwohl es eine gute englische Entsprechung gibt. Neulich habe ich es in einer Folge der "Big Bang Theory" gehört, ich glaube, Sheldon Cooper erwähnte es im Zusammenhang mit Erwin Schrödinger. (Eine meiner Töchter schleppt uns diese Sitcom ins Haus, und ich muß gestehen, daß ich manchmal Tränen lache.)

Zu meinem Verschreiber: Ich wollte Schrödinger erwähnen, außerdem hatte ich kurz zuvor in der Zeitung etwas über berühmte Hannoveraner gelesen, auch Schröder, und kurz und zwanghaft daran gedacht, daß ich am selben Tage wie dieser geboren bin (aber ergraut bin). Also war der Schröder mehrfach aktiviert, und da man seinen eigenen Namen meist gedankenos eintippt, haben die Geister eine gute Gelegenheit, durch die dünne Decke des Bewußtseins zu brechen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.04.2016 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32452

Eine Gegenüberstellung muß nicht ausdrücklich als solche bezeichnet werden, um eine zu sein. Aber damit will ich es genug sein lassen, um nicht selbst Haare zu spalten.

(Ich habe noch die Meldungen zur Jodvorsorge in Belgien und den Niederlanden nachgetragen. Die dortigen Regierungen "kalkulieren" offenbar.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 29.04.2016 um 19.30 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32450

Lieber Prof. Ickler,

ich lege keineswegs Wörter auf die Goldwaage. Ob man es nun Aufrechnung, Vergleich oder Gegenüberstellung nennt: davon steht in dem Artikel nichts.

Ich bin auch der Meinung, daß man das Wort unkalkurierbar nicht auf die Goldwaage legen sollte. Es bedeutet nun einmal einfach unberechenbar. Das läßt sich ohne weiteres auf die naturgemäß schwankende Energieerzeugung durch den Wind anwenden. Daß das Wort unkalkulierbar bei Ihnen bestimmte Assoziationen hervorruft, können Sie doch nicht weiteres dem Autor des Artikels ankreiden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.04.2016 um 23.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32446

Gemeint ist natürlich mit mehreren »möglichen«, sich einander ausschließenden Eigenschaften.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.04.2016 um 22.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32445

Schon klar, lieber Germanist, aber würden Sie dann sagen,
Ein Millimeter mehr oder weniger bedeuten oder bedeutet eine zulässige Abweichung?

Bei und ist die Sache klar, nach zwei oder mehr Dingen ist die Mehrzahl angesagt. Bei oder im allgemeinen ist der Numerus wohl nicht ganz eindeutig, aber nach einem ausschließenden (entweder ...) oder, welches sozusagen die Anzahl 1 erhält, ist meiner Ansicht nach auch nur die Einzahl möglich.

Bei dem Beispiel ein halbes Grad mehr oder weniger besteht darüberhinaus erheblicher Zweifel, ob es überhaupt um zwei verschiedene Subjekte geht und nicht einfach nur um ein einziges Subjekt mit nur mehreren sich einander ausschließenden Eigenschaften?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2016 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32444

Lieber Herr Achenbach, manchmal ermahnen Sie uns, die Wörter nicht auf die Goldwaage zu legen, dann wieder tun Sie es selbst. Statt "Aufrechnung" hätte ich auch "Vergleich" oder "Gegenüberstellung" sagen können. Und bei "unkalkulierbar" tun Sie so, als wüßten Sie nicht, in welchem Zusammenhang diese Vokabel besonders oft gebraucht wird, sondern verstehen es absichtsvoll im harmlosen Sinne von "Der Wind weht, wann er will".
Jene Gegenüberstellung betrifft alternde Atomkraftwerke drüben und unregelmäßigen Wind hüben. Ist das ein sinnvoller Vergleich?
Heute steht schon wieder ein solcher Artikel von Mihm in der FAZ. Seine Einschätzung steht felsenfest. Hoffentlich irrt er sich nicht! (Mit Wackersdorf hatte die FAZ ja schon mal aufs falsche Pferd gesetzt und war dann in fast noch größerer Verlegenheit als die bayerische Staatsregierung.)

Nachtrag: „Nach dem Willen des belgischen Gesundheitsministeriums soll die Jodvorsorge ausgeweitet werden. Betroffen seien dann alle Bürger in einem Umkreis von 100 Kilometern um ein Atomkraftwerk, sagte eine Sprecherin der Behörde der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel.“ (focus.de 29.4.16)

„Die Niederlande haben 15 Millionen Jodtabletten geordert, die für den Fall eines Atomunfalls an die Bevölkerung verteilt werden sollen. Alle Kinder und Jugendliche im Land sollten neuen Richtlinien zufolge Tabletten bekommen, teilte am Freitag eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums mit.“ (focus.de 30.4.16)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.04.2016 um 18.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32441

Von einer „Aufrechnung der Risiken“ kann ich in dem Leitartikel von Andreas Mihm nichts entdecken. Er fragt doch nur, ob man auf deutscher Seite gerne so oberlehrerhafte Forderungen empfangen würde, wie sie Frau Hendricks sie gegenüber den Belgiern erhebt. Als ob die belgischen Behörden und Fachleute lauter Deppen wären.

Es ist richtig, daß über dieses Thema seit Jahren geredet wird, darunter auch kürzlich bei Gesprächen zwischen belgischen und deutschen Fachleuten. Im Februar hat Frau Hendricks mit dem zuständigen belgischen Innenminister gesprochen. Frau Hendricks ist also bestens informiert über die belgische Haltung. Die öffentliche Forderung nach erneuter Stillegung der fraglichen Reaktoren ist daher rein zum Fenster hinausgesprochen. Die Annahme, daß sie damit „innenpolitisch punkten“ wollte, ist daher nicht von der Hand zu weisen, zumal sie wohl nicht gerne hinter den rot-grünen Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Reinland-Pfalz zuückstehen möchte.

Es ist schließlich nicht zu bestreiten, daß die „naturgemäß unstete“ Windenergie bis zu einem gewissen Grad „unkalkulierbar“ ist, und daß dadurch die Gewährleistung der Netzstabilität auch bei unseren Nachbarländern erschwert wird. Zumindest die Polen sollen darüber bereits geklagt haben.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.04.2016 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32439

Jeder Maschinenbau-Lehrling lernt als erstes, daß eine Toleranz von z.B. +/– 1 mm einen Toleranzbereich von 2 mm bedeutet. (Maurer rechnen in cm.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.04.2016 um 10.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32434

Überschrift eines Artikels zur Weltklimaentwicklung, FAZ, 27.4.16, S. N1:

Ein halbes Grad mehr oder weniger können richtig wehtun

Guter Trick. Ein Euro in der rechten oder in der linken Hosentasche macht insgesamt schon zwei Euro.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2016 um 12.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32414

Man beachte das höhnische "pünktlich" (sachlich falsch, weil das Thema seit Jahren diskutiert wird) und besonders die Stelle, an der das ominöse Wort "unkalkulierbar" untergebracht ist, nämlich im Zusammenhang mit der naturgemäß unsteten Windenergie – suggeriert wird aber der Eindruck einer äußerst riskanten Angelegenheit. Die ganze Aufrechnung der Risiken ist natürlich monströs: alternde Atomkraftwerke an der deutschen Grenze gegen im Aufbau befindliche Windenergiesysteme.

Übrigens steht, das muß man fairerweise sagen, gleich auf der nächsten Seite derselben Ausgabe der Gastbeitrag einer Grünen zum selben Gegenstand.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.04.2016 um 11.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32413

Ein Land, das solche Wirtschaftsredakteure hat, darf sich nicht wundern, wenn die Leute massenhaft gegen Freihandel demonstrieren gehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2016 um 10.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32412

Man könnte einen Satz interpolieren, der das Ganze logischer erscheinen läßt.
Ich möchte hier keine Diskussion über die Atomenergie eröffnen, aber der Schluß des Artikels scheint mir doch bemerkenswert – selbst für den Wirtschaftsteil der FAZ:

„Der deutsche Weg in der Energiepolitik bleibt 30 Jahre nach Tschernobyl ein Sonderweg. Er ist auch kein Grund für moralische Überheblichkeit oder besserwisserische Ratschläge. Diese klangen unlängst durch, als Umweltministerin Barbara Hendricks pünktlich zum Tschernobyl-Jahrestag Belgien aufforderte, zwei Atommeiler wegen deutscher Sicherheitsbedenken einstweilen abzuschalten. Offenbar glaubt die Sozialdemokratin, mit dieser ungehörigen Einmischung in belgische Atomangelegenheiten innenpolitisch punkten zu können. Aber wie würde sie reagieren, wenn die unter unkalkulierbaren deutschen Windstromeinspeisungen leidenden Niederländer, Polen und Tschechen sie auffordern würden, die Energiewende so lange auszusetzen, bis Deutschland deren technische Konsequenzen endlich im Griff habe?“
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.04.2016 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32410

Der Fehler steckt doch im „sicher“. Kernkraftwerke sicher zu betreiben, ist gerade wegen der genannten Katastrophen vernünftig. Ihnen zum Trotz gibt es leider auch unsicheren Betrieb.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2016 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32408

Den Unglücken in Tschernobyl und Fukushima zum Trotz werden Hunderte Kernkraftwerke in aller Welt, auch in Deutschland, sicher betrieben. (Andreas Mihm in FAZ 26.4.16)

Wieso „zum Trotz“? Wenn ein Gerät kaputt ist, ein anderes noch nicht, ist das doch kein Widerspruch.

(Der Beitrag ist auch sonst logisch nicht kapitelfest.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.04.2016 um 14.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32348

A: Ich habe drei Kinder und der Nachbar vier.
B: Der Nachbar und ich haben gleich viele Kinder.

Wenn wir von der reinen Logik ausgehen, können A und B beide gleichzeitig wahr sein. Der Nachbar und ich können ja tatsächlich jeder z. B. genau 10 Kinder haben. Dann ist sowohl A wahr als auch B.

A': Ich habe nur drei Kinder und der Nachbar vier.

A' und B können aber nicht gleichzeitig wahr sein. Letztendlich bedeutet nur drei das gleiche wie genau drei, während vier in diesem Kontext mindestens vier bedeutet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2016 um 11.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32345

Stimmt, auch als gdw ist es bekannt, wenn auch nicht so häufig wie die englische Form, scheint mir. (Ich hatte auch bloß salopp den Ort bezeichnen wollen, an dem "nur" in der Logik vorkommt. Eigentlich ist es ein Notbehelf, weil einige Sprachen hier kein eindeutiges Wort bereithalten.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.04.2016 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32344

Dieses "nur" (im Sinne von ausschließlich) benutzt man nicht nur im Englischen, sondern z.B. auch in diesem Satz.
Und in Fachtexten:
"dann und nur dann, wenn" ist auch in deutschen Texten (Math., Phil.) Synonym für "genau dann, wenn".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2016 um 08.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32342

Die Häufigkeit und Unentbehrlichkeit der Partikel auch in der Allgemeinsprache steht in auffälligem Gegensatz zu ihrem Fehlen in der Logik. Die Logik erledigt alles mit und. Hermann Paul sieht den Unterschied darin, daß auch etwas nachträglich Hinzugefügtes einleitet, und etwas von vornherein Vorgesehenes.

Die Logik kennt auch kein nur und sogar. Wenn ich drei Kinder habe und der Nachbar vier, sieht ja jeder, daß es bei mir weniger, bei ihm mehr sind, das muß man nicht hervorheben. In der Logik ist ein bestimmtes nur allenfalls in
iff verkapselt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.04.2016 um 20.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32315

Das stimmt. Ich hatte Herrn Mahlmanns Beitrag als Forderung nach einem Hinweis auf die Unabhängigkeit der Gerichte verstanden, wie sie jetzt öfter vorgetragen wird, aber er sprach von »Strafverfolgungsbehörden«. Daß die klassische Theorie der Gewaltenteilung der Praxis oft nicht gerecht wird, weiß allerdings auch jeder (Gewaltenverschränkung usw.).
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 16.04.2016 um 19.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32314

Ein "allgemeiner Verweis auf die Gewaltentrennung in Deutschland" hilft schon deshalb nicht weiter, weil die Staatsanwaltschaft ja selbst Teil der Exekutive ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.04.2016 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32310

Von mir kann Merkel ja inzwischen auch keine Stimme mehr erhoffen, der Türkei-Deal ist grundfalsch, aber in der Sache Böhmermann muß ich ihr ausnahmsweise mal recht geben.

"Warum brät Merkel Erdogan eine Extrawurst?" – Hat sie doch gar nicht, Erdogan wird nur eingeräumt, was im Gesetz steht.

"Warum wird jetzt plötzlich der Staatsanwalt losgeschickt?" – Der wird nicht von Merkel geschickt, sondern von Erdogan.

"Warum hat Merkel nicht die Chuzpe zu sagen, daß sie nicht zuständig ist, wenn Erdogan eingeschnappt ist?" – Genau das hat sie doch gesagt.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 16.04.2016 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32308

Ich hatte es in der Tat nicht parat, daß die Regierung in solchen Fällen die Ermittlungen anstoßen muß; allerdings wird die Sache dadurch ja noch verrückter. Mit der gefällten Entscheidungen hält es die Bundesregierung offenbar für möglich, daß ein Staatsoberhaupt durch solch ein Gedicht ernsthaft beleidigt wird. Ich bin sicher, daß jeder Kanzler von Adenauer bis Schröder sich nicht darauf eingelassen hätte. Der hätte gesagt: "Herr Erdogan, stellen Sie sich nicht so an, Sie Mädchen!"

Der Hinweis darauf, daß auch Paragraphen angewandt werden müssen, die abgeschafft werden sollen, aber eben im Moment noch gelten, ist gewiß richtig; ist aber die Welt untergegangen dadurch, daß in der Vergangenheit Spottlieder und Schmähschriften gegen andere Staatsoberhäupter kein solches Gerichtsverfahren nach sich gezogen haben? Was wurde alles über George W. Bush gesagt? Welche Häme wurde über Königin Elisabeth II. von England verbreitet? Und der Papst ist das Oberhaupt des souveränen Staates Vatikan; ich brauche wohl nicht zu erwähnen, was der sich schon alles bieten lassen mußte.
Warum brät Merkel Erdogan eine Extrawurst? Warum wird jetzt plötzlich der Staatsanwalt losgeschickt? Warum hat Merkel nicht die Chuzpe zu sagen, daß sie nicht zuständig ist, wenn Erdogan eingeschnappt ist?

Merkel hat sich mit ihrer Flüchtlingspolitik in eine Notlage manövriert, und sie glaubt, auf Erdogan angewiesen zu sein, um dort wieder rauszukommen. Um Erdogan nicht zu verärgern, läßt sie Böhmermann über die Klinge springen. Das ist ein Armutszeugnis für ihre Politik.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.04.2016 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32300

In der ZDF-Sendung »aspekte« kommentierte Heribert Prantl den § 103 StGB gestern so:

»Mit demokratischen Gesellschaften hat so ein Paragraph nichts mehr zu tun. Warum soll die Ehre des Präsidenten Erdoğan oder des Präsidenten Obama oder von Herrn Hollande mehr wert sein als die Ehre von jedem anderen, der beleidigt wird? Das ist mit demokratischen Zeiten nicht mehr zu vereinbaren. Man sollte deswegen diesen 103 als Überbleibsel aus alten Zeiten schnell abschaffen und sollte sagen, es reichen die normalen Beleidigungsvorschriften, die für jeden gelten: Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung – all das wird bestraft, ob es nun um Heribert Prantl geht oder um Angela Merkel oder um Recep Erdoğan.«

Schon recht, man kann das so sehen. Aber dann gehört auch gleich der § 90 StGB abgeschafft. Warum soll die Ehre eines Herrn Gauck mehr wert sein als die des Herrn Prantl?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.04.2016 um 00.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32296

Zu #32293:

Das hätte aber in diesem Falle nicht genügt, weil § 104a StGB ausdrücklich eine Ermächtigung der Bundesregierung zur Strafverfolgung verlangt. Solange diese Vorschrift in Kraft ist und nicht für verfassungswidrig erklärt worden ist, hilft ein allgemeiner Verweis auf die Gewaltentrennung in Deutschland nicht weiter.

Geltendes Recht ist anzuwenden, selbst wenn die Regierung ihre Absicht bekundet, eine bestimmte Gesetzesnorm demnächst abzuschaffen. In einem funktionierenden Rechtsstaat werden Gesetze auch dann angewendet, wenn sie den Staatsoberen gerade nicht in den Kram passen. Genau das ist ja der Unterschied zu despotischen Systemen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 15.04.2016 um 23.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32295

Im Fall des § 103 sind die Strafverfolgungsbehörden in Deutschland eben nicht selbständig.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.04.2016 um 23.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32294

Was heißt hier »selbständig«? Die Staatsanwaltschaften sind bekanntlich immer noch weisungsgebunden.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 15.04.2016 um 23.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32293

Die einzig richtige Entscheidung wäre gewesen, auf das Grundgesetz und die Selbständigkeit der Strafverfolgungsbehörden in Deutschland zu verweisen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2016 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32288

Bitter kann ihre Entscheidung allenfalls für den TV-Komiker Jan Böhmermann sein, der sich nun aller Wahrscheinlichkeit nach vor Gericht für seine mehr oder minder gelungene Satire verantworten werden muss.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jan-boehmermann-und-angela-merkel-der-rechtsstaat-gibt-sich-die-ehre-a-1087518.html

(statt: müssen wird)

(Übrigens ein guter Artikel, aber dank Stimmungsmache in den Medien verstehen viele nicht, warum Merkels Entscheidung richtig, ja fast die einzig zulässige war.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2016 um 04.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32283

In mehreren Zeitungen wird Putin vorgehalten, daß er von 3 Mill. Fragen nur 80 beantwortet habe.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 14.04.2016 um 13.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32274

Noch zu Gudewill: Mit 18 war er für 11 Monate in der Partei. Erst 1937 trat er wieder ein, wegen des Fortkommens – wie der Plöner Musiklehrer Edgar Rabsch, den Paul Hindemith deswegen 1946 verteidigte. Der SA-Musikzug war vermutlich die einzige Gelegenheit an der Dithmarscher Westküste, als Hornist im Ensemble zu spielen. Welcher Musiker hätte darauf verzichtet!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.04.2016 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32272

Wenn jemand »alter Kämpfer« war und dann sogar zwischenzeitlich aus der Partei austrat, ist das sicherlich mitteilenswert. Die verpflichtende Mitgliedschaft in berufsständischen Organisationen ist es nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2016 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32270

Immerhin etwas entschiedenere Mitgliedschaft, wie man sie ja nicht selten gerade bei sonst schätzenswerten Autoren findet. Man gerät schon in einen Zwiespalt, wenn man das z. B. von bedeutenden Indogermanisten erfährt.

Kürzlich habe ich hier den Psychologen Walther Poppelreuter zitiert und den Namen absichtlich weggelassen...

Wenn jemand nicht gerade Verbrechen begangen oder von arisierten Lehrstühlen profitiert hat, könnte man solche biographischen Details auch weglassen. Es gibt allerdings Sprachwissenschaftler, bei denen das völkische Denken in die Theorie eingegangen ist. Den schwierigen Fall Weisgerber hatten wir schon erwähnt, weil er in die Vorgeschichte der Rechtschreibreform und die Selbstdarstellung der Reformer hineinspielt.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 14.04.2016 um 09.48 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32269

Bei Wikipedia nicht selten. Mir persönlich bekannt:

Kurt Gudewill (* 3. Februar 1911 in Itzehoe; † 29. Juli 1995 in Kiel) war ein deutscher Musikwissenschaftler. [...]
… 1944 wurde er habilitiert, 1945 Dozent und 1952 außerplanmäßiger Professor für Musikwissenschaft.[1]

Gudewill war Mitglied (Nr. 166.492) der NSDAP vom 1. November 1929 bis 1. Oktober 1930 und erneut ab 1. Mai 1937 (Nr. 4.782.103). Er gehörte der SA seit 1933 an und war Tenorhornist im Musikzug der SA-Standarte 85 Dithmarschen...

Kein Wort über seine wissenschaftlichen Leistungen und darüber, daß er jahrelang Präsident der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2016 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32267

Die Erwähnung der Nichtigkeiten fällt besonders auf, weil sonst nur ein paar biographische Daten mitgeteilt werden, aber nichts über seine Leistungen.
Dabei täte die Lektüre vielen wirklich gut, die heute mit Entdeckerstolz ihre neuesten Einsichten vortragen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.04.2016 um 19.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32265

Vor allem die Mitgliedschaft im Reichsluftschutzbund ist verwerflich. Schließlich hätte er ja auch mit der Taschenlampe den britischen Bombern den Weg zeigen können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2016 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32263

Der im Haupteintrag genannte Indogermanist Wilhelm Havers hat nicht sehr viele, aber sehr gute Schriften hinterlassen. Wikipedia teilt über ihn mit:

Havers war Mitglied in folgenden NS-Organisationen: Nationalsozialistischer Lehrerbund, Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, Reichsluftschutzbund und Reichsbund der Deutschen Beamten.

Also ein ganz schlimmer Finger, oder?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2016 um 09.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32225

Gunnar Bech hat sich vor langer Zeit mit "fehlerhaften" Konstruktionen dieses Typs beschäftigt:

Ich glaube es haben tun zu können.
Ich freue mich, ihn haben begrüßen zu dürfen.


(Gunnar Bech: "Grammatische Gesetze im Widerspruch", Lingua 12/1963: 291-299)

Das zu müßte bei haben stehen: Ich freue mich, ihn begrüßen dürfen zu haben (mit Ersatzinfinitiv dürfen statt gedurft).

Ersatzinfinitiv und Frühstellung sind zumindest im südlichen deutschen Sprachgebiet ganz geläufig, aber komplizierte Konstruktion wie die von Bech handelt sind überwiegen auf dem Papier zusammengedrechselt. Man findet kaum Belege:

Wieviel Gutes und Schönes muß er vorgehabt haben, und hat fort gemußt, ohne wirklich etwas haben tun zu können. (Elisabeth von Heyking. Tagebücher aus vier Welttteilen 1886-1904:48)

Der Nachweis, etwas nicht getan zu haben oder etwas nicht haben tun zu können, ist
logisch praktisch unmöglich.
(SPD: Stellungnahme 16/9, Landtag NRW)

Das schreckliche Erlebnis, daneben gestanden zu haben und nichts haben tun zu können... (Daniela Prousa: Psychoanalytische Betrachtungen zum möglichen Zusammenhang zwischen Borderline-Persönlichkeitsstörung und infantiler Missbrauchserfahrung. Universität Bremen 2007)

Man kann sicher noch etwas mehr ergoogeln, aber es ist kein Wunder, daß die Intuition der Sprecher für diese seltenen Fälle nicht ausreicht.

Ich gebe zu bedenken: Der Ersatzinfinitiv zeigt ja schon, daß der Sprecher den gesamten Verbkomplex nicht mehr analytisch durchschaut. Sprecher, die den Ersatzinfinitiv ständig gebrauchen, sind sehr erstaunt, wenn man sie darauf hinweist, daß an seiner Stelle "eigentlich" ein Partizip II stehen müßte. Studenten haben Mühe, die "ursprüngliche" Fassung zu rekonstruieren. (Daher auch Fehler von diesem Typ: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29544) So erklärt sich auch, daß das zu einfach vor den letzten Infinitiv gesetzt wird, wie es bei der zu-Konstruktion üblich ist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.04.2016 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32209

In Deutschland seit 1938 nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.04.2016 um 08.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32208

Nur etwa 32 Prozent aller Niederländer haben sich überhaupt am Referendum beteiligt. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung hat sich also noch nicht einmal ein Fünftel gegen den Plan der EU ausgesprochen. (ZEIT 7.4.16)

Wieder das Spiel mit der Bezugsgröße. Gibt es nach diesem Rechenverfahren überhaupt eine Regierung, die eine Mehrheit hinter sich hat?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2016 um 09.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32173

Bei Mossack Fonseca soll Medienberichten zufolge die Gründung einer Briefkastenfirma 1000 US-Dollar pro Jahr gekostet haben. Bei 300.000 Unternehmen ergibt das jährliche Erträge in Milliarden-Höhe. (focus.de 4.4.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2016 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32160

Kongruenzfehler beweisen, wie schon gesagt, daß Genus und Numerus wenig grammatische Nutzlast tragen. Natürlich werden solche Versehen in schriftlichen Texten meist ausgebessert, aber es gibt immer noch erstaunlich viele. Meist perseverieren das Genus oder der Numerus dicht davorstehender Nominalgruppen, seltener werden sie antizipiert:

Barbara Piatti hat eine Karte erstellt, auf denen die Wege der Figuren nachgezeichnet sind. (FAZ 2.4.16)

Hier werfen die Plurale ihren Schatten voraus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2016 um 08.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32108

Auch zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24479

Der SPIEGEL berichtet über die längst fällige Neuberechnung der relativen Armut in Deutschland. Die Karten sind recht interessant:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/armut-ob-sie-arm-sind-kommt-drauf-an-wo-sie-wohnen-a-1083908.html

Gesamtdeutsch leben wir hier in einer wohlhabenden Gegend, aber schon wegen der hohen Mieten und Immobilienpreise kommen viele Menschen im reichen Mittelfranken nicht besser zurecht als ihre Verwandten im armen Ostfriesland. Die Vernachlässigung der Kaufkraft fiel uns ja schon immer als grundlegender Fehler auf, auch im Vergleich der Staaten.

Auch interessant ist die Aufstellung, die der FOCUS bringt über die regionale Lebenserwartung. Demnach gehört Standal zu den Orten mit der geringsten Lebenserwartung, aber dort möchte ja sowieso niemand wohnen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.03.2016 um 23.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#32020

Aus dem ZDF-Heute-Journal, 21.3.2016, über das Jahr 2015:

Das Statistische Bundesamt registrierte einen Zuzug von knapp 2000000 Ausländern, darunter vor allem schutzsuchende Flüchtlinge. Zugleich zogen rund 860000 Ausländer fort, die meisten von ihnen EU-Bürger. Im Saldo blieben somit 1140000 Menschen in Deutschland, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 49%.

Auch im Saldo sind die 1140000 aber immer noch Zuzügler, nicht Hiergebliebene.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2016 um 07.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31993

In dem alten Buch "Die Bedingungen der Fehlsamkeit" von Arthur Kießling habe ich vor langer Zeit gelesen, daß der Mensch am frühen Nachmittag am fehlsamsten ist, also besonders nach dem Mittagessen; jahreszeitlich ist er im Sommer besonders fehlbar. Kießling hat wohl nicht an Nachtarbeit gedacht. Nachts fabrizieren die Nachrichtenredakteure abenteuerliche Überschriften, die ich Frühaufsteher dann beim Morgenkaffee lesen muß, heute z. B. Russisches Passagierflugzeug abgestürzt (SZ 19.3.16) (In Wirklichkeit eine Maschine von Flydubai, bei Rostow abgestürzt.)
Die Schmerzempfindlichkeit ist nach Mitternacht am geringsten, weshalb man seinen Zahnarzt am besten gegen 2 Uhr morgens aufsuchen sollte. Dumm ist natürlich, daß er gerade dann am fehlbarsten ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2016 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31991

Wie wenig das Genus noch "funktional belastet" ist, zeigt die riesige Menge von Kongruenzfehlern:

Diese Festlegung des Menschen auf das Tatsächliche findet nach Adorno seine Fortsetzung im Positivismus. (Wikipedia Adorno)

Diese Entwicklung, so Campbell, habe mit dem Zweiten Weltkrieg seinen nicht mehr zu überbietenden Höhepunkt gefunden. (Wikipedia Joseph Campbell)

(Die Richtung ist fast immer dieselbe: zum Neutrum/Maskulinum hin, auch unabhängig vom nächststehenden Substantiv.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2016 um 12.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31981

Wie die FR berichtet, will die AfD die Stigmatisierung von CO2 beenden, dazu ein Smogfoto von Pekinger Straßen:

Die Folgen von CO2 zeigen sich besonders deutlich in China. Doch für die AfD ist Kohlendioxid kein Schadstoff.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2016 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31964

Je länger er sprach, desto deutlicher wurde, dass er nicht nur um die Macht in Berlin, sondern auch in München bangt. (FAZ 15.3.16)

Ein Beispiel für die tägliche Unlogik. Korrekt wäre sondern auch die in München oder daß er um die Macht nicht nur in Berlin, sondern auch in München bangt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2016 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31953

Jan Grossarth titelt: Glyphosat rettet das Leben der Regenwürmer (FAZ 14.3.16). Er führt als Nachteil des Unterpflügens von Unkraut an, der Pflug „zerhäcksele“ die Regenwürmer. Wie jeder weiß, der seinen Garten umgräbt, zerhäckselt man dabei die Regenwürmer nicht, sondern zerschneidet ein paar, was aber gar nicht ins Gewicht fällt. Grossarth vergißt zu erwähnen, daß die Würmer von den Pflanzenresten leben, die teils untergepflügt, teils von den Würmern kunstvoll in ihre Gänge gezogen werden. Trotzdem scheint der neue Artikel etwas ausgewogener zu sein, vielleicht hat Grossarth entsprechende Zuschriften von Fachleuten des Ökolandbaus bekommen, die seine Glyphosat-Begeisterung gedämpft haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2016 um 08.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31952

Der Betrag steigt. Für die Alltagssprache ein kleines Problem.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.03.2016 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31939

Steigt die Temperatur auch, wenn sie unter den Gefrierpunkt fällt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2016 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31934

In vielen Medien wird berichtet, daß der Negativ- oder Strafzins (der allerdings offiziell nicht so heißt) gesenkt worden ist und vielleicht noch weiter gesenkt werden soll. Eigentlich steigt er.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.03.2016 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31906

14+2 war leichter zu verstehen, aber ein Druckfehler. Nachdem der nun auf 14+1 korrigiert wurde, versteht man die Rechnung aber gar nicht mehr. Deshalb sollte man wohl hinzufügen:
Trump gewann in Hawaii, Cruz in Idaho.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.03.2016 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31904

»Trump hat nun mittlerweile in 14 Gliedstaaten gewonnen. Die weniger wichtigen Ergebnisse aus Hawaii und Idaho, ebenfalls vom Dienstag, sind in dieser Zählung noch nicht inbegriffen«. (NZZ)
Warum nicht? (Hinweis an Beat Ammann: 14 + 1 = 15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2016 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31872

Vielleicht kann man sich darauf einigen, daß der Verbraucher wissen sollte, was er verbraucht, und daß man ihm keine Alternativen vorenthalten sollte.
Heute bringt die FAS eine Übersicht über Glyphosat, durchaus chemiefreundlich, aber mit so vielen ausdrücklich genannten Unwägbarkeiten und Unbekannten, daß die einzige seriöse Schlußfolgerung nur jener Grundsatz der Aufklärung und Entscheidungsfreiheit sein kann.
(Am Schluß wird die alternative Unkrautbekämpfung durch Unterpflügen zwar genannt, aber wegen des hohen Arbeitsaufwandes und der Bodenerosion kritisch beurteilt. Letzteres leuchtet mir nicht ein, da die ökologische Landwirtschaft meines Wissens die Bodenerosion durchaus zu verhindern weiß. Andererseits sind die von allem Kraut entblößten Maisanbauflächen sehr wohl der Erosion ausgesetzt, wie ich hier jedes Jahr beobachte. Das ist dem modernen Landwirt vielleicht nicht so wichtig, weil der Boden für ihn ohnehin nur Substrat für den Kunstdünger ist?)
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 05.03.2016 um 17.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31871

Zu #31814

Es gibt viele Leute, die da anderer Meinung sind. Es geht ja nicht nur darum, ob wir leben, sondern auch wie. Eine Sache, die zuerst als ''gut'' oder ungefährlich erscheint, kann sich im Laufe der Zeit sehr wohl als problematisch herausstellen.

Ein Grenzwert bedeutet aber auch nicht, daß unterhalb dieses Grenzwertes keine Gesundheitsgefährdung vorliegt.

Wenn man bedenkt, wieviel den Bürgern an Information vorenthalten wird, ohne daß man einen vernünftigen Grund dafür sehen kann, siehe z. B. hier: https://www.change.org/p/bitte-erteilen-sie-auskunft-%C3%BCber-tierversuche-in-hamburg?utm_source=petition_update&utm_medium=email/, dann muß man davon ausgehen, daß bestimmte Dinge eben doch oberfaul oder gefährlich sind, trotz anderweitiger Beteuerungen der Behörden oder der offiziellen Wissenschaft. Die Industrie hat einiges zu verlieren, wenn plötzlich keiner mehr ihre minderwertigen Produkte kauft.

Jemanden, der sich Gedanken über solche Sachverhalte macht, als ''Verschwörungstheoretiker'' abzutun kommt einem Denkverbot gleich. Es ist schon schlimm genug, daß sich so ein Wort als ''Totschlagargument'' eingebürgert hat.

Siehe dazu auch: Verschwörungstheorien erweisen sich immer öfter als wahr

http://www.zentrum-der-gesundheit.de/verschwoerungstheorien-ia.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2016 um 15.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31869

Der Dopplereffekt (...) ist jedem bekannt, wenn er am Straßenrand genau hinhört. Je weiter sich ein Auto entfernt, desto mehr "dehnt" sich das Geräusch. (FAZ 5.3.16, zu Ehren Hubbles)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.02.2016 um 18.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31814

Lieber Prof. Ickler,

vor 200 Jahren wären wir auch nicht an A. B oder C gestorben. Wir wären wahrscheinlich schon längst tot. Wenn wir heute noch leben, dann vermutlich dank der Erfolge von Medizin und Chemie. Der Nachteil sind nun einmal die Grenzwerte. Daß es verschiedene Grenzwerte gibt, liegt daran, daß diese verschiedenen Zwecken dienen.

Ein Grenzwert allein bedeutet aber noch nicht, daß oberhalb dieses Grenzwertes eine Gesundheitsgefährdung vorliegt. Es sind die Grünen und zahllose NROs, die dies gerne suggerieren, um mit ihren andauernden Tatarenmeldungen Wählerstimmen und Spendengelder zu ergattern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2016 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31808

Übrigens hatten wir fast die gleiche Diskussion schon mal: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=420#18519

Zufällig lese ich gerade heute in der FAS, daß "Wildpilze je nach Art und Standort noch erheblich radioaktiv belastet" sind. Auch daran werden wir nicht sterben. Ist das beruhigend? Wir werden nicht an A, B oder C sterben, weil wir sterben werden, bevor wir an A, B oder C sterben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2016 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31807

Weder Sie noch wir Verschwörungstheoretiker werden an Glyphosat sterben, eher am Alkohol, insofern sind wir schon mal im Unrecht. Damit ist aber die Frage nicht beantwortet, warum wir uns überhaupt mit Glyphosat im Wasser, im Bier usw. abfinden müssen, warum es also überhaupt Grenzwerte geben muß (und warum es nicht immer und überall dieselben sind). Wird nicht versichert, der Stoff baue sich in kurzer Zeit ab, so daß in Nahrungsmitteln eigentlich gar nichts mehr nachweisbar sein dürfte?
Nein, ich bin kein Verschwörungstheoretiker, schlage mich vielmehr seit je mit solchen herum, weil ich eher zum Abwägen neige. Um so mehr fiel mir auf, daß Herr Grossarth, sonst so gescheit, allein bei diesem Thema geradezu ausfällig wird. Es gehört schon einiges dazu, Andersdenkende ohne weiteres der "Hysterie" zu bezichtigen. Aber zu einem Teil der FAZ paßt es natürlich bestens.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2016 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31806

Warum sollte man erwähnen, daß Bier Alkohol enthält? Das ist keine Nachricht.
(Und Mikrogramm klingt so schön klitzeklein...)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.02.2016 um 23.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31805

Die Monsantokritiker nörgeln Ihrer Ansicht nach vermutlich in derselben Ecke wie die Verwörungstheoriker, die den Waffengeschäften großer Konzerne humanitäre Ziele absprechen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 27.02.2016 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31804

Angesichts der Lächerlichkeit des neusten Angriffs auf Glyphosat durch ein sog. „Umweltinstitut“ empfinde ich den Beitrag in der FAZ eher als zurückhaltend.

Da werden also angeblich einige Mikrogramm Glyphosat im Bier gefunden. Wir werden belehrt, daß Glyphosat von einer Expertengruppe der WHO seit kurzem als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingeschätzt wird. Daß normales Bier einige Gramm Alkohol enthält, und Alkohol von derselben Expertengruppe als eindeutig krebserregend gewertet wird, wird nicht erwähnt.

In Wirklichkeit geht es gar nicht um Glyphosat, sondern um Monsanto und die Gentechnik. Monsanto ist wegen seiner Gentechnik für Grüne und andere Umweltbewegte der wahre Gottseibeiuns. Alles was Monsanto schädigt, ist erlaubt, selbst wenn man dabei Mütter vom Stillen abhält.

Man muß schon Anhänger von Verschwörungstheorien sein und glauben, daß die Experten der EU und des Bundesinstituts für Risikobewertung alle mit Monsanto unter einer Decke stecken, um auf derartige Kampagnen hereinzufallen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2016 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31799

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28882

Jan Grossarth polemisiert schon wieder gegen die Glyphosat-Kritiker, wiederum sehr heftig im Ton:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kommentar-gruenes-biergift-theater-14091018.html

Ich bin nicht der einzige, der sich über diesen Eifer wundert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2016 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31745

Noch ein paar Zahlenspiele:

Nach Ermittlungen der österreichischen Arbeitsagentur haben 90 % der Iraner Hochschulreife oder Berufsausbildung, 73 % der Iraker, 67 % der Syrer. (FAZ 20.2.16)
Ludwig Wößmann vom Ifo-Institut kennt die österreichischen Zahlen, nennt sie aber „nicht repräsentativ“. Er selbst hat keine anderen, sondern stellt nur Vermutungen auf. Über seinem Beitrag in der FAZ vom 22.2.16 steht: „Die große Mehrheit der Asylbewerber hat kaum schulische Bildung. 65 Prozent der Syrer erreichen nicht einmal das Pisa-Grundniveau.“ Das muß jeder Leser so verstehen, als bezöge sich die Angabe auf die syrischen Asylbewerber. Erst im Text wird klar, daß es beim Test um die Bevölkerung in Syrien ging. Wößmann gibt zu, daß das Niveau der syrischen Zuwanderer höher sein könnte. - Die Probleme sind groß, aber diese tendenziöse Darstellung ist nicht gerade hilfreich.
Einig sind sich alle in einem Punkt: Das Problem ist die Sprache. Daraus folgt eigentlich, was vordringlich zu tun ist.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2016 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31731

Im US-Bundesstaat Michigan hat ein Bewaffneter offenbar wahllos auf Menschen geschossen. (tagesschau.de 21.2.16)

Wäre er nicht bewaffnet gewesen, hätte er nicht schießen können.

Zum selben Vorfall:

Schütze feuert auf Passanten

Zum Schützen wurde er gerade durch dieses Feuern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2016 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31697

Deutsche Ökonomen kritisieren die Asylpolitik. Die Mehrheit bezweifelt wirtschaftliche Vorteile durch den Flüchtlingszustrom. (FAZ 18.2.16)

Aus dem Artikel geht hervor: 40 % der Befragten erwarten Nachteile, 23 % Vorteile, der Rest ist unentschieden. „Eine relative Mehrheit erwartet eher (!) Nachteile für das Land. Das sagen 40 Prozent.“ Man hätte also titeln können: Die Mehrheit erwartet keine Nachteile. Überraschend ist vor allem die große Unsicherheit in dieser ökonomischen Frage. (Die Befragung wurde vom Ifo-Institut durchgeführt, das für seine Einstellung in dieser Frage bekannt ist.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 17.02.2016 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31688

Das wäre ja noch schöner, wenn der Geburtsmonat einen "entscheidenden Einfluss" auf die Gesundheit anderer hätte.
 
 

Kommentar von Wikipedia-Leser, verfaßt am 17.02.2016 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31686

Zu:

ASASSN-15lh ... und übertraf damit den bisherigen Rekordhalter um mehr als das Doppelte

>Um mehr als das Doppelte übertroffen, d. h. insgesamt mehr als dreimal so hell?

Richtig.

Für Wikipedia hat jemand stumpf bei heise abgeschrieben, wo es genauso falsch steht. Ein Versuch, den Wikipedia-Artikel zu korrigieren, ist offenbar von einem "Super-Administrator" verhindert worden. Noch krasser finde ich allerdings Formulierungen wie "ist um das Dreifache kleiner". Daß man dabei ins Negative rutscht, merkt niemand, obwohl jeder, der so etwas schreibt, seinen Grundschulabschluß zurückgeben müßte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.02.2016 um 10.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31685

Sensationelle Meldung des Deutschlandfunks heute um 9.30 Uhr:

"In Griechenland sind in den vergangenen Tagen deutlich weniger Flüchtlinge angekommen als noch zu Beginn des Jahres. Wie die internationale Organisation für Migration mitteilte, wurden in der ersten Februarhälfte gut 16000 Menschen gezählt. Im gesamten Januar waren es 62000, fast viermal so viele."

Wären es im ganzen Januar nur doppelt so viele Menschen gewesen wie im halben Februar, wäre das ja schon ein enormer Rückgang gewesen. Aber sogar das Vierfache!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2016 um 06.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31680

Wissenschaftler des Medical Research Council der University of Cambridge haben herausgefunden, dass der Geburtsmonat einen entscheidenden Einfluss auf die eigene Gesundheit im Erwachsenenalter hat.

Usw., diese Meldung kommt ja jedes Jahr aufs neue, und manchmal (wie im SPIEGEL vor zehn Jahren) sind die Befunde gerade umgekehrt, aber ebenfalls entscheidend!

Und: Weitere Untersuchungen sind nötig...

(Diesmal entfuhr mir: "Meine armen Töchter!" – bis ich anderswo las, daß sie es als Winterkinder gut haben, während ich selbst höchst gefährdet bin.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.02.2016 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31658

Zu #31321, der MM schrieb am 23.1.16 in seiner Wochenendbeilage auf S. 10:

Die sogenannte Supernova mit der Katalognummer ASASSN-15lh erstrahlte hell wie 570 Milliarden Sonnen und übertraf damit den bisherigen Rekordhalter um mehr als das Doppelte, wie Astronomen um Subo Dong vom Kavli-Institut für Astronomie und Astrophysik an der Universität Peking im US-Fachblatt "Science" berichten.

Um mehr als das Doppelte übertroffen, d. h. insgesamt mehr als dreimal so hell?

Auf der Seite des Kavli-Instituts steht aber:
more than twice as luminous as the previous record-holding supernova
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2016 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31656

Noch einmal zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30363

beziehungsweise und die schnell hingeworfene Abkürzung bzw. kann man allenfalls verwenden, wenn mehrere Fälle erwähnt sind und man sich dann der Reihe nach auf jeden einzelnen bezieht, aber selbst dann gibt es bessere Möglichkeiten. Alles andere ist unklar und lästig. Gerade wollte ich einen längeren Text (200 Seiten) von bzw. reinigen, stellte aber mit Erleichterung fest, daß ich es ohnehin kein einziges Mal verwendet hatte, außer in Zitaten, die denn auch alle ziemlich dumm waren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2016 um 11.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31643

Durch alle Medien geistert die Meldung, daß 5,5 Mill. Menschen "vorzeitig" durch die Luftverschmutzung sterben, aber in keinem Bericht wird gesagt, um wieviel vorzeitig. Zehn Tage, zehn Jahre? Sinnlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2016 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31527

Seit einigen Tagen geht durch die Medien, daß 10.000 bzw. (für Deutschland) 5.000 allein zugewanderte Kinder und Jugendliche "verschwunden" sind oder "vermißt werden" bzw. "als vermißt gemeldet" sind. Es steht aber nicht dabei, wer sie als vermißt gemeldet hat, anscheinend keine Angehörigen. Der Kinderschutzbund befürchtet das Schlimmste.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2016 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31526

Dasselbe noch einmal mit Kant:

Meine Freiheit, ohne Arbeit zu leben, stößt dort an eine Grenze, wo die Freiheit des anderen beginnt, die Früchte seiner Arbeit selbst zu genießen.

Oder mit dem kategorischen Imperativ: Es kann kein allgemeines Gesetz geben, wonach niemand zu arbeiten braucht. Denn dann würden die Güter und Dienstleistungen fehlen, von denen der einzelne leben könnte.

Nur als einsamer Jäger und Sammler in einem Niemandsland wäre ich ganz frei. Allerdings gibt es dort weder Steuern noch Grundeinkommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2016 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31519

Ein Gastbeitrag in der ZEIT spricht sich für das "bedingungslose Grundeinkommen" aus. Da eine meiner Töchter darüber vor langer Zeit eine Diplomarbeit geschrieben hat, interessiert mich das Thema auch. Der neue Aufsatz steht unter dem Titel "Geld für wirkliche Freiheit".

Nun ist es jetzt schon schwer, in unserem Sozialstaat zu verhungern. Neu wäre nur, daß der Zwang zur Arbeit entfällt. Der ist allerdings auch jetzt schon schwer durchsetzbar, weil viele aus vielen Gründen dem Arbeitsmarkt "nicht zur Verfügung stehen".

Die Hoffnung, daß es funktionieren könnte, spricht sich in zwei Sätzen aus, die ein traditionelles Argumentationsschema bilden:

1.000 Euro monatlich würde den meisten wohl nicht reichen.
...
Auch über die Finanzierung des Grundeinkommens wird heftig gestritten. Doch aufgrund des hohen Produktionsniveaus und unter dem Eindruck etlicher seriöser Studien scheint dies eher eine Frage des politischen, denn des ökonomischen Willens. Die Studien gehen davon aus, dass das Grundeinkommen bei entsprechender Besteuerung bezahlbar wäre.


Das letztere kennen wir aus der marxistischen Utopie: Die Produktivität der Maschinen soll den Müßiggang ermöglichen, oder allenfalls vier Stunden Arbeit, dann angeln, malen, Fußball gucken. Das kann wohl als widerlegt gelten. Tückisch ist die nebenbei erwähnte Besteuerung. Mein Grundeinkommen wäre ein Rechtanspruch gegen meinen erwerbstätigen Nachbarn; nur leicht verschleiert durch den zwischengeschalteten anonymen "Staat", aber das täuscht den Nachbarn nicht: er weiß sehr wohl, daß ich auf seine Kosten lebe. Warum sollte er das hinnehmen?
Der erste Punkt widerlegt das ganze Projekt: Wenn ich mit 1000 € nicht so leben kann, wie ich es möchte – wo bleibt dann die "wirkliche Freiheit"? Ist es nicht die oft karikierte Freiheit, unter Brücken zu schlafen?
Wirklich frei ist man nur im Schlaraffenland.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2016 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31479

„Das menschliche Gehirn verfügt über 2 mal 10 hoch 10 Neuronen, von denen sich 95% nur mit hirneigenen Prozessen beschäftigen, und sie tun dies dadurch, dass jedes Neuron mit jedem [!] anderen Neuron über durchschnittlich 10 hoch 4 synaptische Verknüpfungen verbunden ist.“ (Ralf Erkwoh/Gerhard Blanken, Hochzahlen aufgelöst)

Das kann nicht sein, und der erste Teil ist auch problematisch, da sich Neuronen nicht „mit etwas beschäftigen“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2016 um 05.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31452

Das Wortpaar abstrakt und konkret taucht erstmals im späten Mittelalter bei dem Philosophen Boethius auf. (Judith Schrauf: Vom Konkreten im Abstrakten. Diss. Marburg 2011:19)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.01.2016 um 18.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31450

Systemproblem fordert unzählige Verkehrstote in China

Ein Autofahrer fährt in China einen Jungen an. Statt dem Kind zu helfen, fährt er noch mehrere Male über den Körper, um sicherzustellen, dass das Opfer wirklich tot ist. Diese als "Doppelschlag" bezeichnete Methode ist in China keine Seltenheit. Schuld ist ein Systemfehler, bei dem es Fahrer günstiger zu stehen kommt, wenn ihr Verkehrsopfer stirbt.
(n-tv.de 24.1.16)

Diese Schauergeschichte geistert seit etlichen Jahren durch die Medien, wird auch durch ein sehr verschwommenes Video belegt. Soviel ich weiß, gibt es keinen Beweis, schon gar nicht für "unzählige" Opfer.

Dagegen wäre interessant zu wissen, was sich die Autofahrer gedacht haben, als sie gestern über einen Toten auf der deutschen Autobahn bretterten, ohne anzuhalten. Ich bin ja kein Autofahrer, aber merkt man wirklich nichts davon?

Aus meiner Zeit in Indien kann ich dagegen berichten, daß Autofahrern, wenn sie auf dem Lande einen Menschen oder eine Kuh anfahren sollten, geraten wurde, sich schnell davonzumachen und erst dann bei der Polizei zu melden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.01.2016 um 15.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31447

Wikipedia

"Martinsches Gesetz (sic!)

Wenn man in einem Lexikon ein Wort nachschlägt, um sich seine Bedeutung zu erschließen, so wird dieses Wort durch andere Wörter erklärt. So steht im Duden. Deutsches Universalwörterbuch (²1989) für Sessel als wesentliche Erläuterung: Sitzmöbel. Kann man mit dem Erklärungswort Sitzmöbel nichts anfangen, so schlägt man auch dieses wieder nach und erfährt dazu: Möbel. Für Möbel erhält man: Einrichtungsgegenstand und als Erläuterung dazu wiederum Gegenstand. Auf diese Weise lassen sich für beliebige Stichwörter „Definitionsfolgen“ des Typs Sessel – Sitzmöbel – Möbel – Einrichtungsgegenstand – Gegenstand bilden, die dadurch gekennzeichnet sind, dass speziellere Ausdrücke durch immer allgemeinere ersetzt werden. Führt man dieses Verfahren für viele Wörter durch, ergeben sich Ebenen, die bei den spezifischen Stichwörtern (im vorgestellten Beispiel eben Sessel) beginnen und bei sehr allgemeinen Ausdrücken (hier: Gegenstand) enden. Diese Ebenen sind vom Speziellen zum Allgemeinen hin von immer weniger Ausdrücken belegt.“

(Zum Erkenntniswert dieser Überlegungen - sind sie mehr als trivial? - will ich mich hier nicht äußern.)

Dabei geht verloren, daß die Wörterbuchausdrücke nicht in gleicher Weise zu einem wirklichen Sprachausschnitt gehören. Sessel ist ein allgemeinsprachliches Wort, Sitzmöbel schon weniger. Möbel steht nicht einfach höher in der Hierarchie, sondern schräg dazu, wie Besteck zu Messer und Gabel. Auch Einrichtungsgegenstand ist kaum üblich. Wann gebraucht der gewöhnliche Sprecher Gegenstand?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.01.2016 um 11.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31438

Es scheint mir, daß bei Substantiv-Zusammensetzungen manche Konsonanten-Kombinationen kein Genitiv-s des Bestimmungswortes vertragen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.01.2016 um 21.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31433

Ich glaube, schon die Bindestrich-Schreibung "Dorf-Älsteste(r)" würde anzeigen, daß nicht die Standardbedeutung gemeint ist. Eigentlich ist es ein versteckter Genitiv "des Dorfes".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31432

Ein gutes Beispiel. Gerade die Zusammensetzung weist darauf hin, daß ein spezialisiertes Benennungsbedürfnis vorgelegen hat (nicht vorgelegen haben muß). Die ältesten Dorfbewohner würden in der Allgemeinsprache normalerweise nicht als Dorfälteste bezeichnet. Es ist aber möglich (Ad-hoc-Zusammensetzungen als syntaktisches Mittel besonders im heutigen Deutsch).
Der Plural verändert die Bedingungen der Artikelsetzung nochmals.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.01.2016 um 16.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31430

Den Ältesten gibt es ja schon. Er ist Dorfältester kann bedeuten, daß der Betreffende einer von mehreren ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31428

Wenn man den Telegramm- und Schlagzeilenstil einbezieht, werden die grammatischen Regeln ziemlich unüberschaubar, ich würde das auslagern (wenn auch nicht ignorieren, da haben Sie recht). Interessanter ist aber der denkbare Übergang zur "Rollensyntax", wenn nämlich irgendeine Gemeinschaft dazu käme, den Posten oder eben die Rolle "ältester Mann" zu vergeben, also etwa wie: "Ich bin jugendlicher Liebhaber am Stadttheater".
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.01.2016 um 12.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31427

Natürlich – aber Schlagzeilen zählen ja trotzdem zur Schriftsprache dazu, weshalb der Asterisk wenigstens erläuterungsbedürftig ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.01.2016 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31426

Schlagzeilen sind oft Übersetzungen oder Verkürzungen ausformulierter Sätze und folgen besonderen Regeln: »Ältester Mann der Welt gestorben«, »CDU-Spitze bleibt bei Nein zu Obergrenze« und »Deutsche Bank mit Rekordverlust«. Wer eine Fremdsprache lernt, weiß ein Lied davon zu singen. Es kann sein, daß man in einer Sprache eigentlich schon sehr fit ist und trotzdem noch ratlos vor mancher Zeitungsüberschrift steht. Niederländische Schlagzeilen etwa kann man wirklich als Sondersprache bezeichnen, die man erst mal erlernen muß.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.01.2016 um 11.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31425

Zumindest in Schlagzeilen ist »ist ältester/größter Mann der Welt« vielfach belegt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 10.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31422

Lieber Herr Markner, ich habe mir den Scherz erlaubt, der falschen Logik zu folgen, die nicht zwischen der Rolle und ihrem Träger unterscheidet. Dann wäre "der Bundespräsident" identisch mit "Gauck", und man könnte das GG so lesen, wie ich es, als Reductio ad absurdum, zu lesen vorgegeben habe. Nichts für ungut, es war sehr verkürzt!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.01.2016 um 01.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31417

Na ja, lieber Germanist, Ihre letzten Beiträge zum Thema Grenze und Flüchtlinge (Selbstschußanlagen usw. a la DDR) sind halt sehr stark satirisch überzeichnet. Und wenn ein Wort mehrere Bedeutungen hat, kann man das vor allem auch sehr effektvoll für solche Satire ausnutzen, indem man z. B. das harmlos klingende Wort Einwanderer in Kontrast zu Stacheldraht, Eisernen Vorhang usw. setzt. Ich finde, diese Übertreibungen nicht fair, deshalb versuche ich eben, sie zu entlarven.

Sehen Sie, auch hier schon wieder, Sie benutzen (ganz im Einklang mit unseren Leitmedien) das Wort Flüchtlingsgegner. Wer ist denn ein Flüchtlingsgegner? Meinen Sie damit Leute wie mich, die gegen Masseneinwanderungen aus fremden Völkern sind? Ich bin sicher kein Flüchtlingsgegner, ich würde Flüchtlingen im konkreten Fall auch helfen. Hätten Sie statt dessen Regierungsgegner geschrieben, wäre ich mit dem Satz einverstanden. Warum aber muß es unbedingt Flüchtlingsgegner sein? Na klar, mit Regierungsgegner kann man rhetorisch nichts anfangen, es ist schließlich in einem sich immer noch demokratisch gebenden Staat nichts Besonderes, gegen die Regierung zu sein. Aber Flüchtlingsgegner, Gegner der Unschuldigen, da kochen die Gefühle hoch, sowas darf man doch nicht, ein sehr gutes Wort, den politischen Gegner zu diffamieren.

Ich möchte einfach dafür werben, sich bei der Wortwahl ein bißchen bewußter zu machen, was es wirklich bedeutet, ob es das ausdrückt, was man sagen will, oder ob man sich damit vielleicht zum Handlanger einer "schönfärberischen Berichterstattung" (R.M.) macht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.01.2016 um 00.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31416

Ich habe wohl den Fehler gemacht, "Einwanderer" ganz wörtlich als substantiviertes, mittels Präfix von "wandern" abgeleitetes Verb zu verstehen. Die Flüchtlinge "wandern" ja zu Fuß über die Grenze, also sind sie in diesem Moment "Einwanderer" nach Deutschland, und genau wörtlich das wollen die Flüchtlingsgegner verhindern. Wenn ein Wort mehrere Bedeutungen hat, kann man sehr schön aneinander vorbeireden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.01.2016 um 22.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31413

#31410:

Man braucht Deutschland nicht vor Einwanderern zu schützen. Einwanderer greifen Deutschland nicht an, sie würden sich ja selbst schaden.

Niemand auf dieser Erde kann sich selbst zu einem Einwanderer nach Deutschland erklären. Deutschland bestimmt, auf Antrag wer Einwanderer wird und wer nicht. Zumindest sollte es so sein.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.01.2016 um 21.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31411

In Grönland müßte jeder Einwohner rund 79 000 cm Küste schützen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.01.2016 um 21.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31410

Um Deutschland vor Einwanderern zu schützen, muß ein viel größerer Teil der Deutschen bei Polizei, Grenzschutz und Bundeswehr beschäftigt werden, und müssen die dadurch der Wirtschaft fehlenden Arbeitskräfte durch Einwanderer ersetzt werden. Klingt unsinnig, und ist es auch. Außerdem müssen auch die ausreisenden Fahrzeuge kontrolliert werden, ob sie z.B. für Flüchtlinge Bolzenschneider gegen Stacheldrahtzäune mitführen; Wackersdorf läßt grüßen. Alte Schmugglerwege werden wiederbelebt werden, auf denen man "schwarz", d.h. mit geschwärztem Gesicht, über die Grenze schleichen kann. Oder es braucht einen Eisernen Vorhang mit Selbstschußanlagen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.01.2016 um 20.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31409

Da hat Sinn sogar die Nord- und Ostseeküste mitgezählt.
Ich mußte über die ungewöhnliche Rechnung auch erst lachen, aber nach dem Zitat geht es auf onetz.de so weiter:
In Dänemark seien es 130 cm, in Schweden 56 cm, in Ungarn 22 cm.
Es kam ihm also auf einen Vergleich der Grenzlänge mit anderen EU-Staaten an, die er dafür anhand der Bevölkerungsgröße normierte, was ich dann doch gar nicht so lächerlich finde.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.01.2016 um 18.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31408

Im Grundgesetz steht, daß Gauck die Minister ernennt? Es so zu formulieren ist doch wohl eine Stilblüte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2016 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31407

"Hans-Werner Sinn nennt die Behauptung falsch, Deutschland könne seine 6000 Kilometer Grenze schon aus technischen Gründen nicht schützen. Denn gemessen an seiner Bevölkerungszahl habe Deutschland extrem kurze Grenzen. Seiner Rechnung zufolge würden auf jeden Bundesbürger gerade einmal 7,4 cm an Grenzlinie entfallen."

Also wenn sich nur zehn Prozent der Deutschen lückenlos an den Grenzen aufstellen, kommt kein Flüchtling mehr durch! Heiße Getränke liefert die Bundeswehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2016 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31381

In Japan ist gerade der älteste Mann der Welt gestorben. Jetzt gibt es also keinen ältesten Mann der Welt mehr.
Die Zweideutigkeit von Kennzeichnungen (definite descriptions) ist im Anschluß an Donnellan sehr oft diskutiert worden (referentiell vs. attributiv). Natürlich weiß im Grund jeder, wie es funktioniert, es ist mehr eine Frage der logischen oder linguistischen Darstellung.
Der Bundespräsident ernennt die Minister auf Vorschlag des Bundeskanzlers. Gauck ist Bundespräsident, folglich steht im Grundgesetz, daß Gauck die Minister ernennt, und zwar auf Vorschlag Merkels, und zwar ernennt er Gabriel, von der Leyen, Dobrindt usw. (Letzterer will gerade entlassen werden, damit sein Chef Seehofer nicht eigenhändig die Koalition sprengen muß.)
Die Kennzeichnung nennt also einmal die Rolle, einmal das Individuum, das die Rolle jeweils spielt. Das gibt es in vielen Varianten, die sich auch sprachlich unterscheiden. Zum Beispiel im Artikelgebrauch: Er ist Bundespräsident – aber nicht: *Er ist ältester Mann der Welt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2016 um 14.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31359

„Millionen Jobs fallen weg“ - schreit die FAS in die Welt hinaus. Der Text unter der Schlagzeile erklärt, warum diese Prognose zu den Folgen der Automatisierung wertlos ist: Man kann zwar einigermaßen voraussagen, welche Stellen wegfallen, aber nicht, welche neuen entstehen.

Nachdem man beschlossen hat, die Sanktionen gegen Iran aufzuheben, beschließt man, daß Iran die Voraussetzungen dafür erfüllt hat. Geht doch, und das Gesicht ist auch gewahrt. (Nur Israel jubelt nicht mit.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2016 um 07.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31321

In den Medien kann man eine „künstlerische Darstellung der Supernova ASASSN-15lh“ bewundern. Solche Abbildungen sind wertlos, besonders dann, wenn sie wie hier auch noch jenen Strahlenkranz zeigen, der ja nur ein Abbildungsfehler unserer Instrumente ist und bei einer zeichnerischen Darstellung füglich wegfallen könnte. (Genaueres hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1396#24557)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2016 um 03.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31315

Oft liest man 68iger usw., auch in Büchern. Der Fehler wird kaum je bemerkt. Der Mechanismus ist ungefähr: Da ist die Ziffer/Zahl, und dazu kommt das Suffix.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2016 um 09.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31302

(Zugleich zu "Gutmenschen"):

„Wenn wir bereit wären, pro Jeans einen Euro mehr zu bezahlen, könnte eine Näherin in Asien dafür statt 15 bis zu 40 Cent bekommen.“

Ich konnte mich vor längerer Zeit selbst davon überzeugen, daß die Herstellung von Textilien in Asien nichts mit dem Ladenpreis in Europa zu tun hat. Die Näherin würde auch dann nicht mehr bekommen, wenn der Ladenpreis doppelt so hoch wäre. It's the economy, stupid!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2016 um 14.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31244

In Indien, so wird berichtet, ist Rohöl jetzt billiger als Mineralwasser. Ist das bei uns nicht so?

Nicht ganz vergleichbar: Ich sehe mal nach, was das Mineralwasser (Apollinaris) in einem Hamburger Restaurant kostet: über 10 € pro Liter! Natürlich ist es in Kästen vom Discounter billiger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2016 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31166

Fett ist wie Klima.

Fürs neue Jahr wird Abnehmen ohne Sport und ohne Hungern versprochen. Wir wissen längst, daß Sport nicht schlank macht (im Gegenteil, haben amerikanische Forscher festgestellt). Natürlich macht Sport mehr Spaß, wenn man nicht zu dick ist.

Oft haben wir gelesen, daß das Gehirn ein Drittel unserer Energiezufuhr verbraucht. Aber niemand zieht den naheliegenden Schluß, daß man mehr denken soll, um abzunehmen.

Heute kommen wieder die Sternsinger, sammeln Geld für hungernde Kinder und Süßigkeiten für sich selbst. Anschließend üben sie den lateinischen Konjunktiv (CMB).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2016 um 08.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31159

Experten rechnen vor, daß Deutschland wegen der Zuwanderung seine nationalen Klimaziele nicht erreichen wird. Mit keinem Wort wird erwähnt, daß die Zuwanderer, wenn sie in ihrer Heimat blieben, ebenfalls Emissionen verursachen würden. Ob mehr oder weniger, steht dahin (bei uns sind die Standards höher). Wahrscheinlich bleibt es sich gleich, ob die Menschen hier oder anderswo gasen.

Vielleicht liegt es an der Grammatik: nationale Klimaziele sind nationale Ziele für das Klima, keine Ziele für nationales Klima...
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.01.2016 um 13.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31105

Überall wurde prognostiziert, daß die Preise für Fernbusreisen steigen würden. Tatsächlich sind sie gefallen. Das hat auch Ruth Schneeberger (Süddeutsche) erkannt: »Seit Öffnung des Marktes für die Fernbusse sind die Preise eben nicht, wie immer prophezeit, gestiegen. Was auch daran liegen dürfte, dass mancher Anbieter schon wieder aufgegeben hat.« Logisch!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 06.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#31058

Manche sagen voraus, daß die Automatisierung in den nächsten Jahren 10 Millionen Arbeitsplätze kostet, während z. B. Hans-Werner Sinn meint, in den nächsten Jahren seien 36 Millionen arbeitsfähige Zuwanderer nötig (oder so ähnlich). Die Differenz ist größer als die Zahl der gegenwärtig Beschäftigten und erinnert an Klimaprognosen...
Einigermaßen sicher sind nur die bevölkerungsstatistischen Prognosen, weil die meisten Subjekte bereits geboren sind und sich zählen lassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2015 um 05.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30973

Die Statistik hält für die katholische Kirche aber auch einen kleinen Lichtblick bereit: Ihre Sonntagsgottesdienste werden wieder besser besucht. Der Anteil der Teilnehmer an der sonntäglichen Messe stieg von 10,8 auf 10,9 Prozent. (BR 24.7.15 über Kirchenaustritte)

Wenn so viele Menschen aus der Kirche austreten, ist zu erwarten, daß der Anteil der Kirchgänger unter den übrigen steigt. Das ist kein "Lichtblick".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2015 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30852

Bayerischer Rundfunk 31.7.2015:
10 Jahre Rechtschreibreform

Bayerischer Rundfunk 1.12.2015:
20 Jahre Rechtschreibreform

Daraus folgt: Ein Jahr hat rund 12 Tage.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2015 um 08.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30851

Malerische Bilder von Tuvalu zum Beispiel eignen sich gut, Berichte über die Klimakonferenzen zu illustrieren: das Inselparadies und seine unsichtbare Bedrohung, die sich aber doch schon ankündigt in den fröhlich lachenden Kindern, die knietief im Wasser waten.
Ich habe öfter gelesen, daß die Atolle für diesen Zweck ungeeignet sind, weil sie unter normalen Bedingungen mitwachsen, wenn der Meeresspiegel steigt. Viel mehr als drei Meter können sie naturgemäß nicht aus dem Wasser ragen, das sie wachsen läßt. Bangladesh oder Hamburg eignen sich besser.
Haben Sie gewußt, daß wegen Unterschieden in der lokalen Schwerkraft der Ozean Hügel und Dellen von mehr als 100 m hat? Man könnte vom Pazifischen in den Indischen Ozean runterfahren, ohne Kraft aufzuwenden....
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.12.2015 um 11.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30813

Ich hatte die Sendung gesehen und fand die Aufgabenstellung recht unklar, was dort oft vorkommt, vor allem bei den Scherzfragen am Anfang. Es wurde ja nicht nach (Teil-)Würfeln gefragt, sondern nach "Steinen". Genaugenommen sind es auch keine kleinen Würfel. Daß man 26 Steine mit jeweils mindestens einer der 6 Würfelfarben von außen sehen kann, ist klar, aber was ist mit dem Achsenkreuz in der Mitte, gilt das auch als "Stein"? Auf die richtige, d.h. die gemeinte Antwort konnte man daher nur mit Hilfe der 4 vorgegebenen möglichen Antworten kommen, weil 27 nicht dabei war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2015 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30811

Die Sache mit dem Zauberwürfel geht doch noch etwas tiefer, mitten rein in die "zwei Kulturen". Daher auch die Diskussion. Es gibt Menschen (auch unter meinen Allerliebsten), die es richtig graust, wenn sie von weitem einer mathematischen Formel ansichtig werden, z. B. vom entsetzlichen Typ 18 : 3 = ?. Andere sehen die Lösung, bevor ihnen bewußt wird, daß es sich überhaupt um eine Aufgabe handelt.
Aus wie vielen Würfelchen ein Rubik-Würfel besteht, ist für manche eine recht schwere Aufgabe, die sie ohne Zeichnung kaum lösen können. Andere brauchen nicht mal hinzugucken, um die Antwort zu geben.
Dieser Unterschied zwischen den Menschen geht meiner Meinung nach sehr tief und wirkt sich in allen möglichen Lebensbereichen aus.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.12.2015 um 22.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30809

Deutschland, Frankreich und Spanien haben zusammen eine Fläche von rund 1,5 Millionen Quadratkilometern. Es muß also wohl Millionen statt Milliarden heißen.

Auch die deutschen (und auch die Handvoll niederländischen) Winzer könnten übrigens von der Klimaerwärmung profitieren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.12.2015 um 19.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30808

Um 1,3 Milliarden Quadratkilometer größer?
Das ist eine Fläche von rund 36000km x 36000km.
Von wegen knapp Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen. Da könnte man die ganze Erde mehrmals drin einwickeln.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.12.2015 um 18.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30807

Es wird regelmäßig unterschlagen, daß vor allem Kanada und Rußland von einer Klimaerwärmung gewaltig profitieren könnten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2015 um 17.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30805

"Aus wie vielen Würfeln besteht ein Zauberwürfel?" Ich kann verstehen, daß die Aufregung einen Kandidaten unter sein Niveau gehen läßt, aber eigentlich ist das doch sehr banal, zumal wenn noch die Antworten zur Wahl gestellt werden.

Noch was vom selben Tag:

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat eine deutliche Verschiebung der Klimagebiete festgestellt. Die Fläche der Wüsten schwankt zwar immer wieder geringfügig. In den vergangenen 15 Jahren war sie jedoch durchschnittlich um etwa 1,3 Milliarden Quadratkilometer größer als im 20. Jahrhundert. Das entspricht knapp der Fläche von Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen. Die Permafrostböden sind dagegen in dieser Zeit um rund 1,8 Milliarden Quadratkilometer geschrumpft.

Höchste Zeit, etwas zu tun!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2015 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30745

Deutschunterricht ist das A und O der Flüchtlingspolitik.

Unter der Überschrift "Finanzen des Erzbistums Köln - Gut angelegtes Geld" wird über die Verwendung der steigenden Kirchensteuern berichtet:

"So ist laut Schon die Anzahl der Deutsch-Unterrichtsstunden in den Bildungswerken in diesem Jahr auf 150.000 Stunden vervierfacht worden."

Es ist nicht herauszufinden, wer diesen Unterricht wirklich bezahlt. Trägerschaft sozialer Aktivitäten bedeutet ja nicht Finanzierung: letztere kommt fast immer vom Staat, aber das wird meistens so verschleiert, daß Enthüllungsbücher erscheinen können, die eine Selbstverständlichkeit skandalisieren. Die Presse trägt eine Mitschuld daran.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2015 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30739

Arme sterben früher. Sie ernähren sich schlechter, trinken zuviel usw.

In vielen Ländern trinken sozial besser gestellte Menschen häufiger – und manchmal auch mehr – als Menschen mit geringerem Bildungsgrad, schreiben die Forscher um Johan Mackenbach vom Erasmus University Medical Center in Rotterdam (Niederlande). In unteren sozialen Gruppen sei problematisches Trinkverhalten – etwa das Komasaufen – allerdings verbreiteter, infolgedessen seien alkoholbedingte Gesundheits- und soziale Probleme häufiger. (t-online 3.12.15)

Ähnlich zahllose andere Berichte. Arme trinken also mehr als Gebildete. Um keinen Preis darf die Vermutung ausgesprochen werden, daß es den Wohlhabenden im Durchschnitt gerade deshalb besser geht, weil sie intelligenter sind. Daß Begabte es weiter bringen, ist die letzte große Ungerechtigkeit. Daher die logischen Kapriolen vom Typ: Nachts ist es kälter als draußen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2015 um 11.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30667

Es sollen also knapp 2,8 Mrd. Chinesen und Inder in den letzten 20 Jahren verletzt oder obdachlos geworden sein. Woher nehmen und nicht stehlen?

Ich weiß nicht, wer diesmal dahintersteckt, aber gewisse Kreise haben die Neigung, möglichst hohe Zahlen in die Diskussion zu werfen, um damit die Dringlichkeit der von ihnen vertretenen Klimapolitik zu beweisen. Inzwischen glaubt man ihnen gar nichts mehr, und daran sind sie selbst schuld.

Wie ich heute in der FAZ lese, hat ein peruanischer Bauer genau ausgerechnet, welchen Anteil RWE am Klimawandel und folglich auch an den Kosten hat, die ihm möglichweise in der Zukuft durch gewisse Vorgänge in seiner ländlichen Umgebung entstehen könnten. Auf dies Summe verklagt er nun das Unternehmen und findet tatsächlich Rechtsanwälte, die seine Sache vertreten. Da es sich nur um ein paar tausend Euro handelt, sollte RWE zahlen und einen Werbegag daraus machen.

Anders jener jugendliche Bastler in den USA, der mit einer Bombenattrappe erwischt und anschließend von den Medien und sogar Präsident Obama verhätschelt wurde. Er klagt gleich auf 15 Millionen Dollar wegen Traumatisierung, und dazu strahlt er fröhlich in die Kamera. Er hat das amerikanische System begriffen, alle Achtung!

Wenn man sieht, was Traumatisierung von Jugendlichen wirklich ist, bleibt einem das Lachen im Hals stecken.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.11.2015 um 08.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30665

Hm, nun habe ich wohl selbst was durcheinandergeworfen. 4.1 billion people sind natürlich 4,1 Milliarden Menschen. Ich nehme an, daß es sich um irgendwelche Modellrechnungen handelt, deren Wertlosigkeit durch solche unrealistischen Ergebnisse freilich offen zutage liegt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.11.2015 um 08.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30664

Hier wurden wieder mal Milliarden und Millionen durcheinandergeworfen. Im Originaltext (http://www.unisdr.org/2015/docs/climatechange/COP21_WeatherDisastersReport_2015_FINAL.pdf) steht »4.1 billion people«, das sind nach modernem (zumal nichtbritischem) Sprachgebrauch 4,1 Millionen Menschen.

Die 130 Millionen in Bangladesch und auf den Philippinen stehen tatsächlich so im Bericht (S. 18), die Zahl könnte aber immerhin theoretisch stimmen, da der Berichtszeitraum in diesem Fall zwanzig Jahre beträgt und daher mehr Menschen betroffen sein können, als das jeweilige Land zu einem bestimmten Stichtag Einwohner hatte. Vielleicht hat man aber auch einfach die Zahlen einzelner Jahre addiert, so daß Personen, die über mehrere Jahre obdachlos usw. waren, mehrfach gezählt wurden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2015 um 03.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30662

Nach einem UN-Bericht über Unwetterkatastrophen, den die ZEIT wiedergibt, wurden in den letzten 20 Jahren „mehr als vier Milliarden weitere Menschen verletzt, verloren ihr Zuhause oder wurden von Nothilfe abhängig. (...)
Zwei Drittel der 4,1 Milliarden Betroffenen lebten in einem der beiden Länder (sc. China und Indien). Dahinter folgen Bangladesch und die Philippinen mit jeweils etwa 130 Millionen Verletzten oder Obdachlosen.“

Demnach müßten in China und Indien alle, in Bangladesch fast alle Einwohner geschädigt worden sein, auf den Philippinen viele mehrmals, denn so viele Einwohner hat der Staat bei weitem nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2015 um 18.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30628

Vor herrlicher Naturkulisse flattert ein Schmetterling von einer Blüte zur nächsten. Dieses Tier ist an Grazie kaum zu überbieten. (Focus)

Wer würde auf die Idee kommen, einen Schmetterling an Grazie überbieten zu wollen? Am Ende zieht man noch den Kürzeren und ist das Schlusslicht...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2015 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30581

Daß die reichen Golfstaaten keine Flüchtlinge aufnehmen, begründen sie u. a. so: Sie seien eben zu reich, einen solchen Lebensstandard könnten sich die Flüchtlinge nicht leisten. Logisch.

(Gefunden im Deutschlandfunk)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2015 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30558

Selbstgekochtes online bestellen: Bei "OpenKitchen" kann man in Erlangen gesunde Hausmannskost aus der Nachbarschaft abholen oder als Hobby-Koch eigene Gerichte anbieten. Ein Pilotprojekt für Feinschmecker.

(Aber ist es selbstgekocht, wenn ein anderer es kocht? Wer es kocht, der kocht es freilich selbst - wer sonst? Verzwickte Frage.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2015 um 15.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30540

Dass ein Mensch mit diesem Lebensstil ein so hohes Alter erreichen kann, stellt die medizinische Forschung auf den Kopf. (Focus 28.9.15 über Helmut Schmidt)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2015 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30533

Zu einem einschlägigen Fall:

Die Polizei erklärt: "Hausbesitzer dürfen Einbrecher bis zum Eintreffen der Polizei festhalten, aber nicht niederschlagen." Sollte der Einbrecher die Anzeige nicht zurückziehen, werden Ermittlungen gegen den Mieter aufgenommen.

Nun muß die Polizei nur noch erklären, wie man im eigenen Keller einen Einbrecher festhält und gleichzeitig die Polizei ruft. Vielleicht sollte man ihn auf ein Bier nach oben bitten und warten lassen, während man telefoniert.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.11.2015 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30468

Der Skandal ist vielmehr, daß sich der Staat wissentlich so lange betrügen ließ, natürlich unter der Einflußnahme der Autoindustrie. Letztlich scheinen die Mehreinnahmen bei der Mineralölsteuer die Mindereinnahmen bei der Kraftfahrzeusteuer weit überwogen zu haben. Auch das hehre Gerede vom Klimaziel CO2-Minderung hat sich jetzt als jahrelange wissentliche Lüge erwiesen.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 05.11.2015 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30467

Natürlich nicht. Wie ich andernorts mal schrieb, glaubt auch bis auf ein paar naive Idioten keiner die Verbrauchs- und Abgasangaben der Hersteller. Die sind nur interessant für die KFZ-Steuer und beim Auto-Quartett nachts um drei.

Es gibt Internetseiten wie "Spritmonitor" u. ä., auf denen Halter den Verbrauch ihrer Wagen dokumentieren. Wer wissen will, wieviel das Modell verbraucht, für das er sich interessiert, informiert sich dort.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2015 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30459

Kann man eigentlich Autofahrer dauerhaft über den Kraftstoffverbrauch ihres Wagens täuschen? Sie wissen doch, wieviel sie tanken und welche Strecken sie zurücklegen. Mir erzählen sie gern und mit Stolz, wie wenig sie letztlich wieder mal verbraucht haben (verstecktes Selbstlob für ihre Fahrweise).

Und noch etwas: Sind die manipulierten Autos nicht großenteils mit staatlicher Förderung (Abwrackprämie) angeschafft worden – ein Geschenk, das ich als radfahrender Steuerzahler nie verstanden habe. (Das Geld könnte man jetzt für die Flüchtlinge brauchen, ebenso wie die Milliarde für die Hotelbesitzer.)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.11.2015 um 11.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30442

Falsche Angaben über den CO2-Ausstoß stehen in direktem Zusammenhang mit falschen Angaben über den Kraftstoffverbrauch.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.11.2015 um 10.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30439

sueddeutsche.de, ein Ableger von jetzt.de, schreibt dazu: »6,7 Milliarden Euro also, die voll reinhauen.« Echt kraß!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2015 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30434

Daß VW nun auch ein CO2-Problem haben soll, veranlaßt mich zu einer Frage in die Runde: Als was soll denn der Kohlenstoff aus dem Auspuff kommen, wenn nicht als CO2? CO, Ruß oder Benzindampf mögen keine "Klimakiller" sein...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 03.11.2015 um 15.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30426

Mathematiker haben den Ergeiz, möglichst auf dem kürzesten Weg zum Ergebnis zu kommen. Das sollte man bei Schülern fördern und nicht bestrafen. Als die Rechner noch nicht so schnell waren, galt das auch für diese, und für richtig große Berechnungen gilt es auch heute noch.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.11.2015 um 02.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30415

5 x 3 spricht man im Deutschen als fünf mal drei, und ich denke, dieses mal ist zunächst genauso symbolhaft wie das x. Man kann es sich sprachlich veranschaulichen als fünfmal drei (3+3+3+3+3), aber genauso kann mal die Kurzform eines Verbs sein, etwa fünf mal[nehmen mit] drei (5+5+5).

Richtig deutlich wird es erst im praktischen Leben, wenn man z. B. 5 mal 3 Euro (3€+3€+3€+3€+3€) Schulden hat oder wenn man in einem andern Fall 5 Euro Schulden hat, aber das bei 3 Personen, also 5 Euro mal 3 (5€+5€+5€) rechnen muß.

Vielleicht ist im Englischen die Interpretation von times in 5x3 als Verb nicht so klar, aber in der Praxis macht man sicher auch keinen Unterschied zwischen 3 x $5 und $5 x 3, mithin keinen zwischen 3x5 und 5x3. Der Schüler brauchte deshalb von einem Kommutativgesetz noch gar nichts zu wissen, er hat es einfach intuitiv und gemäß seiner täglichen Erfahrung richtig gemacht. Mit so einem dummen Lehrer hat er allerdings nicht gerechnet.

Jemand, der so eine Rechnung als falsch bewertet, ist kein Lehrer. Der hätte auch die bekannte Rechnung des kleinen Gauß, 50 x 101 = 5050 als falsch bewertet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2015 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30412

Seine Frau war Anhängerin der damaligen Naturheilkunde, die „Gleiches mit Gleichem“ behandeln zu glauben pflegte. (Wikipedia über Booles Frau und ihre verhängnisvolle Krankenpflege)

... behandeln zu müssen zu glauben zu pflegen beschuldigt wird?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2015 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30410

Aus der "Welt"

http://www.welt.de/vermischtes/article148307795/Wie-man-5-x-3-in-Deutschland-geloest-haette.html

Ein einzelner Mathe-Test einer dritten Klasse in den USA erregt weltweit die Gemüter. Die Aufgabe war simpel: Löse 5 x 3 mittels wiederholter Addition. Der Schüler rechnete: 5 + 5 + 5 und kam auf das richtige Ergebnis: 15. Trotzdem wurde die Aufgabe als falsch angestrichen. Der Lehrer wollte, dass der Schüler den Rechenweg 3 + 3 + 3 + 3 + 3 geht.
Was dahintersteckt, und ob das Gleiche auch in Deutschland passieren könnte, haben wir die Deutsche Mathematikervereinigung gefragt.
Die Welt: Hallo Herr Vogt, Sie als Sprecher der Deutschen Mathematikervereinigung, hat der Lehrer aus den USA recht? Ist die Aufgabe wirklich falsch gelöst?
Thomas Vogt: Wenn man es sehr genau nimmt, ja, dann hat er recht. In dem Test ist gefordert, 5 x 3 zu rechnen, und das per wiederholter Addition. Fünf Mal die Drei, wenn man genau hinhört, merkt man schon, das bedeutet: 3 + 3 + 3 + 3 +3. Der Lehrer kann das so anstreichen, weil dieser Lösungsweg im Vorhinein vermutlich so gelernt wurde. Und er muss es auch so anstreichen, weil eine neue Didaktikreform in den USA, die Common Core State Standards, das meines Wissens so vorgibt. Nicht nur hierzulande regt man sich ja darüber auf, sondern vor allem auch in den USA. Wenn man auf Twitter mal das Hashtag #commoncore eingibt, findet man eine Menge weitere solcher Beispiele. Da geht es momentan ähnlich zu wie bei uns damals, als die neue Rechtschreibreform umgesetzt wurde.


Das ist nicht nur wegen des Vergleichs mit der Rechtschreibreform interessant. Ich bin kein Mathematiker, aber ich gebe erst mal den Lesern recht, die darauf hinweisen, daß die Aufgabenstellung nicht von "fünf Mal die Drei" sprach, sondern "5 x 3" (Use the repeated addition strategy to solve 5 x 3), und daß zunächst einmal die Kommutativität gilt, oder etwa nicht? Das muß der Schüler doch gelernt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2015 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30391

In München sucht die Polizei nach einem Dreijährigen aus dem Irak. 250 Beamte haben mit Hubschraubern und Hunden sieben Millionen Hektar Wald durchkämmt. (...) Insgesamt seien 7,1 Millionen Quadratkilometer Waldfläche im Münchner Norden abgesucht worden. (welt.de 31.10.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2015 um 17.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30363

Zu beziehungsweise sagt der Duden online:

1. oder; oder vielmehr, genauer gesagt; Abkürzung: bzw.
2. und im anderen Fall; Abkürzung: bzw.

Synonyme

besser gesagt, das heißt, genauer gesagt, oder [vielmehr], richtiger gesagt, vielmehr; (bildungssprachlich) respektive

andernfalls, im anderen Fall; (bildungssprachlich) respektive


Die abgeleitete Bedeutung ist also an die erste Stelle getreten, was vor allem für das gesprochene Deutsch sicher zutrifft. Ebenso wie das heißt leitet es eine Selbstkorrektur ein, die in der Schrift eigentlich nicht nötig sein sollte: Indien, d. h. China usw. – das ist ärgerlich, denn Indien heißt ja nicht China, man hat sich bloß mit der Formulierung keine Mühe gegeben. Beim Überarbeiten eigener Texte sollte man all das rausschmeißen.
 
 

Kommentar von verschwunden, verfaßt am 06.10.2015 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30211

Offenbar können Leute auch ''ganz legal'' verschwinden:

https://www.change.org/p/jugendamt-landkreis-friesland-amtsgericht-vechta-amtsgericht-varel-lassen-sie-meine-tochter-frei-beachten-sie-die-menschenrechte-das-grundgesetz-und-die-un-menschen-kinderrechtskonvention

https://www.change.org/p/an-die-%C3%B6sterreichische-justiz-an-die-%C3%B6sterreichische-politik-an-die-%C3%B6sterreichische-%C3%A4rzt-innenschaft-aufkl%C3%A4rung-im-fall-sadegh-ausf%C3%BChrliche-untersuchungen-f%C3%BCr-dara-rubens-luki-sadegh-%C3%BCber-mr-ct-schwarzlicht-psychiatrisch-die-seit-2011-akribisc
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2015 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30205

„Je länger ein Mensch vermisst wird, desto unwahrscheinlicher wird es leider, dass er noch lebt", betont jedoch ein LKA-Sprecher. Der berühmteste Fall, der diese These widerlegt, sei allerdings Natascha Kampusch, die nach acht Jahren aus der Gewalt ihres Entführers floh.“ (RhP 25.9.15)

Widerlegt ein Sechser im Lotto die These, daß ein Sechser im Lotto unwahrscheinlich ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2015 um 07.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30185

Schwedische Forscher haben festgestellt, daß größere Menschen ein höheres Krebsrisiko haben.

Prof. Dorothy Bennett von der St. George University of London sagte gegenüber „BBC News“, dass es sehr plausibel sei, wenn das Risiko von Krebs mit der Anzahl an Zellen in einem Körper zusammenhängt. Krebs entsteht durch Mutation normaler Zellen. Größere Menschen bestehen aus mehr Zellen, fügte die Forscherin hinzu. So steige zum Beispiel das Risiko an Hautkrebs zu erkranken mit einer größeren Oberfläche der Haut.

Ich selbst habe festgestellt, daß zwei Menschen ein doppelt so hohes Krebsrisiko haben wie einer.

Sogar der SPIEGEL ist ratlos, was die praktischen Konsequenzen angeht. Kleiner werden geht ja nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2015 um 06.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30098

Bisher las man es ungefähr so:

Der Mensch kann etwa 10000 Gerüche unterscheiden. Die geübte Nase eines Parfümeurs erkennt bis zu 30000 Düfte.

Nun hat man herausgefunden:

Menschen sollen schätzungsweise über 1 Billion verschiedene Mischungen von Riechstoffen unterscheiden können. (Wikipedia Olfaktorische Wahrnehmung)

Die Hochrechnung beruht auf relativ wenigen Versuchen, aber abgesehen davon: Ist es denkbar, daß sich die Wissenschaft bisher um das 100.000.000fache verkalkuliert hat (oder sogar ein Mehrfaches, denn manche nehmen jetzt mehrere Billionen an, und das ist ausnahmsweise kein Übersetzungsfehler)?

Interessant noch die Fortsetzung:

Jedoch begrenzt der Mangel an sprachlichen Ausdrücken für Gerüche unser Vermögen, olfaktorische Nuancierungen differenziert mitzuteilen.

Unterscheiden ist nicht Wiedererkennen. Das wäre zu berücksichtigen, abgesehen von der absurd großen Zahl von Vokabeln, die man für Gerüche haben müßte. Hermann Ammann hat festgestellt, daß es für Geruchseindrücke (und fürs Gehör) keine ursprünglichen Adjektive gibt; der Geruchssinn ist den Verben überlassen, der Rest sind Vergleiche.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2015 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30062

Nicht zu vergessen das andernorts schon zitierte Beispiel vom Sprachpfleger:

Englischkenntnisse, die er nie beruflich anwenden werden kann (Reiner Pogarell in Zabel, Hg.: Denglisch, nein danke!. Paderborn 2003:199)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2015 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#30040

In der FAZ kritisiert Christian Schwägerl die deutsche Bevölkerungswissenschaft wegen ihrer Schrumpfungsprognosen. In Wirklichkeit sei die Bevölkerung gewachsen und wachse vorerst noch weiter. Ich kenne die Literatur nicht so gut, aber ich kann mich nicht erinnern, daß Birg (nicht erwähnt) und andere sich über Zunwanderung und das Hindurchwachsen des Bergs oder Bauchs der Babyboomer und ihrer Kinder durch die Bevölkerungspyramide Illusionen gemacht hätten. Wenn man nun optimistisch eine Steigerung der Geburtenrate auf immer noch sehr dürftige 1,6 % ansetzt, dazu die medizinisch erreichte Erhöhung der Lebenserwartung, und seelenruhig einen Zuwanderungssaldo von 500.000 pro Jahr ansetzt, mit einstweilen verstärkter Fortpflanzungsaktivität der Zugewanderten, dann wird die Schrumpfung in der Tat noch einige Jahrzehnte hinausgezögert. Damit ist aber die herkömmliche Bevölkerungswissenschaft nicht widerlegt. Repliken werden folgen.
Am problematischsten ist die rein statistisch eingerechnete Zuwanderung.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch anmerken, daß die von der EU geplante Klage gegen Deutschland und fast alle anderen EU-Staaten wegen der Asylpraxis die Zustimmung der Leute zu dieser überstaatlichen Einrichtung stark beeinträchtigen könnte. "Wir" haben der Abtretung staatlicher Souveränität zugestimmt, aber das heißt nicht, daß man ein für allemal darauf verzichten möchte, in so wichtigen Dingen überhaupt noch mitbestimmen zu können. Zumal die EU sich selbst nicht an ihre Verträge hält, wenn es opportun ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.09.2015 um 00.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29988

Solche Fehler werden anscheinend oft gemacht. Hier sind noch ein paar Beispiele. Wegen der Infinitiv-Konstruktion ist eine Frühstellung hier kaum möglich, die Reihenfolge ist also recht eindeutig:

- Erst hinterher ... beteuerte er, mich nie umsetzen haben zu wollen.
(Ursula Sarrazin, Hexenjagd, Diederichs 2012, S. 159)

Er wollte mich nie umsetzen, also:
... mich nie umsetzen wollen (gewollt) zu haben.

- Der Mathe-Lehrer meiner Tochter hat unumwunden zugegeben, eigentlich Sport studiert haben zu wollen.
(www.spiegel.de)

Er hat nicht zugegeben, daß er Sport studiert haben will, sondern daß er Sport studieren wollte. Also:
... eigentlich Sport studieren wollen (gewollt) zu haben.

- Sie beteuerte, ihrem Hund doch nichts Böses getan haben zu wollen ...
(www.verkehrsportal.de)

Sie wollte ihm nichts Böses tun, also:
... ihrem Hund doch nichts Böses tun wollen (gewollt) zu haben

- Jobst bekennt sich noch heute dazu, mit diesem nicht ernst gemeinten Antrag vor allem Schlagzeilen gemacht haben zu wollen.
(de.wikipedia.org)

Schlagzeilen wollte er machen, nicht (oder wohl kaum) gemacht haben, also:
... vor allem Schlagzeilen machen wollen (gewollt) zu haben.

- Herr Edathy beschränkt sich in seinen Erklärungen darauf, nichts Strafbares getan haben zu wollen.
(www.lawblog.de)

Will er nichts Strafbares getan haben oder hat er nichts Strafbares tun wollen? Je nachdem, was gemeint ist, könnte dies als einziges der Beispiele hier ggf. so in Ordnung sein.

Ich habe den Eindruck, es gibt so eine Art zwanghaftes Verlangen, das Hilfsverb wollen (wie auch sollen) unabhängig vom Sinn immer ans Ende zu setzen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.09.2015 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29984

Für den störenden Gebrauch von ganze anstelle von geschlagene hier ein frühes Beispiel von 1803: »weil er (1635) schrieb, daß ihn die Rosenkreuzer mit falschen Processen ganzer (!) dreyssig Iahre lang in der Irre geführt hätten.« (Christoph Gottlieb von Murr)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2015 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29982

Vorbildlich gelöst! "Sehr gut" mit Sternchen!

(Aber im Ernst: Die Konstruktion ist knifflig, weil sie zwei geläufige Muster, den Ersatzinfinitv und die Frühstellung, verknüpft; daher die vielen Fehler. Das ist nicht gerade eine Ruhmesblatt des heutigen Deutschen.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.09.2015 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29981

Es kommt darauf an, was die Grundaussage ist, was also (angeblich) der Fall gewesen sein soll.

Sie kann sich nicht bewegt haben ->
Dann wäre der Satz im Zitat richtig, oder auch so:
... soll sie sich nicht können bewegt haben.
Aber das war es wohl kaum, was der Satz aussagen sollte.

Sie hat sich nicht bewegen können ->
Dann hätte ich geschrieben:
... soll sie sich nicht haben bewegen können.
oder
... soll sie sich nicht bewegen können haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2015 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29978

[Nadia Londsdale musste eigenen Angaben zufolge den kompletten Flug neben einem extrem übergewichtigen Mann sitzen.] Ganze neuneinhalb Stunden soll sie sich nicht bewegt haben können.
(focus.de 18.9.15)

Finden Sie den Fehler!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2015 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29900

Eigentlich kann man dieses Jahr nicht von einer Saure-Gurken-Zeit (oder Sauren-Gurken-Zeit) sprechen, aber durch die Medien gehen jetzt zum Beispiel Berichte über mangelhafte Hygiene in Supermärkten. Die Gefahr ist wie so oft rein theoretisch (wie man so sagt). Es ist doch klar, daß die Griffe von Einkaufswagen, nachdem tausend schweißige Pfoten sie angefaßt haben, nicht keimfrei sein können, aber wer holt sich dort oder an Flaschenrückgabeautomaten tatsächlich eine "Blutvergiftung" oder auch nur einen Durchfall? Wer sich nach dem Eikaufen nicht die Hände wäscht, dem ist auch sonst nicht zu helfen (Haltegriffe, Türklinken, die Pfoten selbst).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2015 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29854

In einem halb scherzhaften Ausblick auf das Jahr 2100 sagt Jan Grossarth den Anbau von „Flachs, Leinen und Dinkel“ voraus. (FAZ 4.9.15)

Macht zusammen zwei.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.08.2015 um 11.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29791

Man kann sich darunter vor allem nichts vorstellen. Sagte man dagegen, jedes Jahr wird einer von 750 Menschen dement, was das gleiche ist, dann hätte man das viel klarer vor den Augen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.08.2015 um 08.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29789

Alle 3,2 Sekunden wird ein Mensch dement.
Das wird schon stimmen, aber diese ständige rekordsüchtige Umrechnerei wirkt manchmal ein bißchen komisch. Da, zack! – schon wieder einer dement!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.08.2015 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29769

zu #29763:
Wenn wir die hohe Einwanderung und niedrigen Geburtenzahlen der angestammten Bevölkerung nicht in den Griff kriegen, wird Deutschland und ein großer Teil Europas in drei Generationen zu einem anderen Kulturkreis gehören. Aber das scheint niemanden zu interessieren. Wenn sich zur nächsten Bundestagswahl nichts ändert, schafft sich das deutsche Volk eben ab.

Mir ist an dem Artikel etwas Sprachliches aufgefallen, die Zeile
Generation der um die 30-Jährigen. Bei den unter 20-Jährigen ...

Das Problem der unter 20-Jährigen oder Unter-20-Jährigen haben wir hier schon diskutiert, leider, wie mir scheint, immer noch ohne klares Ergebnis. Es ist vielleicht auch nicht ganz sicher, ob sich unter nur auf die Zahl 20 oder doch auf das (ggf. subst.) Adjektiv 20-jährig bezieht. Nach dem bewährten Duden schreibt man getrennt: unter 20jährig.

Aber hier kommen nun die um die 30-Jährigen. Der zweite Artikel kann sich wohl ganz eindeutig nicht auf das Adjektiv beziehen, sondern nur auf die 30. Da kommt mir die getrennte Schreibweise völlig ungrammatisch vor. Andererseits geht die Um-die-30-Jährigen auch nicht, denn einen Jährigen gibt es nicht. Und die Um-die-30jährigen hätten wieder das ursprüngliche Problem, die 30 gehört näher zur Wortgruppe um die 30 als zum Suffix. Wie sollte man das richtig schreiben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2015 um 06.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29768

Stefanie Zweig spricht mit acht Jahren bereits drei verschiedene Sprachen: Kikuyu, Swahili und Deutsch. (Wikipedia)

Wenn die Sprachen nicht verschieden wären, wären sie eben keine drei. Das erinnert mich an die heiligen drei Könige:

Die heilgen drei König', sie kommen allhier,
Es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;
Und wenn zu dreien der vierte wär,
So wär ein heilger drei König mehr.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2015 um 05.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29766

Viele Unternehmer benutzen die Sommerferien, um ihre Preise zu erhöhen. Sie nehmen mit Recht an, daß sich die Urlauber nach der Rückkehr nicht mehr genau erinnern, was die Sachen vor den Ferien gekostet haben.
Komischerweise glauben besonders die Schokoladenhersteller - wie jetzt Ritter -, eine Preiserhöhung mit höheren Rohstoffpreisen begründen zu müssen. Dabei könnte sich jeder ausrechnen, daß die Haselnüsse in der Schokolade nur einen kaum meßbaren Anteil am Preis ausmachen und eine Mißernte sich einfach wegstecken ließe. Auch muß der neue Preis ja wieder eine 9 als Endziffer aufweisen. Schokoladenpreise waren schon immer Kampfpreise, allerdings nur in einem von drei Marktsegmenten. Hier geht es um die Supermarktschokoladen. Daneben gibt es die gehobene Mittelschicht (Lindt & Sprüngli) und dann die wirkliche Oberklasse, für die Preise keine Rolle mehr spielen.
Mich beschäftigt das Tag und Nacht, weil ich gerade abzunehmen versuche und mir daher meine heimliche Lieblingsspeise strikt versage.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2015 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29763

Die Frankfurter Rundschau kann sich zwar auch nicht von dem grundsätzlichen Fehler befreien, schiebt aber immerhin nach:

Für den Zuwachs bei den Geburten dürften vor allem zwei Gründe verantwortlich sein. Zum einen, erläutert Anja Conradi-Freundschuh, die Expertin des Statistischen Bundesamtes, gebe es relativ viele Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 26 und 35 Jahren: „Seit 2008 hat sich die Frauenzahl in diesem Alter stabilisiert und nimmt sogar zu, was die Geborenenzahl auf einige Jahre positiv beeinflussen könnte.“ Tatsächlich zeigt die aktuelle Alterspyramide der Bevölkerung eine leichte Auswuchtung bei der Generation der um die 30-Jährigen. Bei den unter 20-Jährigen geht die Kopfzahl je Jahrgang aber deutlich zurück. Folglich, befürchtet Conradi-Freundschuh, werde sich die Gruppe der potenziellen Mütter nach 2020 wieder deutlich verkleinern. „Dadurch könnte ein neues Geburtentief entstehen“, heißt es bei der Wiesbadener Behörde.
Dem könnte freilich der zweite Trend einer stärkeren Zuwanderung entgegenwirken. Inwieweit die Flüchtlinge aus Syrien, Nordafrika und dem Westbalkan bereits 2014 zu dem kräftigen Geburtenanstieg beigetragen haben, vermag das Statistische Bundesamt noch nicht zu sagen. Die nach den Herkunftsländern der Eltern aufgegliederte Statistik erscheint erst in einigen Monaten. In Baden-Württemberg ist man schon etwas weiter. „Eine wichtige Ursache für den positiven Trend dürfte auch die in den vergangenen Jahren enorm angestiegene Zuwanderung sein“, glaubt deren Experte Werner Brachat-Schwarz.


Damit ist aus dem ganzen Jubel die Luft raus, aber das gibt natürlich keine so hübschen Nachrichten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2015 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29757

„Höchste Geburtenrate seit 13 Jahren in Deutschland
Die Deutschen sagen offenbar Ja zur Familie. Im letzten Jahr wurden 33.000 Babys mehr als im Vorjahr geboren, außerdem entschieden sich 12.000 Paare mehr für die Ehe, so das Statistische Bundesamt.“ (Welt 21.8.15)

Kaum ein Leser bemerkt den primitiven Fehler, die Geburtenzahl mit der Geburtenrate zu verwechseln. Ebenso bei den Heiraten: Wie groß war die Alterskohorte?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2015 um 15.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29755

«Getroffene Vereinbarungen gelten, auch über Wahltage hinaus», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. (welt.de 21.8.15)

Griechenland muß also das geschenkte Geld auch nach der Wahl noch annehmen, das ist hart!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2015 um 09.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29726

Und wo er groß und grün ist, wird der Mais meist schon ab März künstlich beregnet, um den hohen Bedarf für Futtermittel und die Verwertung in Biogasanlagen zu decken. (Spiegel online 10.81.5)

Im März kann man den Mais noch so sehr beregnen, er wird erfrieren. Acht Wochen später ist es dann richtig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2015 um 18.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29586

Wenn nicht mehr ganz junge Männer noch Kinder zeugen, wird eigenartig stereotyp – so jetzt auch wieder von Sibylle Berg im SPIEGEL – die Frage gestellt, ob denn der Vater mit seinem Kind noch wird Fußball spielen können. Mir bekannte Menschen mit älteren Vätern finden durchweg das Fußballspielen nicht so wichtig wie Kinderlose.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2015 um 07.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29581

Alexander Kissler schrieb gestern, nun seien die Lügen der Rechten ("Das Boot ist voll") und der Linken ("Jeder kann bleiben") gleichermaßen widerlegt. Deutschland habe noch viel Platz usw.

Solche Überlegungen sind ziemlich sinnlos, weil es von vielen Umständen abhängt, wie viele Menschen (und welche) man aufnehmen kann oder will.

Über die Taschenkalender unserer Kindheit, unser hidden curriculum, habe ich schon berichtet, die höchsten Berge, die längsten Flüsse, die höchsten Löhne (Fliesenleger!) usw. Auch die Bevölkerungsdichte war faszinierend, ich erinnere mich an Holland als besonders dichtbesiedelt. Das alles hat mein Weltbild geprägt. Aber nach 60 Jahren wird es Zeit, sich nach dem neuesten Stand zu erkundigen. Holland liegt immer noch gut im Rennen, aber auch Südkorea und natürlich Bangladesh, das es damals noch nicht gab. In China leben die meisten Menschen, aber das Land ist auch sehr groß, freilich teilweise zu gebirgig zum Leben. Kanada ist nach wie vor menschenleer, dort könnte man ohne weiteres eine Millarde Flüchtlinge ansiedeln. Bei uns hat die Bevölkerung nicht zugenommen, aber wenn man von den Bergen runterguckt, zum Beispiel hier ins Regnitztal oder gar im Werdenfelser Land, ist man erstaunt über die Zersiedelung. Der Wohnraum in Deutschland wächst allein wegen der gestiegenen Ansprüche jährlich um die Wohnfläche von ganz Köln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2015 um 13.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29573

„Wir können nicht wegschauen, wenn ein Land, das bis gestern noch in die EU wollte, sich unter Erdogan in ein Mini-Pakistan mit einem autoritären Herrscher direkt an der europäischen Grenze verwandelt“, sagte Özdemir der „Passauer Neuen Presse“.

Mini? Süß!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2015 um 08.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29544

Aber das ist ein Stück weit eine Quittung dafür, Amazon im zukunftsträchtigen Online-Geschäft weit enteilt haben zu lassen. (FAZ 25.7.15)

= enteilen lassen zu haben

(Eine hoffnungslose Konstruktion, auf die man sich gar nicht einlassen sollte!)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2015 um 10.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29502

Unter "Kopfrechnen" muß ich wohl auch folgende Meldung stellen:

"Das Betreuungsgeld hat gerade Frauen mit kleinen Kindern aus dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) der "Bild"-Zeitung
(Focus 21.7.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2015 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29483

Der Aberglaube (oder der Glaube und sein liebstes Kind) wird nicht wenig gestützt durch einen volkstümlichen, um nicht zu sagen allgemeinmenschlichen Rechenfehler. Wir gehen durch die Stadt und denken an einen bestimmten Menschen, und zwei Minuten später sehen wir ihn tatsächlich. So ein Zufall! Daraus wird leicht: Das kann doch kein Zufall sein!
In Wirklichkeit denken wir ständig an irgend etwas, und es wäre schon ein seltsamer Zufall, wenn uns nicht einiges davon auch tatsächlich begegnete.
Gestern las ich die Überschrift: Bill Cosby soll Frauen nach Sex bezahlt haben (SZ online 19.7.15) Der Name sagte mir nichts, und die Zeile fiel mir nur deshalb auf, weil ich dachte: "Nanu? Wenn er nicht bezahlt hätte, wäre es ja noch skandalöser." Zwei Stunden später stieß ich auf denselben Namen in einem Buch (Jacobs: The Know-It-All). So ein Zufall! Die natürliche Erklärung funktioniert wie oben.

Wenn man aus welchem Grund auch immer eine besondere Bereitschaft mitbringt, auf so etwas zu achten und ihm eine Bedeutung beizumessen, versinkt man leicht in einem Meer von Aberglauben und Beziehungswahn. Ich habe immer wieder Menschen getroffen, denen nicht mehr zu helfen war. Zum Glück blieb es meist harmlos, eine private Bedeutungserhöhung (höhere Mächte kümmern sich um einen...).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2015 um 13.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29471

Das Fachmagazin "Auto, Motor und Sport" hatte berichtet, dass Bianchis Kopf bei dem Aufprall einer Verzögerung von 92g, also dem 92-Fachen des eigenen Körpergewichts ausgesetzt gewesen sein soll. (welt.de 18.7.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2015 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29463

Im letzten Jahr sind 1 Prozent der Mitglieder aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Andererseits hat der Anteil der sonntäglichen Kirchenbesucher um 1 Prozent zugenommen. Man darf vermuten, daß ungefähr dieselben Menschen, die schon vorher nicht in die Kirche gegangen sind, dann auch ausgetreten sind. Von einer "Trendänderung" zu sprechen ist da wohl etwas verfrüht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2015 um 12.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29425

Noch mal zu #23224:

Laut FAS ist Papandreou nicht einmal mehr im griechischen Parlament vertreten.

Die gewohnheitsmäßige Aufschwemmung alltäglicher Ausdrücke führt dazu, daß der Fehler gar nicht mehr bemerkt wird. Der nächste Schritt wird sein, daß der falsche Ausdruck normal wird, "vertreten sein" also "sich befinden, drinsein" bedeutet, ein weiteres Kopulasynonym.
 
 

Kommentar von Gast, verfaßt am 10.07.2015 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29408

Schön finde ich das englische "back marker".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2015 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29404

Nun sind die Sachsen "Schlusslicht". Man möchte sie schon bedauern, aber es geht darum, daß sie den geringsten Prozentsatz an Kaiserschnittgeburten haben (FAZ 9.7.15), und der Zeitungsbeitrag spricht sich durchaus kritisch gegen diese Mode aus.

Irgendwie fehlt ein neutrales Wort für diese Position in Statistiken, mit dem man nicht gleich ein Abgehängtsein verbindet.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.07.2015 um 22.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29369

Ich verstehe das so: ein dreiviertel = 1 3/4; ein Dreiviertel = 3/4;

Die Franzosen hatten ähnliche Probleme. Weil sie keine Großschreibung haben, haben sie zusätzliche Bindestriche eingeführt bei ihrer Rechrtscheibreform.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.07.2015 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29362

Meiner Meinung nach ist außerdem auch wieder einmal die Großschreibung falsch. Als Zahladjektiv muß dreiviertel klein geschrieben werden.

Falls man es aber als Substantiv auffaßt, kann der unbestimmte Artikel nicht weggelassen werden: etwa ein Dreiviertel, und das Verb danach müßte im Singular stehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2015 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29358

Etwa Dreiviertel der zehn Schüler konnten am Anfang noch nicht richtig stricken. (nordbayern.de 27.6.15)

(Vielleicht waren es 72,6 Prozent?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2015 um 11.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29348

Zu #27568:

Ich hatte das preisgekrönte, aber etwas seltsame Foto damals auch in einem FAZ-Forum kommentiert (www.faz.net).

Nun widmet "chrismon" dem Projekt ein paar Seiten (auch wieder mit manipuliert wirkenden Fotos), man kann sich auch direkt beim Fotografenpaar informieren: www.wannahavelove.de.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2015 um 15.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29344

Wie der Tagesspiegel berichtet, ist die Reichstagskuppel wegen der Sonnenhitze gesperrt worden. Manche Leser unterbreiten den Vorschlag, die Kuppel mit einer Öffnung oder Lüftungsschlitzen zu versehen, dann werde es auch ohne Klimaanlage angenehm dort oben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2015 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29255

Für die bei Havers besprochene unlogische Konstruktion (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21821) gibt es ein berühmtes Beispiel:

Und ich will einen Bund machen zwischen mir und zwischen dir. (1. Mose 17,2, auch schon im Griechischen, wahrscheinlich auch hebräisch, was ich aber nicht lesen kann)

Die allerwenigsten werden je bemerkt haben, daß da etwas nicht stimmt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2015 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29247

Habe gerade irgendwo dafür gestimmt, daß Beckenbauer ins Gefängnis muß. Das ist ein urdemokratischer Vorgang: Mehrheit stattt Wahrheit. Ich weiß natürlich gar nicht, worum es geht, und mein Votum wird den Mann nicht hinter Gitter bringen. Das ist der einzige Unterschied zum Scherbengericht in der athenischen Demokratie. Auch damals brauchte man keine Gründe vorzubringen, warum man jemanden in die Verbannung schicken wollte.
Heute läßt z. B. die FAZ allwöchentlich vom befreundeten Institut Allensbach eine Befragung durchführen und macht dann Politik mit den Ergebnissen. Wie viele Deutsche wollen, daß Griechenland in der Eurozone bleibt? Fast niemand kann die wirtschaftspolitischen Zusammenhänge und Folgen auch nur annähernd durchschauen. Das macht aber nichts. Die Allensbach-Umfragen kosten Geld, aber es springt jedesmal garantiert ein seitenfüllender Artikel heraus. Ich lese sie allerdings nicht mehr, weil mir analytische Beiträge zur Sache selbst interessanter vorkommen als Analysen von dämlichen Umfrageergebnissen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.06.2015 um 09.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29210

Die Umwelt-Enzyklika wirft in verschärfter Form das Theodizee-Problem auf, da sie sehr viele Einzelheiten erwähnt, die nach Ansicht des Papstes schieflaufen. Aber das ist nicht mein Problem, deshalb will ich es nicht weiter entwickeln. Interessant ist die Begründung, warum wir dem Artenschwund entgegenwirken sollen:

„Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht.“

Man denkt vielleicht an den Tasmanischen Beutelwolf, den Dodo oder auch die Haubenlerche, aber was ist mit der Anophelesmücke und dem Poliovirus? Sollen wir die auch mit franziskanischer Liebe willkommen heißen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2015 um 04.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29156

Vier seiner fünf Ehen scheitern. (FNP 16.6.15 über Stan Laurel)

Ja, natürlich. Wenn man von der Möglichkeit eines Todesfalls absieht, mußten vier Ehen scheitern, bevor er die fünfte eingehen konnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2015 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29137

„Mit der Alterung der Bevölkerung sinkt die Zahl derer, die noch in dem Bewusstsein aufgewachsen sind, dass Wählen eine staatsbürgerliche Pflicht ist.“ (Daniel Deckers FAZ 13.6.15)

Wann war es das in Deutschland, und aus welchen Zeiten stammt dieses Bewußtsein?

Zugleich werden Umfragen veröffentlicht, wonach eine knappe Mehrheit die Einführung der Wahlpflicht befürwortet. Aber mit falscher Begründung: Die Legitimitätskrise der Regierung soll künstlich beseitigt werden. Es soll so aussehen, als stünde die ganze Bevölkerung hinter der einen oder wenigstens der anderen Partei. ("Es muß alles demokratisch aussehen.") Die einzige annehmbare Begründung lautet: Aus der Teilnahme oder Nichtteilnahme der Bürger sollen keine Rückschlüsse gezogen werden können. Wenn alle in die Kabine gehen, hat das nichts zu bedeuten.
 
 

Kommentar von Thedor Ickler, verfaßt am 12.06.2015 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29132

Wem ist gestern eine auffällige Person aufgefallen? (Polizeibericht Erlangen 12.6.15)
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 09.06.2015 um 11.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29103

Es gibt nichts, was nicht mißbraucht werden könnte. Selbst Wahlen können manipuliert werden.

Solche Petitionen sind wichtig, um Mißstände an die Öffentlichkeit zu bringen, denn die ''Vierte Gewalt'' ist, wie wir ja alle wissen, dazu heute nicht mehr in der Lage. Das wird heute durch die ''Fünfte Gewalt'', das Internet, ermöglicht, wo die Betroffenen ihre Situation i. d. R. selbst schildern müssen, also keine Bearbeitung und Filterung durch Journalisten stattfindet. (Das wäre doch sicher eine gute Quelle für sprachwissenschaftliche Untersuchungen.) Und wenn wir nicht aufpassen, dann wird uns auch das bald genommen oder zumindest eingeschränkt:

www.change.org/p/wir-sind-f%C3%BCr-netzneutralit%C3%A4t-und-gegen-ein-2-klassen-netz-regsprecher-was-sagt-frau-merkel
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2015 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29101

In diesen Zusammenhang gehört vielleicht die heutige Meldung, daß die Welthungerhilfe bei einer Demonstration bezahlte Schauspieler in drastischer Maske eingesetzt hat. Bisher hielt ich die Organisation für die einzige, die man gelegentlich mit einer Spende bedenken kann, aber jetzt ist für mich eine Grenze erreicht. Man denkt doch, daß Demonstranten für etwas demonstrieren, was ihnen am Herzen liegt. Wenn man sie aber nicht mehr von bezahlten Werbe- und Drückerkolonnen unterscheiden kann, hört der Spaß auf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2015 um 10.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29100

Natürlich gibt es das, aber wir haben auch unsere Erfahrungen mit Petitionen gemacht.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 09.06.2015 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29099

Auf www.change.org gibt es auch Petitionen gegen Massentierhaltung, einfach mal nach diesem Begriff suchen.

www.change.org/p/landkreis-rotenburg-w%C3%BCmme-amt-f%C3%BCr-naturschutz-und-landschaftspflege-herr-cassier-torfabbau-klenkendorf-sandbostel-verhindern

www.change.org/p/deutschen-bundestag-enterben-zwangsversteigerung-zur-aufhebung-der-erbengemeinschaft-abschaffen
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 09.06.2015 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29098

Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln – setzen Sie eine gesetzliche Regelung durch!

www.change.org/p/an-den-bundesminister-f%C3%BCr-ern%C3%A4hrung-und-landwirtschaft-gesetzliche-regelung-gegen-die-lebensmittelverschwendung
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2015 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29097

In den Zeitungsberichten über Wallraffs Kantinenrecherchen wird mehr oder weniger kritikheischend festgestellt, das Essen komme "aus Großküchen". Woher denn sonst? Viele Restaurantbesucher wissen gar nicht, daß ein großer Teil des Essens (Hähnchenbrust, Gnocchi usw.) ebenfalls aus der Tiefkühltruhe und damit aus Großküchen kommt.
Unsere Jüngste hat ein FSJ in einem Behindertenheim gearbeitet und genauen Einblick in die Verpflegung gewonnen. Das Mittagessen kam aus einer Großküche (Kliniksküche), der Rest wurde in der eigenen Küche zusammengestellt. Alles tadellos, niemals die kleinste Gelegenheit zur Kritik. Das einzige, was sie schmerzte, war die Vorschrift, Nichtverzehrtes zur Vernichtung zu sammeln, auch wenn es einwandfrei war und wenigstens noch Schweinefutter ergeben hätte, aber auch das ist heute verboten. (Hierauf geht ein Großteil der Verschwendung zurück, der in den Medien regelmäßig angeprangert wird.) Ein bekanntes Problem sind die sehr geringen Preise, die den Caterern gezahlt werden.
Nicht die "Großküche", sondern was davorliegt, die Massentierhaltung und -schlachtung, ist das Problem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2015 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29037

Für die "Ungerechtigkeit" des Mehrheitswahlrechtes hat man hierzulande wenig Sinn. Das "Demokratische" kann unterschiedlich definiert werden, radikaler Proporz muß ja nicht das einzige sein. Demokratisch kann auch sein, daß die Regierung auf demselben "ungerechten" Wege durch eine andere ersetzt werden kann.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 02.06.2015 um 14.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29035

Aus einer Programmzeitschrift (Funk Uhr 22/2015) unter der Überschrift "Hauptstadt natürlich Berlin":
Rund 9.000 Eisdielen gibt es bei uns. Die meisten davon – logisch – in Berlin (ca. 500).
Mit einer Null mehr hätte die Rechnung gestimmt.

Noch ein Wort zu Wähleranteilen: Bei den jüngsten Unterhauswahlen in Großbritannien erreichten die Konservativen ihren großen Wahlsieg, mit dem jetzt durchregiert werden kann, mit gerade einmal 36,9% der abgegebenen Stimmen. Fast zwei Drittel der Wähler haben also ausdrücklich gegen die Konservativen gestimmt. Das hält man dort für demokratisch.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.06.2015 um 00.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29030

Hatten wir nach dieser Arithmetik je eine Regierung, die von der Mehrheit der Wahlberechtigten gewählt war?

Schon, aber nicht besonders oft. Wenn man mit »Regierung wählen« die Wahl der Parteien meint, die sie letztlich gebildet bzw. getragen haben (die Wähler wissen bei der Stimmabgabe ja noch nicht, welche Koalition am Ende zustande kommen wird), und wenn ich mich nicht verrechnet habe, war dies von 1961 bis 1963 (Kabinette Adenauer IV und V), von 1966 bis 1969 (Kabinett Kiesinger) und von 2005 bis 2009 (Kabinett Merkel I) der Fall.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.05.2015 um 21.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29029

Selbst nachgerechnet hat der Leser sowieso nicht. Denn aus so stark gerundeten Zahlen wie "etwa 35%" bzw. "ca. 59%" lassen sich unmöglich die genauen Angaben 1,26 Mio. bzw. 1,94 Mio. herleiten.

Die Irish Times geht offenbar von 3,2 Mio. Wahlberechtigten aus. Die angeblichen 59% Gegenstimmen entsprächen dann 1,89 Mio. und nicht 1,94 Mio. Daran sieht man schon, daß die Zahl 1,94 Mio. so, wie der Leser schreibt, nicht berechnet worden sein kann.

Die ersten 4 Sätze sagen, daß die Wahlbeteiligung 39,42/62,1 = 23,99/37,8 = 63,5% und damit die Nichtbeteiligung 36,5% (statt "etwa 35%") gewesen sein muß. Nach der etwas schiefen Ansicht des Lesers hätten sich also 36,5% + 24% = 60,5% (nicht 59%) dagegen ausgesprochen, und damit hätte er auch genau seine 1,26 Mio. dafür bzw. 1,94 Mio. dagegen erhalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2015 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#29026

„62,1% der Abstimmenden sprachen sich für die sog. Homo-Ehe aus. Das sind 39,42% der Abstimmungsberechtigten überhaupt. Dagegen waren 37,8% der Abstimmenden. Das sind 23,99% der Abstimmungsberechtigten. Etwa 35% der Abstimmungsberechtigten sind der Wahlurne ferngeblieben. Addierte man diese zu den Stimmen der Gegner hinzu, hätten sich ca. 59% gegen die "Homo-Ehe" ausgesprochen. In absoluten Zahlen bedeutete dies, dass 1,26 Millionen dafür und 1,94 Millionen dagegen gewesen wären (Angaben The Irish Times).“

So beginnt ein Leserbrief an die FAZ online. Typisch für die Rechenkunststücke, die nach jeder Wahl angestellt werden. Man schlägt die Nichtwähler einfach der Seite zu, auf der man sie gern gesehen hätte. Kurze Antwort: Qui tacet, consentire videtur. Guter Grundsatz, meistens. (Meiner Ansicht nach haben die Iren weniger für die Homo-Ehe gestimmt, die den meisten so gleichgültig sein dürfte wie mir, als gegen die Bevormundung durch die Kirche.)
Hatten wir nach dieser Arithmetik je eine Regierung, die von der Mehrheit der Wahlberechtigten gewählt war?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2015 um 14.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28940

Die OECD überrascht uns immer wieder mit ihren höheren Einsichten:

„Besonders ausgeglichen sind die Einkommen in den nordischen und einigen osteuropäischen Ländern wie Dänemark, Slowenien, der Slowakei und Norwegen.“

Aber nun mal im Ernst:

„In Deutschland verdienen die obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher 6,6-mal so viel wie die untersten zehn Prozent.“

Ich kenne Ärzte, die 6,6mal so viel verdienen wie ich. Auch bei Siemens wird mehr verdient. Aber warum wird das in einem anklagenden Ton vorgetragen? Wo steht geschrieben, wie es eigentlich sein müßte?

„Als problematisch sieht die OECD den hohen Anteil atypischer Beschäftigung in Deutschland, wozu Teilzeit, Minijobs und befristete Beschäftigungsverhältnisse zählen. Er liege inzwischen bei nahezu 40 Prozent und sei hauptverantwortlich für die Lohnkluft.“

Das ist auch so eine Rechnung. Viele Menschen arbeiten absichtlich und gern in Teilzeit, weil das mit ihrer Lebensplanung genau übereinstimmt. Warum faßt man diese Menschen mit den unfreiwillig prekär Beschäftigten zusammen?

(Sollen alle gleich arm sein, und ist das wirklich erstrebenswerter als eine Ungleichheit, bei der die Durchschnittseinkommen dreimal so hoch sind wie im vermeintlich gerechteren Vergleichsstaat? Ich denke an das Beispiel Slowakei.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2015 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28897

Ich hatte gar nicht an "das" Übereinkommen zum Walfang gedacht, sondern nur an die vielen internationalen Konferenzen der Fischereiministerien (Norwegen, Island, Japan), die auch für den Walfang zuständig sind. Davon liest man doch ständig.

"Auch der Fang von Meeressäugern (Walfang) ist ein Teilgebiet der Fischerei." (Wikipedia)

Der FAZ hatte ich keinen Widerspruch nachgesagt.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 16.05.2015 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28896

Der Walfang wird nicht durch Fischereiabkommen, sondern durch das „Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs“ von 1946 geregelt.

Der Artikel in der FAZ richtet sich hauptsächlich gegen die Firma REWE, die den Verkauf von Glyphosat einstellen will. Interessant sind die Formulierungskünste von REWE in ihrer Presseerklärung:

„Die zur REWE Group gehörenden 350 toom Baumärkte werden bis spätestens 30. September 2015 keine Glyphosat-haltigen Produkte mehr führen. Seit heute (11.05.) besteht für die Märkte keine Möglichkeit mehr, derartige Produkte nachzubestellen.“

Offenbar ist damit nicht gemeint, daß Glyphosat spätestens ab 30. September wieder verkauft wird, sondern daß es bis dahin noch abverkauft werden kann. Schlußfolgerung für den Konsumenten: „Nichts wie hin, bevor es das nicht mehr gibt.“ So edelmütig ist REWE nun auch wieder nicht, seine Kunden ab sofort vor Krebs zu schützen.

Stolz erklärt REWE noch: „Damit handelt toom Baumarkt deutlich vor der anstehenden Entscheidung über die Verlängerung der EU-Zulassung für Glyphosat.“ Damit wird gleich klar, wo das Hintertürchen ist: Sollte die EZ-Zulassung doch verlängert werden, dann ...

Natürlich sind alle glyphosatresistente Pflanzen gentechnisch hergestellt. Gerade deshalb halte ich es für ausgeschlossen, daß solche Pflanzen auf deutschen Feldern wachsen, erst recht nicht in „Nachbars Garten“.

Ich sehe keinen Widerspruch zwischen den beiden Aussagen in der FAZ zur „Energiewende“. Solange wir Kunden die Erzeugung von Wind- und Sonnenstrom mit zig Milliarden subventionieren, und das völlig unabhängig davon, ob dieser Strom gebraucht wird oder nicht, solange ist der Bau etwa von Windflügeln doch eine nahezu risikolose Investition (wenn man nicht an „windige“ Geschäftsleute gerät) – völlig egal, ob die Energiewende gelingt oder nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2015 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28890

Na ja, der Walfang wird auch durch Fischerei-Abkommen geregelt, das hat nur praktische Gründe. Ich wollte mich auch ausdrücklich nicht um Gutachten der WHO kümmern, Bewertungen und Neubewertungen, sondern die rhetorische Aneinanderreihung von Kaffee, Zigaretten und Alkohol kritisieren. In einem gewissen Teil dieser Zeitung sieht man ja rot, wenn es grün wird, und die übliche Totschlagsargumentation ist: Wenn wir x verbieten, dann müssen wir gleich alles verbieten.

Ich weiß auch nicht genau, was den Mais glyphosatresistent macht; aus dem Wikipedia-Artikel glaubte ich entnehmen zu können, daß es die Gentechnik ist.

Kürzlich legte die FAZ dar, daß und warum die Energiewende gescheitert ist, während eine Verlagsbeilage zur selben Ausgabe die wunderbaren Investitionsmöglichkeiten gerade in diesem Bereich pries.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 15.05.2015 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28888

Das Wort „Pestizid“ wird offenbar auch als Oberbegriff für Herbizide, Insektizide usw. gebraucht (so etwa im Französischen lt. Petit Robert). Dementsprechend hat sich das „Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR)“, eine gemeinsame Einrichtung von WHO und FAO, auch mit dem Herbizid Glyphosat befaßt und diese Substanz als nicht karzinogen eingestuft. Das entspricht auch der bisherigen Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), der EU und nationaler Zulassungsbehörden.

Der Anlaß für die aktuelle Diskussion ist, daß die WHO-Organisation „International Agency for Research on Cancer (IARC)“ Glyphosat neuerdings als „wahrscheinlich karzinogen“ eingestuft hat. Schon in der Vergangenheit hat die IARC durch umstrittene Entscheidungen für Aufsehen gesorgt, insbes. durch die Einstufung der Ausstrahlung von Handys als „möglicherweise karzinogen“. Eine gewisse Skepsis gegenüber der Neubewertung von Glyphosat durch die IARC ist daher durchaus verständlich.

Insofern ist der Artikel in der FAZ keineswegs gänzlich verfehlt, enthält im einzelnen aber Unrichtigkeiten. So stuft die IARC Kaffee nur als „möglicherweise karzinogen“ ein. Als „wahrscheinlich karzinogen“ stuft die IARC neben Glyphosat u.a. auch offene Kamine, das Braten bei hoher Temperatur, Mate (heiß) und die Tätigkeit als Friseur ein.

Neu ist mir, daß in Deutschland gentechnisch modifizierte Pflanzen in nennenswerter Menge angebaut würden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2015 um 05.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28882

Die FAZ-Wirtschaftsredaktion polemisiert in gewohnter Weise gegen die Kritiker des Totalherbizids (nicht „Pestizids“, wie Jan Grossarth ständig schreibt) Glyphosat und besonders gegen ein Unternehmen, das es aus dem Angebot nimmt. „Dann müsste es auch Kaffee, Alkohol und Zigaretten auslisten. Die werden von der WHO als mindestens so gefährlich wie Glyphosat eingestuft.“ „Doch die WHO facht die Debatte neu an. Zwar sind in der gleichen Krebsrisikoklasse wie Glyphosat auch Stoffe wie Kaffee und Diesel gelistet...“
Ich weiß nicht, auf welche Quellen sich der preisgekrönte Autor stützt, der in seinem Bericht ebenso wütend schreibt wie im dazugehörigen Kommentar. Aber wo sind denn die hundert Millionen Kaffee-Toten?
(Es ist schon etwas unheimlich, wenn auf den Feldern und auch in Nachbars Gartenbeeten rein gar nichts wächst außer der einen gentechnisch glyphosatresistent gemachten Pflanzenart. Laut Werbung ist das aber gut für die Umwelt.)

In derselben Ausgabe wird berichtet, daß die Schweiz eine Rundfunkabgabe nach deutschem Vorbild einführen will. Dann würde zwar auch der Nichtfernseher zahlen, aber schließlich finanzierten ja auch „elternlose Kinder“ die Schulen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2015 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28726

Deutschland ist inzwischen ein fortschrittliches Einwanderungsland: Zu diesem Ergebnis kommt der Sachverständigenrat der deutschen Stiftungen für Integration und Migration (SVR) in seinem Jahresgutachten. (stern 28.4.15)

Das mag so sein, aber Sachverständige können nur Entwicklungen feststellen, nicht Fortschritt, weil dies ein wertender Begriff ist. Man denke an die Islamisten, die als Fortschritt bezeichnen, was andere als Rückschritt ansehen. Oder näherliegend: Während Bevölkerungswissenschaftler eine Erhöhung des Rentenalters für unumgänglich halten, hat die Regierung Nahles seine Herabsetzung als großen Fortschritt durchgesetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2015 um 09.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28658

Nun glauben wir alles über den Charme des Darms zu wissen, doch weit gefehlt!

Der westliche Lebensstil verringert offenbar die Vielfalt der Mikroorganismen im Darm. Das zeigen unabhängig voneinander zwei Studien, die die Darmflora isoliert lebender Gruppen auf Neuguinea und im Amazonasgebiet analysieren. Im Darm von Menschen aus Papua-Neuguinea fanden Forscher eine deutliche größere Artenvielfalt als bei US-Studenten. Ein zweites Team schreibt, die Yanomami-Indianer im Amazonasgebiet von Venezuela hätten vermutlich die größte bekannte mikrobiologische Darmvielfalt weltweit.

Darum sind die Papua und Yanomami auch so rank und schlank und kerngesund und werden uralt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2015 um 18.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28564

Der SPIEGEL titelt: "Pilot: Der Alptraumberuf"
Makaber...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2015 um 12.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28556

Als Konsequenz aus dem Germanwings-Absturz will Minister de Maizière künftig die Passagiere (!) wieder stärker kontrollieren lassen, und alle rätseln nun, wie der logische Zusammenhang herzustellen wäre. Andererseits diskutierten bei Maischberger, als noch wenig bekannt war, Experten über die technischen Probleme mit dem Airbus. Aber der hatte keine Probleme, er funktionierte nur allzu gut. Dann kamen die psychiatrischen Ferndiagnosen über den Kopiloten; sie hatten literarische Qualitäten, aber sonst? Käßmann steuerte die theologische Deutung bei. Jetzt fehlt noch die Verfilmung – wetten, daß sie kommt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2015 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28538

Heute bietet sich die aufregende Gelegenheit, einer Sensationsmeldung beim Entstehen zuzusehen.

Junge Riesensonne beim Aufwachsen beobachtet

Mexikanische Forscher sind ganz aufgeregt: Sie haben einer jungen Sonne dabei zugesehen, wie sie sich entwickelt. Jetzt wittern sie die Gelegenheit, in den nächsten Jahren weiter hinzustarren.

(welt.de 3.4.15)

Man könnte meinen, daß es da wirklich etwas zu sehen gibt und der Astronom ganz aufgeregt seine Frau aus der Küche holt: "Ich muß dir da was zeigen."

In Wirklichkeit haben die radioastronomischen Aufnahmen über zwei Jahrzehnte hinweg gewisse Veränderungen festgehalten. Schneller geht es bei den großen Entfernungen nicht. Und der letzte Satz über die Gelegenheit zum Hinstarren ist so entstanden:

"Dieses Himmelsobjekt bietet uns die aufregende Gelegenheit, während der nächsten Jahre zu beobachten, wie ein sehr junger Stern seine frühen Entstehungsphasen durchläuft."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2015 um 07.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28535

In unseren Medien wird verbreitet, ein Amerikaner habe sich durch zu viel Eistee (4 l täglich) Nierensteine zugezogen. Schuld sei das Oxalat im Schwarztee.

Typisches Beispiel, wie auch noch der letzte Unsinn aus der amerikanischen Provinz sich über uns und die ganze Welt ergießt.

("Der Arkansas-Fall scheint sehr ungewöhnlich zu sein, sagt der Nierenspezialist Randy Luciano von der Medizinschule der Yale University." – Ja, eben.)

Der Eistee, am besten noch gesüßt und mit Zitronensäure konserviert, paßt übrigens zum kindlichen Geschmack der Amerikaner.

Was die Säure betrifft, habe ich mir gerade etwas Greuliches von einem Zahntechniker erzählen lassen: Eine junge Frau, die an Bulimie gelitten hatte, besaß nur noch graue Zahnstummel, weil die Magensäure beim Erbrechen die Zähne in kurzer Zeit zerstört hatte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2015 um 04.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28513

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27568:

Von Bildern verstehe ich nicht viel, aber ich habe mich schon oft gefragt, woran es eigentlich liegt, daß man Filmbilder immer sofort von Dokumentarfotos unterscheiden kann, und zwar um so leichter, je neuer und "realistischer" der Film ist. Ob man nun eine "Holocaust"-Serie dreht oder das Leben Anne Franks oder Sophie Scholls oder eben wie jetzt wieder das KZ Buchenwald verfilmt – es ist immer derselbe Effekt. Filme dieses Genres, also Spielfilme, die mich mit historischen Grausamkeiten "erschüttern" wollen, habe ich mir noch nie angesehen und werde auch die neue Apitz-Verfilmung nicht sehen. Wie ich schon einmal berichtet habe, sollten wir Referendare damals "Holocaust" ansehen, um mit den Schülern darüber diskutieren zu können, und man galt fast als unmoralisch, wenn man sich weigerte, während ich es gerade umgekehrt als unanständig empfand, sich dem Spektakel auszusetzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2015 um 14.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28364

Gewöhnlich sind Haiattacken in dem Gewässer jedoch sehr selten. (Focus 22.3.15)

Nur manchmal kommen sie sehr oft vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2015 um 04.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28358

„Bei gleicher Bildung, beruflichem Status, Einkommen und Kinderzahl zeigen sich keinerlei Differenzen beim Gymnasialbesuch zwischen Protestanten und Katholiken, heißt es in einer Studie des Soziologen Marcel Helbig.“ (FAS 22.3.15) – Damit soll die Legende vom katholischen Mädchen vom Lande widerlegt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2015 um 04.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28335

Wie viele Prozent der Deutschen geben Putin die Alleinschuld am Ukraine-Konflikt? Allensbach findet es heraus, und das gibt eine Seite in der FAZ sowie den Aufmacher. Mindestens einmal pro Woche bezieht sich diese Zeitung auf Allensbach, aber was soll's? Wer liest das noch? Dabei ist die FAZ noch nie eine Freundin von Volksbegehren gewesen, aber diese Meinungsumfragen sind auch nicht viel anders, Populismus eben.

Bei uns in der Region darf das Volk abstimmen über eine neu zu bauende "Stadt-Umland-Bahn", die die Autofahrer von der Straße holen soll. Die Politiker feuern zusammen mit Umweltverbänden aus allen Rohren, und man hat den Eindruck, daß sie um so lauter werden, je mehr sie selbst daran zweifeln, daß der Bau neuer Regionalbahnstrecken etwas anderes werden kann als ein neues Milliardengrab. Freilich locken die hohen Zuschüsse von Bund und Freistaat – also dieselbe Falle, in die man schon mit so vielen Projekten gerannt ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2015 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28227

Das Impfen ist immer mit schwierigen Risikoabwägungen verbunden. Das ist hier nicht der Ort für eine Diskussion, ich möchte nur die Jüngeren darauf hinweisen, daß wir bis vor 40 Jahren eine klaglos hingenommene Impfpflicht hatten, die tatsächlich zur Ausrottung der Pocken geführt hat. Nicht obligatorisch, aber bei uns praktisch ausnahmslos durchgeführt war die Polio-Schluckimpfung, mit phantastischem Erfolg. Als liebenden Vater schaudert's mich, wenn ich daran denke, was hätte passieren können, wenn wir diese und andere Vorsorgemaßnahmen nicht getroffen hätten.
Ich kenne Menschen, die, sobald es um Fragen der Lebensführung geht, weder das Kopfrechnen noch einfache medizinische Kenntnisse beherrschen, sich aber in okkulten Dingen sehr gut auskennen, z. B. in der energetischen Aufladung von Sand ... Warum auch nicht? Für die Immunisierung gegen Infektionskrankheiten sorgen ja wir anderen. Alles nur Statistik.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 24.02.2015 um 15.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28189

Einer anderen Medienmeldung zufolge sind 90 Prozent der in Berlin an Masern erkrankten Kinder nicht dagegen geimpft. Auch eine Impfung bietet demnach keinen sicheren Schutz. Was die genaue Todesursache bei dem einen (in Ziffern: 1) – bereits vor Wochen – gestorbenen Kind war, scheint auch nicht ganz klar zu sein. Die ganze Medienkampagne, die sich jetzt wie auf Kommando über uns ergießt, ist mehr von Hysterie als von sachlicher Berichterstattung geprägt. (Allerdings scheint es auch vernünftige Kommentare zur wieder einmal geforderten Zwangsimpfung zu geben.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2015 um 04.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28181

Mehr als 60 Prozent der Deutschen bezweifeln, dass Deutschland eine Demokratie ist. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt eine neue Meinungsstudie. (Focus 24.2.15)

Liest man die Leserbriefe dazu, sieht man sofort, daß die Frage sinnlos ist und keine anderen Ergebnisse zu erwarten waren. Wenn den Zeitungen sonst nichts einfällt, geben sie Umfragen in Auftrag. (Das tut bekanntlich auch die FAZ, aufgrund alter Beziehungen immer bei Allensbach.) Damit wird dann Politik gemacht, aber es scheint sich abzunutzen, weil die vielen Spiegel, die uns nun täglich vorgehalten werden, einander aufheben und nur noch Langeweile erzeugen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2015 um 16.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28174

In Berlin ist ein Kleinkind an Masern gestorben: "Das Kind war geimpft, aber nicht gegen Masern." (Focus 23.2.15)

Da sieht man, daß die ganze Impferei nicht gegen Masern hilft. Außer einer Masernimpfung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2015 um 15.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28133

„Was wir einnehmen, geben wir eins zu eins an die Menschen zurück.“

Das tut eigentlich jeder. Man nimmt Geld ein und gibt es wieder aus, natürlich an Menschen, wenn auch nicht unbedingt dieselben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2015 um 07.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28130

Gestern brachte die FAZ ganzseitig den Vortrag eines muslimischen Gelehrten, der zeigte, daß der Koran in seinem historischen Kontext verstanden werden muß und dann dem kriegerischen Anschein zum Trotz ganz friedlich ist, geradezu ein Dokument der Religionsfreiheit usw. Ich habe es nicht zu Ende gelesen, weil ich es ohnehin glaube.
Das gehört eigentlich unter "Heilige Texte". Texte sind eben unendlich interpretierbar. Platon hat das im 7. Brief, mag er echt sein oder nicht, in die klassische Formulierung gebracht, als Begründung, warum er seine eigentliche Lehre nicht niedergeschrieben habe. Man sieht es auch an den noch gar nicht so alten marxistischen Schriften.

Soll man nun darüber verzweifeln oder frohlocken?

With or without religion, good people can behave well and bad people can do evil; but for good people to do evil — that takes religion. (Steven Weinberg)

"ideology" wäre treffender.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 18.02.2015 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28129

Der Begriff ''gewaltbereit'' – oft im Zusammenhang mit Jugendlichen verwendet – ist ziemlich ideologisch und negativ vorbelastet. Jedoch sind auch Sicherheitsdienste, die Polizei oder eine Armee letztlich ''gewaltbereit''. Und da der Staat ein "Gewaltmonopol" für sich in Anspruch nimmt, ist es letztlich auch der Staat. Wasser predigen und Wein trinken, so lieben's die Moralisten! Warum jemand – abgesehen von denjenigen die "legal" Gewalt anwenden dürfen – zu Gewalt greift oder greifen muß danach fragen diese nicht. Die Welt wird sehr einfach, wenn man auf der Seite der Moral, des Staates oder Gottes steht.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 18.02.2015 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28126

Wobei Japan ja auch mehr (oder mindestens soviel) vom Schintô geprägt ist wie vom Buddhismus, der dort außerdem recht eigenwillige Formen (Zen, Amitaba) angenommen hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2015 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28105

Ja, eben, und auch der ebenfalls erwähnte Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen ist nicht in erster Linie ein Religionskonflikt. Der Buddhismus konnte sich in Indien nicht halten, weil er quer zum Kastensystem stand, so habe ich es gelernt. Die Verfasser haben Mühe mit dem Nachweis, daß auch andere als die monotheistischen, auf Rechtgläubigkeit versessenen Religionen "metzeln", wie es in der Überschrift heißt. Sie führen sogar die gewaltsame Abwehr der Intoleranz als Beispiel für Gewaltbereitschaft an. Ich würde mir vom Exzellenzcluster etwas mehr Sorgfalt wünschen, das Thema verdient es ja durchaus.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.02.2015 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28103

Ja, und die Kamikaze im 2. Weltkrieg wurden losgeschickt mit nur soviel Treibstoff, daß sie zwar das Angriffsziel erreichen konnten, aber nie damit hätten zurückkehren können. Ich erinnere mich auch an Hitlerjugendgerede (zu bemannten Torpedos), wo auch welche sich bereit erklärten, sich so "für Deutschland zu opfern." Das hatte nichts mit Religion zu tun, auch die Kamikaze-Idee nicht, sondern mit Nationzugehörigkeit bei Krieg, in Japan also nicht mit Buddhismus. Das Religionsverständnis ist in der japanischen Kultur ohnehin von unserm stark verschieden, und wenn deren Kami-kaze, "der Götter Winde", "göttliche Winde", massive Taifune, im 13. Jahrhundert zweimal Japan vor einer übermächtigen mongolischen Invasion bewahrt hatten, dann hatte das nichts mit buddhistischer Einstellung zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2015 um 07.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#28101

In der FAZ vom 16.2.15 zeigen drei Mitarbeiter des „Exzellenzclusters Religion und Politik“, daß nicht nur die Anhänger monotheistischer Religionen zur Gewalt fähig sind, sondern beispielsweise auch Buddhisten. Als Beleg werden die japanischen Kamikaze-Flieger angeführt, die noch vor den Dschihadisten das Selbstmordattentat eingeführt hätten. Ist das nun ein exzellentes Argument – oder intellektuelles Kamikaze?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2015 um 05.37 Uhr  
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Die OECD hat herausgefunden, daß Deutschland wieder mal Schlußlicht ist, nämlich bei der Reformfreudigkeit. Griechenland ist Spitzenreiter. So jedenfalls die Schlagzeilen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.02.2015 um 21.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27973

Le Pen sind Fehler unterlaufen seit dem 7. Januar. Dass die FN-Chefin sich am 11. Januar nicht eingereiht hatte in den großen "republikanischen Marsch" für Toleranz und gegen Terror – das nahmen ihr laut Umfragen sieben von zehn Franzosen übel.
(SZ, 2.2.15, S. 7)

Wikipedia: Bei der Europawahl 2014 wurde der Front National mit 26 Prozent stärkste Partei Frankreichs ...

Wo ist jetzt der große Stimmeneinbruch bei der Änderung von 26 auf rund 30 Prozent, aus dem sich schließen ließe, daß die Franzosen Le Pen irgendetwas besonders verübelten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2015 um 07.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27951

Hans Werner Sinn ist ein einfallsreicher Kopf.

Wenn man die Geburten anregen will, ist es besser, das Kindergeld für das dritte Kind statt für das erste zu erhöhen“, sagte der Präsident des Münchener ifo-Instituts. „Denn Geld für das dritte Kind ist auch ein Anreiz, das erste zu bekommen, aber nicht umgekehrt“, meinte Sinn.(Focus 31.1.15)

Das Kindergeld hatte allerdings, wie schon mehrmals gesagt, nie den Zweck, die Geburtenrate zu erhöhen (das war bei seiner Einführung nicht nötig), sondern diente dem Ausgleich der Mehrbelastung, die mit der Aufzucht künftiger Rentenzahler verbunden ist. Diese Mehrbelastung beginnt mit dem ersten Kind. Eine Erhöhung ist angesichts der tatsächlichen Kosten natürlich wünschenswert.

Kürzlich urteilte der Bundesgerichtshof, es könne eine schwere psychische Krise auslösen, wenn ein Mensch erfahre, daß sein "Vater" nicht wirklich der leibliche Vater ist; daher sei die Anonymität des Samenspenders nicht schützenswert. (Was das faktische Ende dieser Zeugungsart bedeutet. Daß Adoptionen ähnlich wirken könnten, scheint niemand anzunehmen. Es wird also noch weniger Nachwuchs geben.)

Ich erwähne dies wegen folgender Überlegung: Wenn Eltern die 184 Euro für das erste und zweite Kind nebenbei einstreichen, weil sie auf die fetten 500 Euro für das dritte spekulieren, könnte das nicht auch katastrophal auf die zarten Seelen der Erst- und Zweitgeborenen wirken? Dich haben wir nur gekriegt, weil wir den Tertius wollten... Es soll ja Töchter geben, die ihre Existenz nur dem Wunsch der Eltern verdanken, endlich einen Sohn zu haben.

Eine Lösung des Problems hat Leo Tolstoi in seiner Fibel gefunden:


Drei Kranzkuchen und ein Kringel

Ein Bauer hatte großen Hunger. Er kaufte einen großen Kranzkuchen und aß ihn auf. Er hatte immer noch Hunger. Er kaufte noch einen Kranzkuchen und aß auch den. Und immer noch hatte er Hunger. Er kaufte einen dritten und  aß ihn ebenfalls. Und auch jetzt war sein Hunger nicht gestillt. Da kaufte er sich Kringel. Und kaum hatte er den ersten gegessen, war er satt. Der Bauer schlug sich an den Kopf und sagte: „Was bin ich doch für ein Narr! Nun habe ich ganz umsonst das Geld für die Kranzkuchen ausgegeben. Mit dem Kringel hätte ich anfangen sollen!“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2015 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27937

Umfrage unter 10- bis 17-Jährigen: Kinder wollen ins Grundgesetz (Spiegel 25.1.15)

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat das herausgefunden. Angeblich wollen 73 Prozent der befragten 10- bis 17jährigen, daß die Kinderrechte (der UN) ins Grundgesetz aufgenommen werden, und stimmen darin mit Claudia Roth usw. überein. Sie wollen auch mehr Mitbestimmung in Kommune und Bundespolitik. Beklagt wird, daß nur ein Fünftel der Deutschen die UN-Kinderrechtskonvention kennt.

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Das ist alles sehr verdächtig. Welche Fragen haben solche Antworten suggeriert? Wer kennt einen Zehnjährigen, der in der Bundespolitik mitbestimmen möchte? Wissen die Kinder überhaupt, was das Grundgesetz ist und was hineingehört? Andererseits muß ich gestehen, daß ich die Kinderrechtskonvention nicht kenne und auch nicht kennen will. Wir haben unsere Kinder nach bestem Wissen und "nach Gefühl" aufgezogen, was soll da eine UN-Konvention ändern? Daß Deutschland diese Konvention nicht in Gesetzesform gegossen hat, wird anklagend vermerkt, aber welchen Sinn sollte das haben? Es kommt doch darauf an, wie die Kinder hierzulande wirklich dran sind. Da gibt es immer etwas zu verbessern, aber Grundgesetzartikel würden nicht helfen, auch nicht, wenn sie, wie gefordert, in der Grundschule beigebracht würden. Am Ende der zahlreichen Berichte liest man, worauf der Bericht wirklich hinauswill: die Behörden sollen leichter eingreifen können, auch gegen den Elternwillen. Es ist eben ein Kinderhilfswerk und kein Elternhilfswerk.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2015 um 15.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27856

Das "Handbuch der erklärenden Syntax" von Havers gibt es bei Amazon und bei ZVAB zu einem sehr mäßigen Preis. Schnell zuschlagen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2015 um 06.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27721

Abgesehen von der Forschung an der Role and Reference Grammar arbeitete Van Valin mit Daniel L. Everett, Universität Manchester zusammen an einem Projekt der Informationsstruktur und Syntax in Amazonassprachen. Er hat dabei die Indianersprachen Lakhota und Yatee Zapotec erforscht. (Wikipedia zu Robert Van Valin)

Dazu hätte er nicht an den Amazonas reisen müssen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.12.2014 um 21.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27619

Das stimmt natürlich, lieber Herr Achenbach, es gibt eine Menge von Einflußgrößen. Wir können eigentlich nur über einen sehr vereinfachten, idealisierten Vorgang sprechen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 26.12.2014 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27617

Lieber Herr Riemer,

Ihr erster Beitrag zu diesem Thema scheint mir nicht ganz konsistent.

Sie nehmen nämlich an, daß die Kraft des Abstoßens durch den Fahrer instantan auf den Schlitten übertragen wird und dieser daher "im gleichen Moment" beschleunigt wird. Gleichzeitig scheinen Sie anzunehmen, daß der "Fahrer" zuerst gebremst wird und der Schlitten erst später. Das könnte doch nur dann eintreten, wenn der Schlitten erst mit leichter Verzögerung beschleunigt wird. Hier scheint mir ein Widerspruch zu bestehen.

Natürlich kann es eine instantane Kraftübertragung nicht geben. Wie lange die Verzögerung dauert, hängt aber von der Beschaffenheit des Seils ab, die wir nicht kennen. Ich glaube allerdings nicht, daß die Verzögerung so groß ist, daß der Fahrer in dieser Zeit durch die Reibung nennenswert gebremst wird.

Ferner wissen wir nicht, welche Kraft auf den Schlitten wirkt, denn die Kraftübertragung durch das Schleppseil wird sicherlich nicht ganz verlustfrei sein. Das wird wieder von der Beschaffenheit des Seils abhängen.

Ich vermute allerdings, daß man beide Effekte vernachlässigen kann.

Entscheidend dürften dann die Unterschiede zwischen den Massen und den Reibungskräften von Schlitten und Fahrer sein, die wir natürlich auch nicht kennen.

Wenn der Schlitten nennenswert leichter ist als der Fahrer und auf den Schlitten annähernd die gleiche Kraft des Abstoßens wie auf den Fahrer wirkt, würde der Schlitten stärker beschleunigen als der Fahrer, wodurch es tatsächlich zu einem vorübergehenden Durchhängen des Seils käme. Das hätte aber zusätzlich zur Voraussetzung, daß die größere Beschleunigung des Schlittens nicht durch dessen größere Reibungskraft, die Sie ja auch annehmen, kompensiert wird.

Fazit: Das hängt von soviel unbekannten Faktoren ab, daß man nicht wissen kann, was genau passiert. Die Darstellung des Google-Doodles ist aber wohl nicht notwendigerweise physikalisch unmöglich.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 26.12.2014 um 11.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27613

Schwung holen ist die Bewegung der Arme nach vorne mit den Stöcken in der Luft. Ab dem Moment, wo die Stöcke dann in den Schnee gesetzt werden, um per Krafteinleitung Vortrieb zu erzeugen, spricht man – zumindest südlich des Weißwurstäquators – von antauchen. Zu diesem Moment sollte das Seil noch durchhängend sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.12.2014 um 04.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27610

Wir sehen, was wir wissen, daher ja auch die optischen Täuschungen. Jeder hat wohl schon die Erfahrung gemacht, daß einem der Schlitten, den man hinter sich herzieht, unangenehmerweise in die eigenen Haxn fährt.
Natürlich war meine "wissenschaftliche" Kritik am Doodle nicht so ernst gemeint, ich bewundere diese geniale Idee und ihre trefflichen Ausführungen weiterhin sehr.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.12.2014 um 01.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27609

"Antauchen" verblüfft mich auch, sagt man das irgendwo für Schwung holen, anschieben?
Das leicht zeitversetzte Durchhängen der Leine ist zugegeben schwer zu sehen. Wenn man das bewegte Bild als gif-Datei herunterlädt und mit einem Videoprogramm (Quick Time o. a.) in Einzelbildern anzeigt, sieht man, daß die Leine gerade erst durchzuhängen beginnt, wenn die Skistöcke den hinteren Umkehrpunkt erreicht haben.
Im Idealfall entspricht aber der Anschieberuck bei gespannter Schnur einem elastischen Zusammenstoß, der Schlitten wird für einen Moment (bis die Reibung ihn wieder bremst) schneller als der Skifahrer, d.h. rein theoretisch und bei idealen Bedingungen müßte die Lockerung der Leine sofort im Moment des Abstoßens beginnen.
Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, daß der Schlitten bei leichter Bergabfahrt weniger stark vom Schnee gebremst wird als der Skifahrer und immer ein Stück aufholt und daß der Skifahrer beim Anschieben immer gerade das Seil spannt. So etwas meint sicher Prof. Ickler. Ich glaube, es ist eigentlich auch zuviel verlangt, bei so einer kleinen und nicht sehr genauen Darstellung womöglich mit der Stoppuhr die genauen Geschwindigkeits- und Beschleunigungsverhältnisse abzuleiten. Ich meine nur, so, wie es aussieht, sieht es für mich zumindest nicht grob verkehrt aus.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.12.2014 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27608

»antauchen«?
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 25.12.2014 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27607

Ein Verhalten, daß sich das Seil spannt und entspannt, kann eigentlich nur dann entstehen, wenn das Gewicht (Masse) des Schlittens einigermaßen kleiner ist als das des Schleppers.

In diesem Fall kann angenommen werden, daß die Reibung des größeren Schleppergewichtes mehr bremst als die des Schlittens. Daher wird sich das Seil (elastisch) spannen, bis die Geschwindigkeiten beider Körper gleich sind. Danach bremsen beide Körper reibungsbedingt ab, der Schlepper rascher als der Schlitten. Daher wird im Moment, wenn der Schlepper neu antaucht, das Seil durchhängend sein und danach je nach Elastizität einen mehr oder weniger starken Ruck auf den Schlepper ausüben, wenn dieser wieder antaucht und es sich wieder spannt.

Zur Abmilderung solcher Rucke haben Abschleppseile in der Mitte elatizitätsunterstützende Konstruktionen, um ein Reißen des Seils zu verhindern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2014 um 22.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27606

Sehen Sie das wirklich so? Ich nicht. Meine Wahrnehmung ist, daß das Seil genau in dem Augenblick durchhängt, in dem der Skifahrer beschleunigen müßte. Daher auch mein erster Eindruck, daß irgendwas nicht stimmt, bevor ich mir die Sache klargemacht hatte. Es war weniger das Seil als die Annäherung des Schlittens just nachdem der Fahrer die Stöcke in den Schnee gestoßen hat.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.12.2014 um 18.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27605

Beim Abschleppen eines Autos mittels Abschleppseil dürften ähnliche Effekte auftreten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.12.2014 um 16.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27604

Die Leine wird dadurch gespannt, daß der Schlitten der Fahrt einen größeren Widerstand entgegensetzt als der Skifahrer. Der Schlitten zieht von hinten. So ist, wenn der Fahrer Schwung holt, die Leine schon straff, sie kann nicht noch mehr gespannt werden, sondern beschleunigt im gleichen Moment auch den Schlitten. Da der Fahrer sofort durch seinen Schneewiderstand wieder gebremst wird, macht der Schlitten unmittelbar nach dem Stockschwung einen kleinen Ruck nach vorn, bevor auch er wieder gebremst wird und die Leine erneut spannt. Meiner Ansicht nach ist der minimale zeitliche Abstand zwischen Stockschwung und Leinenlockerung gut zu sehen. Das ist nicht schlecht gemacht und entspricht genau dem, wie es in der Realität aussehen würde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2014 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27603

Der heutige Google-Doodle enthält einen physikalischen Fehler: Die Zugleine des Schlittens müßte straff werden, wenn der Langläufer Schwung macht.

Manche werden das nicht bemerken, und das gehört zum großen Thema unserer Blindheit in naturwissenschaftlichen Dingen. Jeden wirklichen oder vermeintlichen Sprachschnitzer prangern selbst die Unbedarften an, aber Insekten mit vier Beinen oder Engel mit mächtigen Flügeln irgendwo an den Schulterblättern nehmen sie nicht als monströs wahr. Rien n'est beau que le vrai - davon sind wir noch weit entfernt. Eine Bildungsaufgabe für unsere Schulen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.12.2014 um 15.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27585

Die FAS schreibt heute auf Seite 1:

Stichproben der F.A.S. in mehreren Kommunen ergaben, dass mindestens sechs von zehntausend Bürgern ehrenamtlich für Flüchtlinge tätig sind. Hochgerechnet auf die 82 Millionen Einwohner Deutschlands, wären das knapp 50000 Menschen - dreimal so viele, wie zuletzt in Dresden auf die Straße gingen.

Einen so dummen Vergleich hatte ich der FAS bisher nicht zugetraut, die Einwohner Dresdens gegen die Einwohner der ganzen Bundesrepublik zu stellen.

Rechnen wir die 15000 Demonstranten der 530000 Einwohner Dresdens auf die 82 Millionen Einwohner Deutschlands hoch, dann ergibt das 2,3 Millionen aktive Gegner der gegenwärtigen Einwanderungspolitik. Und selbst wenn man in Betracht zieht, daß viele Demonstranten zugereist sind, selbst wenn nur die Hälfte der Demonstranten direkt aus Dresden kamen, dann wären das bundesweit immer noch über eine Million aktive Gegner bei knapp 50000 ehrenamtlichen Helfern.

Meint die FAS vielleicht, ihre Stichprobe sei repräsentativ, Dresden für Deutschland jedoch nicht? Wie auch immer, es dürfte sehr schwer sein, die Millionen Menschen der Bundesrepublik, die die aktuelle Einwanderungspolitik für falsch halten, auf unter 50000 herunterzurechnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2014 um 11.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27568

Alle Zeitungen drucken nun das "Unicef-Foto des Jahres 2014" ab. Meiner Ansicht nach eine Fälschung. Aus welcher himmlischen Lichtquelle ist denn der blonde Engel so gut von vorn ausgeleuchtet, wo doch sein Schatten ebenfalls nach vorn fällt? Wie paßt dieser Schatten denn zu den Beinchen, besonders dem hinteren? Die Schärfentiefe gibt auch zu denken, aber das mögen Fachleute beurteilen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.12.2014 um 10.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27503

Thiemo Heeg hat recht. Es ist kein Zufall, daß es keine RyanCard gibt. Kein normal wirtschaftendes Unternehmen wäre auf eine solche Tarifstruktur gekommen – so etwas gibt es nur beim Staatsbetrieb.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2014 um 07.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27501

Die Deutsche Bahn übertrifft sich wieder mal mit Kundenwerbung durch das Hin und Her wegen der BahnCard. Noch wüster treibt es die FAZ, die einen Kommentator "Weg mit der BahnCard" fordern läßt. Die Bahn verschleudere, wie er sagt, ihre Tickets zum halben Preis. Der FAZ.Mann fährt offenbar nie mit der Bahn, sonst wüßte er, daß die BahnCard 50, an die er hier denkt, 255 Euro kostet. Nimmt man die viel zahlreicheren Besitzer einer BahnCard 25 hinzu, gewähren die Kunden der Bahn einen zinslosen Kredit von mehr als einer halben Milliarde! Das muß erst mal wieder "reingefahren" werden, folglich ist die BahnCard ein treffliches Mittel der Kundenbindung. Man kann sie auch als Mengenrabatt - auf sehr hoch angesetzte Normalpreise - ansehen, wie auch anderswo üblich. In der Schweiz fährt man mit Halbtaxe usw. Nach der Logik des FAZ-Autofahrers müßte die Bahn ihre Preise verdoppeln, um mehr Kunden zu gewinnen...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2014 um 13.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27487

Der VCD hat herausfinden lassen, daß Fernbusse billiger, aber langsamer als die Bahn sind.

Außerdem kam heraus, daß die Hälfte aller Fernbusse mehr als sechs Minuten Verspätung hatte.

Insgesamt hat die Bahn mit leichtem Vorsprung die beste Bilanz, ökologische Gesichtspunkte eingerechnet. Da die Untersuchung vom VCD veranlaßt wurde, ist das Ergebnis tautologisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2014 um 02.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27453

Nun, ich hatte nicht die Absicht, das Gedicht zu interpretieren oder auch nur eine Zeile adäquat zu umschreiben, sondern mein Versuch diente nur der grammatischen Erläuterung. Und "sich belehren lassen müssen" scheint mir – für diesen Zweck – nicht so weit von "lernen" entfernt. Faktivität ist eine grammatische Eigenschaft von Verben (und Verbalabstrakta) und hat nichts mit Apodiktizität von Aussagen zu tun. Ich mußte, um meinen Punkt klarzumachen, die beiden Zeilen in eine deutlichere hypotaktische Beziehung bringen als im Original.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 27.11.2014 um 18.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27452

"Umschreiben" kann man allerdings auf vielfältige Weise. Das erinnert mich etwas an die Gedichtinterpretationen unseligen Andenkens. In dem ganzen Gedicht ist von "Belehrung" keine Rede. Mir kommt der Schlußsatz des Gedichts jedenfalls ziemlich apodiktisch vor.

Was wären denn eindeutige Kriterien für "faktive" Aussagen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2014 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27435

Das würde ich so umschreiben: "Ich mußte mich belehren lassen, daß kein Ding sei, wo das Wort fehlt." (Oder so ähnlich.) Jedenfalls keine faktive Aussage, daher bereitet der Konjunktiv keine Probleme.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 25.11.2014 um 14.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27434

So lernt ich traurig den verzicht:
Kein ding sei wo das wort gebricht.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2014 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27429

Die Bemerkung zur Negation war auch nur auf das eine Beispiel gemünzt. Paul bringt ja auch noch mehr Beispiele, ohne Negation.
Auch heute noch können eigentlich faktive Verben in nichtfaktivem Sinn gebraucht werden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 24.11.2014 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27428

»O! Paulus wußte, was das sey: Jesus Christus ist zur Rechten Gottes und vertritt uns!« (W[ilhelm] F[riedrich] Besser: Bibelstunden, Bd. 7, Halle 1861, S. 712)

Negation ist also nicht notwendig im Spiel. Vielleicht schon eher das gehobene Register.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2014 um 15.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27427

Zu #27393:

Üblicher war der Indikativ, aber Hermann Paul sagt mit Recht:

„Sogar nach wissen erscheint der Konj. nicht selten: (...) daß ich schon nicht mehr weiß, daß jenes Büchelchen gedruckt sey Goe, Br. 28, 320, 6“ (Paul: Dt. Gr. IV:296)

Man müßte die Verwendungstypen genauer untersuchen. Im Zitat ist das Wissen negiert, was schon mal die Verhältnisse ändert. Konnte Goethe auf den Zwischenkieferknochen zeigen und fragen: Wissen Sie, was das sei? oder sagen Ich weiß, was das sei?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2014 um 13.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27425

Natürlich gibt es zu jedem der 13 Argumente eine Quellenangabe. Bei der Unzahl von (angehenden) Soziologen und Psychologen müssen täglich Hunderte von "Untersuchungen" angefertigt werden. Gestern machte mich ein Freund auf die etwas zurückliegende Forschung aufmerksam, wonach die Hälfte der Männer, aber nur ein Viertel der Frauen auf dem Klo lesen. (Rossini soll auf dem Örtchen die Ouvertüren zu seinen erfolgreichsten Opern komponiert haben, während die ungeduldigen Musiker vor der Tür standen, weil sie bis zum Abend ja noch übern mußten.)
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 24.11.2014 um 12.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27424

Was früher die Moralprediger waren sind heute die Psychologen und Psychiater, letztere haben es nur leichter, viel Geld zu machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2014 um 07.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27423

Unter den 13 Argumenten, die ein amerikanischer Psychiater gegen das voreheliche Zusammenleben vorträgt, ist auch dieses:

"Je länger Paare vor der Eheschließung unverheiratet zusammengelebt hatten, desto wahrscheinlicher ist es, dass es in der folgenden Ehe zu überhitzten Streitigkeiten, zu Schlägen und zum Werfen von Gegenständen kommt. Je länger die Paare unverheiratet zusammengelebt hatten, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit an."

Der zweite Satz wiederholt nur, was der erste schon aussagt. Vielleicht ist gemeint: "desto mehr Gegenstände werden geworfen"?

Man muß auch bedenken, daß das Werfen von Gegenständen kulturabhängig ist. Manche Leute sind so arm, daß sie gar nichts zum Werfen haben, andere haben das Werfen erst aus Fernsehserien gelernt und glauben nun, sie müßten werfen. Insgesamt eine eher windige Untersuchung.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.11.2014 um 11.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27393

wissen, was es sey (sic) ist ganz normales Schriftdeutsch des 18. Jahrhunderts, also nicht notwendigerweise um des Reimes willen so formuliert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2014 um 05.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27391

Umgekehrt kann auch der Konjunktiv wie ein Vexierbild wirken. Ich habe schon anderswo ("Musil") den komischen Vers von Wilhelm Busch über den Maikäfer erwähnt, der so kraß um des Reimes willen geschrieben ist. Aber was machen wir denn mit Goethe?

Nun weiß man erst, was Rosenknospe sei,
Jetzt, da die Rosenzeit vorbei;
Ein Spätling noch am Stocke glänzt
Und ganz allein die Blumenwelt ergänzt.

Es schwingt wohl mit, daß nun der Zweifel oder die Unwissenheit behoben ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2014 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27386

Wenn man Eschers unmögliche Gebäude anschaut, erlebt man einen leichten Schwindel. Das gibt es auch bei Texten (unter "Delirium" habe ich einige Fundstücke zitiert).
Wie ist der Indikativ in folgendem Buchtitel zu beurteilen?

Leben – als ob es Gott gibt (Heinz Zahrnt)

Bei der Gelegenheit fällt mir ein, wie beliebt Zahrnts Bücher einmal waren und wie vergessen sie heute sind (das genannte gibt es für 1 Cent bei Amazon).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2014 um 12.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27228

„Notwendig sei demnach die Reduzierung des Ausstoßes der Treibhausgase um 40 bis 70 Prozent zwischen 2010 und 2050 und auf mindestens Null bis 2100.“ (SZ 3.11.14)
Mindestens Null? Fangen wir 2100 damit an, die Treibhausgase wieder einzusaugen?
Ein Foto zeigt die üblichen Kühltürme, die kondensierenden Wasserdampf ausstoßen, gegen das Licht ein furchterregender Anblick, aber völlig harmlos, denn das Wasser würde sowieso verdunsten.
Der Leser wird mit den immergleichen Zahlen erschlagen: 800 Experten haben 30.000 wissenschaftliche Untersuchungen ausgewertet. Ein Funktionär sagt, der Klimawandel passiere schneller als erwartet – was ja wieder einmal heißt, daß die Berechnungen falsch waren, nur eben in der korrekten Richtung: Es ist alles schlimmer als gedacht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.10.2014 um 21.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27205

Banken müssen Gebühren noch nach zehn Jahren zurückzahlen
... Der Bundesgerichtshof urteilte am Dienstag in Karlsruhe, dass diese Ansprüche erst nach zehn Jahren – und nicht, wie die Geldinstitute meinten, schon nach drei Jahren – verjährt seien.
(FAZ, 29.10.2014, S. 16)

Was ist denn nun nach zehn Jahren – verjährt oder zurückzahlen?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.10.2014 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27115

Darüber, daß Presley verstorben ist, sagt ex-wife natürlich nichts aus. Der Ausdruck ist salopper als geschiedene Frau, aber im Prinzip auch nichts anderes.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.10.2014 um 06.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#27114

Der Fotograf Alfred Wertheimer ist gestorben; berühmt durch die frühen Elvis-Bilder. Die Süddeutsche Zeitung schreibt:

Presleys Witwe Priscilla soll vor kurzem noch gesagt haben, dass kein Fotograf ihrem verstorbenen Mann jemals so nahe kam wie Wertheimer.

In den englischen Medien heißt es korrekt ex-wife, denn das Paar war schon lange geschieden, als Presley starb. Im Deutschen scheint es kein passendes Wort für solche Verhältnisse zu geben.

Priscilla lebt allerdings gewissermaßen davon, Presleys "Witwe" zu sein, wobei sie ihren Status als Vormund der gemeinsamen Tochter geschickt zu nutzen wußte und weiß.

(Wertheimer war übrigens im August noch topfit, meine Frau hat sich mit ihm unterhalten. Er erzählte auch noch einmal die Anekdote, wie die Unbekannte auf seinem "Kiss"-Foto 2011 endlich identifiziert wurde: Viele Frauen hatten sich gemeldet, bestanden aber die Prüfungsfrage nach ihrer Körpergröße nicht. Nur Wertheimer selbst wußte, daß die kleine Person eine Treppenstufe höher stand als Elvis... Frau Gray bestätigt die Geschichte; ihr Mann hatte sie gedrängt, sich zu outen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2014 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26968

Einverstanden. Mir ging es diesmal auch nicht um Kritik des Sprachgebrauchs (ich habe das Wort ja auch schon verwendet, sogar auf diesen Seiten), sondern um die Sache selbst, philosophisch. Besonders bedenklich kommen mir Überlegungen vor wie diese: Stellen wir uns Menschen vor, die nur Verstand, aber kein Gefühl hätten... Oder eben, wie anderswo apostrophiert: eine "reine" Liebe ohne Beimischung von Begierde... Kann man auch nur in Gedanken die Liebe aus dem Funktionskreis der Fortpflanzung (Geschlechtsverkehr plus Brutpflege) herauslösen? Schopenhauer würde lachen oder wenigstens grinsen.
Kann man hypothetisch Umstände ersinnen, die es unmöglich machen würden, überhaupt etwas zu ersinnen?
Ein Beispiel: Angenommen, es gäbe keine Reibung. Aber dann wäre die gesamte Physik eine andere, und wenn man es zu Ende denkt, wäre es in einer solchen Anderswelt nicht einmal möglich anzunehmen, es gebe keine Reibung.

(Ich spiele natürlich auf die Einleitung zur Kritik der reinen Vernunft an.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.10.2014 um 18.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26962

Ich finde den Satz von P. Hacker recht treffend.
Aber das Wort wird allgemein verstanden und oft benutzt, wie die "erneuerbaren Energien". Man muß es akzeptieren, wer es nicht mag, braucht es ja nicht selbst zu verwenden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2014 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26957

„Thought-experiments are no more experiments than monopoly-money is money.“ (Peter Hacker)

Es gibt noch mehr Autoren, die sich gegen "Gedankenexperimente" ausgesprochen haben. Nun werden unter diesem Stichwort zahlreiche Gedankenexperimente aus der Wissenschaftsgeschichte angeführt, u. a. das Einsteinsche, das zur Speziellen Relativitätstheorie führte.

"Die SRT ist durch einige klassische Experimente wie das Michelson-Morley-Experiment oder das Kennedy-Thorndike-Experiment sowie durch eine Vielzahl moderner Tests bestätigt."

Ich weiß nicht mehr genau, wie es sich damit verhielt, aber das Michelson-Morley-Experiment war doch erheblich früher als Einsteins Überlegungen und ist in diese bereits eingegangen, oder? Hätte Einstein sein Gedankenexperiment überhaupt erfolgreich anstellen können, wenn ihm nicht die empirische Tatsache der konstanten Lichtgeschwindigkeit bekannt gewesen wäre?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2014 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26927

Durch die Medien geht ein Bericht über sehr aufwendige Genanalysen, mit denen die "wundersame Wanderung der Monarchfalter" erforscht worden sei. Man hat herausgefunden, daß die seßhaften Varietäten andere Flugmuskeln ausgebildet haben als die wandernden. Über die Wanderung selbst, die Orientierung also und damit die traditonell am meisten interessierende Frage, ist nichts dabei herausgekommen. Das Ganze ist wieder mal ein Nichtereignis.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2014 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26918

Wie im vorigen Jahr (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24169) führen die Medien ihre regierungsamtlichen Rechenkünste vor:

Mauerfall und friedliche Revolution - 25 Jahre ist das jetzt her. (Spiegel online 3.10.14)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2014 um 06.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26838

"Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums lässt demnach deutlich die Wahrscheinlichkeit steigen, mit jemandem aus einem anderen Land zusammenzukommen." (tagesspiegel.de 23.9.14 über das Erasmus-Programm)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2014 um 10.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26771

Mein ganzes Leben lang wollte ich wie Gary Cooper sein, und dann so etwas: Ein Quiz (http://www.destinationhollywood.com/movies/highnoon/triviatest_content.shtml) verlangt nicht nur von mir, Fred Zinnermann (!) als Regisseur zu identifizieren, sondern will, daß die Frage 6:

Who actually ends up killing the leader of the Miller Gang?

a) Will Kane
b) Kane's Wife
c) Kane's Deputy

mit b beantwortet wird!

Grace Kelly sah nicht nur gut aus, sondern hat am Ende auch alles richtig gemacht. Allerdings habe ich mir den Film jetzt ein paarmal wegen Tiomkins genialer Musik angesehen. Der Unterschied zu zeitgenössischen Filmen ist deutlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2014 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26762

Ich möchte keinesfalls so verstanden werden, als lehnte ich die Teilnahme an Wahlen ab. Ich selbst werde auch wählen, wenn ich es für richtig halte (wie bisher ausnahmslos). Aber es freut mich, daß Matthias Heine, mit dem ich sonst meistens überhaupt nicht übereinstimme, in der WamS und zwei Leser in der FAZ gut und klar dargelegt haben, warum unter gewissen Umständen Nichtwählen keineswegs verwerflich und auch kein Zeichen von Gleichgültigkeit ist.

Ja, wir haben das in der Schule anders gelernt, aber nun sind wir ja erwachsen und können uns die Sache anders zurechtlegen. Und damit will ich das Thema, was mich betrifft, abschließen.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 15.09.2014 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26755

Zu diesen Rechenkünsten fällt mir schon wieder etwas ein, das reif fürs Kabarett wäre.
Als wir noch alle VW Käfer fuhren und es noch nicht die heutigen modernen Prüfstellen des ADAC gab, stand ab und zu am Mainzer Rheinufer eine mobile Prüfstelle. Dort konnte man sein Auto prüfen lassen. Mein Kollege fuhr also hin, der Mensch dort hielt in jedes der beiden Auspuffrohre eine Sonde, die einen Wert anzeigte. Den las der Kollege auch ab.
Dann bekam er einen Wisch in die Hand. Zu seinem Erstaunen war der Wert verdoppelt. Auf Frage erhielt er zur Antwort: sie haben ja auch zwei Auspuffrohre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2014 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26754

dpa rechnet vor:

Zwei Wahlen - und noch nicht mal fünf Prozent zusammen. Die wenigen Liberalen, die am Sonntag im Thomas-Dehler-Haus für die Fernsehkameras ihr enttäuschtes Gesicht hinhalten, sind Prügel gewohnt.
Aber laut Hochrechnungen 2,4 Prozent in Thüringen, 1,4 Prozent in Brandenburg? Das tut richtig weh.


Hätte die FDP in 16 Bundesländern jeweils 3 % errungen, wäre sie nach dpa-Rechenkunst mit 48 % stärkste Partei in Deutschland.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2014 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26752

Ich habe noch nicht selbst an Tupperware- und Thermomix-Encounters teilgenommen, sondern kenne sie nur aus Berichten anderer. Sie scheinen sprach- und kommunikationswissenschaftlich noch wenig untersucht zu sein. Die Ähnlichkeit mit religiösen Sekten ist kaum zu bestreiten. Der missionarische Impuls wird weitergetragen, er gehört einfach dazu, daher die Beredsamkeit der Käufer: Kaufen heißt Proselyten machen. Erst wenn viele Tausende diese Geräte besitzen, fühlt man sich auf der richtigen Seite.
Anders die Einzelbettelei. Es ist schwer, an der Haustür jemanden abzuweisen, der für einen guten Zweck sammelt. Man kann schlecht sagen: Für Kinder in Not spende ich nichts.
Das Mütterchen aus demselben Dorf, das für die Caritas sammelt, legt die Spendenliste vor, auf der ohne Rücksicht auf den Datenschutz gleich zu erkennen ist, wieviel die Nachbarn gespendet haben: 20 Euro, 10 Euro oder – sieh da! - nur 2 Euro. Ich habe mich erst vor wenigen Jahren dazu durchgerungen, auch die Caritas-Sammlerin abzuweisen, und habe immer noch ein schlechtes Gefühl dabei. Je größer eine Organisation, je mehr gutwillige Helfer sie also an der Basis beschäftigt oder zu Fördermitgliedern macht, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, daß nach Bezahlung der Drücker und der eigenen Angestellten bis hinauf zum dicken Präsidenten noch etwas bei den Bedürftigen ankommt. (Weshalb ich aus sämtlichen wohltätigen Organisationen ausgetreten bin.) Sagt man möglichst unpersönlich, daß man grundsätzlich an der Haustür kein Geld spendet, weiß der Sammler Rat: er nehme ohnehin kein Bargeld, man brauche bloß zu unterschreiben, mit Widerrufsrecht selbstverständlich. Das Rote Kreuz gibt außerdem zu bedenken: „Haben Sie bedacht, daß Sie selbst einmal in die Situation kommen könnten (usw.)?“ Also wie der ADAC. Wenn ich den Lästling losgeworden bin, muß ich manchmal mitanhören, wie nebenan eine Nachbarin bearbeitet wird, und bin versucht, der einsamen Frau beizuspringen, die sich als viel weniger widerstandsfähig erweist.
Gegenüber der Werbung per E-Mail usw. hat die Bettelei an der Haustür auch etwas Archaisches und gewissermaßen Ehrliches, bis hinunter zum Pappschild der rumänischen Bandenmitglieder, die Habitus und Stimme professionell auf den (hierzulande allerdings wenig ansprechenden) Jammerton gestimmt haben. Da wird es dann richtig interkulturell.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2014 um 10.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26751

Je leichter die Recherche durch das Internet geworden ist, desto mehr Zeit bleibt uns - für die Recherche durch das Internet. Ich kenne Menschen, die nur noch recherchieren und sich vom Zweck der Recherche jeden Tag weiter entfernen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 14.09.2014 um 10.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26750

"Sämtliche modernen Gerätschaften zusammen müßten uns soviel Zeit sparen, daß wir fast nur noch dasitzen und zuschauen oder Bücher schreiben. Warum ist das nicht so?": Als in den 70er Jahren Futurologie (Futures Studies) auch bei uns am College in war, wurden wir von begeisterten Gastrednern belehrt, daß wegen der Entwicklung der Technologie Ende des Jahrhunderts die zum Lebensunterhalt nötige Arbeitszeit auf nur zwei Stunden am Tag sinken werde und wir uns also ernsthaft Gedanken machen müßten, wie die viele neue freie Zeit vernünftig zu verbringen wäre. Diese Gedanken haben wir uns offenbar nicht so richtig gemacht, denn auch nach vier Jahrzehnten können wir Icklers Frage nicht so recht beantworten. Aber ich kenne wenigstens ein paar, die fast nur noch dasitzen und zuschauen oder Bücher schreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2014 um 08.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26749

Die Sache mit der Werbepsychologie hatte ich hier schon mal erwähnt: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#25994
Mein Beispiel war die Küchenmaschine "Thermomix". Gerade sehe ich, daß sie es in die Nachrichtenseiten geschafft hat, weil ein verbessertes Modell angeboten wird. Viele Kunden ärgern sich darüber, daß sie erst vor kurzem das bisherige Modell gekauft haben usw.
Der missionarische Ton zahlreicher Leserbriefe fällt immer noch auf. Ob das mit der Direktvertrieb-Methode zusammenhängt? Man ist nicht einfach in ein Geschäft gegangen, um unter zwanzig Küchenmaschinen eine auszusuchen wie bei "Saturn" oder so, sondern hat den Vertreter im Wohnzimmer gehabt und dann "aus Überzeugung" gekauft.
Es erinnert ein wenig an die "tiefe" Frömmigkeit in Ländern mit strikter Trennung von Staat und Kirche.
(Viele Leserinnen betonen, daß sie die Zeit, die sonst für das lästige Kochen draufgeht, dank Thermomix nun sinnvoller verwenden können. Ich bin da skeptisch, wie immer, wenn von Zeitersparnis und sinnvollerer Tätigkeit die Rede ist. Außerdem glaube ich den Berechnungen nicht, was den wirklichen Umfang der Küchenarbeit betrifft. Hausfrauen können bekanntlich nicht rechnen.)
Sämtliche modernen Gerätschaften zusammen müßten uns soviel Zeit sparen, daß wir fast nur noch dasitzen und zuschauen oder Bücher schreiben. Warum ist das nicht so?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2014 um 16.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26739

Dazu passend:

Das Militär hat gezielt die Dämme des Flusses Chenab durchbrochen, um die historische Stadt Multan vor den Fluten zu retten. Die Stadt hat rund zehn Millionen Einwohner. (Spiegel online 13.9.14)

Multan hat 1,6 Mill. Einwohner. Vielleicht wirkt sich hier die traditionelle indische Zahlenvöllerei aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2014 um 08.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26735

Ein ungenaues Wissen kann auch richtig sein. In einer Untersuchung stellte er die Frage: „Welche Stadt hat mehr Einwohner: San Diego oder San Antonio?“ einmal deutschen, einmal US-amerikanischen Studenten. Das überraschende Ergebnis: die deutschen Studenten konnten die Frage öfter richtig beantworten (San Diego), weil sie von der anderen Stadt im Gegensatz zu ihren Kollegen noch nie gehört hatten. Er geht davon aus, dass teilweise uninformierte Entscheidungen auf unbewussten Faustregeln basieren, im vorliegenden Fall: Die bekannte Stadt ist wahrscheinlich auch die größere. – und dies führt häufig zum Erfolg. (Wikipedia über Gerd Gigerenzer)

San Diego hat inzwischen weniger Einwohner als San Antonio, und beide hatten schon seit Jahren ungefähr gleich viele. Das Beispiel ist also nicht gut gewählt. Hat man den Versuch auch mit San Francisco und Jacksonville oder Phoenix gemacht? Als Knabe war ich überrascht, daß das berühmte San Francisco gar nicht so groß ist. Auch Frankfurt "enttäuscht" und wird sicher von Ausländern, die es nur dem Namen nach kennen, als größer eingeschätzt.

In China gibt es rund 100 Städte mit mehr als 5 Mill. Einwohnern. Von den meisten hat man nie etwas gehört; diese werden wahrscheinlich unterschätzt. Was ist größer, Tsingtau (Qingdao) oder Chengdu?


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2014 um 11.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26722

Was die Wahlkampfkostenerstattung betrifft, so habe ich schon angedeutet, daß die Parteienfinanzierung insgesamt es sehr schwer macht, hier etwas abzuziehen; die Parteien bekommen also ihr Geld.

Die Möglichkeit der Wahlfälschung durch Wahlhelfer ist sehr gering, das Risiko für den Fälscher sehr hoch. Man sitzt an großen Tischen, jeder ist für jeden sichtbar, und es gibt auch "Publikum" (es könnte mehr sein!), das den Helfern auf die Finger sieht. Man könnte auch anordnen, daß keinerlei Schreibgerät herumliegt (außer beim Schriftführer, der aber die Wahlzettel nicht in die Hand bekommt).

Ich kann nur empfehlen, sich wenigstens als Zuschauer mal zu beteiligen!
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 12.09.2014 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26721

Bei der Abgabe eines leeren Stimmzettels hätte ich Angst, daß der erste Auszähler dann heimlich doch noch ein Kreuzchen draufmacht, und das wäre dann mit Sicherheit an der falschen Stelle.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 12.09.2014 um 11.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26720

Mir hat mal jemand erklärt, daß ungültige Stimmzettel sehr wohl einen großen Effekt haben: Jede Partei bekommt für jeden Wähler eine Wahlkampfkostenrückerstattung (bin nicht sicher, ob das wirklich so heißt, habe mich da nie näher damit beschäftigt). Wenn jemand also ungültig wählt, bekommt keine der Parteien was.

Auch wenn Beschimpfungen auf Wahlscheinen ''kindisch'' sind, so haben sie doch den großen Vorteil, daß der Wähler hier die Politiker mal beleidigen kann, ohne dafür gerichtlich belangt werden zu können, denn würde er gerichtlich belangt, wäre das der Beweis dafür, daß die Wahl nicht geheim war. Dann müßte das Ganze u. U. wiederholt werden. Wenn ich nicht aus anderen Gründen was gegen Wahlen hätte, so wäre das zumindest mal ein großer Spaß, insbesondere wenn die Beschimpfungen dann nach der Wahl anonym die Runde machen. Natürlich sollte man aufpassen, daß nicht von der Art der Beschimpfung auf den Wähler geschlossen werden kann.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 12.09.2014 um 11.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26719

Ich hatte damals diese Wahl mithilfe einer ADREMA (Adressenmaschine) organisiert, einer gewissen mechanischen Vorstufe des Computers.
Das lief so gut, daß das vorläufige Wahlergebnis schon um 19:00 im Radio war.
"Beschimpfungen" waren sicherlich vor so langer Zeit eher selten, erweckten gleichwohl Aufmerksamkeit. Die Wähler waren ja noch brav und wählten das, was man ihnen sagte.
Heute ist es anders. Wähler sind häufig Wechselwähler geworden.
Die Parteienverdrossenheit spielt eine Rolle.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2014 um 10.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26716

Beschimpfungen habe ich auf Wahlzetteln selten gefunden, Gesamtdurchstreichungen schon häufiger, leere Stimmzettel am häufigsten.
Übrigens weiß ich nicht, wie es jetzt in unserer Gemeinde gehandhabt wird, aber vor einigen Jahren mußten wir halbelektronisch auszählen. Das dauerte mit Einweisung und Fehlerbehebung doppelt so lange wie sonst, wir haben auch den Montag noch dazunehmen müssen. Und das bei einer Gemeinde von 2000 Einwohnern!
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 12.09.2014 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26714

Zu #26703
So gehen eben die Ansichten auseinander. „Kindisch“ kann da überzogen sein.
Ich habe vor einigen Jahrzehnten eine große Wahl in einer großen Kommune komplett durchorganisiert bis zum Endergebnis.
Ganz so achtlos hat man die Ungültigen nicht auf den Haufen geworfen. Beim Auszählen stehen ja immerhin die aufgeregten Vertreter der gewählt werden Wollenden beieinander, beäugen sich, nichts soll ihnen verborgen bleiben. Jeder Zählende sieht jeden Stimmzettel. Interessant wird’s, wenn der Hieb eines Schmierfinken auf den Konkurrenten erfolgt: Häme. Das bleibt auch nicht im Klassenzimmer, dem Wahllokal.
Natürlich gibt es seriösere Methoden. Man schreibt Abgeordnete an. Von mir nicht selten praktiziert.
Gefällt diesem Ihr Brief, bekommen Sie eine Antwort, mißfällt er ihm, eben nicht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.09.2014 um 22.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26705

Eigentlich machen es die Regierenden den unzufriedenen Wählern leicht, indem sie lautstark und wiederholt diejenigen Parteien benennen, die sie am wenigsten leiden können und mit denen sie niemals zusammenarbeiten würden. Je mehr die Denkzettel-Wähler nach der Wahl beschimpft werden, umso mehr haben sie ihr Ziel erreicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2014 um 21.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26704

Ja, das war ein Scherz, das haben Sie messerscharf erkannt. Aber daß man Dinge, für die man sich entschieden hat, anschließend signifikant besser beurteilt, ist eine bewiesene Tatsache. Die Werbepsychologie weiß es längst.

Im übrigen legen Sie sich ja offensichtlich auch eine Strategie zurecht, aber ob es die richtige ist, kann niemand sagen.

Auch ich habe bisher an jeder Wahl teilgenommen, rund fünfzig Jahre lang also, aber es fällt mir immer schwerer zu sagen, welche Partei mir am wenigsten mißfällt. Etliche Jahre habe ich selbst für eine Partei gearbeitet, war Kreisvorsitzender und Landtagskandidat... Wegen der Rechtschreibreform habe ich mit zahlreichen Abgeordneten gesprochen, von allen Parteien, bin deswegen nach Bonn, Kiel, Hannover und anderswohin gereist, und das hat mir noch mehr Einblicke gegeben als die eigene Parteiarbeit.
Durch Teilnahme an Wahlen legitimiert man nicht so sehr das System als diejenigen, die es zur Zeit ausfüllen. Nichtwählen delegitimiert also auch nicht das System, sondern die Vertreter. Daher meine Ansicht, daß Nichtwählen durchaus eine Option ist.

Übrigens erfahren die Hunderttausende von Wahlhelfern, zu denen ich auch lange Zeit gehörte, zwangsläufig einiges über die Wähler, ihre Nachbarn.

Gerade heute, als ich wie jeden Tag an der Wohnung des bayerischen Innenministers vorbeiradelte, fiel mir wieder das fast einstündige Gespräch ein, das ich mit ihm (Ritter vom Heiligen Grab) über die Rechtschreibreform führte, nachdem er meine Bücher zum Thema erhalten hatte. Wie konnte ich überhaupt glauben, daß sachliche Argumente bei solchen Leuten etwas bewirken! Je sachlicher, desto wirkungsloser, das versteht sich doch von selbst. Sachliche Argumente werden an einen untergeordneten Sach-Bearbeiter weitergeleitet, der sie dann entsorgt. Nur drohende Skandale bewirken etwas.

Söder wiederum steht im Verdacht, die mittelfränkische Junge Union in Sachen Rechtschreibreform auf Vordermann gebracht zu haben.

So könnte ich fortfahren. Die Opposition kann ich aber auch nicht wählen, weil es sie in Bayern praktisch nicht gibt. Lesen Sie mal das Protokoll der Landtagssitzung vom 27.10.1995 nach, als über die Rechtschreibreform debattiert wurde (nach der Regierungserklärung Zehetmairs). Nun, welche Partei ist das kleinere Übel?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 10.09.2014 um 19.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26703

Soweit kommt's noch, daß ich mir die Ansichten einer Partei zu eigen mache, nur weil ich sie gewählt habe. Ich kreuze ohnehin nicht die Bande an, die mir am besten gefällt, sondern die, die mir am wenigsten mißfällt.

Ich habe bislang an jeder Wahl teilgenommen und werde das weiterhin tun. Sicher bestätige ich damit das System; ich halte es auch bei allen Unzulänglichkeiten, Fehlern und wer weiß was noch für das beste, das wir je hatten und realistischerweise haben können.

Den Wahlschein mit Beschimpfungen vollzuschmieren, soll wohl ein Scherz sein; reichlich kindisch. Und dadurch, daß die Wahlhelfer den Bogen ungerührt auf den Haufen "ungültig" legen, auch völlig wirkungslos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2014 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26701

Hat man sich schweren Herzens für eine Partei entschieden, fühlt man sich nachher genötigt, alles oder ziemlich viel gut zu finden, was diese Partei tut. Zuerst geniert man sich nur, und es muß schon einiges zusammengekommen, bis man wieder auf Distanz geht. Die Freiheit des Urteils ist jedenfalls nicht mehr gegeben, wenn man sich die "Narrenkappe der Parteilichkeit" (Goethe) übergezogen hat.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 10.09.2014 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26700

Genau so von mir praktiziert, lieber Herr Ickler.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.09.2014 um 14.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26699

Als Kind wohnte ich in einem Bauerndorf, in dem jeder wußte, von wem die einzige Stimme für die Kommunisten kam. Das nennt man wohl soziale Kontrolle.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 10.09.2014 um 10.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26698

Ich nehme schon seit langem nicht mehr an Wahlen teil! Letztlich bestätigt man mit seiner Teilnahme nur das System.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2014 um 10.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26697

Ich habe schon erwogen, nicht mehr an Wahlen teilzunehmen, weil ich keine Partei wählen kann, die z. B. so etwas Absurdes und Ungerechtes wie Fernsehgebühren von Nichtfernsehteilnehmern (sogar Fernsehhassern) beschließt (oder die Trennung von Kirche und Staat hintertreibt, um ein weiteres Beispiel zu nennen). Ich würde das die Parteien gern bei der Wahlkampfkostenerstattung spüren lassen,. aber sie haben vorgesorgt. Sie teilen sich den Gesamtkuchen proportional auf.. Daran ändert die Wahlbeteiligung nichts, solange sie nicht auf ein utopisches Tief sinkt.
Da wir keine Wahlpflicht haben, würde hier im Dorf eine Menge Leute erfahren, daß ich nicht an der Wahl teilgenommen habe.
Es bleibt mir also nur, zur Wahl zu gehen und einen Wahlschein voller Beschimpfungen abzugeben...

(Übrigens ist mir bekannt, daß die AfD die Rundfunkfinanzierung ablehnt.)
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 04.09.2014 um 17.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26658

Die Zahl der Pilsvergiftungen dürfte erheblich höher liegen und ein ernsthafteres Problem darstellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2014 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26654

Schwere Pilzvergiftungen nehmen in Deutschland zu (welt.de 3.9.14)

Man könnte meinen, daß die Bevölkerung im Begriff ist, von Giftpilzen dahingerafft zu werden, aber:

Von den bundesweit 34 Fällen, die bei der DAK-Gesundheit erfasst wurden, entfielen neun auf Bayern, vier weniger als im Vorjahr. In Niedersachsen landeten 2013 sechs Pilzsammler im Krankenhaus, vier mehr als 2012. In Nordrhein-Westfalen mussten 2013 vier Pilzvergiftung stationär behandelt werden. 2012 gab es dort noch keine Fälle.

Die wenigen Fälle werden auch auf Prozent hochgerechnet, wodurch sie etwas ansehnlicher wirken.

Übrigens gibt es, wie ich in mehr als sechzigjähriger Sammelei feststellen mußte, immer weniger (eßbare) Pilze in den Wäldern. Mich wundert es manchmal, daß meine Lieben mir blind vertrauen, wenn ich ihnen selbstgesammelte Mischpilze vorsetze. Ich würde keinem Pilzgericht von Freunden trauen. Gerade die gräßlichen Knollenblätterpilze haben sich stark vermehrt, und wie leicht gerät einer in den Korb, außer wenn ich selbst ihn fülle!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2014 um 15.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26622

Demnach war mehr als jede siebte der gut 35.000 entnommenen Lebensmittelproben zu beanstanden (4730). (HA 29.8.14)

Also vielleicht sogar jede achte?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.08.2014 um 15.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26603

Der terminologische Unterschied ist schnell erklärt: Aus einer Terrorgruppe wird eine Terrormiliz, sobald sie sich japanische Pickups und russische Sturmgewehre zulegt.

Übrigens schreibt die F.A.Z. Yeziden, was zwar sinnlos ist, aber wohl die eigene vermeintliche Unabhängigkeit unter Beweis stellen soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2014 um 07.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26602

Die Überreste einer Explosion vor 3700 Jahren liefern Astronomen wertvolle Erkenntnisse über Entstehung und Zerfall von Sternen. (...) Zu sehen ist eine gewaltige, zehn Lichtjahre messende Schockwelle, die sich in 7000 Lichtjahren Entfernung von der Erde durch den Weltraum wälzt. (...) Um die Explosion selbst sehen zu können, hätte man vor 3700 Jahren in den dunklen Nachthimmel blicken müssen. (Spiegel online 25.8.14)

Da hätte man nicht viel gesehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2014 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26601

Die Medien haben sich darauf geeinigt, von "Terrorgruppen" zu sprechen, ob im Irak oder in Mali und Nigeria usw. Man erfährt nicht, wie groß die Gruppen sind und wieviel Rückhalt sie in der Bevölkerung haben. So überrascht einen dann immer wieder, wie leicht sie anscheinend ganze Regionen erobern.
Die Stärke der irakischen Armee wurde seinerzeit ins Phantastische hochgelogen ("viertstärkste Armee der Welt"). Sie löste sich in Luft auf und scheint immer noch nicht wieder zu existieren. Irgend etwas stimmt mit unseren Medien nicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.08.2014 um 11.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26569

Die FAS stellt heute auf den Seiten 48/49 ein lustiges Rätsel. Man soll u.a. zehn Detailfotos von bekannten Bauwerken der Welt zehn Texten zuordnen. In einem der Texte heißt es:

... Die Zahl seiner Etagen ist eine Primzahl. Wenn man von dieser ihre Quersumme subtrahiert, bleibt eine ohne Rest durch neun teilbare Zahl übrig.

Der letzte Satz ist schon eine tolle Hilfe. Er gilt nicht nur für jede Primzahl, sondern überhaupt für jede beliebige natürliche Zahl, was man aus der Teilbarkeitsregel der Zahl 9 leicht ableiten kann.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.08.2014 um 09.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26505

Vielleicht hofft die Kirche ja, »religiös indifferente« Abtrünnige eher zurückgewinnen zu können als solche, die des schnöden Mammons wegen ausgetreten sind.

Man müßte die weiteren Beweggründe derjenigen kennen, die angegeben haben, der Kirchensteuer wegen ausgetreten zu sein. Denn nur die wenigsten dürften die Kirche allein deshalb verlassen haben, weil sie sich die Mitgliedschaft nicht mehr leisten können oder weil sie von grundsätzlichen verfassungsrechtlichen Bedenken umgetrieben werden. Viele werden – zusätzlich oder sogar in erster Linie (waren Mehrfachnennungen möglich?) – ganz allgemein mit der Kirche wenig am Hut haben oder sogar dezidierte Gegner sein. Diese Frage ist für die Kirche viel interessanter als der reine Anteil derer, die die Steuer als Austrittsgrund genannt haben. (Im übrigen lassen sich bei solchen Erhebungen die Befragten bei der Wahl ihrer Antworten auch von Überlegungen leiten, die mit der eigentlichen Frage nichts zu tun haben.) Die Verfasser der EKD-Studie (http://www.ekd.de/download/ekd_v_kmu2014.pdf) wissen offenbar selbst nicht so recht, wie sie das Ergebnis in diesem Punkt deuten sollen und ziehen folgendes Fazit (S. 80 u. 83):

11. Konfessionslose
Rückgewinnbare Kirchendistanzierte oder überzeugte Religionslose?

[…]

Die meisten Konfessionslosen in Deutschland sind »Religionslose« oder religiös Indifferente. Eine reine Kirchendistanz bei gleichzeitiger Religiosität ist nur für Kleinstgruppen der Konfessionslosen feststellbar. Beantwortet man die im Titel gestellte Frage, dann gibt es ungleich mehr »überzeugte Religionslose« als rein »Kirchendistanzierte«. Rückgewinnbar sind diese nur selten. Freilich kann der Befund hinsichtlich seiner zukünftigen Relevanz unterschiedlich gedeutet werden: Zum einen ist die beobachtbare Gleichgültigkeit Religion gegenüber möglicherweise schwerer für Kirchen zu bearbeiten als eine pointierte Gegnerschaft. Zum anderen kann sie aber auch als Chance gedeutet werden. So haben die meisten Konfessionslosen, speziell im Osten, eigentlich nichts gegen Religion und wenig gegen die Kirchen. Damit entfallen Berührungsängste. Klar, missioniert werden möchte man nicht, aber wenn religiöse Themen zur Sprache kommen, triebe das nur noch sehr Wenige in Rage und Ablehnung. Gleichzeitig sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass dies der erste Schritt zu neuen Mitgliedern ist. Denn Konfessionslosigkeit ist mittlerweile mindestens genauso normal wie Kirchenmitglied zu sein – wenn nicht »normaler«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2014 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26501

Die Kirchensteuer wird deutlich seltener als Grund für den Austritt aus der Kirche angeführt als noch vor zehn Jahren. Das war einer der wenigen aus kirchlicher Sicht erfreulichen Aspekte, als die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Frühjahr ihre neue Mitgliedschaftsuntersuchung vorstellte. (FAZ 8.8.14)

Warum sollte es für die Kirchen erfreulicher sein, daß die Mitglieder nicht wegen des Geldes austreten? Ist das Geld wichtiger als der Glaube? Vielleicht ein weiterer Rechenfehler - außer dem neuen Kirchensteuereinzugsverfahren, dessen fatale psychologische Wirkung doch absehbar war.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.08.2014 um 20.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26479

»Irgendwann muß die rechte Ecke doch mal dran sein« (Laplace).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.08.2014 um 14.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26477

FAS, 3.8.14, S. 44:
An nur einem Tag ließ das Tief 109 Liter Wasser auf den kleinen Ort Emmingen-Liptingen in der Nähe vom Bodensee hinunterplatschen.

Ungefähr eine Gießkanne Wasser pro Stunde auf ein ganzes Dorf, nicht gerade erfrischend.

Für Altenberge bei Münster hatte Quintia noch 98 Liter übrig, und in Kandel bei Karlsruhe mussten die Menschen immerhin noch 73 Liter pro Kellerquadratmeter schöpfen.

Pro Kellerquadratmeter? Soll das heißen, daß es im Keller geregnet hat? Oder daß das Wasser im Keller 7,3 cm hoch gestanden hat? Das Kellerwasser läuft ja wohl aus der ganzen Umgebung zusammen, wie hoch es im Keller steht, hat also mit der Regenmenge pro Quadratmeter nicht viel zu tun. Dieser Vergleich mit den 98 bzw. 109 Litern ist also unsinnig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2014 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26470

Wenn dreimal in die rechte Ecke geschossen wurde, muss der nächste Elfer in die linke gehen. Dieses Denkmuster lockt Fußball-Torhüter immer wieder in die falsche Richtung. Allerdings versäumen die Schützen oft, den Fehler auszunutzen. (spiegel.de 1.8.14)

Mathematisch gesehen bleibt jede Ecke gleich wahrscheinlich. Aber für den Torwart kommt es darauf an, wie der Schütze tickt. Wenn der ebenfalls meint, nach dreimal links sei nun rechts an der Reihe, dann liegt der Torwart ja richtig.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 20.07.2014 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26368

Im Deutschen wäre das Verhören nicht möglich gewesen...
aber in (am.) Englisch kann man sich bei a billion schnell mit a million verhören.
Jury hits tobacco company R.J. Reynolds with $23B verdict.
Aus USA Today.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2014 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26367

Der amerikanische Zigarettenhersteller R.J. Reynolds Tobacco Company soll einem Gerichtsurteil zufolge der Witwe eines Kettenrauchers mehr als 23 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro) Schadenersatz zahlen. „Wir hoffen, dass das Urteil R.J. Reynolds und andere große Tabakkonzerne dazu bewegt, nicht länger die Leben unschuldiger Menschen in Gefahr zu bringen“, hieß es in einer Mitteilung des Anwalts der Klägerin Cynthia Robinson. "Ich hatte zuerst 'Millionen' verstanden und war schon aufgeregt", sagte Robinson der Zeitung New York Times. "Als ein Anwalt mir sagte, dass es um Milliarden geht, war das unglaublich." (...) 2011 war es dem Tabakkonzern Philip Morris gelungen, per Berufungsverfahren eine Strafe von 28 Milliarden Dollar auf 28 Millionen zu reduzieren.

Im Deutschen wäre das Verhören nicht möglich gewesen.

Das Urteil ist wieder mal so, daß ein Unterschied zwischen amerikanischer und deutscher Rechtskultur deutlich wird. In Deutschland würden die Richter vielleicht gleich in die Klapsmühle überstellt. Andererseits weiß ich nicht, ob die amerikanischen Tabakkonzerne nach den fabulösen Verurteilungen der letzten Jahre überhaupt je etwas gezahlt haben. (Werden die Anwälte prozentual nach den erstrittenen Zahlungen entlohnt?)

Interessant auch, wie man gerade auf 23 kommt. Beim Fall Philip Morris ist sonderbar, daß die Zahlung hinten um drei Nullen gekappt wurde, während vorn alles gleich blieb: 28, nicht mehr und nicht weniger. Auf die Nullen legt man anscheinend weniger Wert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2014 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26312

Wie eine Sensationsmeldung geistert durch die Presse, daß Geckos nicht durch Van-der-Waals-Kräfte, sondern durch elektrostatische Kräfte an Wand und Decke gehalten werden. Das ist aber doch kein Gegensatz, oder?

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2014 um 19.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26133

„Sehr nützlich im Alltag sind Spiegel, ungestört von der bis heute kolportierten falschen Erkenntnis, daß ein Spiegel rechts und links vertausche (tatsächlich vertauscht er vorn und hinten).“ (Wolfgang Wickler in Ders./Lucie Salwiczek, Hg.: Wie wir die Welt erkennen. Freiburg,München 2001:103)

Nun, das kann man sicher besser ausdrücken. Was heißt denn "vorn und hinten vertauschen"?

Wahr ist, daß man Kinder und auch erwachsene Leute mit der Frage verwirren kann: Warum vertauscht der Spiegel rechts und links, aber nicht oben und unten? In Wirklichkeit bleibt rechts rechts, und oben bleibt oben. Aber gerade dabei geht unter, daß der Spiegel alles "spiegelverkehrt" zeigt, z. B. den Schriftzug auf meinem T-Shirt. Deshalb meinen wir ja auch, es müsse eigentlich alles auf dem Kopf stehen. Die Erklärung ist etwas aufwendiger, als Wickler nahelegt.

Übrigens kann man das geometrische Verständnis von Kindern und eben auch Erwachsenen mit der guten Frage auf die Probe stellen: Wie hoch muß ein Spiegel mindestens sein, damit du dich ganz darin sehen kannst? - Manche "sehen" es sofort, andere müssen sich eine Zeichnung machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2014 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26039

Die Stadt rühmt sich gern seiner prominenten Wahlbürgerin J. K. Rowling. (FAZ 13.6.14)

Der Genusfehler ist wahrscheinlich mitverursacht durch den Wunsch, das zuvor erwähnte Edinburgh nicht zu wiederholen. Die Anpassung des Genus ist dann wie so oft vergessen worden.

Die "Welt" schreibt am selben Tag:

die "Harry Potter"-Autorin, die sich seit Neuestem unter dem Pseudonym "J K Galbraith" dem Schreiben von Krimis hingibt

Das ist auch wieder nicht richtig (Robert Galbraith).
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 23.05.2014 um 22.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25885

An der Uni Bielefeld gibt es eine "AG Analyse und Kritik". U. a. diskutiert sie darüber, "von links in die Linkspartei" einzutreten. Die AG veranstaltet Lesungen und Vorträge, in denen nachgewiesen werden soll, daß das kapitalistische System systemnotwendig ausbeuterisch ist und die Herrschaft der Bourgeoisie festigt.
Zeugen für die Verwerflichkeit des Systems sind die Technisierung der Produktion nebst Produktivitätssteigerung und zurückgehendem Bedarf an Arbeitskräften, die Konzernbildung der Produzenten und daß der von der werktätigen Bevölkerung erwirtschaftete Mehrwert in der Tasche des Fabrikanten landet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.05.2014 um 21.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25884

Einerseits war kritisch ursprünglich ein Tarnwort für »marxistisch«, andererseits haben sich die Hauptvertreter der »Kritischen Theorie« dann ja auch vom Marxismus denkbar weit entfernt. Insofern steht der Begriff heute wieder für jedwede und selbst die gutmütigste Auslegung frei. Unkritisch sind natürlich immer die anderen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.05.2014 um 20.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25883

Lieber Herr Blombach, Sie sind eben noch jung und haben den Jargon nicht mehr im Ohr; daher verstehen Sie solche Sätze gutmütigerweise zu ihrem Nennwert.
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 23.05.2014 um 19.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25882

Das interpretiere ich etwas anders, nämlich so, dass die Promotion etwas für diejenigen sein sollte, die auch tatsächlich eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen wollen, und eben nicht dazu dienen sollte, sich bessere Chancen in Wirtschaft und Politik zu verschaffen. Vermutlich nicht mal eine Position, die die Linke völlig für sich vereinnahmt hat.
Auch sonst ist das alles nicht wahnsinnig außergewöhnlich – kein Scheuklappenstudium, bei dem keine Zeit mehr für Einblicke in andere Fächer mehr bleibt (und diese Tendenz gab es in einigen Studiengängen ja durchaus), kein stures Auswendiglernen, sondern "kritisches Studieren" (vieles klingt so, als sei es stark auf die Geisteswissenschaften ausgelegt). Marxistisch-leninistisch kommt mir das nicht vor, sondern ganz wie das, was ich an der Uni immer wieder gehört habe, dass nämlich die heutigen Studenten weniger nachdenken und Dinge kaum noch hinterfragen würden (ich kann das nicht wirklich beurteilen, aber vermute, dass die meisten Studenten früher auch nicht wesentlich besser waren).

Am fragwürdigsten finde ich noch diesen Punkt:
"Der Zugang zu höchster Bildung, also auch zum Studium, muss für alle erleichtert werden."
Aber auch hier kommt es natürlich darauf an, wie genau das gemeint ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.05.2014 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25879

Selbstverständlich stehen Sinti und Roma die Freizügigkeit innerhalb der EU zu. (Europa-Wahlprogramm der LINKEN)

Der Plural scheint, wie es bei gedankenlosem Reden zu gehen pflegt, von der benachbarten Wortgruppe zu stammen.

Im selben Text:

Wir fordern die Abschaffung des Bologna-Systems – weg von repressiven Studienordnungen hin zu einem selbstbestimmten, interdisziplinären und kritischen Studieren. Die Promotion sehen wir nicht als Studienphase, sondern als erste Etappe wissenschaftlicher Berufsausübung.

Was für ein Beruf sollte das sein? Wäre es nicht am besten, alle Prüfungen abzuschaffen, die ja immer fremdbestimmt sind, und jeden zum Doktor zu machen? Welche Art von Interdisziplinarität ist gemeint, die es nicht ohnehin schon gibt? Nur "kritisch" ist eindeutig: dogmatisch marxistisch-leninistisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2014 um 08.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25780

Die Zahl der Ampullen mit Papstblut schwankt von Woche zu Woche.
Laut FAZ vom 6.5.14 gibt es nur drei Blutreliquien von Johannes Paul II.
Aber das wird nicht das letzte Wort bleiben: "Rund hundert Blutreliquien von Johannes Paul II. werden weltweit verehrt." (kathweb 14.4.14)(http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/61759.html)

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2014 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25753

Obwohl Roy Harris sich auch mit der indischen Nationalgrammatik beschäftigt hat, schreibt er:

„The compilation of word lists is a practice that goes back to the scribes of ancient Babylon (...): in oral communities no corresponding practice exists.“ (Rationality and the literate mind. New York, London 2009:100)

Hier scheint ihm entfallen zu sein, daß Panini auf umfangreiche Listen von Wörtern und Wurzeln zurückgreift, die zweifellos mündlich konzipiert wurden und bis heute auswendig zu lernen sind. Das wichtigste Stück ist der Dhatupatha, das Verzeichnis der Verbwurzeln. Text hier:
http://www.sanskritweb.net/cakram/dhAtupATha.pdf

In dem genannten neueren Buch kommt die indische Kultur nicht mehr vor, also gerade diejenige weitgehend mündliche Hochkultur, die bei weitreichenden Spekulationen dieser Art doch wohl als erste herangezogen werden müßte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.04.2014 um 22.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25708

Man kann als Fußballer auch noch lange nach Abpfiff sagen: »Wenn er den reinmacht, gewinnen wir das Spiel.« Das ist gewissermaßen historisches Präsens im Irrealis.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.04.2014 um 23.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25700

„Den muß er reinmachen“ ist mir vor allem als spontane Moderatorenreaktion geläufig. Da mag ein Versagensvorwurf mitschwingen („normalerweise macht er den rein“), aber im Vordergrund steht bestimmt die Enttäuschung über die verpaßte „Großchance“. Und dann – Ersatzinfinitiv hin, Perfektpartizip her – finde ich auch: den MUSS er reinmachen!
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 26.04.2014 um 00.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25691

Naja, ein Konjunktiv II im Plusquamperfekt ist "den muß er reinmachen" ja eigentlich nicht. Es ist nämlich der Trainerschlußsatz nach der Erklärung von bestimmten Spielzügen und zeigt an, daß man sich so eine Gelegenheit nicht entgehen lassen darf. wenn man weiter gut bezahlt werden will. Die Montagmorgen-durchgebrochene-Sturmspitze formuliert das, jedoch adverbialiter, so: "den muß er einfach noch reinmachen", - zu einem Zeitpunkt, wo andere, Leute wie wir, schon überhaupt nicht mehr davon reden, aber wenn wir es täten, dann hörte sich's wohl so an: "den hätte er doch einfach nur noch verwandeln müssen." Aber dann streiten wir uns hier darüber, ob dieses "müssen" ein Ersatzinfinitiv ist oder (wie ich es natürlich richtig sage) ein zweites, nämlich starkes, Perfektpartizip. Aber keiner kann zugeben, daß er eigentlich gar nicht weiß, wie schwer es auch für einen hochbezahlten Profi ist, einen Ball in ein Tor zu verwandeln.

 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 25.04.2014 um 20.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25689

Fußballdeutsch ist schmerzfrei und hat eigene Regeln. Da lautet der Konjunktiv II im Plusquamperfekt ja auch „den muß er reinmachen“, wenn das Tor verfehlt wurde.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.04.2014 um 13.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25661

Neulich gelesen: "der durchgebrochene Mittelstürmer". Das muß doch weh tun.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.04.2014 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25640

Unter der Überschrift "Peinliche Panne bei Übung: Polizisten beschädigen eigenen Wasserwerfer mit Eiern" berichtet Spiegel Online über einen Wasserwerfer, der testweise mit Wurfgeschossen traktiert wurde. Man sieht den Kraftwagen im Bild. Der Text führt zunächst dem Leser vor Augen, wie das Auto beworfen wurde.

Dann heißt es: Denn bezahlt hat den High-Tech-Wasserwerfer mit einem 10.000-Liter-Tank der Bund. Ich dachte: Mann, der braucht aber viel Benzin. Dann half mir das Kopfrechnen.

In diesem Fall ist es umgekehrt: Die Angabe stimmt, aber der Leser ist trotzdem in Gefahr, es falsch zu verstehen. Beim Tank eines Fahrzeugs denkt man zuerst an den Kraftstofftank. Ich hätte geschrieben: mit einem 10.000-Liter-Wassertank.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2014 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25636

Formaldehyd, dem eine krebs- und erbgutverändernde Wirkung zugeschrieben wird
(Nürnberger Nachrichten 24.7.04)
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 12.04.2014 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25583

Zu #25580: Nicht nur "uns" abzuhören, sondern doch womöglich die ganze Welt! Ansonsten würde man als guter US-Steuerzahler sich aufregen müssen, wegen Verschwendung. Das einzige, was mir die Snowden-Affaire aufgezeigt hat, ist, daß die USA rechnerisch vielleicht doch nicht ganz so weit hinter China, Rußland, Isreal und ein paar weiteren levantinischen Staaten hinterher hinken, wie es mir davor den Anschein hatte. Anstand - noch dazu hohen, o mein Gott - erwarte ich eigentlich nicht, was internationale Beziehungen betrifft. Ich glaube, es war unter Adenauer, daß mal ein US-Senator, ich glaube aus Connecticut, ganz schön unter bundesdeutscher Bezahlung stand, und so geht es halt in der Welt der Mächtigen. Auch Diplomatie ist doch nichts weiter als Krieg mit anderen Mitteln. Zum Knigge bei sowas Bismarck: Wenn ein Diplomat niest und der andere Hatschi! sagt, das ist Fortschritt. Was würde nicht Merkel darum geben, sich die wichtigen Telefongespräche von Obama mit anhören zu können! Vonwegen, aber sowas tut man doch nicht! Sehr gewitzt finde ich da Alt-Präsident Jimmy Carter, der seine Briefe mit der Hand schreibt und sie dann schneckenpostalisch versendet. Der weiß, was da alles so vorgeht. Denn wenn die NSA "den ihr bekannten kostenlosen Königsweg "Heartbleed" [...] nicht genutzt" hat, dann glaube ich ihr das jetzt sicherlich, weil sie einen billigeren eigenen Weg nämlich schon hatte. Auch Umstellungen können ja auch einiges kosten. Und wer will schon für unnötige Mehrkosten aufkommen! - Mein Neffe in Deutschland sagt mir, ich sei zynisch. Mag sein; aber ich bin auch älter. Und er wählt auch die Grünen; das würde ich wiederum nie tun. Zu manchem wissen die ja was reichlich, Gott sei Dank, aber zu so manchem, wozu man eben auch Erfahrung braucht, wissen die viel zu wenig. Greenhorns, sagt man hier.


 
 

Kommentar von JungferimGrünen, verfaßt am 12.04.2014 um 14.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25582

Wenn es einen "naturnahen Grünplaner" gibt, dann ist der Straßenplaner wohl der "naturferne Grünplaner". Guckst Du hier:
http://www.naturgartenplaner.de/

 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.04.2014 um 12.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25581

Es gibt noch mehr Beispiele: das abgewandte Unheil - der abgewandte Zuschauer. usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2014 um 10.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25580

Die NSA hat Milliarden Dollar und unermeßliche menschliche Ressourcen investiert, um uns abzuhören, aber den ihr bekannten kostenlosen Königsweg "Heartbleed" hat sie laut eigener Auskunft nicht genutzt. Das ist hochanständig von ihr.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.04.2014 um 10.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25575

Mit Google bekomme ich für "angewandter Wissenschaftler" 30 verschiedene Stellen angezeigt. Ist der Begriff wirklich schon allgemein akzeptiert?
Zu "erneuerbares Energiengesetz" zeigt Google 180 verschiedene Stellen und fragt, ob ich "erneuerbares Energien Gesetz" meine, worunter dann auch "Erneuerbares-Energien-Gesetz" fällt. Die letzten beiden mit der neutralen Adjektivendung sind aber nicht weniger schief.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.04.2014 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25574

Wer eine angewandte Wissenschaft betreibt, ist ein angewandter Wissenschaftler, obwohl er nicht angewandt wird, sondern anwendet. Das könnte man als eine Art "Rückbildung" bezeichnen (wie den Familienunternehmer). Zugleich ist es ein Fall von schiefem Attribut, nur eben nicht aufs Kompositum bezogen (wie beim freilaufenden Hühnerhalter), sondern auf die Ableitung. Schematisch: angewandter (Wissenschaft)ler vs. angewandter Wissenschaft(ler). Pedanten wird es nicht gefallen, aber so ist es nun mal.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.04.2014 um 22.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25562

In der FAZ, 9.4.14, Seite N1 get es um den "Weißkittel-Effekt":

Der systolische Blutdruck war demnach im Mittel um sieben Millimeter auf der Quecksilbersäule geringer, wenn Krankenschwestern ihn maßen; beim diastolischen Blutdruck waren es vier weniger.

Was nun eigentlich, vier weniger als die Verringerung um sieben bei der systolischen Blutdruckmessung durch die Schwestern oder vier weniger, als wenn der Arzt höchstpersönlich den diastolischen Blutdruck maß?

Manchmal sollte man eben doch lieber ein Wort wiederholen. Hätte die Zeitung statt dessen z. B. geschrieben, ..., der diastolische war um vier Millimeter geringer, dann wäre die Sache viel klarer gewesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2014 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25534

"Die 75-Jährigen heute sind wahrscheinlich so leistungsfähig wie die 65-Jährigen vor 30 Jahren", sagt Martin Halle, Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München. "Das macht bestimmt zehn Jahre aus." (Süddeutsche Zeitung 2.4.14)

Stimmt genau!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2014 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25533

Nun, Panini erwähnt ihn dreimal namentlich (3, 4, 11; 8, 3, 18 und 8, 4, 50).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.03.2014 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25497

Worauf beruht die Überzeugung, daß Śākaṭāyana ein Vorläufer Paninis gewesen sei? »CE« steht für AD!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2014 um 08.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25496

Die indische Chronologie ist zum Verzweifeln. Über einen interessanten Linguisten vor Panini berichtet Wikipedia:

"Śākaṭāyana (fl. c. 9th century CE) was a Jain Sanskrit grammarian."

Man reibt sich die Augen. Anderswo heißt es dann:

"Der Jainismus (...) ist eine in Indien beheimatete Religion, die etwa im 6./5. Jahrhundert v. Chr. entstanden ist. Ein historisch fassbarer Gründer ist Mahavira (um 599–527 v. Chr)."

Und zu Mahavira:

"Nach traditioneller Überlieferung soll Mahavira 599 v. Chr. in Kundapura, einem Vorort der Stadt Vaishali (heute: Besarh, nördl. von Patna), geboren und 527 v. Chr. in Pavapuri gestorben sein. Die genauen Datierungen sind umstritten; die moderne Forschung nimmt eher eine Lebenszeit von etwa 497 v. Chr. bis 425 v. Chr. an."

Das sind also rund 400 Jahre Unterschied.

Die Inder neigen bekanntlich dazu, ihre Kulturheroen und deren Werke in eine unvordenkliche Vergangenheit zu datieren, und tragen darüber manchen Strauß mit den skeptischen Westlern aus.

Die Sache hat auch für uns eine gewisse Bedeutung, da sie den Unterschied von mündlicher und schriftlicher Kultur betrifft und die von manchen behauptete Abhängigkeit der Sprachauffassung von der Schrift. So hat sich auch Roy Harris über die altindischen Grammatiker geäußert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2014 um 15.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25399

Das "Neue Deutschland" kann nicht einmal bis zwei zählen:

Auch da verlangt Qualität seinen Preis. (ND 17.3.14)

Die Zeitung beklagt die sinkende Auflage und kündigt eine Preiserhöhung an.

Aber eigentlich fiel mir zuerst die fette Überschrift auf:

USA bleiben der größte Todeshändler

Im Text erfährt man dann: „Größter Exporteur von Kriegsgütern bleiben laut dieser Statistik die USA mit einem Weltmarktanteil von 29 Prozent vor Russland (27 Prozent), dem weltweit größten Exporteur von Kriegsschiffen.“ Rußland ist also proportional ein viel größerer Waffenexporteur.

Das Foto zeigt übrigens lauter Kalaschnikow-Sturmgewehre und ist in Zeitungen schon früher verwendet worden. Typisch amerikanischer Exportartikel eben!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2014 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25384

Noch zu
http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24262:

Beide heirateten 2008. (FAZ 15.3.14)

Gemeint ist das Ehepaar Oetker. Es muß also heißen: die beiden, denn das Zusammentreffen der beiden Heiraten ist ja kein Zufall...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2014 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25214

Feldpostbriefe (...), die der nicht einmal zwanzigjährige Freiwillige Ernst Jünger zwischen 1915 und 1918 an die Familie geschrieben hat (FAZ 22.2.14)

Man müßte noch mal 19 sein!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2014 um 08.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25160

Was Bea übrigens machen könnte, ist einen Ausflug nach Paris. (FAZ 17.2.14)

Hat eigentlich Sick zu solchen "Fehlern" noch nichts gesagt? Kasusattraktion nennt es die traditionelle Grammatik.

Hier ist noch einer von derselben Sorte:

„Was ich möchte, ist euren Respekt.“ (Gerhard Schröder in SZ 13.4.99)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.02.2014 um 21.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25096

Zweimal Kopfrechnen in der FAS, 9.2.14:

»Die klassische Interpretation bezeichnet als Wahrscheinlichkeit das Verhältnis der Anzahl der interessierenden Ausgänge eines statistischen Geschehens zur Gesamtanzahl der überhaupt möglichen Ausgänge. Interessiert beim Münzwurf der Ausgang "Kopf", ist das einer von zwei möglichen Ausgängen. Die Wahrscheinlichkeit ist daher eins geteilt durch zwei gleich 0,5.« (Seite 62)

Das ist natürlich Unsinn. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht deswegen 0,5, weil es einer von zwei möglichen Ausgängen ist, sondern weil darüberhinaus jeder einzelne mögliche Ausgang gleichwahrscheinlich wie jeder andere ist. Beim Torwandschießen gibt es auch zwei mögliche Ausgänge, trifft oder trifft nicht, trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit eines Treffers kaum jemals 0,5.

»Diese Versuche künden letztlich davon, dass es auch in der DDR Ingenieure gegeben hat, die in der Lage gewesen wären, ein zeitgemäßes Auto zu bauen. Chapeau! Wer aber auch nur einen blassen Schimmer davon hat, wozu die Wirtschaftskraft der DDR nicht ausreichte, wird verstehen, dass diese Ideen nicht umgesetzt werden konnten, weil einige Betonköpfe das aus ideologischen Gründen nicht wollten, sondern weil es schlicht an allem fehlte, was dazu nötig gewesen wäre.« (Seite V12)

Hier wäre vor allem eine weitere Negation nötig gewesen:
»... daß diese Ideen nicht deshalb nicht umgesetzt werden konnten, weil ...«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2014 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25094

Auf einer Insel rund 7500 Kilometer östlich von Sotschi hat ein Mann in einer Kirche zwei Menschen erschossen. (Augsburger Allgemeine 9.2.14 online)

Der Tatort liegt also bei Sotschi, nur 7500 km weiter östlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2014 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#25086

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21821:

Es geht um mehr als um das Ringen der höchsten Richter... (FAZ 8.2.14)

Das zweite um ist eigentlich unlogisch, es wäre richtig bei es geht mehr um A als um B. Aber man muß sich richtig anstrengen, um die Unlogik zu erkennen.

 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.01.2014 um 23.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24933

Irgendwie hat sich die neutestamentlich-griechische Superlativbildung auf die neulateinischen Sprachen vererbt, denn italienisch, spanisch, portugiesisch, französisch, okzitanisch, katalanisch, sardisch wird (außer bei der unregelmäßigen Steigerung) der relative Superlativ mit dem analytischen Komperativ plus vorgestelltem Artikel gebildet und der absolute synthetische Superlativ (Elativ) mit dem Suffix -issimo. Z.B. italienisch: grande, piu grande, il / la piu grande, grandissimo / a. (Vieles im Gemein-Neulateinischen stammt nicht vom Klassischen Latein ab.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2014 um 11.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24928

Wie bereits erörterrt, fordern Sprachpfleger:

„Bei einem Vergleich von nur zwei Personen oder Sachen verwendet man den Komparativ.“ (Dudengrammatik)

"Wer ist der größte von uns beiden?" wäre also falsch. Das ist unrealistisch, eine typische Sprachmeisterei.

Interessanterweise gibt es im neutestamentlichen Griechisch fast eine Umkehrung dieser Regel: ho mikroteros autôn = der Größte von ihnen, also der Komparativ mit Artikel im Sinne des Superlativs.

Und dies bringt mich auf eine vieldiskutierte, aber im Grunde immer noch nicht bewältigte Bibelstelle:

Matth. 11:11:
amên legô humin
ouk egêgertai en gennêtois gunaikôn
meizôn Iôannou tou baptistou
ho de mikroteros en têi basileiai tôn ouranôn meizôn autou estin

amen dico vobis
non surrexit inter natos mulierum
maior Iohanne Baptista
qui autem minor est in regno caelorum maior est illo

WArlich / Jch sage euch /
vnter allen die von Weibern geborn sind / ist nicht auffkomen /
der Grösser sey denn Johannes der Teuffer.
Der aber der Kleinest ist im Himelreich / ist Grösser denn er.

Die Theologen und Pfarrer legen sich irgend etwas zurecht, aber in den großen Kommentaren steht klipp und klar, daß die Stelle schwierig bleibt. Nun habe ich von einer Theologin aus Korea einen interessanten Hinweis bekommen: In volkstümlicher Redeweise, die hier vielleicht durchschimmert, geht man mit der Logik des Vergleichs nicht so pingelig um, so daß Jesus vielleicht nur sagen wollte: "Keiner ist größer, sie sind alle gleich groß." Die theologischen Folgerungen kann ich natürlich hier nicht ausbreiten. Aber ich möchte aus dem Deutschen eine Stütze beisteuern. Wenn es im Märchen heißt: "Der König hatte drei Töchter, eine schöner als die andere", dann soll das nicht heißen, daß man die drei Töchter auf einer Skala zunehmender Schönheit anordnen kann, sondern es heißt einfach: Alle drei waren wunderschön/gleich schön. Deshalb ist es auch nicht heikel, wenn man zu einem Bekannten sagt: "Ihre Töchter sind ja groß geworden - und eine schöner als die andere!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2014 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24744

Übrigens habe ich gestern bei Bayern 5 gehört, leider gebe es in Deutschland "einige Irre", die mit dem Umfang der Anteilnahme am Schicksal eines Mannes, der schneller als andere im Kreis herumgefahren sei, nicht einverstanden sind. Das sei aber bezeichnend für den Zustand Deutschlands, daß man keinen Sinn mehr habe für die Größe eines Menschen; dessen Vermögen sei schließlich auch nicht gestohlen, sondern ehrlich verdient usw. (Aus dem Gedächtnis zitiert.)

Die Welt der "Prominenten" tritt an die Stelle der gemeinschaftsbildenden Religionen. Verehrungskollektive bilden sich. Niemand sollte abseits stehen, dem Häretiker früherer Zeiten vergleichbar. Missionierung der Unwissenden, Verdammung der mutwillig Außenstehenden. Das erledigen die Medien. "Aus der Kirche kann man austreten, aus der Zwangsgemeinschaft der Gebührenzahler nicht."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2014 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24729

Einen Tag vor seinem 45. Geburtstag hat sich bei Formel-1-Legende Michael Schumacher, der mit einem Schädel-Hirn-Traum im Koma liegt, offenbar keine weitere Besserung eingestellt. (welt.de 2.1.14)

Eine Legende, "die" im Koma liegt, wäre in der Tat kaum vorstellbar. Übrigens wird täglich berichtet, der Mann "kämpfe" ums Überleben, obwohl er doch im Koma liegt. Kämpfen tun eher die Ärzte, aber das Wort ist ohnehin so abgegriffen wie "fieberhaft", das sich bei passender Gelegenheit von selbst einstellt.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2013 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24626

Im Bundestag hatte die 59 Jahre alte Merkel 462 Stimmen erhalten, wie Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) mitteilte. (faz.net 17.12.13)

Unwillkürlich fängt man an zu rechnen: 462 geteilt durch 59 ...

Im Ernst: Das Alter der Kanzlerin wäre vielleicht vorher erwähnenswert gewesen, wo es um ihre dritte Ernennung ging, aber mit der Zahl der Stimmen hat es rein gar nichts zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2013 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24606

Die Religionskriege im Namen des wahren Gottes haben im 16. und 17. Jahrhundert die Bevölkerung Europas millionenfach dezimiert. (Josef Joffe in der ZEIT vom 12.12.13)

Können Sie folgen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2013 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24602

Wer noch zu den "exklusiven" oberen zwei Dritteln der Gesellschaft gehört, zeigt eine Äußerung der Grünen: Die Rente mit 63 komme "vor allem dem Facharbeiteradel zugute". Facharbeiter gehören also inzwischen zu denen da oben. An die Laterne mit ihnen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2013 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24601

Wir erleben ja immer wieder, daß uns nach Wahlen jemand vorrechnet, die Regierungsmehrheit sei eigentlich eine Minderheit usw. Besonders seltsam treibt es heute der SPIEGEL:

]Um die Dimensionen deutlich zu machen: Rund 2,4 Millionen Wähler haben bei der Bundestagswahl im September ihre Stimme CDU, CSU und SPD gegeben - gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten. 17,6 Millionen Deutsche entschieden sich dafür, Nichtwähler zu sein. Immerhin 2,7 Millionen Menschen mehr, als für den Wahlsieger CDU gestimmt haben.
Überdurchschnittlich viele Wahlverweigerer stammen aus sozial schwachen Milieus, wie eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung belegt, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Beteiligt waren auch das Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und die Meinungsforscher von Infratest dimap. Deutschland entwickelt sich demnach zu einer Demokratie der zwei Klassen: Die oberen zwei Drittel der Gesellschaft haben deutlich mehr Einfluss auf die Zusammensetzung des Bundestags und der neuen Regierung genommen als das untere Drittel.
(...)
Wahlmüde sind vor allem Menschen in sozial schwachen Regionen, in denen die Arbeitslosigkeit hoch, die Wohnverhältnisse schlechter, der Bildungsstand und die Kaufkraft niedrig sind.
(...)
Die Demokratie in Deutschland ist nach den Ergebnissen in eine Schieflage geraten. Die Wahlmüdigkeit wird zum doppelten Problem: Nicht nur gehen zu wenige Menschen wählen, auch wird das Spektrum der vertretenen sozialen Schichten kleiner.

(spiegel.de 11.12.13.)

Wenn eine Regierung sich auf mehr als die Hälfte der „Wahlberechtigten (!) stützen kann, steht sie doch sehr gut da. Man kann nicht einmal sagen, daß diese Regierung nun gegen den Willen der 17,6 Mill. „Nichtwähler“ herrsche. Was deren Wille ist, läßt sich eben nicht feststellen, weil sie ihn nicht bekundet haben. Selber schuld.
Vielleicht sind viele Arbeiter heute informierter, selbstbewußter und wirtschaftlich besser gestellt, so daß sie teilweise nicht mehr zu jener Unterschicht zählen, die nicht wählt? Wenn die „oberen zwei Drittel“ (immerhin!) mehr Einfluß auf die Politik haben, so ist das doch nichts Neues. Neu ist vielleicht, daß es zwei Drittel sind und nicht nur ein Zehntel.
Die Wahlbeteiligung ist für ein Land ohne Wahlpflicht gut, viel höher als in den USA zum Beispiel.
Man kann auch auf die Teilnahme an der Wahl verzichten, ohne sich eigentlich dafür entschieden zu haben, „Nichtwähler zu sein“. Fehlte nur noch, daß Parlamentssitze für die Nichtwähler gefordert werden.
Durch solche Zahlenspiele eine „Schieflage“ zu konstruieren ist müßig. Die Verhältnisse sind einfach normal, und das scheint manche Leute zu stören.

Nachtrag: "Deutschland ist längst zu einer sozial gespaltenen Demokratie der oberen zwei Drittel unserer Gesellschaft geworden", schreiben die Forscher. "Die Demokratie wird zu einer immer exklusiveren Veranstaltung für Menschen aus den mittleren und oberen Sozialmilieus der Gesellschaft." (SZ 11.12.13)

Unter "exklusiv" stelle ich mir etwas anderes vor. In Berichten und Kommentar wird krampfhaft der Eindruck erzeugt, als sicherten die oberen Zehntausend durch Teilnahme an den Wahlen ihre Privilegien. Zugleich heißt es, die Gebildeten wählten, die Ungebildeten blieben zu Hause. Dann ist doch alles in Ordnung, denn wer will schon von Ungebildeten oder deren Helden regiert werden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2013 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24509

Der Konflikt zwischen Tokio und Japan droht einmal mehr zu eskalieren.(welt.de 28.11.13)

Antonomasien lähmen das Denkvermögen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2013 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24479

Arme Menschen sterben zehn Jahre früher als reiche (Focus online 26.11.13)

Im Bayerischen Rundfunk wird daraus:

Armut wirkt sich auf die Lebenserwartung aus. (Bayern 5, 26.11.13)

Post hoc, ergo propter hoc.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2013 um 07.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24262

Er ist verheiratet mit Ute Osten, geborene Haubitz, beide haben drei Kinder. (Wikipedia über Manfred Osten)

Dann hätten sie zusammen sechs? Meiner Ansicht nach müßte es heißen die beiden oder haben zusammen.

Die Grammatik von beide ist allerdings schwierig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2013 um 08.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24169

„Der Tag der deutschen Einheit ist für viele nur noch ein Tag, an dem man frei hat. 23 Jahre nach dem Mauerfall ist es darum umso wichtiger, an die Bedeutung dieses Datums für Deutschland und die Demokratie zu erinnern.“

„Vor 23 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer. Menschen aus Ost- und Westberlin strömten an die Grenzübergänge und feierten die Öffnung der DDR-Grenzen. Viele DDR-Bürger nutzten ihre neu gewonnene Reisefreiheit für einen Ausflug in den Westen.“ (nordbayern.de 3.10.13)


Das Google-Doodle vom Tage zeigt Trabis, die an einem geöffneten Schlagbaum vorbei nach links rollen. Das wird dann wohl am 3. Oktober 1990 gewesen sein.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.09.2013 um 20.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24133

Eine wenngleich unwissenschaftliche Notiz zur Attraktivität der Körperform: http://virchblog.wordpress.com/2013/01/30/sexismus-oben-breit-unten-schmal-2
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2013 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24130

Die Pointe der australischen Forscher war ja, daß die Penislänge wegen der besonderen Wertschätzung durch die Weibchen unter Selektionsdruck geraten sei. Dafür ist aber der Erfolg überraschend unbeträchtlich, verglichen etwa mit den Schwanzfedern der Paradiesvögel usw.
Wir kennen Penisfutterale der Naturvölker und Hasenpfoten unserer eigenen Vorfahren als Versuche, die Prächtigkeit des Meister Iste visuell zu pushen, aber das ist Kultur und kann hier nicht ernsthaft herangezogen werden.
Bei den erwähnten gutgebauten Männern mit breiten Schultern usw. scheint eine gewisse Minimalgröße des Penis erforderlich zu sein, damit der Körper insgesamt nicht verstümmelt oder zurückgeblieben wirkt. Im allgemeinen verweise ich aber noch einmal auf das interessante Buch von Richard Huber (Sexualität und Bewußtsein, bei amazon für 1 Cent erhältlich!), das die visuell wirksamen Reize (Auslöser) von jenen trennt, die auf andere Sinnesorgane wirken, insbesondere also die glatten von den warzig-rauhen.
Bei Statuen und Gemälden scheint mir der schlaffe Penis (samt Anhang, wegen der Temperatur notgedrungen überhaupt erst nach außen verlagert) meist unrealistisch klein gehalten zu sein, während der erigierte als eigentlich interessanter "Phallos" oft übertrieben groß dargestellt wird und sowohl in Indien als auch im antiken Griechenland die ganze Gegend bevölkerte.
Kriegen Sie auch so viele unerwünschte E-Mails, die eine sagenhafte Verlängerung innerhalb weniger Wochen versprechen? Es ist natürlich immer der erigierte gemeint. Der entspannte wirkt humoristisch und hat denn auch – um zum Sprachlichen zurückzukommen – allerlei komische Bezeichnungen auf sich gezogen. Der ganze Komplex ist von Sprachwissenschaftlern noch nicht entdeckt und durch die feministische Diskussion in wenig einfühlsamer Weise weggedrückt worden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.09.2013 um 10.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24128

Auf Wikipedia sind Durchschnitt und Standardabweichung von Penislänge und -durchmesser auf Zehntelmillimeter genau angegeben. Ich frage mich, ob in den angegebenen Studien mit dem Meßschieber gemessen wird.

Übrigens steht das bei Wikipedia unter der Überschrift "Penis des Menschen", insgesamt findet Google dafür 14400 Stellen. Interessanterweise gibt es für "Klitoris des Menschen" nur eine einzige Fundstelle und für "Vagina des Menschen" gerade mal 451.

Die genannten 7,6 cm liegen verdächtig nah am geometrischen Mittel aus Minimum und Maximum: Die Wurzel aus 5 * 13 ist etwa 8. Das heißt, bei der Beurteilung der Attraktivität sind nicht absolute Größen, sondern Proportionen wichtig. Die attraktivste Größe liegt ungefähr ein Drittel unter dem Maximum und das Minimum liegt ungefähr ein Drittel unter der attraktivsten Größe. Die Studie belegt also nicht "je größer der Penis, desto attraktiver der Mann", sondern "je näher an der mittleren Proportion, desto attraktiver der Mann". Eigentlich für mich wenig überraschend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2013 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24123

Australische Forscher haben festgestellt, daß Frauen doch auf die Größe des (schlaffen) Penis achten. Frauen sollten die digital erzeugten Bilder nackter Männer einschätzen.

"Die Körper unterschieden sich in drei Merkmalen: Körpergröße (1,63 bis 1,87 Meter), Verhältnis zwischen Schulter- und Hüftweite sowie Länge des schlaffen Penis (5 bis 13 Zentimeter). Der längste Penis hatte gegenüber dem kürzesten auch einen um 1,2 Zentimeter größeren Durchmesser. Dazu erhielten 105 Frauen die Aufgabe, die Projektionen nach ihrer Attraktivität zu bewerten. Dass es dabei um die Penisgröße ging, wussten die Frauen nicht."

(Letzteres ist unglaubwürdig. So dumm sind Frauen nun auch wieder nicht.)

"Das Ergebnis: Je größer der Penis, desto attraktiver der Mann – allerdings nur bis zu einer Penislänge von 7,6 Zentimetern. Das Ausmaß dieses Effekts war zudem abhängig vom Körperbau. Er verstärkte sich bei großen Männern und solchen mit breiten Schultern und schmaler Hüfte."

Das ist verblüffend. Zwischen 5 und 7,6 ist der Unterschied ja nicht sehr groß, der Sprung von 7,6 zu 13 cm ist größer als der von 0 zu 5. Die Ergebnisse widerlegen die Behauptung der Forscher eher, als daß sie sie beweisen.

(Der gleichzeitig in der FR abgebildete David des Michelangelo paßt dazu.)

Außerdem kann man auf den Bildern weder Intelligenz noch Geld erkennen, die traditionellen Konkurrenten der Penisgröße, ganz zu schweigen von Charaktereigenschaften, die manche dauerhafte und glückliche Beziehung überhaupt erst erklären.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.09.2013 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24103

Die ausscheidenden Abgeordneten sollten sich etwas Zeit lassen und das Ergebnis der Wahlwiederholung abwarten.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 24.09.2013 um 11.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24102

Ein Leserbrief in faz.net befaßt sich mit der Wählerwanderung weg von den anderen Parteien zur AfD und zählt akribisch auf.
Das veranlaßt ihn zu dem Schluß, daß die als rechtspopulistisch gerügten AfD-Wähler als solche doch auch schon vorher zur Wählerschaft der verlassenen Parteien gehört haben müssen.
Nur habe man sie dort nicht so genannt.
Recht hat der Mann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2013 um 07.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#24100

Im FOCUS wird vorgerechnet, daß die ausscheidenden FDP-Abgeordneten den Steuerzahler weiterhin 6 Mill. Euro kosten werden (Übergangsgeld, Pensionsansprüche). Was soll das? Es gilt doch für alle 200 ausscheidenden Abgeordneten in gleichem Maße. Daß die Bundestagsmitglieder sich selbst sehr gut versorgt haben, ist allgemein bekannt, man kann es nicht der FDP allein anlasten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2013 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23965

Durch die Medien geistert zur Zeit ein Bericht der Otto-Brenner-Stiftung über Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten. 32 Millionen! Allerdings verteilt auf 188 Abgeordnete und 4 Jahre. Macht 170 000 pro Person in 4 Jahren. Besonders die vielen Anwälte verdienen ordentlich. (Die Abgeordneten der Regierungsparteien verdienen besonders viel, vielleicht weil sie mit ihren bürgerlichen Berufen größere Chancen haben als die roten und grünen Lehrer der anderen?)
Ist das nun viel oder wenig? Was wird anderswo verdient? Alle Abgeordneten zusammen kriegen weniger als ein einziger Fußballer oder Rennfahrer.
Mir scheint, die Zahlenspiele geben nicht den richtigen Aufreger her. Der Schaden, den die Abgeordneten insgesamt mit ihren Beschlüssen anrichten, ist unvergleichlich größer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2013 um 14.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23818

Er schreit mich an, dass ich mich dafür verantworten werden muss. (Jana Scheerer: Mein innerer Elvis. Frankfurt 2010:213)

Google liefert Hunderte von Belegen für diese grammatisch sinnlose Abfolge (statt müssen werde/werde müssen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2013 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23653

Um es mathematisch auszudrücken: Der kleinste gemeinsame Nenner ist die Langfristigkeit der Verträge. (Finanzanalytiker Volker Loomann in FAZ 13.7.13)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2013 um 17.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23608

Laut SPIEGEL hat das DIW herausgefunden, daß unsere progressive Einkommensteuer Frauen begünstigt, während das Ehegattensplitting sie benachteiligt. Ich bin erschüttert.

Dahinter steckt folgendes: Wenn Frauen wenig verdienen, zahlen sie auch wenig Steuern. Verdient der Mann mehr und werden sie gemeinsam veranlagt, entfallen auf die geringverdienende Frau etwas mehr und auf den Mann viel weniger Steuern, zusammen zahlen sie also weniger, als wenn sie jeder für sich Steuern zahlen müßten. Das liegt daran, daß die Eheleute als eine wirtschaftliche Einheit angesehen werden; sie haben ja auch gegenseitige Unterhaltspflichten usw., was für den Staat auch Vorteile bringt.

Angedeutet wird, daß die Vorteile des Splittings die Frauen dazu verführen könnten, sich mit schlechtbezahlter Arbeit zu begnügen. Damit ist aber zugestanden, daß auch die Frau mit dem Splitting insgesamt besser dasteht. Andererseits glaube ich nicht daran, daß die Frauen so denken. Sie würden wohl gern einen gutbezahlten Job haben und entsprechend auch mehr Steuern zahlen, wenn es denn so leicht möglich wäre.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 02.07.2013 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23526

Wie schon gesagt, ist ja nur eine Vermutung. Diese beruht unter anderem darauf, daß es so einfach ist, wie R. M. es ausgedrückt hat. Die Vermutung wird ja auch durch den letzten Beitrag gestützt, wo vom Zweck der Auflagensteigerung die Rede ist.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 02.07.2013 um 11.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23525

Wieso können "so blöd [...] die Leute beim SPIEGEL gar nicht sein, daß ihnen diese Unlogik nicht auffiel"? In solche Fallen fällt man sehr leicht hinein, wenn man sowieso sein eigenes Eisen in jedem Feuerchen schmieden will, hier der Anheizung Volksgefühls, das die eigene Auflage und damit finanzielle Einnahme erhöht.
Ich bin übrigens der Meinung, daß genau wie ein Generalstab auch zu Friedenszeiten alle möglichen Pläne genauestens ausgearbeitet in seinen Schubladen hat und zu deren immer neuesten Stand alle möglichen zuverlässigen Informationen einsammelt, daß auch hier das Wort "Spionage" für die sachliche Diskussion dessen, was hier eigentlich vorgeht, ein viel zu emotionsgeladenes Reizwort ist. Hatte da nicht mal vor langem die westdeutsche Bundesregierung einen Senator aus Connecticut ganz schön in eigener Bezahlung? Ist ähnliches heute wirklich ausgeschlossen? Auch Speicherung von Daten, selbst in riesigen Mengen, die aber ohne genaue Einhaltung des Rechtswegs nicht eingesehen werden dürfen, finde ich als Beobachter des menschlichen Lebens ganz interessant. Denn auch die Verschrottung aller Atombomben macht nicht einen Atomkrieg unmöglich; die Pläne dazu sind in unserer Welt nun einmal da, und die Bomben könnten jederzeit wieder gebaut werden. Was ihren Einsatz verhindert, sind mein Gebet und rechtliche Bestimmungen dazu, — und letzterer Befolgung hängt dann auch wieder von der menschlichen Einstellung dazu ab, der Befolgung ethischer Auflagen also, nicht davon, daß in unserer Welt eben so einiges möglich geworden und damit in jeder Hinsicht einfach da ist. Daß nicht ist, was nicht sein darf, ist mir zu romantisch. Aber auch diese Haltung zu unserer Welt ist natürlich einfach da. Mal sehen, wie's weitergeht.

Zur "Vermutung: Man hat bewußt die falsche Übersetzung gewählt": Ach was da nicht alles in der Redaktionseile durchschlüpft; man kann im eben auch gegebenen Zeitdruck ja schließlich nicht jedes einzelne Wort auf der nach den jeweils neuesten Umständen austarierten Goldwaage genauestens erwägen, nicht wahr, ja. Und man errege sich bitte nicht allzu sehr über meinen Beitrag hier zu diesem Diskussionsstrang unter dem Titel "Nachsicht für fehlbare Menschen!"
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.07.2013 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23524

Third-party states sind ganz einfach Drittstaaten.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 02.07.2013 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23523

Im Zusammenhang mit dem NSA-Abhörskandal wird im neuen SPIEGEL "3rd party state" übersetzt mit Partner dritter Klasse. Entsprechend schreibt Jakob Augstein in seiner Kolumne Deutschland, Verbündeter 3. Klasse und weiter unten im Text Deutschland, Verbündeter dritter Güte.

Das ist hochgradig irreführend. Jedenfalls wenn ich es richtig verstehe, gibt es aus US-amerikanischer Sicht erstens die USA (sozusagen die 1. Person Plural), dann Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland, mit denen man direkt zusammenarbeitet und die man nicht abhört (sozusagen die 2. Person Plural, die USA sprechen direkt mit diesen Ländern). Übrig bleiben "dritte Staaten", darunter Deutschland.

Deutschland als "Verbündeter dritter Klasse" würde bedeuten, daß man Großbritannien usw. als USA-Verbündete zweiter Klasse einstuft und die USA als USA-Verbündeten erster Klasse (USA im Bündnis mit sich selbst).

Ich vermute mal, so blöd können die Leute beim SPIEGEL gar nicht sein, daß ihnen diese Unlogik nicht auffiel. Sie müssen sich ja gefragt haben, wer die Verbündeten zweiter und erster Klasse sein sollen. Meine Vermutung: Man hat bewußt die falsche Übersetzung gewählt, weil es nach einer krasseren Abwertung Deutschlands klingt. Ganz schön reißerisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2013 um 16.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23495

Der geständige Doper Lance Armstrong hält es für „unmöglich, die Tour de France ohne Doping zu gewinnen“. (faz.net 28.6.13)

Aber als es noch kein Doping gab, hat doch schon manchmal jemand die Tour de France gewonnen?
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 07.06.2013 um 08.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23367

Claudia Roth hat auf n-tv eine schwierige Rechen- und Rechtsaufgabe aufgeworfen, indem sie auf die Ungerechtigkeit hingewiesen hat, das Ehegattensplitting rechtlich anders zu bewerten, "wenn zwei Männer zwei Männer lieben oder zwei Frauen zwei Frauen lieben".

Eine Ménage à trois ist ja kopfrechnerisch und auch sonst schon etwas schwierig, aber Viererbeziehungen? Und was ist mit gemischtgeschlechtlichen Viererbeziehungen oder noch mehr Beteiligten? Und welche Folgen hat das für das Ehegattensplitting und die Gerechtigkeit?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.05.2013 um 11.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23241

Bei Präpositionen wie trotz des/dem, dank des/dem, entgegen des/dem, gegenüber des/dem scheint es mir so zu sein, daß jeweils leicht unterschiedliche Sichtweisen vorliegen, etwa wie bei an der/die Tür klopfen, ohne daß ich aber bei den ersteren genau sagen könnte, was eigentlich der Unterschied ist. Der Dativ kommt mir vielleicht etwas direkter vor. Es kann auch nur ein Gefühl oder eine Stilfrage sein, wie man sich eben ausdrücken will. Vielleicht hat es auch damit zu tun, daß bei weiblichen Substantiven in der Einzahl der Unterschied gar nicht erkennbar ist, z. B. trotz der/der Krise. Dadurch sind auch bei männlichen und neutralen Wörtern beide Fälle in Gebrauch.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 21.05.2013 um 21.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23238

Ja, aber bei "trotz" hatte sich ja auch der Genitiv eingeschlichen und anerkannt Aufnahme gefunden, trotz dem/des doch allgegenwärtigen "trotzdem".
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 21.05.2013 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23235

>entgegen anderslautender Spekulationen

Irgendwie sagt mir mein Unterbewußtsein: "entgegen anderslautende_N_ Spekulationen" – entweder Genitivitis oder bereits modern-progressiv-jugendlich-dudenlich-flippige Formulation.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2013 um 07.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23232

Durch Ausschluss von Dr. Ulrich Porst verliert die CDU einen Sitz, der als parteiloses Mitglied weiterhin im Stadtrat vertreten ist. (Wikipedia über Gera)

Jetzt lassen sich nicht nur die Volksvertreter vertreten, sondern auch noch deren Sitze.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2013 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23224

Nach Informationen des "Spiegel" werden die Hamburger Justizsenatorin Jana Schiedek und die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin Jutta Allmendinger entgegen anderslautender Spekulationen nicht in dem Kompetenzteam vertreten sein. (welt.de 18.5.13)

Warum sollten sie sich vertreten lassen, statt gleich selbst dazuzugehören?

(Kompetenzteam ist natürlich wie Exzellenzzentrum usw. zu bewerten.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2013 um 08.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#23108

Inzwischen zählt Chinesisch bereits zur meistgefragten Sprache in amerikanischen Colleges. (Die politische Meinung 447/2007:20)

Da bleibt nicht mehr viel zu zählen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2013 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22843

In letzter Zeit bin ich mehrmals auf Wendungen wie sein Autobiograph gestoßen.

Roth hat einmal gesagt: "In meinen Büchern übersetze ich die Juden für den Leser" und sein Autobiograph David Bronsen meinte: "Hiob ist der jüdischste von Roths Romanen".

Manchmal ist es sogar angemessen, weil viele Leute sich ja eines geübten Helfers bedienen.

Ich habe das hier untergebracht, weil es um Kopfrechnen geht: die Kunst, bis 2 zu zählen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2013 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22787

Hier noch eine merkwürdig zwitterhafte Mengenangabe:

Karol Wojtyla war als Papst fünf Mal nach Mexiko gereist. Kurz vor seinem Tod 2005 waren ihm fünf Ampullen mit Blut entnommen worden. Seitdem er im Mai von seinem Nachfolger Benedikt XVI. selig gesprochen wurde, gelten diese Ampullen als Reliquien, die von den Gläubigen verehrt werden dürfen. (Spiegel online 11.8.2011)

Die Ampullen "mit" dem Blut waren ihm wohl nicht entnommen worden. Andererseits geht es bei der Reliquienverehrung (auch in Aschaffenburg wird eine Ampulle verehrt) tatsächlich um die Ampullen, so daß es auch keine reine Mengenangabe ist.

seligsprechen muß nach Duden und Wahrig wie heiligsprechen zusammengeschrieben werden, obwohl das amtliche Verzeichnis nur das letztere enthält. Nach Wahrig ist der Grund, daß die Gesamtbedeutung nicht aus den Bestandteilen ersichtlich ist.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.03.2013 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22785

Herr Riemer hat die unbestimmten Zahlwörter und Mengenangaben nicht erwähnt. Ähnlich ist es in allen slawischen Sprachen, also gemeinslawisches Erbe.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.03.2013 um 23.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22781

Wenn man schon weiß, daß es 11 sind, wird man wohl auch elf sagen. Ein knappes Dutzend würde ich dann sagen, wenn ich nicht sicher bin, ob es 10 oder 11 sind.
Na ja, alles schön und gut, aber gegen Russen sind wir Deutsche im grammatischen Kopfrechnen doch arme Waisenkinder. Vielleicht ist es ja ganz interessant und auch amüsant, sich das mal anzusehen.

Grundregel im Russischen ist: Nach 1 steht Nominativ Singular, nach 2 bis 4 Genitiv Singular, 5 bis 20 verlangen Genitiv Plural. So geht es dann in Zehnerschritten bis 100 weiter, die Einerziffer bestimmt Kasus und Numerus des gezählten Substantivs. Ab 101 bis unendlich sind immer die letzten 2 Ziffern maßgebend.

So aber nur für Substantive (als Subjekt). Abweichend gilt für Adjektive nach 2 bis 4: männlich und neutrum stehen im Genitiv Plural, weiblich dürfen außerdem auch im Nominativ Plural stehen. Das führt dazu, daß attributive Adjektive und Substantive manchmal nicht im Kasus oder nicht im Numerus kongruieren.

Beispiel (eine Anzahl großer Bäume):
541 (fünfhundert vierzig ein) großer Baum
22 [der] großen [des] Baumes
12 [der] großen [der] Bäume
(Die Artikel in Klammern sollen hier Numerus und Kasus verdeutlichen, die im Russischen stehen würden.)

Ganz kompliziert wird es beim Prädikat. Je nachdem, ob das gezählte Substantiv belebt oder unbelebt ist, vielleicht ist es unbelebt, aber dennoch "handelnd", je nachdem ob das Verb eines des (Vorhanden-)Seins, Sich-Befindens ist oder nicht, steht es im Singular oder Plural. Verben im Präteritum Singular unterscheiden sich eigentlich auch nach dem Genus, aber direkt nach Zahlenangaben steht das Verb immer in der neutralen Form. Also auch keine Kongruenz zwischen Substantiv und Verb im Genus. Wieder gibt es eine Ausnahme für alle Zahlen, die auf 1 enden (nicht auf 11), hier besteht immer Kongruenz bei Adjektiv, Substantiv und Prädikat nach Genus, Numerus und Kasus (Kasus entfällt natürlich beim Verb).

Beispiel (eine Anzahl neuer Lehrer kamen an, saßen dort):
22 [der] neuen [des] Lehrers kamen an. (Belebtes Substantiv: Verb im Plural)
22 [der] neuen [des] Lehrers [es] saß dort. (Verb des Sich-Befindens: Singular, Neutrum)
21 neuer Lehrer [er] saß dort. (Nach 1: Verb im Singular und Genus des Subjekts)

Ist das gezählte Substantiv nicht Subjekt, gibt es weitere Zusatzregeln ...

Wie russische Muttersprachler das alles so schnell im Kopf "ausrechnen", ist mir wirklich ein Rätsel.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.03.2013 um 18.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22780

Ein Dutzend Eier sind normalerweise genau zwölf, aber das ist die Ausnahme. Ein Dutzend Äpfel oder ein Dutzend Menschen, wie viele sind das? Da würde ich nicht auf genau zwölf wetten, bei mehreren Dutzend erst recht nicht. Zur Genauigkeit bei Teile hatte ich mich nicht geäußert. Jedenfalls gibt es diese vielen Unterschiede von Wort zu Wort und von Fall zu Fall. Eine Kategorie wie "bezeichnet eine genaue Anzahl" ist sehr fragwürdig: schon bei einem einzelnen Begriff, erst recht als angebliches Kriterium für eine Gruppe von Mengenbegriffen. Es ist Unsinn, an so etwas den Gebrauch von Singular oder Plural ausrichten zu wollen, wie es der Duden versucht.

Richtig an den Bemerkungen im Duden ist, daß "oft" nach dem Sinn konstruiert wird. Dieser überragend wichtige Aspekt kommt beim Duden zu kurz. Es kann im Einzelfall auch wieder verschieden aussehen, was "dem Sinn nach" jeweils bedeutet und wie schwer das Kriterium wiegt. Jedenfalls sagt man fast immer: Eine Million Menschen beziehen Hartz IV. Das Subjekt ist dem Sinn nach nicht die Million, sondern es sind viele Menschen, die Hartz IV beziehen. Ob es sich um genau oder ziemlich genau oder nur ungefähr eine Million handelt, spielt gar keine Rolle für die Konstruktion mit dem Plural. Dasselbe gilt für eine Million Londoner, die wohl kaum auf den Beinen war.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.03.2013 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22779

Wird ein Dutzend häufiger gerundet als eine Million? »Eine Million Kölner« stimmt ziemlich genau, aber natürlich nie exakt. »Eine Million Teile« kann eine grobe Übertreibung sein, ähnlich wie »Millionen Teile«. »Ein Dutzend Eier« hingegen sind in der Regel genau zwölf. Es ließe sich vermutlich sogar feststellen, daß »ein knappes Dutzend« fast immer für elf steht.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.03.2013 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22778

Vielen Dank für die Dokumentation. Wahrscheinlich steht ungefähr dasselbe auch in den späteren Ausgaben bis heute. Die Darstellung ist zwar schon recht differenziert, krankt aber immer noch daran, daß wenige Kriterien herausgegriffen werden, an denen dann die Formulierung der Regelhaftigkeit aufgezogen wird.

Ein "Mengenbegriff" wie Million findet sich dann plötzlich neben 25 anderen, darunter Dutzend, Teil oder Unmasse, als ob das alles in dieselbe Kategorie gehört. Dabei gibt es alle möglichen Unterschiede.

Million steht in einer Reihe mit den normalen Kardinalzahlwörtern wie drei oder zehn, die anderen genannten Begriffe nicht. Million ist ein ganz bestimmter Wert, der sich in Ziffern schreiben läßt. Dutzend kann ein genauer Wert sein (zwölf), muß aber nicht. Wenn man Dutzend mit den Ziffern 12 schreibt, liest der Leser "zwölf" und nicht "Dutzend". Das kann bei der Million in Ziffernschreibweise nicht passieren. Dutzend wird oft als ungefährer Wert verstanden, Million auch, aber seltener.

Manche Mengenbegriffe wie hundert oder Million haben Zahlwörter als Begleiter wie ein bzw. eine; wobei dies auch ein unbestimmter Artikel sein könnte; das kann man vom Begleiter zwei nicht sagen. Schon an der Schreibung zweihundert vs. zwei Millionen sieht man Unterschiede, so ist Millionen eine gebeugte Form, hundert wird normalerweise nicht gebeugt (zweihundert). Man kann sagen Millionen Menschen, aber nicht Paare Menschen. Man kann ohne weiteres sagen ein Teil der Italiener; man könnte sagen eine Million der Italiener, das ist aber nicht üblich. Man kann sagen zwei Millionen, aber nicht zwei Unmengen. Man kann zwar zwei Teile sagen, aber nicht zwei Teile Menschen. So könnte man weitermachen.

Jede Menge Unterschiede zwischen Million und den anderen Mengenbegriffen gibt es, entsprechend gibt es viele Kriterien, Merkmale, Aspekte. Nur zwei oder drei davon herauszugreifen wird der Sache nicht gerecht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.03.2013 um 11.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22777

Das nennt man wohl Sprachentwicklung. In meiner Deutschen Schulgrammatik von 1952 steht unter "Übereinstimmung zwischen Subjekt und Prädikat":
1. Bei einem Subjekt, das eine Menge bezeichnet und durch ein Substantiv oder Adjektiv näher bestimmt wird, steht das Prädikat meist im Singular: Eine Menge schöner Vasen glänzt ... Ein Dutzend, ein Haufen Neugieriger gafft ...
2. Im Plural steht das Prädikat, wenn man die Menge als eine Vielheit von Dingen ansieht: Ein Dutzend Gläser werden bewundert.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.03.2013 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22776

Vor einem halben Jahrhundert schrieb der Duden in der ersten Ausgabe seines Zweifelsfällewörterbuchs (Hauptschwierigkeiten der deutschen Sprache, 1965) unter dem Stichwort Kongruenz (Numerus zwischen Subjekt und Prädikat > singularische Mengenangaben wie Menge, Masse usw. mit dem Gezählten im Plural):

»Wenn einem singularischen Mengenbegriff wie Anzahl, Bande, Dutzend, Gros, Gruppe, Hälfte, Handvoll, Haufen, Heer, Heide, Kreis, Mandel, Masse, Mehrzahl, Menge, Million, Paar, Reigen, Reihe, Schar, Schock, Teil, Trupp, Unmasse, Volk, Zahl usw. das Gezählte im Plural folgt, dann müßte, streng grammatisch gesehen, das Prädikat im Singular stehen, weil das Subjekt formal singularisch ist: Eine Menge fauler Äpfel lag unter dem Baum. Eine Menge von faulen Äpfeln lag unter dem Baum. Eine Menge faule Äpfel lag unter dem Baum. Eine Menge Konjekturen wird nötig sein (Freytag). Es war eine Menge Leute da (Hesse). Daneben findet sich aber auch in der Hochsprache der Plural des Prädikats. Der Sprecher entscheidet hier mehr nach dem Sinn. Der Plural des Prädikats findet sich vor allem dann, wenn das Gezählte als Apposition im gleichen Fall wie die Mengenangabe steht: ... wo eine Menge sonderbare Sachen herumliegen (Th. Mann). Neben: ... herumliegt. Eine Unmasse Familien geraten aneinander (H. Mann). Neben: ... gerät aneinander. ... schreiten eine Anzahl Pilger ... (Nigg, Wiederkehr 140). Neben: ... schreitet eine Anzahl Pilger ... Bei grammatisch sichtbarer Abhängigkeit des Gezählten, d. h., wenn das Gezählte als Beifügung im Genitiv oder Präpositionalfall angeschlossen ist, ist der Plural etwas seltener: Die Hälfte meiner Gedanken waren immer bei ihr (Grass, Blechtrommel 425). Neben: ... war immer bei ihr. In unseren Tagen sind ein Teil der theologischen biblischen Begriffe aus dem aktiven Wortschatz des Plattdeutschen verschwunden (O. Schwencke in: Muttersprache 73, 1963, 383). Neben: ist ... verschwunden. Eine Reihe von edlen und nüchternen Geistern haben den Rauchtabak verabscheut (Th. Mann). Neben: ... hat ... verabscheut. Merke: In allen diesen Fällen ist sowohl der Singular als auch der Plural des Prädikats korrekt. Beachte: Bei Mengenangaben, die eine genaue Zahl nennen, wie „Dutzend, Paar, Schock“ usw., steht häufiger das Prädikat im Singular, weil die Mengeneinheit den Ausschlag gibt: Ein Dutzend Eier (= 12 Stück) kostet 3 Mark. Dieses Paar [Schuhe] kostet 30 Mark. Aber (bei unbestimmter Menge): Ein Dutzend Bediente hatten die Arbeit übernommen.«

Nebenbei: Etwas unglücklich finde ich die Abwandlung von Literaturzitaten in der hier gewählten Form (»Neben …«), denn mit dem veränderten Zitat wird ja kein Beleg für die zuvor aufgestellte These beigebracht, sondern nur vorgeführt, wie das Zitat bei Anwendung dieser These auch aussehen könnte – nach dem Motto: Der Autor hat sich für A entschieden; hätte er sich für B entschieden, hielten wir das auch für richtig, weil es unserer These entspricht.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.03.2013 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22775

Zitat aus Duden, "Richtiges und gutes Deutsch"

Stichwort: Million
Abschnitt: Eine Million Londoner war/waren auf den Beinen

"Auch wenn nach Million das Gezählte im Plural folgt, steht in der Regel das Verb im Singular, weil das Subjekt Million formal ein Singular ist: Eine Million Londoner war auf den Beinen. Oft wird aber nach dem Sinn konstruiert und das Verb in den Plural gesetzt: Eine Million Londoner waren auf den Beinen."

––

Da haben wir den Salat. Duden leitet seine Grammatik nicht aus der Sprache ab, wie sie vorzufinden ist, sondern paßt die Darstellung der Sachlage einer bereits feststehenden Theorie an. Vielleicht hat man in bewußt täuschender Absicht zu der Formel "in der Regel" gegriffen: Sie klingt wie "meistens", kann aber auch nur bedeuten "nach einer grammatischen Regel". Man fragt sich, was häufiger ist: "in der Regel" oder "oft". Der Eindruck des Lesers dürfte sein: "Singular ist der Normalfall. Plural kommt auch immer wieder mal vor, ist aber die Ausnahme." Totaler Blödsinn!

Es würde mich nicht wundern, wenn Sick das abgeschrieben hätte.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.03.2013 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22774

"Hang zum Singular" war mißverständlich ausgedrückt. Es klingt so, als ob ein massenhaftes Phänomen dabei herauskommt. Das meinte ich nicht. Ganz überwiegend wird auch beim Schreiben der Plural gewählt, das ist richtig. Aber auch dem Singular begegnet man als Leser, und ich habe meistens den Eindruck: "Beim spontanen Sprechen würde sich der Verfasser wahrscheinlich anders ausdrücken." Wie gesagt, beweisen kann ich das nicht.

Ich habe aber noch eine weitere mögliche Quelle für den Singular gefunden. Im Internet geistern Hinweise herum, daß "strenge Grammatiker" nur den Singular akzeptieren, als ob eigentlich nur dieser korrekt sei. Das erzählen sich irgendwelche Sprachinteressierten gegenseitig. Das ist sick, aber Tatsache. Womöglich hatte der Schreiber beim SPIEGEL so eine sprachpflegerische Empfehlung im Hinterkopf und hat absichtlich gegen sein Sprachgefühl verstoßen. Das könnte auch sein.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.03.2013 um 22.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22772

Wenn man z. B. nach »eine Million Kölner« sucht, ist es nicht leicht, überhaupt einen (schriftlichen!) Beleg für das Prädikat im Singular zu finden. Der Plural ist wohl üblicher, aber ob das etwas mit mündlicher vs. schriftlicher Ausdrucksweise zu tun hat, ist eine andere Frage.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 08.03.2013 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22771

Natürlich versteht man, was gemeint ist, wenn jemand Hartz IV „bekommt“.

Es ist aber keine elegante Ausdrucksweise. Jemand bezieht Unterhalt gem. Hartz IV gefiele mir schon besser.

Im dritten Satz von Hrn. Metz dürfte wohl ein Wort zuviel stehen geblieben sein.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 08.03.2013 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22770

Wieso seid ihr so gemein zu mir?

Nein, das kann ich natürlich nicht belegen. Ich meine aber, daß es mir meistens auffällt, wenn jemand diesen Singular mündlich konstruiert, und es kommt selten vor. Mit einer Ausnahme: Sprecher in Funk und Fernsehen. Warum? Weil die eiskalt ihren Text ablesen, auch wo er schief ist. Sie sprechen nicht spontan, nicht natürlich.

Gerade gestern habe ich wieder im Fernsehen so eine Macke gehört, die für das Schriftliche typisch ist. Da ging es um die chemischen Elemente, und der Sprecher sagte doch tatsächlich "Potassium" statt "Kalium". Daß sein Text eine billige Laien-Übersetzung aus dem Englischen war, konnte man auch sonst immer wieder heraushören. Jedenfalls sagt kein Deutscher von sich aus "Potassium", aber Profi-Sprecher tun es. Und ich meine nun, im Fernsehen den obengenannten Singular immer wieder mal vorgelesen zu bekommen und ihn sonst deutlich seltener zu hören.

Zu Herrn Metz: Das ist natürlich trickreich hoch zwei. Die Unklarheit in diesem Fall hat ja nun andere, weitere Gründe und kann deshalb nicht als Einwand gegen meine vorige Darstellung verwendet werden. (So verstehe ich den Hinweis von Herrn Metz auch nicht.)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.03.2013 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22769

Hier noch was zum Grübeln:

Eine Million und ein Mensch bekommt Hartz IV.
Eine Million und ein Mensch bekommen Hartz IV.
Eine Million ein Menschen bekommen Hartz IV.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.03.2013 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22768

Kann man diese Behauptung auch belegen?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 08.03.2013 um 14.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22767

Falls das so gewesen sein sollte, spielt es für die spontane Grammatik der heutigen Deutschen keine Rolle. Damit der Genitiv überhaupt wahrnehmbar ist, müßte er ja mit Artikel konstruiert und ausgesprochen bzw. niedergeschrieben werden.

Ich stelle folgende Behauptung dagegen: Fast alle Sprecher drücken dasselbe im Plural aus. Der Hang zum Singular ist nur beim Schreiben auffällig. Die Leute sehen vorne am begonnenen Satz Eine Million mitsamt dem Artikel und meinen, dies sei dann wohl das Subjekt.

Es kommt wohl auch vereinzelt beim Sprechen zur Konstruktion mit Singular. Dabei dürfte es sich in der Regel um ein Versehen handeln, das einer scheinbar naheliegenden Analogie geschuldet ist:

Eine Million ist viel.
Eine Million Menschen bekommt Hartz IV.

Normalerweise funktioniert die "richtige" Analogie:

Zwei Menschen bekommen Hartz IV.
Tausend Menschen bekommen Hartz IV.
Eine Million Menschen bekommen Hartz IV.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.03.2013 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22766

Ich denke, daß in "eine Million Menschen" das Wort "Menschen" früher ein partitiver Genitiv war. Ebenso wie in "Tausende Menschen", "Hunderte Menschen".
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.03.2013 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22765

Eine Million Menschen bekommt schon seit 2005 Hartz IV (Spiegel online, 7.3.2013)

Das ist auch eine Art von Rechenschwäche. Theoretisch ist Singular genauso richtig wie Plural, weil sowohl Menschen eine genauere Bestimmung von eine Million sein kann (dann Singular) als auch umgekehrt (dann Plural). Die Leute tendieren oft dazu, den Singular zu nehmen, also eine Million als Kern des Subjekts wahrzunehmen. Vielleicht deshalb, weil eine Million vorne steht; wohl auch deshalb, weil die Million ihrerseits ein Zahladjektiv (eine) als Begleiter hat, das wertet sie grammatisch auf.

Aber das ist natürlich Blödsinn. Es sind immer noch Menschen, die Hartz IV bekommen. Eine Zahl bekommt kein Hartz IV. Außerdem ist es üblich, die Zahlen als Attribut des Gezählten aufzufassen: ein Mensch, zwei Menschen, eine Million Menschen.

Ganz falsch ist der Singular bekommt dennoch nicht. Man kann die vielen Menschen als Masse zusammenfassen und diese mit der Million bezeichnen. Nicht schön, nicht besonders überzeugend, aber möglich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.02.2013 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22699

Aber Mars bringt bestimmt auch verbrauchte kriminelle Energie sofort zurück.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.02.2013 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22679

Nicht einmal Wikipedia, nur der Kleine Wahrig unterscheidet bei "Energie" sauber zwischen 1 (Physik, Chemie): Fähigkeit, Arbeit zu leisten und 2 (allgemein): Tatkraft. Deshalb gehört die "kriminelle Energie" zu 2 und ist leider nicht physikalisch oder chemisch nutzbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2013 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22674

Warum sollte ein volkstümlicher Begriff von "Energie" nicht sein Recht behalten? Jeder Verbraucher weiß, daß eigentlich nichts durch Verbrauch wirklich verschwindet. Es landet letzten Endes im Müll, in der Luft oder im Klo.

Energieverbrauch ist einfach die Degradierung, Endstation Wärme. Mars bringt die Energie sofort zurück, das stimmt schon.

Die Energieunternehmen rechnen nach Grundgebühr und Verbrauch ab. Sie können sich auch physikalischer ausdrücken, aber das würde die Rechnung nur komplizierter, nicht billiger machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2013 um 08.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22673

Wie ich zu meinem Erstaunen sehe, sind Walnüsse doch Nüsse:
www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2006/msg00255.htm
Wer hätte das gedacht!

Aber "Nuß" betrifft doch wohl die Morphologie und nicht die genetische Ordnung? Dann wäre die bekannte Zuordnung der Erdbeeren zu den Rosengewächsen nicht relevant.
Seit ich weiß, was Erdbeeren wirklich sind, picke ich die Nüßchen ab und werfe das vermeintliche Fruchtfleisch weg. Es ist ein bißchen mühsam, Kokosnüsse bringen mehr, aber Opfer müssen gebracht werden (wie Lilienthal vor seinem Absturz sagte).

Was Herr Wrase über die Nussen sagt, ist auch bedenkenswert. Vielleicht so ein Fall wie Muttern und Mütter oder Betten und Flußbette, das hatten wir ja schon.

Zum Kopfrechnen noch was Kurioses:

„Kaffee macht nicht impotent und auch auf die Zeugungsfähigkeit hat Kaffee keinen Einfluss. Im Gegenteil: Kaffee wirkt aphrodisierend und steigert die Lust! Laut einer Studie der Universität Michigan sollen Kaffeetrinker sexuell aktiver sein als Verweigerer des schwarzen Goldes; und brasilianischen Wissenschaftlern zu Folge soll Kaffee sogar die Spermien beweglicher machen.“
(ratgeber.t-online.de/kaffee-mythen-was-ist-wahr-was-ist-luege-/id_54099864/index)

Und das soll kein Einfluß sein? Darauf gleich noch eine Tasse!
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 20.02.2013 um 02.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22670

Bei der Stecknuß lautet das Grundwort in der Fachsprache wohl eher Nuß, Plural Nussen (nicht "Nusse, Plural Nussen"). Es heißt im Singular ja auch Stecknuß und nicht Stecknusse.

Im Wikipedia-Artikel zum Schraubenschlüssel sehe ich bei Nusse einen Tippfehler, allerdings den Plural betreffend. Es heißt da: ... Steckschlüssel-Einsätze („Nusse“, umgangssprachlich „Nüsse“). Daraus ergibt sich, daß der Schreiber den Plural angeben wollte. Vermutlich wollte er schreiben: („Nussen“, umgangssprachlich „Nüsse“). Aber ganz sicher bin ich mir auch nicht ...
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 19.02.2013 um 20.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22669

Gehören Erdbeeren nicht vielmehr zu den Rosengewächsen?

Der Hinweis, daß Erdbeeren zu den Rosen gehören, findet sich zumindest auf den Schildern im hiesigen botanischen Garten. Zugegeben, dort findet man auch "Fleisch fressende Pflanzen", aber deswegen müssen ja nicht alle Hinweise auf den Schildern (im botanischen Sinne) falsch sein.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.02.2013 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22668

Spaß macht das Sinnieren über Erdnüsse und Erdbohnen aber doch. In den siebziger Jahren hieß es in der Werbung: "Mars bringt verbrauchte Energie zurück." Der Autor Bernhard Lassahn fragte ratlos: "Verbrauchte Energie – wofür brauch ich die?"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2013 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22658

Ein Leserbriefschreiber berichtet in der FAZ vom 19.2.13, wie oft er schon Politiker angeschrieben habe, weil der Ausdruck erneuerbare Energie falsch sei. Er meint offenbar, die Physik sei die einzige Instanz, die den Sprachgebrauch in diesem Fall festlegen dürfe. Das ist der Standpunkt der „Allgemeinen Semantik“, die ja auch am Aufgehen der Sonne und anderen sogenannten „ptolemäischen Redewendungen“ herumdokterte. Ein weites Feld für Besserwisser.

Gerade lese ich noch in der FAZ etwas über eine neuartige "Stecknuss". Dieser Schraubenschlüssel-Einsatz (Schraubendreher?) heißt fachsprachlich Nusse, Plural Nussen, aber allgemeinsprachlich Nuß, Nüsse. Es gäbe also viel zu tun. Schließlich ist alles und jedes irgendwo auch verfachlicht. Um bei den Nüssen zu bleiben: Erdbeeren sind bekanntlich keine Beeren (wie Kürbisse), sondern Nüsse. Man kann sie aber doch nicht Erdnüsse nennen, es sei denn, die Erdnüsse würden endlich Erdbohnen genannt, denn sie sind ja eigentlich Hülsenfrüchte und keine Nüsse. Walnüsse auch nicht. Es gibt aber Fächer, die alle diese Nüsse und Nichtnüsse zum "Obst" rechnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2012 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22158

Wie Stifter kann Hilbig eigentlich nicht erzählen. (FAZ 25.6.94)

Eine Zweideutigkeit der häufigeren Art. Können beide nicht erzählen oder Hilbig nicht so gut wie Stifter?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2012 um 16.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22105

Eine sehr häufige Konstruktionsmischung geht nach folgendem Muster:

Die Grammatikalisierung beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Wechsel der Wortart. (Klaus-Peter Wegera/Sandra Waldenberger: Deutsch diachron. Berlin 2013:153)

Also beschränkt sie sich noch auf anderes?

Gemischt aus "beschränkt sich nicht auf den Wechsel" und "bezieht sich nicht nur auf den Wechsel" oder so ähnlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2012 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22094

Der Dativ ist auch nicht mehr, was er früher war:

Einige andere Tiere gelten als unrein, etwa Juden und Moslems. (FAZ 2.9.88)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2012 um 15.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22001

Angeblich haben wir ja ein lineares Zeitmodell, die Zukunft kommt auf uns zu usw., während die Antike ein zyklisches hatte. Das ist alles Unsinn, es gab und gibt immer die verschiedensten Bilder, unter denen wir die Zeit fassen, je nach begrenztem Problem, das es zu lösen gilt.
"Die Zeit läuft mir davon." – Welches Zeitmodell liegt denn einer solchen Redeweise zurgunde?
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 25.11.2012 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21993

Die Bezeichnung Lichtjahr beinhaltet schon eine Zeitkomponente!
Betrachtet man nämlich etwas in einer Entfernung eines Lichtjahres, sieht man ein Jahr in die Vergangenheit. Wenn man also die Sonne am Horizont untergehen sieht, ist sie in Wirklichkeit schon ca. 8 Minuten zuvor "untergegangen". Betrachtet man eine totale Sonnenfinsternis, sieht man ein Bild, das aus Licht zusammengesetzt ist, das ca. 8 Minuten Zeitversatz hat und nur aufgrund dieses Versatzes so aussieht, wie es aussieht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.11.2012 um 01.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21989

Seiner Zeit voraus zu sein meint wohl vor allem, seinen Zeitgenossen voraus zu sein. Und je nachdem, auf welchem Gebiet das der Fall ist, oder auch einfach bildhaft ausgedrückt, kann man den Vorsprung in allen möglichen Maßeinheiten messen.
So ist es also doch kein geeigneter Beleg für die Verwechslung des Lichtjahres mit einer Zeiteinheit, trotzdem fand ich die Diskussion ganz lehrreich.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 25.11.2012 um 00.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21988

Schon wenn jemand seiner Zeit »um Jahre voraus« ist, muß er ein besonderer Mensch sein. Man braucht das nicht noch zu steigern, aber offenbar ist die Verlockung, es zu tun, unwiderstehlich. Ähnlich die allzu laute »1000prozentige Sicherheit«, mit der manche etwas zu wissen meinen. Manchmal ist weniger eben mehr.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 24.11.2012 um 22.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21987

Seiner Zeit voraus sein, meint doch wohl einen Weg. Physikalisch kann man seiner Zeit nämlich nicht voraus sein, da sind immer alle in der Gegenwart. Es ist also offensichtlich jener Weg gemeint, den ein anderer noch zurücklegen muß, um auch dorthin zu kommen, wo die Referenz schon ist. Wobei der Weg hier meist in einem übertragenen Sinn gemeint ist, und wenn man einen sehr weiten Weg (oder großen Vorsprung) versinnbildlichen will, kann es eben auch ein Lichtjahr sein. Wieso nicht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2012 um 12.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21980

Die Kritik an der Redensart mit den Lichtjahren geht mir, ehrlich gesagt, zu weit. Natürlich wird der Begriff oft falsch verwendet. Aber schließlich sagt man seit je seiner Zeit meilenweit voraus (s. Google-Belege), wo ja Raum und Zeit in derselben Weise durcheinandergehen. Redensarten, wie gesagt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.11.2012 um 11.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21979

Außerdem gilt die Entfernung, die man unter einem Lichtjahr versteht, nur im luftleeren Raum. In anderen Medien ist sie kürzer, weil die Lichtwellen langsamer laufen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.11.2012 um 23.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21977

Eine Erzählerin ihrer selbst

Denn die schwedische Autorin ... hat in dieser ... Lebensgeschichte zweier Frauen lose Bruchstücke ihrer eigenen Biographie verbaut.
(FAZ, 23.11.2012)

Der Titel klingt im ersten Moment ganz gut. Aber ist er das? Wenn jemand über mich schreibt, ist er dann "mein" Erzähler? Erzählt er "meiner" oder von mir?
Ich meine, der FAZ-Titel sollte heißen: "Eine Erzählerin von sich selbst".
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 23.11.2012 um 13.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21976

Die Floskel "seiner Zeit um Lichjahre voraus" ergibt für mich keinen Sinn. Ein Lichtjahr ist eine Entfernung; dann könnte man seiner Zeit auch um fünfhundert Meter oder um drei Kilo oder fünf Grad Kelvin voraus sein.

Ich denke, daß solche Floskeln von Leuten erfunden werden, die von der Sache (d.h. von phyikalischen Einheiten) selbst keine Ahnung haben und trotzdem mit kuhlen Worten protzen wollen. Die breite Masse, die auch keine Ahnung hat, blubbert es dann nach.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.11.2012 um 23.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21954

Wie kann man quasi verspätet wirken und gleichzeitig um Lichtjahre seiner Zeit voraus sein? Die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik zeigt, wie es geht. (FAZ, 14.11.2012)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2012 um 16.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21928

Dem Autor verbleibt am Ende die schöne Aufgabe, sich bedanken zu dürfen. (Friedhart Klix: Erwachendes Denken. Berlin 1983:11)

Vor lauter Höflichkeit hat der Verfasser zwei Ausdrucksweisen vermischt. Das Dürfen kann ja keine Aufgabe sein.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 07.11.2012 um 13.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21868

Stichwort eleatisch:
Wettrennen eines Läufers gegen eine Schildkröte, die Schildkröte hat 10 m Vorsprung.

Gleichzeitiger Start;
wenn der Läufer dort ist, wo die Schildkröte zum Startzeitpunkt war, ist die Schildkröte bereits ein Stückchen weiter;
wenn der Läufer dort ist, wo die Schildkröte zum nächsten betrachteten Zeitpunkt war, ist die Schildkröte bereits wieder ein Stückchen weiter;
usw. bis in die Unendlichkeit.

Fazit: Der Läufer kann die Schildkröte auch bei unendlicher Fortsetzung dieser Betrachtung nie einholen, geschweige denn überholen.
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 06.11.2012 um 20.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21863

Dem kann man sich sicher von mehreren Seiten nähern.

(1) "Das Schachbrett ist schwarz und weiß" ist nicht unbedingt in zwei getrennte und unabhängig voneinander gültige Aussagen auflösbar.
(2) Die beiden Aussagen "Das Schachbrett ist weiß" und "Das Schachbrett ist schwarz" sind nur dann widersprüchlich, wenn sie zwingend bedeuten, das komplette Schachbrett sei weiß bzw. schwarz.
(3) "[X] ist [y-farbig]" ist für gewöhnlich keine absolute Aussage, soll heißen, es wird nicht behauptet, die ganze Entität habe eine (und nur eine) bestimmte Farbe.
(4) "[X] ist [y-farbig]" muss als Äußerung einen bestimmten Anlass haben. Ein solcher Anlass könnte z.B. sein, dass X überwiegend y-farbig ist und diese Tatsache (aus welchen Gründen auch immer) relevant erscheint.
(5) "Das Schachbrett ist weiß" oder "Das Schachbrett ist schwarz" würde man nicht sagen, weil keine Farbe (der Einfachheit halber betrachte ich sie mal als solche) überwiegt. Daraus ergibt sich womöglich die Intuition, "Das Schachbrett ist weiß" sei falsch/unwahr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2012 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21862

Ein Schachbrett ist schwarz und weiß.
Daraus folgt:
1. Ein Schachbrett ist schwarz.
2. Ein Schachbrett ist weiß.
Einen Gegenstand mit solchen widersprüchlichen Eigenschaften kann es gar nicht geben.
(Ein eleatischer Hirntwister.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.10.2012 um 10.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21823

Ist das wirklich vergleichbar? Ich verstehe dieses in einem nicht wie zugleich A und B, sondern mehr wie in einem A und in (noch) einem B bzw. wie zum einen A und zum andern B.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2012 um 08.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21821

Havers führt als Beispiel für volkstümlich-unlogische Ausdrucksweisen an: "zwischen A und zwischen B" statt "zwischen A und B". Ein vergleichbarer Fall ist eine der berühmtesten Stellen bei Marx:

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. (MEW, Bd. 1:379)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2012 um 12.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#21794

Die Reimereien in den Poesiealben waren an Geistesschlichtheit schwer zu unterbieten. (Martin Mosebach in SZ 27.10.12)

Gemeint ist natürlich zu überbieten - offensichtlich eine Konstruktionsmischung, wie man sie oft findet und auch meistens wohlwollend überliest.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2012 um 09.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#20761

Die Schwäche im sprachlichen "Kopfrechnen" zeigt sich oft bei Konstruktionsmischungen. Die Süddeutsche Zeitung schrieb einmal:

Zu einem der bedeutendsten deutschen Dichter zählt Wolfgang Hilbig.

Die Münchner Stadtwerke ermahnten ihre Kunden:

Nur so wenig Waschmittel wie unbedingt erforderlich verwenden.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.05.2012 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#20593

Ich denke zwar auch, daß hier eine solche Kontamination vorliegt; offenbar hat sich der Autor beim Zusammensetzen der Bestandteile verheddert. Die Wendung »kaum zu unterschätzen« ist aber so verbreitet, daß ich mich frage, ob nicht bei manchem Schreiber mehr dahintersteckt. Dazu folgende Überlegung des Advocatus Diaboli:

nicht zu unterschätzende Wirkung warnt vor einer Unterschätzung der – großen – Wirkung.

kaum zu überschätzende Wirkung besagt, daß die Wirkung so groß ist, daß es kaum möglich ist, sie höher einzuschätzen, als sie in Wirklichkeit ist.

kaum zu unterschätzende Wirkung besagt, daß die Wirkung so unübersehbar groß ist, daß es kaum möglich ist, ihre Größe nicht zu erkennen.

Man könnte also sagen, daß nicht zu überschätzen und nicht zu unterschätzen im Grunde nur verschiedene Aspekte ein und derselben Aussage betonen, nämlich dort das Ausmaß der Wirkung und hier ihre Unübersehbarkeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2012 um 08.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#20592

Zum 80. Geburtstag des Philosophen Ernst Tugendhat schrieb die FAZ am 8.3.2010:

Die kaum zu unterschätzende Wirkung seines Werks verdankt sich vor allem diesem Effekt.

Meiner Ansicht nach eine Kontamination aus nicht zu unterschätzen und kaum zu überschätzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2010 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#17544

Dasselbe zehn Minuten später:

Enteisungsmittel fehlen: Berlins Flughäfen lahmgelegt
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2010 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#17543

Hier noch ein aktuelles Beispiel:

Fehlende Enteisungsmittel legen Berlins Flughäfen lahm
(Tagesspiegel online 9.12.10)

Das sind wahre Wundermittel, die selbst dann so heftig wirken, wenn sie fehlen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2010 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#15636

Über "Lichtjahre" als vermeintliches Zeitmaß haben wir schon manches Mal geschmunzelt, ohne uns besonders aufzuregen, denn so ist der Mensch nun mal.
Da ich gerade wieder auf "Jahrmillionen von Jahren" gestoßen bin, habe ich es mal bei Google eingegeben und bin doch erstaunt, wie viele Belege es dafür gibt oder geben soll.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 12.02.2009 um 21.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13902

Hier haben wir ein echtes Beispiel für das *pronoun of laziness*: "Police in the South Carolina county where Michael Phelps was photographed smoking from a marijuana pipe have been arresting people as they seek to make a case against the superstar swimmer [...]" (Minneapolis *StarTribune.com*, 12.2.09) Wer will hier eigentlich dem armen Phelps an den Kragen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2009 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13890

Nur damit kein Mißverständnis aufkommt: Mit dem Begriff "pronouns of laziness" ist keine Kritik verbunden! Es geht einfach um Beschreibung der üblichen Redeweisen. Ist versuchter Mord Mord? Natürlich nicht. Falschgeld ist kein Geld, obwohl die Wortbildung es nahelegt. Die analytische Philosophie hat sich ausführlich mit "fake guns" usw. beschäftigt. Ich selbst habe mal eine kleine Sammlung schiefer Attribute angelegt, die sozusagen die Existenz des Gegenstandes in Frage stellen, von dem dennoch die Rede ist; vielleicht interessiert es jemanden:

Sprachpflege kann fehlende Kenntnisse unsichtbar machen, herbeischaffen kann sie diese aber nicht. (SD 1984:105)

Viel wichtiger als die Frage nach den Ursachen des verkümmerten Nationalstolzes ist die nach dessen vitaler Bedeutung für ein Volk. (Das Parlament 11.5.85:15)

Fehlende oder unzureichende Aktivitäten des Betriebsleiters sind überwiegend die Hauptursache für seine Erfolglosigkeit. (FAZ 14.9.85:13)

Auffällig sowohl an der Ratgeber-Literatur als auch am Kursangebotist die fehlende Vermittlung zwischen psychologischen und linguistischen Aspekten in den Lehrprogrammen. (Karl-Heinz BAUSCH/Siegfried GROSSE: Praktische Rhetorik. Mannheim 1985:8)

Noch 1919 bedauerte der erste Evangelische Kirchentag die in den Friedenswirren zerborstene Allianz von Thron und Altar. (FAZ 13.3.85:11)

Der noch kaum spürbare Abbau der Arbeitslosigkeit ist ein Indiz dafür, daß die Arbeitslosigkeit zu einem großen - vielleicht zum größten - Teil nicht konjunktureller, sondern struktureller Natur ist. (FAZ 19.1.85:15)

Manche Arbeiten enthalten mehr fehlende als vorhandene Wörter. (Gerhard ERNST in: Werner HÜLLEN u.a., Hg.: Lernzielbestimmung und Leistungsmessung im modernen Fremdsprachenunterricht. Frankfurt 1975:104)

Fehlende Fahrpraxis bedeutet ein hohes Unfallrisiko. (FAZ 27.2.84:7)

Shampoo gegen schnell fettendes Haar (Werbung)

Die unzulängliche Versorgung mit diesem Element (Magnesium) wird vielfach durch einseitige Ernährung, Alkohol, harntreibende Medikamente, Erbrechen und Durchfall begünstigt. (FAZ 21.11.85:I)

Die für DDR-Maßstäbe modernen und komfortablen Wohnungen in der Neustadt waren zu DDR-Zeiten trotz ihrer geringen Größe begehrt. (FAZ 10.10.92:Beilage)

Viele ökologische Probleme Andalusiens beruhen auf der fehlenden Bewaldung der Gebirge. (SZ 22.11.90:61)
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 11.02.2009 um 00.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13889

(id=29#4577/87/88 gehören eigentlich hierher)
Unsere Grete hat keine Eier. Aber ich esse sie doch so gern. Auch "pronoun of laziness", wenn's die Pluralform ist? Das Beispiel ist natürlich und auch nicht mißverständlich. (Und mir sollte auch keiner vorwerfen, daß ich Kannibale bin, meine ich.) Da "kein" der "negierte indefinite Artikel" ist (und Pluralformen hat, was "ein" nicht hat), akzeptiert man beim Computer-Beispiel wohl "ein" (als Negation der Negation [wie schön!]) ohne weiteres, unbeanstandet, nicht jedoch gleichermaßen das normale Personalpronomen. Im Schriftlichen, wo sprachlicher Selbstausdruck mit Händen, Füßen und Gesichtszügen (bei gleichzeitiger Beobachtung, ob der Angesprochene auch verständnisvoll folgt) eben nicht drin ist, ist natürlich beim Ausgangsbeispiel "einen" statt "ihn" geradezu ideal ("ihren" nur, wenn's wirklich ihrer ist!).

"Ich würde das Personalpronomen "ihn" nicht auf "keinen Computer" beziehen", sagt Kratzbaum. Natürlich nicht! Und warum nicht? Weil klar ist, was gemeint ist. Übrigens habe ich auch keinen Computer, den ich verkaufen kann. Jedoch kann man nicht einen Computer, den es nicht gibt verkaufen (jedenfalls nicht legal). Und: Grete benutzt den Computer, um im Leben schneller Lösungen von bestimmten Problemen zu finden. Und wenn sie dazu *einen* Computer benutzte, dann wäre das auch nicht groß anders; es sei denn, der Zusammenhang machte da etwas sehr Unterschiedliches daraus. — Ich meine, gute Schreiber drücken sich hier schon klar genug aus, auch wenn wir keine Regel formulieren können, nach welcher wir versagenden Sprachgeforderten eins auswischen könnten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.02.2009 um 19.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13888

Ist in diesem Zitat mit Kopfrechnen nicht genau das gemeint, was man auch Sprachgefühl nennt?
Dann hieße das, die Menschen hätten im allgemeinen oder im Durchschnitt ein eher schlechtes Sprachgefühl. Na ja, ich weiß nicht ...
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 09.02.2009 um 15.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13887

Hans benutzt keinen Computer, aber Grete benutzt ihn gern.
 
 

Kommentar von Falk Borutta, verfaßt am 09.02.2009 um 14.56 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13886

Aus dem Satz geht nicht eindeutig hervor, wer gemeint ist. Spitzfindig könnte ja auch Hans gemeint sein, den Grete gern benutzt.
Ich würde so etwas Stilblüte nennen. Etwa auch der folgende Satz.
Gestern haben wir Schweine geschlachtet, Opa war auch dabei.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2009 um 04.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13885

Auf den Begriff "Logik" verzichte ich gern. Es geht um den Unterschied zwischen bestimmter und unbestimmter Bezugnahme (definiter und indefiniter Referenz), einen ganz alten Hut. In meiner eigenen "Philosophie" gibt es übrigens zwar Objekte, aber keine "Klassen" von Objekten. Das sind bloß Redeweisen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.02.2009 um 23.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13884

Entschuldigung, ich habe immer noch einen kleinen Nachtrag.
Prof. Ickler hat ja schon ein Beispiel gegeben, daß es doch mit der Kombination unbestimmt/bestimmt möglich ist. Es geht damit gleichzeitig eine Sinnerweiterung vor sich: von ihn (den Computer) zu ihren (eigenen).
Meine u.g. "Theorie" liefert also wohl nur eine hinreichende Bedingung, keine notwendige. Anders gesagt: Das "sonst nicht" hätte ich weglassen sollen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.02.2009 um 22.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13883

"Hans hat keine Angst, aber Grete ganz viel, dann bezieht sich ganz viel (davon) doch auch auf die nicht vorhandene Angst."

Ich glaube, das ist ein Trugschluß. Alles ist hier unbestimmt. Ganz viel (davon) bezieht sich nicht auf Hans' nicht vorhandene Angst, sondern auf die vorhandene (allgemeine) Angst, von der Hans keine hat.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.02.2009 um 22.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13882

Ja, Herr Roth, das stimmt, ist aber im Grunde nichts anderes als ich meinte. Ich habe ja geschrieben, wie es auch geht:
"Hans hat keinen Computer, aber Grete benutzt gern einen."
Das ist so wie:
"Hans hat keinen Computer, aber Grete hat ganz viele."
Und das ist dann schon fast Ihr Satz.
Meine Theorie ist: Wenn beide Seiten unbestimmt sind, oder beide Seiten bestimmt, dann ist es in Ordnung. Sonst nicht.
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 08.02.2009 um 21.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13881

Herr Riemer, so ganz will mir Ihre Interpretation nicht in den Kopf.
Lautet der Satz Hans hat keine Angst, aber Grete ganz viel,dann bezieht sich ganz viel (davon)doch auch auf die nicht vorhandene Angst.
Oder habe ich jetzt einen Bruch in die Logik gebracht?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.02.2009 um 19.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13880

"ihn" könnte sich natürlich auch auf die ganze "Klasse" der Computer beziehen, aber dann kann man den Anfang nicht so stehenlassen. Man könnte etwa sagen:

"Hans mag den Computer nicht, aber Grete benutzt ihn gern."
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.02.2009 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13879

Liebe(r) rjb, in dem Satz
"Hans hat keinen Computer, aber Grete benutzt ihn gern." wird das Wort "ihn" verwendet, welches implizit den bestimmten Artikel enthält. Es bezieht sich also nicht auf irgendeinen Computer, sondern auf genau den Computer, der gar nicht existiert, der gar nicht genannt wird. Das ist unsinnig.

Soll es so interpretiert werden, wie Sie das tun, dann müßte der Satz heißen: "Hans hat keinen Computer, aber Grete benutzt gern einen."
In diesem Fall ist beides unbestimmt, daher so in Ordnung. Es fehlt natürlich jetzt die Information, daß Grete auch selbst einen Computer besitzt, aber wenn man gutes Deutsch reden will, kann man eben nicht immer alles in einen einzigen Satz packen.
 
 

Kommentar von Karl-Heinz Isleif, verfaßt am 08.02.2009 um 19.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13878

Könnte man den logischen Bruch nicht so verstehen, daß Grete die Haare ihres Bruders deshalb nicht spalten kann, weil der gar keine hat...?
KHI
 
 

Kommentar von rjb, verfaßt am 08.02.2009 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#13876

Diese Logik kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Das Wort "Computer" wird hier mMn zur Bezeichnung einer Klasse von Objekten gebraucht. Es gibt ja auch solche Formulierungen wie "Computer verändern unser tägliches Leben", oder auch "der Computer verändert unser tägliches Leben", oder "In sprachlichen Dingen ist der Mensch ein schwacher Kopfrechner."

"Hans hat keinen Computer" bedeutet, daß Hans zu keinem der Objekte in dieser Klasse in der Relation des Besitzers steht. "aber Grete benutzt ihn ["den Computer" als Bezeichnung einer Objkektklasse] gern" bedeutet, daß Geräte gerne mit oder an Objekten aus dieser Klasse arbeitet. Es könnte aber trotzdem einzelne Objekte aus der Klasse geben, die Grete nicht gerne benützt, und es ist nicht gesagt, daß irgendein Objekt der Klasse "ihres" wäre. In dem Satz wird offenbar implizit, aber durchaus nachvollziehbar, unterstellt, daß zwischen "einen haben" und "gern benützen" eine positive Korrelation besteht. Das wird durch die Verbindung der beiden Teilaussagen mit "aber" ausgedrückt, und auch einem Leser, der den Satz nicht verstehen kann, weil er keine Ahnung hat, was ein Computer ist, könnte sich zumindest diese Korrelation erschließen (in anderen Fällen trifft so eine Korrelation ja nicht zu: wer gerne mit dem Zug fährt, besitzt in aller Regel trotzdem keinen). Insofern ist das ein Beispiel, daß in einer sprachlichen Aussage mehrere logische Aussagen stecken können; und daß das Verhältnis von Sprache und Logik(en, denn es gibt da ja so allerlei) verwickelter ist als oft angenommen, aber Unlogisches kann ich in dem Satz nicht feststellen. Es können sich lediglich Widersprüche zu vorab gemachten Voraussetzungen, etwa über die anzuwendende Logik, ergeben.
 
 

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