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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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06.08.2008
 

Die Tyrannei des Vermeintlichen
Politische Korrektheit als Maske

Exemplarischer Fall aus dem bayerischen Kultusministerium

In dem Unterrichtswerk „ratio – Fälle aus dem römischen Recht“ wird „der Fall berichtet, daß auf einem Schiff eine Sklavin ein Kind gebar, woraufhin der Reeder auch für den Säugling ein Beförderungsentgelt erheben wollte. Der römische Rechtsgelehrte Ulpian wies diesen Anspruch zurück. Um den Lateinschülern im 20. Jahrhunderts den Gegenwartsbezug dieses Rechtsstreites zu vermitteln, verweisen die Herausgeber Manfred Fuhrmann und Detlef Liebs auf einen aktuellen Bezugsfall: Die Deutsche Bundesbahn habe, als eine Kuh während eines Viehtransportes kalbte, für das Kalb den tariflichen Transportpreis verlangt. Soweit, so gut – 13 Jahre lang nahm niemand Anstoß an dieser Darstellung, bis jetzt eine erweiterte Neufassung des Standardwerks erscheinen sollte. Dazu war eine erneute Begutachtung notwendig, wenn die Neuauflage in Bayern zugelassen werden sollte. Einer der beiden vom Kultusministerium beauftragten Experten geriet über die Geschichte mit dem Sklavenbaby und dem Kalb in heftige Erregung. Ein derartiger Vergleich, gutachtete er, sei 'aus der Feder heutiger Autoren schwer erträglich und kaum dazu geeignet, den Sinn für Menschenwürde bei Schülern zu schärfen.' Das bayerische Kultusministerium schloß sich diesen Bedenken an und genehmigte die Neufassung nur unter der Auflage, daß der Vergleich Kind–Kalb gestrichen werde. Die Herausgeber protestierten und zogen ihr Manuskript für die erweiterte Fassung zurück. Der zuständige Ministerialrat im Kultusministerium schrieb einen verbindlichen Brief, in dem er auf die 'Sensibilität der Öffentlichkeit gegenüber auch nur vermeintlichen Verletzungen z. B. der Menschenwürde' verwies und anregte, man könne statt des inkriminierten Beispiels mit dem Viehtransport vielleicht die Tarifbestimmungen der Luftfahrtgesellschaften heranziehen. Die Herausgeber blieben bei ihrer Weigerung, die 'absurde Streichung' vorzunehmen. Die Tarifordnungen der Transportunternehmen, argumentierten sie, führten von jeher Kinder, Hunde und Gepäckstücke nebeneinander auf, ohne daß jemand dadurch die Menschenwürde verletzt sehe.
Dabei blieb es. Die Neufassung der römischen Rechtssammlung wird nicht erscheinen, die alte bleibt, wie sie war. Der unveränderte Nachdruck eines bereits zugelassenen Unterrichtswerks bedarf laut bayerischer Verordnung keiner neuen Zulassung.“ (Hans Holzhaider in der SZ vom 18.2.1988)

Der Fall zeigt das Muster aller Fälle von Politischer Korrektheit: Man knickt vor einer vermuteten Empfindlichkeit anderer Leute ein. Es ist anzunehmen, daß im Ministerium die Unsinnigkeit des Ganzen überhaupt nicht bezweifelt wurde. Ähnlich war es mit der Rechtschreibreform. Mir ist damals zugetragen worden, daß sich das ganze Innenministerium (und nicht nur dies) über Ministerialrat Krimm lustig machte. Aber mitgemacht haben dann doch alle, ohne vernehmliches Murren. Aus lauter Ängstlichkeit wagt man nicht mehr zu seiner Meinung zu stehen.
So wird ein ganz bestimmter Typ von Bürgern herangezüchtet.
(Im vorliegenden Fall kommt noch hinzu, daß der Vergleich eigentlich gut altrömisch war. Aber wahrscheinlich würden die Gutmenschen am liebsten auch noch jeden Hinweis darauf tilgen, daß es in der Antike überhaupt Sklaverei gab.)



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Kommentare zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2017 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35317

„Es war dem Namen nach eine Demokratie, in Wirklichkeit die Herrschaft des Ersten Mannes.“

Kennen wir das nicht irgendwoher?

(Thukydides II 65 über Athen unter Perikles)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2017 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35316

Wenn man heute Hindutum sagt, übernimmt man schon die "Hindutva"-Ideologie, während Hinduismus die traditionelle religionswissenschaftliche Bedeutung hat. Beides sind westlich beeinflußte Konstrukte.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 09.06.2017 um 19.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35315

Um den Sozialismus ist es still geworden, unsere Demokratie hatte nie einen ismus, und wenn ich mich recht entsinne, war es ein Pfaffe, der kürzlich unsere "plurale" Welt pries. Plural als Adjektiv hatte mich etwas verwundert, aber es hört sich wohl besser an als pluralistisch.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.06.2017 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35303

Die Verschiebung von Hinduismus zu Hindutum wird einige Anstrengung erfordern, aber die Umbenennung von Bombay hat ja auch funktioniert. Frisch voran!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2017 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35302

Unter Bahaitum erklärt Wikipedia, daß der Ausdruck Bahaismus "veraltet" sei. Das gehört zur allgemeineren Ächtung des Suffixes ismus. Duden weiß aber noch nichts von der Sprachregelung, kennt Bahaitum nicht.

Die Atheisten werden wohl nicht in den Genuß der Aufhübschung kommen, legen auch keinen Wert darauf.
 
 

Kommentar von ab, verfaßt am 22.05.2017 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35162

Statt Kaserne eventuell Kompetenzzentrum. Das hätte auch in Abkürzung einen bemerkenswerten Wiedererkennungswert.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 22.05.2017 um 11.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35161

Ich finde "Geschwister-Scholl-Kaserne" praktischer. Das ist bereits gegendert, und die Scholl-Geschwister liegen rein topologisch näher als Gandhi. Außerdem besteht bei Gandhi stets die latente Gefahr, daß er fern-umbenannt wird ("remote renaming", wie Bombay in Mumbai oder Tokio in Tokyo, Suez in Sues usw.), man müßte dann alle Beschriftungen von vornherein leicht austauschbar machen.

Wenn man allerdings im Bereich des Militärs bleiben möchte, wäre "Pyrrhos-Kaserne" eine Überlegung wert. Man bezöge die EU-Griechen mit ein, das Thema ist zwar ein militärisches, aber außerdem eine ständige Erinnerung an die Sinnlosigkeit des Krieges.

Ähnlich läge "Stalingrad-Kaserne"; hier entfällt das remote-renaming-Problem, und man hätte ein gelebtes Mahnmal geschaffen. Andererseits wäre der Name nicht Gender-neutral.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.05.2017 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35141

WELT und FAZ haben inzwischen meinen Vorschlag einer "Mahatma-Gandhi-Kaserne" aufgegriffen. Man könnte eine Petition auf den Weg bringen...
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 14.05.2017 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35109

Mein Vorschlag: Torture Never Stops-Kaserne

Frank Zappa: The torture never stops

http://www.youtube.com/watch?v=A67Bow78dDs

mit Captain Beefheart:

https://www.youtube.com/watch?v=1_aOyLYPuiI
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2017 um 06.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35106

Von der Leyens Absicht, die Kasernen umzubenennen, hat viele Leser zu Vorschlägen angeregt. Ich finde "Albert-Schweitzer-Kaserne" ganz gut, aber ich bin voreingenommen als ehemaliger Albert-Schweitzer-Schüler. "Mahatma-Gandhi-Kaserne"...
Allerdings ist "Kaserne" nicht gut möglich, so hießen die Anlagen schon während des Dritten Reichs. Vielleicht "Heim"? "Lise-Meitner-Heim" würde mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen (wenn dieser militaristische Ausdruck erlaubt ist).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.05.2017 um 09.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35105

Die Führungsakademie sollte auch umbenannt werden in Guidance School oder so.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2017 um 06.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#35104

Die Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr hat ein Foto entfernt, auf dem Leutnant Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform zu sehen war. Der Anblick der Uniform, eines "Wehrmachtsandenkens", könnte junge Soldaten der Bundeswehr auf den Gedanken bringen, daß Helmut Schmidt Leutnant der Wehrmacht war.
Es bleibt aber noch viel zu tun: BundesWEHR – was ist denn das für ein Name!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2017 um 06.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34955

In Reiseblatt der FAZ zwei Seiten über Eskimos, die aber kein einziges Mal so heißen dürfen, sondern nur Inuit, auch im Singular. Die Reinwaschung des vermeintlich herabsetzenden Wortes hat sich noch nicht herumgesprochen. Welche Gruppen sich selbst wirklich Inuit nennen, ist auch nicht leicht zu erkennen; vielleicht ist es für manche – schrecklich zu sagen – Fremdbezeichnung?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.04.2017 um 11.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34952

Außerdem gab es ein Hin und Her um die Schreibweise Jass oder Jazz. Dazu eine interessante These des DLF am 7.3.17 im "Kalenderblatt" (http://www.deutschlandfunk.de/vor-100-jahren-die-erste-jazzschallplatte-veroeffentlicht.871.de.html?dram:article_id=380640):

»[...] die andere hieß "Dixie Jass Band One Step". (Das Doppel-Ess im Gruppennamen ersetzte die Band durch ein Doppel-Zz, nachdem ein Schmierfink das "J" im Namen weggekritzelt hatte – um die Anspielung auf "Ass"=Arsch zu vermeiden.)«

Da machte offenbar die Verschriftung Probleme: Doppel-Ess (geschrieben mit einem "Ess") und Doppel-Zz (geschrieben mit zwei "Z").
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2017 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34948

Auch das Wort Jazz ist schon unter Rassismusverdacht geraten, s. Wikipedia (besonders die deutsche Fassung). Die Liebhaber dieser Musik wird es wundern.

Die Einträge der deutschen und der englischen Wikipedia klären über den synkretistischen Ursprung der afroamerikanischen populären Musik auf. Unter Wohlgesinnten werden ja auch Gospel usw. oft als echt schwarz und von den Weißen usurpiert dargestellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2017 um 07.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34943

Wer das Recht auf Eigenbezeichnungen predigt, kann eigentlich nicht "Islamisten" sagen, wenn die Leute selbst sich einfach als (besonders fromme) Muslime verstehen. Dabei geht es nicht nur um Worte, sondern um Möglichkeiten des Verstehens, die man sich wohlmeinend verbaut.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2017 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34898

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25253

Zum „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen“ für Sprachen:
„Man kann den Ansatz des GER einen reflexiv-kommunikativen oder neo-kommunikativen Ansatz nennen. Die Grundlagen des GER liegen in den 70er Jahren und wurden in den 80er Jahren durch Threshold Level (Englisch) und Kontaktschwelle (Deutsch) dokumentiert. Dies waren Beschreibungen der Sprache auf der damaligen Basis der Linguistik, wobei die Sprechakttheorie eine sehr große Rolle spielte. In den 80iger und 90iger Jahren wurden die Forschungen am kommunikativen Ansatz in Europa (und weltweit) weitergeführt. Besonders satzübergreifende Forschungen, wie Diskurs- oder Konverstionsanalyse, Pragmatik, Soziolinguistik spielen eine zentrale Rolle in der Sprachphilosphie des GER.“ (Wikipedia)

Nicht „der damaligen Basis der Linguistik“, sondern einer kleinen einflußreichen Gruppe und einzelner Personen, die ihr Projekt gegen jede Kritik durchsetzen konnten.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.04.2017 um 10.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34829

Soweit ich weiß, hat noch niemand angeprangert, daß sich jeden Sommer unzählige Weiße schamlos in die Sonne legen, um braun zu werden. Blackbodying! Womöglich noch mit Nachhilfe von Selbstbräuner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2017 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34828

"White is purity"

(Nivea-Deo-Werbung von Beiersdorf löst Shitstorm wegen Rassismus aus)

Auch die weiße Farbe von Nivea (Etymologie!) ist empörend. Was tun? Schwarz wie Schuhcreme (und vielleicht "Nigrea"?) geht auch nicht, das erinnert an Minstrel-Shows.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.04.2017 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34824

Das zukunftssicherste Benennungssystem ist die Dezimalklassifikation, weil sie jederzeit Erweiterungen ermöglicht: 1, 1.1, 1.1.1 usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2017 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34819

Aus Nürnberg:

"Die Grünen sind überzeugt, dass alle Straßennamen überprüft werden müssen – daraufhin, ob es eine Verbindung gebe zu aggressivem Nationalismus, Militarismus, Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit oder zum Nationalsozialismus. Hier sei das Stadtarchiv gefordert, systematisch vorzugehen und Vorschläge zu erarbeiten. Denn es gebe Straßen, die den Namen von Menschen tragen, denen aus heutiger Sicht eine solche Würdigung nicht mehr zusteht, heißt es bei den Grünen."

Im Sinne der weltanschaulichen Neutralität sollte man auch alle Namen von sogenannten Heiligen tilgen. Da sich jedoch die Anschauungen ändern, wäre es am besten, die Straßen zu numerieren wie in Mannheim, natürlich unter Auslassung von 8, 88 usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2017 um 13.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34809

Die Universität Wien lädt zu einer Tagung ein, auf der ein kritisches Licht auf die Kritik der Rassismus- und Linguizismuskritik geworfen werden soll oder so ähnlich:
https://drive.google.com/file/d/0BzU7yYYPOpIeaTNuQldrNjVvc1I4VXg5QjFKTzd1eDNJTEI4/view
(Ein schönes Stück Prosa!)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.03.2017 um 14.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34800

Irgendwie schizophren: Die US-Amerikaner mögen keine Latinos, aber deren Wörter haben sie massenhaft übernommen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.03.2017 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34799

Letztlich ...? Nein, dieses gehört höchstens zum Vorletzten. Letztlich, so muß man sagen, gibt es in keiner Sprache der Welt unschuldige (diskriminierungsfreie) Wörter und Bezeichnungen. Allenfalls sind diese diskriminierungsarm. Die Erbsünde steckt schon in jedem einzelnen Wort.
(Achtung, Sarkasmus.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2017 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34798

Der Eintrag "Indianer" bei Wikipedia ergeht sich sehr breit in Benennungsproblemen und schließt - auch orthographisch bemerkenswert - so:

„Letztlich hat sich der im Deutschen relativ diskriminierungsarme Begriff Indianer (...) in den Augen Vieler als derjenige erwiesen, der diese Benennungs-Probleme am ehesten löst. Immer wieder neu kritisch zu hinterfragen bleiben jedoch die oft unreflektierten Aspekte der Fremdbeschreibung, der Homogenisierung nicht zusammengehörender Gruppen oder der Verniedlichung.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2017 um 17.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34787

Der Uluru, Kolonialname Ayers Rock, offiziell „Uluru / Ayers Rock“, ist ein Inselberg in der zentralaustralischen Wüste, der sich ca. 350 m über sein Umland erhebt. (Wikipedia)

Wikipedia erklärt zwar nicht, was ein Kolonialname ist, man kann es sich aber denken. Ich habe schon Elmar Holenstein erwähnt, der in seinem Philosophie-Atlas nicht nur Völker und Länder mit wirklich oder vermeintlich entkolonisierten Eigenbezeichnungen benennt, sondern auch geographische Gegenstände wie das Kap der guten Hoffnung (portugiesisch!).
Es ist eigentlich nicht einzusehen, warum man Berge und Flüsse nicht so nennen sollte, wie man es für richtig hält. Was mich aber am meisten wundert: Warum werden nicht auch Pflanzen und Tiere nach jeweils einheimischer Weise benannt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2017 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34781

»Hurenkind« und »Schusterjunge« sind sicherlich derbe Begriffe, die für manch einen diskriminierend klingen. Aber sie stammen eben aus einer Zeit, als politische Korrektheit noch keine Rolle spielte. (Monika Hoffman: Besser schreiben für Dummies. Weinheim 2015:112)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2017 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34768

Fast jeder zweite Muslim in Deutschland hilft Flüchtlingen – bei Christen sind es viel weniger (Welt 27.3.17)

Das hat die Bertelsmann-Stiftung herausgefunden und auch den Grund: Die Geholfenen sind ebenfalls Muslime. Sehr interessant, nicht wahr?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2017 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34763

Nun haben auch mich die bekannten Bettelbriefe aus Uganda erreicht. Mehrere Seiten handgeschrieben auf liniertes Papier, wie aus einem College-Block herausgerissen und daher besonders authentisch wirkend. Der englische Text hat sich in den letzten zehn Jahren kaum verändert, Gruß in the name of our Lord Jesus Christ, dann die ergreifende Lebensgeschichte, Eltern an AIDS gestorben usw. Es muß dort ganze Manufakturen geben, wo vermutlich junge (eben schreibkundige) Frauen den ganzen Tag ihre Vorlagen kopieren.
Das Ganze ist zweifellos geschickter als die törichten E-Mails aus Nigeria. Es kostet auch etwas, denn die hübschen Briefmarken müssen ja gekauft werden. Aber es scheint sich für die Banden zu lohnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2017 um 08.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34668

Wenn man an die langen Diskussionen und die Warnungen vor dem Gebrauch von Eskimo denkt, wirkt der Wikipedia-Eintrag in seiner jetzigen Fassung ideologisch abgerüstet. Man kann den Fall wohl zu den Akten legen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2017 um 05.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34637

Wenn herauskommt, daß jemand zehn Jahre lang ein Beamtengehalt bezogen hat, ohne für den Staat zu arbeiten, fallen alle über ihn her, ganz mit Recht. Den Polizei-Gewerkschaftler Wendt verteidigen jedoch fast alle FOCUS-Leser – weil er so schöne unbequeme Wahrheiten über die Flüchtlinge ausgesprochen hat und nun offenbar aus dem Verkehr gezogen werden solle. Allerdings hat er selbst seinen Rückzug eingeleitet und sich schon mal für falsche Angaben entschuldigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2017 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34621

Die drei Spesenritter der UN fordern Deutschland auf, Straßen nach afrikanischen Helden zu benennen. Bei der Fahndung nach solchen wird man um das verdammungswürdige "racial profiling" nicht herumkommen. Das alte Dilemma, das sich schon beim Gender mainstreaming zeigte. Einerseits sollen wir farbenblind sein, andererseits das Schwarzsein bei jeder Gelegenheit hervorheben.

Übrigens gibt es überall nach Nelson Mandela und Martin Luther King benannte Örtlichkeiten, im Osten auch Lumumba. (King steht bei der Afrikaner-Lobby nicht so hoch im Kurs, Malcolm X gefällt ihnen besser.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.03.2017 um 07.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34619

Sie wissen ganz genau, daß sie nichts zu befürchten haben; nur darauf kommt es an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2017 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34617

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34603

Der vorläufige Bericht: http://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=21233&LangID=E#

Der Bericht wird auch im Ausland stark kritisiert. Er beklagt einerseits das Fehlen von Daten, weil Deutschland die schwarzen Einwohner nicht gesondert als Minderheit untersuche, urteilt aber andererseits auf der Grundlage anekdotischer Mitteilungen, als hätten die drei Abgesandten auf ihrem einwöchigen Deutschlandtrip eine handfeste Untersuchung angestellt. "People of African descent remain invisible. Official statistics are only available about foreign born or people with parents born abroad and for African refugees and migrants. They are grouped under the all-embracing concept of “people of a migrant background” thereby rendering invisible German citizens of African descent beyond the second generation. Despite the wealth of information and data on socio-economic indicators, there is a serious lack of race-based (!) data and research that could inform policy to improve the situation of people of African descent." Man glaubt streckenweise einen Bericht über ein ganz anderes Land zu lesen. Im gleichen Text über jahrhundertealte deutschen Straßennamen räsonieren und Entschädigungszahlungen an Herero-Nachkommen fordern – das kommt natürlich besonders gut an. Ähnlich wie die EU bringen die UN die Menschen mehr durch lächerliche Kleinigkeiten als durch wirklich schwere Fehler gegen sich auf. Sie wissen nicht, was sie tun, bei aller Schläue.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2017 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34613

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33595

Klassenlogik als Logik der Klassengesellschaft – solches Assoziieren genügt manchen Marxisten. Ähnlich Wolfgang Fritz Haug über Nicolai Hartmann:

In seiner gleichfalls sich jeder Kritik enthaltenden Rezension versäumt Adorno, den
Schichtungsgedanken, mit dem Hartmann das vermeintliche »Zugeständnis« artikuliert, unter die Lupe zu nehmen. Tut man das, sieht es kaum mehr nach »Zugeständnis« aus, vielmehr als von Zweifeln unangekränkeltes, selbstverständliches Sich-Herausnehmen der einem Höheren zustehenden Privilegien. Ist es doch, als spiegelte sein Hauptwerk die hierarchische Schichtung seiner Kindheitsumgebung in Form einer allgemeinen Seins-Schichtenlehre wider. Das Sein erscheint ihm geschichtet wie die Rigaer Gesellschaft.


Er schreibt auch: Der Sinn fürs Höhere ist selber noch dumpf.

Dieses „selber!“ ist eine adornisierende Retourkutsche, sehr beliebt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2017 um 17.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34603

UN-Vertreter bereisen Deutschland und finden Rassismus:

Straßennamen wie „Mohrenstraße“ seien rassistisch und beleidigend

Sie sprachen auch mit Vertretern der „Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland“.

Dazu hätten sie nicht nach Deutschland fliegen müssen, wie man ja auch nicht nach New York fliegen muß, um UN-Vertreter lächerlich zu finden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.01.2017 um 22.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34330

Im Jahr 2016 hat die CDU rund 13000 Mitglieder, das sind rund 3%, verloren. Bei der CSU sind es entsprechend rund 1000 Mitglieder bzw. gut ein halbes Prozent.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2017 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34324

Erika Steinbach, über die wir hier gesprochen haben, ist bekanntlich gerade aus der CDU ausgetreten. Es sei erwähnt, weil sie einmal mit uns gegen die Rechtschreibreform aufgetreten war. Ihre politischen Ansichten kann sie nun noch deutlicher artikulieren.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 14.01.2017 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34320

zu R. M. am 12.01.2017 um 00.46 Uhr:
Die Ewiggestrigen nicht mitgezählt, haben Bolschewisten immer die Mehrheit.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 13.01.2017 um 01.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34310

Zur Überschrift „Tyrannei des Vermeintlichen“ sind längst auch schon die Bereiche Klimawandel und Energiewende zu zählen. Im Gegensatz zu politischer Korrektheit und Rechtschreibung geht es hier aber um richtig viel Volksvermögen. Die Wirkmechanismen inkl. (freiwilliger?) Gleichschaltung der Medienmehrheit erinnern aber frappant an die Reform der Rechtschreibung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.01.2017 um 23.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34309

Alle diese Gesetze, Instanzen und Kontrollinstanzen beruhen auf dem Mehrheitsprinzip. Warum alle einzeln nennen? Zusammen machen sie unseren Rechtsstaat aus. Die Frage lautet: Wie ist dessen Verhältnis zu irgendwelchen Minderheiten? Darf er bestimmte Minderheiten in ihrem Tun einschränken?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.01.2017 um 23.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34308

Die obersten Gesetze in Deutschland sind das Grundgesetz und die Europäische Menschenrechtskonvention. Daran müssen die Regierung und die Abgeordneten manchmal per Gerichtsurteil erinnert werden. Wenn es sich um Irrtümer handelt würde, sind diese entschuldbar, aber manchmal handelt es sich um absichtliche Zuwiderhandlungen. Allerdings ist der Artikel 38 (1) GG in der parlamentarischen Praxis eine Irreführung des Volkes.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.01.2017 um 22.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34307

zu ##34303:
Richtig, lieber Germanist, die Mehrheit beschließt manchmal Gesetze, die sich widersprechen.

Und was wollen Sie damit sagen? Daß wir Mehrheitsentscheidungen ganz abschaffen müssen? Oder daß wir nur das Parlament abschaffen und künftig alles per Volksabstimmung entscheiden lassen? Sind Sie sicher, daß Sie oder die jeweils betroffene Minderheit dann immer mit dem Ergebnis zufrieden sein werden?

Ausgangspunkt der Diskussion war der Satz "Die Mehrheit neigt dazu, die Minderheit zu verbieten", und zwar in einen ironischen Zusammenhang gestellt, so als ob das grundsätzlich eine Unerhörtheit sei. Wie kann man denn einen demokratischen, einen Rechtsstaat regieren, wenn nicht auf der Grundlage von Mehrheitsentscheidungen?

Meinen Sie vielleicht so: Mehrheitsentscheidungen sind schon gut und richtig, aber nur solange sie keiner einzigen Minderheit widersprechen? Das wäre nun wirklich ein Widerspruch in sich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2017 um 13.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34304

Seit den alten Griechen versuchen Demokratien, sich vor sich selbst zu schützen, weil sie die Erfahrung gemacht haben, für Demagogen und Augenblicksstimmungen sowie Zufallsmehrheiten anfällig zu sein. Bei uns müssen Gesetze im Zweifel auf ihre Verfassungsmäßigkeit überprüft werden, und die Verfassung selbst ist durch besonders hohe Hürden gegen Änderungen geschützt. Es soll nie unbesonnen gehandelt werden dürfen. Absolut sicher ist das natürlich auch nicht. Sogar die "unveräußerlichen Menschenrechte" sind beschlossen und verhandelbar.
Und es gibt ja immer Versuche gewisser Gruppen, irgendwelche Ziele, die rechtlich eigentlich irrelevant (Adiaphora) sind, direkt in die Verfassung zu schreiben: Gottesbezug, Leitkultur...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.01.2017 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34303

Es gibt viele Beispiele dafür, daß von der demokratisch gewählten Parlamentsmehrheit grundgesetzwidrige Gesetze beschlossen wurden. "Man kann ja nicht immer mit dem Grundgesetz unterm Arm herumlaufen."
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.01.2017 um 11.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34302

Ich habe in den Rechtsstaat, wo die Gesetze von der Mehrheit gemacht werden, zumindest soviel Vertrauen, daß keine unnötigen Verbote gemacht werden, insbesondere daß keine grundlegenden Menschenrechte verletzt werden. Insofern halte ich die Beispiele von ethnischen Minderheiten oder von Diskriminierung wegen äußerer Merkmale in Deutschland für irrelevant.

Wenn also von einer Mehrheit tatsächlich ein Verbot (beispielsweise der Vollverschleierung) erfolgen sollte, dann muß das zwangsläufig einen vernünftigen Grund haben.

Mit welchem Recht sollte jetzt ein Einzelner oder eine Minderheit kommen und behaupten, der von der Mehrheit getroffene Beschluß sei falsch?

Man kann vorher in der Sache diskutieren, aber man kann kein mehrheitlich zustandegekommenes Gesetz in Frage stellen. Das wäre ja das Ende der Demokratie.

Deshalb sage ich, eine Mehrheit kann natürlich immer über eine Minderheit bestimmen. Für sinnlose, diskriminierende Verbote wird es keine Mehrheiten geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2017 um 07.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34300

Alles wahr, auch wenn ich mit meinem ursprünglichen Einfall etwas anderes im Sinn hatte: die gleichsam natürliche (tierische) Logik des Anstoßnehmens und Beseitigenwollens.

Marokko wird dafür gelobt, daß es das Herstellen und Verkaufen von Burkas verbieten will. Atatürk hat auch an der Kleiderordnung angesetzt. Es ist seltsam, wie anstößig gerade die Kleidung empfunden werden kann und wie andererseits daran festgehalten wird. Besonders heute, wo scheinbar anything goes. An manchen Orten darf man nicht nackt sein, an anderen nicht bekleidet oder nicht zu sehr. Manchmal schien Blaumann mit Schiebermütze das Richtige.
Der Rechtsstaat (Herrschaft der Gesetze) als Leitkultur – das scheint ein schwächliches Ideal zu sein.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 12.01.2017 um 00.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34299

Die DDR ist aber gerade ein Beispiel für die Tyrannei einer Minderheit, wenn auch keiner ethnischen.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 11.01.2017 um 21.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34298

Mir ging es nur darum, auf die DDR einzuhacken. Das kann man m.E. gar nicht oft genug tun. Gerade wenn es um Tyrannei geht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 11.01.2017 um 20.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34297

Wir können nicht für die vielen deutschstämmigen Minderheiten in anderen Staaten Minderheitenrechte fordern und sie den wenigen Minderheiten in unserem Staat nicht gewähren wollen.

Früher wurden rothaarige und sommersprossige Kinder verspottet, heute weiß man, daß sie echte Kelten sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2017 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34296

Ich kann nicht ganz folgen: Wozu dient die Aufzählung von Minderheiten jetzt noch mal?
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 11.01.2017 um 19.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34295

Neben Sorben auch Wenden. Denen ging es in der DDR nicht besser als den Deutschen. Auch sie waren eingeknastet.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 11.01.2017 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34292

Die heute als "Nafri" bezeichnet werden, wurden früher "Mauren" genannt.

Minderheiten in Deutschland: Sorben (Unter- und Obersorbische Sprache), Südschleswigscher Wählerverband (Dänische Spache).

Deutschstämmige Minderheiten in anderen Staaten: Oberschlesier in Polen, Siebenbürger Sachsen in Rumänien, früher Donauschwaben in Serbien und Sudetendeutsche in der Zwischenkriegs-Tschechoslowakei, Südtiroler in Italien, Deutsche Sprachgruppe in den Niederlanden. Gegen die Oberschlesier in Polen gab es die "Polonisierung".
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.01.2017 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34287

Zu R.M., #34280:
Oder noch anders gesagt: Jeder Mensch hat seinen eigenen, freien Willen.

Aber wenn es um die Durchsetzung dieses Willens bzw. dieser Neigung des Menschen geht, kommt es, zumindest in einer Demokratie, doch wieder auf die Mehrheitsverhältnisse an.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 10.01.2017 um 21.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34281

Mehrheiten neigen dazu, Minderheiten oder Außenseiter zur Konformität zu drängen. Kinder nutzen das unterhaltsame Hänseln. Der Staat mit dem höchsten Konformitätsdruck auf deutschem Boden war die DDR, die sogar das freiwillige Ich gehe unter schwere Strafe gestellt hat.

Das Verbot jeglichen Drängens auf Konformität wird political correctness genannt. Feinde der political correctness dürfen "Pack" genannt werden.

Wer vollverschleierte Leute duldet, weil es kein Gesetz gegen diese Unverschämtheit gibt, der muß auch dulden, wenn ihm eine Aule vor die Füße plaziert wird. Das ist auch nicht verboten.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.01.2017 um 19.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34280

Notwendige Umformulierung in Anbetracht der Tatsache, daß es auf die Mehrheitsverhältnisse nachweislich nicht ankommt: »Menschen neigen dazu, anderen Menschen etwas verbieten zu wollen.«
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.01.2017 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34279

Lieber Professor Ickler, ich kann ehrlich gesagt die Aufregung über meine letzten Beiträge zu diesem Thema nicht verstehen und fühle mich mißverstanden. Sie sagen, Herr Markner hätte in optimaler Kürze schon einiges klargestellt. Also daß man nicht Menschen verbietet, sondern nur das, was sie tun, oder wie Sie sagen, daß man nicht Menschen unterdrückt, sondern nur ihre Vergehen bestraft, ist ja nun sowas von selbstverständlich, das grenzt m. E. schon an Wortklauberei.

Sie selbst haben doch vom Verbot einer Minderheit gesprochen und nicht vom Verbot bestimmter Vergehen von Minderheiten. Mir werfen Sie nun vor, von der Unterdrückung von Minderheiten anstatt von der Verfolgung ihrer Straftaten zu sprechen. Sie haben natürlich recht damit, aber das ist nicht fair. Es ist völlig klar, daß ich mich hier nur verkürzend ausgedrückt habe.

Es geht nicht ums Stören und nicht um Gefahr, sondern allein darum, daß die Gesetze herrschen?
Ich habe doch hier nicht davon gesprochen, was mich persönlich stört. Wer die Gesetze nicht beachtet, der stört und stellt eine Gefahr für die Gemeinschaft dar, oder etwa nicht? Nun fragen Sie mich, wer die Gefahr für uns definiert, sprechen aber selbst von Vergehen und wohldefinierten Straftaten. Ja wer definiert denn letztere? Wer definiert das Gesetz?

Alles, was ich sagen wollte, betraf eigentlich das Verhältnis von Demokratien zu Minderheiten. Ich meine, Demokratie bedeutet vor allem Mehrheitsherrschaft. Daß man dann Minderheiten auch gleich ganz verbieten könne, klingt bei Ihnen ironisch, lieber Prof. Ickler, so als ob man das niemals dürfe. Dem wollte ich nur entgegenhalten, daß die Mehrheit ein die Minderheit kennzeichnendes Handeln durchaus per Gesetz verbieten kann.

Anlaß für diese Argumentation war ja die Vollverschleierung. Es darf kein Tabu sein, darüber zu diskutieren, ob sie bei uns verboten gehört oder nicht. Ein solches Verbot wäre genau wie ein Nichtverbot eine demokratische Entscheidung.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.01.2017 um 13.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34275

Auch Deutsche und ihre deutsche Sprache und Kultur waren bis vor kurzem in manchen Ländern eine störende, unerwünschte und unterdrückte Minderheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2017 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34272

Lieber Herr Riemer, ich hatte in absichtlich krasser Form das Anstoßnehmen (jenes "Weg damit!") als gewissermaßen normal kennzeichnen wollen, aber natürlich meine ich, daß wir unseren inneren Schweinehund überwinden und den Rechtsstaat hochhalten und mehr oder weniger auch verinnerlichen sollten.
Es geht nicht ums Stören und nicht um "Gefahr für die Entwicklung unserer Kultur und Lebensart" (was wäre denn das, und wer definiert es?), sondern darum, daß allein die Gesetze herrschen. Nicht einmal Pädophile dürfen "unterdrückt", sondern nur ihre Vergehen bestraft werden wie alle anderen wohldefinierten Straftaten auch. Mich stört vieles, mich stören viele – das muß ich hinnehmen, auch wenn ich mir Mühe geben muß, nicht den ganzen Tag zu granteln.
(Ich hatte gehofft, das nicht weiter ausführen zu müssen, Herr Markner hat es in optimaler Kürze ja schon getan.)
Im Grunde dreht sich, wie angedeutet, auch die unselige Leitkultur-Debatte um diesen Punkt. Auch jenes "Bei uns zeigt man sein Gesicht" natürlich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.01.2017 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34271

Was habe ich Falsches gesagt? Ich will ja nicht jede Minderheit bzw. das, was sie tut, verbieten, aber man muß doch von Fall zu Fall entscheiden, ob sie tolerierbar ist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.01.2017 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34270

»Die Mehrheit neigt dazu, die Minderheit zu verbieten.«

Man kann Menschen nicht verbieten; nur das, was sie tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2017 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34268

Das meinen Sie nicht ernst, oder?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.01.2017 um 02.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34267

Ob eine Minderheit verboten werden muß, hängt davon ab, wie sehr sie stört. Vor manchen Minderheiten muß man sich eben schützen.

Ich wundere mich zwar, daß Raucher schon in der Minderheit sind, aber da sie nun sogar in Kneipen nicht mehr rauchen dürfen, muß es wohl so sein. Ich glaube, die Beschneidung der Rechte dieser Minderheit ist im Interesse aller auch in Ordnung.
Erst recht in Ordnung ist z.B. die Unterdrückung von Pädophilen.
Nicht jede Minderheit kann auf ihre Rechte pochen, es ist tatsächlich ganz normal, bestimmte Gruppen nicht zu dulden.

Wer fragt, ob Vollverschleierung "angebracht" sei, verschleiert selbst etwas. Es geht nicht darum, ob sie angebracht ist oder nicht (Was heißt das überhaupt?), sondern darum, ob sie erwünscht ist oder nicht, ob sie eine Gefahr für die Entwicklung unserer Kultur und Lebensart ist oder nicht. Von der Antwort darauf hängt auch ein Verbot dieser Minderheit ab.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2017 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34259

Die Mehrheit neigt dazu, die Minderheit zu verbieten. Das ist ganz normal. Ich habe recht - wozu soll es gut sein, andere, also falsche Meinungen zu dulden?

In Deutschland sollte man laut Bundeskanzlerin Gesicht zeigen. Deswegen sei die Vollverschleierung nicht angebracht. Wir wollten deshalb von Ihnen wissen, was Sie von einem möglichen Burkaverbot halten?

94,2 Prozent der User meinten: "Ja, Vollverschleierung ist bei uns nicht angebracht."


Was "nicht angebracht" ist, kann doch gleich verboten werden, dann ist Ruhe (Leitkultur).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2017 um 16.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34241

Eben standen die Heiligen drei Könige vor der Tür. Ein schwarzer ist ja seit einigen Jahren nicht mehr dabei, der weiße Mensch als Norm hat ihn besiegt. Dafür Königinnen; eine hatte vor Aufregung ihren Text vergessen, wir mußten aushelfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2017 um 09.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34222

Generalverdacht hat das Zeug zum Unwort des Jahrzehnts.

Die GEZ hat alle Bürger unter den Generalverdacht gestellt, daß sie schwarz sehen, und das Bundesverfassungsgericht hat das indirekt wiederholt ("Pauschalisierung" = Generalverdacht).

Die überwiegend nordafrikanischen Männer haben sich und ihresgleichen in der vorletzten Silvesternacht selbst unter Generalverdacht gestellt.

Die Islamisten stellen den Islam unter Generalverdacht. So ist das eben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2017 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34221

Ist ein Titel wie Die Rolle des heterotrophen Bakterioplanktons und der planktischen autotrophen Nitrifikation im Sauerstoffhaushalt von Saar und Mosel etwa nicht rassistisch? Wie kommt jemand dazu, das Bakterioplankton bloß wegen seiner Ernährungsgewohnheiten als heterotroph zu diskriminieren?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.01.2017 um 20.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34220

Lauer ist übrigens kein SPD-Politiker, sondern arbeitsloses Mitglied der SPD.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 02.01.2017 um 19.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34219

"Der Begriff verurteile pauschal eine ganze Bevölkerungsgruppe als Straftäter."

Der Begriff verurteilt nicht pauschal. Wenn überhaupt, dann stellt die Kölner Polizei die jungen Nordafrikaner unter Generalverdacht. Verurteilen kann man in der Tat erst, wenn die Straftat begangen ist. Aber das Verdächtigen aufgrund äußerlicher Indizien ist eine bewährte Strategie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2017 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34217

Der SPD-Politiker Christopher Lauer hat die Kölner Polizei für ihren "Nafri"-Tweet und ihr Vorgehen in der Silvesternacht scharf kritisiert. Der Begriff verurteile pauschal eine ganze Bevölkerungsgruppe als Straftäter. (Welt 2.1.17)

Erstaunlich, was in einem bisher unbekannten Kurzwort alles stecken soll! Da darf auch der junge Herr Böhmermann nicht zurückstehen:

„Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Nafri und Neger?“

Das ist nicht schwer zu sagen. Neger sind Menschen wie du und ich, während Nafri überwiegend in NRW eine Population mit hohem Anteil an Kriminellen sind. Sobald sie wieder in Nordafrika sind, sind sie auch keine Nafri mehr. Die Polizei wird das Wort aufgeben, aber hoffentlich nicht die Observation.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2017 um 10.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34214

Die Grünen empören sich erwartungsgemäß über Nafri, eigentlich aber über die Gruppenbezeichnung Nordafrikaner selbst, denn Nafri war bisher unbekannt und kann daher auch nicht "herabwürdigend" gebraucht werden.
Es gibt gar keine Gruppen, folglich auch keine Risikogruppen und keine Nordafrikaner. Wie kann man "Racial profiling" anprangern, wo es doch gar keine Rassen gibt? Die Polizei darf gar nicht bemerken, daß sich 1000 junge Männer aus einer bestimmten Region in Köln versammeln. Man muß bei jedem einzelnen warten, bis er eine Straftat begangen hat (was aber a priori ebenso unwahrscheinlich ist wie bei den "länger hier lebenden" sogenannten "Deutschen").
"Wir bleiben alle" scheint dann aber doch wieder eine Gruppe vorauszusetzen...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2017 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34211

Margarine hat für viele noch einen Beigeschmack, weil es das Ersatzfett in Notzeiten war und der Butter, also der guten Butter gegenüberstand.

Die Minderwertigkeit der Wurst hat sich in der orthographisch umstrittenen Wendung niedergeschlagen: Das ist mir wurst/Wurst (noch besser: wurscht).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2016 um 07.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34188

Das ist gerade die Frage, ob der Fleischgehalt, sei er noch so gering, zur Definition der Wurst gehört. (Das Lexikon vermerkt mit Recht, daß es bei der Wurstherstellung immer darum ging, auch die Schlachtabfälle noch zu verwerten und auch haltbar zu machen. In die Wurst kommt alles rein, was man sonst nur im Notfall essen würde, und dann ordentlich Gewürze.)

Kräutertee ist allgemein üblich (s. a. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29131), wenn auch nicht offiziell. Aber wenden wir uns ernsthafteren Dingen zu: alkoholfreies Bier...

(Würde jemand auf den Gedanken kommen, alkoholfreies Bier herzustellen oder zu trinken, wenn es nicht an richtiges erinnerte? Das Bewußtsein der Ersatzhaftigkeit werde ich nie los, wenn ich eins trinke.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.12.2016 um 15.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34185

Daß Würste, die keine sind, nicht Würste genannt werden dürfen, entspricht den Vorgaben, nach denen Kunsthonig nicht als Honig verkauft werden darf, Malzkaffee nicht als Kaffee usw. Witzigerweise ist das Markenprodukt »Rama« keine Margarine mehr, sondern lediglich noch »Streichfett«.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.12.2016 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34184

Schweinefleischzwang wäre natürlich genauso dämlich wie das jetzt schon allgegenwärtige Schweinefleischverbot. Mit Rücksicht auf Migranten dürfen Kindergärten und Schulen vielerorts kein Schweinefleisch mehr anbieten. So sieht die Praxis der "Integration" aus.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 29.12.2016 um 08.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34180

Christian Schmidt ist CSU-Politiker und als solcher jederzeit bereit, auch noch die dämlichsten Forderungen zu erheben, wenn sie in bayerischen Wirtshäusern für Zustimmung sorgen. Dasselbe gilt für seinen Kollegen Dobrindt. In bezug auf den Schweinefleischzwang gibt es Parallelen in den USA und Großbritannien, teilweise mit antisemitischem Hintergrund.

Mit den wirtschaftlichen Interessen der Schweinezüchter dürfte das hingegen weniger zu tun haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2016 um 10.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34176

Der Bundesgrarminister will eine Schweinefleischpflicht für Schulkantinen einführen. Das gehöre zu einer gesunden Ernährung. Warum nicht die Gesundheitsministerin? Darum:

"In Niedersachsen, einer Hochburg der Fleischproduktion, forderte die CDU bereits im Oktober ein Verbot von Fleischnamen für Ersatzprodukte."

Es geht nicht um die Gesundheit, sondern um die Absatzförderung für die Massentierhaltung.

Also keine vegetarischen "Schnitzel" und "Würste" mehr. Das dürfte um so schwerer durchzusetzen sein, je mehr sich die Bevölkerung and die "Ersatzprodukte" gewöhnt.

(Wenn es irreführende Produktwerbung gibt, dann wohl eher auf der Fleischseite.)

Wahr ist allerdings, daß eine echte vegetarische Ernährung es nicht nötig hat, wie Fleisch aussehende und schmeckende "Ersatzprodukte" zu essen. Das ist wie Methadon.
 
 

Kommentar von Ph.D., verfaßt am 14.12.2016 um 13.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34109

Zu #32691 (und #32679): Mit der Suchmaschine. Ich frage mich, ob ich mir einfach mal die Suchmaschine Google Bilder ansehen soll (nach dem Motto: bitte Internet ansehen!) – oder Bilder von Gurugram auf Google Bilder (nach dem Motto: bitte im Internet ansehen!). Oder irgendwelche Google-Bilder, die zumeist gar keine Google-Bilder sind und über Google Bilder gefunden werden können, nicht über Google-Bilder (siehe auch #15194). Vielleicht hat mich auch der Nachdruck der Bitte besonders verunsichert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2016 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34089

In einer neueren "Kleinen deutschen Sprachgeschichte" gibt es ein Kapitel „Die sog. 'indoeuropäische Frage'“, und in einer anderen Arbeit wird die Abhandlung des schlimmen Gustaf Kossinna zitiert als "Die indoeuropäische Frage archäologisch beantwortet", Zeitschrift für Ethnologie 34, 161-222. (http://rootsofeurope.ku.dk/dokumenter/blokseminarer_gaesteforelaesninger/2008-09-05_hinge_manuskript.pdf)
In Wirklichkeit hieß sie "Die indogermanische Frage...", und als solche oder auch "Indogermanenfrage" ist sie jahrzehntelang diskutiert worden. Aber politische Korrektheit ist natürlich wichtiger als korrektes Zitieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2016 um 14.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34041

Doch, den Gebrauch kenne ich, auch ohne "blöd" leicht abwertend (auch gegenüber der Frau, die sich den Scheich angelacht hat); allerdings kommt es mir vor wie die Jugendsprache von anno dazumal.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.12.2016 um 14.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34040

Beide Nebenbedeutungen, sowohl diese als auch die andere in Duden-online angegebene umgangssprachliche Bedeutung

"Freund eines Mädchens, einer Frau
Beispiel
sie hat einen neuen Scheich"

kenne ich nicht, jedenfalls nicht so offenbar.
Wenn man natürlich das Adjektiv "blöd" davorsetzt, kann man aus jeder Bezeichnung etwas Abwertendes machen.
Genauso im zweiten Beispiel. Bei "ihr Scheich" wüßte man kaum, was gemeint ist. Der Kontext des Beispiels erklärt erst die Bedeutung, die das Wort angeblich schon per se hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2016 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#34034

Duden online zu "Scheich":

„(...)
unangenehmer Mensch, Kerl

Gebrauch
salopp abwertend

Beispiel
ein blöder Scheich“

Saudi-Arabien scheint diesen Eintrag noch nicht bemerkt zu haben.

(Ich hatte eigentlich nur wegen der Pluralbildung nachgesehen: Scheiche/Scheichs.)
 
 

Kommentar von 154, verfaßt am 30.11.2016 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33971

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32645

In der FAZ vom 30.11.16 trägt Stephan Löwenstein die Zahlen von Open Doors aufs neue vor ("weit mehr als 100 Millionen" verfolgte Christen), erwähnt auch zweimal die abgehackten Gipfelkreuze als Beispiel von Christenverfolgung. Ein anderes Beispiel sind staatliche Maßnahmen gegen Eltern, die ihre Kinder aus christlicher Überzeugung nicht zur Schule gehen lassen; Nichtbeschäftigung von medizinischem Personal, das nicht an Abtreibungen mitwirken will. (Es gibt übrigens auch Nichtbeschäftigung von Nichtchristen an Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, dem größten Arbeitgeber im Sozialwesen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2016 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33900

Wenn die SPD (Friedrich-Ebert-Stiftung) die AfD angreifen will, empfiehlt es sich, eine "wissenschaftliche Studie" in Auftrag zu geben, und zwar bei den Bielefelder gruppenbezogenen Menschenfeinden, die werden's schon richten. Gedacht, getan, und heute stehen die Ergebnisse in den Medien. Und das undankbare Volk macht sich darüber auch noch lustig. (21.11.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2016 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33788

Ich habe zwar die Talkshow mit Anne Will und der verschleierten Muslimin nicht gesehen, aber ich wundere mich, wie viele Leser die Entlassung der Moderatorin verlangen und noch anderes. Warum sollte man sich eine solche Erscheinung nicht wenigstens mal ansehen, damit jeder weiß, wovon überhaupt geredet wird? Wer hat denn Angst? Sind die anderen so verführbar, daß das Fernsehen nur die korrekten Meinungen vorführen sollte?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2016 um 09.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33712

Wir haben schon besprochen, daß Abifeiern an Event-Firmen vergeben werden.

Ob schon untersucht worden ist, wie die Professionalisierung sich auf die Inhalte auswirkt? Ich meine z. B. die Werbung für das Reformationsjahr, aber auch die Parteienwerbung und den Wahlkampf.

Wohltätigkeit gehört in professionelle Hände, die Gemeindeschwester tut es nicht mehr. Dazu braucht man Geld, das wiederum von professionellen Drückern beschafft wird.

Wie weit ist die Mission, das Kerngeschäft der Kirchen, schon outgesourced, und wie wirkt es sich auf den Inhalt aus?

Bei den Flüchtlingen darf man vermuten, daß sie ausgenutzt, "instrumentalisiert" werden, für den "antifaschistischen" Kampf, der auch schon mal andere in den Hungerstreik treten läßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2016 um 06.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33710

Demonstrationen von "Flüchtlingen und Unterstützern" wie jetzt in Nürnberg sind längst nicht mehr spontan oder selbstorganisiert, sondern nehmen professionelle Hilfe in Anspruch. Die (antifaschistische) Kampagne "Fluchtursachen bekämpfen" hat dazu die IBG Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten e.V. herangezogen. Deren Geschäftsführer Christoph Meder sprach in Nürnberg mit der Presse.

Aus dem Programm: "Wir arbeiten mit Partnerorganisationen in über 40 Ländern zusammen, die jeweils Workcamps im eigenen Land organisieren."

Ob die Afrikaner wissen, für wen und für was sie auf die Straße gehen, sei dahingestellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2016 um 08.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33595

Die Diffamierung der Wissenschaft, wie wir sie kennen (die Wissenschaft), haben auch radikale Feministinnen eine Zeitlang betrieben. Logik sei männlich usw.; Marxisten haben die Klassenlogik als Ausdruck der Klassenherrschaft bezeichnet (vom Namen verführt) usw.

Die panafrikanische Ideologie hat auch schon eine genuin afrikanische Soziologie postuliert – als wenn Soziologie nicht ein durch und durch westliches Produkt wäre.

Unterstützt wurde die Anerkennung von Aberglauben, Hexerei (im Westen auch Kreationismus usw.) durch Feyerabend und andere Konstruktivisten, aber das wirkt auch schon ein bißchen abgestanden.

Studenten wachsen freilich immer wieder nach und sind für alles zu haben.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 20.10.2016 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33593

Man staunt immer wieder, was die PC für seltsame Blüten treibt. In Kapstadt haben Studenten die Wissenschaft als solche für "eurozentrisch" erklärt und fordern eine "Dekolonialisierung" der Universitäten, was u.a. die Anerkennung von Hexerei und schwarzer Magie als legitime Alternativen zur "eurozentrischen" Naturwissenschaft beinhaltet. Vgl.: https://reason.com/blog/2016/10/14/watch-leftist-students-say-science-is-ra/amp
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2016 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33583

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33503

Das Grüppchen von Schwarzafrikanern – die Fotos zeigen immer viel weniger, als im Text steht – will morgen in Nürnberg eintreffen und so lange demonstrieren, bis sie ihre "staatsbürgerlichen Rechte" (auf Freizügigkeit usw.) bekommen haben. Dabei vergessen sie nur die Kleinigkeit, daß sie keine deutschen Staatsbürger sind, sondern vom angeblich rassistischen Staat Bayern durchgefüttert werden. Aber wahrscheinlich verstehen sie sowieso nicht, was die Aktivisten ihnen vorsprechen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2016 um 07.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33563

Google, Facebook und andere Unternehmen der Branche veröffentlichen Angaben, wie viele ihrer Mitarbeiter schwarz, weiblich, nicht-heterosexuell usw. sind, müssen solche Daten also abgefragt haben.

Wieder das alte Dilemma der Diversity: Entweder man ignoriert alle persönlichen Parameter, die nichts mit der Arbeit und dem Unternehmenszweck zu tun haben, oder man erwähnt sie auf Schritt und Tritt (gender mainstreaming). Der Staat hat sich für letzteres entschieden. Er hat ja auch die Freiheit, als seinen "Unternehmenszweck" die Herstellung von Gleichheit zu proklamieren. Wirtschaftsunternehmen können das nicht, bei Strafe des Untergangs (aber das ist vielen egal).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2016 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33526

Über die "Studentenmission", die hier über den Verteiler der Universität wirbt, heißt es bei Wikipedia:

1964 kam es zu einem klärenden Gespräch zwischen Vertretern der SMD und der Evangelischen Studierendengemeinde...

Aber 1964 hieß die Studierendengemeinde noch nicht so. Auch die Beschriftung ihrer Vereinshäuser wurde seither geändert, an einigen Orten sogar mehrmals.

Das opportunistische Geplapper mancher Kollegen mit dem nun massenhaft auftretenden Partizip I könnte uns den Spitznamen eintragen, den einst die Griechen auf sich zogen: Partizipienfreunde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.10.2016 um 16.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33521

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28915

Heute kam eine neue Variante dieser seltsamen Gedankengänge auf meinen Bildschirm:

Liebe Studierende, Lehrende und Mitarbeitende der FAU!

Zum ökumenischen Semestereröffnungs-Gottesdienst am Dienstag, dem 18. Oktober 2016, laden Sie die Katholische Hochschulgemeinde (KHG), die Evangelische Studierenden- und Hochschulgemeinde (ESG) und die Studentenmission in Deutschland (SMD) herzlich ein. Ab 20.00 Uhr stellen wir in der St. Bonifaz-Kirche in Erlangen (nahe Stadtmensa) die Frage: "Was ist dir heilig?". Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es Snacks und Getränke im Pacelli-Haus (Sieboldstr. 3) und jede Menge Gelegenheit zum Kennenlernen. Im Namen des Vorbereitungsteams Harald Kressmann, Hochschulseelsorger (KHG)

Sollten Sie sich nicht eingeladen fühlen, so bitten wir Sie freundlich, diese E-Mail gut gelaunt zu ignorieren oder an Interessierte weiterzuleiten. Wir verstehen als Hochschulgemeinden bzw. anerkannte Hochschulgruppen die Möglichkeit, den E-Mail-Verteiler der FAU (ausschließlich einmal im Semester für die Einladung zum Eröffnungsgottesdienst) nutzen zu dürfen, als Service im Rahmen des Diversity Managements. Die FAU hat 2012 die "Charta der Vielfalt" unterzeichnet, und sich damit verpflichtet, "die Vielfalt ihrer Studierenden und ihres Personals durch gezieltes Diversity Management zu fördern". Zusammen mit Alter, Geschlecht, Sexueller Orientierung, Behinderung, Ethnischer Herkunft und Nationalität gilt Religion/Weltanschauung als Dimension von Diversity;  vgl. dazu http://www.charta-der-vielfalt.de/diversity/diversity-dimensionen/religion-weltanschauung.html.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2016 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33506

Zu völkisch noch diese Erinnerung:

„In Wörtern wie knechtisch, bübisch, diebisch, deren Stammwörter schon Gemeines und Verwerfliches bezeichnen, ergab sich die Vorstellung, dass die Endung -isch geeignet sei, Wörter mit übler Bedeutung zu bilden, und so wurden auch herrisch und kindisch in tadelndem Sinne gebraucht, obwohl die Stammwörter auf diesen Sinn nicht führen und die Sprache noch genug Wörter auf -isch bewahrt, welche diesen tadelnden Sinn nicht haben.“ (Wilmanns 1899:17)

Das mag eine ergänzende Rolle gespielt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2016 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33503

Bei ihrem Abmarsch von München nach Nürnberg wurde eine Gruppe von "Flüchtlingen" zwar wunschgemäß abgelichtet, aber kein Journalist scheint es zu wagen, einmal in die Hintergründe dieses "Refugee Struggle for Freedom" hineinzuleuchten. Immerhin fordern sie wie gewohnt "bedingungsloses Bleiberecht für alle", also die Aufhebung des Rechts zu ihren Gunsten.
Die Unterstützung seitens Kirche, Gewerkschaftsjugend usw. scheint aber zu schwinden.
Lokale Zeitungen (Freisinger Tagblatt) bringen unter verschiedenen Verfassernamen praktisch identische Berichte, die ihnen offensichtlich von den Flüchtlingsaktivisten in die Feder diktiert worden sind, teils gleich mit Spendenaufrufen.

Wie schon früher gesagt, dürften Slogans wie Wir bleiben alle kaum geeignet sein, Sympathie in der Bevölkerung zu erwecken. Auf der Website der Struggler erkennt man die Handschrift der ideologischen Marionettenspieler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2016 um 06.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33496

Peter Schlobinski über völkisch:

http://gfds.de/gfds-voelkisch-ist-rassistisch/

Ich würde den Ausdruck auch nicht verwenden; er ist durch die Nazis kontaminiert. Aber es ist falsch, ihn auch für die Zeit davor nur mit Rassisten zu verbinden. Als Verdeutschung von national war er weiter verbreitet und könnte heute harmlos und unauffällig sein. Auch argumentiert Schlobinski widersprüchlich:

"... der Begriff völkisch ist in Teilen der Gesellschaft nicht mehr verpönt, sondern en vogue.

Die Semantik von völkisch ist nicht nur negativ konnotiert, sondern geht weit über eine rein deskriptive Bedeutung eines von Volk abgeleiteten Adjektivs hinaus."

Er ist eben nicht für jeden negativ konnotiert, das hat er doch gerade selber gesagt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2016 um 08.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33490

„Warum musste der Negerkönig bei Pippi verschwinden?

Ich bin immer dafür, das N-Wort auszutauschen. Aber hier ging es allein um Political Correctness. Und davon halte ich gar nichts. Das größere Problem bei Pippi liegt doch darin, dass ein Weißer dort König wird, weil die Einheimischen es alleine offenbar nicht hinkriegen. Das ist viel subtiler. Aber es war in der Debatte kein Thema. So lernen Kinder nichts über Rassismus. Wenn wir etwas verbessern wollen, muss sich da was ändern, gerade bei jungen Menschen. In der Schule etwa spielt der Kolonialismus kaum eine Rolle.“
(http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/43356/3)

Ja, man muß jede Gelegenheit nutzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2016 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33398

Wer sich heute noch auf Sexismusdebatten einläßt (wie jetzt in Berlin), rennt in sein Verderben. S. Stichwort "Mikroaggression" bei Wikipedia, mit Links.
In den USA waren und sind es vor allem Studenten, die mit der Entlarvung der Heuchler einen leichten Gewinn einstreichen (sie haben ja selbst noch nichts geleistet).
Man kann den Mund nicht aufmachen, ohne sich einer Mikroaggression schuldig zu machen. Etwas zu sagen bedeutet ja immer, etwas anderes nicht zu sagen; schon darin liegt Diskriminierung. Etwas "glänzt durch Abwesenheit", wie man früher scherzhaft sagte, heute aber ganz ernsthaft sagen kann, denn das ist ja die Quintessenz der "Dekonstruktion", die gerade an amerikanischen Universitäten verbreitet ist. Aus dieser Falle gibt es kein Entkommen; je mehr man sich verteidigt, desto mehr klagt man sich an.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 26.09.2016 um 17.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33383

Report München: "Was christlich ist, bestimmt die CSU."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2016 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33382

Natürlich ist die Empörung (samt obligaten Rücktrittsforderungen) über gewisse Wörter künstlich und wirkt auch so. Auch sollte es einen Unterschied machen, ob jemand die "Umvolkung" propagiert oder kritisiert. Aber die Dinge nehmen ihren gewohnten Lauf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2016 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33381

Völkisch, Umvolkung... Jetzt streiten sie wieder, und es ist auch für Sprachbeobachter interessant. Seehofer will Merkel zwingen, über das Stöckchen Obergrenze zu springen, aber die will das um keinen Preis und wird es auch nicht tun. Das haben inzwischen auch CSU und FAZ erkannt und lassen den biederen Joachim Herrmann eine Brücke bauen: Man könne ja auch Limit sagen oder etwas ähnliches. So wird es denn auch kommen.

Um noch einmal auf Zigeuner zurückzukommen, so kann man bei Eduard Engel schön sehen, wie es sich damit in Vor-Nazi-Zeiten verhielt. Er kritisiert die Zigeunersprache, meint aber nicht die Sprache der Zigeuner, sondern das Sprachgemisch der deutschen Wissenschaftler. Die Zigeuner selbst, für die er sich interessierte, bedauert er wegen ihres traurigen Schicksals. Zigeuner als Schmähwort, aber nur für Nichtzigeuner. Ähnlich die Hottentotten usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2016 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33359

Vor 20 Jahren deckte das Neue Deutschland auf, daß im Synonym-Duden mindestens 33 „Begriffe aus der Kolonial- und Nazigeschichte“ vorkommen, vor allem das Wort Neger. (https://www.neues-deutschland.de/artikel/627974.begriffe-aus-der-kolonialgeschichte.html)
Ich bin darauf gestoßen, als ich nach der Redensart suchte: Das haut den stärksten Neger um. Wer könnte damit beleidigt werden? Die Kennzeichnung kann attributiv oder referentiell verstanden werden, je nachdem, ob der stärkste Schwarze identifiziert ist oder nicht. In diesem Fall ist er es sicher nicht, der Fall liegt also ähnlich wie beim Altweibersommer. Auch gibt es ja nach politisch korrekter Meinung keine Rassen, erst recht keine Neger. In meiner Jugend war die Redensart sehr geläufig; sie drückt nebenbei eine gewisse Anerkennung der athletischen Afrikaner aus. Noch schwieriger wird es mit den Abwandlungen: Das haut den stärksten Eskimo vom Schlitten usw. Das wirkt dann ziemlich matt, wie die witzig sein sollenden Prägungen, zu deren Hervorbringung Jugendliche aufgefordert werden, damit Duden und Langenscheidt noch ein paar Euro auf dem todgeweihten Wörterbuchmarkt machen können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2016 um 04.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33331

Weil ich anderswo Eduard Engels Äußerungen über Treitschke zitert habe, lag ein Blick in Wikipedia nahe:

Die Historikerin Shulamit Volkov sieht die nachhaltige Bedeutung des Antisemitismus Treitschkes darin, das (!) er eine antisemitische Einstellung in der bürgerlichen Gesellschaft „salonfähig“ gemacht und ihr Zugang zu den deutschen Universitäten verschafft habe.

Dort auch Beispiele für die Umbenennung einstiger Treitschke-Straßen. Die Entsorgung der Vergangenheit ist aber noch längst nicht vollendet. Gerade wird wieder gefordert, die "Judensau" nicht nur durch eine Tafel zu kommentieren, sondern ganz ins Magazin zu verbannen. Der virulente islamische Judenhaß gibt neuen Auftrieb.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 13.09.2016 um 20.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33309

betr. slawische Namen:
Richtig lustig wird es erst bei Karadjordjević und dazu einem passenden Vornamen. Aber die berühmte kroatische Schauspielerfamilie ist bei uns ja auch unter dem Namen Millowitsch eingebürgert.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 13.09.2016 um 18.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33307

Und warum ist der Lehrer zum Direktor zitiert worden? Wohl weil ihn jemand (Schüler, Eltern) "angezeigt" hat. Blockwartmentalität scheint wieder salonfähig zu werden.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 13.09.2016 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33306

Samstag, DLF, "Wochenendjournal". Eine hochinteressante Sendung über skurrile Ortsnamen. U.a. gibt es bei Olpe einen Ort namens Neger, benannt nach einem gleichnamigen Fluß und gegliedert in Unterneger, Mittelneger und Oberneger. Ein Lehrer soll tatsächlich richtig Ärger bekommen haben und zum Direktor zitiert worden sein, weil er es gewagt hatte, den Ort im Unterricht zu erwähnen. So ein Wort nimmt man eben nicht in den Mund, auch wenn es nur ein unschuldiger Ortsname ist!!
(Nach Aussage der zuständigen Forschungsstelle der Universität Göttingen entspricht der hintere Teil Namen wie Isar, Aller, Iller, Lauter, Nidder, Oder, Tauber, Weser usw., also ein Allerweltsname. Der vordere Teil ist, wie üblich, nicht recht klar, könnte was mit Nachen zu tun haben.)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.09.2016 um 23.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33300

Die genaue Aussprache wäre auch egal, wenn es in den slawischen Sprachen nicht so viele verschiedene Zischlaute gäbe, für die es z.B. im kyrillischen Alphabet jeweils eigene Zeichen gibt. (Die anderen Laute werden kyrillisch meist mit griechischen Buchstaben oder von diesen abgeleiteten geschrieben.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 12.09.2016 um 22.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33299

Vielleicht hätte Herr „Karadschitsch“ auch gar keinen Grund, sich zu beschweren. Laut Wikipedia ist Karadzic in Montenegro geboren und war ursprünglich bosnisch-serbischer Politiker. Ebenfalls lt. Wikipedia wird das fragliche c mit Akzent im Bosnischen und im Montenegrinischen wie tsch ausgesprochen, und auch im Kroatischen wird es von vielen so ausgesprochen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2016 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33297

Frauke Petry tut so, also wolle sie dem Wort völkisch seine Unschuld zurückgeben. Wir wissen, daß so etwas nicht möglich ist. Man mag bedauern, daß Neger, Zigeuner usw. mit falschen Argumenten verbannt worden sind, aber so ist es nun mal. Außerdem ist Petry die Letzte, die es bewirken könnte, denn sie will das Wort ja von vornherein wieder als Kampfbegriff nutzen. Unschuld sieht anders aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2016 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33296

Na ja, gerade dieses "fälschlicherweise" ist es ja, was ich in Frage stelle. Wo steht geschrieben, daß Wörter haargenau so ausgesprochen werden müssen wie in der Fremdsprache? Noch dazu, daß Einzellaute außerhalb des eigenen Phonemsystems nachzuahmen sind? Der eine oder andere mag sich in Nachbarsprachen auskennen und dann durch phonetische Akrobatik, die andere affig finden, hervorleuchten – aber die Grenze ist doch sehr bald erreicht. Ich hatte die chinesischen Töne erwähnt. Ein anderes bekanntes Beispiel sind die scheinbar so einfachen Bantusprachen (ba-ntu und eben nicht ban-tu). So könnte man fortfahren. Haben die Indianer kein Recht auf "ihre" wirklichen Namen? Niemand schert sich darum, und mit Recht. Mir ist noch kein Amerikaner begegnet, der "Nürnberg" sagen konnte. Aber welcher Herr "Karadschitsch" würde sich beschweren? Das kommt doch auch nicht vor.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 11.09.2016 um 22.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33294

Ein krasser Fall ist das serbisch / kroatische c mit Akzent. Weil Vuk Karadzic dem Laut [tj] dieses Zeichen gegeben hat (die später festgelegte slowakische Schreibweise für diesen Laut ist t', was der heute in der Slawistik üblichen Transliteration entspricht), wird es in Deutschland fälschlicherweise als [ts] oder [tsch] gesprochen. Sehr viele serbische und kroatische Familiennamen enden auf -vic mit Akzent auf den c.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2016 um 21.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33293

Der Begriff völkisch bedeutet deutsch und steht für die Ausgrenzung von jedem, der nicht hier geboren wurde. Wer ihn nutzt, will faschistische Gedanken hoffähig machen. (Zeit 11.9.16)

Nationalsozialistisch. Wir sind doch nicht in Italien (oder in der DDR).
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 07.09.2016 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33263

"...Umschrift, die ... manchmal mehr oder weniger getreu phonetisch sein soll..."
Beispiel wieder Aleppo/Halab. Nicht ohne Grund wird der Name meist mit Haleb wiedergegeben, weil das zweite, unbetonte Alif ziemlich dumpf ausgesprochen wird.
Klassiker natürlich auch Fürst Potjomkin. (Das Akanje läßt sich kaum darstellen, das muß man wissen.) Ähnlich wird Gorbatschow – mit Endbetonung! – im Englischen üblicherweise irreführend Gorbachev geschrieben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.09.2016 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33255

Bei fast allen Beispielen, die wir bisher besprochen haben, geht es zur Hälfte um die Umschrift, die sich manchmal geändert hat, manchmal mehr oder weniger getreu phonetisch sein soll; erst dann kommt die richtige Aussprache, entweder originalgetreu oder "nach der Schrift" (nach deutscher Gewohnheit). Das wird je nach Sprachgemeinschaft verschieden gehandhabt. Die gebildeten Deutschen neigen heute dazu, Fremdwörter möglichst nicht-integriert zu schreiben und auch zu sprechen, so daß also die muntere Integration (wie im Mittelalter und später noch im Volksmund) absichtlich hintertrieben wird. Das gelingt aber, wie die Beispiel zeigen, nur sehr unvollkommen. Manche arbeiten sich am Griechischen, Russischen oder gar Chinesischen ab, aber wie steht es mit dem Vietnamesischen?

Es bleibt ein sozusagen ästhetisches Problem (im ursprünglichen Sinn des Wortes). Das nichtintegrierte Fremdwort mitten im deutschen Satz wirkt wie eine Preziose, sei es kostbar oder affig. Je gekonnter gesprochen, desto seltsamer. Es ist ja meistens eine völlige Umstellung der "Artikulationsbasis" erforderlich. Chinesische Töne im deutschen Satz nicht als deutsche Intonation zu deuten fällt auch dem Hörer schwer. Und wozu das Ganze?
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 06.09.2016 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33254

Auch bei Aleppo haben wir schon das Problem der richtigen Umschrift. Der Anlaut ist nicht das gutturale ch, sondern das "heisere" h, ein Laut zwischen h und ch. Der volle Name lautet Halab al-Schâm, was zu Asch-Schâm assimiliert und wobei Schâm ein etwas schwierig zu umgrenzender geographischer Begriff ist, nicht ganz das gleiche wie Syrien, gerne auch mit Levante wiedergegeben. Es gibt auch eine türkische Namensform (die Stadt und die ganze Gegend waren ja jahrhundertelang türkisch beherrscht), die ich aber gerade nicht parat habe.
(Wie auch immer, es bleibt zu hoffen, daß auch die restlichen Stadtviertel bald von den Terroristen befreit sind, die Regierungstruppen machen ja anscheinend gute Fortschritte.)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.09.2016 um 11.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33252

Bei alteingeführten Bezeichnungen liegt der herkömmliche Gebrauch schon aus Verständnisgründen nahe. Wenn neue Orte in den Nachrichten auftauchen, wäre ein wenig Ausspracherecherche manchmal wünschenswert. Bei der Berichterstattung über das Flüchtlingslager in Idomeni (Ιδομένη, [iðɔɱɛni]) hätte man den Ort nicht monatelang „Iddomeeni“ aussprechen müssen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.09.2016 um 11.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33251

Man muß ja unterscheiden zwischen dem Namen einer Stadt, wie ihn die Einwohner nennen und aussprechen, und ggf. dem eingedeutschten oder irgendwie internationalisierten (wohl oft unter englischem Einfluß) Namen.

Praha ist zum Beispiel nicht die tschechische Aussprache von Prag, sondern der Name der Stadt auf tschechisch bzw. der Name, den die heutigen Einwohner der Stadt geben. Prag ist der eingedeutschte oder evtl. der historische Name. Ich nehme an, daß es mit Aleppo ähnlich ist, ein internationalisierter Name.

Letzlich müßte man jedem Namen einer Stadt, der nur in der jeweiligen Landessprache existiert, auch z. B. englischen und französischen, eine Ausspracheanleitung beifügen. Da das unpraktikabel wäre, nimmt man falsche bzw. der eigenen Sprache angepaßte Änderungen bei selten gebrauchten Namen in Kauf. Amerikaner machen sich gar nichts daraus, dort heiße ich grundsätzlich Mr. Reimer, wir dagegen meinen es immer ganz genau halten zu müssen mit Mr. Sackerbög und M. Stroß-Kahn, also Namen, die eigentlich sogar auf eine deutsche Herkunft schließen lassen.

Nur wegen dieser Eigenart der Deutschen wundere ich mich über die sogar bei professionellen Sprechern verschiedenen Aussprachen von Hangzhou.

Danke an tk für die Korrektur (#33244), das war mir noch nicht klar.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.09.2016 um 10.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33250

Anderes Beispiel: Aleppo (arabisch ausgesprochen Chalab), die zur Zeit teilweise von moderaten Halsabschneidern besetzte Stadt im Norden Syriens.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 05.09.2016 um 15.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33247

Dann sollte Beijing eine Pinyin-Anleitung beigefügt werden, damit es nicht englisch oder gar deutsch ausgesprochen wird. Von Hunden, Enten und Saucen ganz zu schweigen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.09.2016 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33246

Wieso englisch? Pinyin ist eine Lautschrift für die chinesische Aussprache. Sie ist in manchem an Englisch angelehnt, aber es gibt z. B. auch ein ü (gesprochen wie das deutsche ü).
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 05.09.2016 um 14.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33245

Seltsame Idee, eine chinesische Stadt im Deutschen mit einem neuen Namen zu versehen, der englisch ausgesprochen werden soll. Ob es künftig auch Beijinesenhündchen geben wird? Und Beijingenten, den Beijingkohl, den Beijingmenschen und die Beijingoper?
 
 

Kommentar von tk, verfaßt am 05.09.2016 um 13.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33244

Bei Hongkong -> Xianggang (Mandarin) bzw. -> Guangdong (Kantonesisch)...

Guangdong ist Mandarin und bezeichnet die Provinz, in der Hongkong läge, wenn es nicht im neunzehnten Jahrhundert abhanden gekommen wäre.

Der kantonesische Name Hongkongs in Jyutping-Umschrift ist „hoeng1 gong2“ (siehe http://www.cantonese.sheik.co.uk/dictionary/words/194/).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.09.2016 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33243

Den Übergang Peking -> Beijing kann man sich noch relativ leicht merken.
Bei Hongkong -> Xianggang (Mandarin) bzw. -> Guangdong (Kantonesisch) ist das wesentlich schwieriger und scheitert meist schon an der Aussprache des X.

Die Töne überfordern unser Gehör aber bei weitem, und zum Schreiben benötigt man diakritische Zeichen, das hat bei uns im Normalgebrauch wohl keine Chance.

Jetzt ist gerade Hangzhou oft in den Nachrichten. Gestern im Ersten hörte ich etwa "Hangshu", heute im DLF "Hangsu". Ich wundere mich immer, daß Pinyin nicht zumindest bei Nachrichtensprechern mittlerweile etwas bekannter ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.09.2016 um 08.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33242

Seltsamerweise hat Hongkong bisher der Entkolonialisierung widerstanden. Beijing ist auch nur ein halber Erfolg, weil die Töne nicht beachtet werden.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 04.09.2016 um 19.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33240

Ich erinnere mich, schon vor etlichen Jahren eine Karikatur gesehen zu haben, wo Bahnhofsschilder ausgetauscht werden: Theremouth Main Station
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2016 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33238

Wegen der nicht mehr aufzuhaltenden Heiligsprechung von "Mutter Teresa" kommt auch Kalkutta wieder öfter in die Zeitung. Da wir im Deutschen keinen Grund haben, uns von der anglisierten Form des Stadtnamens zu distanzieren – wir haben es ja nie englisch gesprochen –, könnte man auch bei der üblichen deutschen Version bleiben. Wie man beobachten kann, halten es die Medien unterschiedlich, jedesmal ein kleines Bekenntnis von politisch korrektem Eifer oder eben nicht.

Der nächste Schritt dürfte sein, deutsche Namen zu anglisieren. In Mittelfranken wird, wie berichtet, die Nuremberg Region so oft plakatiert, daß der erste Schritt getan ist. Die Erlanger haben die ursprüngliche Betonung ihres Namens (auf der zweiten Silbe) aufgegeben, und so wäre es nur konsequent, wenn wir uns aus Gründen der Höflichkeit so nennen, wie andere uns nennen – während wir selbst natürlich die anderen so nennen, wie sich selber nennen. (Als Maxime formuliert, läuft es auf Russells Paradox hinaus.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2016 um 12.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33099

Wenn man den Migrationshintergrund nicht erwähnen will, genügt es auch, von einer Messerstecherei zu berichten. Deutsche Männer tragen höchstens ein Taschenmesserchen bei sich, manche meiner Freunde auch ein Schweizer Messer, das für alles mögliche geeignet ist, nur nicht für die Hauptsache. In Nürnberg hat die Polizei gerade einen Türken, der mit einer Kurdendemo aneinandergeraten war, mit auf die Wache genommen und erst dort festgestellt, daß er ein Messer in den Rücken bekommen hatte.
Ich benutze immer noch ein Taschenmesser, das ich vor 40 Jahren dem Piloten einer zweimotorigen Maschine geben mußte, bevor er von Jaipur nach Jodhpur flog. Ein freundlicher Mensch, der am Ziel aus seiner Maschine kraxelte und mir das unansehnliche Dinge zurückgab. Dasselbe Messer konfiszierte 30 Jahre später ein Beamter der Pariser Conciergerie, durch die man ja hindurch muß, wenn man die Sainte Chapelle besichtigen will. Es wurde mit einem Schildchen beklebt, in ein Buch eingetragen und mir später wieder ausgehändigt. Das nächstemal gehe ich natürlich unbewaffnet.
Mal im Ernst: Warum werden die vielen echten Männer auf deutschem Boden nicht von ihren illegalen Waffen befreit? Viel Blutvergießen hätte verhindert werden können. Integration sollte mit dem Ablegen von Waffen beginnen. Das ist erfahrungsgemäß wichtiger, als ausländischen Frauen auf die Pelle zu rücken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2016 um 07.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33093

Der Ausdruck schwarzer Humor scheint noch nicht überarbeitet worden zu sein. Die jüngsten Vorfälle in Berlin (böse Scherze in E-Mails von Flüchtlingsbetreuern) legen nahe, von "maximal pigmentiertem Humor" zu sprechen; auch "nicht-weißer Humor" kommt in Betracht.

Zum besser Verständnis sollte man auch Swifts Vorschläge zur Armutsdiskussion heranziehen: Schlachten und Verspeisen der nahrhaften armen Kinder.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.08.2016 um 08.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33030

Unsere Badebekleidung wird nicht an jedem Strand der Welt gelassen gesehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2016 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33028

Ich finde, Sie gehen zu weit. Man muß auch bedenken, daß man sich mit unserer europäischen Kleidung heute überall auf der Welt sehen lassen kann, und das verzerrt unser Urteil, wir halten sie sozusagen für den Normalfall und Maßstab menschlicher Körperbedeckung. Den Rest der Welt sehen wir uns gern in hübschen Fotobüchern an.

Die Modefotografie zeigt, was zwischen vollständiger Verhüllung und vollständiger Nacktheit des weiblichen Körpers möglich ist. Wir Philosophen sollten das etwas gelassener und ironischer sehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.08.2016 um 23.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33027

Kann man den Niqab überhaupt als Kleidungsstück betrachten? Ich meine, es handelt sich um eine Vermummung, nicht um Kleidung. Das hat für mich auch nichts Exotisches. Und eine Vermummung ist letztlich auch nicht harmlos, im Grunde ist es eine grobe Unhöflichkeit, zumindest hier in unseren Breiten. Soll man sich als Gast in einem fremden Land nicht den Sitten und Gebräuchen des Gastlandes anpassen? Wie benimmt sich ein Gentleman eigentlich angesichts(!) einer groben Unhöflichkeit? So zu tun, als bemerke man die Vermummung nicht, wäre unglaubhaft. Unhöflichkeiten sind noch keine Beleidigungen, man muß sie nicht gleich mit Bußgeld belegen, nein, aber man könnte sein Gegenüber schon irgendwie wissen lassen, daß man die Unhöflichkeit als solche erkannt hat und bewertet. Ich glaube, im alten Europa haben wir uns dafür eine falsche Scheu zugelegt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2016 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33024

Ein Gentleman bemerkt so etwas gar nicht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.08.2016 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33023

»Ist Ihnen nicht etwas kühl?« dürfte man doch wohl fragen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 05.08.2016 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33022

Ich würde wohl auch im Wartezimmer keine fremde Frau auf ihre Kleidung ansprechen. Aber ist das grundsätzlich gut?

https://virchblog.wordpress.com/2014/07/21/korrekt-verklemmt/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2016 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33018

Lieber Herr Riemer, ausnahmsweise bin ich anderer Meinung als Sie. "Dann ist das eben so." Also: wir haben es nun mal beschlossen, jetzt setzen wir es auch durch und melden jeden, der dagegen verstößt, bei der Polizei. Wenn eine Mehrheit etwas beschlossen hat und dann auch durchsetzen will – nur zu! Aber ohne mich. Ich würde niemanden anzeigen, von dem ich wüßte, daß er den Rundfunkbeitrag nicht bezahlt, obwohl "wir es so beschlossen haben". Ich bin kein Hilfssheriff. Ich habe mir mal eine Nachbarin vorgeknöpft, die jeden Morgen ihren Hund vor meine Gartentür kacken ließ, und ich hätte sie angezeigt, wenn sie nicht einsichtig geworden wäre. Aber eine exotische Frauenkleidung? Ich finde sie kurios, aber sie schadet niemandem.
Ein Vermummungsverbot kann unter gewissen Bedingungen sinnvoll sein, aber "häßliche" Kleidung muß man hinnehmen, und die Religionszugehörigkeit als Zurückweisungsgrund wäre verfassungswidrig. Man umgeht es durch Kleidungsvorschriften, aber ehrlich ist das nicht. (Vgl.: Kirchtürme ja, Minarette nein)

Die "Personen" sollten lieber aufpassen, daß keine Terroristennester entstehen, als Frauen wegen ihrer Tracht zu schikanieren.

Ich würde im Wartezimmer keine fremde Frau wegen ihrer Kleidung ansprechen, auch nicht, wenn sie oben ohne dasäße. Zu einem Grenzfall s. hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#28374

Was München betrifft, so habe ich ja schon an die reichen Damen erinnert, die vollverschleiert in der Maximilianstraße shoppen; da wird sich zeigen, ob die Intoleranz auch das gute Geschäft einschließt. (Im Großen unser Öl- und Rüstungshandel mit den Saudis usw.)
Wie viele verschleierte Frauen gibt es in Deutschland? Weniger als ein Promille wahrscheinlich. In Erlangen sieht man tagelang keine einzige. Lassen wir doch die Kirche im Dorf! (Mißlungene Metapher)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.08.2016 um 23.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33017

Ja, der Denunziant, der "größte Lump im ganzen Land", das war z. B. in der DDR und in der Hitlerdiktatur eine berechtigte Bezeichnung für jemanden, der aus niedrigen Beweggründen und zum eigenen Vorteil andere bei der Obrigkeit anschwärzte. Aber in der Schweiz? Im Tessin wurde in einer demokratischen Abstimmung fast mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, die Vollverschleierung in der Öffentlichkeit zu verbieten. Wenn nun die Menschen dort mit großer Mehrheit sagen, wir sehen in der Verschleierung eine Gefahr für unsere Kultur, wir wollen uns mit einem Verbot dagegen schützen, Vollverschleiherung ist bei uns unerwünscht, dann ist das eben so, und jeder, der einen Verstoß dagegen anzeigt, handelt im Interesses des Volkes. Darauf haben sich Touristen ganz einfach einzustellen. Unter Denunziation verstehe ich etwas anderes.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.08.2016 um 22.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33016

Ich erinnere mich gerade, daß ich hier (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#28363) schon mal für "Vermummung in der Öffentlichkeit ist verboten" eingetreten bin.

Vielleicht ist jetzt ein Verbot noch nicht notwendig, solange man anderweitig dafür Sorge trägt, daß die Zahlen nicht weiter ins Unerträgliche ansteigen.

Als ich kürzlich wieder einmal in München war (genau in der Woche des Amoklaufs), war ich ziemlich erschrocken über die große Anzahl (d.h. relativ viel größere als früher) von schwarz vermummten Frauen überall in der Stadt (außer am Isarufer, versteht sich). Es gibt Mitmenschen, die das als "bunte Kultur" ansehen, die müssen wohl farbenblind sein. Fast noch lustig anzusehen war, wie im Englischen Garten eine Frau ab und zu ihren schwarzen Vorhang leicht anhob, um an einem Eis zu lecken.

Einmal habe ich bei einem Arztbesuch in meinem Wohnort ganz allein mit einer schwarz vermummten Frau im Wartezimmer eines Arztes gesessen. Ich hätte gern mit ihr darüber gesprochen, wie sie sich selbst unter dieser Maskerade fühlt usw. wie sie selbst auf ihre Mitmenschen zu wirken glaubt, aber ich habe dabei festgestellt, wie schwer es ist, mit jemandem zu sprechen, dessen Augen man nicht einmal sehen kann. Letztlich habe ich auch befürchtet, daß gerade mittendrin der Aufruf ins Arztzimmer einen von uns beiden unterbrechen würde, und verschiedene andere Gründe, also hab ich's leider gelassen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.08.2016 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33014

Sprachlich interessant ist nicht nur, daß die Frau "gebüsst wird", wie es hier steht, sondern auch der Satz
Mit einem blauen Niqab bekleidet, ging die Schweizerin begleitet vom algerischen Unternehmer Rachid Nekkaz zum Sitz der Stadtpolizei, wo Illi die erste Busse aufgrund des neuen Gesetzes erhielt. (www.handelszeitung.ch)

Sie "erhielt" also eine Buße, was bedeutet, daß sie zahlen mußte.

Was mich sonst noch interessieren würde, sie ging also sogar mit dem Niqab bekleidet zur Polizei, zahlte, und dann? Wie ging sie wieder weg? Es steht nicht da, aber ich habe den Verdacht, genauso.

Wenn ich zweimal hintereinander beim Zuschnellfahren erwischt werde (über 25 km/h), dann ist weder nur einmal noch zweimal Zahlen, dann bin ich meinen Führerschein los.

Ich finde ein Niqab-Verbot auch nicht richtig. Aber andererseits hat das häßliche Stück auch nichts mit normaler Kleidung zu tun. Ich möchte auch nicht in einem Land leben, wo ein großer Teil Frauen damit herumlaufen muß. Das kann nur heißen, wir wollen tolerant gegenüber hier lebenden Muslimen und gegenüber muslimischen Touristen sein, aber wir sorgen für eine strikte Einwanderungsbeschränkung für weitere Muslime.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2016 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33011

Im Tessin ist eine Frau aus Kuwait am vergangenen Wochenende gebüsst worden, weil sie gegen das Verhüllungsverbot verstossen hat, das seit dem 1. Juli in Kraft ist.
Die Frau aus Kuwait sei in Chiasso mit einer Busse von 100 Franken belegt worden, weil sie den Gesichtsschleier Niqab trug, sagte der Kommandant der Gemeindepolizei von Chiasso Nicolas Poncini dem Radio RSI.
Die Polizeikräfte seien von Personen an einem öffentlichen Ort auf die Frau aufmerksam gemacht worden – in Anwesenheit dieser Personen sei dann die Strafe ausgesprochen worden. Es handelt sich um den ersten Fall, bei dem eine Ausländerin wegen des Tragens eines Gesichtsschleiers im Tessin gebüsst wird.


(http://www.srf.ch/news/schweiz/verhuellte-frau-muss-in-chiasso-busse-zahlen)

In einem solchen Land möchte ich nicht leben. Was sind das für "Personen", die eine Ausländerin anzeigen, weil ihnen deren Kleidung nicht gefällt? Noch werden Denunzianten nicht belohnt, aber immerhin durften sie zusehen, wie das Weib gebüsst wurde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2016 um 07.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32965

An den Diversity-Umerziehungsprogrammen verdienen so viele, daß sie bleiben werden, auch wenn ihre Wirkungslosigkeit nachgewiesen ist. „Diese Branche ist einflussreich und gut vernetzt, im Privatsektor, in den Universitäten, in der Regierung.“ (FAS 31.7.16)

Der Beitrag zeigt, daß amerikanische Unternehmen, um teuren Klagen aus dem Weg zu gehen, vorsorglich viel Geld in Diversity-Training stecken, auch wenn es wirkungslos oder sogar kontraproduktiv ist, weil die Teilnehmer den Zwang enpfinden und unterlaufen. Man lernt dort vor allem, anders zu sprechen, als man denkt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2016 um 10.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32827

Die FAZ erinnert an Versuche, eine "afrikanische Philosophie" zu ermitteln. Ein weites Feld, über das der Wikipedia-Eintrag (aus dem englischen Original) angemessen skeptisch berichtet.
Aber was haben altägyptische Weisheitssprüche mit dem "Schwarzen Kontinent" zu tun, was der Mittelmeerraum der Antike samt Augustinus mit dem subsaharischen Afrika? In den Bantusprachen soll eine Philosophie enthalten sein? Wahrscheinlich wegen der Nominalklassifikation, aber daraus wird nichts! (Vgl. unser Drei-Genus-System.)
Das Ganze wirkt krampfhaft wie die "Négritude". Man sollte den Beitrag afrikanischer Philosophen ohne solche Pauschalisierung würdigen und dabei die Herkunft oder den Wohnsitz nicht zu hoch bewerten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2016 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32814

Reisende Agitatoren (Ashkan Khorasani, Isen Asanovski), die sich in verschiedenen Städten zu Sprechern von „Refugees“ machen, wissen, daß der deutsche Staat nachgibt, wenn man ihm die Zähne zeigt. Kirche, Antifa usw. helfen gern, aber auch die Presse zeigt viel Sympathie, vielleicht auch deshalb, weil sie gern einen interviewbaren Ansprechpartner hat. Vgl. etwa http://www.sueddeutsche.de/bayern/regensburg-wenn-wir-abgeschoben-werden-sind-wir-tot-1.3065781-2
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2016 um 13.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32805

Die FAS weist nach, daß die ausländerfeindlichen Brandstifter und Gewalttäter keineswegs "aus der Mitte der Gesellschaft" kommen, wie von allen Seiten behauptet wird, sondern meistens in der Neonazi-Szene längst bekannt waren. In diesem Zusammenhang zitiert sie, wenn auch nicht korrekt, einen Text, der als "Deutsches Manifest" umgeht: Deutsch zu fühlen und deutsch zu glauben kann man nicht bannen, kann man nicht rauben. Es ist auf Erden unser höchstes Gut. Verschworenes Volk, gebunden durch Blut. Sämtliche Strophen findet man im Internet. Weiß jemand zufällig, wer dieses schauderhafte Machwerk verfaßt hat?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2016 um 06.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32756

Wenn ein Fußballer gut Fußball spielt, erwarten wir von ihm nicht, daß er die sprachkritische Diskussion der letzten Jahrzehnte und die Beseitigung gewisser Wörter aus der öffentlichen Sprache im Kopf hat.

Die Sprachreiniger haben ja auch das Ergebnis der Untersuchung ("gegebenenfalls") gar nicht abgewartet.

Mit der Unwortkritik ist es ja wie mit der Hexenverfolgung: Schon daß man Verdacht schöpfen kann, ist Beweis der Schuld, da kommt man nicht mehr heraus.
 
 

Kommentar von Georg Hilscher, verfaßt am 05.06.2016 um 00.50 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32754

"Kicke, Sportler, rede nicht!"
Womit muß denn einer sein Geld verdienen, damit er mit Journalisten reden darf?
Bemerkenswert ist doch, daß Boateng nur fordert, "alte Begriffe wie 'Negerkuss' oder 'Mohrenkopf' sollten auf Rassismus überprüft – und gegebenenfalls nicht mehr verwendet werden." Er schließt also noch nicht einmal aus, daß die beiden Wörter für unproblematisch befunden werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2016 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32748

Fussball-Weltmeister Jérôme Boateng findet, alte Begriffe wie “Negerkuss” oder “Mohrenkopf” sollten auf Rassismus überprüft – und gegebenenfalls nicht mehr verwendet werden. Der in Berlin geborene Boateng hat eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater.
“Wenn man es gleich zu Beginn ersticken kann, damit speziell die ganz Jungen kein falsches Gefühl in der Sprache bekommen, warum nicht?”, sagte Boateng der deutschen Ausgabe des Magazins “L’Officiel Hommes”. “Es geht ja darum, Respekt vor jedem Menschen zu haben.”
(focus.de 3.6.16)

Kicke, Sportler, rede nicht!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2016 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32718

Mit "Gauland" haben die Etablierten endlich ihr "Narrativ" gefunden, um die AfD kleinhalten zu können – aber ob das reicht? Immerhin ist sich bis in höchste Ränge niemand zu schade, schnell noch auf die Dampfwalze aufzuspringen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2016 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32701

Gauland beleidigt Boateng, schreit die FAS in ihrer Hauptschlagzeile. Was hat Gauland gesagt? "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“
Das heißt: Viele Menschen haben Vorurteile gegen Schwarze. Das beklagen auch die Wächter des Antirassismus. Die FAS berichtet weiter, wie beliebt der Fußballer bei den Nachbarn in Grünwald ist usw. - Gauland hatte aber gar nicht über Boateng gesprochen, sondern über viele Deutsche und über Schwarze (einen Boateng).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2016 um 09.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32691

Haben Sie ein Problem mit meinem Infinitiv oder mit der Suchmaschine?
 
 

Kommentar von Ph.D., verfaßt am 26.05.2016 um 02.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32679

Wie darf man „(bitte Google Bilder ansehen!)“ sprachlich einordnen? Ich frage mich gerade, wozu ich hier aufgefordert werde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2016 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32677

Zur Neubenennung indischer Städte: In der ZEIT berichtet Jan Ross, daß die "futuristischste Stadt Indiens", Gurgaon, keinen futuristischen neuen Namen bekommen habe, sondern einen aus dem Mahabharata: Gurugram. Nun, so abwegig ist das nicht, denn dies ist einfach die alte Bezeichnung, und die Resanskritisierung ist ja eine bekannte Tendenz im heutigen Indien. Es ist nun auch leichter zu sprechen als das schwierige "Gurgaon".

Übrigens war diese Millionenstadt (bitte Google Bilder ansehen!) vor 40 Jahren, als ich ganz in der Nähe wohnte, ein staubiges Kuhdorf. Bloß eine Autofabrik war jüngst auf dem reichlich vorhandenen freien Feld errichtet worden, wo Indira Gandhis Sohn Sanjay sich einen Herzenswunsch erfüllte und den "Maruti" bauen ließ, einen Fiat-Nachbau.
Die Entwicklung seither ist unfaßbar, wie überhaupt die Dynamik der Verstädterung (und dann gleich richtig!) in Ländern wie Indien und China.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2016 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32645

Am 9.5.16 berichtete die FAZ in einem umfangreichen Artikel über massenhafte Schikanierung von Christen durch Muslime in Flüchtlingsunterkünften. Der dpa-Bericht stützte sich auf Angaben von „Open Doors“, einer evangelikalen Gruppe, deren „Weltverfolgungsindex“ seit langem als unseriös bekannt war. Regina Mönch steuerte in derselben Ausgabe einen Kommentar bei, in dem sie die „verfehlte Flüchtlingspolitik“ für die entsetzlichen Zustände verantwortlich machte. Einen Tag später berichtete die FAZ sehr viel kleiner über eine Stellungnahme der beiden Kirchen, denen von solchen Übergriffen nichts bekannt war. An den folgenden zehn Tagen legte die FAZ in vielen Leserbriefen nach, die ausnahmslos auf der Linie von Open Doors lagen.
Inzwischen stellte die FAS eigene Recherchen an und fand keine Belege für die Behauptungen von Open Doors.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2016 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32628

Der Aussage „Menschen jüdischen Glaubens sind überheblich und geldgierig“ stimmen wesentlich mehr muslimische Jugendliche (15,7 Prozent der Schüler, 9,4 Prozent der Studenten) als nichtmuslimische Jugendliche (5,4 Prozent und 4,9 Prozent) zu. (Stadt der Vielfalt, hg. vom Berliner Senat)

Hat die Studie wirklich nach "Menschen jüdischen Glaubens" gefragt? Antisemiten gebrauchen gerade nicht diese Diktion. Die politische Korrektheit der Forscher sollte nicht in ihre Fragebögen überschwappen.

Übrigens:

Als Stadt von internationalem Rang existiert Berlin nur Dank (!) der Zuwanderung von Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, Nationalität und Religion. (ebd., http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb-integration-migration/publikationen/minderheiten/stadt_der_vielfalt_bf.pdf?start&ts=1442503243&file=stadt_der_vielfalt_bf.pdf)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2016 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32538

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27303

Wenn Stefanowitsch über böse Wörter sprechen muß, schickt er für empfindsame Leser folgendes voraus:

"[Hinweis: Der folgende Text enthält Beispiele rassistischer Sprache]."

Unter Sprachwissenschaftlern genügt es eigentlich, besprochene von verwendeten Ausdrücken durch Kursivdruck zu unterscheiden. Nur die ganz Korrekten können nicht einmal die Anführung ertragen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2016 um 14.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32404

Wäre Wilhelm Buschs "Mohrenträne" bekannter, hätte sie sich bestimmt schon den Zorn der Korrekten zugezogen. So aber ruht sie ungestört in den gesammelten Werken, und auch der Mohr selbst bleibt oftgebleut statt oft gebläut.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 14.04.2016 um 17.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32278

Schon die Erwähnung Israels könnte die Frage provozieren: Warum Israel, warum nicht XY?
Leider bleibt es nicht beim Konjunktiv. Sobald jemand die Politik Israels kritisiert, kommt mit einiger Regelmäßigkeit von einschlägigen Kreisen der Vorwurf, sich zwanghaft monomanisch mit Israel oder dem Nahostkonflikt zu befassen. Ein etwas skurriler Vorwurf von Leuten, die sich zwanghaft monomanisch mit Israel und dem Nahostkonflikt befassen. Das ist aber schon nicht mehr pc. Es dürfte viel mit Schuldkomplexen und Projektionsflächen zu tun haben, wenn manche Leute geradezu paranoid meinen, ständig "die Juden und ihren Staat" gegen vermeintliche antisemitische Angriffe verteidigen zu müssen.
(Bei Leuten wie Chomsky oder auch Abi Melzer wird das natürlich kompliziert. Da hilft nur ignorieren oder "jüdischen Selbsthaß" zu konstatieren.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2016 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32268

In der ZEIT wird wieder mal der versteckte Antisemitismus in der Israel-Kritik aufgedeckt, besonders am Beispiel der Süddeutschen Zeitung. Schwarz-Friesel bringt sich natürlich auch in Erinnerung.

Man muß schon ein sehr geübter Sprachkünstler sein, um Israel zu kritisieren, ohne daß die Spürhunde und -hündinnen etwas Antisemitisches entdecken; eigentlich ist es wohl ganz unmöglich. Schon die Erwähnung Israels könnte die Frage provozieren: Warum Israel, warum nicht XY?

Zum Glück nicht mein Thema, außer eben im Sinne von PC.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2016 um 08.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32134

Ein Halleluja für den Schweinsbraten (Restaurant-Kritik der FAZ 1.4.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2016 um 06.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#32131

Kertész kam am 9. November 1929 in Budapest zur Welt. Er wuchs in einer assimilierten Familie des ungarischen Bürgertums auf. (welt.de 31.3.16)
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 17.03.2016 um 20.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31989

Habe lange geschwankt, meinen Fehler in #31937 noch an den Pranger zu stellen oder meinen Dank zu unterlassen, mich dann aber zugunsten des wissenschaftlichen Interesses entschieden.
Ich danke also der Redaktion für die stillschweigende Korrektur der Fehlschreibung. Beim späteren (aber eben zu späten) Nachlesen eckte mir dann auch an, daß patria sermo (so die ursprüngliche Fassung) natürlich überhaupt keinen Sinn ergibt und auch niemals Nominativ von patrii sermonis sein kann. Aber bei dem Stakkato von a-Nominativen drängte sich einfach die patria hinein, die es ja nicht nur gibt, sondern die auch vielfach häufiger ist als das Adjektiv patrius.
Solche Lapsus muß man eben auch bei der Interpretation alter Handschriften berücksichtigen.
––
Der Wikipedia-Artikel zu Deutsche_Sprache enthält übrigens einigen Unsinn. Nicht zu empfehlen (jedenfalls, was die Frühzeit betrifft).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2016 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31948

Das sehe ich natürlich ebenso.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 13.03.2016 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31947

Gewiß ist es nicht verboten, von einer Frau nichts anzunehmen oder sich nicht von Ärzten des anderen Geschlechts anfassen zu lassen. Jedermann hat das Recht auf Verzicht. Wer jedoch als Gast verlangt, ausschließlich von Männern oder nur von Ärzten des eigenen Geschlechts versorgt zu werden, stellt Forderungen, die je nach Gastland sehr wohl als unverschämt gelten können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2016 um 17.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31941

(Lieber Herr Strowitzki, ich wollte Ihre wertvollen Ausführungen nicht "zudecken", habe sie mir auch gleich runterkopiert. Aber so ist das hier eben: ein Eintrag "jagt den nächsten"...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2016 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31940

Man ist ja immer dankbar, wenn man etwas Konkretes darüber erfährt, worin die deutschen "Werte" eigentlich bestehen. Es muß ja etwas unterhalb (oder oberhalb) der Gesetze sein.
Flüchtlinge müssen sich integrieren und die deutsche Werteordnung anerkennen – das hat Angela Merkel zum Abschluss des Landtagswahlkampfs bekräftigt. (Spiegel online 13.3.16)
Wenn es mit dem Schweinefleisch nicht weitergeht, dann vielleicht so:
Außerdem betonte Merkel, dass sich Flüchtlinge an die deutsche Werteordnung halten müssten: "Wenn jemand meint, man muss von einer Frau nichts annehmen, dann ist man einfach im falschen Land."
Das wäre wieder mal ein Beispiel, wenn auch wieder so marginal, daß man sich wundert, warum es eigens erwähnt wird. Was soll man davon halten?
Es ist ein bißchen neurotisch, aber nicht verboten, von einer Frau nichts anzunehmen. Kranke brauchen sich nicht unbedingt von Ärzten des anderen Geschlechts anfassen zu lassen. Ich kenne biodeutsche Mitbürger, die da auch gewisse Vorbehalte haben. Wir hatten das schon so ähnlich mit dem Händeschütteln. Es sind Adiaphora, unterhalb von Recht und Moral – eben "Sitten und Gebräuche" und damit nicht verbindlich. Das ist doch auch ein erhaltenswerter Bereich und der eigentliche "Wert", daß es so etwas noch gibt.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 12.03.2016 um 14.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31937

(Man kommt ja erst am Wochenende zu etwas...)
Der Sturz Tassilos III. war ein veritabler Staatsstreich. Zur reinen Absetzung waren König und/oder Reichstag vielleicht noch berechtigt, aber daß kein neuer Herzog eingesetzt wurde (etwa Tassilos Sohn Theodo), sondern das Land fortan von fränkischen Grafen verwaltet wurde – Einhard schreibt ausdrücklich: neque (Tassilo) redire permissus, neque provincia, que tenebat, ulterius duci sed comitibus ad regendum comissa est (Vita Caroli magni, c.11) –, war ein klarer und eklatanter Verfassungsbruch!
Immerhin wurde unmittelbar nach Karls Tode sein Enkel Lothar, drei Jahre später von dessen jüngerem Bruder Ludwig abgelöst, zum Unterkönig in Bayern ernannt. Außer der Versorgung des Nachwuchses (so Zatschek) oder der besonderen Bedeutung der Grenzsicherung gegen die Awaren und Slawen (so Klebel) hatte man vielleicht auch etwas gutzumachen.
(Die Titulatur eis tov rêga Baiourê fand sogar Eingang in das Zeremonienbuch des Kaisers Konstantinos Porphyrogennetos.)
Besonders interessant, und damit sind wir schon wieder direkt bei der Sprachforschung, ist, daß dabei (vom Vorläufer bei der Synode zu Chelsea abgesehen) erstmals der Ausdruck "deutsche Sprache" benutzt wurde.
Zur Erläuterung für diejenigen, die nicht so in diesem Themenbereich drinstecken: Auf dem Reichstage zu Ingelheim anno 788 wurde Tassilo überraschend verhaftet (auch das wohl schon ein ziemlicher Rechtsbruch) und wegen eines schon 25 Jahre zurückliegenden Ereignisses unter Anklage gestellt. Er hatte sich mit seinem bairischen Kontingent bei einem Kriegszuge gegen die Langobarden aus dem Staube gemacht. (Die Baiernherzoge unterhielten traditionell gute Beziehungen zu den Langobarden, heute nennt man sowas Nebenaußenpolitik.) Dieser Vorfall wurde nun aus der Mottenkiste geholt und als ein todeswürdiges Verbrechen dargestellt, quod theodisca lingua harisliz dicitur, so zumindest die "kleinen Lorscher Annalen" (der zweite Teil wohl zu schleißen, harisliz also etwa soviel wie "Heeresspaltung", oder moderner vielleicht "Wehrkraftzersetzung"). Den Chefankläger machte Bischof Arn von Salzburg (der später zum Erzbischof und damit Primas von Baiern avancierte).
Die große Frage lautet nun: Wie kam der Annalist auf dieses merkwürdige Wort und was genau meinte er damit? Natürlich sind dazu schon Berge von Literatur produziert worden (ausführlich insbesondere Eugen Rosenstock: Unser Volksname Deutsch und die Aufhebung des Herzogtums Bayern, Mitteilungen der schlesischen Gesellschaft für Volkskunde 29, 1928). V.a. das national (= völkisch = deutsch = theudisc) ausgerichtete Geschichtsdenken sieht darin ein Erwachen des Volksbewußtseins, das staatlich gefördert und propagiert wurde. Leo Weisgerber: Das politische Wollen der Karlinger war geradezu angewiesen auf einen Begriff, der die sprachliche Einheit dieses Raumes klar hervorhob. (...) ein Wort, das nicht an einen bestimmten Stamm, eine Teillandschaft gebunden war und doch deutlich genug das "Deutsche" faßte, das als Ziel vorschwebte. (...) Es war dazu bestimmt, eine wesentliche Rolle bei der Festigung des über die Einzelstämme hinausgreifenden Volksbewußtseins zu spielen. (Deutsch als Volksname, S. 81). Hans Eggers schreibt, der Ausdruck wurde zum Programm- und Fahnenwort der deutschen Politik des großen Herrschers. Er war sich und seiner Getreuen Herkunft aus germanischem Stamme mit Stolz bewußt, und wenn er die Abfassung einer deutschen Grammatik forderte (...) und die Sammlung der germanischen Heldenlieder veranlaßte (...), so war er gewiß nicht so engherzig, dabei nur an eine fränkische Grammatik oder Sammlung fränkischer Lieder zu denken. Ihm lag es vielmehr am Herzen, zu bewahren, zu pflegen und auszubauen, was theotisce überliefert war. (Deutsche Sprachgeschichte 1, S. 46f).
Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache.
Der Ausdruck harisliz geistert in der Folgezeit durch die Gesetzestexte, quasi als nachträgliche Legitimation des Coups von Ingelheim. 801 wird in Italien eine Urkunde ausgestellt. In Abschnitt 3 heißt es quod nos teudisca lingua dicimus herisliz (mit i-Umlaut; die Schreibweise variiert in den Handschriften sehr stark bis hin zu völlig mißverstandenem erit lex). In 810 in Aachen ausgestellten Capitularen heißt es schlicht Herisliz qui factum habent und De his qui herisliz fecerunt. Im folgenden Jahre heißt es in einer in Boulogne ausgestellten Urkunde sogar quod factum Franci herisliz dicunt (eine andere Handschrift: Franci et Alamanni).
Schon dieser sparsame Gebrauch sollte stutzig machen. Wir haben aber auch einen Parallelbericht zu den Ereignissen. In den offiziösen Reichsannalen (annali regum Francorum oder "Große Lorscher Annalen") werden Tassilo wüste Vorwürfe gemacht, er habe verräterisch mit den "Hunnen" (gemeint sind die Awaren) konspiriert und sie zu Einfällen ins Frankenreich aufgestachelt. Von "harisliz" und "lingua theudisca" aber keine Spur.
Schlimmer noch: Bei dem großen Hofpropagandisten Einhard (möglicherweise war er auch an der Abfassung der Reichsannalen beteiligt) taucht der Ausdruck überhaupt nicht auf. Hätten wir nur ihn als Quelle, wüßten wir überhaupt nicht, daß ein solches Wort existierte. (Ähnliches gilt auch für Paulus Diaconus, dem das Wort ebenfalls nicht aus der Feder kommt.) Besonders kraß das auch von Eggers paraphrasierte Zitat, im Original: Itam barbara et antiquissima carmina, quibus veterum regum actus et bella canebantur, scripsit memoriaque mandavit. Inchoavit et grammatica patrii sermonis. Mensibus etiam iuxta propriam linguam vocabula imposuit, cum ante id temporis apud Francos partim latinis partim barbaris nominibus pronuntiarentur. (vita Caroli magni, c.29)
Viermal hintereinander schreit der Text geradezu danach, das Wort theudiscus zu propagieren – und was schreibt Einhard? barbara carmina, patrius sermo, propria lingua, barbara nomina – drei verschiedene Ausdrücke, die nicht das geringste vom angeblichen "Fahnenwort" ahnen lassen. Man hat geradezu den Eindruck, Einhard wolle die vielfältigen Möglichkeiten vorführen, gute klassisch-lateinische Ausdrücke zu benutzen, um das böse th-Wort zu vermeiden. Einhard ist kein Deutscher, er ist großfränkischer Nationalist. (apud Francos schreibt er; die anderen Stämme interessieren ihn nicht.)
Nix ist mit dem "Programm- und Fahnenwort". Viel eher handelt es sich um ein tagespolitisches Schlagwort, das gewählt wurde, um die dürftige Rechtsgrundlage des Staatsstreichs zu übertünchen. Ein Bezug auf "Fränkische Sprache" verbot sich natürlich; "Bairische Sprache" hieße, daß es eine interne Angelegenheit der Baiern wäre. Also greift man zur "gemeinsamen Sprache", um ein gemeinsames Rechtsverständnis zu suggerieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2016 um 09.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31921

Natürlich sollte jeder essen können und dürfen, was er will. Eine Schwierigkeit sehe ich nur darin, daß nicht jedes Unternehmen alles anbieten kann und will und daß es schwer sein dürfte, hier einen Zwang einzuführen. Wir haben schon gesehen, daß Unternehmen dazu neigen, Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Lieber politisch korrekt anpassen, reformiert schreiben, gendern usw.; Hitler-Kaffeetassen zurückrufen... Jetzt wägen die Caterer ab, ob sie eher eingeworfene Fensterscheiben riskieren, wenn sie Schweinefleisch liefern oder wenn sie keins liefern. Das ist eine rein geschäftliche Entscheidung.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 11.03.2016 um 08.54 Uhr  
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Na und? Niemand wird gezwungen, neuseeländisches Lammfleisch zu kaufen, das meiner Erfahrung nach ohnehin nicht besonders gut ist. Wenn ich gute Qualität haben möchte, wende ich mich an einen der Schäfer im ländlichen Umland, und wenn ich Spitzenqualität wünsche, bestelle ich das Lammfleisch eben in Nordfriesland.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.03.2016 um 22.40 Uhr  
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Noch ist nicht alles halal, aber wer in Deutschland neuseeländisches Lammfleisch kauft, bezahlt in der Regel auch dafür, daß während des Schächtens Allah angerufen worden ist.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 10.03.2016 um 19.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31916

Mit dem Verzicht auf Schweinefleisch ist es ja nicht getan, denn das sonstige Fleisch ist ja auch nicht „halal“.

Noch zum „deutschen Kulturgut“:

Laut FAZ hat der Gemeinderat eines dänischen Ortes für Schweinefleisch in Kindergärten gestimmt, „um ein Zeichen zur Bewahrung der dänischen Esskultur zu setzen“.

Mitte letzten Jahres hat der Bürgermeister von Perpignan angekündigt, daß in den Schulen keine Ersatzmenus für Schweinefleisch mehr geben werde. Die Schüler haben nun nur die Wahl zwischen einem „normalen“ und einem vegetarischen Menu. Der Pferdefuß dabei ist, daß sich die Schüler „aus logistischen Gründen“ während eines längeren Zeitraums von mindestens acht Wochen für eines der beiden Menus entscheiden müssen.

Der Bürgermeister hat seine Entscheidung u.a. damit begründet, daß manche Schüler häufig auch anderes Fleisch, weil nicht halal, ablehnten. Wöchentlich habe man 300 kg Fleisch wegwerfen müssen.

Vorher schon hatte der Bürgermeister von Chalons-sur-Saône unter Berufung auf die „laicité“ die Abschaffung der Ersatzmenus angekündigt.

Im übrigen ist es vielleicht nützlich, den Antrag der CDU in Schleswig-Holstein mit dem zu vergleichen, was politische Gegner und einige Medien daraus gemacht haben:

[i]Die Landesregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Schweinefleisch auch weiterhin im Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibt. Oberstes Ziel muss eine gesunde und ausgewogene Ernährung sein.[i/]

[i]Der Minderheitenschutz – auch aus religiösen Gründen - darf nicht dazu führen, dass eine Mehrheit aus falsch verstandener Rücksichtnahme in ihrer freien Entscheidung überstimmt wird. Toleranz bedeutet in einer pluralistischen Gesellschaft auch die Anerkennung und Duldung anderer Esskulturen und Lebensweisen.[i/]
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.03.2016 um 17.37 Uhr  
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Zitate aus "Die Baiuvaren", Archäologie und Geschichte, 2013: "Hinweise auf die Einwanderung einer geschlossenen Volksgruppe in dieser Zeit sind weder auf historischem noch auf archäologischem Weg zu gewinnen. Die Baiuvaren waren in ethnischer und kultureller Hinsicht eine bunte Mischung, heute würde man wohl "multikulti" sagen. Der germanische Name wurde von außen gegeben. Die politische Situation macht verständlich, warum die Franken um die Mitte des 6. Jahrhunderts ein Herrschergeschlecht in Baiern geradezu etablieren mußten, um dort ihre Machtposition zu stärken. Von den Franken wird der erste Baiuvarenherzog eingesetzt. Sein Name war Garibald, und er entstammte dem engsten Umfeld des Frankenkönigs. Bei der fränkischen Königsfamilie handelte es sich damals um die Merowinger, die seit dem 5. Jahrhundert die fränkischen Könige stellten. Garibald wird von einem ersten Tassilo abgelöst, der nur vielleicht sein Sohn, aber sicher ein Agilolfinger war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2016 um 07.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31903

Vor einiger Zeit berichtete die Süddeutsche Zeitung über ein Beleidigungs-Verfahren wg. Neger.
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/dachau-warum-man-nicht-neger-sagen-sollte-1.2867567

Der Text zeigt wieder einmal die ziemlich verworrene Lage. Auszug:

Der Verteidiger des Betriebsleiters berief sich darauf, dass es "verschiedene bayerische Ausdrücke" gebe, in denen das Wort "Neger" vorkomme. Gleichwohl hätten diese, insbesondere in Niederbayern, einen anderen "Bedeutungssinn als ganz bestimmte afrikanische Personen."
Die Vorsitzende Richterin am Landgericht München betonte allerdings, dass heute jeder wisse, dass der umstrittene Begriff anders als noch in den 1950er Jahren eine negative Bedeutung habe. Eine Beleidigung liege auch dann vor, wenn man sich über die Worte, die man gebraucht, keine Gedanken mache, so die Richterin. In diesem Fall nehme man in Kauf, andere möglicherweise zu beleidigen. Dennoch liege die Schuld des Angeklagten "im alleruntersten Bereich".


Interessant ist, daß es nicht auf die beleidigende Absicht ankomme, sondern auf die subjektive Einschätzung des Beleidigten – eine Entwicklung, die man vor allem aus den USA kennt, wo jeder sich ständig "verletzt" fühlt. Eine Lüge hingegen kann nicht ohne Willen und Wissen des Lügenden stattfinden.

Auch sind die 1950er Jahre eine sehr großzügige Schätzung, in Wirklichkeit war die neutrale Verwendung auch um 1980 noch möglich. Das ging dann alles sehr schnell.

(Im vorliegenden Fall kommt noch die Komplikation hinzu, daß jemandes Neger sein tatsächlich noch einmal einen anderen "Bedeutungssinn" hat.)
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 08.03.2016 um 20.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31902

Ach, warum sollten das die Bayern nicht gerne hören? Wir wissen es ja. Aber ich vermute zweierlei: Zum einen, den "bairischen Uradel" hat es möglicherweise gar nicht gegeben – aus den Gründen, die ich in meinem vorigen Beitrag genannt habe. Zum zweiten, es muß sich aber unter der Herrschaft der Agilolfinger (die sogar vielleicht Franken waren) und der anderen fünf Adelsgeschlechter so etwas wie ein bairisches Stammesbewußtsein entwickelt haben. Jedenfalls ein Stammesstolz (wie soll ich es sonst nennen?), der den Argwohn der damals mächtigen Franken erregte. Man denke nur daran, daß es die Franken waren (Karl der Große), die den letzten Stammesherzog der Agilolfinger, Tassilo III, entmachteten. Natürlich kann man sagen, daß das nur politisches Kalkül war und nichts mit irgendwelchen Stammeszugehörigkeiten zu tun hatte. Möglich. Doch könnte man hier auch einen Schritt weiter gehen. Wie wär's denn, wenn gerade diese schmachvolle Absetzung Tassilos letztlich auch im einfachen Volk zu einem Auslöser der Entwicklung eines neuen Stammesbewußtseins wurde?

Spaß: Es gibt in Bayern das Sprichwort "seit Karl dem Großen wird Bayern von Franken regiert". Na ja, wenn man sich in der Münchner Ministerialbürokratie umschaut, dann glaubt man das sowieso gern. Doch im Ernst müßte man fragen: Erst seit Karl dem Großen?
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 08.03.2016 um 19.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31901

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu, den die Bayern wohl nicht gerne hören. Der Name "Baiern", also Baioarii o.ä. kommt in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts auf, nachdem im Zwanzigjährigen Krieg, den Ostrom gegen das Westreich geführt hat, Ravenna die Kontrolle über die norischen Provinzen entglitten war. Lachender Dritter dieses Krieges waren die Franken, die von einer gallischen Regionalmacht zur europäischen Großmacht aufstiegen. Sie erhielten u.a. die Provence, besetzten weite Teile Oberitaliens und gewannen eben auch Einfluß in Noricum. Wir wissen nicht, woher das in der Lex Baiovaria ausdrücklich genannte Herzogsgeschlecht der Agilolfinger stammt (Bairischer Uradel wird es wohl nicht sein), aber das bairische Herzogtum entstand jedenfalls als fränkisches Protektorat.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.03.2016 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31887

Zitate aus "Die Anfänge Bayerns" 2012 von Hubert Fehr und Irmtraud Heitmeier: "Walchen"-Siedlungen im östlichen Alpenvorland, Salzburger Raum und in Nordtirol. Sprachlich sinnvoll sind Walchen-Namen nur aus der Perspektive von Nichtromanen zu erklären, die die Siedlungen der anderen, der Romanen, im Gegensatz zu eigenen Siedlungsgründungen benannten. Mit Walchen gebildete Siedlungsnamen gelten deshalb allgemein als sichere Merkzeichen des Mit- und Nebeneinanders einer noch ansässigen spätrömischen Bevölkerung und neu hinzugekommener germanischer gentes.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.03.2016 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31881

Was zu Ihren Überlegungen, Herr Achenbach, möglicherweise noch verstärkend hinzukommt (Hypothese von mir), das ist die Tatsache, daß das Land außerhalb der wenigen städtischen oder quasistädtischen Ansiedlungen sehr dünn besiedelt war. Es war fast menschenleer. So konnte eine wie auch immer geartete "Landnahme" durch germanische Einwanderer ohne weiteres stattfinden. Da mußten keine Grenzen geöffnet werden, zumal es ja dort zu dieser Zeit kein keltisch definiertes Herrschaftsgebiet gegeben hat. Das würde auch verständlich machen, weshalb sowohl das Keltisch der Urbevölkerung, als auch das Vulgärlatein der römischen Zurückgebliebenen vollständig durch eine germanische Sprache ersetzt worden sind.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß die Namen der Flüsse im südlichen Bayern fast ausnahmslos keltischen Ursprungs sind (Isar, Isen, Prien usw. und sogar der Inn, der dann allerdings von den Römern latinisiert worden ist), während die ältesten Siedlungsnamen auf dem Land (nicht die der Städte) alle germanisch sind. So z. B. alle Ortsnamen auf -ing, -reuth, -loh.
Wie gesagt, das sind meine eigenen Überlegungen. Doch ich meine, sie stehen nicht im Widerspruch zur aktuellen Forschung.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.03.2016 um 18.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31880

Lieber Germanist,

offenbar sind die bedauernswerten Kelten und Romanen dann „überfremdet“ worden. Dabei haben sie doch so großherzig die Grenze geöffnet und den vor Hunnen, Slawen oder wen auch immer flüchtenden Germanen Asyl gewährt.

Vielleicht waren sie zu rational, um „Überfremdungsängste“ zu hegen. Schließlich sind, wie wir alle wissen, „Überfremdungsängste“ per definitionem „irrational“.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.03.2016 um 14.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31868

Nach den aktuellen archäologischen Forschungsergebnissen sind die Bajuwaren ein Mischvolk aus ortsansässigen Kelten und nach dem Abzug der römischen Soldaten dagebliebenen Romanen, die von den Römern als Verwaltungsfachleute angesiedelt worden waren. Germanen sind erst später eingewandert.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.03.2016 um 13.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31867

noch mal zu "rassistisch", #31829 ff:

Dann haben also die Wörter Rassismus, Rassist, rassistisch nach heutigem Gebrauch gar keine Bedeutung mehr, außer daß sie Schimpfwörter sind?

Genau das wollte mit dem Zitat sagen. Das ist leider das Niveau der Zeitung.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 05.03.2016 um 12.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31866

Wenn denn die heutigen Tomaten überhaupt nach etwas riechen und schmecken würden.

Früher hatten wir Tomaten im Garten, nur wenige Pflanzen, und da roch man schon in ca. 20m Entfernung, daß da eine Tomate steht. Irgendwann ist mir dann aufgefallen, daß die gekauften Tomaten nach nichts mehr schmecken und auch nicht mehr nach Tomate riechen. Adaptation oder Verlust der Geschmacks- bzw. Geruchsempfindung? Oder hat man Geruch und Geschmack weggezüchtet oder ging er durch die Züchtung so nebenbei verloren?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2016 um 03.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31864

Ja, die gibt es, und auch die anderen alle, aber ich wollte sie nicht wiederholen, weil sie ohnehin jeden Tag in der Zeitung stehen und im Fernsehen vorgetragen werden.
Bei Obst und Gemüse geht es hauptsächlich um Pestizidrückstände, die sich beherrschen lassen, und um Geschmacksfragen, über die sich streiten läßt. Fleisch ist problematischer.
Die meisten von uns machen sich schon einige Gedanken beim Einkaufen, Kochen und Essen. Die Abfütterung in Mensen usw. läßt es gar nicht erst dazu kommen.
Dazu kommen ja noch die vielen, die zwar zu Hause essen, aber Fertigkost.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.03.2016 um 23.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31863

Es gibt naheliegende Argumente gegen Schweinefleisch, gegen Rindfleische, gegen Hammelfleisch, gegen Geflügelfleisch ....

Also nur noch vegetarisch? Es lebe der Veggieday!

Gibt es aber nicht auch naheliegende Argumente gegen Billigtomaten aus der Massenpflanzenhaltung?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.03.2016 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31862

Kimchi ist schon Weltkulturerbe, und damit können Leber- und Rostbratwurst ja wohl locker mithalten, von Sülze ganz zu schweigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2016 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31861

Die Schweinefleisch-Diskussion verspricht ganz unterhaltsam zu werden. Die Kantinen und Mensen, wo angeblich 20 Mill. Deutsche essen, werden ja in der Regel von Privatunternehmen betrieben, zum Teil sehr großen. Der Staat kann für seine Schulen und Behörden zwar eine willkürliche Neuschreibung anordnen, aber den Speiseplan der Kantinen? Hier eigens eine Pflicht zum Angebot von Schweinefleisch festzulegen, wohl gar durch eine Lex Schwein, wäre mit der Gefahr der Lächerlichkeit verbunden, abgesehen von rechtlichen Fragen. Gesundheitliche Gründe lassen sich auch schlecht finden.
Es gibt zwar Versuche, Schwein zum deutschen Kulturgut zu stilisieren, aber die Reaktion darauf war schon ziemlich alarmierend. Der Verband der Schweinemäster applaudierte heftig, das kam nicht überraschend.
Es gibt naheliegende Gründe gegen Schweinefleisch, zumal unter den wirtschaftlichen Zwängen der Billigesserei, aber leider werden nun ganz andere Gründe wirksam, die u. a. dazu führen, daß ich diese Glosse hier einreihe.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 03.03.2016 um 19.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31850

Mein Vorschlag für das Unwort des Jahres 2016: "völkisch".
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.03.2016 um 18.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31849

„Frau Steinbach gefällt das nicht, und sie identifiziert die ihr genehmeren Biodeutschen und die Ausländer durch Haarfarbe und Habitus.“

1. Was gefällt Frau Steinbach nicht?

Ich nehme an, daß sich das auf den davorstehenden Absatz bezieht:

„Es ist eine Tatsache, daß in Deutschland immer mehr Kinder ausländischer Herkunft leben und in manchen Grundschulen schon die Mehrheit stellen. ...“

2. Woraus geht hervor, daß Frau Steinbach das nicht gefällt?

Es gibt allerdings Leute, denen es Sorge bereitet, daß es in Grundschulen einiger Stadtteile mehr Kinder von Migranten als von „Biodeutschen“ gibt. Sie sehen darin den Ausdruck drohender Gettobildung und ein mögliches Integrationshemmnis. Angeblich schicken einige arrivierte Migranten ihr Kinder lieber auf andere Schulen. Was aber hat Frau Steinbach dazu gesagt?

3. Woraus geht hervor, daß Biodeutsche Frau Steinbach „genehmer“ seien?

Anscheinend macht sie sich Sorgen, daß die Biodeutschen eines Tages eine Minderheit im eigenen Land sein könnten. Extrapoliert man Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit hinreichend weit in die Zukunft, so erschiene das ja durchaus möglich. Einige Vertreter der politischen Linke wünschen sogar eine solche Zukunft ausdrücklich herbei. Aber, wir können ganz beruhigt sein: Ginge es einige Jahre, Jahrzehnte so weiter wie bisher, bräche wahrscheinlich schon viel früher die öffentliche Ordnung in Deutschland zusammen. Dann wird kein Flüchtling mehr bei uns Zuflucht suchen.

All das bedeutet aber doch nicht, daß Biodeutsche Frau Steinbach schlechthin „genehmer“ seien.

5. „sie identifiziert ..... durch Haarfarbe und Habitus“

Immerhin, Hautfarbe wäre ja noch viel schlimmer.

Aber wie soll Frau Steinbach in einem Bild anders „identifizieren“ als durch das äußere Erscheinungsbild?

Übrigens zirkuliert das fragliche Bild anscheinend schon geraume Zeit im Netzgeschwätz. Wieso ist es nicht unverzüglich gelöscht worden? Das ist doch ein Skandal! Heiko Maas muß unbedingt noch einmal mit den Zensoren ein ernstes Wort reden. Selbst die Zensur kriegen wir in Deutschland anscheinend nicht mehr hin. Unterm Kaiser wäre das nicht passiert.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.03.2016 um 15.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31836

"The word Fascism has now no meaning except in so far as it signifies 'something not desirable'" (George Orwell, 1946). Mutatis mutandis gilt das heute für Rassismus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2016 um 14.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31835

Ich bin ja ganz einverstanden, deshalb habe ich mir die Wortwahl "rassistisch" auch nicht zu eigen gemacht, sondern nur den heute verbreiteten Gebrauch angeführt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.03.2016 um 14.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31834

"sie identifiziert die ihr genehmeren Biodeutschen und die Ausländer durch Haarfarbe und Habitus. Das nennt man heute rassistisch, man könnte es auch anders nennen. Wesentlich ist, daß man die erwünschten und die unerwünschten Mitbürger durch körperliche Merkmale definiert."

Lieber Prof. Ickler,
vielen Dank für Ihre Antwort. Aber ist das wirklich Rassismus? Daß sich Biodeutsche und Ausländer, insbesondere Außereuropäer, durch körperliche Merkmale unterscheiden, ist doch eine Tatsache.

Rassismus wäre für mich, wenn Frau Steinbach aufgrund dieser körperlichen Unterschiede zu einer unterschiedlichen, wie auch immer gearteten Wertung der Menschen käme. Das tut sie aber nicht. Sie benutzt das unterschiedliche Aussehen völlig wertfrei, um bildlich darzustellen und in satirischer Form davor zu warnen, daß die biodeutsche Bevölkerung, letztlich auch die angestammte europäische Bevölkerung und damit unsere ganze (wie ich meine, fortschrittliche) westliche Kultur in nicht allzuferner Zukunft zur Minderheit in Deutschland bzw. Europa geworden sein könnte. Das hat m. E. nichts mit Rassismus zu tun.

Man kann gegenteiliger Meinung darüber sein, ob ihre satirische Voraussage wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist. Ob diese Aussichten von der Gemeinschaft erwünscht oder unerwünscht sind, kann nur in einem demokratischen Prozeß entschieden werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2016 um 04.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31830

Lieber Herr Riemer, das ist wirklich nicht schwer zu erklären. Veröffentlichte Bilder schweben ja nicht im luftleeren Raum, sondern haben eine Vorgeschichte, einen Zweck, eine Diskussionsumgebung, in die sie absichtsvoll hineingestellt werden. Ich verstehe Ihre gute Absicht und teile sie, wie ich ja durch unzählige Bemerkungen zur Politischen Korrektheit bekundet habe. Aber wir sollten doch die gespielte Naivität auch wieder nicht zu weit treiben. Wie Sie richtig sagen, spricht Frau Steinbach ein heikles Thema an und äußert auch ihre Meinung dazu. "Rassismus" ist ein unerträglich ausgeweitetes Prädikat, noch dazu mit der schon diskutierten Widersprüchlichkeit im Hintergrund, daß es einerseits keine Rassen geben soll, andererseits niemand wegen seiner Rasse diskriminiert werden darf. Die sprachlichen Eiertänze habe ich anderswo schon besprochen.
Es ist eine Tatsache, daß in Deutschland immer mehr Kinder ausländischer Herkunft leben und in manchen Grundschulen schon die Mehrheit stellen. Die Geburtenraten der Migrationshintergründler (das Wort habe ich neulich gefunden) werden sich angleichen, aber das ändert wenig an den Proportionen der Gegenwart und nahen Zukunft.
Frau Steinbach gefällt das nicht, und sie identifiziert die ihr genehmeren Biodeutschen und die Ausländer durch Haarfarbe und Habitus. Das nennt man heute rassistisch, man könnte es auch anders nennen. Wesentlich ist, daß man die erwünschten und die unerwünschten Mitbürger durch körperliche Merkmale definiert.
Ich teile Frau Steinbachs Ansichten und Absichten nicht, aber daß sie diese hat und vertritt und mit einem Foto zum Ausdruck bringt, kann man doch nicht verkennen, auch wenn man sonst nichts über sie weiß.

(Ich hatte sogar einmal mit Frau Steinbach zu tun. Sie war als Bundestagsabgeordnete bei der Vorstellung meines Schildbürgerbuchs anwesend und sprach mir ihre Anerkennung aus. Folgenlos wie alles von dieser Seite.)

Die Nazis gelten als die Rassisten schlechthin, obwohl sie einen absurden Rassenbegriff vertraten und mit ihrer judenfeindlichen Ahnenschnüffelei ad absurdum trieben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.03.2016 um 23.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31829

Ein hellblondes Kind umringt von Indern. "Deutschland 2030" steht über dem Foto. "Woher kommst du denn?" lautet die Bildunterschrift. Nicht zum ersten Mal fällt Erika Steinbach, Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf dem Kurznachrichtendienst Twitter durch rassistische Äußerungen auf ...
(MM, 1.3.16, S. 2)

Kann mir mal jemand sagen, was an diesem Bild und Text oder an seiner Verbreitung rassistisch ist?
Das Ansprechen bestimmter Themen ist zur Zeit einfach tabu. Wer es doch tut, wird als Rassist beschimpft.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.02.2016 um 12.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31611

Berlusconi hätte so etwas locker ausgesessen, obwohl (oder weil) er mehr Macht hatte als ein serbischer Verteidigungsminister. Und was passiert, wenn Donald Trump so einen Spruch macht? Momentan könnte man Trump, solange er kein Amt ausübt, wohl kaum mit Kritik wegen einer solchen Unkorrektheit einschüchtern, obwohl der Spruch aus seinem Mund tatsächlich eine pure Machtdemonstration wäre. Als US-Präsident könnte man ihn aber auch nicht wegen schlechten Benehmens aus dem Amt jagen. Je mehr Macht, desto eher kann sich ein Obermacho so einen Spruch doch wieder erlauben, ohne sein Amt zu verlieren.

Meiner Meinung nach müßte es normalerweise genügen, wenn öffentlich so viel und so lange Kritik geübt wird, wie es dem Vorfall und der Person eben gemäß ist. Dazu gegebenenfalls noch eine formale Rüge. Das wird den Übeltäter warnen und darüber hinaus – noch wichtiger – auch viele andere, die den Fall mitbekommen. Soziale Kontrolle. Der Minister sollte sagen können, es habe sich nur um einen Scherz gehandelt, im übrigen entschuldige er sich für die nicht beabsichtigte ärgerliche Wirkung und gelobe Besserung. Wiederholungstäter kann man zum Teufel jagen. Aber ein Minister-Rücktritt wegen einer einmaligen Frotzelei? Das erscheint mir überzogen.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 08.02.2016 um 23.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31606

Wenn er "Journalisten" statt "Journalistinnen" gesagt hätte, wäre er vermutlich noch im Amt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.02.2016 um 20.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31605

Alle Serben sind Mačos. Das Amt muß daher zwingend von einer Frau übernommen werden.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 08.02.2016 um 20.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31604

Ich trauere um den ehemaligen serbischen Verteidigungsminister. Als eine Journalistin Anfang Dezember bei einer Pressekonferenz vor ihm in eine kniende Position gegangen war, hatte Bratislav Gasic gesagt: "Ich liebe diese Journalistinnen, die so leicht auf die Knie gehen."

www.spiegel.de/politik/ausland/serbien-minister-wegen-sexistischem-spruch-entlassen-a-1075995.html

Jetzt ist er entlassen, nachdem "Oppositionspolitiker, Journalistenverbände und Frauenrechtsgruppen" sich in ausdauernder Empörung geübt hatten. Irgendwie kann ich es ja verstehen. Aber dennoch, da stimmt etwas nicht. Ist es denkbar, daß der Spruch kein Witz gewesen sein soll? Wenn es aber ein Witz war, wie kann man sich dann monatelang darüber empören? Was wird hier eigentlich bestraft: der Humor?

Aber vielleicht ist der Mann ja wirklich ein Macho. Was es für ein Mann ist, ein Witzbold oder ein Charakterschwein, scheint irgendwie keine Rolle zu spielen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2016 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31544

Die Polizei stehe „auf dem Boden des Pressekodex“, sagt auch die Polizeigewerkschaft. Aber die Polizei ist doch eine staatliche Institution und steht auf dem Boden des Grundgesetzes? Steht sie etwa auch auf dem Boden des katholischen Katechismus und auf weiteren Böden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2016 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31465

Wie fühlt man sich, wenn man zu Hunderten für die dann doch nicht vergewaltigte Lisa auf die Straße gegangen ist? Wenn man "Wir weinen" auf Schilder geschrieben und Kerzen entzündet hat für einen Flüchtling, der dann doch nicht gestorben ist (weil es ihn nie gegeben hat)? Kein Problem, die wohlbekannte Formel lautet: Schon daß wir es für wahr halten konnten, zeigt doch, wie schlimm die Lage wirklich ist. Jede weitere Inszenierung kann das nur bestätigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2016 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31458

Zwei Kommentare der FAZ (28.1.16) beschäftigen sich mit den Unterwerfungsgesten der italienischen Behörden, erwähnen allerdings nicht die wirtschaftlichen Motive. Für Öldollars beginnt man Kriege, für Öldollars gibt man die vielziterten eigenen „Werte“ auf. Es gibt übrigens noch millionenfache Nacktheit in Stein und in Öl, die man verhängen oder gleich vernichten könnte, wegen der Muslime unter uns. (Einer der beiden Kommentare kann sich einen Schlenker gegen "Charlie Hebdo" nicht verkneifen.)
Was den Verzicht auf Wein bei einem Bankett betrifft, so habe ich schon an Familienfeiern teilgenommen, die mit Rücksicht auf einen anwesenden Alkoholiker auf Wein verzichteten; umgekehrt ist ein anwesender Abstinzler hinreichend versorgt, wenn auch alkoholfreie Getränke auf dem Tisch stehen. Daß alle anderen auch verzichten, geht in jeder Hinsicht zu weit und wirft daher peinliche Fragen auf.
Überhaupt: Wie kann man den Religionswächtern den Anblick der westlichen Moderne ersparen? Indem man sie „verhängt“?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2016 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31453

"Mit Rücksicht auf die religiösen Gefühle" des iranischen Präsidenten haben die italienischen Behörden Nacktstatuen in den Kapitolinischen Mussen verhüllt und beim Abendessen keinen Wein serviert.
Vielleicht geschah es aber auch mit Rücksicht auf die erhofften Geschäfte mit Iran.
(Wer islamisiert hier wen?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31421

Durch die Medien ging Ende letzten Jahres etwas, was ich hier in Auswahl dokumentiere:

Not Satire: Student Leaders at University of Ottawa Cancel Free On-Campus Yoga Class
Wait Until You Hear Why

Nov. 23, 2015 1:01pm Jon Street

The University of Ottawa in Canada is ending a free on-campus yoga class over concerns the popular meditative exercise routine could be seen as a form of ”cultural appropriation.”
The university’s Centre for Students with Disabilities is claiming ”while yoga is a really great idea and accessible and great for students … there are cultural issues of implication involved in the practice.”
But Jennifer Scharf, who teaches the free yoga, class, told the Ottawa Sun that people are “just looking for a reason to be offended by anything they can find.”
“There’s a real divide between reasonable people and those people just looking to jump on a bandwagon. And unfortunately, it ends up with good people getting punished for doing good things,” Scharf said.
The center suggested that some practices involved in the routine “are being taken from” some cultures that ”have experienced oppression, cultural genocide and diasporas due to colonialism and western supremacy.”
Thus, the center contends, “we need to be mindful of this and how we express ourselves while practicing yoga.”
Acting student federation president Romeo Ahimakin said that as a result, student leaders are looking at ways to make students aware of where the spiritual and cultural aspects of yoga come from,  ”so that these sessions are done in a respectful manner.”
Meanwhile, yoga classes have been put on hiatus. It was not clear when or if they might resume.


Man könnte hinzufügen, daß alle Völker irgendwann unterdrückt waren, die Inder auch von ihren eigenen Leuten. Aber man muß von den Richtigen unterdrückt worden sein, also weißen westlichen Männern, um den Schutz der PC zu genießen.

Die wohl eher linken Studentenvertreter von Ottawa erhielten Unterstützung von der Hindu American Foundation, einem Ableger der rechtsradikalen Hindunationalisten, die zur Zeit Indien in ihre Gewalt zu bringen versuchen, zum Schaden des Landes. „Never the twain shall meet“? O doch, sehr leicht sogar.

Ich brauche nicht zu sagen, wie schwachsinnig die ganze Idee der Enteignung fremder Kulturen ist. Indien verliert ja nichts, wenn andere Joga treiben, im Gegenteil, es ist ein Exportschlager und fördert den Tourismus. Außerdem ist der spirituelle Hintergrund von Joga, soweit nicht ohnehin mit westlicher Hilfe erfunden (wie die übermäßige Wertschätzung mancher Überlieferung), bei den Studenten in Indien, die ich unterrichtet habe, sehr schwach entwickelt, um es einmal so auszudrücken.


Noch eine Blüte aus dem Garten der Verrückten:

Snow White to be accompanied by "seven friends" as "dwarves" could cause offence
POLITICALLY correct theatre chiefs have prompted ridicule after announcing that their pantomime this year is called simply Snow White – with no mention of the seven dwarfs.

By Paul Jeeves

Tue, Sep 8, 2015

Producers at Leicester’s De Montfort Hall have announced that their heroine instead has seven “friends”, played by children.
They claim people would be offended if the vertically challenged Doc, Dopey, Bashful, Grumpy, Sneezy, Sleepy and Happy were described as dwarfs.
But last night Harry Potter actor Warwick Davis, who is 3ft 6in tall, branded the decision “patronising”.
The Hollywood star, known for his big screen roles as a short actor, said the venue was wrong to change history.
The dwarfs have gone by various names in adaptations of the 19th-century Brothers Grimm classic.
But they have almost always appeared as Snow White’s faithful comrades.
Warwick, 45, said that political correctness was a “smokescreen” and the decision was more likely to avoid the cost of employing short actors.
He said: “I find it quite patronising when people are offended on our behalf.
“I’m sure there are those out there who don’t like the term, but as a short actor I want to be given the choice about whether I appear in panto or not. I don’t want someone making that decision for me.
“Saying that, I think it’s all a smokescreen anyway. The profit margins for pantos are not very big and it's obviously much cheaper to involve schoolchildren than it is to pay lots of professional short actors."
Snow White has been recreated numerous times on television, on stage and in Hollywood.
The original story was written in 1812. Its most famous interpretation was the feature length animal made by Walt Disney in 1937.
"It loses something if you don't have Snow White's dwarfs," said Warwick, who starred as one of the dwarfs at the New Wimbledon Theatre in 2012.
"I've been in a lot of pantos and I don't think it's offensive.
"The excuse of people being uncomfortable is a poor one. I doubt they've questioned the audience about it."
The Leicester show features Loose Women and former Coronation Street star Sherrie Hewson as the Wicked Queen and Britain's Got Talent impressionist Jon Clegg.
Theatre regular Lucy Moore commenting on De Montfort Hall’s Facebook page, wrote: “I am all for not offending people but this is a case of political correctness going slightly mad.”
Sue Bourton commented: "I am a parent of a child with restricted growth (or to put it plainly a dwarf). The term dwarf is fine, as is little person. The term that is derogatory is midget and this should never be used.
"I was hoping that the show would use people with restricted growth to play the seven dwarfs. They should rethink this decision, it’s just plain silly.”
A spokesman for De Montfort Hall insisted: “The word dwarf is generally not a word that people feel comfortable with.”
Manager Antony Flint confirmed child dancers would play the “friends”.
He said: “The script still features the seven dwarf characters but our approach is more in line with the original Grimm brothers’ tale.
“But audiences will get the full traditional story.”

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2016 um 08.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31343

Genau zu dieser Frage: Nachdem Innenminister Jäger (NRW) erklärt hat, seine Polizei richte sich nach den Vorgaben des Pressekodex, fragt die FAZ, was die Polizei eigentlich der Pressekodex angehe. (16.1.16) So entsteht der Eindruck, daß wir neben der Lügenpresse auch eine Lügenpolizei haben. Die einfachen Polizisten sind eingeschüchtert und gehen einer Sache nicht nach, wenn sie sich damit einen entsprechenden Vorwurf zuziehen könnten. Ein zweites Mainstreaming neben Gender. Die Entzifferung öffentlicher Texte wird immer schwieriger.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 15.01.2016 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31327

Ist es nicht merkwürdig, daß die Polizei sich bei der Unterdrückung von Informationen auf den Pressekodex beruft?

Müßte sich die Presse nicht mit aller Kraft gegen eine solche Vorabzensur wehren?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2016 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31322

Auszug aus einem Interview, das in einfachen Worten die Lage darstellt:

Polizei ringt bei Nationalitäten von Straftätern um Worte

NÜRNBERG - Die Silvesternacht und ihre Folgen: Wie geht die bayerische Polizei mit der Herkunft mutmaßlicher Straftäter um? Die Lokalredaktion sprach mit Rainer Nachtigall, dem Vizechef der Deutschen Polizeigewerkschaft in Bayern.

Herr Nachtigall, unterdrückt die bayerische Polizei Informationen zur Herkunft mutmaßlicher Straftäter?

Rainer Nachtigall: Die Praxis in Bayern war bis zur Silvesternacht in Köln folgende: Der Streifenbeamte gibt nach einer Anzeige den Vorfall in das EDV-System ein. Ist er relevant für die Öffentlichkeit, landet er im Pressebericht. Dieser erscheint dann beim nächsten Vorgesetzten. Wenn in den Angaben des Beamten die Nationalität, wie etwa syrisch oder marokkanisch, auftauchte, dann musste das raus. Außer wenn es für die Fahndung relevant war. Das wird mit Blick auf den Pressekodex seit Jahren so praktiziert.

Warum war das so?

Nachtigall: Es ging darum, niemanden zu diskriminieren. Man würde damit eine Vielzahl von Menschen verdächtigen.

Doch seit der Silvesternacht hat sich das geändert?

Nachtigall: Mir ist dazu keine Weisung aus dem Innenministerium bekannt. Aber die möglichen Nationalitäten der mutmaßlichen Täter, die Frauen in der Silvesternacht sexuell attackiert haben sollen, wurden öffentlich gemacht. Auch nach Vorfällen in Nürnberg, Ansbach und Feuchtwangen.

Warum ist die Nennung der Nationalität überhaupt wichtig?

Nachtigall: Sie spielt bei der Ermittlung eine Rolle. Wenn ein mutmaßlicher Straftäter auf der Flucht ist, benötigen die Kollegen auf der Straße Hilfestellungen. Es ist ein Filter, um den Kreis der Menschen, die dafür infrage kommen, enger zu ziehen. Dann heißt es über Funk vielleicht, dass ein „südländischer Typ“ gesucht wird.

Ein Freund von mir hat schwarze Haare, er trägt einen dunklen Bart und seine Haut wird im Sommer schnell braun. Fällt der dann auch in das Raster?

Nachtigall: Natürlich nicht. Für eine erfolgreiche Fahndung sind weitere Angaben wichtig: das geschätzte Alter, die Größe, was er für Kleidung trägt, Haarlänge, Glatze oder volle Haare, Ohrringe, Tätowierungen. Übrigens wurden bei der Polizei für Bevölkerungsgruppen, die keinem geografischen Bereich zuzuordnen sind, Kunstbegriffe kreiert, um sie nicht zu diskriminieren.

Welche denn?

Nachtigall: Sinti und Roma werden als mobile ethnische Minderheiten bezeichnet. Es ist politisch so gewünscht. Es ist auch ein Spiegelbild unserer Zeit, in der man zu Recht den „Negerkuss“ in „Schokokuss“ umtaufte oder das „Zigeunerschnitzel“ in „Paprikaschnitzel“.


(nordbayern.de 15.1.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2016 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31320

Das Gedränge in der Mitte der Gesellschaft wird immer größer. Dort ist nun auch der Antiislamismus angekommen. Die das feststellen, sind naturgemäß nicht dieselben Forscher, die überall den Antisemitismus aufspüren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2016 um 07.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31209

"Schweigespirale", "Schweigekartell" – das Lamentieren wäre glaubwürdiger, wenn die Lamentierer sich nicht ausnahmlos dem Pressekodex in extensiver Auslegung unterworfen hätten und dies nicht auch weiterhin tun würden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2016 um 07.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31200

Tatsächlich hatte ich in meinem eigenen Wörterbuch nachgesehen und mit Bedauern festgestellt, daß mitschuld nicht drinsteht. (Die bereits erarbeitete Neuauflage ist nicht erschienen, weil die Nachfrage zu gering war.)

Ich bin natürlich nicht gehalten, mich nach irgendeinem Wörterbuch zu richten, auch nicht nach meinem eigenen. In diesem Fall, an den ich damals einfach nicht gedacht hatte, ist mitschuld die sinnvollste Schreibweise.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.01.2016 um 18.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31184

zu #31168:

Das Wort mitschuld ist bisher nicht im Duden und auch nicht im Ickler verzeichnet. Vielleicht ein Hinweis auf eine verbesserte und erweiterte Neuauflage des Ickler?

Dabei ist das Wörtchen ja durchaus plausibel: wegen der Betonung und wegen des Wortes mitschuldig.

Google ngrams finden tatsächlich ein paar Vorkommen des Wortes. Historisch interessant ist die Entwicklung des Gebrauchs im letzten Jahrhundert. Anfang des Jahrhunderts steigt der Gebrauch etwas an und erreicht ein neues Plateau. Auf diesem Plateau ergibt sich ein erster kleiner Höhepunkt des Gebrauchs um 1918–1920. Der absolute Höhepunkt liegt im Zeitraum ca. 1945–1955. Etwa 1990–1992 findet sich wieder ein kleiner Höhepunkt.

Für die Großschreibung Mitschuld ergibt sich ein im wesentlichen gleiches Bild, was statistisch natürlich noch aussagekräftiger ist. Hier bewegt sich allerdings der Gebrauch schon seit 1850 auf dem gleichen Plateau.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2016 um 16.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31179

Noch einmal zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29964:

Obwohl ich ausgetreten bin, schickt mir das deutsche PEN-Zentrum unverdrossen seine Verlautbarungen zu. Heute ist es dies:

http://www.pen-deutschland.de/de/2016/01/06/deutscher-und-deutschschweizer-pen-besorgt-wegen-israelischer-politik-gegenueber-ngo-stopp-des-gesetzes-zur-schaerferen-kontrolle-von-nichtregierungsorganisationen-gefordert/

Welches PEN-Mitglied hat sich mit der Sache gründlich genug beschäftigt, um diese Resolution (oder was es ist) mittragen zu können? Glaubt man wirklich, damit etwas zu bewirken? Oder will man sich nur selbst in Erinnerung bringen?

(Man beachte auch den lächerlichen zweiten Absatz! Der PEN hat sich mutig auch schon Putin entgegengestellt, aber die Souveränität der russischen Regierung hat darunter nicht gelitten; deshalb kann auch Israel unbesorgt sein: der deutsche PEN wird den Staat Israel nicht aus den Angeln heben.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2016 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31173

Das kommt auf die Theorie an.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.01.2016 um 10.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31171

Das scheint eine neue Form des Hegelianismus zu sein: »Um so schlimmer für die Erfahrungen!«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2016 um 07.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31168

Der Pressekodex ist mitschuld, wenn viele Menschen - weit über die Rechtsextremen hinaus - den Eindruck haben, einer Lügenpresse ausgeliefert zu sein. Aus Angst vor einer Rüge unterwerfen sich die meisten Journalisten und Pressestellen und verschweigen die persönlichen Merkmale von Tätern oder umschreiben sie in einer neuen Sklavensprache. Das Alter wird immer erwähnt, das Geschlecht meistens (aber damit dürfte es bald vorbei sein), die Herkunft und Rasse (wie man anderswo sagt) selten oder nie. Niemand begeht eine bestimmte Straftat, weil er schwarz oder Muslim oder Zigeuner ist; folglich dürften diese Merkmale überhaupt nie erwähnt werden, denn ein "begründbarer Sachbezug" zur Tat besteht nicht.

Es ist zu hoffen und anzunehmen, daß die Polizei wenigstens intern keine ebenso kastrierten Fahndungstexte verwendet, sondern meistens weiß, ob sie eine schwarze Frau oder einen weißen Mann sucht...
Die Leser und Hörer aber sollen nicht wissen, was sie auf anderen Wegen bald darauf dennoch erfahren und sich in vielen Fällen ohnehin denken können. Das erzeugt viel Verdruß. Für wie dumm oder wie anfällig hält man uns denn? Ich habe auch schon unangenehme Erfahrungen mit Zuwanderern gemacht, aber das beeinflußt meine Haltung zur Flüchtlingspolitik nicht im mindesten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2016 um 04.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31133

Als ich gestern eine Sendung über Palau hörte, fiel mir ein, daß wir als Kinder mit einer Geschichte aufwuchsen, an die ich hier erinnern möchte: Die deutsche Kolonialherrschaft lag zwar schon weit zurück, aber die Neger erinnerten sich noch an die glücklichste Zeit ihrer Geschichte. Unter den Deutschen (streng, aber gerecht) ging es ihnen am besten. Sie pflegen noch heute deutsches Brauchtum und wünschen sich die Deutschen zurück. Das ging auch aus der Reiseliteratur hervor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2016 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#31114

Kretschmann (laut Medien): "Wie soll eine Minderheit uns islamisieren?"

Ich habe zwar auch keine Angst vor Islamisierung, aber das mit der Minderheit ist so eine Sache. Eine Minderheit hat uns rechtschreibreformiert, eine andere Minderheit hat uns feministisch reformiert, und eine Minderheit versucht nicht ohne Erfolg, unser Sprechen, Denken und Leben politisch korrekt zu machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2015 um 08.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30958

Das Prinzip der Eigenbezeichnung, mit dem sich die Deutschen besonders hervortun, wird hauptsächlich dort angewandt, wo man politisch korrekten Eindruck schinden kann. Dazu ist logisch notwendig, daß der Leser die früher üblichen Bezeichnung noch kennt. Wir sagen also Mumbai, Kolkata, weil Bombay, Kalkutta entweder noch in Erinnerung oder leicht zu erraten sind. Schwieriger wird es bei Chennai, denn wenn der Leser oder Hörer nicht weiß, welches indische Kaff dahintersteckt, ist er nicht besonders beeindruckt. (Als ich vor 40 Jahren in Madras war, sprach dort noch niemand von Chennai, jedenfalls nicht gegenüber Fremden.) Aber es kommt noch hinzu, daß sowieso fast niemand es wissen will. (Überrascht stellt man fest, daß das chinesische Kaff Chongqing zwar sehr entlegen, aber nicht so winzig ist, wie man vermuten könnte; den Namen hat man auch gleich wieder vergessen.)
Wenn jemand das Prinzip radikal durchführt, wie Elmar Holenstein in seinem Philosophieatlas, manövriert er sich ins Abseits.
Die Leute reisen heute viel, fast jeder meiner Bekannten war schon in Australien. Aber die Gegenden, in denen man noch nicht war, sind doch, ehrlich gesagt, ziemlich weiße Flecken. Habe mich in den letzten Tagen über den Aralsee kundig gemacht und war etwas beschämt, als ich die genauere Lage der Städte und Flüsse im nördlichen Teil Asiens sah, die ich seit Kindheitstagen nicht mehr angeschaut hatte. In der Schule hatten wir auch nur was Abstraktes über Tundra und Taiga und "Bodenschätze" gehört. (Die "Bodenschätze" mit eigenen Landkarten waren sehr wichtig! In den höheren Klassen kam noch die märchenhafte "Subsistenzwirtschaft" hinzu.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2015 um 07.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30953

In Zeitungen wird über Versuche berichtet, nun z. B. auch Cecil Rhodes aus der britischen Geschichte zu tilgen (Entfernung von Denkmälern usw.) - ein Geschäft ohne Ende. Eine umsichtige Stellungnahme von Will Hutton dazu im Guardian (http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/dec/20/atonement-for-the-past-not-censorship-of-history)

Ob man nun die Übeltäter oder deren Opfer (Neger, Juden, Zigeuner) aus der Geschichte streicht, die Wirkung der Damnatio memoriae ist immer dieselbe: Tilgung des Unrechts.

Meine Generation hat das große Beschweigen noch in der eigenen Kindheit erlebt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.12.2015 um 01.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30922

Eine einheitliche Integrationspolitik in Europa werde dringend gebraucht, hieß es auch zum Beispiel heute wieder in den Tagesthemen der ARD.

So dumm ist Das Erste ja nicht, daß es nicht wüßte, daß es eine mehrheitliche Haltung dazu in Europa längst gibt. Aber solange nicht ganz Europa zu 100% die Teutsche Haltung übernimmt, kann von einer einheitlichen Haltung natürlich keine Rede sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.12.2015 um 21.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30902

Höcke wird der AfD zunehmend zum Problem. Seine Auftritte erinnern mich an diese halb wahnsinnigen Sektenprediger, wie man sie aus manchen Western kennt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2015 um 19.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30900

Da haben Sie auch wieder recht. Ich hatte das Wort "phylogenetisch" nicht wörtlich genommen, weil mir die Sache sowieso zu blöd ist.
Man fühlt sich auch an die Lynchjustiz der Südstaaten nach der Aufhebung der Sklaverei erinnert, die Mischung von Angst und Sexualneid. Also wohl doch rassistisch.
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 15.12.2015 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30899

Niemand stört sich daran, dass er auf die höhere Geburtenrate hinweist. Aber warum sollte das phylogenetisch bedingt sein?
Die Empörung beruht auf seiner Behauptung, Afrikaner verfolgten bei der Reproduktion eine r-Strategie, während es in Europa die K-Strategie gebe (siehe Videoausschnitte: http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/AfD-Hoeckes-Lehre-von-Menschentypen,hoeckeslehre100.html; das vollständige Video scheint nicht mehr zugänglich zu sein, aber an sich kann man sich irgendein Video von Höcke ansehen, um ihn als Demagogen zu erkennen: z.B. https://www.youtube.com/watch?v=nQ72wsiUWCE). Nun sind das aber Bezeichnungen aus der Biologie, die sich auf verschiedene Arten beziehen. Menschen als Art/Spezies verfolgen wie sehr viele Säugetiere und Vögel die K-Strategie (https://de.wikipedia.org/wiki/Fortpflanzungsstrategie; "eine Strategie verfolgen" halte ich hier übrigens für eine unglückliche Formulierung). Wenn Höcke nun Afrikaner der r-Strategie zuordnet, impliziert er damit nicht nur _sehr_ viele Nachkommen (bei Arten, die r-Strategien verfolgen, geht es nicht um 4-7 Kinder pro Weibchen, sondern um ein Vielfaches davon), sondern z.B. auch wenig elterliche Fürsorge/Brutpflege und natürlich Ausbreitung, Ausbreitung, Ausbreitung (Hilfe!).
Natürlich stimmt es, dass in afrikanischen Ländern Geburtenrate und Fruchtbarkeitsrate deutlich höher liegen als in Europa oder in den USA und dass dementsprechend trotz geringerer Lebenserwartung und höherer Kindersterblichkeit die Bevölkerung stark wächst (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/169397/umfrage/natuerliche-wachstumsrate-der-bevoelkerung-nach-kontinenten/), aber Afrikaner und Europäer gehören keinen verschiedenen Arten an, die biologische Terminologie ist unzutreffend und irreführend, und die Behauptung, die unterschiedlichen Reproduktionsstrategien in Afrika und Europa seien evolutionär bedingt, ist m.E. tatsächlich rassistisch (an anderer Stelle fordert Höcke dann aber wieder eine nachhaltige Bevölkerungspolitik in afrikanischen Ländern, geht also wohl doch davon aus, dass sich aufgrund der äußeren Umstände auch die Geburtenrate ändern kann).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2015 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30898

Nach Björn Höcke (AfD) haben die Afrikaner phylogenetisch bedingt ein „aktiveres Reproduktionsverhalten“ als wir Europäer. Das ist in gewisser Hinsicht evident richtig, denn ihre Geburtenrate ist höher. Liegt es daran, daß sie mehr schnackseln (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23441)? Verhüten sie weniger? Und warum? „Rassistisch“ kann ich die Aussage in keinem Fall finden.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 08.12.2015 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30800

Die eher linksdrehende amerikanische Zeitschrift "The Atlantic" scheint den undemokratischen Exzessen der PC, für die sie selbst nicht ganz unverantwortlich ist, nun endlich entgegenzutreten: http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2015/09/the-coddling-of-the-american-mind/399356/#article-comments. Überwiegend trocken, aber trotzdem lesenswert. Die Schlüsse der Autoren enthalten das eigentlich Selbstverständliche.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2015 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30797

Mit seinem rassistischen Vorschlag treibt der beliebteste Republikaner-Kandidat die Panikmache auf die Spitze. (SZ 8.12.15 zu Trumps Vorstoß gegen Muslime)

Der Islam als Rasse – diese Bedeutungsveränderung ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Ältere Spuren schrecken nicht mehr.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.12.2015 um 21.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30723

U. a. zur Diskussion um Volk/Bevölkerung passend, ein Zitat der WELT von http://www.welt.de/vermischtes/article149472395/AfD-Chefin-Petry-quasselt-bei-Plasberg-alle-nieder.html, es geht um die ARD-Sendung "Hart aber fair" von gestern abend:

Als Petry in der Bewertung von Höckes umstrittener Nazi-Rhetorik fragte "Warum reden wir mal, bitte schön, nicht darüber, warum so sensibel darauf reagiert wird?", entfuhr es Pistorius: "Weil das völkischer Stumpfsinn aus dem 19. Jahrhundert ist."

Spontaner Beifall. Daraufhin erklärte Petry, dass das Wort Volk in Deutschland mittlerweile zum Schimpfwort geworden sei. Wahrscheinlich war das als Witz gemeint. "Sie gestatten, dass ich einen anderen Humorbegriff habe", sagte Plasberg. Petry: "Das ist völlig in Ordnung."

Die WELT hat jedenfalls keinen anderen Humorbegriff, sondern beweist hier nur, daß sie zu dumm ist zu verstehen, was bitterer Ernst ist.

Aber das wirklich Unverschämte ist, daß die WELT hier die gleiche Dummheit auch dem Moderator Plasberg unterstellt.

Sehen wir doch mal, wie das Gespräch tatsächlich verlief:

Petrys Bemerkung zum Schimpfwort Volk wurde in dieser Sendung von niemandem, auch nicht von Plasberg, weiter kommentiert. Die Sendung endete so (meine Mitschrift nach der Mediathek):

Plasberg: War das heute abend eine Veranstaltung der Lügenpresse, der Pinocchio-Presse, oder einfach nur der öffentlich-rechtlichen ARD?

Petry: Naja, der ARD auf jeden Fall, ...
(Sie holt etwas weiter aus und verwendet die beiden ersteren Begriffe nicht.)

Plasberg: Also noch mal, keine Lügenpresse?

Petry: Sie haben das Wort von mir nie gehört, ich wünschte mir mehr neutrale Berichterstattung, ...

Plasberg: Auch keine Pinocchio-Presse, oder?
(Dieses Wort stammt von Petry.)

Petry: Ach wissen Sie, ich find' den Begriff eigentlich gar nicht so schlimm. Wenn wir gegenseitig ein bißchen Humor aufbringen, halten wir das aus, mit Pinocchio hat es ein gutes Ende genommen.

Plasberg: Sie gestatten, daß ich einen anderen Humorbegriff habe,

Petry: Das ist völlig in Ordnung.

Plasberg: obwohl ich aus Köln komme. Gut, jetzt kucken wir nach Hamburg.
(Damit leitet er zur Sendung "Tagesthemen" über.)

Na, dann bleibt uns ja die Hoffnung, daß es mit der WELT auch noch irgendwann ein gutes Ende nehmen wird.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 17.11.2015 um 20.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30593

»Migrationshintergrund« wird im allgemeinen nicht näher spezifiziert. Das ist auch Sinn der Sache, da so Rußlanddeutsche und andere Einwanderer ohne »deutsche Wurzeln« in einen Topf geworfen werden können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2015 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30592

Überschriften wie "Terrorspur führt nach Deutschland" waren heute nachmittag sehr beliebt. Dann wurden die Festgenommenen freigelassen, weil sie offenbar mit den Pariser Attentaten nichts zu tun hatten. Der Bundesinnenminister übertrifft sich an Scharfsinn:

"Es hätte ein dicker Fisch werden können", sagt Innenminister de Maizière über die Festnahmen nahe Aachen. (Tagesspiegel)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 17.11.2015 um 12.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30591

Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, hat nach bisher nahezu einhelligem Sprachgebrauch keinen marokkanischen Migrationshintergrund, sondern "marokkanische Wurzeln". Nun müßte man noch dafür sorgen, daß die übrigen Menschen mit marokkanischem Migrationshintergrund keine marokkanischen Wurzeln haben.

Ich verstehe in diesem Fall den Versuch der Abgrenzung, aber es ist auch beklemmend. Schlagartig scheint der Gebrauch bestimmter Wörter unmöglich zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2015 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30587

"Sind alle Migranten Terroristen? Natürlich nicht. Aber sie sind auch nicht alles Pazifisten."

Auf diese Banalität ist die FAZ inzwischen heruntergekommen. Herausgeber Berthold Kohler versucht damit, seinen grotesken Beitrag auf der Titelseite der letzten FAS zu rechtfertigen. Seine Korrespondenten in Paris und anderswo zeigen, wie es sich wirklich verhält.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.11.2015 um 21.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30583

"Das Perfektpartizip intransitiver Verben kann kein Substantiv bilden." Das gilt tatsächlich für die Verben der Bewegung und bei den übrigen für viele imperfektive intransitive Verben. Für viele perfektive intransitive Verben gilt das nicht; der Ertrunkene usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2015 um 19.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30582

Wer den Grundsatz der Eigenbezeichnung vertritt, dürfte eigentlich nicht von "Islamisten" sprechen. Sie selbst halten sich einfach für Muslime, sogar für besonders gute. Es gibt auch immer mehr Kritiker, die eine solche Unterscheidung für unzweckmäßig halten. In jeder Reigion hat man es mit verschiedenen Auslegungen und verschiedenen Graden der Ernsthaftigkeit zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2015 um 09.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30575

Hätte sich das OLG eingehend mit den Ausführungen des von Ditfurth privat in Auftrag gegebenen Gutachtens beschäftigt, wäre es vielleicht zu einem anderen Schluss gekommen. Die Linguistikprofessorin Monika Schwarz-Friesel hatte eine Expertise für das Berufungsverfahren angefertigt. Neben theoretischen und historischen Ausführungen zum Antisemitismus seien darin auch verschiedene von Elsässer verfasste Texte analysiert worden, sagt Ditfurth. In einer Mitteilung zitiert sie aus dem Gutachten: »Ihre Referentialisierung von Herrn Elsässer als ›Antisemiten‹ trifft zu, ist sachlich begründet, fachlich belegbar und durch eine wissenschaftliche Analyse der Äußerungen und kommunikativen Aktivitäten« von Elsässer als »gerechtfertigt zu betrachten«.
Das OLG behauptet dagegen in seinem Beschluss, das Gutachten bestehe »überwiegend aus Interpretationen von aus dem Zusammenhang gerissenen Äußerungen« Elsässers, die »nicht überprüfbar und teilweise für sich genommen nicht nachvollziehbar sind«. Auf diese Weise wurde die fundierte Expertise einer der renommiertesten Antisemitismusexpertinnen der Bundesrepublik von den Münchner Richterinnen kurzerhand beiseitegeschoben. Stattdessen hatte das OLG bereits in einem vorherigen Beschluss seine Antisemitismus-Definition nicht zuletzt auf Lexika aus den achtziger Jahren gestützt. »Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Pressekammer eines OLG nicht auf dem modernen Stand der Antisemitismus-Forschung ist, sondern für ihre Definition einen uralten Brockhaus und den Fremdwörter-Duden heranzieht«, sagt Ditfurth.


Ich kenne den Fall nicht, aber natürlich ist Schwarz-Friesel keine unvoreingenommene Gutachterin, und die Linguistik ist auch nicht imstande, Antisemitismus zu erkennen. Solche Eiferer diskreditieren die Sprachwissenschaft.

Inzwischen ist einige Zeit vergangen, und das Schweigen zur gegenwärtigen Gefährdungslage wird immer lauter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2015 um 04.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30550

Einstellungsforscher aus Jena haben festgestellt, daß ein Viertel der Thüringer rechtsextremistisch sind. Die Fragen und ihre Auswertung waren allerdings so angelegt, daß zum Beispiel die FAZ ein rechtsextremistisches Hetzblatt wäre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2015 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30517

Nach einem großen Bericht im Wissenschaftsteil der FAS gibt es nun doch wieder Rassen. Wir brauchen nicht länger unseren Sinnen zu mißtrauen.

Man kann ja Rassen auch besser gegen Diskriminerung schützen, wenn man ihre Existenz nicht vorab bestreitet.

Wirklich rassistisch ist nicht die Annahme, daß es Schwarze gibt, sondern die One-drop-only-Ideologie: Eine schwarze Urgroßmutter verdirbt alles, während eine weiße nichts an der allgemeinen Schwärze ändert.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.11.2015 um 18.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30453

Okay, aber die Abhilfe ist schnell gefunden:
https://books.google.de/books?id=gRU_AAAAcAAJ&pg=PA528
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 04.11.2015 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30451

Ja, "das Geflüchtete (also das in Sicherheit Gebrachte)" versteht man hier (#30438) als das direkte Objekt eines transitiven Verbes. Aber in der Erlanger Universitätsleitungslingo sind eben Flüchtlinge gemeint, Menschen, die "geflüchtet *sind*", nicht *geflüchtet wurden und auf diese Weise von jemandem in Sicherheit gebracht wurden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.11.2015 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30438

Für das Geflüchtete (also das in Sicherheit Gebrachte) läßt sich sogar ein sehr alter Beleg finden:
http://books.google.de/books?id=CQRhAAAAcAAJ&pg=PA200
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 04.11.2015 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30437

Zu #30417: Irgendwie liege ich mit meiner Bemerkung hier falsch. Wenn ich auch mit den "Geflüchteten" und besonders mit den "Gegangenen" meine Schwierigkeiten habe, so gibt es sie doch, wenn auch letztere nur in ironisierender Sprache (er ist gegangen worden). Aber "das Vergangene" gibt es ganz natürlich, wie wohl auch "das Werdende", und die Pluralformen dazu kann ich mir auch vorstellen. Trotzdem meine ich, daß an meiner Bemerkung was Richtiges dran ist. Irgendwie empfinde ich (selbst Flüchtling am Ende des Zweiten Weltkriegs) die Bezeichnung "Geflüchteter" als von einem transitiven Verb abgeleitet, das es aber nicht gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2015 um 09.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30425

Zwei bayerische Kommunalpolitiker sind zurückgetreten wegen rassistischer Äußerungen. Einer hatte einen schwarzen Pfarrer als Neger bezeichnet, eine andere Zuwanderer aus Eritrea "als Militärdienstflüchtlinge beschimpft". Letzteres ist seltsam, weil in allen Zeitungen zu lesen war, daß der Militärdienst ein Hauptmotiv eritreischer Flüchtlinge ist. Warum auch nicht? Es ist ein gutes Motiv, wenn auch kein Asylgrund.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 03.11.2015 um 04.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30417

Das Perfektpartizip von intransitiven Verben kann kein Substantiv bilden: sie ist gegangen – *sie ist eine Gegangene / man hat ihm noch nicht geholfen – *er ist noch kein Geholfener / sie sind geflüchtet – *sie sind Geflüchtete – aber nein doch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2015 um 03.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30416

Was mich an solchen Sachen am meisten stört, ist die Tatsache, daß die Verwaltung all diese Verrenkungen mitmacht, ohne die Wissenschaftler zu fragen, die ich in aller Bescheidenheit immer noch für das Herzstück einer Universität halte. Dieser Übermut der Verwaltung hat schon vor vielen Jahren angefangen. (Ich erinnere mich an das Treiben des damals eingeführten "Präsidenten" der Marburger Universität in den 70er Jahren.) Die Verwaltung betrachtet die Professoren als eine Art unmündige Kinder, bestenfalls weltfremde Fachidioten. Daher auch der fortschreitende Abbau von deren Selbstverwaltung. Gegen das selbstherrliche Auftreten der Pressestelle und anderer Dienstleister kommt die Wissenschaft nicht mehr an.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 02.11.2015 um 20.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30413

Ich empfinde die Verwendung des Wortes »Geflüchtete« hier geradezu als peinliche Verrenkung, denn zu dem grammatisch maskulinen »Flüchtling« gibt es gar keine feminine Form. Auch eine Frau ist gegebenfalls ein Flüchtling. Was sonst?

Ach so, ja, eine Geflüchtete. Das heißt, zu dem nicht manipulierbaren Wort »Flüchtling« sucht man eine Alternative, die (wenigstens im Singular) eine Differenzierung in Männlein und Weiblein zuläßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2015 um 13.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30405

Jetzt ist auch unsere Universitätsleitung in die Knie gegangen:

Der Reinerlös kommt dem Förderverein Internationalisierung der FAU speziell für die „Studienorientierung für Geflüchtete“ zugute.
 
 

Kommentar von Theodot Ickler, verfaßt am 29.10.2015 um 12.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30378

Tilman Krause enttäuscht uns nicht:
http://www.welt.de/147994009

Er bekämpft die Flüchtlingskrise aus dem Geiste der Erotik. Galant wie die Deutschen müssen die arabischen Männer werden, dann wird alles gut.

Seine sprachliche Kunstfertigkeit beweist er auch wieder mal:

"Wenn ich dich liebe, was geht's dich an", sagt eine Figur bei Goethe, der als Verstehensbemüher des Anderen in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz überflüssig zu nennen ist, auch wenn man ihn gern unter "old school" abbucht.

Und Galanterie ist ein atmosphärischer Bodensatz; das kann man sich gut vorstellen.

Zum Schluß noch ein Schuß Liebeskunst:

Erotik verlangt Sichtbarkeit. Das sich Zeigen. Eine verschleierte Frau kann diese Subtilitäten nicht entzünden.

Das ist wohl auch der Grund, warum die Araber keine Liebeslyrik kennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2015 um 08.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30345

Zum selben Vorfall:

Flüchtlingsunterkunft in Hessen niedergebrannt
Unbekannte haben in dem Gebäude randaliert und Inventar in Brand gesteckt.
(ZEIT 26.10.15)

Wie die Fotos zeigen, ist das Haus nicht "niedergebrannt", sondern durch einen bald gelöschten Brand im Erdgeschoß vorübergehend unbewohnbar geworden. Das Verhalten der Brandstifter ist untypisch für fremdenfeindliche Anschläge: sich in Büroräumen aufhalten und saufen gehört normalerweise nicht dazu.

Die meisten Leser sind sicher, daß es ein fremdenfeindlicher Anschlag war, etwas anderes kommt für sie nicht in Betracht. Was der Polizeibericht - immerhin die einzige Quelle - dazu sagt, nehmen sie gar nicht zur Kenntnis. Ich sehe auch darin ein Merkmal jener Leserschaft, die sich die ZEIT herangezogen hat.

Übrigens kommt mir auch das Verb randalieren unpassend vor. Kann man randalieren, ohne daß es jemand bemerkt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2015 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30341

Vermutlich Brandstiftung

Feuer in hessischer Flüchtlingsunterkunft

49 Bewohner konnten das Haus im südhessischen Lampertheim unverletzt verlassen. Brandstifter waren wohl ins Erdgeschoss eingestiegen.

Ein Gebäude im südhessischen Lampertheim, in dem sich auch eine Flüchtlingsunterkunft befindet, ist vermutlich vorsätzlich in Brand gesetzt worden. Wie die Polizei mitteilte, sind Unbekannte am Sonntagabend in die Büroräume einer im Erdgeschoss des Gebäudes ansässigen Firma eingedrungen und haben Inventar in Brand gesteckt. Sie hätten auch Einrichtungsgegenstände herumgeworfen und vorgefundene Getränke ausgetrunken. Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe es bislang keine. Bei dem Brand wurden keine Menschen verletzt.
(FAZ 26.10.2015)

Die Zeitung lügt nicht direkt, aber die Überschrift legt etwas anderes nahe, als dann im Bericht steht. So arbeitet unsere Presse täglich. Die Rechtsextremen sind schlimm genug, man muß nicht noch Öl ins Feuer gießen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 22.10.2015 um 19.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30307

Zu #30254:

1. Die Formulierung der Frau Käßmann erweckt den Eindruck, daß Kirsten Heisig sich selbst getötet habe, um sich den weiteren Debatten zu entziehen Das ist ja wohl sehr unwahrscheinlich. Selbst wenn es zuträfe, könnte Frau Käßmann es nicht wissen.

2. Der unbestimmte Artikel vor „Selbsttötung“ ist völlig fehl am Platz. Beim ersten Lesen habe ich mich unwillkürlich gefragt, wer sich denn wohl umgebracht habe.

3. Den zitierten Satz umweht ein aufdringlicher Geruch von politischer Korrektheit (wie bei Frau Käßmann wohl nicht anders zu erwarten). Daß es in dem Buch von Monika Heisig hauptsächlich um kriminelle jugendliche Zuwanderer geht, kann man daraus nur erraten. Daß es mehr oder weniger ähnliche Kriminalität auch unter deutschen Jugendlichen geben mag, ist doch so selbstverständlich, daß weder Kirsten Heisig noch sonst jemand das ausdrücklich „zeigen“ muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2015 um 09.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30272

Zuwanderer auf die korrekte Benutzung der Toilette hinzuweisen wird als "unfaßbare" Überheblichkeit bezeichnet. Nun, da wäre ein wenig interkulturelle Belehrung am Platz. In Indien zum Beispiel habe ich selbst beobachtet, daß ärmere Menschen, denen der Staat Sozialwohnungsblocks mit Binnentoiletten (ich war nicht drin, kann es mir aber vorstellen) errichtet hatte, frühmorgens trotzdem über die Straße gingen, um auf freiem Feld ihre Notdurft zu verrichten und dabei auch ein wenig zu plaudern. Diesen Menschen kommt es geradezu ungehörig vor, dieses Geschäft innerhalb der Wohnung zu erledigen. (Wie sie es ja auch unmöglich finden, daß die Europäer und Amerikaner zum Säubern des Hinterns mutmaßlich dieselbe Hand benutzen wie fürs Essen.) Das ist doch völlig konsistent gedacht und eine so feste Gewohnheit, daß ein deutlicher Hinweis auf andere Sitten keineswegs abwegig oder unverschämt ist. Da jetten unsere Leute dauernd um die ganze Welt und kriegen so wenig mit!

Ziemlich lange wird es wahrscheinlich dauern, bis Männer aus gewissen Ländern lernen, daß man hier kein Messer mit sich führt, um in Streitigkeiten seinen Mann zu stehen. Das ist besonders schwer durchzusetzen, wenn man an unsere amerikanischen Freunde mit ihren Schußwaffen denkt. Man kann es so oder so machen, aber bei uns macht man es eben so. Damit ist kein Unwerturteil verbunden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2015 um 18.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30254

Allerdings zeigt Kirsten Heisig, die sich leider durch eine Selbsttötung weiteren Debatten entzogen hat, dass dies ganz gewiss nicht nur ein Problem von Zugewanderten ist. (Margot Käßmann: Antrittsvorlesung als Max-Imdahl-Gastprofessorin. Bochum 12. Januar 2011)

Warum hinterläßt die Formulierung bei mir einen unangenehmen Nachgeschmack?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2015 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30246

In einer besonders geschmacklosen Werbeaktion haben sich Bundestagsabgeordnete und andere Leute in schicken Schwimmwesten auf einem ff Original Flüchtlingsboot auf der Spree ablichten lassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2015 um 09.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30230

Die AfD droht Merkel mit einer Strafanzeige wegen Schleuserei, Seehofer droht ihr mit einer Verfassungsklage. Er wirkt allerdings eher wie ein Hund, der hinter dem sicheren Zaun ganz wild tut, aber den Schwanz einzieht, wenn man das Gartentor öffnet. Er ist ja für die Außengrenzen nicht zuständig, und auf den angekündigten Alleingang würde die Reichexekution folgen usw., alles ganz unterhaltsam. In Bayern verzetteln sich besonders viele Spitzenpolitiker mit Schaugefechten, während Zehntausende ihre Pflicht tun und mehr als das.

Ein Flüchtlingssoli der EU wird die Begeisterung für immer mehr Zuwanderung bedeutend steigern. Er läßt sich aber kaum vemeiden, wenn man den Migranten nicht erlaubt, auch unterhalb des Mindestlohns anzufangen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2015 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30216

Es wird behauptet, Merkel habe die gegenwärtige Völkerwanderung ausgelöst. Aber stimmt das auch? Hat sie sie auch nur beschleunigt?
Nach meiner Erinnerung hat sich die Haltung der Bundesregierungen über die Jahrzehnte hinweg nie geändert. Ich habe mich schon von Berufs wegen mit der Ausländerpolitik befassen müssen und immer gefunden, daß das Hauptproblem in der Unentschiedenheit eines Einwanderungslandes wider Willen lag. Daher hat sich in der ganzen Welt herumsprechen können, daß es illegalen Zuwanderern nirgendwo so leicht gemacht wird wie in Deutschland. "Wir bleiben alle" ist daher der angemessene Slogan, den die "Unterstützer" ihrer Klientel in den Mund legen konnten. Ergänzt wurde er durch die unausgesprochene Maxime oder vielmehr Zustandsbeschreibung "Jeder kann kommen". Das ist aber keine Erfindung Merkels.

Schon die Zuwanderung der Gastarbeiter und ihrer Familien wurde durch Spruchweisheiten von Max Frisch bzw. Heinz Kühn aus dem Bereich rationaler Politik herausgelöst, und so ging es dann weiter bis heute, ein deutscher Sonderweg.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.10.2015 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30199

Nun ja, es kommt drauf an. Fast alle Übersetzer, die ich kenne, übersetzen ausschließlich in ihre Muttersprache. Es hängt hauptsächlich vom Einsatzgebiet und vom Arbeitsplatz ab. Es gibt nicht wenige Arbeitgeber, die nur muttersprachliche Übersetzer anstellen. Die Forderung, Nichtmuttersprachler bei Stellenausschreibungen nicht auszuschließen, führt dann zu solchen sprachlichen Verrenkungen in Stellenanzeigen, die den betreffenden Bewerbern am Ende aber nichts nützen, sondern nur die Arbeit derer erschweren, die sich durch einen zusätzlichen Stoß aussichtsloser Bewerbungen durchwühlen müssen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2015 um 04.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30198

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/mein-urteil/arbeitsrecht-darf-ein-arbeitgeber-deutsch-als-muttersprache-verlangen-13809367.html

Hessisches LAG 16 Sa 1619/14)

Das Gericht hat entschieden, daß bei Ausschreibungen niemand wegen seiner „Ethnie“ bzw. „Herkunft“ diskriminiert werden dürfe. Das geht allerdings etwas schief am Thema Sprache vorbei. Leser haben das ebenfalls kritisiert. Die meisten meinen, mit einer anderen Formulierung („Deutschkenntnisse auf muttersprachlichem Niveau“) sei dem Recht Genüge getan.
Selbst Übersetzer übersetzen nicht ausschließlich in ihre Muttersprache, am wenigsten Fachübersetzer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2015 um 03.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30197

Neulich konnte man in der Notunterkunft in Berlin-Spandau miterleben, wie Dutzende freiwilliger Helfer – oft vom Typ ergrauter Akademiker oder zupackender Familienmanagerin – sechshundert Kleiderkartons von einem Gebäude in ein anderes schleppten, um dort eine neue Ausgabestelle für die Kleiderspenden herzurichten. Die Leute schufteten schwitzend, viele waren körperliche Arbeit ganz offenbar nicht gewöhnt. Drum herum standen in Scharen, rauchend, scherzend, Musik hörend ebenso viele Iraker, Syrer, Albaner und taten: Nichts. Nach und nach kamen mehrere, die es nicht mit ansehen konnten, und griffen den Freiwilligen unter die Arme. Die meisten aber schauten zu, einige beschwerten sich darüber, dass sie nicht schon während des Umzugs in den Kartons stöbern durften. (Peter Carstens in FAS 4.10.15)

Der wohlwollende Verfasser sucht selbst für dieses Verhalten die Schuld noch bei den Deutschen.
Möglicherweise betrachten viele Zugewanderte das Schleppen von Kartons – auch noch vor den Augen der anderen – als eine ehrenrührige Tätigkeit. Das erinnert mich an Erfahrungen mit lieben indischen Kollegen, die schwer beleidigt waren, wenn man mit ihnen in der zweiten Klasse der Deutschen Bahn zu reisen wagte. Etwas anderes als die erste Klasse kam nicht in Frage, wenn man es in Indien zu etwas gebracht hatte (obwohl die Professoren nicht gerade auf der obersten Stufe stehen) oder der richtigen Kaste angehörte. Für dieses Verhaltensmuster kann man niemanden persönlich verantwortlich machen, das sind eben ganz verschiedene Welten. Die illusionäre Willkommenskultur muß zwangsläufig zu Enttäuschungen führen, weil man eben keine Ahnung hat.
Es wird wohl erst in der nächsten Generation etwas einfacher. Die unbegleitet eingereisten Jugendlichen (von 14 bis 18), denen meine Frau Deutschunterricht gibt, wirken gutwillig und lernfähig. Es kommt alles auf die Umgebung an, in der sie aufwachsen; an Bemühungen der Stadt Erlangen und vieler freiwilliger Helfer fehlt es nicht.

Frustrierend sind nicht nur die wirklichen Verhältnisse, sondern auch die schönfärberischen Artikel in der Jubelpresse, die aber nun ins Gegenteil umzuschlagen beginnen, was der Sache auch wieder nicht gut bekommt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.10.2015 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30177

»Beim Tod einer in einer Kleingartenanlage in Dessau-Roßlau gefundenen Frau könnte es sich um ein Familiendrama handeln.
Möglicherweise habe ein naher Angehöriger sie „aus kulturellen Motiven” umgebracht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Dessau-Roßlau am Samstag morgen. Es bestehe der Verdacht, daß es „Konflikte mit dem Lebensstil” der jungen Frau gab. Details blieben aber zunächst unklar. Auch die Identität der Frau war weiter unbekannt. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte die Tote aus dem Nahen Osten stammen und schon länger im Landkreis Anhalt-Bitterfeld gelebt haben.«

Ach so, denkt der Leser, ein Ehrenmord also.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2015 um 17.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30172

Gestern wurde der Philosoph Precht übers Essen befragt, fast eine ganze Seite in der FAZ:

Die gehobene Mittelschicht wird sich immer hochwertiger ernähren, zum Beispiel mit Biofleisch. Für die sozial Abgehängten bleiben industriell produziertes Fleisch und preiswertes Fastfood. (...)
Kraken essen geht gar nicht. (...) Ein Octopus ist ein unglaublich komplex entwickeltes Wesen, das ist der Mensch des Meeres. Sicher gehört auch eine ästhetische Faszination dazu. Oder Elefantenrüsselfische. Sie haben im Verhältnis zum Körpergewicht das größte Gehirn aller Lebewesen im Tierreich.

Was er eben so aufgeschnappt hat (Elefantenrüsselfische!). Bemerkenswert ist die konventionelle Sprache: hochwertig ist ein nichtssagender Ausdruck aus der Werbung (hochwertige Stickerei usw.) Die sozial Abgehängten sind die Armen. Gesundes Essen ist nachweislich eher eine Frage der Intelligenz und der Bildung als des Geldes. Ich könnte einige Tips geben, wie man viel besser und billiger lebt als mit Fastfood.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2015 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30147

Als zwei Arbeiter am prächtigen Sitz der Präfektur in Nizza eine Hakenkreuz-Fahne ausrollen, schreien Passanten die Männer an. Die Sorge, hier seien Faschisten am Werk, ist aber unbegründet. (FAZ 29.9.15)

Natürlich! Das Hakenkreuz war ja das Symbol des Nationalsozialismus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.09.2015 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30138

„Kippt die Stimmung in der Flüchtlingskrise?“ (t-online.de 29.9.15)

Nein, nur die (eingebettete) Berichterstattung. Die Presse verwechselt sich wieder mal mit der Wirklichkeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.09.2015 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30136

Der "Tagesspiegel" konstruiert aus Sonntagsreden und hingeworfenen Bemerkungen, daß aus Gauck der Verstand spricht, aus Merkel das Gefühl. Wer hätte das gedacht! Und:

Während Merkel die angesichts der Aussicht auf Hunderttausende von Flüchtlingen ängstlichen und skeptischen Deutschen gleichsam ausbürgert („dann ist das nicht mein Land“), erklärt Gauck deren Sorgen für verständlich und berechtigt.

Hilfe! Merkel hat mich ausgebürgert!

Eine richtig schöne Lügenpresse ist leichter zu ertragen als das tägliche Geschwätz der zeilenschindenden Kommentatoren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2015 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30101

Mit den Bettlern haben sich auch die Formen nonverbaler Kommunikation erhöht. Der deutsche Bettler saß gern mit Hund am immergleichen Platz, eine Institution wie die Post oder der Kaufhof. Dann kamen die ausländischen Frauen mit ihren Kindern und professioneller Elendsmiene und -gestik, und neu waren auch die Hintermänner, die in regelmäßigen Abständen vorfuhren, um die Einnahmen sicher zu verwahren. Was wir aus anderen Ländern kannten, wirkte hier exotisch, aber nachvollziehbar. Anstrengender ist der Anblick kräftiger junger Männer, die vor den Ladeneingängen knien und mit dem Oberkörper vor- und zurückwippen. Neuerdings sehe ich oft Leute, die von weitem den Finger heben wie in der Schule. Anfangs dachte ich noch, sie hätten sich verlaufen und wollten nach dem Weg fragen, einen Zettel mit Adresse in der Hand. Ich habe angehalten, bin vom Rad gestiegen und habe mich erkundigt, aber es war dann doch dieselbe Bettelei wie sonst.
Kaum je habe ich aber die internationale Bakschisch-Geste wahrgenommen (geschlossene Finger mehrmals zum geöffneten Mund führen). Könnte mit der Herkunft zusammenhängen oder der Abwehr von "Sachleistungen" statt Geld dienen, wie es den Deutschen vielleicht unterlaufen könnte.

Um so seltener sieht man den fabelhaften russischen Akkordeonspieler, der nicht nur die unvermeidlichen Vier Jahreszeiten zum besten gibt, sondern manchmal auch eine Bachsche Orgeltoccata und von mir zwei Euro und ein Kompliment auf russisch bekommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2015 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30052

Wenn man auch für kleinste Grüppchen einen Platz im Herzen der Politischen Korrektheit freihalten will, gerät man ins Unferlose. Warum zum Beispiel sollten zwar die religiösen Überzeugungen unter besonderem Schutz stehen, nicht aber andere Meinungen? Kreationisten, nicht aber Evolutionisten? Glaubt man, die Wissenschaften könnten sich schon selbst verteidigen, weil sie Argumente haben? Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein.

Ich bin ein Anhänger des Radikalen Behaviorismus und fühle mich verletzt, wenn jemand diese Theorie kritisiert oder verzerrt darstellt. Allerdings kann ich mich wehren und habe es auch schon getan. Aber eigentlich sollte jede "zersetzende" Kritik verboten und nur aufbauende erlaubt sein, nicht wahr? Der Reichspropagandaminister findet das auch.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 24.09.2015 um 09.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30049

Wenn es eine Microaggression theory gibt (Beitrag #30043), müßte es eigentlich eine Microlove theory als Gegenstück geben. Oder zumindest die Theorie, daß sich microaggression durch microlove neutralisieren läßt. Praktisches Beispiel: Wenn ich Neger sage und dazu lächle, ist das so, wie wenn ich Schwarzer sage und nicht lächle.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2015 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30045

Flüchtlinge aufzunehmen ist in den meisten Fällen ein notwendiges Übel. Selbst die Hugenotten (meine Vorfahren) wurden zwar vom Landesherrn eingeladen und willkommen geheißen, nicht aber von der Bevölkerung; auch nicht hier in Erlangen. Es dauerte lange, bis man sich mit der unliebsamen Konkurrenz und Fremdheit arrangiert hatte. Dabei wurden sie nicht als Flüchtlinge aufgenommen, sondern eher als die heute wieder diskutierten "Facharbeiter" und erwünschten Einwanderer einer dünn besiedelten, in weiten Bereichen noch durch den Dreißigjährigen Krieg entvölkerten Gegend.
Meine Mutter flüchtete gegen Kriegsende vor der Roten Armee mit mir im Kinderwagen und meinem Bruder an der Hand. Im Westen, ihrer alten Heimat, fand die Familie schließlich Unterkunft in einem lange Zeit noch mit anderen Flüchtlingen vollgestopften Haus; immerhin Deutschen, wenn auch fremdartigen.

Das sind die schlimmen Tatsachen, an die ich erinnere, um das Gerede von "Willkommenskultur" in Frage zu stellen. Willkommen ist der Flüchtling nirgends und erwartet es auch nicht, man fügt sich bestenfalls von allen Seiten in die Notwendigkeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2015 um 14.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30043

Übrigens erschien auch in der DDR ein hübscher Reclam-Band "Schwarzer Bruder – Lyrik amerikanischer Neger" (zweisprachig 1966); im Nachwort ist nur von Negern die Rede.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2015 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30042

Treibt man etwas auf die Spitze, so übertreibt man und hat die Lächerlichkeit. Kein Zweifel. Aber wo fängt es an? (Fontane)

Das Übertriebene hat auch was Gutes. Wer sich schon rein sprachlich ins Nirwana befördert, richtet im Diesseits wenigstens keinen Schaden mehr an.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.09.2015 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30041

Wie ich soeben aus dem Radio erfahre, sind »wir« heute in einigen Gebieten Nordrhein-Westfalens bei den Höchsttemperaturen »einstellig unterwegs«. Und dann dieser Artikel hier: http://www.welt.de/kultur/article146577437/Ein-kleines-Woerterbuch-des-Gender-Wahnsinns.html Mal sehen, ob ich heute noch aus dem Staunen herauskomme.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2015 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30038

Zur jüngsten Blüte der Political correctness in den USA, heute in der FAZ besprochen von Wolfgang Krischke, kann ich den Wikipedia-Artikel "Microaggression theory" empfehlen, der auf dem neuesten Stand ist. Man sollte auch das Tool beachten, das am Ende verlinkt ist. Ich erwarte, daß unsere Universität in absehbarer Zeit nicht dahinter zurückstehen will. Das Büro für Gender und Diversity sollte durch eine Task force verstärkt werden.

Ob über Bäume oder nicht, jedes Gespräch ist ein Verbrechen. Wer etwas sagt, sagt etwas anderes nicht. Das ist schon Diskriminierung. Omnis determinatio est negatio. Schweigen geht aber erst recht nicht. Man kann sich eigentlich nur noch erschießen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 23.09.2015 um 02.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30037

Ach so, ein Mißverständnis. Ich hatte das Wort wir auf uns Reformgegner bezogen.

Ja, ein wenig erinnert die indirekte Empfehlung, in Geschäften mit korrektem Aufkleber zu kaufen, an den einstigen Boykott der falschen Geschäfte. In beiden Fällen geht es um die Durchsetzung der politisch korrekten Einstellung gegenüber einer bestimmten Gruppe von Menschen, trotz anderweitiger Gegensätzlichkeit.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 22.09.2015 um 21.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30036

Es gab gewiß schon eine allgemeine Nichtkaufempfehlung in Deutschland in der Vergangenheit. Und damals standen auch gleich "Kundenberater" in einheitlicher Kleidung parat, um Skeptiker zu überzeugen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.09.2015 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30029

Ja, aber unsere Idee einer Nichtkauf-Empfehlung bezog sich auf bestimmte Produkte wegen ihrer nachteiligen Eigenschaften. So wie bestimmte Produkte als "fair" gekennzeichnet werden oder zum Beispiel "aus nachhaltigem Fischfang". Das finde ich in Ordnung, es orientiert den potentiellen Käufer.

Gut, so ein Aufkleber "Refugees are welcome" hat wohl kaum geschäftliche Auswirkungen. Als Refugee, der kaum Deutsch spricht, würde ich aber lieber ein Geschäft mit Aufkleber betreten, wenn es sagen wir 50:50 Geschäfte mit und ohne den Aufkleber gäbe. Je mehr Geschäfte den Aufkleber verwenden, desto mehr besagt er doch: "Wer diesen Aufkleber nicht verwendet, hat mutmaßlich etwas gegen Flüchtlinge." Das ist das Spaltende, das Gemeine an der Aktion.

Außerdem ist die Botschaft gar nicht so klar. Wenn sie auf einem T-Shirt steht, bedeutet sie eine Zustimmung zu der politischen Position "Flüchtlinge sind in Deutschland willkommen", vielleicht auch "Ich mag Flüchtlinge", vielleicht auch "Hallo Flüchtling, du kannst mich ansprechen". Wenn sie an der Tür eines Geschäfts klebt, was bedeutet sie dann? "Flüchtlinge sind in diesem Geschäft willkommen", sollte man auf den ersten Blick meinen. Also plötzlich etwas ganz anderes. Oder doch nicht, vielleicht zugleich dasselbe wie auf dem T-Shirt, also "Flüchtlinge können aus meiner Sicht gern nach Deutschland kommen"?

Es ist doch gut möglich, daß ein Inhaber den Aufkleber ohne zu lügen auf seine Ladentür klebt, um Flüchtlinge ausdrücklich in sein Geschäft einzuladen, obwohl er der Meinung ist, daß der Zuzug der Flüchtlinge unbedingt begrenzt werden muß (also das Gegenteil von "willkommen", auf alle Flüchtlinge bezogen). Am Ende weiß niemand, was der Aufkleber überhaupt bedeuten soll.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 22.09.2015 um 08.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30027

Eine Nicht-kauf-Empfehlung – oder war es mehr? – hatten wir auch schon mal, so irgendwann vor ... ich weiß nicht wieviel Jahren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2015 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30026

Aufkleber und Buttons mit moralischen Botschaften und Bekenntnissen finde ich insgesamt unerfreulich. Allzu deutlich sollen sie nur dem Träger einen Gratispunkt eintragen.
Am besten hat mir noch gefallen "Eure Armut kotzt mich an", weshalb ich ich mich auch im "Sprachreport" vor 20 Jahren (ids-pub.bsz-bw.de/files/305/Sprachreport_11_1995_1.pdf) auf ein Scharmützel mit den IDS-Gutmenschen eingelassen habe.
Elvis Presleys Manager verkaufte zwei Buttons gleichzeitig: "I love Elvis" und "I hate Elvis" und machte gutes Geld. So ist es richtig.
In diesem Sinn: "Refugees are welcome" (solange sie zahlen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2015 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30024

Geschäftliche Auswirkungen sind wohl nicht zu erwarten, dazu ist die Gewöhnung an solche unverbindlichen Bekenntnisse schon zu weit fortgeschritten. Was umgekehrt ja bedeutet, daß ihr Sinn schleierhaft bleibt. Es ist halt eines der vielen Stöckchen, über die zu springen einen guten Staatsbürger ausmacht. Wie es innen aussieht, geht keinen was an.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 21.09.2015 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30018

PS: Ich finde das Vorhaben auch deshalb gemein, weil sich die Inhaber überlegen müssen, ob sie sich damit mehr Vorteile oder mehr Nachteile einhandeln. Es wird ja auch Leute geben, die Geschäfte mit solchen Aufklebern eher meiden werden, entweder weil sie eine andere Einstellung haben oder weil sie eine solche Politisierung der Einkaufswelt ablehnen.

Womöglich trägt der Künstler Kopfzerbrechen und Ärger in viele einzelne Läden hinein. Was soll dabei herauskommen? Korrekte Leute kaufen in Geschäften mit korrekten Aufklebern ein, und auf Geschäfte ohne den Aufkleber mitsamt ihren Kunden kann man dann mit inbrünstiger Verachtung herabsehen, oder wie? Und wenn ein Kunde plötzlich nicht mehr kommt, handelt er sich den Verdacht ein, er sei gegen Flüchtlinge, auch wenn sein Fernbleiben andere Gründe haben kann. Toll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2015 um 16.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30017

Das kann ich nicht sagen, ich nehme an, daß die Ladeninhaber einzeln angesprochen werden. Ich möchte noch hinzufügen, daß Ausländer auch bisher schon in allen Erlanger Geschäften bedient wurden. Der Erfinder vertreibt - selbstverständlich gemeinnützig - auch T-Shirts mit Aufschrift, aber die anbrechende kalte Jahreszeit macht es möglich, noch eine Zeitlang ohne solche Accessoires durch die Straßen zu kommen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 21.09.2015 um 16.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30016

Gruselig. So spaltet man die Gesellschaft. Fordert er nur allgemein dazu auf, oder marschiert er in die einzelnen Geschäfte und trägt sein Anliegen vor?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2015 um 12.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#30015

Ein Künstler fordert Erlanger Geschäfte auf, den Aufkleber "Refugees are welcome" an Schaufenstern oder Ladentüren anzubringen. Mal sehen, wer nicht mitmacht; da kaufe ich dann nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2015 um 11.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29983

Im NZZ-Beitrag, dem ich den Link verdanke, wird auch erwähnt, daß ALDI kürzlich eine Flüssigseife aus dem Programm genommen habe, weil darauf eine Moschee abgebildet war (wegen der orientalischen Duftnote). Angeblich hatten Muslime sich verletzt gefühlt. Leser haben erkannt, daß es sich um die Hagia Sophia handelte... (http://www.welt.de/wirtschaft/article136502475/Muslime-empoeren-sich-ueber-Aldi-Seife-mit-Moschee.html)

Das ist nur ein winziger Teil der Epidemie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2015 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29979

Amerika ist uns oft einen Schritt voraus, und dann sehen wir uns und unsere Zukunft wie in einem Hohlspiegel:

http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2015/09/the-coddling-of-the-american-mind/399356/

Warum gerade Studenten? Nun, unter ihnen gibt es überall viele, die den fachlichen Anforderungen nicht gewachsen sind und es dann auf der Betroffenheitsschiene versuchen. Aber es fehlt auch an Mut bei den Professoren und Dekanen, die den verletzten Seelchen nicht zuzurufen wagen: Du spinnst wohl? Marsch, an die Arbeit!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2015 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29975

Anschläge auf Flüchtlingsheime – Feuer aus der Mitte der Gesellschaft (SZ 17.9.15)

(Der Artikel sagt dann aber nur, daß die Polizei nicht weiß, wer die Brandanschläge verübt hat.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.09.2015 um 13.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29965

In Erlangen finden erstmals die "Wochen über Schwarze Geschichte" statt, organisiert von einer schwarzen grünen Stadträtin. Im Interview der Erlanger Nachrichten geht sie auch noch einmal mit Innenminister Herrmann ins Gericht, weil er das N-Wort gebraucht habe. Nun hat er es allerdings nicht gebraucht, sondern aus den Worten seines Vorredners übernommen und sich ausdrücklich positiv über Schwarze geäußert; das nutzt ihm aber nichts, denn er hat das N-Wort artikuliert:

Das „N-Wort“ ist ein rassistisches Schimpfwort, und kann nicht durch nachträgliche Erklärungen weggelächelt werden. Aus Respekt vor der Geschichte der Afrikaner und African-Americans, die ihr Leben verloren haben und dafür gekämpft haben, dass dieses Wort abgeschafft wurde, darf das „N-Wort“ nicht stillschweigend hingenommen werden.
Dieses Wort ruft schlimme Erinnerungen hervor. Es wurde während der Sklaverei, der Kolonial- und Apartheidzeit von den weißen „Herren“ benutzt, um Schwarze Menschen in ihrer Menschenwürde bewusst zu verletzen, zu demütigen und sie als „Untermenschen“ zu betrachten und damit die Verbrechen, die an Ihnen begangen wurden, zu rechtfertigen. Ich kann nur hoffen, dass sich der Innenminister ganz offiziell für diesen faux-pas bzw. Mangel an sprachlicher Sensibilität entschuldigen wird, damit dieses „N-Wort„ nicht wieder salonfähig wird.


Das ist natürlich alles Unsinn. Vgl.:

The event grew out of “Negro History Week,” the brainchild of noted historian Carter G. Woodson and other prominent African Americans.
(http://www.history.com/topics/black-history/black-history-month)

Der Gipfel des Unsinns ist wohl die Behauptung, die Schwarzen hätten für die Abschaffung des N-Wortes gekämpft und ihr Leben hingegeben.

Vor mir liegt gerade der Klassiker "Negro Slave Songs in the United States" von Miles Mark Fisher, einem Schwarzen. Es erübrigt sich, weitere Belege anzuführen; negro und Neger waren bis gegen 1990 die normalen Bezeichnungen.

Die Zeitung tut Frau Herzberger-Fofana den Gefallen, das Wort schwarz immer groß zu schreiben (Schwarze Geschichte, Schwarze Menschen, weil eine winzige Interessengruppe es sich so ausgedacht hat. Was sie sich aber dabei gedacht hat, müßte jedesmal neu erklärt werden, und so bleibt es auch in diesem Fall eine bloße Kuriosität. (Mich erinnert es gemeinerweise an das stets groß geschriebene Deutsch in einigen Texten vom Anfang des 20. Jahrhunderts.)

Eigentlich will man um Verständnis und Sympathie werben – warum macht man es dem Publikum so schwer?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.09.2015 um 07.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29964

In immer kürzeren Abständen legt mir auch der PEN Offene Briefe, Spendenaufrufe und Resolutionen zum Flüchtlingsproblem zum Unterzeichnen vor. Das geht über den Vereinszweck hinaus.
Ich unterzeichne grundsätzlich gar nichts. Manche unterzeichnen ebenso grundsätzlich alles, was menschelt.
Bezeichnenderweise wird praktisch nie zwischen Asyl und illegaler Zuwanderung unterschieden. Es gilt als inhuman, Unterschiede zu machen. Sind doch alles Menschen. Schon recht, aber wo kommen wir damit hin? Gefühl ist alles, Denken unerwünscht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2015 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29954

Natürlich kann man Merkels Politik kritisieren, aber man sollte die richtigen Anknüpfungspunkte wählen. Ihr Satz, Asyl habe keine Obergrenze, gibt ja nur geltendes Recht wieder. Selten erwähnt wird in der moralisierend aufgeladenen Diskussion, daß Krieg kein Asylgrund ist. Man kann Kriegsflüchtlinge aus humanitären Gründen aufnehmen, wobei es durchaus eine Obergrenze gibt; Asyl hat aber tatsächlich keine.

Die Verachtung für das geltende Recht als vermeintlich kalt und unmenschlich hat wieder mal eine Hochblüte.

Meine persönliche Willkommenskultur besteht zunächst in verstärkten Sicherheitsvorkehrungen. Die düsteren Gestalten (nach eigener Auskunft aus Rumänien), die täglich durchs Dorf ziehen und sich Zugang zu den Häusern zu verschaffen suchen, machen mich mißtrauisch. Vor ein paar Tagen klingelte einer an der Haustür, während gleichzeitig ein anderer sich über den Garagenhof, auf dem er nichts zu suchen hat, der Rückseite des Reihenhäuschens näherte und meine Frau dort in ein Gespräch verwickelte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2015 um 17.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29911

Die dauererregten moralischen Wochenschriften haben einen neuen Fall:

Seehofers Stöpselsatz stellt Deutschland vor der Welt bloß (focus.de 11.9.15)

Eduard Engel und nach ihm Ludwig Reiners kannten den deutschen Stopfsatz, aber was ist ein Stöpselsatz?

"Ich sehe keine Möglichkeit, den Stöpsel wieder auf die Flasche zu kriegen."

Und diese Äußerung eines weithin unbekannten Bayern soll Deutschland vor der Welt bloßstellen? Der Focus macht sich nicht einmal die Mühe, die Redensart als einen hinreichend anstößigen Vergleich zu entlarven.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2015 um 09.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29881

Eine Erinnerung: Meine private Hindilehrerin in Neu Delhi überging ein Wort im Lehrbuch und behauptete, das gebe es gar nicht. Ich schlug im Wörterbuch nach: es bedeutet "Unterleib".
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 08.09.2015 um 20.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29872

Eine semantische Darstellung des Bombenfundes, weswegen heute die Regensburger Straße in Nürnberg gesperrt wurde, sehe ich auch in dem Begriff "Weltkriegsbombe" oder "Blindgänger".
Nur der Sprengmeister Weiß weiß, wer die Bombe abgeworfen hat. Würde man die Herkunft nennen, implizierte das eine Schuldzuweisung, und das geht natürlich auf gar keinen Fall.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 08.09.2015 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29871

Wenn die Mehrheit dafür ist, dem Islam einen hervorgehobenen Rang vor anderen Religionen zu geben, ist eine demokratische Willensbildung erfolgt, der sich eine demokratisch legitimierte rechtsetzende Entscheidung anschließen kann. Der Forderung des Grundgesetzes nach Glaubensfreiheit kann durch einen formalen Passus hinreichend nachgekommen werden.

Böckenfördes Formel hat mehr Leben als eine Katze. Es ist wohl an der Zeit, die Voraussetzungen für einen freiheitlichen Staat auf's neue zu schaffen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.09.2015 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29869

Eine Sonnenblume vor unserm Fenster wurde dieses Jahr 3,50 m groß. Schon sehr groß, nicht? Aber was ist das gegen die über 100 m hohen Bäume an der amerikanischen Westküste?

Ähnlich ist es mit dem Größenverhältnis der mittelalterlichen und heutigen Flüchtlingswellen (auch relativ zu den Gesamtbevölkerungszahlen damals und jetzt).

Und wenn Christen von einem christlichen Ort an einen anderen christlichen Ort ziehen und den dortigen Menschen von vornherein sehr ähneln, ist es auch etwas völlig anderes, als wenn zigmal so große Wanderungen zwischen völlig verschiedenen Religionen und Kulturen stattfinden.

Kulturelle Vielfalt hört sich erstmal gut an, und Integration bedeutet selbstverständlich keinen Zwang zur Konversion, schließlich haben wir Glaubensfreiheit. Solange demokratisch geschulte Menschen noch in der Mehrheit sind, mag das auch alles funktionieren. Aber es kommt einmal eine Zeit, wo die aus Nahost und Afrika Eingewanderten und ihre Nachkommen in der Mehrheit sein werden. Was wird uns unsere schöne Demokratie dann nutzen? Wer wird sich dann noch über kulturelle Vielfalt freuen und Glaubensfreiheit verteidigen?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.09.2015 um 13.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29868

Auch das (lateinische) Christentum hat in der Vergangenheit große Flüchtlingswellen verursacht: Vertreibung der Protestanten aus Böhmen nach der Schlacht am Weißen Berg; Vertreibung der Protestanten aus Österreich im Zuge der Gegenreformation; Vertreibung der Hugenotten aus Frankreich. Jedesmal waren sie ein Gewinn für das aufnehmende Land.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 08.09.2015 um 07.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29866

Genau wegen dieses unterschiedslosen Gebrauchs von "Flüchtlingen" hatte ich vor drei Tagen einen deutschen Radiosender angeschrieben und ihm die unzulässige Verallgemeinerung vorgehalten. Der Sender wüßte doch gar nicht, ob es sich um Flüchtlinge handele.
Die Antwort kam postwendend. Man lasse sich nicht davon abhalten, mit der gebotenen journalistischen Sorgfaltspflicht über ein gesellschaftspolitisch hochaktuelles Thema zu berichten. (Vordruck Nr. xy)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.09.2015 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29864

In der Migrationsdebatte spielen auch semantische Fragen eine Rolle. Bekannt ist die Diskussion um die nicht mehr aufzuhebende unterschiedslose Redeweise von "Flüchtlingen".
Der Begriff "Wirtschaftsflüchtling" sei, so wird gesagt, zu Unrecht negativ besetzt. (Vom "Hass auf Wirtschaftsflüchtlinge" spricht ein Soziologe übertreibend.) Jeder habe das Menschenrecht auf die Suche nach einem besseren Leben. Die jungen Männer, die als "Wirtschaftsflüchtlinge" kommen, seien wagemutig, unternehmend, daher willkommen zu heißen usw.
Aber noch niemals ist aus dem Recht auf den "pursuit of happiness" ein Recht abgeleitet worden, in ein beliebiges Land ohne Umstände einwandern zu können. Damit würde man das erste Prinzip der staatlichen Souveränität beseitigen: selbst zu bestimmen, wer dazugehören soll.
Dies wird dann noch mit dem Asylrecht zusammengerührt. Leider tun gerade die Journalisten wenig, um die Leser täglich aufzuklären und für klare Begriffe zu sorgen, und die Verachtung für das "formal" Rechtliche ist fast allen gemeinsam.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.09.2015 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29863

Dieser Fall ging durch die Presse:

The Democratic Party of Connecticut has announced that its annual fundraiser, the “Jefferson Jackson Bailey Dinner,” will be renamed, keeping only the “Bailey” in its reconstitution. John Bailey, a Connecticut New Dealer and JFK supporter, never owned slaves and never fought Indians. The other two­­ — Democratic presidents — were imperfect in the extreme and, presumably, no longer worthy of being honored. (www.salon.com)

Die Spürhunde der Political correctness sind auch drüben unermüdlich unterwegs, und sie werden immer etwas finden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2015 um 06.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29852

Der Kasseler Biologe Ulrich Kutschera, bisher in der Öffentlichkeit durch seine Kritik des Kreationismus bekannt, hat sich nun mit dem Genderwahn beschäftigt. Von Feministen bei der Universitätsleitung denunziert, wurde er umgehend von dieser gerüffelt.
Diesen Kampf wird er verlieren, da kann er noch so rational argumentieren und noch so breite Zustimmung anderer Wissenschaftler finden. So ist nun mal die Lage.

In Dortmund hat die FDP der Finanzierung des Ev. Kirchentages 2019 aus dem Haushalt der verschuldeten Stadt zugestimmt. Diese ehemals liberale Partei trat früher einmal für die Trennung von Staat und Kirche ein. Das will sie sich heute keinesfalls nachsagen lassen. Nur die mehr oder weniger Radikalen stimmten dagegen. So ist nun mal die Lage.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.09.2015 um 17.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29848

Angela Merkel - Zauberlehrling
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 04.09.2015 um 10.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29847

In dem antirassistischen Film “Rat mal, wer zum Essen kommt“ ("Guess Who’s Coming to Dinner") mit Sidney Poitier, Katharine Hepburn und Spencer Tracy, 1967, stellt eine Tochter aus gutem weißen Hause ihren schockierten Eltern einen Schwarzen als ihren Zukünftigen vor. In der deutschen Synchronfassung werden unentwegt die Wörter Neger und Negerin verwendet, und zwar völlig wertfrei, es gibt nicht den Hauch eines abschätzigen oder gar beleidigenden Untertons. Die Wirklichkeitsferne der Sprachblockwarte ist schon erstaunlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2015 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29846

Brandanschläge auf Ausländer (wie Brandstiftung überhaupt) sind schlimm genug. Der Übereifer in der Bekundung von Empörung bewirkt das Gegenteil.

Offenbar haben nicht Neonazis die Turnhalle der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Wittenau angezündet, sondern kokelnde Kinder aus dem Flüchtlingsheim nebenan. (...)
Politiker aller Parteien hatten sich nach dem Brand im Bezirk Reinickendorf entsetzt gezeigt, Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) hatte „mehr Sicherheit“ für Flüchtlinge gefordert, andere hatten auf eine „aktive NPD“ in Reinickendorf hingewiesen.
(Tagesspiegel 29.8.15)

Zum selben Fall:
Alle fünf im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien hatten in einem gemeinsamen Aufruf erklärt, „mit aller Macht gegen diesen Terror“ von Rechtsextremisten gegen Flüchtlinge zu stehen. (FAZ 2.9.15)

Warum warten die Politiker nicht ab, bevor sie das Maul aufreißen?

Schwerverletzter bei Brand in Flüchtlingsheim
Bei einem Feuer in einem Flüchtlingsheim in Hessen ist eine Person schwer verletzt worden. (...) Bei einem Brand in einem Flüchtlingsheim in Heppenheim ist ein Bewohner schwer verletzt worden. Die Person rettete sich mit einem Sprung aus der zweiten Etage ins Freie und wurde dabei schwer verletzt, wie die Polizei mitteilte. Weitere Bewohner erlitten leichte Rauchgasverletzungen.

(ZEIT 4.9.15)

Wörtlich verstanden ist alles richtig: "Bei" einem Brand verletzte sich der Mann, aber der Gesamteindruck ist der einer beabsichtigten Irreführung.

Unterdessen breiten andere genüßlich Tabellen aus, die belegen sollen, daß die meisten Brände in Ausländerunterkünften von den Bewohnern selbst verursacht sind. Es kann sein, daß manche die Gewohnheit nicht ablegen wollen, ihr Essen auf offenem Feuer zuzubereiten, und es gibt noch andere Schwierigkeiten bei der Umstellung auf deutsche Behausungen. Das geht alles unter in der überhitzten Empörungskultur.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2015 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29845

Die Aussage des bayerischen Innenministers Herrmann steht in alter deutscher Tradition. Der Begriff "Neger" ist und war schon immer rassistisch, er ist ein Relikt der Kolonialzeit. (FR 3.9.15)

Das ist nicht wahr. Es sei denn, man bezeichnet die Aussage, daß es Schwarzafrikaner gibt, als rassistisch. Bommarius führt denn auch nur die bekannte schlechte Meinung über Schwarze und deren schlechte Behandlung durch die Kolonialherren als Argument an.

 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 24.08.2015 um 07.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29770

Wie einem Artikel in der Washington Post (Link) zu entnehmen ist, hat sich die PC-Bewegung längst ein neues Betätigungsfeld erschlossen, nämlich "cultural appropriation". Ich gebe gerne zu, daß ich bis zu diesem Wochenende noch nie etwas davon gehört hatte, obwohl die Verfasserin meint, es handele sich um ein etabliertes soziologisches Konzept.

Anscheinend ist das "Problem" bisher noch nicht ganz nach Deutschland oder (vor allem) Österreich durchgedrungen, denn es gibt (erfreulicherweise) noch keinen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zu dem Thema. Es dürfte aber nur nur eine Frage der Zeit sein, und dann würde alles bisher in Sachen PC zu Beobachtende als Kinderkram erscheinen, denn ein großer Teil der Weltliteratur, -musik und -kunst dürfte damit auf dem Index landen, und auch die Wissenschaft wäre betroffen, jedenfalls in "westlichen" Ländern, denn um eine abzulehnende bzw. unmoralische kulturelle Aneignung handelt es sich dieser Denkschule zufolge nur, wenn sie von "westlichen" Weißen vorgenommen wird.

Die Autorin des Artikels weist mit Recht darauf hin, daß sich hier die PC-Bewegung mit Rassisten, Neonazis, Nationalisten und anderen rechten Strömungen in Übereinstimmung befindet, auch wenn die Motive ganz unterschiedliche sind.

Man darf gespannt sein, wie man in Wiener Ministerien und manchen deutschen Universitäten damit umgeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2015 um 06.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29764

Das Rührstück um Kleber-Tränen im Fernsehen und unseren Erlanger Busfahrer hat anscheinend noch ein Nachspiel. Der Busfahrer hat doch tatsächlich die AfD geliked. Und so weiter. Das war aber alles vorige Woche und ist schon wieder vergessen.

Sollte man den Fernsehleuten raten, sich vor der Kamera ein bißchen zusammenzunehmen? Oder keine Schmierenkomödien aufzuführen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2015 um 14.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29728

Über Waldaschaff gibt es seit drei Wochen keine Berichte mehr, so daß wir immer noch nicht wissen, warum der Papiercontainer gebrannt hat.

„Dafür lohnt es sich, alle Kräfte zu mobilisieren, damit Angriffe auf Flüchtlingsheime wie im nur 20 Kilometer entfernten Spessartort Waldaschaff (Kreis Aschaffenburg) keinen Nährboden erhalten.“ (op-online.de 21.7.15)

Sie zündelten im unterfränkischen Waldaschaff, ... (Spiegel online 22.7.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.08.2015 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29708

Duden:

Türke
Bedeutungsübersicht
1. Einwohnerbezeichnung
2. a. (oft als diskriminierend empfunden) etwas, was dazu dient, etwas nicht Vorhandenes, einen nicht existierenden Sachverhalt vorzuspiegeln
2 b. (oft als diskriminierend empfunden) wie eine dokumentarische Aufnahme präsentierte, in Wahrheit aber nachgestellte Aufnahme


Über 2 ist genug geredet, aber wie steht es denn mit 1?

Wikipedia schreibt:

Die Türken (türkisch Türkler) sind eine Ethnie, deren Hauptsiedlungsgebiete in Anatolien, Zypern und Südosteuropa liegen.

Wobei Ethnie der Vermeidung von Volk dient.

Wie sehen das die Türken selbst? Wen meint Erdoğan, wenn er Türk halkı sagt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.08.2015 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29707

"Ich habe keine Zeit für Political correctness."

Donald Trump könnte einem sympathisch werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2015 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29609

Dazu passend:

Polizei schießt auf Flüchtling (Zeit online 2.8.15, ebenso im STERN)

Diese Schlagzeile ist die Quintessenz, auf die eine gewalttätige Auseinandersetzung von den Medien eingedanpft wird. Erst in den Artikeln selbst wird einigermaßen dargestellt, was alles vorhergegangen war, bis die Polizisten von der Schußwaffe Gebrauch machten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2015 um 12.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29598

Von heute an gilt Fremdenfeindlichkeit als strafverschärfendes Motiv. Das wird viel Haarspalterei hervorrufen, ganz unnötigerweise. Es ist eben ein Tribut an den Zeitgeist. Ich könnte mir vorstellen, daß auch eine religiöse Motivation strafverschärfend berücksichtigt wird. In beiden Fällen ist mit einer besonderen Hartnäckigkeit und Aufklärungsresistenz zu rechnen, wie z. B. die Anschläge auf Homosexuelle oder Abtreibungsärzte beweisen.
Übrigens müßte man bei Zuwandereren auch Einheimischenfeindlichkeit geltend machen; solche Fälle werden nicht ausbleiben, und was dann?
Oder eben so etwas: Sie gingen mit Latten aufeinander los: Massenschlägerei in Dresdner Flüchtlings-Zeltlager (1.8.15) Afghanen gegen Syrer - ist das nicht fremdenfeindlich?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2015 um 07.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29517

Allmählich sollte jeder wissen, daß im Dritten Reich der Begriff des Staatsbürgers rassistisch eingeschränkt und meistens durch Volksgenosse ersetzt wurde. Insofern ist die Inschrift einfach das Übliche, und der Plan, eine "erläuternde Tafel" daneben aufzustellen, kommt mir recht kindlich vor. Neben ungezählte Grabsteine und viele Kriegerdenkmale könnte man dann auch gleich Tafeln aufstellen, um das braune Gift, das hier hinter hohen Büschen seine Wirkung tat, zu neutralisieren.
Die bereits besprochene Inschrift Der Bevölkerung ist das Spiegelbild der nationalsozialistischen Version jenes Dem deutschen Volke. Beide schränken den Begriff des Volkes als des rechtlichen Subjekts und Souveräns in unzulässiger Weise ein. Der Sinn für das Recht wird von beiden Seiten untergraben.
Vielleicht sollte man zu solchen Dingen nicht ausschließlich die immergleiche "Rechtsextremismus-Expertin" befragen, aber das ist für die Zeitungen natürlich am einfachsten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2015 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29516

Jahrzehntelang nicht aufgefallen
Nürnberg: Nazi-Inschrift an Haus übersehen

Ein Schriftzug mit Nazi-Ideologie an einem Nürnberger Mehrfamilienhaus ist seit Jahrzehnten niemandem aufgefallen. Nun soll möglichst rasch eine erläuternde Tafel her.

dpa, 22.07.2015
Eine Inschrift mit Nazi-Ideologie an einem Wohnhaus in Nürnberg ist jahrzehntelang nicht aufgefallen. An dem Haus im Stadtteil Eibach steht unter anderem: «Zum Wohle deutsch. Volksgenossen.» Die Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair sagte: «Das ist NS-Rhetorik. Solche Tafeln sind Sinnbild für die Ideologie, die zum Holocaust geführt hat.»
(...)
Bisher seien die Worte niemandem aufgefallen – weder den Bewohnern des Fünf-Parteien-Hauses noch externen Gutachtern. Die Inschrift sei «sehr versteckt hinter einem großen Busch» und nur von einer Seite aus zu sehen, sagte Marko Dörsch, Vorstandsmitglied der Baugenossenschaft Selbsthilfe, der das Haus gehört. Groß saniert worden sei das Haus bisher auch nicht – höchstens einmal gestrichen. Der Vorstand sei sehr überrascht gewesen, als er durch die Recherchen der Zeitung von der Inschrift erfuhr. Dörsch betonte, die Baugenossenschaft habe «keinerlei Schnittmenge mit dem Gedankengut der Nationalsozialisten».

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2015 um 04.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29496

Anschläge auf Ausländer sind schlimm genug, aber die Medien können gar nicht genug bekommen.

In der Garage einer Asylbewerberunterkunft in Waldaschaff hat ein Papiercontainer gebrannt. Das Feuer wurde schnell gelöscht, weiterer Schaden entstand nicht. Die Ursache ist noch nicht bekannt. Die Zeitungen schreiben aber schon mal:

Die Zahl der Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte steigt – auch in der Nacht zum Samstag wurden wieder zwei verübt. (Spiegel online 19.7.15)
Brandanschläge auf Flüchtlingsheime: Serie reißt nicht ab (andere Zeitungen zum selben Thema)
Die nächsten Brandruinen folgten am Samstag in Waldaschaff bei Aschaffenburg und Remchingen bei Karlsruhe. (Der Westen 20.7.15)
Liste der Schande – Der unfassbare Alltag in Deutschland (Welt, auch zu Waldaschaff)

Man muß geradezu hoffen, daß es wirklich ein Anschlag war und keine weggeworfene Zigarette.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 14.07.2015 um 23.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29444

Ach, lieber Herr Riemer, machen Sie sich nichts weiter draus. Wenn's nicht "occupied" ist, können Sie da auch rein, und nicht nur westlich des Mississippi bis über die Rockies hinaus. Mich machte im wilden Westen da eine andere Kennzeichnung nachdenklich: Rechts "Men", links "Ladies". Aber dann sagte man mir Sprachinteressiertem, ich sollte mich nicht weiter darum scheren. Wenn Schlangen davor sind, sieht man schon gut genug, welche für welche sind.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.07.2015 um 22.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29443

Behinderte heißen in England offenbar noch 'disabled'.
Aber wenn dann, wie hier auf einem Campingplatz bei York, auf einem großen Schild an einer Außentür steht, DISABLED SHOWER & TOILET, dann kommt mir das doch irgendwie doppeldeutig vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2015 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29428

Frau und Neger befinden sich an verschiedenen Stationen der Euphemismen-Tretmühle, aber die dreht sich weiter, wie das Rad der Fortuna.

Kürzlich las ich, daß Afro-American nicht mehr korrekt ist, jetzt ist African-American dran. Aus der Ferne kann ich nicht sagen, warum das so gekommen ist, bleibe aber dabei, daß die ständige Erinnerung an die Herkunft mir nicht gerade integrationsfördernd vorkommt. Es geht mich natürlich nichts an, ich beobachte nur.

Ich weiß nicht, ob ich es schon erzählt habe: Meine Frau interviewt seit einigen Jahren US-Amerikaner, die aktiv an der Geschichte von Gospel-, Soul-, Rockmusik usw. mitgewirkt haben, wobei sie gerade die Rassenfrage im Hintergrund interessiert. Fast alle werden seltsam einsilbig, wenn das Thema in Sicht kommt. Es ist offenbar heikel, das weiß jeder, aber das geht bis zum schlichten Bestreiten, daß es überhaupt eine offene Frage gibt.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 12.07.2015 um 12.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29426

Frau ist ein neutrales Wort, Neger ist eine sehr unkorrekte Bezeichnung. Quotenfrau drückt Verachtung für die Quote aus, Quotenneger drückt eine solche Verachtung doppelt aus. Ob das nun komisch ist, da hat sicher jeder seine eigene Empfindung.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 12.07.2015 um 10.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29423

Das Konzept Quote mag zwar politisch korrekt sein, aber das Kompositum Quotenfrau wird ja auch schon in abschätzigem Sinne verwendet. Quotenneger setzt einfach nur noch einen drauf. Komisch ist daran eigentlich nur, daß der Sprecher nicht gemerkt hat, daß er (wenn schon, denn schon) Quotenmulatte hätte sagen müssen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 11.07.2015 um 18.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29422

PS: Ich empfinde schon das Wort "Quotenneger" als komisch. Das politisch korrekte Konzept "Quote" wird kombiniert mit der total unkorrekten Bezeichnung "Neger". Das Grundwort "Neger" obsiegt und macht die vorangehende "Quote" lächerlich. Das Wort verspottet die Quote.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 11.07.2015 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29421

Noch zu den "Latinos" in Kalifornien; der große Bruder dieses Themas sind ja die "Schwarzen" in den USA.

Ein Mensch von der AfD 2.0 soll Obama einen "Quotenneger" genannt haben. Ich finde das unglaublich komisch, weil "Quote" bei einem US-Präsidenten hinten und vorne nicht stimmen kann. Der AfD-Mensch wiederum sagte, das sei gar keine Beleidigung gewesen, sondern nur eine indirekte Kritik daran, daß bestimmte Gruppen von Befürwortern der Quote instrumentalisiert werden. So erklärt, klingt der Ausspruch sogar sinnvoll. Ich finde, er ist ein Beispiel dafür, daß man bei den an sich ernstzunehmenden Themen Volksgruppen, benachteiligte Gruppen und Minderheitenschutz ständig in Gefahr ist, absurdes Terrain zu betreten.

Bei Google findet man interessante Erläuterungen zu "Quotenneger".
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 10.07.2015 um 23.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29413

Ach, so wild ist das mit Schätzen von Bruch- und anderen Zahlen gar nicht. Wenn ich nach einem halben Jahrhundert USA höre, daß Nowitzki 2,13m groß ist, dann sagt mir das, daß er wohl auf jeden Fall Basketball versuchen sollte. Aber wenn ich höre, that his height is 7', dann weiß ich, daß jemand, den ich kenne und von dem ich sicher bin, daß er 6' (' = Fuß) groß ist, und weiß, daß er am College deshalb auch Basketball spielt, daß der gegen Nowitzki keine Chance hätte, denn Nowitzki überragt ihn lächelnd um einen Kopf, ich meine, um einen Fuß. Auch die Zeit für Überlandautofahrten ist mit Meilen gut abzuschätzen (a mile a minute, wir fahren ziemlich vernünftig); und wir raten hier Amerikanern, die in Deutschland mit dem Auto herumkommen wollen, daß sie gar nichts ändern müßten (a kilometer a minute). Alles eine Sache der Gewohnheit, - auch daß man in Forschungslabors alles metrisch mißt, bei der Zeitmessung dezimal auch alles unter einer Sekunde. Und wenn wir jetzt gerade klarere Fotos vom Mars bekommen, dann dauert's zwar nicht Lichtjahre, aber ganz schön lange sind diese Bilder doch unterwegs - und trotzdem wissen die Laborleute genau, wann so ein Bild ankommt. Wann was bei uns auf dem normalen Postwege ankommt, das wissen wir lange nicht so genau.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.07.2015 um 22.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29411

Ich stelle mir eine US-amerikanische Schieblehre als ein ganz lustiges Gerät vor, auf welchem statt Dezimal-Strichen ganz viele Bruchzahlen stehen. Schieblehren basieren auf dem Nonius-Prinzip. Aber wie ein Nonius mit Bruchzahlen funktionieren soll, kann ich mir garnicht vorstellen. Bei uns gibt es ja auch Mikrometer-Schraublehren für Tausendstel Millimeter. Wie würde so eine mit Bruchzahlen aussehen? Aber wir sind wohl nicht so im täglichen Bruchrechnen geübt wie die US-Amerikaner.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 10.07.2015 um 18.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29410

Zu "vielen" in "Vielen US-Amerikanern gefällt es nicht [usw.]" (#29407) kann man sagen, was Chr. Schäfer zum *Spiegel*-Artikel sagt, nämlich daß das "inhaltlich keine Aussagekraft besitzt." Es gibt nun mal keine Amtssprache in den USA, es gibt hier nur eine Gewohnheit, und Führerscheinprüfungen können selbst im nördlichen Minnesota hier auf spanisch abgelegt werden, die dann zum Führerschein führen, der innerhalb dieses großen Landes überall als Personalausweis akzeptiert wird, z. B. wenn man mit einem Flugzeug irgendwohin im Lande fliegen will, bis nach Hawaii oder Alaska oder sogar Puerto Rico, wo vom letzteren nicht ganz klar ist, ob und wie es zu den USA gehört und wie nicht. Und wenn ich keinen Führerschein hätte und wenn ich hier auch in meiner weiteren Umgebung nicht relativ gut bekannt wäre, würde z. B. selbst bei einer nationalen Wahl reichen, wenn ich im lokalen Wahllokal mit zwei Nachbarn aufkreuzte, die den Wahlleitern hinreichend bekannt sind und die denen unterschriftlich sagten, daß sie mich kennten und ich der bin, der ich nach meiner eigenen freundlichen Aussage und eigenem Schwur da bin. Und von da an kann ich hier immer wählen, wen und wenn ich will.

Und mit meinem US-Führerschein fahre ich übrigens auch in Deutschland Auto, länger als einen Monat allerdings dann nur mit einer amtlichen Übersetzung, die ich mir aber mit Berufsbezeichnung selbst ausgestellt habe und deren Richtigkeiterklärung mit meiner Unterschrift US-notarisch anerkannt worden ist (eindrucksvoll mit einem Prägestempel!), denn ich habe herausgefunden, daß die übliche vom ADAC zwar gegen hohe Übersetzungsgebühr zu haben ist, aber keinem deutschen Polizisten was sagen würde, wenn ich zu schnell führe. Wer verstünde denn z.B. zur Angabe "Höhe: 5' 10", daß ich 175cm groß bin; und mein Gewicht in amerikanischen Pfunden ist mir wohl auch nicht so recht anzusehen. Nein, derartige offizielle Übersetzung staatlich zu akzeptieren, ist schon sehr dumm, meine ich. Aber meist bin ich ja weniger als einen Monat in Deutschland, und sollte es doch mal anders sein: Nach einem Tagesbesuch in Salzburg oder Straßburg finge der Ein-Monatsaufenthalt ja wieder an. Interessant ist dabei: Lügen – was doch so einfach wäre, um mich aus der Affaire zu ziehen, – und sagen, ich käme doch gerade von jenseits einer akzeptablen Grenze – täte ich nicht. Das tut man nicht. Und ich weiß, der Staat, das sind wir selbst.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.07.2015 um 12.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29407

Vielen US-Amerikanern gefällt es nicht, daß Spanisch sich als zweite Amtssprache durchsetzen könnte und sie dann Spanisch lernen müßten, um mit den Anderen weiter Geschäfte machen zu können. Und es gefällt ihnen nicht, wenn die sogenannten Latinos nicht mehr nur Putzkräfte bleiben, sondern in die Mittelschicht aufsteigen und Konkurrenten um die guten Arbeitsplätze werden.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 10.07.2015 um 07.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29406

Die Frage ist anhand des Spiegel-Artikels, in dem von "lateinamerikanischer Herkunft" die Rede ist, nur schwer zu beantworten. Außerdem ist die Gegenüberstellung "lateinamerikanisch" und "weiß" ganz offensichtlicher Blödsinn – man denke nur an die vielen Kontinentaleuropäer, die nicht nur in die USA, sondern auch nach Lateinamerika eingewandert sind. In diesem Zusammenhang sei nur an den Nachnamen der argentinischen Präsidentin oder die italienischen Namen vieler argentinischer Fußballspieler erinnert.

Zurück zur Volkszählung. In den USA finden diese regelmäßig statt, u.a., um die Zahl der Abgeordneten pro Bundesstaat den demographischen Gegebenheiten anzupassen. Das liegt am Fehlen eines allgemeinen Melderegisters. In den Unterlagen kann man seine Abstammung angeben, wobei, wenn Schotten, Waliser und Engländer separat und nicht als Briten gezählt werden, übrigens "Deutsche" (noch) die größte Gruppe bilden. Man kann aber auch einfach "American" angeben.

Bundesstaaten wie Kalifornien, Arizona, New Mexico oder Texas gehörten noch lange nach der Gründung der USA zum spanischen Weltreich bzw. Mexiko, weshalb dort die Herkunftsangabe "Hispanic" selbstverständlich ziemlich häufig ist. Ich selbst kenne einige Kalifornier mit spanischen Nachnamen wie Cruz oder Santiago, die sich so wenig als "Hispanics" verstehen wie etwa Gretchen Schmidt oder John Boehner als Deutsche.

Dem stehen die vielen legalen und illegalen Einwanderer aus Lateinamerika gegenüber, deren Status seit langem ein höchst umstrittenes Thema der US-amerikanischen Innenpolitik ist. Dabei darf man wiederum nicht vergessen, daß die USA sich mit Puerto Rico selbst ein spanischsprachiges Territorium einverleibt haben, dessen Status entfernt dem West-Berlins in der alten Bundesrepublik ähnelt.

Da der Spiegel-Artikel auf einer Agenturmeldung basiert, muß man davon ausgehen, daß es sich um einen an ein US-amerikanisches Publikum gerichteten Text handelt, der sich als Schlagzeile eignet und US-Online-Medien erlaubt, Kontroversen und damit mehr Klicks (= höhere Werbe-Einnahmen) zu provozieren.

Es würde hier zu weit führen, die haarsträubenden Widersprüche in den US-Diskursen zu den Themen "Rasse" und Rassismus aufzuzeigen, aber es läßt sich mit Bestimmtheit sagen, daß der Artikel inhaltlich keine Aussagekraft besitzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2015 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29405

Volkszählung in Kalifornien: Erstmals mehr Latinos als Weiße
(spiegel.de 10.7.15)

Mal eine Frage an die Kundigen: Sind die Latinos dort denn ausnahmslos Nachkommen von Indios? Oder auch von Spaniern, die ja wohl bisher als "Weiße" gelten? Wie wird die berüchtigte Regel vom entscheidenden einzigen Tropfen schwarzen Blutes in bezug auf die Latinos gehandhabt?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.07.2015 um 22.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29357

Im heutigen Oberschlesien sagen die deutschsprachigen Einheimischen "no" mit kurzem [o] für "ja", möglicherweise in Anlehnung an das tschechische "ano".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2015 um 18.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29356

Interessanterweise gibt es zusammenhängende Gebiete von Gesten-Dialekten, die sich aber nicht mit den eigentlichen Sprachgebieten decken. Desmond Morris hat einen Gestenatlas der Welt herausgegeben.
Das Pendeln des Kopfes als affirmative Geste ist nicht identisch mit unserem verneinenden Kopfschütteln. Man kann sich diese Dinge jetzt bequem bei Youtube ansehen. In Indien hatte ich – durch Ansteckung – die dort üblichen Gesten schon ganz gut drauf, habe sie aber weitgehend wieder verlernt; sie passen ja auch ganz und gar nicht hier nach Mittelfranken...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.07.2015 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29355

Als ich las, daß ja auf griechisch nai heißt, mußte ich daran denken, daß Griechen angeblich auch den Kopf schütteln, um ja zu sagen und nicken, um zu verneinen. Ob Sprache und Gesten etwas miteinander zu tun haben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2015 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29354

Ein Gutes hat das griechische Referendum: Man hört jetzt so oft "ochi", daß der Anfang eines Neugriechisch-Kurses gemacht ist, und zwar mit der Phonotaktik kontrastiv zum Deutschen.

War das nun ein Witz, und habe ich mich gar in anstößiger Weise über die armen Griechinnen und Griechen lustig gemacht?

Übrigens: Referendum ist ein Gerundivum, das sieht ja jeder, aber wissen Sie auch, wie Referat zu erklären ist? Nein, nicht wie Prädikat, das würde ja auch Relat heißen. Vielmehr ist es eine flektierte Form, der Konjunktiv aus der lateinischen Rechtssprache: "er möge berichten".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2015 um 15.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29351

Kabarettist Nuhr hat etwas ganz Schreckliches gesagt: Meine Familie hat demokratisch abgestimmt: Der Hauskredit wird nicht zurückgezahlt. Ein Sieg des Volkswillens! Nun fallen alle über ihn her. Dabei ist es nicht einmal ein richtiger Witz und kaum satirisch überzogen. Schon gar nicht ist es so grob wie manches, was griechische Politiker über Deutschland und seine Regierung gesagt haben.

Das Witzemachen wird bei uns immer mehr von Tabus eingehegt, so daß es fast schon wieder Spaß macht, dagegen zu verstoßen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2015 um 04.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29226

Die Polizei wird gerufen und stuft den Vorfall zunächst als gefährliche Körperverletzung ein - ohne rassistischen Hintergrund. Doch im Nachhinein stellt sich heraus: Wahrscheinlich hat es sich um eine brutale Attacke ortsbekannter Rechtsradikaler gehandelt. Die Angreifer hätten bei dem Überfall den Hitler-Gruß gezeigt und "Ausländer raus" gerufen, berichtet die "Ostthüringer Zeitung" unter Berufung auf Schilderungen der Studenten. (spiegel.de 20.6.15 zu einem Anschlag auf indische Studenten)

Wie man sieht, schreitet die Gleichsetzung von Ausländerfeindschaft und Rassismus voran. Vielleicht psychologisch berechtigt, weil beides auf demselben Mist wächst, aber begrifflich ist es doch etwas Verschiedenes.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2015 um 04.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29134

Menschen haben verschiedene Hautfarbe, und damit gehen meistens noch andere Eigenschaften einher. Na und? Es fällt sofort auf, und es ist normal und könnte als Selbstverständlichkeit hingenommen werden. Aber da sei die PC vor! Gerade diese Merkmale sollte man nicht erwähnen, nicht einmal wahrgenommen haben.

„Generell sollte man, um einen Menschen zu identifizieren oder zu beschreiben, nicht als Erstes auf die Hautfarbe Bezug nehmen, sondern beispielweise auf den Namen, das Alter, den Beruf oder den Wohnort.“ (Duden Band 9 s. v. Neger)

Die unnatürliche und verkrampfte Situation wird durch eine Anekdote illustriert, die Skinner nacherzählt:

A woman who had invited J. P. Morgan to lunch cautioned her young daughter not to mention his rather prominent nose. The unforeseen result was that the little girl sat during luncheon staring at Mr. Morgan's nose. When the situation became unbearable, the mother sent the child away from the table and attempted to cover her embarrassment by a hastily contrived remark. Picking up the cream pitcher, she said, "Mr. Morgan, do you take cream on your nose?"
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 09.06.2015 um 00.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29095

In der Überschrift zum Artikel von Andrian Kreye heißt es:

"Und mit diesen [philosophischen Überlegungen] muss sich ein akademischer Diskurs auseinandersetzen."

Ein "akademischer Diskurs" unter Mathematikern etwa?

Kann denn ein Diskurs sich mit irgendetwas auseinandersetzen?

Egal, das Imponierwort "Diskurs" muß vorkommen – wie will man denn sonst ernst genommen werden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2015 um 15.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29093

Im Zusammenhang mit der Singer-Ausladung schreibt die SZ:

„In Deutschland wiederum ist die Leugnung des Holocaust aus gutem Grund gesetzlich verboten. Niemand will das ändern, und es belegt auch, dass Meinungsfreiheit an unterschiedlichen demokratischen Orten unterschiedlich ausgelegt werden kann.“ (Andrian Kreye, SZ 30.5.15)

Niemand? Woher weiß er das?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2015 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#29075

Als ich las, daß zu einem Kölner Treffen von sogenannten Philosophen Peter Singer eingeladen war und dann wieder ausgeladen wurde, fiel mir etwas ein – und ich war erstaunt, wie weit es schon wieder zurücklag: „On being silenced in Germany“ (The New York Review of Books, 16.8.1991). Singer hat also den Vorfall damals schon kommentiert, und mehr ist dazu auch nicht zu sagen, man schämt sich in Grund und Boden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2015 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28915

Es wird beklagt, daß die Hochschulleitungen zu wenig tun, um ihre Professoren gegen die Denunziationen und Pöbeleien des linken Mobs zu verteidigen, der ihnen politische Unkorrektheit vorwirft. Manche Professoren gendern nicht und bringen es sogar fertig, in ihren Vorlesungen tote weiße Männer zu erwähnen. Das Internet ermöglicht alles im Schutz der Anonymität, aber neu ist das Ganze nicht. Wie sehr es mich an die Zustände im roten Marburg um 1970 erinnert! Damals fühlte man sich in der Masse stark, heute eben im Internet. Auch damals schon das heimliche Einverständnis der Hochschulleitung.
Die Hochschulleitungen, z. B. hier in Erlangen, haben ebenso wie die Regierungen das Gender mainstreaming zum obersten Leitsatz gewählt und die Charta der Vielfalt unterschrieben. Das können sie jetzt nicht plötzlich für unverbindlich und folgenlos erklären.

Nebenbei: Habe gerade eine Mail vom "Hochschulpfarramt" bekommen, die mich auf dessen Website führt. Dort findet man eine interessante Selbsteinschätzung:

„Religion in der Gesellschaft und Religiosität einzelner Menschen werden als ein Aspekt von diversity an der Universität geachtet.“
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 16.05.2015 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28893

Ich erinnere mich noch, als kleiner Junge – es muß so 1944 gewesen sein - noch gesehen zu haben, wie eine Kompanie Waffen-SS-Soldaten durch unser kleines Dorf in Oberschlesien marschierte und wir also hingegangen waren, um uns das anzusehen, und daß wir davon gehörig beeindruckt waren. Die einzige Funktion dieses Ereignisses war also – das sehe ich jetzt – gezielte Propaganda, Anregung zu Begeisterung, so daß Jugendliche sich freiwillig zum Wehrdienst melden würden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2015 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28891

Noch zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28674:

„Niemals zuvor hatte die Siebenjährige eine solche untrennbare Einheit von Marschrhythmus und Gesang erlebt. Die Idee, von der die Männer erfüllt waren, schien nicht nur im Kopf, sondern ebenso in den Körpern und Marschstiefeln der Singenden zu leben und wurde hundertfach in den Staub der Straße gehämmert. Die vorbeistampfende Einheit erschien wie eine braune, geballte Kraft, in der es keine Individuen mehr gab.“ (Eva Sternheim-Peters: Die Zeit der großen Täuschungen. 1992:52f.)

(Über SA-Marsch zum Horst-Wessel-Lied 1932 in Paderborn)

Es ist vielleicht keine schlechte Idee, diese Faszination spürbar zu machen, statt nur von ihr zu berichten, noch dazu im distanzierten und abstrakten Stil heutiger Geschichtsabrisse. Zum Nachschlagen haben wir den Ploetz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2015 um 07.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28745

Wenn man eine Menschengruppe, etwa Sklaven, Pariahs, segregierte Schwarze lange genug in Unbildung und untergeordneten Tätigkeiten hält, kann man leicht zu der Überzeugung gelangen, daß sie Menschen mit geringerer Begabung, ja, fast einer anderen Spezies und den Tieren näher sind. Wie wir gesehen haben, gesteht Husserl den Papuas das Menschsein einigermaßen herablassend zu. Ludwig Büchner schrieb:

„Wie weit entfernt sich der Neger vom Affen? Verfasser sah im Antwerpener zoologischen Garten einen Affen, welcher ein vollständiges Bett in seinem Käfig hatte, in welches er sich abends hineinlegte und zudeckte wie ein Mensch. Er machte Kunststücke mit Reifen und Ballen, welche man ihm gegeben hatte, und wandte sich spielend in einer Weise an die Zuschauer, als ob er mit ihnen reden und ihnen seine Kunst zeigen wolle. Von demselben Affen hatte man beobachtet, daß er den Umrissen seines Schattens an der Wand mit dem Finger nachfuhr! Die ganze Erscheinung machte einen wehmütigen Eindruck, da man sich des Gefühls nicht erwehren konnte, es sei hier ein menschenartiges, überlegendes und fühlendes Wesen eingekäfigt. Dagegen erinnert der Neger nach der vortrefflichen Schilderung von Burmeister ebensowohl in seinem geistigen wie in seinem physischen Wesen aufs auffallendste an den Affen. Dieselbe Nachahmungssucht, dieselbe Feigheit, kurz dasselbe in allen Charaktereigentümlichkeiten! In seiner Geschichte (so auf Haiti) stellt sich der Neger nach dem Ausdruck eines Berichterstatters der Allgem. Ztg. »halb als Tiger, halb als Affe« dar. – Den brasilianischen Urmenschen schildert Burmeister als ein Tier in seinem ganzen Tun und Treiben und jedes höheren geistigen Lebens ganz entbehrend.
Man hört oft sagen, die Sprache sei ein so charakteristisches Unterscheidungszeichen zwischen Mensch und Tier, welches keinen Zweifel über die tiefe Kluft zwischen beiden lasse. Die so reden, wissen freilich nicht, daß auch die Tiere sprechen können. Beweisende Beispiele dafür, daß die Tiere das Vermögen der gegenseitigen Mitteilung in einem hohen Grade und zwar über ganz konkrete Dinge besitzen, existieren in Menge. Dujardin stellte weit entfernt von einem Bienenstand eine Schale mit Zucker in eine Mauernische. Eine einzelne Biene, welche diesen Schatz entdeckte, prägte ihrem Gedächtnisse durch Umherfliegen um die Ränder der Nische und Anstoßen mit dem Kopfe an dieselben die Beschaffenheit der Lokalität genau ein, flog dann davon und kehrte nach einiger Zeit mit einer Schar ihrer Freundinnen zurück, die sich über den Zucker hermachten. Hatten diese Tiere nicht miteinander geredet?“ (Ludwig Büchner: Kraft und Stoff. Frankfurt 1855/1885:184f.)

In den USA waren viele ehrliche Weiße von der Inferiorität der Schwarzen überzeugt, oft ohne jede Bosheit. In der Antike finden wir ähnliche Überzeugungen, nachdem die Sklaverei jahrhundertelang eine Selbstverständlichkeit gewesen war. Es ist auch nicht ohne weiteres möglich, einen indischen oder afrikanischen Diener als gleichberechtigt zu behandeln; ihm fehlen zunächst die Verhaltensmuster, er traut sozusagen dem Frieden nicht und versucht möglicherweise, aus der „Schwäche“ seines ehemaligen Herrn einen Vorteil zu schlagen, und verdirbt damit die neue Beziehung. Beispiele kennt jeder, der in solchen Ländern gelebt hat.

Wir unterhalten uns mit gebildeten Indern, vergessen allmählich die unterschiedlichen Hintergründe und sind dann doch schockert über die tiefe Prägung durch das Kastendenken, den geschulten Blick für die Landsleute, mit denen sie im gleichen Staatswesen leben, ohne im Traum an Gleichstellung zu denken. Vielleicht habe ich es schon mal erzählt: Indische Kliniken mit höchsten technischen und Hygienestandards, auch nach internationalen Maßstäben; und dazwischen Reinigungspersonal, das mit Reisigbesen Staub aufwirbelt, aber gar nicht wahrgenommen wird, erst recht nicht als Problem, weil man eben solche untergeordneten Wesen buchstäblich übersieht.
Unsere Adligen genossen und genießen z. T. noch heute eine erlesene Bildung und erwerben feine Manieren, natürlich mit aller Dezenz, es gehört ja gerade dazu, den Dünkel nicht zu zeigen; es ist kaum vermeidbar, daß sie sich für etwas Besseres halten, trotz allem. Weniger ausgeprägt geht das durch alle Klassen. Sie sprechen ja auch verschiedene Sprachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2015 um 08.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28730

Manche amtlichen Sprachregelungen setzen sich einfach nicht durch. Beim "Fernsprecher" und bei der "Briefmarke" haben die mehr oder weniger staatlichen Stellen schließlich nachgegeben.
Auf mehreren Tagungen zur Verwaltungssprache habe ich gelernt, daß das, was wir Formulare nennen, amtlich Vordrucke sind. Das war aber alles vergeblich. Nun ist der Computer hinzugekommen, und in HTML schreiben wir Formulare, die auch einen offiziellen "tag" form tragen; damit ist die Sache entschieden. Allerdings sind diese Masken teils etwas Virtuelles, wie alle Websites, und nicht dasselbe wie Vordrucke.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2015 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28700

Das Serbische zeigt in svastika natürlich nur zufällige Ähnlichkeit, da ja offenbar die idg. Wurzel von Schwester drinsteckt. Der altindische Svastika ist ein "Glücksbringer" oder "-zeichen" (su = gut, as- = sein).
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 23.04.2015 um 21.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28693

Zigeuner gibt es nicht mehr, Sinti und Roma wollen es so. Es darf aber der Antiziganismus gegeißelt werden.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.04.2015 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28692

Im Serbischen heißt die Schwester der Ehefrau "svastika". Im Englischen bedeutet das "Hakenkreuz" und im Altindischen "Alles ist gut".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2015 um 03.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28688

Aus der ethnologischen Literatur ist bekannt, daß Tabus sich immer weiter ausdehnen, hauptsächlich über Berührungsassoziation (Kontiguität), und ganze Gesellschaften sozusagen vergiften können. Ich habe schon erzählt, wie ängstlich Hakenkreuze sogar auf Privatfotos unkenntlich gemacht wurden, als der Spuk vorbei war. Hierher gehört auch die Unterdrückung der Namen von Nazigrößen im Duden (nicht aber die der kommunistischen Herrscher). Man darf das Horst-Wessel-Lied auch zu didaktischen Zwecken nicht singen lassen (vielleicht überhaupt nichts, wonach sich marschieren läßt?). Man darf Hakenkreuze nicht zeigen, das N-Wort nicht ausschreiben, selbst wenn es Gegenstand einer Abhandlung ist – nur Eingeweihte wissen dann, wovon der Text überhaupt handelt. Darf man so entsetzliche Dinge wie das Hakenkreuz oder eben das SA-Lied überhaupt noch nennen? Nicht mehr lange. Vorsichtige Lehrer werden es schon jetzt vermeiden.
Wenn es Zigeuner und – nach dem Willen der Dudenredaktion – auch Juden nicht gibt und nie gegeben hat, dann hat es auch keine Verfolgung und Ermordung gegeben, das ist ein nicht unwillkommener Nebeneffekt. Es gab nur etwas mit der mysteriösen Bezeichnung Holocaust.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2015 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28674

Keine weiteren Ermittlungen wegen Horst-Wessel-Lied: Die Lehrerin vom Emmy-Noether-Gymnasium in Köpenick muss wegen ihrer umstrittenen Unterrichtsmethode vorerst keine rechtlichen Schritte befürchten. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen sie eingestellt, wie ein Sprecher dem Tagesspiegel gestern Abend bestätigte. Der Grund: Die ehemalige Partei-Hymne sei in diesem Fall erklärende Begleitung des "Kälbermarschs" von Bert Brecht gewesen.
Nun ja, vielleicht geht's in Zukunft etwas weniger anschaulich. Ihnen wünschen wir einen guten Start in den neuen Tag!
(Tagesspiegel 21.4.15)

Lehrer sind gut beraten, so abstrakt und langweilig wie möglich zu bleiben, dann sind sie auf der sicheren Seite, und darauf kommt es ja schließlich an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2015 um 03.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28644

Gegen den Rassenbegriff werden fließende Übergänge und innere Variationsbreite einer Population geltend gemacht. Die Unterschiede, die man üblicherweise zur Einteilung in Rassen benutzt, werden aber nicht bestritten (Pigmentierung, Lidfalte usw.). Es ist also nur ein Streit um Worte.

Wikipedia: „Race, as a social concept, is a group of people who share similar and distinct physical characteristics.“

Ein sozialer Begriff wäre z. B. Kaste. Der Verweis auf "Social constructivism" zeigt, daß vorwissenschaftliche, in diesem Fall biologische Begriffe gemeint sind; Rasse (race) wird unter dem Stichwort aber nicht mehr erwähnt. Die Existenz der „similar and distinct physical characteristics“ wird auch hier nicht geleugnet.

In Amerika heißen die Schwarzen jetzt „Afroamerikaner“, bilden also keine Rasse (weshalb es in den USA auch keinen Rassismus gibt), sondern eine Gruppe gemeinsamer Herkunft. Dadurch werden die Probleme mit der Segregation usw. allerdings nicht geringer.

Alles in allem werden die menschlichen Rassen einerseits aus politisch-ideologischen Gründen geleugnet, andererseits werden sie erforscht, und man tritt für ihren Schutz vor Diskriminierung ein.

Für die Forschung sei ein Beispiel aus Wikipedia zitiert:

„Während die augenfälligen Merkmale (vor allem Haut-, Haar- und Augenfarbe) und noch deutlicher die Genome fast aller anderen menschlichen Populationen der Erde fließend ineinander übergehen, lassen sich die San (insbesondere die südafrikanische Population der ǃKung)[4] klar von ihren schwarzafrikanischen Nachbarn abgrenzen. Die San weisen eine relativ geringe Körpergröße auf, eine gelblich-braune Hautfarbe, vorstehende Backenknochen, runzlige Haut und das sogenannte Filfil oder „Pfefferkornhaar“. Humangenetisch ist es vor allem die sogenannte Haplogruppe L0, die den Populationen der Khoisan eigen ist. Die speziellen Merkmale gehen auf die evolutionäre Anpassung an das Wüstenklima zurück und die Vermischung mit ihren Nachbarn war von jeher relativ klein. Genetiker um Joseph Pickrell von der Harvard Medical School und Nick Patterson vom Broad Institut haben im Fachmagazin PNAS berichtet, sie hätten in der DNA von heutigen San DNA-Schnipsel gefunden, die eindeutig westeuropäischen Ursprungs seien und deren Gen-Sequenzen denen heutiger Italiener und spanischer Basken ähnelten.“
(Links weggelassen)
Das Wort „Rasse“ wird nicht erwähnt, aber was bedeuten die Beschreibungen anderes?

Es gibt ja auch keine Sprachen, sondern nur Dialekte, und bei manchen steht eine Armee dahinter, dann nennt man sie Sprachen (frei nach Weinreich sen.).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2015 um 03.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28616


Die „Zeit“ erregt sich sehr moralisch darüber, daß Versicherungen von den Betreibern von Flüchtlingsunterkünften höhere Prämien verlangen, nämlich wie bei Jugendherbergen und Kliniken, wegen des höheren Risikos. Was soll daran verwerflich sein? Warum richtet sich die Empörung nicht gegen die Versicherungsprämien von Jugendherbergen und Kliniken? Zumal wenn man, wie die „Zeit“, zugleich den Eindruck erweckt, als loderten überall die Flammen aus den Flüchtlingsheimen. Ist der Redakteur etwa der Autosuggestion von der „Willkommenskultur“ erlegen? Man kann den Versicherungen aus politischen Gründen das Instrument der Risikogruppen nehmen (wie schon bei den Geschlechtern in der Krankenversicherung), aber zahlen muß am Ende doch jemand.
(Zufällig wird am selben Tag über Brände in Flüchtlingsunterkünften berichtet, offenbar beide Male durch die Bewohner selbst verursacht.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2015 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28588

Vor ein paar Tagen ging die Meldung durch die Presse, daß die Bayern besonders ausländerfeindich seien. Das hatten Einstellungsforscher von einem Leipziger "Kompetenzzentrum" für irgendwas festgestellt.
Viel Aufsehen hat es aber nicht erregt, auch weil die Ergebnisse dieser Auftragsforscher die üblichen, vorhersehbaren und erwünschten waren, daher auch nicht „erschreckend“, wie einige Presseleute behaupten.
Ich lebe zwar in Bayern, bin aber ein Zugezogener und außerdem in Franken ansässig, wo man sogar sezessionistische Absichten hegt. Ich muß aber meinen lieben Nachbarn, den Innenminister Herrmann, einmal in Schutz nehmen. Mit Recht sagt er, entscheidend sei die Kriminalstatistik (und nicht die Einstellungsforschung mit ihren hinterlistigen Fragebögen, füge ich hinzu). Außerdem muß man das grantelnde Wesen des Bayern bedenken. Zwischen Worten und Taten ist hier der Unterschied besonders groß.
Unser Erlangen hat den höchsten Ausländeranteil aller Städte, soviel ich weiß. Wenn es eine nennenswerte Ausländerfeindlichkeit gäbe, müßte ich sie in 30 Jahren bemerkt haben. Gerade wurde sogar hier auf dem Dorf ein Verein der Willkommenskultur gegründet.
Ich merke, daß ich selbst ausländerfeindlich bin – gegen sächsische Gesinnungsforscher...
Übrigens habe ich noch nie gehört, daß die Einstellungsforscher ihre Untersuchungsmethode mal auf sich selbst angewendet hätten. Heilige haben das wohl nicht nötig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2015 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28466

Wenn man die knappe Darstellung über unerwünschte Autokennzeichen liest, fühlt man sich an Dornseiffs famoses Buch "Das Alphabet in Mystik und Magie" erinnert (8 Euro bei ZVAB):

"Nach § 8 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung sind Unterscheidungszeichen, Erkennungsnummern sowie Kombinationen aus Unterscheidungszeichen und Erkennungsnummern, die gegen die guten Sitten verstoßen, unzulässig.[40] Die Verwaltungsvorschrift zur Fahrzeug-Zulassungsverordnung empfiehlt den Zulassungsstellen, keine Buchstabenpaare zu vergeben, die auf nationalsozialistische Organisationen Bezug nehmen. Dies sind: HJ (Hitlerjugend), KZ (Konzentrationslager), NS (Nationalsozialismus), SA (Sturmabteilung) und SS (Schutzstaffel).
AH (Adolf Hitler), HH (Heil Hitler) und SD (Sicherheitsdienst) werden nur von wenigen Zulassungsbehörden nicht ausgegeben. Weiterhin sind Kombinationen mit dem Zulassungsbezirk unerwünscht, wenn diese eine der o. g. Kombinationen ergibt. Für Stuttgart werden beispielsweise die Erkennungszeichen „A“, „S“, und „D“, für Köln wird „Z“ nicht vergeben. Allerdings wurden in Einzelfällen diese Kombinationen von Zulassungsstellen vergeben. So war im Zulassungsbezirk der Region Hannover „J“ ein zulässiger und vom zuständigen Minister nicht weiter beanstandeter Erkennungsbuchstabe. Zwischenzeitlich wurden Kennzeichen mit „J“ nicht mehr vergeben, aktuell erfolgt wieder eine Vergabe. Weitere nicht vergebene Buchstabenkombinationen sind in Stuttgart S ED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), in Nürnberg N PD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands), im Kreis Warendorf WAF FE, im Kreis Steinburg IZ AN[41] („Nazi“ rückwärts gelesen), im Kreis Dithmarschen HEI L.[42] Die Stadt Regensburg in Bayern vergab entgegen den Empfehlungen des Bundesverkehrsministeriums bis Anfang Oktober 2012 noch das Buchstabenpaar NS. Erst nachdem eine lokale Zeitung die Behörde darauf aufmerksam gemacht hatte, wurde die Vergabe eingestellt.[43] Der Landkreis Schwandorf hat nach der Wiedereinführung des Unterscheidungszeichens BUL die Buchstabenkombination BUL LE als mögliche Beleidigung für anstößig befunden und gibt diese nicht aus.[44] Im Gegensatz dazu vergibt das Straßenverkehrsamt Aachen das Buchstabenpaar AB und damit die Kombination AC AB (All Cops Are Bastards – „Alle Polizisten sind Bastarde“).[45][46] Im Kreis Wesel wird auf die Kombination MO RD verzichtet.[47]
In Brandenburg werden seit Dezember 2009 von den dortigen Kfz-Zulassungsstellen keine Kennzeichen mehr neu vergeben, die auf 88, 888, 8888, 188, 1888 sowie 8818 enden. Auch die Kombinationen HH 18 sowie AH 18 sind seitdem für Neuvergaben gesperrt."

(http://de.wikipedia.org/wiki/Kfz-Kennzeichen_%28Deutschland%29#Unerw.C3.BCnschte_Erkennungsnummern)

Besonders aufgeklärt kommt mir das nicht vor. Es wirft auch ein Licht auf andere Debatten über "Symbole" - wenn schon um schlichte Buchstaben eine solches Trara gemacht wird.
 
 

Kommentar von Thedoro Ickler, verfaßt am 25.03.2015 um 15.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28400

Bei den Logopäden wird versucht, das Wort Stotterer durch stotternder Mensch zu ersetzen. Vorreiter ist die ISA (International Stuttering Organisation), die auch einen "World Congress for People Who Stutter" veranstaltet.
Die Intuition ist dieselbe wie bei den schwarzen Menschen usw. – das Substantiv scheint die Wortartbedeutung zu haben, daß das ganze Wesen erfaßt wird, nicht nur ein Merkmal. Außerdem spielt wohl mit, daß man die negative Konnotation, die mit Behinderung usw. verbunden ist, vermeiden will. Die politisch korrekte Ausdrucksweise ist allerdings unhandlich. Viele Interessenverbände folgen ihr bisher nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2015 um 10.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28264

In Pauls Deutschem Wörterbuch in der Bearbeitung von 1992 steht unter „Neger“:

„... ebenso wird N. heute nur noch selten ohne Wertung gebraucht (...) Dieses Tabu ist wohl auch eine Reaktion auf den Gebrauch des Wortes in der Nazipropaganda, wo z.B. Juden als negerisch und der Jazz als Negermusik verunglimpft wurden.“
(Mit Literaturhinweis auf Karl-Heinz Brackmann/Renate Birkenhauer: NS-Deutsch. „Selbstverständliche“ Begriffe und Schlagwörter aus der Zeit des Nationalsozialismus. Straelen 1988)

Das kommt mir aus mehreren Gründen unwahrscheinlich vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2015 um 10.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28237

Kaum wird eine Willkommenskultur für Wölfe gefordert, muß man lesen:

"Dem Problem muss man Herr werden, auf die eine oder andere Weise." (Über Wolfsrudel in Wohngebieten Niedersachsens)

Willkommenskultur für dem Dativ haben wir immerhin schon.

Bei Hamburg hat ein Förster übrigens ein schönes Video gemacht:

www.focus.de
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2015 um 06.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28209

Das Armutsgefälle in Europa und die organisierte Kriminalität haben in einigen Bundesländern zu einem dramatischen Anstieg der Einbruchsdelikte geführt. (FAZ 27.2.15)
Armutsgefälle ist ein anderer Ausdruck für Wohlstandsgefälle. Wozu ein solches Gefälle führt, scheint Gegenstand einer neuartigen Physik zu sein.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.02.2015 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28144

Auch seltsam, wenn man bedenkt, daß in Afrika das Schlagwort Négritude geprägt wurde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2015 um 17.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28142

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28138

Noch im Schülerduden "Die richtige Wortwahl" von 1990 heißt es unter "Neger":

"dieses Wort empfinden die Afrikaner als abschätzig, jedoch weniger die amerikanischen Neger"

Das ist wörtlich aus dem Vergleichenden Synonymwörterbuch des Dudenverlags von 1964 übernommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2015 um 08.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28140

Dass ein Wolf hier heimisch werden könnte, hänge aber auch von der „Willkommenskultur“ ab, sagt Frede. (WAZ 18.2.15)

Das ist noch halb scherzhaft gesagt, aber die Wiedereinbürgerung des Wolfes, der bekanntlich zu Deutschland gehört, wird durchaus ernst, sogar verbissen betrieben. Wer etwas gegen Wölfe hat, ist vielleicht auch ausländerfeindlich?

Aber werden hier nicht Migranten mit Wölfen verglichen? Das könnte Folgen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2015 um 05.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28138

„Was ich meine, sind Sebalds ‚Neger‘. Menschen schwarzafrikanischer Herkunft mit diesem verpönten Begriff zu bezeichnen, gehört seit den siebziger Jahren zweifellos zu den zentralen Geboten politischer Korrektheit. Sebald aber verwendet ihn durchgängig in seinem literarischen Werk.“ (Uwe Schütte: http://volltext.net/magazin/magazindetail/article/5346/)

Stimmt diese Chronologie? (Abgesehen von der versehentlichen Weglassung der Negation.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2015 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28120

Aufgrund der sehr kleinen Gründerzahlen und der nachfolgenden Isolation auf den Kontinenten sind die heutigen Merkmalsunterschiede entstanden, die man früher in „Menschenrassen“ zusammenfasste. (Wikipedia zu Peter Forster und Out of Africa)

Und wie faßt man sie heute zusammen?

Die englische Fassung enthält übrigens entgegen unserer Erwartung kein "formerly known as...":

Due to the small numbers of founders, and due to subsequent isolation on the continents, differences between populations accumulated, yielding the distinctive sets of features that are perceived today as human races.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2015 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28035

An diesen Fall aus der Nachbarschaft hatte ich bei meinem Eintrag gedacht. (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27967)
Durch Bekannte des Opfers ist mir noch etwas mehr zugetragen worden, was ich aber hier nicht ausbreiten möchte. Vernebelung wg. P. C. spielt sicher eine Rolle. Jeder ist gut beraten, nachts nicht zu nahe an Gruppen herumstehender junger deutscher Staatsbürger vorbeizugehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.02.2015 um 23.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28034

SZ (3.2.15, S. 26) zur "tödlichen Messerattacke" in Fürth in der Nacht zum 1.2.15:
Eine Auseinandersetzung zwischen Fußballfans oder einen ausländerfeindlichen Hintergrund könne man aber ausschließen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft ... Alle Beteiligten sind deutsche Staatsangehörige.

Was ist das für eine Begründung? Meint die SZ etwa, sobald ein ggf. deutlich als Einwanderer Erkennbarer die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hat, sei er mit einem Schlag keiner Gefahr ausländerfeindlicher Gewalt mehr ausgesetzt?

Oder meint die SZ, ein deutscher Staatsangehöriger könne gar nicht fremdenfeindlich sein? Tolles Kompliment für alle Deutschen, nur leider noch ein wenig utopisch.

Da diese beiden Erklärungen unplausibel sind, kommt nur noch eine in Frage: Die SZ ist offenbar nur auf der Suche nach ausländerfeindlichen Hintergründen (Opfer ist Einwanderer) und ansonsten, wenn Täter einen ausländischen Hintergrund haben, völlig desinteressiert und ignorant.

... sagte eine Polizeisprecherin, die auf Nachfrage auch klarstellte, dass es sich bei dem Toten und den drei Festgenommenen um deutsche Staatsbürger handelt. Anderslautende Spekulationen im Internet haben sich damit als haltlos erwiesen.
(nordbayern.de, Nürnberg/Fürth, 01.02.2015)

Was wurde denn spekuliert? Daß der Tote kein Deutscher war? Daß die Täter keine Deutschen sind? Ich kann leider im Netz nichts Genaueres finden, aber wenn spekuliert wurde, dann sicher nicht nur, daß einer der Beteiligten keinen deutschen Pass hat, sondern daß mindestens auf einer Seite Einwanderer oder Eingewanderte beteiligt waren.

Was auch immer genau passiert ist, der mündige Bürger soll es nicht erfahren, um sich nicht selbst eine Meinung bilden zu können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2015 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#28001

Über die bekannte Euphemismen-Tretmühle hinaus gibt es etwas Interessantes zu beobachten: Die – aus Sicht der P. C. – wohltuende Vagheit des Ausdrucks Migrationshintergrund bringt den Hörer auf den Gedanken, daß es da etwas zu verbergen gebe. Es gibt viele solche Ausdrücke, etwa ein Mensch mit Vergangenheit. Jeder hat eine Vergangenheit, also handelt es sich um etwas Ungenanntes, das nur etwas Unangenehmes sein kann, sonst würde man es ja nicht verschweigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2015 um 14.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27981

Aus aktuellem Anlaß (Urteil über Serbien/Kroatien) fällt mir auf, daß zwar das Wort Völkermord, auch als Genozid verfremdet, noch benutzt wird, in der Explikation jedoch stets von Bevölkerung/Bevölkerungsgruppen die Rede ist. Das ist eigentlich sinnwidrig, denn es sind ja nach wie vor Völker gemeint und keine Siedlungsgruppen. (Also ähnliche Bedenken wie bei der Reichstagspädagogik.)

Ein anderes Beispiel für die Macht der Sprache erleben wir gerade, wenn versucht wird, das Wort Schuldenschnitt ausdrücklich deshalb zu vermeiden, weil es den Deutschen nicht gefällt. Ein Darlehen mit unbegrenzter Laufzeit und Zinsen, die nur dann zu zahlen sind, wenn es der griechischen Wirtschaft gut genug geht, also nie, ist zwar dasselbe, aber es klingt besser.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.02.2015 um 11.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27969

Oder auch so:
Der Verfassungsschutz ist besorgt: Immer mehr Deutsche schließen sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und Syrien an. (heute.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2015 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27967

Migrationshintergrund ist eine politisch korrekte Umschreibung für ausländische Herkunft, Ausländer. Sie entspricht gerade noch der volkspädagogischen Sprachregelung durch den Deutschen Presserat. Die Zeitungen haben inzwischen einen noch subtileren Weg gefunden, ihre Leser zwischen den Zeilen über die Tatsachen zu informieren: Die mutmaßlichen Täter sind deutsche Staatsbürger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2015 um 12.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27930

Der Schauspieler Cumberbatch hat sich öffentlich dafür entschuldigt, daß er in einem Gespräch über die Benachteiligung schwarzer Schauspieler von "colored actors" gesprochen hatte. Anscheinend hatte er die bisher letzte Drehung der Tretmühle politischer Korrektheit verpaßt. Allerdings:

"Selma" star David Oyelowo has voiced his support for fellow British actor Benedict Cumberbatch, who came under criticism for using the term "colored" in an interview.
Oyelowo, who plays Martin Luther King Jr. in "Selma," said at the film's European premiere in London on Tuesday that people should focus on what Cumberbatch was saying - rather than the terminology he used.
Discussing diversity in the entertainment industry, Cumberbatch said last week on the "Tavis Smiley" that "as far as colored actors go," there were more opportunities in the U.S. than Britain. "And that's something that needs to change," he said.
Cumberbatch later said sorry for his "thoughtless use of inappropriate language." He said he was "devastated to have caused offence by using this outmoded terminology."
Oyelowo defended Cumberbatch when asked about the comment.
"In relation to Benedict it's definitely gone too far in terms of political correctness," said Oyelowo.
"He was actually being very supportive of the likes of me, and other black actors and actresses - we do have greater opportunities in the U.S. in relation to the U.K."
"We use the term `people of color' in America. Is that immensely different to what he said? I don't think so, just focus on what he was trying to say."
(www.nydailynews.com)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2015 um 12.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27888

Aus der Mitte der Gesellschaft – dort, wo Frau Schwarz-Friesel Wache hält – hört man nun schon seit Wochen nichts mehr. Die Islamfeindlichkeit scheint nicht so inspirierend zu sein wie die Judenfeindlichkeit, zumal die Islamisten judenfeindlich sind. Die Stille fällt auf, nachdem man jahrelang fast jeden Tag etwas Schauderhaftes über die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit lesen mußte.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 02.01.2015 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27687

Täusche ich mich, oder hält sich Buschkowsky in bezug auf Pegida außerordentlich zurück? Hat ihn da etwa die Partei an die Kandare genommen?

Zumindest all jenen, die jedwede Islamisierung abstreiten und den Pegida-Organisatoren und -Demonstranten pauschal Islamfeindlichkeit unterstellen, müßte er doch deutlich entgegentreten; unter eigenem Namen warnt er schließlich auch vor der "allmählichen Landnahme des Fundamentalismus".
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.01.2015 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27684

Über Rattenfänger (#27632) schreibt auch der Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) von Berlin-Neukölln:
www.derhauptstadtbrief.de/cms/index.php/105-der-hauptstadtbrief-126/677-ein-teil-der-gesellschaft-wendet-sich-ab
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.01.2015 um 12.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27681

Mag sein, daß Haake selbst es durchaus affirmativ gemeint hat, aber man kann sein Werk auch als ironischen Kommentar auf eine politische Elite lesen, die sich ihres Auftraggebers entledigt hat (ebenfalls frei nach Brecht).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2015 um 11.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27679

Daran hat der Berliner R. M. bestimmt gedacht. Ich habe die Installation von Anfang an als peinlich empfunden, weniger als politische Torheit (warum nicht gleich "Den Leuten"?), sondern wegen der unerbetenen Belehrung mit dem Brechtschen erhobenen Zeigefinger. Als erwachsener Mensch (und Wähler), der sich selbst ein politisches Urteil bilden kann und will, fühlt man sich bevormundet und veralbert.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 02.01.2015 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27678

Die "Bevölkerung" hat ja – zwar umstritten – in den Lichthof des Reichstags schon Einzug gehalten, s. Hans Haake.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.01.2015 um 10.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27677

Wenn Demonstranten "Wir sind das Volk" rufen, dann meinen sie mit "ihr" nicht Ausländer, sondern "ihr" da oben in der Regierung, ihr vertretet nicht unseren Willen. Frau Merkel, Sie selbst sind gemeint! Wann merkeln Sie das endlich? Pegida ist nicht ausländer- oder islamfeindlich, sondern regierungsfeindlich. Wenn sich die Regierung durchaus ein anderes Volk suchen will, muß sie sich beeilen, die nächsten Wahlen kommen bestimmt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.01.2015 um 01.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27675

A. Merkel: »Heute rufen manche montags wieder 'Wir sind das Volk'. Aber tatsächlich meinen sie: Ihr gehört nicht dazu – wegen eurer Hautfarbe oder eurer Religion.«

Die Demonstranten müssen lernen, »Wir sind die Bevölkerung« zu rufen.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 01.01.2015 um 22.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27674

Es ist die verharrende Stille, in der die Politik am liebsten das Volk hält.
Wir sind doch alle lieb.
Störenfriede werden zur Ordnung gerufen. Die passen nicht in das Bild. Nur keine Diskussionen! Die "Mehrheit" wünscht das nicht – und ist’s zufrieden.
"Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" lebt wieder auf. Aktuell an den Weihnachts-/Neujahrsansprachen von Gauck und Merkel abzulesen.
So wird ein ganz bestimmter Typ von Bürgern herangezüchtet. (Th. Ickler).
Das riecht nach Mief.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2015 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27671

Das Genus der epideiktischen Rede ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß, aber bei staatlichen und kirchlichen Festen glauben viele, die ein Pöstchen haben, ein besinnliches Wort an jene richten zu müssen, die keines haben. Das geht herunter bis zur dörflichen Verwaltungsgemeinschaft, die im Mitteilungsblatt eine ganze Seite diesem löblichen Zweck widmet. Aber vom Bundespräsidenten und der Kanzlerin bis in diese Niederungen besteht nun die Schwierigkeit, daß mit Rücksicht auf die politische Korrektheit niemand besonders hervorgehoben oder zurückgesetzt werden darf. Man spricht also ganz allgemein von den Herzen der Menschen oder erwähnt die strahlenden Weihnachtsbäume, woran sich Betrachtungen über das Licht und seine allgemeinmenschliche Symbolik anschließen lassen. Und nicht alle Wünsche gehen im Leben in Erfüllung, das ist ja auch wahr. Alles sehr schlicht und fast frei von Inhalt, aber beruhigend und tröstend. Man fühlt sich wie im Altersheim.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2014 um 05.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27632

In Leserbriefen beschweren sich Leute darüber, daß "Pegida"-Vertreter als "Rattenfänger" bezeichnet werden. Sie wollen nicht mit Ratten verglichen werden.
Nun war allerdings die Beseitigung der Ratten den Hamelnern durchaus recht, aber der Rattenfänger hat ja dann noch – aus guten Gründen – etwas anderes getan, und erst dies hat ihn unsterblich gemacht.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.12.2014 um 17.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27615

Google liefert für „Christinnen und Christen“ soeben 157.000, für „Musliminnen und Muslime“ 18.200 Ergebnisse. „Afrikanerinnen und Afrikaner“ bringen es nur auf 4.480 Ergebnisse, „Westfälinnen und Westfalen“ auf 113.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 26.12.2014 um 16.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27614

Kürzlich hörte ich im Fernsehen zum ersten Mal "Musliminnen und Muslime". Dagegen scheine ich "Christinnen und Christen" noch nie gehört zu haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2014 um 07.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27464

Es gibt zwar keine Rassen, aber sie wohnen getrennt. Wo Schwarze zuziehen, sinken die Immobilienpreise; gegen die Entmischung ist nichts zu machen, der Markt lügt nicht. Freunde aus den USA haben uns beschrieben, wie das geht. Aber auch hierzulande haben wir natürlich etwas ähnliches.

Alle Menschen sind gleich. Aber nur in schlechten Wohnvierteln hängt man seine Wäsche zum Trocknen auf. Aus einer Gated community im Norden der USA wird mir berichtet, daß die Nachbarn vorstellig wurden, wenn sie auf dem Grundstück neu Hinzugezogener aufgehängte Wäsche sehen konnten. Einerseits erinnert Wäsche wohl an die Körperlichkeit des Menschen, anstößig wie das Klo und der Tod, andererseits muß man sich natürlich einen Trockner leisten können, sonst ist man arm, und das stinkt erst recht zum Himmel.

In manchen Ländern wohnten Arme und Reiche schon immer getrennt, aber heutzutage kommen auf der ganzen Welt Absperrungen und Wachtposten hinzu. Ein Zeichen, daß die alten Ordnungen nicht mehr fraglos gelten, sondern mit Gewalt verteidigt werden müssen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2014 um 12.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27387

„Der Phänotyp eines Menschen – die Farbe seiner Haut, Augen,Haare und Ähnliches – wird von ein paar Dutzend unserer 20 000 Gene bestimmt. Genetisch betrachtet, ist jeder Rassismus ein absoluter Witz. Mensch ist gleich Mensch.“ (Max Planck Forschung 3/2014)

Non sequitur. Auch gute Menschen sollten sich keine Fehlschlüsse leisten. Weder den bekannten naturalistischen Fehlschluß noch jenen, den ein eingefleischter Rassist so kontern würde: Gerade auf die paar Dutzend kommt es an!
(Im selben Abschnitt war gerade dargelegt worden, daß das Genom des Neandertalers sich von unserem nur um 0,1 Prozent unterscheidet, und wie eng wir mit dem Schimpansen verwandt sind, steht ja in jedem Schulbuch. Also was soll's?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2014 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27312

"Wer von sich behauptet frei von Rassismus zu sein, hat eigentlich verloren." – Dieser Satz ist besonders bezeichnend. Scheinbar bezieht der Verfasser sich ein, aber in Wirklichkeit ist er zusammen mit seinen Geschäftspartnern der einzige, der über uns anderen steht, weil er eben alles durchschaut und "reflektiert", wie man sagt. Wir hatten das schon bei der Gruppe um Schwarz-Friesel. Die allgemeine Zerknirschung (contritio cordis) macht die Sache ziemlich hoffnungslos, außer für die wenigen Glücklichen, die Zerknirschungskurse veranstalten. Früher ging man zu seinem Psychoanalytiker, das könnte sich ändern: "Ich gehe jeden Freitag zu meinem Antirassismustrainer, um meine Vorurteile gegen Schwarze loszuwerden." "Mir geht es ähnlich, ich leide an einem Vorurteil gegen Sinti und Roma; da soll es jetzt einen Kurs an der VHS geben."
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.11.2014 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27307

Es wundert mich, daß diese Gutmenschen und Neusprech-Fanatiker nicht daran denken, daß nicht alle Flüchtlinge schon einen sicheren Zufluchtsort gefunden haben und demnach nicht alle Geflüchtete sind, sondern viele immer noch Flüchtende. Statt "jeder Flüchtling" sollten sie also nicht einfach "jede und jeder Geflüchtete", sondern korrekter "jede und jeder Geflüchtete und jede und jeder Flüchtende" sagen. Aber wer weiß, zuviel Denken möchte vielleicht der Gedankenpolizei auch wieder mißfallen, da muß man schon vorsichtig sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2014 um 14.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27306

Ist halt ein Geschäftsmodell, das sieht man ja ganz deutlich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 11.11.2014 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27305

Welch ein Unfug. Mutlu Ergüns larmoyante, notorisch beleidigte Leberwursthaltung zerstört genau das, was selbstverständlicher Konsens sein sollte: daß „anders“ grundsätzlich nichts Negatives ist. „Anders“ ist auffällig, interessant, provoziert Fragen – und das ist völlig in Ordnung so. Wer solche Fragen als "rassistisch" diskriminiert, diskriminiert zugleich das „andere". Wer übrigens „anderes“ betreffende Fragen besonders deutsch findet, kann in der Welt noch nicht viel herumgekommen sein. Typisch deutsch ist eher die Scheu, Fremden Fragen zu stellen. Es gibt Länder, da setzt man sich im Café zu anderen Menschen an den Tisch und sucht das Gespräch, statt allein in seine Tasse zu starren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2014 um 09.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27303

Die SZ hat etwas Schreckliches entdeckt: die Frage „Wo kommst du her?“, gerichtet an Menschen mit exotischem Aussehen oder fremdartigen Namen. Der Betreffende könne ja in Bottrop geboren sein usw. Mit der Frage "Wo kommst du her?" sieht sich freilich jedermann im Ausland ständig konfrontiert; daran muß und kann man sich gewöhnen.

Die Zeitung stützt sich auf Mutlu Ergün. Mit diesem gibt es auch ein aufschlußreiches Interview:
http://freiheitsraumreformation.de/61158.html

Ergün benutzt die Form "Geflüchtete" statt "Flüchtling", gegen das Sprachpfleger einwenden, daß es maskulin und pejorativ sei. Diskussion dazu hier:
www.sprachlog.de/2012/12/01/fluechtlinge-und-gefluechtete

Ergün definiert Rassismus als "Vorurteil plus Macht". Folglich kann er von sich selbst sagen:
"Ich als alevitisch-anatolischer Deutscher kann Weiße Deutsche vielleicht rassistisch diskriminieren, aber ich habe weder persönlich noch kollektiv, historisch oder global die Macht, Weißen Leuten den Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen wie Bildung, Arbeit oder Wohnungen zu verweigern."
Also kann er per definitionem kein Rassist sein. Das ist doch sehr schön.


Zur Wortbildung:

„Aber Flüchtling ist natürlich nicht von einem Adjektiv, sondern vom Verb flüchten abgeleitet. Wie sieht es also bei Wörtern aus, die aus Verben abgeleitet sind? Hier müssen wir, wie gesagt, zwischen denen unterscheiden, die eine passivische Bedeutung haben (wie Prüfling, „Person, die geprüft wird“) und denen, die eine aktivische Bedeutung haben (wie Eindringling, „Person, die irgendwo eindringt“).
Die mit passivischer Bedeutung sind grundsätzlich nicht im engeren Sinne negativ konnotiert, sie implizieren aber alle ein mehr oder weniger starkes Abhängigkeitsverhältnis, was vielleicht in der Natur der passivischen Bedeutung liegt: Prüfling, Impfling, Lehrling, Säugling, Findling, Täufling, Sträfling, Zögling, Häftling, Schützling, Pflegling.“ (Stefanowitsch a.a.O.)

Mehrere dieser Substantive sind aber eindeutig von anderen Substantiven abgeleitet, meiner Ansicht nach auch Flüchtling aus Flucht. So auch Altmann/Kemmerling. Mit der pejorativen Bedeutung des Suffixes ist es auch nicht so weit her. Bei vielen Substantiven auf -ling (Henzen 166f.) steckt der pejorative Sinn schon im Grundwort: Emporkömmling, Eindringling, Feigling usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2014 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27234

Noch einmal zu #17948 (und auch zu Ihnen, lieber Germanist):

"Nach dem Zerfall Jugoslawiens entwickelten sich in den Nachfolgestaaten die betreffenden Sprachstandards aus politisch motivierten Gründen auseinander, was durch die konsequente Anwendung der eigenständigen Bezeichnungen Kroatisch, Serbisch, Bosnisch und Montenegrinisch unterstrichen wurde. Der Status der Standardvarietäten des Serbokroatischen als voneinander unabhängige Sprachen ist sprachwissenschaftlich nicht haltbar. Vielmehr handelt es sich um eine leicht voneinander abweichende Realisierung einer Makrosprache und somit de facto um dasselbe Sprachsystem.
Der Ausdruck 'Serbokroatisch' wird insbesondere in Kroatien und Serbien kaum noch verwendet." (Wikipedia. Links weggelassen)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2014 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27231

„Das türkische Außenministerium hat gegen die Verwendung einer Karikatur des heutigen Staatspräsidenten Erdogan in einem deutschen Schulbuch protestiert. Die Zeichnung enthalte Beleidigungen gegen Erdogan und die in Deutschland lebenden Türken, erklärte das Ministerium in Ankara. Der Abdruck in einem Schulbuch spiegele wachsenden Rassismus und Ausländerfeindlichkeit wider. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass der deutsche Botschafter deshalb ein Gespräch im türkischen Außenministerium hatte. - Die Karikatur war 2011 zuerst in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erschienen und zeigt unter anderem einen Kettenhund, auf dessen Hütte "Erdogan" steht. Nachgedruckt wurde die Zeichnung in einem Schulbuch für das Fach Gemeinschaftskunde und Wirtschaft.“ (Deutschlandfunk 4.11.14)

Die Maßnahme ist zwar ungeschickt, aber nicht unbegründet. Die deutschen Schulbücher sind ja, wie wir schon mehrmals gesehen haben, strikt auf Politische Korrektheit (in Bayern auch Frömmigkeit) getrimmt. Auf die Meinungsfreiheit kann man sich in diesem Fall also nicht berufen. Greser & Lenz sind viel zu gut, als daß sie in Schulbücher aufgenommen werden könnten.

Man wird übrigens beobachten müssen, wie sich die Schulbücher in Thüringen nun ändern werden, vor allem was die Darstellung der DDR betrifft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2014 um 03.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27195

Gegen die Mohrenbrauerei ist auch ein Schlüsselanhänger „NO MOHR!“ entwickelt worden:

SI: Bevor wir das Logo entworfen haben, haben wir mehrere Diplomarbeiten gelesen. An der Uni Wien gibt es eine 300-seitige Diplomarbeit, die sich nur mit dem Logo der Brauerei beschäftigt. Wahnsinnig!
MN: Das haben keine Afrikaner geschrieben, sondern zwei Österreicherinnen (Anm. die Autorinnen der Diplomarbeit sind Mag. Bettina Fleischanderl und Mag. Manuela Meyer). Die haben uns die ganze Arbeit geschickt. Daran sieht man, dass es auch wirklich ein Thema ist.

(www.biorama.eu/no-mohr-simon-inou-und-mara-niang-im-interview-teil-2)

Man betont aber, daß das "Saubermachen" in Österreich noch Jahre dauern wird. Darunter versteht man Politische Korrektheit im umfassendsten Sinn.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2014 um 03.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27194

An österreichischen Universitäten ist das längst die Normalform. Man ist uns da einige Längen voraus, und umgekehrt ist mir kaum je eine kritische Stimme begegnet, auch nicht von den Professoren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.10.2014 um 23.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27192

Manches hält man kaum für möglich, wenn man's nicht selbst gesehen hat:

"Eriksen weist darauf hin, dass Ethnizität viele Formen annehmen kann und ethnische Ideologien dazu tendieren eine gemeinsame Abstammung unter den Mitglieder_innen zu betonen."

(aus der Diplomarbeit zur Mohrenbrauerei, Link in #27183, Seite 43)

Oder hier (S. 242):
"Das Logo auf dem Etikett steht zum Beispiel für ein_e Leser_in für Sklaverei oder Sklavenhandel."

Man kann so einen Schmarren beim besten Willen nicht lesen.
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 28.10.2014 um 23.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27191

Es hat nichts mit Mohren zu tun, aber immerhin mit der Farbe Braun. Das ZDF-Morgenmagazin hat heute über Facebook folgende Erklärung abgegeben:

»Aufgrund einiger Zuschauer-Hinweise zur Kleidungswahl unseres Moderators Jochen Breyer möchten wir kurz aufklären, dass sein olivgrünes Hemd auf dem Bildschirm tatsächlich braun wirkte, dies aber von Jochen Breyer natürlich keinesfalls beabsichtigt war. Wir entschuldigen uns für den entstandenen Eindruck.«

(http://preview.tinyurl.com/les6hem)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.10.2014 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27190

Der ganze Text ist in einem schülerzeitungshaften Stil verfaßt, aber wenn man einmal davon absieht, bleiben immerhin Fakten übrig, die stimmen. Matthias Stolz behauptet jedenfalls nicht, daß Hubertus-Apotheken nach Inhabern namens Hubert benannt seien.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.10.2014 um 19.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27189

Der erste Satz ist auch altkluger Blödsinn.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.10.2014 um 19.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27188

Der letzte Satz ist nicht sehr geistreich, aber daß Barbara die Schutzheilige des Bergbaus ist und es offenbar daran liegt, daß Apotheken im Ruhrgebiet und im Saarland oft ihren Namen tragen, ist doch richtig beobachtet.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.10.2014 um 19.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27187

(14:56) Noch größerer Unfug ist allerdings der letzte Absatz in dem Beitrag aus dem ZEIT Magazin.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 28.10.2014 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27186

Diplomarbeit über die Mohrenbrauerei "in gemeinsamer Zusammenarbeit (...) verfasst": "In unserer Diplomarbeit wird die geschlechtsneutrale Schreibweise_innen verwendet, um die vielfältigen Geschlechtsidentitäten, die über den konstruierten Dualismus von Mann und Frau hinausgehen, mit einzuschließen. So soll der Unterstrich Raum schaffen, damit eben diese Menschen, die sich zwischen bzw. außerhalb dieser Zweigeschlechtlichkeit verorten, mitgedacht werden."
Welch ein Fortschritt gegenüber dem generischen Maskulinum!
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.10.2014 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27184

Eine erfolgreiche amerikanische Krimi-Serie heißt „Law and Order“. Im deutschen Fernsehen läuft sie jedoch unter dem Namen „Recht und Gesetz“.

Das ist nicht nur eine falsche Übersetzung und Tautologie, sondern damit wird vor allem die ganze Pointe dieses Namens verfehlt. Das Besondere an dieser Serie ist nämlich, daß dort nicht wie sonst nur die Polizei („Order“) auftritt sondern auch Staatsanwaltschaft und Gericht („Law“). Die Serie verfolgt die einzelnen Kriminalfälle von den polizeilichen Ermittlungen bis zum Gericht. Das verleiht den Sendungen zumindest den Eindruck von mehr Realismus als sonst üblich.

Bei anderen Kriminalgeschichten seit Sherlock Holmes habe ich mich immer wieder gefragt, ob die raffinierten Schlußfolgerungen der genialen Ermittler wohl vor Gericht Bestand haben würden.

Offenbar hat man sich in Deutschland nicht getraut, die wörtliche und sinngemäße Übersetzung „Recht und Ordnung“ zu verwenden; denn diese wäre ja wohl mindestens populistisch, wenn nicht gar rechtsradikal.

Wie gut haben wir es doch im deutschen Fürsorgestaat, der uns vor solchen Schrecknissen bewahrt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2014 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27183

Restaurant „Zum Mohren“ in der Judengasse in Salzburg/Österreich. Eine beliebte Süßspeise in solchen Lokalen ist unglaublicherweise auch der „Mohr im Hemd mit Schokoladensauce und Vanilleeis“. (www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/Mohren-Stereotyp.htm)

Der Verfasser ist in ganz Deutschland und darüber hinaus umhergereist, um Mohrenfiguren zu fotografieren und sie uns dann anklagend vorzuführen.

Wer Mohr im Hemd genießt, müßte eigentlich auf der Stelle tot umfallen.

Die Herkunft des Apothekennamens scheint ein ziemlich großes Problem zu sein. Peter J. Bräunlein nimmt am ehesten eine Beziehung zum schwarzen unter den Heiligen drei Königen an; exzerpiert hier:
www.mohren-apotheke.org/tl_files/mohrenapotheke/Bilder/Bilder_Mohren_Apotheke/MO_Internet_Historie.pdf

Verdammt gute Menschen sind die Verfasserinnen einer Arbeit, die sich mit der Mohrenbrauerei beschäftigen:
http://othes.univie.ac.at/7508/1/2009-11-09_0305301.pdf
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.10.2014 um 13.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27180

Es ist nicht ganz angemessen, solchen Unfug »nicht ganz einleuchtend« zu nennen.

Erhellender ist das hier:
www.zeit.de/zeit-magazin/2014/18/deutschlandkarte-apotheken-heilige
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2014 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27178

In Erlangen gibt es zwei Mohren-Apotheken ("seit 1696"), in ganz Deutschland Dutzende. Deshalb ist die Erklärung bei Wikipedia nicht ganz einleuchtend:

„Mohren“ finden sich auch vielfach in den Namen und Wappen von Apotheken, Gasthäusern und Brauereien. Bei den Apotheken ist wohl öfter der Nachname des ersten Besitzers ausschlaggebend gewesen denn die Vorstellung vom Mohren, der dann erst später in die Wappen Eingang gefunden hat.

Shakespeare reimt:

Now will I hence to seek my lovely Moor,
And let my spleenful sons this trull deflow'r.

(Titus Andronicus)

Zu dir nun, liebster Mohr, will ich mich wenden,
Indes die Knaben jene Dirne schänden.


(vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30051)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.10.2014 um 20.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27140

zu #27056:
Manche haben wirklich seltsame Gedanken. Wie kann man bei Negerküssen aus Schokolade und Zucker an Kannibalismus denken? Ein Kuß ist ja noch nicht mal Teil eines Körpers. Diesen Leuten müßte ja von einem Schokoladenweihnachtsmann geradezu schlecht werden. Aber da denken sie nicht mal dran. Da sieht man, wie unecht und vorgeschoben all diese "Argumente" sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.10.2014 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27113

Zur politisch korrekten Bezeichnung von Kranken und Behinderten gibt es eine umsichtige Darstellung in einer kanadischen Zeitschrift (in drei Teilen):

www.cmaj.ca/content/184/18/E935 (usw.)

Dazu auch Neuroskeptic: http://neuroskeptic.blogspot.de/

(Neuroskeptic ist auch erste Adresse für Kritiker von Neurobluff und Neurowahn.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.10.2014 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27109

Noch einmal zu "Schadenfreude". Der Eintrag in der englischen Wikipedia ist ausführlicher und gründlicher als der in der deutschen, der zur Hälfte von Wilhelm Buschs "Max uind Moritz" handelt (worüber es ja einen eigenen umfangreichen Eintrag gibt); es fehlt auch nicht der Hinweis, daß die Lausbubengeschichten "wegen ihrer menschenverachtenden und tierquälerischen Handlungen als Kinderliteratur in der heutigen Pädagogik stark umstritten sind", mit Verweis auf Schriften eines deutschen Sportpädagogen. Dieses neue Biedermeier hat Busch allerdings schon vorweggenommen. Die verderblichen Folgen müßten bei Millionen unfreiwilligen Versuchspersonen und entsprechend großen Kontrollgruppen inzwischen deutlich genug sein. Andernfalls sollten die Pädagogen ihre Konstruktionen mal eine Weile für sich behalten.
(In der Bildunterschrift zur Briefmarke mit Onkel Fritze steht fälschlich "kratze, kratze" statt "kritze, kratze" mit Ablaut, wie auch im Haupttext richtig erwähnt.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2014 um 11.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#27056

Über Negerküsse:

„Afrikaner und Kannibalismus – eine anscheinend untrennbare Verbindung, die sich auch in anderen Bereichen der populären Kultur bis heute erhalten hat. Sind es Rachegelüste, die die Deutschen im Gegenzug dazu brachten, in einem Akt symbolischen Kannibalismus nun ihrerseits Afrikaner zu verspeisen?“ (www.kopfwelten.org/download/kopfwelten_faltblatt.pdf)

Auch nach der Umbenennung sind die Negerküsse – vor allem bei Geburtstagsfeiern und Sankt-Martins-Umzügen – überaus beliebt, aber es ist kaum anzunehmen, daß die Kinder sich für die verlorenen Kolonien rächen wollen, indem sie sich symbolisch kannibalisch gütlich tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2014 um 05.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26731

Asylanten und Unterstützer haben eine Kirche in Kreuzberg besetzt:

Die von Linksgruppierungen gerne genutzte Internetplattform linksunten.indymedia.org. berichtet von 120 Menschen in der Kirche. Außerdem wird auf der Plattform die Besetzung mit dem „Vertragsbruch des Berliner Senats“ gegenüber den Flüchtlingen begründet. „Bisher ist alles ruhig, Verhandlungen mit der Kirchenleitung finden statt“, heißt es. (12.9.14)

Das kommt davon, wenn man Verträge mit gar nicht vertragsfähigen Gruppen abschließt. Erstaunlich ist, wie wenig sich die Medien vom Sprachgebrauch der Hausbesetzer distanzieren. Das gilt auch für den Begriff "Kirchenasyl", den man hinnimmt, als bezeichne er eine verfassungsgemäße Institution. In Berlin geht die Gefügigkeit besonders weit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.08.2014 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26628

Wie man hört, wird an immer mehr amerikanischen Universitäten für den Abschluß verlangt, daß die Studenten Kurse in Antirassismus usw. absolviert haben, wie seinerzeit ML im Ostblock. Der Campus ist politisch korrekt, es gibt aber kleine "free speech zones", wie die abgezirkelten Raucher-Ecken auf unseren Bahnsteigen. An Protesten fehlt es nicht, sie richten aber nichts aus gegen die herrschende Gutheit.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 08.08.2014 um 09.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26504

Hinter all dem (#26497, #26500, #26502) steht natürlich die eigentliche Frage: Was ist für mich erstmal Deutschland? Dazu singt Frank Sinatra 1945 im Film *The House I live in* die rhetorische Frage "What is America to me?", und Langston Hughes hat 1938 darauf geantwortet: "America never was America to me" in "Let America be America Again" (http://mydd.com/users/ms01-indie/posts/let-america-be-america-again-poem-by-langston-hughes). Robert Frost nennt es bei John F. Kennedys Amtseinführung "The Gift Outright" (http://magazine.byu.edu/?act=view&a=1896). Herr Ickler hat völlig recht, "Solche Umfragen dienen wohl nur der Hetze." Und Marco Mahlmanns Interpretation der Frage ist ebenfalls richtig. Denn jeder kann mir nichts, dir nichts auf so eine "Umfrage" antworten ("(der genaue Wortlaut ist [auch] mir nicht bekannt)") und die Ja- und Nein-Stimmen in dann doch genauen Prozenten wiedergeben. Wenn der *Stern* jedoch nichts weiter dazu anzugeben hat und für seine Leser eben nicht etwas tiefer greift, kann man nur sagen: "Armes Deutschland."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2014 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26502

Historische Tatsachen als Gegenstand von Umfragen? Dann hätte man ja gleich fragen können: "Sind Sie der Ansicht, daß der Islam bei der Entstehung Deutschlands eine Rolle gespielt hat?"

Übrigens sprechen die Leserbriefe zum Thema eine andere Sprache. Manche Menschen (wie Wulff) werben mit solchen Aussagen, andere hetzen. Das ist der überwältigende Eindruck und die politische Wirklichkeit.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 07.08.2014 um 19.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26500

Die Aussage, daß der Islam nicht zu Deutschland gehöre, interpretiere ich so, daß in der deutschen Entstehungsgeschichte als Land, Nation, kulturelles Gebilde, Volk und dergleichen der Islam nicht mitgewirkt hat; Deutschland ist das geworden, was es ist, ohne den Islam. Das ist weder eine Absage an muslimische Einwanderung noch das Ignorieren einer islamischen Kultur, schon gar kein Haß auf Muslime.
Viele lehnen den muslimischen Antisemitismus ab, viele lehnen das Sendungsbewußtsein missionarischer Wahabiten und Salafisten ab, zumal bei einhergehender Gewaltbereitschaft. Das ist weder Hetze, noch ist die Meinung der Leute egal; es sei denn, der Demokratie ist bereits die Totenmesse gelesen worden.

Bis zur Gastarbeitereinwanderung in den 50er, 60er Jahren gab es in Deutschland so gut wie keine Muslime, während Christen vorherrschend waren und Juden zahlreich hier gelebt haben. Somit ist die deutsche Kultur christlich-jüdisch geprägt und nicht muslimisch. Wenn heute viele Deutsche atheistisch sind, ändert das nichts daran, daß die Deutschen früher christlich und jüdisch waren.
Heute zu sagen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, bedeutet nichts anderes als die Aussage, der Hinduismus gehöre nicht dazu. Niemand leugnet dabei, daß in Deutschland Hindus leben, niemand will sie deshalb rausschmeißen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2014 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26497

Laut Forsa-Umfrage für den "Stern" ist eine Mehrheit der Deutschen der Meinung, der Islam gehöre nicht zu Deutschland oder sei kein Teil Deutschlands (der genaue Wortlaut ist mir nicht bekannt), Was bedeutet das? Es kann bedeuten, daß die Leute meinen, in Deutschland gebe es keine Muslime. Das wäre absurd. Also wird es wohl bedeuten, daß es in Deutschland keine Muslime geben sollte oder daß sie nicht die gleichen Rechte wie die Christen haben sollten. Das sollte man dann aber auch offen sagen. Gehört das Judentum zu Deutschland? Das traut man sich nicht zu fragen. Gehört der Atheismus zu Deutschland? Deutschland ruht doch auf jüdisch-christlichen Werten, wie wir täglich lesen.
Solche Umfragen dienen wohl nur der Hetze. Es ist völlig gleichgültig, was die Mehrheit von (anderen) Religionen hält.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2014 um 08.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26472

Scham kann auch durch Verfehlungen oder empfundene Unzulänglichkeit (Peinlichkeit) anderer ausgelöst werden, die einem gemeinschaftlich verbunden sind. Hierfür ist mitunter der Neologismus Fremdschämen gebräuchlich, der 2009 in den Duden aufgenommen und 2010 in Österreich zum Wort des Jahres gekürt wurde. In der englischen Sprache werden in der Wissenschaftsliteratur seit den 1980er Jahren die Bezeichnungen vicarious embarrassment (stellvertretende Peinlichkeit) oder empathic embarrassment (empathische Peinlichkeit) verwandt. (Wikipedia Schamgefühl)

"Gemeinschaftlich verbunden" ist zwar vage genug, aber ich glaube, daß eine solche Verbundenheit nicht nötig ist. (Der Eintrag enthält ein Link zu einem englischsprachigen Aufsatz.)
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 02.08.2014 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26471

Als Tyrannei des Vermeintlichen empfinde ich Fremdschämen ganz und gar nicht.
Mit kommt eher vor, die Situationen, bei denen Fremdschämen paßt, nehmen rasant zu, vermutlich deshalb hat sich der Begriff auch etabliert. Ob er sprachnotwendig ist oder nicht, spielt da eigentlich keine Rolle.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.08.2014 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26466

Gegenkräfte zum Wirken der unsichtbaren Hand werden ja hier regelmäßig diskutiert, nicht zuletzt in diesem Strang. Aber hinter dem Aufkommen des Wortes Fremdschämen stehen – soweit erkennbar – keine Interessenverbände und Sprachregelungen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 01.08.2014 um 16.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26465

Lieber Herr Markner,

wir sprachpolitische Eckensteher in diesem Forum wissen natürlich sehr gut, daß wir auf den Gang der sprachlichen Dinge nicht den geringsten Einfluß haben. Das bedarf keiner ausdrücklichen Erwähnung.

Allerdings teile ich nicht den frommen Glauben an eine allweise unsichtbare Hand, die den nützlichen oder unnützen Neuwörtern schon irgendwann ihren rechten Platz zuweist.

Ansonsten halte ich nach wie vor jede Parallele zu völlig anders gelagerten englischen Wörtern wie to cringe und cringeworthy, auch cringe-making für verfehlt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2014 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26463

Wobei der Zusammenhang mit dem Moralischen nicht übersehen werden darf (für heutige Zeitgenossen vielleicht nicht so evident wie für A. und S.).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.07.2014 um 22.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26462

Wenn man die Linie von Aristoteles über Schiller weiterverfolgt, gehört die Sache natürlich in den Bereich der Ästhetik des Häßlichen oder auch des Widrigen, wie Rosenkranz es nennt, der im übrigen aber beim Thema Scham nur das eine im Sinn hat.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.07.2014 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26461

Es ist wohl ganz allgemein so, wie Prof. Ickler schreibt (#26449), man schämt sich, offen zu sagen, daß man sich schämt. Deshalb sagt man, man schämt sich fremd. Das mildert es ab, betont schön die eigene Unschuld, behält aber das gute Licht nach außen bei (seht, ich bin besser). "So kommt es denn zuletzt heraus ..."

(Man könnte fast ein ähnliches Gedicht aufs Fremdschämen machen wie Wilhelm Busch über die Selbstkritik.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.07.2014 um 18.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26460

Es ist wohl unweigerlich so, daß ein Neologismus, der in aller Munde ist, auch über den Bereich hinaus Verwendung findet, wo er tatsächlich nützlich ist. Das läßt irgendwann wieder nach, und dann findet das neue Wort seinen Platz, oder es verschwindet vielleicht auch wieder. Sicherlich aber unabhängig davon, ob einzelne es für überflüssig erklären oder nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2014 um 18.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26459

"Das Schaudern ist der Menschheit bestes Teil." Schiller hat sich auch Gedanken gemacht über den "Grund unseres Vergnügens an tragischen Gegenständen." Aristoteles auch schon. Es gibt Angstlust, warum nicht auch Schamlust, Ekellust usw.? Ist besagte Schadenfreude nicht auch so ein Oxymoron?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 31.07.2014 um 18.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26458

Unverfälschtes Fremdschämen ist bei Kindern zu beobachten, die rot werden, sich abwenden oder wegrennen, wenn Erwachsene einander küssen (und sei es im Film). Solche echte Scham schützt der modische Begriff allenfalls vor. R. M. hat mit dem Hinweis auf bestimmte Fernsehformate recht: man schaltet ein, um den bewußten wohligen Schauer zu genießen. Die „Fremdscham“ prickelt, zugleich distanziert einen das Wort vom peinlichen Objekt der Betrachtung. Der Genuß ist legitimiert, und ein bißchen Buße ist auch gleich getan. Ein fein heuchlerischer Sprachgebrauch.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 31.07.2014 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26457

Ich habe mal ein wenig nach „fremdgeschämt“ bei Google gesucht. Dabei bin ich allerdings nicht auf bestimmte TV-Formate gestoßen. Als recht typischen Fund habe ich eher folgendes empfunden:

„Fast jeder zweite Deutsche (45 Prozent) hat sich schon einmal im Urlaub für seine Landsleute fremdgeschämt. Die meisten von ihnen (69 Prozent) finden es peinlich, wenn sich Deutsche arrogant gegenüber Einheimischen verhalten.“

Das ist nun ein gutes Beispiel für die Überflüssigkeit des Wortes. Früher hätte man hier einfach „geschämt“ gesagt, ohne daß das den Sinn irgendwie geändert hätte. Ob diese Deutschen einen „wohligen Schauder“ empfunden haben, weiß man natürlich nicht. Ausdrücklich ist nur von dem unangenehmen Gefühl der Peinlichkeit die Rede. Übrigens hat das Wort peinlich in der Kindersprache eine bemerkenswerte Karriere gemacht

Interessant ist noch, daß einige sich noch durch die Setzung von Anführungsstrichen von dem Wort distanzieren.

Bei dem Wort to cringe kann ich auch nicht den geringsten Hinweis auf ein „wohliges Schaudern“ erkennen. Das Wort bezeichnet allgemein eine unwillkürliche körperliche Reaktion auf etwas Unangenehmes, einschließlich unangenehmer Gefühle, oder als Zeichen der Unterwürfigkeit.

(Er)schaudern ist allenfalls eine von vielen deutschen Entsprechungen: sich (weg)ducken, zusammen- oder zurückzucken, zurückschrecken, den Kopf einziehen, sich klein machen, sich krümmen usw. sind andere Beispiele.

Viele Bedeutungen deckt sich klein machen ab. Damit verkleinert man sich als Ziel für einen drohenden Angriff, einschließlich der strafenden oder schadenfrohen Blicke der Umwelt, oder, als Zeichen der Unterwürfigkeit, für die Schläge seines Meisters („to shrink in fear or servility“).

Bei den Definitionen englischer Wörterbücher für to cringe bin ich übrigens bisher nicht auf die Begriffe shame oder ashamed gestoßen, dagegen immer u. A. auf embarassment u. dgl. Hier wird to cringe teilweise schon stellvertretend für das auslösende Gefühl (von embarassment) gebraucht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2014 um 14.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26452

Stimmt, daran hatte ich nicht gedacht, und jetzt verstehe auch ich besser, was Sie gemeint haben. Bei Quiz-Shows tritt nun die Blamage, also der Schaden, tatsächlich ein, und man wird eher zur Schadenfreude eingeladen als zum Fremdschämen, jedenfalls nach meinem Empfinden. Ich gebe aber zu, daß ich nur wenig Erfahrung damit habe, nicht nur als Nichtfernseher, sondern weil ich aus irgendwelchen Gründen solche Shows nicht mag, sondern lieber anderswo meinen "appetite for wonder" befriedige.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.07.2014 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26450

Man kann den Begriff natürlich auf solche Situationen anwenden, aber entstanden ist er wohl (und deshalb jetzt erst) zur Beschreibung des Gefühls, das der Zuschauer hat, der sich im Fernsehen ansieht, wie andere Leute sich blamieren, und zwar insbesondere in solchen Sendungen (»Formaten«), die genau diesen Effekt hervorrufen sollen. Wenn dieses Gefühl nun ausschließlich peinlich, also höchst unangenehm wäre, würde sich das niemand ansehen. (Ähnlich, in noch krasserer Form, bei Horrorfilmen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2014 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26449

Eine gründliche Analyse käme ohne eigene Werturteile sicher weiter. Das will ich hier aber nicht versuchen, sondern nur noch auf einen kleinen Unterschied aufmerksam machen. Wir alle kennen wohl das durchweg peinliche Gefühl, wenn eine andere Person sich blamiert. So einfach ist es aber gar nicht. Um auf einen bereits anderswo berichteten Fall zurückzukommen: Wenn ich einer kollegialen Prüfung beiwohne und der Kandidat falsches Latein benutzt und auch vom ebenso unwissenden Hauptprüfer nicht korrigiert wird, dann rutsche ich auf meinem Stuhl hin und her und fremdschäme mich und bin sehr unglücklich. (Hier kommt noch hinzu, daß ich die Scham wegen eines Lateinschnitzers selbst für völlig übertrieben halte und mich deshalb zugleich meiner eigenen "humanistischen" Fremdschämerei schäme, aber das ist wieder ein anderes Kapitel.) Das hat schon deshalb mit Schadenfreude nichts zu tun, weil die Bloßstellung ja gar nicht bemerkt wird außer von mir selbst, der Schaden also gar nicht eingetreten ist, über den ich mich klammheimlich freuen könnte.
Andererseits tragen manche die Behauptung, sich schämten sich fremd, wie eine Fahne vor sich her. So seinerzeit Frau Schavan. Der war es überhaupt nicht peinlich, daß Guttenberg sich blamierte, im Gegenteil, sie hat das wahrheitswidrig nur behauptet, um selbst groß dazustehen.
Man sollte meinen, daß Peinliches schnell vergessen oder "verdrängt" wird, aber das Gegenteil ist der Fall. An meine Schuilzeit kann ich mich nicht besonders gut erinnern, aber folgende Nichtigkeit ist mir noch ganz gegenwärtig: Ein nicht sehr heller und auch nicht sehr beliebter Mitschüler ließ sich von mir einen Aufsatz geben. um sich Anregungen zu holen, wie er sagte. Der Deutschlehrer, den ich sehr verehrte (ich habe ihn hier schon mehrmals gepriesen) ließ diesen Mitschüler seinen Text vorlesen - und es war wortwörtlich mein Aufsatz! Ihr könnte euch denken, wie ich mich fremdschämte. Es kam, was kommen mußte: Dr. H., der mich sehr gut kannte, forderte mich auf, nun meinen Aufsatz vorzulesen. Mit rotem Kopf behauptete ich, ich hätte mein Heft vergessen. Wir haben nie mehr darüber gesprochen, das war auch nicht nötig. - Warum war mir das peinlich wie kaum etwas anderes? Ich hatte mir ja nichts zuschulden kommen lassen. Es war die Selbsterniedrigung des mir nicht einmal besonders nahestehenden Kameraden, die ich - anders als er, der auch sonst keine solchen Skrupel kannte - empfand und um keinen Preis auch noch öffentlich machen wollte. Damit hängt auch zusammen, daß ich nie irgendwo abgeschrieben habe, nicht aus Tugendhaftigkeit, sondern weil mein Stolz es mir unmöglich macht. Lieber "im Erdboden versinken", wie man sagt, als vor irgendwem oder irgendwas auf die Knie gehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.07.2014 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26448

Tut mir leid, aber eine Art wohligen Schauder kann ich mit Fremdschämen oder sich für jemanden schämen nicht in Einklang bringen. Meiner Ansicht nach empfindet jemand, der sich für einen anderen schämt, echte Scham, nur vielleicht nicht ganz so intensiv, da er nicht selbst direkt betroffen ist, aber er spürt die Peinlichkeit und wünschte, es wäre dem anderen nicht passiert bzw. er hätte es nicht getan. Ob das altmodisch ist - kann sein, das will ich mal offenlassen.

Es ist schon möglich, auch einen wohligen Schauder zu verspüren, wenn jemand anderem eine Peinlichkeit passiert, nur hat das, wie ich finde, nichts mit Fremdschämen zu tun, sondern ist eher eine Art Schadenfreude.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.07.2014 um 19.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26447

Man muß das Phänomen ja nicht gut finden – obwohl es sicherlich interessant ist. Aber der Begriff selbst ist doch sehr treffend, und diese beiden Aspekte sollte man hier doch leicht auseinanderhalten können.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 30.07.2014 um 18.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26446

Nochmal überschlafen: Scham und sich schämen sind sehr unangenehme Angelegenheiten. (Sogar von ontologischer Bedeutung: Mit der Scham wird die Existenz einer unabhängigen Instanz außerhalb des eigenen Ichs anerkannt.) Auch "die Scham" als Körperteil zeigt man nicht gerne Fremden. "Fremdschämen" aber kehrt das ganze um. Es ist genau der wohlige Schauder, mit dem man auch den Schweinkram unter der Ladentheke begafft, über den man sich öffentlich empört. Man kann sich bequem zurücklehnen und mit dem dicken Finger auf andere zeigen. (Gustav Heinemann bemerkte ganz zu Recht, daß dabei stets drei Finger auf einen selbst zurückweisen.) Deshalb ist mir dieser Ausdruck so zuwider.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 29.07.2014 um 19.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26433

Ja, der "wohlige Schauder", mit dem er benutzt wird, ist es wohl, der mir diesen Ausdruck so unangenehm erscheinen läßt. cringeworthy als Adjektiv ist jedenfalls keine genaue Entsprechung (und natürlich völlig überflüssig).

Noch ein Zitat: Renate Künast hätte ihren Parteifreund Joseph Fischer fragen können, warum er den damaligen Außenminister Guido Westerwelle mit der maskulinistisch-homophoben Bemerkung "zieht den Schwanz ein" belegt hat, als dieser eine Beteiligung der Bundeswehr in Libyen abgelehnt hatte. (Wolfgang Müller, jW 28.7. 2014)
Manche Leute kommen einfach nicht über pubertäres Pennäler-Niveau hinaus. Aber Hauptsache, man kann so richtig empört sein.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.07.2014 um 21.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26424

to cringe heißt (er)schaudern.

Wie gesagt geht es um das Vergnügen an der Sache (sonst würde ja niemand zusehen oder sich darüber verbreiten). Peinlich berührt zu sein ist hingegen bloß unangenehm und vor allem altmodisch.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.07.2014 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26422

Lieber Herr Markner,

ich empfinde cringeworthy ebenfalls als eine völlig überflüssige, ja schon etwas alberne Wortbildung. In gepflegtem Englisch würde es etwas deplaziert wirken.

Anstelle von cringeworthy to watch könnte man besser embarassing to watch sagen, im Deutschen peinlich anzuschauen.

Ich kann nicht beurteilen, ob mache Leute beim Fremdschämen einen „wohligen Schauer“ empfinden. Jedenfalls verstehe ich nicht, wieso darin ein Zusammenhang mit cringeworthy bestehen sollte.

Man könnte cringeworthy in einem bestimmten Sinn als schämenswert übersetzen. Damit geht aus diesem Wort nicht einmal hervor, ob sich überhaupt jemand schämt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.07.2014 um 03.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26412

Fremdschämen heißt, sich stellvertretend für einen anderen zu schämen, der sich seinerseits offenbar nicht schämt. Manche Leute scheinen dabei einen wohligen Schauder zu empfinden, und hier besteht der Zusammenhang mit dem englischen Neologismus: Eine Episode von Frauentausch (Wife Swap) beispielsweise ist eigentlich immer cringeworthy to watch.

Man konnte immer schon sagen ich schäme mich für ihn, aber daraus läßt sich kein griffiges Substantiv ableiten. Außerdem wird damit das Vergnügliche des Fremdschämens nicht berührt.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 27.07.2014 um 18.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26410

Ich empfinde den neumodischen Ausdruck Fremdschämen auch nicht als „fürchterliches Wort“ sondern eher als überflüssiges Modewort. Ich sehe jedenfalls nicht, inwiefern diese Wort den gemeinten Sachverhalt wirklich besser beschreibt als bloßes Schämen, womit man früher ja auch ausgekommen ist.

Nicht ganz verständlich ist mir der Zusammenhang mit dem englischen Wort cringeworthy, dem doch der entscheidende Bedeutungsgehalt fremd völlig abgeht. Wenn dieses - auch recht neue - Wort tatsächlich „in ähnlichen Zusammenhängen“ benutzt wird wie Fremdschämen, so zeigt das doch eher die Überflüssigkeit dieses Wortes.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.07.2014 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26395

Wieso das denn? Das Wort benennt den Vorgang sehr genau, im Unterschied zu dem im Englischen in ähnlichen Zusammenhängen benutzten cringeworthy.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 25.07.2014 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26392

"Die Bereitschaft, sich im Namen anderer zu empören ..." – In diesem Zusammenhang ist wohl auch die Konjunktur des Ausdrucks "fremdschämen" zu sehen. Ich finde es ein fürchterliches Wort.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2014 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26391

Blätter, die man sonst nie lesen würde, liegen manchmal im Wartezimmer herum,und auch das Internet präsentiert die Schlagzeilen von BILD und STERN. Deshalb mal dieser Griff in die unterste Kiste:

Der STERN hat einen neuen Skandal um Boris Becker aufgedeckt. Auf Ibiza sitzt der Sportler doch tatsächlich auf einer liegenden Buddhafigur, und es gibt weitere frivole Bilder mit Familie oder sparsam bekleideter Frau in "lasziver" Pose. Man empört sich also über diesen Frevel, auch wenn man selbst keineswegs Buddhist ist, sondern nur voraussieht und vielleicht wünscht, daß Buddhisten sich empören.
Inzwischen melden sich zaghaft einige Stimmen, die darauf hinweisen, daß der gute Mann keinen Tempel geschändet, sondern es sich nur in einer Hotelanlage gemütlich gemacht hat, die ihren Pool eben mit Buddha-Repliken schmückt, als Werbe-Gag und weil es dort auch Tantra-Massage oder so etwas gibt.
Die Bereitschaft, sich im Namen anderer zu empören oder vielmehr so zu tun, als empöre man sich, ist bei aller Nichtigkeit des Gegenstandes doch recht bezeichnend für unsere Zeit.
(Als wir noch kein schnurloses Telefon hatten, mußte der prächtige tanzende Shiva in unserem Flur das Kabel halten. Dadurch wurden zugleich die christlichen Besucher beschwichtigt, die mich sonst hätten im Verdacht haben können, daß ich heidnischen Göttern huldige. Es ist eben nur ein Schmuck, wie der Kruzifixus in bayerischen Schulen...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2014 um 18.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26379

In Erlangen und Umgebung ist der Teufel los. Nächste Woche soll die Jagd auf die Schnappschildkröte eröffnet werden, die bei einem Badeweiher gesichtet worden ist. D. h. wahrscheinlich existiert sie gar nicht, aber der städtische Bauhof baut spezielle Fallen, Warnschilder stehen schon länger, und die Bevölkerung wird eingehend beraten. Die Schnappschildkröte kann nämlich schnappen. Sie heißt auch Alligatorschildkröte (das ist die Familie), was auch böse genug klingt. Wölfe können bekanntlich auch schnappen, aber die fängt man nicht, sondern bemüht sich sehr, es ihnen wohnlich zu machen.
Im Regionalfernsehen und im Internet kann man furchterregende Filme sehen, wie aus Jurassic Park.
Aber warum ich das hier eintrage: Die Schnappschildkröte ist auf den Namen "Suárez" getauft worden. Also das geht gar nicht!
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.07.2014 um 15.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26347

Der Gegensatz zwischen Moral und bloßer Befolgung von Geboten wurde schon von Jesus ausgesprochen. Man kann Kant höchstens vorwerfen, daß er alle Juden als Pharisäer betrachtet hat. Ob sie das sind oder zu Kants Zeit waren, darüber traue ich mir kein Urteil zu. Zu Jesu Zeit waren sie es nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2014 um 12.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26346

Fast noch dümmer als die Fehldeutung ist dies:

"Kant lebte in einer eigenen, abstrakten Welt, die er sich selbst gebaut hat. Und er hat es versäumt, seine Schlüsse mit der Realität abzugleichen."
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.07.2014 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26345

Voß-Göschel scheint der Meinung zu sein, daß Kant lieber hätte schreiben sollen, daß die ihm persönlich bekannten Juden nette Leute seien.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2014 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26342

Kürzlich wurde ein Theologiestudent in Jena ausgezeichnet, weil er u. a. antisemitische Tendenzen bei Kant aufgedeckt hatte. Ich kenne die Arbeit nicht und will daher nichts darüber sagen, nur die Pressemitteilung kommentieren.

Bei seinen Recherchen ist er schließlich auf etwas gestoßen, womit er so nicht gerechnet habe: "Kant bezeichnet die Juden als 'Vampyre der Gesellschaft' und fordert 'die Euthanasie des Judentums'!", nennt Markus Voss-Göschel zwei Beispiele für die zum Teil extremen antisemitischen Äußerungen in Kants Schriften. "Zwar ist das Judentum kein zentrales Thema für ihn, aber die Schärfe seiner Aussagen kam für mich wirklich unerwartet", gesteht der 25-jährige Student.

"Kant lebte in seiner eigenen Welt"
Kants Verachtung des Judentums erscheint deswegen so überraschend, da er als großer Denker der Aufklärung bekannt ist und sogar mit Juden befreundet war. Markus Voss-Göschels Arbeit macht deutlich, dass Kants Sichtweise eng mit seinem Religionsverständnis verbunden ist: "Diese Haltung kommt aus seinem Denken heraus, nicht aus seinen Erfahrungen im wirklichen Leben", ist der Jenaer Student überzeugt. "Kant lebte in einer eigenen, abstrakten Welt, die er sich selbst gebaut hat. Und er hat es versäumt, seine Schlüsse mit der Realität abzugleichen." In dieser eigenen Welt hat Kant zwischen verschiedenen Arten von Religion unterschieden. Das Judentum nimmt in seiner Kategorisierung jedoch keinen guten Platz ein: "Für Kant ist das Judentum ein absurdes und sinnloses Gesetzeswerk ohne moralischen Bezug und daher eigentlich keine Religion", erläutert Voss-Göschel. Denn während im Christentum die Regeln um einen moralischen Kern kreisen, sei der jüdische Gott jemand, der von den Menschen die bloße Verfolgung von Geboten, nicht aber Moral fordere.
Die Gedanken des berühmten Philosophen folgen einer eigenen Logik und Markus Voss-Göschels Abhandlung macht diese zumindest ein wenig verständlicher. "Seine Religionsphilosophie ist hier der Dreh- und Angelpunkt und deswegen würde ich Kant als theoretischen Antisemiten bezeichnen", sagt Voss-Göschel. Dennoch ist auch für den Theologiestudenten Kants Sichtweise nicht nachvollziehbar. "Seine Äußerungen sind ganz klar judenfeindlich und Kant verfehlt seinen eigenen Anspruch nach Menschenfreundlichkeit und Reflexion", stellt er klar.


(www.uni-jena.de)

Ist das preiswürdig?

Neu ist es jedenfalls nicht. Unter anderen hat Micha Brumlik schon mit dem Euthanasie-Zitat Entsetzen erregt, und Kurt Flasch hat ihn in einer Rezension darauf hinweisen müssen, daß ein Historiker die Wörter, die er in den Quellen vorfindet, auf ihren damaligen Gebrauch und auf ihren Kontext hin untersuchen muß, statt sich von modernen Assoziationen leiten zu lassen. (www.berliner-zeitung.de)

Eine entsprechende Belehrung hätte auch bei dem jungen Mann in Jena stattfinden müssen und wäre erfolgversprechender. Aber vielleicht ist sein Text ja differenzierter als in der Wiedergabe, ich will ihm nicht unrecht tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2014 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26321

In der FAZ vom 13.7.14 vergleicht Felicitas von Lovenberg den neuen Roman J. K. Rowlings mit „Agatha Christies Allzeithit ‚Und dann gab’s keines mehr‘“. Das ist der endgültig bereinigte deutsche Titel. Fragt man sich, wovon es keines mehr gab, fallen einem doch wieder die verpönten Negerlein ein (wie Argonaftis hier schon bemerkt hat).
(Die Rezensentin wundert sich, wieso die „publikumsscheue Edinburgherin Rowling“ so vertraut mit London sein kann, daß ihr Buch besser als jeder Stadtführer die Atmosphäre der Hauptstadt wiedergebe. Nun, Rowling ist keine Edinburgherin und hat zwei Jahre in London gearbeitet, das sollte reichen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2014 um 03.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26293

Vereinbarung zwischen die Flüchtlingen und dem Bezirksamt

Um sich ein Bild von der Berliner Groteske zu machen, kann man an verschiedenen Stellen diese "Vereinbarung" nachlesen:

https://ohlauerinfopoint.files.wordpress.com/2014/07/skmbt_552140703115601.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.07.2014 um 05.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26228

Die ZEIT vom 3.7.14 (online) berichtet über ein Gerichtsurteil, wonach der Zwarte Piet in den Niederlanden rassistisch sei. Dazu ein Leserbrief:

Wollen wir das?
Der Zwarte Piet hat wohl die Funktion von Knecht Ruprecht und ist sehr beliebt. Vielleicht müssen wir überlegen, ob Knecht Ruprecht männer- oder die Karnevalsjungfrau frauenfeindlich ist ?
Wie lange wird es brauchen, bis sich jemand an dem schwarzen Piraten aus Asterix, der hochgradig rassistisch dargestellt wird, festbeißt?
Was ist mit den Sternensingern?


"Anmerkung: Wir wünschen uns eine konstruktive Debatte und würden es begrüßen, wenn Sie sich ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzen. Danke, die Redaktion/sam"
-
Fast die Hälfte der Zuschriften wurde von der Redaktion „entfernt“ oder moralisierend kommentiert. Bei der ZEIT erstaunt mich immer wieder, wie genau man dort Gut und Böse unterscheiden kann.

Zur Sache selbst: Was bedeutet es eigentlich, wenn ein Weißer sein Gesicht schwärzt? Das ist nicht einmal bei den "Minstrels" so eindeutig. Was bedeutet es, wenn Schwarze sich bleichen und ihre Haare glätten? Womit wir wieder beim Expurgieren der Kinderbücher wären. Was ist so furchtbar, wenn ein Kind sich als "Chinesenmädchen" verkleidet? (Oder vielmehr: wenn dies in einem Kinderbuch beschrieben wird.)

Was meint also die ZEIT-Redaktion, wenn sie sich eine "konstruktive Debatte" über diese Frage wünscht? Wahrscheinlich nur positive, aufbauende Kritik, keine zersetzende...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2014 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26083

Die Menschen werden immer besser. Unsere Lehrer waren noch stark vom Krieg geprägt, der ja erst wenige Jahre zurücklag. Manche sprachen nie davon, andere kamen zwanghaft immer darauf zurück und erzählten, statt uns Unterricht zu erteilen, von ihren Erlebnissen: wie sie damals mit dem MG in eine feindliche Stellung hineingerotzt hatten usw. Wir nahmen es nachsichtig und gelangweilt hin, weil wir es schon kannten. Nach heutigen Maßstäben hätte die Hälfte von ihnen suspendiert gehört. Aber heute zeigen die Eltern einen Lehrer an, wenn er - wie ihr Schlingel ihnen berichtet - im Unterricht von "Eingeborenen" oder "Naturvölkern" gesprochen hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2014 um 07.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26050

Selbstverständlich sind junge Türken, Iraker, Vietnamesen oder Ghanaer genauso neugierig und intelligent wie deutsche Kinder auch. Deutsche Erzieher, Lehrer, Nachbarn und Freunde müssen ihnen allerdings die Hand reichen und ihnen helfen, mit Sprache und Kultur zurechtzukommen – je früher in ihrem Leben, desto besser. Das belegen alle Studien zur frühkindlichen Bildung. (Welt 14.6.14)

Wie sind die Vietnamesen hier hineingeraten? Um die braucht man sich keine Sorgen zu machen. Das wissen auch die Lehrer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2014 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#26044

Migranten haben es deutlich schwerer
(FR 13.6.14)

Der Bildungsbericht, auf den sich der Beitrag stützt, zeigt nur, daß Migranten und insbesondere Türken in Deutschland weniger Schul- und Berufsabschlüsse haben, nicht aber, daß sie es "schwerer haben".

Der falsche Ton der FR ist hierzulande der gute Ton und versteht sich von selbst.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 14.05.2014 um 10.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25816

Beim letzten "Satire Gipfel" am Montag hat Dieter Nuhr das Thema mit Witz abgehandelt, das Publikum war jedenfalls amüsiert. Von der geschlechtergerechten Sprache über Zigeuner bis hin zu den Dicken wurde die Absurdität der Korrektheitsversuche auf den Punkt gebracht.

www.daserste.de/unterhaltung/comedy-satire/satire-gipfel/sendung/12052014-100.html

Der relevante Ausschnitt (Minuten) geht von 14:35 bis 22:50.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2014 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25776

Beim Lesen dieser materialreichen Abhandlung zur politischen Korrektheit in Kinderbüchern:

Wer kann sich eigentlich diskriminiert fühlen, wenn in einem Kinderbuch von "Wilden" und "Kannibalen" die Rede ist? Leben die Wilden unter uns und lesen ihren Kindern Lurchis Abenteuer vor? Wollen Kannibalen unbehelligt ihrem ehrbaren Tun nachgehen? Eigentlich können nur Unbetroffene Einspruch erhoben haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2014 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25774

„Heute als rassistisch empfundene Wörter, die lebende Betroffene verletzen, sollten Verlage aus Kinderbuchklassikern streichen“, stimmt Hans-Heino Ewers zu. Der Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt sieht kein Problem darin, wenn der Negerkönig aus Pippi Langstrumpf neuerdings Südseekönig heißt - der Sinn des Gesamtwerks werde dadurch schließlich nicht entstellt. Zudem sei es üblich, dass Klassiker überarbeitet und an moderne Sprache angepasst werden. (Focus 3.5.14)

Als Beispiel führt der Jugendbuchforscher anderswo an, daß in 200 Jahre alten Büchern aus dem "blöden Kind" ein "schüchternes" werde, weil die Kinder das heute nicht verstehen. Der Vergleich hinkt jedoch, weil die Kinder heute sehr wohl verstehen würden, was "Negerkönig" bedeutet. Die Sprache veraltet hier nicht einfach, sondern wird aus ideologischen Gründen veraltet.

Übrigens habe ich noch nicht gehört, daß die Jugendbuchforscher sich mit der Vernichtung von Millionen Büchern wg. Rechtschreibreform befaßt hätten. Ich kann mir denken, daß sie auch damit einverstanden sind - zum Wohle unserer Kinder natürlich.
 
 

Kommentar von Frager, verfaßt am 04.05.2014 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25765

Danke für den Hinweis, Herr Ickler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2014 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25764

Nein, das hat der alte Duden nicht vorgesehen; mein eigenes Wörterbuch läßt es erstmals zu, aber nur fakultativ.
 
 

Kommentar von Frager, verfaßt am 04.05.2014 um 10.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25763

"Richtig wäre es, die Menschen gleich zu behandeln"

Werter Herr Prof. Ickler,

mit Verlaub! Müßte es nicht "gleichzubehandeln" heißen und zusammengeschrieben werden zur Unterscheidung von "sofort zu behandeln"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2014 um 07.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25762

Wie schwer es ist, die Existenz von Rassen zu bestreiten und gleichzeitig gegen Rassendiskriminierung zu kämpfen, zeigt sich z. B. hier:

vgl. Michelle Alexander: The New Jim Crow. Mass Incarceration in the Age of Colorblindness. The New Press, New York 2010, ISBN 978-1-59558-103-7, S. 198. Anmerkung: Das Wort „Rasse“ ist hier im Sinne des US-amerikanischen öffentlichen Diskurses über „race“ gebraucht, in dem die wissesenschaftliche [sic] Erkenntnis, dass es keine verschiedenen Menschenrassen im Sinne der Rassentheorie gibt, bislang keinen begrifflichen Niederschlag gefunden hat.(Wikipedia zu Michelle Alexander, einer bekannten US-Juristin und Kämpferin gegen Rassismus)

Das Stichwort "Rassentheorie", auf das verwiesen wird, zeigt ähnliche Schwierigkeiten unfreiwillig deutlich auf.

Besonders windig ist das Argument, die für jedermann sichtbaren morphologischen Merkmale seien nicht wesentlich, da die genetische Variation innerhalb einer Population größer ist als zwischen den Gruppen. Was soll's? Dadurch wird es ja nicht unmöglich, die Menschen auch nach genetisch unwesentlichen Merkmalen zu klassifizieren. Goethe hat die Mineralien nach ihrer Farbe eingeteilt, was den Mineralogen schon damals nicht gefiel, weil ihnen die Kristallform wichtiger war und die Farbe nur eine Folge von Verunreinigungen. Trotzdem kann man die Stoffe für bestimmte Zwecke nach der Farbe ordnen.
Richtig wäre es, die Menschen gleich zu behandeln ungeachtet der Hautfarbe usw. Das ist der einzig sinnvolle Begriff von politischer "color blindness". So denkt im Grunde ja auch jeder, aber man fügt sich der PC. Der Zwang zur täglichen Heuchelei und Verleugnung des Offensichtlichen könnte sich bitter rächen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2014 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25577

Wenn die FAZ (11.4.14) von tribalen Konflikten in Afghanistan spricht, dürfte es sich nicht nur um eine träge Nichtübersetzung aus dem Englischen handeln. Das Wort Stamm ist, wie bei Wikipedia unter Volksstamm ausführlich dargestellt, aus Gründen der Politischen Korrektheit verpönt. Sonst würde man einfach Stammeskonflikte sagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2014 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25388

Der bekannte Humangenetiker Peter Propping spricht sich in einem Leserbrief dafür aus, das Wort Rasse nicht mehr auf Menschen anzuwenden (FAZ 14.3.14). Die angebotenen Paraphrasen für Menschengruppen mit gemeinsamen genetischen Eigenschaften sind aber so unhandlich, daß sie nicht das letzte Wort sein können. Man braucht vor allem ein Substantiv, denn mit lauter adjektivischen Umschreibungen kommt man nicht weit.

„Genetische Unterschiede zwischen verschiedenen Menschengruppen haben sich im Laufe der Evolution natürlich entwickelt, während ‚Rassen‘ in der Nutztierzucht das Resultat eines eindimensionalen Züchtungsziels sind, etwa Legeleistung von Hühnern oder Milchertrag von Kühen.“

Das trifft erstens nicht zu und wäre zweitens kein wesentlicher Unterschied. Auch bei Tieren können sich Rassen als Anpassung an verschiedene Umwelten entwickeln, auch der Mensch hat, indem er neue Regionen besiedelte, Anpassungen angestoßen, z. B. die unterschiedliche Pigmentierung der Haut, die Laktoseverträglichkeit oder die Malariaresistenz. Aber selbst wenn die seligierenden Bedingungen einmal vom Menschen, einmal von der sonstigen Umwelt gesetzt würden, wäre der Unterschied irrelevant, da die Ausbildung von Varietäten in beiden Fällen auf die gleiche Art geschieht.
Als Motiv für die Ablehnung des Rassenbegriffs wird abschließend angegeben, es solle niemand benachteiligt werden. Das ließe sich, wie bisher, auch auf anderem Wege erreichen als durch die Beseitigung eines herkömmlichen Ausdrucks für genetische Varietäten.

Natürlich steht man hier wie anderswo auf verlorenem Posten, wenn man anregt, die Wörter in Ruhe zu lassen und sich um die Sachen selbst zu kümmern.

Kurios ist, daß gerade die wohlmeinendsten Humangenetiker von einigen noch menschenfreundlicheren Eiferern angegriffen werden, die ihnen "erbhygienische" Ideologie unterstellen und am liebsten alle Forschung verbieten möchten. Mit sprachlichen Eiertänzen kommt man da nicht heraus.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 01.03.2014 um 18.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25282

Völlig richtig, aber weshalb sollte man deswegen Anführungszeichen verwenden?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.03.2014 um 18.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25281

»Drittes Reich« war nie eine offizielle Bezeichnung und ab 1938 ausdrücklich nicht mehr erwünscht.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 01.03.2014 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25279

Bei "arische Rasse" würde ich Ihrem Kollegen recht geben, bei "Drittes Reich" jedoch nicht, denn die Distanzierung vom wörtlichen Sinn wird ja bereits durch die Großschreibung des Adjektivs deutlich.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 01.03.2014 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25276

Ich habe die Tage einen Kollegen mit einer Schülerin eine Facharbeit besprechen hören. Der Kollege meinte, die Schülerin hätte die Begriffe "Drittes Reich" und "arische Rasse" in Anführungszeichen setzen müssen, weil sie sonst die Existenz von Rassen, insonderheit der arischen, bejahe und somit zum Rassisten werde.
In dieser Logik werde ich auch zum Nationalisten, wenn ich die Existenz von Nationen anerkenne.

Nach meiner Erfahrung sind Schüler skeptisch, wenn ihnen etwas oder jemand als ausschließlich böse oder als ausschließlich gut präsentiert wird, und sie gewöhnen sich schnell eine gewisse Schulwahrheit oder Schulmeinung an, die sie im Unterricht zum besten geben können, ohne daß das irgend etwas mit ihrer persönlichen Ansicht zu tun haben muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2014 um 07.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25275

Wie kommt die Vorstellung von menschlichen Rassen in unsere Köpfe? In diesem Themenheft zeigen wir, dass diese gefährliche Ideologie weder vom Himmel gefallen ist, noch es in der Natur der Menschen liegt, zwangsläufig rassistisch zu denken und zu handeln.
(www.schule-ohne-rassismus.org)

In meinen Kopf ist die Vorstellung von menschlichen Rassen wahrscheinlich über das Auge gekommen. Die rassistische Ideologie kann ich in meinem Kopf überhaupt nicht finden, deshalb erübrigt sich die Frage.

Es gibt schon über 1000 Schulen, die sich auf ihrer Website rühmen, dem Netzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" anzugehören. Was die Schüler wirklich davon halten, ist so wenig klar wie im Falle des "Leitbildes", das die Schulen sich vor einigen Jahren in Schulandachten verpaßt haben. Die tägliche Unterweisung in bestimmten "Werten" kann, wie die Jugend nun mal ist, unerwünschte Folgen haben. Es ist ja immer das größtmögliche Tabu, mit dessen Durchbrechung die Kinder sich gelegentlich Luft verschaffen. Die Betreiber der oben genannten Aktion wissen sehr gut, daß schwule Sau usw. auf Schulhöfen gang und gäbe ist, schreiben auch darüber, aber immer in der gleichen bierernsten Weise, die lediglich die Fassade berührt. Ein Heft über Rassismus fängt gleich mit den Negerküssen an und will die Leser sogar mit einem Rezept davon überzeugen, daß Schokoküsse ebenso gut schmecken. Unüberbietbar ist aufgrund dieser Erziehung zur Zeit der Hitlergruß. Leider siegt der volkserzieherische Eifer hier über die Entwicklungspsychologie, die doch längst weiß, was sich auswächst und was nicht. Wenn die Erwachsenen so geworden wären, wie man es aus ihrem pubertären Verhalten als Schüler hätte vorhersagen wollen, könnte man wirklich verzweifeln.
Die Lektüre der Broschüren (s. o.) zeigt, daß alles darauf angelegt ist, den äußerlich angepaßten, nun ja, Gutmenschen heranzuzüchten. Ich habe den Kontakt noch nicht verloren und weiß, mit welcher inneren Distanz die jungen Leute den gutgemeinten Bemühungen der Schule gegenüberstehen. Klug ist, wer sich das nicht anmerken läßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2014 um 07.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25253

Der Mißbrauch internationaler Organisationen durch einzelne oder Interessengruppen, die auf diesem Wege ihre sonst chancenlosen Ziele durchsetzen wollen, ist mir schon lange ein Dorn im Auge. Der "Bologna-Prozess" - wie er auch von den Urhebern genannt wird, die so tun, als geschehe das alles einfach so und sei nicht von ihnen veranstaltet, ist ein sehr großes Beispiel, die Durchsetzung des Gender mainstreaming ein anderes. Aber ich habe, wie schon anderswo berichtet, auch ganz kleine und doch bezeichnende Erfahrungen gemacht. Als ich mit Deutsch als Fremdsprache anfing, kam "Kontaktschwelle Deutsch" bei Langenscheidt heraus, die deutsche Version des Europarat-Projekts "Threshold Level", mit dem Logo des Europarats. Man wollte den Fremdsprachenunterricht in Europa vereinheitlichen. Ein kümmerliches Produkt. Aber die Dürftigkeit will ich heute nicht noch einmal kritisieren, Mir kommt es auf den Hauptzweck an: Durchsetzung eines ganz bestimmten Konzepts, Ausschaltung jeder Konkurrenz. So auch später das gescheiterte EUROPILL-Projekt (s. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1192) - einheitliche Linguistik-Lehrbücher in ganz Europa. Der Student sollte in Edinburgh, Lyon oder München genau dieselbe Linguistik studieren. Es handelte sich um eine ganz bestimmte Schule - das kann ja gar nicht anders sein. So war es im Mittelalter: dasselbe Logiklehrbuch in Paris, Köln, Prag und Bologna. Kann das erstrebenswert sein? Es ist ein Mißverständnis, für die Wissenschaftseinheit mit denselben Argumenten zu werben wie für die Währungseinheit. Aber leider fahren unsere Bildungsplaner und Kulturpolitik voll drauf ab. (Natürlich sind die so zu Einfluß gelangten Wissenschaftler graue Mäuse, die nichts Ernstzunehmendes zur Forschung beigetragen haben, aber das läßt man am besten ganz beiseite.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2014 um 15.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25249

Der Europarat hat einen "Bericht" über Menschenrechte in Deutschland veröffentlicht. Er geht u. a. erstaunlich ausführlich auf Sarrazin ein. Wenn ich es recht verstehe, soll Sarrazin nicht sagen dürfen, was er denkt, oder? Hier die einschlägigen Passagen:

35. ECRI regrets that the hate speech fuelled by this racism manifests itself in public debates without always being clearly condemned. Already in its fourth report it expressed concern at certain statements about Muslims focusing on security issues or a supposed “integration deficit”. ECRI regrets that Thilo Sarrazin, a former member of the Executive Board of the German Federal Bank and a politician belonging to the Social Democratic Party (SPD), made similar remarks notably in his book “How Germany abolishes itself”.45
36. ECRI is deeply concerned at the fact that several publications, including Bild-Zeitung and Spiegel, carried excerpts from this book. Furthermore, these racist remarks received a great deal of support in the debate which followed their publication, and which was extensively covered by the media, although the arguments put forward were shown to be close to the theories of eugenics espoused by the National Socialists.
37. It is true that T. Sarrazin was dismissed from his post at the Federal Bank shortly after the book was published. But the request by the bureau of the SPD for his exclusion from the party was withdrawn on 23 April 2011 after he had stated that he had not intended to discriminate against migrants or any other group. Furthermore, the criminal complaint lodged by a Turkish association with the Berlin prosecution service was dismissed.
38. ECRI understands German society’s vigilance in ensuring respect for freedom of expression. But it draws attention to the case law of the ECtHR, according to which tolerance and respect for the equal dignity of all human beings are the foundation of a democratic and pluralist society. It follows from this that, in principle, it may be deemed necessary, in democratic societies, to sanction or even prevent all forms of expression which spread, encourage, promote or justify hatred based on intolerance (including religious intolerance), if care is taken to ensure that the restrictions imposed are proportional to the aim pursued.46
39.In view of the similarity of T. Sarrazin remarks with those of the case Le Pen47, ECRI considers that the response by the authorities and the SPD is insufficient. It was with good reason that the CERD decided that the lack of an effective investigation following Mr Sarrazin’s remarks constituted a violation of Articles 2 (1) d, 4 and 6 ICERD.
www.coe.int/t/dghl/monitoring/ecri/Country-by-country/Germany/DEU-CbC-V-2014-002-ENG.pdf

Leider erfährt man nicht, wer die Verfasser sind. Ein früherer Bericht war von dem jungen Bamberger Soziologen Mario Peucker, der auch diesmal in der Bibliographie erwähnt wird. Der neue Bericht lobt die "Antidiskriminierungsstelle des Bundes". Peucker und seine Kollegen, auch der Lehrstuhlinhaber Friedrich Heckmann arbeiten für die Antidiskriminierungsstelle, das Lob überrascht daher kaum. Die Abrechnung mit Sarrazin wirkt so idiosynkratisch, daß man den Eindruck bekommt, hier wolle jemand ein Hühnchen rupfen.

Wir haben oft erlebt, daß die OECD das deutsche Bildungssystem kritisiert, und wissen, daß "OECD" hier eine Handvoll deutscher Bildungsplaner bedeutet. Analog scheint der Europarat als Fassade für ganz persönliche Meinungsäußerungen zu dienen. Das ist nicht fair. Außerdem ist es schädlich, weil es, wie unzählige Leserzuschriften zeigen, sogleich eine ebenso scharfe Gegenreaktion hervorruft. Deren Urheber kann man nicht alle mundtot machen.

Ich kann Sarrazin nicht verteidigen, weil ich keine Zeile von ihm gelesen habe (was ich aber sogleich nachholen werde, denn nun bin ich wirklich neugierig geworden). Ich meine aber, daß er seine Meinung sollte veröffentlichen dürfen. Soviel ich weiß, ruft er nicht zu Verbrechen auf und hat auch niemanden umgebracht.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 24.02.2014 um 20.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25248

Die Wette, lieber Herr Bärlein, haben Sie ganz locker gewonnen. Was allerdings auch daran liegt, daß ich seit langem einen weiten Bogen um die asiatische Küche mache. Auch will ich Ihnen gerne zugeben, daß das Essen mit Stäbchen eine ganz und gar harmlose Sache ist und dazu noch ein hübsches Geschicklichkeitstraining. Da gibt es Nachgeäffe, das schwerer zu ertragen ist. Wie zum Beispiel Leute, die überall und oft noch in Gruppen trommeln, was sich eher nach Krieg als nach Kunst anhört - wenn man solche Vergleiche kennt:

http://www.youtube.com/watch?v=V3yY9-6y9tI

Oder Kirchenchöre, die sich im Gospel versuchen oder ganz krass, junge Männer mit markstückgroßen Scheibchen in den Ohrläppchen.

Ich hatte den Abschnitt von Herrn Ickler aber auch rüberkopiert, weil ich eine Formulierung sehr eindrucksvoll fand, gerade weil sie so selbstverständlich daherkam: "eben von Kindesbeinen an selbstverständlich".

Mir scheint, es wird oft vergessen, daß sich Kultur nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Kopf des Rezipienten abspielt.

PS: Meine chinesischen Tischtennisspieler waren natürlich auch nur eine scherzhafte Übertreibung.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 24.02.2014 um 20.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25247

Ich habe doch nur Spaß gemacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2014 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25240

O je, was habe ich da angerichtet! So scharf gewürzt war es nicht gemeint.
Übrigens kann man sich an Stäbchen so gewöhnen, daß man bei der Rückkehr zur Gabel erst einen gewissen Widerwillen gegen das Metall im Mund überwinden muß.
Indisches Essen kann man zwar auch mit der Gabel essen, aber kaum die typisch nordindischen Gerichte mit Fladenbrot. Das geht eigentlich nur mit den Fingern.
Und eins weiß ich ganz sicher: Ob deutsch oder indisch oder chinesisch - man kann sich überall manierlich benehmen oder auch nicht.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 24.02.2014 um 15.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25239

Ich wette, Sie können nicht einmal unlocker mit Stäbchen essen, lieber Herr Hainbuch. Dieses Unvermögen zum Ausdruck kultureller Selbstbehauptung zu stilisieren, ist eine ebenso naheliegende wie durchschaubare Ausrede. Konsequenterweise sollten Sie dann aber das China-Restaurant ganz meiden. Ein Deutscher, der sich dort Reis und Ragout zusammen auf den Teller löffelt, wirkt nicht lockerer als ein Chinese, der ein Schweinekotelett mit Hilfe von Stäbchen ißt. Zubereitung und Anrichtung sind im einen Fall auf den Verzehr nach chinesischer, im anderen nach deutscher Manier ausgelegt. Chinesisch schmeckt es mit Stäbchen einfach besser, deutsch mit Messer und Gabel.

Diese Erfahrung können auch Sie machen. Mein Tip: Kaufen Sie sich zunächst einen Satz Eßstäbchen und lassen Sie sich vom Heimservice öfter mal ein oder zwei chinesische Gerichte bringen. Zuhause können Sie unbeobachtet üben, womit Sie auch von der eventuellen Mutmaßung Dritter entlastet sind, Nachäffer einer fremden Kultur zu sein. Wichtig ist nämlich, da haben Sie völlig recht, die Stäbchen locker zu halten. Das gelingt um so leichter, wenn man weiß, daß kleckern erlaubt ist. Als Anbiederung fällt es erst auf, wenn man übertreibt.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 23.02.2014 um 21.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25233

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#25228:

"Der Umgang mit den Stäbchen ist ungleich geschickter - eben von Kindesbeinen an selbstverständlich -, aber für unsere Begriffe ganz und gar nicht manierlich. Was natürlich an unseren Begriffen liegt und nicht an den Chinesen, die ich an den Nachbartischen in wahren Orgien von Lebensfreude beobachtet und beneidet habe."

Der Westmensch mag seine eigene Kultur nicht mehr leiden. Drum bemüht er sich eifrig, fremde Kulturen nachzuäffen. Ob im China-Restaurant oder im Jazz: so richtig klappt's nicht, weil die Lockerheit fehlt.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2014 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25226

Glauben Sie wirklich, daß es dann noch Chinesen geben wird? Wir arbeiten dran. (Vgl. "Die kleine Hexe".)
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 22.02.2014 um 20.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25224

Die Globalisierung darf als durchgesetzt betrachtet werden, wenn bei Welt- und Europameisterschaften im Tischtennis nur noch Chinesen gegeneinander spielen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2014 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25215

Der "Medaillenspiegel" von den Olympischen Winterspielen wird wohl immer nach Staaten geordnet bleiben und widerlegt durch die Praxis alle Sonntagsreden.

Was mir noch auffällt: Sind diese Wintersportveranstaltungen nicht höchst diskriminierend? Ich entdecke kein einziges Land aus Afrika. Auch Südamerika und Indien kommen nicht vor. Üben die Tutsi und Yanomami nicht genug, oder was machen die überhaupt im Winter?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2014 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25213

Das Logo wird geändert werden. Laut Umfrage sind zwar nur 5 % der Bevölkerung dafür, aber die Political Correctness sitzt am längeren Hebel. Unsere Wörterbücher werden bald entdecken, daß es das Wort Neger nie gegeben hat. (Übrigens: Wie rassistisch muß man sein, um im Logo der Dachdeckerfirma die Abbildung eines Schwarzafrikaners zu erkennen?)
 
 

Kommentar von Darmstädter Echo, 18. Februar 2014, verfaßt am 22.02.2014 um 00.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25211

»Streit um altes Logo: Ernst Negers Neger erzürnt die Gemüter
Aufreger – Der Fastnachtssänger soll das 70 Jahre alte, von seinem Großvater Ernst geschaffene Firmenlogo ändern

Von Hans Dieter Erlenbach

Thomas Neger, singenger Fastnachter und Enkel des Mainzer Fastnachtsidols Ernst Neger, soll das über 70 Jahre alte Firmenlogo des Dachdeckerunternehmens ändern. Das fordert unter anderem der Fachschaftsrat Ethnologie und Afrikastudien der Universität Mainz.«

(weiter hier: www.echo-online.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2014 um 06.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25146

Zur BBC-Entscheidung, keine Männerrunden mehr zuzulassen: In den Teams von Fantasy-Astronauten usw. zeigen Fernsehfilme ja schon lange immer Quotenfrauen und in den USA auch Quotenschwarze. Der Sarottimohr mußte gehen, aber in der Werbung für Kindermode taucht das Mohrenkind als Quotenmohr wieder auf. Sieht ja auch süß aus, wie Schokolade.

Das alte Dilemma: Einerseits gibt es keine Frauen und keine Rassen, andererseits muß man sie angemessen berücksichtigen.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 09.02.2014 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25093

Es ist fraglich, ob die Verfasserinnen den Unterschied zwischen Faschismus und Nationalsozialismus kennen. Es ist sogar fraglich, ob sie den Unterschied zwischen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit kennen. Dazu wird all das in den Medien viel zu sehr durcheinandergeworfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2014 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25089

„Analysen jüngeren Datums, die sich »intersektional« nennen, richten den Blick zunehmend auf die Verschränkung geschlechtlicher Identitätskategorien mit anderen Determinanten wie Race, Ethnie, Nationalität, Klasse, Alter und Behinderung/Nicht-Behinderung.“ (Franziska Bergmann, Franziska Schössler, Bettina Schreck (Hg.): Gender Studies. Bielefeld 2012:11)

Anm. zu Race: „Auf den Begriff ›Rasse‹ verzichten wir im deutschsprachigen Kontext wegen seiner faschistischen Konnotation.“

Immerhin. Eine Zeitlang wurde ja bestritten, daß es Rassen überhaupt gebe (nur bei Tieren, nicht bei Menschen), aber das führte zu dem alten Dilemma engagierter Forschung, daß es dann auch keine Rassenprobleme geben konnte. Das war vor allem in den USA nicht durchzuhalten. Nun gibt es anscheinend die Rasse wieder, aber man darf sie nur englisch benennen (wie Gender). Skurril mutet an, daß die Konnotation wieder zu Mussolini und ins Ausland führt, obwohl der Rassismus, an den die Verfasserinnen denken, doch eher hausgemacht war. Die Vermeidung des Begriffs "Nationalsozialismus" scheint in diesem Lager alles zu überdauern.
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 05.02.2014 um 16.35 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#25048

Jetzt bin ich aber ernstlich empört, empört ist gar keine Ausdruck, ich bin – betroffen. Und wie!
Sehe ich doch beim Tengelmann Pappschachteln mit dem Aufdruck "Schaumküsse"!! Als ob man statt "Neger" einfach "Schaum" sagen dürfte! Warum nicht gleich "Abschaumküsse"?
Ich werde mich an den Bundespräsidenten wenden.
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 18.01.2014 um 18.35 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24879

An Herrn Hainbuch,

ich wollte Ihnen auf Ihre Mail antworten, aber leider kam darauf regelmäßig eine Meldung, diese könnte nicht zugestellt werden.
Könnten Sie dem mal nachgehen? Und mich per Mail benachrichtigen, wenn Sie wieder Mails empfangen können?
Schönen Sonntag, Ihr Walter Lachenmann
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.01.2014 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24878

http://virchblog.wordpress.com/2014/01/16/rassismussismus/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2014 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24873

Man kann hier sehen, wie der Irrsinn funktioniert und warum er niemals aufhören wird: "hat für Entrüstung gesorgt" - das ist die Entsprechung zu "wird oft als diskriminierend empfunden". Natürlich hat sich in Dänemark kein einziger Mensch durch Indianermasken als Lakritzfiguren beleidigt gefühlt. Man ist nur dauernd auf der Suche nach irgend etwas, wodurch sich, wie man glaubt oder zu glauben vorgibt, andere beleidigt fühlen könnten. Und es braucht nur ein einziger dieser Verfolger fündig zu werden, dann kommt die Maschine in Gang, und die Denunzierten geben nach.

Lakritz ist wegen seiner Farbe überhaupt böse und muß weg.
 
 

Kommentar von SPIEGEL ONLINE, 17.01.2014, verfaßt am 18.01.2014 um 11.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24871

"Skipper Mix": Haribo reagiert mit Verkaufsstopp auf Rassismus-Vorwürfe

Haribo nimmt seine Lakritzbonbons "Skipper Mix" in Schweden und Dänemark vom Markt. Die Süßigkeiten in Form von afrikanischen, asiatischen und indianischen Masken und Gesichtern hatten in den Ländern für Entrüstung gesorgt.

Hamburg - Der Bonbonhersteller Haribo reagiert auf Rassismusvorwürfe von Kunden - und nimmt seinen "Skipper Mix" nach Angaben eines Konzernsprechers in Schweden und Dänemark vom Markt. Dort war schon seit Wochen vor allem im Netz über die salzigen Lakritzfiguren diskutiert worden. Die Süßigkeiten haben die Form von Masken und Gesichtern, die an afrikanische, asiatische oder indianische Kunst erinnern.

Zunächst habe man versucht, an dem Produkt festzuhalten und nur die kritisierten Motive aus dem "Skipper Mix" herauszulassen, die einige Verbraucher beleidigend fanden, sagte Haribo-Schweden-Chef Ola Dagliden. Der Bonbonmix habe an Dinge erinnern sollen, "die ein Seefahrer bei einer Reise um die Welt" gesammelt haben könnte, sagte Dagliden. "Wir haben darin nichts Negatives gesehen."

vks/AFP
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2014 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24864

Wort oder Unwort des Jahres oder vielleicht eher des Jahrhunderts scheint mir zu sein: "wird oft als diskriminierend empfunden". Diese Wendung breitet sich in Dudenbänden und anderswo unaufhaltsam aus. Sie ist der Kernpunkt einer Kultur des Anstoßnehmens. Genauer gesagt: des antizipierten Anstoßnehmens. Natürlich hat die Dudenredaktion keine empirischen Erhebungen angestellt, um das "oft" statistisch zu belegen, und selbst wenn es so etwas gäbe, wäre es irrelevant.
An diesem Schibboleth scheiden sich die Geister: Viele machen mit und meiden vorsorglich alles, woran andere Anstoß nehmen könnten. Wenige stehen zu ihrer besseren Einsicht.

In der Kleinstadt, in der ich aufwuchs, ging die überwiegend protestantische Bevölkerung zwar nicht jeden Sonntag, aber doch hin und wieder in die Kirche. "Was werden die Leute sagen?" – wenn man sich niemals dort blicken läßt, das war der einzige Grund. Die wirklich Frommen galten als Sonderlinge, so auch die wenigen Katholiken.
Später und an einem anderen Ort heiratete ein Schulfreund standesamtlich. "Was werden die Leute sagen?" Seine keineswegs fromme Mutter verließ morgens das Haus und kehrte abends zurück, um den Nachbarn von einer kirchlichen Trauung berichten zu können, die es gar nicht gegeben hatte.

Der Druck, dem man sich demütig fügt, ist im großen und ganzen nur eingebildet, aber um so mächtiger, weil niemals durch die Erfahrung widerlegbar, eben "Tyrannei des Vermeintlichen". Statt den Nachwuchs über diese höllische Mechanik aufzuklären und zum Widerstehen zu ermuntern, tun unsere Schulen gerade das Gegenteil, unterstützt durch "Handreichungen" von Ministerien, Gewerkschaften, Pädagogen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2014 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24863

Wir haben es zwar ohnehin nicht angenommen, aber der Namenforscher Udolph weist in einem Leserbrief an die FAZ dankenswerterweise darauf hin, daß die Mainzer Dachdeckerfamilie Neger ihren Namen nicht den Negern, sondern den Nähern verdankt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.01.2014 um 21.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24862

Auch für Deutschland gibt es schon innerhalb Europas die unterschiedlichsten Namen, wovon die in Osteuropa üblichen hier kaum bekannt sind.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 16.01.2014 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24861

Stimmt, Sie kamen mir zuvor.
Deswegen liest man auf Straßenschildern der Region nicht selten Skoplje. Lj ist laut Wiki ein zu einem Laut verschmolzener Buchstaben des serbischen Alphabets.
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 16.01.2014 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24860

Skoplje ist die serbische (und auch kroatische) Form des Namens. Da die Stadt zwischen 1912 und 1941 zu Serbien gehörte, war damals diese Schreibweise üblich. Seit 1945 gilt offiziell Skopje, also die Eigenbezeichnung.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 16.01.2014 um 15.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24859

Es soll wohl in Griechisch-Makedonien immer noch, trotz aller Hellenisierungsbemühungen, slawische, also mazedonische Bevölkerungsanteile geben. Um die Verwirrung voll zu machen: In älteren Kartenwerken oder Lexika wird der Name der Hauptstadt mit "Skoplje" angegeben. Irgendwann muß das l verlorengegangen sein. Und bis vor hundert Jahren, bis zu den Balkankriegen war sie auch unter dem türkischen Namen Üsküb bekannt.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 16.01.2014 um 12.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24857

Nachtrag.
Im griechischen Volksmund wird die EJRM "Skopja" (nach der Hauptstadt) genannt, im offiziellen Gebrauch wird FYROM verwendet.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 16.01.2014 um 12.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24856

Der umständliche Namen Ehemalige Jugoslawische Repubik Mazedonien (EJRM) oder englisch abgekürzt FYROM wird so in der EU und den UN gebraucht.
Die Bezeichnung erklärt sich aus dem andauernden Namensstreit zwischen Griechenland und dem neugebildeten Staat.
Zu erwartende Gebietsansprüche gegenüber Griechenland waren wohl eher vorgeschobene und resultieren aus der Zeit von Titos Jugoslawien. Das neue „Makedonien“ mit der slawischen Sprache makedonisch und dem an die serbische Kyrilliza angelehnten Alphabet lassen umgekehrt auch keine griechischen Gebietsgelüste erwarten. Jedenfalls hat man das nie vernommen.
Erstaunlich fand ich vergangenes Jahr, daß man selbst im Grenzgebiet nicht griechisch verstanden hat.
Ein Ärgernis für Griechen ist auch die Bezeichnung des internationalen Flughafens von Skopje: Alexander der Große.
Unter YouTube findet man einige Videoclips zum Verhältnis der beiden Staaten.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 15.01.2014 um 14.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24852

Um ganz genau zu sein:

Die amtliche deutsche Bezeichnung ist "ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien", die englische "former Yugoslav Republic of Macedonia". Die englische Abkürzung ist FYROM.

Die amtliche französische Bezeichnung ("ex-République yougoslave de Macédoine") wirft ein sprachliches Problem auf, denn es handelt sich ja nicht um eine ehemalige, sondern um eine gegenwärtige Republik und erst recht nicht um eine jugoslawische ehemalige Republik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2014 um 04.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24842

Man muß vollkommen in Deutschland integriert sein, um "Zigeuner" für diskriminierend zu halten.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.01.2014 um 21.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24840

Die Republik Mazedonien exportiert ihre Produkte (jedenfalls nach Deutschland) unter der Bezeichnung "Mazedonische(r) ...".
Griechenland exportiert Produkte aus der griechischen Provinz Makedonien unter der Bezeichnung "Makedonische(r) ..." oder "Produkt aus Makedonien".
Der lange Name wird wohl nur bei internationalen Veranstaltungen (z.B. im Sport) verwendet.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 13.01.2014 um 18.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24839

Zu # 24826 (Ickler)

Um das "Verbot" der Bezeichnung Zigeunerschnitzel zu umgehen, hat der Kantinenwirt auf der Speisekarte des Niedersächsischen Integrationsministeriums "Schnitzel mit dem verbotenen Namen" angeboten.
Es gab Ärger.
http://fachanwalt-fuer-it-recht.blogspot.de/2013/10/schnitzel-mit-dem-verbotenen-namen.html
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 13.01.2014 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24838

Die internationale amtliche Bezeichnung ist "Frühere jugoslawische Republik Mazedonien", englisch abgekürzt "FYRM", weil Griechenland eben wegen der antiken Bezüge Angst vor Gebietsansprüchen auf Griechisch-Makedonien hatte und deshalb dieses abstruse Sprachmonstrum durchsetzte.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.01.2014 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24836

Die Rumänen nennen sich romani oder rumani, die Bulgaren nennen sich Blgari; die Mazedonen nennen sich Makedonci. Das letztere führt zu Verwechslungen mit den antiken Makedoniern und der antiken ausgestorbenen makedonischen Sprache, deshalb ist die internationale Bezeichnung Mazedonen und mazedonisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2014 um 03.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24835

Paprika ist Zigeuner, Pilze ist Jäger, Ananas ist Hawaii.

Das Wort Balkan ist als nächstes dran. Man kennt die Redewendung (Zustände) wie auf dem Balkan. Und übermorgen werden wir die Rumänen und Bulgaren nicht mehr so nennen können, sondern vielleicht Bürger rumänischer/bulgarischer Herkunft. Eigentlich sollte es sie gar nicht geben, dann wären sie auch nicht so unbeliebt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.01.2014 um 19.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24833

Zigeunersoße und Zigeunerschnitzel stammen aus Ungarn. Die Ungarn wollen nicht zum Balkan gerechnet werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2014 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24829

Geduldig erklären wir einem Dutzend Studenten, was es mit Genus und Sexus, mit Oppositionen und Neutralisationen in der Sprache auf sich hat. Aber dann kommt der oberflächlichste Journalist und erreicht mit seinem politisch korrekten Geplapper Hunderttausende. Niederschmetterndes Beispiel: www.swp.de.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2014 um 16.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24826

Das vergangene Jahr brachte in Hannover eine Neuerung: Von den Speisekarten städtischer Kantinen verschwand des "Zigeunerschitzel"; es heißt nur noch "Balkanschnitzel". Und die Grünen im Stadtrat schlugen vor, die "Fußgängerzone" in "Flaniermeile" umzubenennen, erstens wegen Gender und zweites wegen militaristischer Anklänge der "Zone". Allerdings ist "Meile" so unzutreffend wie "Flanieren" einseitig, denn viele kommen durchaus nicht zum Flanieren.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.01.2014 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24810

Wenn man zu den in der Bibel angegebenen "Weisen" zurückkehrte, wären durchaus weibliche Weise möglich.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 09.01.2014 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24804

In den Zeitungen waren Bilder vom Sternsingerempfang bei Merkel zu sehen. Alle waren weiß, Afrika war unter den drei(hundert) Königen nicht vertreten. (Anders gesagt: Die drei Heiligen Könige repräsentieren die drei Kontinente Europa, Europa und Europa.) Und das, wo dieses Jahr die Spenden für Malawi gesammelt werden.
Ach ja: Soweit erkennbar, waren fast alle der Sternsinger weiblich. Trotzdem war nirgends von Sternsingerinnen oder gar Heiligen Drei Königinnen die Rede. Wir müssen dringend die alten Legenden geschlechtergerecht umschreiben, ehe unsere KinderInnen weiteren Schaden erleiden.
Und Herr Neger sollte ebenso dringend nicht nur sein Firmenschild, sondern auch seinen Namen ändern, diese rassistische Anmaßung! Sonst gibt es noch Boykottaufrufe "Kauft nicht beim Neger!" (Es sei denn, er erklärt öffentlich, homosexuell zu sein, das rettet ihn vielleicht...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2014 um 07.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24801

Die Mainzer Dachdeckerfamilie Neger (bekannt durch Großvater Ernst Negers Karnevalslieder) hat Probleme wegen ihres Logos: „eine stilisierte Darstellung eines volllippigen, Hammer schwingenden schwarzen Menschen mit dicken, runden Ohrringen“. So die FAZ vom 9.1.14. Bisher habe sich noch kein Schwarzer beschwert, sagt Thomas Neger. Das wird schon noch kommen, wenn ihn nicht seine weißen Mitbürger vorher dazu zwingen, das Logo aufzugeben – womit ganz sicher zu rechnen ist. Denn gegen die stärkste Macht der Welt, die Tyrannei des Vermeintlichen, kommt niemand an, ob er nun Hammer schwingt oder nicht.
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 07.01.2014 um 20.02 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24783

Das Buch von Polillo bzw. seine Übersetzung (die ich als ziemlich schlecht in Erinnerung habe) ist vor bald 40 Jahren erschienen. Damals durfte es noch Neger geben, jedenfalls waren sie nicht so verboten wie heute. Ich möchte Polillos Buch in neuerer Übersetzung nicht lesen müssen. Vermutlich müßte man den ohnehin schon beträchtlichen Umfang erweitern, da für jeden Neger eine mehr oder weniger plausible Umschreibung gefunden werden müßte, am gängigsten - wenn auch erst recht rassistisch und oft unpräzise - hat sich in der deutschen Jazzliteratur der oder die Afroamerikaner/In etabliert. Polillos Überzeugung, nur Schwarze (ich lasse den Neger hier mal freundlicherweise weg) könnten gute Jazzmusik machen, ist meines Erachtens ein Zeichen von umgekehrtem Rassismus. Und falsch, so falsch wie die Meinung, nur Deutsche könnten Beethoven, nur Österreicher Mozart und nur Franzosen Debussy spielen. Aber das gehört ja nicht hierher.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 07.01.2014 um 19.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24780

In dem Buch von Arrigo Polillo "JAZZ - Geschichte und Persönlichkeiten der afro-amerikanischen Musik" (Original 1975, deutsche Übersetzung 1978) wird mit großer Selbstverständlichkeit das "N-Wort" gebraucht. Abwertend ist das auf keinen Fall gemeint. Der Autor macht keinen Hehl daraus, daß ihm der "schwarze" Jazz der sympathischere ist. Nicht weil der Neger der bessere Mensch ist, sondern weil er seine Musik eben besser spielen kann. (Einzelne weiße Musiker finden durchaus seine Anerkennung.)

Im Kapitel 2 über die Minstrel-Shows findet sich der Satz: "Die Lieder, die sie sangen, wurden 'Coon-songs' genannt." Mit der Erläuterung in Klammern: "'Coon' war damals der abfällige Spitzname für Neger".

Kapitel 4, Treffpunkt Chicago: Nach Kriegseintritt der USA 1917 zogen viele Schwarze aus dem Süden nach Chicago, weil dort Arbeitskräfte gesucht waren. Nicht zur Freude des "weißen" Chicago. Gewalt, sogar Bomben auf Wohnhäuser. Die Stadtverwaltung rief eine Kommission ins Leben, die Maßnahmen benennen sollte, um "die Beziehungen zwischen den beiden Rassen harmonisch zu gestalten".

"Die Kommission versäumte nicht, die Großschreibung des Wortes 'Negro' und die Abschaffung des Begriffes 'nigger', da 'geringschätzig und unnützerweise provokatorisch', zu empfehlen."
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.01.2014 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24777

Die zahlreichen Schwarzen Madonnen sind in Europa überhaupt nicht mehr politisch korrekt, obwohl sie seit Jahrhunderten so heißen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2014 um 14.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24775

Gestern waren ja nun wieder die Drei Könige unterwegs und sollten Geld erbetteln, 40 Mill. sind wohl die Zielmarke. Vorgestern zogen auch schon welche herum.

Wie jedes Jahr wurde das Problem des Schwarzfärbens diskutiert. Es ist unlösbar. Denn, wie z. B. die Rheinische Post berichtet: Einen Dreikönig schwarz zu malen ist rassistisch, aber auf die Schminke zu verzichten ist auch rassistisch:

"Dass Kinder sich die schwarze Farbe für Caspar aufs Gesicht auftragen, ist deswegen auch als Ehrung und Wertschätzung des afrikanischen Kulturkreises zu verstehen – und nicht als Diskriminierung", erklärt eine Mitarbeiterin des Kindermissionswerks. Es sei eher diskriminierend, ergänzt Nele Harbeke, Sprecherin des Erzbistums Köln, wenn keiner der Könige farbig sei.

Also wieder unser altes Dilemma: Erstens gibt es keine Frauen (Schwarzen usw.), zweitens werden sie diskriminiert.

Ich habe keine Lust mehr, den Sternsingern die Tür zu öffnen. Sie leiern ihren Text herunter, und singen können sie auch nicht. (Was macht eigentlich ein Kindermissionswerk?)

Zur Erinnerung:

Epiphanias

Die heiligen drei König' mit ihrem Stern,
sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;
sie essen gern, sie trinken gern,
sie essen, trinken und bezahlen nicht gern.

Die heilgen drei König' sind gekommen allhier,
es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;
und wenn zu dreien der vierte wär,
so wär ein heilger drei König mehr.

Ich erster bin der weiß' und auch der schön',
bei Tage solltet ihr mich erst sehn!
Doch ach, mit allen Spezerein
werd ich sein Tag kein Mädchen mir erfreun.

Ich aber bin der braun' und bin der lang',
bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang.
Ich bringe Gold statt Spezerein,
da werd ich überall willkommen sein.

Ich endlich bin der schwarz' und bin der klein',
und mag auch wohl einmal recht lustig sein.
Ich esse gern ich trinke gern,
ich esse, trinke und bedank mich gern.

Die heilgen drei König' sind wohlgesinnt,
sie suchen die Mutter und das Kind;
der Joseph fromm sitzt auch dabei,
der Ochs und Esel liegen auf der Streu.

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
dem Weihrauch sind die Damen hold;
und haben wir Wein von gutem Gewächs,
so trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

Da wir nun hier schöne Herrn und Fraun,
aber keine Ochsen und Esel schaun;
so sind wir nicht am rechten Ort
und ziehen unseres Weges weiter fort.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2013 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24718

Für besondere Empörung sorgte der Satz: "Wer betrügt, der fliegt." (welt.de 31.12.13

Warum eigentlich? Der Reim ist zwar ziemlich unrein, aber das war nicht immer so. Noch vor 200 Jahren sagte man triegen, die Anlehnung an Trug und lügen ist sekundär. Vielleicht empört also die offensichtliche Herkunft des Spruchs aus einer süddeutschen Mundart, die keine gerundeten Vokale kennt? Wenn das nicht Diskriminierung ist!
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 18.12.2013 um 16.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24640

Zitat aus Uli Hannemanns taz-Artikel:
"Ich fahr dem jetzt volle Pulle rein", denken wir im Straßenverkehr, "Ich bring den um" im Beruf, "ich grabsch die jetzt an" in der Bar, und tun es doch ganz selbstverständlich nicht. Ausnahme: Psychopathen und Präzivilisierte. Denn wir haben gelernt: Es gibt Dinge, die tut man einfach nicht. Das ist allgemeiner Konsens.
Es soll sogar schon Leute geben, die nicht mehr "Krüppel", "Fotze" oder "Schwuchtel" sagen. Da scheint ebenfalls so eine Art Bewusstsein entstanden zu sein (...).
Mal ganz abgesehen von den Gewaltphantasien, denen der Autor (offenbar doch ein Mann) sich anscheinend gerne hingibt und der doch etwas bildungsbürgerlichen Aversion gegen einen vulgären anatomischen Ausdruck: Menschen mutwillig umbringen, Frauen angrabschen, sich das Gesicht schwarz anmalen, Ausdrücke wie "Krüppel" benutzen – alles in einem Atemzug in die Verdammnis geschleudert, Vergehen allesamt von offenbar ähnlichem kriminellen Gehalt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.12.2013 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24638

Ich frage mich wirklich, wem das nützt.

http://virchblog.wordpress.com/2013/12/13/kunder-mahner-missionare
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2013 um 04.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24636

Mir ist immer weniger klar, welche diskriminierende Aussage in bloßen Erwähnungen, Abbildungen, Darstellungen usw. eigentlich enthalten sein könnte. Noch komplizierter wird die Lage, seit Rassen, Geschlechter usw. als bloße gesellschaftliche Konstrukte angesehen werden. Es gibt demnach keine Schwarzen und keine Frauen (La femme n'existe pas), aber sie zu beleidigen soll weiterhin möglich sein.
Die Schwarzgesichtigen in den amerikanischen Minstrel-Shows sind schon lange verpönt, und im amerikanischen Kontext mag das einen Sinn gehabt haben, aber wer wird gekränkt, wenn sich hierzulande jemand das Gesicht schwärzt? In drei Wochen müssen die Sternsinger wieder über das Stöckchen der PC springen...
Wer eine strenge Miene aufsetzt, wenn er schlimme Wörter wie Ausländer hört, kann einen Pluspunkt verbuchen, das wird's wohl sein. In unserer Zeit, die sich auf ihre Entlarvungspsychologie so viel einbildet, sollte man immer fragen: Cui bono?
 
 

Kommentar von B. Z., 16. 12. 2013, verfaßt am 17.12.2013 um 20.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24634

»Warum müssen Taschendiebe blond sein?«

www.bz-berlin.de/thema/schupelius
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 17.12.2013 um 18.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24633

Die taz hat heute einen neuen Skandal aufgedeckt, der mir als Nichtfernseher glatt entgangen ist: Bei "Wetten, daß" (bzw. "Wetten, dass") aus Augsburg kamen sage und schreibe 108 Paare ins Studio, die zum Thema Augsburger Puppenkiste als Jim Knopf auftraten und sich die Gesichter schwarz angemalt hatten!! Skandalös!! Welch ein Rassismus! Wie gut, daß es wenigstens ein englisches Wort dafür gibt: Blackfacing. Das erleichtert doch wenigstens, wenn man ihnen das entgegenschleudern kann: Blackfacing! Welch eine Beleidigung und Diskriminierung aller Ne... äh, ni..., also von Menschen mit,... nein ohne... äh, also von Mitbürgern, die genauso sind wie wir, nur eben anders.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2013 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24622

Im Rechtschreibduden steht "Cem (m. Vorname)".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2013 um 08.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24563

Alan Posener äußert in der WELT seinen Widerwillen gegen Moralpredigten, die als Kinderbücher verkleidet daherkommen. Recht so! Aber trotzdem irrt er:

Alle großen Werke der Kinderliteratur sind amoralisch, wenn nicht sogar antimoralisch. Da gibt es etwa im Hundertmorgenwald den hedonistischen Bären Pu, seinen feigen Freund Ferkel, den depressiven Esel I-aah und die besserwisserische Eule. Der einzige Spaßverderber ist Christopher Robin, der Vertreter des Realitätsprinzips, aber wer hat sich je mit diesem Schnösel identifiziert? Da gibt es in "Der Wind in den Weiden" den aristokratischen Autofreund Kröterich von Kröterichhall; da gibt es die hemmungslos neugierige Alice im Wunderland; Peter Pan und Käpt'n Hook, den antiautoritären Michel in Lönneberga und seine Seelenverwandte Pippi Langstrumpf – keine Moral, nirgends.
Filme seien zur Unterhaltung da; wer eine Botschaft hat, solle ein Telegramm senden, sagte der große Filmproduzent Sam Goldwyn. Hollywoods goldene Regel gilt für jede große Literatur, auch für Kinderbücher. Wer aber meint, seinen Kindern ein entspanntes Verhältnis zu religiösen Geboten beibringen zu müssen, dem sei ein Buch empfohlen, das nicht zuletzt deshalb als Werk der Weltliteratur gilt, weil dessen Helden mit Pu, Kröterich, Alice, Peter Pan, Michel, Pippi und Co. die moralische Mehrdeutigkeit gemein haben: die Bibel.




Ein Romanheld, der die Grenzen der üblichen Moral überschreitet, macht aus dem Roman noch kein unmoralisches Werk. Ich behaupte geradezu das Gegenteil: alle bedeutenden Kinderbücher sind sehr moralisch.
Und der Ratschlag des Atheisten Posener, Kindern die Bibel zu lesen zu geben (oder vorzulesen?), also offenbar als rein literarisches Werk, ist wohl auch nicht ganz ernst zu nehmen. Welche Teile der Bibel bitte, und in welcher Bearbeitung? Selbst wenn man sich aufs NT beschränkt, können wohl nicht die Gemeindebriefe oder die Apokalypse gemeint sein.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 04.12.2013 um 20.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24549

Und wieder habe ich was dazugelernt. Wenn man denn schon das Wort Rasse verwendet, darf man es nicht »unbefangen« tun, weil es »vor allem in völkischer und nationalsozialistischer Sprache üblich war«. Wie aber drückt man die geforderte Befangenheit aus? Mit Anführungszeichen? Indem man das Wort meidet? Indem man es durch ein anderes Wort ersetzt? Letzteres ist wohl keine so gute Idee. Die Website des Netzwerks Rassismus an Schulen gibt zu bedenken: »Die vielfältigen Ansätze der Rassismusforschung kommen im Schulunterricht nicht an. Man wirbt lediglich um das Verständnis des Einzelnen für das Fremde, tauft die "Rasse" um in "Kultur" und lässt den politischen Aspekt des Rassismus völlig außen vor. Das ist das nüchterne Fazit einer Studie der Ruhr Universität Bochum.« Vielleicht besteht also die Lösung darin, das Fach Geographie (und noch einige andere Fächer) ganz abzuschaffen und durch einen permanenten Politikunterricht zu ersetzen. Dann warten wir einfach zwei Jahre und schauen mal, ob die Schüler_innen bis dahin gerafft haben, wo sie im Multiple-choice-Test zum Thema Rassismus die Kreuzchen machen müssen. Problem gelöst!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2013 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24548

Es ist nicht lange her, dass eine Debatte darüber aufkam, inwiefern Kinderbücher zu redigieren seien: Soll man Vokabeln, die einen herabsetzenden Klang haben wie "Neger", aus den Texten streichen?
Jetzt geht es um die Vermittlung von fehlerhaften oder schlichtweg rassistischen Inhalten in deutschen Schulbüchern. Das Netzwerk Rassismus an Schulen (NeRaS) hat sich kürzlich in einem offenen Brief an die Verlagsgruppe Westermann gewendet, die mit Büchern wie dem "Diercke Weltatlas" und "Seydlitz Geographie" fest im Schulalltag verankert ist. Die Kritiker haben darin eine Vielzahl fragwürdiger Darstellungen gefunden und fordern jetzt die Bearbeitung der Schulbücher "unter rassismuskritischen, diversitätsbewussten Gesichtspunkten gemäß UN- und EU-Konventionen".
In ganz Deutschland greifen Lehrer im Fach Geografie zu den Büchern des Verlages und lassen ihre Schüler Aufgaben aus diesen bearbeiten. Im Lehrbuch "Diercke Geographie 8" etwa wird dazu aufgefordert, Gesichter anhand von rassischen Merkmalen verschiedenen Kontinenten zuzuordnen - was der globalen Migrationswirklichkeit nicht unbedingt entspricht und im Schreiben des NeRaS entsprechend scharf gerügt wird.
Zu unkritisch
Zudem würden in den Büchern Begriffe benutzt wie "Negrid" ("Diercke"), "Mulatte" ("Seydlitz") oder recht unbefangen auch "Rasse" ("Diercke", "Seydlitz"), die vor allem in völkischer und nationalsozialistischer Sprache üblich waren und dennoch in Schulbüchern des Jahres 2013 ihren Platz gefunden haben.
Zudem würden schwarze Menschen in den Geografiebüchern, so die Kritiker, "wiederholt nur als Feld- bzw. Plantagenarbeiter_innen repräsentiert", während der Völkermord in Ruanda grob vereinfachend als "Auseinandersetzung mit anderen Stämmen" ("Diercke") dargestellt werde.
Die Verlagsgruppe Westermann hat bislang zu den Vorwürfen nicht öffentlich Stellung genommen.

(www.sueddeutsche.de)

Es gibt nämlich gar keine Rassen, deshalb ist die Zuordnung von Menschen-Gesichtern zu Kontinenten auch nicht möglich. Als ich in China lebte, sahen die Menschen dort für meine geschulten Sinne genau so aus wie in Deutschland, Tianjin hätte auch München sein können. Komischerweise starrten die Chinesen mich an, als wenn ich ein Marsbewohner wäre. Noch schwerer hatte es mein lieber Kollege Sebasoni (damals Französischlehrer, heute Sprecher der Regierungspartei von Ruanda), der wollte dann gar nicht mehr vor die Tür gehen und blieb lieber im Bett liegen. Früher hätte man ihn vom Aussehen her Schwarzafrika zugeordnet, aber das darf ja nicht mehr sein.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 22.11.2013 um 12.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24440

Besten Dank an Glasreiniger für den Hinweis. Natürlich hat Herr Markner recht, daß der Ausdruck "Sinti und Roma" bei Pfeiffer eine plumpe, ahistorische Explikation von "Zigeuner" ist. Aber wir haben den Beleg, daß Himmler mit dieser Pauschalbezeichung nicht zufrieden war und detailiertere Angaben wollte – wenn auch aus ganz anderer Motivlage als der Zentralrat der Sinti und Roma. Die Bezeichung "Rom-Zigeuner" zeigt übrigens, daß Himmler oder seine Leute wußten, daß "Roma" eine Mehrzahl ist. Immerhin eine gewisse Sachkenntnis (so ganz dumm waren sie ja nicht). Ich meine mich zu erinnern, daß in einem Text auch ausdrücklich der Begriff "Sinti" genannt wurde, aber das Gedächtnis kann täuschen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.11.2013 um 19.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24438

Von »Sinti und Roma« ist in dem Erlaß (und erst recht in Himmlers Taschenkalender) nicht die Rede, weil es sich dabei um eine 1:1-Ersetzung des für anstößig erklärten Begriffs Zigeuner handelt, die erst lange nach 1945 in Umlauf gebracht worden ist.
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 21.11.2013 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24437

@ Herrn Strowitzki: s. de.wikipedia.org/wiki/Auschwitz-Erlass.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 21.11.2013 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24435

Die Aussagen dieses Historikers sind vielleicht nicht viel weniger krude als die Himmlers, aber abgesehen davon meine ich, irgendwo ein Zitat Himmlers gelesen zu haben, in dem er ausdrücklich verlangt, nicht von "Zigeunern" zu reden, sondern von "Sinti" und "Roma" (oder "Rom-Zigeunern" oder so ähnlich). Freilich ging es ihm dabei um möglichst große Aufspaltung der mißliebigen Volksgruppen, wie er auch im besetzten Polen möglichst viele noch so kleine Volkssplitter als eigene Gruppe anerkennen wollte – natürlich nur, um sie umso leichter austilgen zu können, wie er unverblümt anfügte. Leider finde ich die Stelle nicht mehr, sonst würde ich sie mit Freuden immer wieder anführen: "Sinti und Roma" ist Nazijargon!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2013 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24432

Mit diesem Problem der Benennungsherrschaft und Redewiedergabe haben sich auch die Philosophen immer wieder beschäftigt, zum Beispiel der Philosoph Th. I. unter Indirekte Rede.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.11.2013 um 20.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24431

Ein junger Historiker namens Moritz Pfeiffer laut Westdeutscher Zeitung über Himmler: »Sein Denken in rassistischen Hierarchien wird überdeutlich. Neben vermeintlich höherwertigen Menschen „germanischer“ Abstammung existierten seiner Meinung nach „minderwertige Rassen“, etwa Juden, Slawen, Sinti und Roma.«

Himmler glaubte sicherlich nicht an die Existenz von Sinti und Roma. (Abgesehen davon ist festzuhalten, daß Pfeiffer zum Taschenkalender von 1940 befragt wird, aus dessen kargen Eintragungen Himmlers Ansichten aber gar nicht hervorgehen können.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2013 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24375

Eigentlich ist die jüdische Community sogar um einiges größer. (taz 13.11.13)
jüdische Community (Dieter Graumann in FAZ 13.11.13)
(In beiden Fällen ist von Deutschland bzw. Chemnitz die Rede. Von einer „deutschen Community“ wird nur in bezug auf das Ausland gesprochen.)

Ich kann es noch verstehen, wenn salopp von einer (scientific) community gesprochen wird, aber warum die Juden in Deutschland eine Community bilden sollen, verstehe ich nicht und empfinde das Fremdwort als ausgrenzend. Will man tümliche Gedankenverbindungen mit "Gemeinschaft" ausschließen? Wozu überhaupt solche Zusammenfassungen jenseits von Vereinen und Gemeinden?
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 07.11.2013 um 22.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24349

"Kritisiert wird, dass der Zwarte Piet ein dümmlich-naiver Helfer des hellhäutigen Sinterklaas sei" ...
Wenn nun der hellhäutige Sinterklaas eine alberne (oder womöglich so zu interpretierende) Gestalt wäre, wäre es kein Rassismus? Das läßt tief blicken.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 07.11.2013 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24347

Zu #24199:

Ob die auch die Umbenennung der Operette ''Der Zigeunerbaron'' fordern würden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2013 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24346

Der Dresdner Kreuzchor hat bei einer China-Tournee vorsorglich das Lied "Die Gedanken sind frei" aus dem Programm genommen. Er hätte das den chinesischen Behörden überlassen sollen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2013 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24334

Im Pressecodex heißt es:

"Richtlinie 12.1: In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber schutzbedürftigen Gruppen schüren könnte."

Daß auch die Nichterwähnung Vorurteile schüren könnte, wird nicht erwogen.

Daran mußte ich in den letzten Tagen denken, nachdem die lokale Presse berichtet hatte, daß mitten in Erlangen ein Jugendlicher einen anderen durch einen Messerstich lebensgefährlich verletzt hat. Bei manchen Bevölkerungsgruppen gehört das Messer zur Grundausstattung eines wehrhaften Mannes. Gerade solche Vergehen werden denn auch fast ausschließlich von Angehörigen solcher schutzbedürftigen Gruppen begangen. Viele Erlanger wissen, welcher Gruppe der Täter in diesem Falle angehört, und sie wissen auch, daß die Zeitung es weiß und absichtsvoll verschweigt. Dabei gehört es durchaus zum Verständnis des berichteten Vorgangs – als Teil unseres interkulturellen Wissens.

Die Verlogenheit der Presse wird irgendwann auffliegen, hoffentlich nicht als Exzeß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2013 um 04.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24269

Protest gegen Rassismusvorwurf
Niederländer kämpfen für ihren „Zwarte Piet“
von Till Simon Nagel

Eine Expertengruppe der Vereinten Nationen hat die Tradition des schwarzen Peters in den Niederlanden als rassistisch bewertet. Mehr als zwei Millionen Niederländer protestieren nun für den Erhalt der beliebten Figur.
(...)
Dieser dunkelhäutige Helfer des Sinterklaas (Nikolaus), der ab Mitte November für zwei Wochen überall in den Niederlanden auftaucht und seiner Tätigkeit (Süßigkeiten verteilen und – immer seltener – böse Kinder bestrafen) nachgeht, ist mal wieder in die Kritik geraten. Eine Expertengruppe der UNO bewertete die Tradition jüngst als rassistisch und forderte die Abschaffung. Grund für das Interesse der UN am Zwarte Piet sind Klagen von Organisationen wie der niederländischen Stiftung Sklaverei-Vergangenheit.
Kritisiert wird, dass der Zwarte Piet ein dümmlich-naiver Helfer des hellhäutigen Sinterklaas sei und in der Arbeitsteilung des Festes für die Bestrafung zuständig ist. Dies würde nicht mehr in die heutige multiethnische Realität der Niederlande passen. Das Fest würde an die Sklaverei erinnern, sagte Verene Shepherd, Vorsitzende der UN-Expertengruppe, im niederländischen Fernsehen.
Seitdem ist das kleine Land in Aufruhr. Nachrichtensprecher erschienen im Piet-Kostüm, Demonstrationen wurden organisiert. Innerhalb von nur zwei Tagen haben sich zwei Millionen Menschen in der Facebook-Gruppe „Pietitie“ (eine Wortschöpfung aus Piet und Petition) zusammengetan und protestieren für den Erhalt der Traditionsfigur. Es würde sich dabei nur um ein Kinderfest handeln und wer gegen den Brauch des schwarzen Peters sei, verstehe ihn bloß nicht. Dass der Piet schwarz sei, könne nämlich auch damit zusammenhängen, dass laut der Legende die Pieten über die Dächer springen und durch den Schornstein ins Haus kommen. Somit müsse die dunkle Haut der Figur nicht unbedingt auf eine ausländische Herkunft des Piet hindeuten.
Der Tenor des Protests ist deutlich: Viele der kommentierenden Facebook-Nutzer fühlen sich als Opfer einer falsch verstandenen political correctness. Ihre eigenen Kindheitserinnerungen an Süßigkeiten vom Zwarte Piet wollen sie nicht von Außenstehenden in eine rassistische Tradition umgedeutet haben.
(...)
Unklar ist auch, ob die Figur ihrem Ursprung nach ein dunkelhäutiger Sklave, ein Schornsteinfeger oder eine Teufelsmetapher ist. Sicher ist nur, dass die Figur im Laufe der Jahre eine starke Veränderung durchgemacht hat – vom eher simplen und strafenden Gehilfen hin zu einer Sympathiefigur für Kinder.

(Handelsblatt 25.10.2013)

Man soll eben nicht schwarz sein, und man soll auch nicht "an die Sklaverei erinnern". Es gibt für "Experten" immer was zu tun.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.10.2013 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24199

Arbeit für Herrn Ickler:

»"Paprika-Soße" statt Zigeunersoße? Ein Verein von Sinti und Roma forderte von Lebensmittelherstellern die Umbenennung. Doch die Branche hält die Bezeichnung nicht für diskriminierend - und bleibt jetzt dabei.« (www.spiegel.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2013 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#24014

Unfreiwillig belausche ich das Gespräch eines älteren Ehepaares. Es geht um einen in Deutschland lebenden Schwarzafrikaner:
Er: Seine Frau ist ja Deutsche.
Sie: Na, ich weiß nicht...aber wenn man sich verliebt hat, ist es meistens schon zu spät.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 13.08.2013 um 19.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23891

Das ist sprachlich interessant: "katholisch" ist ein Kampfbegriff, mit dem die frischgebackene römische Staatskirche sich selber bezeichnete. Die Amtskirche war die katholische, also allgemeine. Alle anderen Konfessionen, etwa die Arianer, Donatisten, Markioniten oder auch die Monophysiten, waren damit automatisch und schon rein begrifflich bei jeder Namensnennung eben nicht allgemein, sondern als Sonderkirche, Randgruppe, Abspaltung, Sekte, abgetan. Es kommt eben drauf an, die Begriffe zu besetzen!
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 11.08.2013 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23881

Dieser Haß, so er denn verbürgt ist, scheint nicht einseitig gewesen – oder heute noch – zu sein.
Hört man doch im heutigen Griechenland, wenn die Sprache auf die Kreuzritter kommt, immer wieder das Wort "Raubritter".
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 11.08.2013 um 00.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23877

Die Kreuzritter gründeten nach der Eroberung und Plünderung Konstantinopels in ausdrücklicher Abgrenzung von den ihnen verhaßten Griechen das von ihnen selbst so genannte "Lateinische Kaiserreich", welches von 1204 bis 1261 bestand. Die neuen Herren nannten sich selbst "Lateiner", denn "römisch" war damals nicht eindeutig, weil es nach der Teilung des Römischen Reiches ein Westrom und ein Ostrom gab und die Byzantiner sich ab da "Romäer" (romaioi) nannten.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 10.08.2013 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23876

Ohne hier ausarten zu wollen: Die richtige Bezeichnung ist wohl "römisch-katholische Christen", denn die Bezeichnung "katholisch" ist schon in den Glaubensbekenntnissen, die den großen Aufspaltungen vorausgehen. (Luther selbst hatte aber in den Symbolen guter Hoffnung "katholisch" durch "christlich" ersetzt!) Dazu auch wieder etwas Lokales von mir (unser Ort hier hat etwas über 10000 Einwohner, aber auch ein ziemlich gutes College mit schwedischer und lutherischer Tradition): Einer unserer Theologieprofessoren sprach immer nur von der "Römischen Kirche", und als sich hier in den USA kürzlich mehrere lutherische Synoden zu einer größeren lutherischen Gemeinschaft zusammenschlossen, war zu deren Bezeichnung auch "Lutheran Catholic Church of America" im Gespräch, ein genialer Vorschlag, der sich aber nicht durchsetzen konnte (typisch "Lutherisch" natürlich), und so haben wir jetzt die ELCA, mit weiterhin aber einigen sehr bedachten Grundhaltungen (die ich durchaus schätzen gelernt habe [ich lehrte fast ein halbes Jahrhundert an einem von deren Colleges]).
Am Ort hier hat dann mal ein Tornado die katholische Kirche zerstört, und sofort war deren Gemeinde von den ELCA-Lutheranern hier eingeladen, die katholischen Gepflogenheiten in ihren vom Tornado verschonten evangelischen Anlagen durchzuführen. Und draußen war dann auf dem auch nachts leuchtenden Schild statt "First Lutheran Church of St. Peter" zu lesen: "First Lutheran & Catholic Church of St. Peter", mit dem "&" wirklich so klein wie's irgend ging, um wohl nicht den Einspruch der ganzen Synode auf sich zu ziehen. Sogar ein Dreipriestliches Amt gab's da zur Eröffnung der Gastfreundschaft, weil's zufällig auch Ostern war, – mit zwei lutherischen Geistlichen, von denen einer eine Frau war, und dem katholischen Priester.
Der sehr weise katholische Bischof hier stellte dem am ganzen Ort beliebten und geachteten katholischen Priester hinterher zwar eine Frage, gab sich auch mit dessen Antwort, daß ja der Tornado eine kirchenrechtlich definierte "Kriegssituation" herbeigeführt habe, nicht zufrieden, verfolgte aber das Ganze nicht weiter. Er kam aus guter deutscher Tradition. Unter dessen Nachfolger, aus schlechter deutscher Tradition, brach dann deswegen doch noch die Hölle los; dafür wird der aber nie Kardinal, obwohl er eigentlich seiner Ausbildung nach das Zeug dazu hätte. — Das ist zwar alles wohl nichts zu den "Greueltaten der "Lateiner"", mit "Lateiner" in Anführungsstrichen, aber "lateinische Christen" ist ohne den Hinweis auf die byzantische Verwendung von "lateinisch" hier eben auch mißverständlich.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.08.2013 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23875

Lieber Herr Mahlmann, Sie haben recht, die richtige Bezeichnung der Kreuzritter ist "lateinische Christen". So wurden sie von den eroberten Byzantinern genannt. Die Bezeichnung "katholisch" wird von der römischen (lateinischen) Kirche nur beansprucht. Die Reformierten, die Orthodoxen und die orientalischen Kirchen zelebrieren das Christentum von Anfang an in den Landessprachen. Aber die Greueltaten der "Lateiner" werden allen Christen aufgerechnet.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 09.08.2013 um 23.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23871

Die Kreuzritter waren natürlich keine Katholiken. Die Katholiken behaupten, die Protestanten hätten sich von ihnen abgespalten; das dient dazu, die Irrlehre zu rechtfertigen, der katholische sei der einzig wahre Glauben. Tatsächlich sind die Katholiken erst durch die Gegenreformation Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden, indem sie sich durch festgeschriebene Regeln von den Protestanten abgrenzten.
Die Kreuzritter waren einfach Christen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.08.2013 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23870

Dann wohl "Katholikale" in Anlehnung an "Evangelikale". Übrigens waren die Kreuzritter Katholiken. Bei den orthodoxen Christen gab es weder Kreuzritter noch Hexenverbrennungen. Als der Deutsche Ritterorden evangelisch wurde, war es mit seiner Macht schon vorbei.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 09.08.2013 um 15.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23869

Bei uns am College nannten wir letztere — ich glaube Ende der 80er Jahre, als da eine derartig glaubenseifrige Bewegung unter den Studenten mal im Gange war — einfach "our Christians", mit einer kleinen Pause nach "our" und "Christians" etwas hervorgehoben. Sie selbst hatten bei "we Christians" nicht die kleine Pause nach "we", aber die Betonung von "Christians" hatten sie auch, wenn auch nicht gleich stark, meine ich mich zu erinnern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2013 um 14.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23868

Wer den Grundsatz der Eigenbezeichnung ernst nimmt, dürfte auch die "Islamisten" nicht so nennen. Schließlich waren die Kreuzzügler auch keine "Christianisten". (Fiel mir gerade ein bei der Lektüre Walthers von der Vogelweide bzw. Walther von der Vogelweides.) Besonders glaubenseifrige Christen müßte man sonst "Katholizisten" und "Protestantisten" nennen...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2013 um 09.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23752

Eine Verteidigung der Mohrenköpfe findet man hier:

http://homepages.uni-tuebingen.de/gerd.simon/Mohrenk.pdf
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 18.06.2013 um 19.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23443

Zitat: "Sie schreibt stets Jüd_innen, Ir_innen usw."
Ich wußte gar nicht, daß Iren (sämtlicher Geschlechter) schwarz sind ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2013 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23441

Susan Arndt: Rassismus. Die 101 wichtigsten Fragen. (beck'sche reihe) München 2012

Anders als bei anderen Bänden dieser Reihe darf man hier keine sachliche Information erwarten. Es handelt sich um ein wütendes Pamphlet gegen den Rassismus, den die Verfasserin überall am Werke sieht (nur bei sich nicht). Stilprobe:

"Kritik am Rassismus kann nur so lange produktiv sein, wie ich den Rassismus in dem Stall belasse, aus dem er stinkt.“ (31, aus Frage 12: „Gibt es in Ghana auch Rassismus?“)

„Dass dieser erotisierende Exotismus selbst vor dem Tod keinen Respekt kennt, zeigt Gloria von Thurn und Taxis' schwindelerregend ungebildeter Ausspruch, in Afrika sei AIDS so weit verbreitet, weil Afrikaner_innen so gern 'schnackseln'.“ (23)

„Wo leben Kannibalen?“ (Frage 55): Arndt beantwortet diese Frage nicht, sondern beschäftigt sich damit, wie die Weißen die Unterstellung von Kannibalismus dazu benutzt haben, die Kolonisierten als nichtmenschlich darzustellen. Gegen Defoe und Lindgren, mit Frantz Fanon.

Statt Indianer schreibt sie immer I. Zigeuner nennt sie Zi., nicht Z. „weil diese Menschen unter den Nazis mit einem 'Z' gekennzeichnet wurden.“

Arndt berichtet auch ausführlich, mit welchen privatsprachlichen Besonderheiten sie ihre Zuhörer zu irritieren pflegt, um sie zum Nachdenken zu bringen. Diese Zuhörer werden als grundsätzlich naiv und behandlungsbedürftig dargestellt. „Dieses Verfahren wende ich auch bei Vorträgen an. Ich habe gefaltete Handouts verteilt und die verwendeten rassistischen Wörter durchnummeriert. Dann konnte ich im Vortrag sagen, im Folgenden geht es um das Wort Nummer 1 etc., und die Zuhörer_innen konnten selbst entscheiden, ob sie sich das Wort aus dem Kontext erschließen oder sich durch die Lektüre des rassistischen Wortes versichern wollen.“ (129)

„Die Berliner M.straße stellt ein besonders bezeichnendes Beispiel dar, denn hier wird ein Schauplatz des Kolonialismus mit einem rassistischen Begriff benannt. Die noch unbefestigte Straße erhielt um 1700 ihren Namen, weil hier Menschen untergebracht waren, die im Kolonialjargon als 'M.' bezeichnet wurden.“ (130)

Man kann nur ahnen, wie die Straße heißt.

Weiß und Schwarz schreibt sie groß, um anzudeuten, daß die Begriffe nichts mit der Hautfarbe zu tun haben.

Sie schreibt stets Jüd_innen, Ir_innen usw.

„Aristoteles war als Lehrer Alexanders des Großen bestrebt, dessen Eroberungszüge sowie die griechische Ausgrenzungspraxis gegenüber den 'Anderen' philosophisch und politikberatend zu unterlegen.“ (37)

Man lernt immer etwas dazu. Arndt zitiert auch die "Problemata" als Beleg für Aristoteles' Beschränktheit.

Arndt nennt "Xenophobie" einen „bereits in der griechischen Antike gebräuchlichen Begriff“ (32). Die Wörterbücheer wissen nichts davon. Laut Wikipedia wurde der Ausdruck 1901 von Anatole France geprägt.

„Was erzählt uns die 'Hautfarbe' von Parzivals Bruder?“ (Frage 21)
Feirefiz ist schwarz-weiß gescheckt: „Belacane bedeckt allerdings allein Feirefiz' weiße Hautstellen mit Küssen: Wolfram lässt sie also Weißsein dem Schwarzsein überordnen.“ (43)

Originelle Deutung, zumal für eine Literaturwissenschaftlerin.

Besonders seltsam ist an gleicher Stelle: Gahmuret liebt also diese schwarze (bei Arndt "Schwarze") Königin mehr als sich selbst. Wenn Wolfram feststellt: "ungelîch wir doch ir zweier hût" und auch sonst den eigentlichen Gegenstand dieser denkwürdigen Verbindung immer wieder beim Namen nennt, findet Arndt altklug heraus: "Hier zeigt sich, dass Wolfram von Eschenbach das Sehen von 'Hautfarbe' geläufig war." (42)

„Fast alle kennen das berühmte deutsche Sprichwort: 'Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehn', das auf Friedrich Schillers Verschwörtung des Fiesco zu Genua von 1783 zurückgeht. In diesem Sprichwort tritt neben der Dienerfunktion von Sklav_innen ein weiterer Wortinhalt hervor: Schuld.“ (99)

Schuldigkeit ist nicht Schuld, und der Mohr sagt im Original "Arbeit".

„Ich habe aufgehört, mir Produkte zu kaufen, die mir zu sehr nach Rassismus schmecken.“ (100) Sie meint Negerküsse, Kameruner und Afri-Cola, aber wen interessiert, was Frau Arndt ißt und trinkt? Der Leser weiß doch von der ersten Seite an, wie gut sie ist.

Die penetrante Beimischung feministischer Gesinnung führt zu solchen Sätzen: „SED-Staat und DDR-Gesellschaft waren tatsächlich genauso rassistisch wie ihre europäischen Nachbar_innen zwischen 1949 und 1989.“

Unter Frage 98 verstrickt Arndt sich in die Frage, wie das Grundgesetz Menschen gegen Diskriminierung wegen ihrer Rasse schützen könne, wo es doch Rassen gar nicht gebe. Sie kommt wie andere zu der Formulierung, „Kein Mensch darf rassistisch (...) benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Damit wird die entscheidend Frage aber nur verschoben, nicht gelöst.

Frage 13: „Warum ist es irreführend, von Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit zu sprechen, wenn Rassismus gemeint ist?“ Das ist leicht zu beantworten: weil von Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit gesprochen wird, während Rassismus gemeint ist. Es ist stets irreführend, etwas anderes zu sagen, als man meint.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2013 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23385

Zum Begriff "indigen" gibt es einen Wikipedia-Artikel "Indigene Völker", der die ideologischen Hintergründe der sprachlichen Eiertänze sehr gut veranschaulicht.

Während indigen eine politische Kategorie ist, bezieht sich „Naturvolk“ auf das romantische Ideal des Edlen Wilden, der in vollkommener Harmonie mit der Natur lebe (siehe auch Naturzustand nach Rousseau). (...)
„Indigene Völker“ bezieht sich zentral auf den Umstand der Benachteiligung und fordert die Verwirklichung und Achtung von Rechten ein. Anhänger des „Naturvolk“-Begriffs streben dagegen die Konservierung einer vermeintlich oder tatsächlich naturnahen, nicht-technisierten Lebensweise an, was die Gefahr des Paternalismus birgt. Dagegen schließt das Konzept „indigene Völker“ vor allem das Recht der Betroffenen ein, selbst über die eigene Entwicklung zu bestimmen, unabhängig davon, ob das Ergebnis dem Klischee vom Edlen Wilden entspricht oder nicht. Insbesondere fordert das „Indigene-Völker“-Konzept aber auch, die vormals vorhandenen rechtlichen Systeme dieser Völker als gültig anzuerkennen und in Bezug auf Rechtsnachfolge in moderne Rechtskontexte einzubinden.


Das liegt nicht im Begriff "indigen", sondern wird erst durch die zuvor angeführten Definitionen hineingelegt, die den Begriff ideologisch aufladen, so daß er zum Titel eines politischen Programms wird. Es gibt auch viele Organisationen, die sich ausdrücklich den Naturvölkern widmen und trotzdem nichts vom edlen Wilden wissen wollen.

Aus den weiteren Ausführungen geht hervor, daß indigen nicht die Urbevölkerung, sondern bloß die zeitlich früher Gekommenen bezeichnen soll. An einer anderen Stelle zeigt Wikipedia jedoch, daß z. B. die Bantu in Südafrika im Gegensatz zu den indigenen Buschleuten (San u. a.) die Eroberer sind, ihrerseits unterdrückt von den Europäern. Es geht also tatsächlich um Politik und nicht um Ethnologie. Deshalb wird auch das Benachteiligtsein in die Definition ausgenommen. (Wir haben anderswo gesehen, daß Mannsein und Weißsein definitionsgemäß Privilegiertsein und Gewalttätigsein einschließen, so daß eine reiche und dominierende Schwarze in Wirklichkeit ein weißer Mann ist.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2013 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23366

Das "hautfarbene" Heftpflaster, das hierzulande angeboten wird, hat auch schon den Zorn von Antirassisten hervorgerufen, aber als die Firma Chemoplast ein Pflaster "für Dunkelhäutige" anbot, war es auch wieder nicht recht. Immerhin interviewte „afrikanet.info“ die Erfinderin mit deutlichem Wohlwollen, und einen bayerischen Sonderpreis bekam sie auch dafür.

Das zeigt noch einmal das Dilemma (dasselbe wie beim Gendern): Einerseits soll jeder Hinweis auf Unterschiede unterbleiben, andererseits sollen sie ständig berücksichtigt werden (mainstreaming). Rassen gibt es nicht, das sind nur zu überwindende Konstrukte, aber keine Rasse darf benachteiligt werden. Die salomonische Lösung: Man darf niemanden zurücksetzen, weil man meint, er gehöre einer bestimmten Rasse an ("aus rassistischen Gründen"). So ungefähr die UN.

Ich glaube nicht, daß diese Wortspielerei jemals etwas anderes hervorruft als Spott und Widerwillen. Gerechter und menschlicher scheint mir der Standpunkt zu sein: Es gibt viele Unterschiede zwischen Menschen, es gibt aber auch viele Zusammenhänge, in denen sie keine Rolle spielen dürfen. Die Gleichheit vor dem Gesetz setzt ja gerade nicht voraus, daß es überhaupt keine Unterschiede gibt.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 06.06.2013 um 15.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23364

Es ist den Schülern nicht nur erlaubt, das Kultusministerium gibt den Schülern sogar von sich aus Texte in nichtreformierter Fassung zu lesen; so geschehen z. B. jüngst im nordrhein-westfälischen Zentralabitur.
Das Kultusministerium fürchtet sich nicht davor, daß die unreformierte Rechtschreibung als besser, sinnvoller, praktischer erkannt wird. Es weiß, daß die Schüler zu faul und der Orthographie gegenüber zu gleichgültig sind, um unreformiert zu schreiben, zumal ja alle Firmen und Medien ohne Not sich selbst auf Linie gebracht haben.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.06.2013 um 13.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23362

Wenn den Schülern erlaubt würde, Texte in anderer als der KuMi-Rechtschreibung zu lesen, könnten sie zu dem Urteil kommen, daß manches in früherer Rechtschreibung vernünftiger und verständlicher ist. Das muß von Amts wegen unbedingt verhindert werden. Es erinnert mich an das frühmittelalterliche Verbot, biblische Texte in anderer Form als der lateinischen Übersetzung zu lesen. Sonst hätten Falschübersetzungen entdeckt werden können.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 05.06.2013 um 08.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23356

Das hier und in anderen Diskussionssträngen erwähnte Reinlichkeitsstreben bezüglich der Orthographie erinnert an Debatten, wie sie gewöhnlich in bezug auf Allergien geführt werden. Ich bin zwar kein Mediziner, aber ich glaube es wird inzwischen kaum mehr bestritten, daß der alte Spruch "Dreck hält gesund", der ja nichts anderes meint, als daß Kinder rechtzeitig in der freien Natur spielen und sich dreckig machen sollen, um gegen allergische Reaktionen gefeit zu sein, etwas Wahres hat.

Dasselbe gilt natürlich für Texte. Um wiederum meine eigene Sozialisation als Erfahrungswert einzubringen: Obwohl ich als Jugendlicher viele Texte gelesen hatte, deren Orthographie nicht dem Duden entsprach, hatte ich niemals Rechtschreibprobleme. Weder meine Eltern noch meine Großeltern besaßen einen Rechtschreib-Duden, und ich selbst habe mir ein solches Exemplar erst im Hauptstudium angeschafft. Aber selbst danach habe ich die Duden-Vorgaben oft ignoriert, ja manchmal sogar mit dem Kopf geschüttelt und mir gesagt: "Die sind ja wohl nicht ganz dicht."

In anderen Worten: Der gelesene "Dreck" hat mich immunisiert und eine Orthographie-Allergie verhindert. Ich kann selbst entscheiden, was mir als sinnvoll erscheint, aber gerade so etwas schien und scheint den Orthographiereformern höchst bedenklich zu sein. Für letztere war ein nicht bis in den hinterletzten Winkel durchgeregeltes Schreiben wohl ebenso eine Bedrohung wie "Dreck" für überfürsorgliche Eltern, die auf diese Weise massenhaft Allergiker produzieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2013 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23355

Für alle von Rassismus Betroffenen wird in dieser Arbeit die Bezeichnung „Menschen of Color“ verwendet. Der Begriff „Menschen of Color“ ist die deutsche Übersetzung von „People of Color“. (...) Für alle nicht von Rassismus Betroffenen wird der Begriff „Weiße“ verwendet. Diese Begriffe sind im politischen Sinne gemeint und bezeichnen nicht die Hautfarbe.

opus.haw-hamburg.de/volltexte/2010/1120/pdf/WS.Soz.BA.10.1271.pdf

Ähnlich haben schon Feministen argumentiert: Gewalt geht definitionsgemäß von Männern aus, mögen sie auch biologisch Frauen sein. Und die Frauen sind definitionsgemäß eine Minderheit, obwohl sie zahlenmäßig in der Mehrheit sind. Minderheit hat nämlich nichts mit Zahlen zu tun, sondern ist ein Synonym für Unterdrücktheit. (Unter einer deutschen Übersetzung stellt man sich auch etwas anderes vor, aber das ist wahrscheinlich rassistisch.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2013 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23345

Solche Erfahrungen, die jeder intelligente Mensch bestätigen kann, zählen leider nicht gegenüber den eingebildeten Gewißheiten der Pädagogen.

Das einzige Argument, das die FAZ schließlich noch zugunsten ihres Einknickens vor Zehetmair vorbringen konnte, war: man wolle die Schüler nicht verwirren. Keiner der Herausgeber dürfte im Ernst annehmen, daß Schüler, die die FAZ (!) lesen, in ihrer Rechtschreibleistung durch eine klassische Rechtschreibung verunsichert worden wären. Ganz zu schweigen von der Deutschnote überhaupt, die sicherlich bei jungen FAZ-Lesern weit über dem Durchschnitt liegt. Die klugen Herren scheinen sich auch nie gefragt zu haben, zu welcher staatsbürgerlichen Haltung sie ihre Leser erziehen, indem sie täglich gegen ihr eigenes besseres Wissen verstoßen. – Übrigens: „Wir haben das Gefühl, das Bürgerbeteiligung ein schönes Deckmäntelchen ist.“ (FAZ 4.6.13)
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 04.06.2013 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23344

Ich habe als Jugendlicher zahllose Stunden in der Bibliothek meiner Großeltern verbracht. Oma und und Opa wußten, daß ich leidenschaftlich gerne lese, weshalb sie mich mit dem riesigen Bücherregal alleine gelassen haben, und zwar mit dem größten Vergnügen, denn dadurch mußten sie sehr wenig Zeit aufbringen, um mich zu "beaufsichtigen".

Viele der Bücher stammten aus dem 19. Jahrhundert und waren in Fraktur gedruckt, was ich anfangs schwierig fand, aber später zu schätzen lernte. Weder meinen Eltern noch meinen Großeltern wäre es in den Sinn gekommen, mir Bücher vorzuenthalten, deren Orthographie nicht dem DUDEN entspricht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2013 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23341

Noch einmal zu Jakob Hein:

"Man sollte seinem Kind auch keine Bücher in alter Rechtschreibung zum Lesen geben. Nicht weil diese schlecht gewesen wäre, sondern weil man seinem Kind weder Lesen noch Leben unnötig schwer machen möchte."

Das Lesen macht man seinem Kind dadurch natürlich nicht schwer, aber das Leben? Statt die Kultusminister und ihre Vollstrecker an den Schulen zur Ordnung zu rufen, will Hein lieber die Kinder anpassen. Diese Duckmäuserei herrscht zwar ganz allgemein, aber von einem Schriftsteller hätte man was anderes erwartet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2013 um 06.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23336

In einem bereits erwähnten taz-Beitrag behauptet Jakob Hein, Fräulein sei auch früher schon sexistisch gewesen. Eine Bloggerin stimmt zu, es sei sexistisch, eine unverheiratete Frau als "kleine Frau" zu bezeichnend. Usw.

Auf einer ersten Ebene betrachtet, ist das natürlich kraß falsch. Die Frau war die "Herrin" (Gattin des Fürsten usw.), und das Fräulein die adelige Tochter (auch juncfrouwe). Das Wort wurde auf gewöhnliche "Weiber" übertragen, wogegen sich Gretchen noch ein wenig kokett wehrt, und unserer Zeit blieb es dann vorbehalten, die Euphemismen-Tretmühle eine Runde weiterzudrehen.

Als ich meine Frau kennenlernte, war es noch üblich, solche Menschenkinder mit Fräulein X anzureden, zumal sie keine Kommilitonin war, unter denen das allgemeine Duzen aber auch erst um 1970 anfing. Natürlich hat sie mir das nicht übelgenommen, sonst wären wir ja nicht so lange zusammengeblieben.

Man kannte allerdings ältere Frauen, die Wert darauf legten, als Fräulein angesprochen zu werden, weil ihnen die Jungfräulichkeit so wichtig war. Die Umgebung belächelte das meistens, weil sie entweder nicht an die Geschichte glaubte oder insgeheim bei alte Jungfer blieb.

Glaubt jemand, daß sich daran in der Sache etwas geändert hat? Und damit bin ich bei der zweiten Ebene, für die immer noch Schopenhauers "Metaphysik der Geschlechtsliebe" der Grundtext ist. Es geht schließlich um nichts Geringeres als die propagatio humani generis oder, wie der Meister sagt, darum, daß jeder Hans seine Grete findet. Unter Feministinnen gibt es welche, die jedes erotische Interesse eines Mannes an einer Frau (vom Umgekehrten gar nicht erst zu reden) ganz abscheulich finden. Lebensalter und Familienstand einer weiblichen Person auch nur andeutungsweise zu erwähnen ist sexistisch.

In Wirklichkeit dreht sich um diesen Punkt mindestens die Hälfte der ganzen Betriebsamkeit in Medien, Warenwelt und Privatleben, nicht wahr? Wir sehen und lesen es doch von morgens bis abends. Schopenhauer hat es in einen der längsten und schönsten Sätze deutscher Sprache gekleidet. Er entlarvt die Heuchelei, ein für allemal.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.06.2013 um 10.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23314

Bei politisch korrekten Buchsäuberungen dürfte es eigentlich nicht bleiben. Es sind ja nicht nur böse Wörter, an denen Kinder und Erwachsene Schaden nehmen könnten – auch was gar nicht dasteht, kann irritieren und verletzen! Emotionen sind bekanntlich nicht in Worte zu fassen, weshalb im Internet die Benutzung von Emoticons empfohlen wird. Aber warum nur dort?! Entsprechend aufbereitet, wären viele Autoren bestimmt viel leichter zu lesen. Als ersten sollt man sich Kafka vornehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2013 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23311

Mit den deutschen Diskussionen über Eingriffe in Kinderbücher (Preußler) könnte man die englischen über Enid Blyton vergleichen. Schwierig wird es natürlich durch die vielen unter ihrem Namen, aber nicht von ihr verfaßten Bände (auch in Deutschland schreibt die längst Verstorbene unverdrossen weiter!). Die neueren Bände sind von vornherein politisch korrekt, die älteren werden nachträglich sterilisiert.
Inzwischen scheint das Blyton-Bashing abzuflauen, aber wohl kaum aus Einsicht. Die BBC brachte eine biographische Serie, und keine Geringere als Helena Bonham Carter spielte die Titelrolle, äußerte sich auch in Zeitungen sehr verständnisvoll zum Thema. Auch die offizielle Biographin nahm Blyton in Schutz.
In England wie bei uns fällt auf, mit welch kurzschrittigen Kausalitäten manche Leute rechnen. Blyton macht Kinder zu Rassisten und Sexisten. Kinder, die den unbearbeiteten Huckleberry Finn oder gar den Struwwelpeter lesen, werden Rassisten. Das ist alles vollkommen evident.

Meine Frau ist mit Blyton aufgewachsen, während ich diese Bücher überhaupt nicht kannte und mit Titeln wie „Hanni und Nanni“ höchstens die verachtenswerte Mädchen-Subkultur verband. Es müßte doch leicht sein, die unterschiedliche Prägung von solchen Subjekten wie uns beiden nachzuweisen. Aber danach fragt keiner, die Überzeugungen ersetzen die Empirie.
Von Blyton (bzw. der Firma dieses Namens) werden jährlich immer noch acht Millionen Bände verkauft, das empirische Material ist also groß genug. Blyton selbst soll gesagt haben, Kritik von Leuten über zwölf interessiere sie nicht.

Die Eingriffe beschränken sich nicht auf die Namen und Sachbezeichnungen, sondern entsorgen die Vergangenheit: Kinder werden nicht mehr geschlagen, nur noch ausgeschimpft usw. Die Geschichten selbst werden „zeitgemäß“ gemacht. So argumentiert ja auch der Verleger der „Kleinen Hexe“. Mit dem schrecklichen Wort „zeitgemäß“ läßt sich jede Gleichschaltung rechtfertigen. Am Ende triumphiert das jämmerliche Bündel unserer Vorurteile.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 31.05.2013 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23309

Zu #23302: Nicht zu vergessen ist, daß lat. "niger" eben nicht nur "schwarz" bedeutet, sondern auch "dunkel" (und das vielleicht sogar zunächst/ursprünglich[?]).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2013 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23308

Möbel, Schaumbäder, Räucherstäbchen, Freizeitparks, Restaurants, Autos – seit einigen Jahren versprechen alle einen besonderen Genuß "für die Sinne" oder "mit allen Sinnen". So jetzt auch die Ersatzfigur für den Sarotti-Mohren: der "Sarotti-Magier der Sinne" (seit 2004, als die Mohrenkopfpädagogik übergriff).
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.05.2013 um 13.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23302

Wenn man nur noch das deutsche Wort "Schwarz" für das Fremdwort "Neger" verwenden würde, könnte man erkennen, daß höchstens die Westafrikaner richtig schwarz sind und es auf die übrigen angeblichen "Neger" gar nicht zutrifft. Deutsche Wörter sind sehr oft genauer als Fremdworte. Gerade deshalb werden sie seltener benutzt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 30.05.2013 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23301

http://virchblog.wordpress.com/2012/05/25/falsch-klatschen-aber-richtig/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2013 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23297

In jeder Gesellschaft gibt es Dinge, die man nicht erwähnt, Meinungen, die man nicht äußert, und schließlich Wörter, die man nicht verwendet.

Dies letzte ist das Sonderbarste. Am ehesten gehört es noch zu den Dingen, die "man nicht tut", obwohl sie darüber hinaus keine Bedeutung haben, auf nichts verweisen (im Gegensatz zu den Meinungen). Es ist das eigentliche Sprachtabu.

Wenn die Schwarzen nicht mehr Neger genannt werden (was sich ja im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung so ergeben kann), dann ist es ein Gebot der Höflichkeit und Rücksichtnahme, dies nicht zu tun. Ich finde zwar, um bei dem Beispiel zu bleiben, diese Entwicklung im Grunde unberechtigt, aber nun gut, ich nenne niemanden mehr Neger.

Aber der Negerkuß? Gerade wenn die Schwarzen nicht mehr Neger heißen, wäre doch das Wort wieder frei für die Bezeichnung einer Süßigkeit oder eines Mischgetränks. Hier setzt nun das Sprachtabu ein und verbannt das Wort selbst, unabhängig von seinem Sachbezug.

Eine interessante Frage ist auch, woher die Menschen Wörter kennen, die ganz und gar nicht und unter keinen Umständen verwendet werden. Also all das, was der Duden hochmoralisch als "veraltet" zum Absterben bringen möchte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2013 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23296

Irgend jemand hat mal die Vermutung geäußert, daß die indischen Umbenennungen (Mumbai usw.) sich gar nicht gegen die ehemaligen Kolonialherren richten, sondern dem Machtanspruch radikaler Hindus gegen die eigenen muslimischen Landsleute entspringen. Nicht unplausibel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2013 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23266

In einer Zeitungsmeldung über terroristische Aktivitäten in Orissa lese ich zu meiner Überraschung, daß der indische Bundesstaat jetzt Odisha heißt; die Tourismuszentrale schreibt stereotyp "formerly Orissa". Die Landessprache wird aber noch Oriya geschrieben, obwohl sie denselben retroflexen Laut enthält. Die neue Umschrift (mehr ist es nicht) gibt das Lautbild keineswegs besser wieder als die alte. Ich weiß nicht, warum man das gemacht hat, wahrscheinlich auch wieder nur, um sich von den ehemaligen Kolonialherren abzusetzen. Paßt zum Mumbai usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2013 um 05.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23263

"Die Angst der Bürger an Bahnhöfen und Haltestellen

Die Deutschen fühlen sich in öffentlichen Verkehrsmitteln oft unsicher. Und beim Warten auf Bahnhöfen oder an Haltestellen sieht sich sogar fast jeder Dritte bedroht, wie eine Umfrage belegt." (Welt 25.5.13)

(Es wurde anscheinend nicht gefragt, vor wem die Leute Angst haben. Jedenfalls ist in dem ganzen langen Artikel nicht davon die Rede; das wäre wohl politisch nicht korrekt. Ich muß gestehen, daß ich, bevor ich abends in die Berliner S-Bahn steige, auch schon mal gucke, wer drinsitzt.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2013 um 09.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23233

Viele Zeitungen haben sich, unterstützt von "Betroffenen", mit der Expurgation von Kinderbüchern usw. einverstanden erklärt. Dazu ist nun nichts Neues mehr zu sagen.

Um die historischen Tatsachen immer wieder in Erinnerung zu rufen, muß man ab und zu einen Blick ins Archiv werfen. Gerade habe ich noch einmal nachgelesen, was der seinerzeit sehr bekannte Journalist Wilhelm Bittorf 1988 im SPIEGEL schrieb, einen vielgelesenen Rückblick auf Jugendprotest usw. in den 60er Jahren. Der Mann ist des Rassismus gewiß unverdächtig, und 1988 ist noch nicht so lange her. Da ist völlig unbefangen von Negern die Rede. Viele können sich das heute nicht mehr vorstellen, aber daran sind sie selbst schuld.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.05.2013 um 13.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23166

Aus der Geschichte der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung (die auch für die Zeit nach den Türkenkriegen gilt) ergibt sich ein anderes Bild. Dort waren Privilegien z.B. Grundbesitzrechte, Steuerbefreiungen und Freiheitsbriefe für Fachleute der Landwirtschaft, des Bergbaues, der Handwerke usw., die von den slawischen und ungarischen Landesherren ins Land gerufen wurden.
Das heutige Verständnis von Privilegien stützt sich eher auf die mittelalterliche Ständegesellschaft, in der es so gut wie unmöglich war, seinem angeborenen Stand zu entkommen (außer eben durch Auswanderung, wenn man überhaupt seinem Landesherrn entkommen konnte).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2013 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23164

Als (aus den USA) die "unterprivilegierten Schichten" bei uns bekannt wurden, haben wir uns über den seltsamen Ausdruck gewundert. Er scheint vorauszusetzen, daß alle Menschen privilegiert sind, einige aber zu wenig.

Unter Privilegien hatten wir, nicht zuletzt durch den Geschichtsunterricht, im allgemeinen ungerechte Bevorzugung, z.B. durch adelige Geburt oder ererbten Reichtum verstanden. Dem stellen wir das demokratische Leistungsprinzip entgegen, während andere auch "allen das Gleiche" wünschen (Großschreibung beabsichtigt!).

Unter "Gesundheit" steht in der Wikipedia:

Privilegierte Schichten sind in Deutschland eindeutig gesünder und haben eine längere Lebenserwartung als Menschen, die über geringere Bildung, Einkommen und Berufsstatus verfügen.

Privilegiertheit besteht also in höherer Bildung, besserem Einkommen und ansehnlicheren Berufen (das Einkommen wird ja nicht ein zweites Mal gemeint sein).

Manchen fällt das in den Schoß, da läßt sich nicht sofort etwas ändern. Kinder wachsen eben unter den verschiedensten Verhältnissen auf. In manchen Haushalten gibt es keine Bücher, und die Gespräche bereiten nicht auf das Leben in akademischen oder Wirtschaftskreisen vor. Die Schulen versuchen es auszugleichen.

Was mich wundert, ist die völlige Abkopppelung der erwähnten "Privilegien" vom selbsterarbeiteten Erfolg. Da kann man ja jede Hoffnung verlieren. Deine Eltern sind arm und ungebildet, also gib dir keine Mühe, du bist und bleibst unterprivilegiert. Manche schaffen es trotzdem? Unsinn, die haben einfach Glück gehabt.

Zur "Gesundheit" noch einmal Wikipedia ("Nichtbehinderte"):

Menschen ohne eine klassifizierbare Behinderung werden aus ethischen Gründen nicht als „Gesunde“ bezeichnet. Die Bezeichnung „Gesunde“ wird (genau wie die Bezeichnung „Kranke“) auf dem Gebiet der Behindertenhilfe als diskriminierend angesehen, zumal davon ausgegangen wird, dass niemand vollständig und permanent „gesund“ oder vollständig und permanent „krank“ sei.
Gesundheit wird somit als ein unerreichbarer Idealzustand angesehen, da sich nicht klar abgrenzen lasse, wo Gesundheit aufhört und Krankheit anfängt, zumal dabei auch stets eine persönliche Komponente bzw. Einstellung eine Rolle spiele.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2013 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23150

In meiner Kindheit und Jugend waren "Kolonialwaren"-Läden noch ganz normal. Man dachte dabei wohl weniger an die entschwundenen Kolonien als an die Produkte.

Ich muß gestehen, daß ich mir bisher den Namen Edeka immer irgendwie mit Kaufleute aufgelöst habe, sehe aber nun, daß etwas anderes dahintersteckt: „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin“ – so ist es jedenfalls entstanden.

Zum Sprachwandel mit den "Kolonien" noch folgendes:

„Noch 1910 wurde eine ‚Zeitschrift für Kolonialsprachen‘ begründet, in der Aufsätze über das Studium der Sprachen in den Kolonien erschienen.“ (Rolf Elberfeld: Sprache und Sprachen. Eine philosophische Grundorientierung. Freiburg 2012:28)
Nun, es erschienen Aufsätze hauptsächlich über afrikanische Sprachen, weniger über deren Studium. Der Titel änderte sich:
1910–1918/19: "Zeitschrift für Kolonialsprachen" (Band 1–9)
1919/20–1949/50: "Zeitschrift für Eingeborenen-Sprachen" (Band 10–35)
ab 1951/52: "Afrika und Übersee" (ab Band 36).
Ebenfalls von der heutigen Website des Dietrich Reimer Verlags:
„‘Afrika und Übersee‘ widmet sich in der Hauptsache der Dokumentation afrikanischer Sprachen und konzentriert sich daher auf Beiträge mit Datennähe. Wurden früher gelegentlich Beiträge zu austronesischen bzw. indonesischen und Südseesprachen präsentiert, umfasst das heutige Spektrum ausschließlich linguistische, zu einem geringeren Teil kulturelle Themen des Kulturraums Afrika. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der Publikation von Originaldaten zu gering dokumentierten Sprachen, doch auch dem Forschungsstand entsprechende Präsentationen der Afrika-Linguistik und gesellschaftliche und literarische Aspekte afrikanischer Sprachen werden editiert, gelegentlich Beiträge zur Kulturgeschichte kleinerer Ethnien aufgenommen. Es sollen verstärkt Nachwuchswissenschaftler – gerade auch aus Afrika – publiziert werden. Die Artikel werden auf Deutsch, Englisch oder Französisch veröffentlicht, und jeder Band widmet der Besprechung von wissenschaftlichen Neuerscheinungen ausreichend Platz.“

Die Afrikanistik war, wie die Erforschung exotischer Sprachen überall, meistens mit christlicher Missionstätigkeit verbunden.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 01.05.2013 um 00.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23101

Lieber Herr Strasser, man kann unter Umständen sogar Leute mit einem "Auf Wiedersehen!" in Zimmerlautstärke hinauswerfen. Richtig verstanden haben Sie, daß der Gebrauch von "verabschieden" im Artikel von Herrn Fleischhauer interpretationsbedürftig ist. Ich vermute, daß ihn die Abfolge der Ereignisse ebenso verwirrt hat wie Sie (und anfangs auch mich) und er deshalb bewußt eine Formulierung wählte, welche die Reihenfolge von Ausmarsch und Bügelempfehlung offen läßt.

Ebenfalls richtig verstanden haben Sie, daß sich der Darstellung von Frau Otoo nicht entnehmen läßt, wann Herr Yücel seine Bügelempfehlung gab. Wohl aber läßt sich ihr entnehmen, daß es nicht die Einwirkung des "N-Wortes" war, die den Podiumsgast zum vorzeitigen Aufbruch veranlaßte, sondern Gebrüll und Beschimpfungen.

Daraus folgt, daß das Wort "Neger" in dieser – letzten – Phase der Auseinandersetzung zumindest nicht mehr im Vordergrund stand. Statt dessen spielte die Aufforderung "Geh(t) bügeln!" eine bedeutende Rolle. Diese Information kann man aus anderen Quellen mühelos ergänzen. Dann ergibt sich ganz ohne Kaffeesatzlesen ein einigermaßen klares Bild.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 30.04.2013 um 20.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23099

Aha, wenn ich Herrn Ludwig richtig verstehe und das auf den konkreten Fall beziehe, kann man jemanden, der eigentlich sachlich diskutieren will, mit der Bemerkung „Geh bügeln“ verabschieden. Und verabschieden wäre dann so gemeint: „Bitte die Diskussion verlassen!“, also ein aktiver Hinauswurf!?

In einem satirischen Umfeld wäre sowas natürlich möglich, aber hier?

Ich finde nach wie vor, für einen beabsichtigten Hinauswurf scheint mir die Formulierung „verabschieden“ eine zu sein, die dem Leser unnötige Interpretationsrätsel aufgibt (Bezug: Spiegel, Fleischhauer).

Laut Sharon Dodua Otoo (Bezug: isdonline) fing Herr Yücel (Taz-Moderator) irgendwann an, lauthals herumzubrüllen und das Publikum zu beschimpfen, unter anderem hat er dabei auch ihren Sohn direkt angeschrien. Das veranlaßte sie, das Mikro abzulegen und zu gehen.

Ob, in welchem Zusammenhang, an welcher Stelle dieser Szene und an wen das anderswo zitierte „Geh bügeln“ fiel, ist aus ihrer Darstellung nicht zu entnehmen. Sie sagt nur: „Ich wiederhole bewusst nicht, was er gesagt hat.“

Ich kann mir aufgrund dieser Schilderung nun gut vorstellen, daß es zu einem wüsten und unkontrollierten Wortgefecht im Saal gekommen ist, in dessen Verlauf dann auch der Bügel-Spruch fiel, an wen auch immer gerichtet …

Aber all das entspricht natürlich Kaffeesudlesen oder, um Karl Kraus frei nachzuempfinden, auf einer Glatze Locken zu drehen!
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 30.04.2013 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23095

Zugegeben, auch ich bin zunächst, und zwar noch vor Lektüre des Spiegel-Artikels, dem Mißverständnis von Herrn Strasser erlegen, Herr Yücel habe sein "Geh(t) bügeln!" der abziehenden Gruppe nachgerufen. Man erwartet einfach, daß der schwerste Angriff, nämlich das "N-Wort", die stärkste Reaktion (also den Ausmarsch) ausgelöst hat. Allein, die Texte geben diese Deutung nicht her. Einigen Berichten zufolge richtete sich die Bügelempfehlung lediglich an eine vor dem Podium schreiende und gestikulierende weißhäutige Blondine. Das stützt meinen Eindruck, daß die profane Beleidigung auf Frau Otoo und die anderen Schwarzen Menschen im Saal weniger eine verletzende als eine befreiende Wirkung hatte.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 30.04.2013 um 11.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23094

Zu "im Gehen begriffen": Da ist doch ein Unterschied zwischen "sich verabschieden" und "jemanden verabschieden". Ich meine, "jemanden verabschieden" kann auch beinhalten "jemanden zum Gehen [...] bewegen".
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 30.04.2013 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23093

Unabhängig davon, wer was, wann, wo und wie gesagt hat, in meinem Sprachverständnis hat „verabschieden“ die Bedeutung, jemandem, der im Gehen begriffen ist, z. B. die Hand zu schütteln oder nachzuwinken, eine Abschiedsfloskel zu sprechen oder nachzurufen, und nicht, jemanden durch etwas Gesagtes erst zum Gehen zu bewegen. Wenn ich sage, ich verabschiede mich, bin ich schon im Gehen begriffen.

Möglicherweise gibt es diesbezüglich im deutschen Sprachraum aber Auffassungsunterschiede.

Daß „Geht bügeln“ eine unkultivierte Unverschämtheit ist, steht natürlich außer Frage.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 29.04.2013 um 14.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23091

Lieber Herr Strasser, Herr Fleischhauer war nicht am Ort des Geschehens, sondern nur in der Nähe. Im übrigen behauptet auch er nicht, es sei eine "Reaktion" Herrn Yücels auf den Ausmarsch seiner Widersacher gewesen, "Geh(t) bügeln!" zu rufen. Er schreibt vielmehr, der Moderator habe sie mit diesen Worten "verabschiedet". Überdies bezeichnet Fleischhauer die Äußerung als den "größten Fauxpas" Yücels. Das ist natürlich Ironie. Damit kann er nur meinen, daß "Geht bügeln!" die heftigste oder jedenfalls augenfälligste Reaktion nach sich gezogen, kaum, daß sie die Betroffenen am meisten verletzt hat.

Herrn Yücels Artikel und den anderen hier verlinkten Darstellungen zufolge verließen Frau Otoo und ihre Leute den Saal im Anschluß an Beschimpfungen bzw. Gebrüll des Moderators, laut diesem ausdrücklich nach seiner Bügelempfehlung. Und der unter #23077 verlinkte taz-Leser (er berichtet von seinen Verletzungen, war also ebenfalls anwesend) schreibt: „Er hat die ZuschauerInnen nach dem schmerzhaften N-Wort noch beleidigt, was in dem Satz ‚Geh doch bügeln’ gipfelte. Da reichte es Frau Otoo, … und sie verließ, mit allen Schwarzen ZuschauerInnen, die Veranstaltung.“

Die Bügelempfehlung kann also gar nicht eine Reaktion auf den Ausmarsch gewesen sein. Wenn mehrere an einem Geschehen Beteiligte, obendrein auf einander widerstreitende Parteien verteilt, in der Darstellung übereinstimmen, muß man zunächst davon ausgehen, daß es sich so zugetragen hat. Insoweit ist es sehr wohl möglich, "sachlich richtige Kommentare zum Hergang" abzugeben. Denkbar ist freilich, daß Täter, Opfer und andere Zeugen sich übereinstimmend falsch erinnern, z.B. aufgrund ihrer Traumatisierung. Das wäre dann aber nachzuweisen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2013 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23087

Besonders interessant ist vielleicht das erwähnte eingeboren. Es hatte offensichtlich niemals den Zweck, irgend jemanden herabzusetzen. Gering geschätzt wurden die Eingeborenen selbst, mit ihren Baströckchen und Menschenknochen im Dutt. Weil man davon mit Recht nichts mehr wissen will, ist auch die einstmalige Bezeichnung anrüchig geworden. Das ist der Kern der Sache. Die Menschen in den überwiegend kolonialisierten Gegenden sollten wohl einfach in einen Gegensatz zu den Eroberern mit ihrer zivilisatorischen (und einträglichen) Mission gestellt werden, sie waren sozusagen naturbelassen.

Das ist nun alles schon lange her. Um das peinliche und naive Wort zu vermeiden, nennt man dieselben Menschen heute indigen, also ebenfalls "eingeboren", oder griechisch autochthon, also wiederum "eingeboren" (etymologisch etwas abweichend, aber semantisch gleich). (Dabei übersieht man oft großzügig, daß auch die Autochthonen sich das Land erst später angeeignet haben können, man denke an die Ausbreitung der Bantu-Völker.)

Hier wird der Kreislauf der Tabuisierung besonders deutlich und auch leichter diskutierbar, weil wir weniger betroffen sind.

Jeder möchte gern autochthon sein. In Indien gibt es eine hochgradig absurde Debatte über die Arier, deren fanatische Vertreter behaupten, sie seien seit unvordenklichen Zeiten auf dem Subkontinent ansässig. Davon scheint für sie die Hinduheit abzuhängen. Das fällt auf fruchtbaren Boden, weil die Inder eine Zivilisation mit extrem wenig Sinn für Geschichte sind. (Es wiederholt sich ja sowieso alles.)
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 29.04.2013 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23086

Bei der geradezu hysterisch anmutenden Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Wörtern handelt es sich wahrscheinlich, wie bei so vielem, um einen US-Import.

Ich vermute, daß der Ursprung in der Bürgerrechtsbewegung der späten 60er Jahre liegt und das Phänomen bis heute als identity politics (auch als identity-obsessed politics verspottet) bezeichnet wird. Kurz gesagt ging es darum, sich nicht mehr nur als Bürger der Vereinigten Staaten zu definieren, sondern sich eine Zusatzidentität zuzulegen, bevorzugt die einer tatsächlich oder vermeintlich benachteiligten Gruppe (Schwarze, Frauen, Indianer, Juden usw.). Die Washington Post hat in diesem Zusammenhang einmal von "victimization Olympics" geschrieben. Anders gesagt, jeder kann sich irgendwie als "Opfer" bezeichnen und daraus Ansprüche politischer, rechtlicher, sozialer oder sogar finanzieller Art ableiten. Es wird gewissermaßen "Opferkapital" angehäuft.

Wie nach dem 11. September 2001 zu beobachten war, kann das zuweilen skurrile Blüten treiben, denn nachdem auch die Shoah ins Zentrum der US-amerikanischen Erinnerungskultur gewandert war (vgl. das interessante Buch von Peter Novick: The Holocaust in American Life), wurde es nicht nur gesellschaftsfähig, sich als Opfer darzustellen, sondern auch noch als "Überlebender". Ich erinnere mich an einige Interviews mit Augenzeugen der Anschläge, in denen diese sich als "Überlebende" bezeichnet haben, auch wenn sie die Ereignisse nur aus großer Entfernung verfolgt haben.

Alles in allem also eine unkritische Übertragung externer Empfindlichkeiten, Hysterien und sozialer Probleme auf einen andersgearteten Kontext und eine andere Sprache. Aber das ist ja nichts Neues.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 28.04.2013 um 20.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23085

Als Nichtteilnehmer an besagter Diskussion ist es natürlich unmöglich, sachlich richtige Kommentare zum Hergang abzugeben. Dem von mir gelesenen Bericht zufolge (Spiegel, Fleischhauer) war die Äußerung „Geht bügeln“ eine Reaktion aufs Verlassen der Diskussion und nicht die Ursache dafür. Aber wer weiß schon, was wirklich passiert ist?

Zum Wort selbst: offenbar nur deswegen, weil sich „nigger“ im Amerika zum herabqualifizierenden Schimpfwort entwickelt hat, verlangt man als kleine Minderheit von 100 Mio. Deutschsprachigen, sich quasi freiwillig in Geiselhaft zu begeben und das stammverwandte Wort „Neger“ nicht mehr zu verwenden, obwohl es im deutschen Sprachraum zuvor überhaupt keine beleidigende oder herabwürdigende Bedeutung hatte. Beide Bezeichnungen leiten sich von lat. niger (schwarz) ab.

Man sieht daran, daß nicht nur Börsen irrationales Verhalten zeigen. Und meine Formulierung „Minderheit“ oben ist aus Sicht PC natürlich als unverschämt und rassistisch einzustufen! Aber um zu beruhigen, ich bin freiwilliger Geiselhäftling und verwende das N-Wort heute nicht mehr, wenn es nicht unumgänglich ist!
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.04.2013 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23084

Zu "wurde das 'N-Word' geächtet, und zwar inzwischen weit über alle Vernunft hinaus" (Ickler): Ich meine, mit dem "N-Word" ist meist das mit Verachtung konnotierende "Nigger" gemeint, gar nicht so sehr "Negro". Letzteres wurde im Zuge aller möglicher Bedenken durch "Blacks" ersetzt, vor allem, weil es gegenüber "Whites" die Gruppe für die sich immer mehr erhitzende öffentliche Diskussion offenbar einfacher identifizierte. Die "African Americans" kamen auf, weil es einmal auch schon die Einwanderergruppen Irish Americans, Scandinavian Americans, German Americans usw. gab und zum andern etwa gleichzeitig die "Native Americans" von der doch sehr umständlichen Bezeichnung "American *Indians*" wegkamen, und weil betont wurde, daß man in diesem Kampf erstmal nur Amerikaner kennt. Daß nicht alle Menschen in Afrika "schwarz" sind und meine Töchter zwar in diesem großartigen Land geboren sind und sie beim Absingen der Hymne "O say, can you see" bei Sportveranstaltungen die Hand auf dem Herzen haben und ihnen die Augen glänzen, sie aber keinesfalls als "native Americans" gelten, stört offenbar niemanden.
Die Bezeichnungen "African Americans" und "Native Americans" gelten z. Z. als "uncontroversial" und finden sich in Berichten und auf offiziellen Formularen, sollten sie da eine Rolle spielen. Die Frage "Haben sich die "Schwarzen"[...] denn noch nicht auf eine Selbstbezeichnung einigen können [...]?" (#23081) stellt sich hier nicht so, und die Antwort wäre nein, denn sowas wird hier nicht von organisierten Gruppen für alle geregelt. In einer *New Yorker*-Karikatur fragte vor langem schon auf einer Cocktail-Party eine weiße Dame höflich einen schwarzen Gast: "Wie würden Sie gerne in diesen Tagen bezeichnet werden?"
Das mit dem Expurgieren des N-Worts bezieht sich vor allem auf den Klassiker *Huck Finn* von Mark Twain, wo "Nigger Jim" und überhaupt die damalige Kultur der Staaten am südlichen Mississippi eine große Rolle spielen. Und für politisch-korrekt Eifernde ist das natürlich ein gefundenes Fressen. Ein Problem wäre dabei eigentlich, daß es in den Südstaaten große Gebiete gibt, in deren Dialekt das neutrale "Negro" ganz natürlich und einzig als "nigger" ausgesprochen wird. Aber derartige wissenschaftliche Einsicht spielt in der politischen Diskussion (die auch ich hier gern vermeide, denn dann müßte ich ja laut "nigger" sagen) keine Rolle.
Und wenn ich auf Formularen nach meiner Rasse befragt werde, müßte ich eigentlich "Caucasian" ankreuzen (denn offenbar, wie ich's nachgeschlagen habe, bin ich "distinguished especially by very light to brown skin pigmentation"). Ich kreuze aber meist nichts an, denn da steht auch ausdrücklich, daß man diese Frage nicht zu beantworten braucht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2013 um 07.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23083

Bei der Deutung der Ereignisse gibt es offenbar weite Spielräume. Aus sprachwissenschaflticher Sicht finde ich interessant, wie es zur "Pejorisierung" bestimmter Wörter gekommen ist. Früher ging es den Schwarzen schlecht, ihr Ansehen bei den Weißen war gering. Die heute verpönten Ausdrücke wie Neger, aber auch Eingeborene für die Bewohner "unzivilisierter" Regionen, waren aber nicht als Schimpfwörter in Gebrauch. Sie wurden auch als Selbstbezeichnung benutzt, nicht nur von Martin Luther King. Erst als die Bürgerrechtsbewegung in den USA Erfolg hatte und es den Schwarzen besser ging, wurde das "N-Wort" geächtet, und zwar inzwischen weit über alle Vernunft hinaus, so daß selbst Zitate nicht mehr zulässig waren und ältere Texte expurgiert werden.
Das alles versteht sich nicht von selbst. Wir hier in Deutschland haben mit dem Rassenproblem viel weniger Erfahrung, die Sache mit den "Negern" ist weitgehend eine importierte Political correctness. Darum haben wir das Phänomen auf diesen Seiten auch viel stärker am Beispiel des Feminismus diskutiert.
Ich komme immer wieder auf die beiden einander widersprechenden Standpunkte zurück: einerseits werden Unterschiede dissimuliert ("Farbenblindheit"), andererseiits sollen sie ständig beachtet werden, damit den Unterprivilegierten Gerechtigkeit widerfährt. Der erste Standpunkt läuft auf die Beseitigung von Vokabeln hinaus, der zweite auf die Erfindung von immer mehr (wie die Queer-Debatte zeigt).
Eine Zusatzfrage: Welche Rolle spielt jeweils das schlechte Gewissen? Die Amerikaner haben die Sklaverei und das Unrecht der Segration im Hinterkopf, die Deutschen die Ermordung von Juden und Zigeunern und alle zusammen die Zurücksetzung der Frauen. Ich erinnere auch an jenen Vorschlag, statt Juden lieber zu sagen jüdische Mitbürger und als nächsten Schritt einfach Mitbürger. Das ist eine "Farbenblindheit" besonderer Art, die Juden sind am Ende gänzlich beseitigt. (Man kann nicht mal mehr über ihre Vernichtung sprechen – ein traumhaftes Ergebnis im Sinn der Neonazis.) Das scheiterte bisher an der fortdauernden Selbstbezeichnung der mit Recht auf ihr Überleben stolzen Juden.
Hat es nicht etwas von Sprachmagie? Erst bringen wir die Menschen um oder drangsalieren sie auf andere Weise, dann wollen wir nichts mehr von dem Namen wissen, unter dem wir sie umgebracht oder gequält haben.

Man müßte mehr von jenem Umschlagen der Bezeichnungsmotivation wissen.

Ich habe Kings Rede neulich noch einmal gelesen, es gibt auch sehr gute Videos von seinen Reden und Interviews. Auch habe ich kürzlich das vorzügliche Buch "Negro slave songs in the United States" von Miles Mark Fisher gelesen. Der schwarze Verfasser hat an keiner Stelle Bedenken, das Wort zu benutzen. Irgendwann danach muß es passiert sein.
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 27.04.2013 um 21.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23082

Analog zu den "Sinti und Roma" käme natürlich "Mandingo und Bantu" oder "Hutu und Tutsi" in Frage, aber ich vermute, daß dies die Betrieften nicht glücklicher macht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.04.2013 um 21.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23081

Haben sich die "Schwarzen" (von denen nur eine kleine Gruppe wirklich schwarz ist) denn noch nicht auf eine Selbstbezeichnung einigen können, wie es die Indianer mit "Native Americans" gemacht haben, die auch für die seit Jahrhunderten in Amerika lebenden "Schwarzen" gelten kann, z.B. "Native Africans" oder "Africanos"? Vorschläge sollten doch von ihnen kommen.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 27.04.2013 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23080

Es scheint sich für die Schwarzen Menschen (ich übernehme jetzt der Einfachheit halber die Selbstbezeichnung der Vereinsmitglieder) bei "Neger" eben nicht um eine "Art von Beleidigung" zu handeln. Eine Beleidigung ("Geh/Geht bügeln!") durch den Moderator hat es ja ebenfalls gegeben, und auf sie haben die Schwarzen Menschen reagiert, wie die meisten Menschen in derselben Situation reagiert hätten, nämlich mit dem Auszug aus dem Saal. Der Verfasser des von mir zitierten Leserkommentars unterscheidet die Beleidigung jedoch ausdrücklich von dem "schmerzhaften N-Wort". Frau Otoo spricht zwar im Zusammenhang mit dem Wort von beleidigendem und respektlosem Verhalten, betont aber, daß sie wegen der Publikumsbeschimpfung durch Herrn Yücel das Podium verlassen habe und nicht etwa, wie von manchen behauptet, weil sie das "N-Wort" nicht mehr ausgehalten hätte – dies ungeachtet dessen "traumatisierender" Wirkung.

Frau Otoo und die anderen Schwarzen Menschen haben auf das "N-Wort" reagiert wie auf einen körperlichen Angriff, dem man sich räumlich nicht entziehen kann, sondern dem man mit Abwehr begegnen muß oder dem Versuch, den Aggressor zu besänftigen. Wenn mich jemand beleidigt, haue ich ihm eine runter oder ich lasse ihn stehen (oder beides), aber ich appelliere doch nicht an seine Rücksicht oder halte mir die Ohren zu. Genau das aber haben die Schwarzen Menschen getan. Frau Otoo muß das Gefühl gehabt haben, in eine üble Falle geraten zu sein, als sie nach dem dreimaligen (!) Anbringen des Wortes "Neger" die böse Absicht von Herrn Yücel erkannte. Ihr Glück und das ihres Anhangs war, daß der Moderator sich mit schwarzer Magie in Wirklichkeit gar nicht auskennt und den Fehler machte, die Bannkraft des bösen Wortes selbst zu brechen, indem er zu profanen Beleidigungen überging. Damit wurde ein profanes Handlungsmuster anschlußfähig, nämlich das Verlassen des Saals.

Gewöhnliche Beleidigungen, Herabwürdigungen oder Beschimpfungen sind ein Angriff auf die Ehre des Opfers, was voraussetzt, daß der Angreifer ihm einen falschen Namen gibt oder es in ein falsches Licht rückt. Das Falsche wiederum muß einer Erörterung zugänglich sein. Nur dann hat es z.B. Sinn, zwischen Originaläußerung und Zitat zu unterscheiden. Für die Schwarzen Menschen hat im Fall "Neger" eine solche Unterscheidung jedoch offensichtlich keinen Sinn, auch nicht für die "Kulturwissenschaftsspackos" (Yücel) unter ihnen. Bei dem Wort "Neger" spielt es keine Rolle, ob derjenige, der es ausspricht, ihm eine herabsetzende Bedeutung beimißt oder ob er sich eine solche Bedeutung zu eigen macht. Der Angriff richtet sich nicht gegen die Ehre, sondern unmittelbar gegen die Person; er trifft sie im Kern. Die Bedeutung von "Neger" ist, daß das Wort Negern schadet, spätestens, wenn es absichtlich und zu diesem Zweck ausgesprochen wird.

Von daher leuchtet auch ein, warum Frau Otoo das Angebot der taz ausschlägt, in eine Diskussion einzutreten bzw. selbst einen Beitrag zu dem Vorgang zu schreiben. Es gibt Dinge, über die man nicht diskutiert. Eine Entschuldigung und die Zusicherung, einen Auftritt wie den des Moderators nie wieder zuzulassen, sind in den Augen der Schwarzen Menschen verständlicherweise die einzige Möglichkeit für Verlag und Redaktion, die Situation zu bereinigen.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 27.04.2013 um 10.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23079

Rational sehe ich die Situation heute genau so, wie Prof. Ickler sie unten beschreibt (#23078). Trotzdem würde mich interessieren, welche Art von Assoziation Schwarze empfinden, was also verbinden sie damit, wenn das sogenannte N-Wort ausgesprochen wird? Welche Art von Beleidigung ist das für sie?

Ich kann nur sagen, während meiner gesamten Jugendzeit gab es in meiner Welt überhaupt keinen anderen verwendeten Ausdruck als das N-Wort, wenn es darum ging, einen Menschen mit dunkler Hautfarbe und gekraustem Haar zu erwähnen. Kein Mensch empfand das damals als Herabwürdigung und schon garnicht als Schimpfwort, wie es heute offenbar der Fall ist. Eigenartige Entwicklung, die da stattgefunden hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2013 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23078

Die Situation ist offenbar heillos verworren. Man kann nicht einmal sagen, wie akut die diskutierten Probleme hierzulande wirklich sind. Die Schwarzafrikaner, die ich persönlich kenne, haben noch nie etwas von selbsterfahrener Diskriminierung berichtet, was allerdings in Erlangen und besonders in ihrem Milieu (Studenten der technischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten) auch kaum zu erwarten ist. Ich will damit nicht bestreiten, daß es Belästigungen gibt, aber man sollte die Dimensionen beachten, daher auch meine Frage nach der Mitgliederzahl usw.
Es gibt eine Bereitschaft, sich gekränkt zu fühlen. Frau Otoo beschwert sich auf der Website der ISD noch einmal über die Veranstaltung. Ihr erster Punkt ist: "Es gab kein Honorar." Je nun, ich kann mich nicht entsinnen, für die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion ein Honorar bekommen zu haben. Das muß man vorher verbindlich regeln, dann kommt es auch nicht zur überempfindlichen Auslegung.

Ich verwende das Wort "Neger" nicht mehr, weil ich den Mechanismus seiner Verpönung kenne, aber ich bestreite erstens, daß es in den Jahren, die ich noch selbst erlebt habe, eine herabsetzende Bedeutung hatte, und zweitens bin ich dagegen, historische Dokumente rückwirkend zu expurgieren, weil man das Wort – in welchem Kontext auch immer – "nicht mehr hören oder lesen will", nicht einmal zitiert. Das ist eine Überschätzung und Verkennung der Sprache. (Dasselbe gilt natürlich für "Zigeuner".) Man könnte sich um eine Verbesserung der realen Verhältnisse kümmern und sprachlich alles lassen, wie es ist. Aber ich weiß auch, daß das nicht geht.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 27.04.2013 um 00.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23077

Möglicherweise beruht die heftige Reaktion der "Schwarzen Menschen" ja auf einem eigentümlichen Verständnis dessen, was ein schlimmes Wort ausmacht. Ich habe den Verdacht, daß sie nicht von selbst darauf gekommen sind, "Neger" für ein böses Wort zu halten, sondern daß es ihnen jemand gesagt hat. Aus eigener Wahrnehmung heraus könnten sie mit einiger Berechtigung "Neger" für eine häufig abwertend gemeinte Bezeichnung halten, darüber hinaus für eine Beleidigung, wenn das Wort der direkten Ansprache dient. Die Reaktion ergibt aber nur dann einen Sinn, wenn "Neger" ein Wort ist, das gewissermaßen kontextfrei, aus eigener Kraft, eine schädliche Wirkung zu entfalten vermag – ein Zauberwort also.

In einem Kommentar unter der Ankündigung der Veranstaltung in der taz – www.taz.de/Rhetorik-auf-dem-tazlab/Kommentare/!c114687/ – ist zu lesen:

"... Herr Y. hat nach der Intervention einiger Schwarzer ... auf die x-te Aufforderung, ... das N-Wort nicht so exzessiv und extra zu verwenden, angefangen zu brüllen, Er hat die ZuschauerInnen nach dem schmerzhaften N-Wort noch beleidigt... Da reichte es Frau Otoo ... und sie verließ, mit allen Schwarzen ZuschauerInnen, die Veranstaltung.
In der nachfolgenden Diskussion haben wir uns zuerst um das Heilen unserer Verletzungen gekümmert. Dann kam die bittere (vorläufige) Erkenntnis, dass der grausame Gewaltakt von Herrn Y. höchstwahrscheinlich ohne persönliche Konsequenzen für ihn bleiben wird..."

Der Verfasser unterscheidet offensichtlich zwischen Beleidigungen und dem "schmerzhaften N-Wort". Ich glaube nicht, daß er übertreibt. Der Schmerz und die Verletzungen durch einen "grausamen Gewaltakt" sind aufrichtig empfunden. Sie erklären auch, warum die "Schwarzen ZuschauerInnen" sich teilweise die Ohren zugehalten haben, nämlich um das "N-Wort" abzuwehren oder wenigstens seine Wirkung abzuschwächen: Es sollte nicht durch die Gehörgänge in sie eindringen.

Weiter fällt auf, daß die Pein der Betroffenen nicht einfach von der Verwendung des "N-Wortes" herrührte, sondern daher, daß es mehrfach in kurzen Abständen ausgesprochen wurde, und zwar absichtlich: "exzessiv und extra". Der Wille des Moderators, mehrmals hintereinander "Neger" zu sagen, lag auf der Hand, schließlich kannte er die Texte, die er zitierte, schon vorher.

Damit wird auch das scheinbar inkonsistente Verhalten von Frau Otoo verständlich. Sie wußte von Anfang an, darin stimmen die Darstellungen überein, daß das "N-Wort" fallen würde, hat sich dann aber doch an dem Radau beteiligt. Allerdings legt sie Wert auf die Feststellung, der Herr Yücel habe ihr zugesichert, das Wort werde nicht in jedem fünften Satz vorkommen. Auf die Gesamtheit der geäußerten Sätze bezogen, trifft das vermutlich sogar zu, aber eben nicht auf die Adorno- und King-Zitate. Es war also ein typisches interkulturelles Mißverständnis, das zu dem Eklat führte.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 26.04.2013 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23069

"N-Wort" ist ein Import aus dem amerikanischen Englisch: "n-word".
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 26.04.2013 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23068

Jan Fleischauer hat das Thema mit der gebotenen Herablassung – "linkes Betschwestertum" – auf SPON abgehandelt: www.spiegel.de
 
 

Kommentar von MG, verfaßt am 25.04.2013 um 15.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23063

Der Bericht aus dem "TAZ-Lab" ist auch deswegen interessant, weil er offenbar völlig unredigiert ist, also zeigt, wie die Leute tatsächlich schreiben. Das fängt schon in der zweiten Zeile an:

Einige Schwarze Personen, u.a. auch ISD Mitglieder ...

Offensichtlich begreift die Autorin die Wendung "Schwarze Person" als Nominationsstereotyp, ganz in Wikipedia-Manier. Auch im folgenden wird das Wort "schwarz" konsequent großgeschrieben.

"Es scheint mir, maßgeblich für die Einladung war schlichtweg, dass ich Schwarz bin."

"ISD Mitglieder" muß natürlich getrennt geschrieben werden, um die Marke "ISD" nicht zu verwässern.

Dann geht es weiter mit "auseinander setzen" und "provokativ" (statt provokant). ...

Generell finde ich das Grassieren der Vermeidungskonstruktion "N-Wort" ärgerlich. Neulich gings um ein "K-Wort", was das damals bedeuten sollte, weiß ich schon überhaupt nicht mehr. Irgendwas mit "Kanzler", glaube ich.

Früher mal sollte man den Teufel nicht nennen und bezeichnete ihn daher als "Gottseibeiuns". "N-Wort" ist genauso, nur: "Gottseibeiuns" war ein Wort, die N-, K-, I- und R-Wörter heutiger Tage kriegen immer mal wieder Kinder.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2013 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23060

Als Ergänzung zur taz-Kolumne s. noch hier:

http://neu.isdonline.de/tazlab-2013-stellungnahme-seitens-der-taz-leitung-erwunscht/

Ich habe leider nicht herausfinden können, wie viele Mitglieder die "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" hat.

Die Förderung eines "Schwarzen Bewusstseins" erinnert mich an die alte Négritude-Diskussion. Es ist das alte Dilemma: Einerseits sollen Unterschiede keine Rolle spielen, andererseits sollen sie ständig beachtet werden. Das kann das Geschlecht oder wie hier die Hautfarbe sein oder was auch immer. (Müssen alle Menschen gleicher "Hautfarbe" – auch so ein Konstrukt – in ihrem Bewußtsein eher untereinander übereinstimmen als mit anderen Menschen?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2013 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23054

Zu den zehn kleinwüchsigen Afrikanern s. auch hier:
www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=577#12074
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 24.04.2013 um 00.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#23053

Lustig zu lesen ist die Kolumne eines taz-Redakteurs, der "Neger" sagen wollte und es nicht durfte:

www.taz.de/Kolumne-Besser/!114947/
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 01.03.2013 um 11.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22727

Nach Wikipedia ist der Kriminalroman Ten Little Niggers (1939) von Agatha Christie das weltweit meistverkaufte Werk der Autorin.
Im Laufe der Zeit hat der Titel einige Abwandlungen erfahren bis zum gegenwärtigen Titel
And Then There Were None bis zum deutschen Titel von 2003 Und dann gabs (!) keines mehr (was wohl? – ein Negerlein!).

Fast erstaunte mich jetzt, daß die Fassung als Theaterstück unter dem Titel Zehn kleine Negerlein von einer Theatergruppe in Ingelheim und Mainz aufgeführt wird.

Wenn das mal nicht zu Ärger führt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2013 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22711

„Rassismus fängt ja nicht erst beim Massenmord an. Und gerade die Grünen haben doch immer viel Wert auf Sprache gelegt – und so zum Beispiel erfolgreich dazu beigetragen, das (!) man heute nicht mehr von Ausländern spricht, sondern von Einwanderern.“
(Daniel Bax im taz-Interview mit dem Grünen-Politiker Boris Palmer, der ein zaghaftes Wort für Mohrenköpfe einlegt, aber trotzdem der Umbenennung zustimmt. taz 26.2.13)

Dann wäre ich bei jeder Auslandsreise ein "Einwanderer"? Das möchte ich denn doch nicht.

»Astrid Lindgren ist es zu Lebzeiten gelungen, Säuberungen ihrer Bücher zu verhindern. Erst ihre Erben gaben nach. Inzwischen ist der Vater von Pippi Langstrumpf kein „Negerkönig“ mehr, sondern herrscht über eine Insel in der Südsee. Als ob das die Sache besser machte. Pippis Erlebnisse im Taka-Tuka-Land spiegeln nämlich tatsächlich – im Unterschied zu Preußlers „Negerlein“ – eine problematische Haltung wider: dass „Weiße“, wenn sie irgendwohin fahren, dort stets regieren. Das lässt sich nicht mit dem Austausch einzelner Wörter korrigieren.«
(Bettina Gaus in der taz 22.2.13)

Tja, wenn Weiße irgendwohin fahren, dann regieren sie dort. Das war im großen und ganzen so und durchaus problematisch, aber nicht als Haltung, sondern als Tatsache. Deshalb kann man daran auch nichts mehr ändern.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 21.02.2013 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22688

In Wikipedia liest man zu den verschiedenen Ausdrücken Zyprer, Zypriot, Zyperngrieche pp. in vorauseilend angepaßter Manier, keine dieser Bezeichnungen habe eine abwertende Bedeutung.

Danke für diesen Hinweis, weiß ich doch jetzt, daß ich mich beim Gebrauch solcher Ausdrücke nicht auf rassistischem Glatteis befinde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2013 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22686

In meiner amazon-Leseprobe von Preußlers "Krabat" ist gleich auf der zweiten Seite Zimts-terne getrennt.Ich weiß nicht, ob das der Buchausgabe entspricht, traue es dem gewissenlosen Verlag aber durchaus zu.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2013 um 12.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22678

Otfried Preußler war gegen die Rechtschreibreform, ließ sich aber dann doch überreden, der Umstellung seiner Bücher zuzustimmen. Kurz vor seinem Tode gelang es dem Verlag, Preußler – oder, wie es scheint, seiner Familie –, auch die Einwilligung in die politisch korrekte inhaltliche Änderung seiner Bücher abzuringen. Nun ist er endlich tot.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.01.2013 um 13.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22421

Das Telefonbuch weist bundesweit 162 Treffer für den Namen Neger nach. Skandalös.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.01.2013 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22417

Am schönsten ist der Kommentar des Hessischen Rundfunks zur Änderung von Negerkönig zu Südseekönig bei Lindgren: „Den jungen Lesern hat das gar nichts ausgemacht.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.01.2013 um 04.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22416

Die "Kritische Weißseinsforschung" (diese Disziplin gibt es wirklich, sie hat einen umfangreichen Wiki-Eintrag) stellt Wörter wie schwarz unter Verdacht. Von dieser Seite ist noch einiges zu erwarten, vor allem wenn man bedenkt, daß in manchen Foren die Hälfte der Deutschen es durchaus richtig findet, die Kinderbücher fortwährend umzuschreiben.

Das wundert einen weniger, wenn man den großen Vorteil bedenkt, den diese Art von Kritik einem verschafft, ohne daß man etwas anderes als ein bißchen Empörung aufbringen müßte. Schneller kann man sich den Himmel nicht verdienen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 19.01.2013 um 19.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22403

"Wenn man jeden solchen Anlaß vorsorglich tilgt, wird man bald auch wieder die Beine von Tischen verhüllen müssen wie die Viktorianer, weil sie Assoziationsketten auslösen könnten." — Also zur Wiederholung Englisch für Weltreisende von wem, der weiß: Hühnchenbrust = white meat; Hühnchenbein = dark meat! Das gilt auch für Puter. Enten haben jedoch nur *dark meat*. Bei Gans habe ich in den letzten 50 Jahren nicht nachgeschaut, — stand aber auch nie auf den Speisekarten, wo ich gereist bin. Auf Fotos im Kochbuch sehen aber Brust und Beine einer jut jebratenen Jans erregend lecker aus (soll ja auch eine jute Jabe Jottes sein, ist aber für einen zuviel, — aber für zwei entschieden zu wenig).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2013 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22401

Es wird ja auch vorgeschlagen, Ausdrücke wie Schuhe wichsen usw. zu ersetze, Schuhe polieren solle man schreiben.
Nun, die Kinder sind in einem gewissen Alter sehr darauf aus, überall Zweideutiges zu entdecken, damit sie was zu kichern und zu johlen haben, da muß man durch. Es ist nicht möglich, über den "Schwanz" von Tieren zu sprechen, ohne daß der Automatismus in Gang kommt. Jeder Lehrer weiß das. Man kann es sogar positiv sehen, denn es gibt ja auch Kids, die so abgebrüht sind, daß es schon bald buchstäblich gar nichts Unanständiges mehr für sie gibt.
Wenn man jeden solchen Anlaß vorsorglich tilgt, wird man bald auch wieder die Beine von Tischen verhüllen müssen wie die Viktorianer, weil sie Assoziationsketten auslösen könnten.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 18.01.2013 um 10.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22385

DTS-Meldung vom 18.01.2013, 07:48 Uhr: "Kulturpolitiker lehnen Überarbeitung von Märchen und Jugendliteratur ab" (www.derNewsticker.de/news.php?id=255132&i=peokkl)
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 17.01.2013 um 19.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22379

Jan Fleischhauer bringt es auf den Punkt: Trottelsprache

(www.spiegel.de)
 
 

Kommentar von BS, verfaßt am 15.01.2013 um 19.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22366

taz von heute mit einer ganzseitigen Suada von Jakob Hein ("Schriftsteller und Arzt") über "Werte und Worte / (...) das korrekte Kinderbuch (...)". U.a. schreibt er:
"Man sollte seinem Kind auch keine Bücher in alter Rechtschreibung zum Lesen geben. Nicht weil diese schlecht gewesen wäre, sondern weil man seinem Kind weder Lesen noch Leben unnötig schwer machen möchte.
Die Kindheit ist eine prägende Zeit ist. (...)" (so, mit doppeltem "ist"!)
Ich sehne den Tag herbei, an dem das Zeitungssterben dieses Schundblatt erreicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2013 um 19.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22363

Burkhard Müller verteidigt die Eingriffe in den Text der Kinderbücher. Gegen den Vorwurf einer Verfälschung der Literaturgeschichte sagt er:

„Man darf die Geschichte nicht nur ändern, man kann ja gar nicht anders. Geschichte ist eben nicht die Summe des Vergangenen als solche, deren Fakten sich herausmeißeln ließen wie ein Saurierknochen aus dem Fels, sondern vielmehr das Vergangene in seinem Bezug auf die jeweilige Gegenwart. Geschichte ist nicht, Geschichte wird getrieben, und wie das geschieht, das ist starken epocheln Schwankungen unterworfen. Geschichte ist kein Befund, sondern ein Verhältnis zweier Variablen.“ (Süddeutsche Zeitung 15.1.13)

Im weiteren Text wirft er den Kritikern der Eingriffe „reaktionären Infantilismus“ vor und ist auch sonst überraschend aggressiv.

Müller spielt mit den beiden Bedeutungen von „Geschichte“: 1. das Geschehene, 2. die Erforschung und Darstellung des Geschehenen.
Das Bild vom Geschehenen ändert sich natürlich ständig, aber die Historiker setzen voraus, daß es das Geschehene als solches tatsächlich gegeben hat, sonst könnten sie es nicht erforschen. Will Müller wierklich behaupten, wir könnten das Vergangene nach unseren gegenwärtigen Bedürfnissen verändern, also auch die Quellen (hier die Kinderbücher)?
Er zitiert dann noch Orwell, der es für ein Gebot der Höflichkeit gehalten habe, die Menschen so zu nennen, wie sie genannt werden wollen. Müller: „Ein Nein seitens der Gemeinten sollte genügen, um alle Diskussionen um Neger und Zigeuner zu beenden.“ Aber wer sind diese Gemeinten? Doch nicht etwa der Zentralrat oder irgendein anderer Interessenverband? Gegen Ende gibt Müller immerhin zu, daß ihm der „Südseekönig“ auch nicht recht zusagt, und als nächsten sieht er den Räuber Hotzenplotz als Opfer der PC.

Kein politisch korrekter Textverbesserer würde zugeben, daß er durch Struwwelpeter, Pippi Langstrumpf, die kleine Hexe und Huckleberry Finn selbst zum Rassisten geworden ist. In dieser Gefahr schweben immer nur die anderen.
 
 

Kommentar von bild.de (BamS), verfaßt am 13.01.2013 um 21.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22346

www.bild.de/politik/kolumnen/peter-hahne/rettet-die-kinderbuecher-vor-der-sprachpolizei-28072564.bild.html
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 11.01.2013 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22324

Der Veröffentlichung in der „taz“ (vgl. #22275) liegt offensichtlich eine Pressemitteilung zugrunde, sei sie vom Thienemann-Verlag selbst versandt oder von ihm bei der Heinrich-Böll-Stiftung veranlaßt. Das geht aus zwei Absätzen hervor:

Mesghena, der in der Heinrich-Böll-Stiftung das Referat Migration & Diversity leitet, schrieb einen Brief an den Verlag, in dem er sich über die „rassistischen und ausschließenden“ Begriffe beschwerte. Nach einem Mailwechsel erhielt er im Dezember dann eine überraschende Antwort. „Auch Ihrem Schreiben von neulich ist es wohl zu verdanken, dass es gelungen ist, die Familie Preußler davon zu überzeugen, die fraglichen Begriffe in ’Die kleine Hexe‘ auszutauschen“, hieß es da.

Mekonnen Mesghena ist darüber [die Unterordnung des Werkes unter die „sprachliche Weiterentwicklung“] sehr glücklich. „Meine Tochter wird sich auf jeden Fall freuen, wenn sie sich mit der ’Kleinen Hexe‘ wieder versöhnen kann“, schrieb er an den Verlag. „Und mich freut es auch, wenn unsere Kinder beim fröhlichen Lesen nicht über ausgrenzende Begriffe stolpern.“

Klar ist demnach, daß die Initiative zu dem Eingriff vom Verlag ausging; offen bleibt, ob er dessen erstes Schreiben bei Herrn Mesghena angeregt hat oder es ihm nur zufällig zupaß kam. Soweit alles PR-Routine.

Erstaunlich ist demgegenüber, wie ungeniert das klassische Neger-Klischee bedient wird, und zwar von allen Beteiligten: Der Neger ist nicht besonders intelligent, aber gelehrig und gutmütig, und es ist leicht, ihm eine Freude zu machen. „Mekonnen Mesghena ist darüber sehr glücklich.“ Mit solchen Sätzen berichten üblicherweise christliche Erbauungsheftchen über die Dankbarkeit, mit der die jüngste Bibelspende in der afrikanischen Partnergemeinde aufgenommen wurde. Und selbstverständlich lesen die Negerkinder nicht einfach, sondern sie lesen „fröhlich“.

Einzig der Autor des Artikels scheint das unwürdige Kasperletheater zu durchschauen: „Von einem ‚Negerlein’ war da unter anderem die Rede, von ‚Chinesenmädchen’ und ‚Türken’.“ Die Reihenfolge erzwingt beinahe ein „gar“ am Ende. Damit wäre freilich allzu deutlich gesagt gewesen, was von dem Unfug zu halten ist. Klugerweise überläßt der Verfasser seinem Publikum die Entscheidung, ob er sein Sprüchlein ebenso gut gelernt hat wie der brave Diversitätsreferent.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 11.01.2013 um 07.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22315

Auch sonstige Bearbeitungen (meist Kürzungen) für die Jugend sind nicht zu beanstanden.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn "Moby Dick" oder "Robinson Crusoe" sind jugendlichen Lesern (und auch den meisten erwachsenen) im Original kaum zuzumuten.

Unanständig wird es aber, wenn Texte zugunsten des Zielpublikums teilweise komplett umgeschrieben werden und anschließend als Original verkauft werden. Davon ist der deutsche Dauerbestseller Karl May wie kein anderer betroffen, dessen für Erwachsene geschriebene Texte teilweise aufs heftigste entstellt wurden

Die Geschichte ist so unglaublich, daß ich sie einmal hierherstellen möchte: Nach Mays Tod hat dessen Witwe alle Rechte an May-Texten dem eigens gegründeten Karl-May-Verlag übertragen und testamentarisch festgelegt, daß die vom Inhaber des Verlags edierten Texte als "Ausgabe letzter Hand" zu gelten hätten. Letzterer begann sehr bald, die Mayschen Texte von einem katholischen Geistlichen im Sinne der Amtskirche umschreiben zu lassen, darunter v.a. das pazifistisch-theologische Spätwerk. Während des Dritten Reiches wurde dann alles getilgt, was im Widerspruch zu den Ansichten der Nazis stand (u.a. Andeutungen von "Rassenschande" zwischen "Ariern" und "Nichtarieren"). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde May dann konsequent auf Jugendautor getrimmt und alles weggelassen oder umgeschrieben, was Jugendlichen Verständnisschwierigkeiten bereiten könnte. Einige Romane und Erzählungen wurden sogar komplett umgeschrieben, wobei der krasseste Fall wohl die Umwandlung einer orientalischen Agentengeschichte ist: Der Verlag änderte die Erzählperspektive von einer auktorialen zu einer personalen, machte aus der Hauptfigur (einem deutschen Agenten) kurzerhand Kara ben Nemsi, nebst dessen üblichen Attributen und schrieb den unvermeidlichen Halef Omar einfach dazu. Das war handwerklich ziemlich geschickt gemacht, hatte aber mit dem Original nichts mehr zu tun. Als dann der Urherrechtsschutz für Mays Werke auslief und jeder die Texte veröffentlichen durfte, entschied der Verlag sich für eine zweigleisige Strategie. Zum einen ließ er die Namen "Karl May", "Winnetou" und "Old Shatterhand" rechtzeitig als Marken eintragen (!), zum anderen wurden weitere Texte so stark bearbeitet, daß sie nach deutschem Urheberrecht als eigenständiges Werk galten. All diese verunstalteten Texte wurden über die Jahrzehnte als "Originalausgaben" verkauft, was sie in gewissem Sinne auch waren, nämlich Originalausgaben der Bearbeitungen des Karl-May-Verlages.

Wenn es heute heißt, Karl May sei der meistgelesene deutschsprachige Autor, so ist die Aussage mit Vorsicht zu genießen, denn die größten Verkaufserfolge wurden nach Mays Tod erzielt – mit Texten, die zum Teil erheblich vom Original abwichen. Der österreichische Literaturwissenschaftler Karl Konrad Polheim hat deshalb schon vor Jahren gefordert, daß es neben der (immer noch nicht abgeschlossenen) historisch-kritischen Ausgabe auch eine solche der postumen Bearbeitungen geben müsse. Insgesamt sicherlich ein Sonderfall in der modernen deutschen Literaturgeschichte, aber gerade deshalb erwähnenswert.

P.S.: Um mir nicht den Zorn des Karl-May-Verlages zuzuziehen sei auch erwähnt, daß es sich um philologische Sünden der Vergangenheit handelt. Heute orientiert man sich bei Neuerscheinungen, wenn man von der reformierten Orthographie absieht, am Original (Ausgabe letzter Hand in der traditionellen philologischen Bedeutung).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2013 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22313

Der Artikel steht heute auch in der gedruckten Ausgabe der FAZ. Im Netz kann man die Leserreaktionen verfolgen. Nur sehr wenige sind p.c.

Der Verlagsvertreter vertritt ausdrücklich die politische Korrektheit. Das ist heute eher selten, meistens ironisiert man ja damit eine kritisch beurteilte Praxis. (Das war anfangs wohl anders.)

Mich stört besonders die immer wiederkehrende Denkfigur: "Mir hat es nicht geschadet, aber was soll aus den anderen werden?" Das habe ich schon an Lutz Röhrich kritisiert, der aus seinen sprichwörtlichen Redensarten alles Jüdische wegließ, um den Neonazis kein Futter zu liefern.

Eine Leserin meint, wir würden doch auch die "Weiber" usw. aus älteren Texten der Erwachsenenliteratur tilgen. Aber wieso denn?

Es gibt Übersetzungen von frühneuhochdeutschen Texten ins heutige Deutsch, einer der jüngsten übersetzten Texte ist wohl Grimmelshausen. Das tut man aber nur aus dem Grund, weil die meisten heutigen Leser sonst nicht genug davon verstehen und deshalb gar nicht erst anfangen zu lesen, was auch wieder schade wäre. Auch sonstige Bearbeitungen (meist Kürzungen) für die Jugend sind nicht zu beanstanden. Ich habe lange vor den Originalen deutsche Jugendausgaben von Melville, Defoe usw. gelesen, vielmehr verschlungen. Besser als gar nichts, würde ich sagen. Chinesische Bücher werde ich nie im Orginal lesen können, den "Traum der roten Kammer" habe ich gekürzt auf deutsch, dann in voller Länge auf englisch gelesen und besitze eine chinesische, extrem gekürzte Ausgabe für Ausländer, an der ich mich manchmal abarbeite. Alles in Ordnung, solange es Freude macht. Aber politisch korrekt kastrierte Kinderbücher würde ich weder lesen noch vorlesen. Hilfe ist gut, Bevormundung ist widerlich.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 10.01.2013 um 12.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22311

Die Netzausgabe der FAZ hatte gestern einen Artikel zur Zensur von Preußler.

Vgl. hier: www.faz.net
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.01.2013 um 15.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22301

Das ist ein anders gelagerter Fall. SAP wird auch im Englischen nicht als Wort gesprochen. Damit sind Assoziationen zu sap schon nahezu ausgeschlossen. Außerdem ist sap vieldeutig, das erschwert eine Assoziation ebenfalls. PIIGS wird dagegen wie pigs ausgeprochen und wurde vor vielen anderen Möglichkeiten bevorzugt, weil man es sich dank des anschaulichen Wortes (und seiner Bedeutung) leicht merken kann.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.01.2013 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22300

Wenn eine bekannte deutsche Firma zu viel Zeit darauf verschwenden würde, was der Name SAP im englischsprachigen Raum für Vorstellungen weckt, hätte sie sich wahrscheinlich längst umbenannt. Allerdings gäbe es den Namen wohl nicht, wenn das den Gründern von Anfang an aufgefallen wäre.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.01.2013 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22298

Gemein ist die Abkürzung PIIGS (ursprünglich PIGS, ohne Irland). Gerade deshalb, weil sich einige Akteure in diesen Staaten undiszipliniert verhalten haben – so daß der Vorwurf "pigs!" einen Gedanken ausdrückt, der in anderen Ländern tatsächlich vorhanden und nicht völlig unrealistisch ist. Andererseits ist der Gleichklang mit den "Schweinen" so drastisch, daß es erstaunt, wie lang sich PIGS bzw. PIIGS als gängiger Begriff halten konnte. Nun sehe ich, daß es auch die Version GIIPS gibt. Sie ist plausibler, weil Portugal und Spanien nebeneinander liegen. Noch passender wäre GIPSI (zuerst die vier Südländer, dann Irland). Diese Version gibt es ebenfalls, aber sie klingt wie "Zigeuner", und das geht natürlich auch nicht.

Bei Wikipedia ist der Sachverhalt angemessen dargestellt worden. Das Artikelstichwort heißt PIIGS, was noch einmal zeigt, daß dieser Begriff der bekannteste ist.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 08.01.2013 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22295

So ist es richtig:

Im Iglu wohnt der Eskimo
Der schwarze Mann heißt Neger
Die Klofrau putzt das Männerklo
Die Straß der Straßenfeger

Die rote Haut trug der Indianer
Gelb ist der Täng vom Schlitz
Ne kleine Nas hat der Japaner
Der Itzig feinen Witz
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.01.2013 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22290

Die unredigierte Meldung entspricht insoweit den Vorschriften, als die Herkunft der Mutter (wahrscheinlich pakistanisch) unerwähnt bleibt.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 08.01.2013 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22289

Heute kommt eine unkorrekte Nachricht auf SPIEGEL Online:

Mutter prügelt Sohn tot, weil er Koran nicht auswendig kann
In Großbritannien ist eine Mutter zu mindestens 17 Jahren Haft verurteilt worden: Sie wollte ihren Sohn zu einem Hafis machen – einem, der frei aus dem Koran zitieren kann. Weil er nicht schnell genug lernte, schlug sie ihn tot.

Das diskriminiert die Muslime und die Frauen. Ich übersetze in korrekte Sprache:

Elternteil prügelt Kind tot, weil dessen Religionsstudium nicht erfolgreich war
In Großbritannien ist eine Person zu mindestens 17 Jahren Haft verurteilt worden: Sie wollte ihr Kind zu einem frommen Menschen machen, der frei aus der heiligen Schrift seiner Religion zitieren kann. Weil das Kind nicht schnell genug lernte, wurde es von einem Elternteil totgeschlagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2013 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22284

Die Sternsinger sind leider gar nicht erst gekommen. Die Kirche hat jedes Jahr größere Schwierigkeiten, Freiwillige für diese Aktion zu gewinnen, und ich habe mir auch sagen lassen, daß sie das Schwarzfärben zu unterlassen gebeten habe.

Ich möchte noch auf die Begriffe ausschließen, ausgrenzen hinweisen, die neuerdings häufiger als früher den Vorwurf des Rassismus ins Unbestimmte ausweiten. Omnis determinatio est negatio. Daher werden wohl begriffliche Festlegungen in Zukunft ganz unterbleiben müssen. Wir haben ja schon gesehen, daß normal verpönt ist, weil es ausgrenzt.

Seit ich die Festlegungen des Presserates kenne, lese ich Meldungen über Straftaten mit noch mehr Mißtrauen. "Fehlt da nicht etwas?" frage ich mich ständig.

Die Skrupellosigkeit der Kinderbuchverlage überrascht uns nicht. Gleich zu Beginn der Rechtschreibreform haben sie dem Nachwuchs grammatisch kraß falsche Texte in den Trog gekippt. Nun geht es einfach weiter. Leider sind die Eltern nicht zu einem Boykott zu bewegen, weil den meisten die Lektüre ihrer Kinder völlig egal ist.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 06.01.2013 um 19.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22281

Natürlich unbedingt vom Hof jagen!

Minstrel-Shows sind schließlich auch in den glorreichen Vereinigten Staaten inzwischen undenkbar. Was aus Otfried Preußlers Kinderbuch "Die kleine kräuterkundige Heilerin" (in Schulorthographie dann natürlich: Kräuter kundige Heilerin) verbannt wurde, darf am 6. Januar nicht fröhliche Urständ feiern.

(Man lese als Hintergrund zu meiner kleinen Gehässigkeit einfach mal den englischen und deutschen Wikipedia-Artikel über Al Jolson. Die Eiertänze über die Black-face-Auftritte dort sind einfach herrlich. Nun war Jolson bekanntlich auch noch Jude, und so kommt noch ein zweiter Eiertanz hinzu. Nämlich ihm indirekt Rassismus zu unterstellen, ohne ihn selbst als Rassisten zu bezeichnen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2013 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22280

Wir warten gerade auf die Sternsinger, haben Süßigkeiten und Geld bereitgelegt wie jedes Jahr. Aber einer von den dreien pflegt mit geschwärztem Gesicht aufzutreten. Ich sollte ihnen wohl doch nichts geben, sondern die "ausgrenzenden" Schlingel mit einer Tracht Prügel vom Hof jagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2013 um 18.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22279

Merke: Es gibt keine anderen Völker mehr, nur noch Deutsche! (Aber welcher Deutsche wird sich zum Fasching als Deutscher verkleiden wollen?)
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 06.01.2013 um 17.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22278

Das ist es ja. Der Dummkopf hat mitbekommen, daß er nett über Menschen sprechen soll, die ihn befremden. Also nennt er sie nicht mehr bei dem Namen, den er für sie gelernt hat, sondern denkt sich einen neuen aus. So gerüstet, sieht er sich selbst in der Rolle des Aufklärers.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.01.2013 um 17.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22277

"PC ist das, was passiert, wenn die Aufklärung bei den Dummköpfen ankommt."

Die davon kein bißchen klüger werden. Wer Bezeichnungen wie "Chinesenmädchen" despektierlich findet, kann dafür nur den Grund haben, daß er Chinesen für minderwertig hält. Rassismus in seiner verlogensten Form.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 06.01.2013 um 13.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22276

PC ist das, was passiert, wenn die Aufklärung bei den Dummköpfen ankommt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.01.2013 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22275

Der Kinderbuchklassiker »Die kleine Hexe« von Otfried Preußler wird künftig also ohne »diskriminierende« Wörter wie Negerlein erscheinen. Aber müßte nicht als erstes der Titel ausgetauscht werden? Werden nicht die Hexenverfolgung und das unsägliche Leid, das damals Zehntausenden von Menschen zugefügt worden ist, verharmlost, wenn man das Wort Hexe derart verniedlichend gebraucht?

Die taz (www.taz.de) schreibt: »Als Mekonnen Mesghena seiner siebenjährigen Tochter aus dem Kinderbuch vorlas, das ihm eine Freundin geschenkt hatte, staunte er nicht schlecht. Denn als er zu dem Kapitel kam, in dem sich Otfried Preußlers kleine Hexe unter eine Gruppe von Kindern mischt, die sich zu Fasching verkleidet hatten, fühlte er sich wie vor den Kopf gestoßen. Von einem „Negerlein“ war da unter anderem die Rede, von „Chinesenmädchen“ und „Türken“.«

Nun soll also auch schon das Wort Türke i-bah sein! Es wird immer bekloppter. Nur gut, daß sich offenbar keines der Kinder als Frau Antje verkleidet hat und in dem Buch als Holländerin bezeichnet wird, sonst müßten wir auch dieses »ausgrenzende« Wort noch aus unserem Wortschatz streichen, um die Kleinen nicht unnötig mit der rauhen Wirklichkeit zu konfrontieren.

»„Wir werden alle unsere Klassiker durchforsten“, bestätigte der Stuttgarter Verleger Klaus Willberg, in dessen Haus die Bücher von Otfried Preußler erscheinen, gegenüber der taz. […] Das Wort Neger werde in „Die kleine Hexe“ nicht ersetzt, sondern gestrichen. Es sei nötig, Bücher dem sprachlichen und politischen Wandel anzupassen, begründet Willberg den Schritt. „Nur so bleiben sie zeitlos.“«

Eine groteske Argumentation. Wenn es nötig wäre, ein Buch ständig dem sprachlichen und politischen (!) Wandel anzupassen, dann wäre das doch gerade der Beweis, daß es NICHT zeitlos ist. Es wäre dann bloß ein Abbild des jeweiligen Zeitgeists.

Wie auch immer, die Welt ist durch die Ausmerzung all dieser vergifteten Wörter wieder ein Stückchen besser geworden:

»Mekonnen Mesghena ist darüber sehr glücklich. „Meine Tochter wird sich auf jeden Fall freuen, wenn sie sich mit der ’Kleinen Hexe‘ wieder versöhnen kann“, schrieb er an den Verlag. „Und mich freut es auch, wenn unsere Kinder beim fröhlichen Lesen nicht über ausgrenzende Begriffe stolpern.“«

Wie bitte? Die Tochter ist über diese Begriffe gestolpert? Nein, der Vater beim Vorlesen! Er muß sich mit der »Kleinen Hexe« wieder versöhnen, niemand sonst.
 
 

Kommentar von P. W. , verfaßt am 06.01.2013 um 10.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22273

Wie Focus online heute (6. Jan. 2013; www.focus.de) berichtet, folgt nun auch der Thienemann Verlag dem Verlag Friedrich Oetinger und schafft durch Zensur politisch korrekte Kinderbücher. Wieviele weitere Bücher als die im Thieneman Verlag gibt es wohl, in denen die Worte "Neger" oder "Zigeuner" vorkommen? Muß man diese nicht auch noch alle umschreiben und so der "sprachlichen Weiterentwicklung unterordnen", wie es der Verleger Willberg formuliert? Das wäre doch nach der Rechtschreibreform ein weiteres lukratives Konjunkturprogramm für die Buchbranche.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.01.2013 um 13.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22265

"Von den möglichen Tätern fehlte zunächst jede Spur."
(Mannheimer Morgen 5.1.13)

Der Satz ist typisch für die ängstliche Vermeidung klarer Bezeichnungen wie Täter, Mörder, Dieb, ... Es ist ja richtig, bei konkret Beschuldigten, z. B. vor Gericht, vorläufig nur von mutmaßlichen oder möglichen Tätern zu sprechen. Aber solange sie noch gesucht werden, hofft man doch die richtigen zu finden, man sucht nicht irgendwelche "möglichen Täter", sondern man sucht die Täter! Diese abschwächenden Adjektive werden aber wegen der allgemeinen Korrektheitsangst schon wie automatisch einfach jedesmal eingefügt, auch da, wo es gar keinen Anlaß gibt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.12.2012 um 23.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22187

In der griechischen Septuaginta heißt es immer "ho theos", "der Gott". (Im griechischen NeuenTestament heißt es immer "ho jesous", "der Jesus".) Weiß jemand, wie es im hebräischen Alten Testament heißt?
Beim Namen "Petrus" gibt es eine Verwechslung, denn Fels heißt griechisch "hä petra", und "ho petros" ist der Edelstein.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 22.12.2012 um 19.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22186

Zum Geschlecht Gottes: Das ganze Durcheinander kommt natürlich daher, daß Leute meinen, das grammatische Geschlecht eines Substantivs sage alles über das natürliche Geschlecht des damit Gemeinten aus. Bloß weil "mask./fem./neutr." die verwendeten grammatischen Bezeichnungen sind (und Gott sei Dank sind's nur drei), meinen einfache Meiner, daß sie damit alles gleich auch zur Biologie wüßten und dementsprechend mitreden könnten. — In irgendeiner Grammatik habe ich tatsächlich mal die Einteilung der Substanive nicht in "Geschlecht/gender", sondern in Gruppe 1, 2 und 3 gefunden (die Zahlenfolge übrigens bestimmt durch die Häufigkeit der entsprechenden Substantive).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.12.2012 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22185

Zu #22181:

Wird nicht umgekehrt ein Schuh draus? Sind nicht eher die Südseekönig-Sager Aus-Prinzip-nicht-Neger-Sager als die Negerkönig-Sager Aus-Prinzip-Neger-Sager? Und wie lautet das Prinzip? Doch wohl: Sage nichts, womit Du anecken könntest, egal wie du selbst dazu stehst.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.12.2012 um 11.57 Uhr  
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Kurz noch zu der Frage vom 18. 10.: Solche Vorgaben werden in den USA in der Regel durchgesetzt, indem man von ihrer Befolgung die Gewährung staatlicher Zuschüsse an die Hochschulen und ihre Studenten abhängig macht. Deshalb hat das konservative Hillsdale College in Michigan darauf verzichtet, solche Zuschüsse weiterhin in Anspruch zu nehmen. Das ist aber ein Einzelfall; alle anderen Hochschulen spuren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2012 um 10.57 Uhr  
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„Gottes Wort ist seit 500 Jahren immer wieder modernisiert worden. Den originalen frühneuhochdeutschen Luther-Text würden Protestanten genauso wenig verstehen wie die meisten Juden ihre hebräische Thora oder die meisten Muslime den arabischen Text der Korans.“

Merkt Heine nicht, wie er sich selbst ad absurdum führt? Die Juden und Muslime denken nicht daran, „Gottes Wort“ zu modernisieren. Luther bestand auf der Unverrückbarkeit des „Wortes“, unbeschadet der Verdeutschung für den jeweiligen „gemeinen Mann“ (= Laien). Heines Spiel mit dem Wort „original“ ist ein billiger Trick.
Auch Heines Hinweis auf Kästner ist verfehlt. Die neueren Ausgaben mögen den „Depositenkassenvorsteher“ (der noch in der Schweiz ganz normal ist) vereinfacht haben, weil die Kinder den Ausdruck nicht mehr verstehen. Allerdings haben sie schon zu Kästners Zeit nicht genau gewußt, was das ist, das ist ja gerade der Witz bei diesem pompösen Titel für einen unbedeutenden Job. Was Heine sonst noch über Sparkassen und Schalterhallen sagt, ist auch Quatsch. Die Terminals sind hinzugekommen, aber in der Haupthalle unserer Erlanger Sparkasse (einer der größten Bayerns übrigens) geht es noch ganz klassisch zu – Handtaschenräuber zahlen ihre Beute in bar ein usw.
Im übrigen ist es ein Unterschied, ob man Texte für die Jugend bearbeitet, weil Wörter nicht mehr verstanden werden, oder ob man sehr wohl verständliche Ausdrücke aus Gründen der Politischen Korrektheit herauszensiert.
Matthias Heine schreibt: „Ich akzeptiere doch, dass sich die Zeiten geändert haben.“ So ähnlich hat er auch schon seine Mitläuferei bei der Rechtschreibreform begründet. Wahrscheinlich fühlt er sich an der Spitze des Fortschritts. Er ist ein „Aus-Prinzip-ja-Sager“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2012 um 07.48 Uhr  
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In der "Welt" findet Matthias Heine, daß Frau Schöder "alles richtig gemacht" habe, womit er aber nicht das Geschlecht Gottes, sondern die Tilgung des "Negerkönigs" meint:

Diejenigen, die sich jetzt über Frau Schröder erregen, scheinen auch nicht zu wissen, dass in den neuesten "Pippi Langstrumpf"-Ausgaben, das Wort "Negerkönig" längst durch "Südseekönig" ersetzt ist, ohne dass dadurch ein künstlerischer Verlust eingetreten wäre. Woher auch? Die Aus-Prinzip-Neger-Sager lesen ihren Kindern nichts vor, und die Negerkuss-Nostalgiker sind längst aus dem Fortpflanzungsalter raus.

(Bezeichnenderweise setzte Heine auch bei der Rechtschreibreform schon auf die biologische Lösung: die alten Knacker wie Grass und Kempowski, die nichts Neues mehr lernen wollten, stürben ja sowieso bald aus.)

Doch, gerade wir Kritiker wissen, was der Verlag Oetinger angestellt hat, und hinsichtlich der künstlerischen Qualität sind wir ganz anderer Meinung. Heines Argumentation geht in Kürze so: Die Sprachgewohnheiten ändern sich, folglich muß auch die Literatur fortwährend umgeschrieben werden.

Zusätzlich führt er die Lutherbibel an, die aber kein gutes Beispiel ist. Denn dieser Text, der übrigens auch im Original immer noch verkauft wird, dient ja in der Kirche liturgischen Zwecken. Heine selbst ist es, der mit dem Kampfbegriff "heiliger Text" arbeitet, um das Beharren auf unverfälschten Werken lächerlich zu machen. Er denkt seinen Entwurf aber nicht zu Ende.

Heine schreibt auch: Alle vernünftigen Eltern lassen den "Negerkönig" weg. Alle! Außer den Aus-Prinzip-Neger-Sagern

Ich glaube eher, daß fast niemand den Negerkönig wegläßt, außer eben, wenn ihm die expurgierte Ausgabe den ursprünglichen Text vorenthält. Was macht Heine eigentlich mit Huckleberry Finn? Und warum sagt er nicht ganz offen, daß er uns andere für Rassisten hält? "Aus-Prinzip-Neger-Sager" ist doch bloß eine feige Umschreibung.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.12.2012 um 20.05 Uhr  
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Fehlt jetzt nur noch eine Debatte darüber, ob man sich Jehova beschnitten vorstellen muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2012 um 13.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22172

Nun zausen die Unionspolitiker gar noch ihre Parteigenossin Schröder wegen "das Gott"! Da wird sie wohl bald zu Kreuze kriechen müssen. Norbert Geis, der in solchen Dingen unfehlbar auf den Plan tritt, beharrt auch auf Gottvater. Fast möchte ich der feministischen Theologie zu Hilfe eilen. Mich geht es ja nichts an, aber Gott als ewiger Junggeselle, und dann auch noch "der liebe Gott", wie andere Unionspolitiker im Hinblick auf die Weihnachtszeit behaupten, das ist doch recht einfältig.
Schröder könnte, wenn sie es wüßte, auf die Tatsache hinweisen, daß "Gott" germanisch ein Neutrum war. Nach einer auch religionsgeschichtlich sehr einleuchtenden Erklärung der Indogermanisten handelt es sich um eine to-Ableitung zur Wurzel von "gießen" (*gheu-, sanskr. juhomi), also etwa "die begossene = beopferte Macht" oder so ähnlich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 20.12.2012 um 13.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22163

Ach Gottchen, der Negerkönig. Bezeichnenderweise ist aus ihm kein Schwarzenkönig oder Afrikanerkönig geworden, sondern ein Südseekönig. Warum? Das Heer der Wortwächter muß dunkle Haut für ein Zeichen von Minderwertigkeit halten, über die man als Weißer taktvoll zu schweigen habe. Die oktroyierte Farbenblindheit macht die Welt zwar weder weißer noch gerechter, aber dafür bleibt die Euphemistic treadmill immer hübsch in Gang.

In eine ähnliche Mühle ist das Wort Rassismus selbst geraten. Bezeichnete es einst die Anmaßung, andere Volksgruppen als die eigene für genetisch minderwertig oder gar schädlich zu erachten, so läßt es sich heute gegen jeden ins Feld führen, dem man die Benachteiligung eines anderen unterstellen möchte. Wenn der Postbote meinen Briefkasten mal wieder leer läßt, rufe ich neuerdings immer „Rassist!“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2012 um 03.55 Uhr  
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Man fragt sich, wer durch den Ausdruck Negerkönig eigentlich herabgesetzt werden könnte, außer allenfalls einem – Negerkönig. Aber es handelt sich doch um einen fiktionalen Zusammenhang in einem Kinderbuch, so daß die Situation vergleichbar ist mit jener Klage gegen die Verwendung des Wortes Altweibersommer, die von Gerichten mit Recht abgewiesen wurde, weil die Klägerin ja nicht einmal als altes Weib bezeichnet worden ist.
Kurzum: Die bloße Existenz eines Wortes im Wortschatz kann nicht diskriminierend sein, das kann nur die Anwendung auf einen konkreten Menschen.

Ich baue, wie man sieht, eine zurückgenommene Verteidigungslinie auf, indem ich zugestehe, daß man einen Schwarzen heutzutage nicht als Neger bezeichnen sollte, weil die Wortgeschichte nun mal so verlaufen ist. Demnach wurde jener Jurist mit Recht gerügt, als er einem schwarzen Angeklagten – oder war es ein Zeuge? – eine "Negersprache" zuschrieb. Aber selbst nach diesem Zugeständnis, dessen Notwendigkeit ich an dieser Stelle nicht diskutieren will, bleibt die Schrödersche Argumentation logisch falsch und beweist damit, daß es nicht um den Schutz von Menschen vor Diskriminierung geht, sondern nur um die Angeberei mit der eigenen Wohlgesinntheit.
Und genau deshalb geht es uns etwas an. Einzelne Fälle von diskriminierendem Verhalten mögen die Gerichte entscheiden, aber hier stehen ja wachsende Bereiche des Wortschatzes in Verdacht und in Gefahr, beseitigt zu werden.

Was das Expurgieren von Märchen usw. betrifft, so ist wieder einmal an Minister Schäuble erinnert worden, der anläßlich seiner "Islamkonferenz" bekannte, sein Islambild früher aus Karl May bezogen zu haben. Na und? Bedenklich wäre doch nur, wenn er dabei stehengeblieben wäre. "Anders lesen Knaben den Terenz ..." Was erwarten wir denn? Ich habe als Kind die ganze Bibel durchgelesen und mir meinen kindlichen Reim darauf gemacht. Auch lernten wir in der Schule, das Christentum sei von Missionaren und Märtyrern wie unserem Lokalhelden Bonifatius verbreitet worden, der Islam hingegen "mit Feuer und Schwert". Das hat mich nicht gehindert, meine Ansichten später zu korrigieren.

Warten wir ab, wie Schröders Erziehungsexperiment ausgeht. Solange sie es nicht in Gesetzesform bringt ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2012 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#22148

Familienministerin Kristina Schröder will beim Vorlesen Astrid Lindgren entsprechend korrigieren (ZEIT und weitere Berichte am 19.12.12). Auch ihre weiteren Äußerungen zur politischen Korrektheit zeigen, wie schlicht sie denkt. Was für Kinder sollen da heranwachsen, wenn sie nach Schröder und Benz erzogen werden – mit lauter korrekten Ansichten über die Welt? Lauter kleine Familienministerinnen und Antisemitismusforscher.

Übrigens behauptet der Kinderbuchverlag Oetinger, seine Zensur ganz im Sinne Astrid Lindgrens ausgeführt zu haben, die keine Vorurteile gehabt habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2012 um 06.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21733

Einblick in die wenig gelesenen Nutzungsbedingungen von Internetdiensten bestärkt mich in meiner Meinung, daß vermutete Empfindlichkeiten heute stärker geschützt werden als wirkliche. Man möchte sich auf keinen Fall Ärger einhandeln. So breitet sich eine neue Zensur aus. Wir werden uns noch wundern.

Die Fernsehteilnehmer, zu denen ich nicht gehöre, werden so mit "Informationen" zugedeckt, daß sie gar nicht merken, wieviel ihnen vorenthalten wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2012 um 07.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21689

Ich stelle mit einiger Überraschung fest, daß sowohl Personen als auch Institutionen besonders in den USA, aber neuerdings auch in Deutschland "Diversity Statements" (gelegentlich auch "Multicultural Statements") abgeben und ins Netz stellen. Weiß jemand, ob das in den USA schon vorgeschrieben ist? Oder ist es einfach die Voraussetzung, um an Geldmittel zu kommen?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.10.2012 um 00.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21650

»Jutta Rubach, Beratungsagentur Rubach PR: „Wählerinnen und Wähler erleben immer häufiger Politiker, die allzu perfekt und abgehoben wirken. Wenn Menschen nur noch überlegen, wie sie am besten 'politically correct' sind, verlieren sie an Format und Glaubwürdigkeit. Als Beratungsagentur erleben wir darum immer häufiger, dass handfeste, 'echte' Persönlichkeiten sehr gefragt sind – statt Phrasen und Worthülsen wollen viele heute Klartext hören. Auch in der Wirtschaft ist das angekommen: Unternehmen fragen bei uns nach RednerInnen, die zum Nachdenken anregen und die auch mal quer bürsten. Gerade bei Motivationsvorträgen sind Persönlichkeiten beliebt, die weg von den geschliffenen Sätzen ihre ungeschminkte Meinung wieder geben.“«

Quelle: bild.de, 06.10.2012

Aha, bei Politikern und Unternehmern ist es also angekommen, nur offenbar bei deren Beratern nicht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.10.2012 um 13.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21649

Da eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten: Man schildert z.B. einen ganz bösen Mafioso, und sämtliche Mafiosi stehen auf und protestieren, und die Polizei braucht sie nur noch einzusammeln.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 06.10.2012 um 11.40 Uhr  
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30 Millionen Sikhs sind viel, andererseits bei einer Weltbevölkerung von über 7 Milliarden wenig. Auch im Vereinigten Königreich beträgt ihr Anteil nur gut ein halbes Prozent. Man könnte also genauso gut argumentieren, daß hier nicht eine riesige Gruppe, sondern eine zarte Minderheit diffamiert wird.

Wenn man den Weltmaßstab heranzieht, kommen natürlich auch bei winzigen Prozentsätzen riesige Zahlen heraus. 30 Millionen Sikhs fühlen sich verunglimpft? So viele Exemplare hat Rowling bestimmt nicht verkauft, und ihre Leser werden nur zum geringsten Teil Sikhs gewesen sein (siehe oben). Von einem flächendeckenden Verkaufserfolg im indischen Punjab hat man nichts gehört.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2012 um 10.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21647

Die Empörungsbereitschaft ist inzwischen so hochgezüchtet, daß Rowlings neues Buch von Sikh-Funktionären angeprangert wird. Und warum?

In Rowling’s novel, a baptised female Sikh student character is derided by her friends for hair on her body. It has a character, Fats, describing his classmate Sukhvinder as “mustachioed, yet large-mammaried, scientists remain baffled by the contradictions of the hairy man-woman”. 

Man will gegebenenfalls den indischen Präsidenten Manmohan Singh beauftragen, bei der britischen Regierung vorstellig zu werden! Das ist zwar noch weit entfernt von Mordaufrufen, aber verrückt ist es auch.

In jedem Roman und jedem Theaterstück läßt sich jede Person irgendeinem Kollektiv zuordnen: Jungen, Alten, Frauen, Männern, Chinesen, Juden, Behinderten usw. Es wäre also gar nicht mehr möglich, irgendeinen Charakter mit negativen Zügen auszustatten (oder von anderen Figuren so darstellen zu lassen), ohne den Protest dieser Gruppen heraufzubeschwören.

"Die Sikhs, mit rund 30 Millionen Anhängern die fünftgrößte organisierte Glaubensgemeinschaft, fühlen sich in 'Ein plötzlicher Todesfall' verunglimpft."

Wirklich "die" Sikhs? Ich kenne hochgebildete Sikhs, die darüber nur lachen würden.

Eine ähnliche Bevormundung riesiger Gruppen durch wenige Schreihälse, die sich als ihre Fürsprecher aufspielen, gibt es ja auch bei uns. Für die Meinungs- und Pressefreiheit sind sie eine Gefahr.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.07.2012 um 21.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21064

In Süddeutschland legen die Orte, deren Namen auf "-sau" enden, größten Wert darauf, daß darin das Grundwort "au" von Aue steckt und das "s" ein Genitiv-s des Bestimmungswortes ist. Der Ortsname bezeichnet also die Gegend.
Bei Ortsnamen östlich der Elbe kommt die Endung "au" von der slawischen Genitiv-Plural-maskulin-Endung "-ow" oder "-ov" oder "-ova", welche die ursprünglichen Eigentümer oder Einwohner benannte. (Im Tschechischen wurde daraus das "-u mit Kringel".)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.07.2012 um 21.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21063

Und schließlich noch eine Eindeutschung der besonderen Art: Karl-Marx-Stadt statt Chemnitz . . .
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 13.07.2012 um 19.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21062

Ich sag ja, Material für mehr als eine Doktorarbeit. Allerlei Eindeutschungen gab es auch in Wilhelminischer Zeit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Inowraclaw in Hohensalza umbenannt, Spandow in Spandau und Montjoie in Monschau – einmal quer durchs Reich von Ost nach West. Und noch ein Tippfehler meinerseits (wahrscheinlich nicht der einzige): die polnische Version von Waldenburg ist Walbrzych.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.07.2012 um 19.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21060

Um einen Loriot-Ausspruch abzuwandeln: Die alleinige Nennung der heutigen Städtenamen ist ja völlig in Ordnung, wenn man gar nicht weiß, wie sie früher geheißen haben.

Mit der Eindeutschung slawischer Ortsnamen haben schon die Habsburger angefangen, während der polnischen Teilungen z.B. in Galizien, heute Teil der Ukraine. Im Habsburgerreich galt nur Ungarn als gleichberechtigt, die anderen Länder waren mehr oder weniger Kolonien, denen die deutsche Amtssprache aufgezwungen wurde. (Die Einführung einer serbokraotischen Gemeinsprache wurde sogar verboten.) Eigentlich ist es ein interessantes Feld, wer einem Ort ursprünglich den Namen gegeben hat.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 13.07.2012 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21058

"Buddhadharma" ist eine recht bizarre Bezeichnung. Man denkt eher an die Person Bodhidharma. Die korrekte Bezeichnung (wenn man schon pedantisch sein will) ist "Anatmanveda" = die Lehre, die den atman als wichtiges Konzept der klassischen Philosophie verneint.
Zu den Verrenkungen bei Ortsnamen jenseits der aktuellen deutschen Staatsgrenzen könnte man sich endlos auslassen. Da brechen sich Deutsche einen ab, die französische Aussprache eines deutschen Namens nachzuahmen (Saargemünd/Sarregemuines). Am rechten, saarländischen Ufer der Saar liegt der Ort Kleinblittersdorf. Gegenüber, auf der linken, lothringischen Seite liegt ein Ort mit dem kryptischen Namen "Grossbliederestroff". Wehe, es sagt einer "Großblittersdorf". Vor allem in Zeitungstexten wird es schon peinlich, wenn Namen auftauchen, die die Leute nicht einmal richtig schreiben, geschweige denn aussprechen können, wie bei Wroclaw mit gestrichenem l. Eine recht skurrile Regelung pflegt die junge welt: Orte, die irgenwann einmal deutsch waren (wie z.B. Breslau/Wroclaw), dürfen auf keinen Fall mit ihrem deutschen Namen bezeichnet werden, das könnte ja irgendwie revanchistisch sein. Orte, die nie deutsch waren, wie etwa Rom oder Neapel, dürfen dagegen deutsch benannt werden. Nicht nur, daß eine konsequente Anwendung umfassende historiographische Kenntnisse voraussetzt, die Ergebnisse wären überraschend. So war Warschau ja von 1795 bis 1806 preußisch, also quasi deutsch, dürfte also nur "Warszawa" genannt werden. Merkwürdig auch MIschformen, wie wenn von einem "Strasbourger Urteil" die Rede ist. Wie spricht man das? Übrigens bevorzugt diese Zeitung bei Orten im Baskenland die baskischen Namen vor den spanischen (also Donostia statt San Sebastian, Gernika statt Guernica etc.) Nebenbei: der bretonische Ortsname Kemper dürfte für den gewöhnlichen Deutschen ebenfalls viel einfacher sein als das französische Quimper.
Ein interessantes Thema, das wohl noch nicht wissenschaftlich untersucht wurde (obwohl es Material für mehr als eine Doktorarbeit böte), ist die Umbenennung der (ex-)deutschen Orte östlich der Oder-Neiße-Linie. 1945 mußten ja quasi über Nacht tausende polnischer Orts- und Flurnamen erfunden werden (ähnliches geschah auch in Südtirol, wo z.B. aus Waidbruck Ponte Gardena werden sollte). Ich kann fünf Hauptkategorien erkennen:
1. Einige Orte hatten von jeher deutsche und polnische Namen: Breslau ~ Wroclaw;
2. Viele slawische (nicht notwendigerweise polnische!) Namen brauchten nur dem polnischen Duktus angepaßt zu werden: Stargard –> Starogard;
3. Manchmal gab es einfache Lautanpassungen: Waldenburg –> Walbrych (wieder mit gestrichenem l);
4. Oft wurde ohne Rücksicht auf Verluste übersetzt: Hirschberg –> Jeleniya Góra, aber auch Guttstadt –> Dobre Miasto, noch lustiger Guttentag –> Dobre Dzen;
5. Vor allem im sowjetischen Nord-Ostpreußen wurden auch einfach völlig neue Namen erfunden: Königsberg –> Kaliningrad oder Tilsit –> Sowjetsk.
Bisweilen gibt es auch Mischformen, etwa Neustettin –> Szczecinek (rückübersetzt "Stettinchen"!).
Zu erwähnen wären natürlich auch kurz vorher erfolgte Umbenennungen der braunen Machthaber, nicht nur Lodz (was schon eine deutsche und eine polnische Variante kennt) in Litzmannstadt, auch recht albern Schloßberg statt Pilkallen (was das genaue Gegenstück auf Litauisch ist). Bemerkenswert auch, daß im Zusammenhang mit dem "Gustloff"-Film, der vor einiger Zeit in die Kinos kam, durchweg von "Gotenhafen" die Rede war anstatt Gdingen (polnisch Gdynia).
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.07.2012 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21054

Immanuel Kant lebte natürlich in Kaliningrad.
Wenn Städte in Siebenbürgen nur mit den heutigen, völlig anderen Namen genannt werden, weiß außer Fachleuten niemand, welche Stadt gemeint ist.
Manche heutige Ortsnamen sollen ausdrücklich die deutsche Vergangenheit vergessen machen. Bei slawischer Vorvergangenheit ist das noch vertretbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2012 um 11.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21053

Holenstein ist viel zu höflich, um so etwas auch von Ausländern zu verlangen.

Heute steht in der Süddeutschen ein interessanter Bericht aus Birma, und daraus erfahre ich, daß Aung San Suu Kyi, die durchaus die nächste Präsidentin werden könnte, ihr Land nicht Myanmar, sondern weiterhin Burma nennt. Eine harte Nuß für höfliche Deutsche oder Schweizer.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.07.2012 um 02.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21051

Holenstein extrapoliert eine Entwicklung, die zweifellos im Gange ist, wenngleich er weit vorgreift und Begriffsfelder einschließt, die kaum davon erfaßt sind. Das macht es kurios, ebenso wie die Verbindung von programmatischer Höflichkeit und fanatischer Rigorosität. Aber in Saarbrücken weisen längst Straßenschilder nach Sarreguemines, und aus Kanton ist fast im Handumdrehen Guangzhou geworden. Weltfremd ist es also keineswegs, was Holenstein propagiert.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 12.07.2012 um 23.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21050

Wenn ich an die Bände der Reihe "Bibliothek der Antike" (Römische Reihe und Griechische Reihe) des Aufbau-Verlags denke, dann habe ich vielmehr den Eindruck, daß "v. u. Z." die offizielle (oder doch zumindest offiziöse) Abkürzung der DDR war, um das "Opium des Volks" in "v. Chr." zu vermeiden.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.07.2012 um 23.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21049

Russische Namen, die auf -ski enden, sind der Wortart nach Adjektive und im Singular maskulinum wissenschaftlich buchstabengerecht mit "-skij" zu transliterieren.

Muslimische Schriftsteller benutzen die Bezeichnung (in deutscher Übersetzung) "v. u. Z." (vor unserer Zeitrechnung) und "u. Z." (unserer Zeitrechnung), wobei sie nicht die muslimischen Jahreszahlen meinen, die 622 u. Z. beginnen..
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 12.07.2012 um 22.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21048

Verlangt Holenstein von Briten/Amerikanern, Franzosen und Polen, die Deutschen nicht Germanen, Alemannen und Stumme zu nennen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2012 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#21047

Eine besondere Spielart der Politischen Korrektheit ist die von Elmar Holenstein eingeführte „Cultural Politeness“. Ihr widmet er ein Kapitel in seinem originellen „Philosophie-Atlas“ (2. Aufl. Zürich 2004) und einen weiteren Abschnitt der Einführung (S. 23). Auch in anderen Arbeiten hat er sich dazu geäußert. Personen, Völker, Orte usw. werden grundsätzlich in den Sprachen der Fremden selbst benannt (Eigenbezeichnungen). [Ich muß im folgenden die Längenzeichen verändern, sonst lassen sie sich nicht wiedergeben.]

Indien heißt Bhârat, Ägypten Misr oder Kemet, Japan Nihon, China Zhongguo, Korea Han'guk usw. Andere Orts- und Ländernamen sind noch erkennbar, aber mehr oder weniger verfremdet, ich zitiere mit abnehmender Kenntlichkeit: Sovietunion, Moskva, Sankt-Peterburg, Roma, Athênai, Sofiia, Konstantinupolis, Rostov-na-Donu, Makka und Madîna, Bayrût (in al-Lubnân = Phönikien), Mogadiisho, Madagasikara, Marrâkush, Qazaqstan, Îtyop‘ya (Äthiopien), al-Qâhira (Kairo). Die Südspitze Afrikas heißt Cabo da Boa Esperança. (Hier ist besonders schwer einzusehen, warum die portugiesische Bezeichnung der außereuropäischen Örtlichkeit höflicher sein soll als die deutsche.) Die nördlichen Nachbarn der Chinesen waren die gefürchteten Xiongnu (106), besser bekannt als Hunnen. (Xiongnu ist eine Fremdbezeichnung ...)

Es sind mehrere Sonderzeichen erforderlich. Die Transkription – es wird stets die fachsprachliche gewählt, nicht eine bereits vorhandene volkstümliche - ist aber keine Gewähr für korrekte Aussprache. Die Höflichkeit geht nicht so weit, sich auch der chinesischen Töne zu befleißigen; auch Akzentzeichen sind weggelassen. Bei indischen Wörtern wird nicht verlangt, behauchte Medien von unbehauchten auch in der Aussprache zu unterscheiden. Diese Beschränkung auf die Schrift ist überraschend inkonsequent. Schopenhauer las die Upanishadas (126, ebenso 98), mit Sanskrit-Plural, aber in merkwürdiger Umschrift.

Hegel kannte keine Kollegen in India (126) – (vielleicht weil Indien damals, schlimm genug, englisch beherrscht war?). Dostoevskii ist für den deutschen Leser keine hilfreiche Transliteration. Die Goldene Horde wird zur „Goldenen Orda“ in Anführungszeichen oder zur Altin [ohne i-Punkt] Ordu bzw. Zolotaia Orda. Guilelmus Ockham ist zum Glück unter Ockham zu finden.

Holenstein erwähnt die letzte Teilung von Polska (120); er spricht von seinem Schweizer Landsmann Rousseau aus Genève (116), als ob Genf in einem deutschen Text unhöflich wäre.

Ob die Betroffenen - soweit sie noch existieren - überhaupt einverstanden sind und all dies tatsächlich als höflicher empfinden, ist offen. Ich selbst habe noch nie einen Chinesen oder Inder getroffen, der sich durch die allgemein üblichen Bezeichnungen gekränkt gezeigt hätte. Im Gegenteil: alle benutzen diese Bezeichnungen selbst. Hinayâna (das i müßte lang sein, es gibt ähnliche Versehen) soll durch Theravâda ersetzt werden. In der Literatur sind beide Bezeichnungen gang und gäbe, ohne erkennbare diskriminierende Absicht oder Wirkung. (Der Gegenbegriff Mahâyâna wird ohne Kommentar gebraucht.) Ist griechisch tatsächlich unhöflicher als hellenisch? Indoeuropäisch hat zwar indogermanisch weitgehend ersetzt, aber nicht weil es höflicher wäre, und die Höflichkeit hätte hier auch keinen Adressaten. „Unter Sprachwissenschaftlern ist es seit längerem üblich, statt von semitischen oder hamitosemitischen von afroasiatischen Sprachen zu reden.“ (31) Ich habe gerade eine Dissertion zu semitischen Sprachen begutachtet. Statt Arier soll man Aryer schreiben, und natürlich nicht vor Christus, sondern vor dem Wechsel der Zeitrechnung. (Welcher Zeitrechnung? Doch wohl der christlichen.) So wird denn auch die Geburt der Personen mit dem üblichen Sternchen gekennzeichnet, der Tod aber nicht mit dem (christlichen) Kreuz, sondern einem neutralen Kringel.

„die Nîl-Âmû Daryâ-Region (in alteuropäischer Ausdrucksweise der Orient)“(30). Mit der Vermeidung des Wortes Orient ist zwar die eurozentrische Perspektive (der „aufgehenden Sonne“) aufgehoben, aber die Lokalisierung eines Kulturraumes zwischen Nil und Oxos schließt natürlich auch wieder gewisse Urteile ein. Warum Mesoamérica besonders höflich sein soll, ist schwer einzusehen.

Ableitungen auf -ismus und -ei werden ersetzt, weil sie angeblich abschätzig klingen, daher Buddhadharma statt Buddhismus, Türkiye statt Türkei. Holenstein schreibt buddhaitisch, daotisch, hinduitisch.
Dabei unterläuft der Fehler, Kosmopolitismus und kosmopolitisch durch Geopolitik und geopolitisch zu ersetzen, die bereits eine andere Bedeutung haben. Kosmopolitisch bedeutet weltbürgerlich und ist von polites „Bürger“ abgeleitet, nicht direkt von polis, Politik usw. - Holensteins Argument ist hier, Kosmos bedeute Weltall und sei zu großspurig. Von Höflichkeit könnte hier allenfalls gegenüber Marsmenschen die Rede sein; außerdem setzt sich Holenstein über die herkömmliche Bedeutung von Welt hinweg, genauer: über eine der herkömmlichen Bedeutungen. Was hat sich Diogenes gedacht, als er sich als erster Mensch Kosmopolites nannte?

Holenstein bezichtigt implizit den größten Teil seiner Zeitgenossen und Kollegen eines unhöflichen „alteuropäischen“ Sprachgebrauchs. Dabei betrifft die Vermeidung aber nicht nur und sogar in den seltensten Fällen Namen, die man ihrem Ursprung nach oder in empfindsamer Deutung ihres buchstäblichen Sinnes als irgendwie herabsetzend ansehen könnte (Zigeuner z. B. wird von ihm anstandslos benutzt). Vielmehr ist es die bloße Tatsache, daß die deutsche Sprache (wie übrigens alle Sprachen) in ihrem Bestand auch Wörter und Namen für nichtdeutsche Personen, Orte und Kulturerscheinungen enthält, die ihm ungehörig erscheinen.

Unmittelbare Folge seines Verfahrens ist aber, daß man die Dinge nicht mehr so leicht findet und ständig durch die skurrile Nomenklatur abgelenkt wird. Sie hat bis heute bei keinem anderen Autor Nachfolge gefunden, ist also gewissermaßen eine ganz persönliche Mimikry geblieben.

Elmar Holenstein ist ein höflicher Mensch, und er ist auch kein Eiferer, der sich in den Dienst einer verordneten Sprachregelung spannen ließe. Seine Arbeiten zur interkulturellen Verständigung sind sehr lesenswert. Aber er legt sich – und seinen Lesern – hier ein unnötiges Hindernis in den Weg. Ich finde, wir können etwas daraus lernen. "Man hofft zu viel von guten und fürchtet zu viel von schlechten Wörtern."(Lichtenberg)

 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 24.06.2012 um 05.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#20933

Was früher CMT-Stoffe waren (C = cancerogen, M = mutagen, T = teratogen), sind heute CMR-Stoffe (R = reproduktionstoxisch). Die Bezeichnung reproduktionstoxisch ist so umständlich, daß sogleich die Kurzform reprotoxisch entstanden ist. Reproduktionstoxizität ist durchaus exakter als Teratogenität, denn eine Schädigung der Keimzellen zeigt sich nicht unbedingt in einer mißratenen Frucht (griech. téras = "Ungeheuer"), auch verminderte Fruchtbarkeit kann die Folge sein. Deshalb ist nicht klar, ob sprachliche Bedenken bei der Umbenennung mitgewirkt haben oder ausschlaggebend waren.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 06.06.2012 um 23.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#20843

Ich füge lieber noch hinzu, daß auch die (sparsame) Interpunktion im Zitat von mir stammt. Ich müßte noch den Rest des Satzes ergänzen und mir dann überlegen, wie die Kommata zu setzen wären.

Eigentlich gehört das Zitat in die "Landsmann"-Diskussion, die wir hier ja auch schon hatten (vgl. hier).
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 06.06.2012 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#20842

Lieber Herr Ludwig,

der Fehler geht auf meine Kappe, der Prinz wird es schon richtig als "countrymen" geschrieben haben. Ich habe wohl einmal zuviel auf die Leertaste getippt, aber ich habe den Text auch nach Gehör verschriftet, da es wohl keine schriftliche Fassung gibt, die man einsehen kann. Bitte sehen Sie mir den Tippfehler daher nach.

Aber politisch korrekt hätte er dann noch die 'countrywomen' hinzufügen müssen, daran ändert sich nichts.

Übrigens gibt es in der Aussprache – zumindest im Mutterland, für die Kolonien kann ich nichts sagen – keinen Unterschied zwischen dem Singular "man" und dem Plural "men".
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 06.06.2012 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#20841

In "fellow country men and women" wäre die Aussprache von "men" eine ganz andere als in "Friends, Romans, countrymen". (Bei den verschieden ausgesprochenen "man/men" handelt es sich also um verschiedene Wörter! [Harold Allen in einem Seminar]) Im zitierten Satz hilft es natürlich nicht, daß es fürs Englische keine klare "Regelung" für die Verschriftung von durch Substantive erweiterte Substantive gibt (etwas, was unsre Reformierenden ohne weiteres Durchdenken der damit verbundenen Problematik auch ins Deutsche übertragen wollen und womit sie ein ganz schönes Durcheinander angerichtet haben). Es wäre interessant zu sehen, wie's der Prinz hier einfach mit der Hand geschrieben hätte/hatte. Auch Merkel soll ja für sich selbst anders schreiben als sie es so gedankenlos den Schulkindern vorschreibt.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 06.06.2012 um 13.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#20838

Als Staatsoberhaupt steht die englische Königin an der Spitze ihrer Untertanen – seien diese nun männlich oder weiblich. Das weiß sie, und das weiß natürlich auch ihr Sohn, ganz egal, ob er nun jemals selbst König sein wird oder nicht.

Republikaner haben es – anders als im Jahr 1997 – in den Tagen des Diamantenen Thronjubiläums besonders schwer in Großbritannien. Aber nicht einmal eingefleischte Gegner der Monarchie würden wohl Anstoß an der Formulierung von Charles nehmen, als er seiner Mutter ("Mummy") am Ende des Konzertes zu ihren Ehren dankte: "[...] and for making us proud to be British, proud at a time when I know how many of our fellow country men are suffering such hardship and difficulties [...]"

Die komplette Rede – mit allem patriotischem Pomp, aber auch britischer Selbstironie – ist hier: www.youtube.com/watch?v=8yXGZZVsj88

Natürlich weiß er, daß die Wirtschaftskrise nicht nur Männer, sondern auch Frauen trifft. Oder liegt es etwa am patriotischen Überschwang seiner Worte, daß an dieser Stelle 'fellow country men and women' schlicht zuviel des Guten wäre?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2012 um 09.58 Uhr  
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Richard Dawkins hat in seinem Buch "The greatest show on earth" eine längere Fußnote, in der er darlegt, warum er als Englischsprecher keinen Grund sieht, Beijing, Mumbai usw. zu schreiben. Anlaß ist natürlich der "Peking-Mensch", die Anmerkung ist aber von allgemeinem Interesse.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2012 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#20463

Die FAZ hat wie andere Zeitungen einen Welt-Wetterbericht. Die großen Städte sind alphabetisch geordnet. Mumbai steht zwischen Bangkok und Colombo...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2011 um 13.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#19512

In Berlin gibt es eine Ausstellung zur Gegenwartskunst der Zigeuner: „Aspects of Roma Life in Contemporary Art“. Der Bericht darüber in der SZ vom 16.11.11 wechselt ständig zwischen Sinti und Roma, Roma, Sinti, so daß die Lektüre schwer und manches wohl geradezu falsch wiedergegeben wird. Nur in Zitaten, etwa aus Herta Müllers Rede, wird einfach Zigeuner gesagt.
Es wird beklagt, daß die Zigeuner-Herkunft von Stars wie Yul Brynner gar nicht bekannt ist. Aber warum sollte das jemanden interessieren? Muß man bei jedem Menschen hinzufügen, welche Ahnenreihe er aufzuweisen hat?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2011 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#19401

In den Medien ist zu lesen, daß eine amerikanische Schauspielerin den Papst als Nazi bezeichnet habe. Vielleicht hat sie eine Meldung über den Hitlerjungen Ratzinger mißverstanden. So weit, so blöd. Was mich aber wundert: »Die jüdische Anti-Defamation League hat die US-Schauspielerin Susan Sarandon aufgefordert, sich für eine Bezeichnung Papst Benedikts XVI. als „Nazi“ zu entschuldigen. Der Direktor des Verbands, Abraham Foxman, nannte den Vergleich „befremdlich, zutiefst beleidigend und völlig unangebracht“. Sarandon möge ihre Differenzen mit der katholischen Kirche haben, erklärte Foxman am Montag (Ortszeit) in New York. „Das ist aber keine Entschuldigung, mit Nazi-Vergleichen um sich zu werfen.“ Derartige Äußerungen seien rachsüchtig und dienten lediglich dazu, „die wahre Geschichte und Bedeutung des Holocaust zu herabzustufen“, so Foxman.«
Das ist sonderbar. Beleidigt wurde doch allenfalls der Papst, nicht die Juden. Sonst würde jeder Nazivergleich die Juden beleidigen. Die Anti-Defamation League müßte also in der ganzen Welt darüber wachen, daß niemand Nazivergleiche anstellt. Wobei es in diesem Fall nicht nur ein Vergleich wäre, sondern die Klassifikation Benedikts als Nazi. Man dürfte also auch niemanden direkt als Nazi oder Neonazi bezeichnen, selbst wenn er einer ist. Das kann doch nicht im Sinne der Juden sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2011 um 16.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#18487

In der "Jüdischen Allgemeinen" nahmen vor einigen Jahren Rafael Seligman und Wolfgang Benz zu der Frage Stellung, ob "Mein Kampf" neu gedruckt werden sollte. Meiner Ansicht nach hat Seligman (pro) bessere Argumente als Benz (contra). Beide weisen darauf hin, daß man den Text sowieso leicht herunterladen kann. Aber nun der Schluß von Benz' Plädoyer:
Tatsache ist: Aus dem Buch Mein Kampf ist nichts mehr zu lernen. Es enthält keine ungelüfteten Geheimnisse und es löst keine Rätsel. Aber es ist unendlich bösartig und es ist unendlich langweilig. Sind das Gründe für eine historisch-kritische Edition oder einen banalen Neudruck?
Das ist doch merkwürdig. Niemand hat doch den Wunsch nach einer Neuausgabe damit begründet, daß das Buch bösartig und langweilig sei. Vielmehr sind sich alle einig, daß es ein wichtiges Dokument ist, und genau deshalb wird es in jedem Geschichtsbuch erwähnt. In der Schule sehen sich unsere Kinder Reden von Hitler und Goebbels an, Reichsparteitage usw. – und ausgerechnet dieses aufschlußreiche Buch soll man nicht lesen, weil es "langweilig" ist? Eine Gefahr geht auch nach Benz nicht von dem Buch aus – was immerhin noch so etwas wie ein Gedanke wäre.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.04.2011 um 15.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#18447

Über Diktatoren sind regelmäßig dolle Geschichten im Umlauf, die deshalb noch lange nicht wahr sein müssen. Idi Amin hat sich wahrscheinlich so wenig von Menschen ernährt wie Hitler von Teppichen.
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 07.04.2011 um 16.57 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#18444

Eine Bekannte aus Französisch-Kongo erzählte mir, es gäbe in Brazzaville Restaurants, auf deren Speisekarten Spezialitäten zu finden seien, wie "Filet" oder "escaloppe de missionnaire". Was das auf dem Teller dann ist, konnte sie mir auch nicht sagen, oder ich habe es vergessen. Man denkt dabei an Karikaturen aus grauer Vorzeit, die Missionare mit Tropenhelm in einem Kupferkessel mit kochendem Wasser stehend und blöde guckend auf einem Holzfeuer zeigten, um das großäugige Neger versammelt sind, denen offensichtlich das Wasser in ihren großlippigen Mündern zusammenläuft. Darüber lachen die Afrikaner, die wohl mehr Humor haben, als unsere Korrektheitsapostel.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 07.04.2011 um 03.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#18442

Wie man liest, regen sich die Leute vor allem über das Kleingedruckte auf: "Abbildung nur Serviervorschlag." Man muß also erst mal auf die Idee kommen, daß damit nicht der Kuchen gemeint sein könnte, sondern das Kind. Es sieht so aus, als hätte der Bäcker an ein noch viel finsteres Tabu gerührt als jenes, das Neger mit der Farbe Schwarz, mit Kakao oder mit Schokolade in Verbindung zu bringen verbietet – nämlich an das Kannibalismustabu.

Daß die Menschenfresserei in Schwarzafrika noch immer nicht ganz aus der Mode gekommen ist, haben zuletzt die einschlägigen Funde in den Tiefkühltruhen von Kaiser Bokassa und Idi Amin Dada nach ihrer Entmachtung einem breiteren Publikum vor Augen geführt. Aber es geht da nicht nur um ein Privileg der hohen Herren.

Vor einiger Zeit wurde ich in einem französischen Restaurant unfreiwillig Zeuge des Gesprächs zweier deutscher Geschäftsleute, die angesichts der vermeintlich rein frankophonen Umgebung kein Blatt vor den Mund nahmen. Einer von ihnen, er handelte mit Tropenhölzern, erzählte, wie er von seinem Hotelzimmer aus einen Söldnerhaufen bei der Einnahme der Abendmahlzeit beobachtete. Der Hauptbestandteil seien gegrillte Kinderarme gewesen. "Das war kein Spaß mehr", lautete seine Begründung dafür, daß er sich nach diesem Erlebnis aus dem afrikanischen Geschäft zurückgezogen habe.

Frappierend für mich war die Erfahrung, etwas als real bestätigt zu bekommen, was ich bis dahin als literarische Fiktion (wie etwa in Célines "Reise ans Ende der Nacht") abzutun geneigt war. Noch frappierender freilich ist die Wahrnehmung, daß Leute, die weder von Bokassa noch von Idi Amin (von Céline gar nicht zu reden) je etwas gehört haben, offensichtlich genau wissen, worum es geht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2011 um 16.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#18441

In Werbeprospekten für Kinderkleidung ist es üblich, mindestens ein schwarzes Fotomodelchen erscheinen zu lassen. Diese Ausgewogenheit paßt zwar eigentlich besser auf die USA, denn bei uns gibt es verhältnismäßig wenige Schwarze, aber man will ja politisch korrekt sein und Minderheiten "sichtbar machen". Wirbt aber ein Bäckerbetrieb mit einem süßen Negerkind für Schokoschnitten, so bekommt er Ärger, wie jetzt in Sachsen.
Der Kakao für die Schnitten kommt meist von der gebeutelten Elfenbeinküste. Dort leben fast nur Schwarze, aber das kann man auch wieder nicht zeigen, eben wegen des Kakaos. Es ist wirklich nicht leicht, tugendhaft zu sein.
(Der namibische Bäckereiangestellte, dessen Tochter auf dem Foto zu sehen ist, scheint sich übrigens nicht weiter aufgeregt zu haben. Warum auch?)
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 28.02.2011 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#18231

"Nach der orthographischen wird nun die antirassistische Büchervernichtung über die Leihbüchereien hereinberechen, teilweise ist es schon geschehen."
Das befürchte ich auch. Gestern sehr spät abends - ich glaube im ZDF - ging es zwar nicht um Bücher, aber man konnte die selbstauferlegte Sprachregelung des Moderators sehen und hören. Er wollte das Wort "Migrant" (das er zu Recht nicht schön fand) vermeiden, als er das Wort an eine türkische Abiturientin richtete; so schnell fiel ihm aber nichts ein, also wurde daraus: "Wie war denn nun das Verhältnis in der Schule zwischen denen äh so wie Ihnen und äh den anderen?" (Ich zitiere sinngemäß.) Es liegt ein eigenartiger Rassismus gerade im Vermeiden der Begriffe, die Nationen oder Ethnien bezeichnen. Ich wäre aber keineswegs beleidigt, wenn man mich im Ausland zutreffend als Deutsche oder, sollte ich dauerhaft emigiert sein, als Bürgerin deutscher Herkunft bezeichnete.
Beim Säubern der Bücher muß man übrigens stark in die deutsche Literatur eingreifen. In Gottfried Kellers "Kleider machen Leute" sagt der Schwiegervater in spe zum vermeintlichen Grafen: "Nun, Gott sei Dank, ist ein polnischer Graf da aus wildester Ferne! Nehmen Sie die Gans, Herr Graf, und schicken Sie mir dieselbe wieder, wenn sie in Ihrer Polackei friert und einst unglücklich wird und heult! ..."
"Wildeste Ferne", "Polackei", können das die Wächter ertragen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2011 um 09.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#18228

Was Benz besonders aufregt: Pippi behauptet, "dass es im Kongo keinen einzigen Menschen gibt, der die Wahrheit sagt. Sie lügen den ganzen Tag."
Eine wahrhaft philosophische Stelle. Pippi lügt ja selbst ständig, ist also die Verkörperung des berühmten "Kreters". (Einer meiner Doktoranden war übrigens Kreter, einer der sympathischsten Menschen, denen ich je begegnet bin, und seine Dissertation hat er Wort für Wort selbst erarbeitet ...)
Und den kategorischen Imperativ könnte man auch bemühen: Wie können die Kongolesen überhaupt ihr Kongolesisch lernen, wenn jeder ständig lügt, also auch die Mütter beim Benennen der Dinge? Mit der Wahrheit hebt sich auch die Lüge auf.
Und dieser Tiefsinn soll gestrichen werden? Das will jedenfalls Herr Ilunga aus dem Kongo erreichen, Mitglied im Bonner Integrationsrat. Er hat mächtige Fürsprecher. Nach der orthographischen wird nun die antirassistische Büchervernichtung über die Leihbüchereien hereinberechen, teilweise ist es schon geschehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2011 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#18170

SZ 22.2.11 berichtet: In der Internationalen Jugendbibliothek stellte Wolfgang Benz sein neues Buch vor: „Vorurteile in der Kinder- und Jugendliteratur“. Dabei ging er auch wieder auf Pippi Langstrumpf ein und kritisierte, daß Lindgren Pippis Vater als Negerkönig leben läßt:
Frage: „Meinen Sie wirklich, Kinder, die sich mit dem unkonventionellen Mädchen identifizieren, könnten aus dem Negerkönig Ressentiments gegen Fremde ableiten?
Benz: Auf den ersten Blick nicht. Wenn aber im Unterbewusstsein transportiert wird: Negerkönig ist nicht so wichtig wie richtiger König, könnte sich das durchaus verfestigen. Warum muss das Buch in der Kolonialgeschichte angesiedelt sein, mit den üblichen Konnotationen an Herrenmenschentum und Ungleichheit? Man könnte den Vater doch auch in Schweden leben lassen.“

Freilich, man könnte auch Pippi selbst weniger ungleich darstellen ...

Das soll „Forschung“ sein? Jeder weiß doch, was man tun müßte, um herauszufinden, ob Lindgren-Leser sich rassistischer verhalten als Nichtleser. Benz forscht aber nicht; er weiß sowieso schon alles. Wenn man so eindeutig auf der Seite des Guten steht, genügt der bloße Verdacht.

An Schlinks „Vorleser“, Pflichtlektüre in Schulen, kritisiert er, daß die Jugendlichen sich für die erotische Seite interessieren und nicht hinreichend über den Nationalsozialismus aufgeklärt werden. Usw.

Übrigens bringt Benz Pippis Negerkönig mit unserem Afrikabild in Verbindung, während andere bemängelt haben, daß der Negerkönig unkorrekterweise in der „Südsee“ residiert ...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 03.02.2011 um 19.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#17950

Der Begriff "Serbokroatische Sprachfamilie" ist weiterhin zulässig, auch wenn er jetzt durch "BKS" (Bosnisch, Kroatisch, Serbisch) ersetzt wird. Eine einheitliche "Serbokroatische Sprache" war der Wunschtraum Tito-Jugoslawiens, aber es ist strittig, ob es sie wirklich gab.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2011 um 12.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#17948

Laut Wahrig, Fehlerfreies und gutes Deutsch (2004) gehört "serbokroatisch" zu den "Bezeichnungen, die politisch und sozial belastet sind und auf keinen Fall verwendet werden dürfen".
Was soll ich nun mit meinem "Lehrbuch der serbokroatischen Sprache" (von Alois Schmaus, 8. Auflage) machen? Überhaupt: Was gehen mich die nationalistischen Aufwallungen anderer Völker an? Ich habe mich oft mit serbischen, kroatischen und bosnischen Studenten unterhalten und mir sprachliche Einzelheiten erklären lassen. Von der Rigorisität des Wahrig-Verbots war nie etwas zu spüren. Deshalb möchte ich das Ganze unter "Tyrannei des Vermeintlichen" einordnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2011 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#17731

Beim Wort "Schwanz" kichern alle Schüler, in jedwedem Zusammenhang. Damit muß jeder Lehrer fertigwerden. Zu Hilfe kommt ihm, daß das Sexuelle insgesamt durch seine Allgegenwart an Reiz verloren hat. Anders gesagt: die frühere Überspanntheit der Pubertierenden in dieser Hinsicht dürfte geringer geworden sein. Ich erinnere mich, wie ich anläßlich eines Wohnungswechsels von einer freundlich-lockeren Koedukationsschule in ein reines Jungengymnasium wechselte und unter der zotigen Atmosphäre litt. Das Lauern auf Zweideutigkeiten gehört vielleicht zu dieser Altersstufe, aber man kann es mildern.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 06.01.2011 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#17729

Auf eine enge Verwandtschaft zwischen politischer Korrektheit und Zote deutet ein Artikel im Kölner "Express" hin. Der Verfasser, der das Wort Schwanz für obsolet erklärt und durch Schweif ersetzt sehen möchte, bedient seine eigene schmuddelige Phantasie (und die seiner Leser), indem er den mit ihr einhergehenden Schamreflex als verbindlich voraussetzt: www.express.de.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2010 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#17348

Übrigens ist das umfangreiche Kapitel über Political correctness in Dieter E. Zimmers Buch "Deutsch und anders" sehr gut, vor allem weil er ein ausgezeichneter Kenner der amerikanischen Verhältnisse ist.
Was die deutschen betrifft, so hielt er damals (1996) die "Schirmfrauschaft" einer rheinland-pfälzischen Ministerin für eine singuläre Torheit, aber wie wir wissen, ist das in den folgenden Jahren mehr als einmal anzutreffen gewesen und immer noch nicht ausgestorben.
Daß unser Genussystem mit dem generischen Maskulinum uralte männerdominierte gesellschaftliche Verhältnisse transportiere und daß dies der Preis sei, den wir heute für die Ökonomie einer neutralisierenden Ausdrucksweise zu entrichten hätten, scheint mir nicht sicher. Der Ursprung des Genus liegt im dunkeln, meist wird aber heute angenommen, daß Sexus erst später übergestülpt wurde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2010 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#17337

Sowohl bei der feministischen Sprachregelung als auch bei der Umbenennung der Zigeuner müßte man eigentlich fragen, was es den Betroffenen gebracht hat. Aber wie schon gesagt, Effizienzfragen sind hier praktisch tabu. Zur Not könnte man immer noch sagen, die Menschen seien "sensiblisiert" worden, was allerdings nicht nachweisbar ist und wofür man sich auch nichts kaufen kann. Eher wäre die Vermutung gerechtfertigt, daß zwar eine gewisse Empfindlichkeit erzeugt worden ist, aber womöglich in unerwünschter Richtung. Das Verhältnis der Mehrheitsgesellschaft zu den Zigeunern könnte getrübt sein durch das ständige Bewußtsein, daß man sie ja nicht so nennen dürfe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2010 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#17336

In einem recht informativen Bericht der heutigen Süddeutschen Zeitung stellt Michael Frank dar, daß die Zigeuner außerhalb von Deutschland und Österreich durchaus als solche bezeichnet werden und sich auch selbst so nennen. Dann paßt er sich der hiesigen PC an und spricht nur noch von Roma.
Was einige Verbandsfunktionäre durchgedrückt haben, entspricht nicht immer der Meinung der von ihnen angeblich Vertretenen, das haben wir ja auch bei der vermeintlichen Akzeptanz der Rechtschreibreform bei Lehrern usw. gesehen.
 
 

Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 12.11.2010 um 11.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#17137

In diesem Zusammenhang fällt mir gerade auf, daß hier in Hessen gerade Wahlen zum "Ausländer-Beirat" anstehen. Da es sich bei den Wahlberechtigten offensichtlich nicht um Ausländer handelt, die sich gerade zufällig hier zu Besuch oder zum Urlaub aufhalten, sondern um ausländische Mitbürger, die ständig hier leben (pc: Menschen mit "Migrationshintergrund"), sollte sich die Politik für diesen Beirat wohl so langsam einen anderen Namen einfallen lassen. Womöglich sollte sie hier gar eine Priorität setzen, noch vor der Abschaffung des Wortes "Chinese".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2010 um 10.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#17136

Wiki hat einen mit Recht als "exzellent" ausgezeichneten Artikel über das Kinderlied "Drei Chinesen mit dem Kontrabaß".
Gegen Ende wird angedeutet, daß selbst diesem Text die politische Korrektheit abgesprochen werden könnte. Ich habe dazu einen PDS-Beitrag gefunden, der alle Unkorrekten so richtig in die Pfanne haut, von Pippi Langstrumpf bis zum Sarottimohren. Zitat:
"Auffällig ist die Konzentration von Unterhaltung auf Kosten von Fremden in den Kindermedien, zum Beispiel in den Kinderliedern »Drei Chinesen mit dem Kontrabass«."

Nun ist es ja nicht ehrenrührig, Kontrabaß zu spielen und sich was zu erzählen, sei es auch mitten auf der Straße. Deshalb stellt sich die Frage, warum dieses Lied so schlimm ist. Ich vemute, daß es die Erwähnung der Chinesen an sich ist. Allmählich wird jede Erwähnung irgendeiner Gruppenzugehörigkeit als herabsetzend empfunden. Zigeuner waren erst der Anfang. Es ist durchaus möglich, daß bald nach einem Ersatzwort für "Chinese" gesucht werden muß, wie ja nach Duden auch "Jude" zu vermeiden ist, trotz fortdauernder Selbstbezeichnung. (Die Verwendung der Selbstbezeichnung kann diskriminierend sein, wie wir an "Russki" – in welcher Schreibweise auch immer – gesehen haben.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2010 um 18.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#16381

"Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt." (www.gender-mainstreaming.net)

Es gibt keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit? Da war Gorgias schon weiter. Er verfaßte eine Schrift "Über die Welt oder das Nichtseiende" und bewies messerscharf, daß es überhaupt nichts gibt.
Übrigens war er gendermäßig ok, wie seine Verteidigung der Helena zeigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2010 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15802

Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf schimpft auf Pläne, eine Münchner Straße nach Katharina von Bora zu benennen (statt nach Bischof Meiser wie bisher). „Weil man politisch korrekt sein will, spricht man landeskirchlicherseits gern von 'jüdischen Mitbürgern'. Warum nicht einfach deutsche Bürger?“ (Süddeutsche Zeitung 5.3.10)

Aber das ist nicht dasselbe wie „Juden“. Wenn man z. B. die Zahl der Juden mit der Zahl der Christen in Deutschland vergleicht, kann man erstere nicht einfach als "deutsche Bürger" bezeichnen usw. Von den Juden in Deutschland kann man übrigens am allerwenigsten verlangen, daß sie ihre Existenz verleugnen. Sie werden auch ihren Zentralrat nicht in "Zentralrat deutscher Bürger" umbenennen.

Graf erwähnt die Judenfeindschaft des alten Luther und behauptet, allerdings ohne Belege, daß Luthers Frau noch judenfeindlicher war. Er fragt sehr moralisch (wie er es auf seinem Lehrstuhl wohl tun muß):

„Wird Judenfeindschaft erträglicher, wenn sie 500 Jahre zurückliegt?“

Ob erträglicher oder nicht, sie war jedenfalls etwas anderes, sonst müßte man fast das gesamte Abendland entsorgen und das Neue Testament gleich mit. Ist denn Luther selbst überhaupt noch zitierbar?

Kürzlich zeigten die Studenten der "Ernst-Moritz-Arndt-Universität" ein unerwartet differenziertes Geschichtsbewußtsein, als sie mehrheitlich gegen die Umbenennung ihrer Universität stimmten.

Wenn man mit orwellscher Sprach- und Geschichtsbereinigung erst mal anfängt, ist überhaupt kein Ende mehr absehbar.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 03.01.2010 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15476

Und gerade diese "vollständig automatisierte korrekte Haltung" (#15473) zeigt deutlich, daß man tatsächlich keine Menschen, sondern nur noch Marionetten vor sich hat. Schließlich offenbaren sich die Automaten – wie man diese Figuren im 18. und 19. Jahrhundert auch nannte – durch mechanische Bewegungen oder gedankenloses Nachplappern einer (wie auch immer gearteten) offiziellen Vorgabe.

Kleist, der sich bekanntlich mit Marionetten gut auskannte, hat sehr schön festgestellt, daß eigentlich gar kein Verstand vonnöten ist, etwas allgemein Anerkanntes (in unserem Falle etwas vermeintlich Offizielles) zu loben:

» [...] Wer also Schiller und Göthe lobt, der giebt mir dadurch noch gar nicht, wie er glaubt, den Beweis eines vorzüglichen und außerordentlichen Schönheitssinnes; wer aber mit Gellert und Kronegck hie und da zufrieden ist, der läßt mich, wenn er nur sonst in einer Rede Recht hat, vermuthen, daß er Verstand und Empfindungen, und zwar beide in einem seltenen Grade besitzt.«

[Heinrich von Kleist:] Ein Satz aus der höheren Kritik. In: "Berliner Abendblätter", 1811, Nro. 1, Berlin, den 2ten Januar 1811, S. 4.

Der Text erschien anonym unter der Chiffre "ry". Gellert ist heute noch bekannt. Ein Hinweis ist aber vielleicht zu seinem Freund Johann Friedrich Frhr. von Cronegk (1731–1759) angebracht, der als moralischer Schriftsteller noch schneller als Gellert in Vergessenheit geriet und 1811 geistlosen Menschen schon so altmodisch anmutete wie deren Nachfolgern heutzutage das generische Maskulinum.

Ich habe das Kleist-Zitat ganz bewußt in seiner historischen Orthographie belassen; ein Faksimile der "Berliner Abendblätter" macht's möglich. Es mag den Menschen, die, politisch korrekt, auch "orthografisch" auf der Höhe der Zeit sein wollen, noch einmal vor Augen führen, aus welcher Zeit ihre Reformschreibung tatsächlich stammt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2010 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15475

Zu den "Mitgliederinnen", die man laut Google News fast täglich in der Presse antrifft, hat sich jemand in einem Internet-Forum den passenden Kommentar ausgedacht: "Kennst du auch die Ohnegliederinnen?"

Schon vor zehn Jahren begrüßte die Fachschaft Germanistik die neuen Studenten mit "Liebe Erstsemester und Erstsemesterinnen". Personenbezeichnungen ohne feminine Markierung und dann noch gar mit der bösen Lautkombination -er am Schluß lösen offenbar einen Reflex aus. Dann tritt die vollständig automatisierte korrekte Haltung zutage.
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 03.01.2010 um 11.49 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15474

Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, welche Politikerin neulich im Fernsehen vor großem Publikum von "Mitgliedern und Mitgliederinnen" sprach.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2010 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15473

An manchen Universitäten kann man "Studierendeninformationen" herunterladen. Manche Kollegen reden auch im persönlichen Gespräch schon so. Man weiß dann nicht so recht, ob man lebende Menschen oder Marionetten vor sich hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2009 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15318

Wohin die politisch korrekte Durchsexualisierung des gesamten Lebens ("Gender mainstreaming") führt, sieht man an der folgenden Vortragseinladung. Die Unterstellung, daß die Hörerinnen nicht um des Gegenstandes willen hingehen, sondern um sich zu überzeugen, daß auch Frauen was werden können, ist eine subtile Verächtlichmachung und setzt auch die Vortragende herab:

"Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich lade Sie ganz herzlich zu dem Gastvortrag von Prof. Dr. Sybille Krämer der FU Berlin ein.
Thema: Gewalt durch Sprache? Über die Unterscheidbarkeit von physischer und symbolischer Gewalt.
Zeit: Donnerstag, 3. Dezember, 18.15 bis 19.45 Uhr
Ort: Kollegienhaus, Senatssaal (Raum 1.011)

Da Frau Krämer beispielhaft für eine äußerst erfolgreiche wissenschaftliche Karriere steht, die vor allem jungen Wissenschaftlerinnen ein Vorbild sein kann, ergeht besonders herzliche Einladung an alle Kolleginnen. Dabei sind interessierte Kollegen selbstverständlich nicht von der Vortragsteilnahme ausgeschlossen!

Mit besten Grüßen,
XY"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2009 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15244

Bekanntlich herrschte in der DDR das generische Maskulinum ziemlich unangefochten, was unsere oft links orientierten westdeutschen Feministen kaum begreifen konnten. Man hörte also etwa "Meine Frau ist Traktorist". Kürzlich war ich bei einem großen Familientreffen in Thüringen. Die ostddeutschen Verwandten sind dabei geblieben: "Ich wollte Arzt werden", sagte z. B. eine Ärztin. Die Amtssprache ist wahrscheinlich inzwischen politisch korrekt gleichgeschaltet, aber die Volkssprache anscheinend nicht. Man sollte sich ein anderes Volk wählen ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2009 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15194

Wenn man den Duden-Wörterbüchern und anderen Wohlgesinnten folgt, dürfte es "Zigeuner" eigentlich gar nicht mehr geben. Gibt man das Stichwort bei Google-Bilder ein, stößt man auf rund 130.000 Elemente, was selbst bei Mehrfachanführungen und Nichteinschlägigem noch sehr viel ist. Auch ein "Internationales Hilfswerk für Zigeuner e. V. " findet man.

Einer meiner akademischen Lehrer, ein Indogermanist mit indo-iranischem Schwerpunkt, erzählte mir einmal, daß er in einer Kneipe einen Zigeuner getroffen habe und sich mit ihm leidlich unterhalten konnte, nur wegen seiner Kenntnis des Persischen und anderer Sprachen dieser Familie. Das fand ich interessant.
 
 

Kommentar von Galina Leljanowa, verfaßt am 20.10.2009 um 00.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15125

Herrn Prof. Dr. Ickler am 21.09.2009 um 10.29 Uhr

Das Wort „Pflegebedürftiger“ wurde schon vor Jahren (wenigstens in der Schweiz) in Theorie und Praxis ersetzt durch das Wort „Pflegeempfänger“, sehen Sie Elisabeth Blunier et al., Lehrbuch Pflegeassistenz, Verlag Hans Huber in Bern. Auch wird bei uns einem Pflegeempfänger das Essen durch eine Pflegeperson nicht gereicht, sondern serviert oder notfalls eingegeben.

Auf die Frage, wie es in der Pflege in einem Spital oder Heim tatsächlich zugeht?
Jede Fachperson im Pflegebereich mit

- Blindheit oder Nachlassen des Sehvermögens
- Taubheit oder Schwerhörigkeit
- Sprach- und Sprechstörungen (z.B. durch Lähmungen)
- Menschen mit Erkrankungen des Gehirns (z.B. Alzheimer-Krankheit)
- Umgang mit verwirrten Menschen (Demenz)

wird gerne Auskunft geben.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 18.10.2009 um 20.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15120

Siehe auch das Fat acceptance movement.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2009 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#15107

Homosexuelle wollen den Schutz vor Diskriminierung ins Grundgesetz schreiben lassen. Kinderlose werden, wie ich heute lese, diskriminiert. Frauen, Juden, Zigeuner, Ausländer, Schwarze, Arme, Alte, Behinderte, Muslime, Radfahrer, Arbeitslose ebenfalls. Tiere werden auch diskriminiert ("Speziesismus" heißt dieses Vergehen). Genau genommen, stellt jede Gruppenbezeichnung eine Diskriminierung dar. Die Entwicklung geht – nachweisbar in neueren deutschen Wörterbüchern – dahin, alle Gruppenbezeichnungen aus dem Verkehr zu ziehen. Mal sehen, wie die deutsche Sprache in zehn Jahren aussieht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2009 um 10.15 Uhr  
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Politisch korrekt ist auch das "Handbuch der deutschen Wortarten", hg. von Ludger Hoffmann (2007). Bekanntlich haben sich zuerst die amerikanischen Sprachwissenschaftler, Philosophen usw. ganz offiziell verordnet, auch in ihren Beispielsätzen politisch korrekt zu sein. So auch hier:
Patrick küsste Klaus und dann umarmte er ihn (usw.) (S. 277)
Man ist also keinesfalls "homophob".
Kritisch dazu der schon erwähnte Paul Postal: Skeptical Essays Kap. 15: "Policing the content of linguistic examples".
 
 

Kommentar von F.A.Z., 25.07.2009, Nr. 170 / Seite 2, verfaßt am 26.07.2009 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#14852

Problemkind Bruno

Hamburg hat ein Problem. Es heißt Bruno. Bruno ist ein Kind. Aber kein reales, das sich beispielsweise etwas frühreif am Alkohol vergeht und dann randalierend durch U-Bahnhöfe stürmt. Bruno ist eine Figur aus dem kostenlosen Kinderbuch "Politik und Demokratie", das die Hamburger Bürgerschaft vor kurzem mit dem Carlsen-Verlag herausgegeben hat. Das eigentliche Problem an dem Jungen ist: Er ist ein Junge und hat zudem keine ausländischen Wurzeln.
Das bemerkten Politiker der GAL (so heißen die Grünen in der Hansestadt), nachdem innerhalb von wenigen Tagen etwa 6000 Büchlein der ersten Auflage an den Mann, pardon: und an die Frau, gebracht worden waren. Auf den 32 Seiten des Pixi-Buchs befänden sich schlicht zu wenige Frauen - so lautet der Vorwurf. Aus dem kleinen Bruno sollte also schnellstens ein Mädchen werden. Außerdem ist nach Ansicht der GAL das Heftchen der ersten Auflage voller Stereotypen: Oder warum trägt das Mädchen auf Seite 5 ausgerechnet ein T-Shirt in zartem Rosa?
Auch die SPD-Abgeordneten wollten in puncto politischer Korrektheit nicht nachstehen. Die Sozialdemokraten forderten mehr Multikulti angesichts der demographischen Lage. Etwa die Hälfte aller Kinder in der Hansestadt habe schließlich einen "Migrationshintergrund". Außerdem sei das Büchlein durchgehend in der männlichen Sprachform gehalten. Wenn Politik dargestellt werde, dann auch bitte mit Frauen, heißt es aus der SPD-Fraktion. Das verwundert. Es gibt nämlich durchaus Beispiele für die weibliche Präsenz im Heftchen: Auf dem Titelbild ist prominent eine Politikerin vor der Hamburg-Flagge zu sehen, vor dem Parlament hält eine "Parlamentarierin" eine Rede, und auch die Wahl zum Klassensprecher gewinnt Nadine vor dem berüchtigten Bruno.
Demnächst kommt die zweite Auflage mit einigen Änderungen heraus. Das Klassenfoto zeigt dann zwei Schüler mit "Migrationshintergrund" und - auf Vorschlag der CDU - ein Kind mit Behinderung. Das Mädchen von Seite 5 trägt ein grünes Oberteil, und Bruno heißt Aydan. Das ist ein türkischer Name und bedeutet so viel wie "vom Mond". Michael Dick
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2009 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13735

Die Uni Erlangen hat gerade ihren Fünfjahresbericht herausgebracht. Der Bereich "Gleichstellung der Geschlechter" nimmt fast so viel Raum ein wie die "Forschung". Gender Mainstreaming genieße auf allen Ebenen hohe Priorität usw. Zwischen all der anstrengenden Hochschulpolitik liest man dann die beruhigende Mitteilung, daß "ein Wickeltisch und ein Bollerwagen" angeschafft werden konnten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2008 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13505

Als ich spaßeshalber bei Google "Einwohnerinnenmeldeamt" eingab, fragte die Suchmaschine treuherzig zurück: "Meinten Sie Einwohnermeldeamt?" Nein, ich meinte "Einwohnerinnenmeldeamt", und so kam es dann auch. Der Asta der RWTH Aachen hatte vor ein paar Jahren ein "ErstsemesterInnen-Info" herausgegeben, das man immer noch herunterladen kann. Darin ist vom Aachener "EinwohnerInnenmeldeamt" die Rede. Und auch die Juso-Hochschulgruppe Göttingen redet so:
"Auch als StudentIn musst Du bei der Arbeitsaufnahme der/dem ArbeitgeberIn grundsätzlich eine Lohnsteuerkarte vorlegen. Diese Karte wird von dem EinwohnerInnenmeldeamt des Ortes ausgestellt, in dem Du am 20. September des Vorjahres gemeldet warst."
Der gute Wille rührt ja immer wieder mein weiches Herz, aber die Mechanisierung und Bürokratisierung (in voller Übereinstimmung mit den Kultusministern!) deutet dann doch eher auf schlichte Gedankenlosigkeit hin, und das ist weniger erfreulich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2008 um 18.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13191

In den USA treibt die Political correctness bekanntlich besonders seltsame Blüten, es gibt aber auch starke Kritik, z. B. von dem Linguisten Paul Postal oder dem Philosophen Thomas Nagel, der in seinem (auch sonst lesenswerten) Essay „Concealment and exposure“ schreibt: „We used to have a genuinely neutral way of talking, but the current system forces everyone to decide, one way or the other, whether to conform to the pattern that is contending for orthodoxy – so everyone is forced to express more, in one direction or another, than should be necessary for the purposes of communication, education, or whatever.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2008 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13110

Im überarbeiteten Rechtschreib-Leitfaden der Schweizer Bundeskanzlei heißt es:
„Eine Eigenheit der Schreibung des Deutschen besteht darin, dass man auch die Anfangsbuchstaben von Nomen oder Substantiven (Hauptwörtern) grossschreibt. Es gab immer wieder Versuche, diese Eigenheit abzuschaffen, und es gab auch immer wieder namhafte Wissenschaftlerinnen und Schriftsteller, die konsequent kleingeschrieben haben.“
Welche namhaften Wissenschaftlerinnen waren denn das? Ob den Schweizer Autoren auf Anhieb welche einfallen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2008 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13062

Das Duden-Synonymwörterbuch gibt folgenden

„Sprachtipp:
Insbesondere in Bezug auf pflegebedürftige Menschen sollte das Verb füttern nicht benutzt werden. Um eine mögliche Assoziation mit der Nahrungsversorgung von Tieren zu vermeiden, wird im Pflegebereich häufig die Formulierung Essen reichen verwendet.“

Ist das tatsächlich die empirische Beobachtung, als die sie sich gibt? Wie geht es in der Pflege wirklich zu? Hat man da überhaupt Zeit für geschmäcklerische Bedenken, von denen leider allzu viele Pflegebedürftige gar nichts mitbekommen? Darf man Kinder "füttern", oder habe ich da bei meinen drei Töchtern was falsch gemacht?
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 20.09.2008 um 19.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13060

»Der Begriff Ehre wird im Gesetz nicht definiert. Grundsätzlich sind zwei Ansätze zur Begriffsbestimmung möglich: Der sog. faktische Ehrbegriff hebt auf den gute [sic] Ruf (Leumund) und die Selbsteinschätzung des Betroffenen ab.

Der von der h[errschenden] M[einung] vertretene sog. normative Ehrbegriff orientiert sich dagegen an dem Achtungsanspruch, der jedem Menschen kraft seiner Menschenwürde (Art. 1 I GG) zukommt [...]. Auch bei Zugrundelegung des normativen Ehrbegriffs müssen empirisch nachprüfbare Maßstäbe gesellschaftl. Ehrenzuschreibung berücksichtigt werden. Wichtig ist bes. zur Feststellung einer Ehrverletzung, den sozialen Kontext von Täter und Opfer zu prüfen.

Bsp.: Das unerlaubte Duzen eines Kommilitonen an der Universität stellt auch dann keine Ehrverletzung dar, wenn der Angeredete sich verletzt fühlt.« (Eric Hilgendorf: dtv-Atlas Recht. Band 1: Grundlagen, Staatsrecht, Strafrecht. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2003. 1. Auflage. S. 209)

Demnach wäre also zu untersuchen, inwieweit Homosexualität im Umfeld des eventuellen Opfers der üblen Nachrede oder Verleumdung akzeptiert ist.
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 20.09.2008 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13059

"Schwul" ist in den Allgemeinwortschatz eingegangen. Ich benutze es selbst, wenn ich sage "Das ist schwul!", wenn ich ein fehlerhaftes Programm meine. Das ist dann schwul, eben kein "männliches System" oder keine männliche Programmiersprache, wenn sie nicht einmal in der Lage ist, die grundliegenden Fehler – die Amis haben ein schönes Wort dafür – "gracefully" zu "handeln".

Der neuerdings intelligenteste Beitrag zum Thema klebt an meiner Haustür: Da hat es ein Witzbold sich nicht nehmen lassen zu dekretieren: "Sido ist schwul." Damit ist eigentlich alles gesagt.
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 20.09.2008 um 18.34 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13058

Für Herrn Icklers Frage
»Ist es immer noch ein Aussagedelikt, wenn man von jemandem sagt, er sei schwul, obwohl er es gar nicht ist?«
sind folgende Paragraphen des Strafgesetzbuches einschlägig:

»§ 186 Üble Nachrede
Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 187 Verleumdung
Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.«

Wenn man diese Vorschriften wörtlich nimmt (ich habe keinen juristischen Kommentar zur Hand), kommt es also nicht darauf an, ob Homosexualität ›wirklich‹ unehrenhaft ist, sondern nur darauf, ob sie in der ›öffentlichen Meinung‹ als unehrenhaft gilt. Letzteres kann man vielleicht auch heute noch bejahen.

Im Wikipedia-Artikel Üble Nachrede wird die (nicht erweislich wahre) Behauptung, ein anderer »habe körperliche oder seelische Defizite«, als Beispiel für eine üble Nachrede genannt. Auch das ist ›in Wirklichkeit‹ nichts Unehrenhaftes.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.09.2008 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13057

Siehe dazu den Präzedenzfall Jens Riewa:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/44/30a.htm
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2008 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13056

Ein kniffliges Problem wirft das Wort "schwul" auf. Der Synonymduden warnt davor, das Wort auf Gegenstände usw. anzuwenden, findet aber die Anwendung auf Personen offenbar unbedenklich, wie es ja nach der weitgehenden rechtlichen Gleichstellung Homosexueller und der Entkriminalisierung des Geschlechtsverkehrs unter erwachsenen Männern (alles längst überfällig, keine Frage!) auch zu erwarten ist. Ich hatte früher schon mal darauf hingewiesen, daß die Wörterbücher hier der wirklichen gesellschaftlichen Entwicklung vorauseilen. Erste Frage: Ist es immer noch ein Aussagedelikt, wenn man von jemandem sagt, er sei schwul, obwohl er es gar nicht ist? Üble Nachrede kann es doch nicht mehr sein, denn die Aussage ist so wenig zu beanstanden, als wenn ich von einem sage, er sei Vegetarier oder Frühaufsteher. Zweite Frage: Was oder wer wird eigentlich diskriminiert, wenn eine Jacke oder Tasche "schwul" genannt wird? (Pennälerjargon, höre ich täglich.) Der Dudenhinweis hat es in sich.
 
 

Kommentar von Philip Köster, verfaßt am 19.09.2008 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13051

Habe ich den Feminismus früher noch wohlwollend betrachtet, erscheint er heute mir heute, wenn schon nicht überflüssig, so doch sehr suspekt. Vorbei sind die Zeiten, da ich nicht ohne Stolz und im Bewußtsein, auf der richtigen Seite zu stehen, fragte: Kann auch ein Mann ein Feminist sein? Heute bin ich es nicht mehr, sollte ich denn je einer gewesen sein. Vielleicht hätte ich schon früher ob der Endung auf "-ist" mißtrauisch werden sollen.

Da liest man dieser Tage: "EU will künftig keine Klischee-Frauen mehr in der Werbung sehen." Ja, wer kennt sie nicht, die Klementine selig, die ihrem Karrieregatten willfährig mit dem neuesten Ariel auch noch die hartnäckigsten Bremsstreifen aus der Unterhose entfernt hat, auf daß er einen porentief reinen Eindruck hinterlasse. Nur so läßt sich schließlich die neue Einbauküche bezahlen, in der ebendieselbe Klementine das Abendessen zubereitet. Der Aufruf ist nicht schlecht, nur: er kommt zwanzig Jahre zu spät. Um beim Beispiel der Waschmittelwerbung zu bleiben: hier wurden die Rollen längst neu verteilt, es brauchte keinen Ordnungsruf der obersten europäischen "SittenwächterInnen" mehr: die Gesellschaft hat sich längst selbst hinterfragt und neu geordnet.

Die bange Frage bleibt: Dürfen künftig überhaupt noch Frauen in der Waschmittelwerbung gezeigt werden, oder wäre das schon ein sexistischer Angriff auf unsere freiheitlich-gleichberechtigte Grundordnung? Dürfen Männer auch zukünftig noch zugeben, Frauen begehrenswert zu finden, ohne Gefahr zu laufen, als Lüstlinge gebrandmarkt zu werden, die ihren Verstand, man ahnt es schon, in einem bestimmten Kleidungsstück beherbergen? Ist ein Student, männlich wie weiblich, ein Sexist, wenn er darauf besteht, "Student" genannt zu werden, weil ein "Studierender" ja höchstens jemand ist, der – sie? – just, in diesem Moment, etwas, was auch immer, studiert? Gibt es bald keine Tänzer mehr, sondern nur noch Tanzende? Mir graut vor diesem Geschlechter-Einerlei.

Eine Protestnote: Ich spreche hiermit je tausendmal "Neger", "Negerkuß" und "Zigeuner" laut und deutlich aus.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.09.2008 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13012

Aber die Ithaker gibt es wirklich; der berühmteste war Odysseus. (Altgriech. Ithakos, Ithakoi)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2008 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13010

Eigentlich ist es ein unlösbares Problem (s. auch die Diskussion über Ethnophaulismen im Diskussionsforum). Ich bin ja auch kein Jurist. Aber jeder muß sich wohl irgendwann Gedanken darüber machen, was man sagen darf und was nicht. Können Gruppen beleidigt werden? Müssen sich alle beleidigt fühlen, wenn man über ihre Gruppe etwas Beleidigendes sagt? (Soldaten bilden als solche nicht einmal eine Gruppe; vgl. Wikipedia s. v. "Soldaten sind Mörder" - recht guter Überblick!) Muß es andererseits nicht erlaubt sein, über Gruppen etwas Nachteiliges zu sagen bzw. Abneigung zu artikulieren - mag sie auch noch unvernünftig sein?
Feministinnen haben ja vor längerer Zeit die Tilgung aller Wörter verlangt, die zu abschätzigen Urteilen über Frauen verwendet werden könnten. Also nicht erst die Verwendung, sondern schon die Kenntnis solcher Wörter sollte ausgeschlossen werden. Damit würde eine ganze Sprachfunktion beseitigt. Das ist sicher ein Irrweg, aber wir sind immer ein bißchen auf dem Weg dorthin, wie die Beobachtungen zeigen, auf die hier immer wieder mal hingewiesen worden ist.
Es geht um die Meinungsfreiheit, vielleicht das höchste Gut für denjenigen, der die Geschichte ein wenig kennt, aber ein sehr geringes Gut für die Moralapostel aller Zeiten.
Die Gerichte heben nicht nur auf den Tatbestand der Beleidigung ab, sondern auch auf die Folgen für den Rechtsfrieden. Atheisten kann man nach Herzenslust beschimpfen (Herr Ratzinger hat ihnen genau wie sein Vorgänger beinahe das Menschsein abgesprochen), weil sie kaum organisiert sind und sich sowieso über derartiges Gerede erhaben fühlen. Je fanatischer eine Religionsgemeinschaft, desto eher wird der soziale Friede gestört, wenn man sie kritisiert, weshalb die Entwicklung dahingeht, jede Religionskritik zu verbieten. Schwarzmalerei? Wir werden es erleben. Um des lieben Friedens willen wird auch der Duden immer weiter gehen und um große Teile des deutschen Wortschatzes Warntafeln aufstellen. Wieviel die Friedhofsruhe den Deutschen wert ist, hat ja auch der heftig beklatschte "Rechtschreibfriede" gezeigt. Die Presse will nicht länger inkommodiert werden.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 13.09.2008 um 23.48 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13007

"So wird ein ganz bestimmter Typ von Bürgern herangezüchtet" (Theodor Ickler).

So ist es. In der DDR war es nicht anders, wenn man von der Gerichtetheit der "Empfindlichkeit" absieht.

Aber die in aller Demokratie herangewachsenen Einknicker halten dennoch alle Wiederdeutschen für Kaninchen, ohne zu spüren, daß sie – trotz ihrer entschieden besseren intellektuellen Bedingungen – selbst solche sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2008 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#13000

In einem großen Bericht über die Minderheitenrechte der einst kolonisierten Völkerschaften wurden letztere "indigene Völker" u. ä. benannt, unter Vermeidung des Wortes "eingeboren". Unter den Dudenbänden ist es bisher nur der Synonymduden, der vor diesem Wort warnt. (Schwierig wird es mit den Schwarzen in Südafrika.)

In einem anderen Artikel über die wirtschaftliche Entwicklung Indiens hieß die Stadt Bangalore ohne nähere Erläuterung nur Bangaluru. Es sind nach den bekannteren Fällen Mumbai, Chennai usw. nun eine ganze Reihe südindische Städte umbenannt worden, auch Mysore (Mysuru), auf englisch dann Bangalooru, Mysooru, was wieder neue Schwierigkeiten mit sich bringen dürfte. Man wird sich auf die englische Schreibweise einigen, also doch wieder auf die Sprache der Kolonialmacht von damals. Ich habe mich in Mysore und Bangalore sowieso nur auf englisch verständigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2008 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12988

Zur Sache selbst möchte ich auch noch einmal nachhaken. Es wird beklagt, daß der Anteil der Akademikerkinder an den Studenten immer noch überproportional hoch sei. Das ist sachlich natürlich richtig, aber es muß relativiert werden. Erstens ist der Anteil der Akademiker auch an den Eltern stark gestiegen. Zweitens muß man genauer hinsehen, was die Eltern wirklich tun; auch Nichtakademiker gehören nicht samt und sonders zum unqualifizierten Proletariat. Drittens überlegen sich, wie ich aus meinem Umfeld weiß, auch Akademiker immer öfter, ob sie ihren Kinder zu einem Studium oder lieber zu einer anderen guten Ausbildung raten sollen. Usw.
Es ist auch nicht wahr, daß Kinder aus nichtakademischen Familien aus finanziellen Gründen vom Studium zurückstehen müßten. Wenn der Wille vorhanden ist, kann jeder studieren. Ob es immer das Richtige ist, steht dahin.
So muß man auch die jüngsten Zahlenspielereien der OECD mit Skepsis betrachten. Wie jeder weiß, bedeutet "Hochschule" nicht überall auf der Welt dasselbe.
Es legt mir fern, irgend etwas schönzureden, mich stört nur die Unredlichkeit der statistischen Argumente (wie bei den immer wieder auftauchenden absoluten Geburtenzahlen, die meist nicht auf die Zahl der gebärfähigen Frauen umgerechnet werden).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2008 um 08.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12987

Wenn sich Political correctness und Denglisch verbünden, kommt der "Studierendensurvey" heraus.
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 26.08.2008 um 18.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12937

"Sie" natürlich klein.

Ich bitte gegebenenfalls um Entschuldigung, sollte mir manchmal der eine oder andere Satz falsch durchrutschen, denn meine Muttersprache ist eigentlich Amerikanisch. Ich hoffe, ich bin ein erfolgreiches Modell der Utopie, daß Zweisprachigkeit nicht zwangsläufig Heimatlosigkeit bedeuten muß. Meine Liebe gilt der deutschen Sprache, ich finde sie, weil ich ja die Vergleichsmöglichkeit habe, sehr viel hübscher und empfindsamer als unser nachlässiges Amerikanisch.
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 26.08.2008 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12936

Lieber R. M.,

gerne gebe ich mir Mühe, Ihrer Frage zu antworten, sollte Sie denn wirklich aufrichtig sein: Für einen waschechten Hippie bin ich zu jung, der Summer of 67, der Summer of Love, war vor meiner Zeit, jedoch gab es, in den Achtzigern und Neunzigern, von der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, auch neue Hippies, wenn Sie so wollen, Neohippies, deren Anspruch es war, die Fehler ihrer Vorgänger nicht zu wiederholen. Dieser Zunft bin ich ein Abkömmling.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.08.2008 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12935

Hier zur Erinnerung noch einmal die unbeantworteten Fragen: Wessen Selbstbewußtsein? Was für Hippies?
 
 

Kommentar von M. M., verfaßt am 26.08.2008 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12934

"es", nicht "sie". Ich bitte um Verzeihung.
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 26.08.2008 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12933

Ich danke Ihnen, Herr Konietzko, für diese sachkundige Antwort. Ich muß also mein Bild von unseren Grundgesetzschreibern etwas revidieren. Ich möchte nur noch einmal als freies Radikal die Frage in den Raum werfen, was wir mit Artikeln anfangen sollen, deren letztes Wort ein großes Aber ist. Ich sehe da wenig Allgemeingültigkeit und formvollendete Sprachkunst. Mir wäre es lieber, unser GG spräche von unveräußerlichen Menschenrechten, die jede Diskussion verbieten, als daß sie sich dieses literarischen Mumbo-jumbos bediente.
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 26.08.2008 um 12.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12932

Der von Herrn Majewski getadelte Satz »Das Nähere regeln Bundesgesetze« (Art. 21 Abs. 3) steht bereits von Anfang an im Grundgesetz. Weitere derartige Gesetzesvorbehalte, die alle schon von Anfang an im Grundgesetz stehen:

»Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.« (Art. 4 Abs. 3)

»(1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.
(2) Wahlberechtigt ist, wer das einundzwanzigste, wählbar, wer das fünfundzwanzigste Lebensjahr vollendet hat.
(3) Das Nähere bestimmt ein Bundesgesetz.« (Art. 38; durch Gesetz vom 31.7.1970 wurde Abs. 2 wie folgt geändert: »Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat; wählbar ist, wer das Alter erreicht hat, mit dem die Volljährigkeit eintritt.«)

»(1) Die Wahlprüfung ist Sache des Bundestages. Er entscheidet auch, ob ein Abgeordneter des Bundestages die Mitgliedschaft verloren hat.
(2) Gegen die Entscheidung des Bundestages ist die Beschwerde an das Bundesverfassungsgericht zulässig.
(3) Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.« (Art. 41)

»Die Abgeordneten haben Anspruch auf eine angemessene, ihre Unabhängigkeit sichernde Entschädigung. Sie haben das Recht der freien Benutzung aller staatlichen Verkehrsmittel. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.« (Art. 48 Abs. 3)

»Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.« (Art. 54 Abs. 7; in den ersten sechs Absätzen geht es um die Wahl des Bundespräsidenten)
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 26.08.2008 um 11.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12931

Was war also die Frage des Dichterfürsten? Es macht ja immer wieder herzlich viel Spaß, aneinander vorbeizudiskutieren, wenn die Eingangsfrage nicht eindeutig gestellt war. Worüber, R. M., diskutieren Sie eigentlich? Ich hoffe, nicht um den nicht vorhandenen Gehalt Ihrer bissigen Beiträge.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.08.2008 um 11.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12930

Das ist keine Antwort auf meine Fragen, sondern (noch mehr) krauses Zeug.
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 26.08.2008 um 11.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12929

Lieber R. M.,

vielleicht wissen Sie ja am Ende mehr als ich: für mich liest sich dieser Artikel, als hätten da zu viele Köche den Brei verdorben. Stammt der Zusatz "Das Nähere regeln Bundesgesetze" wirklich vom Ersturheber? Das war doch meine sachliche Kritik am GG, daß es auch schon so verwaschen und verschwurbelt klingt wie die Vereinssatzung friesischer Kaninchenzüchter, sollte es einen solchen Verband geben. Der Verlust an sprachlicher Genauigkeit ist überall festzustellen, er macht auch vor unserem Grundgesetz nicht halt, dem einzigen Werk, das ich mit meinem Blut unterschreiben könnte.
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 26.08.2008 um 10.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12928

Lieber R. M.,

Sie belieben sich über mich lustig zu machen, aus Gründen, die mir unerfindlich sind. Sie mögen gerne monieren, daß ich eine Neigung dazu habe, meinen Zeilen Persönliches beizumischen. Dieser Neigung liegt keine weiter ausstaffierte und aufgebauschte Ideologie zugrunde, ich glaube, derartiges ergibt sich von selbst, weil es ja immer nur eine Person sein kann, die etwas hinschreibt.

Ich habe nichts gegen Zynismus, ich glaube, ohne Zynismus käme niemand von uns gut gelaunt durchs Leben. Doch verwechseln wir Zynismus bitte nicht mit Schadenfreude oder Häme, denn das sind Charaktereigenschaften, die mir sehr unsympathisch sind.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.08.2008 um 00.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12927

Wessen Selbstbewußtsein? Was für Hippies?
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 25.08.2008 um 22.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12926

Lieber Herr Konietzko,

daran ist schlecht, daß alles relativiert wird, daß sich diesen Zeilen überhaupt kein Selbstbewußtsein mehr anerkennen läßt. Mir ist bewußt, unter welch historisch schwierigen Bedingungen unser Grundgesetz entstanden ist, aber die Hippies und Feministinnen dürften ihm den Gnadenstoß versetzt haben. Ich habe nichts gegen die Hippies, ich war früher selbst einer, aber was zu weit geht, geht zu weit.
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 25.08.2008 um 21.42 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12925

Ich verstehe nicht, was daran schlecht sein soll, wenn eine Verfassung Detailfragen dem Gesetzgeber überläßt. Herr Majewski kann nicht ernsthaft wollen, daß das gesamte Parteiengesetz (siehe hier) ins Grundgesetz aufgenommen werde.

In Artikel 80 Absatz 1 Grundgesetz ist festgelegt, daß Rechtsverordnungen der Bundesregierung, eines Bundesministers oder einer Landesregierung auf gesetzlicher Ermächtigung beruhen müssen. Nach Herrn Majewski wären also Verordnungen überhaupt nicht möglich.
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 25.08.2008 um 20.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12924

Richtig, R. M.

Auch war das kleine "nähere" ein Schreibfehler meinerseits, der mir leid tut, aber nicht korrigierbar ist. Ich hob darauf ab, daß ein Artikel nichts wert ist, wenn er im letzten Satz auf ein anderes Buch verweist. Dann könnte ich ja auch schreiben: "John and Mary were walking through the prary, but I won't tell you the whole story. Wait for my upcoming book." Einem Dramatiker ist so etwas natürlich gestattet, aber nicht einem Juristen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.08.2008 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12923

Das Nähere regelt im Zweifelsfall das Bundesverfassungsgericht.
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 25.08.2008 um 13.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12922

Ich danke Herrn R. M. für seinen sachkundigen Hinweis. Sehen wir uns einmal Art. 21 GG an:

"(1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. Ihre Gründung ist frei. Ihre innere Ordnung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen. Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft geben.

(2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundesverfassungsgericht.

(3) Das Nähere regeln Bundesgesetze."

Ein typischer Gummiartikel, eine nobelpreisträchtige Prosa deutscher Behördenaristokratie, aus der sich alles und nichts herauslesen läßt. Das nähere regelt im Zweifelsfall das Ich.
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 25.08.2008 um 13.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12921

Ich entschuldige mich bei Ihnen, Herr Mahlmann,

ich habe Sie offenkundig falsch interpretiert und lediglich Ihren Hinweis auf Politiker zum anekdotischen Aufhänger genommen. Von Politikern sind keine neuen Anstöße zu erwarten. Um einmal nach der ganz großen Dimension zu greifen: Das hat auch Alexander Issajewitsch Solschenziyn kurz vor seinem Tod noch so zu Protokoll gegeben.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 25.08.2008 um 10.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12920

Markus Majewski schrieb: "Ach, die Politiker, Herr Mahlmann, setzen Sie nicht zu viele Hoffnungen auf sie."
Inwiefern habe ich das getan?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.08.2008 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12919

Das Grundgesetz handelt von den Parteien in Art. 21.
 
 

Kommentar von Thomas Frieling, verfaßt am 25.08.2008 um 08.57 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12918

Herr Majewski, Sie bemängeln daß auf dem Schreiben das Recht des Parlamentariers nicht erwähnt war, sich eine eigene Meinung zu bilden. Aber dieses Recht übt er jedesmal aus wenn er sich wieder einmal entscheidet, seiner Partei blind zu folgen.
TF
 
 

Kommentar von Markus Majewski, verfaßt am 25.08.2008 um 05.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12917

Ach, die Politiker, Herr Mahlmann, setzen Sie nicht zu viele Hoffnungen auf sie. Meine Tätigkeit als Nachhilfelehrer hat mich auch einmal in den fürstlich zu nennenden Landsitz eines niedersächsischen MdL geführt, weil ich seine beiden Töchter unterrichtete, mit Erfolg übrigens. Jaguars und Mercedes-Cabrios waren hier selbstverständlicher Standard, nur goldene Wasserhähne habe ich nicht gesehen. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, in des Hauses Herren Abwesenheit, Gott sei mein Zeuge und verzeihe mir, die Schriftstücke, die sich auf seinem Schreibtisch sammelten, zu überfliegen. Ein Schriftstück ist mir deshalb erinnerlich, weil es die ganze Bigotterie der Parlamentarier in wenigen Worten abstrahierte: "In der Angelegenheit X ist sich wie folgt zu äußern: . . ." Da war kein Wort davon, daß ein Parlamentarier das Recht hätte, sich eine eigene Meinung zu bilden, man hat ja schließlich zuviel zu tun, um auch noch seinen eigenen Denkapparat einzuschalten, wo kämen wir dahin.
Wenn ich mich recht erinnere, hat Herr Ickler einmal geschrieben, Politiker seien ohne ihr Rudel nichts. Meine eigene Erfahrung scheint diese These zu bestätigen: das Individuum zählt in einer Parteiendemokratie nicht viel, Fraktionszwang ist alles. Es ist manchmal schade, daß ich kein Jurist geworden bin. Mich interessierte, ob unser Grundgesetz "Parteien" überhaupt kennt.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 20.08.2008 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12913

So nachvollziehbar und richtig das, was Schönbohm sagt, in vielen Punkten auch ist, so hat er zu keiner Zeit sein Parteibuch vergessen.
Die CDU hat sich nach der Wende die Ost-Blockflöte gleichen Namens einverleibt – inklusive Vermögen und Personal. Die CDU ist nicht in Erscheinung getreten mit einem Versuch, die PC-Versessenheit der öffentlichen Diskussion zurückzudrängen, sie macht vielmehr einschlägig mit. Die Grabenkämpfe von 68 auf anderer Ebene heute weiterzuführen, ist auch kein Beispiel für Besonnenheit oder überwundenes Lagerbewußtsein.

Recht hat er dort, wo er über die Sprache und ihren Gebrauch und über die Auswüchse der political correctness spricht.
 
 

Kommentar von Der Selbständige, verfaßt am 19.08.2008 um 22.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12910

Ein ausgezeichneter Beitrag zum Thema "Politische Korrektheit" von Jörg Schönbohm (CDU): "Das Schlachtfeld der Tugendwächter"

http://www.bds-nrw.de/startseite/topthema/schoenbohm08.pdf
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 10.08.2008 um 00.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12888

Damit feiert der "Römree" in Bayern fröhliches Erstehen. Für unbedarfte Erstklässler, ein "Römree" ist ein römischer Reeder.

Da Bayern nicht direkt an (der) See liegt (außer am Starnberger), muß dann pädagogisch "nacherklärt" werden, was Reede ist etc.

In Bayern geht das ganz fesch in aller Paidagogik – bis hin zur bayerischen Geragogik bei kühlem Weißbier und heißem Alpenglühen, für die, so sich es antun wollen und leisten können.
 
 

Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 08.08.2008 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12887

Ein Lektor des Studienverlags in Innsbruck (Österreich) wollte von mir, daß ich in meinem Manuskript ("Unterirdische Perspektiven") das Wort "Autoren" durch "Autorinnen und Autoren" ersetze.

Das habe ich mit Hinweis darauf abgelehnt, daß eine besondere Hervorhebung im Grunde die Abwertung der weiblichen Autoren impliziert.

Damit war die Sache vom Tisch.
 
 

Kommentar von stern.de, verfaßt am 07.08.2008 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12879

Nach der erfolgreichen Rechtschreibreform planen die Politiker wieder etwas zum Wohl unserer Kinder:

Politiker wollen Überraschungseier verbieten

Im Überraschungsei lauern unerkannte Gefahren - dieser Meinung ist zumindest die Kinderkommission des Bundestages. Daher empfiehlt sie einem Medienbericht zufolge, das beliebte Schoko-Ei zu verbieten.


www.stern.de/politik/deutschland/:Gesundheitsgefahr-Politiker-Ü-Eier/633836.html
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 06.08.2008 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#12873

Lieber Herr Ickler, natürlich ist es so, wie Sie schreiben. Aber es geht längst nicht mehr um vermutete, sondern um erwünschte Empfindlichkeiten.
 
 

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