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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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16.09.2008
 

Fremdwörter
Hier wurde etwas versäumt

Selbst in wissenschaftlichen Texten findet man seit langem die Schreibweise Plazebo. Aber die Reform erkennt es nicht an, nur Placebo.
Das ist unrealistisch. Wir hatten uns ja schon gewundert, daß sogar die längst eingedeutschte Schreibweise Gräkum von der Reform wieder rückgängig gemacht wurde. Das verstehe, wer will.



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Kommentare zu »Fremdwörter«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2019 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#42020

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#23835

Renate Künast will den Verkauf von Energy-Drinks an Kinder und Jugendliche verbieten.

Das Zeug ist sicher ungesund, aber man hat mit Recht gleich auf das Willkürliche einer solchen Wahl hingewiesen. Der Türkentrank macht Kinder blaß und krank, und besonders schlimm ist das Zuckerwasser in seinen verschiedenen Formen. Aber auch die Feststoffe, die man in Kinder stopft, sind, wie ich besonders hier auf der Ferieninsel sehen kann, großenteils Verbotskandidaten.
Verbote würden eine Limonaden-Kriminalität nach sich ziehen. So wird das nichts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2019 um 17.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#41664

Laut Wikipedia wird Bahuvrihi auch eingedeutscht Bahuwrihi geschrieben, und das Duden-Fremdwörterbuch hat gar nur diese Form, die ich aber noch nie gelesen habe (und ich hatte immer verhältnismäßig viel damit zu tun). Schwer erklärbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2018 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#39082

Nachtrag zum Nachtrag (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#34139)

Wikipedia schreibt jetzt Garam Masala. Ob jemand hier mitgelesen hat? Aber es bleibt natürlich eine Zumutung, die Wortart in neuindischen Sprachen kennen zu sollen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2018 um 03.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#38593

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#33369

Thule: eine mystische Insel im Norden Europas (https://www.zeit.de/kultur/musik/2011-01/volkslieder-folge-17)

Thule, mythische Insel im Norden Europas, erstmals von Pytheas erwähnt (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2017 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#37049

„Unter Turzismus versteht man Entlehnungen (Fremdwörter und Lehnwörter) aus dem Türkischen. Ganz selten werden sie auch Turkismus genannt; diese Form des Begriffs ist vor allem in Skandinavien geläufig.“ (Wikipedia)

Beides ist sehr selten, statistisch ist da nicht viel zu machen.

Der Turkismus ist vor allem als Panturkismus geläufig. Wenn man den sprachwissenschaftlichen Begriff vom politischen trennen will, kann man das tun, aber nötig wäre es nicht. Turkvölker ist bekannter. Man liest heute auch Türkismus/Antitürkismus, was nur scheinbar wie eine weitere Eindeutschung aussieht, in Wirklichkeit aber dem Türkischen näherkommt. Es hat ja mit dem Deutschen die gerundeten Vordervokale gemeinsam.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2017 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#35123

Die Präposition versus regiert laut Duden den Akkusativ. Allerdings ist der Kasus meist nicht zu erkennen, und wenn der Artikel mal dabeisteht, ist es oft der Dativ. Beim Suchen nach Belegen fiel mir wieder mal auf, wie überflüssig das Latinisieren hier ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2016 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#34182

Wie schreibt man jetzt eigentlich Reductio ad absurdum? Duden hat es nicht, und Wikipedia (s. v.) schwankt. Das "Zitatwort" reductio ad absurdum ist ja nicht einschlägig, es geht um die syntaktische Substantivierung (Transposition des Adjektivs). Vor der Reform war es einfach.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2016 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#34139

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#27440 noch ein Nachtrag:

Garam masala (Wikipedia)

Wer weiß schon, daß masala das Substantiv ist, garam das Adjektivattribut? Die angeführte Schreibweise entspricht der alten Regelung und ist am einfachsten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.10.2016 um 20.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#33444

#33369:
Island ist mystisch, umrankt von Legenden. ...
Und auch sonst zieht es jedes Jahr Tausende Touristen zu den Geysiren ...

Ja, genau, eine der meistgehörten Legenden ist, Island sei das "Land der Geysire". Ab welcher Anzahl wäre wohl so ein Name gerechtfertigt, wie viele Geysire glaubt danach ein unbefangener Besucher in Island bewundern zu können? 10, 20, sogar noch mehr?

Tatsächlich ist es genau einer. Der Strokkur stößt in recht regelmäßigen Abständen, ungefähr alle 5 bis 10 Minuten, eine ca. 10 bis 20m hohe, beeindruckende Wassersäule aus. Der Große Geysir gleich daneben, Namensgeber für alle Geysire der Welt, bricht nur noch so selten aus, alle paar Jahre oder Jahrzehnte einmal, daß es von der Wahrscheinlichkeit her einem Lottogewinn gleichen würde, ihn ausbrechen zu sehen.

Alles andere sind blubbernde, dampfende, zischende, fauchende Wasser- oder Schlammlöcher oder kontinuierlich fließende heiße Quellen, aber mit einer Wasserfontäne haben sie nichts zu tun.

Island hat natürlich eine spektakuläre Natur zu bieten, ein Besuch lohnt sich allemal, aber man erspart sich vielleicht eine Enttäuschung, wenn man von vornherein davon ausgeht, maximal einen Geysir zu sehen. Ein "Land der Geysire" ist es sicher nicht.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.09.2016 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#33403

Der Sprachgebrauch in #33402 erinnert mich etwas an eine Radiosendung von vor langer Zeit, wo ein kleines Mädchen ins Mikrophon des Reporters auf dessen Frage "Was macht Dein Vater?" antwortete: "Mein Vater ist der Präsident." – Reporter: "Der Präsident wovon?" – Mädchen: "Der Präsident der Karnevalsgesellschaft."
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 28.09.2016 um 15.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#33402

Narjan-Mar, die Hauptstadt des Autonomen Gebietes der Nenzen, liegt nördlich des Polarkreises bei etwa 67,5° n.Br. Die Aussage für Reykjavík gilt nur, wenn man sich auf vollsouveräne Staaten (also etwa UNO-Mitglieder) beschränkt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.09.2016 um 08.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#33391

Zu #33375:

Der vollständige Satz lautet: »Mit ihrer geografischen Lage (Breitengrad 64° 08' N, 269 Kilometer südlich des nördlichen Polarkreises) ist sie die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt.« Vielleicht hatte der Autor zunächst im Kopf: »Mit ihren 64° 08' n. Br. ist sie die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt«, fand das dann aber zu platt und hat deshalb noch die »geografische Lage« hineingebastelt, ohne zu bemerken, was er damit anrichtet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2016 um 08.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#33389

Er gehört einer Klasse an, deren Herrschaft qua ihrer Privilegien gesichert ist. (Ueding/Steinbrink: Grundriß der Rhetorik. Stuttgart 1985:6)

Quak, quak!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2016 um 05.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#33375

Dazu noch:

Reykjavík ist die Hauptstadt Islands. Mit ihrer geografischen Lage ist sie die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt. (Wikipedia)

Womit sonst?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2016 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#33369

Weil man demnächst von Nürnberg nach Reykjavik (eigentlich Keflavik, ein ziemliches Stück entfernt) fliegen kann, schreibt die Zeitung:

Island ist mystisch, umrankt von Legenden. Der feste Glaube an Elfen gehört zur Landeskultur, so sehr, dass die Regierung gar eine Elfenbeauftragte zum Schutz der Fabelwesen engagiert hat. Und auch sonst zieht es jedes Jahr Tausende Touristen zu den Geysiren, an die schroffen Küsten, zu den Vulkanen. (nordbayern.de 23.9.16)

Viele Leute können mystisch und mythisch nicht unterscheiden, kennen also die Bedeutung nicht und verwenden die Wörter trotzdem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2016 um 06.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#32908

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#22100

"Hapax legomenon, nach dem Duden zusammengeschrieben Hapaxlegomenon (...)" (Wikipedia)

Wikipedia bleibt also bei der Schreibweise, die nach der Neuregelung nicht mehr korrekt ist, während Duden sich des Problems tatsächlich durch obligatorische Zusammenschreibung entledigt, gegen den überwiegenden Schreibbrauch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2016 um 06.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#32905

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#24361

Die "Altersmalessen" sind nicht korrigiert worden, man kann sie heute noch nachlesen und entdeckt dabei, daß das Wort Malesse sich ausbreitet und wahrscheinlich nicht mehr aufzuhalten ist. Na ja, warum nicht? Dann haben die Leute wenigstens kein Problem mehr mit dem Genus. Die Bedeutung scheint sich bei "Wehwehchen" einzupendeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2015 um 03.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#30387

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#14760:

Extraversion und Extroversion sind keine "Schreibvarianten" (http://www.korrekturen.de/nachgefragt/extraversion_versus_extroversion.shtml), sondern Wortbildungsvarianten.

Eine Kleinigkeit, die aber zu einer angemaßten Kompetenz von Orthographen und Rechtschreibreformern geführt hat. Deshalb wird ja a.a.O. auch Scholze-Stubenrecht befragt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.06.2015 um 21.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#29094

Finnland will 2016 seinen Grundschülern keine Schreibschrift mehr beibringen, auch der Grundschulverband propagiert dafür, die Handschrift der Kinder aus Druckbuchstaben zu entwickeln.

(Süddeutsche Z., 8.6.15, S. 2, Hervorhebung von mir)
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 10.02.2015 um 11.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#28059

Der Kokommentator ist schon längere Zeit üblich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2015 um 07.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#28058

Als Übersetzung von coworking ist auch koarbeiten schon belegt. Wolfgang Fleischer hielt es noch für unmöglich, wegen des fremden Präfixes zur indigenen Wurzel. Aber das ist auf die Dauer kein Hindernis, wie man an sub-, super- usw. sieht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2015 um 06.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#28036

Jungunternehmern in Erlangen stellt die Medical Valley Center GmbH dankenswerterweise jetzt einen Coworking Space zur Verfügung. Das ist ein Gemeinschaftsbüro.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2014 um 09.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#27443

Den "Veggie"-Day haben die Grünen laut eigener Aussage (Höhn) nicht aus Überzeugung aufgegeben, sondern aus Opportunismus ("politisch verbrannt"). Dafür wollen sie nun das Schulessen gesetzlich (!) regeln. Warum nicht auch das Mensaessen der Hochschulen und das Kantinenessen? Erziehung endet ja nicht mit dem Schulabschluß. Man will angeblich den Geruch der Verbotspartei loswerden, aber der Schuß geht nach hinten los, wie die vielen Kommentare einhellig beweisen.

(Hinter jedem Posten des Schul-Speiseplans könnte in Zukunft der Paragraph angeführt werden, dem das Menü gerecht wird. Weitere Anregung: Was die Eltern ihren Kindern zu Hause auftischen, erfüllt oft den Tatbestand der Körperverletzung; diese Art von Kleinkriminalität muß auch erfaßt und verboten werden. Das geht heute recht einfach. Einwohnermeldedaten könnten mit Kassendaten aus den Supermärkten kombiniert werden ...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2014 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#27440

Noch ein Nachtrag zum Veggie-Day:
Ich kaufe in einem Kräuterladen Garam Masala. Eine ältere Kundin fragt mich, was das ist. Ich: „Das ist eine indische Gewürzmischung für Fleischgerichte.“ Sie, sehr streng: „Wir essen kein Fleisch!“ Dazu ein strafender Blick. Ich bin so eingeschüchtert, daß ich meine Standardantwort vergesse: "Fleisch soll ja intelligent machen ..."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2014 um 03.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#27193

Kaufhof hat schon Sale – was kann die Pleitefirma Karstadt da machen? Auf dem Bildschirm poppt ein Fester auf: MID-SEASON SALE. Ich überlege, um welche Saison es sich am 29. Oktober handeln könnte.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 05.09.2014 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#26663

Weil ich hier gerade Oligarch lese.
ligo [ngr. wenig, bißchen] . Die Archie kennt man ohnehin.
Für altgr. habe ich keine Kompetenz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.09.2014 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#26662

Zu extra/intro: Das Nebeneinander von Video und Audio dürfte keine Zukunft haben, gesprochen hört man den Unterschied oft schon nicht mehr, und viele schreiben bereits Vidio.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2014 um 18.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#26404

Noch zu den Oligarchen (#23612):

Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Gabriel müßten die EU-Sanktionen gegen Rußland "vor allem die Oligarchen treffen". Auf deren Schultern ruhe die russische Politik.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 28.03.2014 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#25501

Die Forderung kommt zu spät. Die Kinder verfügen längst über umfassende Pornokompetenz; sie zeigen einander doch in der Schule stets das Neueste auf dem Handy.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2014 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#25492

Neuerdings wird "Pornokompetenz" für Kinder gefordert, ausdrücklich an "Medienkompetenz" angelehnt. Der Grundgedanke ist derselbe: Wenn wir schon nicht verhindern können, daß die Kinder viel Zeit vor dem Fernseher (gestern) oder mit dem Internet verbringen, dann wollen wir wenigstens dabeisein. Gemeinsam mit Kindern Pornos anschauen und ihnen erklären, was da geschieht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2014 um 06.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#24728

Gender und Kompetenz sind in verschiedenen Abteilungen unseres Irrenhauses zu Hochwertwörtern geworden, die Koppelung zur Genderkompetenz war eine geniale Geschäftsidee - "berufsfeldkreativ", wie ein Kollege mal in einem anderen Zusammenhang gesagt hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2013 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#24681

Auf einer Packung Walnußkerne aus dem Reformhaus steht "Vegan". Ich dachte, sie wäre aus Walen gewonnen. Jetzt kann ich sie wieder essen.

In NRW soll die massenhafte Tötung von männlichen Küken aus der Legehennenzucht verboten werden. Leser haben eine Antwort auf die Frage angemahnt, was mit den 50 Mill. männlichen Küken (in Deutschland) stattdessen geschehen soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2013 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#24365

Immer öfter liest man Konstruktionen wie diese:

uneingeschränkte Transparenz über das iranische Nuklearprogramm (FAZ 11.11.13)
Mehr Transparenz über Patientenrechte in Deutschland (Bundesministerium der Justiz 26.6.2013)

Das Wort Transparenz bedeutet also allmählich so etwas wie "Übersicht". Die "Aktantenvertauschung" läuft so ähnlich wie bei Flair, wo sie fast abgeschlossen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2013 um 04.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#24361

Doch regten sich in den Wochen vor der Synode einige Bedenken gegen Beckstein. Nicht nur wegen kleinerer Altersmalessen wie seiner Schwerhörigkeit, sondern auch, weil er seinen Konservatismus theologisch nur bedingt auszubuchstabieren vermag. (welt.de 11.11.13)

Diese Malessen werden wohl im Laufe des Tags korrigiert werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2013 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#24261

Nachtrag zum Veggie-Day, der den Grünen überproportional geschadet haben soll: Die ZEIT weiß nicht mehr, worüber sie noch schreiben soll. Rechtschrebreform geht nicht, Rassismus ist ausgelutscht. Jetzt will sie die ganze kommende Woche dem Thema Veganismus widmen. Der Ausdruck ist schon wegen des ideologiekritischen Suffixes beanstandet worden, auch die phonetische Nähe zum Scheidenkrampf ist ungünstig. Aber hören wir, was die Redaktion interessiert:

Wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihre Entscheidung, vegan zu leben? Ist die soziale Akzeptanz in städtischen Umfeldern größer als in ländlichen? – Wir wollen ein Bild ermitteln: Wie weit ist Veganismus in unserer Gesellschaft angekommen?

Das Ergebnis ist voraussehbar: Vermutlich ist der Veganismus in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen, wie der Rassismus. Anders gesagt: Veganer leben mitten unter uns, schon der nette Mensch von nebenan könnte einer sein. Also aufgepaßt!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2013 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#24183

Nachtrag: Inzwischen haben die Queeren eine neue Adresse, und das Zitat findet sich jetzt hier:

www.genderkompetenz.info

Dort heißt es auch:

Heteronormative Vorannahmen bestimmen so nicht nur unser Verständnis von Geschlecht, Sexualität und Begehren, sondern ebenso die Wahrnehmung eines Körpers als gesund, leistungsstark und schön. Daher sind sie nicht von ihrem Kontext der Kolonialgeschichte, des Kapitalismus und den Rassismen der Moderne zu trennen.

Warum der erste Satz den zweiten begründen soll, ist nicht zu erkennen. Geht es denn beispielsweise den sexuell "schräg" Orientierten in nichtkapitalistischen Staaten besser?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2013 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#24182

Was man die Selbstheilungskraft einer Sprache nennen könnte, besteht im Grunde darin, daß die verkorksten Texte von niemandem gelesen werden; so bleiben sie unschädlich. Ich beobachte oft, daß krasse Fehler auf Websites jahrelang nicht korrigiert werden. In dem Text zum Beispiel, der unten zitiert wird (vgl. hier), steht auch heute noch der Grammatikfehler, weil die guten Leutchen natürlich ihre eigenen Texte nicht lesen.

Wer weiß, wie lange schon bei Wikipedia unter "Logik" folgendes steht:

In der Analytica Priora Entwicklung der bis ins 19. Jahrhundert verwendeten Syllogistik, einer Vorform der Prädikatenlogik.

Unter "Analytica priora" dann:

Die Analytica priora (Erste Analytik) des Aristoteles ist die dritte Schrift des Organon und der erste Teil der Analytiken. In ihr entwickelt Aristoteles seine (gegenüber der Topik) reifere Logik, die Syllogistik.

Erst unter "Analytica posteriora" dämmert es den Verfassern allmählich, daß es sich um den Plural eines Neutrums handeln könnte:

Die Analytica posteriora ist die zweite Analytik des Aristoteles, die vierte Schrift des sog. Organon und der zweite Teil der Analytiken. In den Analytica posteriora führt Aristoteles seine Wissenschaftstheorie aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2013 um 14.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#24155

Flair heißt ja eigentlich "Gespür", aber im Deutschen hat man es auf die Sache übertragen, die dann für uns ein Flair hat. Gerade umgekehrt ist es mit dem Fetisch, von dem immer öfter zu lesen ist, man habe einen Fetisch für etwas, zum Beispiel Lederstiefel, statt daß die Stiefel der Fetisch für den Fetischisten sind. Das Ganze auch außerhalb der Psychopathia sexualis in Modeberichten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2013 um 11.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#23851

Kennt jemand eigentlich eine Kantine, Klinikküche oder Mensa, in der nicht täglich wenigstens ein vegetarisches Gericht angeboten würde? Wo ißt Frau Künast?

Die Süddeutsche Zeitung verteidigt den Vorschlag: einen fleischlosen Tag pro Woche. Wie bescheiden! (Vor allem gegenüber meinem alten Vorschlag "Sonntagsbraten" ...)

Aber was um Himmels willen hat das alles im Wahlprogramm einer Partei zu suchen?

Wenn es andererseits nach Steinbrück ginge, dürfte ein Kanzler nicht im Osten "sozialisiert" worden sein, denn dann kann er die richtige "Leidenschaft" für Europa nicht aufbringen. Das steht aber noch nicht im Wahlprogramm.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 05.08.2013 um 15.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#23846

... bzw. "Veggie Day"; das "ie" macht es entschieden niedlicher.

Die Alternative wäre dann ein "Annie Day" (von "animal").
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2013 um 08.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#23835

Die Grünen wollen nach der Bundestagswahl einen "Veggy Day" einführen. Schon der Name verursacht Übelkeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2013 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#23676

frenetische öffentliche Geheimhaltung (FAZ 16.7.13 über Rowlings Umgang mit ihren jeweils neuesten Werken)

Wahrscheinlich ein Oxymoron, oder? Ich kann leider nicht herausfinden, was gemeint ist. Es ist wahr, daß Rowling und ihr Verlag streng darüber gewacht haben, daß vom nächsten Buch nichts an die Öffentlichkeit gelangte, und das gehörte zum Marketing. Aber wer würde dies frenetisch nennen, ohne seine Leser vor den Kopf zu stoßen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2013 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#23612

Bei Oligarch erinnern sich die meisten wohl noch, wie es zu dem Bedeutungswandel kam. Eigentlich bedeutet es ja "Angehöriger einer kleinen Gruppe von Herrschenden", aber wenn wir lesen

27-jähriger Erdgas-Oligarch lässt Ukraine staunen (Welt 11.7.13)

– dann ist die neue Bedeutung vollständig durchgesetzt: "(vorwiegend russischer) Neureicher". Vielleicht wird auch die Beschränkung auf Öl- oder Gasgeschäfte noch eine der Anwendungsbedingungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2012 um 06.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#22100

In Hapax legomenon ist das Partizip substantiviert, müßte also groß geschrieben werden. Daran scheint bisher keiner der Reformdurchsetzer gedacht zu haben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.11.2012 um 22.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#22040

Auch bei Ratten wirkt der Placebo-Effekt (Süddeutsche, 30.11.12)

Das haben Effekte halt so an sich.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.06.2012 um 22.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20928

Korpus Delikti ist schon ein Fall für sich. Auf derselben Linie wären zum Beispiel: Aktus tragikus, Kasus rektus, Kollegium musikum, Muskulus bizeps, Doktor Medizinä ...
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 22.06.2012 um 21.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20927

Auch doof: Die generelle Duden-Präferenz für f bzw. F statt ph bzw. Ph bei Zusammensetzungen mit photo-/Photo- (siehe hier – andererseits ist aber "Photon" die empfohlene Schreibung). In meinem Sprachgebrauch hat sich das Wort "Foto" für Photographie so weit verselbständigt, daß ich bei Wörtern mit Foto- zuerst an ebensolche denke.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.06.2012 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20924

Noch doofer finde ich Korpus Delikti, siehe hier:

www.duden.de/rechtschreibung/Korpus_Delikti

Aber ich glaube, abgesehen von dem großen D geht das aufs Konto der Dudenredaktion.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.06.2012 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20922

Zu den lächerlichsten Einfällen der Reformer gehörte es wohl, dem Ginkgo eine Variante Ginko zur Seite zu stellen. Das fiel mir heute ein, als ich bei Wiki unter "Neuro-Enhancement" auf folgenden Eintrag stieß:

Gingko biloba
Ginkgo biloba ist ein freiverkäufliches Produkt mit den Substanzen aus dem asiatischem Ginkgobaum.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2012 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20813

Heute stieß ich in der Zeitung auf Kortizes.

Duden hat nur Kortex, Pl. Kortexe oder Kortizes, Cortex ist gar nicht mehr verzeichnet.
Brockhaus-Wahrig verweist auf Cortex, gibt die Nummer der Deklinationsklasse an, woraus man mit einiger Mühe den Plural Cortexe/Kortexe erschließen kann (dieses Verfahren ist für Wörterbuchbenutzer ungünstig, wie man seit langem weiß).

Das Ganze ist mehr eine Geschmacksfrage. Ich fände Cortices und Kortexe am besten.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.02.2012 um 23.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20066

Das Wort "Finalsatz" für Zwecksatz, Absichtssatz, Begehrsatz ist heute nicht mehr aus den Bedeutungen seiner Teilwörter herleitbar. Weiß man, wer dieses Wort erfunden hat, etwa schon die klassischen Lateiner?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2012 um 16.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20046

Zu Herrn Achenbach: Das Große Wörterbuch habe ich in der achtbändigen Fassung rezensiert, und es war für mich wohl die erste Gelegenheit, die bevorstehende Rechtschreibreform zu erwähnen. (Einige Wochen später habe ich meinen ersten Leserbrief in Sachen Rechtschreibreform geschrieben.) Der feministische Wahn war bereits ausgebrochen. Ich setze die alte Besprechung noch mal hierher, allerdings ohne Kursivierungen:


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.1995, Nr. 235, S. L18

Duden: Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 8 Bänden. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage herausgegeben und bearbeitet vom Wissenschaftlichen Rat und den Mitarbeitern der Dudenredaktion unter der Leitung von Günther Drosdowski. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 1993-1995. 4096 + XXIV Seiten. Zusammen 592,- DM
Für die meisten Zeitgenossen ist ein Wörterbuch ein staubtrockenes Magazin, in das man sich nur selten und widerwillig begibt, um eine jener leidigen Rechtschreibfragen zu lösen oder einen Bürostreit über das richtige Geschlecht von Joghurt zu beenden. Mit Kopfschütteln blicken sie auf den Freak (´jmd., der sich in übertrieben erscheinender Weise für etw. begeistert´), dem das Erscheinen eines neuen Wörterbuchs ein wahres Fest bedeutet - ein Fest der Kritik natürlich. Zwar freut er sich auch nicht wenig über den Wörter-Schatz auf seinem Schreibtisch, aber er weiß bereits vor der Lektüre des tollkühnen Selbstlobs auf dem Schutzumschlag: Kein Buch ist seinem Wesen nach so unvollkommen wie ein Wörterbuch.
Das fängt schon damit an, daß die Lücken stets zahlreicher sind als die Einträge. Inzwischen hat sich allerdings herumgesprochen, daß der Vollständigkeitswahn kein guter Ratgeber und schon gar kein Qualitätsmaßstab sein kann, und so trägt auch das vorliegende Duden-Wörterbuch sein unvermeidliches Schicksal mit einer Gelassenheit, der sich jeder Rezensent gern anschließen wird. Kein Wort also über Ökosteuer und alles andere, was dieses Wörterbuch (noch) nicht enthält! Geradezu gerührt nimmt man deshalb nach viertausend Seiten auch noch ganze zwei Seiten „Nachträge“ entgegen. Immerhin finden sich hier so aktuelle Neuwörter wie Castorbehälter und Ecstasy, Dino und Doppelklick, aber neben solchen Neologismen, die der natürlichen Fortschreibung des unablässig wuchernden Wortbestandes dienen, auch echte „Nachträge“ von früher Vergessenem: Alkoholproblem und Ermittler, und das ist es, was uns lächeln macht. Als ließe sich durch Hinzufügung dieses oder jenes Wortes zum Gesamtbestand von etwa zweihunderttausend Einträgen auch nur das geringste an der unvermeidlichen Unvollständigkeit ändern!
Es geht also stets um Auswahl, und mit der Auswahl der Stichwörter kann man hier durchaus einverstanden sein. Wenn bei Fachausdrücken aus Medizin und Biologie des Guten manchmal zu viel getan sein sollte, so schadet es doch wenigstens nicht. Fachsprachen sind, so lesen wir, berücksichtigt, soweit sie „auf die Allgemeinsprache hinüberwirken“. Was heißt das? Obwohl mich die Botanik mehr interessiert als die Theologie, hätte ich das Apokarpium nicht erwartet, während ich gleich dahinter die Apokatastasis vermisse. Sollte besagter Bürostreit sich um die Frage drehen, ob es Aphasiker oder Aphatiker heißt, so ergäbe das Nachschlagen im Duden, daß nur die erste Form richtig ist; die zweite fehlt nämlich. Das wäre aber keine gute Antwort, und ich werde weiterhin Aphatiker und aphatisch sagen. Das Wörterbuch ist ein Angebot, kein Kanon, auch wenn die Deutschen es oft dafür halten.

Verkleinerungsformen sind manchmal angegeben (Bierchen), manchmal nicht (Stückchen). Das macht aber nichts, denn anders als in vielen anderen Wörterbüchern sind die Wortbildungsmittel, also auch das Verkleinerungssuffix -chen, als eigene Einträge aufgenommen und erläutert. Wieder andere Probleme wirft die Frage auf, ob man so etwas wie die „durchraßte Gesellschaft“ durch Aufnahme in das Wörterbuch verewigen soll. Das Wort ist vielleicht nur einmal in „gerader Rede“ verwendet, sonst aber immer nur mehr oder weniger ironisch angeführt worden. Ist es deshalb als Hapaxlegomenon (´nur einmal belegtes, in seiner Bedeutung oft nicht genau zu bestimmendes Wort einer (nicht mehr gesprochenen) Sprache´) zu betrachten und folglich beiseite zu lassen? In diesem Sinne scheinen sich die Verfasser entschieden zu haben, zum Glück für den Schöpfer der odiosen Wendung.
Das Wörterbuch verweist nicht ohne Stolz auf die Fülle von authentischen Belegen (allerdings nur aus schriftlichen Quellen, was den Anspruch, „das sprachliche Leben in seiner ganzen Vielschichtigkeit“ zu repräsentieren, denn doch etwas relativiert). Welchen Sinn haben Beispiele und Belege? Beliebige Beispiele, auch selbstgemachte, führen im günstigen Fall die Verwendungsweise eines Wortes anschaulich vor und sind damit einer abstrakten Erklärung in gewisser Weise didaktisch überlegen. Statt ausdrücklich zu sagen, daß das Verb gedenken in der Bedeutung ´beabsichtigen´ den mit zu erweiterten Infinitiv regiert, gibt das Wörterbuch ein Beispiel („Er gedenkt, zehn Tage zu bleiben“), aus dem die grammatische Information unmittelbar hervorgeht. Authentische Belege sollen darüber hinaus etwas beweisen. Im Grimmschen Wörterbuch dienen sie der wortgeschichtlichen Argumentation, folglich kommt es dort auf Erstbelege an. Das ist natürlich für das vorliegende Wörterbuch nicht angestrebt. Die Belege könnten also den Sinn haben, die bloße Existenz eines Wortes bzw. einer bestimmten Verwendungsweise (Konstruktion, Bedeutung) nachzuweisen. Wer nicht glaubt, daß es das Wort Sattel gibt, dem kann man nun nicht weniger als vier Belege, alle aus demselben Werk Edwin E. Dwingers, entgegenhalten. Immerhin zeigen diese Belege das Wort in verschiedenen Verbindungen. Nichts dergleichen läßt sich jedoch lernen, wenn das Wort Made, an dessen Existenz ja ebensowenig zu zweifeln ist, durch folgenden Satz belegt wird: „Er staunte, als Josefine ihm sagte, daß er den Schinken ja nur wegen der Maden bekommen habe“. Die Verlagswerbung hebt, offenbar in rühmender Absicht, hervor, daß danken mit einem Zitat aus Hermann Hesse und begründen mit Habermas belegt sei, und tatsächlich lesen wir „Goldmund dankte überschwenglich“ und „Ein Vertrag begründet eine Norm“. Nichts gegen Hesse und Habermas - aber was ist die Pointe dieser Nachweise, worin liegt ihr Verdienst? Mir kommt das vor wie ein lexikographisches Name-dropping (´geschicktes Einflechten von Namen berühmter Persönlichkeiten...´). Ließe man solche nutzlosen Belege fort, ermäßigte sich der Umfang des Werkes um ein Beträchtliches. Fachausdrücke werden mit Recht nicht durch Belege nachgewiesen; niemand erfindet ja mutwillig Wörter wie Bilirubin, Rocaille oder Zytolith, so daß ein Existenznachweis sich hier erübrigt. Wie aber steht es mit Wörtern, die den Verdacht wecken, sie seien nur um der politischen Korrektheit willen erfunden, etwa die mit großer Regelmäßigkeit angegebenen weiblichen Formen von Personenbezeichnungen? (Political correctness findet man übrigens erst in den Nachträgen!) Sind etwa die Prozessualistin, die Schutzzollpolitikerin und die Zetetikerin wirklich belegt, oder bedeuten uns diese Einträge nur, wie die Wörter korrekt zu bilden wären, wenn sie denn je gebildet werden sollten? Das wäre allerdings eine Aufgabe der Grammatik, nicht des Wörterbuchs. Das Wörterbuch erklärt selbst, nur solche Wörter verzeichnen zu wollen, die fester Bestandteil des Wortschatzes sind, nicht aber die jederzeit möglichen Augenblicksbildungen. Ein netter Zug ist übrigens die Galanterie, mit der die Frauen gelegentlich auch vor dem Übelsten bewahrt werden. So gibt es zwar den unglücklichen Dauerausscheider, aber unter all den Datenschützerinnen, Messerwerferinnen und Strandräuberinnen keine Dauerausscheiderin.
Ein sogenannter „übertragener“ Gebrauch sollte nur dann verzeichnet werden, wenn die Metapher schon mehr oder weniger üblich geworden und im gleichen Maße natürlich auch verblaßt ist. Wenn ein Schriftsteller jedoch einmal schreibt: „Alle Wirklichkeit kam ihr jetzt rissig vor und vom Sterben bedroht“ - dann behält das Wort rissig seine normale Bedeutung, und die metaphorische Deutung ist allein Sache des Lesers. Es wird also kein neuer sprachlicher Tatbestand geschaffen, der in einem Wörterinventar aufzuzeichnen wäre. Diese Überlegung läßt noch einmal eine große Anzahl von Beispielen entbehrlich erscheinen. Richtig dagegen ist der Eintrag einer besonderen Bedeutung bei schalten, weil hier der Bezug auf ´begreifen, verstehen´ längst usuell geworden ist. Andererseits hapert es gerade bei diesem Wort wiederum an geeigneten Beispielen, denn der Beleg: „Der Kaufmann schaltete schnell. Er wendete an der nächsten Ausfahrt, fuhr zurück nach München“, der noch dazu aus der „ADAC-Motorwelt“ stammt, läßt den nichttechnischen Gebrauch des Wortes gerade nicht deutlich werden. Authentische Belege haben als Zufallsfunde oft den Nachteil einer gewissen idiosynkratischen Seltsamkeit. Aufpicken ´durch Picken öffnen´ wird u.a. durch den Satz „Fleischmann pickte persönlich einen rostigen Blechkanister auf“ erläutert, was höchst sonderbar wirkt. Zu apodiktisch ´keinen Widerspruch duldend´ gibt es als einzigen Beleg einen Satz von Max Frisch: „Stiller wiederholte mit apodiktischer Melancholie: ´Es war ein Versagen.´“ Eine völlig untypische Kollokation, die das Wort und seine übliche Verwendung kein bißchen klarer werden läßt. Aus dem seinerzeit sehr beliebten, auch vom Duden ausgiebig benutzten Buch “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ stammt der Beleg: „An jeder Ecke gab es Hasch und nirgends Shit“. Wenn man der „Scene“ (´Örtlichkeit in einer Stadt, wo Verkäufer und Käufer von Drogen zusammentreffen u. ihre Geschäfte abwickeln´) ferner steht, gerät man hier ins Grübeln, denn sowohl Hasch als auch Shit bedeuten laut Wörterbuch ´Haschisch´. Solche Belege sind also nicht sonderlich hilfreich, manchmal verwirren sie eher.

Die Bedeutung wird im allgemeinen in Form einer Paraphrase oder eines Synonyms angegeben; nur bei Wortbildungselementen (wie be-, un-, -iv oder -ist) und einigen Funktionswörtern findet sich eine begriffliche, metasprachliche Funktionsbestimmung. Es wäre unbillig, bei den Funktionswörtern, einem notorisch schwierigen Gegenstand der Linguistik, semantische Pionierleistungen zu erwarten, doch wenn man zu denn liest: „drückt in Fragesätzen innere Anteilnahme, lebhaftes Interesse, Ungeduld, Zweifel o.ä. des Sprechers aus; überhaupt, eigentlich: was ist denn mit ihm?“ - so staunt der Leser wohl darüber, wie viele verschiedene Dinge dieses Wörtchen angeblich ausdrückt und auch darüber, daß es durch überhaupt und eigentlich ersetzbar sein soll, obwohl es doch oft mit diesen zusammen vorkommt. Die Partikel aber hingegen soll „emphatisch zur Kennzeichnung der gefühlsmäßigen Anteilnahme und zum Ausdruck von Empfindungen“ dienen, was womöglich noch unbestimmter und darüber hinaus teilweise dasselbe ist wie bei denn. Hier bleibt offenbar noch viel zu tun. Gerade an diesen Beispielen wird auch ein altes Problem der Wörterbuchmacher sichtbar: Sollte man nicht versuchen, all die scheinbar unterschiedlichen Bedeutungen von denn oder aber auf einen Nenner zu bringen? Liegen etwa in den folgenden Sätzen wirklich drei Bedeutungen von kommen vor: 1. Der Monteur kommt wegen der Heizung (´sich auf ein Ziel hin bewegen´), 2. Der Arzt kommt zu dem Kranken (´jmdn. aufsuchen´) 3. Das Essen kommt auf den Tisch (´gebracht werden´)? Oder ist das ein Fall von „konstruierter Mehrdeutigkeit“? Bei Kontrahent wird mit Recht zuerst die heute vorherrschende, teilweise auf volksetymologischer Umdeutung beruhende Bedeutung ´Gegner´ angegeben, aber ist es gerechtfertigt, danach zu differenzieren, ob es sich um Gegnerschaft in einer „geistigen“ oder in einer „sportlichen“ bzw. „kämpferischen“ Auseinandersetzung handelt? Ich denke nicht.
Um noch einmal auf den „übertragenen Gebrauch“ zurückzukommen: Bei Schallmauer ist neben der physikalischen Bedeutung die übertragene verzeichnet, bei Quantensprung hingegen nicht, obwohl neun von zehn Belegen in der heutigen Allgemeinsprache in dieser übertragenen, weitgehend verselbständigten Bedeutung (´großer Sprung´, mit einem charakteristischen laienhaften Mißverständnis) zu verstehen sein dürften. Das Wort Scherbengericht wird der humanistisch Gebildete eher in jenem ursprünglichen Sinn gebrauchen, den das Wörterbuch durch den Verweis auf Ostrazismus festhält, während das heute übliche vulgäre Verständnis (etwa im Sinne eines übermäßig strengen Urteils, bei dem viel in Scherben geht) als „übertragener“ Gebrauch verzeichnet ist. Das ist insofern nicht ganz richtig, als den meisten Sprachbenutzern die „eigentliche“ Bedeutung und folglich auch das Metaphorische der „übertragenen“ Bedeutung gar nicht mehr bewußt ist.
Bedeutungsangaben sollen, daran hält die Dudenredaktion unverdrossen fest, sprachliche und - im Gegensatz zum enzyklopädischen Lexikon - nicht sachliche Angaben liefern. Aber wie trennt man sprachliche und sachliche Informationen? Die Bedeutungsangaben seien das „Ergebnis sprachwissenschaftlicher Analysen“. Der Rezensent gäbe etwas darum, über solche Analysemethoden zu verfügen. Einstweilen beobachtet er nur, daß z.B. die Definition von Wasser ((´aus einer Wasserstoff-Sauerstoff-Verbindung bestehende) durchsichtige, weitgehend farb-, geruch- u. geschmacklose Flüssigkeit, die bei 0 °C gefriert u. bei 100 °C siedet´) ein durchschnittliches Schulwissen kodifiziert, wobei die Klammerung andeutet, daß man einiges davon getrost vergessen haben darf. Aber Sachwissen ist es allemal, ein Unterschied zu „Sprachwissen“ ist nicht erkennbar. Wirklich sprachlicher Natur ist der Aufschlußwert der Wortbildung: Wenn eisenhart, wie das Wörterbuch korrekt angibt, ´sehr hart (wie Eisen)´ bedeutet, dann muß das Wort Eisen offenbar etwas besonders Hartes bezeichnen; viele andere Verbindungen und Redensarten deuten in die gleiche Richtung. Was lesen wir jedoch unter dem Stichwort Eisen? ´Ein silberweißes, weiches, in feuchter Luft leicht rostendes Schwermetall´! Die relative Weichheit des Eisens ist fachlich korrekt vermerkt, aber zum sprachlichen Stereotyp gehört sie gewiß nicht.
Die Erklärung eines Wortes durch einen synonymen Ausdruck sollte so gehalten sein, daß beide in dasselbe Konstruktionsmuster eintreten können. Das ist z.B. der Fall, wenn anstimmen erklärt wird als ´zu singen beginnen´, denn man kann zu beiden Ausdrücken ein Akkusativobjekt stellen. Wird hingegen anstinken mit ´jmdn. anwidern´ umschrieben, so ist eine Objektsvariable hinzugefügt, die nicht zur Bedeutung des Stichwortes gehört und dessen unmittelbare Ersetzung durch den erklärenden Ausdruck verbietet. In dieser Hinsicht herrscht weithin große Willkür. Das Kopulaverb sein wird umschrieben als ´sich in einem bestimmten Zustand befinden´; das ist aber die Umschreibung von etwas sein, nämlich z.B. gesund, ruhig, und wie die Ersetzungen der Variablen sonst noch lauten mögen. Diese Inkonsequenz verbindet sich gelegentlich mit der ungeschickten Behandlung rückbezüglicher Verben: aufpflanzen soll u.a. bedeuten ´sich provozierend vor jmdn. hinstellen´. Das wäre aber die Umschreibung von sich vor jmdm. aufpflanzen, nicht von aufpflanzen allein. - Eine ähnliche Ungenauigkeit ergibt sich gelegentlich beim platzsparenden Querverweis. Das läßt sich an der Bedeutungserklärung zu Aktaufnahme erläutern: ´fotografische Aufnahme eines Aktes (4)´. Dieser „Akt (4)“ ist jedoch als ´Darstellung des nackten menschlichen Körpers´ definiert. Die Aktaufnahme wäre demnach die Aufnahme der Darstellung des nackten Körpers, und das stimmt natürlich ebensowenig wie die entsprechenden Folgerungen bei Aktbild, Aktgemälde usw. Spätestens bei der Einspeisung des Wörterbuchs in eine Maschinerie zur automatischen Übersetzung würde sich das Schiefe einer solchen Vorgehensweise bemerkbar machen.

DDR-spezifische Ausdrücke sind mit „ehem. DDR“ gekennzeichnet, was trotz einer Erklärung in der Einleitung zu der irrigen Ansicht verleiten könnte, die betreffenden Ausdrücke würden in den neuen Bundesländern (in „Neufünfland“, der hübsche Ausdruck fehlt übrigens) gebraucht. Als sie tatsächlich gebraucht wurden, war die DDR ja noch nicht „ehemalig“. Bei „ns.“ (nationalsozialistisch) ist korrekterweise kein „ehem.“ hinzugefügt. A propos: Um nationalsozialistische Quellen macht das Wörterbuch verständlicherweise einen großen Bogen. Da jedoch nationalsozialistischer Sprachgebrauch verzeichnet und durch Belege nachgewiesen werden muß, treten als Gewährsleute nunmehr Schriftsteller wie Fallada, Hilsenrath und Hochhuth auf, was denn doch ein wenig irreführend ist, da das „ns.“ Wortmaterial bei diesen unverdächtigen Zeugen selbstverständlich nur ironisch gebrochen oder zitatweise vorkommt.
An früheren Wörterbüchern der deutschen Gegenwartssprache hat man oft bemängelt, daß sie die Gegenwartsbezogenheit allzu eng nehmen; zu einer Kultursprache gehöre nicht nur das heute Gesprochene, sondern auch das heute noch Gelesene. In der Werbung (Umschlagtext) beansprucht das Wörterbuch, „wie die großen Wörterbücher anderer Kulturnationen, z.B. der ´Larousse´ in Frankreich oder das ´Oxford English Dictionary´ in der englischsprachigen Welt“ auf die Quellen zurückzugehen. Aber damit wird ein Maßstab beschworen, dem das vorliegende Werk nicht genügen kann und offenbar auch gar nicht soll. Das ist nach wie vor Aufgabe des Grimmschen Wörterbuchs, in weniger ausgreifender Form auch des Deutschen Wörterbuchs von Hermann Paul. Im Vorwort heißt es angemessener, das Werk „beziehe (...) auch den Wortschatz der deutschen Sprache von der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mit ein.“ Lessing und Fontane werden als Eckdaten genannt. Schlägt man eine beliebige Seite auf, wird man fast ausschließlich Belege aus heutigen Zeitungen und Gegenwartsautoren finden und nur selten einmal etwas aus der klassischen Literatur. Die Gegenwartssprache ist, wie zahllose Stichproben zeigen, ganz vorzüglich erfaßt. Auch gegen die starke Berücksichtigung der Trivialliteratur ist nichts einzuwenden, vorausgesetzt, daß man den wirklichen Sprach-“Durchsatz“ (´in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Anlage durchlaufende Stoffmenge´) dokumentiert sehen möchte. Die historische Dimension tritt demgegenüber ganz in den Hintergrund. Ein Beispiel mag zeigen, wie das konkret aussieht: Tucholsky durchlitt bekanntlich schlaflose Nächte, weil ihm keine Bezeichnung für das Geräusch der Birkenblätter im Wind einfiel. (Bemerkenswert seine Intuition, ein solches Wort müsse existieren!) Bei meiner ersten Tucholsky-Lektüre schrieb ich mir das heimatlich-vertraute flispern an den Rand und freute mich Jahre später, es bei Jung-Stilling, und zwar gerade mit Bezug auf die Birkenblätter, wiederzufinden. Das Grimmsche Wörterbuch hat das Wort und die Stelle natürlich ebenfalls, unser Duden leider nicht.
Die Aussprache ist, wo nötig, in der internationalen Lautschrift angegeben und folgt im allgemeinen einem Hang zur Eindeutschung, etwa bei der Auslautverhärtung. Aussprachevarianten werden selten angegeben. Wird z.B. in Apodosis das erste o wirklich immer oder auch nur überwiegend lang gesprochen? Ich möchte es bezweifeln. Zur Transliteration griechischer Wörter fehlen Hinweise, die auch solche Gebilde wie ode (offenbar mit angedeutetem Jota subscriptum) verständlich machen.
Das Werk beruht, wie mitgeteilt wird, auf mehreren Millionen Belegen einer Sprachkartei. Das ist die traditionelle Grundlage guter Wörterbücher, und sie ist in jedem Falle der verbreiteten gegenseitigen Abschreiberei vorzuziehen. Andererseits scheinen die Zeiten der von vielen Händen und Augen mit Fleiß gesammelten Zufallsbelege vorbei zu sein. Künftige Wörterbucharbeit wird, wie es mancherorts schon heute der Fall ist, auf die computergestützte Durchmusterung maschinenlesbarer Corpora gegründet sein müssen. Auch dann bleibt allerdings die Aufgabe, neben den sicherlich interessanten statistischen Auskünften für einen allgemeinen Benutzerkreis auch signifikante Belege auszuwählen, die in der Tat der „Sprachkultur“ dienen.
Die Bände sind solide gebunden und liegen gut in der Hand. Die Schrift ist klein, aber noch gut lesbar, die Gestaltung der Artikel recht übersichtlich. Dazu dient auch der Verzicht auf die Tilde (´Zeichen in Gestalt einer kleinen liegenden Schlangenlinie auf der Mitte der Zeile, das die Wiederholung eines Wortes od. eines Teiles davon angibt´). Ich gestehe allerdings, daß ich ungern zwischen acht Bänden hin- und herspringe; nach dem Vorbild des einbändigen „Deutschen Universalwörterbuchs“ aus demselben Hause (mit ca. 1800 Seiten und 120 000 Stichwörtern ohnehin der schärfste Konkurrent) hätte sich das Werk wohl auf zwei Bände komprimieren lassen.
Der letzte Band enthält als Anhang den Text der auch gesondert erschienenen Broschüre „Die Neuregelung der Rechtschreibung“. Diese Skizze der geplanten Reform nun stellt eine ironische Pointe dar, die ihresgleichen sucht: Dem Leser wird ja nichts anderes nahegelegt, als daß es gescheiter gewesen wäre, mit dem Erwerb des Wörterbuchs zu warten, bis die in Kürze zu erwartende reformierte Neuauflage erscheint. In einer Pressemitteilung versucht der Verlag zwar, die Bedeutung des Werks als Rechtschreibwörterbuch ebenso herunterzuspielen wie die erwartbaren Auswirkungen der Reform. Der Käufer und Benutzer wird das aber mit berechtigtem Mißtrauen zur Kenntnis nehmen. Es bleibt ihm nur die Hoffnung, daß das ebenso folgenreiche wie sinnlose Reförmchen im letzten Augenblick noch an dem Sachverstand der Kultusbürokratie scheitert, damit er sich recht lange an diesem reichhaltigen, sowohl im großen und ganzen als auch im Großen und Ganzen wohlgeratenen Wörterbuch erfreuen kann.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.02.2012 um 13.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20045

"Für mich bist du im Finale – im finalen Endstadium."
(Dieter Bohlen)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.02.2012 um 11.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20044

Für den Bedeutungswandel des deutschen Adjektivs "final" sehe ich zwei Gründe:
Außer von Sprachwissenschaftlern wird das Adjektiv "final", jedenfalls in der schwachen Deklination mit bestimmtem Artikel, von der Mehrheit als Ableitung vom Substantiv "Finale" = Ende gesehen.

In allen neulateinischen Sprachen, zu denen in diesem Fall auch Englisch gehört, hat das Adjektiv "final" die Bedeutung von Ende und ist ein internationales Fremdwort geworden, an das sich die deutsche Sprache jetzt angleicht.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 11.02.2012 um 23.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20036

Weiter zu final:

Kürzlich habe ich mir das "Große Wörterbuch der deutschen Sprache" des Dudenverlags in der neusten, nur noch elektronischen Fassung für teures Geld heruntergeladen.

Dort habe ich das Adjektiv final nachgeschlagen. Zu meiner Überraschung wird der finale Rettungsschuß dort als Beispiel für die Bedeutung "das Ende, den Schluss von etwas bildend" aufgeführt.

Das ist nach meiner Ansicht ein krasser Fehler. Der finale Rettungsschuß (vulgo finaler Todesschuß) ist keineswegs der letzte, abschließende oder endgültige Schuß, er ist vielmehr ein zweckbestimmter Schuß, der bewußt den (möglichst raschen) Tod herbeiführen soll, um Leib und Leben anderer zu schützen.

Der Eintrag zu final enthält auch keinerlei Hinweis auf die Bedeutungsverschiebung des Worts in letzter Zeit.

Überhaupt bin von diesem Wörterbuch etwas enttäuscht. Für diesen Preis hätte ich mehr erwartet. Es scheint mir allenfalls vergleichbar mit dem Petit Robert, der nur wenig mehr als ein Viertel kostet.

Allerdings enthält das "Große Wörterbuch" in seinen etymologischen Ausführungen keinerlei Zeitangaben. Das ist beim Petit Robert ganz anders.

Als Beispiel nehme ich das Wort realisieren. Das "Große Wörterbuch" gibt korrekt an, daß die Bedeutung "erkennen, einsehen, begreifen" aus dem Englischen stammt. Da aber jede Zeitangabe fehlt, kann der Leser nicht ersehen, daß diese Bedeutung sich im Deutschen erst in den letzten Jahrzehnten verbreitet hat.

Dagegen macht der Petit Robert zu (fast) jeder der verschiedenen Bedeutungen eines Wortes eine Angabe zur Zeit des ersten Gebrauchs. Dadurch kann man sich immerhin ein ungefähres Bild über die zeitliche Entwicklung und Differenzierung des Wortgebrauchs machen.

Zu réaliser in der englischen Bedeutung hat der Petit Robert zudem noch die Anmerkung "emploi critiqué".
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 10.02.2012 um 23.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20029

Seit einiger Zeit beobachte ich, daß die Verwendung des Adjektivs final im Sinne von abschließend/endgültig stark zunimmt. In dieser Bedeutung wurde es auch früher gelegentlich verwandt, allerdings eher selten. In der Bedeutung ziel-, zweckgerichtet war es nach meinem Eindruck viel häufiger. In beiden Bedeutungen gehörte es eher einer höheren Sprachebene an.

Offenkundig durch den Einfluß des Englischen wird das Wort inzwischen überwiegend und in ganz banalen Zusammenhängen in der erstgenannten Bedeutung verwandt.

Beispiele:

In den Abendnachrichten spricht der Reporter von dem "finalen Ergebnis" (auf Englisch: final result; auf Deutsch: Endergebnis).

Kürzlich sprach Günther Jauch in "Wer wird Millionär?" vom "finalen Joker" (auf Deutsch: letzter Joker; selbst im Englischen wäre last Joker naheliegender).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2012 um 16.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#20007

"In jeder Kultur führt in Zusammenhang mit Mortalität und Natalität die Generativität zu Kategorisierungen von Geschlecht." (Theresa Wobbe/Gesa Lindemann (Hgg.): Denkachsen. Zur institutionellen Rede von Geschlecht, Frankfurt 1994:151)

Ich übersetze mal:

"Alle Menschen werden geboren, pflanzen sich fort und sterben; darum wird überall zwischen Mann und Frau unterschieden."
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.08.2011 um 15.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#19165

Möglicherweise trifft "Trans*Person" auf den Heiligen Geist (hagion pneuma) zu, der ja in den Orthodoxen Kirchen kein Tier (Taube), sondern eine Person ist.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 23.08.2011 um 13.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#19164

Deutsch scheinen sie aber nicht zu können: "Das GenderKompetenzZentrum hat in einem wissenschaftlich innovativem Kooperationsprojekt, das den Leitprinzipien der partizipativen Forschung folgt, mit dem Berliner Verein TransInterQueer e.V. zusammen eine Studie zur Ungleichbehandlung von Trans*Personen im Arbeitsleben für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (BADS) erarbeitet."
Ich weiß nicht so recht, was man sich unter Transpersonen mit Sternchen vorzustellen hat. Ist eine solche Schreibweise reformgerecht? Sollen wir jetzt so schreiben? Übernehmen die Ministerien sie?
Mit Verlaub: So ein gequirlter Quark nennt sich heute Wissenschaft?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2011 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#19162

„Queerversity ist das Einführen der Differenz des Differenten in die Diversität.“ (www.genderkompetenz.info/genderkompetenz/copy_of_queerversity)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2011 um 03.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#19143

In einer Besprechung des zweiten Buches von Charlotte Roche steht: „Schoßgebete“ beschreibt eine Gesellschaft im Transit. (Philipp Holstein in RP 16.8.11)
Wieso Transit? Vielleicht wollte der Verfasser nicht allzu deutlich die steile These aussprechen, daß dieses Buch eine Gesellschaft im Übergang beschreibe.
Der Verfasser dieses gehaltlosen Textes nennt auch den amerikanischen Bestsellerkonstrukteur Jonathan Safran Foer ständig Safran Foer, während amerikanische Journalisten sich mit Foer begnügen. (Einer von ihnen schrieb übrigens den bedenkenswerten Satz: In a calculated move, he threw in 9/11 to make things important, to get paid.)
Noch zu Roche: Erst erzeugen die Journalisten eine enorme Aufmerksamkeit für das Buch, dann besprechen sie mit geheuchelter Überraschung diese Aufmerksamkeit, als hätten sie damit nichts zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2011 um 16.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#18962

Virchow schrieb seinen Aufsatz, weil die altsprachlichen Kenntnisse im Schwinden waren, die man braucht, um Wortbildung in der Fremdsprache zu betreiben - wie ich es anderswo zur Fremdwortbildung dargestellt habe. Sonst gäbe auch die Rede von "Barbarismen" keinen Sinn. Es war damals klar, daß die Fachausdrücke in der gelernten alten Sprache zu prägen waren; dann konnte man sie phonetisch, flexivisch und graphematisch mehr oder weniger ans Deutsche angleichen. Das war keine Fremdwort-Bildung, sondern Fremd-Wortbildung. Dieses Verfahren gibt es heute noch, obwohl es immer mehr außer Sicht gerät.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2011 um 09.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#18422

Auf den Hilfe-Seiten meines StarOffice (Version 7) wird regelmäßig so verfahren:

Numerierungsvorlage
Wählen Sie die Nummerierungsvorlage aus, die Sie für den Absatz verwenden möchten. Diese Vorlagen können Sie auch im Stylist auflisten lassen, indem Sie auf das Symbol Nummerierungsvorlagen klicken.


Also die Überschriften immer in herkömmlicher Rechtschreibung, der Text dann reformiert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2009 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#15408

Zufällig sehe ich, daß Rudolf Virchows berühmter Aufsatz über Barbarismen in der medizinischen Sprache im Netz gelesen werden kann:
http://www.springerlink.com/content/lkpu7631427945p2/fulltext.pdf
Ich finde, daß man ihn heute noch mit Interesse lesen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2009 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#15292

Die meisten Studenten beteiligen sich nicht an den Protesten, sondern "flüchten in politische Agonie", wie der Kölner Stadt-Anzeiger meint. Vielleicht ist "Apathie" gemeint.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 27.10.2009 um 11.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#15181

Noch eine Stilblüte von Microsoft. Oder vielmehr ein Mantra?



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Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 26.10.2009 um 15.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#15174

Als Benutzer von Ubuntu ist man ohnehin verwöhnt – denn dafür gibt es ja Sprachpakete in klassischer Rechtschreibung.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 26.10.2009 um 14.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#15172

"gerendert" ist noch vergleichsweise harmlos (vgl. "Rasterung (Computergrafik)" bei de.wikipedia.org). Schlimmer treibt's Microsoft, und diese Pest ist viel weiter verbreitet als Adobe:

– "Wollen Sie das Update auf das USB mass storage device downloaden oder Ihr Windows upgraden? Nein, die Website ist geblockt. Kann nicht fertig (...röchel..) stellen".

Daß es besser geht, sieht man z.B. bei Ubuntu (einer Linux-Distribution) und meistens auch bei einer gewissen "Edelmarke aus Kalifornien".
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 25.10.2009 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#15164

"Warnhinweis für Druckausgabe: Die folgenden Bilder werden bei weniger als 150 dpi in der gewünschten Ausgabengröße gerendert".

Adobe Photoshop Album, Software zum Bilddrucken.

gerendert? Tippfehler statt gerändert ?

Nachdem ich am Bildrand keine Veränderung feststellen konnte, kam ich auf die Idee, die haben aus dem englischen render ein deutsches Partizip gemacht.
Darauf muß man erst mal kommen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2009 um 10.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#15163

In einem langweiligen Romankapitel, das die Süddeutsche in der Wochenendbeilage vorabdruckt (von Annika Reich, erscheint bei Hanser, natürlich in Reformschreibweise), kommt die Erzählerin nicht dazu, ihre "Promotion zu Ende zu schreiben". Das schafft niemand, aber mit einer Dissertation müßte es gehen.
Was mir noch auffiel: Ein Blumenstrauß hat eigentlich keine "Zweige", die zwei Zeilen weiter dann auch zu "Stängeln" werden. Und daß man durchs Fenster nur "fahrende Autos" hört, versteht sich von selbst, denn parkende machen kein Geräusch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2009 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#15007

Heute erwähnt die Süddeutsche Zeitung die "verstaubte und von den Nazis desavouierte Volkskunde". Wenn die Volkskunde von den Nazis desavouiert worden wäre, hätte Bausinger sie nicht in "Empirische Kulturwissenschaft" umbenennen müssen, wie derselbe Beitrag berichtet. Vielleicht ist "diskreditiert" gemeint oder noch was anderes; bei Fremdwörtern weiß man ja nie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2009 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#14962

In einem Artikel der SZ vom 11.9.09 wird von einer 557 Seiten dicken Promotion berichtet (mehrmals), gemeint ist natürlich eine Dissertation. Im selben Bericht aufwändig. Paßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2009 um 12.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#14760

Im "Sprachlabor" der Süddeutschen Zeitung bedankt sich Hermann Unterstöger bei einem Leser, der ein falsch gebrauchtes extemporiert zu extrovertiert korrigiert habe. Noch besser wäre allerdings extravertiert, denn extro gibt es im Lateinischen gar nicht, es ist (wohl im Englischen) analog zu intro gebildet.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 15.02.2009 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13907

"Die Nichtanerkennung der Schreibung Plazebo ist nur konsequent. Entweder Placebo oder Platzebo (heute zu: Platzpatrone). Alles andere wäre unzeitgemäß."

Die Erklärung von Herrn Metz ist gar nicht abwegig. Vielleicht hat es sich ja so zugetragen: Mit der Entscheidung für platzieren war nicht nur plazieren obsolet geworden, sondern auch der Schritt, der von placieren zu plazieren geführt hatte, und mit diesem Schritt wiederum die Schreibung Plazebo für Placebo. Platzebo ging aber nicht, selbst in den Augen der Reformer. Also blieb nur noch Placebo. Was wiederum eine Erklärung für die Duldsamkeit gegenüber dem noch deutlicher veralteten placieren wäre. Und das Plazet? Nun ja, da haben die Herren vermutlich mal wieder etwas übersehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2009 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13893

In Erlangen läuft gerade, wie anderswo, die "Marriage Week". Das ist ein geschützter Name, wie ich dem Faltblatt entnehme. Am ersten "Marriage Day", wie es die Lokalzeitung nennt, haben sich allerdings nur zehn Paare beteiligt, um "Gutes für Ehepaare" zu genießen. Vielleicht liegt es am abstoßenden Namen. Hatte ich schon mal erwähnt, daß zur weithin berühmten Erlanger Bergkirchweih ein "Generation Day" gehört? Das ist nicht etwa ein Tag im Dienste der Fortpflanzung, sondern ein Tag, an dem die Musik leiser gestellt wird, damit auch ältere Leute ihr Bier trinken können.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.02.2009 um 11.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13863

Zu nummerisch und nummerieren:

Wer so schreibt, der schreibt eben auch, wie gestern als Untertitel bei Kerner im ZDF zu sehen war:

"für den Grimme-Preis nomminiert"
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 25.01.2009 um 11.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13818

Altisländisch / altnorwegisch / Wikingersprache: sala f. Verkauf, engl. sale; til sölu zu verkaufen; selja verkaufen, engl. to sell. Das ist zwischen Altsächsisch und Altfranzösisch die dritte Wurzel des englischen Wortschatzes. (Britisch war eine keltische Sprache.)
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 25.01.2009 um 11.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13817

Zu Placebo-Plazebo

Die Website
http://www.neuro24.de/placeboeffekte.htm

verwendet munter beide Schreibweisen.

Man möchte meinen, die zurückgedrehte Reformschreibung Placebo sei einem schizophrenen Gehirn entsprungen angesichts der Schreibung von plazieren, eingedeutscht für placieren, das jetzt in Reformschreibung zu platzieren geworden ist.

"Das verstehe, wer will".
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.01.2009 um 00.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13816

Noch weltläufiger sind Schilder mit der Aufschrift Sale – Soldi – Solde. Hauptsache, man muß sich nicht auf deutsch ausdrücken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2009 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13815

Nach meiner Beobachtung bieten nun fast alle Kaufhäuser ein "Sale" an, aber nur der Kaufhof, der wohl damit angefangen hat, gibt weiterhin kostenlosen Englischunterricht, indem er in Klammern darunterschreibt "reduziert".
Trotzdem glaube ich nicht, daß sich das Wort "Sale" einbürgern wird. Es ist meiner Ansicht nach lautlich zu schwer ins Deutsche zu integrieren.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 22.09.2008 um 00.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13069

Apropos (die ohnehin indefiniblen) "Fremd"wörter

Im mit Glanz und Gloria errichteten und winters recht zugigen Berliner bzw. preußischen Hauptbahnhof gibt es in der Herrentoilette keine welsches Pissoir, sondern ein urdeutsches (oder urenglichsches?) Urinal (die Geschichte dieser Benennung läßt sich verfolgen).

Allein mit Urinalist die neue Reichshauptstadt samt ihres Reichshauptbahnhofs (ohne Reichsbahn allerdings) auf dem besten Wege zu totaler Internationalisierung i.S.v. Wilhelm II.
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 19.09.2008 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13042

Herr Schlösser, der 1997 mein erster "richtiger" Kunde für journalistische Beiträge war und den ich danach einige Jahre lang versehentlich als so etwas wie ein Vorbild ansah, gab mir 1998 in Sachen Rechtschreibreformkritik den Rat, ich solle mich nicht mit "wildgewordenen Studienräten" verbünden.

In den zehn Jahren habe ich bewußt nur einen halbwegs wilden, pensionierten Oberstudienrat kennengelernt, der seine Energien hauptsächlich auf die Wikipedia richtet. Das finde ich nicht so besonders schlimm. Für mich ist die Erfahrung wichtiger, daß es Zeitungsredaktionen gibt, für die "Loyalität" eine Einbahnstraße ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.09.2008 um 19.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13040

Zu #13038: Die vorausgegangene 11. Auflage von 1934 enthält das Wort (die Schreibung?) nummerisch noch nicht. Somit scheint es (sie?) tatsächlich seit 1941 im Duden zu stehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2008 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13039

In seinem Denglisch-Artikel in der Wiener Zeitung übersieht Hermann Schlösser, daß früher sehr viele Fremdwörter nicht einfach so von selbst aus der deutschen Sprache verschwunden sind, sondern durch bewußte "Sprachpflege". Das gilt für die rund 1000 erfolgreichen Eindeutschungen seit den Sprachgesellschaften des Barock ebenso wie für die Post und Bahn.

Vor neun Jahren hat Schlösser gegenüber der Rechtschreibreform schon einmal diese demonstrativ gelassene Haltung eingenommen. So konnte das Unglück seinen Lauf nehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2008 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13038

"nummerisch" hat wahrscheinlich ein Dudenredakteur irgendwann einmal guten Glaubens eingefügt. Ich besitze nicht alle Dudenausgaben, aber in der Ausgabe von 1941 steht es auch schon drin und ist dann weitergeschleppt worden, obwohl ihm ebenso wenig eine Zukunft beschieden war wie – auf der rein orthographischen Seite – der "Kautsch".
 
 

Kommentar von sb, verfaßt am 18.09.2008 um 14.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13037

Die Wiener Zeitung findet Denglisch eigentlich ganz okay:

http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3947&Alias=wzo&cob=370945.

Das liegt vielleicht daran, daß der Autor vom Rhein stammt.
 
 

Kommentar von Patient, verfaßt am 18.09.2008 um 12.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13036

Wenn Ingrids Arzt jetzt noch so dreist ist, dafür eine Beratung abzurechnen, verstehe ich die Misere des Gesundheitswesens.
 
 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 18.09.2008 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13035

Herr Mahlmann stellte folgende gewagte These auf:

"Nummerieren" heißt "mit Zahlen versehen" (das können irgendwelche sein), "numerieren" heißt "nach Zahlen ordnen".

Bei mir heißt "numerieren" (und ich kenne nur dieses Wort) "mit Zahlen versehen", im Spezialfall "durchnumerieren" sind fortlaufende Zahlen gemeint.

Für "nach Zahlen ordnen" kenne ich nur "sortieren"; "numerieren" hat in meinem Sprachgebrauch jedenfalls nichts damit zu tun.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.09.2008 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13034

Wer waren eigentlich die Numerer?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 18.09.2008 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13033

"Nummerieren" heißt "mit Zahlen versehen" (das können irgendwelche sein), "numerieren" heißt "nach Zahlen ordnen".
Somit bedeutet "nummerisch" "der Zahl nach" und "numerisch" "der Zahlenordnung nach".
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 18.09.2008 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13032

Es dürfte sich eher um einen Versuch des Arztes handeln, Ingrid heimzuleuchten, ohne dabei unhöflich zu werden. So früh am Morgen, vor 7.50 Uhr, sollte man selbst seinem Hausarzt nicht mit kniffligen Fragen kommen.
 
 

Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 18.09.2008 um 09.09 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13031

@Ingrid

Die Erklärung Ihres Arztes dürfte in den Bereich der Volksetymologie fallen. Augst wäre begeistert.
 
 

Kommentar von Ingrid, verfaßt am 18.09.2008 um 07.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13030

Ich habe gerade meinen Hausarzt gefragt, und der meint, es ist eine Abkürzung für "Planmäßiges Zerstreuungs-Bonbon" und soll desshalb mit Z geschrieben werden.

Das leuchtet mir auch ein.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.09.2008 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13028

Mit der Reform hat nummerisch nichts zu tun. Der Duden hatte es schon vor der Reform, konsequenterweise mit Pünktchen (Betonungsangabe) unter dem u. Ich frage mich, wie er darauf kommt, ich habe das ebenfalls noch nie gehört. In der Duden-Redaktion ist das Niveau eben auch nicht höher als bei Augst & Co.

Den Bemerkungen zu Plazebo kann ich nur zustimmen. Ich treffe die Schreibweise alle paar Tage an, weil ich regelmäßig Berichte über Studien zu Pharmazeutika lese. Manche Firmen wollen ausdrücklich die Schreibweise mit z. Früher habe ich darauf hingewiesen, daß der Duden nur Placebo anerkennt, ohne eine eigene Korrekturanweisung daraus zu machen. Inzwischen achte ich nur noch darauf, ob die Schreibweise in einem Dokument oder in einer Serie von Dokumenten einheitlich ist.

Man sollte auch bedenken, daß der Duden Plazet längst als Hauptvariante führt, Placet nur als Nebenvariante. Dabei ist der Fremdwortcharakter von Plazet ausgeprägter als bei Placebo: Der Begriff taucht seltener auf, und es gibt deutsche Entsprechungen, die normalerweise auch verwendet werden, so daß Plazet als gewollte Verwendung eines Fremdworts auffällt. Das ist bei Placebo nicht der Fall. Es gibt zwar deutsche Entsprechungen, etwa Scheinmedikament, diese werden aber der Umständlichkeit wegen praktisch nicht verwendet, außer wenn erklärt werden soll, was Placebo bedeutet. Somit wäre die Eindeutschung des unvermeidlichen Begriffs Placebo –> Plazebo auch anhand dieses Vergleichs überfällig.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.09.2008 um 00.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13027

Wurde nicht auch wegen der Betonung die ehemals geplante Reformänderung "Packet" statt "Paket" wieder rückgängig gemacht?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.09.2008 um 23.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13026

Ich habe eigentlich nichts gegen die Schreibung "nummerisch", und ich meine, ich hätte sie auch in einem alten Duden schon gesehen. Nur entspricht sie keinem Wort, das ich in der Sprache höre. Ich kenne aus der gesprochenen Sprache bloß "numerisch", mit Betonung auf der zweiten Silbe und langem *e*. Wenn wer "nummerisch" sagte, klänge mir das doch sehr seltsam und eben gewollt. Hier wird also eine Wortverwendung vorgeschrieben, wofür die Kenner der Sache seit langem schon was anderes parat haben. Bei "nummerieren" dagegen liegt mir die Doppel-m-Schreibung gar nicht quer; sie geht mit der Aussprache konform (auch was die Qualität des kurzen *u* angeht) und folgt dann eben wie "benummern" der deutschen "Nummer".
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.09.2008 um 20.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13025

Die Nichtanerkennung der Schreibung Plazebo ist nur konsequent. Entweder Placebo oder Platzebo (heute zu: Platzpatrone). Alles andere wäre unzeitgemäß.
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 17.09.2008 um 08.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13024

Alfanummerisch ergibt 9 Gugels, nicht alle deutsch (niederländisch). Gugel fragt: Meinten SIe alfanumerisch?

Bei dem Gegenstand des Tagebucheintrags erwarte bald Platzebo (3690 Gugels).
 
 

Kommentar von Kelkin, verfaßt am 17.09.2008 um 08.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1049#13023

Das paßt zur reformierten Schreibweise 'nummerisch', dem das 'alphanummerisch' beizugesellen vergessen wurde. Bei Erbwörtern sind die Regeln immer sehr permissiv (Variantendschungel), bei Fremdwörtern restriktiv (deutsche Rechtschreibregeln für Fremdsprachen).
 
 

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