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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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31.07.2008
 

Jede und jeder
Die Politische Korrektheit spaltet die Sprachgemeinschaft

Noch stärker als die Rechtschreibreform trägt die Politische Korrektheit zur Sprachverhunzung bei.
Hier kommt ja noch hinzu, daß nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung, nämlich die Behörden und einige Wissenschaftler (besonders Linguisten), sich dem Wahn unterwirft. Zeitungen und Schriftsteller widersetzen sich, sie wollen ja auch gelesen werden.

Vor mir liegt eine neue Broschüre des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bundesministerium für Bildung und Forschung) vom Juli 2008. Die feministische Sprachregelung ist äußerst konsequent durchgeführt.
Bewerberinnen und Bewerber, Arbeitgeber/innen
Ausbilder/innen, Personalberater/innen und Personalchefs und -chefinnen.
Versuche, gemeinsam mit deiner Tischnachbarin oder deinem Tischnachbarn eine entsprechende Bewerbung zu verfassen.
Die Inhalte werden von jeder und jedem selbst erstellt.
eine Erläuterung, die jeder und jedem Interessierten zur Verfügung steht
.

Orthographisches:
dem einzelnen
zurecht finden
schwer fallen
allgemein bildende Schulen
(aber im selben Text auch allgemeinbildend)



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Kommentare zu »Jede und jeder«
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Kommentar von R. M., verfaßt am 13.12.2019 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42583

Jeremy Corbyn fand es nötig kundzutun, daß seine Pronomina he und him seien.

Hat wohl nicht geholfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2019 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42582

Die Bundesregierung soll eigentlich dem ganzen Volk dienen, das sie gewählt hat und auf dessen Wohl sie vereidigt ist. Ein "Bundeministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend" schließt jedoch eine gar nicht so kleine Gruppe aus (die Hälfte der Erwachsenen), die schon in der Selbstbezeichnung conspicuously absent ist. Man könnte von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sprechen. Wahrscheinlich sogar von Verfassungswidrigkeit. So ja auch die Bevorzugung von Frauen (= Zurücksetzung der Männer) "bei gleicher Eignung".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2019 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42580

Was sind eigentlich Mädchen*, Trans*personen? Wenn man solche Texte liest, wundert einen auch die Gomringer-Affäre an der Alice-Salomon-Hochschule nicht mehr. Bleibt nur noch hinzuzufügen: „Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend“.
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2019/12/Broschu%CC%88re-GR-P%C3%A4dagogik-GMF.pdf

"Treibt man etwas auf die Spitze, so übertreibt man und hat die Lächerlichkeit." (Fontane) - Das ist die letzte Hoffnung.

Übrigens tun die Korrekten recht daran, ihre Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit groß zu schreiben und GMF abzukürzen. Das sind zwei Schritte zur Sinnaustreibung.

 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.12.2019 um 00.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42579

Ebenfalls von dieser Internet-Seite:

Diskriminieren Mädchen* und Jungen* anders?

So habe ich den Genderstern auch noch nicht gesehen. Die werden immer irrer.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2019 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42577

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/projekte/fachstelle-gender-und-rechtsextremismus/

Die Amadeu-Antonio-Stiftung schließt Antifeminismus mit Rassismus zusammen, alles unter „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Es ist nicht ratsam, den Feminismus zu kritisieren.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2019 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42568

Zur Methode von Beatrice Primus und ihren Schülern hatte ich mal etwas Kritisches geschrieben:

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1044#25451
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2019 um 07.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42552

Die Gesellschaft für deutsche Sprache schließt sich der Gender-Ideologie an:

https://gfds.de/standpunkt-der-gfds-zu-einer-geschlechtergerechten-sprache/

Die Meinung der Mitglieder spielt, wie bei der Rechtschreibreform, keine Rolle.

Nach Ansicht eines früheren Vorsitzenden sind die Mitglieder zu dumm, als daß sie in sprachwissenschaftlichen Fragen mitreden könnten. Es reicht gerade mal zum Zahlen der Mitgliedsbeiträge.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.12.2019 um 10.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42543

Beatrice Prima?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2019 um 08.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42541

Ratsmitglied Beatrice Primus ist verstorben, der Rat widmet ihr einen Nachruf.
Ist „Prof’in“ regelkonform? Man findet es auch mit Abkürzungspunkt: „Prof.’in“.
Anscheinend soll auch die einzelne Professorin noch gegendert werden. Wenn es nur um das Abkürzen ginge, wäre Prof. vor Frauennamen ohne weiteres als „Professorin“ lesbar (falls man das wünscht; „Frau Professor“ ging ja anstandlos durch und kann logischerweise nicht als Unsichtbarmachen der Weiblichkeit gelten). Wenn der Rat zweimal „Frau Prof’in“ schreibt, kommt mir das unpassend vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2019 um 03.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42533

Bei Olaf Krause (http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#11032) bin ich auf Studierendentexte gestoßen (die der Rechtschreibrat untersucht haben soll). Studentische Texte kann er nicht mehr sagen, weil da das verhaßte Maskulinum drinzustecken scheint.

Genderndentexte, Angepaßtentexte, Gehorchendentexte, Gleichgeschaltetentexte...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.12.2019 um 23.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42519

Die Idee ist erstmal nicht schlecht, wir hätten dann Studentinnen und Studentriche, Schülerinnen und Schüleriche, Lehrerinnen und Lehreriche, Bürgerinnen und Bürgeriche.

Wem das zu lang ist, der kann dann wieder einfach Studenten, Schüler, Lehrer, Bürger sagen, was dann jeweils in eindeutiger Weise immer beide Geschlechter umfaßt.

Das einzige verbleibende Problem würde sein, daß ein einzelnes Exemplar z. B. der Gruppe Student, egal, ob männlich oder weiblich, dann immer noch der Student heißt.
Und daran würde es wohl scheitern.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.12.2019 um 22.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42518

Ich denke, die Endung ist eigentlich -rich, das r wird nur nicht noch einmal geschrieben, wenn schon eins da ist (Enter, Ganser/Ganter). Nach anderen Konsonanten wird noch ein e eingeschoben, -erich, z. B. Wegerich, Knöterich, Dieterich, Friederich (Friedrich).
-rich soll etymologisch auf das Wort herrschen zurückgehen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 02.12.2019 um 14.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42517

So sehr das generische Maskulinum auch bekämpft wird, noch existiert es. Eine damit verbundene Benachteiligung der Männer liegt auf der Hand und wurde, glaube ich, hier schon angesprochen. Frauen können Bürgermeister sein und sich obendrein mit der rein weiblichen Bezeichnung Bürgermeisterin schmücken. Eine rein männliche Endung fehlt jedoch. Ich fände -ich dafür passend. -ich ist bereits bei Gänserichen und Wüterichen üblich, daher wäre es zum Bürgermeisterich kein großer Schritt, und zwischen Altenpflegerich und Zahntechnikerich würde der Gerechtigkeit ein weites Feld geöffnet.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.12.2019 um 13.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42516

Vorher kommt noch die Bürgerinnenmeisterinnenkandidatin. Mark Twain hat dazu einiges gesagt in "Die schreckliche Deutsche Sprache".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2019 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42514

Ganz Eifrige schreiben Herr/Frau der Dinge sein.

Das ist bestenfalls ein etwas ärmlicher Witz. Es geht ja nicht um einen Mann der Dinge, dem man eine Frau gegenüberstellen könnte. Herrin wäre denkbar, aber das wollen ja die Feministen nicht, weil es abgeleitet ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.11.2019 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42513

Anatol Stefanowitsch:
"Natürlich geht das, natürlich kann ich von Bürger*innenmeister*innen sprechen. Und dann immer mit diesem kleinen Plosiv, mit diesem kleinen glottalen Plosivlaut, die eben diese Gendersternchen anzeigen. Das ganze Wort wird dadurch in diesem Fall sehr lang. Wenn einen das stört, dann wäre man eben gefordert, ein ganz anderes Wort dafür zu finden, in dem eben das Wort Bürger dann nicht mehr vorkommt."

Die Hervorhebung ist von mir.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.11.2019 um 19.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42512

In der Sendung "Wer hat Angst vorm Genderwahn", heute 19.20 Uhr in 3sat, hat Herr Stefanowitsch allen Ernstes gesagt, dann müsse man eben das Wort Bürger*innenmeister*innen benutzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2019 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42500

Welche Schülerin kommt heute bei „Schülerschaft“, „Schülervertretung“ überhaupt noch auf die Idee, sie sei nicht gemeint? Durch das Gendern wird sie erst auf die Möglichkeit einer solchen Interpretation gestoßen, und das alle paar Zeilen. Das Gendern verewigt die Zurücksetzung der Frau.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2019 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42479

Soweit ich sehe, ist die Elternzeitschrift des bayerischen Schulministeriums nicht gegendert. Vielleicht will sie gelesen werden.

https://www.km.bayern.de/schueler/schule-und-mehr/magazin-schule-und-wir.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2019 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42472

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40524

Ich habe bei der HU (Frau Kirstein) angefragt, auf welcher Rechtsgrundlage die Verpflichtung zur Reformorthographie beruht, aber bisher keine Antwort erhalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2019 um 15.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42466

Das Studium beendete sie 1990 mit dem Magistra Artium. (Wikipedia über Doris Ahnen)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2019 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42452

Neutralisation ist ein sensibler Gegenstand. Wenn man das generische Maskulinum thematisiert, zerstört man es. Daraus lassen sich gegensätzliche Folgerungen ziehen, und das geschieht auch. Darum sind Diskussionen mit Feministen nicht sinnvoll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2019 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42451

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41844

In der Unternehmenskommunikation ist die Rechtschreibreform seit langem zu 100 Prozent durchgesetzt; dort ist einfach kein Platz für Zweifel. Das Gendern im Prinzip ebenfalls, weil man das eben jetzt so macht – Ausnahmen unterlaufen nur ungewollt.

In der Verbandszeitschrift der Übersetzer MdÜ bespricht eine österreichische Übersetzerin und Übersetzungswissenschaftlerin (Innsbruck) zwei Duden-Bände zum Gendern, natürlich zustimmend. Sie selbst gendere immer, auch mündlich, nach den Richtlinien des Kulturministeriums, was man gern glaubt.

So ist man immer auf der sicheren Seite.

Diese Welten sind so geschlossen und für unsere Argumente unzugänglich, daß man sich wie von einem anderen Stern fühlen könnte – wenn da nicht die Zeitungen usw. wären und eben auch die Außenwerbung besagter Unternehmen.

Im Radio hört man die Funktionäre mit ihrem heruntergeleierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Glaubt man wirklich, damit etwas für die Gleichberechtigung getan zu haben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2019 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42416

Nachtrag:

Bürger sollen „auch im Alter von 41 oder 52 Jahren noch mal eine neue Berufsausbildung machen können“, findet Bundesfinanzminister Scholz. Zugleich verteidigt er seinen umstrittenen Vorstoß für eine Streichung von Steuervorteilen für reine Männervereine. (welt.de 17.11.19)

Immer die Hand am Puls der Zeit...

(Wer wird einen Berufsanfänger Mitte oder Ende fünfzig einstellen? Vielleicht der Bund?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2019 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42415

Friederike Haupt (FAS) hat einen Männergesangverein besucht und beschreibt sehr anschaulich, wie es im wirklichen Leben zugeht, nämlich ganz anders, als Olaf Scholz es sich vorstellt.

Man kann sich nach allen möglichen Kriterien zusammentun: Katholiken, Behinderte, Jugendliche, Frauen, Schwarze... Anrüchig sind nur Vereine von Männern, Weißen... also das geht gar nicht!

Scholz vermischt zwei Probleme: Gemeinnützigkeit und Geschlechtergerechtigkeit (aber nur im Hinblick auf Frauen, darum erwähnt er keine Frauenvereine).

Die Gemeinnützigkeit besteht nicht im Nutzen für die Mitglieder.

Beim THW sind 15% Frauen. Selbst wenn beim THW nur Männer wären, würde es die Gemeinnützigkeit nicht beeinträchtigen.

Am gemeinnützigsten sind die Parteien; das beweist die überaus großzügige Parteienfinanzierung, für die sie selbst gesorgt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2019 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42412

Typischer Text, der die Sprachspaltung zeigt:

„Anders Wirtschaften für nachhaltigen Wohlstand – auf dem Weg in die sozial-ökologische Marktwirtschaft“ ist das Papier überschrieben, an dem neben den Fraktionsvorsitzenden auch der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und die neue wirtschaftspolitische Sprecherin Katharina Dröge mitgearbeitet haben. „Wir brauchen nicht noch mehr Verfügbarkeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern“, heißt es darin. Stattdessen sollen Mitarbeiter ihre Arbeitszeit zwischen 30 und 40 Wochenstunden frei wählen dürfen. (FAZ 15.11.19)

Der zitierte Text der Grünen gendert, der laufende Text der Journalistin natürlich nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2019 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42409

Zu Olaf Scholz:
Männerchöre nützen auch Frauen, weil viele Frauen gern Musik für Männerchor hören.
(Laut Paul Kirchhof nützt das Fernsehen auch Menschen, die es nicht nutzen.)
Ein bekanntes Orchester nahm lange keine Frauen auf, obwohl Frauen ebenso gut musizieren wie Männer. Das war ungerecht und hat sich inzwischen geändert, nicht zum Schaden des Orchesters.
Man sollte Vereinen beitreten, die lieber auf Gemeinnützigkeit und Steuerprivilegien verzichten. Allerdings werden auch diese bald verboten werden, wenn sie sich der feministischen Stampede entgegenstellen, wetten daß...?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2019 um 04.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42407

Wolfgang Schindler schreibt: Schreiberinnen und Leserinnen probierten mit der Zeit immer mehr schreibgrammatische Neuerungen aus, die sie dann gegenseitig gut fanden (Evolutions- bzw. Selektionstest bestanden) oder eben nicht. (http://wolfgang-schindler.userweb.mwn.de/index.html)

Wenn man gemerkt hat, daß der Verfasser das generische Femininum gemeint hat, bleibt der Eindruck der Beflissenheit zurück, aber keine zusätzliche Einsicht in die Beteiligung von Frauen an der Schriftgeschichte. Deren bedeutende Rolle hat der vielgescholtene Otto Jespersen schon vor 100 Jahren gewürdigt.

Schindler wird das bestimmt nicht beibehalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2019 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42383

"Olaf Scholz will Steuervorteile für Männervereine abschaffen"

Man sollte die Gemeinnützigkeit sowieso durchforsten. Die Freiwillige Feuerwehr oder das THW nützen allen, aber ein Gesangverein nützt nur den Sängern, während er den Zuhörern eher schadet. Falsches Motiv, aber richtige Folgen.
Bei dieser Gelegenheit: Auch auf Waren sollte ein gleicher Mehrwertsteuersatz erhoben werden, weil es dem Staat nicht zusteht, Tampons oder Bücher gegen Notebooks und Schnittblumen abzuwägen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2019 um 06.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42341

Nächste Woche verleiht der Verein TOTAL E-QUALITY e. V. in München seine jährlichen Auszeichnungen. Die Preisträger sind überwiegend staatliche und öffentlich-rechtliche Institutionen, die nicht dem wirtschaftlichen Wettbewerb ausgesetzt sind. Die Liste hier:

https://www.total-e-quality.de/media/uploads/liste_der_pr%C3%A4dikatstr%C3%A4ger_2019.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2019 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42318

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25560

„Menschen mit einer lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender- oder intersexuellen Identität“
Das ist auch nicht selbstverständlich. Man lehnt den „biologistischen Essentialismus“ ab, aber was ist mit „Identität“ gemeint? Ich bin heterosexuell, aber das definiert mich nicht, es gibt auch noch anderes.

Für Menschen, die heute aus ihren sexuellen Vorlieben eine Berufskarriere machen, sieht das vielleicht anders aus, aber ich halte dieses Insistieren auf Diversität für "essentialistisch".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2019 um 03.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42316

SPD-Mitglieder sprechen ganz selbstverständlich von der "Rettung" ihrer Partei, um die es jetzt gehe.
Ob zum Niedergang nicht auch so etwas beigetragen hat: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30418?

Das Gendern wird von einer großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt und hat etwas Sektiererisches. Gerade die Arbeiterschaft will nicht, daß die Politiker sich auf solchen akademischen Spielwiesen verausgaben.

Nein, man muß nicht fürchten, als AfD-Nachahmer angesehen zu werden, wenn man endlich die Gründe gegen das Gendern ernst nimmt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2019 um 12.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42308

Der Riß verläuft nicht zwischen amtlicher und nichtamtlicher Sprache. Besser scheint mir die Unterscheidung zwischen gebundenen und freien Texten. Gebundene Texte sind solche, die sich einer von außen gesetzten Norm unterwerfen (weil sie müssen oder auch nur müssen glauben).

Auch damit ist nicht das ganze Spektrum erfaßt, aber doch schon viel mehr als mit amtlich/nichtamtlich.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) schrieb nach dem Bekanntwerden der Baumängel und der Schulschließung an den Lörracher Oberbürgermeister: „Als zuständigen Schulträger bitte ich die Stadt Lörrach darum, dem Sanierungsbedarf im hier einschlägigen Fall so nachzukommen, dass der Unterricht für die Schülerinnen und Schüler ohne Abstriche gewährleistet werden kann.“ (FAZ 25.10.19)

Im Artikel selbst ist nur von Schülern die Rede. Die Ministerin bzw. ihr Ministerium sprechen die gebundene Verlautbarungssprache. Kein natürlich formulierter Text passiert den Filter.

Eine Zeitschrift wie "Sterne und Weltraum" gendert natürlich nicht. Nur auf der Seite, wo didaktische Materialen für die Schule angeboten werden, ist von Schülerinnen und Schülern die Rede, aber nur ganz vorübergehend, dann nur noch von Schülern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2019 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42304

Mehr Studienanfänger, höherer Frauenanteil
(...)
Nicht einmal ein Viertel der Studienanfänger war damals weiblich.

1971 führte der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) die staatliche Ausbildungsförderung Bafög ein. Die Zahl der Studienanfänger stieg daraufhin stark an und wächst seither stetig.
(ZEIT 23.10.19)

Das generische Maskulinum funktioniert.

(Aus der Grafik geht hervor, daß der Anstieg schon vor 1970 einsetzte; tatsächlich gab es bereits das „Honnefer Modell“, mit dem ich ab 1963 mein ganzes Studium finanzierte, bis ich als studentische Hilfskraft selbst etwas verdiente.)
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 21.10.2019 um 07.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42284

Und wie immer bekommen sie es nicht ganz auf die Reihe: Abweichler, Diabetiker, Bewohner, Whistleblower (3x).
Na gut, daß Whistleblowerinnen nicht sichtbar gemacht werden möchten, ist verständlich.
Dagegen haben Abweichlerinnen, Diabetikerinnen und Bewohnerinnen Grund, sich bitter zu beklagen.
Wobei die Abweichler ein besonderer Fall sind: Im Text beziehen sie sich auf Tumorzellen, und in der Paarung die Zelleder Abweichler belegen sie ein funktionierendes generisches Maskulinum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.10.2019 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42283

Das Magazin kann noch so auf Hochglanz poliert sein, man merkt doch gleich, daß man in eine andere Welt tritt: Schon das kurze Geleitwort des Präsidenten enthält dreimal Doppelnennung beider Geschlechter. Ob der Mann auch so redet, etwa mit seiner Frau? Es ist eben die Spielwiese der Ideologen. Keine Zeitung oder Zeitschrift, die sich auf dem Markt behaupten muß, leistet sich eine derart verkorkste Sprache. Hier ist die Auflage (6.500) garantiert, auch wenn keiner das Zeug lesen mag. Es ist nicht das Außenbild der Universität, sondern eine ideologisch entstellte Karikatur.
Pressestelle und Genderbüro haben still und leise die Macht ergriffen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2019 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42274

Das kostenlose Forschungsmagazin unserer Universität ist aufs lächerlichste durchgegendert: Expertinnen und Experten sprechen auch von optischer Biopsie. usw. (Sonst könnte jemand auf den Gedanken kommen, daß nur Experten, nicht aber Expertinnen von optischer Biopsie sprechen.)
Die Wissenschaftler (und Wissenschaftlerinnen) der Universität haben bei dieser ihrer Außendarstellung nicht mitzureden, das macht die Pressestelle, vermutlich im Bündnis mit dem Büro für Gender und Diversity.

Eine Genderforscherin der Uni behauptet im selben Heft:

„Es gibt viele Menschen, die geschlechtergerechte Sprache ablehnen, darunter auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Aber das sind in der Regel nicht diejenigen, die sich tatsächlich fachlich mit Sprache und Kognition befassen.“

Ziemlich unverschämt.

Hier kann man das ganze Heft sehen:

https://www.fau.de/files/2019/10/friedrich119_Im-Verborgenen.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2019 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42245

Die WELT meint zwar, Duflo sei erst die "zweite weibliche Gewinnerin" des Wirtschaftsnobelpreises, aber im übrigen kann man anläßlich des gemischten Trios sehr gut sehen, daß das generische Maskulinum in allen Medien nach wie vor funktioniert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.10.2019 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42221

"Gut" im moralischen Sinn (Stefanowitsch’sch).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.10.2019 um 00.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42220

Behauptet ja keine und keiner. Bloß gerecht soll es sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.10.2019 um 14.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42219

In den DLF-Nachrichten wurde heute schon mehrmals gesagt:

"... müssen sich nun einen anderen Kandidat oder Kandidatin suchen."

Das soll nun gutes Deutsch sein?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2019 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42204

Es lagen auch Daten zum Schlaf der Teilnehmenden vor, da die Patienten bereits eine Nacht in einem Schlaflabor zwischen dem Jahr 1991 und 1998 verbracht hatten. (https://www.heilpraxisnet.de/ 5.10.19)

Hier sieht man, wie der Verfasser (Alexander Stindt) reflexartig auf die maskuline Endung -er reagiert, nicht aber auf das lexikalisch maskuline Patient. Das hält er auch in seinen anderen Texten durchgehend so. Das Gendern geschieht völlig gedankenlos – ob das den Frauen wirklich hilft?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2019 um 07.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42202

Die Metaphorisierung von Mutter- und Tochterfirma führt zwar zur Sexualisierung des grammatischen Genus (Firma), die aber nicht bis zur Allegorese weitergetrieben ist. Es bleibt bei einer mechanischen Kongruenzerscheinung. Bei der Kirche ist es etwas anders. Hier scheint die „Mütterlichkeit“ zur Theologie zu gehören, so daß die Metapher vielleicht mehr ist:
In Amazonien hat die katholische Kirche im Laufe des letzten Jahrhunderts einen Rollenwandel vollzogen und ist von der bekehrenden Missionarin zur Anwältin der Indigenen geworden. (FAZ 5.10.19)

(Paradoxerweise besteht diese Mutter größtenteils aus Männern.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2019 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42180

Nach Ansicht der Gleichstellungsbeauftragten

„heben die neuen Empfehlungen nicht auf einen sprachsystematischen Eingriff ab, sondern sie möchten die Sprecherinnen und Sprecher auf der Ebene des Sprachgebrauchs anregen, die verfügbaren sprachlichen Mittel so nutzen, dass sich alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen können und geschlechtliche Vielfalt auch ihren sprachlichen Niederschlag findet.“

Dieses Argument findet man oft. Die Unterscheidung von Sprachsystem und Sprachgebrauch ist aber nicht haltbar. Das „Sprachsystem“ darf nicht zu einem Wesen eigener Art hypostasiert werden. Nur den Sprachgebrauch gibt es wirklich, das „System“ wird daraus vom Linguisten erschlossen bzw. konstruiert. Anders gesagt: Die Unterscheidung der „verfügbaren Mittel“ und des Gebrauchs, den man davon macht, ist ein einleuchtendes, aber falsches Modell der Sprache. Diese alte Einsicht (etwa bei Hermann Paul: „Prinzipien der Sprachgeschichte“) hat der Strukturalismus mit seiner Unterscheidung von Vorrat und Auswahl zeitweise verdunkelt, aber heute besinnt sich die Linguistik eines Besseren.
Um es am konkreten Beispiel zu erläutern: Wenn der „Gebrauch“ des generischen Maskulinums a limine ausgeschlossen wird (wie in den „Empfehlungen“), so ist damit selbstverständlich eine Änderung des deutschen Sprachsystems verbunden. Die „Empfehlungen“ implizieren geradezu die Behauptung, daß das generische Maskulinum nicht mehr funktioniere – eine empirisch falsche Behauptung über das Sprachsystem.

Auch falsche Behauptungen können allerdings die Sprache (den Gebrauch und damit auch das System) verändern. Die Problematisierung des generischen Maskulinums ist selbsterfüllend: sie macht das generische Maskulinum problematisch. Das ist auf anderen Gebieten der „politischen Korrektheit“ schon geschehen, aber bei grammatischen Mitteln, die wesentlich im Hintergrund operieren, ist die Thematisierung des Unthematischen besonders folgenreich.

Solange sie die Hochschulleitung hinter sich haben, können Gleichstellungsbeauftragte ohne sprachwissenschaftliche Kenntnisse ihre naiven und falschen Ansichten über die deutsche Sprache verbreiten und daraus ihr praktischen Forderungen ableiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2019 um 05.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42179

Die bloße Erwähnung von männlichen und weiblichen Personen ist noch kein Gendern im Sinne des Feminismus. Entscheidend ist, ob das generische Maskulinum verwendet wird. Die Neutralisation ist immer nur eine Möglichkeit.

Ich höre einige Interviews im DLF. Die Sprecher wechseln zwischen Beidnennung (Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer) und generischem Maskulinum (Arbeitgeber). Das ist nur ein wenig pedantisch, aber ansonsten der herkömmliche Zustand. Ob die Sprecher es wollen oder nicht: Sie bestätigen durch die Praxis, daß das generische Maskulinum funktioniert. Damit ist die Hauptvoraussetzung der Sprachfeministen widerlegt.

Das Online-Magazin jetzt.de gendert mit dem Sternchen, anders als die „Süddeutsche“ selbst. Man will wohl junge Erwachsene ansprechen, ohne ihnen etwas verkaufen zu müssen. (Ich habe nur mal einen Blick reingeworfen. Seltsam missionarisch für die „offene Ehe“.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.09.2019 um 18.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42171

Es steht ihr frei, beispielsweise den Begriff Kopulation zu benutzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2019 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42170

EMMA über Luise F. Pusch:

Bei der Prostitution, sagt sie zum Beispiel, wären wir weiter, „wenn wir das, was da passiert, nicht länger als ´Sex´ bezeichnen würden. Denn Sex bezeichnet einen für beide Seiten lustvollen Akt.“

Wieso denn?
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 28.09.2019 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42168

Sallust, Epistula ad Caesarem I 1,2: "Appius ait fabrum esse suae quemque fortunae". An Luise Pusch haben weder Appius noch Sallust gedacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2019 um 03.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42167

In der Basisarbeit der Kirchen ist das Gendern besonders beliebt. "Gender mainstreaming im Kindergottesdienst" usw. – Wer die Jugend hat, hat die Zukunft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2019 um 03.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42166

Jede ist ihres Glückes Schmiedin. Allerdings dürften Schmiedinnen selten gewesen sein, als das Sprichwort entstand. Luise Pusch entkräftet den Einwand, weil sie ja das generische Femininum vertritt. So konnte ein Mann den Beruf der Schmiedin ergreifen.

Jeder das Ihre. (Suum cuique.) Diese oft propagierte Neufassung stand wenigstens nicht in Buchenwald.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2019 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42165

Wie ich die Gleichstellungsbeauftragten kenne, werden sie uns immer auffordern, mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen, aber niemals zugeben, daß es das zu lösende Problem nicht gibt und nie gab. Ich möchte behaupten, daß durch Wer hat seine Geldbörse verloren? noch niemals Frauen sich nicht angesprochen gefühlt haben.
 
 

Kommentar von A.B., verfaßt am 27.09.2019 um 14.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42164

Wer hat den ihr oder ihm gehörenden Lippenstift liegenlassen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.09.2019 um 13.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42163

2 Lösungsvorschläge:

Were (oder werin) hat ihren Lippenstift im Bad liegengelassen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.09.2019 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42162

Auch „Wer hat seinen Lippenstift im Bad liegen gelassen?“ und „Wer hat ihren Lippenstift im Bad liegen gelassen?“ sind nicht gleichbedeutend interpretierbar. Im ersten Fall hat jemand seinen eigenen Stift oder den eines (zuvor genannten) anderen vergessen, im zweiten Fall kann es nicht die Besitzerin gewesen sein (Helga ist sauer: Wer hat ihren Lippenstift im Bad liegen gelassen?).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2019 um 04.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42160

Ich habe die Leiterin des Genderbüros auf "Wer hat denn hier seinen Lippenstift liegen lassen?" angesprochen. Sie antwortet, man könne doch "den Lippenstift" sagen.

Das zeigt die Bedenklichkeit des ganzen Ansatzes: Die beiden Ausdrücke sind ja nicht gleichbedeutend. Um der vermeintlichen Geschlechtergerechtigkeit willen etwas anderes zu sagen, als man eigentlich sagen wollte, ist eine Zumutung, über deren Unzulässigkeit man nicht weiter zu reden braucht.

Die ganze Antwort-Mail, die ich hier nicht wiedergeben kann, ist von einer erschütternden Naivität in linguistischen Dingen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2019 um 06.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42154

Früher gab es an der Universität Erlangen eine Frauenbeauftragte. Das Team des Genderbüros samt angeschlossenen Stellen umfaßt inzwischen rund 20 Personen, im Kernbereich ausschließlich Frauen. Für die ist also schon mal gesorgt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2019 um 04.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42136

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17903

Gerade haben wir wieder Anlaß, uns über das Autoritäre, Wissenschaftsfeindliche der Universitätsverwaltungen zu beschweren, wie es in den Verlautbarungen einer enthemmten Gender-Bürokratie zum Ausdruck kommt. Der zitierte Text fuhr schon damals fort:

Gleichstellungspolitik ist eine zentrale Querschnittsaufgabe an der Universität Erlangen-Nürnberg, die sich in einer Vielfalt von Aktivitäten und  Perspektiven widerspiegelt. Ein umfassendes, modernes Gleichstellungskonzept soll alle gleichstellungspolitischen Aktivitäten bündeln und deren strukturelle Einbindung sowie die strategische Ausrichtung der Gleichstellungspolitik als bedeutsamen Bestandteil des Leitbildes der Universität Erlangen-Nürnberg aufzeigen.
Das Gleichstellungskonzept dient sowohl der internen wie externen Kommunikation bestehender und geplanter Gleichstellungsmaßnahmen als auch der Sichtbarmachung  des Standortvorteils unserer Universität.
Das Gleichstellungskonzept der Universität Erlangen-Nürnberg wird derzeit in Kooperation von Universitätsleitung, Frauenbeauftragten, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Büros der Frauenbeauftragten ausgearbeitet. Die Fertigstellung ist für April 2010 geplant.
Ansprechpartnerinnen sind:
Prof. Dr. Johanna Haberer
Dr. Sabina Enzelberger


Die einzigen, die nicht mitreden dürfen, sind die Fachleute.

(Für Außentehende: Die Uni Erlangen leistet sich einen Lehrstuhl für Christliche Publizistik. S. a. "Universitätsprediger".)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2019 um 03.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42135

Die Wikipedia möchte lesbar bleiben, gendert also nicht. Diskussionen gab es natürlich:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Meinungsbilder/Geschlechtergerechte_Sprache

Ein Beiträger schrieb: Wikipedia ist keine Umkleide.
 
 

Kommentar von Theodor Icler, verfaßt am 20.09.2019 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42130

Die Universität Erlangen gib Rat, wie man sich gegen sexuelle Belästigung wehrt:

„Herr Dr. S., bitte unterlassen Sie diese anzüglichen Bemerkungen!“;

„Frau Prof. K., ich bin an einem privaten Verhältnis mit Ihnen nicht interessiert! Bitte drängen Sie mir keine Verabredungen auf!“;

„Herr J., ich verbitte mir solche Berührungen! Das ist mir unangenehm und ich will, dass Sie das nicht mehr tun!“


(Man beachte, daß nur die Frau es zum Professorentitel gebracht hat! Allerdings kann sie es nicht lassen, Mitarbeiter sexuell zu belästigen. Der Text stammt übrigens von der LMU München; das Genderbüro der Erlanger Uni ist nicht besonders kreativ.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2019 um 03.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42128

Vater der Rosetta-Mission entschuldigt sich unter Tränen für geschmackloses Hemd (Focus 15.11.14)

(Auf dem Hemd sind einige Frauen in Sommerkleidung abgebildet. „Viele Zuschauer hielten dies für unangebracht und sexistisch, Taylor schien es ehrlich Leid zu tun.“)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2019 um 03.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42127

Der Bayerische Rundfunk bemüht sich um "geschlechtergerechte Formulierungen". In einem internen Flyer mit dem Titel "Faire Sprache" werden die Mitarbeiter dazu aufgerufen, nicht immer automatisch die männliche Variante eines Wortes zu benutzen: lieber Abteilungsleitung als Abteilungsleiter. Eine BR-Sprecherin bestätigte am Donnerstag Berichte des "Münchner Merkur" und der "tz" und betonte: "Bei dem Flyer "Faire Sprache" handelt es sich nicht um eine verbindliche Anweisung, sondern um eine reine Orientierungshilfe, um Tipps für den Arbeitsalltag." (PNP 27.11.14)

Der quasi-staatliche ö.r. Rundfunk kann gendern, erst recht seit der Einführung des Zwangsbeitrags, weil die Einnahmen fließen, auch wenn niemand mehr hört und guckt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2019 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42120

Zum Beispiel könnten Richter auf den Gedanken kommen, zum Gendern den neuen Direktor des IDS zu befragen. Wo denn sonst ist der linguistische Sachverstand zu suchen? So könnte der Laie fragen.

Henning Lobin hat zusammen mit der Fachfrau Damaris Nübling einen Aufsatz veröffentlicht, der sich vorbehaltlos für das Gendern und für den zugrunde liegenden Sprachidealismus ausspricht. Daß das wissenschaftlich haltlos ist – woher sollen die Juristen das wissen?

Man denke an die KMK, die sich in ihrer Hilflosigkeit an den Rat für deutsche Rechtschreibung (!) wandte, um etwas Brauchbares zum Gendern in die Hand zu bekommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2019 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42118

Schon Aristoteles dachte darüber nach, wie Laien die Qualität von Fachleuten beurteilen können. (Hintergrund war die "demokratische" Wahl von Gemeindeärzten, Heerführern usw.)

Das Bundesverfassungsgericht hat uns Linguisten angehört, gefolgt ist es den schlechten. Daher das beklagenswerte Niveau des Urteils, was sprachliche Tatsachen betrifft.

Die "Fachleute", welche auch immer, sind manchmal der letzte Strohhalm der Richter, wenn sie nicht weiterwissen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.09.2019 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42116

Ziehen eigentlich Richter auf einem Gebiet, wo sie Laien sind, keinen Sachverständigen zu Rate?
Das müßte doch in diesem Fall ein Sprachwissenschaftler mit einiger Erfahrung und allgemeiner Anerkennung sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2019 um 03.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42112

Aus OLG Karlsruhe, Urteil v. 13.9.2011-17 U 99/10, Zusammenfassung:

Geschlechtsneutral ist eine Ausschreibung nur dann formuliert, wenn sie sich in ihrer gesamten Ausdrucksweise sowohl an Frauen als auch an Männer richtet. Dem ist jedenfalls dann Rechnung getragen, wenn die Berufsbezeichnung in männlicher und weiblicher Form verwendet oder ein geschlechtsneutraler Oberbegriff gewählt wird. Der Begriff "Geschäftsführer" ist eindeutig männlich. Es handelt sich bei ihm nicht um einen geschlechtsneutralen Oberbegriff. Die Anforderungen an die Begrifflichkeiten im Alltag oder in Gesetzestexten sind andere als bei einer Stellenausschreibung. Selbst wenn im allgemeinen Sprachgebrauch oder teilweise auch noch in der Gesetzessprache der männliche Begriff wie ein Oberbegriff verwendet wird, so wird er dadurch im Rahmen einer Stellenanzeige nicht geschlechtsneutral.

Die Behauptung, daß es in Stellenausschreibungen kein generisches Maskulinum gibt, ist offenbar nicht deskriptiv, sondern normativ: es soll keines geben. Einzig in Stellenausschreibungen soll eine Sonderform des Deutschen Verwendung finden, die sich systematisch von der Alltagssprache, aber auch von der sonstigen Rechtssprache unterscheidet. Erst wenn dieser Eingriff akzeptiert wird, ist analytisch wahr: Der Begriff "Geschäftsführer" ist eindeutig männlich. Es handelt sich bei ihm nicht um einen geschlechtsneutralen Oberbegriff.

Dieses Urteil war eines der folgenreichsten in der ganzen Genderdebatte und -praxis.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.09.2019 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42111

#42108:
Nur spiegelt eine Zusammensetzung weder unbedingt einen Genitiv wider (das hatten wir auch schon diskutiert), noch deckt der Genitiv oder dessen Ersetzung mit "von" einen notwendigen Numerus auf.

Ärztinnenrechnung kann man grammatisch sinnvoll (ich rede natürlich nicht vom Sinn der Genderei) sowohl mit Ärztin als auch mit Ärztinnen deuten bzw. umschreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2019 um 16.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42110

Warum die schöne Literatur niemals gendern wird, hat Arthur Brühlmeier vor Jahren an einem Stück aus Goethes "Dichtung und Wahrheit" vorgeführt:

In ruhigen Zeiten will jeder/jede nach seiner/ihrer Weise leben, der Bürger/die Bürgerin sein/ihr Gewerb, sein/ihr Geschäft treiben und sich nachher vergnügen; so mag auch der Schriftsteller/die Schriftstellerin gern etwas verfassen, seine/ihre Arbeiten bekannt machen und, wo nicht Lohn, doch Lob dafür hoffen, weil er/sie glaubt, etwas Gutes und Nützliches getan zu haben. In dieser Ruhe wird der Bürger/die Bürgerin durch den Satiriker/die Satirikerin, der Autor/die Autorin durch den Kritiker/die Kritikerin und so die friedliche Gesellschaft in eine unangenehme Bewegung gesetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2019 um 15.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42109

Vor einigen Jahren hat die EU beschlossen, daß die Werbung keine Frauen bei hausfrauentypischen Beschäftigungen mehr zeigen soll.
Ohne dem Stand der Dinge nachgehen zu wollen: Ist es unproblematischer, Frauen in frauentypischen Berufen zu zeigen: Erzieherinnen, Krankenschwestern usw., deren niedrige Entlohnung ja der Hauptgrund für den "gender gap" bei den Einkommen ist?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.09.2019 um 14.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42108

Im Süddeutschen Deutsch wird der Genitiv durch "von" ersetzt. Er ist nur in kirchlichen Begriffen üblich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2019 um 05.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42106

Kürzlich ferngesehen, dabei auch die Arzneimittelwerbung. Auf dem Bildschirm erscheint durchweg: "...fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker", ohne die 2005 beschlossene Doppelnennung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.09.2019 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42105

Entschuldigung, lieber Germanist, das war auf Prof. Icklers Antwort bezogen.
Aber welches Pronomen wäre dann in Ärztinnenrechnung weggelassen worden? Ich glaube, das hilft nicht weiter.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 15.09.2019 um 19.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42104

Ja, das verstehe ich. Auch daß -(e)r- wohl aus sprachhistorischen Gründen nicht als Fugenelement in Frage kommt (obwohl es wie -en- nicht nur den Plural, sondern auch eine Art Genitiv bildet, z. B. Bremer Rathaus). Umso besser, dann gibt es noch mehr Beispiele als ich dachte, nicht nur Pluraliatantum, für Bestimmungswörter im Plural.

Aber was spricht dann dagegen, daß in Ärztinnenrechnung auch ein richtiger (nicht nur ein vermeintlicher) Plural steckt? Die bloße Existenz des Fugenelements -en- macht ja noch nicht jeden Plural auf -en- in Komposita zum Singular, oder?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.09.2019 um 19.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42103

Meiner Meinung nach entstehen zusammengesetzte Substantiva durch den Wegfall eines Pronomens. Wenn mann also die entsprechende Rückbildung macht, sieht man sofort, ob das Bestimmungswort im Plural oder Singular stehen muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2019 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42102

Eine Seenplatte könnte nicht Seeplatte heißen. Es gibt hier eine klare Opposition: Alle Komposita werden mit der neutralisierten (unmarkierten) Form See- gebildet (Seegurke, Seenot, Seerose, Seeufer usw.), nur nicht Seenkunde, Seenplatte, wo tatsächlich die Mehrzahl gemeint ist.
(Ich habe zwei Komposita beigemischt, die sicherstellen, daß der Unterschied der/die See keine Rolle spielt.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.09.2019 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42101

zu #42097:
Aber alle Ihre Beispiele stehen doch, jedenfalls für mich, im Verdacht, ebenfalls nur vermeintliche Plurale zu sein. Es gibt Fugenelemente -s-, -(e)n-, -d-, -t-, ...[?], warum nicht auch -(e)r-?

Diese Wörter könnten genauso gut Seeplatte, Buchregal, Hausmeer heißen. Wer dagegen semantische Gründe anführt, ist schon wieder bei der Frage, was das Bestimmungswort in einer Zusammensetzung bedeutet, bzw. bei Karl Valentins Semmelnknödeln. Auch im Kartoffelsalat sind normalerweise mehrere Kartoffeln verarbeitet, trotzdem ist das Wort mit dem singulargleichen Wortstamm gebildet.

Ich habe also mit Bedacht als Beispiel das Pluraletantum Ferien gewählt, weil man nur damit nicht darum herumkommt anzuerkennen, daß es sich bei Ferienwohnung um eine Zusammensetzung mit einem Plural handelt. Es beweist, daß Zusammensetzungen mit dem Plural existieren!

Meine letzte Frage in #42094 sehe ich also noch nicht beantwortet, ich formuliere sie noch einmal:
Was erlaubt uns, in Seenplatte, Bücherregal, Häusermeer jeweils einen Plural, kein Fugenelement -n-, -er-, zu sehen, in Ärztinnenrechnung jedoch ohne weiteres nur das einfache (singulargleiche) Wort Ärztin mit Fugenelement -en-?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2019 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42098

Sie suchen Redner, Keynote Speaker oder Moderatoren? (Referentenagentur Bertelsmann)

Nicht gegendert – es geht ums Geschäft.

Übrigens weiß ich nicht, ob ich auf so einer Liste stehen möchte. Mietredner waren auch die antiken Sophisten; ihr Ruf ist nicht der beste.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2019 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42097

Doch, auch mit dem Plural kann man Zusammensetzungen bilden: Seenplatte, Bücherregal, Häusermeer.

Ferien hat keinen Singular, darum ist das Beispiel nicht so geeignet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.09.2019 um 23.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42094

Ich glaube, ich kann meine letzte Frage selbst beantworten. Das Wort Ferienwohnung hat zweifellos ein Bestimmungswort im Plural und kein Fugenelement.

Wenn es nun einerseits Zusammensetzungen mit verschiedenen Fugenelementen, andererseits aber auch Zusammensetzungen mit dem Plural gibt, woher wissen wir dann, zu welchem dieser beiden Fälle das Wort Ärztinnenrechnung gehört?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.09.2019 um 23.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42093

Bedeutet das, daß es überhaupt keine Zusammensetzungen mit dem Plural eines Bestimmungswortes gibt?

Werden alle Zusammensetzungen immer mit dem Singular und ggf. einem Fugenelement (ggf. Umlaut und Konsonantenverdopplung inclusive) gebildet?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2019 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42092

Über die Herkunft (also eine historische Frage) der Fugenzeichen haben wir immer wieder mal diskutiert, so auch schon hier: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=373#2584
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.09.2019 um 09.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42091

Ist es denn nur ein vermeintlicher Plural? Wie kann man das unterscheiden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2019 um 03.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42088

Die Empfindlichkeit zarter Augen und Ohren gegen Darstellungen von „Gewalt“ usw. in alter und sehr alter Literatur und Kunst wirkt ein wenig seltsam angesichts der geballten Ladung in heutiger Literatur, Filmen, Raptexten usw. Kaum auszudenken, was sich Schulkinder schon alles reingezogen haben, bevor sie sich Wort für Wort durch Ovid hangeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2019 um 03.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42086

Der (vermeintliche) Plural als Kompositionsstammform auch in:

Kanzlerinnendämmerung (alljährlich in der Presse zu lesen)

Hebammenrechnung
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.09.2019 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42085

Interessant:
Man sagt ja i. a. Arztrechnung, nicht Ärzterechnung
(bei Google ca. 50mal häufiger).

Mit der weiblichen Form wird jedoch der Plural gebildet:

Nicht Ärztinrechnung, sondern Ärztinnenrechnung.

Das findet man sogar in ein und demselben Satz:
- Hat jemand statt einer Arztrechnung je eine Ärztinnenrechnung gefordert ...
- Die Idee war eigentlich einmal, dass mit den Monatsprämien die Arzt- und Ärztinnenrechnung und der Spitalaufenthalt bezahlt sind.

Das ist m. E. ein klarer Hinweis darauf, daß es in Arztrechnung nicht um die Person des Arztes geht, sondern nur um den Wortstamm der Berufsbezeichnung, wie in ärztlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2019 um 16.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42084

Kundinnennummer, Kundinnen-Nummer, KundInnennummer findet man fast nur auf österreichischen Seiten; Ärztinnenrechnung ist aber auch dort kaum belegt. Warum diese Ungleichbehandlung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2019 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42082

Wenn ein Dichter eine erotische Affäre aus seiner Sicht darstellt und nichts über die Gefühle der Partnerin sagt, dann kann auch der Leser nichts darüber sagen. Sonst wären wir wieder auf der Suche nach der "Wahrheit über Rotkäppchen" usw.
Als Schriftstellerin konnte Christa Wolf natürlich ihrerseits das Innenleben fiktionaler Heldinnen erfinden. Das geht dann gänzlich auf ihre Kappe und ist keine Forschung, wo es nichts zu forschen gibt.

Wesselmanns Vorschläge (übrigens durchgegendert) zur feministischen Lektüre römischer Dichtungen laufen auf das geschmähte inhaltlich identifikatorische Lesen hinaus, nur eben ideologisch umgepolt, wie es der heutigen Mode entspricht.

In der Ilias gibt Helena einen knappen Einblick in ihr Innenleben, und Homer deutet noch etwas mehr an, aber das war es dann auch. Wenn Lehrer ihren Schülern aufgeben, sich noch Genaueres auszumalen – bitte sehr, das ist didaktische Freiheit und kann vielleicht das Interesse an den alten Stoffen stärken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2019 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42075

In der ZEIT diskutiert eine Altsprach-Didaktikerin "sexuelle Gewalt" in antiken Texten (https://www.zeit.de/kultur/2019-09/lateinunterricht-sexuelle-gewalt-antike-texte-metoo-10nach8/komplettansicht).

Beim Studium lateinischer und griechischer Texte drängen sich nach dem Perspektivwechsel durch #MeToo unangenehme neue Realitäten auf: Die Handlung von Homers Ilias wird durch Geschacher um die entführte Sklavin Briseis in Gang gebracht, Catull bedroht seine Dichterrivalen mit analer und oraler Penetration, bei Terenz gilt die Eheschließung von Vergewaltiger und Opfer als Happy End.

Das soll erst im Gefolge von #MeToo bemerkt worden sein? Ich bin schon eine Weile aus dem Geschäft, aber das kann ich mir wirklich nicht denken.

Die deutschsprachige Altphilologen-Community hat auf #MeToo bisher nicht reagiert. In der Schule zielt die Vermittlung meist auf absolute Identifikation, um Jugendliche für die Antike zu faszinieren.

Immerhin will die Verfassserin die alten Texte weißer Männer nicht verbannen (natürlich nicht, sie lebt ja davon), sondern als Gelegenheit zur antisexistischen Erziehung nutzen und in diesem Sinne dann für den Lateinunterricht werben. (Ick hör dir trapsen – eigentlich von der ersten Zeile an...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2019 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42071

Den Übermut der Ämter erkennt man wieder daran, daß die Leiterin des Genderbüros an unserer Universität, eine Politologin, sich lediglich der Rückendeckung der Universitätsleitung versicherte, nicht aber die Germanisten und Sprachwissenschaftler der Universität zu konsultieren für nötig hielt. So läuft es überall in Deutschland. Als Quellen für sprachliche Erfindungen im Sinne der PC werden immer wieder dieselben Pamphlete aus radikalfeministischen Konventikeln genannt. Das sind die heiligen Schriften unserer Zeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2019 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42067

Wie Luise F. Pusch gern anführt, hat schon Ina Seidel über ihre Freundin Agnes Miegel geschrieben „Wer war’s, die das Brot gebrochen hat“, und Pusch meint, dies sei eine Vorwegnahme ihres eigenen Vorschlags: „Wer hat ihren Lippenstift im Bad liegen gelassen?“
Dem ist aber nicht so. Es handelt sich bei Seidel um einen freien Relativsatz mit Vorgreifer-es. Die Antwort wäre etwa: „Die das Brot gebrochen hat, war Agnes.“ Hier entfällt die Kongruenzforderung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2019 um 03.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42066

Am vorigen Eintrag sieht man, welche Macht die früher so genannten Frauenbeauftragten inzwischen bekommen haben. Früher saßen sie in Berufungskommissionen herum und sagten kein Wort, auch wegen fehlender Kompetenz, bis auf die obligate Frage, ob denn auch die besondere Situation der weiblichen Bewerber hinreichend berücksichtigt sei (was sie selbstverständlich immer war).
Seither ist ihr Pöstchen zu ganzen Stabsstellen ausgebaut, und sie stehen hoch über der gesamten übrigen Verwaltung. Sie führen nämlich das Schwert der Moral ("Gender mainstreaming"), dem nicht einmal der Rektor bzw. Präsident gewachsen ist. So schaffen sie es, ohne Konsultation der ihnen unterworfenen Professoren Maßnahmen wie den "geschlechtersensiblen Sprachgebrauch" durchzusetzen. Widerstand ist möglich, aber zwecklos.
An den Gender-"Empfehlungen" unserer Universität kann man die Verbindung von Dummheit und Frechheit studieren; es ist aber im ganzen Land dasselbe.
Leider sind beamtete Hochschullehrer nicht die mutigste Spezies, wie man schon bei der Übernahme der Rechtschreibreform gesehen hat. Zum normalen Konformismus tritt nun noch das Kuschen vor dem pseudomoralischen Totschlagargument.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2019 um 20.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42065

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat nun auch Empfehlungen zum Gendern herausgebracht:

https://www.gender-und-diversity.fau.de/gender/geschlechtersensible-sprache/

Ich kommentiere ein bißchen.

Was bedeutet im Titel der Empfehlungen „erfolgreich kommunizieren“, und in welchem Verhältnis steht dies zu „geschlechtersensibel“? Bedeutet es, daß etwa Anträge weniger Aussicht auf Erfolg haben, wenn sie nicht im Sinne des Büros für Gender und Diversity „geschlechtersensibel“ abgefaßt sind? Seit wann gibt die Universitätsverwaltung Empfehlungen zum erfolgreichen Kommunizieren heraus, und ist dies überhaupt ihre Aufgabe?
Die Wortwahl „geschlechtersensibel“ und „geschlechtergerecht“ ist eine Captatio benevolentiae, denn wer möchte schon unsensibel und ungerecht sein? Auch suggeriert sie, daß der bisher übliche Sprachgebrauch solche Mängel gehabt habe – eine unsaubere und unsensible Subreption schon vor dem Einstieg in die Sache selbst..

Die Empfehlungen beginnen mit einer starken Behauptung:

Sprache beeinflusst unser Denken, Bewusstsein und unsere Wahrnehmung, steuert unsere Bewertung von Sachverhalten, spiegelt und transportiert Werthaltungen und schafft damit Wirklichkeit. Durch einen geschlechtersensiblen, inklusiven Sprachgebrauch können wir als Universität dazu beitragen, alle Menschen gleichermaßen zu berücksichtigen und zu adressieren und dadurch erfolgreiche Kommunikation zu unterstützen.

Woher wissen die Verfasser das alles? Der Sprachidealismus, zu dem sie sich vorbehaltlos bekennen, hat unter Sprachwissenschaftlern kaum noch Anhänger. (In Deutschland war der Ahnenerbe-Keltologe Weisgerber der letzte einflußreiche Vertreter.) Alle Versuche, ihn empirisch zu untermauern, sind mehr oder weniger gescheitert. Wenn Sprache das Bewußtsein steuerte, müßten die Angehörigen einer Sprachgemeinschaft in ihrem Denken, in der „Bewertung von Sachverhalten“ usw. weitgehend übereinstimmen. Es ist aber nicht gelungen, die „Weltansicht“ ganzer Sprachgemeinschaften zu bestimmen.

Der „Anwendungsbereich“ der Empfehlungen soll zwar Vorlesungen, nicht aber die schriftlichen Veröffentlichungen umfassen, obwohl sie in gleicher Weise zum „sprachlichen Erscheinungsbild der FAU“ beitragen.

Das generische Maskulinum, also der initiale Hinweis in Texten, dass mit männlichen Personenbezeichnungen auch Frauen gemeint seien, ist zwar konform mit den Rechtschreibregeln. Allerdings wird es von vielen auf die Bezeichnung von Personen männlichen Geschlechts reduziert und daher von den hier vorliegenden Empfehlungen ausgeschlossen.

Die Verfasser scheinen nicht zu wissen, was man unter dem „generischen Maskulinum“ versteht. Jener „initiale Hinweis“ ist nicht selbst das generische Maskulinum, sondern weist darauf hin.

Die mehrmals apostrophierte „amtliche Rechtschreibung“ (Schulorthographie) ist für Wissenschaftler ohnehin nicht verbindlich.

Hinweis: Bei der Beidnennung ist es üblich, aber nicht vorgeschrieben, die weibliche Form zuerst zu nennen.

„Vorgeschrieben“? Wer schreibt denn plötzlich vor, wo es doch um Empfehlungen gehen soll? (Die Erstnennung von Frauen stammt noch aus der alten Galanterie und steht eigentlich im Gegensatz zur modernen Gleichstellungspolitik. Einer Dame in den Mantel zu helfen oder ihr die Tür aufzuhalten und den Vortritt zu lassen wäre heute als Ausdruck der Geringschätzung zu werten.)

Die Empfehlung, die scheinbar maskuline Form auch als Erstglied von Komposita zu vermeiden (Rednerpult soll zu Redepult werden), beweist, daß die Verfasser die deutsche Wortbildung nicht verstanden haben. Sie verwechseln den Stamm des Nomen agentis mit der maskulinen Form. Man muß sich wundern, daß sie nicht auch den Stamm von Ableitungen wie redner-isch in Angriff genommen haben.

Geschlechterneutrale Pronomen sind z.B. wer oder alle.[/i]

Aber wer wird durch das generische Maskulinum wiederaufgegriffen: Wer hat seinen Lippenstift hier liegenlassen? Was sagen die Verfasser zu diesem klassischen Beispiel aus der feministischen Diskussion?

Die „Empfehlungen“ sind durch eine gewisse Ängstlichkeit geprägt: als könne man, wenn man nicht aufpaßt, unversehens ein großes Unrecht gegen Frauen oder sonstwie geschlechtlich geprägte Mitmenschen begehen.

Die immer weiter wuchernde Vermeidungssprache wird die Kommunikation ungemein erschweren und keineswegs „erfolgreicher“ machen. Bezeichnenderweise unterbleibt das Gendern in Zeitungen und Romanen, also in Texten, die verkauft werden müssen. Das Gendern und daher auch diese "Empfehlungen" treiben einen Keil in die Sprachgemeinschaft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.09.2019 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42055

Körperteil ist nach Duden maskulin, aber jeder weiß, daß daneben das Neutrum üblich ist. Bei der ZEIT z. B. hat man eine erstaunlich gleichmäßige Zunahme des Neutrums gefunden: http://www.sprachlog.de/2014/06/30/von-maennlichen-koerperteilen/ (mit weiterer Erörterung des Problems).

Maskuline Teile entstehen durch Teilung, neutrale sind funktionierende Einheiten. Daher hat sich das Geschlechtsteil durchgesetzt, und Körperteil folgt derselben Logik oder gleich demselben Muster.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2019 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42046

In den Unternehmenstexten, die meine Tochter übersetzt, spielt durchweg der Schutz vor sexueller Belästigung – und schon vor dem Anschein einer solchen – eine große Rolle, ganz anders als noch vor wenigen Jahren. Eigenartiges Menschenbild, jedenfalls offiziell. Laut einer amerikanischen Studie wirkt sich „MeToo“ bereits auf die Einstellungspraxis und das Verhalten der Angestellten aus, meistens zum Nachteil der Frauen. Je attraktiver sie sind, desto geringer ihre Chancen. Man meidet auch Besprechungen unter vier Augen, gemeinsame Dienstreisen usw.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 30.08.2019 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42032

Es gibt am nullachten November eine vom „Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration“ geförderte Tagung „Critical Whiteness, Powersharing und Empowerment in der Jugend(sozial)arbeit“ (https://www.lvr.de/media/wwwlvrde/jugend/jugendfrderung/2019_11_Critical_Whiteness.pdf). Der Text ist mit seíner Kombination aus dummen Anglizismen mit häßlichem Gendersprech (oder umgekehrt?) der Brüller bei jedem Bullshit-Bingo.

Kostprobe:

„Powersharing“, „Frauen*beauftragte“, „Alice Salomon Hochschule“ (Deppen Leer Zeichen!), „Durchpowern, Selfcare und Empowerment“, „Tools“, „Mädchen*arbeit“, „Teilnehmer*innenzahl“, „Die zwei Formen des Empowerments in der Theorie der trilemmatischen Inklusion“, „Professorin für Diversität und Soziale Arbeit“, „Fachreferentinnen* der LAG Mädchen*arbeit“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2019 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42028

der oder die gemäßigtere Führungsfigur (FAZ 29.8.19)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2019 um 08.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42024

Die DASD hat in ihrem Forum fast drei Jahre gar keine Einträge mehr gehabt, dann kam dieser betuliche, wahrhaft präsidiale Text:

Drei Fragen zu „gendergerechter Sprache“
Zu den erklärten Aufgaben der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zählt es,
- die Sprachentwicklung in der Verbindung von sprachwissenschaftlicher, literarischer und literaturkritischer Kompetenz aufmerksam zu begleiten, und
- sich für den freien Austausch der Meinungen in Wort und Schrift einzusetzen und zu einer differenzierten Debattenkultur beizutragen.
Keine Frage, die deutsche Sprache betreffend, wird derzeit so heftig diskutiert wie die nach ihrer „Gendergerechtigkeit“. Sie ist nicht neu, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat ihr bereits ihre Herbsttagung 1991 unter dem Titel Hat die deutsche Sprache ein Geschlecht? gewidmet, und ein Blick auf den Tagungsbericht zeigt, dass viele der damals vorgebrachten Gesichtspunkte auch heute noch die Auseinandersetzung bestimmen. Die Kontroverse ist jedoch weitaus schärfer geworden, sie hat sich von der Frage, ob Frauen sprachlich benachteiligt seien, auf ein ganzes „Genderspektrum“ ausgeweitet, und sie hat eine Reihe von heftig umstrittenen Vorschlägen für gendergerechte Ausdrucksweisen gezeitigt.
Die Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung versteht sich, wenn es zu öffentlichen Kontroversen über die deutsche Sprache kommt, nicht als Richter; das wäre allein schon deshalb nicht möglich, weil ihre Mitglieder in diesen Kontroversen oft ganz verschiedene Ansichten vertreten. Sie ist nicht einmal ein Schlichter, denn die derzeitigen Vorschläge lassen sich schwer versöhnen. Sie kann aber vielleicht im Sinne ihrer genannten Aufgaben zu einem freien und fairen Austausch der Meinungen und zu einer differenzierten Debattenkultur beitragen, nicht durch einen Vergleich der verschiedenen Vorschläge und ihrer Begründungen, sondern durch den Vorschlag, über drei grundsätzliche Fragen nachzudenken, die für eine gendergerechte Sprache leitend sind. Der folgende Text, den das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verantwortet, ist ein solcher Vorschlag.
Um welche Benachteiligung geht es?
1. Es zählt nicht zu den üblichen Aufgaben von Gesetzgebern und Behörden, über die Regeln der deutschen Sprache zu entscheiden oder gar, sie zu ändern. Wo dennoch ein staatliches Handeln erforderlich ist, beispielsweise beim Deutschunterricht in den Schulen, muss es sich daran ausrichten, was in den allgemein anerkannten Grammatiken und Wörterbüchern über das Deutsche gesagt ist. Der Staat hat allerdings auch die Aufgabe, auf die Wahrung der im Grundgesetz garantierten Gleichberechtigung hinzuwirken; dies mag auch die Sprache betreffen, beispielsweise beim Recht auf einen Übersetzer vor Gericht oder bei dem Recht auf Klarheit und Verständlichkeit bei verbrauchernahen Verträgen. Grundsätzlich sollte sich jedoch die Obrigkeit möglichst wenig in die Freiheit derer einmischen, die die deutsche Sprache gebrauchen.
2. Nicht alle Gruppen der Gesellschaft sind in der Öffentlichkeit gleichermaßen „sichtbar“. Ist dies eine Benachteiligung im Sinne des Grundgesetzes, die möglicherweise ausgeglichen werden muss? Von Vertretern und Vertreterinnen der feministischen Linguistik wird seit längerem die Ansicht vertreten, dass die deutsche Sprache, so wie sie derzeit gebraucht wird, eine wichtige Ursache dafür ist, dass Frauen öffentlich weniger sichtbar sind als Männer. Dies gilt insbesondere für den Gebrauch von grammatischen Maskulina, wo beide Geschlechter gemeint sind. Nach dieser Ansicht liegt vielleicht bereits in Artikel 5 des Grundgesetzes selbst eine solche Asymmetrie und damit Benachteiligung vor: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.“, denn jeder und seine sind grammatische Maskulina.
3. Etwa die Hälfte aller Sprachen kennt keine grammatische Genusunterscheidung, bekannte Beispiele sind Chinesisch und Japanisch, in Europa Türkisch und Ungarisch; in anderen ist sie extrem reduziert, etwa im Englischen, wo sie auf he und she (samt Flexionsformen) beschränkt ist. Sind Frauen in Gesellschaften mit diesen Sprachen öffentlich sichtbarer als in deutschsprachigen Ländern? Das ist schwer zu entscheiden, und es sind auch keine einschlägige (!) vergleichende (!) Untersuchungen bekannt.
Wie sind die sprachlichen Fakten?
4. Im Deutschen haben alle Nomina, gleich ob sie sich auf ein Lebewesen beziehen oder nicht, ein grammatisches Genus. Es bestimmt Flexion und Kongruenz, besagt aber nicht direkt etwas über das Geschlecht. Allerdings sind die meisten deutschen Wörter für weibliche Lebewesen Feminina, die meisten für männliche Lebewesen Maskulina; charakteristische Ausnahmen sind Diminutiva wie Mädchen oder einzelne Wörter wie die Person, die Geisel, die Koryphäe, die man nicht nur auf Frauen bezieht. Die bevorzugte Zuordnung von Geschlecht zu grammatischem Genus führt dazu, dass indirekt Maskulina bei Lebewesen oft mit „Geschlecht männlich“ und Feminina mit „Geschlecht weiblich“ assoziiert werden. Die Stärke dieser Assoziation schwankt; so käme sicher niemand auf die Idee, dass es sich in Auf der Fensterbank döste eine Katze in der Sonne. nicht um einen Kater handeln könne und dass mit Der Hund stammt vom Wolf ab. gemeint sei, dass nur männliche Hunde vom Wolf abstammen. Bei der Kontroverse geht es jedoch vor allem um Personen; da ist die Assoziation zwischen grammatischem Genus und Geschlecht besonders stark, insbesondere dann, wenn sie durch außersprachliche Fakten gestützt wird, etwa durch typische Berufe. So wird auch im Englischen doctor vorrangig mit „Geschlecht männlich“ assoziiert, obwohl es kein grammatisches Genus hat.
5. Bei Lebewesen kann man im Deutschen einem einfachen Wort im Maskulinum durch das Ableitungssuffix –in das Kennzeichen „Geschlecht weiblich“ hinzuzufügen; das Genus ist dann regelhaft femininum. Bei Personen ist dies sehr gängig (Lehrerin, Diebin); bei Tieren wird es nur gelegentlich angewandt (Hündin, Löwin). Ein vergleichbares Suffix für „Geschlecht männlich“ gibt es nicht. Deshalb kann man die einfachen Formen Lehrer, Dieb in zwei Weisen verstehen: A. neutral, d.h. sie machen keinerlei Angabe über das Geschlecht, können daher für Frauen, Männer oder auch Intersexuelle verwandt werden, oder B. restriktiv, d.h. sie treffen ausschließlich auf Männer zu. Die neutrale Deutung A ist die herkömmliche; sie entspricht den geschlechtsneutralen Formen in eng verwandten Sprachen (englisch teacher, thief, niederländisch leraar, dief), und sie entspricht weitgehend dem faktischen Sprachgebrauch in Geschichte und Gegenwart. Wenn gesagt wird Der Halter haftet, so gilt das unabhängig vom Geschlecht, und ein Satz wie Die meisten Diebe sind Männer wäre sinnlos, wenn Diebe sich ohnehin nur auf Männer beziehen würde, gleichwie ja Viele Diebinnen sind Frauen sinnlos ist. Die restriktive Deutung B kann darauf verweisen, dass dort, wo - implizit oder explizit - ein Gegensatz im Spiel ist, die einfache, grammatisch maskuline Form nur auf Männer bezogen wird, etwa in Lehrer verdienen im Schnitt mehr als Lehrerinnen oder Es gibt weitaus mehr Diebe als Diebinnen. Sonst wäre der Gegensatz sinnlos.
Man kann daher die Fakten am einfachsten so zusammenfassen, dass einfache Formen wie Lehrer oder Dieb der Wortbedeutung nach geschlechtsneutral sind, dass sie aber in bestimmten Kontexten – insbesondere wenn ein Gegensatz ausgedrückt oder mitgedacht wird - auf „männliches Lebewesen“ eingeschränkt werden können. Zu solchen Kontexten können auch Debatten über gendergerechte Sprache zählen.
6. Im Deutschen gibt es keine grammatischen und nur wenige lexikalische Mittel, sich spezifisch auf Personen zu beziehen, die sich nicht eindeutig als Mann oder als Frau – oder als beides - empfinden. Das Preussische Allgemeine Landrecht von 1794 spricht von der Zwitter und er, d.h. es nutzt das Maskulinum; das moderne Personenstandsrecht seit 2013 spricht von Personen, die sich nicht dauerhaft dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen, d.h. es verwendet das Femininum (die Person). In beiden Fällen ist aber die biologische Unterscheidung gemeint, nicht ein darüber hinausgehender Begriff von „Gender“. Sieht man Wörter wie Lehrer, Dieb, Person als geschlechtsneutral an (Deutung A), so sind sie naturgemäß auch „genderneutral“. Bei Deutung B wären nur Männer gemeint; dann muss man nach einer eigenen Ausdrucksweise suchen. Der bekannteste Vorschlag nutzt dazu ein neues Zeichen, das „Gendersternchen“ in Verbindung mit dem Suffix –in und dem Femininum: die Lehrer*in, die Dieb*in; ein Femininum wie Person wird hingegen von Anfang an als genderneutral angesehen. Anders gesagt, das grammatische Maskulinum gilt nicht als neutral, das grammatische Femininum hingegen wohl. Hier liegt eine gewisse Inkonsistenz. Das „Gendersternchen“ schafft allerdings keinen Ausdruck spezifisch für Personen, die sich weder als Mann oder Frau – oder auch als beides – empfinden; es soll vielmehr Genderneutralität andeuten. In dieser Hinsicht besagen Lehrer*in, Dieb*in jedoch auch nicht mehr als die einfachen Formen Lehrer, Dieb, solange der Kontext bei diesen nicht eine Einschränkung nahelegt.
Wie soll man die deutsche Sprache gebrauchen?
7. Man kann die Frage der „gerechten Sprache“ unter rechtlichen Aspekten und im Hinblick auf die sprachlichen Fakten betrachten. Man kann diese Fakten auch nach verschiedenen Aspekten bewerten - moralischen, praktischen, ästhetischen. Wie bei allen solchen Bewertungen gibt es hier individuelle Unterschiede. Das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ist der Ansicht
- dass der Gebrauch der Sprache wie jedes Handeln durch Achtung vor dem Mitmenschen geleitet sein soll; dazu zählt es auch, Bezeichnungen zu vermeiden, die andere kränken können.
- dass die Sprache des Rechts und der Verwaltung nach Möglichkeit einfach und klar sein soll, sodass sie von allen Betroffenen verstanden werden kann; das gilt in besonderem Maß für all jene, die besondere Schwierigkeiten haben, solche Texte zu verstehen;
- dass man nicht nur in der Literatur, sondern auch im sonstigen Sprachgebrauch, insbesondere in den Medien, Plumpheit vermeiden und nach bewusstem Ausdruck streben soll.
Diese Kriterien für den guten Sprachgebrauch sind nicht immer leicht zu erfüllen, insbesondere dort nicht, wo sie gegenläufig sind; deshalb kann es auch keine einfache (!) Regeln geben. Auch muss man differenzieren, mit wem man sich mit welchen Mitteln – gesprochene Sprache, geschriebene Sprache, neue Medien - und mit welchen Absichten verständigt. Für all dieses bietet die deutsche Sprache, so wie sie sich im Lauf der Jahrhunderte entwickelt hat, ein schier unerschöpfliches Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten. Alle Sprecher, Sprecher und Sprecherinnen, SprecherInnen, Sprecher!innen, Sprecher_innen, Sprecher*innen, Sprecher/innen, Sprecherïnnen, Sprechex und Sprechys sind aufgefordert, von diesem Reichtum guten Gebrauch zu machen. Dazu kann man Ratschläge geben; pauschale Vorgaben oder gar Vorschriften sollte sich niemand anmaßen.
Das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Juli 2019
-
Wie schon bei der Rechtschreibreform drückt sich die DASD um ein Urteil mit dem Argument, die Mitglieder seien nicht alle einer Meinung. (Ist diese Meinung je erfragt worden?) Von Abstimmungen und Mehrheitsbeschlüssen scheint sie nichts zu halten.
Die englische „grammatische Genusunterscheidung“ ist eine Sexusunterscheidung. Auch sonst werden die Begriffe Genus, Sexus und Gender etwas unbestimmt gebraucht.
„Im Deutschen haben alle Nomina, gleich ob sie sich auf ein Lebewesen beziehen oder nicht, ein grammatisches Genus.“ - Nur im Singular, daher nicht Ferien usw.
„Ein [mit -in] vergleichbares Suffix für „Geschlecht männlich“ gibt es nicht.“ Doch, -er: Witwer, Hexer. Dazu müßte es allerdings mehr generische Femina geben. (Im Text wird „neutral“ statt „generisch“ gesagt.)
„Das Preussische Allgemeine Landrecht ...“ - Was soll das sein? Der Orginaltitel nicht, und die Schreibweise mit ss bleibt rätselhaft.
„Das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ist der Ansicht
- dass der Gebrauch der Sprache wie jedes Handeln durch Achtung vor dem Mitmenschen geleitet sein soll; dazu zählt es auch, Bezeichnungen zu vermeiden, die andere kränken können.“
Wie verhält sich das zur Meinungsfreiheit, die auch und gerade Kritik einschließt?
Man soll „Plumpheit vermeiden und nach bewusstem Ausdruck streben“ - was soll denn das bedeuten? Plumpheit ist eine Folge von Ungeschicktheit, und „bewußter“ Ausdruck, wie man in solchen Zusammenhängen oft sagt, soll vielleicht „wohlüberlegt“ heißen. Man spricht ja selten unbewußt oder wie in Trance. Die Forderung der DASD, die sich sogar auf die „Literatur“ richtet, wirkt recht plump und undurchdacht. Der mehrmals angemahnte „gute Gebrauch“ der Sprache bleibt leer, wenn jeder Hinweis fehlt, worin er besteht, und außerdem überflüssig. Jeder Sprecher will ja wohl so gut wie möglich ausdrücken, was er will.
Der Text enthält mehrere Grammatikfehler und eine eigenwillige Interpunktion.
Insgesamt kommt der „Vorschlag, über drei grundsätzliche Fragen nachzudenken“, reichlich spät, weil dieses Nachdenken seit vielen Jahren die Seiten füllt und die Gemüter erhitzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2019 um 09.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41994

An den Details für die neuen Einreisebestimmungen für EU-Bürgerinnen werde derzeit noch gearbeitet, sagte die Sprecherin in London. "Wir werden zum Beispiel sofort sehr viel strengere Regeln zu Kriminalität einführen für Leute, die nach Großbritannien kommen." EU-Bürger, die in dem Land leben wollen, sollen Premierminister Boris Johnson zufolge künftig anhand eines Punktesystems nach australischem Vorbild ausgewählt werden. (...) Wie die britischen Grenzbeamtinnen aber künftig zwischen EU-Bürgern mit und ohne Aufenthaltsrecht unterscheiden sollen, ist bislang unklar. (...) Derzeit leben schätzungsweise 3,6 Millionen EU-Bürger in Großbritannien. Unter Theresa May wurde ihnen angeboten, einen Antrag auf einen dauerhaften Aufenthaltstitel zu stellen. Davon machten inzwischen rund eine Million EU-Bürgerinnen Gebrauch. (ZEIT 20.8.19)

Ob die ZEIT mit dieser Marotte, die in keiner Sprache systematisiert sein kann, neue Leser gewinnt? Jedenfalls entspricht es dem erzieherisch-bevormundenden Stil des Blattes.

Im selben Text:

Die Rechte von EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern, die bereits in Großbritannien leben, seien davon nicht betroffen.

D. h. der Verfasser unterscheidet sehr wohl die beiden Geschlechter; dann kann er nicht im selben Text so tun, als hätten die beiden Wörter keine verschiedenen Bedeutungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2019 um 04.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41974

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40410

Ein Berliner Gericht hat nun entschieden, daß ein Knabenchor keine Mädchen aufnehmen muß. Mein hypothetischer Fall von Streichern in Posaunenchören ist noch offen. – Was wird aus meinem Traum, von einer Gynäkologin behandelt zu werden? Überall Diskriminierung.

Es gibt trotzdem Unzufriedene, die sich gegen die Unterstellung wehren, Mädchen könnten nicht singen. Das hat allerdings niemand behauptet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2019 um 18.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41950

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37517
und den sexuellen Konnotationen der beiden Kleidungstypen:

Einen meiner Lehrer, der mir erzählte, er habe einer solchen Geistesaustreibung durch den Rabbi beigewohnt, fragte ich, warum der Dibbuk mit Vorliebe in Frauen fahre. Darauf erwiderte er mir, weil ihre Kleider unten offen sind, könne er leichter in sie hineinschlüpfen. (Mark Lidzbarski: Auf rauhem Wege. Gießen 1927:89)

Das war um 1870 in einer polnischen Kleinstadt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2019 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41901

"Der Bundesregierung liegen Erkenntnisse vor, wonach chinesische Behörden versuchen, sowohl chinesische Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland als auch deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zu China forschen, in ihrem Handeln zu beeinflussen", heißt es. (...) Auch für deutsche Wissenschaftler in China hat dies Auswirkungen. (SPON 31.7.19)

Man sieht hier den Unterschied zwischen der Normalsprache der Redaktion und der gendermäßig gemainstreamten Verlautbarungssprache der Bundesregierung.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 30.07.2019 um 09.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41892

Der hessische Innenminister Peter Beuth bedankt sich nach Pressemeldungen bei den »couragierten Bürgerinnen und Bürgern«, die den Täter festgehalten und so seine Festnahme ermöglicht haben. Es waren also mindestens zwei Frauen und zwei Männer. Oder war es doch anders? Waren es vielleicht drei Männer und eine Frau? Oder nur Männer? Nur Frauen? Ach, egal, hier geht es ja um ein höheres Ziel. Die Pedanterie solcher Paarformeln steht in merkwürdigem Kontrast zur Irrelevanz oder Gegenstandslosigkeit der damit ausgedrückten Unterscheidung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2019 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41855

Arno Frank schreibt u. a. für den SPIEGEL und gendert dort in irreführender Weise: Irgendwann schafft es sogar ein Eiswagen durch die Absperrung, versorgt Polizistinnen wie Demonstrierende. (21.7.19) – In „Meute mit Meinung“ (2013) zitiert er die New York Times: Yvonne Brill, a Pionieering Rocket Scientist, Dies at 88. Das ist natürlich nicht richtig. – Er trennt auch: in emb-ryonaler Haltung (So – und jetzt kommst du. Stuttgart 1917:350) Das ist reformgerecht, liest sich aber recht stumpfsinnig.

In "Meute mit Meinung" geißelt er wortreich die "Schwarmdummheit".
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 18.07.2019 um 14.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41847

Gerade erlebt: Abiturfeier einer Mädchenschule. Letzter Programmpunkt ist ein Quiz a la Wim Thoelke, Lehrermannschaft (drei Männer, zwei Frauen) gegen Schülermannschaft (fünf Abiturientinnen, wie ja nicht anders möglich).
Die Abiturientin, die das Vergnügen eloquent und humorvoll moderierte, sprach dabei eine gute Viertelstunde lang durchgängig und ausnahmslos von "den Lehrern" und "den Schülern".
Erstaunlich!
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 18.07.2019 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41846

"...normales Deutsch, wie in Zeitungen und Romanen."

Dann schauen Sie sich einmal DIE ZEIT genauer an. Dort wimmelt es inzwischen von solchen fast schon unerträglichen "Doppelungen". Auch manchen Krimi (allerdings der einfacheren Art) habe ich schon beiseite gelegt, weil ich das Gegendere einfach nicht mehr lesen konnte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.07.2019 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41845

Keine Sorge, in Romanen und Romaninnen kommt das auch noch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2019 um 07.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41844

Wie schon gesagt: Unternehmen passen sich in ihren Verwaltungstexten mehr oder weniger der Political correctness an:

Der/die einstellende Vorgesetzte weist dem neuen Mitarbeiter bzw. der neuen Mitarbeiterin einen Betreuer/eine Betreuerin zu, der/die den Anforderungen des Mitarbeiters bzw. der Mitarbeiterin gerecht wird.

Aber natürlich nicht in der Werbung. Dort schreibt man normales Deutsch, wie in Zeitungen und Romanen. Darüber sagen die Moralapostel (wie Stefanowitsch) nichts, soweit ich sehe.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.07.2019 um 18.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41822

Aus einem amtlichen Schreiben der Stadt Mannheim, 26.6.2019:

Erläuterungen

Sprachliche Gleichstellung: Personenbezeichnungen im Bescheid gelten jeweils in der männlichen und weiblichen Form.

Seltsame Ausdrucksweise, na ja, Beamte.
(In dem betreffenden Bescheid kommen genau folgende Personenbezeichnungen vor:

Frau (in der Adresse und als Anrede)
Bearbeiter/in (im Briefkopf, Absenderangaben)
Sachbearbeiter (im Text))
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.06.2019 um 06.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41779

Wie gut muss sich eine Angreiferin oder ein Angreifer auskennen, um ein Smart-Home-Gerät zu hacken? (...) Heute nutzen es fast alle, Userinnen und User kommen kaum noch daran vorbei. (...) Experten fordern immer wieder eine Zertifizierung von Geräten. So könnten Nutzerinnen und Nutzer sehen, welche Sicherheitsstandards ein Smart-Home-Gerät besitzt. (ZON 30.6.19)

Das Interview ist nur teilweise gegendert. Wieder sieht man, daß das Suffix -er den Reflex auslöst, während der Experte durchschlüpft.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 28.06.2019 um 20.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41773

Zum DLF:
Journalisten waren meiner Beobachtung nach lange Zeit gefeit gegen den Genderismus. Schließlich haben sie etwas mitzuteilen und haben dafür begrenzten Raum und begrenzte Zeit zur Verfügung.
Aber diese Bastion der Vernunft und des Pragmatismus scheint zu wanken.
Jüngst auf DLF einen Bericht zu den Schülerdemos gehört. Durchgehend (vier oder fünf mal) sprach der Autor von den "Schülerinnen und Schülern", einmal von "Expertinnen und Experten".

Anne Will benutzt mittlerweile ebenfalls durchgehend die Doppelnennung. Konsequent penetrant.
Die Politiker in Talkshows mittlerweile nahezu durchgehend ebenfalls. Selbst CDU und FDP. Nur die AfD-Vertreter verweigern sich konsequent diesem Dikat und sprechen von Freunden, Bürgern usw. Das mutet dann fast rebellisch an.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.06.2019 um 20.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41772

DLF, "Hintergrund", heute gegen 19.45 Uhr:

Zum O-Ton (Rede der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam) "... my most sincere apology to all people of Hongkong ..." übersetzt der DLF:
"Dafür möchte ich mich bei den Bürgerinnen und Bürgern von Hongkong aufrichtig entschuldigen."

"People" werden also ohne weiteres zu "Bürgerinnen und Bürgern". So ähnlich in diesem Beitrag mindestens dreimal.

Im gleichen Beitrag gibt es dennoch immer wieder, sicher dann doch aus Zeitgründen, völlig ungegenderte Aktivisten, Elitepolizisten, Teilnehmer, Schüler, Studenten, Anwälte, Senioren, Hongkonger und Hongkonger Bürger (einige davon mehrfach so).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2019 um 18.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41757

Das neue Gender-Papier des Vatikans ("Als Mann und Frau schuf er sie") sorgt für Klarheit über die beiden Geschlechter und ihre natürlichen Aufgaben. Es wird daher von der AfD und folglich auch vom Forum deutscher Katholiken begrüßt (das sich auch zum Rechtsstaat, zur Meinungsfreiheit, zum Klimawandel usw. fast wortgleich wie die Partei äußert).

Zum WELT-Bericht darüber gibt es Hunderte von Zuschriften. Die Leser wissen ganz genau, daß es, verdammt noch mal, nur zwei Geschlechter gibt und auch sonst alles so ist, wie man es schon immer für richtig gehalten hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2019 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41743

Vom Erlanger Stadttheater:

2019 ist es endlich Zeit für Female Dominance! FemDom definiert die Frau als Alphatier und den Mann als das „Nebenihr“. Wir fordern eine neu gelebte Weiblichkeit, die sich nicht mehr in Abhängigkeit vom Mann definiert. Die Frau fragt nicht, sie tut. Die Frau an sich ist Macht.
In unserem theatralen Versuchsaufbau durchlaufen eine Frau und ein Mann eine Vielzahl an Utopien, schaffen sich ab und erschaffen sich neu, um am Ende eine Regierungsform anzubieten, die das Patriarchat endgültig beendet und durch eine neue, bessere Welt ersetzt. Und vielleicht führt dieses Experiment über einen Weg durch die Extreme zu einem Plädoyer für die Gleichberechtigung.


Die Forderung nach Gleichberechtigung ist aber doch nicht neu, und Weiberfastnacht gibt es laut Wikipedia seit dem Mittelalter.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.06.2019 um 15.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41681

DLF, Informationen am Abend, 13.6.19, ca. 18.20 Uhr:

Eines steht fest: Da die beiden einzigen weiblichen Kandidatinnen heute ausschieden, wird der nächste britische Premierminister garantiert wieder ein Mann sein.

Anscheinend gibt es auch männliche Kandidatinnen?

Und der Premierminister könnte theoretisch auch eine Frau sein?

Letzteres war ja schon immer Konsens, der DLF tut sich aber seit kurzem besonders penetrant mit seiner Genderei hervor. Nur manchmal, wie hier, kommen eben die guten alten Zeiten wieder durch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2019 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41626

Ein Alexander Stindt bei heilpraxisnet.de – täglich unter Google News – schreibt stets von Forschenden und Teilnehmenden, aber die maskulinen Autoren und Patienten entgehen ihm, ebenso der Hausarzt. Er ist wahrscheinlich auf das Suffix -er fixiert, das dann den Genderreflex auslöst. Gern weicht er auf Team aus. Man merkt in jedem Beitrag das Beflissene.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2019 um 03.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41607

Stimmt ja. Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen. (Ex 22,17)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.05.2019 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41605

Vermutlich weil sie nicht als Hexen verbrannt werden möchten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2019 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41604

Dawkins weist beiläufig darauf hin, daß Zauberer (auf der Bühne, nicht im Märchen) fast immer Männer sind.

Zauberinnen haben uns bisher nur wegen der Wortbildung interessiert (s. Haplologie), aber wir sollten unbedingt klären, warum sie nicht zaubern können oder wollen. Oder liegt es an den Zuschauern, die keine sehen wollen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2019 um 05.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41558

Gestern mal ein Video aus der Bundespressekonferenz gesehen. Zwei Jugendliche von "Fridays for Future" und einige Experten diskutierten über Klimawandel. Ausnahmslos alle genderten, eine Expertin gebrauchte sogar das generische Femininum und war dadurch noch schwerer zu verstehen als ohnehin. Die Namen habe ich vergessen bis auf v. Hirschhausen, der mir schon vorher bekannt war und in der Runde ziemlich überflüssig wirkte.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Bei allen verschwammen die Doppelformen zu so etwas wie Vertreter und Vertreter, kein einziger sprach die femininen Ableitungen ordentlich bis zu Ende. Enttäuschend die beiden Schüler, die dies und den ganzen Jargon auch schon voll drauf hatten, besonders die "deutsche Greta" redete wie auswendig gelernt, irgendwie unfrisch. Die Syntax verlor sich bei allen im Gestrüpp angefangener Sätze.

Ich bin ja selbst durch und durch öko, aber was hier geboten wurde, war rein sprachlich zweitklassig. Eine vertane Gelegenheit.

Ob die "Schülerinnen und Schüler" auch untereinander schon gendern? Oder nur die Klassensprecher und künftigen Politiker?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2019 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41547

Die Biologie an der Uni Basel ist heute immer noch schwergewichtig auf die Molekularbiologie und das Biozentrum ausgerichtet. Doch seit drei Jahren gibt es ein interdisziplinäres Biologie-Curriculum, das allen Biologiestudierenden eine breite Ausbildung ermöglicht: Angehende Molekularbiologinnen sollen nebst Genen auch ganze Organismen und Ökosysteme kennen lernen; angehende Zoologen die Grundlagen der Molekularbiologie rudimentär beherrschen. (http://www.blauen-institut.ch/s2_blue/tx_blu/tp/tpf/f_portmann.pdf)

Diese schwankende Ausdrucksweise widerspricht der beibehaltenen Genus- bzw. Sexusunterscheidung und dürfte kein Dauerzustand sein. Die diensteifrige Verfasserin (hier wirklich eine Frau) muß sich zwingen, so unnatürlich zu verfahren.

Der Beitrag gilt dem Andenken Adolf Portmanns. Nach dem Krieg wurde dieser Biologe noch viel gelesen; ich erinnere mich eines Rowohlt-Taschenbuchs. Das Fromme, Antimaterialistische, "Gestalthafte" war gefragt; auch Karl Jaspers und Karl Barth waren damals in Basel. Portmann wurde durch die Molekularbiologie buchstäblich an den Rand gedrängt. Seine Lehre von einer nicht-adaptionistischen Selbstdarstellung der Lebewesen gilt heute als Mystifikation.
Wir bewundern das Prachtkleid der Schmetterlinge. Neuerdings weiß man, daß etwa der farbige Rand zur Auflösung der Kontur beiträgt, das Prachtvolle macht also für Freßfeinde gerade unsichtbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2019 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41415

Duden-Newsletter vom 7.5.19 zum Schrägstrich:

„Weiterhin kann man ihn verwenden, um mehrere gleichberechtigte Möglichkeiten platzsparend zusammenzufassen: Schüler/-innen, und/oder. Wenn diese Alternation am Anfang eines Satzes steht, müssen Sie darauf achten, dass alle entsprechenden Wörter großgeschrieben werden – denn theoretisch könnte der Satz mit jedem dieser Wörter beginnen: Ich/Wir bestätige(n) hiermit, dass …

In den gerade beschriebenen Beispielen steht der Schrägstrich für beziehungsweise.“

Dann wäre die Großschreibung aber falsch, vgl.: *Ich beziehungsweise Wir...

(Man sollte auch anmerken, daß die "platzsparende" Schreibweise nur fürs Auge ist und daher außerhalb bürokratischer Normsprache vermieden werden sollte.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2019 um 04.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41383

Das Lehrendenteam und die Studierenden bilden mit ausgewählten Lehrpersonen und Schulklassen des Gymnasiums Arbeitsgruppen, innerhalb derer sich Lehrendentandems von Studierenden bilden. (Uni Salzburg 2019)

Das „Center für lebenslanges Lernen“ der Uni Oldenburg gendert eigentlich auch, vergißt es aber manchmal und stellt sein Konzept so vor:

Wissenstransfer auf universitärem Niveau
mit hohem Anwenderbezug durch ein ausgewähltes Professorenteam und renomierten Praktikern

(https://uol.de/c3l/studiengang/bwlsport/lehrende/)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2019 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41369

Die Apothekerkammern heißen immer noch so und gendern erst „weiter unten“:

Die Berliner Apothekerinnen und Apotheker haben ihre 15. Delegiertenversammlung, das Parlament der Apothekerkammer, gewählt. Fünf Wahlvorschläge mit insgesamt 127 Kandidatinnen und Kandidaten hatten sich zur Wahl gestellt. (2019)

Wie lange halten die das durch?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2019 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41358

Bei SPON versucht ein Eike Kühl sich im Gendern, indem er mal Nutzerinnen und Nutzer erwähnt, mal nur Nutzerinnen im generischen Sinn, gegen Ende dann nur noch Nutzer. (https://www.spiegel.de/netzwelt/web/alternative-browser-opera-cliqz-brave-es-muss-nicht-immer-chrome-sein-a-1263546.html)
Auf die Dauer ist es unmöglich, die Kategorie Genus formal beizubehalten, ihr aber zugleich jegliche Funktion anzusprechen, als ob hier der reine Zufall herrschte. Dem widerspricht dann wieder die ausdrückliche Erwähnung beider Geschlechter. Das einzige Signal, das aus solchem Durcheinander hervorgeht, ist der Hinweis auf die PC des Verfassers, aber wer will das ständig hingerieben kriegen?

Kann der feministische Umbau der Sprache ebenso gegen den Willen der Mehrheit durchgesetzt werden wie seinerzeit die Reformschreibung? Nur wenige dürften ein Abonnement wegen der Rechtschreibreform gekündigt oder die Lektüre eines reformierten Romans verweigert haben. Dazu war der Eingriff der dummen und folgsamen Verlage nicht schwer genug.
Die entscheidende Frage ist, ob die Macht des Verbrauchers ausreicht, die feministische Sprachverhunzung aufzuhalten. Belletristik hält noch stand, bei Zeitungen und Zeitschriften ist es nicht so sicher. Mit sinkenden Auflagen kämpfen sie alle, werden darum alles vermeiden, was die Leser noch mehr abstößt; aber diese schwache Hoffnung kann täuschen, vor allem, wenn sie sich absprechen und wenn die Diffamierung der herkömmlichen Sprache erfolgreich weitergeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2019 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41345

Mich interessiert seit meiner Schulzeit, wie so etwas möglich ist, genauer: wie und wann jemand so entgleist, daß er sagen kann: "Mein Körper ist eine offene Proposition" usw. In der Schule noch nicht, da lachen ihn die Klassenkameraden aus. Es muß also an der Universität passieren. In Seminararbeiten kann man es schon mal wagen; man weiß zwar selbst nicht, was es bedeutet, aber so hat man es gelesen bei hoch anerkannten Autoritäten. Und siehe da: es geht durch, wird sogar gelobt! Die Konditionierung geht weiter, man wird promoviert, habilitiert, verbeamtet.

Auf der Website der Sprechwissenschaftler der Uni Marburg, zu denen die Verfasserin gehört, scharen sich drei Leute um das Modell eines menschlichen Gehirns. Das ist eine weitere Verirrung, mit der sich Erfolge einfahren lassen: Neurobluff.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2019 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41344

Schönes Beispiel für den postmodernen Galimathias, der nicht nur hier kritiklos hingenommen wird, weil er gesinnungsmäßig irgendwie korrekt zu sein scheint.

Solange die Finanzierung gesichert ist, gibt es keinen Filter mehr, weil die Kollegen viel zu feige sind, auf den nackten Kaiser zu zeigen (erst recht die Kaiserin...).
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 24.04.2019 um 18.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41343

PDF heruntergeladen, zufälligen Beitrag angesteuert und durch folgenden einleitenden Absatz belohnt:
"Der Körper als offene Proposition, als Deutungsvielfalt, als Performanz, die des Gegenübers und der eigenen Intentionalität bedarf, um im Prozess von Konstruktion und Dekonstruktion Annäherungen zur Figuration vom Selbst zu finden, ehe er in der Zirkulation des Dialogischen die Konturiertheit gleichsam wieder verliert: Dieses konstruktivistische Körperkonzept sperrt sich gegen Präskriptionen, gegen Ein-Deutigkeit und gegen Wiedererkennung und natürliche Verfasstheit und gerät im Kontext sprechsprachlicher Kommunikation zur Provokation."
Die Preziose steht auf S. 63.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2019 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41342

Sibel Vurgun: Gender und Raum (Hans-Böckler-Stiftung 2005)
Kurzbeschreibung:
Welche Räume gelten als eher männlich konnotiert, welche werden als vorrangig weiblich belegt? Wie bedingen sie sich gegenseitig? Wie lassen sich traditionelle Zuordnungsmuster aufbrechen? Unter welchen Bedingungen sind Grenzüberschreitungen möglich und inwiefern finden sie tatsächlich statt? Kurz: Welche Beziehungen bestehen zwischen Gender und Raum? Diesen Fragen gehen die Autorinnen des vorliegenden Bandes aus unterschiedlichen geistes- und sozialwissenschaftlichen Blickwinkeln nach. Der Raumbegriff wird dabei häufig, aber nicht ausschließlich, sehr konkret gefasst. Behandelt werden sowohl metaphorische Rauminterpretationen als auch sehr spezifische Räume wie Zugabteil, Warenhaus oder Gebäranstalt. Zusätzlich ist die Tagungsdokumentation der 11. Wissenschaftlerinnen-Werkstatt der Hans-Böckler-Stiftung enthalten, die seit ihrer Entstehung 1993 Promotionsstipendiatinnen und geladenen Frauen aus Wissenschaft und Praxis ein Forum für fachlichen Austausch und persönliche Vernetzung bietet. "Räume für uns schaffen" war der Titel der Wissenschaftlerinnen-Werkstatt 2004 in Charlottenberg – diese Veröffentlichung versucht der Forderung ein Stück weit nachzukommen. Der Band setzt sich aus vier Hauptkapiteln zusammen: "Echo-Raum: Die 11. Wissenschaftlerinnen-Werkstatt der Hans-Böckler-Stiftung" Gender und sozialer Raum" Gender-Raum-Konstellationen in der Literatur" Frei-Raum

(https://www.boeckler.de/5248.htm?produkt=HBS-003408&chunk=13&jahr=)

Man kann das vergriffene Buch herunterladen.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 19.04.2019 um 14.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41305

"Eine Auswahl unserer Speaker*innen für einen CLUB OF ROME Vortrag bei Ihnen"
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 14.04.2019 um 15.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41258

Der Vorwurf der Sprachverhunzung hat immer etwas Anmaßendes, weil dabei die Ästhetik eine Rolle spielt und nicht alle Menschen denselben Geschmack haben. Sprachverstümmelung hingegen ist keine Geschmackssache. Die im Gang befindliche Abschaffung des generischen Maskulinums ist verstümmelnd und sollte auch so genannt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2019 um 08.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41256

Marie Bonaparte, eine von Freuds Schülern... (Sophie Freud: Im Schatten der Familie Freud. Berlin 2006:171)

Das war eine elegante und allseits akzeptierte Möglichkeit, sich geschlechtergerecht auszudrücken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2019 um 03.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41226

Wieder wird diskutiert, ob die Wikipedia gegendert werden soll: https://netzpolitik.org/2019/wikipedia-fuer-alle-petition-fordert-geschlechtergerechte-sprache/#spendenleiste

Man muß immer damit rechnen, daß die scheinbar so einleuchtende Begründung sich durchsetzt und dann dieses einflußreiche Medium auf unabsehbare Zeit und gegen den allgemeinen Sprachgebrauch von einer ideologisch verblendeten Minderheit verdorben wird. (Die Reformschreibung wurde auch gegen den Willen der Mehrheit durchgesetzt.) Retardierend wirkt noch, daß die Sekte sich nicht einigen kann, u.a. wegen der „nicht-binären“ Menschen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2019 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41074

Bei heilpraxisnet.de scheint man sich nun endgültig die Forschenden verordnet zu haben. Forschendenteams überwiegen auf Schweizer und österreichischen Websites.

Die Forschenden aus Großbritannien und China überwachten für ihre Untersuchung zehn Jahre lang 500.000 chinesische Teilnehmende.

Ich kenne niemanden, der so redet. Ein weiterer Schritt ins sprachliche Abseits.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2019 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41068

„Die Sprecherinnen und Sprecher sind freie Mitarbeitende, die für eine Sendung ein festes Honorar bekommen. Zur Orientierung: Für die Hauptausgabe der Tagesschau bekommt ein Sprecher 259,89 Euro.“ (t-online.de 15.3.19)
Und eine Sprecherin?
(Überschrift: Das verdient ein „Tagesschau“-Sprecher)
Das wird nie klappen. Aber vielleicht genügt ja auch hier die Andeutung des guten Willens, und das Durcheinander bildet gerade die gewünschte Nichtanerkennung der Kategorie „Geschlecht“ ab?
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 14.03.2019 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41054

Sie haben völlig recht. Allerdings klingen die Partizipien für meinen Geschmack irgendwie gestelzt.

Statt

Theoretisch können alle 30.000 Einwohner sowie in Rheinberg Arbeitende und zur Schule Gehende teilnehmen.

vielleicht besser

Theoretisch können alle teilnehmen, die in Rheinberg wohnen, arbeiten oder zur Schule gehen.

Auch hier bleibt natürlich die Frage, ob man als Radfahrer oder als Fußgänger ("zur Schule GEHEN") mehr für die Umwelt täte ...
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 14.03.2019 um 05.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41053

@Vollgasfahrer:
https://www.rheinberg.de/de/aktuelles/stadtradeln-2014-in-rheinberg/

"Theoretisch können alle 30.000 Einwohner sowie in Rheinberg Arbeitende und zur Schule Gehende teilnehmen."


Das ist allerdings völlig korrekte und sinnvolle Sprache, wie auch die andere Stelle zeigt, wo der Verfasser "in Rheinberg zur Schule gehende Schüler" schreibt. So wie er an alles Stellen durchgehend von Bürgern, Radlern, usw. spricht (ausgenommen das eine "SchülerINNEN", das aus dem Rahmen fällt).
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 14.03.2019 um 00.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41052

Im Videotext von DMAX (fast so gut wie der von RTL II) war gestern abend zu lesen:

"Vor dem weltweiten Aktionstag gegen Klimawandel haben zur Schule gehende (!) in Neuseeland die Unterstützung von Premierministerin Ardern erhalten."

Leider kein Foto gemacht, online ist daraus überall wieder Schüler gemacht worden. Irgendwem bei der dpa muß wohl aufgefallen sein, daß es albern wäre, wenn die "zur Schule Gehenden" am Freitag eben nicht zur Schule gehen wollen. Der Ausdruck ist aber online durchaus belegt, etwa hier:

https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/Fast-200/-/id=47428/did=4985042/38uzf8/index.html

"Nach den aktuellsten Zahlen wurden 2017 noch rund 557.000 Studierende und zur Schule Gehende gefördert."

https://www.rheinberg.de/de/aktuelles/stadtradeln-2014-in-rheinberg/

"Theoretisch können alle 30.000 Einwohner sowie in Rheinberg Arbeitende und zur Schule Gehende teilnehmen. In der Vergangenheit haben einige Schulen sehr gut und erfolgreich ihre SchülerINNEN motiviert."

An der folgenden Stelle muß der Verfasser dann gemerkt haben, wie bescheuert die Umschreibung "zur Schule Gehende" wäre. Der Rest des Textes ist dann normales Deutsch:

"Quasi jeder Schüler kann den täglichen Weg zur Schule mit dem Rad zurücklegen"
 
 

Kommentar von , verfaßt am 13.03.2019 um 22.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41051

Herr Ickler bemerkte, wie ich gerade sehe, am 3.1.2019: "Römer und Römerinnen erobern im 1. Jh. v. Chr. den Ostmittelmeerraum."

Das erinnert mich an einen Besuch des Neanderthal-Museums in Mettmann: Im Museumsshop öffnete ich ein neues Buch über diese Menschenart und las schon im Vorwort „Neandertalerinnen und Neandertaler“. Ich brauchte einige Sekunden, bis ich glauben konnte, was ich sah. Auf die Klärung der Frage, ob die beiden an der Ausrottung der Mammutinnen und Mammuts beteiligt waren oder nicht, habe ich dann verzichtet und das Buch ins Regal zurückgestellt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.03.2019 um 16.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41049

Bei der Rechtschreibung macht die Fatz zu 99,5% mit. Der männliche Anteil an der Leserschaft liegt gefühlt im selben Bereich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.03.2019 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41048

Wirklich durchgängiges Gendern ist ja kaum möglich. Erst kürzlich hörte ich in einer DLF-Sendung, wie sich sowohl der DLF-Sprecher als auch der Interviewpartner in sehr penetranter Weise bemühten, immer z. B. Ärztinnen und Ärzte zu sagen, und zwischendurch war dann doch immer wieder mal nur von Physiotherapeuten und Psychotherapeuten oder sogar nur von Patienten die Rede.

Wir hatten hier auch schon Beispiele nach den Mustern "jede zweite Teilnehmerin ist eine Frau" oder "unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten", wenn schon bekannt ist, daß genau ein männlicher und genau eine weibliche gemeint sind.

In all diesen Fällen wäre die Genderei ganz offensichtlich einfach lächerlich oder nur mit besonders umständlichen Formulierungen durchzuhalten. Deshalb glaube ich, es ist gar nicht möglich, daß das generische Maskulinum völlig ausstirbt. Es wird immer zumindest eine Mischung von genererischem Maskulinum und Genderei bestehen bleiben.

Vielleicht helfen schließlich sogar die absurde 3-Geschlechter-Theorie und die n-Geschlechter-Genderei, doch wieder zu einer vernünftigeren Ausdrucksweise zurückzukehren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2019 um 09.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41047

Wahrscheinlich halb mitmachen, wie bei der Rechtschreibung. Als Signal reicht das ja auch.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.03.2019 um 07.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41046

Ja, so wird es kommen, und die Fatz wird sich drei Jahre sträuben und dann mitmachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2019 um 06.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41045

Es besteht eine gewisse Gefahr, daß die Zeitungen sich – wie bei der Rechtschreibreform – zu einer "konzertierten Aktion" absprechen und sich verpflichten, alle Texte "geschlechtergerecht" zu gestalten. Der Deutsche Presserat könnte dabei eine Rolle spielen, der ja auch bisher schon darüber wacht, daß keiner aus der Reihe tanzt. Dann hätte der Leser keine Wahl mehr – außer der einen: auf Zeitungslektüre (und -abonnement) ganz zu verzichten. Dazu hat die Rechtschreibreform nicht ausgereicht, außer vielleicht bei ganz wenigen, die durch ihre Kündigung das Überleben der Zeitungen nicht gefährdeten. Sogar ich selbst habe nach einer Pause wieder abonniert. Durchgängiges Gendern wäre mir allerdings zuviel. Mein FAZ-Abo ist schon jetzt prekär.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2019 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41044

Studenten sind wohl besonders empfänglich für moralisch begründete, wenn auch theoretisch schwachbrüstige Ideen; daher auch unterwerfungsbereiter als andere Menschen.

theologiestudierende.de usw. – alle Texte strikt gegendert. "Kosten" spielen da keine Rolle. Besonders in den Para- und Pseudowissenschaften findet man den Typ des überzeugten Mitläufers.

Der Sprachwissenschaftler Stefanowitsch trägt die Moral schon im Titel seines Dudenbuches vor sich her - wer könnte da widerstehen?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.03.2019 um 22.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41033

Am Anfang stand das neckische der eine oder die andere.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2019 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41032

Danke für den Link! Dort findet man noch mehr:

Wird eine Falschmeldung ungeschickt widerlegt, erinnern sich Leser oder Zuhörerinnen später nicht an die Korrektur, sondern nur an die schon eingeprägte Falschinformation. (...) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Am Ende schreiben die beiden Jungwissenschaftler aber: Denn es reicht nicht, auf die Argumente der Skeptiker immer nur zu reagieren. - Das ist typisch: der Gegner wird nicht gegendert, er ist einfach böse und männlich.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 10.03.2019 um 15.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41031

"Landwirte, Försterinnen, Naturschützer, Binnenschiffer – sie alle haben weiterhin mit der Trockenheit zu kämpfen."

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-11/klimagipfel-in-katowice-klimawandel-fakten-mythen-globale-erwaermung-wissenschaft
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2019 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41030

In der FAS heute ein guter Artikel über die seltsamen Reaktionen sogenannter Erwachsener auf Greta Thunberg.

Leider versucht sich der Verfasser Tobias Rüther seit einiger Zeit im Gendern (Demonstrantinnen und Demonstranten), das liest sich unangenehm beflissen.

Vor einigen Monaten hat er es mit dieser Methode versucht:

Wie viele schwarze Regisseure und Darstellerinnen sind für den Oscar nominiert? (...) Man kann, das wissen Austauschschülerinnen genauso wie Migranten, aus dem Fernsehen die Sprache eines neues Landes lernen, in dem man jetzt lebt.

Vielleicht hat er selbst gemerkt, daß das nicht geht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2019 um 17.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41026

Tausende Berliner demonstrieren für Gleichberechtigung (ntv 9.3.19)

Schönes Beispiel für die Gender-Resistenz der Medien!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2019 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41024

Aber das sagen sie doch!
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.03.2019 um 13.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41022

Warum sagen Politiker immer nur "liebe Freunde" und nicht "liebe Freundinnen und Freunde"? "Freundinnen" scheint noch nicht gesellschaftsfähig zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2019 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41021

Zum Aufruf gegen den Gender-Wahn:

Für den Linguistik-Professor Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin führt der Aufruf "mit Vollgas zurück in die Vergangenheit". Unterzeichnet hätten ihn "vorwiegend ältere Herrschaften, die ihre Sprachgewohnheiten verletzt sehen".

Das kennen wir doch? Aber wer ständig die Moral im Mund führt, sollte nicht so reden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2019 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41019

Nachtrag zum Weltfrauentag:
Garry Wills zeigt (u. a. in „Papal Sin“), wie die antike (aristotelische, stoische und jüdische) Frauenfeindlichkeit wieder in das erstaunlich egalitäre frühe Christentum einsickerte und bis heute besonders in der katholischen Kirche fortdauert. Er zitiert auch aus immer abenteuerlicher werdenden päpstlichen Begründungen der Inferiorität der Frau, vor allem im Zusammenhang mit der Frage der Frauenordination. Ein Hauptmotiv der Ablehnung ist heute die Gefahr, fast zwei Jahrtausende Irrlehre zugeben zu müssen. Wie ein Kardinal mal in bezug auf das Verhütungsverbot sagte: Was machen wir mit den Millionen von Menschen, die wir deswegen in die Hölle geschickt haben?
Die bedeutende Rolle der Frauen um Jesus und in den frühen Gemeinden, an die Paulus schreibt, wurde nach und nach versteckt und weggefälscht („Junias“ usw.). In unserer Zeit verkünden Päpste: Frauen sehen nicht aus wie Jesus, können daher den Gläubigen nicht überzeugend die Eucharistie spenden... Infolge dieser „structures of deceit“ lebten und leben Milliarden von Katholiken an der amtlichen Lehre vorbei, großenteils in dauerhafter Todsünde, was ihnen aber wurscht ist. Im Vatikan weiß man das natürlich. Bei Johannes Paul II. mit seinem Marienkult ("Totus tuus") kam noch die Obsession mit der Jungfräulichkeit hinzu, aber das ist nur die gesteigerte Form jenes archaischen Horrors vor der weiblichen "Unreinheit".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2019 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40987

Wenn also vorgeschlagen wird, dass Personenbezeichnungen durch ein großgeschriebenes Binnen-I „gegendert“ werden sollen, muss er feststellen, dass Großschreibung innerhalb von Wörtern im Deutschen systemwidrig ist, also falsch. Das (geschriebene) Wort ist im Deutschen nun einmal dadurch definiert, dass es zwischen zwei Leerstellen steht und am Anfang dann großzuschreiben ist, wenn es sich um ein Wort handelt, das eine Nominalgruppe dominiert. Meistens sind das Substantive.

Ich bin ja auch dagegen, aber die Begründung finde ich schwach. Man darf das System nicht hypostasieren, und man darf nicht dem naturalistischen Fehlschluß verfallen. (Derselbe Verfasser wendet gegen Anatol Stefanowitsch ein, Moral sei Sache des Theologen, nicht des Sprachwissenschaftlers...)

Das Sprachsystem einschließlich des orthographischen ist auch nicht scharf begrenzt. Es gibt viele Ausnahmen, also Tatsachen, die sich nicht in das aus dem Befund extrapolierte System fügen.

Auch kann man es ändern (wie durch die Rechtschreibreformer ein wenig versucht), und es kann sich ändern (wie in der Werbesprache). Man hätte die Kleinschreibung einführen können – ein toller systemwidriger Fehler, aber danach dann eben nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2019 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40956

Grußwort einer Bürgermeisterin. Das Haar männlich kurz, weiblich blondiert. Sie gendert perfekt, vergißt niemals den weiblichen Teil. Das trägt wesentlich zum Eindruck des Roboterhaften bei.

Natürlich kann sie an der Veranstaltung, die sie eröffnet, nicht selbst teilnehmen, wegen anderer Termine, wünscht aber einen schönen Abend. Man applaudiert höflich und ist froh, als sie geht.

Es hat etwas Unwirkliches, gerade weil man genau denselben Ablauf schon so oft erlebt hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2019 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40897

Mit Recht kritisiert Helmut Glück das verordnete Gendern der Stadt Hannover. Allerdings kann man der feministischen Linguistik nicht allgemein vorwerfen, daß sie Genus und Sexus verwechsele. So einfach ist es nicht. Es geht auch nicht mehr um die irrwitzige Tilgung des vermeintlichen Maskulinums aus Zusammensetzungen usw., sondern im Kern um die Frage, ob das generische Maskulinum bei Personenbezeichnungen noch in aller Unschuld funktioniert oder ob es durch die Diskussion um eben diese Frage in eine Schieflage geraten ist.
Die Verteidiger der Sprache schwächeln. Sie haben meines Wissens nirgendwo tatkräftig für das generische Maskulinum gekämpft, sondern in der Regel um des lieben Friedens willen nachgegeben, wenn wieder mal ein Ausschreibungstext neutralisiert oder gegendert werden sollte (was auf dasselbe hinausläuft). Die Schwäche betrifft aber auch noch andere Bereiche:

In einem Artikel in der FAZ (20.2.19) über die sexuelle Nötigung und Vergewaltigung von Ordensfrauen durch Priester spricht Daniel Deckers wieder ein dutzendmal von „sexualisierter“ bzw. „sexueller Gewalt“.

Heute schreibt Matthias Rüb an gleicher Stelle über dasselbe Thema und kommt ganz ohne die feministische, den Sachverhalt verzerrende Redeweise aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2019 um 09.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40861

Rogers räumte in seiner Replik zunächst ein, dass er und mit ihm wohl viele Psychologen und Psychologinnen zumindest in einige Punkten mit Skinner übereinstimmen würden. (Mark Galliker: Ist die Psychologie eine Wissenschaft? Wiesbaden 2016:145)

Der gemeinte Text ist: Rogers, C. R., & Skinner, B. F. (1956). Some issues concerning the control of human behavior: a symposium. Science, 124, 1057-1066.
Die damaligen Diskutanten haben zweifellos Psychologinnen stets mitgemeint, aber gegendert haben sie an keiner Stelle. Der Fall ist deshalb ein wenig komplizierter als die „Bibel in gerechter Sprache“, weil der Verfasser indirekte Rede benutzt, die nicht den Anspruch erhebt, das Original wortgetreu wiederzugeben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.02.2019 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40852

Die gesetzlich verordnete paritätische Vertretung der Geschlechter auf den Wahllisten entspricht nicht der Mitgliederstruktur der Parteien. Dadurch kommt es zu dem wohl verfassungswidrigen Ergebnis, daß Frauen eine mehr als doppelt so große Chance wie Männer haben, gewählt zu werden. (Darauf weist ein Leser in der FAZ hin.) Daß sich mehr Frauen in der Politik engagieren, läßt sich nicht gesetzlich festlegen.
Die Verfassungsgerichte werden aber möglichweise auch das zurechtbiegen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 06.02.2019 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40781

Im MM steht heute auf Seite 29 ein Artikel des Redaktionsmitglieds Stefanie Ball zu Feminismus und „Geschlechtergerechtigkeit“. Sie bringt wieder die üblichen falschen Behauptungen (die Hälfte einer Schulklasse fühle sich ausgeschlossen, wenn nur von Schülern die Rede ist, usw.). Der Artikel endet so:

Immerhin, einen Vorteil hat das Englische: Es ist auch ohne sprachliche Verrenkungen und Empfehlungen genderkonform. Nach Worten wie „teacher“ (Lehrer) etwa oder „friend“ (Freund) kann sowohl die weibliche Form „she“ (sie) als auch das männliche „he“ (er) folgen.

Sie gibt also zu, daß Sie sich sprachlich verrenken muß!

Und dabei kann man auch im Deutschen ganz ohne sprachliche Verrenkung Worte wie Lehrer oder Freund mit er oder sie verbinden: Sie war der beste Lehrer der Schule, usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2019 um 18.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40772

„genderstudies“
Herausgeberin Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung
der Universität Bern IZFG


Übrigens wird auch Anrufbeantworterin nicht nur in satirischer Absicht gebraucht. -er ist eine sehr böse Buchstabenverbindung, die überall getilgt oder wenigstens versteckt werden sollte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.02.2019 um 23.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40750

Da der Spiegel nur aus englischsprachigen Quellen abschreibt (sofern seine preisgekrönten Reporter nicht gleich alles frei erfinden) und dort US als Singular aufgefaßt wird, muß es zwangsläufig zu Interferenzen kommen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 02.02.2019 um 18.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40749

Im Spiegel liest man "Die USA kündigt den INF-Vertrag zum Verzicht atomarer Mittelstreckenraketen“ (http://www.spiegel.de/politik/ausland/inf-vertrag-gekuendigt-furcht-vor-neuem-wettruesten-in-europa-a-1251297.html). Was hat es nur mit diesem Femininum auf sich? Es wird doch nicht gegendert sein?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2019 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40745

In einem Beitrag über Wohngeld schreibt die ZEIT (Nadine Oberhuber):

Wirtschaftsforscherinnen und -forscher
Bezieher
Bevölkerungsforscherinnen beobachten, dass gerade Ältere wegziehen, wenn ihnen die Stadt zu teuer wird.
Vielleicht sucht man Geringverdiener bald vergeblich in den Städten. Und Wohngeldbezieherinnen damit auch.


Usw. – alles so bunt wie möglich gemischt. Bei der FAZ hat Oberhuber es nicht so närrisch getrieben. Es soll offenbar signalisiert werden, daß die Motion durch -in keinerlei Unterschied bewirkt. Forscherin kann auch einen Mann bedeuten, so wie bisher Forscher auch eine Frau. Ich kann mir nicht vorstellen, daß dies das Deutsch der Zukunft ist, es widerspricht der sprachlichen Ökonomie, und die Ideologie fast Satz für Satz nervt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 02.02.2019 um 00.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40742

Die Liste ist wirklich eine Fundgrube. Allerdings enthält sie sachliche Fehler. So ist Rechtsanwalt etwas anderes als Rechtsbeistand. Dolmetscher kann man nicht als übersetzende Fachkräfte bezeichnen (auch nicht als simultanübersetzende Fachkräfte, es sei denn, sie dolmetschen gerade simultan und nicht konsekutiv). Elternteil ist kein genderneutraler Ersatz für Vater oder Mutter, weil es der Elternteil, nicht das Elternteil heißt! Was soll an Student im Singular auszusetzen sein, wenn die betreffende Person männlichen Geschlechts ist? Oder soll man das nun auch schon schamhaft verschweigen? Elternmilch statt Muttermilch – geht’s noch?!

Vielleicht werden die Texte wenigstens stilistisch besser, wenn man die Wörterliste benutzt. Denn: »Gendergerechte Sprache kann beim Schreiben wie Lesen elegant sein.« Ich hab’s mal versucht. Urteilen Sie selbst!

Vorher:

Ein Student hatte viele Fans. Seine Tante mütterlicherseits etwa, eine Putzfrau, lobte seinen Ordnungssinn. Die Gründerzeitvilla, in der er zusammen mit ein paar Schulabbrechern wohnte, wurde vom Hausmeister fachmännisch betreut. Die Mitbewohner verdienten sich als Animateure etwas dazu, und so konnten sich die Mannsbilder sogar einen Gärtner leisten. Als der Vater des Studenten eines Tages zu Besuch kam, begrüßte dieser ihn freudig: »Vater, sei unser Gast! Wir saufen, bis der Arzt kommt! Der Vermieter hat bestimmt nichts dagegen. Und wenn, dann gibt es keine Zeugen.« Das hörten zufällig die Nachbarn. »Wir machen mit! Sollen wir noch Bier bei der alten Hexe im Tante-Emma-Laden um die Ecke besorgen?« Darauf erhielten sie nie eine Antwort. Warum, das wissen die Götter.

Nachher:

Ein Mitglied der Studierenden hatte viele in besonderem Maße begeisterte Personen. Seine Tante martinalicherseits etwa, eine Reinigungskraft, lobte seinen Ordnungssinn. Die Gründungszeitvilla, in der er zusammen mit ein paar Menschen ohne Schulabschluss wohnte, wurde vom Gebäudemanagement fachkundig betreut. Die Powermenschen verdienten sich als Freizeitbetreuungspersonen etwas dazu, und so konnten sie sich sogar eine Gartenfachkraft leisten. Als ein Elternteil des Mitglieds der Studierenden eines Tages zu Besuch kam, begrüßte dieses es freudig: »Elternteil, sei unser Besuch! Wir saufen, bis ärztliches Fachpersonal kommt! Die vermietende Person hat bestimmt nichts dagegen. Und wenn, dann gibt es keine Bezeugenden.« Das hörten zufällig die nebenan Wohnenden. »Wir machen mit! Sollen wir noch Bier bei der schwarze Zauberkraft innehabenden Person im Laden für Waren des täglichen Bedarfs um die Ecke besorgen?« Darauf erhielten sie nie eine Antwort. Warum, das wissen die übernatürlichen Wesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2019 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40736

Wer Munition gegen den Genderwahn sucht, kann sich hier bedienen:

https://geschicktgendern.de/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2019 um 06.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40734

Natürlich ist es eine Illusion, daß Abgeordnete, sobald sie gewählt sind, die Interessen des ganzen Volks vertreten und nicht mehr das Programm der Partei, für die sie angetreten sind und der sie formal keine Rechenschaft mehr schuldig sind („freies Mandat“). Im Bundestag sitzen nicht lauter kleine Bundespräsidenten; das wäre auch nicht wünschenswert.

Wenn es sich bei der Politik um die Lösung klar definierter Probleme handelte, könnte man sie einem Computerprogramm übertragen. (Diesen Gedanken haben kürzlich mehrere meiner Bekannten und Verwandten unabhängig voneinander geäußert. Schönes Thema für Abituraufsätze.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2019 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40732

Die gesellschaftliche Entwicklung (nicht die feministische Bewegung) hat dazu geführt, daß den Frauen so gut wie alle alle Möglichkeiten offenstehen, wenn da nicht die Mutterschaft wäre, von sehr vielen Feministinnen mit Verachtung belegt, als sei sie ein Verrat an den hehren Idealen. Der Konflikt zwischen den Interessen der Wirtschaft und der Aufzucht des Nachwuchses ist unauflösbar, man kann nur die Folgen mildern. Wer sich hier nicht engagiert, ist nicht satisfaktionsfähig.
Meiner Ansicht nach sind die Männer gar nicht so schlimm. Sie sind durchaus bereit, sich halbtot zu arbeiten, wenn es der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dient. Jedenfalls viele.
Diesem Ziel nützen Quotenfrauen im Landtag oder im Aufsichtsrat von Großunternehmen gar nichts.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.02.2019 um 01.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40731

Ein Freund schreibt mir aus Berlin: »Songwriter und -writerinnen – eben in Radioeins. Ausgesprochen: Reiterinnen.«
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 31.01.2019 um 22.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40729

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, aber sie sind nicht gleich. Sie haben unterschiedliche biologische Funktionen und daraus resultierend unterschiedliche körperliche und geistige Voraussetzungen, auch unterschiedliche Interessen. Es ist deswegen nicht möglich, aus einer unterschiedlichen Beteiligung von Männern und Frauen an bestimmten Institutionen oder Tätigkeiten eine Unterdrückung eines der beiden Geschlechter zu folgern. Unterschiedliche Anteile von Männern und Frauen wegen unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen sind gerade bei absoluter, wirklicher Gleichberechtigung unbedingt zu erwarten und nicht zu beanstanden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2019 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40727

Aus der Gleichberechtigung der Geschlechter hat der brandenburgische Landtag gefolgert, daß auch die Kandidatenlisten zur Landtagswahl geschlechterparitätisch und zwar abwechselnd mit Männern und Frauen besetzt werden müssen. Das ist unlogisch und führt zu unabsehbaren Folgen. Daß das Verfassungsgericht dem einen Riegel vorschiebt, ist nicht sicher, da die Politik schon lange auf die tatsächliche gleichmäßige Vertretung der Geschlechter auf allen Posten hinarbeitet (affirmative action) und dafür auch Grundrechtsverstöße in Kauf nimmt, die dann von Juristen gebilligt werden.
Der nächstliegende Einwand ist, daß auch andere Gruppen Parität fordern könnten: Alterskohorten, Menschen mit ausländischer Herkunft, Religion usw. Auch ist die Zweigeschlechterordnung ja gerade überholt worden.
Außerdem kann, was auf der Spielwiese Landtag folgenlos angehen mag, nicht in allen Berufsgruppen durchgesetzt werden, wo es oft ein enormes männliches oder weibliches Übergewicht gibt.
(http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40058)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2019 um 17.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40726

Nach einigen neueren Sendungen im Bayerischen Rundfunk (Bayern 5) scheint es so, als sei jetzt Mitarbeitende zwingend vorgeschrieben. Unternehmen suchen MItarbeitende.

Damit legt man sich praktisch auch auf den Plural fest, und das könnte Folgen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2019 um 03.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40723

Die Lyrikerin Barbara Köhler hat ihre 15 Minuten Ruhm, aber ich hätte es ehrenhafter gefunden, bei der Gomringer-Posse nicht mitzuspielen, erst recht nicht zugunsten einer eigenen Produktion.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2019 um 03.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40671

Darüber brüten Gutachtende, von Steuerzahlenden (oder Steuer Zahlenden?) finanziert, und eine neue Broschüre zum korrekten Gendern wird sicher bald vorliegen.

Ich wundere mich jeden Tag aufs neue, wie ein Clique es geschafft hat, ihre Ideologie gegen die große Mehrheit der Wissenschaftler und gegen den Wunsch der leidtragenden Bevölkerung durchzusetzen, genau wie bei der Rechtschreibreform. Darum interessiere ich mich auch so für die Gruppendynamik in Gremien.

Das Argument, die deutsche Sprache sei bisher dem weiblichen Geschlecht nicht gerecht geworden, hat eine oberflächliche Plausibilität. Hinzu kommt der Gedanke "Schad’t ja nix!" (um es mit Augst zu sagen). Und die allgemeine Duckmäuserei (warum wegen so einer Kleinigkeit Streit anfangen?). Wer viel in Kommissionen sitzen mußte, wird wissen, wovon ich rede.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.01.2019 um 23.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40670

Wie nennt man in Hannover jetzt eigentlich geschlechtslos und diskriminierungsfrei Personen, die kein Fleisch essen? Vegetierende?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2019 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40649

Die Stadt Hannover gendert in Zukunft alle ihre Texte. Dem werden sich viele oder alle anschließen. Wer wird schon ankündigen, nicht "geschlechtergerecht" oder "gendergerecht" sprechen und schreiben zu wollen? Das ist vor allem bei Gremienentscheidungen unvorstellbar. Schicksal, nimm deinen Lauf!
Das einzige, was sich jeder klarmachen kann, ist, daß diese Sprache sich noch ein Stück weiter von der allgemein üblichen entfernt. Aber das ist den Ideologen egal, sie sind bereit, jeden Preis zu zahlen und von anderen zu verlangen. (Wie wäre es mit einem Referendum? Aber so demokratisch ist man dann wohl doch nicht.) !
Die Begründung "Sprache ist in Bewegung" entspricht dem, was schon die Rechtschreibreformer zur Rechtfertigung ihres gewaltsamen Eingriffs vorgebracht haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2019 um 07.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40647

Spiritualität ist weder eine eigentlich esoterische noch religiöse Praktik, sondern eine grundlegende Dimension des Menschseins. Damit ist Spiritualität auch kein Reservat von Gurus, Religionsstiftern, Propheten oder Priestern, sondern von jederfrau.

Von der Website eines Erlanger Psychologen, der sich neuerdings Diplom-PsychologInne nennt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.01.2019 um 22.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40645

Sie schreibt dort auch (Hervorhebungen von mir):

"Die Vernichtung von Jüdinnen, Roma, Sinti, Homosexuellen, Kranken infrage zu stellen, Witze darüber zu machen, als feister Sack an Orten des absoluten Grauens rumzublaffen, ist das Ende der Zivilisation."

Ich muß sehr an mich halten. Daß Leute, die sich wie diese Frau Berg noch klug dabei vorkommen, selbst Witze über das Unfaßbare zu machen, inzwischen ihr Geblaffe in so etablierten Blättern wie dem SPIEGEL veröffentlichen können, ist das eigentliche Ende der Zivilisation. Welchen Respekt vor KZ-Opfern hat denn Frau Berg?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.01.2019 um 19.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40643

Auf die „Besucherordnung“ der Gedenkstätte Buchenwald verweist Sibylle Berg im SPIEGEL mit einem Link „Besucherinnenregeln“. Sie schreibt auch: „In der Hoffnung, auch noch den letzten Nazi als Wählerin zu gewinnen, verweigern Politikerinnen einer KZ-Überlebenden den Respekt.“ Und: „Ja, es sind Menschen, Enkel, Urenkel der Mörderinnen, die an Orten pöbeln und höhnen, die doch so grauenhaft sind, so unfassbare kurze 70 Jahre her, dass man vermeint, das Elend, die Bestialität noch spüren zu können.“

Der Text wird durch diese Privatsprache schwerverständlich, denn es gibt ja im Deutschen weiterhin ein nicht-generisches Femininum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2019 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40620

Franz und Michelle Müntefering trennen 41 Jahre. Dies ist für den ehemaligen SPD-Chef kein Problem. Sie halte ihn aktiv. (t-online.de 17.1.19)

Das hatten wir schon öfter: Wenn ein alter Mann eine junge Frau heiratet, fragen die Journalisten besorgt, ob ER damit kein Problem habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2019 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40587

In Brasilien ist es künftig leichter, Waffen zu kaufen. Präsident Jair Bolsonaro unterzeichnete ein Dekret, wonach jeder Brasilianer künftig bis zu vier Schusswaffen kaufen und sie zu Hause oder am Arbeitsplatz aufbewahren kann. "Das Volk will Waffen und Munition kaufen und wir können ihm das nicht verweigern", sagte er. Bislang mussten Bürgerinnen und Bürger einzeln nachweisen, warum sie eine Waffe benötigen. (ZEIT 16.1.19)

Man gendert nur ab und zu, zeigt also den guten Willen, möchte aber den Leser auch nicht abstoßen. Die Erstnennung der Frauen entspricht einer Phraseologisierung der alten Galanterie (Damen und Herren), auch wenn Waffenbesitz und -gebrauch überwiegend Männersache ist. (Man denkt an die „Römerinnen“, die laut Jugendbibel den Ostmittelmeerraum eroberten. Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40464)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2019 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40563

Schreibende schreiben im Dienste der Lesenden. (https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/dateien/Remote/km/180629_Rechtschreibrahmen-Klassen-1-bis-10.pdf)

Aber auch der eindeutig männliche Lesende im Singular wird oft erwähnt, einmal sogar der Leser, wohl aus Versehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2019 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40553

Schon die Grundschüler lernen, "Schülerinnen und Schüler" usw. zu sagen. Das ist das perfekte Mißbrauchsalter. Eigentlich sollten sie Deutsch lernen, aber sie beten die feministische Ideologie nach, als sei es das heilige Evangelium.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2019 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40545

Durch das Studium dieses Artikels kann man Credit Points erwerben, das läßt ihn um so tiefer einsinken.

Auch hierzulande, wo man nicht ganz so psychologiegläubig ist, haben wir ja lernen müssen, wer wirklich schwer krank ist: der heterosexuelle Mann.

Ich kann mich nicht erinnern, je einen Bericht über Erkenntnisse der Psychologie gelesen zu haben, der nicht sofort als Unsinn zu erkennen gewesen wäre.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 12.01.2019 um 02.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40543

Die "American Psychological Association" erklärt in ihren neuesten Richtlinien Männer schon deshalb für behandlungsbedürftig, weil sie Männer sind. Vgl. https://www.apa.org/monitor/2019/01/ce-corner.aspx

Empirie scheint hier keine Rolle mehr zu spielen, sondern nur noch Ideologie und "Theorie".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2019 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40540

Die Verkehrsinfo-Zentrale in Berlin gendert: Warnungen und Ankündigungen sollen künftig möglichst geschlechtsneutral formuliert werden. Aus dem „Radfahrer“ wird der „Radfahrende“.

So liest man es nun in der Tat, entsprechend der „Autofahrende“ usw. – Der Widersinn wird nicht bemerkt. Im Singular kann ja von Geschlechtsneutralität keine Rede sein, der Radfahrende ist maskulin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2019 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40539

Wenn die HU aus ihrem Status als „Einrichtung öffentlichen Rechts“ ihre Pflicht zur Befolgung der Schulorthographie herleitet, müßte das für alle Anstalten des öffentlichen Rechts gelten, also auch für die Kirchen, entgegen Eisenbergs Meinung.
Daß er ausdrücklich die Rundfunkanstalten verpflichten will und mit dem Begriff "Dienstpflichtverletzung" herumfuchtelt, könnte die so Verwarnten zu einer Stellungnahme bewegen.

Was er über "unabsehbare kulturpolitische Konsequenzen" sagt, die mit einer Gender-Selbstverpflichtung des Berliner Senats verbunden wären, erinnert mich an die fast identischen Worte, die er mir vor über 20 Jahren bei der Mannheimer Anhörung vom 23.1.1998 entgegenhielt. („Ein Kippen der Rechtschreibreform wäre eine kulturpolitische Katastrophe." Damals kam er seinem Dienstherrn und Parteigenossen Kultusminister Wernstedt zu Hilfe. Vgl. auch: „Die Orthographiereform ist beschlossene Sache, der Streit um das Für und Wider einzelner Regelungen hat vorerst ein Ende. Es kommt jetzt darauf an, den Übergang auf die neue Orthographie im Alltag des Schreibens zu sichern, ihn so unaufwendig wie irgend möglich zu machen.“ (Eisenberg 1996) Man erkennt das Muster.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40532

Man muß noch eine Variante beachten, die beinahe der Normalfall zu sein scheint. Unsere Universität hat sich scheinbar "selbst unterworfen", indem sie sowohl Reformschreibung als auch Genderwahn bedingungslos übernommen und auch die alberne "Charta der Vielfalt" unterzeichnet hat. Aber in Wirklichkeit war es nicht die Universität; es ist ja auch niemand gefragt worden. Vielmehr haben einzelne Leitungspersonen das alles im Alleingang gemacht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.01.2019 um 10.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40531

Die DFG ist als Verein organisiert, obwohl sie im Grunde als öffentliche Einrichtung fungiert. Ihre Angestellten sind keine Beamten und unterliegen keinem Dienstrecht.

Andererseits kann die DFG natürlich beschließen, sich der jeweils gerade gültigen Schulorthographie zu unterwerfen. Hier besteht, anders als Eisenberg glaubt, kein Unterschied beispielsweise zur EKD.

Die Selbstunterwerfung unter die jeweils gerade gültige Geschlechtsideologie verspricht aber wahrscheinlich mehr Prestige.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 10.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40529

Eisenberg stellt für alle Institutionen, die er exemplarisch erwähnt, also viel mehr als die "Verwaltung", als Tatsache fest, daß Verstöße gegen die amtliche Regelung "Dienstpflichtverletzungen" sind, "die disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen können." Was sagen die Genannten dazu, also etwa die DFG?

In Wirklichkeit geht es ihm um ein juristisch haltbares Verbot der Genderschreibweisen, aber er vermischt das mit der Frage der Geltungsreichweite der Neuregelung und der Freiheit der Dudenredaktion.

Die "Kriterien", die der Rechtschreibrat für eine künftige Genderschreibweise aufgestellt hat, sind unverbindliche Überlegungen, die Eisenberg aber wie eine ebenfalls amtliche vorbeugende Maßnahme gegen das verhaßte Sternchen liest.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40527

Selbstunterwerfung gibt es, aber auch Anweisungen von oben. Und die Frage ist, was "Verwaltung" und "Behörden" alles umfaßt.

Eisenbergs Text enthält krasses Zeug, das ich hier nicht kritisieren will; ich empfehle die Lektüre.

Er kritisiert nicht nur die Dudenempfehlungen als eigenmächtigen Verstoß gegen die Absichten des Rates, sondern auch die Tatsache, daß sich der Duden zwischen die amtliche Regelung und den Wörterbuchbenutzer schiebt – als wenn er nicht wüßte, daß die amtliche Regelung gar nicht benutzbar ist. Im übrigen handelt der Duden auf eigenes Risiko und darf es, denn er ist ja nicht amtlich und kann, wie jedermann, nach Belieben verfahren und dann sehen, ob es sich verkauft.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.01.2019 um 09.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40526

Solange die Selbstunterwerfung von Behörden unter die Schulorthographie nicht gerichtlich untersagt worden ist, wird sie wohl erlaubt sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40524

Peter Eisenberg lehnt das Gendern ab, ich tue es auch, es ist unser gutes Recht. Aber nun geht er in einem Aufsatz für die FAZ (10.1.19) mit einer neuen Waffe in den Kampf. Weil Genderstern und andere typographische Erfindungen nicht in der amtlichen Orthographie vorgesehen und daher auch nicht zulässig seien, dürften sie wenigsten in der Schule und in Behörden, ja allen Einrichtungen des öffentlichen Rechts nicht verwendet werden. Er zitiert von der Website der Humboldt-Universität:
„Die Humboldt-Universität zu Berlin ist als Einrichtung öffentlichen Rechts dazu verpflichtet, die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung anzuwenden. In ihrer Funktion als Bildungseinrichtung müssen die Webseiten der HU daher in korrekter Rechtschreibung und Grammatik verfasst sein. Dieser Anspruch trägt in besonderer Weise zur Außenwirkung der Universität bei.“

Dieser Position schließt Eisenberg sich an. Kirchen und Parteien zum Beispiel dürften gendern. „Alle vergreifen sich damit allerdings an der Einheitsorthographie. Nicht verwenden dürfen solche Gebilde die Gleichstellungsbeauftragten öffentlicher Einrichtungen, Bundesbehörden, Lehrer und Schüler öffentlicher Schulen, die DFG, die ARD oder die KMK sowie der Senat von Berlin.“

Eisenberg schließt dann noch eine Dudenkritik an, wobei er schon die gelben „Empfehlungen“ des Duden als unzulässig einschätzt, wie seinerzeit, allerdings folgenlos, der Rat für deutsche Rechtschreibung, dem Eisenberg damals noch angehörte. (Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36257) Auch kritisiert er, daß im Duden die amtliche Regelung, die er selbst für minderwertig erklärt, nicht mehr abgedruckt ist – aber warum sollte sie? Der Duden ist dazu nicht verpflichtet, die Regelung steht ja im Netz. Was der Dudenverlag schließlich in Broschüren zum Gendern rät, ist rechtlich gleichgültig. Obwohl die Reformer und auch Eisenberg die Aufhebung des Dudenprivilegs feiern, tun sie manchmal so, als sei der Duden immer noch amtlich. (Eisenberg fragt sonderbar genug: „Und wo steht der Duden, unsere letzte und damit einzige Sprachautorität?“)

Was aber eigentlich erstaunt, ist die rigoros autoritätshörige Auslegung der Rechtslage. Das Bundesverfassungsgericht hat 1998 die Geltung der Neuregelung auf die Schulen beschränkt, was Eisenberg erwartungsgemäß nicht erwähnt. Wieweit die Ausweitung auf die „Verwaltung“ – so der ausdrückliche Anspruch der im Rechtschreibrat versammelten Reformdurchsetzer – überhaupt berechtigt ist, steht dahin. Es gibt zwar Anweisungen einzelner Ministerien und Dienststellen, über deren Rechtmäßigkeit ist aber meines Wissens nie gerichtlich entschieden worden. Eisenberg geht aber noch weit über die „Verwaltung“ hinaus. Er scheint sogar die Hochschullehrer auf die Orthographie der Kultusminister verpflichten zu wollen, was mit der Freiheit von Forschung und Lehre in Konflikt gerät.

Fast alle Institutionen, die Eisenberg vom Gendern abhalten will, tun es schon mehr oder weniger. Was werden sie zu diesem Angriff sagen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40522

Wenn man heute jemandem erzählt, daß z.B. in Baden-Württemberg Lehrerinnen im Fall der Heirat aus dem Dienst ausscheiden mußten (Lehrerinnenzölibat), stößt man wahrscheinlich auf Unglauben. Der Feminismus hatte keinen Anteil an der Änderung von Zeitgeist und Gesetzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2019 um 07.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40464

Aus einem anderen Eintrag gehört auch hierher:

Römer und Römerinnen erobern im 1. Jh. v. Chr. den Ostmittelmeerraum. (Neue Jugendbibel mit Kommentar und Lexikon, hg. vom Deutschen Katecheten-Verein. Verlag Katholisches Bibelwerk 2002)

Von einer Römerin erobert zu werden muß nicht so schlimm sein (vgl. Goethe).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.01.2019 um 20.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40451

Ziemlich unglaubhaft ist auch, daß Seemänner und Seefrauen eine unterschiedliche Sprache sprechen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2019 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40450

Die VeranstalterInnen des Boys’ Days haben sich dieses Jahr unter dem Motto „Geschichte zum Anfassen: Wir bauen eine Römerboot“ etwas Besonderes ausgedacht und möchten die Schüler an dem Bau eines römischen Patrouillenbootes beteiligen. An diesem Tag werden ProfessorInnen der Universität interessante Informationen zum Bau des römischen Patrouillenbootes aus kulturwissenschaftlicher, geschichtlicher und archäologischer Sicht präsentieren sowie ein Quiz mit Schülern zur Seemannssprache im Englischen durchführen, dass die Fächer Englisch, Deutsch, Geschichte und Nautik miteinander verbindet. Im darauffolgenden Praxisteil haben die Schüler dann die spannende Möglichkeit den Bootsbau aktiv mitzuerleben. (Büro für Gender und Diversity der Universität Erlangen 6.3.17)

Ein Fach "Nautik" kennt die Schule zwar nicht, wohl aber Grammatik und Rechtschreibung, eigentlich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.12.2018 um 22.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40438

Der Wirt schafft in
der Wirtschaft.

Wirt und Wirtin sind dann wohl Wirtschaffende.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.12.2018 um 18.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40437

Das Suffix "-schaft" bedeutet nicht immer, daß etwas "geschaffen" wurde, z.B. in "Eigenschaft", aber eine Dissertation im Ingenieurwesen kann durchaus etwas Neues schaffen, z.B. eine neue Maschine oder ein besseres Verständnis von technischen und physikalischen Vorgängen. Hier dauert eine Dissertation ja auch viel länger als in anderen Fächern.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.12.2018 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40436

Zu #40430, nämlich daß ein Wissenschaftler erst einmal Wissen erwerben muß, paßt auch der Beitrag im MM vom 15.12.2018, Beilage S. 5 (auf diesen bezieht sich die Leserkritik aus http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#40432). Der MM schreibt über den Autor des kritisierten Artikels:

Hasan-Hüseyin Kadioglu (24) kommt aus dem behaglichen Ansbach in Mittelfranken und war bis Oktober dieses Jahres Volontär, also auszubildender Journalist, dieser Zeitung [...] Der Politikwissenschaftler macht derzeit seinen Master Conflict Resolution in Divided Societies am King’s College London.

Ich finde, einen Studenten sollte man wirklich erstmal seine Abschlüsse machen lassen, bevor man ihn Wissenschaftler nennt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2018 um 06.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40433

Die Naturwissenschaftsredakteurin Sibylle Anderl (FAS zu Silvester 2018) gibt einen kurzen Einblick in die vielen Zuschriften von Menschen, die die Weltformel oder etwas ähnliches entdeckt zu haben glauben. Nebenbei erwähnt sie, daß es sich dabei stets um Männer handelt. Diese Tatsache hat noch kein Genderologe erklären oder wegdiskutieren können. Mit einem gewissen Typ von Sprachkritikern verhält es sich genau so. Die Rechtschreibreform wurde ja auch von Männern erdacht; unter den Kritikern waren anfangs viele Frauen, aber sie scheinen die Lust verloren zu haben. Das kann an gesunder Abwehr von Besserwisserei liegen, es kann auch ein Mangel an jener Hartnäckigkeit oder Verbissenheit sein, der Männer oft in den Wahnsinn, aber manchmal auch zu schönen Entdeckungen oder Erfindungen treibt. Gerade wurde kritisiert, daß Patentanmeldungen fast nie von Frauen kommen; angeblich würden sie nicht genug „gefördert“. Das scheint aber bei weitem keine ausreichende Erklärung zu sein.
(Anderl warnt junge Wissenschaftler davor, sich auf eine Diskusssion mit solchen Originalgenies einzulassen: es führt zu nichts. Kürzlich habe ich einem bekannten Physikquerulanten, der Einstein widerlegen kann und Neutrinos und vieles andere für nichtexistent hält, geantwortet, daß ich seine Thesen kenne – nur um ihn von deren Darlegung abzuhalten. Prompt fragte er mich, was ich davon halte. Ich habe aber nicht mehr geantwortet.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2018 um 04.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40430

Unsere Partizipienliebhaber (Philometochoi) haben sich vor einigen Jahren die Wissenschaffenden ausgedacht und glauben wohl wirklich, daß die Wissenschaft so heißt, weil sie Wissen schafft. (Vgl. Grillparzers Kalauer: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.)

Die Zentrale Frauenbeauftragte der Freien Univesität (sic) Berlin hat den neuen Rundbrief für Wissenschaffende 2/2015 mit dem Schwerpunkt: Queer herausgegeben.

Manche Wissenschaftler sollten, bevor sie Wissen zu schaffen versuchen, erst einmal Wissen erwerben.

(Übrigens liefert Google für die Fehlschreibung Univesität rund 26.000 Belege.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2018 um 04.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40419

Im Englischen KANN Sam auch ein weiblicher Vorname sein, in heutigen Fachtexten MUSS es ein solcher sein:

The view that is ruled out is that for Sam to judge that ducks run is for her to perform an operation on representations of a radically different kind than those on which she would operate were she to make a corresponding assertion. (https://mindmodeling.org/cogsci2010/papers/0031/paper0031.pdf)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.12.2018 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40417

In Wirklichkeit (aber in der leben diese Leute ja nicht) gibt es keinen »letzten, chirurgischen Schritt«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.12.2018 um 06.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40415

Übrigens wundere ich mich immer über meine eigene Unfähigkeit, mich in Menschen hineinzudenken, die sich im falschen Körper fühlen und unbedingt zum anderen Geschlecht wechseln wollen. Wie wäre das denn, wenn ich mich als Frau fühlte? Das muß etwas ganz anderes sein, als sich sexuell zu eigenen Geschlecht hingezogen zu fühlen (was sich wohl jeder von uns als mehr oder weniger entfernte Möglichkeit immerhin noch vorstellen könnte), aber was? Ich weiß von mehreren Männern, die alles Erdenkliche auf sich nehmen, um endlich als Frauen leben zu können, angefangen von der Stimmtherapie bis zum letzten, chirurgischen Schritt. Irgendwie verblaßt das ganze modische Gender-Gerede vor solchen Fällen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.12.2018 um 19.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40413

Doch, die Operationen sind nötig, denn mit denen und mit den teuren Hormonen wird doch das Geschäft gemacht.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 25.12.2018 um 12.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40412

OP ist gar nicht nötig, es bestimmt doch jede/r/s ihr/sein Geschlecht selbst. (Notfalls nach Tageszeit oder Wetterlage.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.12.2018 um 11.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40411

Aus Sicht der Geschlechterforschung liegt keine Diskriminierung vor, weil die Mädchen ja jederzeit leicht zu Knaben umoperiert werden können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.12.2018 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40410

Knabenchöre bestehen – wie der Name schon verrät – ausschließlich aus männlichen Sängern. Ein Verstoß gegen das Grundgesetz, meint die Berliner Rechtsanwältin Susann Bräcklein und versucht dagegen vorzugehen.
Dass in Knabenchören wie den berühmten "Thomanern" keine Mädchen singen dürfen, ist nach Ansicht der Berliner Rechtsanwältin Susann Bräcklein ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz. Wenn Mädchen keinen Zugang zu bekannten Knabenchören hätten, die staatlich gefördert würden, sei dies eine Diskriminierung nach Artikel 3, Abs. 3 der Verfassung, der Benachteiligung aufgrund des Geschlechts verbietet, sagte die Juristin dem Evangelischen Pressedienst.
(domradio.de 22.12.18)

Es gibt Knabenchöre, Mädchenchöre und vor allem gemischte Kinder- und Jugendchöre, darunter alle Schulchöre im Zeichen der Koedukation. Es gibt auch Posaunenchöre, in denen keine Streicher geduldet werden – ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.12.2018 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40408

Der „Skeptiker“ gendert brav (jedenfalls im Fließtext) und pflegt auch die Partizipien bis zum Lächerlichen, aber die unaufgeklärten Anhänger der Alternativmedizin bleiben einfach Anhänger. Das ist wie mit den „Dauerausscheidern“ und anderen unangenehmen Zeitgenossen, die auch in den Wörterbüchern männlich bleiben dürfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2018 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40401

Feministinnen wie Evelyn Fox Keller haben irrigerweise in der Alchimie eine Art Rehabilitation der Frau gegenüber der "mechanistischen" männlich-dominanten Wissenschaftsauffassung Bacons sehen wollen. William R. Newman und viele andere haben es widerlegt. Es kam meistens darauf an, das unreine Weib völlig entbehrlich zu machen, den Homunculus ohne weibliches Zutun zu erzeugen. Bezeichnend auch dies aus (Pseudo-)Paracelsus De natura rerum:

Nun aber damit ich widerumb auf mein fuernemen kom, von dem basilisco zuschreiben, warum und was ursach er doch das gift in seinem gesicht und augen habe. Da ist nun zu wissen, das er solche eigenschaft und herkomen von den unreinen weibern hat, wie oben is gemelt worden. Dan der basiliscus wechst und wird geboren aus und von der groessten unreinikeit der weiber, aus den menstruis und aus dem blut spermatis.

Also da ist nicht viel zu holen, vgl. auch Wouter J. Hanegraff, Jeffrey J. Kripal; Hidden Intercourse: Eros and Sexuality in the History of Western Esotericism. Leiden 2011.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2018 um 04.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40397

Selbst beim Ventilatorenhersteller EBM-Papst, der vor allem Maschinenbauer und Elektrotechnikerinnen sucht, sieht es so düster nicht aus. (ZEIT 21.12.18)

Es ist unwahrscheinlich, daß die Firma Elektrotechnikerinnen sucht; das ist eine Zutat der politisch korrekten ZEIT.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2018 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40384

Jeremy Corbyn soll im Parlament stupid woman vor sich hingemurmelt haben. Ist das frauenfeindlich? Er hat ja nicht gesagt, daß er May für dumm hält, weil sie eine Frau ist (mit der unausgesprochenen, für den Schluß notwendigen Prämisse "Frauen sind dumm").
Der Vorwurf ist bezeichnend für die eher assoziative als logische Vorgehensweise heutiger Tugendwächter. Ähnlich die Klage gegen das Wort Altweibersommer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2018 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40351

Der vorige Eintrag war durch Schlagzeilen über Kinderehen veranlaßt. Ich wollte noch etwas aus meinen Erinnerungen nachtragen. Ich habe nette alte Menschen, die im Dritten Reich selbst rassistische Verfolgung mit knapper Not überlebt hatten, rassistische Ansichten äußern hören, die mich erstaunten. Es stand für sie fest, daß es minderwertige Rassen gibt, und die politischen Unruhen in Südamerika zum Beispiel führten sie auf die Rassenmischung zurück. Natürlich fange ich in solchen Fällen keine Diskussion an, sondern höre schweigend zu und mache mir Gedanken über unsere Befangenheit im "Zeitgeist". Sich nicht über andere erheben, sondern immer dazulernen.

Es ist der Hintergrund der Semantik, und hier spielt sich auch der Wandel ab, der die "Kreativität" unserer Sprache ausmacht, nicht die Kombinatorik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2018 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40350

Nebenbei gefragt: Es scheint ja festzustehen, daß die Pubertät bei Mädchen immer früher einsetzt. Nun teilen aber Mediävisten mit, daß in der adeligen Gesellschaft des Mittelalters Geburten von Müttern im Alter von 15 und sogar 12 Jahren immer wieder belegt sind. Old enough to bleed... der kaltschnäuzige Vers scheint wörtlich verstanden worden zu sein, ohne daß jemand Anstoß nahm. Freilich war ein früher Beginn ratsam, weil die Frauen ohnehin nicht alt wurden. Aber was wird aus der Akzeleration?

Durch die moderne Ausdehnung der "Kindheit" im rechtlichen und moralischen Sinn sind manche Probleme entstanden. Jedenfalls haben sich unsere Begriffe und Anschauungen gewandelt. Erst gestern erzählte mir ein betagter Bekannter, wie er und seine Geschwister im Nachkriegsdeutschland rangenommen wurden, aus heutiger Sicht skandalöse Kinderarbeit.

Etwas später fanden die meisten von uns Jungs, daß die Haartracht der Beatles tatsächlich das Allerletzte war und Elvis sowieso der Inbegriff des Verwerflichen, worin die USA wieder mal vorangingen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2018 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40219

Der "Tagesspiegel" meldet radikalkonformistisch:

Studierendenrekord

Aber dann doch:

Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer ist mit einem Studenten aneinandergeraten.

Denn sogar die Leser dieser Zeitung würden nicht glauben, daß der junge Mann nachts auf der Straße studierte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2018 um 03.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40175

"Divers" – das ist Wasser auf die Mühlen der Abmahnvereine, ich meine natürlich: Geld in die Kassen.

Berlin hinkt mal wieder hinterher mit dem geplanten Frauen-Feiertag am 8. März.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2018 um 18.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40168

Noch einmal Lann Hornscheidt:

Ex steht für Exit Gender, das Verlassen von Zweigeschlechtlichkeit. Diese Formen haben Lio Oppenländer und ich zusammen uns ausgedacht.
Ein Beispielsatz: „Lann liebt es mit anderen zu diskutieren. Ex lädt häufig dazu ein, einen Roman zu besprechen. Lann ist Lesex von vielen Romanen.“
Die Endung kann an den Stamm von Personenbezeichnungen angehängt werden: Schreibex, Schwimmex, Musikex. Die Form drückt aus, dass die Person, die so bezeichnet wird, sich als entzweigendernd versteht, als nicht weiblich oder männlich. Die Form ist identisch in allen Fällen. Ein Beispielsatz: „Lann und ex Freundex haben ex Rad bunt angestrichen.“


(http://www.lannhornscheidt.com/)

Jeder kann machen, was er will. Eine andere Frage ist, ob außer den Freundexen irgend jemand es lesen mag. Daran sind bisher alle Neuerungen gescheitert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2018 um 10.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40108

In der FAZ diskutieren zwei Professoren über Zulassen oder Verbieten von Handys usw. in Lehrveranstaltungen. Der Österreicher spricht stets von "Studierenden", auch im Singular: "der Studierende". Aber das macht den feministischen Gewinn wieder zunichte.

Der andere, ein Anglist, der möglichst alles digitalisieren will, strebt ausdrücklich an, überhaupt kein Wissen mehr zu vermitteln, nur noch Medienkompetenz, und scheint es darin schon weit gebracht zu haben. Eigentlich würde man ein solches Ziel eher dem anderen, einem Juristen, zuschreiben wollen, denn das juristische Wissen ist eher externalisierbar als das philologische.
Aber wenn man Englischlehrer ausbildet, die ebenfalls nichts wissen, sondern nur nachzuschlagen verstehen, dann fällt die Besonderheit der Ausbildung durch einen unwissenden Professor nicht weiter auf.

Der Jurist (Prof. Vec) setzt eher auf das Charismatische, das besondere Erlebnis, wenigstens ein Zeitlang nicht am Bildschirm, sondern in leibhaftigem Kontakt mit einer Person studiert zu haben. Aber er steht wohl auf verlorenem Posten. Die Bundesregierung setzt ja voll und ganz auf die industriefreundliche Lösung.

Ob Philologen, die gar nichts mehr wissen (keine Karikatur, Prof. Handke sagt es ja selbst!), irgend etwas Neues, noch nicht Aufbereitetes, entdecken werden? Oder werden die Maschinen und Programme auch dies noch erledigen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2018 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40058

Justizministerin Barley will das Wahlrecht ändern, damit im Bundestag mehr Frauen sitzen (idealerweise ebenso viele wie Männer).

Das wäre ein weiterer Schritt zur Aushöhlung der Demokratie zugunsten des Proporzes. Keiner Frau geschieht ein Unrecht, wenn weniger Frauen in irgendeinem Gremium sitzen. Die Gleichheit bezieht sich nach dieser Ideologie auf Kollektive, nicht mehr auf die einzelne Person und deren Chancen. Aber soweit denken viele Menschen nicht. "Parität überall!" klingt ja auch zu schön, da kann man doch nicht nein sagen.

Übrigens hat in Bayern der Wähler bisher noch die Möglichkeit, bestimmte Personen innerhalb der Liste nach vorn zu wählen. Das müßte auch geändert werden, sonst wählt er am Ende noch Männer an den Kandidatinnen vorbei an die Spitze!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2018 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40053

In seiner neuen Geschichte der Erlanger Universität erwähnt Gregor Schöllgen, daß die "Frauenzeitschrift EMMA" Emmy Noether zur bedeutendsten Mathematikerin des 20. Jahrhunderts gekürt habe. Das wird sie wohl gewesen sein (ich kann es so wenig beurteilen wie Schöllgen), aber EMMA ist vielleicht nicht die geeignetste Instanz.

Schöllgens Qualitätsmerkmale für Professoren sind die Zahl ihrer Bücher und die Öffentlichkeitswirkung. In beidem glänzt er selbst. Noether müßte eigentlich schlecht abschneiden, weil sie wie die meisten Mathematiker fast nur Aufsätze geschrieben hat.
Auch in anderen Fächern (z. B. der gar nicht erwähnten Indogermanistik) enthalten eine Handvoll Aufsätze oft mehr Wissenschaft als ein Dutzend "Monographien" (zumal der kompilierenden Art).

Nebenbei möchte ich bemerken, daß in diesem offiziösen Buch (vom Rektor vorgestellt und an alle Hochschullehrer verschickt) erstaunlich scharfe Urteile über noch lebende Kollegen gefällt werden. Zum Beispiel in der Philosophie:
Auf die „Blütezeit“ des Erlanger Konstruktivismus (Lorenzen, Kamlah) folgte Manfred Riedel als „bedeutender Vertreter der praktischen und breit aufgestellter Interpret der klassischen Philosophie“. „Als man 1996 einen nicht habilitierten Philosophen ohne erkennbares Profil auf diesen Lehrstuhl berief, der sich bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand gerade einmal zwei schmale Monographien abzuringen vermochte, begann der Niedergang. (...) Es gibt Ordinarien, die wie dieser wissenschaftlich und publizistisch krass versagen (...)“.

Der Geschmähte ist für Hiesige leicht zu identifizieren. Ich bin nicht mit ihm befreundet, aber ich frage mich, ob ein solches Buch der richtige Ort ist, persönliche Hühnchen zu rupfen. Wenn man nichts Positives über einen Kollegen sagen kann, sollte man ihn (wie 1000 andere) eher nicht erwähnen, als solches Gift ins doch immer noch bestehende Kollegium zu spritzen. Schließlich trifft man einander bei vielen Gelegenheiten, so auch bei der Vorstellung dieses Buchs...

Am ausführlichsten gelobt wird ein ebenfalls nicht namentlich bezeichneter Historiker, der für die kommerzielle Verwertung der Wissenschaft als "Dienstleistung" bekannt geworden ist: Schöllgen selbst. S. auch https://www.gregorschoellgen.de/de/Willkommen.

S. https://www.sueddeutsche.de/bayern/erlangen-fau-fakultaet-schoellgen-1.4241927
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 07.11.2018 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40038

Zur "geschlechtergerechten Sprache" hier ein interessanter Artikel in der NNZ:
https://www.nzz.ch/meinung/lassen-wir-die-sprache-menschlich-sein-ld.1433844
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2018 um 03.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39998

Was für eine "Meinung"? Wie soll die Frage lauten? Und wie und wozu soll das "ausgewertet" werden?

Ich frage nach, weil ich schon die vielen Meinungsumfragen zu Gerichtsurteilen hierzulande skeptisch sehe. Es geht nie darum, ob die Gesetze richtig angewendet worden sind, sondern immmer um das Strafbedürfnis des gesunden Volksempfindens.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.11.2018 um 20.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39994

Man sollte einmal eine repräsentative Umfrage unter allen in Deutschland Lebenden machen, welche Meinung sie zu diesem pakistanischen Gerichtsentscheid haben. Das Ergebnis sollte dann nach Religionszugehörigkeit ausgewertet werden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.11.2018 um 15.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39991

Es ist ihnen ja aufgefallen – deshalb die Sternchen-Schreibweise, die allerdings unaussprechlich ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.11.2018 um 15.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39990

Zur geschlechtlichen "Korrektheit" (#39982):

Kürzlich wurde ja das sogenannte dritte Geschlecht eingeführt. Da müßte es doch bald auch den PC-Fanatikern auffallen, daß sie mit "Bürgerinnen und Bürger" usw. ständig gerade das vermeintlich Falsche, die biologische Zweigeschlechtlichkeit, betonen. Ob das dem generischen Maskulinum wieder auf die Sprünge hilft? Daß sich diese Leute vielleicht mit ihren eigenen Waffen selbst beseitigen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2018 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39985

Der schrecklichste der Schrecken: die haßerfüllten Gesichter der Männer, die in Pakistan gegen den Freispruch einer wegen Blasphemie zum Tode verurteilten Christin demonstrieren. Sie wollen diese Mutter von fünf Kindern steinigen. Fürsprecher sind bereits ermordet worden. Die Richter sind auch gefährdet, ihr Mut verdient Bewunderung.
Vor diesem Hintergrund scheint mir die Betonung der Geschlechtergerechtigkeit im UN-Entwurf berechtigt. Das ist kein Luxus-Feminismus wie bei unseren Sternchen-Liebhabern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2018 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39982

Personenbezeichnungen, die in diesem Dokument aus Gründen der Lesbarkeit nur in der männlichen Form wiedergegeben sind, umfassen Personen jeden Geschlechts. (Entwurf des UN-Pakts zur Migration)

Ich empfinde diese inzwischen weit verbreitete Klausel als irgendwie beschämend. Als ob die deutsche Sprache, wenn man sie "korrekt" gebrauchte, unlesbar wäre. Man gebraucht sie also unkorrekt und entschuldigt sich ausdrücklich dafür. Wann hat es je so etwas gegeben?

Der Text selbst gebraucht sehr oft den Ausdruck geschlechtersensibel (= gender-responsive), was man ihm zum Teil nachsehen kann, weil es um die Rechte der Frauen gerade in vielen Herkunftsländern (und auf dem Migrationsweg) schlecht bestellt ist. Das hätte man offener sagen können, aber dann wären einige Lander ausgestiegen.

Ich habe den Text gelesen und finde nichts, was die rechtsgerichtete Polemik und die überraschenden Ausstiegsabsichten einiger Mitverfasser rechtfertigen würde. Aber es ist schon klar, daß die Gerüchte über die Wahrheit siegen werden, schon weil letztere die unzumutbare Arbeit der Lektüre voraussetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2018 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39969

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39797

Nach einigem Hin und Her wendet sich in der FAZ heute der Historiker Manfred Hettling gegen die Verpflichtung der Historiker auf bestimmte "Lehren der Geschichte". Ganz gut zu lesen. Meine Meinung dazu:

In der Deutung der Geschichte kommt man über viel Wissenswertes (Jacob Burckhardt) – und eben Meinungen nicht hinaus, in der Deutung wird man niemals Einigkeit erzielen, darum sind solche Appelle und Deklarationen wie vom Historikerverband grundsätzlich verfehlt.

Darum sollte man ja auch in gewissen Umgebungen nicht über Politik und nicht über Religion diskutieren, wenn man sich nicht verfeinden will.


Hettling erzählt eine schöne Anekdote, die mir bisher unbekannt war und die ich hier in der Fassung Kosellecks wiedergebe:

Friedrich von Raumer, bekannt als Historiograph der Hohenstaufen, berichtet uns aus dem Jahre 1811, als er noch Sekretär Hardenbergs war, folgende Episode: Bei einer in Charlottenburg gehaltenen Beratung verteidigte Oelssen [Sektionschef im Finanzministerium] lebhaft die Ausfertigung vielen Papiergeldes, um damit Schulden zu bezahlen. Als alle Gegengründe nicht anschlugen, sagte ich (meinen Mann kennend) mit übergroßer Kühnheit: „Aber Herr Geheimer Staatsrat, erinnern Sie sich doch, daß schon Thukydides erzählt, wie große Übel entstanden, weil man in Athen zuviel Papiergeld gemacht hatte.“ – „Diese Erfahrung“ erwiderte er beistimmend, „ist allerdings von großer Wichtigkeit“, – und so ließ er sich bekehren, um den Schein der Gelehrsamkeit festzuhalten. Raumer bemühte in den hitzigen Debatten um die preußische Schuldentilgung eine Lüge, denn er wußte, daß die Antike niemals Papiergeld gekannt hatte. Aber er riskierte seine Lüge, weil er – rhetorisch an die Schulbildung seines Opponenten appellierend – deren Wirkung einkalkulierte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2018 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39966

Die ZEIT über Blackrock und Friedrich Merz:

Dabei ist die Fondsgesellschaft tief in der deutschen Wirtschaft verankert. So tief, dass es einige Expertinnen und Experten beunruhigt. (...) Blackrock ist ein Unternehmen, das das Geld seiner Kundinnen und Kunden weltweit in Fonds sammelt und vor allem in Aktien investiert.

Am Anfang zweimal Pfötchen geben, aber im Rest des Artikels wird nicht mehr gegendert; das Maskulinum bleibt die unmarkierte Form.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2018 um 17.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39849

Oli Herbert war einer der Gründungsmitglieder, die die Gruppe 1998 ins Leben riefen. (t-online 18.10.18)

Diesen Fehler findet man tausendfach, wahrscheinlich widerstrebt es den Schreibern, sich mit es auf eine männliche Person zu beziehen (vgl. das Mädchen ....sie).

Es gäbe sogar eine gewisse Rechtfertigung, wenn man versteht: "Unter den Gründungsmitgliedern ist einer..." (nämlich ein Mann).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2018 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39820

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32554

B. F. Skinner had made corrections to his personal copies of Verbal Behavior. His notations are shown below.
[Skinner typed and pasted on the front fly leaf the following statement:]
If Verbal Behavior were published today (1987), it would be different in two ways. I would avoid sexist terms and I would not speak of "reinforcing people." I have thought of revising the manuscript in these respects but it would be a very laborious task.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2018 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39814

Zur Erinnerung: Große Verehrung genoß und genießt noch immer die Feministin Sandra Harding.

Harding referred to Newton’s Principia Mathematica as a "rape manual" in her 1986 book "The Science Question in Feminism", a characterization that she later said she regretted. (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2018 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39799

Dann wäre die Universität allerdings schon tief gesunken. Man kann die Thesen der Gender- und Diversitätsideologie vorsichtig als umstritten bezeichnen. (Einige Staaten schaffen die Förderung ab.) Das heißt, die Wissenschaftler, deren Korporation die Universität doch eigentlich sein sollte, diskutieren noch. Dann kann ihr gewählter Vertreter doch nicht von oben herab dekretieren, was allenfalls das Ergebnis sein könnte.
Die Professoren nehmen es bisher hin, weil sie das Blabla auf der Website sowieso nicht ernst nehmen – sofern sie es überhaupt kennen.
 
 

Kommentar von Frank Daubner, verfaßt am 10.10.2018 um 16.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39798

Nun, ein großer Unterschied ist der, daß die Universitätsleitung immer als irgendwie geartete "Obrigkeit" gesehen werden kann, die im Zweifelsfall ohnehin gegen das fachliche und persönliche Interesse des Professoren arbeitet, während der Historikerverband als Berufsverband doch unseresgleichen sein sollte. (Ich bin schon vor Jahren wegen anderer Dinge ausgetreten.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2018 um 14.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39797

Der Historikerverband wird kritisiert, weil er, ohne ein allgemeinpolitisches Mandat zu haben, eine Resolution gegen rechts verabschiedet hat, noch dazu mit einem sehr zweifelhaften Akklamationsverfahren. Man kennt das ja aus früheren Zeiten, als Astas Resolutionen für die Vietcong verabschiedeten, alles hübsch demokratisch mit Mehrheiten usw.

Nun aber: Ist es denn etwas anderes, wenn Universitäten von ihren Rektoraten auf Gender mainstreaming und die "Charta der Vielfalt" verpflichtet werden, ohne daß die Professoren überhaupt gefragt worden wären?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.10.2018 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39795

»Nikki Haley ist eine der wenigen Politikerinnen, die das Trump-Team verlassen und durch die Zeit in seiner Regierung nicht als politisch beschädigt gelten.«

(http://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/rueckzug-der-un-botschafterin-nikki-haley-haelt-sich-bedeckt-15830206.html)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2018 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39782

Die Schweiz übt nicht zuletzt wegen seines hoch entwickelten Finanzdienstleistungssystems eine ungebremste Anziehungskraft auf ausländisches Kapital aus. (https://www.geldwaescherei.ch/)

Das massenhafte Vorkommen solcher Kongruenzfehler auf engstem Raum beweist, daß das grammatische Genus keine starke funktionale Last mehr trägt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2018 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39729

Das Gendern ist immer noch überwiegend eine Duftmarke der Grünen, dann auch der SPD, wo man folglich die "Kandidierenden" am meisten findet; aber es breitet sich aus. Überraschenderweise scheint nach Google-Suche die Schweiz hier einen Schritt voraus zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2018 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39725

abgeordnetenwatch.de fragt: Welche Positionen vertreten Ihre Kandidierenden?

 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.10.2018 um 00.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39715

Dieselfahrerinnen und Dieselfahrer!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2018 um 03.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39705

„Alles Handeln ist politisch.“ (Lann Hornscheidt, zustimmend zitiert in einem neuen Dudenbuch über Gendern)

So reden sie daher, denken sich nichts dabei. „Politisch“ müßte also in die Definition von „Handeln“ eingehen. Vielleicht als Unterscheidungsmerkmal gegenüber „Verhalten“? Man weiß es nicht, weil es eben bloß Geplapper ist.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass beim generischen Maskulinum im Gehirn auch ein männlicher Prototyp entsteht. (https://digitalcourage.de/themen/feminismus/leitfaden-fuer-eine-gendergerechte-sprache)

Natürlich nicht. Die Experimente (übrigens ziemlich praxisfern und methodisch fragwürdig) waren traditionell psychologisch angelegt und hatten nichts mit Neurologie zu tun.

Die Sprache der Zeitungen ist mit ihrem Massendurchsatz wahrscheinlich die mächtigste Ausformung der Schriftsprache überhaupt. Sie ist vom Gendern so gut wie unberührt. Um so weltfremder wirken die immer weiter gehenden Entstellungen in der selbst- oder fremdverordneten Sprache von Behörden und Konventikeln. Irgendwann wird man es satt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2018 um 04.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39694

In einer neuen Studie zeigte sich, dass Personen, die sich mediterran ernähren, deutlich weniger von Depressionen bedroht sind. Die Forschenden schlagen daher vor, eine Ernährungsberatung in die Depressionstherapie zu integrieren. (...) Die Forschenden analysierten Daten aus 41 Studien... (heilpraxis.net 29.9.18)

(Zwischendurch Wissenschaftler)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2018 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39676

DUDEN macht jetzt auch in "Streitschriften", vor allem zum Gendern. Zum Beispiel:
"Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen" von Anatol Stefanowitsch

Außerhalb der Gemeinde finden sie wenig Anklang. Es gibt ja auch schon sehr viel davon.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 25.09.2018 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39660

Zu #39646:

Die wortwörtliche Übersetzung “im Austausch für“ ist natürlich verfehlt.

Im Deutschen würde man einfach „gegen“ oder, wenn man es umständlich mag, „als Gegenleistung für“ sagen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.09.2018 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39649

Beispiel für Normaldeutsch aus dem gestrigen MM, Seite 1:

Ohne Migranten kollabiert Pflegesystem
In Deutschland fehlen viele Tausend Pflegekräfte und Ärzte. Ohne Personal aus dem Ausland kollabiert das System, sagen Experten. Daher werden Flüchtlinge zu Pflegern ausgebildet. > Seite 4

Im ausführlichen Artikel auf Seite 4 genauso. Wäre dieser Text konsequent durchgegendert, wäre er kaum noch lesbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2018 um 19.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39646

Wikipedia über den Philosophen John R. Searle:

Im März 2017 wurde öffentlich, dass Searle sexualisierte Gewalt gegen eine 24-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin vorgeworfen wird. In diesem Zusammenhang wurden mehrere weitere entsprechende Fälle bekannt. Die Direktorin des John Searle Center for Social Ontology erklärte, Searle habe mehrfach sexuelle Beziehungen zu Studentinnen im Austausch für akademische und finanzielle Vorteile gehabt.

Man sieht, wie der Gewalt-Begriff gedehnt wird. Schon die Rede vom „Austausch“ widerlegt den Gewalt-Vorwurf. Es ging um ein Geschäft, jede Partei hatte etwas zu geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2018 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39645

Bezeichnenderweise bleibt der innerbetriebliche Sprachgebrauch meistens beim generischen Maskulinum ("Kunde" usw.). Nun nach außen hin fügt man sich der feministischen Tyrannei. Der beste Beweis, daß man das Ganze für Firlefanz hält. Normaldeutsch ist nicht ganz und gar vergessen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2018 um 04.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39627

Lesenwert: https://www.nzz.ch/feuilleton/ian-buruma-chefredaktor-der-new-york-review-of-books-verlaesst-das-blatt-nach-strittigem-artikel-zu-metoo-ld.1421900

Die Affäre Buruma zeigt, wie gefährlich die Anschuldigungskultur von #MeToo allmählich wird. Jeder Vorwurf, der aus dieser Richtung kommt, ist ein Selbstläufer, wie bei den Hexenprozessen.

Kandidat Kavanaugh soll sich als – wie ausdrücklich gesagt wird – sturzbetrunkener Teenager an ein Mädchen herangemacht haben. Dagegen zählt sein ganzes Leben nichts. Vom Werfen des ersten Steins scheint die christlichste aller Nationen noch nichts gehört zu haben. (Oder gerade doch? "Wer unter euch den ersten Stein wirft, ist unschuldig." So ähnlich hat doch Jesus gesprochen.)
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 20.09.2018 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39612

Jüngst las ich einen Text, in dem jemand im EU-Wahlprogramm der „Grünen” (offiziell wohl: „Grün*innen”) die Genderisierung systematisch, wenn auch unvollständig, untersucht hat. Bei all den vielen Ungereimtheiten und Misoandrismen (oder wie immer das heißt...) ist möglicherweise noch niemandem aufgefallen, daß die befohlene Schreibnorm bei vielen Worten schlichtweg Unfug erzeugt, bspw.:

Beamter - Beamte/Beamtinnen
Bauer - Bauern/Bäuerinnen
Jude - Juden/Jüdinnen

Die offiziellen Grün*innen-Konstrukte „Beamt*innen”, „Bäuer*innen” und „Jüd*innen” sind übel sexistisch (um nicht zu sagen: blödsinnig), denn hier bleibt nur die feminine Form übrig. Gäbe man sich Mühe, entstünde etwa „Beamte*r*innen” „Ba*ä*u*ern*innen” und „J*u*ü*d*e*innen”.

Wer wählt so etwas?!?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.09.2018 um 16.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39596

Genau, denn in
Bürgerinnen- und Bürgermeisterinnen- und -meisterkandidatinnen und -kandidaten
kämen ein paar unsinnige Kombinationen vor. Ebenso in
BürgerInnenmeisterInnenkandidatInnen
Darum geht es nur auf diese Art:

Bürgerinnen- und Bürgermeisterinnenkandidatinnen und -meisterkandidaten
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.09.2018 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39594

Noch ein paar schöne Beispiele: Bürgermeisterinkandidatin, Kanzlerinkandidatin, Beamtinanwärterin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2018 um 15.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39592

Inzwischen wird bekannt, daß einer der bisherigen Staatssekretäre in den einstweiligen Ruhestand versetzt wird, ein SPD-Mann. Die acht sind ja auch schon mehr als in jedem anderen Ministerium.

(Über die Wegbeförderung Maaßens zerfleischt sich inzwischen die SPD, sicher nicht zum Mißfallen der Union.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2018 um 06.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39589

Maaßens Wegbeförderung ist eigentlich kein Aufreger, da gibt es ganz andere Fälle.
Bemerkenswert ist aber, daß zu Seehofers acht männlichen Staatssekretären nun noch ein neunter hinzukommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2018 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39586

Danke für den Hinweis! Es wurde Zeit, wieder mal nachzusehen. Besonders BürgerInnenmeisterInnen kommt vor, meistens nur als Beispiel gegenderten Redens, aber auch schon in wirklichem Gebrauch. Vgl. auch http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=693#6574.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.09.2018 um 23.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39585

Immer öfter wird auch das Erstglied von Zusammensetzungen mit durchgegendert:
Pfarrerinnen- und Pfarrertag.
Die Bürgerinnen- und Bürgermeisterinnen und -meister sind kein Witz mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2018 um 20.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39584

Er sprach beim Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag am 18. September vor 400 Pfarrern in Augsburg.
(https://www.idea.de/politik/detail/scharfe-kritik-beim-pfarrertag-am-kreuzerlass-von-soeder-106597.html)

Man sieht hier sehr schön, wie die Presse nach dem gegenderten offiziellen Namen sofort zur eigenen Normalsprache zurückkehrt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2018 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39578

Gut dem Dinge!
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.09.2018 um 14.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39576

https://virchblog.wordpress.com/2017/11/02/ihr-me-too/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2018 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39568

Kandidat Kavanaugh soll als betrunkener Teenager eine ebensolche sexuell belästigt haben, wie ihr gut 35 Jahre später einfällt, gerade rechtzeitig zur Kandidatur des Unholds. Nun nimmt die Gerechtigkeit ihren Lauf.

Männer, besinnt euch! Habt ihr nicht auch irgendwo einen dunklen Fleck in eurem Leben? Einen gescheiterten Annäherungsversuch, also sexualisierte Gewalt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2018 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39528

Was ist Materie? Diesen Titel schlug Michael Blume vor, als ich auf Facebook fragte, was sich meine Lesenden als Blog-Thema wünschen würden.“ (Joachim Schulz https://scilogs.spektrum.de/quantenwelt/warum-materie-hart-ist/)

Der Physiker hat sich auch ausdrücklich mit Gender in den Wissenschaften befaßt. Vermutlich spürt er, daß er kein richtiges Deutsch schreibt, kann sich aber nicht erklären, was an meine Lesenden falsch ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2018 um 06.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39525

Aufruf bei Wikipedia (wg. Urheberrecht):

An all unsere Lesenden in Deutschland

Viel nützt es nicht, denn im Singular haben wir denselben Schlamassel: mein Lesender/meine Lesende oder wie?

Die Anrede Lieber Lesender, liebe Lesende ist auch kein Scherz, sondern dutzendfach belegt. Aber dann hätte man gleich bei Lieber Leser, liebe Leserin bleiben können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2018 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39519

Fairerweise muß ich hinzufügen, daß solche Verhaltensrichtlinien heute nicht nur die Männer als Übeltäter ins Auge fassen. Soviel Gleichstellung muß sei. Auch Frauen machen Männer an, besonders beliebt scheinen "graphische" E-Mails zu sein. Da ist guter Rat teuer.
Einen großen Raum nehmen auch Beispiele ein, bei denen man nicht selbst Opfer, sondern nur Beobachter ist, und empfohlen wird auf breiter Front ein Verhalten, das man nur als Denunziantentum bezeichnen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2018 um 09.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39516

Das stimmt natürlich, ich hatte auch die "Übernahme" nur ironisch gemeint, in der Sache ist es eher eine absurde Konvergenz aus sehr verschiedenen Richtungen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.09.2018 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39515

Es handelt sich offensichtlich nicht um eine Übernahme aus dem islamischen Kulturbereich, sondern aus Kalifornien – einem Bundesstaat, aus dem die »weiße« Mittelschicht mittlerweile massenhaft abwandert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2018 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39514

Ich habe ein wenig Einblick in den Verhaltenskodex, den große Firmen entwickelt haben, um Diskriminierung, insbesondere sexuelle Belästigung unter Mitarbeitern zu verhindern. Dazu werden auch Schulungen mit abschließendem Test angeboten. Das Ganze wirkt oft weltfremd und unfreiwillig komisch.

Das Grundproblem bleibt naturgemäß ungelöst. Man kann Menschen nicht hindern, geschlechtliches Interesse an einander zu bekunden. Sie wissen aber nie, wie es ankommt; der Versuch bleibt also riskant. Die Bemerkung, Frisur oder Kleid stehe einer Frau gut, sei an sich nicht zu beanstanden, könne aber als Belästigung empfunden werden usw. – das ist eine der Formeln für das Dilemma. Die wirkliche oder instrumentelle Empfindlichkeit kann unendlich gesteigert werden.

Wir übernehmen freiwillig die strengste muslimische Leitkultur: ein Mann und eine Frau sollten nie allein im Zimmer oder im Fahrstuhl sein usw.

In der letzten FAS kritisierte eine schwedische Schriftstellerin den Widerspruch von Catherine Deneuve und anderen Frauen gegen MeToo. Das hing wohl auch mit Unterschieden zwischen schwedischer und französischer Flirtkultur zusammen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2018 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39509

Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, gratuliert in einer Anzeige den „Jüdinnen und Juden“ in Deutschland zum Neujahrsfest und zugleich zum „70jährigen Bestehen“ des Staates Israel. Wie man sieht, ist der Text durchgegendert (die Frauen werden immer zuerst erwähnt, was der Gleichbehandlung zuwiderläuft, sprachlich-stilistisch auch dem Gesetz der wachsenden Glieder), aber der Bindestrichgebrauch der Reformschreibung wird nicht beachtet.
Im übrigen ist nicht klar, ob der Text sich an die Juden wendet (dann wären die Belehrungen über den jüdischen Kalender nicht angebracht) oder über sie spricht, wie es zu Beginn scheint (trotz Großschreibung von „Ihren Familien, Freundinnen und Freunden“).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2018 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39384

tagesschau.de:
Ungarn will „Gender studies“ abschaffen.

Das Vorhaben könnte gegen die verfassungsrechtlich verankerte Wissenschaftsfreiheit und geltendes EU-Recht verstoßen.
Denn über die Einrichtung eines Studiengangs entscheiden in demokratischen Rechtsstaaten wissenschaftliche Kriterien – und nicht die Regierung.


Das stimmt doch gar nicht.

SPIEGEL dazu:

Die ungarische Regierung will den Studiengang Geschlechterforschung an staatlichen Universitäten verbieten. Was absurd anmutet, ist Teil einer kulturpolitischen Offensive gegen regierungsunabhängiges Denken.

Man sieht, wie gehirngewaschen der SPIEGEL ist. Was hat die „Geschlechterforschung“ mit ihrem ungeheuren Aufwand bisher entdeckt? Immer wieder wird erwähnt, der Anteil von Frauen an Kunst und Wissenschaft sei bekannter geworden. Bedarf es dazu ganzer Studiengänge und Hunderter von Professuren? Typische Themen dieser Art wurden auch vorher schon an Doktorandinnen vergeben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.08.2018 um 23.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39342

Mir ist noch nicht klar, ob jemand Diverses und jemand Männliches zusammen ein schwules oder ein heterosexuelles Paar bilden, und zusammen mit jemand Weiblichem ein lesbisches oder ein heterosexuelles Paar.

Selbstverständlich hingegen dürfte sein, daß ein Diverser mit einer Diversen ein Heteropaar bilden, während ein Diverser und ein weiterer Diverser eindeutig schwul und eine Diverse mit einer weiteren Diversen eindeutig lesbisch sind.

Auch im ersten Fall kommt es wahrscheinlich darauf an, ob sich das diverse Wesen lieber mit er oder mit sie referenzieren läßt bzw. ob es mit Herr oder mit Frau angesprochen zu werden wünscht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.08.2018 um 19.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39341

Divers sollte sich eigentlich schon wegen der Nähe zu pervers verbieten, aber bitte sehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2018 um 19.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39340

Ursprünglich hatte das Bundesinnenministerium "Anderes" als Name für die dritte Geschlechtsoption vorgesehen, was nicht nur von Interessensverbänden, sondern auch den SPD-Ministerinnen Giffey und Katarina Barely (Justiz) als diskriminierend zurückgewiesen wurde. Erst wurde die Bezeichnung in einem Referentenentwurf zu "Weiteres" abgeändert, jetzt also zu "Divers".

Segen des Fremdwortes! Allerdings könnte es sein, daß divers bald als diskriminierend empfunden wird, dann beginnt die nächste Runde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2018 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39195

Die vermeintlich geschlechtergerechte Sprache wird durchgezogen, "was immer es kostet". – Das ist ungefähr die Maxime dieser Leute. Eigentlich eine Art von Untertanengeist.
Aller Erfahrung nach ist es ausgeschlossen, daß alle Verantwortlichen vom Gendern überzeugt sind. In Wirklichkeit dürften sich die Meinungen etwa so verteilen wie in der übrigen Bevölkerung. Aber wie das in Gremien so ist: Man hält den Mund und macht mit; gruppendynamisch verdummt (um es schonend auszudrücken).
Aber wer würde solche Parteien wählen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2018 um 14.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39193

Der Text des Koalitionsvertrags nervt ungemein. Die Verfasser wissen offensichtlich nicht, was ein Nominalstamm ist, daher Bürger*innenschaftliches Engagement usw., und manchmal vertun sie sich auch in geradezu rührender Weise: Pädagogen*innen. Blödmänninnen eben.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.07.2018 um 11.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39192

Das Gegenteil von "innen" ist "außen". Es ergibt lustige neue Begriffe, "innen" spaßeshalber durch "außen" zu ersetzen: VerbraucherAußenschutz usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2018 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39189

Linke und Grüne sind für VerbraucherInnenschutz. Andernfalls würden zwar die Verbraucher geschützt, aber nicht die Verbraucherinnen. Die SPD Berlin schreibt im Koalitionsvertrag:

Die Koalition wird die verbraucher*innenpolitische Strategie in Berlin mit den Zielen fortschreiben, eine sozial verantwortliche Verbraucher*innenschutzpolitik sowie die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Verbraucher*innenentscheidungen zu fördern, Transparenz zu schaffen, Verbraucher*innenrechte zu stärken, die Realität in der Einwanderungsgesellschaft und die sozialen, interkultu­rellen und demografischen Besonderheiten in Berlin anzuerkennen und somit die Verbraucher*inneninteressen gegenüber den Marktinteressen der Wirtschaft zu stärken.

(Warum findet man solche Monstrositäten auf der linken Seite? Wo bleibt die BürgerInnenfreundlichkeit?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2018 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39137

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36366

"Redepult" statt "Rednerpult" ist inzwischen in vielen Ratgebern zum Gendern enthalten, auch sogenannte philosophische Fakultäten haben es beschlossen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2018 um 04.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39116

Eine solche Zweiteilung würde die zu Erziehenden auf falsche Gedanken bringen, ja traumatisieren. Alle sexuellen Zwischenstufen sind proportional zu berücksichtigen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.07.2018 um 23.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39114

Der Mannheimer Morgen schreibt heute auf Seite 1:

Männliche Erzieher fehlen
Der Anteil der männlichen Betreuer in den Kindertageseinrichtungen in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt. [...] Dennoch ist die Quote sehr gering.

Nach gewissen "Genderer*Innen" müßten Erzieher ja sowieso schon nur männliches Geschlecht haben.
Auch sonst noch 3- oder 4mal im Text ganz einfach und natürlich das generische Maskulinum Erzieher.
Und auf Seite 2 sagt eine Psychologin im Interview:

Am besten wäre es, wenn die Hälfte der Pädagogen männlich und die andere Hälfte weiblich wäre.

Es geht ja so leicht, wenn man nur will.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2018 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39095

Der neue Direktor des IDS, Henning Lobin, ist ein Befürworter der "geschlechtergerechten" Sprache. Man wird sehen, ob er das ganze Institut darauf verpflichtet. Dort ist man ja insgesamt nicht abgeneigt, die deutsche Sprache von oben zu verändern. Zur Rechtschreibreform hat sich keiner der sehr zahlreichen Mitarbeiter kritisch zu äußern gewagt, obwohl die meisten den Unsinn durchschaut haben dürften.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.07.2018 um 18.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39084

Die Babyboomerinnen wurden wieder einmal unterschlagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2018 um 13.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39083

Besonders hoch war die Geburtenrate in Deutschland schon einmal. Die in den Jahren zwischen 1950 und 1960 geborenen Menschen nennen Demographinnen und Demographen Babyboomer. (...) Ähnliches beobachteten Forscherinnen und Wissenschaftler auch, als der Koreakrieg vorbei war. Beobachten ließ sich dieser Effekt etwa bei türkischen Migrantinnen und Einwanderern aus dem ehemaligen Jugoslawien. (ZEIT 6.7.18)

Aus der ausdrücklichen Markierung des Geschlechts könnte man schließen, daß es hier von besonderer Bedeutung sei; aber es soll im Gegenteil gerade keine Rolle spielen, darum wird es erwähnt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2018 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39037

Kleingeister diskutieren über das Händeschütteln, das sie Ausländern aufnötigen wollen, obwohl es auch unter Einheimischen immer mehr aus der Mode kommt.
Aber wie ist es mit der Sitte, daß die Frau mit ihrem Kopftuch zwei oder drei Schritte hinter ihrem Ehemann einherwandelt? Bei Bosniern usw. sieht man das jeden Tag, es ist zur zweiten Natur geworden. Die abgearbeitete Frau, die ihrem Pascha viele Kinder geboren hat, aber das untergeordnete Arbeitstier bleibt... Auch wenn es wenig über die wirkliche Machtverteilung sagt, sehe ich es mit Widerwillen, das muß ich gestehen. Aber ich habe auch selbstbewußte Studentinnen aus diesen Regionen erlebt, das "Problem" dürfte sich also von selbst erledigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2018 um 04.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39012

In der älteren Musikkritik (fast nur von Männern) hat man oft lesen müssen, dieses oder jenes Stück, vor allem Klavierwerke, werde besser von einem Mann gespielt. "Tastentornado" war ehrend gemeint.
Das ist selten geworden. Dynamik ist keine Frage der Lautstärke allein, sondern eine der Abstufung, Differenzierung. In der klassischen Musik war sowieso nicht daran zu denken, daß die Wände wackelten, wenn ein Klavierlöwe in die Tasten griff. Auch nicht, wenn Schumann "Mit aller Kraft" vorschrieb. Erst der moderne Konzertbetrieb hat das citius, fortius (auch altius) hervorgebracht.
(Schrieben die Komponisten nicht auch und gerade für Frauen? Schumann und Brahms wußten, daß Clara besser spielen konnte als sie selbst.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2018 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38995

Aber Herr Riemer, das ist doch das generische Femininum! Alle Menschen sind Frauen, bis auf die Männer.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.07.2018 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38994

Der DLF heute gegen 9.45 Uhr in einem Beitrag über die Weltkirchenkonferenz 1968 in Uppsala
(https://www.deutschlandfunk.de/weltkirchenkonferenz-1968-revolution-in-namen-jesu.886.de.html?dram:article_id=422126):

Nicht mal jede zehnte Delegierte in Uppsala ist eine Frau.

Wenn sie, die Delegierte, keine Frau ist, was für eine ist sie dann?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2018 um 03.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38989

Übrigens schreiben in den Sprachnachrichten des VDS nur Männer (bis auf die Kolumne einer jungen Schwarzafrikanerin, die als studierte Linguistin hervorhebt, wie wichtig das Deutschlernen sei).

Unter den Urhebern und Kritikern der Rechtschreibreform fiel das Übergewicht der Männer auch schon auf, und hier sind ja auch nur Männer übrig geblieben. Diese Tatsachen werden in der feministischen Linguistik nicht behandelt, obwohl es schon in der traditionellen Sprachwissenschaft Ansätze dazu gab (Jespersen u. a.).

Eine erste, oberflächliche Feststellung dazu: Rechthaberei ist Männersache. Weiteres bei John L. Locke, wie hier erwähnt.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 15.06.2018 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38964

Auf FAZ-online heute ein Interview mit Peter Gallmann. Genderisierung sei Selbstdarstellung. Aber was ist das, wenn jemand Milionen von Menschen zwingt, seine persönliche, häßlich-dümmliche Extrem-Großschreiberitis zu übernehmen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2018 um 03.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38956

Der neue Auftrag an den Rechtschreibrat geht über die bloße Rechtschreibung hinaus. Offenbar will die Politik dem verordneten Gendern ein wissenschaftliches Mäntelchen umhängen.
Noch wird abgewiegelt: Es werde sich nur um "Empfehlungen" handeln. Das ist aber nicht amtlich und verdient nach unseren bisherigen Erfahrungen kein Vertrauen. In den Bereichen, über die der Staat "Regelungsgewalt" zu haben glaubt, wird es verpflichtend sein, und besonders unter Akademikern wird es genügend Beflissene geben, die sich durch besondere Folgsamkeit empfehlen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 21.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38955

Gespräch der Hannoverschen Allgemeinen mit Josef Lange:

Für wen sind Empfehlungen des Rates zur geschlechtergerechten Schreibung wichtig?

Die Empfehlungen haben zwei Geltungsbereiche: Die Schulen und der gesamte Bereich von Verwaltung und Rechtspflege.


Ein riskantes Spiel. Die Kultusministerien könnten versuchen, mit Hilfe des Rechtschreibrates das Gendern verpflichtend in die Schulen zu drücken. Schüler würden schlechte Noten bekommen, wenn sie nicht gendern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38944

Um den Kultusministerien möglichst viel Genderforschung vorweisen zu können, haben die Universitäten alles zusammengekratzt, was sich allenfalls darunter subsumieren läßt. Daraus machen die Genderforscher dann wieder einen Beweis für die Fruchtbarkeit und Notwendigkeit ihres Fachs. Das ist zum Beispiel in Medizin und Medizinsoziologie ganz klar zu erkennen. Die Arbeiten wären sowieso erschienen, aber jetzt heißen sie Genderforschung. Auch in der Literaturwissenschaft wurden schon immer gern "Frauenthemen" verteilt, jetzt gibt es für die gefällig umbenannte Forschung aber mehr Geld.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38943

Christa Binswanger, Dozentin an der Universität St. Gallen und geschätzte Expertin für Genderfragen im Schweizer Radio und Fernsehen SRF, sagt in einem Plädoyer ganz unverblümt: «Bei mir ist die gendergerechte Sprache ein Beurteilungskriterium.» Das betreffe auch Bachelor- und Masterarbeiten. Das heisst mit anderen Worten: Dozentin Binswanger verteilt Gesinnungsnoten – und das ausgerechnet unter dem Titel der Antidiskriminierung. (NZZ)

Gerade an den Universitäten ist das möglich. So haben ja auch viele Dozenten rechtswidrig die reformierte Rechtschreibung erzwungen. Ich selbst habe meinen Töchtern schon während ihrer Schulzeit geraten, mit den Wölfen zu heulen, weil ich nicht möchte, daß sie ausgerechnet in der Zeit ihrer größten Verwundbarkeit zu Märtyrern werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 04.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38942

Am Freitag hat der Rat für deutsche Rechtschreibung über «geschlechtergerechte Schreibungen» diskutiert – nachdem die Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung den Rat vor einiger Zeit um entsprechende Formulierungsempfehlungen gebeten hatte. Eine solche mochte das 41-köpfige Gremium nun aber vorerst nicht abgeben: Es kann in der bisherigen Sprachpraxis noch keine «klare Präferenz» erkennen und will die Dinge bis zu seiner nächsten Sitzung im November weiter beobachten.

Man kann den Schreibbrauch nicht "beobachten", ohne schon bei der Auswahl der Stichproben zwischen jenen beiden Textgruppen zu unterscheiden (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38904).

Die verordnete Sprache "entwickelt" sich nicht, und die zwischen beiden Gruppen stehende ideologisch-freiwillige Kunstsprache wird immer marginal bleiben. Die Verfechter des Genderns verfassen gegenderte Diskussionsbeiträge über das Gendern, aber sonst werden sie scheitern, weil niemand Lust hat, sie zu lesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2018 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38919

Der Rechtschreibrat hat seine Entscheidung vertagt.

Wie schon die Bezeichnung "geschlechtergerechte Schreibweise" zeigt, soll der Rat in jedem Fall seine Zuständigkeit über die Rechtschreibung hinaus erweitern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2018 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38917

Im Themateil der ZEIT wurde eine Gruppe Fußball-Fans erwähnt, die grölend zum nächsten Bierkiosk zieht, wo man dann überrascht erfährt, daß es sich nicht (nur) um Männer handelt. Der Grund der Überraschung ist aber nicht das generische Maskulinum (Fan), sondern die ausgewählte Gruppe, die eben typischerweise männlich ist. Das weiß die Verfasserin auch.
Tatsächlich wird man in deutschen Texten selten in dieser Weise irregeführt, anders als im Englischen, woher dieses Argument denn auch hauptsächlich geborgt ist. „The teacher“ erweist sich oft erst einige Sätze später als Frau.
Daß die feministische Redeweise überhaupt etwas zur Gleichstellung der Frauen beitragen könne oder beigetragen habe, dürfte sich schwer beweisen lassen. Man zieht sich gern auf die Behauptung zurück, sie schärfe wenigstens das Bewußtsein. Geschenkt!
Wenn man die Gleichstellung der Geschlechter fördert, wird die Sprache folgen, soweit notwendig. Das kann auf ganz andere Weise geschehen, als die Feministen heute annehmen und praktizieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2018 um 08.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38907

So auch Eisenberg: "unter anderem auf Betreiben des Berliner Senats". Eisenberg weiß auch aus dem Rat selbst, daß mit einer Entscheidung "kurzfristig nicht zu rechnen ist". Aber da habe ich Zweifel: Wenn die Politiker drängen, wird der Rat auch kurzfristig "entscheiden" (= abnicken), bei Strafe der Auflösung – es wäre ja nicht das erstemal, daß die Politiker eine solche Rasselbande heimschicken und sich eine neue besorgen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.06.2018 um 08.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38906

Gunnar Schupelius (B.Z.) hat in Erfahrung gebracht, daß die Frage von außen an den Rat herangetragen worden ist. Daher auch die flankierende Medienkampagne.
https://www.bz-berlin.de/berlin/wird-uns-jetzt-die-schreibweise-mit-dem-sternchen-aufgezwungen
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2018 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38904

In der heutigen FAZ kritisiert u. a. Peter Eisenberg die geplante Einführung des Genderns in die amtliche Rechtschreibung.

Seltsamerweise kommt fast nie zur Sprache, was mich zum Haupteintrag veranlaßt hat: die weiter wachsende Spaltung der Sprachgemeinschaft. Nur Behörden und Sklaven werden sich fügen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2018 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38900

Um über das Gendersternchen zu beraten, fahren die Ratsmitglieder (aus denen unwissende Journalisten "40 Sprachwissenschaftler" machen) auf Staatskosten nach Wien. Wäre Hermann Zabel noch dabei, würde er wie einst berichten: "Wien ist immer eine Reise wert."

Wie relevant ist das Gendern eigentlich für die Schule, den einzigen Bereich, für den die KMK "Regelungskompetenz" hat?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2018 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38898

Der Rechtschreibrat könnte versucht sein, sich durch Gendermanipulationen wieder ins Gespräch zu bringen. Andererseits könnte es sich bewußt sein, daß es zwar ein wenig seine Bekanntheit, nicht aber sein Ansehen heben würde. Die amtliche Anerkennung der Genderschreibweise würde wie bisher schon das ganze Gendern nur amtliche Texte erfassen – und solche, die es gern wären, also nicht die Zeitungen und keinesfalls die schöne Literatur. Die Kluft wächst.
Schon die Beschäftigung mit „geschlechtergerechtem Schreiben“ (und „geschlechtergerechter Sprache“) setzt voraus, daß es so etwas überhaupt gibt, ist also dieser Ideologie verpflichtet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.06.2018 um 17.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38897

Das ist ulkig, da ja der Asterisk gerade nicht für bloß zwei Geschlechter stehen soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2018 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38896

Süddeutsche Zeitung:

Der Rat für deutsche Rechtschreibung befasst sich am morgigen Freitag mit dem Thema "geschlechtergerechte Schreibung".
Er könnte beschließen, das Gendersternchen offiziell ins deutsche Regelwerk aufzunehmen.
Das ist sinnvoll, sagen der Linguist Henning Lobin und die Linguistin Damaris Nübling, wer die Gleichstellung der Geschlechter will, muss sie auch beide ansprechen.


(http://www.sueddeutsche.de/kultur/genderdebatte-tief-in-der-sprache-lebt-die-alte-geschlechterordnung-fort-1.4003975)

Es folgt ein Aufsatz der beiden mit dem üblichen Inhalt.

Ich traue dem Rechtschreibrat durchaus zu, das Gendersternchen (und das Binnen-I) aufzunehmen; dagegen spricht allenfalls die Kritik von noch radikaleren Ideologen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.06.2018 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38887

Jede und jeder in Berlin weiß, wer an dem Todesfall schuld ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2018 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38885

Mindestens ein Toter. Eine Radfahrerin. Sollte man nicht „Mindestens eine Tote“ formulieren?
(Leserbrief zur „Verfolgungsjagd“ der Berliner Polizei auf Diebstahlverdächtige)
Der Tausendfüßler soll sagen, mit welchem Bein er zu gehen anfängt, kommt infolgedessen gar nicht mehr von der Stelle. Auch die schicke Gender-Grübelei führt zu Stillstand. Die scheinbar so skrupulösen Besserwisser dürften sonst ein ganz normales Leben führen.
-
Übrigens weiß ein anderer Leser, wer an dem Todesfall schuld ist:
So ist es eben, in dem Land, in dem wir gut und gerne leben. Leider lebt die Fahrradfahrerin nun nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2018 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38882

Das Gendern wird sicher nicht an der kritischen Literatur zugrunde gehen, sondern am Überdruß und der unaufhebbaren Sprachwidrigkeit (vgl. Norwegen).
Vorige Woche brachte die ZEIT drei ganze Seiten dazu, pro und kontra usw., nach ZEIT-Manier breit und dünn ausgewalzt, ich habe es nicht lesen mögen. Es ist ja längst alles gesagt.
Man sieht den Mainstream-Sprachpflegern zu, wie sie aus den selbstgestellten Sprachfallen wieder herauszukommen versuchen ("Richtig gendern" – was für ein trübsinniges Produkt!), und wendet sich nahrhafteren Dingen zu.
 
 

Kommentar von Charlotte, verfaßt am 06.06.2018 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38880

Ja, das ist mir auch aufgefallen. Und die 1-Stern-Bewertungen sind ziemlich wirr.
Autor des Buches ist übrigens Tomas Kubelik.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.06.2018 um 14.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38879

Bemerkenswert zu diesem Buchtip sind die Rezensionen bei Amazon:
Von 36 Rezensionen 32mal 5 Sterne und 1mal 4 Sterne.
Ansonsten nur 2mal 1 Stern und 1mal 2 Sterne.

Interessant, daß diese 3 Ablehner auf ihre Rezensionen fast nur ablehnende Antwortkommentare erhalten.
 
 

Kommentar von charlotte, verfaßt am 06.06.2018 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38878

Buchtip zum Thema (für alle, die es noch nicht kennen):
Genug gegendert! Eine Kritik der feministischen Sprache
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.05.2018 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38848

Ja, das mag zum Teil stimmen, ist aber auch sehr kontextabhängig. Für "auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft" gibt es unzählige Belege.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.05.2018 um 08.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38847

»Fach« wäre ohnehin besser gewesen, »Gebiet« bezeichnet eine kleinere Einheit.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.05.2018 um 11.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38846

Der MM hat letzten Sonnabend einen Leserbrief von mir (zum Thema 1040#38737) veröffentlicht, s. auch https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-leserbrief-reine-wahrheit-kann-niemanden-diskriminieren-_arid,1255350.html.

Leicht gekürzt, leider wie üblich auch die Rechtschreibung geändert (ß -> ss), ist beides geschenkt. Aber an einer Stelle hat der MM ein Wort eingefügt:

Stefanowitsch fragt: „Zählt wissenschaftliche Wahrheit mehr als die Diskriminierungserfahrung einer Gruppe?“ Damit verhöhnt er sein eigenes Gebiet – nämlich die Sprachwissenschaft.

Dieses "nämlich" ist nicht mein Stil und klingt schön dämlich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.05.2018 um 11.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38845

Manche Politiker haben das Gendern schon so automatisiert, daß ihnen Ungereimtheiten gar nicht mehr auffallen.
Udo Bullmann, Vorsitzender der Sozialdemokraten im Europaparlament, forderte heute im Interview der Woche des DLF (nachzulesen auf http://www.deutschlandfunk.de/verhaeltnis-deutschland-usa-transatlantisch-auf-die-knie.868.de.html?dram:article_id=418812)

"Bildungschancen für jedermann und jede Frau".

Wenn schon ausdrücklich für "jede Frau", dann hätte er auch "für jeden Mann" und nicht "für jedermann" sagen müssen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.05.2018 um 17.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38823

zu #38737:
Vom gleichen Prof. Stefanowitsch gab es heute morgen ein Interview im DLF (nachzulesen auf http://www.deutschlandfunk.de/diskriminierende-sprache-es-gibt-leute-die-wollen-einfach.694.de.html?dram:article_id=418485).

Natürlich darf man niemanden beleidigen oder sprachlich diskriminieren. Dazu führt er dann Beispielwörter wie Idiot oder Schwachkopf an. Er meint aber sinngemäß, wenn A geistig Behinderte sind und jemand B einen Schwachkopf nennt, dann beleidige er nicht nur B, sondern diskriminiere auch alle A.

Das stimmt aber nicht! Schwachkopf ist immer eine Beleidigung, egal ob man einen Gesunden oder Behinderten so nennt. Es gibt keine Automatik, nach der das Wort Schwachkopf besonders geistig Behinderte diskriminiert. Es ist eine allgemeine Beleidigung und hat damit nichts mit dem Thema Diskriminierung bestimmter Gruppen zu tun.

Von solchen Selbstverständlichkeiten, daß man bestimmte Wörter gar nicht oder nur beleidigend benutzen kann, geht er dann über zu allgemeineren angeblichen sprachlichen Diskriminierungen. Diese muß er sich aber nun in Ermangelung wirklicher Diskriminierungen erst selbst ausdenken, um danach dagegen anwettern zu können. Beispielsweise behauptet er, Frauen würden sprachlich ausgeblendet. Er sagt zwar in diesem Interview nicht wie, aber natürlich meint er wieder das generische Maskulinum. Ein biologisch weibliches Wesen würde ausgeblendet, wenn auf es ein Wort mit grammatisch männlichem Genus angewandt wird. Was haben Genus und Sexus miteinander zu tun? Dies war solange überhaupt kein diskriminierendes Problem, bis Leute wie Prof. Stefanowitsch auf Dummenfang gingen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.05.2018 um 19.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38807

Alle diese Bezeichnungsversuche beweisen nur, daß es kein drittes Geschlecht gibt. Es gibt genau zwei biologische Geschlechter, außerdem relativ seltene Fälle, wo diese beiden physisch undeutlich oder gemischt ausgeprägt sind.

Bei der ganzen Euphorie um drei oder mehr Geschlechter kommt mir ein Punkt immer zu kurz: Jeder Mensch hat das Recht, entweder als Mann oder als Frau zu gelten. Nur in den Fällen, wo sich das biologische Geschlecht nicht medizinisch klar bestimmen läßt, darf der Betroffene selbst mit entscheiden, ob in seinem Paß männlich, weiblich oder divers steht (was dann aber auch nicht alle naselang geändert werden kann).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2018 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38804

SPD-Ministerinnen engagieren sich jetzt für eine passende Geschlechtsbezeichnung in Geburtsurkunden und Ausweisen ("divers"?, "inter"?). Das wird viele Stimmen bringen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2018 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38748

Um gegen die Vereinigten Staaten wie ein Mann oder eine Frau aufzustehen, müssten die Mitgliedsländer der Europäischen Union eine gemeinsame Interessenlage haben. (FAZ 14.5.18)

Gendern als Zwangsneurose. Und warum „Interessenlage“? Gemeinsame Interessen! Man schiebt immer noch eine Abstraktion dazwischen und verbannt den eigentlichen Gegenstand ins Attribut oder ins Erstglied eines Kompositums.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.05.2018 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38738

Habe gestern mit einem Freund aus den Iran gesprochen (der seinerseits nur von Persien spricht). Mit Blick darauf, daß es im Persischen keine Genusunterschiede wie im Deutschen gibt („Wir haben kein der, die, das“!), regte er an, man möge in Deutschand einmal untersuchen, inwieweit sich diese sprachliche Wirklichkeit günstig auf die gesellschaftliche Stellung der Perserinnen auswirkt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.05.2018 um 12.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38737

Heute steht ein Artikel des Berliner Sprachwissenschaftlers Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch im Mannheimer Morgen (Wochenendbeilage, S. 5). Gleich mit dem ersten Satz deckt er seine Kompetenzen auf:

Dass Frauen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft behandelt werden, ist eine mühsame Errungenschaft der jüngeren Vergangenheit.

Das macht neugierig darauf, was Frauen seiner Meinung nach sind.

Im folgenden dann wieder die bekannte Vermischung bzw. Nichtunterscheidung von Genus und Sexus, Verfechter/innen, allen Ernstes schlägt er das Wort Kontoinhabende vor.

Seiner Meinung nach ist die Verwendung des generischen Maskulinums das gleiche, als wenn Männer und Frauen gemeinsam mit Ausdrücken mit dem Suffix -in angesprochen würden.

"Wissenschaftliche Wahrheit" müsse hinter die "Diskriminierungserfahrung einer Gruppe" zurücktreten.

Einzig für "Menschen mit geringerer Bildung oder mit kognitiven Einschränkungen" dürfe man "ausnahmsweise das gegnerische Maskulinum" (Druckfehler oder Programm?) verwenden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2018 um 03.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38716

Jede/r von uns – auch der/die psychologische Forscher/in – weiß ... (Jochen Müsseler/Wolfgang Prinz (Hg.): Allgemeine Psychologie. Heidelberg, Berlin 2002:5)

Die Herausgeber bedanken sich für die wertvolle Unterstützung des Spektrum Akademischer Verlags (S. V).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2018 um 08.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38690

Talkers traffic in the behaviors for which we have no symbols. They nod, smile, murmur, and move together. They take on the face and body language of their fellow talkers. They dance. Women are clearly more active in theses ways than men, since they are generally more empathic and emotive. If you doubt this, do a little (more) eavesdropping and cast a furtive glance at two women friends who are talking over a glass of wine. What you will see is matching facial expressions. When one woman discusses something that frightened or pleased or worried her, similar emotions usually appear on the face of her friend. (Locke Duels 123f.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2018 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38672

Gute Menschen erregen sich, weil Lidl Haushaltsgeräte als Muttertagsgeschenke anbietet und damit ein überholtes Frauenbild bedient. Dieser Tag soll eigentlich den Blumengeschäften und Parfümerien zugute kommen.
Man könnte auch einwenden, daß Mütter gegenüber anderen Frauen bevorzugt werden, Frau-Sein also auf Mutterschaft reduziert wird, obwohl die moderne Frau doch kinderlos ist.

Andererseits kommt der Vorwurf reichlich spät. Die Frauenzeitschriften und die allgegenwärtige Werbung für Mode und Kosmetik steuert das Bild der Frau ohnehin gänzlich in eine bestimmte Richtung, sozusagen überzeitlich-konservativ.

Also regt euch ab! Ihr müßt die schönen neuen Bügeleisen ja nicht benutzen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.05.2018 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38662

Maischberger, ja. Gottseidank war kein Sprachwissenschaftler dabei – ihm wäre das Hirn geschmolzen. Die Gäste: Peter Hahne (evangelisches Urgestein mit viermal erwähntem neuem Zigeunerschnitzelbuch und somit ausgewiesener PC-Experte), Bushido (Experte für Frauen und Sprachkunst), Annabelle Mandeng (den Raum völlig losgelöst vollquatschende Moderatorin), Florian Schröder (Kabarettist, Experte für Moral und erläuternde Gemeinplätze), Teresa Bücker (geschlechtergerecht durch und durch), Marlies Krämer (Frau Bückers senile Variante). Für den Höhepunkt der Sendung sorgte die geschlechtergerechte Teresa Bücker, als sie ausgerechnet Bushido in den Hintern kroch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2018 um 07.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38659

In einer Talkshow wurde über das Gendern und andere Formen der PC diskutiert. Wenn man die Berichte liest, weiß man, daß Sprachwissenschaftler dort nichts zu melden hätten. (Gestern hat sich Helmut Glück in der FAZ damit beschäftigt.)
In Ellwangen haben 150 edle Wilde die Abschiebung eines ebensolchen verhindert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2018 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38618

Wenn John L. Locke (Duels and Duets) recht hat, gibt es biologische Gründe für unser Unbehagen an Politikerinnen, die den männlichen Redestil (Faust ballen und schreien) nachahmen. Wenn die Frau laut wird, wirkt sie nicht mächtig, sondern lächerlich. Wir alle wissen doch auch, daß die Frau uns mit ihrem niedlichen Fäustchen zwar puffen, aber nicht zusammenschlagen kann. Frauen sollten uns die Welt in vernünftigen Worten erklären. Die Raute zum Beispiel ist eine interessante geometrische Figur und paßt dazu.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2018 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38615

Viele fassen das Genus der Substantive als eine diesen "inhärente" Eigenschaft auf, die an Artikelwörtern usw. "sichtbar" gemacht werde. Diese Mystifikation wirkt sich unmittelbar aus, wenn Modelle der Sprachproduktion tatsächlich das Genus als "Merkmal" in einem Speicher für Substantive verzeichnen. So Theo Herrmann (Sprachproduktion und erschwerte Wortfindung, Heidelberg 1992 und in "Sprache und Kognition" 11, 1992). In Wirklichkeit besteht das Genus in der Verkettung mit genusflektierten anderen Wörtern, ist also wie jede Rektion eine syntagmatische Beziehung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2018 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38542

Die Grünen-Politikerin Ekin Deligöz hält von einem solchen Kopftuchverbot nicht viel. „Persönlich finde ich es furchtbar, wenn Kindergartenkinder oder junge Mädchen schon ein Kopftuch tragen müssen. Wir sollten ihnen ihre Kindheit lassen“, fordert die Bundestagsabgeordnete. Sie halte es aber juristisch für extrem schwierig, das Elternrecht auf Religionsfreiheit einzuschränken. „Ich kann Eltern ja auch nicht verbieten, ihr Kind taufen zu lassen oder zum Kommunionsunterricht zu schicken“, sagte Deligöz dem Tagesspiegel. „Ich sehe keine juristisch wasserfeste Möglichkeit, ein solches Verbot durchzusetzen.“ (Tagesspiegel 8.4.18)

Christian Lindner hatte im Sinne des Liberalismus für ein Kopftuchverbot bis 14 (Religionsmündigkeit) plädiert. Man kann eben mit denselben Gründen dafür oder dagegen sein.

(Lindner hat vor vielen Jahren für die Trennung von Staat und Kirche plädiert. Aus Opportunismus stellte er das dann ein und beschäftigt sich nun lieber mit dem Islam...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2018 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38541

Noch eine Bemerkung zum vorigen (obwohl sie auch zu "Friede sei mit euch" paßt):

Über den Biologen Steven Rose sagt Wikipedia:

Born in London, United Kingdom, he was brought up as an Orthodox Jew, Rose says that he decided to become an atheist when he was eight years old.

Die Vorstellung eines achtjährigen Atheisten ist leicht komisch, ebenso wie die eines achtjährigen orthodoxen Juden oder einer achtjährigen Muslima. Aber ich kann gut nachfühlen, daß manche Kinder, wenn sie sich überhaupt mit solchen Dingen beschäftigen, die religiösen Erzählungen ab einem gewissen Alter einfach nicht glauben, sondern mit den Märchen zusammenstellen oder mit dem Geflunker von Onkel Franz. Von theologischer Dogmatik brauchen sie keine Ahnung zu haben, das ist für die meisten Gläubigen sowieso irrelevantes Geschwätz.

Kinder von orthodoxen Juden sind orthodoxe Juden, auch wenn sie noch Windeln tragen; ebenso Katholiken usw. So rekrutiert sich eben im Sinne des Elternrechts der religiöse Nachwuchs. Aber unter den Kopftüchern, Kippas und Kreuzen regt sich manch ungewollter Widerstand. Aus Lektüre und eigener Anschauung ist mir z. B. bekannt, wie sehr viele Iranerinnen wirklich denken, verstärkt gerade durch die Gängelung des äußeren Verhaltens.

Kurzum: Religiöse Indoktrination ist Elternrecht, hat aber nicht immer die gewünschte (oder befürchtete) Wirkung. Und noch einmal: Es gibt hier keine "saubere" Lösung, nur an radikalen Meinungen besteht kein Mangel.

Bei uns legt der Staat das Elternrecht sehr weit aus und zögert oft, das Kindeswohl höher zu stellen. Ich habe selbst Familien kennengelernt, in denen die Kinder ein ziemlich fanatisch-verrücktes religiöses Weltbild mitbekommen haben, aber solange sie nicht dem verpflichtenden Schulunterricht entzogen wurden, sah das Jugendamt keinen Grund einzuschreiten. In der öffentlichen Meinung wird oft dafür plädiert, sich in die "dichten" ausländischen Familien einzumischen und sie von mutmaßlich integrationshinderlichen Gewohnheiten abzubringen. Sogar deutsch sprechen sollen sie untereinander, obwohl sie es nicht können. (Man stelle sich vor, eine deutsche Familie in China werde aufgefordert, untereinander chinesisch zu radebrechen!) Eine dichte ausländische Familie bringt wahrscheinlich stabilere Menschen hervor als eine dysfunktionale deutsche, von denen wir leider auch eine ganze Reihe kennengelernt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2018 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38540

Dazu noch eine Ergänzung:

Was immer eine "Vorstellung" sein mag, in Erzählungen und ähnlichen Texten verlangt der Hörer nach etwas, was er sich anschaulich vorstellen kann. Darum werden meistens Begriffe einer mittleren Abstraktionsebene gewählt, wie auch die Prototypensemantik herausgearbeitet hat. Wir erfahren also, daß jemand einen Dackel an der Leine führte. Den stellen wir uns nach bisheriger Dackelerfahrung vor, der eine so, der andere so (denn auch Dackel sind verschieden, aber in irrelevanter Weise). Wird einfach ein Hund erwähnt, dann springt eine kontextbezogene Prototypensemantik ein, und wir denken beim Hund an der Leine etwa an einen Schäferhund oder Golden Retriever, beim Hund auf dem Schoß eher an einen Mops oder Pinscher. Das geht gerade noch, während ein "Tier" an der Leine nicht geht. Stuhl geht, Möbelstück geht nicht. Usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2018 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38524

Geschlechtslose Bezeichnungen wie engl. teacher haben ihre Vorteile. In Richtlinien für den Schulunterricht und ähnlichen Texten, die nur mit der Funktion zu tun haben, braucht man sich die Lehrperson nicht konkret vorzustellen. Das hat man im Deutschen bisher mit dem generischen Maskulinum erledigt; neuerdings ergehen sich die Verfasser in Lehrerinnen und Lehrer, was die Geschlechtszugehörigkeit in unangemessener Konkretheit hervorhebt.

In englischen Romanen und ähnlichen Texten ist man manchmal eine halbe Seite lang im Ungewissen, ob ein Lehrer oder eine Lehrerin aufgetreten ist. Gute Schriftsteller lassen alsbald ein aufklärendes Pronomen folgen oder machen auf andere Weise klar, was man sich vorstellen soll. Denn vorstellen soll man sich etwas, und eine "Lehrperson" kann man sich nicht vorstellen.

Übersetzer kennen das Problem, sie müssen oft mehrere Absätze durchgehen, bis sie auf ein klärendes Wort treffen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2018 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38523

Natürlich drängen Eltern das Mädchen in eine gewisse Rolle, wenn sie ihm ein Kopftuch überziehen (wie eine türkische Journalistin gerade anklagend feststellte). Aber das gilt für alles, was aus dem Elternrecht folgt. Es gibt Bestrebungen, die Erziehung zu herkömmlichen Geschlechterrollen zu verbieten, viele versuchen es auch aus freien Stücken (Pink stinks). Um das durchzusetzen, müßte man die Kinder nach der Entwöhnung den Eltern wegnehmen und in die Obhut staatlicher Erziehungsprofis geben. Platon und andere Konstruktivisten haben so etwas immer schon angestrebt. Dann würden die Kinder zwar auch geprägt, aber eben richtig...
Darf man die Kinder religiös erziehen? Ist nichtreligiöse Erziehung nicht auch eine willkürliche Festlegung? Man sollte wenigstens zugeben, daß es hier keine saubere Lösung gibt. Warum haben unsere Kinder ausgerechnet Deutsch gelernt? (Wir haben übrigens versucht, bei den Mädchen auch mathematisch-technische Interessen zu wecken, meine Frau hat sogar eine Montessori-Schule mitgegründet, die inzwischen sehr gut gedeiht.)

Der Genderwahn wird, wie gesagt, an den kosmetischen Tatsachen zuschanden:

Though they spent so much time trying to make themselves beautiful, you were not supposed to admit to women that beauty mattered.

(Als ich mir diese hübsche Formulierung aus einem Roman aufschreiben wollte, stellte ich fest, daß sie bereits in mehrere Zitatsammlungen im Internet aufgenommen war, also auch anderen gefallen hatte.)
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 10.04.2018 um 13.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38473

Genderismen aus dem ersten Englischwörterbuch meiner Kinder (sinngemäß aus dem Gedächtnis, da viele Jahre her):

- doctor: Arzt oder Ärztin
- judge: Richter oder Richterin
- teacher: Lehrer oder Lehrerin
- thief: Dieb
- worker: Arbeiter oder Arbeiterin
- ...

Finde den Fehler! Oder ist es eine Verschwörung? Ich denke ja. Und ist es jemandem aufgefallen außer mir? Nein!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2018 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38455

Was sollen wir eigentlich dem kleinen Kind beibringen?
Sollen wir ihm das generische Maskulinum von Anfang an vorenthalten? Lehrerinnen und Lehrer, Kaufmann und Kauffrau?

Werden die Kinder ihre Doktorspiele durch Genderspiele erweitern oder ersetzen, und soll man sie dazu anleiten? Bisher haben sie ihr Geschlecht entdeckt, in Zukunft vielleicht auch ihr Gender? Das wird allerdings weniger entdeckt als entlarvt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.04.2018 um 16.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38451

Bei der ZEIT gibt es einen Journalisten, der ziemlich konsequent gendert: Karsten Polke-Majewski.

Münsteranerinnen und Münsteraner, Ermittlerinnen und Ermittler, Anwohnerinnen und Anwohner, Polizistinnen und Polizisten, Radfahrerinnen und Fußgänger usw.

Laut Wikipedia-Eintrag (von ihm selbst verfaßt?) war er "als Alumni Teil des German-American Editors Program der Robert Bosch Stiftung".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2018 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38413

As fetuses, males already have more testosterone than females, and are also more physically active in the birth canal. They remain so after birth. Within the first two years of postnatal life, males are already physically pushing others more than females do, and may continue to do so as they get older. At 18 months, boys kick their siblings more often than girls do. At 2 and 3 years of age, males continue to out-kick females, and assume an advantage in two other acts of aggression, biting and hitting. How sensitive are these postnatal sex differences to cultural expectations? Do male infants see their father wrestling in the grass with the man next door, and surmise that this sort of behavior is expected of them? (Locke: Duels and Duets)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2018 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38412

Schwimmer ertrinken öfter als Nichtschwimmer. Vielleicht weil es mehr Schwimmer gibt oder weil Nichtschwimmer gar nicht erst in tiefes Gewässer gehen. Bergsteiger stürzen ungleich häufiger ab als Nichtbergsteiger, Skiläufer geraten in Lawinen usw.

Zurück zu Seehofer. Ich habe seit Jahren den Eindruck, daß er ein Problem mit Frauen (als Berufskollegen) hat, besonders natürlich mit einer. Dies mag der Grund sein, warum ihm in diesem Fall eine strategische Ungeschicklichkeit unterlaufen ist. Die acht Männer um ihn herum wirken wie eine Leibgarde – gegen jene Frau. Und es bleibt dabei: Eine Regierung, die den Frauenanteil in der privaten Wirtschaft regelt, aber in den eigenen Reihen nichts davon wissen will, ist nicht glaubwürdig.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.04.2018 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38400

Es war nur ein Beispiel, das zeigen sollte, wie stark solche Wahrscheinlichkeiten von der Zusammensetzung des Pools abhängen.

So schrieb der MM am 28.2.18, daß laut DLRG von den 404 im Jahr davor in Deutschland ertrunkenen Menschen 77% männlich waren. Die "naheliegende" Schlußfolgerung, daß Männer soviel schlechter schwimmen können als Frauen, ersparte der MM dem Leser zwar, aber weiter hieß es, daß Ältere besonders gefährdet seien, weil gut 36% der Getöteten über 55 Jahre alt waren. Um die Gefährdung von Älteren wirklich einordnen zu können, muß man eben auch erst mal wissen, wie hoch ihr Anteil insgesamt an den Badenden war. Das stand aber nicht im Artikel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2018 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38398

Wer interessiert sich für den "Beruf eines Staatssekretärs"? Diese Posten werden aus einem Pool besetzt, der immer noch nicht so viele Frauen wie Männer umfaßt, aber doch auch nicht gar so wenige. Und wo bleibt das offizielle Gender mainstreaming?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.03.2018 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38372

Es hängt davon ab, wie viele Frauen sich überhaupt für den Beruf eines Staatssekretärs interessieren.
Sucht man blind aus einem Pool von 1000 schwarzen und 10 weißen Kugeln 8 beliebige heraus, ist die Wahrscheinlichkeit, daß alle schwarz sind, sehr groß (92%).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2018 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38363

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß acht Männer und keine Frau die besten Staatssekretäre sind? 1 : 256?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2018 um 08.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38351

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre

(Einladung der Linde AG zur Hauptversammlung)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2018 um 08.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38318

Die Journalistin Claudia Neumann ist die erste Frau im deutschen Fernsehen, die Fußballspiele bei einer Männer-EM kommentiert. Seither muss sie sich üble Beschimpfungen anhören, nicht, weil sie Fehler gemacht hat, sondern, weil sie als Frau in einem von Männern dominierten Metier mitmischt. Das stinkt unserer Kommentatorin, die solche Kritik am eigenen Leibe erlebt. (DLF)

Usw., es ist viel darüber geschrieben worden. Ich interessiere mich nicht für Fußball oder andere Leibesübungen fremder Leute. Aber ich kann es nicht vermeiden, im Küchenradio (mein einziger Kontakt zum Rundfunk) immer wieder Fußballreporterinnen zu hören, und mein intutives Urteil hat sich über Jahrzehnte nicht verändert: Paßt nicht!

Das Buch von Locke (voriger Eintrag) enthält Anregungen, die dieses Gefühl erklären. Eine bestimmte Art des "Kompetitiven" liegt den Frauen einfach nicht und macht sie unattraktiv, wo es dennoch versucht wird. Lockes Titel "Duell" (abzüglich des Ehrbegriffs) versucht es zu fassen, z. B. berichtet er über Rededuelle, Debattierclubs usw., wo man vergeblich den Frauenanteil zu erhöhen versucht habe. Gerade Jurorinnen bewerten die rhetorische Leistung ihrer Geschlechtsgenossinnen viel negativer als die Männer usw.

Ich brauche nicht zu betonen, daß mir jede frauenfeindliche Einstellung fremd ist und daß meine Wertschätzung der Frauen nicht die eines betagten Schwerenöters ist.

Die Sensationsstimme des teichoskopischen Sportberichts, bis hin zur gespielten Aufregung des "Tooor!"-Geschreis wirkt bei Frauen aufgesetzt, proporzmäßig. Man sollte niemanden, der sich so äußert, von vornherein verurteilen, sondern lieber den Voraussetzungen nachgehen. Es ist ja auch kein Makel, diese ganze Inszenierung einfach zu dumm zu finden, als daß eine wirklich interessante Frau dort mitmachen sollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.03.2018 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38313

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38217

In their personal lives, few women participate in jokey greeting rituals or maintain joking relationships, but as previously mentioned it is not unusual for some men, upon seeing an old friend, to give him a playful punch in the belly and say, “How are you, you old son of a bitch?“ It is equally common for one man to comment on the growing paunch or baldness of another. How easy is it to imagine a woman who, upon seeing a lady friend on the street, feigns a playful punch in the midriff and says, “How are you, you old whore?” How often do women joke about a friend´s bulging midriff, varicose veins, or sagging breasts to her face? (Locke 58)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2018 um 03.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38291

Anleitungen zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch enden oft mit der Formel, der Kreativität seien hier keine Grenzen gesetzt. Anders gesagt: Laßt euch etwas einfallen, wie ihr aus der selbstgestellten Falle wieder herauskommt!

Anders als bei der Rechtschreibreform machen Schriftsteller und vor allem Zeitungen nicht mit.

Auf die Professoren dagegen kann sich die Obrigkeit verlassen; nicht alle, aber doch sehr viele sprechen lustvoll nur noch von Studierenden, Doktorandinnen und Doktoranden, sogar im privaten Gespräch.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.03.2018 um 15.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38284

Und schließlich: Gegen auf Trump gemünzte »Haßbotschaften« hätte die Ministerin bestimmt nichts einzuwenden gewußt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.03.2018 um 13.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38283

Ein Beispiel auch für den plattfüßigen Indikativ, der sich am Ende so vieler Politiker- und Journalistensätze findet. Anstelle von schützen werde, schützen wolle, zu schützen vorhabe etc. schützt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2018 um 12.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38281

Die deutsche Justizministerin Katarina Barley meint, Facebook müsse erklären, „wie es die Privatsphäre seiner Nutzerinnen und Nutzer künftig besser schützt“, und zeigt sich entsetzt, dass Nutzer (!) „gezielt mit Trump-Werbung oder Hassbotschaften gegen Hillary Clinton bombardiert wurden“. (FAZ 22.3.18)

Die Zeitung zitiert korrekt das Genderdeutsch der Politikerin und fährt dann im eigenen Normaldeutsch fort. Ein schöner Beleg für die Volksferne der Amtspersonen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2018 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38217

John L. Locke: Duels and duets. Why men and women talk so differently. Cambridge 2011.

Endlich mal ein gescheites Buch zum Thema, auch sehr gut und klar geschrieben. (Erstaunlich preiswert außerdem.)

Locke macht sehr umsichtig von evolutionärer Psychologie und Soziobiologie Gebrauch. Keine neurosophischen Spekulationen und keine feministischen Scheuklappen. Der Titel deutet die Hauptthese schon an.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.03.2018 um 10.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38210

Daß Jochen Bär feministische Positionen nicht ignoriert, erscheint mir vernünftig – es gibt sie schließlich. Und selbstverständlich haben Maskulina wie Arzt oder Bürger eine "doppelte" Bedeutung. Die Paarformel Bürgerinnen und Bürger nimmt dem Maskulinum den generischen Charakter, und je stärker sich diese Formeln verbreiten, desto schwächer wird vermutlich die Geschlechtsneutralität auch sonst empfunden. Die Feministen haben das Problem, das ihnen so schrecklich auf den Nägeln brennt, selbst geschaffen.

Am Tage des BGH-Beschlusses war das generische Maskulinum übrigens Thema im ZDF-Morgenmagazin. (https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-morgenmagazin/videos/streitgespraech-zur-gendergerechten-sprache-100.html) Ein Mann im Publikum wurde einem „Test“ unterzogen; er wurde gebeten, fünf "Schauspieler oder Sportler" zu nennen. Er nannte nur Männer. Peter Eisenberg war zu Gast und kritisierte etwas zerfahren das „Design“ des „Tests". Der war tatsächlich irreführend, was daran lag, daß nach Individuen gefragt wurde. Wenn es sich auf einzelne Personen bezieht, verliert das Genus naturgemäß an Geschlechtsneutralität. Bärs Bezeichnung pseudogenerisch ist deshalb unglücklich; die fraglichen Maskulina sind ja nicht scheinbar generisch, sondern je nach Kontext mehr oder weniger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2018 um 22.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38200

Zu Bär vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1540#29619

(Bitte wirklich mal dem dortigen Link folgen, es lohnt sich!)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 16.03.2018 um 19.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38199

Zum Aufsatz von Jochen Bär wäre noch anzumerken, daß er gelegentlich feministischen Positionen sehr nahe kommt.

So schreibt er in bezug auf weibliche Ableitungen von generischen Maskulina (Arzt/Ärztin): „Sie werden aber im Plural aus sprachökonomischen Gründen häufig vermieden, sodass nur von Lehrern, Rechtsanwälten, Wissenschaftlern, Bürgern, Antragstellern usw. die Rede ist, wo auch Lehrerinnen, Rechtsanwältinnen usw. gemeint sind.“

Damit entzieht er dem Begriff des generischen Maskulinum schon fast die Grundlage. Denn wenn es sich tatsächlich um ein solches handelt, dann sind Paarformeln wie Ärzte und Ärztinnen schlechterdings überflüssig.

Außerdem teilt er offenbar die von Feministen in diesem Zusammenhang vertretene Meinung, daß die Sprache das Bewußtsein beeinflusse: „Da die Sprache die Bewusstseinsinhalte einer Sprachgemeinschaft nicht nur abbildet, sondern auch beeinflusst, wird ein solches Verschweigen weiblicher Beteiligung vielfach als Form der Diskriminierung angesehen ...“

Abgesehen davon, daß damit überhaupt nichts „verschwiegen“ wird, ist das ist eine bemerkenswert apodiktische Aussage über etwas durchaus fragliches.

Diese Auffassungen ergeben sich eben leicht aus der Annahme, daß generische Maskulina wie Arzt eine doppelte Bedeutung hätten - mal geschlechtsneutral, mal geschlechtsspezifisch männlich.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 16.03.2018 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38196

Lieber Herr Riemer,

vielen Dank. Jetzt lichtet sich bei mir etwas der Nebel.

Allerdings entspricht Ihr Verständnis nicht meiner Auffassung und auch nicht dem allgemeinen Verständnis.

Als Beispiel nenne ich den kürzlichen Beitrag von Peter Eisenberg in der FAZ unter dem Titel „Wenn das Genus mit dem Sexus“. Dieser Titel wird noch in der zweiten Überschrift näher erläutert: „Wann begreifen die Leute endlich, dass das grammatische Geschlecht mit dem biologischen nichts zu tun hat? Eine Verständnishilfe.“

Daß Eisenberg ganz eindeutig davon ausgeht, daß es sich bei den generischen Maskulina nur um solche grammatisch männlichen Geschlechts handelt, geht auch aus seinem Hinweis auf Wörter wie Öffner und Bohrer hervor.

Auch der Bundesgerichtshof ist dieser Meinung. In seiner kürzlichen Entscheidung zur Verwendung der Bezeichnung „Kunde“ in Bankformularen, heißt es: „Der Bedeutungsgehalt grammatisch männlicher Personenbezeichnungen kann nach dem allgemein üblichen Sprachgebrauch und Sprachverständnis Personen umfassen, deren natürliches Geschlecht nicht männlich ist ("generisches Maskulinum").“

Schließlich ist Bibliothekarin im „allgemein üblichen Sprachgebrauch“ kein generisches Femininum sondern bezeichnet ausschließlich Frauen. Daran ändert nichts, daß manche Feministen (generisches Maskulinum!) das Wort gern als solches etablieren möchten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2018 um 07.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38192

Im Feuilleton der FAZ eine sehr gute Analyse des Historikers Ronald G. Asch zur Quotierung in den Wissenschaften. Am Ende die bittere Einsicht, daß so etwas wohl nur die Geisteswissenschaften betrifft, dort aber unvermeidlich sein dürfte, zu deren Selbstmarginalisierung beiträgt und damit letztlich auch die Frauen schädigt.
Alle Versuche der Feministen, auch in den Naturwissenschaften den Wahrheitsbegriff quotengerecht umzudeuten, sind gescheitert. Aber in den Geisteswissenschaften merkt es niemand, wenn ein paar Millionen Seiten Unsinn hinzukommen.

Wieder mal versucht, Evelyn Fox Keller zu lesen, aber an derselben Stelle aufgehört wie früher. Enorme Frustration.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2018 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38175

Die Nichtsnutzin, die ich hier erfunden zu haben glaubte: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1546#33906, steht längst im Duden, ist aber schwerer zu belegen als die Taugenichtsin, die nicht drinsteht. Eine Tunichtgutin scheint es auch noch nicht zu geben.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 14.03.2018 um 11.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38159

Hohle Floskeln wie „heutiges Sprachverständnis” und „wissenschaftlicher Kenntnisstand” dienen hier mal wieder nur dazu, Propaganda pseudowissenschaftlich zu untermauern. Mir fällt da immer „zeitgemäß” ein, noch so ein Kandidat für „Bullshit-Bingo”.

Im übrigen, technisch gesehen, würde ich als Sparkasserer einfach drei Formulare anbieten, die man wahlweise ausdrucken kann: für Kunde, Kundin und ________; letzteres enthält leere Felder, in welche man die Anrede handschriftlich einfügen kann, denn es gibt ja bekanntlich abzählbare viele Gechlechter*innen.

Oder gleich alles auf Englisch: customer
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2018 um 15.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38151

Dazu:

Der BGH verpasst eine Chance auf Fortschritt
Das Gericht behauptet, die männliche Form "Kunde" sei neutral. Das stimmt schlicht nicht und entspricht weder dem heutigen Sprachverständnis noch dem wissenschaftlichen Kenntnisstand.

(Kommentar von Wolfgang Janisch SZ 13.3.18)

Janisch scheint nicht bemerkt zu haben, daß die Süddeutsche Zeitung im allgemeinen nicht gendert. Wer hindert sie daran?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2018 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38149

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37895

Der BGH hat die Klage zurückgewiesen und sich auf den allgemeinen Sprachgebrauch berufen, allerdings mit Hintertürchen. Die Frau will zum Bundesverfassungsgericht und Europäischen Gerichtshof gehen.

Sie hält sich zugute, den Wetterdienst zur Änderung der alten Praxis gebracht zu haben, Tiefdruckgebiete weiblich zu benennen. Das ist eine magische Folgerung aus der Bezeichnung "schlechtes Wetter" – als wenn Regen nicht ebenso gut wäre wie Sonne. Freizeitperspektive?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.03.2018 um 23.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38126

Lieber Herr Achenbach,
was ich mit der Bezugnahme auf den Sexus meine:
Wenn ich vom generischen Geschlecht (männlich oder weiblich) spreche, dann denke ich nicht ans grammatische, sondern ans natürliche Geschlecht, welches generisch eingesetzt wird.

Beim generischen Maskulinum ist das vielleicht nicht so deutlich, aber nehmen wir das Beispiel eines generischen Femininums (#25778):
ETHIKKODEX FÜR BIBLIOTHEKARINNEN
(gemeint waren alle m. und w. Berufsangehörigen).
Warum das? Doch nicht, weil es grammatisch feminin ist, sondern weil das Suffix -in(nen) das natürliche weibliche Geschlecht kennzeichnet. Ausdrücklich dieses wird sodann generisch auf beide natürlichen Geschlechter bezogen.

Zu Bärs Unterscheidung zwischen generisch und pseudogenerisch:
Er nennt Mensch, Person schon generisch, weil sie sich »immer« auf beide natürlichen Geschlechter beziehen, während z. B. Lehrer »nicht immer« generisch gebraucht wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2018 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38122

Familienministerin Barley unterstützt Frauenquote in der Filmbranche

(...)

Schweden, wo nicht nur Gelder und Posten, sondern auch Drehbuchinhalte quotiert werden.


Vgl. Deutschquote bei Schlagern usw. Man kann sehr vieles quotieren und wird dadurch ein immer besserer Mensch. Die quotierten Filme und Schlager wird vielleicht niemand mehr sehen und hören wollen, aber den Preis ist es wert. (Gerechtigkeit hat keinen Preis.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 10.03.2018 um 18.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38114

Lieber Herr Riemer,

ich stimme Ihnen vollkommen zu, daß es das Substantiv und nicht das Genus ist, das generisch ist. Ich hatte ja auch schon mein Unbehagen an dem Begriff generischer Genus geäußert. Wir drohen uns allerdings in subtile Formulierungsfragen zu verlieren. Es scheint mir auch schwer zu sein, ganz befriedigende Formulierungen zu finden, die nicht allzu schwerfällig sind. Nicht so klar ist mir noch, was Sie mit der Bezugnahme auf Sexus genau meinen.

Was Bär mit generischem Genus meint, scheint mir jedenfalls hinreichend klar, nämlich Substantive, die Wesen beiderlei natürlichen Geschlechts bezeichnen. Weniger klar ist mir seine Unterscheidung zwischen echtem generischen Genus (egG) und pseudogenerischem Genus (pgG). Anscheinend meint er mit pgG ein Substantiv mit doppelter Bedeutung, das sowohl beide Geschlechter als auch nur ein einzelnes Geschlecht bezeichnen kann. Als Beispiel nennt er Arzt, weil es wohl die Gesamtheit der Ärzte als auch nur den männlichen Arzt im Gegensatz zur Ärztin bezeichnen könne. Dasselbe scheinen Sie auch zu meinen, wenn Sie sagen: „Lehrer steht für Lehrerinnen und Lehrer.“

Dieses stelle ich jedoch grundsätzlich in Frage. Ich bestreite, daß Arzt in gleicher Weise wie Mann ein männliches Individuum bezeichnet. Wie sollte man denn zuverlässig zwischen beiden Bedeutungen unterscheiden?

Es trifft zu, daß man in manchen Gesprächssituationen einen bestimmten weiblichen Arzt fast immer als Ärztin bezeichnet (etwa als Personenbezeichnung). Wenn man in solchen Situationen von Arzt spricht, wird zumeist angenommen, daß man einen männlichen Arzt meint. Das ist aber erstens nicht zwingend und zweitens nicht vergleichbar mit der Bezeichnungsweise eines Wortes wie Mann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2018 um 06.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38109

Der Koalitionsvertrag ist in herkömmlicher Weise gegendert (Bürgerinnen und Bürger), nur an einer Stelle zieht er sich anders aus der Affäre:

Angesichts der weltweiten Bedrohung kritischer Künstlerinnen, Intellektueller, Journalistinnen und Wissenschaftler, aber auch aus unserer historischen Verantwortung heraus unterstützen wir eine Initiative für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Presse und Meinungsfreiheit, auch im Hinblick auf Exilerfahrungen.

Die "herkömmliche" Art entfernt sich nur von der deutschen Allgemeinsprache, die zweite verstößt auch gegen die deutsche Grammatik. Das abwechselnde Nennen beider Geschlechter bedeutet nicht, daß tatsächlich immer beide gemeint sind. Im Gegenteil: Die ausdrückliche Thematisierung des Geschlechts würde normalerweise bedeuten, daß wirklich nur Personen des genannten Geschlechts gemeint sind. Die Parteien müßten ihrem Text die Erklärung voranstellen, daß sie sich nicht der deutschen Standardsprache bedienen, sondern einer als geschlechtergerecht angesehenen Sondersprache mit eigenen Regeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2018 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38099

Gendern ist prima, aber wenn Texte verkauft werden müssen, läßt man es lieber. Ebenso der Kampf gegen den Sexismus: Kosmetik, Mode und überhaupt die Unterhaltungsseiten stellen Tag für Tag das „gewagte Dekolleté“ und den „knackigen Po“ dieser oder jener Prominenten zur Schau. Manche Frauen behaupten, sie wollten nicht den Männern, sondern sich selbst gefallen. Wie abartig ist das denn? Der Mensch ist ein Säugetier.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.03.2018 um 23.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38085

Finden Sie es so abwegig, beim generischen Maskulinum eher ans Maskulinum des Sexus als ans Maskulinum des Genus zu denken?

Es gibt mit dem Wort Maskulinum (M.) eine Zweideutigkeit: Als M. wird einerseits ein m. Substantiv bezeichnet, andererseits aber auch das m. Genus. Analog Femininum (F.).

Wenn wir Mensch ein generisches M. nennen, meinen wir offenbar, es sei ein generisches m. Substantiv und nicht ein generisches m. Genus. Analog ist Person ein generisches f. Substantiv und kein generisches f. Genus. Der übergeordnete Begriff für alle generischen M. und F. wäre also generisches Substantiv, und eben nicht "generisches Genus".

Deshalb sagte ich bereits, daß "generisches Genus" bei mir den Eindruck erweckt, das Genus M. oder F. sei diejenige Eigenschaft, von der die klassenbildende Sexusneutralität ausgeht. Das Genus ist dabei aber vollkommen zufällig. Es ist die Semantik des Wortes Mensch oder Person, die das Generische ausmacht.

Die Semantik eines Wortes hat aber mehr mit dem natürlichen Geschlecht zu tun als mit dem grammatischen. Deshalb bezweifle ich die Sinnhaftigkeit des Ausdrucks "generisches Genus" und denke beim generischen M./F. weniger an das m./f. Genus, sondern daß die Formen des m./f. Sexus dabei generisch gebraucht werden.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 07.03.2018 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38084

Jetzt bin etwas perplex. Wie haben Sie es denn "bisher anders verstanden"?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.03.2018 um 17.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38083

"wenn man von einem generischen Maskulinum spricht, verwendet man Maskulinum doch im Sinne von maskuliner Genus"

Ja, bei Bär ist es offenbar so, aber ich selbst habe es bisher anders verstanden. Vielleicht gibt es auch für beide Ansichten plausible Gründe. Leider wird eben bei Mask./Fem. nie dazugesagt, ob Genus oder Sexus gemeint ist.

Es führt ja auch nirgends zu Problemen, außer bei Bär, der extra das generische Genus betont und dadurch auch noch zwischen generisch und pseudogenerisch unterscheiden muß.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 07.03.2018 um 16.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38082

Lieber Herr Riemer,

wenn man von einem generischen Maskulinum spricht, verwendet man Maskulinum doch im Sinne von maskuliner Genus. Also ist ein generisches Maskulinum doch ein generischer maskuliner Genus und somit auch ein generischer Genus. Richtet sich also Ihre Argumentation nicht genausogut auch gegen das generische Maskulinum?

Was mich an dem Begriff generischer Genus allerdings stört, ist daß nach meiner Auffassung der Genus grundsätzlich keinen Sexus impliziert, also schon von seiner Bedeutung her immer in diesem Sinne „generisch“ ist. Daher ist die Bezeichnung generischer Genus in meinen Augen ein Pleonasmus ebenso wie dasgenerische Maskulinum.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.03.2018 um 23.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38073

Es fällt schon auf, daß Bär (soweit ich es bisher sehe) als einziger von einem "generischen Genus" spricht, was ihn dann noch (wieder als einzigen) zur Unterscheidung von generisch und pseudogenerisch zwingt.
Ist das so? Weder bei Eisenberg, von dessen FAZ-Artikel diese Diskussion ausging, noch bei anderen Linguisten (Metzler, Bußmann) finde ich diese Begrifflichkeit, und, wie gesagt, auch nicht in diesem Tagebuch.

In Metzler Lexikon Sprache steht (ich kürze leicht):

Generisch (lat. generatim >klassenweise, im allgemeinen<) 1. Ausdrücke für Gattungsnamen oder Typenbezeichnungen - 2. geschlechtsneutral gemeinte Verwendung von Personenbezeichnungen. [...]

Ja, der Punkt 1. trifft für Wörter wie Mensch, Person zu, Bär mag sie also in seiner Begrifflichkeit als generische Maskulina bzw. Feminina bezeichnen, weil sie in diesem Sinne generisch sind und maskulines bzw. feminines Genus haben, also Maskulina bzw. Feminina im Genus sind.

Aber gibt es ein "generisches Genus"? Das würde m. E. bedeuten, daß es das Genus ist, von dem die klassenbildende Sexusneutralität ausgeht, das halte ich dann doch für nicht zutreffend.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.03.2018 um 19.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38072

Lieber Herr Riemer,

Sie haben ja völlig recht, daß der Streit nicht oder kaum um den "echtem generischem Genus" geht, sondern fast ausschließlich um den sog. „pseudogenerischen Genitiv“. Darauf hatte ich ja schon in meinem Beitrag #38018 hingewiesen.

Andererseits meine ich schon, daß man jedes Wort, daß unabhängig von seinem grammatischen Geschlecht männliche, weibliche und geschlechtlose Individuen bezeichnen kann, als generisches Maskulinum, Femininum oder Neutrum bezeichnen kann (ich vermeide hier absichtlich den Ausdruck generischer Genus, da er mir etwas pleonastisch vorkommt). Das erscheint mir auch das übliche Verständnis zu sein. Deshalb hatte Herr Virch mit seiner ursprünglichen Auffassung nach meinem Verständnis durchaus recht.

Natürlich kann man definieren, wie man will. Man sollte aber nicht die Schwierigkeit, eine andere Definition klar zu formulieren, unterschätzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2018 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38069

Zu Senta Trömel-Plötz (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17899):

Als wegweisend für die Herausbildung einer feministischen Sprachwissenschaft im deutschsprachigen Raum gilt ihr soziolinguistischer Text Linguistik und Frauensprache, der erstmals 1978 in der Fachzeitschrift Linguistische Berichte veröffentlicht wurde. Mit diesem Aufsatz wurde „zum ersten Mal eine problematische Verquickung von grammatikalischem und biologischem Geschlecht“ nahegelegt. Trömel-Plötz „leitete damit die Debatte um das vermeintlich geschlechtsneutrale generische Maskulinum [...] ein und kritisierte, dass diese Form eben nicht geschlechtsneutral wirke [...], sondern Frauen gedanklich auslösche.“ (Wikipedia)

Zur These von Senta Trömel-Plötz, daß Einstein sich bei der Mathematik zu Speziellen Relativitätstheorie von Mileva Marić helfen lassen mußte, vgl. Allen Esterson:
http://www.butterfliesandwheels.org/2006/
who-did-einstein-s-mathematics-a-response-to-troemel-ploetz/
und:
http://www.esterson.org/Defending_Mrs_Einstein.htm

Es gab dazu dann noch weitere Diskussion, die man sich aber schenken kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2018 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38061

"Auch ich habe meine Karriere durch sexuelle Gefälligkeiten erkauft. (Das sehe ich aber erst heute so.)"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2018 um 18.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38060

Wem sagen Sie das! Ich habe zwei Brüder und leider keine Schwester und habe früher mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung gehadert. Aber längst habe ich drei Töchter und keinen Sohn, das ist schon okay.

Es muß immer was zu reden geben. Darum fühlt sich jene Frau ohne Geschmack und Verstand, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, zur Staatsdichterin berufen, statt sich um den Kabinettsproporz zu kümmern...

Nachtrag: Frauen und Männer, Osten und NRW: Durch Proporz-Regelungen ist die Besetzung der SPD-Kabinettsposten schwierig. (welt.de)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.03.2018 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38059

Wenn es genau gleichwahrscheinlich ist, ob ein Ministerposten von einem Mann oder einer Frau belegt wird, ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß alle drei Minister das gleiche Geschlecht haben, keineswegs fast null, sondern auf je drei Fälle mit unterschiedlichem Geschlecht kommt einer mit nur einem Geschlecht:
FFF FFM FMF FMM MFF MFM MMF MMM

Wenn bei einem Verhältnis von 1:3 wirklich einmal der Fall mit der geringeren Wahrscheinlichkeit eintritt, dann muß man noch lange nicht gleich von einem Anachronismus sprechen. Die Aufregung darüber ist nicht gerechtfertigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2018 um 16.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38058

Viele kritisieren und die SZ bezeichnet es als "anachronistisch", daß alle drei CSU-Minister Männer sind. Das kann man so sehen. Aber ist Proporz, welcher auch immer, nicht anachronistisch? Die Kompetenz muß immer zurückstehen, das ist das Wesen von Proporz. Andererseits spielt Kompetenz bei Ministern nur ein untergeordnete Rolle, wie man an den ständigen Kabinettsrochaden sieht. Wiederum andererseits: Ist mit Geschlechterproporz in Regierungen und Unternehmensvorständen den Frauen geholfen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.03.2018 um 22.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38042

Lieber Herr Achenbach,

diese kleine Verwechslung ist wirklich nicht erwähnenswert, und meine Frage danach ist mir peinlich, denn ich hatte den Link bzw. Hinweis von Prof. Ickler auf den Namen Bär zuerst übersehen, hatte also den Irrtum "Frau Bär" zunächst selbst nicht bemerkt. Den Aufsatz hatte ich erst später gelesen. Viel wichtiger als dieser kleine Lapsus wäre mir aber eine Klärung der sachlichen Begrifflichkeit.

Herr Bär benutzt den Ausdruck pseudogenerisch, wo es hier im Tagebuch sonst immer generisch heißt, z.B. generisches Maskulinum: Lehrer steht für Lehrerinnen und Lehrer.

Mensch bzw. Person seien hingegen Wörter mit "echtem generischem Genus", dazu müßte man, wie Sie richtig sagen, dann auch die Fachkraft zählen. Aber sind das nicht eigentlich ganz triviale Fälle, um die es uns hier noch nie gegangen ist?

Ich war deswegen der Meinung, wenn hier im Tagebuch vom generischen Maskulinum oder vom generischen Femininum die Rede ist, beziehen sich Mask. bzw. Fem. nicht aufs Genus, sondern immer auf den Sexus.

Wen interessiert es, ob ein Wort, welches sexusneutral ist (Mensch, Person, Fachkraft usw.), zufällig männliches oder weibliches oder neutrales Genus hat? Das ist doch völlig irrelevant. Deswegen erscheint mir das "generische Genus" von Herrn Bär als überflüssiger Begriff, deswegen habe ich diese Wörter als ganz normale allgemeine (nichtgenerische) Ausdrücke bezeichnet.

Bei meiner Definition generischer Ausdrücke beziehe ich mich nur auf den Sexus, ich war der Meinung, genau und nur darauf käme es an, auch in der sprachpolitischen Auseinandersetzung.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.03.2018 um 18.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38040

Lieber Herr Riemer,

vielen Dank für den diskreten Hinweis auf Herrn Bär.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2018 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38029

Monica Lewinsky sieht ihre berühmte sexuelle Dienstleistung heute in einem anderen Licht. Glaubte sie bisher, es freiwillig getan zu haben, so erkennt sie unter dem Einfluß der großen Enthüllungsbewegung (MeeToo), daß es Freiwilligkeit gegenüber dem Mächtigen nicht geben kann, sie folglich mißbraucht worden sein muß, ohne es zu merken. Das ist ein psychoanalytisches Denkmuster.
Und es ist nicht zu widerlegen: Wäre sie nicht mit dem mächtigsten Mann der Welt, sondern beispielsweise mit dessen Chauffeur in einem Zimmer gewesen, hätte sie sich kaum zu der unappetitlichen Gefälligkeit bewegen lassen. Die Macht ist bekanntlich ein sexuelles Stimulans ersten Ranges und macht sogar Ekliges attraktiv.
Daher läßt sich jede sexuelle Beziehung als Mißbrauch deuten, das ist nur eine Frage der Opportunität. Zur Zeit trägt der Mann das Risiko; früher fühlte er sich nicht selten als Opfer, beschuldigte aber vor allem in vorchristlicher Zeit nicht unbedingt die Frau, sondern schob die Schuld auf einen Gott.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.03.2018 um 02.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38027

Ehrlich gesagt, Herrn Bärs Aufsatz hat mich gerade etwas verunsichert. Entweder liege ich ganz falsch, oder seine Terminologie ist doch völlig anders?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.03.2018 um 02.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38026

Entschuldigung, ich hatte Prof. Icklers Link zu Jochen A. Bär zunächst nicht verfolgt, habe diese Arbeit aber inzwischen gelesen.
Ich denke, Herrn Bärs noch feinere Unterscheidung generisch/pseudogenerisch ist in bezug auf Fachkraft gar nicht nötig, da dieses Wort auch in seinem Sinne überhaupt nicht generisch ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.03.2018 um 23.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38023

Lieber Herr Achenbach,

die Frage mag nebensächlich sein, aber sie wurde nun mal hier gestellt. Wenn auch bereits indirekt beantwortet, so ziehe ich immer eine ganz klare Antwort entsprechend der Frage vor. Indem ich also explizit betone, daß Fachkraft kein generisches Femininum bedeutet, möchte ich einfach jedes Mißverständnis ausschließen. So hoffe ich, daß z. B. ein evtl. Irrtum von mir oder von Ihnen nicht nicht einfach untergeht.

Ich weiß nicht, auf welche Frau Bär Sie sich beziehen und was ihre Terminologie ist, aber benutzen wir doch einfach die allgemein übliche Terminologie.

Mit einem ganz normalen allgemeinen Ausdruck meinte ich hier einen nichtgenerischen Ausdruck.

Ich finde genau wie Sie, daß Fachkraft im Prinzip das gleiche ist wie Person, weibliches Genus zur Bezeichnung von Menschen beider Sexus. Und genau deswegen sind beide Wörter nicht generisch gebraucht. Generischer Gebrauch heißt, entweder eine männliche (bzgl. Sexus) Bezeichnung oder grammatische Form wird auf beide biologischen Geschlechter (Sexus) bezogen oder eine weibliche (bzgl. Sexus) Bezeichnung oder grammatische Form wird auf beide biologischen Geschlechter (Sexus) bezogen. Beispiele beider Arten gibt es ja hier genug.

Da sowohl Fachkraft als auch Person nur weibliches Genus haben, aber den Sexus offenlassen (das meinte auch Prof. Ickler mit "Sexus hat hier gar keine Anwendung"), sind dies keine generischen Ausdrücke.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.03.2018 um 15.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38018

Lieber Herr Riemer,

ich kann Ihnen da nicht ganz folgen, zumal ich nicht recht weiß, was „ein ganz normaler allgemeiner Ausdruck“ ist. Die Fachkraft ist jedenfalls nicht etwa mit der Gravitationskraft zu vergleichen. Sie bezeichnet vielmehr eindeutig Menschen, und es gibt männliche und weibliche Fachkräfte. Das Wort unterscheidet sich daher nicht grundsätzlich von dem Wort Person, das nach der Begrifflichkeit von Frau Bär ein „echter generischer Genus“ ist.

Wörter wie Putzkraft oder Schreibkraft sind ja gerade dazu geprägt worden, um jeden Bezug zum Sexus zu vermeiden (anstatt Putzfrau, Sekretärin). Infolgedessen genießen sie ja das Wohlwollen der Gender-Ideologen. Aus deren Sicht sind sie sogar besser als Wortschöpfungen wie Studierende oder Lehrende, da diese nur in der Mehrzahl geschlechtsneutral sind.

Fachkraft läßt sich aus demselben Grund auch nicht mit Wahrheit oder Leben vergleichen, und die männliche Fachkraft zeigt ja, daß hier Sexus durchaus „Anwendung hat“.

Der entscheidende Unterschied zwischen Fachkraft und etwa Lehrer ist der, daß von ersterem keine den Sexus bezeichnende Ableitung mit der Endsilbe -in bilden läßt. In der Terminologie von Frau Bär handelt es sich bei Lehrer daher um einen „pseudogenerischen Genus“.

Es ist ja gerade dieser pseudogenerische Genus, der der Stein des Anstoßes für die Anhänger „gendergerechter Sprache“ ist. Infolgedessen ist die Frage, ob Fachkraft ein generisches Femininum ist, nur ein Nebenkriegsschauplatz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2018 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38002

Berufsrisiko: Hand am Hintern (ZEIT über Kellnerinnen)

Na ja, man kann nicht hektoliterweise Bier an Männer ausschenken und dann erwarten, daß sie sich benehmen wie in der Kirche. "Eklig" schon, aber irgendwie auch verständlich. Es gibt viel Ekligeres, worüber mir Frauen berichten und wovon wir Männer gar nichts mitkriegen.

Die Überschrift alliteriert und folgt außerdem dem Gesetz der wachsenden Glieder (no pun intended), aber eigentlich handelt es sich wie so oft um einen Parallelismus membrorum (same again), nämlich doppelten Trochäus: Hánd am - Híntern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2018 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38001

Sehr gut gesagt. Ich hatte auch nicht den Eindruck, daß Sie das Wort falsch verstanden haben. Aber die Sache ist kompliziert, daher mein Hinweis auf den Aufsatz von Bär, der es im wesentlich ganz gut erklärt.

Man muß auch immer mit einer pragmatischen "Konversationsmaxime" rechnen (wenn man es mit Grice sagen will). Wenn wir z. B. einen Hund sehen, werden wir kaum Säugetier sagen und damit verleugnen, wie genau wir bereits informiert sind. Und in den meisten Fällen werden wir eine Frau, die aus dem Sprechzimmer kommt, nicht Arzt nennen, sondern eben Ärztin, generisch hin oder her.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 02.03.2018 um 09.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38000

Die Bedeutung von „generisch“ war mir schon klar, der Hinweis auf den Eisenberg-Artikel in der FAZ hatte mich aber auf den Gedanken gebracht, daß eine ältere Notiz von mir fehlerhaft sein könnte (sie ist es immer noch: https://virchblog.wordpress.com/2013/07/09/von-menschen-und-menschinnen-warum-mannliche-professorinnen-elitare-kackscheise-sind/). Mir war nicht klar, wie eng der Begriff des generischen Femininums zu fassen ist, daß also Abstraktbildungen wie „Fachkraft“ ungeachtet ihres Femininums und ihrer generischen Anwendung nicht hineingehören.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.03.2018 um 20.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37995

Ich habe den Eindruck, bitte entschuldigen Sie, falls ich mich irre, daß Herr Virch das Adjektiv generisch von Genus ableitet. Es geht bei "generisch" aber nicht ums Genus, sondern ich lese es etwa wie "allgemein" (detaillierter siehe Wikipedia). "Fachkräfte" sind also kein generischer Ausdruck (kein generisches Femininum) für Menschen beiderlei Geschlechts, sondern es ist ein ganz normaler allgemeiner Ausdruck, der eben zufällig weibliches Genus hat.

Ein generisches Femininum wäre, wenn eine grammatische Form, die immer für weiblichen Sexus steht, auf alle Individuen bezogen wird.

Mir fällt dazu die Gottesanbeterin ein, der Name gilt allgemein für das Insekt, sowohl für männliche als auch weibliche Vertreter, sie ist also ein Beispiel fürs generische Femininum. Zur Unterscheidung ist man gezwungen, von "männlichen Gottesanbeterinnen" zu sprechen, denn die Tierart Gottesanbeter gibt es nicht.

Das ist anders als z.B. bei männlichen und weiblichen Katzen (oder Ziegen). Katzen (oder Ziegen) haben weibliches Genus und können sich im Sexus sehr wohl in männlich und weiblich unterscheiden. Das Wort Katze (oder Ziege) mit weiblichem Genus hat also bzgl. Sexus nichts Generisches, sondern ist ein sexus-neutraler Oberbegriff.
Aber das Suffix -in zeigt eigentlich nur weibliches Sexus an. Bezieht man es trotzdem auf Männchen und Weibchen (wie bei der Gottesanbeterin), kann das nur generisch gemeint sein, hier also generisches Femininum, generische Verwendung des Suffix -in.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.03.2018 um 15.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37991

Danke!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2018 um 14.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37990

Enten sind natürliche Arten mit geschlechtlicher Fortpflanzung, Kraft ist eine Abstraktbildung ("Anspannung") wie Krankheit, Unfall usw.

Zur Begrifflichkeit vgl. www.baer-linguistik.de/beitraege/genus_und_sexus.pdf

(nicht fehlerfrei! Der Verfasser kann kein Griechisch.)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.03.2018 um 11.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37989

"Fachkraft ist grammatisch feminin, wie Hilfe usw., das ist Genus; Sexus hat hier gar keine Anwendung.“ Darum ging es mir. Ist das nicht eine Form generischen Femininums? Eisenberg selbst verweist auch auf die Ente. Tatsächlich sind Erpel ja auch Enten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2018 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37987

Fachkraft ist grammatisch feminin, wie Hilfe usw., das ist Genus; Sexus hat hier gar keine Anwendung.
"Ich bin die Wahrheit und das Leben", hat mal ein junger Mann(!) gesagt, und das ist wenigstens in grammatischer Hinsicht nicht zu beanstanden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.03.2018 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37986

Ich verstehe, aber nicht ganz, fürchte ich. Wenn ein Betrieb erklärt, seine Fachkräfte seien bestens geschult, können damit doch Männer wie Frauen gemeint sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2018 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37985

Dumm ist die Frage durchaus nicht, vgl. aber http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1135#27578

Hans Müller ist eine Fachkraft.

Hier ist keine Kongruenz erforderlich, im Prädikat kann Beliebiges stehen. Bei Nomina agentis oder anderen Personenbezeichnungen kommt ein generisches Maskulinum in Frage: der Versager/die Versagerin Anna Müller ist auch ein Dieb/eine Diebin. In solchen Fällen dürfte aber der sachgemäße Sexus als besser empfunden werden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.03.2018 um 08.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37984

Dumme Frage: Ist die Fachkraft Hans Müller kein generisches Femininum?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2018 um 08.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37983

Schon wieder hat US-Präsident Donald Trump einen Mitarbeiter aus seinem inneren Zirkel verloren. Mit Hope Hicks geht nicht nur die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, sondern auch eine langjährige und persönliche Vertraute Trumps. (SZ 1.3.18)

Das generische Maskulinum gedeiht prächtig – wenn ein Text verkauft und nicht von Amts wegen gelesen werden muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2018 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37966

In der FAZ (28.2.18) bricht Peter Eisenberg eine Lanze für das generische Maskulinum.
„Die Sexualisierung des Maskulinums und des Femininums wurde bis in die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts mit Energie betrieben, auch Jacob Grimm war mit einem konsequenten Animismus dabei.“
Das ist nur halb richtig und betrifft die Theorie zur Entstehung der Genera. Aber Grimm hat auch geschrieben: „Der pedant wird seiner schwindsüchtigen frau nicht eselsmilch, nur eselinnenmilch zu trinken anrathen ...“ (Über das pedantische in der deutschen sprache. 1847).
Eisenberg geht auch nicht auf die Asymmetrie der Geschlechtsbezeichnungen ein. Er erwähnt nicht, daß die maskuline Form zwar zur Neutralisierung des Geschlechtsunterschieds dient, aber nicht in jedem Verwendungszusammenhang. In „Lehrer-Schüler-Verhältnis“ liegt Neutralisierung vor, in „Da drüben kommt ein Lehrer“ aber nicht.
Daß das generische Femininum „nicht möglich“ sei, ist leider übertrieben. In der Sondersprache der Akademiker, z. B. in den USA, ist es schon weitgehend durchgesetzt: eine Machtfrage wie die Rechtschreibreform.
Eisenberg schreibt etwas änigmatisch:
Im Deutschen sind bis heute viele Plurale („Mehrheiten“) identisch mit femininen Formen. Substantive verwenden im Plural die Artikelform „die“. Sollten Männer aus der Form „die Menschen“ etwa schließen, sie seien nur „mitgemeint“, gemeint seien eigentlich nur Frauen?
Wieso „bis heute“? Der Zusammenfall der Formen setzt keine alten Verhältnisse fort, sondern ist ein rezenter Zufall der Sprachgeschichte.
Mit seiner berechtigten Kritik an „Duden: Richtig gendern“ zielt er auch auf die nicht namentlich genannte Mitverfasserin Gabriele Diewald.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2018 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37936

Daniel Dennett rechtfertigt den Titel seines neuen Buches: From bacteria to Bach and back. Erstens sei die Versuchung der Alliteration zu stark gewesen, und zweitens habe er kein Frau von ähnlich "ikonischem" Rang gefunden wie so viele Männer. Der Leser möge sich in dieser Hinsicht selbst prüfen.
Alles ein bißchen witzelnd, aber der Rechtfertigungszwang ist nun mal da und wird augenzwinkernd anerkannt.

Anderswo lese ich:

First, I appeal to the reader’s own sense of her experience. (http://www.3ammagazine.com/3am/the-splintered-skeptic/)

Das generische Femininum ist der neue Standard, auch wenn, wie hier, die Leserschaft überwiegend männlich sein dürfte. Es ist aber noch kein Teil der Sprache, sondern gehört zur allgemein üblichen Heuchelei. Eben "splintered mind" – wie gerade dieser Autor es treffend nennt.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 21.02.2018 um 14.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37899

Der „Postillon” schlug jüngst eine männliche Form vor, die mit "-er" gebildet werden soll, also:

- Professor (m oder w)
- Professorin (w)
- Professorer (m)

Das halte ich für eine brauchbare Idee. Die von mir unterschlagenen, weiteren 58 Geschlechter könnte man oben mit einordnen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.02.2018 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37897

Wo Frauen ohnehin das Privileg genießen, nicht nur durch das generische Maskulinum repräsentiert zu sein, sondern obendrein mit der Endung -in bzw. -innen ihr biologisches Geschlecht betonen zu können! Wir Männer sind immer nur mitgemeint.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2018 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37895

Der BGH muß sich mit der Klage einer älteren Dame beschäftigen, diesmal einer Sparkassenkundin (Marlies Krämer, 80), die seit Jahrzehnten eine „geschlechtergerechte“ Formulierung der Vordrucke usw. verlangt. Das Urteil wird am 13.3.18 erwartet.
Nachdem der Staat und auch einige Gerichte sich in unzähligen Texten gegen die Sprachwissenschaft und für die Politische Korrektheit (Gender-Ideologie) entschieden haben, kann das Gericht kaum dahinter zurückgehen. Es hat keinen Zweck, dagegen zu protestieren. Caesar supra grammaticos, trotz allem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2018 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37784

Bewusstseinsbildende Maßnahmen

§ 63. Die Universität Salzburg setzt aktiv Maßnahmen zur Bewusstseinbsbildung (!) durch
1. die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache insbesondere in Aussendungen, Formularen, Mitteilungen, Protokollen sowie Internetauftritten. Die Verwendung von Generalklauseln zur Rechtfertigung einer nicht geschlechtergerechten Sprache ist dabei nicht zulässig [...]

Satzung der Universität Salzburg, Auszug aus Teil IV Frauenförderung.


(https://www.uni-salzburg.at/fileadmin/multimedia/Praktische%20Theologie/documents/Anderes/Leitfaden_f%C3%BCr_gerechten_Sprachgebrauch.pdf)

Läse jemand dort den eigenen Leitfaden, hätte er vielleicht den Tippfehler bemerkt. Gleichwohl – als Student oder Mitarbeiter würde ich der Verwaltung nicht gern erlauben, mein Bewußtsein ändern zu wollen. Schon das Geständnis, ein falsches Bewußtsein zu haben, würde mir schwerfallen, weil es mich zu sehr an Selbstbezichtigungen in kommunistischen Schauprozessen und "1984" erinnerte. Wie viele kriechen zu Kreuze, weil sie ihre Stelle nicht verlieren wollen?

Versteht sich, daß der Leitfaden wie seine gesetzliche Grundlage dann fortfahren, gewagte Behauptungen über Sprache und Denken aufzustellen und dafür Glaubensgehorsam zu fordern wie die Kirche. So steht gleich am Eingang des akademischen Lebens ein Denkverbot.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.02.2018 um 11.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37738

Dame zu Frau entspricht genau dem Verhältnis von Herr zu Mann: Herrensocken, Klo für Herren, Handball-Herren.
Ausnahme ist die Anrede: Herr und Frau Müller.
Wenn jemand von der "Dame Merkel" spricht, klingt das eher spöttisch als bewundernd oder im gesellschaftlichen Kontext.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2018 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37736

Das ist wahrscheinlich nicht aufzuhalten (die Euphemismen-Tretmühle). Es gibt ja schon die Damenbinde und das Klo für Damen (D), auch Handball-Damen usw.
Die Lyrik ist konservativ, noch wäre die Bewunderung einer Dame nicht dasselbe wie die Bewunderung einer Frau. Gibt es nackte Damen - mit Brüsten usw.?
Dame ist eben gesellschaftlich, Frau und auch immer noch Weib (in den Ableitungen) ist biologisch.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.01.2018 um 15.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37679

Mir scheint, das Wort "Frauen / mujeres / pani" ist in seiner Bedeutung abgewertet worden wie früher das einmal ehrenwerte Wort "Weib". Es würde genügen "mujeres / Frauen" zu ersetzen durch "Senoras / Damen / damy",
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2018 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37613

Zu Gomringers Gedicht:

So reproduziere es eine „klassische patriarchale Kunsttradition, in der Frauen ausschließlich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren“, erklärten die Studentenvertreter. „Es erinnert zudem unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind.“ Die Studenten forderten, das Gedicht zu übermalen. (welt.de 24.1.18)

Man sollte vorsichtig sein. Die Studentenvertreter verraten mehr über sich selbst, als ihnen vielleicht lieb ist.

Umfrage:

Finden Sie das Gedicht "avenidas" von Eugen Gomringer sexistisch?
- Ja, Frauen werden darin zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert.
- Nein, die Aufregung ist völlig überzogen.
(welt.de 24.1.18)

Der größte Teil der Lyrik aller Zeiten und Völker sollte vernichtet werden ("Ich übergebe der Flamme...").
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2018 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37605

An der Berliner Alice Salomon Hochschule geschieht das Unvermeidliche: das Gedicht von Gomringer wird beseitigt. Es könnte ja jemand – wie die Aktivisten selbst – auf den Gedanken kommen, der Text sei irgendwie sexistisch.
Das Gedicht ist ja absichtsvoll verrätselt, weil es jede Aussage vermeidet. Gerade das scheint einige rasend zu machen; sie vermuten hinter dem Unverstandenen eine besondere Niedertracht. Das unanständige Wort "Frauen" löst wie "Neger" den Reflex der guten Gesinnung aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2018 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37604

Kein normaler Mensch in Europa glaubt, dass er oder sie durch das Europaparlament unmittelbar demokratisch vertreten wird. (Timothy Garton Ash, Schweizer Monat Juli 2017)

Nein, nicht oder sie; das geht einfach nicht.

(Auch sonst nicht unbedingt lesenswert.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2018 um 10.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37564

Die Suchmaschine unterringelt Herausgeberinnenschaft, es steht auch nicht im Duden. Man findet es hauptsächlich bei Veröffentlichungen von Universitäten und Ministerien, also auf Spielwiesen. Gute Bücher können das nicht sein.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 09.01.2018 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37535

„kreativ” ist offenbar ein Euphemismus für „dumm”.

Genitivitiskranke Blasenkonstrukte wie „entsprechend der Wirklichkeiten” werden in der angelsächsischen Fachsprache, glaube ich, als Bullsh*t bezeichnet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2018 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37530

"Kreativität"! Die braucht man, um sich vollkommen konformistisch zu verhalten:

https://www.uni-marburg.de/fb05/studium/studiengaenge/diplom-kirch-ex/studienverlauf/studium/pruefungen/inklusivesprache
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.01.2018 um 14.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37520

Auch ein schöner Beitrag zur politischen Korrektheit
(aus einem satirischen bayrischen Lied, gestern abend auf BR Heimat gehört):

die Wildererin
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2018 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37517

Wie weit das Gendern in die Verkehrszeichen vorgedrungen ist, habe ich nicht verfolgt. Besonders in Österreich scheint man aktiv geworden zu sein.

Die Frau mit Pferdeschwanz, die an einem Erdhaufen schippt, ist insofern unrealistisch, als man im Straßenbau praktisch nur Männer schaufeln sieht. Auch für die ist es nicht besonders gesund.

Fahrräder für Männer sind der Prototyp, vgl. auch Rennräder. Der niedrige Einstieg der Damenräder nimmt auf Röcke Rücksicht, und solange Frauen noch solche Kleidung vom Typ "Wrap-around" tragen, werden auch die extrem stilisierten Menschen ohne Herrenhut, aber eben mit "Separate-leg-garment", zunächst als Männer gedeutet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2018 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37482

Die neue Regierung Österreichs will den Genderwahn stoppen. Die Stimmung ist günstig, weil gerade Österreich es auf die Spitze getrieben hat (Nationalhymne, Gehrers Sprachregelung, Gender-Spielplätze usw.). Auch sonst viel gesundes Volksempfinden im Sinne der „Krone“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2018 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37444

Unser Ziel ist es, den verschiedenen Nutzer/inneninteressen weitestgehend gerecht zu werden und die notwendigen Informationen bereitzustellen, um schnell Antworten auf sprachliche Zweifelsfälle zu präsentieren. Damit uns dies gelingt, muss der Nachschlagende selbst entscheiden können, in welcher Form bestimmte Informationen dargestellt bzw. angeordnet werden.
(Storjohann vom IDS über das geplante Paronymwörterbuch)

Weibliche Nachschlagende werden hier unsichtbar gemacht, während sie als Nutzerinnen ausgerechnet im Kompositum sichtbar sein sollen? Das ist doch nicht gerecht!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2017 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37424

Kann ich meine Frau „verstehen“? Dann müßte ich mir z. B. vorstellen können, wie es ist, mit mir verheiratet zu sein. Das fällt mir schwerer, als mich in eine Fledermaus zu versetzen.
Man sollte verständnisvoll sein, aber den Begriff des „Verstehens“ nicht sinnlos überreizen. Es hätte auch keinen Wert. Wenn ich meine Frau, meine Kinder und nun die kleine Enkelin „wirklich“ verstünde, im Sinne der Hineinversetzung – was hätten sie denn davon? Dann wäre ich eben nicht der Mann, Vater, Großvater, an dem sie aus welchen Gründen auch immer hängen. Verstünde meine Frau mich vollkommen, wäre sie wirklich die sprichwörtliche Schlaftablette; dann hätten wir einander nichts zu sagen. Einer wie ich reicht mir!
Spaß beiseite: Die Verschärfung der Begriffe über jeden normalen Gebrauch hinaus schafft Scheinprobleme, die uns von der Lösung der wirklichen ablenken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2017 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37423

In einem "Spezial Männer" der Silvesterausgabe der FAS träumt Harald Staun wieder einmal von der "Abschaffung der Geschlechter", wie schon vor zwei Jahren, mit Shulamith Firestone, "Xenofeminismus" usw., immer dieselbe sparsame Bewirtschaftung eines begrenzten Gedankenvorrats. (Meistens steckt ja dahinter etwas Persönliches.)

Am Horizont taucht noch sehr unbestimmt ein neuer Mensch auf, dem diese Abschaffung nichts ausmacht. "Sie fragen nicht nach Mann und Weib, und keine Kleider, keine Falten umgeben den verklärten Leib." (Das war jetzt nicht Staun.) Einstweilen umgeben noch Falten den gar nicht verklärten Leib, und auch die Kosmetikindustrie macht Milliarden mit der Verschönerung der Sexobjekte. Vielleicht sollte Staun dort ansetzen statt bei der Macho-Gehirnwäsche.

Schon früher haben sich Frauen dagegen gewehrt, den von Staun erträumten neuen Mann für den Mann ihrer Träume halten zu sollen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.12.2017 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37378

Stefan Heym ist einer der langweiligsten Leute, die unter uns sind. (Johannes Gross 14.10.88)

Leute ist Pluraletantum, regiert also kein Genus. Um so bemerkenswerter diese partitive Konstruktion, die ein Maskulinum aussondert.

Es gibt Tausende von Belegen für er war einer der Leute, aber so gut wie keine für sie war eine der Leute, aber auch nicht für ein generisches Default-Maskulinum wie sie war einer der Leute, das man erwarten könnte. Gelegentlich wird von einer Frau gesagt, daß sie eine von den Leuten ist oder war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.12.2017 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37376

„Jede zweite Frau wurde schon einmal sexuell belästigt, da ist die Statistik recht klar.“ (FAZ 23.12.17)
Keineswegs. Der Begriff der sexuellen Belästigung ist so unbestimmt wie kaum ein anderer und vom Zeitgeist abhängig. Die Statistik beruht auf Umfragen unter den Opfern, daher:
„Als Opfer sexueller Belästigung betroffen sind Frauen (je nach Umfrage 28-58 %) wesentlich häufiger als Männer (ca. 10 %).“ (Wikipedia)
28 bis 58!
In unserer Kultur (und auch sonst weithin) gilt als ausgemacht, daß der Mann bei der Anbahnung intimer Beziehungen die aktivere, werbende Rolle spielt. Damit steigt sein Risiko, als belästigend angeschwärzt zu werden. Die Frau gilt wieder grundsätzlich als engelhaft rein, ohne Ahnung von unterleiblichen Gelüsten. Abartige Ausnahmen bestätigen die Regel: Wie mir eine Elvis-Biographin mitteilt, wurde das „Sexsymbol“ von unzähligen Frauen bedrängt, auch durch zehntausend Briefe mit eindeutigem Inhalt und entsprechender Bebilderung. Substanzlose Vaterschaftsklagen enttäuschter Verehrerinnen mußten abgewiesen werden usw.
Mit dem Dirigenten Charles Dutoit wollen vier bekannte Orchester nichts mehr zu tun haben, nachdem Vorwürfe sexueller Belästigung gegen ihn erhoben wurden. Eine Sopranistin, der er sich vor über 30 Jahren unangemessen genähert haben soll („Zungenküsse“ – brr!), habe sich damals Freunden anvertraut, mehr aber nicht, weil sie damit gerechnet habe, daß man ihr nicht glaube. Solche Solisten sind nicht einmal vom Dirigenten abhängig wie Filmsternchen vom Produzenten. Dutoit mag als Schürzenjäger bekannt gewesen sein, das hat außerhalb seiner Künstlerkreise niemanden interessiert. Das Ganze ist schäbig, reicht aber immer noch aus, eine Karriere für immer zu ruinieren. Strafrechtlich relevant ist wahrscheinlich gar nichts, und einem ordentlichen Verfahren wird es nicht kommen. Die bloßen Anschuldigungen gegen den 81jährigen haben aber sofort einen Abschnitt in der englischsprachigen Wikipedia bekommen, die deutsche wird in diesen Tagen nachziehen. Hunderte von Karrieren werden im modischen Shitstorm versanden. Ein Freispruch ist nach Logik der Hexenprozesse fast nicht möglich, die Anschuldigung ist das Urteil.

Nachtrag 31.12.17: Die Vorwürfe gegen Dutoit sind inzwischen auch in der deutschsprachigen Wikipedia eingetragen, wenn auch konfus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.12.2017 um 03.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37372

Es wird oft behauptet – so jetzt wieder von Kardinal Marx –, der Staat könne und dürfe die Ehe nicht einfach umdefinieren (gemeint ist natürlich die Öffnung für Gleichgeschlechtliche).

Aber ist das richtig gesehen? Logisch würde man sagen: nur extensional. Zum Vergleich: Definiert der Staat den Begriff "Volljährigkeit" um, wenn er das Alter von 21 auf 18 Jahre herabsetzt? Niemand bezweifelt doch wohl, daß so etwas möglich ist.

Die Öffnung der Ehe ist für Reinhard Kardinal Marx ein großer Fehler – auch weil „man das Kind in solchen Debatten zum Produkt macht“. (welt.de 22.12.17)

Auch das ist schwer nachvollziehbar, wie so vieles, was Kleriker über Geschlecht und Fortpflanzung sagen. Sie meinen, daß Kinder schicksalhaft und nicht geplant über ein – natürlich ordnungsgemäß getrautes – Ehepaar kommen müssen, weshalb auch jeder Geschlechtsakt nur dann zulässig sei, wenn er "offen für die Empfängnis" ist. So die Dogmatik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2017 um 13.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37347

Schweden treibt die sexuelle Korrektheit auf die Spitze (welt.de)

Keineswegs. Zwar müssen Erwachsene, die zum Beispiel von ihrem Ehepartner Sex wollen, in Zukunft ausdrücklich dessen Einverständnis einholen, aber wie jeder weiß, sind mündliche Auskünfte nie eindeutig, insbesondere wegen des analogen Charakters der Prosodie und der nonverbalen Begleitkommunikation. Ohne Schrift-Verkehr wird es nicht gehen; und selbst schriftliche Dokumente sind nicht immer eindeutig ernstgemeint, z. B. „Sklavenbriefe“ und ähnliche Spielformen. Ein zufriedener (ehemaliger) Partner wird immer Möglichkeiten finden, nachträglich jedes Einverständnis abzustreiten.
Zum rationalen Verhältnis der Schweden zum Sex vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20244
Geschlechtsverkehr kann natürlich auch als reine Hygienemaßnahme verstanden werden. Wenn Zeitungen nun schreiben, Sex sei in Schweden in Zukunft so unromantisch wie in Saudiarabien, so ist das aber ganz falsch. Wo die Sittenpolizei Wache hält, müssen die Geschlechtspartner ihr Zusammensein einer dritten Macht abluchsen, und das kann sehr romantisch sein. Die extreme Vernünftigkeit der Schweden ist gerade das Gegenteil.

In den schlimmen Büchern, die ich in meiner Jugend gelesen habe, standen manchmal solche Stellen: "Sie fielen übereinander her." Auch in Filmen kommt so etwas vor. Ist das nicht furchtbar?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37322

Fragen Sie Ihre oder Ihren...

Linguistisch Unbelehrte geben keine Ruhe, auch 12 Jahre nach dem Vorstoß des Gesundheitsministeriums unter Ulla Schmidt:

Dr. med. Christiane Groß, M.A., Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. macht anlässlich des Internationalen Frauentage 2017 auf diese sprachliche Unstimmigkeit aufmerksam: „Sprache und damit auch die Amts- und Rechtssprache bringt mit Vokabular, Orthographie und Grammatik auch das Verhältnis zur Gleichstellung zum Ausdruck. Der DÄB fordert daher seit vielen Jahren, bei Berufsbezeichnungen eine geschlechtergerechte Sprache zu verwenden und mahnt dies immer wieder an. Die ausschließlich männliche Form ist unserer Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß und verkennt, dass in Deutschland 63 Prozent der Medizinstudierenden Frauen sind, es über 170.000 Ärztinnen und über 30.000 Zahnärztinnen gibt und neun von zehn Apotheken von Frauen geführt werden. Ich meine, dass eine geschlechtergerechte Sprache keine Schwierigkeiten bereitet, sie ist nur nach wie vor etwas gewöhnungsbedürftig“.

Vorschriften geschlechtergerecht und zugleich fachlich und sprachlich einwandfrei zu formulieren, erweist sich in der Praxis manchmal als schwierig. Die deutsche Sprache bietet jedoch eine Vielzahl von Optionen, um maskuline Bezeichnungen als Oberbegriff für männliche und weibliche Personen zu vermeiden. Als Hauptargument bei der ausschließlichen Nennung der männlichen Form wird zum Beispiel immer wieder vorgebracht, Frauen würden bei der männlichen Form einfach mitgedacht. Warum? Genauso gut könnte man die weibliche Form verwenden und sagen, Männer werden mitgedacht.

Wir regen eine Nachbesserung des Heilmittelwerbegesetzes an, damit Ärztinnen, Zahnärztinnen und Apothekerinnen künftig auch sprachlich sichtbar sind und sich nicht hinter maskulinen Subjektiven verstecken müssen. Für eine geschlechtergerechte Sprache stehen zum Beispiel der Schrägstrich bei der Berufsbezeichnung Arzt/Ärztin und Apotheker/Apothekerin zur Verfügung und das so genannte Binnen-I mit ÄrztIn und ApothekerIn sowie der Unterstrich mit Ärzt_in und Apotheker_in. Nur für Stellenausschreibungen gibt es schon eine Soll-Vorschrift: Wird zum Beispiel ein Arzt oder Apotheker gesucht, muss eine solche Stelle geschlechtsneutral mit „m/w“ ausgeschrieben werden. Das bedeutet, männliche und weibliche Bewerbungen sind gleichermaßen willkommen.

(https://www.aerztinnenbund.de/Augen_auf_im_Alltag.2640.0.2.html)

(Man beachte den Widerspruch: Es gibt keine Schwierigkeiten, man kann sie aber auf verschiedene Arten überwinden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37321

Man hat vorgeschlagen:

Der/die Besitzer(in) kann die Herausgabe der Sache verweigern, wenn er/sie oder der/die mittelbare Besitzer(in), von dem/der er/sie sein/ihr Recht zum Besitz ableitet, dem/der Eigentümer(in) gegenüber zum Besitze berechtigt ist.

Oder mit amtlich noch nicht zugelassenem Binnen-I:

Der/die BesitzerIn kann die Herausgabe der Sache verweigern, wenn er/sie oder der/die mittelbare BesitzerIn, von dem/der er/sie sein/ihr Recht zum Besitz ableitet, dem/der EigentümerIn gegenüber zum Besitze berechtigt ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37319

Wenn man nachrechnet, sind viele feministisch formulierte Texte grammatisch nicht korrekt:

durch Wissenschaftler(inne)n und Lehrer(inne)n (Thomas Herbst/Michael Klotz: Lexikografie. Paderborn 2002:102)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2017 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37250

Es dürfte nur wenige Texte geben, die das Gendern wirklich konsequent durchziehen, am ehesten vielleicht von österreichischen Germanistinnen, denen es egal ist, ob jemand außerhalb des eigenen Zirkels sie liest.

In Unternehmenstexten wird der Verfasser nur gelegentlich vom feministischen Rappel ergriffen:

wie der Teilnehmer oder die Teilnehmerin seine bzw. ihre Rolle als Geschäftsführer/in wahrnimmt

– und nach diesem Pfötchengeben geht es normal weiter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2017 um 09.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37189

Duden: "Richtig gendern: Wie Sie angemessen und verständlich schreiben" (2017)

Erwerbszweig Gendern. (Gibt es ein richtiges Schreiben im falschen? "Angemessen" heißt politisch korrekt, also linientreu, und verständlich soll es trotzdem sein.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2017 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37154

Die strikte Beachtung des Genus ist schon lange vor dem Gendern unbequem:

Als Hauptsatz wird das erste Modul oder eine erste Modulkombination bezeichnet, mit dem oder mit der eine Exposition beginnt und welche die Haupttonart festigt.

Wie man sieht, verlassen den Schreiber schon bald die Kräfte (welche). Möglich wäre der Plural: mit denen...
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 30.11.2017 um 16.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37152

"Wenn jemand zwölf Jahre lang ein Land dominiert, dann ist sie ohne Frage mitverantwortlich für den Zustand eines Landes.“ (Spiegel Online)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.11.2017 um 14.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37150

Alles hoffnungslos veraltet, wo es doch jetzt Vertreter*innenversammlung heißen muß.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 30.11.2017 um 13.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37149

"Vertreterversammlung"! Das ist aber nicht korrekt. Also mindestens eine Vertreterinnen- und Vertreterversammlung sollte es schon sein, vielleicht auch eine Vertretendenversammlung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2017 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37148

§ 3 Vorsitzende und deren Stellvertreterinnen und Stellvertreter

(1) In der Vertreterversammlung und im Vorstand übt das Amt der oder des Vorsitzenden in Ausgleichsangelegenheiten die Vertreterin oder der Vertreter der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber aus, die oder der den Vorsitz oder den stellvertretenden Vorsitz in der Vertreterversammlung oder im Vorstand innehat, soweit die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber nichts anderes beschließen.
(Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG)

Die Beschwerlichkeit solcher Texte kommt auch daher, daß oder in zwei verschiedenen Funktionen gebraucht wird. Erstens gegenstandsbezogen. Es gibt ja tatsächlich Vertreter und Vertreterinnen. Zweitens sprachbezogen: Das Alternieren zwischen der und die ist ja rein grammatisch erzwungen, um die Genusrektion bzw. -kongruenz zu erfüllen. Der Sprecher muß also diese beiden Aufgaben lösen, und der Hörer muß es nacharbeiten – obwohl beides für die Katz ist und der zitierte Text um ein gutes Drittel kürzer und viel übersichtlicher sein könnte. Jeder weiß das und ärgert sich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2017 um 06.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36986

Zum hoffnungslosen Streit über Gomringer nun auch dies: http://www.fr.de/kultur/literatur/sexismusdebatte-spott-und-hermeneutik-a-1383484

Gomringer permutiert ein paar Wörter, bildet keinen Satz, also auch keine Aussage. Das stört die Hypermoral nicht im geringsten, sie schafft sich bei Bedarf ihren Stein des Anstoßes selbst.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2017 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36915

Wenn die Universität sich als Eigentümerin ihrer Liegenschaften bezeichnet, ist die Motion als mechanische Angleichung an das grammatische Geschlecht zu verstehen. Institutionen haben ja kein Geschlecht. Ebenso: Die AfD will Tabubrecherin und Protestpartei sein.

Allerdings gibt es Verallgemeinerungen. So sind Unternehmen vielleicht wegen Firma weiblich:

In die Führung des Verlags, der eine Tochter von Bertelsmann ist, war sie drei Jahre zuvor eingetreten. (FAZ 4.3.17)

Der Verlag müßte ein Sohn sein, aber das kommt nicht vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2017 um 06.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36823

Gerade in den Geisteswissenschaften, die durch ihre starke Orientierung an Texten maßgeblich an der Schaffung von Sprachkorpora beteiligt sind, ist es deshalb unumgänglich gegen das Gender-Bias vorzugehen. Es trägt auch zur Qualitätserhöhung der Forschung in diesem Bereich bei – denn wenn Wissenschaften, die sich mit Gesellschaft(en) beschäftigen, 50% der Mitglieder dieser Gesellschaft(en) sprachlich ausklammern, so können sie nicht behaupten den geltenden Kriterien der Wissenschaftlichkeit zu folgen.
Nicht zuletzt legen AbsolventInnen beim Abschluss des Studiums an der Universität Innsbruck einen Eid ab, indem sie geloben zum „Abbau von Irrtum und Vorurteilen beizutragen“. Diese Verpflichtung muss deshalb erst recht auch für Forschung und Lehre an der Universität gelten.

(https://www.researchgate.net/publication/261062332)

Posch hat auch einen Ratgeber zum „Argumentieren“ veröffentlicht. Außerdem das UTB-Buch „Kritisch Denken und Argumentieren“ (2014, nicht lieferbar); mit der Rechtschreibung kann sie sich wohl nicht anfreunden. Ihr eigenes Argumentieren macht nicht neugierig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2017 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36790

Über das Paronymie-Projekt des IDS habe ich anderswo berichtet (das Wörterbuch soll noch dieses Jahr ins Netz gestellt werden): http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1029#28026

Wer nicht viel zu sagen hat, macht in Gender. Bei der Projektleiterin liest sich das so:

Vorausgesetzt, der oder die Nachschlagende hat genügend Kenntnis über diese kontextuellen Bedingungen, kann er/sie aus der Vielzahl oftmals kontextlos aufgelisteter Bedeutungsäquivalente in den meisten Nachschlagewerken eventuell einen passenden austauschbaren Ausdruck finden. Nun stelle man sich folgende Nutzungssituation vor: Ein Sprachinteressierter/eine Sprachinteressierte sucht ein Bedeutungsäquivalent für den Ausdruck effizient. Er bzw. sie schlägt im „Duden 8 – Das Synonymwörterbuch“ nach und findet u. a. das Synonym effektiv. Er/sie prüft, ob auch umgekehrt für effektiv der Ausdruck effizient gebucht ist und hat Glück. Ein anderer Nutzer oder eine andere Nutzerin hat das gleiche Interesse... Usw.
(Petra Storjohann in Sprachreport 1/2014)

Gleich darauf kommt ein Versehen (im Sinne des Feminismus):

Einen Nachschlagenden beider Wörterbücher sollten diese widersprüchlichen Einträge ratlos hinterlassen.

Das Partizip I haben die Feministen ja wegen des Plurals eingeführt, der Nachschlagende ist in peinlicher Weise sexistisch, weil es Frauen unsichtbar macht. Außerdem ist jemand, der in einem Wörterbuch nachschlägt, natürlich nicht der Nachschlagende des Wörterbuchs. Sollte man nicht Deutsch können, bevor man ein IDS-Projekt leiten darf, sei es auch noch so dilettantisch?

(Was für ein gedankenloses Geplapper das alles ist, sieht man auch an der "deskriptiven Beschreibung", die das Paronymenwörterbuch liefern soll.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.10.2017 um 14.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36788

die Lockvögelin
die Pechvögelin
die Unglücksräbin
die Backfischin
[...]?

Klingt lustig, aber bei den allgemein akzeptierten Bildungen wie Teenagerin, Gästin, Beamtin, Friseurin usw. denke ich, warum nicht auch diese noch?

Die Lockvögelin (tagesspiegel.de)

Den lockt zum Beispiel eine scheinschwangere weibliche Lockvögelin in ein Krankenhaus [...] (zeit.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2017 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36780

Beim Übergang vom neutralen Mädchen zum natürlichen Geschlecht des Pronomens hat man einen gewissen Spielraum. Dringlicher ist er bei Metaphern, deren Genus nicht mit dem Sexus der bezeichneten Person übereinstimmt:

Der Lockvogel ist etwa 1,70 Meter groß, schlank und zwischen 25 und 30 Jahren alt. Sie hat lange blonde Haare, war dunkel gekleidet und trug weiße Turnschuhe. (Der Westen 26.10.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2017 um 04.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36608

Die im Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland vereinigten LehrerInnen, FreundInnen und FörderInnen sowie Ehrenmitglieder fühlen sich verpflichtet, den Menschen zu dienen.
(https://www.yoga.de/der-verband/vereinssatzung/)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2017 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36592

In Erlangen gibt es eine "Muslimische Studierenden Gemeinde". Integrierter kann man nicht sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2017 um 13.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36578

Die Regeln zum Umgang von Mann und Frau werden heute von Personen bestimmt, die an so etwas ohnehin kein Interesse haben. Auf dem entscheidenden Weltfrauentag in Peking 1985 wurde Deutschland, wenn ich mich recht erinnere, hauptsächlich von Lesbierinnen vertreten. Solche sind auch auf Gender-Lehrstühlen überrepräsentiert.

Es ist regulär kaum möglich, Interesse an einer Frau zu zeigen, ohne mit einem Bein vor dem Strafrichter zu stehen; leicht ist auch die akademische Karriere ruiniert. Unter heutigen Bedingungen hätte ich die Studentin nicht "erobern" ("verführen"?) können, mit der ich immer noch verheiratet bin. Schon meine erste Einladung zu einem Spaziergang (oder was war es noch mal? - Briefmarkensammlung hatte ich jedenfalls keine) hätte als unziemliche Annäherung über die fachliche Beziehung hinaus angesehen werden können usw.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.10.2017 um 18.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36561

Für alte Berufe gibt es die Benennung "-leute": Bergleute, Landleute, Seeleute, Wachleute u.a. Für neue Berufe müssen sie erst gebildet werden, z.B Flugleute oder so. In manchen Berufen scheint es nur Männer zu geben: Fährmann, Eismann.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 13.10.2017 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36555

In ein Flugzeug, in dem "Leute" die Besatzung bilden, würde ich mich nicht setzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2017 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36553

Zur Erinnerung an das segensreiche Wirken der UNESCO:
http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31985

Natürlich ist jeder für die Gleichberechtigung der Geschlechter, aber was hat die UNESCO wirklich geleistet? (Das müßte man auch bei UNICEF fragen.)


Nachtrag:

„Die Unesco fördert Alphabetisierung und Tsunami-Vorwarnung, schützt Regenwald und Pressefreiheit, kämpft gegen Armut und Versteppung.“ (FAZ 13.10.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2017 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36522

Laut Urteil des Landesverfassungsgerichts in MV müssen Gleichstellungsbeauftragte weiblich sein. In verschiedenen Medien wird zusätzlich angeführt, offiziell gebe es nur die weibliche Form, denn nur so stehe es im Duden.

Abgesehen von der doppelten Fehleinschätzung der Amtlichkeit des Duden (als orthographischer wie allgemein sprachlicher Autorität) ist der Grundgedanke bemerkenswert: Menschen wird die Fähigkeit abgesprochen, die Interessen von Menschen des jeweils anderen Geschlechts zu vertreten. Im Sinne des Mainstreamings müßte das überall gelten, nicht nur bei der Besetzung dieser Pöstchen. Wissen die Leute, was sie damit sagen? Und warum sollte es nur vom Geschlecht gelten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2017 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36477

Das Frauenbüro Lübeck gibt eine „Wegweiserin“ heraus: http://www.frauen-luebeck.proaktiv.de/
Auch anderswo gibt es solche weiblichen Informationen.
"Anrufbeantworterin" ist noch selten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2017 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36403

Das größte Passagierflugzeug der Welt befand sich mit 497 Passagieren und 23 Leuten Besatzung in etwa elf Kilometer Höhe südöstlich von Grönland, als es passierte. (welt.de 1.10.17)

Ja, Mann geht gar nicht, wegen der Stewardessinnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2017 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36366

Schmachthagen teilt mit, daß in Elmshorn die hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte das Rednerpult in Redepult umbenannt wissen will. (HA 26.9.17)

Die Dummheit dieser Leute ist in der Tat empörend, man sollte sie alle entlassen. (Es soll deren 2000 geben, und keine hat je etwas Vernünftiges geleistet.)

Noch etwas zu Schmachthagen:

Luther, der teilweise tagelang um ein deutsches Wort rang, bevor er den passenden Ausdruck für seinen Bibeltext gefunden hatte...

Wieso teilweise? Manchmal!

Schmachthagen schreibt, er sei ein Glied der evangelischen Kirche. Die Ausdrucksweise ist angemessen mystisch. Sonst sagt man Mitglied.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2017 um 07.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36319

In der "Berliner Runde" nach der Wahl, die ich mir ausnahmsweise angesehen habe, unterwarfen sich alle Redner ohne Ausnahme dem Gendern: Wählerinnnen und Wähler usw.

Man könnte danach meinen, daß die feministische Sprachregelung im Deutschen angekommen sei, aber das wäre ein Fehlschluß. In der schönen Literatur, in der Werbung und auch im größten Teil der Presse hat sie nicht Fuß gefaßt, also überall dort, wo Texte verkauft und gelesen werden wollen.

Im Munde der Politiker schwächt diese Redeweise den Eindruck, sie wirkt gelabert, auf Zeitgewinn angelegt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2017 um 18.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36245

Menstruationsblut enthält bekanntlich das stärkste aller Gifte, weshalb man daraus auch einen Basilisken erzeugen kann, dessen Blick tötet. Auch im Auge der Frauen selbst ist ein Gift verborgen, man muß sich vor ihnen in acht nehmen. So jedenfalls Paracelsus oder einer seiner Schüler (de rerum natura).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.09.2017 um 19.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36187

zu #36181:
Was nützen uns diese Zahlen, solange wir nicht wissen, welche Antworten die übrigen 58% gegeben haben? Stand das nicht im ARD-Text?
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 11.09.2017 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36185

Zum Thema „Gendersprache” stieß ich letztens (nicht völlig zufällig) auf folgenden kurzen Text, der aus einer ganz anderen Ecke kommt, nämlich aus der Praxis der Computerei:

https://www.tutonaut.de/derdiedas-genderismus-konfigurieren/
 
 

Kommentar von ARD-Text, verfaßt am 11.09.2017 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36181


Aus aller Welt: Nachrichten

Gegen geschlechtergerechte Sprache

Nur eine Minderheit der Erwachsenen in
Deutschland spricht sich einer Umfrage
zufolge für eine geschlechtergerechte
Sprache aus. Nur wenige benutzen außer-
dem im eigenen Schriftverkehr bewusst
geschlechtsneutrale Wörter wie etwa
Studierende statt Studenten. Das ermit-
telte das Meinungsforschungsinstitut
YouGov in einer Umfrage.

Auf die Frage, wie sie zur Sprache etwa
mit Binnen-I oder Sternchen (Beispiel:
KollegInnen, Schüler*innen) stehen, ga-
ben 42 % eine ablehnende Antwort: 19 %
lehnen es "voll und ganz" ab, 23 % leh-
en es "eher" ab.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2017 um 16.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36139

In einem langen Beitrag in der FAZ wehrt der Schriftsteller Michael Lentz den dummen Angriff des Asta auf Gomringers Gedicht ab, aber der Text ist so aufwendig formuliert, daß wohl niemand ihn zu Ende gelesen hat, ich auch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2017 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36093

Die "Konkrete Poesie" hat mich immer gelangweilt. Sie kommt mir kunstgewerblich vor, wie für Deutschlehrer gemacht, damit sie was zum Interpretieren haben. Zum Beispiel das unvermeidliche "Schweigen" von Gomringer. Weil man so schnell versteht, wie es gemacht ist, glauben viele, sie wüßten nun etwas über Dichtung. Manchmal wird auf die sehr lange Geschichte hingewiesen, und es ist ja in der Tat nichts Neues dabei, nur daß die "Vorläufer" witziger waren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2017 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36092

Und die Weißenstädter haben sich unter der angegebenen Adresse diesen Text ausgedacht:

Das Stundenbuch von Eugen Gomringer setzt sich entsprechen den 24 Stunden eines Tages aus 24 Wörtern plus dem Gegensatzpaar dein – mein zusammen. Die 24 Wörter sind frei vom Dichter gewählt, haben aber allgemein menschliche Bedeutung wie auch das dein und mein. Jedermann besitzt diese Wörter, jedem sind Sie vertraut.

Aber mal zurück zum Thema: Es ist also sexistisch, wenn man Bewunderung für Frauen ausdrückt. Verachtung sowieso, also am besten gar nichts sagen, und das Sternchen hinter Frau bedeutet ja auch etwas. Wahrscheinlich ist die Kategorie "Frau" überhaupt zu verwerfen, weil es die sogenannten Geschlechter gar nicht gibt. Wer etwas anderes sagt, wird entlassen.

Das Ganze ist ein Beispiel für Machtgewinn und -ausübung ohne eigene Anstrengung, einfach nur durch Gesinnung (aber sogar das ist zweifelhaft, in Wirklichkeit dürfte sich keine einzige Frau je herabgesetzt gefühlt haben, wenn jemand seine Bewunderung für Frauen ausdrückte; es ist alles nur inszeniert).

Bezeichnenderweise sind es wieder einmal die Studenten, die sich für solche Spielchen hergeben. Übrigens sollten sie meiner Ansicht nach keine Mitsprache haben, wenn es um die Kunst am Bau geht, weil sie nur vorübergehende Gäste und nicht die Hausherren sind. (Eine meiner Töchter hat an der ASH studiert.)
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 29.08.2017 um 20.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36091

Eugen Gomringer hat den Weißenstädter See (die kurz nach der Quelle gestaute Eger) mit "Poesie" verschandelt, die auch von Kristiane Allert-Wybranietz stammen könnte.

http://www.weissenstadt.de/tourismus/kultur/poesie-um-den-see.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2017 um 18.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36088

Der Gender-Wahnsinn hat einen neuen Höhepunkt:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/asta-der-alice-salomon-hochschule-will-ein-gedicht-von-der-fassade-entfernen-lassen-15172671.html
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.08.2017 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36023

zu #36020:
War das alles, die Fahr-Erfahrung mit der Zeitdauer des Führerscheinbesitzes gleichzusetzen?

Es könnte ja sein, daß Männer aus beruflichen Gründen oder wegen anderer Rollenverteilung innerhalb eines Jahres viel häufiger Auto fahren als Frauen, und daß daher das bessere Einparken doch nichts mit einer geschlechtsbezogenen Begabung zu tun hat, sondern einfach mit mehr Übung.

So wie der Artikel geschrieben ist, scheint das jedenfalls nicht berücksichtigt worden zu sein. Wie auch immer, der Leser wird wieder mal für dumm verkauft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2017 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36022

Durch die Presse geht gerade: Die sexuelle Orientierung von Adoptivkindern wird nicht dadurch beeinflußt, ob sie von homo- oder heterosexuellen Paaren aufgezogen werden.

Daraus könnte geschlossen werden, daß Geschlecht eine biologische Kategorie und kein gesellschaftliches Konstrukt ist ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2017 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36021

Man liest ständig, daß die Gehirne von Männern und Frauen bei bestimmten Aufgaben mehr oder weniger verschieden arbeiten. Gibt es eigentlich Aufgaben, bei denen sie genau gleich arbeiten? Könnte es sein, daß die "bildgebenden Verfahren" (Hirnscan) stets Unterschiede produzieren? Ist das untersucht worden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2017 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36020

Bei einigen wenigen räumlichen Denkprozessen weisen Männer teilweise eine deutliche Überlegenheit auf, wobei es Männer besonders gut können, sich vorzustellen, wie ein kompliziertes Objekt, das im Raum gedreht wird, aussehen würde, wenn die Drehung zu Ende ist, d.h., sie sind in Belangen der mentalen Rotation besser. Einige Dinge, die daraus folgen, liegen diesem Kern zugrunde, denn Frauen sind überall dort, wo das Rotationsprinzip eine Rolle spielt, im statistischen Mittel, weniger begabt, wobei es sich dabei um einen statistischen, sehr robusten Effekt handelt, der seit 40 Jahren und über alle Kulturkreise hinweg nachgewiesen werden konnte. In diesem Fall kann man mit großer Wahrscheinlichkeit von einem biologischen Faktor ausgehen, wobei auch die links-rechts-Verwechslung ist bei Frauen etwas stärker ausgeprägt, wenn auch der Unterschied nicht so deutlich ist wie bei der mentalen Rotation. Frauen parken daher experimentell nachweisbar schlechter ein, was sowohl mit der weniger ausgeprägten Begabung der räumlichen Vorstellung als auch vermutlich einem geringeren Selbstbewusstsein von Frauen angesichts von Parklücken zu tun hat. Frauen brauchen länger, um schlechter einzuparken. In Experimenten hat man Fahranfänger untersucht, die den Führerschein maximal zwei Wochen hatten, und etwas erfahrenere Autofahrer und Autofahrerinnen, die den Führerschein schon ungefähr ein Jahr hatten. In beiden Gruppen sind die Frauen, sowohl was die Geschwindigkeit des Einparkens als auch was die Präzision des Einparkens angeht, deutlich schlechter gewesen. Zunächst scheint es stark biologisch beeinflusst zu sein: Frauen sind hormonell bedingt bei einer ganz bestimmten Denkleistung schlechter als Männer. Das betrifft die mentale Rotation, also die Fähigkeit, sich eine Drehung vorzustellen. Aber nach einem Jahr müssten auch Fahranfängerinnen das Einparken gelernt haben, doch jetzt kommt das gängige Vorurteil ins Bild. Frauen können nicht einparken. Das wiederum führt zu einem psychologischen Faktor, denn jetzt haben die Frauen Angst vor der Parklücke. Am Anfang ist es noch die Biologie, am Ende ist es die Psychologie, aber der Unterschied ist da. Vermutlich haben in diesem Fall auch self-fulfilling prophecies Einfluss auf die Denkleistungen genommen. Der mentale Rotationstest, der das räumliche Vorstellungsvermögen untersucht, indem dabei mehrere dreidimensionale Figuren auf Übereinstimmungen überprüft werden müssen, wofür man die Figuren im Kopf drehen muss, fällt Männern leichter. Man vermutet, dass Hormone dafür verantwortlich sind. Testosteron hilft offenbar beim mentalen Rotieren, denn Frauen mit hohen Testosteronwerten schneiden dabei ebenso wie Männer besser ab. Östrogene dagegen blockieren das geistige Drehen. Die Werte ändern sich auch mit dem monatlichen Zyklus, denn während der Menstruation, wenn die Östrogenwerte niedrig sind, beherrschen auch Frauen das Rotieren besser. Männer verarbeiten Sprache und räumliche Aufgaben eher getrennt in rechter und linker Hirnhälfte, während Frauen beide Hirnhälften gleichzeitig symmetrischer nutzen. Während der Menstruation verarbeitet auch das weibliche Gehirn Aufgaben asymmetrisch – links Sprache, rechts Raum. Und nach den Wechseljahren, wenn die Konzentration an weiblichen Sexualhormonen sinkt, funktioniert das Gehirn der Frauen ebenfalls eher nach männlichem Muster. Frauen denken also zu ganz bestimmten Zeiten in ihrem Leben anders.

Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GESCHLECHT-UNTERSCHIEDE/Rotationstest-Mann-Frau.shtml
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2017 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35996

Sebastian Merkens kämpft für eine geschlechtergerechte Sprache. Daher will der schwule Linken-Politiker aus Möchengladbach in offiziellen Papieren zur Bundestagswahl als ErzieherIn bezeichnet werden.

Da hat einer wohl etwas mißverstanden. In akademischen Kreisen kommt dasselbe auch vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2017 um 05.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35988

Es ist ungefährlich, die besonderen Fähigkeiten von Frauen auf bestimmten Gebieten zu preisen. Zwar ist es ebenso sexistisch, aber niemand muß fürchten, deshalb entlassen zu werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2017 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35924

Ob Männer im Durchschnitt besser programmieren können als Frauen, ist eine empirische Frage. Von der einen oder anderen Hypothese dazu "distanziert" man sich nicht (wie jetzt bei Google), sondern man widerlegt sie.

Von der sexistischen These, daß Frauen leichter Fremdsprachen lernen, hat sich noch niemand "distanziert".
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.08.2017 um 21.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35918

"Bei der EM im eigenen Land krönen sich die Niederlande erstmals zur Fußball-Europameisterin." (NTV, heute)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2017 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35903

Warum eine Broschüre zum Nahostkonflikt für StudierendInnen in Deutschland? (Uni Marburg 2011)

Niemand ist folgsamer, opportunistischer, verführbarer als die Hochschulen und dort wieder die StudierendInnen...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2017 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35828

Unter "Beruf und Chance" berichtet die FAZ über das Studienfach Geschlechterforschung. Ein paar StudentInnen werden interviewt. Sie klagen über viel Gegenwind, scheinen aber sonst zufrieden. Die Genderideologie wird ganz unkritisch ausgebreitet, man glaubt sich einige Jahrzehnte zurückversetzt.
Die Student*innen überwachen einander, damit jede/jeder auch im Gespräch immer hübsch gendert.

Auch die Universalausrede fehlt nicht: Wenn das Gendern sonst nichts verändert, so "sensibilisiert" es doch immerhin, auf Schritt und Tritt. Messen kann man diese Wirkung nicht, sie zeigt sich wieder nur im Gendern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2017 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35791

Die Feministen behaupten, das generische Maskulinum mache das weibliche Geschlecht unsichtbar. Was sagen sie aber zur Bank als Eigentümerin eines Unternehmens? AfD könnte die größte Wahlhelferin der Kanzlerin werden (welt.de 25.7.17) Hier täuscht das grammatische Feminimum das weibliche Geschlecht einer an sich geschlechtslosen Institution vor. Am Ende fordert die Bank noch Mutterschaftsurlaub für ihre "Töchter".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2017 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35782

In einem Beitrag über Demenz gendert ein Leser jede männliche Personenbezeichnung, auch Alzheim*er. Das funktioniert inzwischen rein mechanisch, wie das sogenannte Denken selbst.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2017 um 10.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35742

Was wäre, wenn Geschlecht gar keine Rolle spielen würde, wenn es um die Personen an sich gehen würde? (Lann Hornscheidt, welt.de 18.7.17)

Wir wissen, daß es hier um ein persönliches Problem der Verfasserin geht (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33977), aber darüber hinaus denke ich, daß zur Person für die allermeisten Menschen ihr Geschlecht gehört. Man kann das nicht einmal in Gedanken abtrennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2017 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35730

Ich habe jahrelang beobachtet, daß die Universität das zugewiesene Geld ausgeben mußte, weil es nicht auf das nächste Haushaltsjahr übertragen werden konnte und sonst verloren gewesen wäre. Also hat man irgendwas angeschafft. Gemeinden haben es ähnlich gemacht, daher die vielen Mehrzweckhallen, Schwimmbäder usw. Heute heißt das "Mindestdrehzahl für Investitionen" oder so ähnlich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.07.2017 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35729

Die TV-Dokumentation des Norwegers Harald Eia wäre bestimmt ein spannendes (!) Thema für ein Projekt, und einen deutlichen Gender-Bezug hat sie auch.
(http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gender-debatte-tv-bericht-biologen-widersprechen-gender-theorie/8309672.html)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2017 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35728

In Bayern ist noch Geld aus dem Genderprogramm übrig, und wir werden aufgefordert, uns Projekte auszudenken, damit es ausgegeben werden kann. Sie müssen nur einen deutlichen Gender-Bezug haben...
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 13.07.2017 um 22.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35705

Im Bairischen ebenso: der Bäck, die Bäckin (allerdings nur noch auf dem Land; in den Städten verwenden auch Dialektsprecher diese Form meist nicht mehr).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.07.2017 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35704

Im Erzgebirge sagt man auch der Bäck.
Allerdings der Müll oder der Schneid oder der Lehr u.v.a. würde man nicht verstehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2017 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35703

Die FAZ beschäftigt sich humorvoll mit der geschlechtergerechten Personenbezeichnung und findet, daß z. B. in Bäckerin, auch mit "phallischem" großem Binnen-I, doch immer noch das männliche -er enthalten ist. Warum also nicht Bäck/Bäckin sagen und schreiben?

Dieser Vorschlag ist nur scheinbar kühn. Denn genau so hieß es früher, und der Familienname Beck bezeugt es bis heute. In Franken ist sogar die Bäckerei-Filialkette Der Beck jedermann bekannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2017 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35625

Zur Sicherung rechtsstaatlicher Verfahren in der Zeit der zu erwartenden Proteste rund um den G20-Gipfel in Hamburg am 07. und 08. Juli 2017 haben Rechtsanwält*innen zusammen mit dem Republikanischen Anwältinnen- und Anwälteverein e.V. (RAV) einen anwaltlichen Notdienst eingerichtet. Der Notdienst ist in enger Kooperation mit dem Hamburger Ermittlungsausschuss (EA), der Roten Hilfe e.V. und weiteren Antirepressionsgruppen eingerichtet worden. (https://www.anwaltlicher-notdienst-rav.org/de/startseite)

Der SPIEGEL und andere Medien bieten der Gruppe Gelegenheit zur Selbstdarstellung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.07.2017 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35622

Als im Zuge der Aufklärung die Forscher ihren Blick von Gott abwendeten und begannen, ...
(Seite 7)

Die Abgebende bzw. Vorlegende dieser Arbeit scheint selbst noch einen recht voraufklärerischen Blick zu haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2017 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35620

In der Titelei einer schon erwähnten Hamburger Bachelor-Arbeit heißt es übrigens:

Betreuende Prüfende: Prof. Dr. Sabine Stövesand
Zweite Prüfende: Prof. Dr. Carmen Gransee


opus.haw-hamburg.de/volltexte/2010/1120/pdf/WS.Soz.BA.10.1271.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.06.2017 um 17.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35526

Der SPIEGEL hat daran erinnert, daß ausgerechnet der Deutsche Germanistenverband seine Mitglieder als Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder anredete.

Er gehört eben nicht nur bei der Rechtschreibreform zu den verdienten Mitläufer-Verbänden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.06.2017 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35497

Gestern hörte ich ein Interview mit der Vorsitzenden des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. Sie hatte das Gendern unfehlbar verinnerlicht, versäumte niemals die Doppelform. Das kann man bei vielen Funktionären und Politikern beobachten, und es ist gewisser Weise bewundernswert, weil ja die Spontansprache der weniger gebundenen Menschen es anders macht. Lehrer sind allerdings besonders gelehrig; ein Wink der Obrigkeit genügt, auch bei Professoren.

Gestern fand ich auf der Website unserer Universität:

Das Forum für Integration und interkulturellen Dialog „FAU INTEGRA“ versteht sich als zentrale Vernetzungsstelle für alle Aktivitäten der FAU in Bezug auf Geflüchtete. Initiiert wurde die Koordinationsstelle aus Mitteln des interdisziplinären Masterstudiengangs „Ethik der Textkulturen“.
FAU INTEGRA verbindet das Programm „Studienorientierung für Geflüchtete“ mit einer wissenschaftlichen Begleitung des Integrationsprozesses und der Kommunikation der Universität mit der städtischen Öffentlichkeit.

 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.06.2017 um 21.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35376

»Er blieb sechzehn Jahre lang Regierungschef, länger als jeder vor ihm und bisher jede nach ihm.« (Berthold Kohler über Kohl, SchröderIn und MerkelIn)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2017 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35331

Die geplante Einschränkung der Meinungsfreiheit wäre eine gute Gelegenheit, die geschlechtergerechte Sprache auch im privaten Bereich verbindlich vorzuschreiben. Zwar profitiert die Politische Korrektheit auch bisher schon vom vorauseilenden Gehorsam, aber in den Medien herrscht noch weitgehend das herkömmliche Deutsch mit seiner Frauendiskriminierung.
Wenn man ruinöse Geldstrafen vermeiden will, wird man nicht um Vorzensur herumkommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2017 um 12.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35248

An unserer Universität gibt es ein "Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung". Die Lehrerinnen und Lehrer werden dort bestimmt nicht über die Regeln der deutschen Wortbildung aufgeklärt. Wäre lehrer- eine maskuline Form und nicht der Stamm des Nomen agentis, müßten sich die Lehrerinnen eigentlich dagegen wehren, als Anhängsel des Mannes bezeichnet zu werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2017 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35213

„Die Wissenschaft stellt für den Mann, für die Frau auf der Straße oft etwas zutiefst Beunruhigendes dar, einfach weil Wissenschaftler alles in Frage stellen“, erklärt der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz. (dpa 21.4.17)

Schön, daß der Mann auch an die "Frau auf der Straße" denkt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.05.2017 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35160

Neuesten Forschungen zufolge ist der Penis am Klimawandel schuld:
http://www.skeptic.com/reading_room/conceptual-penis-social-contruct-sokal-style-hoax-on-gender-studies/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2017 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35158

Das Gendern wird bis in Lexikonartikel hinein getrieben, obwohl das Geschlecht dort besonders irrelevant ist:

Allerdings betrachten viele Syntaxtheoretiker/innen semantische Rollen als problematisch, da bislang keine vollständige und allgemeingültige Liste solcher Rollen gefunden wurde. (https://de.wikipedia.org/wiki/Subkategorisierungsrahmen)

In dieser Mechanisierung könnte auch der Schlüssel zur Überwindung der Marotte liegen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.05.2017 um 23.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35142

"auf dem Kapitol" – nein, diese Schweizer aber auch, klingt, als würden die Russen nach Rom schauen. Oder fast so sonderbar wie "auf Schalke".
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 19.05.2017 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35140

Zu #35138: Jede auffahrend lachende Dritte würde aber die erregte Arbeit auch daran sicher ohne weiteres Bedenken auf sich nehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.05.2017 um 10.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35138

Als lachender Dritter beobachtet die russische Regierung das Treiben auf dem Kapitol. (NZZ 19.5.17)

Aus diesem Bereich ist das generische Maskulinum nur schwer zu vertreiben.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 29.04.2017 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34970

"In manchen Gegenden Österreichs wird Knoblauch auch als „Vanille des armen Mannes" bzw. "der armen Frau“ bezeichnet. Der dort bekannte „Vanillerostbraten“ wird daher nicht mit Vanille, sondern mit Knoblauch gewürzt." (https://de.wikipedia.org/wiki/Knoblauch#K.C3.BCche)

Tu, felix austria ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2017 um 08.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34966

Wilhelm Havers erwähnt einmal „die wunderbar ausdrucksvolle Melodie der Kindersprache“. Auch Frauen intonieren melodischer als Männer. Letzteren wird es abgewöhnt. Es ist cool, entweder lapidar (= wie in Stein gehauen) oder beiläufig zu reden. Beides ist einer ausdrucksvollen Modulation nicht zuträglich. Man könnte das auch so deuten, daß der "Beziehungsaspekt" zurückgenommen wird. Sachlichkeit bis hin zur Fachsprache kann natürlich auch zur Pose werden, Kompetenz vorspiegeln. Aber vielleicht zieht gerade das die Frauen an?
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 21.04.2017 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34937

> keine Unterrepräsentanz ... _mehr_ vorliegt.

Das impliziert, daß es eine solche gegeben hat, womöglich noch vor einem Kurzen. Und dieser Misssstand wurde durch den jahrelangen, mutigen und selbstlosen Einsatz des Büros für LSBTTI*, Frauen, Karneval und Umwelt endlich beseitigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2017 um 13.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34929

Von der Erlanger Universität:

Förderung besonders begabter Nachwuchswissenschaftlerinnen der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie
Negativliste: Fächer, die auf Promotionsebene nicht förderfähig sind, da ab einem Frauenanteil von 50% keine Unterrepräsentanz von Wissenschaftlerinnen mehr vorliegt.
(Die angegebenen Frauenanteile resultieren aus der Erhebung der abgeschlossenen Promotionen im Zeitraum von 2011-2015 für die Fächer der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie)

Klassische Archäologie (50%)
Islamwissenschaften (67%)
Semitische Philologie (100%)
Romanistik (83%)
Amerikanistik und Anglistik (54%)
Psychologie (81%)
Pädagogik (50%)
Grundschulpädagogik und -didaktik (100%)
Religionspädagogik und Didaktik des Evangelischen Religionsunterrichts (100%)
Didaktik des Deutschen als Zweitsprache (67%)
Didaktik der Chemie (100%)
Didaktik der deutschen Sprache und Literatur (67%)
Kunstpädagogik (100%)
Soziologie (57%)
Medienwissenschaft (50%)
Buchwissenschaften (60%)
Kunstgeschichte (89%)

-

Seltsamerweise scheint das Büro für Gender und Diversity aus den Zahlen keine Forderung abzuleiten, Männer zu fördern, bis ein gleicher Anteil der Geschlechter erreicht ist.

Die früher zitierte Förderung "gendersensibler" Forschung (nicht bloß Stellenverteilung!) bedeutet auch einen Abschied vom alten Ideal der Wissenschaft, die nur der Wahrheit verpflichtet sein sollte. Man bekennt sich ganz offen zu grundgesetzwidrigem Verhalten, wodurch es freilich nicht legaler wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2017 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34928

Zentralratsvorsitzender Ayman Mazyek sagte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Frau Petry hatte in dieser Partei nie die Hosen an.“ (NOZ 20.4.17)

Was ist denn das für eine Metapher? Der Islam ist wirklich nicht integrierbar!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2017 um 07.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34860

„Die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie finanzieren aus eigenen Mitteln im kommenden Wintersemester drei Lehraufträge mit thematischem Gender-Bezug, um hiermit einen Beitrag zur Schaffung einer geschlechtersensiblen Lehre zu leisten.“
(Rundmail der Erlanger Universität)

Es ist nicht zu erwarten, daß jemand gegen diese Ideologisierung protestiert, auch wenn die Mittel anderswo fehlen. Man beachte auch die verkorkste Grammatik, die allerdings nicht aus der Gender-Ideologie stammt, sondern aus der unsinnigen Zusammenlegung zweier unvereinbarer Fakultäten. (Im Ausschreibungstext heißt es dann: „Die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie finanziert aus eigenen Mitteln  jeweils zwei Lehraufträge sowie einen Anschub für zwei Drittmittel-Forschungsprojekte pro Jahr, um hiermit einen Beitrag zur Schaffung einer geschlechtersensiblen Forschung und Lehre zu leisten.“)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.04.2017 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34851

Der Indogermanist Klaus Strunk setzt Sprachen mit einem einzigen Genus an (Englisch, Altarmenisch), aber das geht logischerweise nicht. Die Kategorie Genus ist dann eben nicht anwendbar. Typischerweise führt er Sprachen an, die das Genus verloren haben, nicht solche, die es nie hatten wie das Chinesische und wo man gar nicht auf den Gedanken käme, es ihnen zuzuschreiben. (Vgl. Klaus Strunk: „Grammatisches und natürliches Geschlecht in sprachwissenschaftlicher Sicht“. In: Venanz Schubert, Hg.: Frau und Mann. St. Ottilien 1994:141-164.)

Man liest auch sonst oft von Sprachen, die "nur ein Genus" haben: „Das Englische besitzt nur ein Genus, das Romanische zwei.“ (http://othes.univie.ac.at/8481/1/2010-01-31_0302276.pdf)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.04.2017 um 23.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34825

Mann über Bord!

So der Schreckensruf beim "Tod einer Kadettin" (Filmtitel), des "Matrosen Borchert", einer jungen Frau, die 2008 auf der Gorch Fock vermißt und Tage später tot aus dem Meer geborgen wurde. Gegendert wird in diesem Film nur selten, nur bei dem Wort Kadettin.

Im TV Morgen (Programmbeilage des MM) heißt es zu dem heute im Ersten gelaufenen Film: "Eines Nachts geht sie während ihrer Schicht über Board." [sic] und "Die Dokumentation erzählt von dem Schicksal der jungen Kadettin Jenny Böken und ihrer Familie, die aus ungeklärten Gründen ertrank." Gar so schlimm war es nun doch nicht, nicht die ganze Familie ist damals ertrunken.

Der Spielfilm und die anschließende Dokumentation waren bedrückend, sehr offen, stimmten sehr nachdenklich, machten auf mich nicht den Eindruck, daß etwas vertuscht werden sollte. Letztlich bleibt ungeklärt, wohl für immer, ob es sich um Mord, Selbstmord oder ein selbst- oder fremdverschuldetes Unglück handelte.

Aber eins hat der Film meiner Meinung nach, zwar kaum mit Absicht, aber trotzdem sehr deutlich, gezeigt: Es ist einfach ein Unding, ich finde, geradezu ein Verbrechen, Frauen die Teilnahme an militärischen Diensten (ausgenommen Innendienste) zu gestatten.

So, wie man vielleicht manchmal auch noch in modernen Gesellschaften Männer per Gesetz in ihrem Hochmut bremsen muß, so muß man halt auch Frauen gesetzlich vor ihrem eigenen Übermut schützen. Es gibt nun einmal objektive, biologisch bedingte Unterschiede und Grenzen. Wirkliche Gleichberechtigung gibt es nur, wenn man das anerkennt und beachtet, aber nicht durch sprachlichen Genderquatsch und Frauenquoten.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.03.2017 um 22.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34740

Welche Version ist besser?

[1] Vor mir sehe ich sie, die Bürgerinnen und Bürger, die sich den neuen Entwicklungen in Gegenwart und Zukunft wirklich stellen und den Vereinfacherinnen und Vereinfachern und den Verführerinnen und Verführern mit der Kraft der Vernunft begegnen. Sie widerstehen dem traditionellen politischen Extremismus, verschließen aber auch die Augen nicht vor neuem Populismus und auch nicht vor der Demokratieferne, dem Nationalismus oder Islamismus unter Teilen unserer Einwanderinnen und Einwanderer. Sie unterstützen den Dialog mit unseren engeren und weiteren Nachbarinnen und Nachbarn, wollen aber auch nicht hilflos werden gegen Destabilisierungsversuche von außen, egal ob sie durch offene Provokationen oder anonyme Cyberattacken erfolgen. Demokratinnen und Demokraten wissen: Freiheit ist notfalls auch dadurch zu verteidigen, dass sie für die Feindinnen und Feinde der Freiheit begrenzt wird.

[2] Vor mir sehe ich sie, die Bürger, die sich den neuen Entwicklungen in Gegenwart und Zukunft wirklich stellen und den Vereinfachern und Verführern mit der Kraft der Vernunft begegnen. Sie widerstehen dem traditionellen politischen Extremismus, verschließen aber auch die Augen nicht vor neuem Populismus und auch nicht vor der Demokratieferne, dem Nationalismus oder Islamismus unter Teilen unserer Einwanderer. Sie unterstützen den Dialog mit unseren engeren und weiteren Nachbarn, wollen aber auch nicht hilflos werden gegen Destabilisierungsversuche von außen, egal ob sie durch offene Provokationen oder anonyme Cyberattacken erfolgen. Demokraten wissen: Freiheit ist notfalls auch dadurch zu verteidigen, dass sie für die Feinde der Freiheit begrenzt wird.

(https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Bulletin/2017/03/31-3-bpr-gauck-eidesleistung.html)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.03.2017 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34731

gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Formen:

Wieder werden Äpfel und Birnen verglichen.
Die "weibliche Form" (auf -in) bezieht sich aufs natürliche Geschlecht, die "männliche Form" jedoch zunächst nur aufs grammatische Geschlecht, welches neutral gegenüber dem natürlichen ist. Erst durch die mutwillige Umdeutung der "PC"-Anhänger wird diese "männliche Form" auch aufs natürliche Geschlecht bezogen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2017 um 04.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34730

Tausendmal so oder ähnlich zu lesen:

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Formen verzichtet, sämtliche Formen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht. (Konrad Adenauer Stiftung)

Für eine bessere Lesbarkeit kann es sein, dass nur eine Geschlechtsform verwendet wird, obwohl alle Geschlechter gemeint sind. (https://www.ausbildung.de/berufe/logopaede/gehalt/)

Man gesteht also ohne weiteres zu:

1. Das generische Maskulinum funktioniert nach wie vor.
2. Es ist besser lesbar.

Meliora probant, deteriora sequuntur. (Anderswo schon zitiert, bleibt aber ewig wahr und erklärt die Hälfte des Weltgeschehens.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.03.2017 um 11.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34723

Der Rassenproporz ist in den USA ja auch älter als die Frauenquote. Er spielte bloß hierzulande aus naheliegenden Gründen keine größere Rolle, von den drei Königen einmal abgesehen, wo er jetzt aber abgeschafft werden soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 08.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34716

Mainstreaming nur für Gender ist inkonsequent. Proporz muß allumfassend sein. Jeder, der A sagt, kann dafür kritisiert werden, nicht auch B gessagt zu haben. Das wird auch weitgehend beherzigt. Werbung für Kinderkleidung zeigt zwei weiße und ein schwarzes Baby, vielleicht noch eins der sinotibetischen Rasse (obwohl es "Rassen" ja gar nicht gibt). Das funktioniert auch ohne verordnete "Charta der Vielfalt". Der Staat kann gar nicht so schnell und wirksam regulieren, wie es Wirtschaft und akademische Welt aus freien Stücken tun.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 17.03.2017 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34714

Ich habe mich als Liberaler seit langem darüber aufgeregt, daß Konservative den Leuten vorschreiben wollten, wie sie zu leben haben. Die Hysterie, die die politische Linke in bezug auf die Sexualität offenbart, ist aber ebenso erschreckend.

Warum können diese Ideologen nicht akzeptieren, daß Liebe und Sexualität Privatsache sind und keiner staatlichen Förderung bedürfen? Natürlich darf es daneben auch keine staatliche Diskriminierung geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34713

Schade auch, dass es keinen lesbischen Moment gibt. Während der Fluch des Schlosses im Film aufgehoben wird, Tassen und andere sprechende Gegenstände sich zu Menschen zurückverwandeln, wird sich geküsst. Da hätte es genug Gelegenheit auch für homosexuelle Küsse gegeben. Der Kinderfilm hat das Potenzial, jungen Menschen sanft und unaufgeregt verschiedene Lebensweisen und Identitätskonzepte zu vermitteln, ohne diese zu problematisieren. Das hat Disney bisher leider versäumt. (FREITAG 17.3.17 über „Die Schöne und das Biest“)

Kein Kinderfilm, ohne daß sich gefragt wird, ob die volle Breite der sexuellen Orientierungen berücksichtigt ist! "Gelegenheiten" gibt es genug.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2017 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34684

Wenn man eine feministische "Magistra Artia", zum Beispiel diese: http://www.gender.lu.se/irina-schmitt, auf die Monstrosität ihrer lateinischen Grammatik hinwiese, würde sie vielleicht sagen, das sei Absicht und solle uns auf die Benachteiligung der Frauen aufmerksam machen. Sie könnte Pusch zitieren: "Die hier vorgeschlagene Umstrukturierung tut dem Sprachsy­stem nicht mehr Gewalt an, als dieses System uns Frauen antut."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2017 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34682

Der „Stern“ erfindet einen Skandal: Ein Politologe wird vor laufender Kamera von seinen Kindern gestört, schiebt sie beiseite und spricht weiter. Frage: Wo ist der Skandal? Der besteht darin, daß der Professor, wäre er eine Frau, einen Shitstorm ausgelöst hätte. „Wie gesagt, nichts gegen Professor Kelly. Nur mal laut gedacht. Weil ja gerade erst Internationaler Frauentag war.“ (http://www.stern.de/familie/kinder/kinder-stoeren-bbc-interview–waere-professor-kelly-eine-frau–haette-es-einen-shitstorm-gegeben-7363678.html?google_editors_picks=true)
So steckt die Welt voller unentdeckter Skandale. Zum Beispiel: Wäre die Redakteurin ein Mann, hätte sie/er diesen Artikel gar nicht erst geschrieben. Wenn das kein Skandal ist!
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 03.03.2017 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34631

>Personenbezeichnungen auf -ling gelten als "abwertend".

Als nächstes wird der Zwilling abgeschafft. Ersatz gibt es schon: den Twinn (vom DUDEN empfohlene Schreibweise: mit Doppel-Enn).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.03.2017 um 08.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34629

So oder so steckt dahinter das krampfhafte Bemühen, ja niemandem zu nahe zu treten. Außer dem armen Leser, versteht sich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2017 um 03.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34627

Mir war dieser Text auch aufgefallen, ich führe die verkrampfte Sprache aber auf eine andere Doktrin als das Gendern zurück: Personenbezeichnungen auf -ling gelten als "abwertend". Muster war Lehrling (daher dann der Azubi).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 02.03.2017 um 21.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34626

»Polizeischüsse auf ghanaischen Geflüchteten«

(http://www.spiegel.de/panorama/justiz/hamburg-polizei-schiesst-auf-ghanaischen-gefluechteten-die-hintergruende-a-1136453.html)

Auf der Flucht angeschossen sozusagen. Im Singular ist mit dem »Geflüchteten« PC-mäßig nichts gewonnen, aber das fällt dem Autor gar nicht auf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2017 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34575

Der US-Präsident hat eine Regelung seines Vorgängers zur Nutzung von Toiletten in Schulen rückgängig gemacht. (Zeit online 23.2.17) (Transsexuelle sollen sich nicht mehr aussuchen dürfen, welche Toiletten sie benutzen.)

Schönes Beispiel für Trumps Tatkraft. Hat die schlappe Merkel sich je um die Klos der Nation gekümmert?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2017 um 18.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34512

Nach wie vor sind viele Abgeordnete nicht glücklich damit, dass es CDU/CSU nicht gelungen war, einen eigenen Kandidaten beziehungsweise eine Kandidatin ins Rennen zu schicken. (SZ 12.2.17)

Ich weiß, um welche geheimnisvolle "Beziehung" es sich handelt. Soll ich es verraten? Es ist das Geschlecht!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2017 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34353

Die Referenten aus der FAU führen das Gespräch miteinander und mit den Zuhörenden. (Vortragseinladung der Universität)

Aber solange sie zuhören, können sie doch nicht sprechen? Für Zuhörer wäre es kein Problem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2017 um 11.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34352

Die schon zitierte Vorbemerkung der BA-Prüfungsordnung (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=577) ist auch der Habilitationsordnung der Universität Erlangen vorangestellt:

Vorbemerkung zum Sprachgebrauch:
Die Bezeichnung weiblicher und männlicher Personen durch die jeweils maskuline Form in der nachstehenden Satzung bringt den Auftrag der Hochschule, im Rahmen ihrer Aufgaben die verfassungsrechtlich gebotene Gleichstellung von Mann und Frau zu verwirklichen und die für Frauen bestehenden Nachteile zu beseitigen, sprachlich nicht angemessen zum Ausdruck. Auf die Verwendung von Doppelformen oder andere Kennzeichnungen für weibliche und männliche Personen (z. B. Bewerberin/Bewerber) wird jedoch verzichtet, um die Lesbarkeit und Übersichtlichkeit zu wahren. Mit allen im Text verwendeten Personenbezeichnungen sind stets beide Geschlechter gemeint.


Es hat etwas Devotes, besonders weil es von Wissenschaftlern verbreitet wird. Weder Verstand noch Rückgrat, es ist zum Fremdschämen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2017 um 06.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34333

Das BBB-Merkblatt zur sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22899) ist zwar überall verlinkt, besonders an den Universitäten, aber über das Bundesverwaltungsamt selbst scheint es nicht mehr erreichbar zu sein.

Ich finde den Text besonders aufschlußreich, weil es sprachphilosophische und linguistische Fragen, über die man sich in der Wissenschaft den Kopf zerbricht, muftihaft für längst beantwortet erklärt. Das ist typisch für den Erfolg der Lobbyarbeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2017 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34322

Das mühsam erzeugte private und privatwirtschaftliche Engagement für die historischen Stadt- und Ortskerne sowie das hohe Maß bürger/innenschaftlicher Identifikation mit ihnen würden versiegen. (Prof. Bajohr, Uni Düsseldorf)

Bürger*innenschaftliches Engagement (Die Linke Berlin)

Im oftmals sehr persönlichen und freund*innenschaftlichen Verhältnis, werden Kritik und Beschwerden erschwert. (Jusos Berlin)

Der Irrtum, den Derivationsstamm für maskulin zu halten, eint die Linken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2017 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34315

Wie Ministerin Schwesig immer betont, soll das Lohngleichstellungsgesetz mehr Gerechtigkeit "für Frauen und Männer" schaffen. Dann wird sich kein Mann mehr darüber beschweren, daß er mehr verdient als seine Kollegin.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 31.12.2016 um 09.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34196

Die beim Bier in Bayern üblichen Ausschankmengen sind weiblich: die Halbe, die Maß.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 31.12.2016 um 09.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34195

Nicht zu vergessen die Schorle!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2016 um 07.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34189

Die Genuszuweisung ist schwach semantisch motiviert, und kein neuerer Linguist läßt sich die Bemerkung entgehen, daß alkoholische Getränke maskulin sind (paßt zu uns Kerlen). Dummerweise ist das alkoholische Getränk schlechthin neutrum: das Bier, und das nichtalkoholische Getränk schlechthin (für die weibliche Begleitung) maskulin: der Saft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2016 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34167

Vor allem die neuen Verfahren der Hirnforschung zur funktionellen Bildgebung zeigen in aller Deutlichkeit, dass jede Form subjektiven Erlebens im Gehirn seine objektive, das heißt, physiologische Entsprechung hat. (Politische Studien 385/2002)

Hier sieht man noch einmal sehr schön, wie zwei dazwischentretende Nichtfeminina die Genusrektion durcheinanderbringen.

(Im selben Heft des CSU-Blattes schimpft ein Politologe auf die Regierung Schröder wegen ihrer Zurückhaltung im Irakkrieg – aus heutiger Sicht lesenswert. Reinhard C. Meier-Walser: Editorial: „Deutschland – Allein zu Haus“ – Rot-Grün hat die transatlantischen Beziehungen beschädigt und Berlin international isoliert.)
(www.hss.de/uploads/tx_ddceventsbrowser/politische_studien_385.pdf)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2016 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34141

Eine österreichische Feministin schreibt:

„Die Feministische Linguistik hat gezeigt, dass die Verwendung des generischen Maskulinums im Deutschen dazu führt, dass Frauen durch die Sprache vergessen oder absichtlich ausgeschlossen werden. Dies ist noch immer in allen Bereichen des öffentlichen Diskurses erkennbar und, trotz aller Bemühungen, auch in allen Bereichen der Wissenschaft. So würde man erwarten, dass in dem vermutlich generisch gemeinten Titel Die wichtigsten Philosophen (Grabner-Haider 2006) durchaus auch Philosophinnen Platz hätten. Dem ist jedoch nicht so, die Philosophinnen wurden für dieses Überblickswerk also entweder als nicht wichtig genug erachtet oder schlichtweg vergessen.“

Gibt es Philosophinnen? Mir fällt gerade keine ein. Das ist übrigens kein Makel, wie ich nach meinen Bemerkungen über Philosophie nicht noch einmal zu erklären brauche. Über die Rechtschreibreform diskutieren ja, wie man sieht, auch nur Männer. Das alles liegt aber nicht am generischen Maskulinum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2016 um 06.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34050

In der FAZ vom 8.12.16 zeigt die Juristin Judith Froese, daß die Leichte Sprache sich nicht mit dem Gendern vereinbaren läßt. Sie führt auch das „Handbuch der Rechtsförmlichkeit“ an. Knapp und klar. (http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/gendergerechtigkeit-exklusion-durch-inklusion-14563961.html)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2016 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33977

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30044

Wenn Sie mit Lann Hornscheidt Kontakt aufnehmen wollen, verwenden Sie bitte respektvolle Anreden, die nicht Zweigeschlechtlichkeit aufrufen. Bitte vermeiden Sie zweigendernde Ansprachen wie "Herr ___", "Frau ___", "Lieber ___", oder "Liebe ___". Es gibt nicht die eine richtige und gute Anrede, sondern es bedarf respektvoller neuer Anredeformen – ich freue mich auf Ihre kreativen anti-diskriminierenden Ideen.

Falls Sie nicht kommunizieren, sondern nur Ihre Irritation zurückwerfen wollen, statt sie als Impuls für sich zu benutzen über eigene Normen und Weltbilder nachzudenken, dann schicken Sie dies bitte an folgende Mail-Adresse: hatemail.an.hornscheidt@gmail.com

Oder – Sie nehmen sich die Zeit, um was Nettes und Respektvolles stattdessen an eine Person Ihrer Wahl zu schreiben – und schauen mal, wie sich eine solche Handlung anfühlen würde.

Lann Hornscheidt gibt keine Lehrveranstaltungen mehr an der Humboldt-Universität.

(https://www.gender.hu-berlin.de/de/zentrum/personen/ma/1682130)

Im „curriculum vitae“ (http://www.lannhornscheidt.com/home/curriculum-vitae/) kann man den "wandernden Unterstrich" besichtigen. Mir ist nicht klar, wie man Professor an der HU sein kann, ohne seinen Lehrverpflichtungen nachzukommen. Erstaunlich auch, was für Auslassungen die HU auf ihrer Website duldet (s. o.).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.11.2016 um 07.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33879

Auf Ö1 kommt heute wieder »Intrada«, eine Sendung, in der österreichische Musiker vorgestellt werden. Untertitel: »Österreichs Musizierende im Porträt«. In Sachen PC sind und bleiben die Öschis Spitzenreitende.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 05.11.2016 um 22.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33774

Aber da im faz.net rauh mit h und sogenannt ein Wort, also nach etwas eigener Art:

Politisch korrekt oder unsäglich? Sogenanntes Gender-Deutsch treibt Befürworter und Gegner auf die Barrikaden. Der Ton an den Unis wird rauher.
 
 

Kommentar von Serjosha Heudtlaß, verfaßt am 05.11.2016 um 21.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33773

Die FAZ bringt einen (recht oberflächlichen) Artikel zum „Gender-Deutsch“:
http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/gender-deutsch-an-unis-professx-trifft-student-innen-14511321.html?printPagedArticle=true

Darin findet sich auch die folgende Passage:
„Die Münchner Frauenbeauftragte Margit Weber setzt jedoch darauf, dass sich die Menschen an die neuen Begriffe gewöhnen, wie sie auch die Rechtschreibreform akzeptiert hätten.“

Es sollen also wohl wieder die bewährten antidemokratischen Methoden zum Einsatz kommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2016 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33722

Die "Tagespost" vergleicht das Gender mainstreaming mit der Rechtschreibreform:

Dabei ist die Willfährigkeit der Kultusminister deprimierend und empörend zugleich. Anscheinend fürchten sie nichts so sehr wie den Vorwurf der Unzeitgemäßheit. Wir erleben die gleiche Tragödie wie vor zwanzig Jahren mit der Einführung der „Rechtschreibreform“: Ein Grüppchen von „Experten“ kann einem ganzen Volk seinen Willen aufzwingen, weil es zuständigen Ministern an Widerstandskraft fehlt(e). „Totalschaden für die Orthographie“, war ein Artikel in der FAZ zum 20. Jahrestag der Einführung der „Rechtschreibreform“ überschrieben. Sie habe „die Anzahl der Fehler vervielfältigt, was zu bleibenden Defiziten führt“, hieß es darin. Die einzige Lösung aus der Misere bestehe „in einer Rückkehr zur Schreibung von 1996. Das allerdings wird ganz gewiss nicht geschehen, denn dann müssten die Kultusminister, die fahrlässig und ahnungslos eine Rechtschreibreform beschlossen, öffentlich ihren Fehler rückgängig machen“ (Heike Schmoll).
Die Hauptursache für solche fatalen Fehlentscheidungen ist mangelnde Sachkenntnis, die durch Hinzuziehung von Experten ausgeglichen werden muss. Deshalb entscheidet sich alles an der Frage, nach welchen Kriterien die ratgebenden und damit auch mitentscheidenden Experten ausgewählt werden. Hier lassen es deutsche Kultusminister wie bei der Rechtschreibreform, so auch jetzt bei der Entscheidung über den Inhalt des Sexualkundeunterrichts an Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein fehlen. Nur so ist es zu erklären, dass es immer wieder Außenseiter sind, die den größten Einfluss gewinnen.

 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.10.2016 um 00.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33602

Müßte man nach Eisenberg nicht eigentlich jn. aufmerksammachen schreiben ...?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2016 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33601

Rundmail der Universität

Vergabe von Gender-Lehraufträgen und Forschungsanschüben

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich möchte Sie auf die finanzielle Förderung von Gender-Lehraufträgen und Drittmittel- Forschungsprojekten mit thematischem Gender-Bezug aufmerksam machen.
Die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie finanzieren aus eigenen Mitteln (5.000 Euro pro Jahr) jeweils zwei Lehraufträge sowie einen Anschub für zwei Forschungsprojekte pro Jahr, um hiermit einen Beitrag zur Schaffung einer geschlechtersensiblen Forschung und Lehre zu leisten.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2016 um 06.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33556

Bei Facebook kann man zwischen 50 bzw. (für GB) 71 Gender-Kategorien wählen: http://www.telegraph.co.uk/technology/facebook/10930654/Facebooks-71-gender-options-come-to-UK-users.html
In Deutschland zwischen etwa 60. Matthias Heine sagt mit Recht, das werde nicht reichen, und berichtet, daß Hirschfeld 43.046.721 sexuelle "Zwischenstufen" errechnet habe.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.10.2016 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33531

In der Südd. Zeitg. vom 13.10.16 steht im Feuilleton ein interessanter Artikel über "Die Feminisierung des Polnischen". Ich halte ihn deswegen für bemerkenswert, weil dieser Vorgang der erste mir bekannte in der slawischen Sprachfamilie ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2016 um 06.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33505

Bei Bodo Kirchhoff stoße ich zum erstenmal auf Frisösinnen – warum nicht, es gibt ja auch die hier schon erwähnten Diakonissinnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2016 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33493

Es wäre ein Treppenwitz, wenn Trump wegen einer lange zurückliegenden frauenverachtenden Äußerung zu Fall käme und nicht wegen seines gegenwärtigen Seins und Wesens. Er war ja immer derselbe, Überraschendes kommt nicht zutage. Seine Anhänger haben ihn so weit kommen lassen und tun nun so fassungslos, wie sie über sich selber sein müßten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2016 um 19.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33460

Zu Reff gibt der Duden als typische Verwendung "er ist ein langes Reff". In Wirklichkeit ist "altes Reff" häufiger und typischerweise auf Frauen bezogen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2016 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33437

Zwischen Genus und Flexionsklasse gibt es eine lockere Beziehung, durchkreuzt vom natürlichen Geschlecht zum Beispiel.
Ich wollte nicht wörtlich zitieren, sondern frühere Erörterungen wiederaufgreifen, die der Ansicht galten, sowohl Adjektive als auch Substantive hätten Genus (oder das "Merkmal" Genus), nur einmal offen, einmal "inhärent", verdeckt, "covert" (was für ein Wort!).
Anders gesagt: "hortus ist maskulin" bedeutet etwas ganz anderes als "amoenus ist maskulin". S. auch hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1448#32705
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.10.2016 um 20.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33436

In dem Zitat wird nicht behauptet, daß das Adjektiv ein Genus habe. Was soll man allerdings von einer »overten Markierung« halten, die unzuverlässig ist? Es gibt ja auch lateinische Substantive, die auf a enden und trotzdem Maskulina sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2016 um 18.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33435

Noch ein Beispiel für die Fehldeutung von "Genus":

"Im Lateinischen ist am Nomen puell-a, 'Mädchen', durch die Endung -a overt das Merkmal Genus (nämlich Femininum) markiert. Das ist auch innerhalb einer einzigen Sprache nicht immer durchgehend der Fall: puer, 'Junge' trägt keine overte Markierung für das Genus Maskulinum. Dennoch ist, z.B. durch Hinzutreten eines Adjektivs klar, dass es sich um ein Maskulinum handelt: puer stult-us. Hier ist das Merkmal Genus also nicht overt realisiert, sondern dem Nomen inhärent oder covert."
(https://de.wikipedia.org/wiki/Overte_Markierung)

Beim genusflektierten Adjektiv bedeutet "Genus haben" etwas ganz anderes als bei nicht genusflektierten Substantiv. Hier ist es keine gehemnisvolle verdeckte Eigenschaft, sondern die schlichte Rektion (wie der Kasus beim Verb).
 
 

Kommentar von Thedor Ickler, verfaßt am 01.10.2016 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33429

So sei sie als "Küsten-Barbie" betitelt worden und Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) habe über sie gesagt, sie solle nicht so weinerlich sein. Das sei "nichts Weltbewegendes, aber damit fängt es an", sagte Schwesig. (focus.de 1.10.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2016 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33385

Das soll allerdings Satire sein, auch wenn sie schon einen mächtigen Bart hat.

Unter nordbayern.de lese ich gerade:

Geburtstag mit Gabriel: SPD Nürnberg feiert seinen 150. Ehrentag
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 26.09.2016 um 20.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33384

Antrag [der Ratsfraktion der Linken in Flensburg]:

Ab sofort werden Arbeitsgeräte/-mittel aus allen Arbeitsbereichen der Stadt Flensburg genderneutral bezeichnet. Dies gilt insbesondere für grammatisch mit maskulinem Artikel („der“) bezeichnete Arbeitsgeräte/-mittel:

• Bezeichnungen, die Berufsbezeichnungen nachgebildet sind: der/die ScannerIn, der/die ComputerIn, der/die BleistiftanspitzerIn, der/die KopiererIn, der/die StaubsaugerIn usw.
• weitere Bezeichnungen sollten bestehenden Doppelformen kreativ nachgebildet werden: der/die Papierkorb/-körbin, der/die Briefkopf/-köpfin, der/die AbfalleimerIn usw.
[Warum nicht PapierkörbIn und BriefköpfIn?]

Ausgenommen davon sind Nomen,..

• die mit einem Nominalisierungssuffix (-keit, -heit, -ung usw., insbesondere wenn sie dabei den femininen Artikel „die“ tragen) gebildet werden, z.B. die Sitzung, die Tagesordnung usw.
• die grammatisch einen neutralen Artikel („das“) tragen: das Papier, das Dokument usw.
• die einen Ort bezeichnen (der Flur, die Kantine, die X. Etage, der Wartebereich usw.)

https://ratsinfo.flensburg.de/sdnetrim/Lh0LgvGcu9To9Sm0Nl.HayIYu8Tq8Sj1Kg1HauCWqBZo5Ok4KfyIfuCWt8Ur4Ri2Pe-Hd.CYt8Wm5Sm4LeyGavEZs9Tn8Sr1Ni1MbyIar9Ur8Si3RgzGhuHcGJ/Beschlussvorlage_LINKE_RV-109-2016_1.–Ergaenzung.pdf
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 15.09.2016 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33314

"Der Haferflock":
Manchmal ist es aber auch nicht eindeutig: der Zeh ~ die Zehe
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2016 um 17.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33313

Mira Kadric, Klaus Kaindl, Hg.: Berufsziel Übersetzen und Dolmetschen Grundlagen, Ausbildung, Arbeitsfelder. UTB 2016

(Ein Produkt aus Österreich; alle Beiträge mit Binnen-I durchgegendert, deshalb von der Übersetzerzeitschrift MDÜ ausführlich gelobt; die Rezensentin ärgert sich über vereinzelte generische Maskulina und bedauert, daß das Buch nicht wie ein früheres derselben Autoren ganz im generischen Femininum gehalten ist.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2016 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33305

Die "Rüde" Morgensterns ist ein Sprachscherz wie der "männliche Briefmark" bei Ringelnatz. Als unsere Jüngste noch sehr klein war, stocherte sie mit dem Löffel in ihrem Hafermüsli und sagte dann ganz ernst mit vorwurfsvollem Blick: "Da fehlt ein Haferflock!" Der Genuswechsel gehörte sicher nicht zu ihrem Scherz, sondern Haferflocken wird praktisch nur im Plural gebraucht, so daß der korrekte Singular für ein Kind gar nicht leicht zu bilden ist. Zur Erklärung vgl. Anna Wierzbicka über "Oats and wheat".
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.08.2016 um 19.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33102

Wenn die Konzernsprache seit »Langem« Englisch ist, kann von sprachlicher Vielfalt bei Siemens jedenfalls keine Rede sein.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.08.2016 um 19.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33101

"Diversity" kann auch Signalübertragung gleichzeitig auf mehreren Wegen bedeuten, wobei der Empfänger sich das stärkste Signal aussucht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2016 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33100

Diversity ist eines der beliebtesten Ziele in den Strategien der Unternehmen – doch im Alltag spielen vielfältige Teams kaum eine Rolle. Das muss sich ändern.
Wer weltoffen sein will, muss sich mit möglichst unterschiedlichen Menschen umgeben. Das gilt für Menschen wie auch für Konzerne: „Nicht zuletzt weil wir viele internationale Kunden haben, wollen wir diese Vielfalt auch in unserer Mitarbeiterschaft spiegeln“, findet Bettina Volkens, Personalchefin der Lufthansa.
Auch Siemens-Personalvorstand Janina Kugel betont: „In einer Gruppe von sieben bringt jedes neue Mitglied eine Veränderung mit sich, und die Vielfalt ist entscheidend.“ Und es ist bereits mehr als drei Jahre her, als der damalige Henkel-Chef Kasper Rorstedt sagt: „Konzernsprache ist seit Langem Englisch. Wir brauchen große Diversität.“
(Wirtschaftswoche 12.8.16) Weiter hier:
http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/diversity-management-unbeliebte-quote/13997224-2.html

Am Ende weiß man kaum noch, was Diversität bedeutet oder vielmehr nicht bedeutet. Ich möchte vor allem auf die neue Verwendung von vielfältig hinweisen: vielfältige Teams (dazu ein Foto: zwei Männer und zwei Frauen)

Kürzlich ließ Siemens in Erlangen eine Woche lang eigens angefertigte Regenbogenfahnen wehen, um sich zur Diversity zu bekennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2016 um 04.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33077

„Auch Männer werden in Deutschland diskriminiert.“ Das sagt der erste Männerbeauftragte, Matthias Becker in Nürnberg. Eigentlich waren die Frauenbeauftragten schon in Gleichstellungsbeauftragte umbenannt worden, aber nun zeigt sich, daß das nur Sprachkosmetik war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2016 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33047

Die wenigsten kennen das Gedicht Morgensterns, aus dem einer der meistzitierten Halbverse stammt:

Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

»Wie war« (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
»möglich, wie dies Unglück, ja –:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht –?«

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil«, so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf.«


Morgenstern hat bekanntlich nicht nur die Rüde, sondern noch viele andere Tiere erfunden.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 08.08.2016 um 00.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33046

Lieber Herr Markner,

Sie haben ja grundsätzlich recht. Aber die Wortfelder sind nicht etwas Starres, einem isolierten Wort Inhärentes. Die Bedeutung eines Worts, also seine Wortfelder, hängt von dem textlichen und tatsächlichen Zusammenhang ab. Deshalb geht es bei der Frage der „wörtlichen Übersetzung“ nicht um isolierte einzelne Wörter, sondern um Texte. Die Frage „Was ist die ‚wörtliche Übersetzung‘ von friend?“ erscheint mir daher wenig sinnvoll.

Der Zusammenhang kann dazu führen, daß ursprünglich unterschiedliche Wortfelder des fremdsprachlichen und des deutschen Worts deckungsgleich werden. In diesem Fall kann man von einer „treffenden“ Übersetzung sprechen. Gelingt es nun, in einem Text, also einer Wortfolge, jedes Wort durch ein treffendes zu ersetzen und zugleich den Sinn des Gesamttextes richtig zu übertragen, dann kann man sehr wohl von einer „wörtlichen Übersetzung“ sprechen.

Das ist, wie ich meine, bei der fraglichen Äußerung von Bill Clinton der Fall. Es ist offenkundig, daß er friend hier im Sinn gebraucht, denn Sie als „Freund (M/F)“ bezeichnen, also als generisches Maskulinum. Ebenso offenkundig wird Freund in der wörtlichen Übersetzung in derselben Bedeutung gebraucht. Deshalb halte ich daran fest, daß man hier mit Fug und Recht von einer wörtlichen, ja wortwörtlichen Übersetzung reden kann.

Natürlich stutzt man als Deutscher für einen Moment bei dieser Übersetzung, da hat Herr Wrase ja schon recht. Aber auch der Angelsachse stutzt für einen Moment bei der englischen Urfassung. Das ist ja die Pointe der Aussage, die sonst geradezu unerträglich banal wäre.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 07.08.2016 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33045

Einfachste Erklärung: Morgenstern wußte nicht, was ein(e) Rüde ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.08.2016 um 19.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33042

Ja, das Versmaß ist es. Daran hatte ich zwar gedacht, aber den Gedanken wieder verworfen, weil die Taktanzahl sowieso ganz unterschiedlich ist:
4 - 4+1/2 - 4
3+1/2 - 5 - 6

Wenn er wollte, hätte er z. B. mit der einfachen Änderung
Er allein ist frisch wie'n junger Rüde!
sowohl den Rhythmus als auch die Verslänge und schließlich die Grammatik besser hinbiegen können.

Aber daß er augenzwinkernd nur so tut, als erforderten die Trochäen sozusagen eine "Rüdin", das paßt ganz genau zu Morgenstern, diesen Gedanken finde ich sehr einleuchtend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2016 um 16.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33041

Von einem Witz würde ich hier auch nicht sprechen, es ist eher das Absurde wie in anderen Morgensternschen Gedichten, also am ehesten Sprachwitz. Er tut auch noch so, als sei er um des Verses willen dazu gezwungen.
Man könnte auch an "die Drohne" denken.
Aber letzten Endes kann ich auch nicht erklären, warum gerade dieser Dichter mich so zum Lachen reizt; es muß mit meiner kindlichen Natur zusammenhängen.

Robert Gernhardt trifft es auch manchmal.
 
 

Kommentar von Hugo, verfaßt am 07.08.2016 um 15.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33040

Herr Riemer, es dürfte schlicht am Versmaß liegen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.08.2016 um 12.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33039

Ich gäbe etwas darum zu verstehen, warum Morgenstern "eine junge Rüde" und nicht "ein junger Rüde" schreibt, zumal es dem Witz, den ich an sich zu verstehen glaube, nicht abträglich wäre, im Gegenteil, es höbe eine Irritation auf. Irgendetwas muß mir hier entgehen. Ich weiß, nichts ist öder als Witze zu erklären, aber vielleicht erbarmt sich jemand meiner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2016 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33033

Seit Jahren versuche ich meiner Frau das folgende Gedicht vorzulesen, schaffe es aber wegen Lachkrampf nie:

Christian Morgenstern:

Der vorgeschlafene Heilschlaf

Palmström schläft vor zwölf Experten
den berühmten Schlaf vor Mitternacht,
seine Heilkraft zu erhärten.

Als er, da es zwölf, erwacht,
sind die zwölf Experten sämtlich müde.
Er allein ist frisch wie eine junge Rüde!

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2016 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33032

Ich möchte den etwas heftigen Kutschera nicht unbedingt verteidigen, aber in evolutionstheoretischen Schriften sind beliebter Kürze halber teleologische und quasi-deontische Ausdrucksweisen üblich, weil der Verfasser darauf vertraut, daß man sie richtig (naturalistisch) versteht.
 
 

Kommentar von Georg Hilscher, verfaßt am 04.08.2016 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33012

Die besten Verteidiger der Gender Studies sind immer noch ihre Gegner. Sie mögen im wesentlichen recht haben, aber wenn sie vom „Gender-Wahn“ reden und die „Gender-Ideologie als Gesellschaftskrebs“ (http://de.richarddawkins.net/articles?tags=Genderismus) bezeichnen, dann nimmt mich das immer sehr für die andere Seite ein. Wer sich sicher ist, völlig im Recht zu sein, könnte sich auch leisere Worte erlauben.
Richtig düster wird’s, wenn Kutschera sich um die Renten Sorgen macht, weil die Deutschen nicht mehr genug Kinder bekommen. Schuld daran sind unsere „Homo-Lifestyle-Society“ und vor allem die „vermännlichten (meist lesbischen) Damen“, die so dreist sind, mit „leichte[n] Büro- bzw. Bla-Bla-Tätigkeiten“ „viel Geld [zu] verdienen“ und „subordinierten Männern die eigentliche Arbeit [zu] übertragen“! Frauen als Vorgesetzte von Männern, vor allem aber Frauen, die das gleiche machen wollen wie Männer: Was für ein Verstoß gegen die natürliche Ordnung! Denn: „In lebenden, das heißt kinderreichen Gesellschaften, haben die Geschlechter  –  evolutionär bedingt  – grundverschiedene, sich ergänzende Rollen zu erfüllen.“ Ja, richtig gelesen: Die Evolution führt nicht einfach dazu, daß die Geschlechter verschiedene Rollen erfüllen, nein, sie haben die zu erfüllen, da folgt tatsächlich mal aus einem Sein ein Sollen.
Solche Beiträge (http://de.richarddawkins.net/articles/lebende-gesellschaften-und-aussterbende-gender-unisexmenschen) machen es mir ziemlich leicht, die Gender Studies doch ein klein wenig liebzuhaben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2016 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33007

Eine Sammlung von Beiträgen zur Gender-Debatte:

http://de.richarddawkins.net/articles?tags=Genderismus
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2016 um 04.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32986

Man kann alles (Sinnvolle) übersetzen, aber nicht immer auf der wörtlichen Ebene. Im vorliegenden Falle haben wir es, wie Herr Markner gerade zusammengefaßt hat, einerseits semantisch mit dem Stamm friend-/freund- zu tun, andererseits grammatisch mit dem Genus- und Sexusproblem. Für beide Inkongruenzen hat der Übersetzer seine Routinen, aber manchmal bleibt es auch einfach so stehen und befremdet dann den Leser mehr oder weniger.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.08.2016 um 00.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32985

Die Wortfeldgrenzen entsprechen sich nicht genau, weshalb die Übereinstimmung trügerisch ist. friend kann Freund (M), Freund (M/F) oder Freundin (F) bedeuten. Daher She is my best friend auch dann, wenn eine Frau von ihrer sprichwörtlichen »besten Freundin« spricht. Freundin wiederum bedeutet friend oder girlfriend.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.08.2016 um 00.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32984

Lieber Herr Markner,
bitte begründen Sie das etwas näher.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.08.2016 um 23.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32983

Diese Wortwörtlichkeit ist eine bloß scheinbare (wie strenggenommen immer, aber hier ganz offensichtlich).
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 01.08.2016 um 23.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32982

Die Übersetzung eines Worts hängt bekanntlich vom Zusammenhang ab. Hier geht es aber nicht um das einzelne Wort „friend“, sondern um einen bestimmten Satz in einem bestimmten Zusammenhang: „I married my best friend.“ In dem gegebenen Zusammenhang ist dieser Satz eindeutig. Genauso eindeutig ist in diesem Zusammenhang auch die wortwörtliche deutsche Übersetzung: „Ich habe meinen besten Freund geheiratet.“

Die hier vorgeschlagenen deutschen Paraphrasen sind daher schlicht redundant.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.07.2016 um 21.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32969

AE my great friend Dick – BE: Richard
AE completely awesome – BE: quite nice
usw.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 31.07.2016 um 18.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32968

Zu #32964 "Was ist die "wörtliche Übersetzung" von «friend»?"
Diese Frage könnte man nur in einem längeren Artikel beantworten. Ich weiß nicht, wie es im brit. Englisch ist, aber hier in Amerika sage ich - wie die andern auch - "friend" für Leute, die ich deutsch "gute Bekannte" nennen würde. Aber ich sage nicht "good acquaintance(s)", denn das würde doch irgendwie beinhalten, daß ich die Bezeichnung "friend(s)" absichtlich vermeide, etwas, was ich wiederum aus guten Gründen zu vermeiden versuche. Nun, when in Rome, ...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.07.2016 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32967

Erschwerend kommt hinzu, wenn Vornamen erlaubt sind, die keine Aussage über das Geschlecht enthalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2016 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32964

Was ist die "wörtliche Übersetzung" von friend?
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 29.07.2016 um 23.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32944

Ob Freund oder Freundin, für Christian Goiny von der CDU Steglitz-Zehlendorf ist das alles kein Problem. Auf Facebook stellt er sich so vor: Christian Goiny, MdA, PolitikerIn.

Wie ging das noch mit dem kategorischen Imperativ? Dann wäre Hitler DiktatorIn. StalIn auch.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 29.07.2016 um 18.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32942

In dem Zusammenhang, in dem Clinton das gesagt hat, kann man es sehr wohl wörtlich übersetzen. Es war ja klar, daß er von Hillary sprach. Wäre es anders gewesen, hätte er sich kaum so ausgedrückt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 29.07.2016 um 16.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32937

"Sie war mein bester Freund, bevor ich sie geheiratet habe." Danach siehts ja leider oft anders aus.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 29.07.2016 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32935

"We were married in that little house on October the 11th, 1975. I married my best friend. I was still in awe after more than four years of being around her, at how smart and strong and loving and caring she was, and I really hoped that her choosing me and rejecting my advice to pursue her own career was a decision she would never regret."
=> Wir heirateten in jenem kleinen Haus am 11. Oktober 1975, und ich hatte damit/so meinen besten Freund geheiratet / und ich heiratete damit/so meinen besten Freund. Nach über vier Jahren ...
Viele amerikanische Sprecher, auch sehr gebildete Sprecher, benutzen das Plusquamperfekt nicht so philologisch-akribisch, wie ich das manchmal gern hätte; aber man versteht schon, was gemeint ist (wenn auch doch nicht in jedem Fall). Aber daß es das Plusquamperfekt praktisch gar nicht mehr gibt, wie manche Englischlehrer hier leichtsinnig behaupten, das stimmt auch nicht. Die Zeitenfolge drückt man aber viel öfter durch einfache Nebenordnung aus, wenn nötig mit entsprechenden Zeitadverbien, weniger mit der Verwendung des Plusquamperfekts.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.07.2016 um 10.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32934

Sie war mein bester Freund, bevor ich sie geheiratet habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2016 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32932

Ich habe den Menschen geheiratet, der mein bester Freund war.
Oder: die Frau, die mein bester Freund war

Im Prädikatsnomen ist das generische Maskulinum unauffälliger. Dabei geht allerdings verloren, daß sie es immer noch sein könnte.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 29.07.2016 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32931

Ich habe meine beste Freundin geheiratet finde ich – als Übersetzung – sehr fragwürdig. Es entsteht der Eindruck, es werde die Auswahl unter allen Frauen betrachtet, zu denen Bill Clinton eine Beziehung hatte. Bei I married my best friend wird dagegen die Auswahl unter allen Menschen betrachtet, zu denen Bill Clinton eine Beziehung hatte, einschließlich der Männer. So empfinde ich es jedenfalls. Im Deutschen könnte das besser durch ein generisches Maskulinum ausgedrückt werden: Ich habe meinen besten Freund geheiratet.

Noch ein anderer Aspekt. Daß Bill Clinton unter allen Frauen diejenige geheiratet hat, die am besten zu ihm paßt, ist sozusagen nichts Besonderes, das wäre kaum mitteilenswert. Das wollte er nicht sagen. Er wollte nach meinem Verständnis sagen: Sie war für mich auch das, was (normalerweise) für einen Mann der beste Freund ist – oder (normalerweise) für eine Frau die beste Freundin. Gemeint war also eher die Rolle des besten Freundes, die seine Frau ausfüllte, obwohl sie eine Frau war. Im Deutschen könnte das wiederum besser durch Maskulinum ausgedrückt werden: Ich habe meinen besten Freund geheiratet.

Ich habe meinen besten Freund geheiratet klingt aber so irritierend, daß man lieber Ich habe meine beste Freundin geheiratet sagt. Aber dann ist es nicht mehr das, was Clinton meinte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.07.2016 um 22.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32924

Man kann es übersetzen – fragt sich nur, wie gut. Ich habe meine beste Freundin geheiratet ist schon akzeptabel und jedenfalls besser, als es das irritierende Ich habe meinen besten Freund geheiratet wäre. Denkbar wäre aber z. B. auch In ihr habe ich meinen besten Freund geheiratet, wenngleich das nicht die schlichte Einfalt des Originals hat.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.07.2016 um 19.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32923

In seiner Rede beim Parteitag der Demokraten sagte Bill Clinton über seine Heirat:
I married my best friend.

Das kann man nicht ins Deutsche übersetzen, wie mir scheint. Aber wenn man müßte, wie soll man es übersetzen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2016 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32894

„Lieber erträgt man durchgeknallte Theorien, als dass man sich mit der Gleichstellungsbeauftragten anlegt.“ (FAS 24.7.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2016 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32882

Damaris Nübling hat sich 2013 in einem Vortrag u. a. mit dem neutralen Genus weiblicher Eigennamen beschäftigt, das besonders in westdeutschen Regionen üblich ist, vgl. dazu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1365#20910.

„Neutrale Streicheleinheiten gibt es nur für solche Frauen, die sich im männlichen Kontrollbereich aufhalten, also in Haus und Hof: Es ist die domestizierte, die ungefährliche, verwandte, befreundete, junge Frau, das Mädchen, das ins freundliche Neutrum tritt. Frauen, die dies jedoch nicht sind, die womöglich als Konkurrentin in den beruflichen Aktionsradius des Mannes „eindringen“ und sich dort seiner Kontrolle entziehen (oder gar ihn kontrollieren), werden mit dem sexuskongruenten Femininum bezeichnet. Solche „gefährlichen“ Frauen werden also grammatisch ernstgenommen, hier gilt die sonst – und bei Männern immer – übliche Sexus-Genus-Kongruenz."

Mag sein. Aber es ist eben Deutung, und es gibt Bedenken. Werden Frauen in den betreffenden Regionen anders behandelt als im übrigen deutschen Sprachgebiet, und wenn nicht: was bedeutet es dann für die ganze Konstruktion? Natürlich ist das Geschlechterverhältnis überall auf der Welt unsymmetrisch, wie die biologischen Funktionen, an die man kaum noch zu erinnern wagt, obwohl sie das Sinnen und Trachten der Menschheit seit Millionen Jahren beherrschen. Als Konkurrentin und Partnerin auf dem Arbeitsmarkt tritt die Frau erst in neuester Zeit auf, und die dialektal gefärbte Umgangssprache kann sich nicht sofort darauf eingestellt haben.

Außerdem wäre zu berücksichtigen, daß die Verweigerung des natürlichen Geschlechts zu den bekannten Mitteln der Herabsetzung gehört, daher die Memme, die Schwuchtel (nur Männer), der Hausdrache, das Reff (nur Frauen) usw., eine lange Liste.

Nübling widmet sich dann dem anderswo bereits erwähnten, äußerst despektierlichen Merkel. Schmähungen der Bundeskanzlerin sind in den primitiveren Blogs (Foren von "Welt", "Focus" usw.) tatsächlich ungemein häufig und unterschreiten jedes Niveau. Abgesehen davon sollte man aber mitbedenken, daß der Name Merkel sich formal zur mutwilligen Deutung als Diminutivum anbietet, daher auch gelegentlich, wie von Nübling erwähnt, das Schäuble, aber natürlich nicht das Kohl. Manche Giftzwerge glauben nun wunder was geleistet zu haben, wenn sie die Bundeskanzlerin das Merkel (oder eben Mutti) nennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2016 um 13.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32804

Ich habe unsere bisherige Diskussion so verstanden, daß es nicht um Begrapschen in der Öffentlichkeit geht, sondern um erotische Beziehungen vom Flirten bis zur Ehe, daher auch mein Zitat jenes Juristen und die literaturgeschichtlichen Erinnerungen. Es ist anzunehmen, schlimmstenfalls zu befürchten, daß der eiserne Besen der (feministisch belebten) Justiz hier in eine unaufhebbare Zweideutigkeit der erotischen Sprache hineinfährt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 10.07.2016 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32803

Nein, wer sowas machte, war seinen Job nicht mit Sicherheit los. Lehrer und Pfarrer beispielsweise wurden oft nur versetzt (und das nicht unbedingt gleich beim erstenmal). Die Ächtung hielt sich in scheinheiligen Grenzen.

Die Rechtslage mag nun geringfügig verändert sein, doch wird auch künftig im Zweifel für den Angeklagten entschieden werden müssen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.07.2016 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32802

Die sechs Gesetzesvorschläge sind sehr gut.
Aber, jetzt machen Sie mich nicht irre, lieber Herr Virch, Vergewaltigung und Kindesmißbrauch wurden ja auch schon immer streng bestraft, oder etwa nicht?
Bei dem neuen \"Nein heißt nein\" geht es doch vor allem ums Begrapschen u.ä., sicher kam das auch früher vor, aber die gesellschaftliche Ächtung war abschreckend genug, daß solche Vorfälle die absolute Ausnahme blieben. Wer sowas machte, war seinen Job doch mit Sicherheit los.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 10.07.2016 um 10.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32801

Nein, in Deutschland wurden Frauen schon immer begrapscht, vergewaltigt und als Kind mißbraucht, und zwar die meisten (Feministinnen haben da genaue Zahlen). Damit ist jetzt endlich Schluß. Dumm, daß nicht schon früher jemand auf die Idee gekommen ist, „nein heißt nein“ in Gesetzesform zu gießen. Das Verfahren könnte auch anderen Unsitten ein Ende bereiten, zum Beispiel der Raserei auf Deutschlands Straßen. Dafür wären nur sechs neue Gesetze nötig: 30 heißt 30, 50 heißt 50, 70 heißt 70, 100 heißt 100, 120 heißt 120 und 130 heißt 130.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.07.2016 um 01.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32799

Ich falle aus allen Wolken.
Nein hieß bisher gar nicht nein?
Bisher durfte man also Frauen immer, sogar öffentlich, beliebig begrapschen, anfassen, belecken, ...
Habe ich mich etwa die ganze Zeit ganz umsonst beherrscht?
Weiß vielleicht jemand, ab wann das neue Gesetz in Kraft tritt?

Nein, es muß wohl anders sein, wir hatten bisher eine Kultur, in der bestimmte Dinge einfach selbstverständlich waren. Es mußte nicht alles schwarz auf weiß gesetzlich geregelt und mit hohen Strafen sanktioniert werden. Die gesellschaftliche Ächtung bei Verletzung bestimmter Tabus war Strafe genug.

Das ist nun überholt. Hoch lebe die bunte Kultur!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2016 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32798

Übrigens: Nein heißt nein, aber was heißt nicht doch!? (Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=593)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2016 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32795

Rechtzeitig in Erinnerung gebracht! Das Sträuben der Frau gehörte damals (?) zum Verführungsspiel, ist auch in der Kunst unendlich oft dargestellt. Es war die Bedingung, unter der Lust und Sittsamkeit vereint werden konnten.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 08.07.2016 um 21.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32794

Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie:

https://www.youtube.com/watch?v=NTgcwny1PnU

Ludwig van Beethoven Der Kuß Lyrics
Ludwig van Beethoven Lyrics
Ludwig van Beethoven Fotos
Ludwig van Beethoven Tabs
Der Kuß Songtext
By Christian Felix Weiße (1726-1804)

Ich war bei Chloen ganz allein,
Und küssen wollt ich sie.
Jedoch sie sprach,
Sie würde schrein,
Es sei vergebne Müh.

Ich wagt' es doch und küßte sie,
Trotz ihrer Gegenwehr.
Und schrie sie nicht?
Jawohl, sie schrie,
Doch lange hinterher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2016 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32783

Die Einzelheiten des neuen Sexualstrafrechts setzen unvermeidlicherweise die pornographische Phantasie in Gang. Ein Jurist erläutert, was das neue Gesetz bedeutet:

„Ein Mann macht von einer Frau einvernehmlich Nacktfotos. Dann bittet er sie, sich für die Aufnahmen nach vorne gegen eine Wand zu lehnen. Plötzlich dringt er unvermittelt in sie ein. Die Frau ist perplex und wehrt sich nicht. Bislang war der Mann dafür schwer zu belangen. Künftig ist das einfacher, weil der Täter nach der neuen Gesetzgebung das fehlende Einverständnis des Opfers durch die Überraschung missachtet hat.“ (Süddeutsche Zeitung 7.7.16)

Frage: Wozu muß es Nacktfotos von Frauen in Primatenkopulationsstellung geben? Was heißt: "Die Frau ist perplex und wehrt sich nicht"? Bleibt sie wie ein Gorillaweibchen "nach vorne gegen die Wand" gelehnt? Könnte ein Mann, zumal wenn die Versuchung auch für ihn selbst erst nachträglich entsteht, dieses Verhalten nicht als Zeichen der Einwilligung deuten, ein bißchen über das Fotografieren hinauszugehen? Wie echt ist die "Überraschung"? Hätten die Beteiligten vorher schriftlich festlegen sollen (am besten mit Notar), bis wohin die Einvernehmlichkeit reicht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2016 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32772

Die Sprachwandlerin – Luise F. Pusch. Zurufe von Freundinnen und Weggefährtinnen. Göttingen:Wallstein 2014.

Zu den Freundinnen gehört auch Anatol Stefanowitsch. Er schreibt über das generische Femininum, das er befürwortet, aber nicht selbst verwendet.
Er teilt mit, daß die Promotionsordnung Informatik am KIT seit 2006 das generische Femininum benutzt.

S. aber hier: https://www.informatik.kit.edu/2008.php – generisches Maskulinum; im Text von 2006 heißt es:

Vorbemerkung zum Sprachgebrauch
Aus Gründen der Lesbarkeit ist in dieser Satzung nur die weibliche Sprachform gewählt worden.
Alle personenbezogenen Aussagen gelten jedoch stets für Frauen und Männer gleichermaßen.


Das kann man nicht einmal als echtes generisches Femininum bezeichnen. Es wirkt mehr wie ein Gag, und es ist auch fraglich, ob die Fakultät das zehn Jahre später noch so machen würde. Übrigens studieren am KIT im Bereich Informatik nur 10,5% Frauen (https://www.informatik.kit.edu/1649.php).

Für das größte Hindernis hält Stefanowitsch „die Angst der Männer vor sprachlichem Bedeutungsverlust“. Dafür beruft er sich allerdings im Gegensatz zu seiner sonstigen Argumentation nicht auf empirische Untersuchungen. Solche Unterstellungen müssen in seinen Augen wohl nicht begründet werden; hier genügt die richtige Einstellung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2016 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32771

Die anhaltende Debatte über "Nein heißt nein" hat unvermeidlicherweise etwas Peinliches. Einerseits soll der Tatbestand in Gesetzesform gegossen werden, andererseits ist er, wie jeder und jede sofort erkennt, rational nicht recht erfaßbar. Man muß, um die Empirie zur Geltung zu bringen, beinahe bekenntnishaft aussagen, daß die "Sprache des Begehrens" (brrrr!) nicht besonders logisch ist. Manche bejahen das Nein usw.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.06.2016 um 15.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32742

Amüsant sind manchmal die Beispiele im Netz, z. B. bei Wikipedia unter Gerundivum:

die auf den Anstand zu nehmende Rücksicht

Man nimmt doch keine Rücksicht auf den Anstand, sondern auf irgendetwas, und diese Rücksicht ist dann der Anstand.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2016 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32741

Bei der Herleitung des "Gerundivs" (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23659) ist auf jeden Fall zu beachten, daß das zu eigentlich nur aus dem Infinitiv stammen kann. Die frühneuhochdeutsche Grammatik von Ebert et al. (S. 328) geht darauf nicht ein, erwähnt nur, daß eine zu erwartende (!) Zwischenform *die zu erledigenne Sache bisher nicht belegt ist. Die ganze Konstruktion sowieso erst in der Kanzleisprache des 17. Jahrhunderts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2016 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32717

Berufsrückkehrende und sogenannte „Aufstocker“ (Beziehende aufstockender Leistungen nach dem SGB II)

Wie schon mehrmals gezeigt, behält das substantivierte Partizip I Beziehender die Rektion des Verbs, während das Nomen agentis (Bezieher) nur ein Genitivattribut zuläßt.

Der Aufstocker entzieht sich bisher weitgehend dem Gendern.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.05.2016 um 15.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32714

Wie kommt es eigentlich, daß diese linken Korrektheitsfanatiker einfach so hinnehmen, daß alle Dinge wie Stadtführer, Flaschen- und Dosenöffner, Staubsauger, Salz- und Pfefferstreuer, Schrauben- und Korkenzieher usw. mit männlichen Begriffen bezeichnet werden? Suggeriert man damit nicht, daß alle wichtigen Dinge männlich sind, was wiederum bedeutet, daß dem männlichen Geschlecht die Hauptrolle im Leben zukommt? Werden damit nicht Frauen auch zumindest indirekt diskriminiert?

Als Marburger Studierender würde ich jedenfalls auf einem, nein, auf einer, oh Gott, das geht alles nicht, also ich würde auf mindestens zwei Studierendenstadtführenden bestehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2016 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32713

An allen (?) deutschen Hochschulen ist der "Studierendenschaftsbeitrag" einführt worden, ohne Widerstand, schon weil die "Studierendenschaften" wie seit je links dominiert sind, solche Sprache also für fortschrittlich halten. Die Stadt Marburg drückt den Studenten einen "Studierendenstadtführer" in die Hand.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2016 um 07.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32712

Es ist vielleicht ganz interessant, daß Panini, der keine gesonderte Wortart Adjektiv kennt, die Geschlechter so einteilt: stri- (weiblich), pum- (männlich) und na-pumsaka (neutral); die ersten beiden faßt er als a-na-pumsaka zusammen, also nichtneutral). (Ich habe die Bindestriche eingefügt, um die Wortbildung durchsichtig zu machen.) Das alles wie immer nur aus rein technischen Gründen, um gewisse Regeln an anderen Stellen der Grammatik möglichst einfach formulieren zu können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2016 um 09.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32706

Es gibt vielleicht mehr weibliche Fans als männliche, ganz zu schweigen von Transfans, aber wie soll man sie geschlechtergerecht nennen? Fanin ist belegt, verstößt aber gegen andere Regeln, Fannin wäre konsequent. Oder Fanny in beiden Geschlechtern?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2016 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32619

In seinem Buch „Das Hohe Haus“ kritisiert Roger Willemsen die Abgeordnete Bettina Kudla (CDU/CSU), weil sie sagt: „Lassen Sie mich als letzter Redner der Debatte einige wichtige Punkte zusammenfassen“ – aber nicht wegen des Nominativs, sondern wegen des generischen Maskulinums: „Wählt erst mal Rednerinnen, die sich selbst nicht 'Redner' nennen.“ (S. 132; Auszug hier: https://books.google.de/books?id=ctlvAgAAQBAJ&pg=PT86&lpg=PT86&dq=%22w%C3%A4hlt+erst+mal+rednerinnen%22&source=bl&ots=TH8CF1UOpF&sig=-FjhFcx_IvgS-PQ8ujvytb_45ls&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiu3Jfq9OPMAhXJKiwKHTuYBd4Q6AEIIzAA#v=onepage&q=%22w%C3%A4hlt%20erst%20mal%20rednerinnen%22&f=false)

Natürlich ergäbe sich bei der femininen Form wieder das Problem, daß Kudla zwar letzte Rednerin war, jedoch auch kein männlicher Nachfolger mehr vorgesehen war. Jedenfalls hatte Willemsen die feministische Sprachregelung verinnerlicht, und das wirkt im Zusammenhang etwas unter Niveau. Allerdings macht der Beobachter des Bundestages aus der Verteilung seiner Sympathie kein Geheimnis.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2016 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32554

Im Buch von 1957 gebraucht Skinner durchgehend he, him. In drei Fällen steht she, her, aber da bezieht es sich eindeutig auf zuvor erwähnte Mädchen – mutmaßlich eine seiner beiden Töchter, seine Hauptinformantinnen. Nur einmal heißt es: The new-born (!) child is not conspicuously patient or prudent, but to some extent it seems to acquire such an admirable character as soon as named.
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 10.05.2016 um 22.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32551

B. F. Skinner beispielsweise verwendet im (relativ kurzen) Manuskript der Vorlesungen über Verbal Behavior (1948) überwiegend "it", wenn er sich auf "child" bezieht. Und zwar in mindestens sieben Fällen (sogar "the child itself"), etwas weniger oft "he", aber nur einmal "she", wo auch wirklich ein Mädchen gemeint ist.

(Es wäre interessant zu vergleichen, wie er's damit in der Buchausgabe von 1957 hält.)

Aus Gesprächen mit britischen Eltern weiß ich, daß die meisten dieses "it" für ein Kind unangemessen, gar unmöglich finden; für Babies allerdings, deren Geschlecht (etwa im Kinderwagen) nicht ersichtlich sei, zumindest mündlich akzeptabel, jedenfalls denkbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2016 um 21.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32550

Vielleicht weil auch Kinder Personen sind. Ich habe aber schon gezeigt, daß die Entwicklung in der entgegengesetzten Richtung weitergeht: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19160

"Gendern" ist also eigentlich "Sexualisieren". Und zwar als "Mainstreaming"...
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 10.05.2016 um 18.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32549

Warum nicht einfach "it"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2016 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32544

In einem Aufsatz von Sidney Hook aus den fünfziger Jahren lese ich gerade: As soon as the child is born he is subjected to some experience. - Heute ist das fast undenkbar. Die meisten nehmen die Substantivgruppe mit she wieder auf, viele auch mit he or she. Sind sie deshalb weniger vorurteilsbehaftet als ihre älteren Zeitgenossen? Die geschlechtergerechte Rede ist anders, weniger ungezwungen, bekenntnishafter, aber sie ist nicht gerechter gegenüber den Frauen, weil ihre Sprecher es nicht sind.
Sprachwissenschaftler haben kaum das Recht, den feministischen Umgang mit der Sprache zu kritisieren, weil sie größtenteils mitmachen oder schweigen, wie bei der Rechtschreibreform. Ihre berufsständischen Organisationen sind sogar führend, haben sich die verkrampfte Redeweise frühzeitig selbst verordnet.
 
 

Kommentar von B. Z., verfaßt am 10.05.2016 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32541

Gunnar Schupelius über Hiat und Sternchen:

http://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/eine-gruene-politikerin-erklaerte-mir-wie-sie-diskriminierungsfrei-spricht
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2016 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32467

Wenn jemand glaubt, das Erstglied Kanzler- könne keine Frau bezeichnen, was hat es dann mit Kanzlerinnendemokratie (z. B. FAS 1.5.16) auf sich? Dann kann der Plural auch keinen Singular bezeichnen, und das Wort schließt ein, daß der nächste Bundeskanzler wieder eine Frau sein wird.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.05.2016 um 12.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32466

Im Polnischen gibt es folgende förmliche Anreden: pane – der Herr (Vokativ von pan); pani – die Dame (Vokativ); panowie – Damen und Herren; panstwo – Herrschaften (Damen und Herren). Vi – Ihr (statt Sie) nur unter Freunden und Bekannten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2016 um 10.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32465

Wenn z. B. jemand nachdenkt, was sie in einer bestimmten Situation tun soll, gelten die kognitiven Prozesse, die zur Handlungsentscheidung fuhren, als psychologisch interessant. Wenn sie dann aber tut, was sie sich überlegt hat, gilt die Handlung selbst nur noch als mehr oder weniger triviales Ergebnis dieser Prozesse. (Wolfgang Prinz in Ders., Hg.: Experimentelle Handlungsforschung. Stuttgart 2014:12)

Der absichtsvolle Verstoß gegen die deutsche Grammatik wirkt beflissen. Der Text ist im übrigen keineswegs durchgegendert.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 01.05.2016 um 10.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32464

Noch zu #32290: In anderen Sprachen, z.B. Polnisch, sagt man bei gemischtem Publikum ganz offiziell "Meine Herrschaften".

Nicht nur in anderen Sprachen. Ich selbst benutze es noch manchmal im Gruß, wenn ich gemischten Paaren/Gruppen begegne, allerdings nicht mit dem Possessivadjektiv, sondern mit dem definiten Artikel: Guten Tag, die Herrschaften. Wo ich das herhabe, weiß ich nicht genau. Aber es geht bei mir zusammen mit "Guten Tag, der Herr" und "Guten Tag, die Dame" (ich habe große Schwierigkeit, Namen zu behalten), und ich komme aus Oberschlesien und hatte auch einen Vater, der Mitte vorigen Jahrhunderts durchaus manchmal noch Leute in der dritten Person anredete und Frau K. z. B. fragte: Würde auch das Frau K. gefallen? Hervorgeholt hatte ich wohl "die Herrschaften", weil ich mal das frz. "Bonjour, m'sieurs dames!" gehört hatte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2016 um 08.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32463

Nein heißt nein. Als Sprachwissenschaftler müßte man Einspruch erheben.
Es wird immer Versuche geben, das Kontinuum der Kommunikation durch eingeschlagene Pflöcke zu interpungieren. Ich hatte schon die Backenstreich-Theorie erwähnt. Hierher auch die Eidesformeln und andere Rituale, Ja-Worte usw. – In Institutionen funktioniert es einigermaßen, aber im Alltag kann man die grundsätzliche Mehrdeutigkeit nicht beseitigen, am wenigsten in erotischen Beziehungen. Man kann immer nein sagen, aber meint man es auch immer?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2016 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32399

Soll sexistische Werbung verboten werden?

Darüber läßt die Bayerische Staatszeitung ihre Leser abstimmen. Da die Wortwahl wertend ist und wie so oft darauf hinausläuft, ob man für das Gute und gegen das Schlechte ist, läßt sich das Ergebnis vorhersagen. Die meisten sind auch für die Abschaffung der Immunität von Abgeordneten (ebd.). Es kommt eben darauf an, ob man die Versuchspersonen darüber aufklärt, was wirklich an den Schlagwörtern hängt.

Man könnte sich jeden Tag an vielen Abstimmungen beteiligen. Unzählige Schreiber sind damit beschäftigt, Meinungen zu haben oder wenigstens zu verbreiten. Das lernen wir ja in der modernen Schule: Am wichtigsten ist es, eine Meinung zu haben (Spitze der Lernzielhierarchie). Im Fernsehen geht's dann weiter. Meiner Ansicht nach sollte sich jeder schämen, eine Meinung zu haben – oder wenigstens, sie zu äußern.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.04.2016 um 01.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32297

Die Anrede Liebe Kolleginnen und Kollegen allein hätte ich hier nicht kritisiert. Aber im Zusammenhang mit dem generischen liebe Freunde finde ich schon, daß letzteres mit der vorangestellten Doppelnennung nicht gut zusammenpaßt. Statt Kolleginnen und Kollegen läßt sich leicht die generische Form einsetzen. Eine ähnliche Kombination mit Damen und Herren fände ich weniger anstößig, weil dafür keine generische Form existiert.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.04.2016 um 23.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32292

Gut gegeben. Sagen wir also einfach »Verstoß gegen die Obligatorizität des generischen Maskulinums«. – Übrigens wurde Lübke ja in schmähkritischer Absicht angedichtet, er habe »Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger« gesagt. Aus heutiger Sicht natürlich doppelt verwerflich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2016 um 22.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32291

Ich würde es nicht Verstoß nennen – es ist einfach keins.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.04.2016 um 22.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32290

In anderen Sprachen, z.B. Polnisch, sagt man bei gemischtem Publikum ganz offiziell "Meine Herrschaften".
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.04.2016 um 21.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32289

»Meine Damen und Herren« – ist das jetzt auch ein Verstoß gegen das generische Maskulinum?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2016 um 14.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32287

Ich habe eine E-Mail erhalten, in der es um die Verabschiedung eines Kollegen in den Ruhestand geht:

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde von Peter,

Dem Absender schien es wohl nicht so recht passend, sich an die "Freundinnen und Freunde von Peter" zu wenden. Warum dann nicht gleich ganz beim generischen Maskulinum bleiben?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.04.2016 um 07.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32284

Spiegel Online gestern: "Wenn wir denken, unsere Freiheit hinge davon ab, dass überall Brüste hängen, ist das ein schlechtes Zeichen für unser Frauenbild."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2016 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32248

Die SPD hat sich von "Pinkstinks" beraten lassen. Man sieht dort wie auch in anderen feministischen Kreisen, daß die "Entlarvung der Heuchler" tatsächlich grenzenlos ist. Wer A erwähnt, hätte auch B erwähnen müssen, sonst diskriminiert er. (Determinatio est negatio.) An den Diskussionen der Pinkstinker sieht man, wie alle sich in voraussehbarer Weise verheddern. Gut, wenn man äußere Feinde hat, gegen die man dann wieder einig sein kann. In Deutschland empfiehlt sich der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 10.04.2016 um 01.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32233

Ganz ehrlich: Ich hatte den Eindruck einer Übertreibung erst beim Lesen des Wortes "übertreiben". Die Gendererziehung fruchtet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.04.2016 um 00.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32232

Würde das ansonsten nicht recht kompliziert oder einseitig?
Unter "geehelicht" findet man Beispiele in beiden Richtungen, von den neuzeitlichen neuen Varianten ganz abgesehen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.04.2016 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32231

»Blonde Schweden ehelichten in Mittelalter und Neuzeit eher andere blonde Schweden als dunkelhaarige Italiener.« (Ronald D. Gerste, welt.de)

Man kann es mit dem generischen Maskulinum auch übertreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2016 um 15.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32228

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will mit einer Gesetzesänderung geschlechterdiskriminierende Werbung verbieten. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Der Entwurf von Maas sieht vor, dass künftig Plakate oder Anzeigen unzulässig sein könnten, die Frauen oder Männer auf Sexualobjekte reduzieren. Im Streitfall würde ein Gericht die Entscheidung treffen.

Die SPD hat ihre Pläne nach den Übergriffen an Silvester in Köln formuliert. Das deutet darauf hin, daß die Darstellung der Frau künftig radikal muslimischen Normen entsprechen soll, um muslimische Männer nicht in Versuchung zu bringen. Man wird darauf achten müssen, daß die schwarze Verhüllung des ganzen Körpers keine allzu attraktiven Augen frei läßt.
Die Modebranche hat sich auf Berufskleidung zu beschränken (Vorsicht! Manche Männer haben einen Krankenschwester-Fetisch), Kosmetik darf nicht beworben werden. Der Unterschied der Geschlechter entspricht einem überholten und verbotenen Klischee. Niemand darf eine Vorliebe für das vermeintlich andere Geschlecht zum Ausdruck bringen (Diskriminierungsverbot).
Aber es gibt Auswege, so daß Rechtsanwälte sich schon mal die Hände reiben können. Welche Werbung „reduziert“ Frauen auf Sexualobjekte? Eine „Frau als Sexualobjekt“ – das klingt nicht schön. Eine „attraktive Frau“ bedeutet zwar dasselbe, klingt aber schon viel besser.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 09.04.2016 um 08.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32224

dpa-genderiertes Unterbewußtsein: "Berlin (dpa [09.04.2016]). Die Grünen sollten sich nach Ansicht ihres Bundestagsfraktionschefs Anton Hofreiter für 2017 eine Koalition mit der Union offenhalten, trotzdem aber jetzt einen Abgrenzungskurs fahren. Mann sollte keinen Kuschelkurs mit der Union fahren, sagte Hofreiter der «Rheinischen Post» vor dem Kleinen Parteitag heute in Berlin."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2016 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32179

Die Uni Erlangen lädt zum "Boys' Day" ein. Thema sind die Flüchtlinge. Man könnte meinen, es gehe dabei recht kämpferisch zu, so viele "Herausforderungen" gibt es:

Wie leben (jugendliche) Flüchtlinge in Erlangen, und welche Herausforderungen müssen sie in ihrem Alltag bewältigen?

Herausforderung – Erlebnis- und Kennenlernspiele
Beim gemeinsamen Spielen meistern wir verschiedene Herausforderungen. Das kann das (bessere) Kennenlernen der anderen Teilnehmer oder das gemeinsame Bewältigen einer Aufgabe sein.


Das Bewältigen einer Aufgabe kann man schlecht Aufgabe nennen, deshalb praktischerwiese "Herausforderung", da merkt man die Tautologie nicht gleich.

Außer den Diversity-Leuten sind auch die muslimischen Theologen beteiligt:

Die Propheten als Flüchtlinge – Die Flüchtlinge als Propheten
In jeder Buchreligion wird die Flucht von Propheten und Gläubigen als Erfahrung thematisiert. Ob Abraham, Moses, Jesus oder Mohammed, alle waren für einen Moment ihres Lebens Flüchtlinge und mussten ihre Heimatstädte verlassen. Als Flüchtlinge hat man sie empfangen, weil sie den Frieden mitbrachten! Heutzutage sind Millionen von Menschen aus Kriegsregionen zu uns nach Deutschland geflohen. Sie bringen den Wunsch nach Frieden mit. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, den Frieden gemeinsam in Dankbarkeit zu gestalten.

Dr. Tarek Badawia, Elham Daniela Mazloum, M.A., Department Islamisch-Religiöse Studien
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2016 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32149

Manchmal staune ich über die Unmenge von Büchern, die man dem Genre "Wanderhuren"-Romantik zuschlagen könnte. Von Frauen für Frauen, immer sehr dickleibig und wie geschaffen für opulente Kostümfilme. Bin darauf gestoßen, weil eine amerikanische Freundin meinen Frauen mit der Serie "Outlander" in den Ohren liegt. Sie haben mich davor gewarnt, das würde mich als Mann nicht interessieren. Gewissermaßen das weibliche Spiegelbild des Westerns. Es wäre ganz interessant zu untersuchen, welche Merkmale der hollywoodmäßigen Gleichmacherei entgehen. Muskelmänner in Schottenröckchen allein sind es nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2016 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32117

Zweieiige Zwillinge heißen fraternal twins, daher: Mental rotation in female fraternal twins (Uni Düsseldorf) usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2016 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32107

Kappa Kappa Gamma is a women's fraternity, because it was founded before the term "sorority" came into use. (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2016 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32106

Als Gabalier am 22. Juni 2014 beim Großen Preis von Österreich die Österreichische Bundeshymne in der bis 2012 gültigen Version mit der Zeile „Heimat bist Du großer Söhne“ ohne die 2012 gesetzlich festgelegte geschlechtergerechte Änderung sang, wurde er unter anderem in einem Brief der Grünen, von der Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und der Ex-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) kritisiert. In den Medien gab es wochenlange Diskussionen darüber. Gabalier forderte im Zusammenhang damit eine Rückkehr zum alten Text. In einem Interview meinte er: „Ich bin sehr für Frauenrechte. Aber dieser Gender-Wahnsinn, der in den letzten Jahren entstanden ist, muss wieder aufhören.“
Bei der Überreichung des Amadeus 2015 für den Best Live Act ließ Gabalier mit dem Satz „Es ist nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl heute noch auf ein Weiberl steht“ aufhorchen. Dies löste vielerorts Kritik aus, aber auch Unterstützung durch den Extremsportler Felix Baumgartner und FPÖ-Politiker.
(Wikipedia)

Eigentlich kann ja jeder singen, was er will. Und Heterosexualität wird sich nie beseitigen lassen, auch wenn man sich tunlichst nicht mehr dazu bekennen sollte.

Die Feministische Linguistik nimmt an der angeblichen Frauenfeindlichkeit des Liedes Anstoß. Das Motto: „Alle Menschen werden Brüder“ lege entweder die Interpretation nahe, dass Frauen keine Menschen seien, oder die Interpretation, dass Frauen sich vermännlichen müssten, um in den „Bruderbund“ einbezogen werden zu können, indem sie nicht „Schwestern“, sondern „Brüder“ würden. Eines der programmatischen Bücher der Feministischen Linguistik von Luise Pusch hat den Titel: „Alle Menschen werden Schwestern“. (Wikipedia)

Aber eigentlich ist schon Tochter aus Elysium anstößig, legt es doch nahe, daß man nur mit Frauen Spaß haben kann. Es gibt noch viel zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2016 um 17.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31985

Die Rechtschreibreformer haben früh begriffen, daß sie die Staatsmacht für sich gewinnen mußten, dann würden alle wissenschaftlichen Einwände wirkungslos verhallen. So "holten sie sich den Auftrag", wie einer von ihnen treuherzig berichtet.

Ähnlich haben es die Feministinnen gemacht. So sind wir zu UNESCO-Richtlinien gekommen, mit sehr weitreichenden Auswirkungen:https://www.unesco.de/fileadmin/medien/Dokumente/.../eine_sprache.pdf

Beispiel:

Wer das nicht akzeptiert, der muss selbst einen Vorschlag machen.

Dies soll ersetzt werden durch:

Wird das nicht akzeptiert, muss selbst einen Vorschlag machen.

So steht es da, seit vielen Jahren, ich kann es nicht ändern. Übrigens wird auch empfohlen, das Pronomen man zu vermeiden, das erklärt vielleicht manches. Auch Mannschaft ist natürlich verpönt (Team).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2016 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31956

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26144

Der Unsinn steht auch nach Jahren immer noch so da; ich zitiere dazu, wie die angeführte Buchreihe sich vorstellt:

Geschlechter Interferenzen

Buchreihe im LITVERLAG

Herausgegeben von Corinna Bath, Hanna Meißner, Stephan Trinkaus und Susanne Völker

‚Geschlecht‘ ist ein Begriff, der auf sehr verschiedene Dimensionen und Bedeutungsgehalte verweist: auf symbolische Geschlechterordnungen und Wissensordnungen, institutionalisierte Geschlechterverhältnisse, auf Subjektivierungsweisen und Selbstverhältnisse, auf Identitäts-, Sexualitäts- oder Körperkonstruktionen, ebenso auf Kategorien der sozialen Strukturierung, Differenzierung, Disziplinierung und Hierarchisierung als auch auf etwas, das in keiner Kategorie, keiner Konstruktion ankommen wird. Geschlecht ist insofern auch ein Begriff des Zwischen, eines Übergangs, der keinem dieser Bereiche ganz angehört.
In dieser Reihe soll Geschlecht in einem solchen weiten Verständnis als paradigmatisches Feld begriffen werden, in dem und über das sich Übersetzungen, Grenzziehungen und überschreitungen, Prozesse der Konstituierung soziomaterialer Phänomene, also ganz generell des ‚Arbeitens‘ am Vorstellbaren, Intelligiblen, Möglichen durch den Ausschluss des Unvorstellbaren, Unmöglichen, analysieren und begreifen lassen.
Interferenzen beziehen sich nicht auf ein Original. Während Reflexionen das Gleiche an einem anderen Ort spiegeln, stellen Interferenzen heterogene Muster vielfältiger Verschiebung dar, die gleichzeitig gegensätzliche Positionierungen ermöglichen. Mit dem Begriff ‚Geschlechter Interferenzen’ möchten wir dem Umstand Rechnung tragen, dass ‚Geschlecht‘ kein Feld an sich ist, es generiert mit anderen soziomaterialen Erscheinungen mehr oder weniger dauerhafte, kohärente oder flüchtige, schillernde Muster, Überlagerungen, Störungen, Bewegungen, Wellen, Dynamiken, die Gegenstand unterschiedlichster Disziplinen und Wissensformationen sind, zwischen denen wiederum – mit Blick auf ‚Geschlecht’ – Resonanzen oder produktive Dissonanzen entstehen können.
Im Fokus dieser Reihe, die unterschiedliche Wissenschaftsverständnisse und -kulturen zu den interferenten Beziehungen und Artikulationen von ‚Geschlecht‘ befragen will, steht die kritische Beleuchtung der Zusammenhänge von Praktiken, Materialisierungen, Wissensformen und Handeln/Handlungsfähigkeit. Inwiefern kann ‚Geschlecht‘ Teil einer kritischen Bewegung/Praxis sein, die beständig die Grenzen des Wahrnehmbaren und (An)erkennbaren zu erweitern sucht – und die diese Dehnung des Unbestimmten als Handlungsfähigkeit begreift?


(Hanna Meißner nennt sich übrigens Dr.in phil. - wie liest man das?)

Ein andere Mitherausgeberin, Corinna Bath, hat vor Jahren eine feministische ingenieurwissenschaftliche Dissertation vorgelegt: elib.suub.uni-bremen.de/edocs/00102741-1.pdf Die Zusammenhänge zwischen Technik und Gender für mich schwer erkennbar. Als Beispiel könnte man den Abschnitt über die Schreibmaschinentastatur nennen (S. 102ff.). Bei Lesen stößt man auf so wenig Technisches, daß man sich wundert, wie jemand mit einer eher ideologiekritischen, weitgehend aus Literaturbericht bestehenden Arbeit ein "Dr.-Ing." werden kann.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 29.02.2016 um 22.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31819

Auf der Homepage der stay-Stiftung (.org) lesen wir: * Gendergerechtigkeit ist uns wichtig. Ausschließlich zur besseren Lesbarkeit wird auf dieser Internetseite die männliche Form für alle Personen verwendet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.02.2016 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31817

Müller, ein bekennender Frauenförderer, hätte gerne eine weibliche Bank-Chefin gehabt. (FAS 28.2.16)

Als das generische Maskulinum noch unangefochten galt, war es leichter, solche Albernheiten zu vermeiden: es gab weibliche Bank-Chefs (jedenfalls sprachlich).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.02.2016 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31815

Das erwähnte Gender-Heft des "fluter" feiert vier führende Feministinnen, darunter Butler:
http://www.fluter.de/de/154/thema/13911/
Die Zusammenfassung ihrer Lehre ist wahrscheinlich lesbarer als die Originaltexte. Ich frage mich gerade deshalb, wie man die jugendlichen Leser mit so etwas allein lassen kann.
Die Bundeszentrale hatte Butler immer wieder mal zu Wort kommen lassen:

http://www.bpb.de/apuz/26764/zwischen-den-geschlechtern
http://www.bpb.de/apuz/135431/soziologische-dimensionen-von-geschlecht?p=all

Es müßte uns auch interessieren, weil Butler viel von Sprache und "Diskurs" redet:

Für Judith Butler, der bekanntesten Protagonistin der Diskurs- beziehungsweise poststrukturalistischen Theorie, ist jede Bezugnahme auf die biologischen und materiellen Bereiche des Lebens eine sprachliche: "Wenn auf das 'biologische Geschlecht' Bezug genommen wird als etwas, was dem sozialen Geschlecht vorgängig ist, wird es selbst zum Postulat, zu einer Konstruktion, die in der Sprache als das offeriert wird, was der Sprache und der Konstruktion vorhergeht." Somit ist auch Geschlecht keine naturgegebene Tatsache, sondern ein Teil des sozialen Körperwissens und der Normen der Geschlechterdichotomie. Der Diskurs weist den Dingen einen Namen und damit eine Bedeutung zu, nicht umgekehrt. Wir können nur in Form von Sprache auf die Welt zugreifen, wodurch wir nie das rein Materielle benennen können, da es im Moment des Bezeichnens schon diskursiv überformt ist. Die diskursive Ordnung ist jedoch keine von außen einschränkende Barriere, sondern die Bedingung dafür, dass wir Begriffe haben. Die Dinge sprechen nicht selbst, wir interpretieren sie. Dadurch ist jeder Blick auf die Welt durch eine zeithistorische, spezifische Brille begrenzt.

So kann auch Geschlecht keine ontologische Tatsache, keine vordiskursive Gegebenheit sein, sondern muss als Effekt von Diskursen verstanden werden.
(Aus Pol. u. Zeitgesch. 2002)

Usw. im Stil Foucaults; man weiß nicht recht, was man damit anfangen soll. (Die Apposition im ersten Satz ist auch bemerkenswert.)

"fluter" faßt zusammen:

Judith Butler ist eine Art „Superstar der Theorie“, und deshalb ist es manchmal schwierig, sie auf Anhieb zu verstehen. Ihre Forderung ist jedoch eigentlich ganz einfach: Geschlechtsidentität muss als etwas Veränderbares verstanden werden, denn die eine richtige Identität gibt es eben nicht. Gar nicht so abwegig, oder?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2016 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31772

Man sollte meinen, daß ein Artikel zum 60. Geburtstag von Judith Butler nicht allzu schwer zu schreiben sein kann, aber Dietmar Dath bringt es in der FAZ wieder mal fertig, das Gegenteil zu beweisen. (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/die-umstrittene-natur-der-sache-judith-butler-wird-60-14086548-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2; vgl. auch http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25081)
Im Deutschlandradio wurde denn auch sogleich auf Daths "onduliertes Geburtstagsständchen" hingewiesen, was zwar komisch klingt, aber nicht unbegründet scheint.
Boshafte Leser könnten meinen, ein klar geschriebener Artikel über Butler sei nicht möglich außer als Verriß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2016 um 17.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31735

Bei Wikipedia gibt es zwar noch einen Eintrag "Studentenbewegung" (https://de.wikipedia.org/wiki/Westdeutsche_Studentenbewegung_der_1960er_Jahre), intern verlinkt ist er jedoch als "Studierendenbewegung", z. B. unter "Klaus Holzkamp".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2016 um 06.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31679

Frauen sind was Wunderbares, aber wenn es um ihre Verschönerung geht (ein Derivat des Fortpflanzungsverhaltens), scheinen sie für sprachliche Manipulation besonders anfällig zu sein, ja geradezu gierig danach, sich etwas vormachen zu lassen. Wenn es nicht wirkte, würde die Industrie nicht Milliarden dafür ausgeben, um noch mehr Milliarden einzunehmen:

Sinnbild ewiger Schönheit und unvergänglicher Ausstrahlung, schenkt müder Haut neue Energie. Das kostbarste Element der Essence OR, 24-karätiges Gold, revitalisiert die Haut, glättet und macht sie zum schönsten Accessoire. Bernstein-Extrakt spendet ebenfalls Energie und hat einen Detox-Effekt. Tri-Peptide mit einem botox-ähnlichen Effekt lassen das Gesicht entspannt und sanfter aussehen. Der Pflanzenextrakt Centella asiatica stimuliert die Kollagensynthese und wirkt straffend.
Or Revitalisant (1 x 2,5 ml)


(Die Tinktur kostet über 4000 € pro Liter, die Herstellung vielleicht nur ein paar Cent, wer weiß?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2016 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31620

Frauen schneiden überall besser ab als Männer, nur auf einem Gebiet nicht: beim Zusammenbauen von Ikea-Möbeln. Das haben skandinavische Forscher herausgefunden. Männer sind selbst dann deutlich schneller fertig, wenn sie die Instruktion nicht lesen. Ich vermute aber, daß sie gerade deshalb schneller sind. Text und Zeichnung sind oft eine zusätzliche Hürde. Männer neigen instinktiv dazu, sich auf die Logik der Sache zu verlassen; eine Musterung der Teile genügt ihnen, um zu wissen, was zu tun ist.
Eine andere Vermutung geht dahin, daß Männer mehr "competitive" sind ("Times"), daher weniger schnell aufgeben. Damit wären wir wieder bei der "erlernten Hilflosigkeit" der Frauen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2016 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31549

In der genannten Broschüre wird auch wieder eine Eigentümlichkeit unserer Universität sichtbar, auf die ich schon mal hingewiesen habe. Wenn man Fremdwörter, zum Beispiel aus dem Lateinischen, nicht durchschaut, darf man sie deutsch trennen. Da dies für die Professoren unserer gelehrten Anstalt durchweg vorausgesetzt wird, trennt man stets Konst-ruktion, Rest-riktionen usw.
 
 

Kommentar von Wikipedia, verfaßt am 03.02.2016 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31524

Die Studentenwerke (in Baden-Württemberg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz amtlich als Studierendenwerke bezeichnet) sind [...].
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2016 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31512

Eine Broschüre mit den Reden zum Personalwechsel an der Spitze der Erlanger Universität enthält das Unwort Student nicht mehr. Nur im Namen des Studentenwerks ist es noch enthalten, aber das ist nur noch eine Frage weniger Wochen. Die Pressestelle oder – wahrscheinlicher – alle Redner haben sich schnell und vollständig den Wünschen der politisch Korrekten unterworfen. Es ist ein Lehrstück. Ich kann nicht glauben, daß eine nennenswerte Zahl von Kollegen ihr Tun für richtig hält, dagegen sprechen ja alle Umfragen. Es sind eben alles Feiglinge.
Der neue Rektor versucht sich auch an Mann- und Frauschaft, gewiß halb scherzhaft, aber immerhin hat er sich schon mal abgesichert. (Die "Sprecherrätin" - nicht Sprecherinnenrätin? - verlangt vom Minister die Wiedereinführung der "Verfassten Studierendenschaft". Aber die Studenten interessieren sich gar nicht mehr dafür, wie ja die Wahlbeteilung zeigt. Man will bloß noch mehr Geld abgreifen und politische Karrieren vorbereiten.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.02.2016 um 14.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31508

Ist die Frage, ob es weibliche Studenten gibt, ernst gemeint? Es gibt sogar sehr viele, ich schätze, ungefähr jeder zweite Student ist weiblich. Oder glauben Sie etwa, lieber Herr Strasser, daß nur ungefähr jede zweite Studentin weiblich wäre?
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 02.02.2016 um 13.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31507

Man könnte sich auch auf Studenten- und Studentinnenwerk einigen, oder schlicht auf StudentInnenwerk.

Die Vorteile von Innenwerken gegenüber Außenwerken lassen sich schwer bestreiten, oder …
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 02.02.2016 um 13.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31506

Gibt es weibliche Studenten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2016 um 10.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31505

Der Berliner Senat will das Berliner Studentenwerk in "Studierendenwerk" umbenennen, damit auch Frauen mitgemeint sind. Was halten Sie davon?
Danke für Ihre Stimme.

Sehr gut! Ein weiterer Beitrag zur Gleichberechtigung.
7% [860 Stimmen]

Sinnloser Aktionismus! Ich finde die Debatte total lächerlich.
93% [10762 Stimmen]


(Tagesspiegel)

Es wird natürlich trotzdem gemacht, wie bei der Rechtschreibreform.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2016 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31494

Wird Studentenwerk in Erlangen zum Studierendenwerk?
ERLANGEN - Heißt das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg bald Studierendenwerk? Berlin plant eine solche Umbenennung, andere Bundesländer haben es schon getan. Doch in Erlangen hat man gute Gründe, es beim alten Namen zu belassen.
Das Wort "Studenten" taucht in Schreiben des Studentenwerkes Erlangen-Nürnberg kaum mehr auf. Darauf legt Pressesprecher Uwe Scheer Wert. "Für uns sind geschlechterneutrale Bezeichnungen schon sehr wichtig", sagt er, "wir nehmen das Thema ernst und gehen sensibel damit um." Daher hat die Anstalt des öffentlichen Rechts in ihrem offiziellen Sprachgebrauch die Begriffe "Studenten" und "Studentinnen" auch schon längst größtenteils durch "Studierende" ersetzt.
Aber nun auch noch den Namen selbst in Studierendenwerk umzuwandeln, davon hält Sprecher Scheer nichts. Zum einen, erläutert er, sei die genaue Bezeichnung im bayerischen Hochschulgesetz geregelt — und liege damit also nicht im Ermessen seiner Einrichtung. Zum anderen hält er eine Umbenennung auch nicht für nötig bzw. sogar für kontraproduktiv. Denn das Wort "Studentenwerk" werde gerade von ausländischen Gästen besser verstanden als die Alternative "Studierendenwerk".
Außerdem sei das Studentenwerk nun unter seinem Namen bekannt: "Es ist ohnehin nicht so leicht, den Menschen zu vermitteln, wer wir sind und was wir machen — aber nun haben wir es mit unserem altbewährten Namen doch etwas geschafft." Der Name Studentenwerk stehe nun für eine Marke.
Und letztlich sei das auch eine Kostenfrage. Allein die Umdeklarierung des Geschirrs würde das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg bis zu 300.000 Euro kosten. Zusätzlich müsste man alle Visitenkarten, Beschriftungen von Wohnheimen und etwa auch den Schriftzug "Studentenhaus" am Langemarkplatz ändern. "Da muss man fragen, ob die Sache die Summe rechtfertigt oder man das Geld nicht für etwas anderes ausgeben kann", so Scheer.
Das Berliner Studentenwerk jedenfalls will rund 800.000 Euro für die Umbenennung ausgeben. Das sieht der Entwurf zur Änderung des Berliner Studentenwerkgesetzes vor. Bis 2022 sollen Schilder und Stempel ausgetauscht sein. Die Initiative geht auf die dortige Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres zurück.
Berlin ist damit nicht allein. So haben Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hamburg und Rheinland-Pfalz bereits "Studierendenwerke". Doch der Dachverband, betont Studentenwerkssprecher Scheer, bleibt beim alten Namen. "Das ist für uns ein weiterer Grund, nichts zu verändern." 
(nordbayern.de 1.2.16)

Der Widerstand wird nichts nützen, denn der Feminismus ist allmächtig, und die korrekte Gesinnung ist ja durchaus schon vorhanden. Die tägliche Verletzung durch das Geschirr der Mensa ist nicht länger zu ertragen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31431

Beim Lesen der FAZ 23.1.16:

Nach einer Umfrage an amerikanischen Hochschulen „werden 13,5 Prozent der Frauen mindestens einmal während ihres Studiums zu Geschlechtsverkehr genötigt, während sie unter Alkohol- oder Rauschgifteinfluss oder anderweitig unzurechnungsfähig sind.“ (Wie viele Prozent der Frauen befinden sich insgesamt wie oft in einem solchen Zustand?)
„‚Es gibt Studentenverbindungen‘, sagt Marissa, ‚von denen jeder weiß, dass die Jungs vor Partys K.-o.-Tropfen in die Bowle mischen.‘“ (Warum gehen die Studentinnen trotzdem hin?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 10.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31423

Stimmt, ich habe mich verlesen, weil ich von CSB auch noch nie gehört hatte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.01.2016 um 10.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31390

CSB (was auch immer das ist), nicht CSU. – Der Pressekodex ließe sich noch weiterentwickeln: In Berlin ist gestern nacht eine Person von einer anderen Person vor eine Maschine geworfen worden, was zum Tod einer der beiden Personen führte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2016 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31389

Die Regensburger CSU will "Lady-Zonen" in Bussen.

Diese Entwicklung ist wohl keine weitere Drehung im Euphemismenkarussell (Weib - Frau - Dame), sondern ein Seitenweg.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2016 um 17.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31350

Dawkins weist beiläufig darauf hin, daß Zauberkünstler fast immer Männer sind, weshalb er in diesem Fall der Notwendigkeit geschlechtergerechter Pronominalisierung enthoben sei. Es gibt auch bei uns Zauberkünstlerinnen, aber verschwindend selten, und nur wenige erreichen größeren Ruhm. Warum ist das so? Ich könnte natürlich sagen, Frauen brauchen nicht zu zaubern, weil sich schon bezaubernd genug sind, aber das wäre doch ziemlich altmännermäßig. Oder scheuen Frauen den uralten Ruf, Hexen zu sein? Voriges Jahr soll der IS einen zaubernden Straßenkünstler geköpft haben. Er glaubt also an Zauberei, wie auch die christlichen Hexenverfolger und das AT ("Hexen sollt ihr nicht leben lassen!").
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann es auch nicht sein.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 14.01.2016 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31307

Warum verzichtet man dann nicht lieber gänzlich auf die Angabe des Geschlechts, z. B. wenn man in Formularen eine Anreden angeben soll?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2016 um 13.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31306

Das Herunterspielen des Biologischen zugunsten der gesellschaftlichen "Zuschreibung" bzw. Wahl nimmt in allen Veröffentlichungen zum Thema, auch im neuesten "fluter" der Bundeszentrale, sehr viel Raum ein. Man könnte fast meinen, dies sei das Hauptproblem unserer Gesellschaft. (Mit solchen Kommentaren mache ich mich natürlich unmöglich.)

In eigener Sache: Wir haben es schon mal angesprochen, aber auf diesen Seiten hier haben sich früher mehr Frauen gemeldet als jetzt (nur ganz selten mal eine). Man kann aber nicht sagen, daß wir jemanden weggebissen hätten. Wie die Rechtschreibreform selbst ist auch die Diskussion darüber weitgehend Männersache. Warum bloß? Jedenfalls sortiert sich manches ohne Zwang, das sollte man doch mal anerkennen.

(Spekulation: Diskutieren heißt recht behalten wollen...)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 14.01.2016 um 10.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31305

Dieter Nuhr hat letzthin die berechtigte Frage aufgeworfen, was wohl ein strammer junger Flüchtling sagen werde, wenn er an der Grenze erst einmal sein Geschlecht wählen soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2016 um 06.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31301

Da nun massenhaft Deutschunterricht für Ausländer veranstaltet werden muß, sei noch einmal dringend davor gewarnt, den Schülern einen feministisch reformierten Sprachgebrauch zu vermitteln. Sogar Schuldidaktiker behaupten und verwenden ja zum Beispiel ein generisches Femininum, z. B. Jakob Ossner. Aber wer mit Schülerinnen auch Schüler zu bezeichnen glaubt, könnte in Schwierigkeiten kommen. Ebenso mit anderen Marotten aus dem privaten Gebrauch von Gutmenschen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2016 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31279

Aus dem genannten Heft:

Als Beispiel für die patriarchale Abwertung der Frau wird gern das Adjektiv „dämlich“ genannt. Es klingt nur nach „Dame“, tatsächlich leitet es sich vom lateinischen Wort „temulentus“ (betrunken) ab.

Da hat jemand den Herkunftsduden mißverstanden, der eine Urverwandtschaft zwischen den beiden Wörtern vermutet. Allerdings ist „dämlich“ nach den schriftlichen Belegen ein sehr junges Wort.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2016 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31135

Einblick in die Gender-Ideologie der Bundesregierung gibt es hier:

http://www.fluter.de/de/154/heft/13932/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2016 um 03.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31132

Nicht moviert wird z. B. auch der Lutscher oder Dauerlutscher (dies ist das Stichwort bei Wikipedia). Das Wort bezeichnet weder einen Handelnden noch ein Instrument noch eine kurze einmalige Tätigkeit.

Interessant ist der Hinweis zur Kurzform:
Dauerlutscher, Lutscher, Lolli (fälschlich oft auch Lolly geschrieben; aus dem Englischen: Lollipop) (Wikipedia)

Kann man das wirklich als eine falsche Schreibung bezeichnen?

Durch Wikipedia wird man immerhin auf ein Gerichtsurteil hingeführt:

Oberlandesgericht Köln
Urteil vom 03.05.2001
Az.: 1 U 6/01
Der Lollystiel
Für Stiele von Lutschern – auch Lolly genannt – sind keine Lizenzgebühren für das Zeichen "Der grüne Punkt" an das Duale System Deutschland zu entrichten, denn der Lollystiel ist Teil des Lutschers selbst und nicht dessen Verpackung. Mithin ist der Stiel eines Dauerlutschers wesensmäßiger Bestandteil des Lutschers. Ohne Stiel würde es sich nicht mehr um einen Lutscher handeln, sondern vielmehr um ein gewöhnliches Bonbon. Ist der Stiel aber notwendiger Teil des Produkts selbst, kann er nicht als Verpackung im Sinne der Verpackungs-Verordnung angesehen werden. Denn die Ware kann nicht zugleich Verpackung sein.


(Wodurch auch die vermeintliche Falschschreibung amtlich ist...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31057

Oft stoße ich auf einen grammatischen Fehler, der durch die feministisch-korrekte automatische Ersetzung entstanden sein könnte:

Die Untersuchung von Röber (2006) zur Schreibung der i-Laute bei Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgangsstufen und Schularten...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2015 um 06.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31048

Schon längst wollte ich mal nachsehen, wie es eigentlich zu dem sonderbaren Ausdruck metrosexuell gekommen ist. Nun, der Wikipedia-Eintrag bestätigt, daß es ein ziemlich windiger Bestandteil des heutigen Mediengewäschs ist. Interessant besonders der Nachtrag "Sonstiges".

"Mark Simpson war bei der Begriffsprägung nicht klar, dass „Metro“ in „Metropolis“ für Mutter steht (μήτηρ, μητρός, also die Mutterstadt einer Kolonie). Wörtlich heißt der griechisch-lateinische Begriff Metrosexuell also Muttersexuell. Im Nachhinein erklärte Simpson in einem Interview, dass der Begriff wegen der postödipalen Natur trotzdem passe. (Wikipedia Metrosexualität)

Man beachte den Purzelbaum am Schluß! Die Psychoanalyse behält immer das letzte Wort.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2015 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31046

Duden:

gen­dern
Wortart: schwaches Verb

Gebrauch: Politikjargon

Bedeutungsübersicht
das Gender-Mainstreaming (auf etwas) anwenden

Beispiel
die Behörde wurde gegendert


Weder die Zuordnung zum "Politikjargon" noch die Bedeutungsangabe sind korrekt. Daher ist auch das Beispiel eher untypisch, das eher die Festlegung einer Institution auf das Gendern belegt als das Gendern selbst. Gegendert wird meistens der sprachliche Ausdruck oder eine Toilette usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.12.2015 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31037

Sie gilt als weltbeste weibliche Schachspielerin der Geschichte. (Wikipedia über Judit Polgár)

Gäbe es eine männliche Schachspielerin, wäre sie bestimmt noch besser.

Viele Ungarn spielen ja seit ihrer Kinderheit Schach, so auch mein Freund, der sich nicht mehr erinnern kann, wann er es gelernt hat, also jedenfalls früher als schreiben. Zu Weihnachten hat er mir ein schönes Schachspiel geschenkt, um auch hierzulande einen allzeit bereiten Partner zu haben. Er wußte allerdings, daß ich aus meiner Jugend gerade mal die Regeln im Kopf hatte, und war nicht wenig überrascht, als ich ihn in fünf Zügen matt setzte. Wie es mir in der Revanche erging, will ich lieber nicht erzählen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2015 um 08.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30918

Die Uni Erlangen lädt ein:

Alle zwei Jahre machen wir uns in der Tagungsreihe „Bildungschancen durch Diversity-Kompetenz“ gemeinsam mit Ihnen als den entscheidenden Akteur_innen in Bildungsprozessen von Kindern und Jugendlichen, mit Ihnen als Studierenden und Lehrenden Gedanken, wie wir uns gerechten Bildungschancen weiter nähern und uns dafür einsetzen können. 2016 stellen wir das Thema „Identität und Geschlecht“ in den Mittelpunkt. In pädagogischen Kontexten spielen geschlechtliche Identitäten und sexuelle Orientierungen der beteiligten Personen eine wichtige Rolle – wenn auch oft nicht als ausdrückliches Thema. Damit Bildung gelingen kann, ist es notwendig, professionell mit dieser Vielfalt umzugehen. Dazu gehört, sexuelle Diversität überhaupt wahrzunehmen, Kenntnisse über die Entwicklung des Sexualverhaltens und der geschlechtlichen Identität zu besitzen und jeglicher Form sexueller Diskriminierung ethisch begründet und methodisch angemessen entgegen zu treten. In einem breiten Angebot von Vorträgen und Workshops gewinnen Sie Eindrücke einer differenzsensiblen und diskriminierungskritischen Perspektive in Wissenschaft und pädagogischer Praxis, die Sie idealerweise für Ihre eigenen Aktivitäten inspirieren.
Wir freuen uns auf die Begegnung und die Gespräche mit Ihnen.


Man erkennt das Bemühen, das Thema überhaupt auf der Tagesordnung zu halten. Das wird immer schwerer, weil das routinierte Gerede einen gewissen Überdruß erzeugt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2015 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30913

Die Sprachwissenschaft kann forschen, solange sie will – der Staat hat die Wahrheit über das "geschlechtergerechte" Formulieren erkannt und setzt sie flächendeckend durch. Widerstand ist zwecklos, es gibt auch keinen. Nur ein Beispiel:

In schriftlichen Arbeiten sind Sie dazu angehalten, geschlechtergerechte Formulierungen zu verwenden. Eine geschlechtergerechte Sprache zeichnet sich u. a. dadurch aus, „dass entweder geschlechtsneutrale Bezeichnungen oder sowohl die weibliche als auch die männliche Sprachform verwendet werden‟, wenn explizit (Kastell, 2010, S. 2) beide Geschlechter angesprochen werden.
Fragen Sie sich beim Schreiben stets, wer sich angesprochen fühlen soll (ausschließlich Männer, ausschließlich Frauen oder Frauen und Männer) und wählen Sie danach Ihre Formulierungen. Anmerkungen meist am Anfang eines Textes, dass im Folgenden nur noch eine Geschlechterbezeichnung gewählt wird, „erfüllen nicht die Anforderungen geschlechtergerechter Formulierung‟ (Kastell, 2010, S. 5). Verwenden Sie geschlechtergerechte Sprache in Ihrer gesamten wissenschaftlichen Ausarbeitung durchweg.
Die folgenden Formulierungshinweise zur Ansprache geschlechtergemischter Gruppen (orientiert an den Richtlinien des Gleichstellungsbüros der TU Braunschweig) unterstützen Sie bei der Anwendung geschlechtergerechter Sprache in Ihren wissenschaftlichen Arbeiten.
(TU Braunschweig)

(Die Literaturangabe bezieht sich auf den Leitfaden des Gleichstellungsbüros: https://www.tu-braunschweig.de/Medien-DB/gleichstellung/gbsprache.pdf)

Wie damals eine Handvoll Rechtschreibreformer die Staatsmacht für sich gewann und mit ihrer Hilfe ihre obskuren Absichten durchsetzte, so heute die Feministinnen, im wesentlichen sogar nur die Frauenbeauftragten, die Hunderte von Pöstchen zu besetzen wußten. Aus dieser sprachlichen Zwangsjacke gibt es kein Entkommen, und wie damals könnte man sagen: Wer sich unterwirft, wird auch sonst ein braver Staatsbürger sein.

Beides zusammen:

„Nutzen Sie bitte die Vorteile eines Rechtschreibprogramms und lassen Sie ihre Arbeit ggf. vor der ersten Abgabe Korrektur lesen! Achten Sie bitte auf eine korrekte Zitierweise (Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 2007) und geschlechtergerechte Formulierungen.“ (aus: Informationen zur Betreuung von Diplomandinnen/Diplomanden bei Ass.Prof.in Mag.a Dr.in Brigitte Jenull, Uni Klagenfurt)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2015 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30832

Sapir's way of speaking (in particular, his use of „he“ in a generic sense) sounds outdated today... (Anna Wierzbicka: Imprisoned in English: The hazards of English as a default language. Oxford 2014:13)

Es ist seltsam, daß Wierzbicka, die sich ja gerade um die sprachspezifischen Weltansichten kümmert, diesen feministischen Eingriff mitmacht und nicht im generischen Maskulinum eine Besonderheit des Englischen und vieler anderer Sprachen anerkennt. Implizit behauptet sie also, es gebe im heutigen Englisch kein generisches Maskulinum mehr; die Weltansicht der Englischsprecher habe sich geändert. Ist das wirklich eine Entwicklung des Englischen gewesen oder doch nur ein Eingriff? Ist he/she bzw. he or she wirklich endgültig im Englischen angekommen? Im Deutschen jedenfalls ist das generische Makulinum fast unangefochten herrschend geblieben, vor allem in Zeitungen und der Belletristik, im täglichen Gespräch sowieso.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2015 um 07.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30646

Auch Thomas Rietzschel glaubt wohl, der verhaßten Merkel nichts Böseres anhängen zu können, als sie innerhalb weniger Zeilen dreimal Bundesmutti zu nennen und sich über ihre Kleidung und ihre Frisur auszulassen. ...die Busenfreundschaft, die Angela Merkel von Anfang an mit Vladimir Putin und den chinesischen Genossen pflegte - wie bitte? War und ist Putins deutscher Busenfreund nicht ein anderer? Auf jeden Fall ist es ihr innerhalb eines Jahrzehnts gelungen, die bürgerliche Gesellschaft auf breiter Front in die Knie zu zwingen, Deutschland so zu destabilisieren, wie die Kommunisten, bei denen sie in Lehre ging, es sich immer gewünscht haben.

Tja, die kommunistischen Lehrjahre, die erklären natürlich alles, was dieser weibliche Teufel so tut.

Es gibt seriöse Analysen der gegenwärtigen Lage, aber man muß danach suchen (am ehesten im Wirtschaftsteil der großen Zeitungen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2015 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30418

Die SPD weiblicher machen
Die SPD war immer dann bei Wahlen erfolgreich, wenn sie von vielen Frauen gewählt wurde. Seit 2002 ist der Anteil der Frauen, die ihre Stimme der SPD gegeben haben, um 40 Prozent gesunken – quer durch alle Altersgruppen, besonders aber in der Gruppe der jungen Frauen. Dieser Vertrauensverlust kommt nicht von selbst – er hat Ursachen.
Trotz konservativer Politik wirkt die Union bunter und weiblicher, während die SPD trotz fortschrittlicher Programmatik als Männerpartei wahrgenommen wird.

(Beschluß vom Bundesparteitag 2013)

Man unterstellt, daß Frauen vorzugsweise weibliche Politiker wählen.

Es geht weiter:

Geschlechtergerechte Sprache mag manchmal anstrengend sein. Sie ist für uns gut und unverzichtbar. Denn wenn wir Frauen und Männer erreichen wollen, müssen wir Frauen und Männer ansprechen. Je näher wir sie auch sprachlich in ihrer Lebenswirklichkeit abholen, desto besser. Frauen wollen anders angesprochen werden als Männer. Auch wenn Frauen per se keine homogene Gruppe sind, so ist ihnen sehr wohl gemeinsam, dass sie sich eine lebendige Ausdrucksweise wünschen. Nicht die wohlfeilende (!) Formulierung reizt, sondern Leidenschaft und Einsatz.

Hat man je überprüft, ob Frauen die „geschlechtergerechte“ Sprache anziehend finden – oder eher davon abgestoßen werden, wie die meisten anderen Leute auch? (wohlfeilend kommt in mein Archiv.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2015 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30222

Liebe Studierende, liebe Mitarbeitende der FAU,

Die Katholische Hochschulgemeinde (KHG), die Evangelische Studierenden- und Hochschulgemeinde (ESG) und die Studentenmission in Deutschland (SMD) laden alle Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden der FAU herzlich zum Ökumenischen Gottesdienst zum Semesterstart ein. Am Dienstag, 13.10.2015, beginnen wir um 20.00 Uhr in der St. Bonifazkirche (Sieboldstr. 1, nahe Stadtmensa) in Erlangen. Das Thema lautet „44.701.285,82 € – Mensch, bist du das wert?“ Anschließend „all for free“ – im großen Saal der KHG, Sieboldstr. 3, wird weiter gefeiert.

Im Namen der Einladenden
Daniel Wanke

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2015 um 09.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30219

In May 2014 Valleywag, a Gawker blog, released a set of emails written by Spiegel during his undergraduate career to fraternity members that were explicitly misogynistic and homophobic in nature. Spiegel later apologized for his actions and attitude towards women at the time the emails were sent, stating, "I'm obviously mortified and embarrassed that my idiotic emails during my fraternity days were made public. I have no excuse. I'm sorry I wrote them at the time and I was jerk to have written them. They in no way reflect who I am today or my views towards women." (aus dem Wikipedia-Eintrag zu Evan Spiegel, dem 25jährigen Snapchat-Erfinder und Milliardär)

Solche Kindereien werden heute gleichrangig neben anderen biographischen Daten dokumentiert. Nach und nach wird jeder Lebenslauf abgesucht, ob da irgendwo ein dunkler Punkt im Sinne der politischen Korrektheit ist. Lieblingsbeschäftigung der Versager.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2015 um 03.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30166

Nur sehr langsam setzt es sich durch, daß man auch Frauen einfach mit dem Nachnamen bezeichnet. Bei sehr bekannten wie Merkel geht es am ehesten. Nicht gerade frauenfeindlich, aber doch paternalistisch klingt es, wenn in Wikipedia-Einträgen und anderen biographischen Texten die Frauen überwiegend mit dem Vornamen genannt werden. Man vergleiche den Artikel über Mathilde Wesendonck mit dem über Richard Wagner.

Bei Biographien muß sich der Verfasser entscheiden, ob er den kleinen Wolfgang irgendwann in Mozart übergehen läßt oder einfach beibehält, was dann doch irgendwie plump-vertraulich klingt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2015 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30126

Unzählige Beiträge in den Foren minderer Medien sind auf diesen Ton gestimmt:

Holt doch die Merkel-Mutti-Tante, die schafft das!

Man muß leider sagen, daß es ein frauenfeindlicher Ton ist, natürlich zugleich allerunterste Kiste.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2015 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30088

Leipziger Fortscher haben festgestellt, daß Frauen tiefere Stimmen haben "als angenommen". Nicht eine ganze, sondern nur eine halbe Oktave lägen sie höher als die Männerstimmen.
"Ob Frauen ihre Stimme bewusst tiefer legen oder ob es hormonelle Ursachen gibt, müsse noch erforscht werden."
Das ist keine vollständige Disjunktion. Frauen können ihre Stimmen auch unbewußt (ohne ausdrückliche Absicht) tiefer oder höher legen, Männer natürlich auch. Wie Ethnographen wissen, ist es in manchen Kulturen üblich, daß Männer machohaft tief sprechen, Frauen kindlich hoch, um dem sexuellen Geschmack entgegenzukommen oder aus anderen Gründen. Auch bei uns können solche Überlagerungen der anatomischen Gegebenheiten zu einer dauerhaft überanstrengten Artikulation führen. Das ist therapierbar.
Die neuen Ergebnisse (es geht ja um Durchschnittswerte) müssen sicher noch interpretiert werden. Ich kann mir kaum vorstellen, daß die früheren, sehr breit angelegten Studien zur Grundfrequenz so falsch gelegen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2015 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30044

Zu 1040#28947

Bis vor einigen Monaten war mir der Begriff "Intersektionalität" (in diesem Zusammenhang) nicht bekannt, aber inzwischen weiß ich (nicht zuletzt durch die anderswo erwähnte Berliner Fachschaftsinitiative Gender Studies), daß es sich um den letzten (oder – wer weiß – vorletzten) Schrei aus Amerika handelt. Ich erwarte daher auch eine Umbenennung unseres Erlanger Büros für Gender und Diversity. Einstweilen verweise ich auf:

http://portal-intersektionalitaet.de/startseite/

und dort insbesondere auf

http://portal-intersektionalitaet.de/theoriebildung/schluesseltexte/hornscheidt/

Beispiel einer Kapitelüberschrift:

3.3 intersektionalität als entnannte weiße statisierte normsetzung zu gender, als rezentrierung einer weißen ableisierten statisierten norm zu frauisierung

Von dieser Seite scheint mir die deutsche Sprache nicht bedroht zu sein, es ist gar zu abseitig, eine private Eskapade (auch durch die vielen Unterstriche mitten in Wörtern), die allenfalls in sehr kleinen, aber auseinanderfallenden Konventikeln einige Nachahmer findet. Nur im fremdfinanzierten Schonraum der Universität kann so etwas sich eine Zeitlang halten.

Nachtrag: Professx Hornscheidt (Selbstbezeichnung) schreibt alles klein, auch Eigennamen, nur Schwarz nicht (gleichsam das neue Nomen sacrum); es hat aber anscheinend nichts genutzt. Auf der genannten Website erfährt man Näheres über dix autox.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2015 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29956

Es ist wohl unbestreitbar, daß man in den Zimmern junger Frauen viel eher als bei Männern die Kuscheltiere und Schnüffeltücher der Kindheit antrifft, und zwar durchaus noch in täglichem bzw. nächtlichem Gebrauch. Manche Frauen tragen auch Teddybären usw. mit sich herum, mindestens als unpraktische Schlüsselanhänger, und Mädchen bringen solches Getier mit in die Schule. Meine Frau meint allerdings, das liege nur daran, daß man es den Mädchen eher nachsieht, wie auch das ganze Umarmen, Weinen usw., eben die Körperlichkeit, derentwegen wir diese Spezies so lieben.
(Mein heutiger Beitrag zum Gender mainstreaming.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2015 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29950

Leidtragender ist die Zivilbevölkerung. (FAZ 15.9.15)

Bei unbelebten Gegenständen und Abstrakta hat man die Wahl zwischen dem grammatischen Genus und dem generischen Maskulinum. Kompliziert wird es durch die Personifizierung, die dann aus dem Genus Sexus macht: Unternehmen werden als Mütter und Töchter metaphorisiert, und die haben natürlich auch ein Geschlecht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2015 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29902

Die Wissenschaft darf forschen, soviel sie will – die Obrigkeit weiß schon, was dabei herauskommen muß. Darum verfügt die Leitung der Universität Erlangen:

Geschlechtergerechte Sprache als Mittel der Gleichstellung

In dem Wissen, dass sprachlicher Ausdruck und sprachliche Formulierungen einen signifikanten – wenn auch zumeist unbewussten und unreflektierten – Einfluss auf die Sozialisation, das Denken, auf Assoziationen, Wahrnehmung und Handeln haben, tritt die Universität dezidiert für die Verwendung geschlechtergerechter Sprache ein. Die Anwendung des verallgemeinernden Maskulinum stellt nicht nur eine Verzerrung der Realität dar, sondern sie trägt auch zur Diskriminierung von Frauen bei, indem Frauen nicht nur in der Sprache, sondern auch in der Gesellschaft unsichtbar gemacht und ihre Leistungen geringer bewertet werden. Dies wiederum hat gesellschaftspolitisch gesehen geschlechterspezifische soziale Ungleichheit, auch im Bereich der Forschung und Wissenschaft und hier wiederum insbesondere in Führungspositionen, zur Folge. Sprache spiegelt somit nicht nur die reale Diskriminierung der Frau wider, sie schafft und stabilisiert sie auch. Geschlechtergerecht formulieren heißt also Gleichstellung im Bereich der Sprache verwirklichen. Aus diesen Gründen strebt die Universität Erlangen-Nürnberg die Realisierung der von der Bayerischen Staatsregierung am 23.12.2003 veröffentlichten Organisationsrichtlinie zur sprachlichen Gleichbehandlung im öffentlichen Dienst ebenso wie des vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren 2008 in der Broschüre „Bürgernahe Sprache in der Verwaltung“ dargelegten Leitfadens für die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern in allen Bereichen an.

Alle Mitglieder der Universität werden aufgefordert, ihren eigenen Sprachgebrauch und den ihrer Unterrichtsmaterialien kritisch zu reflektieren.“ So wird die Universität darauf achten, dass bei allen Auftritten in und gegenüber der Öffentlichkeit, auf allen Ebenen der Selbst- bzw. Außendarstellung, bei der Bezeichnung von universitären Einrichtungen, Gremien und Kommissionen, im allgemeinen Schriftverkehr, in allen Formularen und Vordrucken, in Rechts- und Verwaltungsvorschriften sowie in Studien- und Prüfungsordnungen Frauen und Männer in gleichem Maße angesprochen werden.

Wie sich sprachliche Gleichstellung herstellen lässt, wird in einem von der AG Chancengleichheit 2010 herausgegebenen Tischkalender zum Thema „Geschlechtergerechte Sprache“ für die universitäre Öffentlichkeit dargelegt.

(http://www.gender-und-diversity.fau.de/)

Wie man sieht, wird an einer Sondersprache gearbeitet. Nur die wissenschaftlichen Texte selbst sind noch ausgenommen, aber das wird schon noch kommen. Protestiert hat noch keiner der Wissenschaftler gegen diese Vorgaben.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.08.2015 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29803

Allgemein üblich ist Bumsinchen.
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 28.08.2015 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29798

Oder ein Beispiel aus der Umgangssprache. Da fragt jemand an, wie amiguita auf deutsch heiße. Er bekommt, wohl von einem Landsmann, ungefähr diese Auskunft: Decimos Freundinchen para amiguita, pero no es común en todas partes. (Es sei also nicht überall gebräuchlich.)

Freundinchen habe ich gewiß häufiger von Deutschen als von Schweizern gehört, jedenfalls von Erwachsenen über Erwachsene. Hier im alemannischen Raum wird es eher auf Kinder bezogen oder zu Kindern gesagt: "Kannst du dein Freundinchen nicht finden? Komm, wir gehen es zusammen suchen." Das Wort ist wirklich allgemein üblich.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.08.2015 um 23.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29797

-ine kommt aus dem Französischen: Christine, Claudine, Pauline usw. Die entsprechende Form -ina im Italienischen ist zugleich ein Diminutiv. Einen Nachhall spürt man in »Paulinchen«, das besonders niedlich klingt.
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 27.08.2015 um 21.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29796

Lieber Herr Riemer,

aber nein, Sie waren keineswegs sarkastisch, ich meinte meine eigene kurze und pauschale Nachbemerkung. Beim Schreiben war mir gerade nicht gegenwärtig, daß Sie (nicht ich) explizit Mädchen geschrieben hatten; denn daran hatte ich in erster Linie gedacht.

Was Sie zum verschieden lang gesprochenen -i- sagen, klingt vielversprechend und könnte die Sache klären helfen. Dann spielten wohl (auch) regionale Unterschiede der Aussprache eine Rolle. Ich möchte allerdings nicht darüber spekulieren und hoffe wie Sie, daß jemand hier Bescheid weiß.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.08.2015 um 19.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29795

Lieber Herr Herter,
ich bin mir nicht sicher, hoffentlich kann es jemand klären, aber Ihre Beispiele auf -ine -> -inchen werden alle mit langem -i- gesprochen. Deshalb nehme ich an, sie werden wohl mit der Endung -in mit kurzem -i- als weibliche Kennzeichnung vor allem von Berufsbezeichnungen nichts zu tun haben. Auch nicht, obwohl diese Wörter auf -ine alle weiblich sind.

Oh je, ich wollte doch nicht sarkastisch sein, ich finde nur, daß der Diminutiv normalerweise erstmal nichts mit "PC" oder so zu tun hat. Es gibt natürlich spezielle Bildungen und kommt auch auf den Zusammenhang an.
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 27.08.2015 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29794

Wo kommt das Wort sonst noch vor?

Lieber Herr Riemer, wie oft nennen Sie einen (kleinen) Schneider Schneiderlein? Ich sage ja nicht, die Verkleinerungsform das tapfere Schneiderinchen sei häufig. Wie auch! Ich sage nur, so lautet(e) das weibliche Pendant zu das tapfere Schneiderlein.

Wir sind mit solchen Formen nicht in der Alltags-, sondern in der Märchensprache. Und hier wird derlei ohne weiteres gebildet. Ein Junge, der zittert, ist ein Zitterer. Nun handelt die Geschichte (bei Bechstein) aber von einem Mädchen (einer verzauberten Königstochter) – es ist das Zitterinchen. Oder gar Däumelinchen! Das erklärt sich nicht mehr simpel haplologisch. Doch wir lesen es, akzeptieren und verstehen es.

Vermutlich werden solche Bezeichnungen wie Namen behandelt, was sie ja eigentlich auch sind. Denn bei weiblichen Namen, die von männlichen abgeleitet sind, ist dieser Diminutiv nicht ungewöhnlich, etwa Paul -> Pauline -> Paulinchen.

(Zum sarkastischen Nachsatz – betr. Mädchen – vielleicht später ein Wort; es lohnt sich kaum.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.08.2015 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29790

So wie in "Balzac und das chinesische Schneiderinchen"?

Wo kommt das Wort sonst noch vor?

"politisch ungehörig, eine Frau in irgendeiner Weise zu minimieren"

Es gibt viele Verkleinerungsformen weiblicher Personenbezeichnungen, nur eben keine auf -in.
Und wohl keiner dieser Ausdrücke hat etwas "politisch Ungehöriges":
Mädchen, Frauchen, Schätzchen, Mütterchen, ...
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 27.08.2015 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29786

Keinen Diminutiv? Hat sie doch:

Das tapfere Schneiderinchen

– nur ist es heute eben politisch ungehörig, eine Frau in irgendeiner Weise zu minimieren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.08.2015 um 23.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29784

Die tapfere Schneiderin

titelt die FAZ heute auf S. 10.
Tja, die Schneiderin hat leider keinen Diminutiv.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2015 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29780

Die Wendung ist sicher schon alt, aber so richtig bekannt wurde sie wohl durch Angela Merkel, die das Abhören unter Freunden so kommentierte. Ich hatte es als scherzhaftes Halbzitat gebraucht und dabei an diese Quelle gedacht.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 26.08.2015 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29779

Gerade lese ich, daß ein Kleidungsstück "feminin" sei. Also das geht gar nicht.

Die Aussage, daß etwas ''gar nicht geht'' um etwas zu kommentieren, daß es offensichtlich gibt/das offensichtlich ''geht'' findet sich in den letzten Jahren häufig, früher hab ich das nie gehört.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2015 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29778

Für die nächsten Jahre erwarte ich eine staatlich organisierte Jagd auf jegliche Werbung, die mit geschlechtsbezogenen Klischees arbeitet. Dadurch entfällt ein großer Teil der Mode- und Kosmetikreklame. Gerade lese ich, daß ein Kleidungsstück "feminin" sei. Also das geht gar nicht. Ich wundere mich, daß noch kein Abmahnverein unter Berufung auf das Gender mainstreaming und Antidiskriminierungsgesetze diese Goldmine entdeckt hat.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 13.08.2015 um 09.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29705

Aus dem Schreiben einer Behörde:

gerne entsprechen wir Ihrem Wunsch nach einem Wechsel Ihrer persönlichen Ansprechpartnerin. (Der bis dahin zuständige Beamte war ein Mann und fachlich vollkommen überfordert.)

Ab sofort wird Ihr Antrag von Herrn **** bearbeitet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2015 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29697

Jemandem die Haare machen, sich die Haare machen

Das sagt man wohl nur von Frauen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2015 um 11.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29653

Vor ungefähr 20 Jahren nahm ich an einer Tagung über Frau und Sprache teil, veranstaltet von der GfdS und der Frauenbeauftragten der Stadt Wiesbaden. Frau Pusch war auch da. Herr Droswdowski hatte mich vor der Teilnahme gewarnt, weil er seine Pappenheimerinnen kannte, und es war auch alles ganz schrecklich. Ich habe mein Referat aus Notizen rekonstruiert und rücke es mal hier ein. (Ich hatte gerade das ähnliche Kapitel in meinem Buch "Die Disziplinierung der Sprache" geschrieben, deshalb habe ich mich auch zur Teilnahme überreden lassen.)


Frau und Sprache

Es gibt zahlreiche Äußerungen von feministischer Seite, die es einem Mann wörtlich oder im übertragenen Sinn verbieten, an dieser Diskussion überhaupt teilzunehmen. Wenn Männer auch nur den Mund aufmachen, vergewaltigen sie schon. Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte von Gewalt, die den Frauen von den Männern angetan wird. Männer gehören ein für allemal auf die Anklagebank, haben aber auch dort angesichts der Offensichtlichkeit und Größe ihrer Schuld keine Chance, sich zu verteidigen, ganz abgesehen davon, daß jedes ihrer Worte schon wieder ein Verbrechen wäre. Eigentlich bleibt nur die Möglichkeit, die Männer abzuschaffen, damit endlich friedliche Verhältnisse einkehren. Wo Schuld und Unschuld so klar verteilt sind, kann sich ein Mann nur mit dem Mut der Verzweiflung sozusagen das Recht zu einem Schlußwort unter dem Galgen erbitten, auch wenn er genau weiß, daß niemand ihm zuhört.

Auf den ersten Blick - oder vielmehr auf den zweiten - sieht die Geschichte der Menschheit, jedenfalls in dem uns bekannteren Teil, ganz eindeutig so aus, daß die Frau darin den beklagenswerten Part der weitgehend rechtlosen, unterdrückten und ausgebeuteten Dienerin des Mannes spielt, allenfalls ein wenig aufgehellt durch die Anerkennung, die ihr das Gebären von Söhnen verschafft. Die Frau ist von der Gestaltung des Gemeinwesens ausgeschlossen, sie hat in der Volksversammlung der Griechen so wenig zu suchen wie in der Hierarchie der Kirche. Usw., die Tatsachen sind ja bekannt genug.

Ich kann und will Tatsachen nicht bestreiten und möchte ausdrücklich feststellen, daß ich die allmähliche Aufhebung dieser Ungleichheiten in der jüngsten Neuzeit selbstverständlich begrüße und ebenso die notwendige Fortsetzung dieser Emanzipation.

Trotzdem reizt es mich, das Schwarz-Weiß der üblichen Darstellung zu relativieren. "Glück und Unglück in der Weltgeschichte" (J. Burckhardt) sind nie so eindeutig verteilt, daß die Bilanz so einfach wäre. Über vergangene Verhältnisse sind wir naturgemäß unzureichend unterrichtet, auch wenn nicht zuletzt dank feministisch angeregter Geschichtsforschung manches endlich ans Licht gekommen ist. Aber auch heute gibt es ja noch Gesellschaften, die der Frau eine wenig emanzipierte Rolle zuschreiben, stark männlich dominiert sind, bis hin zum weitgehenden Verschwinden der Frau aus dem Straßenbild und aus der Öffentlichkeit. Kenner versichern uns aber, daß dieses Bild ziemlich oberflächlich ist. In Wirklichkeit habe die Frau auch dort durchaus ihre Macht, ihren Einflußbereich, so daß Mann und Frau in Wirklichkeit zwar sehr ungleiche, aber eher komplementäre Rollen spielten, als daß das Bild von der einseitigen Männerherrschaft zuträfe. Wer je in solchen Ländern gelebt hat, Einblick in das Familienleben bekommen konnte usw., der weiß, daß man mit der Zeit immer mehr dazu neigt, dieses Bild zu relativieren. Noch etwas anderes kommt hinzu: Wir wundern uns ja manchmal ein wenig, daß z.B. in islamischen Staaten oder auch in anderen Ländern wie Indien und Sri Lanka Ministerpräsidentinnen auftreten, während wir noch keine Bundeskanzlerin und die USA noch keine Präsidentin hatten. Man könnte noch manches andere erwähnen.


Es gibt einen kruden Biologismus, mit dem Männer vor allem im letzten Jahrhundert die Emanzipation der Frau zu verhindern versucht haben. Frauen seien aufgrund ihrer leiblichen und geistigen Natur nicht fähig, dies oder jenes zu tun usw. Heute ist es vor allem die katholische Kirche, die noch so argumentiert und ihr biologistisches Menschenbild naturrechtlich und theologisch einkleidet. Denselben Biologismus finden wir übrigens, wo man versucht, aus dem Territorialverhalten der Säugetiere bevölkerungs- und ausländerpolitische Folgerungen abzuleiten, wie es z.B. Eibl-Eibesfeldt tut.

Andererseits halte ich es auch für falsch, biologische Einsichten für ganz irrelevant zu erklären und mit existenzialistischem Pathos zu behaupten, der Mensch sei frei, seine Identität nach Belieben zu wählen. Wir sind nicht einmal frei genug, um das Rauchen oder Trinken aufzugeben, obwohl Kant mit Recht darauf hingewiesen hat, daß jeder Mensch von einem geplanten Verbrechen abzubringen sei, wenn man ihm die Strafe unmittelbar glaubwürdig androhe. Der Raucher würde, wenn das Rauchen mit Todesstrafe bedroht wäre, angesichts des Hinrichtungskommandos das Rauchen wohl lassen können. Aber diese rigorose Auffassung hat mit dem wirklichen Leben nichts zu tun. Der sogenannte Geschlechtstrieb ist uns in anderthalb Milliarden Jahren Evolution andressiert worden. Man kann sagen, daß die Fortpflanzung unbestreitbar der Sinn und Zweck des Lebens ist, denn eine Spezies, die dieses Gebiet vernachlässigt, würde schon lange nicht mehr existieren. Ich spiele hier ein bißchen mit den Begriffen, dann natürlich weiß ich, daß der Schluß vom Sein auf das Sollen ungültig ist und daß das Leben als ganzes keinen Sinn und kein Ziel hat. Aber der evolutionistische Grundgedanke ist wohl begreiflich und unbestreitbar. Außerdem ist das eigentliche Fortpflanzungsverhalten weitgehend reflektorisch, und die bestbegründete Willensfreiheit kann ebensowenig wie die glaubwürdigste Strafandrohung zu erfolgreicher Kopulation führen. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist jeder Mensch im Grunde nur ein Sexualorgan, mit dessen Hilfe sich seine Gene fortpflanzen...

Im Grunde wissen wir das auch alle. Die Sexualität beherrscht den Menschen, vieles andere ist mehr oder weniger offen davon abgeleitet, alle Liebe und Zärtlichkeit, Verantwortung und Solidarität. Die Psychoanalyse, über die man sonst verschiedener Meinung sein kann, hat dies, durchaus im Einklang mit Schopenhauer und vielen anderen, nachzuweisen versucht. Es gibt viele Menschen, die das als demütigend empfinden, der erwähnte Schopenhauer z.B., der sich da ganz im Einklang mit indischen Auffassungen vom Rad des Lebens und Leidens wußte. Mit der Geschlechtlichkeit kam der Tod in die Welt, das ist klar und kann evolutionsbiologisch nicht anders sein. Auf diese Einsicht und auf die Herrschaft des Sexus über unser ganzes Tun und Denken reagieren die Menschen verschieden. Manche gehen ins Kloster. Andere bejahen die Herrschaft des Sexus und finden, daß das Leben erst dadurch Sinn und Wert bekommt. Das ist wohl Sache des Temperaments und der Erziehung. In der feministischen Diskussion war vor allem in der Frühzeit oft ein sexfeindlicher Zungenschlag zu vernehmen. Wenn Frauen sich dagegen wehrten, als sogenanntes „Sexualobjekt“ angesehen zu werden und sich z.B. schon darüber empörten, daß Bauarbeiter hinter einem vorübergehenden Mädchen herpfiffen, konnte man den Eindruck gewinnen, daß sie von Geschlecht überhaupt nichts wissen wollten. Andere schienen Sex zu bejahen, aber nur lesbisch orientierten, weil dort angeblich die Machtverhältnisse, die zwischen Mann und Frau herrschen sollen, keine Rolle spielen.

Mir kommen grundsätzliche Sexfeindschaft und Männerhaß ziemlich neurotisch vor, und ich kann aus den genannten Gründen einfach nicht glauben, daß sie eine natürliche, unabhängig von irgendwelchen unglücklichen persönlichen Erfahrungen erklärbare Grundlage haben. Außerdem sehe ich, daß ein großer Teil der weiblichen Menschheit einen beträchtlichen Teil seiner Zeit und Mühe und auch viel Geld darauf verwendet, sich für Männer attraktiv herzurichten, sich also just zu dem "Sexualobjekt" zu machen, das sie angeblich nicht sein will. Ich schließe daraus, daß die weit überwiegende Mehrheit nichts dagegen hat, "Sexualobjekt" zu sein (wie das rüde Wort im zeittypischen Psychojargon lautet), vielmehr die Geschlechtlichkeit bejaht und sein Glück darin sucht, "zu lieben und geliebt zu werden" (wie man früher etwas netter zu sagen pflegte). Auch enthält die Schöne Literatur beinahe nichts anderes.

Es gibt auch - besonders in Amerika - radikale Feministinnen, die nicht im Geschlecht, sondern in der Macht und Gewalt das Primäre sehen und definitorisch festlegen: Wo immer Gewalt herrscht, ist der gewaltausübende Teil als „Mann“ zu identifizieren, mag er auch biologisch eine Frau sein. Der Mann ist das böse Prinzip. Dazu habe ich naturgemäß nichts zu sagen.

Manche Unterschiede im Verhalten von Männern und Frauen sind als Aspekte des natürlichen, mit der Fortpflanzung in Zusammenhang stehenden Geschlechtsdimorphismus zu sehen, der auch im Tierreich allgegenwärtig ist. Er ist natürlich beim Menschen kulturell überbaut. Wenn nicht alles trügt, ist die Frau in Aussehen und Verhalten wenigstens teilweise in Richtung Kindlichkeit geprägt (obwohl man neuerdings darauf hingewiesen hat, daß dies für die Kopf- und Gesichtsproportionen nicht zutrifft). Man hat auf die wenig behaarte, dünnere und durch Fetteinlagerung glatt und zart wirkende Haut der Frauen hingewiesen. Die Stimme liegt aufgrund bekannter anatomischer Unterschiede des erwachsenen Kehlkopfes eine Oktave höher. Dieser Unterschied wird, wie nicht erst seit feministischen Erhebungen bekannt ist, in manchen Kulturen noch überhöht, indem die Männer machohaft tiefer und die Frauen kindlich höher sprechen, als sie eigentlich müßten. In unserer Gesellschaft verschwindet dieses Verhalten meinem Eindruck nach ebenso wie die hohen Stöckelschuhe, die ja heute auch nur noch albern wirken, wenn man nicht gerade ein Deformationsfetischist ist. Größere Natürlichkeit läßt sich auf vielen Gebieten beobachten; man hat es weniger nötig, Geschlechtsidentität zu betonen. Das gilt männlicherseits z.B. für den Ansehensverlust des Soldatischen, auch wenn einige Vorgestrige das Rad gerade auf diesem Gebiet zurückdrehen wollen.

Der Geschlechtsdimorphismus "dient" sozusagen der Steuerung des Sexualverhaltens. Der Philosoph Bernd Guggenberger hat kürzlich in einem Buch und diversen anderen Äußerungen ernsthaft und in voller Naivität die These aufgestellt, Frauen seien schöner als Männer. Damit hat er als Mann natürlich vollkommen recht, denn die Natur selbst hat es so eingerichtet, daß er es so sehen muß. Schopenhauer hat bekanntlich in groben Worten das Gegenteil behauptet, aber wer seine Schriften liest, kann unmöglich glauben, daß es ihm ernst damit war. Wahrscheinlich hat er sich damit nur gerächt für die beschämende Faszination, die das Geschlechtliche und damit die Frau zeitlebens auf ihn ausübte.


Der entscheidende Unterschied zwischen Mann und Frau besteht in der Fähigkeit der Frau, ein Kind zur Welt zu bringen. Anna Wierzbicka hat in ihrer ingeniösen Semantik die Frau als den Mittelpunkt sämtlicher genealogischen Begriffe gestellt, indem sie definiert: Eine Frau ist ein Mensch, der ein Kind zur Welt bringen kann. Der Mann ist sekundär über die Frau definiert als ein Mensch, der verursachen kann, daß eine Frau ein Kind zur Welt bringt. Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut, weil er Biologie und Sprache, also Kultur, zusammenzuführen erlaubt. Wenn Feministinnen den biologischen Unterschied herunterspielen und Geschlecht zu einer sozialen Konstruktion erklären, verleugnen oder verkennen sie, daß nicht eigentlich die Frau, sondern die Mutter bzw. die Mutter zu werden "drohende" Frau in unserer Gesellschaft diskriminiert ist. Nicht die Frau, sondern die Schwangerschaft ist das - auch wörtlich verstandene - „punctum saliens“.

Ich selber ziehe seit Jahren mit familienpolitischen Vorträgen durch die Lande und gebe damit schon zu erkennen, wo für mich der Schwerpunkt einer realen, nicht nur symbolischen Frauenpolitik liegt. Man hat mit Recht gesagt, daß die Armut in unserem Lande weiblich, alt und kinderreich sei. Auf die Gründe kann ich hier nicht eingehen. Es ist bekannt, daß der Nutzen der Kinderaufzucht bei uns sozialisiert, die Last jedoch privatisiert wird. Da die Sozialleistungen allesamt im Umlageverfahren von der jeweils arbeitenden Generation aufgebracht werden (Mackenroth-Theorem), sind Kinder für den Bestand des Sozialsystems absolut notwendig. Die enormen, mit riesigen Wohlstandsverlusten verbundenen Lasten der Kinderaufzucht werden so wenig honoriert, daß eine Frau bis zu den jüngsten Reformen 35 Kinder hätte großziehen müssen, um eine Rente von Sozialhilfeniveau zu beziehen. Die Belastung der Familie schlägt aus bekannten Gründen hauptsächlich als Belastung der Frau durch. Leider wollen die meisten Feministinnen von "Familie" und Familienpolitik nichts wissen, in Verkennung der wirklichen Zusammenhänge und sehr zum Schaden für die Sache der Frauen. Sie kochen lieber ihr Selbstverwirklichungssüppchen und bedenken nicht, daß es ihnen eines Tages vielleicht gar nicht mehr schmecken könnte.


Auf einige Unterschiede im Sprachverhalten von Mann und Frau habe ich bereits hingewiesen. Vieles ist noch umstritten. In diesem Zusammenhang wird oft Otto Jespersen genannt, der große dänische Anglist, der 1922 in seinem Buch "Language" als einer der ersten ein Kapitel über die Frau bot. Von feministischer Seite wird Jespersen oft als Beleg männlicher Voreingenommenheit angeführt; auch habe er bei seiner Charakterisierung von Frauensprachen den möglichen "Zusammenhang mit der jeweiligen Sozialstruktur, mit vorgegebenen Verhaltensnormen und kulturellen Werten" nicht berücksichtigt (Bußmann 1995: 130). Für beide Behauptungen habe ich bei Jespersen keinen Anhaltspunkt finden können. Er gibt vielmehr eine korrekte Bestandaufnahme des damals Bekannten und bemüht sich um eine sachliche Erklärung, vor allem unter Berücksichtigung der Arbeitsteilung.
Interessant ist Jespersens Beobachtung, daß Texte, z.B. in Lehrbüchern, die von Frauen geschrieben wurden, im allgemeinen leichter zu verstehen sind als die oft überformulierten Texte von Männern: "Woman as a rule follows the main road of language, where man is often inclined to turn aside into a narrow footpath or even to strike out a new path for himself. Most of those who are in the habit of reading books in foreign languages will have experien­ced a much greater average difficulty in books written by male than by fema­le authors, because they contain many more rare words, dialect words, tech­nical terms, etc." (Jespersen 1922: 248). Männer neigen zu sprachlichem Imponiergehabe, das ist bekannt. Hochschullehrer wissen es aus Seminararbeiten usw.

Die Deutung der Unterschiede im Sprachverhalten ist schwierig. Man hat festgestellt, daß Frauen eher standardsprachlich korrekt sprechen, weniger fluchen usw. Ich möchte noch die Beobachtung hinzufügen, daß Frauen weniger Lustgewinn aus Wortspielen und Sprachwitzen (puns) ziehen und weniger Parodien und Unsinnspoesie verfassen, so daß ein Kollege von mir, der eine Anthologie von Parodien herausgegeben hat, sich genötigt sah, mangels Autorinnen eine solche zu erfinden, die er dann auch mit einem fiktiven Lebenslauf ausstattete. Ich habe dies immer mit den Untersuchungen von Piaget zum Normbewußtsein von Kindern in Verbindung gebracht: Knaben scheinen eher zum Aufstellen von Regeln zu neigen, während Mädchen eher zur Einzelfallgerechtigkeit neigen. Daraus folgt aber, daß die Jungen die Regeln ernster nehmen und gerade deshalb aus dem spielerischen Durchbrechen der Regeln und Gesetze größere Lust ziehen. Männer sind ja auch viel krimineller als Frauen. Männer haben auch viel mehr Sprachfehler, stottern eher als Frauen usw. Dafür sterben sie auch früher und sind überhaupt, wenn man von den perinatalen Gefährdungen der Mütter absieht, auf allen Altersstufen anfälliger für Krankheit und vorzeitigen Exitus.


Die feministische Sprachkritik erinnert stark an die besonders in den USA jahrzehntelang sehr populäre "Allgemeine Semantik" (Korzybski, Hayakawa, Chase). (Vielleicht ist daher Amerika auch Ursprung und Mekka der feministischen Linguistik geworden.) Diese "General Semantics"-Bewegung kritisierte bekanntlich die "ptolemäischen Redensarten" in unserer Sprache, also Wendungen, die wie „die Sonne geht auf“ längst obsolet gewordenes Wissen fortleben lassen. Das Beispiel ist allerdings selbstwiderlegend, denn gerade die Astronomen halten ja am ptolemäischen Sprachgebrauch fest, ohne sich in der Sache davon im mindesten irreführen zu lassen.

Es gibt kaum Anhaltspunkte dafür, daß der Gebrauch einer bestimmten Sprache bestimmte Ansichten und Wertungen nahelegt oder gar erzwingt. Bußmann spricht die Voraussetzung dieser Humboldt-Sapir-Whorfschen Theorie aus, wenn sie sagt, daß „ein Denken außerhalb des sprachlich Vorgegebenen nicht möglich ist“ (1995:143). Dabei kommt natürlich alles darauf an, was man unter „sprachlich vorgegeben“ versteht. Die Wissenschaftsgeschichte zeigt, daß es eher die herrschenden Modelle sind, die neue Gedanken erst allmählich und wohldosiert möglich werden lassen. Zwar werden die Modelle auch sprachlich artikuliert und vorwiegend (aber nicht nur!) sprachlich tradiert, aber nicht zwingend in bestimmten sprachlichen Formen. Ich habe diese Probleme anderswo, im Zusammenhang mit der Behauptung vom erkenntnisfördernden Wert der Metapher, diskutiert. Metaphern sind in der Tat sprachliche Figuren, Modelle sind es nicht, und gerade deshalb sind Modelle Erkenntnismittel, Metaphern nicht. Vgl. „Tunneleffekt, Coulombscher Berg, Coulombsche Schwelle“ usw. Angesichts dieser Schwierigkeit ist es schon erstaunlich, mit welcher Leichtfertigkeit behauptet wird, ein Denken außerhalb des sprachlich Vorgegebenen sei nicht möglich. Die Sprache selbst denkt ja nicht, und jede sprachlich formulierte Erkenntnis ist nur so viel wert wie die Erfahrung und das Denken, das dahinter steht.

Umgekehrt spiegelt der Sprachgebrauch schon eher eine bestimmte Weltansicht wider, allerdings in viel weniger schlüssiger Weise, als lange Zeit angenommen wurde. Denn die Ausdrucksmöglichkeiten sind außerordentlich vielfältig, die Dinge haben nicht einen festen Namen ein für allemal, und vieles kann nur der historisch-etymologische Blick überhaupt noch entziffern. Bußmann zitiert Douglas Hofstadter, der nicht ohne gefällige Zerknirschung bekannte, er gerate wider Willen immer wieder auf „die rutschige Bahn des Sexismus“, als ob man durch die gegebene Sprache frauenfeindliche Gesinnungen auszudrücken genötigt sein könnte, die man in Wirklichkeit gar nicht teilt. Das halte ich für eine abenteuerliche Überschätzung und Verkennung der Sprache. Man braucht sich bloß vorzustellen, ein überzeugter Atheist müsse sich ständig vorsehen, daß er nicht durch seine Wortwahl („Gott sei Dank“) gleichsam aus Versehen zum Gottgläubigen werde. Wohlgemerkt: Mißverstanden werden kann man natürlich immer, aber darum scheint es nicht zu gehen. Hofstadter macht sich ernsthaft Sorgen um den alten Adam in ihm selbst. Er zählt für mich damit zu den Beflissenen, und das ist in meinen Augen keine sehr angenehme Spezies. Wenn ein männlicher Kollege auf jeder Seite drei- bis viermal schreibt „Wir als Sprachtheoretikerinnen und Sprachtheoretiker“, dann frage ich mich unwillkürlich, warum er die politische Korrektheit so aufdringlich heraushängen läßt und was für ein Kerl er wohl in Wirklichkeit sein mag.

Man scheint zu glauben, wenn selbst ein Mann solche Bekenntnisse ablegt, muß es wohl stimmen, so wie man umgekehrt die gleichen Redeweisen bei Frauen damit erklärt, die Frauen hätten eben die männliche Sicht der Dinge übernommen. Mit solchen Immunisierungsstrategien ist der Punkt erreicht, wo die Diskussion für mich aufhört und nur noch Gesinnungsbekundungen zur Kenntnis genommen werden können.

Die sprachlichen Tatsachen werden von feministischer Seite nicht durchweg korrekt dargestellt. Ganz allgemein verbreitet ist schon die irrige Auffassung, Genus sei im Deutschen wie Numerus und Kasus eine "Kongruenz"-Erscheinung. Peter Eisenberg hat als einer der wenigen klargestellt, daß Genus eine Rektionserscheinung ist.

Für die angebliche Schlechterstellung der Frau wird auch immer wieder und bis zum heutigen Tage die sogenannte Bedeutungsverschlechterung von „Weib“ angeführt, obwohl spätestens seit Franz Dornseiff klar ist, wie es wirklich gekommen ist: Am Anfang stand der Wunsch mancher Männer, den einfachen "Weibern" (wîp) aus dem nichtadligen Volk etwas Nettes zu sagen: Man nannte sie also euphemistisch „frouwe“, d.h. Herrin. Als dies üblich geworden war, mußte der Name „Weib“ als nicht mehr gut genug erscheinen. Später wiederholte sich das mit „Dame“, das zur Bedeutungsverschlechterung von „Frau“ führte. In beiden Fällen waren es also Galanterie und Frauenverehrung und nicht etwa Frauenverachtung, was die Bedeutungsverschlechterung des bisher gebräuchlichen Wortes auslöste. Völlig gleichartig ist die Entwicklung bei englisch „tart“ und deutsch „Dirne“ verlaufen, die sich von der Bedeutung „Mädchen“ zur Bedeutung „Prostituierte“ entwickelt haben, weil man eben die Prostituierten seit je und überall verhüllend als „Mädchen“ bezeichnete. Geringschätzung der Frauen wäre es, wenn sich der z.B. Brauch einbürgerte, alle Mädchen „Nutten“ zu nennen, aber daran denkt natürlich niemand, am allerwenigsten ein Mann.

Da wir gerade bei Mädchen sind: Das Wort „Mädchen“ ist aus leicht erklärlichen Gründen Neutrum. Der kurzschlüssige Sprachidealismus, dem die Feministinnen huldigen, würde uns zu der Folgerung führen, daß dieses Wort dazu verleite, junge Menschen weiblichen Geschlechts als "geschlechtslos" anzusehen. Das ist natürlich krasser Unsinn. Das Wort „Mädchen“ führt (wenn es nicht gerade durch Kontexte wie „kleines Mädchen“ ins Kindliche neutralisiert wird) für jeden normalen Mann erfreuliche Konnotationen mit sich. In Tausenden von Gedichten haben Männer ihre Mädchen besungen, weit davon entfernt, sich vom neutralen Genus beeinflussen zu lassen, und selbstverständlich ohne eine Spur von Geringschätzung des jeweiligen Ziels ihrer Wünsche.

Die größere Häufigkeit von maskulinen Formen, maskulinen Pronomina usw. in Texten wird von Bußmann ohne weiteres als „Bevorzugung“ (138) bezeichnet, und zwar „zuungunsten“ weiblicher Bezeichnungen (143) was ich für ein bloßes Taschenspielerinnenkunststück halte. Größere Häufigkeit bedeutet ja keine höhere Wertschätzung. Das Maskuline ist einfach das Gewöhnliche, mehr kann man dazu nicht sagen. Auch daß bei Neutralisierungen der unmarkierte Pol einer Dimension der sogenannte „positive“ ist, sagt nichts über Wertschätzung. Man fragt ja auch, wie schwer eine Krankheit oder eine Aufgabe ist und meint damit doch wohl nichts Schätzenswertes.

Kurzum: Durch bloße Untersuchung der Sprache kann man schlechterdings nicht herausfinden, wie es mit der Stellung der Frau und dem Verhältnis der Geschlechter steht.



Luise Pusch tritt immer wieder einmal mit Vorschlägen zur "Entpatrifizierung" der deutschen Sprache hervor. Vor einigen Jahren war es z.B. die Verallgemeinerung des Neutrums bzw. des Femininums:

Sie ist eine gute Student. Ihre Leistungen sind beachtlich und ihre Professor ist sehr zufrieden mit ihr. Früher war sie übrigens Sekretär bei einer Architekt.
–-
Dem Zulassungsausschuß gehören an:
1. das Rektor als Vorsitzendes oder das Prorektor für die Lehre als dessen Stellvertreter
2. zwei Professoren
3. ein Angehöriges des wissenschaftlichen Dienstes
4. ein Student
5. das Leiter der Studentischen Abteilung.1


Diese Vorschläge haben, soweit ich sehe, keine Nachfolge gefunden. Die Frage der Durchsetzbarkeit solcher sprachlichen Eingriffe nimmt Pusch wohl etwas zu leicht, wenn sie sagt:

"Die hier vorgeschlagene Umstrukturierung tut dem deutschen Sprachsy­stem nicht mehr Gewalt an als dieses System uns Frauen antut."
Das "Sprachsystem" scheint hier hypostasiert und dämonisiert zu werden und dadurch einen Vorwurf auf sich zu ziehen, der allenfalls gegen die Männer erhoben werden könnte. Aber wie dem auch sei - vom fachsprachlichen Standpunkt aus wird hier ein Problem gestellt, das durch die Möglichkeit der "inklusiven Opposition" bereits gelöst war. Man kann sogar sagen: Das linguistische "Problem" der sexisti­schen Sprache entsteht erst dadurch, daß es thematisiert wird, denn erst von da an werden sprachliche Zeichen mit einer ideologischen Bedeutung befrachtet, die sie vorher objektiv nicht hatten. Die über­lieferte, angeblich "sexistische" Sprache hat noch keinen ihrer Benut­zer an einer nichtsexistischen Praxis gehindert.

Sprachliche Kosmetik ist wie Sprachkritik ein billiges Vergnügen, aber kraftlos gegen die strukturellen Zwänge, die eine Frauenemanzipation verhindern.

Die bisherige feministische Sprachpolitik ist vollkommen wirkungslos geblieben. Es gibt gesetzlich erzwungene Sprachregelungen in offiziellen Texten, z.B. Stellenausschreibungen, aber eine praktische Wirkung läßt sich nicht nachweisen. Wenn allmählich mehr Frauen in Professuren und leitende Stellungen kommen, setzt sich eine geschichtliche Entwicklung fort, die schon lange vorher begonnen hat und durch die feministische Sprachregelung nicht nachweisbar beschleunigt worden ist. Behauptungen, das Bewußtsein habe sich immerhin dadurch gewandelt, sind wohlfeil, aber nicht beweisbar. Hierher gehört natürlich auch das vage Gerede, die Frauen würden durch das generische Maskulinum unsichtbar gemacht, wollten mehr wahrgenommen werden usw. Manchen Feministinnen scheint es mittlerweile schon zu genügen, wenn Frauen ständig eigens erwähnt werden, durch Suffixe, Schrägstriche und großes I. An den realen Verhältnissen, z. B. eben was die Familie betrifft, arbeiten sie schon gar nicht mehr. Krasser kann man die Frauenbewegung nicht verraten, und viele Frauen, die etwas mehr wollen als frivole Sprachspielereien, distanzieren sich mittlerweile von diesen Geschlechtsgenossinnen.

Daß durch das generische Maskulinum die Frauen aus den Gedanken der Männer verschwinden könnten, ist wohl nicht zu befürchten.

Feministinnen behaupten manchmal mit dem Mut der Verzweiflung, sie hätten mit ihren Sprachregelungen durchschlagenden Erfolg gehabt. Aber wie steht es wirklich?
Die tatsächliche Praxis ist schwer zu überschauen. Es gibt zahlreiche Wissenschaftler beiderlei Geschlechts, die sich mehr oder weniger der feministischen Sprachregelung anschließen und dies auch oft ausdrücklich kommentieren:
„In dieser Arbeit werden alternierende Konventionen geschlechtsneu­traler Formulierungen verwendet, um Frauen aus der Position des eventuellen 'Mitgemeintseins' herauszuholen und sprachlich sichtbar zu machen.“ (Günthner, Susanne (1992): Diskursstrategien in der interkulturellen Kommuni­kation. Tübingen: 1.)
Man vergleiche auch die folgende, nicht ohne Selbstironie vorgeführ­te Maskerade:
On Pronominalization
I will contribute to the present chaos of person pronominalization in English by adhering to the following conventions: Speakers, whether male, female or generic, will receive masculine pronominalization. Hearers or addressees will be treated as female. When there are two or more interlocutors (i. e., speakers/hearers), the first one will be male, the second one female, and so on in alternation. (Levelt, Willem J. M. (1989): Speaking. Cambridge (Mass.), London: XV, Author's Note)
Andere bleiben bei der traditionellen Praxis, kommentieren dies je­doch ihrerseits in einer sehr bezeichnenden Weise, deutet doch gera­de der Kommentar darauf hin, daß durch die beschriebene Diskussi­on ein gewisser Rechtfertigungsdruck entstanden ist:
Das Problem der Gleichberechtigung der Geschlechter ist auch sprachlich noch nicht gelöst. So sehr es mir nötig erscheint, die Präsenz von Frauen in allen Lebensbereichen im Bewußtsein zu verankern, so sehr stört mich andererseits die Pedanterie einer ständigen Doppelbezeichnung. Ich belasse es deshalb bei dieser Grundsatzerklärung, daß es ebenso Historikerinnen und Wissenschaftlerinnen gibt wie Kommissarinnen und Täterinnen, und hoffe, daß die Leserinnen und Leser dies ihrerseits ständig mitdenken. (Renate Zoepffel in Heinz-Dieter Ebbinghaus/Gerhard Vollmer (Hg.): Denken unterwegs. Stuttgart 1992:235)

Alle Gattungsbegriffe habe ich - wie es Lesbarkeit und Umfang des Buches nahelegen - in der männlichen Form benutzt, die im Deut­schen die Bedeutung 'männlich' und 'weiblich' signalisiert. (Lutz, Luise (1992): Das Schweigen verstehen. Berlin u.a.: XVIII)
Autorengespanne verschiedenen Geschlechts sind manchmal ver­schiedener Meinung und müssen sich einigen. Ein Autor wollte das generische Maskulinum vermeiden, während seine Partne­rin dagegen war; er gab schließlich nach:
Wenn also in diesem Buch allgemein über 'den Lerner', 'die Lerner' oder 'den Lehrer' gesprochen wird, dann sind dabei stets sowohl weibliche als auch männliche Repräsentant(inn)en gemeint. (Edmondson, Willis / House, Juliane (1993): Einführung in die Sprachlehrfor­schung. Tübingen, Basel: 1.)
Das Ehepaar Leisi plädiert gemeinsam dafür, daß die Frauen die maskulinen Berufsbezeichnungen noch mehr für sich erobern, d. h. "sich zäh und nachdrücklich dafür einsetzen, daß man bei 'Lehrer', 'Partner', 'Sänger', 'Minister' immer auch an die Frauen denkt." So würde man allmählich zu englischen Verhältnissen gelangen, und da­durch würde die Gleichstellung am besten ausgedrückt. Sie verwei­sen auch auf den Unterschied zwischen „Sie ist der beste Assi­stent“ und „Sie ist die beste Assistentin“.
In Schweden z.B. wehren sich die Frauen dagegen, jeweils eigens genannt zu werden.
Der tatsächliche Einfluß der feministischen Sprachregelungen reicht wahrscheinlich weiter als der Glaube an die Richtigkeit seiner Haupt­these: daß die traditionelle Sprache den Frauen "Gewalt antue". Man beugt sich dem moralischen Druck. Diese Beobachtung kann man in Gremien von Wissenschaftlern machen, von denen man genau weiß, daß sie die feministischen Thesen für Unsinn halten. Trotzdem stim­men sie einer feministisch reglementierten Formulierung ihrer ge­meinsam erarbeiteten Texte zu, sei es um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, sei es in geradezu freudig vorauseilendem Gehorsam. Der Wissenschaftsbetrieb wird neuer­dings bekanntlich einer Disziplinierung unterworfen, die man in den USA, wo neben einer mächtigen Antisexismus-Bewegung auch die rassistische und ethnizistische Diskriminierung eine Rolle spielt, "poli­tical correctness" nennt. Damit ist das Sachfremde dieser Freiheitsbe­schränkungen treffend bezeichnet.



Vielleicht haben die Kritikerinnen recht, die der traditionellen Sprachwissenschaft vorwerfen, sie sei männlich-parteiisch gewesen. Aber soweit sie das war, war sie eben nicht wissenschaftlich, und es folgt daraus keineswegs, daß nun eine parteiisch feministische Linguistik an der Tagesordnung sei, wie man noch bei Bußmann 1995 lesen kann. Ich bin konservativ genug, eine parteiische Wissenschaft für einen Widerspruch in sich zu halten. Allerdings ist mir bekannt, daß manche Feministinnen diese Auffassung, d.h. den Glauben an die Objektivität, für typisch männlich erklärt haben. Renate Möhrmann fordert für künftige Wissenschaft geradezu eine "Parteilichkeit für Frauen":

"Feministische Wissenschaft ist parteiliche Wissenschaft und stellt den herrschenden akademischen Betrieb radikal in Frage. Sie setzt dem von Männern gestellten Objektivitätspostulat kein neues weibliches entgegen. Sie entthront die Kategorie der Objektivität ganz generell." (1982)

Möhrmann gelangt nicht über die recht vage Forderung hinaus, daß jede wissenschaftliche Tätigkeit die "Erkenntnisinteres­sen der Frauen" berücksichtigen solle.

"Daraus folgt jedoch nicht, daß ein Wissenschaftler männlicher Provenienz (? Th. I.) keinen feministischen Ansatz vertreten könne, wohl aber, daß das erwähnte geschlechtsspezifische Erkenntnisinteresse zum Gegenstand der Reflexion gemacht und die Erfahrungen von Frauen ernst genommen wer­den müssen."
Solche Ankündigungen sind nicht neu, wir warten aber noch auf ihre Erfüllung, um beurteilen zu können, was parteiliche Wissenschaft taugen mag. Ich sehe jedenfalls nicht, daß die Gegenposition zu irgendwelchen Ergebnissen geführt hätte. Es hat Versuche gegeben, der angeblich jüdischen Physik Einsteins eine angeblich deutsche Physik entgegenzustellen, und der Sowjetkommunismus hat immerhin für den Bereich der Sozial- und Kulturwissenschaften Parteilichkeit als oberstes Prinzip gefordert. Wir wissen, was dabei herausgekommen ist. Die Parteilichkeit zeigt sich bestenfalls in der Wahl der Forschungsgegenstände, z.B. der Bauernkriege, aber die Qualität der Forschung erweist sich an traditionellen Werten wie sorgfältiger Dokumentation und logischer Schlüssigkeit.
Pusch meint: „‘Betroffenheit’ wird mehr und mehr - nicht nur in der feministischen Wissenschaft - zur Vorbedingung von Wissenschaft, die diesen Namen verdient.“ (1990: 14)

(Diese Betroffenheit wird näher expliziert als „Wut und Trauer über das, was unserem Geschlecht von den Männern angetan wurde und wird“ (14). Man denkt unwillkürlich an Eichendorffs Lorelei: „Groß ist der Männer Trug und List / Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist“. Den Mann freilich schaudert´s: „Jetzt kenn ich dich, Gott steh mir bei / Du bist die Hexe Lorelei!“)

Und Bußmann schreibt noch 1995, die Erforschung des sprachlichen Wandels solle „aus der weiblichen Betroffenheits-Perspektive“ betrieben werden (147). Was soll dabei herauskommen? Weder die Argumentation noch die Ergebnisse werden sich dadurch ändern. Oder sie ändern sich tatsächlich, aber das wirft nur ein umso trüberes Licht auf die Wissenschaftlichkeit derjenigen Disziplinen, auf die sich die feministischen Ansprüche stillschweigend oder auch erklärtermaßen (wie im Untertitel von Bußmann/Hof) beschränken. Die Wirklichkeit läßt sich eben nicht nach politisch korrekten Wünschen zurechtbiegen. Bezeichnenderweise wird in feministischen Kreisen (z.B. in dem neuen Sammelband von Bußmann/Hof) das fatale Habermassche Wort „Erkenntnisinteresse“ wiederbelebt. Man nimmt wieder als völlig normal an, daß Forschung an bestimmten Ergebnissen interessiert ist und nicht an einer objektiven Wahrheit, die als unerreichbar oder nicht einmal wünschenswert gilt. Bin ich zu naiv oder zu männlich oder beides, wenn ich diese Haltung nicht teile?

Bußmann fordert uns alle abschließend dazu auf, eine sprachliche Lösung zu finden, die ein Gleichgewicht findet „zwischen linguistischer Redlichkeit und weiblicher Parteilichkeit“ (144). Ich weiß nicht, warum das Ziel so sonderbar formuliert werden muß. Warum sollte denn die Sprache parteilich sein, für wen auch immer?

Es muß hinzugefügt werden, daß keineswegs alle Wissenschaftlerin­nen und wohl nicht einmal die Mehrheit der Feministinnen so radika­len Forderungen zustimmen, und nur sehr wenige würden sich mit der in Deutschland zeitweise tonangebenden Feministin Trömel-Plötz vom Sieg der Frauensprache geradezu ein Pfingstwunder erhoffen:

„Es ist vielleicht mehr eine Wunschvorstellung als Realität und deshalb wichtiger als alle empirischen Beobachtungen: Im Idealfall, stelle ich mir vor, ist Frauensprache eine Art von Kommunikation unter Frauen, wo wir uns einander verbunden und miteinander verbunden fühlen, ohne uns lang zu kennen, ohne vorausgehende Prüfung der Charaktere, über Nationalität, Rasse, Alter und Klassen hinweg, weil wir zuallererst Frauen sind, bewußt uns als Frauen erleben mit demselben Anliegen, uns gegen unsere Unter­drückung zu wehren. Im Idealfall ist Frauensprache unterstützender Dialog, Offenheit, Kreditgeben, Akzeptieren, Verstehen (...)“ (Trömel-Plötz (1984: 33)
Es ist mir nicht klar, warum von allen denkbaren Parametern, die einen Menschen kennzeichnen und von denen die Verfasserin ja auch die wichtigsten aufzählt, ausgerechnet das Geschlecht zu einem paradiesischen Zustand führen soll.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.08.2015 um 14.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29599

Sehr viele Familiennamen auf "-er" sind Handwerksbezeichnungen und stammen aus der Zeit, als Frauen diese Berufe verschlossen waren und ihnen durch die Innungsregeln die Meisterprüfung verboten war (die "Meisterin" war nur die Frau des Meisters). Insoweit wäre es eine Wiedergutmachung, bei Namen von Handwerksbezeichnungen die Endung "-erin" zuzulassen..
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 31.07.2015 um 20.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29592

Und was machen Sie mit der Schwester und der Tochter?
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 31.07.2015 um 20.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29591

Ich hätte da einen Vorschlag, den man den Gender-Aktivisten (Verzeihung: Aktivistinnen und Aktivisten) vielleicht unterbreiten sollte, da sie selbst offenbar noch nicht auf diese Idee gekommen sind.
Alle Familiennamen, die auf -er enden, sollen (müssen?) in Zukunft mit der Endung -in versehen werden, wenn eine weibliche Person gemeint ist.
Das durchzusetzen sollte nicht allzu schwierig sein, da man ja auf alte Traditionen verweisen könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2015 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29588

Evangelische Studierendengemeinde steht über dem Eingang derselben, ich weiß nicht, seit wann. Konformismus war schon immer das Privileg der akademischen Jugend, aber es schüttelt mich, wenn ich vorbeiradle.

Irgendwo ganz oben wird Gender mainstreaming (oder Rechtschreibreform) beschlossen, und dann verläßt man sich auf die Selbstgleichschaltung, da ist überhaupt kein Zwang nötig.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 28.07.2015 um 23.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29566

Das Adjektiv studentisch entzieht sich wohl der Gegenderei, denn *studentInnenisch oder *student_innenisch sind einfach monströs – oder ist doch noch mit „studierendenisch“ zu rechnen? Denn wenn es keine „Studenten“ mehr gibt, kann es auch kein „studentisch“ mehr geben. Eieiei…
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 25.07.2015 um 10.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29546

Wo es gerade um Gesetze und Verordnungen geht: Beim Stöbern in Wikipedia bin ich gestern auf die Formulierung "Ratsfrauen und Ratsherren" für Stadtrats- bzw. Magistratsmitglieder gestoßen. Wie eine Google-Suche zeigt, scheint das mittlerweile die gängige Bezeichnung zu sein, aber sie erscheint mir irgendwie als schief:

- Man spricht von Frauen und Männern, also: Ratsfrauen und Ratsmänner;

- Man redet ein Publikum mit "Damen und Herren" an, also: Ratsdamen und Ratsherren;

- Dann gibt es ja noch die Herrin: Ratsherrinnen und Ratsherren;

- Schließlich nicht zu vergessen die -männin (Landsmännin): Ratsmänninnen und Ratsmänner. ("Landsfrau" geriete semantisch schnell in Konflikt mit der "Landfrau").

Jede dieser Varianten verletzt wohl irgendeine Empfindlichkeit, so daß man anscheinend aus Verlegenheit oder Gedankenlosigkeit zu dieser "asymmetrischen" Lösung gekommen ist.

Ratsmitglieder wäre einfacher und benötigte weniger Platz (und Tinte).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 24.07.2015 um 23.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29540

Da das Amt des Bundespräsidenten ja den Platz des Monarchen vertritt, wäre es eigentlich naheliegend, von »Mätresse« zu reden.

»Lebenspartner« scheint durch den spöttischen Gegenbegriff »Lebensabschnittspartner« unmöglich gemacht worden zu sein, daher jetzt nur noch kurz das geschäftsmäßige »Partner«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2015 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29539

Wenn es sich um ein Gesetz handelte, könnte man von einer "Lex Schadt" sprechen, denn 2012 hieß es an gleicher Stelle noch:

Hierzu gehören auch entsprechende Ausgaben für repräsentative Verpflichtungen des Ehegatten des Bundespräsidenten, soweit diese Ausgaben nicht von Dritten übernommen werden.

Ungeordnet wie die Dinge sind auch die sprachlichen Verhältnisse. Das Wort Partner läßt mich immer zuerst an Geschäftspartner denken, trotz der jüngsten Veramtlichung der Lebenspartnerschaften. Oder ich mache mit jemandem halbe-halbe, dann sind wir Partner. Freundin des Bundespräsidenten geht auch nicht, obwohl es am treffendsten wäre.
Im Alltag hört man: Ich lebe mit jemandem zusammen. Aber der Bundespräsident kann wohl zu den gehobenen Kindergeburtstagen, für die er selber keine Zeit hat, kaum jemanden schicken, mit dem er zusammenlebt.
Die gelebte Herabstufung der Ehe kontrastiert eigentümlich mit der allseits propagierten "Ehe für alle". Die Dinge sind ziemlich in Fluß geraten, und man muß abwarten, was daraus wird.

Eine andere Kuriosität ist der Vorschlag eines SPD-Politikers, die Partei möge auf einen eigenen Kanzlerkandidaten verzichten, weil er eh nicht gewinnen könne und Frau Merkel doch ganz gut sei. Das ist an sich nicht unlogisch, scheint aber doch am Sinn der Wahl vorbeizugehen. Auch die kleinste Partei braucht einen Kanzlerkandidaten, am besten auch ein Schattenkabinett, auch wenn man das von außen als Kasperletheater ansehen könnte. Aber durch die Wahl soll ja nicht nur eine Regierung ins Amt kommen, sondern auch das Kräfteverhältnis festgestellt und dokumentiert werden. Die eigentliche Frage ist wohl, ob man jemanden findet, der sich auch für einen "aussichtslosen" (aber nicht sinnlosen) Kampf voll und ganz ins Zeug legt, sich u. U. verschleißen läßt. Wenn man solche Leute nicht hat, dann braucht man in der Tat gar nicht erst anzutreten.
Die Frage stellt sich nicht nur an der Spitze. Als ich mal für den Landtag kandidierte, habe ich mir mit dem Bestellen des Möbelwagens auch Zeit gelassen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.07.2015 um 14.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29538

Manches ist bisher unbemerkt geblieben. So heißt es im Einzelplan 01 des Bundeshaushaltsplans 2015 (Bundespräsident und Bundespräsidialamt) unter »Sächliche Verwaltungsausgaben« in den Erläuterungen zum Abschnitt »Außergewöhnlicher Aufwand aus dienstlicher Veranlassung in besonderen Fällen«:

»Hierzu gehören auch entsprechende Ausgaben für repräsentative Verpflichtungen des Ehegatten oder Partners des Bundespräsidenten, soweit diese Ausgaben nicht von Dritten übernommen werden.«

Mir ist bekannt, daß »Ehegatte« und »Partner« dem juristischen Sprachgebrauch entsprechen. Daß man in Fällen wie diesem aber zu einer solchen Lösung greift, ist um so erstaunlicher, als sie ja nicht ganz undelikat ist. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie eine Formulierung aussähe, die alle denkbaren Kombinationsmöglichkeiten beschriebe, einschließlich des Falls, daß das Amt einmal von einer Frau bekleidet wird, die ja durchaus eine Partnerin haben könnte (nicht aber, bis auf weiteres, eine Ehegattin) – usw. usf.

Sobald allerdings eine pragmatische Lösung nicht mehr zwingend notwendig ist, geht die Genderei wieder los:

»Die Ausgaben sind einzeln zu belegen. Aus den Belegen muss Anlass, Funktion und Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Begünstigte) erkennbar sein.«

In beiden Zitaten ist das Geschlecht der beteiligten Personen für die Aussage völlig unerheblich.

Ich kenne zwar die Nöte derer, die sich beim Formulieren von Rechtstexten mit irgendwelchen Genderrichtlinien herumquälen müssen (siehe auch hier: www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19970), aber hat es nicht etwas Komisches, daß man sich dort, wo das generische Maskulinum ganz unauffällig gewesen wäre, dagegen entschieden hat, ausgerechnet dort aber, wo ein viel sensiblerer Bereich angesprochen ist, dafür?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2015 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29537

An der Universität Erlangen werden junge Wissenschaftler durch ein "Rising-Star-Programm" gefördert. Was tun, wenn eine Frau gefördert wird? Als "Starenweibchen" kann man sie nicht gut bezeichnen. Das Magazin der Universität sagt zweimal, Prof. Sabine Maier sei "eine der Rising Stars". Aber an das Prädikativum werden gar keine Kongruenzforderungen gestellt, ich könnte meine Frau ohne weiteres "mein Schatz" oder – um bei den Sternen zu bleiben – "mein Augenstern" nennen. Das wäre deshalb auch keine "Constructio ad sensum" (Synesis), wie manche Germanisten irrigerweise meinen.
Das Magazin ist im übrigen nur sehr unvollkommen gegendert. Zwar ist der Ausdruck "Student" schon lange tabu, aber sonst geht es wild durcheinander. Das Büro für Frauen und Gedöns scheint noch nichts bemerkt zu haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2015 um 15.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29493

Im Fall Hunt zeichnet sich tatsächlich eine Gegenbewegung ab. Ein Alumnus hat sein Testment geändert und entzieht den Narren vom University College London mal eben etwa 100.000 Pfund. Eine andere Sprache verstehen die Herrschaften wohl nicht.

In Deutschland kommt so etwas auch schon vor, juckt die Betroffenen aber nicht, weil sie wissen, daß dem Staat keine Ausgabe zu hoch ist, um die Politische Korrektheit durchzusetzen. "Mainstreaming" sagt ja schon alles.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.07.2015 um 12.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29488

Sì, è corretto.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2015 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29487

„Keinem italienischen Bergführer ist übrigens bisher eingefallen, sich *guido alpino statt guida alpina zu nennen.“ (Miorita Ulrich in Sprachwissenschaft 13, 1988)

Ob das immer noch stimmt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2015 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29457

Die beiden herkömmlichen Theorien zur Entstehung des grammatischen Geschlechts lassen sich so zusammenfassen:

Die von Grimm und vielen "romantisch" und psychologisch, später auch psychoanalytisch ausgerichteten Forschern vertretene Sexualisierungstheorie nimmt an, daß die Menschen früher die belebte Natur anthropomorphisch erlebt und daher auch mit Geschlechtszuordnungen versehen hätten, so wie man bis in unsere Zeit beobachten kann, daß z. B. handwerkliche Vorgänge und Werkzeuge sprachlich sexualisiert werden usw. Das ist dann analogisch ausgedehnt worden.

Die Junggrammatiker um Brugmann nehmen dagegen an, daß es zufällig Wörter für weibliche Wesen gab, die auf â oder î/iê endeten, und daß diese Endung dann als Suffix für Weibliches produktiv wurde. Beispiele solcher nachträglichen Zuordnung sind das „Tier-Suffix" (idg. *bho) im Indischen, Griechischen und Keltischen oder das Farbsuffix (*wo) im Germanischen, Lateinischen und Litauischen; zunächst waren diese Suffixe zufällig an einigen Wörtern der betreffenden Bedeutungsklassen aufgetreten, wurden dann produktiv.

Der einst sehr heftige Streit ist heute ein bißchen entschärft, weil man das Problem mehr im Rahmen universaler Theorien der Nominalklassifikation diskutiert. Ein gewisser Reflex findet sich aber noch in der Gender-Debatte.

Während heute die Genera mit den allerdings dürftigen Markierungen der Flexionsklassen korreliert sind, war das ursprünglich keinesfalls so – weshalb man ja in der Schule lernen muß, daß lateinische Substantive der ersten Deklination durchaus nicht alle feminin sind (agricola), und im Griechischen endet die sehr weibliche Jungfrau auf -os (parthenos).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2015 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29442

Einer schreibt's vom andern ab: Otto Jespersen habe behauptet, im alten Indien hätten die Männer Sanskrit und die Frauen Prakrit gesprochen. Helmut Glück ("Der Mythos von den Frauensprachen", OBST 9, 1977) gibt sogar die Stelle in seinem Buch "Language" an. Aber Jespersen spricht ausdrücklich von der Verteilung der Sprachen im altindischen Drama.
Im übrigen ist er einer der wenigen, die ein großes Kapitel über die Rolle der Frau in der Sprache geschrieben haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2015 um 10.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29415

Vielleicht tröstet es die Feministen, daß z. B. Kanonen, phallisch und schlimm wie sie sind, als weibliche Personen benannt werden, und zwar nicht erst die Dicke Bertha.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2015 um 18.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29400

Die Sprachstatistik, die immer wieder ergibt, daß Maskulina überproportional viele Bezeichnungen von tätigen Lebewesen umfassen, ist systematisch verzerrt durch die heute fast allein produktive Abstraktbildung mit Hilfe femininer Suffixe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2015 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29399

Damaris Nübling hat in einem Gender-Vortrag (www.germanistik.uni-mainz.de/files/2015/03/Nuebling-2014-Femineutra-Akademie-Jb-2013.pdf) sehr viel aus das Merkel gemacht, obwohl dieses Neutrum meiner Ansicht nach nur marginal vorkommt und bei weitem nicht so verächtlich ist wie die allgegenwärtige Mutti (sogar in den Leserbriefen bei FAZ.NET), die Nübling nur beiläufig einmal erwähnt.

Was übrigens die FAZ betrifft, so scheint mir die Riege der Merkelhasser in der politischen Redaktion im Laufe der Jahre schwächer und geradezu kleinlaut geworden zu sein, es gibt sogar eine Menge Huldigungsartikel, vor allem wenn man die FAS hinzunimmt. Vielleicht weil man selber auch nicht weiterweiß.

Liest man nur die Shit-Stürme auf den Leserbriefseiten (und dann gar erst bei der ZEIT usw.), versteht man überhaupt nicht die hohen Beliebtheitswerte der Kanzlerin. Aber das ist wohl die alte Geschichte mit der Schweigespirale.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2015 um 04.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29387

Was mich ganz trübsinnig macht, ist der Gedanke, daß die Formulierenden dieses Galimathias ausnahmslos von der Unsinnigkeit ihres Tuns überzeugt sein dürften, aber trotzdem mitmachen, genau wie bei der Rechtschreibreform. Das Gendern ging in den Ministerien und Hochschulverwaltungen so schnell und reibungslos über die Bühne, daß man an finstere Beispiele von Gleichschaltung erinnert wird. Nur Mitläufertum, keine Zivilcourage weit und breit. Wo sollte Widerstand auch ansetzen? Man kann es verstehen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.07.2015 um 03.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29386

Tatsächlich, das gibt es alles schon. Bei Studienanfangende fragt Google zurück, ob Studienanfang Ende gemeint war. Vielleicht spart sich Google bald diese Rückfrage.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.07.2015 um 00.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29385

Offenbar wollen die Eidgenossen ihren östlichen Nachbarn in puncto Gendern nicht nachstehen:

Einmal im Jahr, normalerweise am St.Leodegar (2. Oktober), findet ein Studierendenausflug statt. Vorschläge und freiwillige Organisierende werden an der Studierendenversammlung besprochen und gesucht.

(http://studunilu.ch/fachschaft-tf/tf-wir-uber-uns/)

Solche Texte regen natürlich meine Phantasie an: Studienberatende, Studienbewerbende, Studienanfangende, Studienabbrechende, Studierendenunruhen, Regelstudienzeitstudierende. Dumm nur, daß es das alles schon gibt, wie ich gerade feststelle. Der Tag endet mit einer Enttäuschung. Hätte ich mir aber auch denken können.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.07.2015 um 23.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29384

Alles schön und gut, Herr Achenbach, aber erinnert studentisch nicht doch zu sehr an Student? Wir sollten kein Risiko eingehen und lieber von Studierendenvertretenden sprechen. An der Uni Mannheim klappt das teilweise schon ganz gut: http://fspsycho.sowi.uni-mannheim.de/Deine%20Fachbereichsvertretung%20Psychologie/Mitglieder/.

Unbehagen bereiten mir natürlich auch die Mitglieder. Was kann man da machen? Mit- und Ohneglied wäre wohl zu anzüglich für einen derart seriösen Text. Außerdem würde daraus im Plural ja Mit- und Ohneglieder, und was wäre gewonnen, wenn wir am Ende doch wieder bei -er, also ihm, landeten? Auch Mitgliederinnen und Mitglieder kann nicht die Lösung sein, denn es wird sogar von der vorbildlich korrekten Dudenredaktion abgelehnt. Wir müssen also wohl bis auf weiteres mit den Mitgliedern leben. Obwohl … Eigentlich kommt man auch ohne aus. Kann man nicht Mitglieder der Fakultät als Fakultätsangehörende und Mitglieder der Fachschaftsvertretung als Fachschaftsvertretende bezeichnen? Klar kann man!

Dann hätten wir also:

Die Vertretenden einer Fakultät bilden die Fachschaftsvertretung. Sie besteht aus sieben Vertretenden der Studierenden; soweit die Zahl der Studierenden, die Fakultätsangehörende sind, 2.000 übersteigt, erhöht sich die Zahl der Vertretenden der Studierenden je angefangene weitere 1.000 Studierende um eins. Der oder die Fachschaftssprechende ist der oder die Vertretende der Studierenden im Fakultätsrat, der oder die bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten hat; die Fachschaftsvertretenden sind diejenigen Studierenden in der erforderlichen Anzahl, auf die bei der Wahl der Studierendenvertretenden zu den Fakultätsräten weitere Sitze entfallen würden.

Irgendwas stört mich zwar immer noch an dem Text, aber ich könnte jetzt nicht genau sagen, was. Na, Hauptsache, er erfüllt seinen Zweck.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 08.07.2015 um 19.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29383

Warum so inkonsequent? Wenn man meint, von Studierenden sprechen zu müssen, warum nicht auch von Vertretenden und von Fachschaftsvertretenden?

Dann lautete der Text:

Die Vertretenden einer Fakultät bilden die Fachschaftsvertretung. Sie besteht aus sieben Vertretenden der Studierenden; soweit die Zahl der Studierenden, die Mitglieder der Fakultät sind, 2.000 übersteigt, erhöht sich die Zahl der Vertretenden der Studierenden je angefangene weitere 1.000 Studierende um eins. Der oder die Fachschaftssprechende ist der oder die Vertretende der Studierenden im Fakultätsrat, der oder die bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten hat; die weiteren Mitglieder der Fachschaftsvertretung sind diejenigen Studierenden in der erforderlichen Anzahl, auf die bei der Wahl der studentischen Vertretenden zu den Fakultätsräten weitere Sitze entfallen würden.

Ist das nicht noch schöner?

Außerdem erspart man sich damit immerhin gut 11% der Zeichen (einschl. Leerstellen).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.07.2015 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29381

Noch vor kurzem haben wir gewitzelt, aus den "Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen" würden sicher auch bald die "Bürgermeister und Bürgermeisterinnen und Bürgerinnenmeister und Bürgerinnenmeisterinnen".

Und nun sind aus Studentenvertretern über "Studentenvertreter und -vertreterinnen" tatsächlich schon "Vertreterinnen und Vertreter der Studierenden" entstanden.

Zusammensetzungen werden also schon auseinandergenommen, um auch das Erstglied dem Korrektheitswahn zu unterwerfen. Man sieht, es war damals leider kein Witz.
 
 

Kommentar von Theodor ickler, verfaßt am 08.07.2015 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29380

Vor 20 Jahren, als das Land und die Hochschulen noch nicht von Irren regiert wurden, lautete der entsprechende Abschnitt im Hochschulgesetz:

Die Studentenvertreter eines Fachbereichs bilden die Fachschaftsvertretung. Soweit die Zahl der Studenten, die Mitglieder eines Fachbereichs sind, 2000 nicht übersteigt, besteht die Fachschaftsvertretung aus sieben Studentenvertretern. Soweit die Zahl der Studenten, die Mitglieder eines Fachbereichs sind, 2000 übersteigt, erhöht sich die Zahl der Studentenvertreter, die die Fachschaftsvertretung bilden, je angefangene weitere 1 000 Studenten um eins. Fachschaftssprecher ist der Studentenvertreter im Fachbereichsrat, der bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten hat; die weiteren Mitglieder der Fachschaftsvertretung sind diejenigen Studenten in der erforderlichen Anzahl, auf die bei der Wahl der Studentenvertreter in den Fachbereichsräten weitere Sitze entfallen würden.

(Die Zeichenzahl ist nicht genau vergleichbar, weil auch der Inhalt leicht abweicht.)

Niemand hatte damals wegen der Sprache geschlechtsbezogene Probleme.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.07.2015 um 16.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29379

Wenn ständig von Studierenden die Rede ist, fragt man sich schon, woher plötzlich die "studentischen" Vertreter kommen.

Nun war ich doch mal neugierig und habe Word nach der Zeichenanzahl (mit Leerzeichen) befragt. Dieser so umständlich "politisch korrekt" aufgeblasene Text (770 Zeichen) ist gegenüber dem inhaltlich gleichen, aber normal geschriebenen (620 Zeichen) ziemlich genau um ein Viertel größer. Alles nur Luft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2015 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29378

Zu den jüngsten Hochschulwahlen teilt die Leitung der Uni Erlangen mit:

Die Vertreter und Vertreterinnen einer Fakultät bilden die Fachschaftsvertretung. Sie besteht aus sieben Vertretern und Vertreterinnen der Studierenden; soweit die Zahl der Studierenden, die Mitglieder der Fakultät sind, 2.000 übersteigt, erhöht sich die Zahl der Vertreter und Vertreterinnen der Studierenden je angefangene weitere 1.000 Studierende um eins. Fachschaftssprecher oder Fachschaftssprecherin ist der Vertreter oder die Vertreterin der Studierenden im Fakultätsrat, der oder die bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten hat; die weiteren Mitglieder der Fachschaftsvertretung sind diejenigen Studierenden in der erforderlichen Anzahl, auf die bei der Wahl der studentischen Vertreter und Vertreterinnen zu den Fakultätsräten weitere Sitze entfallen würden.

Interessant ist auch diese Einzelheit:

Wahl zum Fakultätsrat PhilFak, Studierende:
Zahl der Wahlberechtigten: 9.413
Abgegebene Stimmzettel: 455
Ungültige Stimmzettel: 14
Gültige Stimmzettel: 441
Demnach betrug die Wahlbeteiligung: 4,83 %

 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.07.2015 um 19.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29336

Die neueste Wortschöpfung ist "Schlepperinnen". Hat man schon welche gesehen? (In islamischen Ländern eher schwierig.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.07.2015 um 14.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29332

Die Landesregierung kann – wie auch die Bundesregierung – nicht zwischen Wörtern und Wortstämmen unterscheiden, daher der Eingriff in die Komposita. Der sprachliche Verstoß spielt hier so wenig eine Rolle wie die Kosten:

"Die hier vorgeschlagene Umstrukturierung tut dem deutschen Sprachsy­stem nicht mehr Gewalt an als dieses System uns Frauen antut." (Luise F. Pusch 1990)
 
 

Kommentar von derwesten.de, 2. Juli 2015, verfaßt am 04.07.2015 um 13.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29331

Studentenwerke laufen Sturm gegen teure Zwangs-Umbenennung

Essen/Bochum/Dortmund. Die Geschlechtergerechtigkeit erreicht Mensen und Wohnheime: Deren Betreiber sollen künftig für "Studierende" zuständig sein. Die Korrektur ist teuer.
Die Studentenwerke in NRW wehren sich gegen eine anstehende Zwangs-Umbenennung in „Studierendenwerke“. Sie fürchten Kosten von mehreren hunderttausend Euro, die durch den Namenswechsel entstehen würden, unter anderem durch zu verändernde Schilder, Briefköpfe und Broschüren.
Die Landesregierung hat den Begriff „Studierendenwerke“ ins neue Hochschulzukunftsgesetz geschrieben. Begründet wird dieser Schritt mit Geschlechtergerechtigkeit. Geschlechtsneutrale Bezeichnungen seien gesetzlich vorgeschrieben. […]

(… weiter hier: www.derwesten.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2015 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29322

„Sprache des idealen Sprechers bzw. der idealen Sprecherin“ (Hilke Elsen: Grundzüge der Morphologie des Deutschen. 2. Aufl. Berlin 2014) – das ist insofern irregeleitet, als der ideale Sprecher der generativen Grammatik gar keine menschliche Person ist, sondern gewissermaßen ein abstrakter Automat, dem man ja auch keine Automatin zur Seite stellt. Das Gendern hat hier keinen Ansatzpunkt, es geschieht gedankenlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2015 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29314

„In festen Verbindungen, wie einer Sache Herr oder Meister werden, kann das Femininum überhaupt nicht verwendet werden.“ (Ingerid Dal: Kurze deutsche Syntax. Tübingen 1966:2)

Eroms hat das in der Neubearbeitung (2014) stehen lassen. Da kennt er aber unsere Sprachmeisterinnen schlecht, besonders in Österreich!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2015 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29294

Herr Wrase hat tatsächlich etwas entdeckt, was nicht nur mir bisher entgangen ist. Frauen können die krassesten Äußerungen über Männer von sich geben, ohne daß sie davon einen Nachteil befürchten müssen. Jedenfalls habe ich noch nie etwas anderes gehört oder gelesen. Es muß mit den wohltätigen Wirkungen des Opferstatus zusammenhängen, den man entweder hat oder eben nicht.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.06.2015 um 11.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29293

Ja, im Sport ist von Frauen die Rede, wo rohe Kräfte sinnlos walten: Fußball, Kugelstoßen, Speerwurf. Hingegen: Damentennis. Das liegt laut Wikipedia daran, daß viele Sportarten erst spät für Frauen zugänglich wurden, jedenfalls im Fall von Hockey: "... dass man im deutschen Sprachraum allgemein von Damenhockey, nicht von Frauenhockey spricht, beruht auf der vergleichsweise langen Tradition."

Es ist auch interessant, daß die Sportgeräte bei Frauen und Männern oft nicht dieselben sind. Beim Kugelstoßen 16 Pfund (7,257 kg) Gewicht bei Männern, 4 kg bei den Frauen. Der Speer für Männer wiegt 800 g, der für Frauen 600 g. Der Diskus der Männer wiegt 2 kg, der Diskus der Frauen nur 1 kg.

Das erinnert ein wenig an die Quote im Berufsleben: Die Regeln sorgen dafür, daß Frauen im Ergebnis mithalten können. Gut, beim Weitsprung oder im Sprint bewegen die Frauen auch leichtere Gewichte (ihr eigenes Körpergewicht ist geringer), insofern sind verschiedene Gewichte bei den Wurfsportarten plausibel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2015 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29292

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19398

Hoffentlich werden alle Lesenden von Band 1 auch Lesende des Bandes 2!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.06.2015 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29290

Interessanterweise heißt es Frauenfußball und nicht Damenfußball.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.06.2015 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29288

Wer hat im Fall Hunt eigentlich die Hexe umgehend exekutiert? Man hat ihn bekanntlich rausgeschmissen, ohne daß er sich überhaupt zu seiner umstrittenen Bemerkung hätte äußern können. Wer war "man", wer hat Hunt von seinen Posten entfernt? Feiglinge.

Hunt hatte gesagt: "... three things happen when they are in the lab … You fall in love with them, they fall in love with you and when you criticise them, they cry." Offensichtlich ein Scherz, das erkennt man an der Übertreibung. Die Karikatur liegt darin, daß das Extreme, vom Alltag Abweichende (allseitiges Verlieben und Heulen als Reaktion auf Kritik) sprachlich als Normalfall, ja als Naturgesetz präsentiert wird.

Feministinnen können am laufenden Band unfaire männerfeindliche Äußerungen in die Welt trompeten, die überhaupt nicht scherzhaft gemeint sind. Zum Beispiel: "Männer haben nur Sex im Kopf, sie verachten Frauen" usw. Niemand verbietet ihnen das Maul, obwohl sie damit das Verhältnis von Männern und Frauen beschädigen und Unfrieden sowie die allgemeine Verklemmung befördern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2015 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29286

Von Frauen, auch sehr jungen, hört man immer noch: "Ich bin Christ." Es fällt aber schon auf.

Die Hexenjagd, wie jetzt im Fall Tim Hunt, kann wohl nicht immer weitergehen, ohne daß es zu einer Gegenbewegung kommt. In allen Lexikoneinträgen zu Hunt und den anderen Opfern wird in alle Ewigkeit verzeichnet sein, daß sie sich antifeministisch geäußert haben und daher in Schwierigkeiten geraten sind. Nach einigen hundert Jahren werden sie dann rehabilitiert wie Galilei.

Bin ich Antifeminist, wenn ich sage, daß ich noch niemals einen vernünftigen Text im Bereich der feministischen Linguistik gelesen habe?

Täusche ich mich, oder wird zur Zeit der Frauenfußball von den Medien ganz bewußt propagiert? Ich kann es nicht recht beurteilen, weil er mich ebenso wenig interessiert wie der Männerfußball.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2015 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29272

In der Geschäftswelt überwiegt immer noch der generisch maskuline "Anbieter". Als "Anbieterin" treten Firmen auf, deren Name das weibliche Genus regiert, die aber an sich kein Geschlecht haben. Dazu ausdrücklich erwähnte Frauen, die etwas anbieten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2015 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29243

Dazu noch dies:

Yoga soll an zentralstaatlichen Schulen in Indien zum Pflichtfach werden.
Kinder der sechsten bis zehnten Klasse würden bald in der alten indischen Lehre unterrichtet, erklärte Bildungsministerin Smriti Irani laut der indischen Zeitung „Deccan Herald“ vom Dienstag. 80 Prozent des Schulfaches seien für Praxis-Übungen vorgesehen, 20 Prozent für Theorie.
Die meisten Schulen in Indien werden allerdings von den Bundesstaaten betrieben. Länder wie die Hauptstadt Delhi erklärten, sie wollten Yoga ebenfalls einführen. In Privatschulen, die rund 40 Prozent der Schulen in Indien ausmachen, wird Yoga zum Teil bereits unterrichtet.
(focus.de 23.6.15)

Das ist eigentlich ganz furchtbar, zumal man befürchten muß, daß auch die Bundesstaaten mitziehen werden, um die Muslime (und ein paar Millionen andere) aus dem staatlichen Schulwesen zu werfen und einen Bürgerkrieg vorzubereiten.

Hierzulande kann man dem staatlichen Religionsunterricht immerhin ausweichen, indem man sich einem freilich kastrierten Philosophieunterricht ("Ethik") aussetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.06.2015 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29217

Wenn 37 000 Menschen unter Anleitung des Ministerpräsidenten auf dem Rajpath in Neu-Delhi Yoga praktizieren, ist das nicht so friedlich, wie es aussieht. Die FAZ hat ebenfalls erkannt, daß es sich um eine neue Waffe der Hindunationalisten handelt. Provoziert werden die Muslime und sonstigen Anders- und Nichtgläubigen.

Wie berichtet, praktizierten zu meiner Zeit (vor 40 Jahren) sehr viele Studenten Yoga, aber nicht in der Öffentlichkeit - sehr im Unterschied zu Tai Chi, das man bekanntlich in China auf den Straßen, dem Campus und in Parks jeden Tag sehen kann.

Yoga hat zwar alte Wurzeln, ist aber wie vieles andere (auch "fernöstliche" Kampfsportarten) teilweise vom Westen und im Kontakt zu ihm weiterentwickelt worden. Es ist ein Jammer, daß die Inder aus einer harmlosen Privatsache nun so etwas machen und überhaupt in die nationalistische Barbarei abzugleiten drohen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2015 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29126

Manche werden die Sache mit Nobelpreisträger Tim Hunt gelesen haben. Schon ist sie auch bei Wikipedia eingetragen, als wichtiges biographisches Faktum:

"Am 9. Juni 2015 hielt Hunt einen Vortrag auf der World Conference of Science Journalists in Seoul, in dem er eine Bemerkung zur Arbeit von Frauen in Laboren machte, die von ihm nachher als Scherz dargestellt wurde. Eine anwesende britische Universtätslehrerin sah diesen Kommentar jedoch als frauenfeindlich und verbreitete ihn entsprechend kommentiert über Twitter. Aus der sich daran anschließenden öffentlichen Entrüstung zog Hunt am 10. Juni die Konsequenz und trat von seiner Honorarprofessur an der Fakultät für Biowissenschaften am University College London zurück."

Dazu:

Tim Hunt, an English biochemist who admitted that he had a reputation for being a “chauvinist”, had made the comments at the World Conference of Science Journalists in Seoul, South Korea, where he said: “Let me tell you about my trouble with girls … three things happen when they are in the lab … You fall in love with them, they fall in love with you and when you criticise them, they cry.”

Wenn man keine Scherze über Frauen mehr machen darf, ist das Leben nicht mehr lebenswert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2015 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29111

Nicht zu vergessen der Seufzer und der Fehler... Aber mal im Ernst: Woher wissen Sie denn, welchem Substantivtyp das Suffix -er vorbehalten sein sollte? "Stört" Sie wirklich ein so großer Teil des deutschen Wortschatzes?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.06.2015 um 22.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29110

Aus männlich unbelebten Substantiven auf "-er" können mit der Endung "-in" weiblich belebte Sustantive gemacht werden: der Wasserkocher (Gerät) – die Wasserkocherin (Hausfrau), der Staubsauger – die Staubsaugerin. Schwierig wird die Unterscheidung bei Hausmännern, dann können Wasserkocher und Staubsauger auch männlich belebt sein. Das hat man grundsätzlich bei der Festlegung von männlichen Sachenbezeichnungen mit der Endung "-er" nicht bedacht, und das stört mich schon lange, z.B. bei Betonmischer, Schlagbohrer, Anhänger, Akkuschrauber usw., die Sachen und Personen sein können. Eigentlich ist es ein Mißbrauch der Aktions-Endung "-er", die belebten Substantiven vorbehalten sein sollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2015 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29109

Ist das nicht mit Genus vs. Sexus abgedeckt? Wo sonst spielt in der deutschen Grammatik belebt/unbelebt eine Rolle?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.06.2015 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29108

Es scheint nötig, männlich und weiblich um den Zusatz "belebt" oder "unbelebt" zu ergänzen: Hausfrau: weiblich belebt; Kaffemühle: weiblich unbelebt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2015 um 15.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29106

Kirchentags-Sprecher Alexander Matzkeit stellte am Donnerstag gegenüber pro klar: Es handelt sich um einen Scherz, um auf das Bemühen, das Programm „geschlechtergerecht“ zu gestalten, aufmerksam zu machen. „Aufmerksame Leserinnen und Leser des Programmheftes haben in den letzten Jahren im Programmheft des Deutschen Ev. Kirchentages die ,Papphockerinnen und Papphocker‘ finden können – die Saalmikrofoninnen und -mikrofone sind ein kleiner Scherz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Programmheft für Stuttgart 2015.“

Mag sein. Aber der Scherz liegt zu nahe an der Wirklichkeit, um gleich als Scherz oder Satire erkannt zu werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2015 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29085

Sobald die Zeitungen in diesen kritischen Zeiten anfangen, ihre Leser mehr als nötig zu ärgern, ist es aus mit ihnen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.06.2015 um 13.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29083

Ich staune über die heutige Sonntagsausgabe des Mannheimer Morgen. Allein auf Seite 1 finde ich:

Wo bislang der[!] Finanzbeamte die Angaben des[!] Steuerpflichtigen geprüft ... hat
Der[!] Bürger soll das Finanzamt per E-Mail erreichen. Aus Sicht der Steuerzahler droht ein handfester Nachteil: Bislang hatte er[!] Rechtssicherheit ...
zu Ungunsten des[!] Betroffenen

Außerdem im Plural (teilweise mehrfach):
Finanzminister, Bürger, Steuerzahler, Finanzbeamte, Rechnungsprüfer, Politiker, Schüler, Studenten, Lehrer, G7-Gegner, Gipfelgegner, Demonstranten, Beamte, Sanitäter, Veranstalter, Teilnehmer, Organspender, Lebendspender

Kein einziges Mal -innen, kein einziges Mal -ende.
Sieg der Vernunft über die "PC" auf ganzer Linie!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2015 um 10.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29081

Die "Vorständin", die man jetzt nicht nur im Duden trifft, war erst möglich, nachdem der "Vorstand" vom Gremium (vgl. "Vorstandsvositzender") auf dessen einzelnes Mitglied übertragen worden war, ähnlich wie bei "Kader" (wo es aber noch keine movierte Form zu geben scheint).
Bei Schreiben an den Institutsvorstand könnte man sich aber weiterhin mit der maskulinen Form begnügen, denn welche Personen die Leitung bilden, ist nicht relevant und oft nicht einmal bekannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2015 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29061

Viagra für Frauen soll rosa sein, Viagra für Männer ist in weiser Voraussicht blau gefärbt worden. Diese Klischees müßten eigentlich Proteste hervorrufen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2015 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29054

Zum Ev. Kirchentag in Stuttgart:

Es gibt kein Familienzentrum, dafür aber erstmals auf einem Kirchentag ein Zentrum „Gender“ und ein Zentrum „Regenbogen“, in dem „mit der Bibel gegen Homophobie“ gekämpft, die „Angst vor der Vielfalt von Beziehungsformen“ genommen und „Familie neu buchstabiert“ werden soll. (Tagesspiegel 4.6.15)

Es gibt auch einen "Regenbogen-Gedenkort für verfolgte LSBTTIQ in der Michaelskirche".

Galanterweise stellt die Abkürzung die Damen an die erste Stelle, obwohl sie hinsichtlich Verfolgung bisher nicht den ersten Rang einnehmen.

Was den Kampf "mit der Bibel gegen Homophobie" betrifft, so verweise ich auf den gründlichen Artikel "Bibeltexte zur Homosexualität", aus dem auch noch einmal der Unterschied zwischen historisch-philologischer und dogmatisch-theologischer Textinterpretation hervorgeht. (Gehört zu "Heilige Texte".) Um es mit der Bundeskanzlerin zu sagen: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Oder mit P. P.: "Was ist Wahrheit?"
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 27.05.2015 um 15.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29004

Flugzeuginnenreinigung
http://www.aviation.wisag.de/aviation/leistungen/airport-service/flugzeuginnenreinigung.html

Man ist durch die Qualitätsmedien schon so sensibilisiert, daß man beim Lesen erstmal stutzig wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2015 um 09.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28986

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25037

Das generische Femininum wird in diesem kuriosen Buch so weit getrieben, daß man sogar liest:

„das Agens (von lat. agere, agens 'die Handelnde')“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2015 um 06.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28974

Auch ohne Fernsehen erfährt man Kurioses genug, vor allem wenn man den ganzen Tag mit Frauen zu tun hat. Die Zusammensetzung Oberschenkellücke übersetzt thigh gap und bezeichnet ein Schönheitsideal, obwohl es sich auf den ersten Blick um den Namen eines anatomischen Defekts zu handeln scheint. Näheres bei Wikipedia. Dort auch der Hinweis auf knabenhaft, das wir ja schon besprochen haben.

Ebenfalls auf den ersten Blick könnte ein Besucher vom Mars den Eindruck gewinnen, daß die tatsächliche Übergewichtigkeit der Erdbewohner und die propagierte Magerkeit einander widersprechen, aber in Wirklichkeit handelt es sich wohl um dieselbe Erscheinung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.05.2015 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28956

Alle Belege für ZuschauerInnensaal kommen aus Österreich, was noch einmal bestätigt, daß dieses Land einen Vorsprung im Gendern hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2015 um 11.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28949

Da kennen Sie aber unsere Theologen schlecht!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.05.2015 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28948

Religionsbücher ohne Kreationismus wären ja auch irgendwie seltsam.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2015 um 08.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28947

In alle Studiengänge wird ein Kapitel "Gender" eingebaut. In den medizinischen Fächern wird z. B. folgendes gelesen: Martina Dören: „Gender, Diversity und Intersektionalität als Herausforderung für die Medizin“ in: Krell u. a., Hg.: Diversity studies. 2007 (ein deutschsprachiges Buch!)

In formvollendeten Referaten wird der Inhalt wiedergegeben – aber wie referiert man das Nichts?

Das einzig Gute: Die jungen Leute entwickeln einen gesunden Überdruß – wie seinerzeit an ML-Kursen in der DDR. Aber es ist schade um die vergeudete Zeit.

Die Irren haben es beinahe geschafft, den Kreationismus in die Biologiebücher der Schulen zu drücken. In den Religionsbüchern ist er schon drin, meist als "Intelligent Design" verkleidet, was beinahe seriös klingt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.05.2015 um 00.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28922

Zwischen Erziehern und Erzieherinnen gab es Kindergartenzoff.
(Vor einer knappen halben Stunde in den ZDF-Nachrichten gehört.)

Es klingt, als hätten sich Männer auf der einen Seite mit Frauen auf der andern Seite verkracht. Gemeint war aber einfach eine Meinungsverschiedenheit unter den Erziehern, die mit dem Geschlecht nichts zu tun hatte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2015 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28854

Lieber Herr Riemer, Sie dokumentieren die traurige Wirklichkeit. Ich rate aber dringend, dies erstens dem Verlag mitzuteilen (hilft vielleicht) und zweitens bei Amazon einzutragen (tut richtig weh). Das Geschäftliche ist die einzige Waffe, die uns noch geblieben ist, nachdem, wie Sie richtig sagen, das Interesse an der Sprache verschwunden ist.
Amazon bietet ein kostenloses Forum, die tägliche Verunstaltung deutscher Texte anzuprangern, natürlich auch zu loben, was zu loben ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.05.2015 um 01.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28853

Ich habe gerade das Buch von Gabriele Krone-Schmalz gelesen: Russland verstehen, Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens, Verlag C.H.Beck, München 2015. Inhaltlich ein sehr gutes Buch, dem ich möglichst viele Leser wünsche.

Schade nur, daß auch sehr gute Journalisten sich offenbar kaum für Rechtschreibung interessieren und diese wohl dem Verlag überlassen ("Der Westen hat Vieles zunächst für Propaganda gehalten", S. 49; "dass zu Zeiten der Sowjetunion Vieles hochsubventioniert war", S. 127; "was diese Kompensationsangebote im Konfliktfall Wert waren", S. 105; "um Himmels Willen", S. 169 usw.).

Warum ich meinen Beitrag aber hier unterbringe, steht hinten auf dem Umschlag. Über die Autorin heißt es:

Als eine der führenden Russland-Experten Deutschlands ist sie regelmäßig im Fernsehen zu sehen.

Eine Experte.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.05.2015 um 20.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28816

Lieber Germanist, Sie haben natürlich recht, aber diese wohl brechtigten Bemühungen habe ich nicht gemeint. Ich meinte vielmehr Regulierungen der eigenen, etablierten Sprache, die mehr oder weniger angeordnet wurden. Und da drängt sich mir der Eindruck auf, daß es meist (immer?) diktatorische oder zumindest autoritäre Regime waren, die versucht haben, in ihrem Sinne regulierend auf den Sprachgebrauch einzuwirken. Ich kann das nicht belegen, daher habe ich meine Frage gestellt.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.05.2015 um 20.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28815

Lieber Herr Achenbach,

ich verstehe Sie gut, aber ist das, was Sie schildern, nicht auch eine Art von Beflissenheit? Schließlich sucht, so sehe ich es, der Beflissene ja auch meist den Weg des geringsten Widerstands - oder er versucht, "auf der Höhe der Zeit" zu sein.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.05.2015 um 19.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28814

Lieber Herr Chmela,

ich glaube nicht, daß Beflissenheit der Grund ist. Warum sollte ein gestandener Politiker, ja eine Bundeskanzler, gegenüber einer „Clique von Eiferern“ Beflissenheit an den Tag legen?

Ich sehe als Grund eher den Weg das geringsten Widerstands. Wenn ein Politiker ständig „liebe Bürger und Bürgerinnen“ sagt, vermeidet er, von irgendwelchen Feministen öffentlich angegriffen zu werden oder gar von barbusigen „Femen“ mit großem Gefolge von Pressefotografen und Kameraleuten heimgesucht zu werden. Außerdem: „Kleinvieh macht auch Mist“. Ein paar Wählende werden ja wohl an diesen Unsinn glauben. Warum auf deren Stimmen verzichten?

Selbst wenn die meisten Wähler sich darüber ärgern mögen, aber ihre Wahlentscheidung werden sie von einer solchen Quisquilie nicht abhängig machen. Zudem könnten sie es gar nicht, weil alle Politiker so reden. Ebensowenig haben die Öffentlich-rechtlichen Sanktionen zu fürchten.

Leider ist der unangemessene Einfluß von Minderheiten inzwischen allgegenwärtig. Die Politische Korrektheit beruht ja größtenteils darauf.

In solchen Verhältnissen sollte sich niemand über Poltikverdrossenheit in Teilen der Bevölkerung wundern.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.05.2015 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28811

Für neu entstehende Staaten ist die Festlegung einer eigenen Sprache sehr wichtig.
Beispiele: Die Flamen bestehen darauf, daß sie nicht Niederländisch, sondern Flämisch sprechen, Für die Slowakei war die Festlegung einer eigenen Slowakischen Sprache äußerst wichtig. Ähnliches gilt für die Ukraine, wo die Ukrainische Sprache zeitweise verboten war. In Israel mußte erst eine gemeinsame Neuhebräische Sprache erfunden werden. Die sogenannte Serbokroatische Sprache war ein Kunstgebilde, aber für das neue Jugoslawische Königreich wichtig.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.05.2015 um 12.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28809

Zu Herrn Chmela:

Genau diese Frage habe ich mir heute auch wieder gestellt, und ich mußte unwillkürlich an die Gruppe älterer Damen denken, die sich einmal im ICE schräg gegenüber von mir sehr abfällig über Zigeuner äußerten, dabei aber durchweg politisch korrekt von »Sinti und Roma« sprachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2015 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28808

Die Emanzipation der Frau hat ohne Beteiligung des Sprachfeminismus stattgefunden. Ein anderer Anspruch wird auch nicht mehr erhoben. Man hat sich auf die Ansicht zurückgezogen, die Menschen seien durch die feministische Sprachkritik "sensibilisiert" worden. Ähnlich wurde als Erfolg der Rechtschreibreform behauptet, die Menschen interessierten sich nun wieder mehr für die Sprache. Beides ist unbeweisbar. Die Schäden liegen hingegen auf der Hand.

Es gibt wenig Deprimierenderes, als Frauenbeauftragte unwissend und gesinnungsstark über Sprache daherschwadronieren zu hören (und zu sehen, es gibt auch Videos im Internet, auch von den gerade Zitierten). Ihre Broschüren und Leitfäden sind meistens von Oberbürgermeistern und Intendanten unterzeichnet, die es vermutlich in ihrer Mehrheit besser wissen und keineswegs billigen, was sie da in die Welt schicken.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.05.2015 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28807

"Wieso gelingt es einer Clique von Eiferern – oder nein: Eiferinnen und Eiferern –, arglose Zeitgenossen mit (aufs Ganze betrachtet) geringem Aufwand dermaßen vor sich herzutreiben?"

Lieber Herr Metz,
Prof. Ickler hat an anderer Stelle bereits einmal einen ganz wesentlichen Grund für diese Erscheinung genannt: die Beflissenheit! Sie scheint weit verbreitet zu sein.
Ihr Kommentar hat mich aber noch zu einer anderen Frage geführt. Gibt es in der Geschichte irgendwelche Belege dafür, daß eine wie immer geartete Sprachregulierung (nicht Rechtschreibreform) zu einer positiven Veränderung des Sozialverhaltens geführt hat? Oder überhaupt irgendetwas Positives bewirkt hat?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.05.2015 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28806

Wer nicht genannt wird, ist nicht gemeint.

Stimmt. Wenn ich sage Liebe Männer, meine ich nicht die Frauen. Wenn ich aber sage Liebe Kunden oder Liebe Zuschauer, dann meine ich männliche und weibliche Kunden oder Zuschauer gleichermaßen. Alles andere wäre doch absurd und völlig weltfremd, und das weiß auch jeder. Oder will uns Herr Schächter allen Ernstes sagen, er hätte vor 15 Jahren, als er noch Liebe Kollegen schrieb, nur die männlichen Kollegen gemeint?

Wenn Sie Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie Zuschauerinnen und Zuschauer erreichen wollen – dann sprechen Sie beide an.

Welche Kollegin und welche Zuschauerin wird nicht »erreicht«, wenn man von Kollegen und Zuschauern spricht? Welche Frau fühlt sich aufrichtig »ausgeschlossen«?

Sprache und Gesellschaft wandeln sich ständig und beeinflussen sich gegenseitig. Sprache spiegelt gesellschaftliche Werte und Normen wider und prägt wesentlich das Bewusstsein.

Daß Kinder in Holland ihre Eltern heutzutage immer seltener siezen, hat bestimmt damit zu tun, daß sich das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Aber da ist niemand gekommen und hat gesagt: Ab heute haben Kinder ihre Eltern zu duzen. Wir sagen auch heute nicht mehr Frau Dr. Müller, wenn Herr Müller promoviert hat. Hier vollziehen wir einen gesellschaftlichen Wandel in der Sprache nach.

Aber umgekehrt? Welcher gesellschaftliche Wandel soll mit dem verordneten Sprach»wandel« denn herbeigeführt werden? Hat Herr Schächter früher nur Männer gemeint, wenn er Liebe Kollegen schrieb? Hat sich eine Mehrheit oder auch nur eine nennenswerte Minderheit der weiblichen Kollegen nicht angesprochen gefühlt? Oder fühlten sich die Frauen zwar angesprochen, haben aber in ihrer Unbekümmertheit gar nicht bemerkt, daß sie tief, tief im Unterbewußtsein des Autors doch nicht »gemeint« waren? Welches Frauenbild hat eigentlich jemand, der so denkt? Und ist denn den Leuten, die sich so verbissen für die sprachliche Umerziehung eines ganzen Volkes stark machen, nicht wenigstens ein bißchen mulmig bei dem Versuch, aufgeklärte Erwachsene auf einen Weg zu zwingen, den sie offensichtlich gar nicht beschreiten wollen? Haben sie bei alldem keinerlei Selbstzweifel? Auf welche gesicherten Erkenntnisse stützen sie ihre Forderungen? Wieviel bleibt von dem wohlfeilen Geschwätz solcher Ratgeber übrig, wenn man alle ideologischen Aussagen und abgeschriebenen Standardbehauptungen abzieht? Neulich sagte mir ein Freund (der in der DDR aufgewachsen ist), für ihn hätten all diese Manipulationsversuche fast schon etwas Faschistoides.

Den Betreibern der Rechtschreibreform ist es mehr oder weniger gelungen, eine ganze Sprachgemeinschaft umzuerziehen, ohne daß sie überzeugende Beweise für die Notwendigkeit dieses Eingriffs vorgelegt hätten. Nun werden unter dem Banner der »geschlechtergerechten Sprache« schon wieder Millionen von Erwachsenen belästigt, ohne daß die Belästiger sich ernsthaft rechtfertigen müßten. Wieso gelingt es einer Clique von Eiferern – oder nein: Eiferinnen und Eiferern –, arglose Zeitgenossen mit (aufs Ganze betrachtet) geringem Aufwand dermaßen vor sich herzutreiben? Ich habe keine Erklärung dafür, aber kann es sein, daß dabei viel schlechtes Gewissen im Spiel ist? Es kommt im Leben ja schon mal vor, daß man sich ertappt fühlt, ohne bei näherer Betrachtung etwas Falsches getan zu haben. Mir drängt sich der Eindruck auf, daß sich die Geschlechtergerechten genau diesen Effekt zunutze machen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.05.2015 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28805

Besonders hinterhältig und dumm finde ich immer die Behauptung, mit der sogenannten männlichen Form seien weibliche Personen nur "mitgemeint", aber nicht genannt.

"Wer nicht genannt wird, ist nicht gemeint."

Ja, das stimmt zwar, aber mit der generischen Form sind alle Geschlechter genannt, also auch alle gemeint.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2015 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28804

Die Stadt Nürnberg empfiehlt:

Zufahrt haben ausschließlich Personen, die in dieser Straße wohnen.

Statt:

Zufahrt haben ausschließlich Anwohner.

Allerdings kommt der zu ersetzende Satz in Wirklichkeit nicht vor. Auf den Schildern steht:

Anwohner frei

Anlieger soll durch Anliegende ersetzt werden.

Die massenhaft eingeführten Partizipien und dem Umgangsdeutschen fremde Relativsätze beweisen noch einmal die Gedankenlosigkeit der "Verfassenden" dieser Texte, Frauenbeauftragte, die der Sprachwissenschaft durchweg fernstehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2015 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28803

Inzwischen dürfte jede Stadt ihre Richtlinien für einen "geschlechtergerechten" Sprachgebrauch haben. Sie ähneln einander und gehen auf wenige feministische Vorlagen zurück. Gemeinsam ist ihnen eine laienhafte Linguistik. Auch die zwangsgebührenfinanzierten Rundfunkanstalten leisten sich so etwas und dürfen es, weil sie sich von der Nachfrage abgekoppelt haben und ihre Staatsnähe pflegen:

Liebe Kollegin, lieber Kollege,
wie selbstverständlich wende ich mich in Texten oder Reden an die „Kolleginnen und Kollegen“ im ZDF. Unvorstellbar wäre es heute, bei Veranstaltungen oder in Anschreiben nur die Männer zu begrüßen.
Seit 15 Jahren gilt für offizielle Texte auch im ZDF die Praxis geschlechtergerechter Sprache – z.B. für Vorschriften oder Tarifverträge. Aus gutem Grund: Wer nicht genannt wird, ist nicht gemeint. Wer nicht angesprochen wird, wird nicht erreicht.
Sprache und Gesellschaft wandeln sich ständig und beeinflussen sich gegenseitig. Sprache spiegelt gesellschaftliche Werte und Normen wider und prägt wesentlich das Bewusstsein. In unseren Sendungen haben wir daran ganz besonderen Anteil.
Darum ist eine zeitgemäße, faire Sprache wichtig, sie steht für ein fortschrittliches Unternehmen und für ein modernes Programm.
Hier finden Sie für den Alltag der dienstlichen Kommunikation und für das redaktionelle Texten einige Tipps. Denken Sie daran:
Wenn Sie Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie Zuschauerinnen und Zuschauer erreichen wollen – dann sprechen Sie beide an.

Markus Schächter

Tipps für Sprachprofis
Geschlechtergerechte Sprache ist kreativ:
Die deutsche Sprache bietet viele Möglichkeiten, originell zu formulieren. Nutzen Sie Ihre Phantasie und formulieren Sie Ihre Texte zeitgemäß. Geschlechtergerechte Sprache ist abwechslungsreich:
Das Fräulein ist passé, die Staatsfrau dafür aktuell.
„Die Eine oder der Andere“ klingt bunter als „so mancher“.
Geschlechtergerechte Sprache ist modern:
Werbeprofis texten „männer“- wie „frauenaffin“.
Sie wissen warum.

Mit Phantasie und Sprachgefühl
Dieses Faltblatt gibt Ihnen Anregungen für eine verständliche Sprache, die modern und auf der Höhe der Zeit ist. Eine Sprache, die niemanden ausschließt und beide meint: Frauen und Männer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Zuschauerinnen und Zuschauer.


Man beachte die Leichtfertigkeit, um nicht zu sagen Frivolität, mit der diese Leute einen "bunten Klang" in die deutsche Sprache einführen wollen: „Die Eine oder der Andere“ klingt bunter als „so mancher“. - Über die Folgen machen sie sich keine Gedanken. Zeitungen würden mit solchen Anmaßungen sofort pleite gehen, aber der Rundfunk... (s. o.).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2015 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28755

Zu englischen "Bibel in gerechter Sprache" gibt es u. a. diesen Aufsatz:

http://www.bible-researcher.com/adelphos.html

Ich möchte noch eine Beobachtung hinzufügen, die Indogermanisten geläufiger sein dürfte: Wohl aus der idg. Grundsprache ererbt ist eine für uns nicht mehr recht nachfühlbare Konstruktion, die man etwa bei Homer trifft. Dort bedeutet "Aiante", also die beiden Aias (Dual), Aias und Teukros. Im Lateinischen haben wir die "Castores" = Castor und Pollux, die "Cereres" = Ceres und Proserpina. Im Altindischen sind die "pitarau" (Dual) nicht nur zwei Väter, sondern Vater und Mutter. Die beiden Himmel sind Himmel und Erde, die beiden Mitra sind Mitra und Varuna usw.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.04.2015 um 01.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28737

100 000ste Besucherin des Maimarkts empfangen
...
Kurz nach 14.30 Uhr dann die Überraschung am Haupteingang: Mutter Dagmar Sch... wurde als hunderttausendste Besucherin begrüßt.
(Wochenblatt, Mannheim, 30. April 2015, S. 7)

Wenn man annimmt, daß Männer und Frauen ungefähr zu gleichen Anteilen vertreten sind, dann müßten es bis dahin schon insgesamt um die 200000 gewesen sein. Es ist aber nicht üblich, nur weibliche Besucher zu zählen und auszuzeichnen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 22.04.2015 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28683

Da die Verbrechen an den Armeniern am kommenden Freitag im Bundestag behandelt werden sollen, liegen inzwischen die drei Anträge als Bundestagsdrucksachen vor - allerdings zum Teil nur als Vorabfassungen.

Die Regierungsfraktionen verwenden zwar nun an zwei Stellen das Schibboleth „Völkermord“, vermeiden es aber sorgfältig, die Verbrechen ausdrücklich als solchen zu bezeichnen.

In der Überschrift und im Text wird nur von Armeniern gesprochen. Andererseits ist der Antrag insofern politisch sehr korrekt, als es dort heißt:
„Dabei wissen wir um die Einzigartigkeit des Holocaust, für den Deutschland Schuld und Verantwortung trägt.“

In den Anträgen der LINKEN und der GRÜNEN fehlt das Wort Holocaust völlig. Dabei ist es doch ganz und gar unverzeihlich, von einem anderen Völkermord zu reden, ohne die Einzigartigkeit des Holocaust zu erwähnen.

Andererseits ist dieser Satz der Regierungsfraktionen im Zusammenhang auch etwas heikel. Denn wenn „Deutschland“ Schuld und Verantwortung trägt, wer trägt dann Schuld und Verantwortung für die Verbrechen gegen die Armenier?

Alle drei Anträge sprechen nur von den Taten der damaligen türkischen Regierung, zugleich aber von der „unrühmliche Rolle“ oder „Mitverantwortung“ des „Deutschen Reichs“.

Im Antrag der Regierungsfraktionen mutet folgender Satz etwas merkwürdig an: „Das Gedenken des Deutschen Bundestages ist auch Ausdruck besonderen Respektes vor der wohl ältesten christlichen Nation der Erde.“

Sollte der Bundestag nicht auch für die Deutschen islamischen Glaubens sprechen?

Noch etwas Sprachliches:

Der Antrag der Regierungsfraktionen beginnt mit dem Satz: „Der Deutsche Bundestag verneigt sich vor den Opfern der Vertreibungen und Massaker an den Armeniern, die vor 100 Jahren ihren Anfang nahmen.“

Haben die Armenier vor 100 Jahren ihren Anfang genommen?

Die LINKEN wollen dabei mithelfen, „dass zwischen Türkinnen und Türken sowie Armenierinnen und Armeniern ein Ausgleich durch Aufarbeitung, Versöhnen und Verzeihen historischer Schuld erreicht wird“.
Sollen sich Türkinnen und Türken ausgleichen, und Armenierinnen und Armenier ebenso?

Zugegeben, diese sprachlichen Mäkeleien sind kleinlich, da jeder versteht, was gemeint ist.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 22.04.2015 um 15.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28682

Welch ein krasser Verstoß gegen jedwede feministisch-politisch Korrektheit!

Da liegt dem Bundestag doch wahrhaftig ein Gesetzentwurf der Bundesregierung (Drucksache 18/4653) vor, in dem es u.a. um die „Entlastung von Ländern und Kommunen bei der Aufnahme und Unterbringung von Asylbewerbern“ geht! Auch im weiteren Text ist nur von Asylbewerbern die Rede!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.04.2015 um 19.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28677

Immerhin: »Vertreibungen und Massaker« ist genauer als das heillos verbrauchte Wort »Völkermord«.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 21.04.2015 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28676

Die verschiedenen Entwürfe für eine Entschließung des Bundestages zu den Verbrechen an den Armeniern unterscheiden sich (laut FAZ von gestern) auch bei der politischen Korrektheit:

„Die Grünen“ sprechen in der Überschrift ihres Entwurfs von ArmenierInnen, „Die Linken“ sprechen von Armenierinnen und Armeniern, die Regierungsfraktionen nur von Armeniern.

Politisch korrekter Politiker-Neusprech ist hier nicht nur anachronistisch, er passt auch schlecht zu der gehobenen Sprache, die man bei einem solchen Anlaß erwarten darf.

Alle drei Überschriften werfen darüber hinaus noch andere grammatisch-stilistische Fragen auf.

„Die Linken“ schreiben: 100. Jahresgedenken des Völkermords an den Armenierinnen und Armeniern 1915/16 – Deutschland muss zur Aufarbeitung und Versöhnung beitragen. Man kann zwar des Völkermords gedenken, aber das Gedenken kann sich nur an den Völkermord richten.

„Die Grünen“ schreiben richtiger: Gedenken an den 100. Jahrestag des Völkermords an den ArmenierInnen – Versöhnung durch Aufarbeitung und Austausch fördern. Allerdings wollen sie doch wohl des Völkermords und nicht des 100. Jahrestags gedenken.

CDU/CSU und SPD schreiben (vorläufig): Erinnerung und Gedenken an die Vertreibungen und Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren. Hier paßt einer der Bezüge nicht richtig. Strenggenommen müßte es eigentlich ... die Vertreibungen der und die Massaker an den ... heißen. Derartige Fehler bei mehrfachem Bezug treten allerdings so häufig auf, daß man hier wohl von einer läßlichen Sünde sprechen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2015 um 04.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28459

Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Rahmen dieser Arbeit auf eine gendergerechte Formulierung verzichtet. Mit den maskulinen Bezeichnungen sind Frauen und Männern gleichermaßen gemeint. (Katharina Anderl: „Die satzinterne Majuskel als Grenzsignal im Dienste der Erfassungsfunktion“. Diplomarbeit Wien 2012)

Obwohl das gut und richtig und auch ein bißchen mutig ist, weil die österreichische Regierung diese Konzession an die Lesbarkeit ja verboten hat, bleibt ein Unbehagen. Die Forderung nach "Gendergerechtigkeit" wird grundsätzlich nicht in Frage gestellt, die Möglichkeit des generischen Maskulinums aber ebenfalls anerkannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2015 um 18.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28457

Die österreichische Diskussion um eine gendergerechte Steinigung war mit entgangen, und dann hielt ich die Meldung für einen vorgezogenen Aprilscherz, freilich von schlechtem Geschmack. Aber die österreichische Regierung kümmert sich tatsächlich um alles:

Schließlich weist auch die Durchführung der Steinigung selbst eindeutig Nachteile für Frauen auf, weil Männer nur bis zur Hüfte, Frauen hingegen bis zu den Schultern eingegraben werden. Dies ist bedeutend, weil im Falle des „Sich-Befreiens“ der (oder des) Verurteilten eine Begnadigung durchgesetzt werden kann. Dies ist bei Männern somit weitaus wahrscheinlicher. (Bundesministerin für Bildung und Frauen: Tradition und Gewalt an Frauen. Wien 2014)

Rein logisch gesehen ja richtig (soweit es sachlich zutrifft), aber jeder wird es so lesen, daß die Ministerin gleich tiefes Eingraben der Todeskandidaten fordert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2015 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28456

Im Berufsparcours sind viele Berufe vertreten, die eher technisch orientiert sind. Bei den Aufgaben wird darauf geachtet, dass sie gender- und migrationsgerecht sind. Migrationsgerecht ist eine Aufgabe dann, wenn sie ohne viele Sprachkenntnisse verstanden wird. "Gendergerecht heißt, dass die Firmen zum Beispiel darauf achten, Zangen bereitzustellen, die auch in die kleineren Frauen- und Mädchenhände passen", erklärt Karin Ressel. Ganz wichtig, wenn man weibliche Bewerber nicht vertreiben will: der Verzicht auf Styropor. "Das Quietschen von Styropor vertreibt alle Mädchen", sagt Ressel. RP online 23.3.15)

Danke für den Tip! Aber gibt es auch ein Geräusch, das Mädchen anlockt? Klappern von Stricknadeln? Babygeschrei?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2015 um 06.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28328

Gestern und vorgestern mit dem ICE durch Hannover gefahren. Die überwiegend jüngeren Leute, die wg. der CEBIT aus- und einsteigen, sind gefühlt zu 95 Prozent männlich. Frau Schwesig sollte mal mit der Frauenquote dreinfahren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2015 um 15.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28265

Wenn ich es recht verstanden habe, sollen Männer aufgrund ihres Geschlechts nicht nur bei gleicher Eignung, sondern sogar bei größerer Eignung zurückgesetzt werden. Im Hörfunk wurde berichtet, daß die Bundestagsabgeordneten nach dem Beschluß über die Frauenquote sich selbst minutenlang Beifall geklatscht haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2015 um 03.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28241

Ich habe die verwirrenden Statistiken zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz nur überflogen. Wenn ich recht verstehe, werden die meisten Fälle von den Belästigten gar nicht bemerkt, weil die Frauen z. B. das Zeitungsblatt an der Kantinenwand, das eine halb bekleidete Frau zeigt, nicht als sexuelle Belästigung empfinden, obwohl es nach dem Wortlaut einschlägiger Gesetze eine ist. Das ist ein interessanter Fall. Wir hatten schon mal den Linguisten-Beispielsatz, daß jemand "hinterhältig beleidigt" wird. Nun soll jemand belästigt werden können, ohne es zu bemerken, also gewissermaßen objektiv belästigt. Geht das? Die Marquise von O.... wurde vergewaltigt, ohne es zu bemerken. Aber belästigt wurde sie nicht, im Gegenteil.

(Man beachte, daß ich die Marquise mit vier Pünktchen versehen habe und nicht mit dreien wie Sembdner. Wikipedia widmet der Zahl der Pünktchen einen ganzen Absatz.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2015 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28225

Der SPIEGEL übertrifft sich mal wieder selbst. Einem zustimmenden Kommentar zum genannten Vorschlag der Familienministerin läßt er eine Umfrage folgen:

Sollten Gehälter transparent sein?
Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) will die Lohnstruktur in deutschen Unternehmen per Gesetz transparent machen. Wie finden Sie diese Idee?
– Ein überflüssiger und falscher Vorschlag. Wer gut verhandelt, darf auch mehr bekommen als seine Kollegen – und das geht niemanden an als ihn und den Chef.
– Ein überfälliges Gesetz – endlich wäre Schluss mit der Heimlichtuerei im Büro. Gleiche Arbeit muss gleich bezahlt werden – oder der Chef muss erklären, warum er Unterschiede macht.
– Hauptsache, ich verdiene genug – wer davon weiß, das ist mir egal.
– Um mir über solche Fragen Gedanken zu machen, bräuchte ich erstmal eine Arbeit.


(Spiegel 2.3.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2015 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28217

Die Bundesfamilienministerin (so etwas gibt es in Deutschland) bringt sich durch den Vorschlag in Erinnerung, alle Gehälter offenzulegen. Warum gerade die Familienministerin? Weil die Frauen sehen sollen, ob sie ebenso viel verdienen wie die Männer in vergleichbaren Positionen.
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 23.02.2015 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28177

Das Wichtigste ist für uns dabei, die Vorkommnisse, so weit dies irgend möglich ist, aufzuklären und so das Vertrauen in die taz zurückzugewinnen – bei LeserInnen, Interviewpartnern und Informanten ebenso wie unter den KollegInnen. (taz.de, 23.2.15)

- Warum aber nicht auch InterviewpartnerInnen und InformantInnen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2015 um 12.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28173

„Ich glaube nicht, dass die Ehe zwischen Männern oder Frauen gleichen Geschlechts derjenigen zwischen Mann und Frau gleichwertig ist.“ (Matthias Matussek)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2015 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28163

Seit einigen Tagen gehen Meldungen durch die Presse, wonach NRW per Gesetz die Umbenennung der Studentenwerke in Studierendenwerke durchsetzen will. An einigen Stellen wehrt man sich noch (auch wegen der Kosten) und sucht "nach einem neuen Namen, der das Geschlechter-Problem langfristig löst." Natürlich gibt es dieses Problem gar nicht. Thomas Paulwitz hat die Machtdemonstration treffend kommentiert: http://jungefreiheit.de/kolumne/2015/der-unfug-der-studierendenwerke/

Entweder hat man keine Sprachwissenschaftler gefragt oder nur solche, die auf dem Gender-Zug mitreisen. Wir kennen das von der Rechtschreibreform, die allerdings nicht in Gesetzesform gegossen worden ist, sondern sich mit Erlassen begnügte.

In der FAS weist Ulf von Rauchhaupt darauf hin, daß das lateinische studens, studentes schon beide Geschlechter bezeichne. Das wird nicht viel helfen, weil es im Deutschen eben die Student nicht gibt. Die Ideologinnen können es leicht zurückweisen.

Man kann damit rechnen, daß queere Personen aller Art nicht zufrieden sein werden. Sie wollen nicht mitgemeint, sondern ausdrücklich genannt sein, vgl. den Vorschlag Queerversity. Vielleicht geht das Unwesen an seiner eigenen Unersättlichkeit zugrunde, aber bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter, vorbei an mittelmäßigen, aber geschlechtergerechten Universitäten.
 
 

Kommentar von Einohrhase, verfaßt am 20.02.2015 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28143

In der Sendung "Maybrit Illner" von gestern (19.2.2015) sprach die Journalistin Margarita Tsomou von "Griechinnen" und meinte damit alle Griechen bzw. das griechische Volk. Ich hatte das schon während der Sendung so verstanden und habe mir ihre Aussagen heute nochmals in der Mediathek angehört. Sie sagt eindeutig "Für die Griechinnen hatte man das Gefühl, daß sie sich in einen Kampf schmeißen, um zu verteidigen die Zukunft von Generationen." Und sie wiederholt dies kurz darauf erneut und aus dem Zusammenhang ist erkennbar, daß es sich nicht ausschließlich um Frauen handelt. Es kann sich kaum um einen Versprecher handeln, denn die Dame spricht fließend deutsch.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 20.02.2015 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28141

Nicht ganz ungewöhnlich, wenn man seinen Ohren trauen darf, ist wohl auch die Rede von den "Kollegen und Kollegen". Ich erinnere mich, wie jemand schon vor einigen Jahren, nachdem er mechanisch mehrere -innen- und nicht-innen-Paare heruntergeleiert hatte, fortfuhr mit "den verschiedenen Gruppen und, –- ääh, ja...". Es hat nicht viel zu den "Gruppinnen" gefehlt. Oder man macht es wie eine einstige Kollegin, die immer eifrig den Innen-Stö ("Kolleg*innen") pflegte, so daß man geneigt war zu fragen, hat die Schluckauf?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2015 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28137

Die Kosten einer Griechenlandpleite müssen von den „Steuerzahlern und Steuerzahlern in Deutschland“ getragen werden, hörte ich gestern einen Politiker sagen. Eines davon sollte wohl feminin sein. Das Gendern ist Politikern aller Parteien in Fleisch und Blut übergegangen. Gibt es keine Ausnahmen? Was passiert denn, wenn einer nicht mitmacht und beispielsweise die bekannte Rolle des Steuerzahlers im generischen Maskulinum ausdrückt wie normale Menschen – von denen sich die Politiker auch in dieser Hinsicht entfernen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.02.2015 um 14.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28053

Es hört sich ja für mich ziemlich frech an, die "Schüler" einzuladen, wenn man eigentlich nur männliche Schüler haben will. Auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen, das generische Maskulinum müssen sogar sie gelegentlich verwenden, weil es manchmal gar nicht anders geht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2015 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28051

Unser Büro für Gender und Diversity wirbt nach dem Girls' Day nun auch wieder für den Boys' Day:

Sehr geehrte Professorinnen und Professoren,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
 
wir möchten Sie auf den diesjährigen Boys´Day am 23. April 2015, von 9.00-13.30 Uhr, mit dem Thema „Abenteuer Sprache und Kultur“ aufmerksam machen und würden uns sehr über die Teilnahme Ihrer Söhne freuen.

Die Schüler der Klassen 7 bis 11 der Schularten Realschule, Gymnasium und FOS/BOS sind herzlich zum Boys’Day an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) eingeladen. Die Veranstaltung wird gemeinsam von dem Diversity-Beauftragten der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie, dem Büro für Gender und Diversity und der Geschäftsstelle des Zentrums für Lehrerinnen- und Lehrerbildung organisiert.

Die Schüler haben an diesem Tag die Chance, sich im Rahmen eines Fächerparcours im sprachlich-kulturellen Bereich auszuprobieren, neue Erfahrungen zu sammeln und unbekannte Potenziale zu entdecken.
Eine breite Palette an Workshop-Angeboten bietet die Möglichkeit, spannende Themen aus den Studienfächern Anglistik/Amerikanistik, Romanistik, Deutsch als Zweitsprache und Psychologie kennenzulernen und interessante Themen und Fragestellungen zu erleben.
Ziel des Boys’Day ist es, interessante Studienperspektiven aufzuzeigen.


Ob es nicht sinnvoller wäre, beide Geschlechter für die MINT-Fächer zu interessieren? Oder geht es darum, die Männer von diesen aussichtsreicheren Berufen wegzulocken, damit Platz für Frauen geschaffen wird?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2015 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28000

Noch einmal zur Apothekerin: Das wird sowieso allmählich ein Frauenberuf. Ich möchte aber noch auf die sonderbare Kommunikationssituation hinweisen, die in Apotheken entstanden ist. Früher schob ein verschämter Kunde einen Zettel über den Tisch, von dem der - nach Möglichkeit männliche - Apotheker den Wunsch nach Präservativen (oft in volkstümlicher Synonymik) ablesen konnte. Heute erörtern die Kunden mit den Apothekerinnen alle möglichen Leiden und lassen sich "beraten", und drei bis fünf Kunden hören gezwungenermaßen mit. In Bankfilialen und sogar am Fahrkartenschalter gibt es Diskretionsabstände, und was hinter der Tür zum Sprechzimmer des Arztes gesagt wird, hört man meistens auch nur sehr undeutlich.
Der eigentliche Schrecken liegt aber für den unfreiwilligen Zuhörer im Inhalt der apothekerlichen "Beratung". Am besten, man vergißt sein Studium, seine Schulbildung und den gesunden Menschenverstand. Kürzlich kam übrigens heraus, daß fast alle ApothekerInnen bei Erkältungen nicht etwa gar nichts (wie es geboten wäre), sondern ein und dasselbe Mittel empfahlen, wie es die Pharmafirma ihnen nahegebracht hatte.
Schwarze Schafe gibt es überall, aber gibt es auch weiße? Ich wundere mich immer wieder, wenn z. B. gleich gegen 10 000 Ärzte wegen Abrechnungsbetrug ermittelt wird, alles über dasselbe Großlabor. Als Privatpatient liest man auch staunend, was der Arzt bei einem kurzen Besuch alles gemacht haben will. Sogar die Terminvereinbarung wird als "telefonische Beratung" abgerechnet. Zahnärzte verdoppeln gern alle Beträge wegen "erhöhter Zungenmotilität", besonders bei Kindern. Widerlegen kann man so etwas nur sehr schlecht. Die vielen Kürzel und der ganze Jargon sind wieder mal sehr nützlich.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 20.01.2015 um 19.14 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27845

„Eine/r ist Zuhörer/in, der/die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen.“
Warum greift man denn in solchen Fällen nicht einfach auf den reichhaltigen Fundus des alten Bairisch zurück, das ja ohnehin die Grundlage der gesprochenen Sprache in Österreich ist? Das Bairische nämlich verwendet für solche Fälle ganz einfach das Neutrum. Dann würde der zitierte Passus folgendermaßen lauten:
"Eins ist Zuhörer, das andere Vorleser. Eins liest den Abschnitt vor, das andere faßt das Gehörte zusammen."
Aber wer weiß, womöglich wäre das den Genderfanatikern und Genderfanatikerinnen auch wieder nicht recht - plötzlich nur Neutrum zu sein ... Und dann sind da ja immer noch die männlichen Substantive im ersten Satz - schrecklich!
 
 

Kommentar von Die Presse, 12.01.2015, verfaßt am 20.01.2015 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27843

»"Genderwahnsinn" in Schulbüchern

Elternvertreter laufen Sturm gegen geschlechtergerechte Formulierungen in österreichischen Schulbüchern. Die Lesbarkeit müsse an erster Stelle stehen.

Von Bernadette Bayrhammer (Die Presse)

Wien. „Arbeitet zu zweit“, heißt es in einem Deutschbuch: „Eine/r ist Zuhörer/in, der/die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen.“ In den (neueren) österreichischen Schulbüchern wird auf geschlechtergerechte Sprache Wert gelegt – und zwar zu viel Wert, wie Elternvertreter finden.«

(weiter hier: http://diepresse.com/home/bildung/schule/4635964/Genderwahnsinn-in-Schulbuchern )
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2015 um 07.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27811

In den erwähnten Kerncurricula für die hessischen gymnasialen Oberstufenfächer kommen bemerkenswerterweise die "Schüler und Schülerinnen" nicht mehr vor, nicht einmal das Wort "Schüler"; es ist nur noch von "Lernenden" die Rede, der Singular wird vermieden. Diese zwanghafte Redeweise haben einige Seminarlehrer so verinnerlicht, daß sie Lehrprobenentwürfe kritisieren, die sich nicht daran halten. (Bericht eines Insiders)
 
 

Kommentar von Einohrhase, verfaßt am 15.01.2015 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27807

Die Volkshochschule Baar verschickt an ihre Dozenten, pardon Lehrenden, eine Information über das Semsterprogramm. Darin ist einerseits von "Lehrenden" und "Teilnehmenden" die Rede, andererseits wird auf eine "Teilnehmerliste" für die Kurse hingewiesen. Warum so inkonsequent? Warum nicht "Teilnehmendenliste"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2015 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27777

Die Mörder in Paris seien islamistische Terroristen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sie mit den Millionen friedlichen Muslima und Moslems in den europäischen Gesellschaften gleichgesetzt werden“, sagte Kolat.

Tja, die arabischen Pluräler und Vokäler!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2015 um 07.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27750

Texte wie der angeführte sind ja in hohem Grade voraussagbar, bis in den Wortlaut hinein. Wenn wir wissen, wer ihn geschrieben hat, wissen wir auch, was dabei herauskommt ("Erkenntnisinteresse" nannte man das vor längerer Zeit).
Als interessierter Mann, der die Frauen liebt, habe ich den Feminismus jahrzehntelang beobachtet, und eben wegen meines eigenen Essentialismus (na ja, auch Darwinismus) einen bestimmten Eindruck gewonnen. Die Feministinnen stehen gewissermaßen fassungslos vor der Tatsache, daß es immer noch Steinzeitfrauen gibt, die einen Mann und nichts anderes wollen, und zwar einen biologisch definierten, keinen sozial konstruierten (der auch eine Frau sein könnte und besser auch sein sollte, wegen der Machtverhältnisse und so). Sie wollen sich sogar – jetzt kommt etwas ganz Schreckliches – ab und zu diesem Ungeheuer "hingeben", ja sogar ein Kind von ihm!
In der Verurteilung solcher Atavismen ist man sich ziemlich einig und spart nicht an gelehrten Worten. Wenn man dies weiß, können an sich öde Abhandlungen wieder richtig vergnüglich zu lesen sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2015 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27748

Cornelia Koppetsch, Professorin für Geschlechterverhältnisse, läßt auch in ihren empirischen Arbeiten keinen Zweifel daran, daß sie den „Essentialismus“ in der Sexualität für überholt hält. Grammatisch falsch, aber inhaltlich eindeutig vertritt sie eine feministische, gegen die vermeintlich naturgegebene Heterosexualität gerichtete „Soziologie“:

Während über die Arbeitsteilung im Haushalt, wie auch über das Geldverdienen und die Erwerbsarbeit verhandelt werden kann (und muss), wird Weiblichkeit und Männlichkeit in der Sexualität vor allem von den individualisierten Frauen (hier am Beispiel von Kerstin und Anne) als etwas Wesenhaftes, Essentielles, erlebt. Beide Paare reproduzieren damit populäre (heteronormative) Sichtweisen, wonach die "naturgegebene" gegengeschlechtliche Sexualität ein wesentlicher Kern der Identität von Frauen und Männern darstellt.
Selbstverständlich ist der lebensweltlichen Essentialismus unterschwellig auch in vielen sozialwissenschaftlichen Studien enthalten. Der Beitrag sollte demgegenüber deutlich gemacht haben, dass Sexualität als eine zutiefst soziale Praxis zu verstehen ist, die Geschlechterverhältnisse, je nach Kontext, mit unterschiedlichen Bedeutung anreichert und symbolisiert. Wir betrachten (Hetero- )Sexualität in unserer Studie daher nicht als Folge der erotischen Attraktion zweier Geschlechter, sondern fragen danach, welchen Beitrag sexuelle Praxis zur Symbolisierung, Hervorbringung und Stabilisierung oder möglicherweise auch zur Verunsicherung von Weiblichkeit und Männlichkeit in Paarbeziehungen leistet.


www.fk12.tu-dortmund.de/cms/ISO/de/soziologie/soziologie_der_geschlechterverhaeltnisse/Medienpool/AIM_2013_Tagung/Koppetsch_Speck_Sexualitaet_in_heterosexuellen_Paarbeziehungen.pdf
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 30.12.2014 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27656

Wieder einmal war heute jemand im Radio zu hören, der feststellte, irgendetwas gelte "für jedermann und jede Frau". Merken die Leute denn gar nichts?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2014 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27471

Pinkers Buch habe ich inzwischen bei Amazon rezensiert. Vom Kauf würde ich abraten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2014 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27469

Pinkers neues Buch "The sense of style" ist immerhin ein Stilratgeber.

Fußnote zu Kap. 2:
"To avoid the awkwardness of strings of he or she, I have borrowed a convention from linguistics and will consistently refer to a generic writer of one sex and a generic reader of the other. The male gender won the coin toss, and will represent the writer in this chapter; the roles will alternate in subsequent ones."
Unter dem 3. Kapitel erinnert eine Fußnote: „In this chapter, it's the female gender's turn to be the generic writer.“

Das hat mit dem Text nichts zu tun und bezeugt bloß die Politische Korrektheit des Verfassers.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2014 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27438

Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird im Folgenden immer die generische maskuline Form gewählt. Es sind jedoch immer beide Geschlechter gemeint, wenn von Schülern oder Lehrenden gesprochen wird.

Das ist zwar immer noch besser als das Gendern, aber trotzdem fühle ich mich jedesmal veralbert. Für wie blöd hält man den Leser? Abgesehen von der peinlichen Geducktheit des Verfassers, der glaubt, sich für eine Selbstverständlichkeit entschuldigen zu müssen.
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 23.11.2014 um 19.54 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27422

Man sollte auch alle Missetaten von IS und anderen Übeltätern begrüßen, denn so bleibt das Interesse an den Menschenrechten erhalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2014 um 16.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27420

"Die Forderung nach gendergerechten Begriffen mag anstrengend und komisch sein. Aber immerhin hält sie das Interesse an Sprache wach, meint Peter Praschl "

Praschl windet und witzelt sich dann durch das Thema.

"Deswegen sollte man jede neue Wendung in der Debatte über gendergerechte Sprache vorbehaltlos begrüßen. Sie hält das Interesse am Sprachlichen verlässlich wach (mit der neuen Rechtschreibung haben sich mittlerweile ja alle abgefunden), sie sorgt für Leidenschaft und bestätigt jeden, der an ihr teilnimmt, darin, dass er recht hat, aber so was von. In welchen anderen öffentlichen Auseinandersetzungen hat man das alles schon?" (WamS 23.11.14)

Praschl meint offenbar, weil er sich mit der Reform abgefunden hat, hätten sich alle mit ihr abgefunden. So denken diese Journalisten eben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2014 um 06.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27314

Der Text des Bundespresseamtes, den Herr Metz anführt (siehe hier), zeigt noch einmal sehr schön, unter welchen Sonderbedingungen die radikalen Opportunisten ihre sprachlichen Eingriffe vornehmen können. Solche Texte werden nicht gekauft und brauchen nicht gelesen zu werden; die dienen nicht der Kommunikation.
Vor 30 Jahren, in den großen Zeiten von Pusch u. a., hieß es schon, kein Opfer an Verständlichkeit sei zu groß, um das Unrecht wiedergutzumachen, das die Sprache bisher an den Frauen verübt hat. Zwar sind die Menschen im Alltag und ebenso natürlich die Zeitungen nicht auf diesen Zug gesprungen, aber der Marsch durch die Institutionen war erfolgreich. Und so haben wir eine Sprachspaltung, die den amtlichen Text von der Allgemeinsprache noch stärker absondert, als es bisher schon unvermeidlich war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2014 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27309

"Rentenbeziehende" – das scheint eine Schweizer Spezialität zu sein. Google fragt noch nach: "Meinten Sie Rentenbezieher?"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2014 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27289

Gerade wundere ich mich über das Wort Hausmannskost. Wikipedia zitiert aus dem Deutschen Wörterbuch: „Nahrung wie sie ein Hausvater gewöhnlich für sich und die Seinigen bereiten läszt“. Es sind also wohl die Frauen, die die Hausmannskost zubereiten.
Die weiteren Angaben sind durchaus nicht verkehrt, aber es ist doch erstaunlich, wie unbestimmt sie notwendigerweise bleiben. Was heißt eigentlich deftig usw.? Wir alle wissen es, solange uns niemand danach fragt... (Übrigens entspricht Pater familias nicht der Reformschreibung.) Am Ende wird noch ein Blick auf die gutbürgerliche Küche geworfen, die ähnlich vage definiert ist. Ich habe schon als Kind auf den Schildern der Gasthäuser diesen Ausdruck gelesen und assoziiere ihn seither mit dem nicht gerade anziehenden Einheitsgeruch aus Speck und Zwiebeln und Kohl, der früher die Straßen durchzog, bevor Pizza und Döner die Herrschaft übernahmen (außer auf den Dörfern).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2014 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27284

Die sprachliche Gleichstellung der Geschlechter mag ja wichtig sein, räumen die Steuerzahler ein - Geld sollte es aber nicht kosten. Die von der grün-roten Landesregierung beschlossene Umbenennung der acht Studentenwerke im Südwesten in Studierendenwerke koste horrende Summen. So müsse neues Briefpapier beschafft werden. Und auch Broschüren, Onlineauftritte, Stempel und sogar die Bekleidung der Beschäftigten mit entsprechender Beschriftung müssen umfirmiert werden. Laut Steuerzahlerbund rechnet das Studierendenwerk Mannheim mit Kosten von bis zu 50 000 Euro, das Heidelberger mit 60 000 Euro und das Karlsruher sogar mit 120 000 Euro und rund 3000 Arbeitsstunden. «Gendern» muss nicht teuer sein, heißt es hingegen beim Wissenschaftsministerium. Zumindest «mit gesundem Menschenverstand». So könne man altes Briefpapier ja auch erst mal aufbrauchen. Grundsätzlich sei die Sprachanpassung aber wichtig. (Südkurier 7.10.14)

Stellen Sie sich ein Wissenschaftsministerium vor, das es "wichtig" findet, die Studentenwerke in Studierendenwerke umzubenennen! Nein, das kann man sich nicht vorstellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2014 um 07.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27233

Der Apple-Chef ist stolz darauf, homosexuell zu sein. Damit verurteilt er alle Heterosexuellen, aber der "Stern" scheint es nicht bemerkt zu haben, regt sich diesmal jedenfalls nicht auf.
Ein CDU-Abgeordneter muß auf Druck von allen Seiten seine Äußerung zurücknehmen, Homosexualität sei nicht "normal". Denken darf er es noch, aber nicht sagen. Im Katechismus der Katholischen Kirche steht es zwar auch, aber ohne das böse Wort "normal", von dem auch die Dudenredaktion abrät, weil es impliziere, daß irgend etwas nicht normal sein könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2014 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27206

Das werden sich die Leser auch fragen, aber manche Medien liegen eben immer auf der Lauer, ob nicht irgendwo ein Anlaß zu finden ist, die (vermutete) Empörungsbereitschaft der Leute zu entfesseln. Denken wir an den "inneren Reichsparteitag" und ähnliche Nichtigkeiten. Die unangenehme Folge ist, daß man kaum noch den Mund aufmachen kann, ohne über denselben gefahren zu werden. Der trostreiche Gedanke, daß solcher Unsinn auch schnell wieder verfliegt, macht es sich leider wohl etwas zu einfach.
Würde ich äußern, ich sei froh, kein Hund zu sein, kriegte ich etwas über "Speziesismus" zu hören. Das scheint im Augenblick noch etwas weit hergeholt, aber die Kämpfer für Tierrechte schlafen auch nicht.
Auf manchen Gebieten, vor allem Religionskritik, merken wir schon gar nicht mehr, daß in den Medien die Rücksichtnahme bis zur Tabuisierung fortgeschritten ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 30.10.2014 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27204

Was Lawrence sagen will, ist klar – Wozu dann die Aufregung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2014 um 14.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27203

Das hochmoralische Blatt "Stern" schreibt:

Sie ist eines der berühmtesten Opfer des Nacktfoto-Skandals, doch durch einen gedankenlosen Spruch verspielt sich Jennifer Lawrence derzeit die Sympathien. Nicht nur bei intersexuellen Menschen.
(...)
In der Oktober-Ausgabe der "Vanity Fair" nimmt sie ausführlich Stellung zu ihrer gehackten Privatsphäre. Leider lässt sich die 24-Jährige zu folgendem Satz hinreißen: "Es hätte schlimmer sein können. Wenigstens bin ich kein Hermaphrodit. Dann wäre ich geoutet worden - Jennifer Lawrence, Hermaphrodit!"
Erst den Verstand einschalten!
Was Lawrence sagen will, ist klar: Gäbe es an ihrer Nacktheit etwas zu entdecken, mehr als nur nackte Brüste und einen nackten Po, hätten die Fotos ihre Privatsphäre auf noch ganz andere Weise zerstört. Sie hätten ein Geheimnis gelüftet.
Was Lawrence aber leider sagt, ist, dass sie zum Glück nicht intersexuell ist. Und nicht die äußeren Geschlechtsteile eines Hermaphroditen besitzt. Und damit verurteilt sie Menschen mit nicht eindeutigem Geschlecht.


Ich bin recht froh, daß ich nicht behindert bin. (Jetzt habe ich alle Behinderten verurteilt.) Frauen haben es auch schwer; ich bin froh, daß ich keine bin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2014 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27179

Wanka hat den zwölften "Studierendensurvey" vorgestellt. "Survey" ist kein Deutsch, und "Studierende" ist auch kein Deutsch. In den Presseberichten ist meistens von "Studenten" die Rede. Zumindest das wird also automatisch repariert. Die Amtssprache wird immer mehr zur Sondersprache.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2014 um 07.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26900

In der Beschreibung des Yoga-Kurses (der nicht gerade billig ist, aber von der Krankenkasse bezahlt werden kann) heißt es: „Spezielle Atemübungen dienen z.B. der Reinigung und der Energieaufladung.“ Usw. Das beweist den esoterischen Charakter dieser Veranstaltung.

"Heute praktizieren mindestens drei Millionen Menschen in Deutschland Yoga, darunter etwa achtzig Prozent Frauen." (Wikipedia)

Nichts gegen Gymnastik, unter welchem Namen auch immer, aber die philosophischen Texte dazu sind indiskutabel. An meiner Universität in Indien haben sehr viele Studentinnen an Yoga-Kursen teilgenommen, das war so ähnlich wie Judo für Jungen.
 
 

Kommentar von Frank Daubner, verfaßt am 30.09.2014 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26892

Auf der "Frauenvollversammlung für Uni-Beschäftigte" der Stuttgarter Universität, zu der auch alle männlichen Beschäftigten eine Einladungsmail erhielten (man soll sich also wohl selbst entscheiden dürfen?), referiert die Lach-Yogatrainerin Claudia Lippkau über das Thema "Heiter und beschwingt in den Arbeitsalltag". Organisiert wird die Veranstaltung natürlich durch die Beauftragte für Chancengleichheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2014 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26888

Hatha-Yoga ist ein weiterer Schritt in die Esoterik. Sie kann sich an der Universität breitmachen, weil niemand, nicht einmal der Rektor (oder der am allerwenigsten) es wagen wird, sich mit dem Gender-Büro anzulegen. Es ist wie das Heilige Offizium. Man möchte ja nicht selbst ein Verfahren wegen Ketzerei an den Hals bekommen. Darum kann diese immer großzügiger ausgestattete Einrichtung auch niemals mehr abgeschafft werden. Man sieht ja auch, wie sie sich immer neue Aufgaben sucht. Benachteiligung von Frauen zu verhindern war gestern.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 29.09.2014 um 11.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26885

... und den üblichen Kommafehler haben die den Text geschrieben Habenden auch wieder eingebaut bzw. irgendwo dümmlich abgeschrieben. Aber Kommas vor "und" wurden ja eh endlich abgeschafft, soviel haben wir kapiert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.09.2014 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26884

Das "Büro für Gender und Diversity" unserer Universität bietet nun auch Hatha-Yoga-Kurse an. Die Einladung zum neuen Programm beginnt so:

Sehr geehrte Dozierende, wissenschaftliche Mitarbeitende und Studierende
der FAU,
ab dem Wintersemester 2014/15 finden die Veranstaltungen des Büros für
Gender und Diversity in einem neuen Format unter dem Namen
„Kompetenzentwicklungsprogramm“ statt.


Wie man sieht, schlägt die "Kompetenz"-Orientierung nun auch auf die Phraseologie der Diversitäts-Gehirnwäscherei durch. Paßt zum Deutsch der Sprachverhunzenden.

Wir hoffen, Ihr Interesse geweckt zu haben und freuen uns über viele
Teilnehmende.


Wie viele Lesende werden hier zu Fremdschämenden?

Man sieht hier exemplarisch, wie ganze Organisationen, weil niemand sich wehrt, in die Hände radikaler Sekten fallen können.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.07.2014 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26411

Jedes Jahr zu Weihnachten kann man sehen, daß auch Tauben lesen können, nämlich die Erbsen für Aschenbrödel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2014 um 18.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26402

Vor vielen Jahren erschien in der Süddeutschen Zeitung eine Karikatur aus zwei Teilen

Ein Mann räumt auf. (Man sieht einen Revolverhelden in den Western-Saloon kommen und für Ordnung sorgen.)
Eine Frau räumt auf. (Man sieht eine Hausfrau aufräumen.)

-
Ebenso unkorrekt ist folgendes:

auf die Straße gehen 1. (männlich oder neutral) an einer Demonstration teilnehmen; 2. (weiblich) auf den Straßenstrich gehen.

Früher hat man an Deutschbüchern die Klischees kritisiert: Vater liest die Zeitung - Mutter liest Erbsen.

Das muß noch länger her sein, denn wann haben Sie zum letztenmal Erbsen gelesen? Unsere Kinder wissen wahrscheinlich gar nicht mehr, was das sein soll.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 22.07.2014 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26378

Durch eine Sendung heute morgen von PHOENIX über die französische Atlantikküste habe ich gelernt, daß in den dortigen Salzgärten nicht nur Salzgärtner, sondern auch Salzgärtnerinnen arbeiten.
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 15.07.2014 um 18.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26340

In Österreich regt sich Widerstand gegen das, was die Politik sich unter geschlechtergerechter Sprache vorstellt:

http://derstandard.at/2000003059367/Neuer-Kampf-um-eine-gendergerechte-Sprache
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2014 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26287

Gender wächst und gedeiht. Unsere Erlanger Universität rühmt sich in einem Rundbrief (der natürlich nicht so heißt) gleich sechs ausgezeichneter Gleichstellungsprojekte, verweist auch auf Auswärtiges, z. B. die Angela Davis Gastprofessur am Cornelia Goethe Centrum der Goethe-Universität Frankfurt.

Das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC) – die Schreibweise erinnert an das Bertelsmann-CHE - stellt sich selbst vor. Die Biographie Cornelia Goethes – sprachlich unbeholfen und grammatisch falsch – ist teilweise von Pusch übernommen.
Angela Davis war die Schutzheilige der DDR, natürlich nicht wegen ihrer lesbischen Veranlagung, die sie für das Cornelia Goethe Centrum attraktiv macht.

Rückschau auf die Angela Davis-Gastprofessur
Das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse hat zu Beginn des Wintersemesters 2013/2014 die Angela Davis-Gastprofessur für internationale Gender und Diversity Studies eingerichtet. Sie dient der Förderung internationaler und interdisziplinärer Zusammenarbeit im Bereich Gender und Diversity.
Die Namensgeberin, Prof. Angela Davis, em. Professorin der University of California, Santa Cruz gilt als richtungsweisend für die weltweit geführte Race-Class-Gender-Debatte und als Wegbereiterin aktueller, kritischer Diskurse innerhalb der Gender und Diversity Studies. Ihre Perspektive auf sich überlagernde Formen der Ungleichheit auf Grund von Geschlecht, Ethnizität und Klasse ist als Triple Oppression oder aktuell – als Intersektionalitätsansatz – in die sozialwissenschaftliche Theoriebildung eingegangen.
Als erste Inhaberin der Gastprofessur war Prof. Davis vom 3. – 12. Dezember 2013 am Cornelia Goethe Centrum zu Gast. Nach dem erfolgreichen Auftakt wird die Gastprofessur Ende 2014 fortgesetzt und künftig einmal im Jahr mit einer international renommierten Frauen- und Geschlechterforscher_in besetzt.


Triple oppression ist natürlich ein sehr breites Dach.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.06.2014 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26144

Der Wikipedia-Eintrag zu "Abstraktum" gehört zu den völlig wertlosen, was bei einem so geläufigen Stichwort etwas überrascht. Ich zitiere etwas vom Ende:

Ein Abstraktum kann wie ein Hilfsmittel eingesetzt werden: Es wird verwendet, so lange man es zu einem bestimmten Zweck benötigt, zum Beispiel, bestehende Verhältnisse neu zu betrachten. In diesem Sinne sieht Hanna Meißner die Funktion von Abstrakta:

„[B]egriffliche Abstrakta [sind] sinnvoll, um eine analytische Rekonstruktion von den je historischen Dispositiven oder Apparaten zu ermöglichen, die gestaltet werden könnten, um andere Beugungen zu erzeugen, andere Materialisierungen zu ermöglichen.“
– Hanna Meißner, 2013.[1]

Einzelnachweise
1.Hanna Meißner, Feministische Gesellschaftskritik als onto-epistemo-logisches Projekt, in: Corinna Bath, Hanna Meißner, Stephan Trinkhaus, Susanne Völker (Hg.): Geschlechter Interferenzen: Wissensformen - Subjektivierungsweisen - Materialisierungen. Berlin/ Münster: Lit, 2013, S. 163-208, Zitat S. 198-199. ISBN 978-3-643-10904-0


Die Namen führen in den feministischen Sumpf, wo er am tiefsten ist. Schon die Sprache ist hoffnungslos: Rekonstruktion von den je historischen Dispositiven usw.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 16.06.2014 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26064

Wenn ich mich nicht irre, wird das Wort "Vorstand" in Deutschland als Kollektivum aufgefaßt. Angesichts der vielen staatlichen, kirchlichen und sonstigen Bürokratien wäre es zwar durchaus möglich, daß sich auch eine Aufgabenbeschreibung bzw. Amtsbezeichnung mit dem Titel "Vorstand" fände, aber der erwähnte Fall scheint ein spezifisch österreichischer zu sein. Das deutsche Äquivalent wäre wohl das reichlich antiquiert wirkende "Vorsteher".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2014 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26062

"Vorstand" ist ein grammatisch maskuliner Funktionsbegriff, der auch auf den Funktionsträger angewandt wird. Man könnte Wörter wie "Wachposten" vergleichen, wo es aber auch schon vereinzelt feminine Formen gibt, meist noch ohne Umlaut.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2014 um 18.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26056

Österreich ist bekanntlich führend:

Landesschulrat für Tirol: Ausschreibung der Stelle einer Fachvorständin/eines Fachvorstandes an der Höheren Bundeslehranstalt für Tourismus, 6280 Zell am Ziller, Schwimmbadweg 4 BMUKK-618/0011-III/5/2013

Der/Die Institutsvorstand/ständin bzw. Abteilungsleiter/in wird per E-Mail darüber informiert, dass eine oder mehrere LVs zur Unterschrift vorliegen. (Wirtschaftsuniversität Wien)

Die Dekanin der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät und die Vorständin des Instituts für Zeitgeschichte laden ein zur Buchpräsentation von Prof. Dr. Jörn Leonhard Die Büchse der Pandora: Geschichte des Ersten Weltkrieges am 11.Juni 2014, 18.00-19.30 Uhr, Alte Kapelle, Universität Wien, AAKH Campus

(und viele weitere Belege)

Die Vorständin war hier schon erwähnt: www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#9430
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2014 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25973

Die FAZ (6.6.14) berichtet ausführlich über die Rückgabe von Kykladen-Raubkunst an Griechenland. Dabei behandelt die Verfasserin "Kykladen" durchgehend als Namen der Bevölkerung, am Ende ist sogar von einer "marmornen Kykladin" die Rede.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.06.2014 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25948

Richtig, aber das begreift heute auch keine(r) mehr. So heißt z. B. eine Bundesbehörde griffigerweise »Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik«, aber als eine Frau dieser überflüssigen Einrichtung vorstand, wurden natürlich gleich die Schilder ausgewechselt.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 03.06.2014 um 14.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25947

Dabei sind Aufgabenträger und Rechtsträger ja nicht einmal Personen, sondern Behörden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2014 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25943

Das Grundgesetz ist amtlich, soviel ich weiß, noch nicht geschlechtergerecht umgeschrieben, aber es gibt Entwürfe, z. B. hier: https://sites.google.com/site/geschlechtergerechtesgg/geschlechtergerechtes-gg

Textproben:

Niemand darf ihrer oder seiner gesetzlichen Richterin oder ihrem oder seinem gesetzlichen Richter entzogen werden.

Soweit Mittelbehörden eingerichtet sind, werden deren Leitenden (!) im Benehmen mit den Landesregierungen bestellt.

Frühere deutsche Staatsangehörige, denen zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 die Staatsangehörigkeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen worden ist, und ihre Abstammenden sind auf Antrag wieder deutsche Bürgerinnen und Bürger.

Menschen auf der Flucht (= Flüchtling)

Soweit es nach seiner ursprünglichen Zweckbestimmung überwiegend für Verwaltungsaufgaben bestimmt war, die nach diesem Grundgesetze nicht Verwaltungsaufgaben des Bundes sind, ist es unentgeltlich auf die nunmehr zuständigen Aufgabentragenden und, soweit es nach seiner gegenwärtigen, nicht nur vorübergehenden Benutzung Verwaltungsaufgaben dient, die nach diesem Grundgesetze nunmehr von den Ländern zu erfüllen sind, auf die Länder zu übertragen.

Verbindlichkeiten des Bundes oder anderer Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts, welche mit dem Übergang von Vermögenswerten nach Artikel 89, 90, 134 und 135 im Zusammenhang stehen, und Verbindlichkeiten dieser Rechtstragenden, die auf Maßnahmen der in Nummer 1 bezeichneten Rechtstragenden beruhen, ...

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2014 um 04.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25925

Ich bin untröstlich, daß einige Frauen unter meinen Freunden (zum Glück nicht viele) die Verwendung des unpersönlichen männlichen Pronomens so auffassen, als wollte ich die Frauen damit ausschließen. Wenn wirklich jemand ausgeschlossen werden müßte (glücklicherweise ist dies nicht der Fall), dann würde ich, glaube ich, eher die Männer ausschließen; als ich aber einmal versuchsweise meinen abstrakten Leser als »sie« ansprach, rügte mich eine Feministin wegen gönnerhafter Herablassung: »er-oder-sie« und »sein-oder-ihr« sollte ich sagen. Das fällt dem leicht, dem die Sprache gleichgültig ist; wem aber die Sprache gleichgültig ist, der verdient auch keine Leser, gleich, welchen Geschlechts. In diesem Buch bin ich nun zum normalen, traditionellen Gebrauch der Pronomen zurückgekehrt. Ich spreche den »Leser« mit »er« an, aber ich denke mir meine Leser ebensowenig spezifisch männlichen Geschlechts, wie sich ein französischer Redner einen Tisch als weiblich vorstellt. Ich glaube sogar, ich stelle mir meine Leser häufiger weiblich vor als männlich, aber das ist meine persönliche Angelegenheit, und ich fände es schlimm, wenn derartige Überlegungen den Umgang mit meiner Muttersprache beeinflussen würden.
(Richard Dawkins: Der blinde Uhrmacher, Vorwort)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2014 um 11.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25825

„Viele Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sowie Mieterinnen und Mieter lassen sich inzwischen beraten und sichern ihre Häuser und Wohnungen“, erklärte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2013. Auch die Nachbarschaft sei aufmerksam und trage oft dazu bei, dass Täter häufiger als früher bei ihren Taten gestört würden. (Focus.de 15.5.14)

Fehlt da nicht was? Allerdings sagt die Kriminalstatistik, daß der typische Einbrecher männlich ist. (Es sind auch überproportional viele Ausländer darunter, aber das wird nicht direkt gesagt, sondern in der Angabe versteckt, daß bandenmäßige Einbruchsdiebstähle "in Grenznähe" besonders häufig vorkommen.)

Die gedrechselte Ausdrucksweise des politisch korrekten Senators wird im Deutschen niemals allgemein üblich werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2014 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25793

Mag die Wissenschaft diskutieren - die Bundeszentrale für politische Bildung schafft Tatsachen. Gender mainstreaming ist kein Diskussionsgegenstand mehr, sondern schlicht ein selbstverständlicher Auftrag:

"Da das Prinzip Gender Mainstreaming sowohl auf unsere Institution als auch auf unser Handlungsfeld angewandt werden soll, sind unsere Zielgruppen:
- Alle Beschäftigten der Bundeszentrale für politische Bildung
(insbesondere die Leitung, die Fachbereichsleitungen, die Gender Mainstreaming - Beauftragten, die Projektgruppen, die Personalabteilung)
- die Kooperationspartner
(insbesondere die freien Träger, die Landeszentralen für politische Bildung Autorinnen und Autoren, Referentinnen und Referenten etc.)
- Die Zielgruppen der BpB
(insbesondere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und Meinungsführende)"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2014 um 08.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25779

Der Text (s.http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25775) endet so:

Diskriminierungen sind nicht vor allem Angelegenheit von Diskriminierten, sondern eine gesamtgesellschaftliche Struktur und als solche eine Verantwortung vor allem dixjeniger, dix privilegiert sind, ihr_e Privilegien sozial verantwortlich gegen Diskriminierungen einzusetzen.
Und – sich Sprachhandlungen (wieder) anzueignen, Neues auszuprobieren, genau hinzuhören, schafft viele neue Kommunikationen, ist eine herausfordernde Form, politisch aktiv zu sein, erweitert die eigene Wahrnehmung immer wieder und fortdauernd – und macht einfach sehr viel Spaß
]

Der Staat gibt soviel Geld aus, warum soll er nicht auch diesen "Spaß" noch bezahlen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2014 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25778

IFLA-ETHIKKODEX FÜR BIBLIOTHEKARINNEN(1) UND ANDERE IM INFORMATIONSSEKTOR BESCHÄFTIGTE

(1) Ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird hier das generische Femininum verwendet. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass Frauen in bibliothekarischen Berufen deutlich in der Mehrheit sind. Männliche Berufsangehörige sollen dadurch nicht diskriminiert werden, sondern sind selbstverständlich mitgemeint. In anderen Fällen („Nutzer“) wird in gleichem Sinne das generische Maskulinum eingesetzt.
(http://go.b-u-b.de/19)
 
 

Kommentar von Abel Ickler, verfaßt am 05.05.2014 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25775

Ableismus, ableisiert, disableisiert: Ableismus ist das strukturelle Diskriminierungsverhältnis, das Nicht/beHinderung bzw. Dis/Ableisierung konstruiert. Personen, die in einer Gesellschaft nicht-beHindert sind, sind ableisiert.
(http://feministisch-sprachhandeln.org/wp-content/uploads/2014/03/onlineversion_sprachleitfaden_hu-berlin_2014_ag-feministisch-sprachhandeln.pdf)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2014 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25703

Wenn es für "Migrationshintergrund" ein handlicheres Wort gäbe, könnte man ein Migrationshintergrundsmainstreaming in Erwägung ziehen. Es beträfe allerdings nicht nur Frauen und könnte insofern das Thema Gender allmählich verdrängen. Der andere Weg, also die bisher geübte immer weiter gehende Spezialisierung (behinderte muslimische Lesbierin usw.), scheint mir weniger zukunftsweisend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2014 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25666

Die Gleichstellungsstelle der Universität ist nun wirklich über "Frauenbeauftragte" hinausgewachsen. Sie gewinnt der Ungleichheit immer neue Aufgabenfelder ab:

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

im kommenden Sommersemester 2014 bietet das Büro für Gender und Diversity/Kontakt- und Kompetenzstelle Interkultur

eine Veranstaltungsreihe an zum Thema:

„Internationalität und Chancengerechtigkeit in der Wissenschaft –
Karrierewege und Aufstiegsmöglichkeiten für Nachwuchswissenschaftlerinnen mit und ohne Migrationshintergrund“

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2014 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25560


Kretschmann hat mit LSBTTI-Menschen gesprochen, „also Menschen mit einer lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender- oder intersexuellen Identität“. Damit dürften die Möglichkeiten der Differenzierung noch nicht ausgeschöpft sein, nicht einmal auf sexuellem Gebiet. Weitere Interessengruppen werden sich finden. Daß Politiker, wo es um die Lehrpläne für Schulen geht, sich genötigt fühlen, mit all diesen Leuten zu verhandeln, ist ein Zeichen fortschreitender Verblödung unserer Gesellschaft.

Es ist auch unklug. Wie die Jugend nun mal ist, kann es nicht ausbleiben, daß das Gender-Mainstreaming irgendwann den wohlmeindenden, wenn auch heuchlerischen Politikern um die Ohren fliegt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2014 um 06.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25424

In der FAZ vom 19.3.14 steht ein Zweispalter der Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg, Theresia Bauer. Der Text ist fast lückenlos gegendert. In einer Umgebung, die durchweg das generische Maskulinum verwendet, wirkt das wie eine Sondersprache, zugleich penetrant belehrend und moralisierend.

Der Beitrag verteidigt die Freiheit der Wissenschaft, aber es kann durchaus schon eine Direktive geben, die den "geschlechtergerechten" Sprachgebrauch auch im Hochschulwesen zur Pflicht macht. Wenn die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit mit der politischen Korrektheit konkurriert, dürfte der Sieger (Pardon: die Siegerin) feststehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2014 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25296

Durch die amerikanische und dann auch deutsche Presse geisterte kürzlich der Brief einer Siebenjährigen an die Firma Lego mit der Bitte, mehr Mädchenfiguren anzubieten. Einem Leserbriefschreiber fiel auf, daß der Text von einer Genderforscherin ins Netz gestellt worden war, andere vermuteten ein Fake, entweder vom Vater des Mädchens angefertigt oder überhaupt eine Fiktion.
Der an verschiedenen Stellen abgebildete Text
(http://www.spiegel.de/fotostrecke/genderdebatte-siebenjaehrige-schreibt-beschwerde-brief-an-lego-fotostrecke-110681.html)
erinnert mich in der Tat an jene nachgemachten Kindertexte, die z. B. als Belege für Rechtschreibkatastrophen präsentiert werden. Ich nehme an, daß es sich um eine verstellte Erwachsenenschrift handelt. Allenfalls könnte das Kind einen vom Vater orthographisch korrekt niedergeschriebenen Text kopiert haben, aber soweit ich es erkennen kann, sind die Buchstaben bei aller Unregelmäßigkeit viel zu routiniert, die Krakeligkeit wirkt künstlich und stimmt nicht mit dem sonstigen Niveau überein.
Zutreffend auch der Hinweis zahlreicher Leser, daß Siebenjährige kaum von sich aus aufs Gendern verfallen.
Eigentlich wollte ich nur die Amazonin erwähnen, die im SPIEGEL-Text vorkommt. Das ist doppelt gemoppelt, wie die bekanntere Diakonissin. Suffixverdoppelungen hatten wir ja schon beim Afrikaner, wo dem lateinischen Suffix zwecks Verdeutlichung noch ein deutsches hinzugefügt ist.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.02.2014 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25246

Genaueres zur frühchristlichen Missionierung Mitteleuropas findet man bei wikipedia unter dem Suchbegriff "Iroschottische Kirche".
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 24.02.2014 um 18.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25244

Übrigens "steht aber so nicht bei Johannes." So ganz neu ist dieser Umgang mit den Heiligen Texten ja nicht. Wenn bei Markus klipp und klar steht adelphoi, hatte die katholische Kirche auch keine Hemmungen, das mit "Vettern" zu übersetzen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf!

 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 24.02.2014 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25243

In frühchristlicher Zeit "wurden auch ägyptische Missionare und Missionarinnen in alle Welt gesandt, nach Irland, in die Gebiete der Niederlande, Schweiz, Sudan und Äthiopien." Stimmt das eigentlich?
Die Frage ist falsch! Wenn es nicht stimmt (u.a. die Schweiz in frühchristlicher Zeit!), umso schlimmer für die Wirklichkeit!

Aber die Wirklichkeit überholt wieder mal die Satire: In einem Anzeigenblatt erschien jetzt ein als Artikel getarnter Werbebeitrag von Galeria Kaufhof. Darin heißt es tatsächlich: "Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiter freuen sich..."

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2014 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25241

Demnächst ist wieder der Weltgebetstag der Frauen. Es gibt eine offizielle Broschüre mit der Gottesdienstordnung - scharf gegendert. Eine Lesung aus dem Johannes-Evangelium ist abgedruckt, aus der "Bibel in gerechter Sprache". Es ist also gegen den griechischen Wortlaut von Samaritanerinnen und Samaritanern die Rede. Das Heil kommt nicht von den Juden, sondern aus dem Judentum. Seine Jünger und Jüngerinnen waren nämlich weggegangen (...) Jüdische und samaritanische Menschen haben nämlich keine Gemeinschaft miteinander.

Usw., ganz hübsch, steht aber so nicht bei Johannes.

In frühchristlicher Zeit "wurden auch ägyptische Missionare und Missionarinnen in alle Welt gesandt, nach Irland, in die Gebiete der Niederlande, Schweiz, Sudan und Äthiopien." Stimmt das eigentlich?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.02.2014 um 23.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25141

Der Herr Friedrich hat außerdem den Antiamerikanismus erfunden als Bezeichnung für diejenigen, die gegen Abgehört-werden sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2014 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25140

Kürzlich hat ja die BBC angeordnet, daß es in Comedy-Shows und ähnlichen Sendungen keine reinen Männerrunden mehr geben darf. Einige Zuschauer meinen, Frauen seien einfach nicht so lustig, und sehen trübe Zeiten heraufziehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2014 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25139

Das ist sicher nur "Lectio facilior". Man sollte die Intelligenz dieser Leute nicht überschätzen.
Es zeichnet sich ab, daß Antifeminismus allmählich so vorwerfbar wird wie Antisemitismus und Homophobie.
Nach einer bekannten Einsicht haben die allgemeinsten Interessen die geringste Aussicht, sich durchzusetzen, einfach weil sie nicht genügend organisiert sind.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.02.2014 um 13.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25138

"Gegnerisches Maskulinum in der Wikipedia" (Artikelüberschrift) und
"gegnerisches-maskulinum-in-der-wikipedia" (Link) - ist das Absicht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2014 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25137

Neulich stand im "Freitag", die Wikipedia wolle das generische Maskulinum obligatorisch und "geschlechtersensible Sprache unmöglich machen". (http://www.freitag.de/autoren/andreas-kemper/gegnerisches-maskulinum-in-der-wikipedia).
Ich bin gegen solchen Zwang. Laßt sie doch schreiben, wie sie wollen! Die "geschlechtersensible" Sprache (wie der tendenziöse Ausdruck lautet) wird sich von selbst erledigen, das kann sie aber nicht, wenn Zwang herrscht. So schafft man nur Märtyrer. Wikipedia ist auch in vielen Bereichen so schlecht, daß eine solche Sprachregelung es nicht besser macht.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 10.02.2014 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25102

Die Charta für Vielfalt ignoriert die Neigung der Menschen, sich zu Sozialverbänden - gleich und gleich gesellt sich gern - zusammenzuschließen. Der anzustrebende Sozialverband soll stattdessen "unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität" sein. Das ist dann die "Belegschaft", in der ein "Klima der Akzeptanz und des gegenseitigen Vertrauens" geschaffen ist. Dabei bekommen wir alltäglich mitgeteilt, daß es gerade die traditionellen Sozialverbände sind, die am erfolgreichsten den Kopf herausstrecken.

Als man Mitte der 90er feststellen mußte, daß es trotz Subventionen in den "Neuen Ländern" nicht so recht voran ging, traf einer resümierend den Nagel auf den Kopf: "Im Sozialismus war Arbeit eine gesellschaftliche Veranstaltung".

In der Charta für Vielfalt wird das Modewort Team vermieden, statt dessen das etwas angestaubte Belegschaft. Gemeint ist, was im Sozialismus Kollektiv hieß.

http://www.youtube.com/watch?v=7EDSZJ_lgQQ
http://politische-oekonomie.org/Lehrbuch/kapitel_32.htm

(Ich sehe die Situation, ca '97, noch vor mir: Im Aufzug eines achtgeschossigen Plattenbaus, der vorher die MfS-Bezirkszentrale, nach Mauerfall Teile der Stadtverwaltung beherbergte, beklagte sich eine junge Dame über die unkollegiale Atmosphäre in ihrer Abteilung. Die angesprochene junge Dame riet ihr, das doch mal im Kollektiv zur Sprache zu bringen. Die Antwort kam prompt: "Pah, Kollektiv, det is ja nichma en Team.")



 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2014 um 11.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25092

Kürzlich erschien im Tagesspiegel dieser Kommentar:
http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/sexuelle-vielfalt-der-satz-homosexualitaet-sei-privatsache-ist-nicht-liberal/9347192.html

"Der Satz, Homosexualität sei Privatsache, ist nicht liberal"
 Von Aletta Gräfin von Hardenberg

-
Darin wird betont, daß alle sexuellen Orientierungen gleichberechtigt auch an die Öffentlichkeit treten dürfen usw. Aber darum geht es der "Charta der Vielfalt" ja nicht. Vielmehr soll die Vielfalt der Orientierungen in einen betriebswirtschaftlichen Nutzen umgesetzt werden. In diesem Sinn betont der Verein, daß sexuelle Neigungen keine "Privatsache" seien. Es ist nur ein kleiner Schritt zum Bekenntniszwang. Denn wenn ein Angestellter dem Arbeitgeber z. B. verschweigt, daß er homosexuell ist, enthält er ihm einen Teil des Leistungspotentials vor und schadet dem Unternehmen zumindest indirekt.

Inzwischen rüstet man sich zum zweiten "Deutschen Diversity-Tag".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2014 um 09.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25087

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25037:

„Die ‚erste Person‘, ich, bezeichnet die Sprecherin, die ‚zweite‘, du, den Angesprochenen.“

Das steht seit einem Vierteljahrhundert da, in einer Grammatik der deutschen Standardsprache (!),und kein Germanist hat den Mut, den Unsinn Unsinn zu nennen. Aber sie haben ja auch bei der Rechtschreibreform begeistert mitgemacht, was kann man da erwarten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2014 um 14.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25081

Unser "Büro für Gender und Diversity" an der Uni Erlangen lädt zu einem Workshop "Judith Butlers Theoretische Interventionen - Grundlagen, Effekte, Kritik" ein.

Butler hat ja mal einen Preis für die schlechteste Prosa gewonnen (und sich auch noch dagegen gewehrt!); als Beispielsatz wird zitiert:

The move from a structuralist account in which capital is understood to structure social relations in relatively homologous ways to a view of hegemony in which power relations are subject to repetition, convergence, and rearticulation brought the question of temporality into the thinking of structure, and marked a shift from a form of Althusserian theory that takes structural totalities as theoretical objects to one in which the insights into the contingent possibility of structure inaugurate a renewed conception of hegemony as bound up with the contingent sites and strategies of the rearticulation of power.

Schade übrigens, daß ich nicht queer oder so etwas bin ("queervers" - gibt es das?), dann hätte auch ich aus meiner Veranlagung einen Beruf machen können.


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2014 um 12.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25037

Das "Handbuch der deutschen Grammatik" von Hentschel/Weydt hält auch in der 4. Auflage 2013 - zehn Jahre nach der vorigen - am generischen Femininum fest. Das ist paradox, weil ja die deutsche Standardsprache dargestellt wird, zu der solche Ausdrucksweisen nicht gehören und niemals gehören werden. Es gibt außerhalb sehr enger feministischer Kreise keine Texte in dieser Privatsprache. Was sollen Ausländer denken, die vertrauensvoll ein solches Buch benutzen?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.01.2014 um 12.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24872

Nachträglicher Hinweis zu #21234

Herr Ickler hatte zu Schliemanns phänomenalen Sprachkenntnissen angemerkt: "Da er sich die Sprachen meist aus Büchern ... aneignete, litt wohl die Phonetik unter Vernachlässigung. Irgendwo habe ich gelesen, daß sein Englisch praktisch nicht zu verstehen war, kann aber die Stelle nicht mehr finden."

Daran fühlte ich mich gestern erinnert, als ich eine Fernsehdokumentation über Max von Oppenheim ansah. Sie enthält einen Video-Ausschnitt, in dem Oppenheim 1930 auf englisch die Welt in sein neueröffnetes Tell-Halaf-Museum nach Berlin einlädt.

Dasselbe Stück Film (ca. 1 Minute, ab 30:35) gibt es hier:
www.youtube.com/watch?v=eUUgsgP0hfg

Immerhin kann man Oppenheim verstehen. Er hatte ja auch viele Jahre lang im Ausland Englisch gesprochen. (Richtig amüsieren darf man sich nicht, bei der Leidenschaft und der Leistung dieses tatkräftigen Forschers.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2014 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24813

Wolf Schneider polemisiert gegen die geschlechtergerechte Sprache, die er als Erfolg Alice Schwarzers versteht. (Luther-Gespräche in Erfurt) Aber Schwarzer war in dieser Bewegung nicht führend. In der Sache hat er natürlich recht.

Ein anderer Gesprächsteilnehmer gibt zu, daß er sich wegen behördlicher Vorschriften nicht so ausdrücken darf, wie er es für richtig hält und wie es sich Journalisten (noch) leisten können.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.01.2014 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24732

"Es ist etwas entspannter geworden in Deutschland, es ist kein großes Ding mehr, lesbisch zu sein oder schwul. Es reichen wenige Worte. Nachfragen anderer Medien dazu beantwortet Hendricks nicht.“ (http://www.taz.de/Barbara-Hendricks-outet-sich-als-lesbisch/!130276/)

Was mag die taz (beiläufig!) gefragt haben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2014 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24731

Nach dem beiläufigen Outing einer Bundesministerin als lesbisch wird heiß darüber diskutiert, wer beiläufiger davon spricht. Die Beiläufigkeit ist ein Gradmesser der politischen Korrektheit, aber das kann nur der erste Schritt sein. Es ist das alte Dilemma der Antidiskriminierung. Einerseits sollen Unterschiede gar keine Rolle spielen, andererseits sollen sie jederzeit beachtet werden (Mainstreaming). Daher nun die Aufforderung, es der Ministerin gleichzutun - aber worin? Im Bekennen oder in der Beiläufigkeit?

Es erinnert mich an Kardinal Meisner, der, wenn ich ihn recht verstanden habe, von Priestern zwar den Verzicht auf Sex verlangt, zugleich aber fordert, daß es der richtige, heterosexuelle Sex sei, auf den man verzichtet.


 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.12.2013 um 22.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24659

Bei der neuen Bundesdatenschutzbeauftragten hat die neue Bundesregierung "den Bock zum Gärtner gemacht". Oder wie muß es bei einer Frau politisch korrekt heißen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.12.2013 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24650

„… nicht nur Gauck, sondern auch alle Sportler müßten die Teilnahme in Sotschi verweigern.“

Hach, was solls. Ist doch nur Sport. Freuen wir uns drauf! Und auf die Fußball-WM.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2013 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24647

Selbst wenn der russische Dirigent Gergiev eine ablehnende Haltung zur Homosexualität zum Ausdruck gebracht haben sollte (was anscheinend nicht der Fall ist), sollte er das Recht haben, seine Meinung zu äußern. Andernfalls müßten die Schwulenverbände, die jetzt seine Eignung als Münchner Chefdirigent in Frage stellen und ihn am Ende wahrscheinlich weggraulen werden, sämtliche Katholiken an den Pranger stellen, weil sie sich nicht vom Katechismus der katholischen Kirche distanzieren. Und nicht nur Gauck, sondern auch alle Sportler müßten die Teilnahme in Sotschi verweigern.

Am besten, wir führen ein allmorgendliches Pledge of allegiance ein: ein verpflichtendes Bekenntnis zu "Gender und Diversity". Vorher wird es keine Ruhe geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2013 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24637

Bei dem angekündigten "Workshop" der Universität Erlangen sind die Frauen praktisch unter sich. In den 25 Euro Teilnahmegebühr ist ein "vegetarisches Mittagessen" enthalten, so daß auch in dieser Hinsicht vorgesorgt sein dürfte. (Aber aufgepaßt: Es gibt Religionen, die den Verzehr von Zwiebeln verbieten!)

Können Sie sich vorstellen, jemandem zu erklären, Sie seien im "Büro für Gender und Diversity" beschäftigt? Die Sprache dieser Leute verrät eigentlich alles.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2013 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24632

Das "Büro für Gender und Diversity" an der Erlanger Universität läßt sich immer etwas einfallen:

Bildung – Migration – Gender - mit diesen Blickpunkten laden wir Sie sehr herzlich zur zweiten Veranstaltung in der Tagungsreihe „Bildungschancen durch Diversity-Kompetenz“ ein:
(...)
Gemeinsam mit Ihnen als den entscheidenden Akteuren in Bildungsprozessen von Kindern und Jugendlichen, als Studierende, Lehrende und Forschende wollen wir uns Gedanken machen, wie wir uns gerechten Bildungschancen weiter nähern und uns dafür einsetzen können. Dabei sind immer pädagogisch-didaktische und institutionell-administrative Rahmenbedingungen mitzudenken und ggf. zu verändern. In die Pluralisierung von Bildungsvoraussetzungen und -bedürfnissen begleiten uns 2014
 
Prof. Dr. Christiane Spiel, die Vorsitzende des Instituts für
Angewandte Psychologie der Universität Wien, und
Prof. Dr. Mechtild Gomolla, Bildungsforscherin von der
Helmut-Schmidt-Universität Hamburg,
 
sowie ExpertInnen aus dem universitären, vor- und außer- wie -schulischen Tätigkeitsfeldern in einem breiten Workshopangebot. Mit der Veranstaltung bieten wir Ihnen Eindrücke einer inklusionsorientierten, differenzsensiblen und diskriminierungskritischen Praxis in Bildungsprozessen und -einrichtungen, die Sie sicher für Ihre Praxis inspirieren.


Nix wie hin!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2013 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24565

Zu einer Erlanger Tagung über "Homosexualität als Herausforderung der Schule" (infranken.de 7.12.13):

„Der 15-jährige Mark liebt Lukas. Aber das kann er niemanden sagen, nicht den Mitschülern, nicht den Eltern. (...) Zehn Prozent der Bevölkerung sind homosexuell", sagt Breckenfelder, "und an Schulen sollen es Null Prozent sein - das geht nicht". "Undenkbar, dass sich an unserer Schule ein Kollege outen würde", sagen auch Tagungsteilnehmerinnen in Erlangen.“

Die Zahl von 10 Prozent scheint mir viel zu hoch gegriffen. Da muß man schon psychoanalytisch-entlarvend vorgehen, um auch diejenigen zuerfassen, die selbst gar nicht wissen, daß sie homosexuell sind, und es daher auch nicht direkt angeben.

Mir ist ein Gymnasium bekannt, an dem ein homosexueller Lehrer problemlos unterrichtet, über den jeder Bescheid weiß, ob er sich nun geoutet hat oder nicht (eher nicht, würde ich sagen).

Ich weiß nicht mehr, in welches Mädchen ich mit 15 verliebt war, aber ich hätte darüber weder mit den Mitschülern noch den Eltern sprechen wollen. Man muß auch bedenken, daß Jugendliche, die ihre sexuelle Identität erst noch finden müssen, wohl niemals so auf- und abgeklärt sein werden, daß sie untereinander (das ist entscheidend) jede Spielart gleichmütig hinnehmen. "Schwuchtel" (wie im Bericht erwähnt) ist ein geläufiges, nicht besonders schlimmes Schimpfwort unter heutigen Pennälern, gerade gegen "normale" Mitschüler. (Nicht bei uns damals, wir kannten so etwas gar nicht, obwohl zotige Sprüche gerade am Jungengymnasium in der Mittelstufe sehr beliebt waren.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2013 um 11.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24514

Wir wissen, dass in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften Werte gelebt werden, die grundlegend für unsere Gesellschaft sind. (Aus dem Koalitionsvertrag)

Man vermißt ein "auch" oder eine vergleichbare Einschränkung. Wie er dasteht, bedeutet der Satz, daß gleichgeschlechtliche Partnerschaften für unsere Gesellschaft unentbehrlich sind. Prädikat "Besonders wertvoll" sozusagen.

Im Vertrag steht auch:

In vielen Ländern der Welt werden besonders Christen wegen ihres Glaubens bedrängt, verfolgt und vertrieben. Religiöse Konflikte vermischen sich oftmals mit sozialen und wirtschaftlichen Spannungen.

Sonderbar, worauf deutsche Parteien sich einigen zu müssen glauben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2013 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24513

Sigmar Gabriel hat den Frauen seiner Partei zugesagt, dass sie in der schwarz-roten Koalition die Hälfte der SPD-Ministerposten bekommen. (Welt 1.12.13)

Ich finde das seltsam. Sind denn die Frauen eine eigene Partei oder Interessengruppe, so daß sie sagen könnten: "Wir haben die Hälfte der Ministerposten, wir haben 40 Prozent der Aufsichtsratsposten" usw.?

Das erinnert mich an die Schwärmerei von Trömel-Plötz, die ich hier zitiert hatte.

Das ist 30 Jahre her.

Ich würde niemals davon reden, was "wir Männer" alles geschafft haben usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2013 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24511

Eine von zahllosen geschlechtsspezifischen Kollokationen: Mädchen (und kleine Jungen) kichern, Jungen wiehern. Das ist im alten Synonym-Duden und in seinem Schülerduden-Ableger auch richtig vermerkt. Bedeutungswörterbücher, die es verschweigen, sind eigentlich unbrauchbar. Selbstverständlich handelt es sich wie in den meisten Fällen um Frequenzspezifika, d. h. Abweichungen kommen vor.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.11.2013 um 21.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24502

Ich schlage vor, wegen der politischen Korrektheit alle deutschen Ortsnamen auf "Er-" in "Es-" umzunennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2013 um 06.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24495

Das feministische Programm erledigt sich, wie vorauszusehen, nicht durch Zurückstecken, sondern durch Voranschreiten auf dem einmal eingeschlagenen Weg. Seit weitere Minderheiten ihre Ansprüche geltend machen, wirkt es antiquiert, auf Gleichberechtigung für Frauen zu bestehen. Der Koalitionsvertrag scheint der erste Regierungs-Bauchladen zu sein, der ausdrücklich Maßnahmen gegen "Transphobie" enthält.
Mein Mißtrauen gegen den Staat, dem ich eigentlich als Beamter treu gedient habe, wurde schon sehr geschärft, als die Regierung sich besorgt über meine Fernsehverweigerung beugte. Durch die Haushaltsabgabe erinnert sie mich daran, daß ich doch auch vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen profitiere.
Vielleicht kommen bald eine Transsexuellenabgabe und viele andere Abgaben, gegen die man aus moralischen Gründen und wegen Wiedergutmachung historischen Unrechts nichts einwenden kann. Die Kirchhofs werden die juristische Begründung nachliefern.
(Übrigens enthält der Wikipedia-Eintrag "Transphobie" bei aller Correctness sprachliche Fehler, und Haß ist den Aufpassern auch entgangen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2013 um 21.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24481

Es muß einmal gesagt werden: Beim Googeln findet man fast 20mal so viele hübsche Frauen wie hübsche Männer. Schöne Männer sind häufiger, wenn auch nicht so häufig wie schöne Frauen. Natürlich sind Mädchen hübscher als Jungen, aber was wirklich überraschend selten vorkommt, ist ein schöner Junge.

Viel Stoff zum Nachdenken. Es geht einmal um die Kollokationen selbst, aber auch darum, wer sie gebraucht.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 23.11.2013 um 14.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24456

Ohne Klammer wäre ebenso zu lesen gewesen, daß Luise Duttenhofer nach einhelliger Auffassung zweigeschlechtlich sei.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 23.11.2013 um 06.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24453

Luise Duttenhofer ist nach einhelliger Auffassung eine der bedeutendsten deutschen Scherenschnittkünstlerinnen (und -künstler). (Wikipedia)

Wie hat man das eigentlich früher gesagt? Ich tippe darauf, daß man früher die Klammer weggelassen hätte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2013 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24390

Das deutsche Partizip I anstelle des lateinischen verstößt ja nicht gegen die Sprachökonomie wie etwa die Doppelnennung, deshalb kann man sich an den Studierenden gewöhnen wie an den Reisenden als Berufsbezeichnung. Der partizipiale und damit verbale Sinn ist dann einfach verschwunden.
Andererseits hat man ja das Partizip im Plural eingeführt, um den Sexus unbestimmt lassen zu können. Im Singular braucht es dann aber doch wieder einen genusflektierten Artikel, so daß der Feminist sich mit dieser Lösung auch nicht zufrieden geben wird.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 14.11.2013 um 23.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24389

Auf dem Parlamentskanal BT new 2 lief vor einigen Tagen die Übertragung des Staatsaktes aus dem Bundestag vom 24.5.1999 aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Grundgesetzes.
In der Rede von Bundespräsident Herzog kam unzählige Male "der Bürger" vor. Nicht ein einziges Mal hörte ich "die Bürgerin". Das ist jetzt vierzehn Jahre her.
In den heutigen Reden unserer Politiker kommt das nicht mehr vor.
So schnell begibt man sich unter die Knute.
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 03.11.2013 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24330

Aus einem Interview mit dem Präsidenten des Deutschen Studentenwerks (www.zeit.de):

"Fast jeder vierte Studierende an deutschen Hochschulen hat einen Migrationshintergrund. Im Masterstudium haben 17 Prozent der Studenten ein Kind."

Das ist schon etwas bizarr. (Ganz interessant ist aber, dass er v.a. dann Studenten zu sagen scheint, wenn die Interviewführerin das Wort zuvor in ihrer Frage verwendet hat – ansonsten schwankt der Sprachgebrauch hier ziemlich.)

Insgesamt scheinen sich die Studierenden (zumindest im Universitätsbereich) inzwischen aber tatsächlich durchzusetzen, auch im Sprachgebrauch von Leuten, die von politisch korrekter Sprache gar nicht besonders viel halten oder sich darüber keine großen Gedanken machen – man spricht eben so, wie die anderen sprechen, und dann hört man von Kollegen auch Dinge wie "Wenn ein Studierender zu mir kommt". (Andere sprechen von Studis, das hat generell am wenigsten Silben, macht sich schriftlich aber vermutlich nicht ganz so gut.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2013 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24306

Sprachliche Mißbildungen wie Teilnehmende der Gesprächsrunde findet man noch verhältnismäßig selten, aber das Institut für deutsche Sprache pflegt sie schon seit einigen Jahren – auch wenn nur Männer teilnehmen, wie auf einem beigefügten Foto zu sehen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.10.2013 um 07.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24219

Nicht ohne Heiterkeit folgt man dem Philosophieprofessor Ansgar Beckermann auf seinem Weg durch die Genderei.

1997 bekannte er sich zum generischen Femininum: Bisher sind die meisten Erkenntnistheoretikerinnen nämlich weniger an der Beantwortung dieser Fragen interessiert als an der Analyse oder rationalen Rekonstruktion der alltagssprachlichen Begriffe ‚Wissen‘ und ‚Rechtfertigung‘...

2001 ging er zur Beidnennung über: Was Erkenntnistheoretikerinnen und Erkenntnistheoretiker tun, wenn sie die Frage nach der Natur von Wissen behandeln, lässt sich kurz so beschreiben ... (Zusammen mit Reformschreibung – Recht haben – sehr nervig zu lesen)

Heute benutzt er wieder das generische Maskulinum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2013 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24194

An der Universität Wien nennt sich die Studentenvertretung Studienvertretung. Auf der Seite der Finno-Ugristik liest man:

Die FU Mailingliste informiert Studierende und Interessierte an der Finno-Ugristik zu aktuellen Themen, Veranstaltungen und Lehrveranstaltungen. (www.finno-ugristik.at)

Interessierte an der Finno-Ugristik ist grammatisch falsch, aber politisch korrekt.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 02.10.2013 um 16.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24163

Zu #23920, "Die erste Fassung des Ereignisses kommt mir immer noch befriedigender vor": Den feinen Unterschied macht wohl das Adverb "immerhin" aus.

Und: Danke für die Information "[Z]ur Sache [...] noch". Sowas gehört den Redaktionen der Papierausgaben ins Tagebuch geschrieben (wie eigentlich so manches aus der Sprachforschungsdiskussion hier; als Demokrat meiner Art glaube ich eben immer noch an etwas Bewußtsein von der Verantwortung, die die Informationsmedien in unserer Art Gesellschaft haben).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2013 um 09.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24161

Die feministische Mathematik hat viel Aufhebens davon gemacht, daß in Textaufgaben männliche Personen (und heterosexuelle Paare) überwiegen, wodurch Mädchen vom Mathematik-Unterricht abgeschreckt werden könnten. Gross und Levitt bemerken dazu in ihrem Buch "Higher Superstition":

„A young lady who makes a game stab at 'Maude and Mabel' problems but balks at 'Joe and Johnny' versions of the same is almost certainly without the knack for abstraction that is an indispensable ingredient of mathematical talent.“ (115)

Es erinnert an den schon erwähnten Austausch vom Mathematikbüchern, weil darin noch in D-Mark statt in Euro gerechnet wird. Journalisten haben sich fast ausnahmslos diese billigen Vorwände für Geschäftmacherei zu eigen gemacht. Textaufgaben in eine berechenbare Form zu bringen ist eine der größten Schwierigkeiten des Mathematikunterrichts (zugleich eine besonders lebensnahe Aufgabe), aber an D-Mark und Mannspersonen scheitern die SchülerInnen nicht!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2013 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24151

So ist es, auch Neutra! Und auch der übertragene Gebrauch ist schon sehr alt. Das Urbild der schwangeren Männer ist ja der Knabe Theaitetos in Platons gleichnamigem Dialog (dem ersten der drei späten Dialoge, die für die Sprachwissenschaft viel wichtiger sind als der immer wieder referierte, aber weniger ergiebige Kratylos).
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 30.09.2013 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24150

PS: Ach so, es gab wahrscheinlich weibliche Tiere mit einem maskulinen Namen, stimmt's? Lateiner vor!
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 30.09.2013 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24149

Was ist eigentlich davon zu halten, wenn Latein-Lexika das Wort für schwanger in der Form gravidus angeben? Gab es bei den Römern auch schon die Möglichkeit, daß ein Mann mit einem Plan schwanger geht? Oder ist die Vorführung der maskulinen Form eine übergeordnete Konvention in der Lexikographie?

Übrigens, die Getrenntschreibung schwanger gehen (übertragene Bedeutung) könnte man im Kontext der Reformregeln auch mal ansprechen, aber das gehört hier nicht zum Thema.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2013 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24134

Wir sollen ja nun keine Barilla-Nudeln mehr essen, weil der Chef der Firma gesagt hat, er mache keine Werbung mit Homosexuellen, und noch mehr dieser Art (mit angeschlossener "Entschuldigung bei den Schwulen").
Nun ist ein Boykottaufruf leicht in die Welt gesetzt, aber schwer zu befolgen, wegen der Verflechtung der Unternehmen. Zum Beispiel gehört Wasa-Knäckebrot auch zu Barilla.
Ich esse zwar weder Barilla noch Wasa, sondern kaufe in beiden Fällen billigere Produkte, aber kann ich sicher sein, daß meine Handelsmarken nicht von denselben Betrieben hergestellt werden? Noch mehr bedrückt mich die Ahnung, daß auch die Haferflocken, der Kaffee und das Hammelfleisch (halal) von Leuten geliefert werden, die zwar schlauerweise nicht sagen, was sie denken, aber in Wirklichkeit potzhomophob sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2013 um 04.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23920

„Mit Frau Merkel besucht immerhin erstmals ein deutscher Kanzler die KZ-Gedenkstätte in Dachau“, sagte der Zentralratsvorsitzende Dieter Graumann zu „Spiegel Online“. (FAZ 21.8.13 online)

Angela Merkel hat als erste deutsche Regierungschefin die KZ-Gedenkstätte in Dachau besucht. (SZ 21.8.13 online)

Die erste Fassung des Ereignisses kommt mir immer noch befriedigender vor.

Zur Sache möchte ich noch bemerken, daß die Kritiker des Besuchs hier wohl ein Eigentor schießen.

Merkels Terminplan - erst das KZ, dann das CSU-Bierzelt - hatte schon vorab eine aufgeregte Diskussion ausgelöst. Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, sagte der Leipziger Volkszeitung: "Wer es ernst mit dem Gedenken an einem solchen Ort des Grauens meint, der macht einen solchen Besuch garantiert nicht im Wahlkampf." Der Historiker Wolfgang Benz kritisierte im Bayerischen Rundfunk, es wirke beiläufig, "wenn man, kurz bevor man dann ins Festzelt zum Wahlkampf geht, noch den Kranz niederlegt und Betroffenheit äußert". (SZ 21.8.13)

Künast nannte es eine „geschmacklose und unmögliche Kombination“, direkt nach einem KZ-Besuch eine Wahlkampfrede im CSU-Bierzelt zu halten. (FAZ 21.8.13 online)

Aber:

Der Greis (Max Mannheimer), der einen großen Teil seiner jüdischen Familie durch die Shoa verlor, hatte von Merkels Wahlkampfauftritt beim Dachauer Volksfest gehört - und die Kanzlerin eingeladen. Ein geistig hellwacher 93-Jähriger (und SPD-Mitglied) hatte ein Ereignis ersonnen, das international Beobachtung findet. Es ist sein Coup. Mannheimer genießt ihn sichtlich.

Ähnlich Charlotte Knobloch. Merkel hat das ganz geschickt gemacht, indem sie das Heikle thematisierte:

Unmittelbar nach ihrem Besuch der KZ-Gedenkstätte trat sie in der Stadt Dachau in einem Bierzelt während einer CSU-Wahlkampfveranstaltung auf. "Einen größeren Kontrast kann es kaum geben", sagte Merkel zu Beginn ihrer Rede. Einen "Katzensprung von hier" sei die KZ-Gedenkstätte - "und jetzt bin ich auf diesem Volksfest der Fröhlichkeit und des Lebens". Merkel betonte: "Auch damals war das KZ mitten unter uns. Wer wollte, konnte damals auch sehen und hören."

Das hätte natürlich auch jedem anderen einfallen können, aber Merkel hat es gemacht. Ein anderes Arrangement wäre ebenfalls nur taktisch motiviert gewesen, wie ja die Kritik unfreiwillig zugibt durch ihre Ratschläge, wie man es mit der Betroffenheitsbekundung noch geschickter hätte einfädeln können. So wirkt nun die Kritik nicht nur kleinlich, sondern auch ohnmächtig und neidisch. Unangenehm ist Merkels Gegnern (auch Kurt Kister bei der Süddeutschen Zeitung), daß die Vertreter der jüdischen Gemeinden mit dem Besuch Merkels in Dachau hochzufrieden sind. In den Zeitungen und im Rundfunk stehen ja auch die Gedenkartikel und Massakermeldungen neben den Sportberichten und sonstigen Banalitäten und mitten dazwischen immer wieder Werbung. Dieses Nebeneinander trägt meiner Ansicht nach am meisten dazu bei, das Weltgeschen wie ein gleichgültig abrollendes Theater empfinden zu lassen. Die Medien können eben nicht glaubwürdig dagegen polemisieren, daß sie selbst alles und jedes für Unterhaltungszwecke verwursten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2013 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23893

Übrigens:

„Gender-Mainstreaming” soll wieder durchgängiges Leitprinzip im Regierungshandeln sein. (Regierungsprogramm der SPD 2013-2017)

In der Verkehrsplanung wollen wir durch Gender-Mainstreaming auch die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen, die aufgrund sozialer und familiärer Aufgaben anders mobil sind. (...) Wir halten an der Strategie des Gender-Mainstreamings fest, mit der bei allen politischen Handlungen nach den Auswirkungen auf Frauen und Männer gefragt wird. (Wahlprogramm der Grünen)

Im Programm der SPD und der CDU heißt es durchgehend selbstständig, bei den Gürnen selbständig. Die SPD spricht von ihrem 150jährigen Bestehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2013 um 21.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23795

Heute kam ein Rundschreiben: Aus dem bayerischen Programm zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen ist noch Geld übrig, und nun sucht man nach Verwendungsmöglichkeiten, vielleicht "Symposien" zum Thema Gender und so. Es wird sich schon was finden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2013 um 17.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23741

Schiffe sind feminin, danach auch Lufstschiffe und Flugzeuge (wenn der Name nicht morphologisch motiviert ist wie Airbus).
Wahrscheinlich liegt der indogermanische Gattungsbegriff (gr. als naus gegeben) zugrunde. Ob dahinter noch tiefere mythologische Begründungen liegen, weiß ich nicht.

Was ich nicht wußte:

Lloyd's List sinks the tradition of calling ships 'she'
By Andrew Hibberd and Nicola Woolcock
Telegraph 21 Mar 2002
SHIPS should no longer be called "she", the industry's newspaper has decreed.
Lloyd's List, the 268-year-old publication which claims to be the world's oldest daily newspaper, is to abandon centuries of seafaring tradition by calling all vessels "it".
The reason, explained in yesterday's issue, is to bring the paper "into line with most other reputable international business titles".
Julian Bray, the editor, wrote: "The shipping industry does need to move forward if it is not to risk becoming a backwater of international business. I decided that it was time to catch up with the rest of the world, and most other news organisations refer to ships as neuter.
"They are maritime real estate. The world moves on. I can see why 'she' would suit a magnificent cruise liner but to a rusting old hulk it could be rather offensive.
"However, I don't think there is anything wrong with calling ships 'she' in conversation. It's a respectable maritime tradition."
Mr Bray said he was expecting a "full and vibrant array of letters" about the decision from many of the publication's 10,000 readers. Columnists at the paper will still be free to refer to ships as female.
A spokesman for the Royal Navy said it would continue to refer to ships as female. It traditionally chooses masculine or geographical names, such as Iron Duke or Lancaster, for its vessels - although Andromeda, Penelope and Minerva all served in the Falklands War.
"Lloyd's List can do what it wants. The Royal Navy will continue to call its ships 'she' as we always have done. It's historic and traditional," he said.
"Ships have a soul. If I remember my history, they are female because originally the ship was the only woman allowed at sea and was treated with deference and respect - and because they are expensive."
The British Marine Industries Federation also said it had no plans to change.
"Our owners have always referred to them as 'she' and will continue to do so because, to many, they are part of the family," a spokesman said.
Among the theories as to why ships are referred to as female, one claims that crews believed the ship represented their mother, another that it is because early ships were dedicated to a goddess.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2013 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23669

Nachtrag: Ich bin auch oft in der Münchner Fußgängerzone gewesen, habe neun Jahre in der Nähe gewohnt. Zur Selbsterkenntnis verhilft mir erst der Interviewer eines "Hungerstreikenden":

Ich war am Samstagnachmittag bei Eurem Camp und habe dort den für die Münchner Fußgängerzone typischen Wohlstandspöbel erlebt.

(www.refugeetentaction.net)

Was würde wohl passieren, wenn jemand probeweise vom "Asylbewerberpöbel" redete?
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 14.07.2013 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23666

Die grundlegenden Denkfehler begegnen als Zirkel oder als Aporie. Der Satz "Geschlechter sind eine Erfindung der Männer, um Frauen diskriminieren zu können" faßt für den Genderofeminismus beides zusammen. Zugleich läßt er für sich genommen nicht erkennen, ob er ernst oder als Persiflage gemeint ist. Für die einen bringt er eine tiefe Wahrheit auf den Punkt, die anderen lachen – bis es ihnen vergeht.

Nach dem Muster sind etliche andere Ismen bzw. Anti-Ismen gestrickt, etwa so: "Die [sogenannten] Zigeuner sind eine Erfindung der Ziganisten/Antiziganisten, um [andere Menschen als] Zigeuner diskriminieren zu können." Der Unterschied liegt in den zusätzlichen PC-Pirouetten, dem Umstand geschuldet, daß es bei den Zigeunern gerade nicht darauf ankommt, sie sichtbar, sondern sie vielmehr unsichtbar zu machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2013 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23659

Entweder liegen wirklich lateinische Gerundiva vor oder Formen, die analog diesem Muster folgen. So kann man zwar unklassisch, aber nicht falsch zwischen Asylant und Asyland unterscheiden.

Im Deutschen streiten sich die Gelehrten noch, woher die Form anzunehmend / zu glaubend stammt. Systematisch wohl aus dem Infinitiv ist anzunehmen / ist zu glauben, aber bei der Einfügung des d könnte das lateinische Gerundiv mitgewirkt haben; es ist ja eine bildungssprachliche Angelegneheit. Die Dudenwörterbücher und einige Grammatiken führen es einfach als Participium praesentis mit an, was natürlich bei der Funktionsbestimmung Schwierigkeiten bereitet. Allerdings war das Partizip genusneutral, wie man noch an eine vorhabende Reise, fallende Sucht usw. erkennen kann, was früher viel häufiger war.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.07.2013 um 11.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23658

Eigentlich heißen die Partizipien oder Mittelwörter so, weil sie sowohl Verbformen als auch Adjektive sind. Aber es gibt auch Partizipien, zu denen es gar keine Verben gibt, wie man an "Doktorand" sieht. Das ist wohl nur eine Analogiebildung zu wirklichen Partizipien. Oder es muß dringend ein Verb dazu her.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 14.07.2013 um 07.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23657

Zu den "Promovierenden":

Es mag da ja subtile Unterschiede geben, aber hieß diese Spezies nicht mal "Doktorand" (ebenso "Diplomand" und "Habilitand")?

An meiner Universität war man Diplomand bzw. Doktorand, bis man diplomiert bzw. promoviert wurde, und Habilitand, bis man sich habilitierte.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 14.07.2013 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23656

Geschlechter sind eine Erfindung der Männer, um Frauen diskriminieren zu können.

Deswegen waren es ja auch Männer, die die "Geschlechterforschung" erfunden haben, denn so können sie immer schön weiter diskriminieren...
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 14.07.2013 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23655

Es ist natürlich richtig, daß die ersten "Frauenbeauftragten" ohne spezielle Ausbildung und meist auch nur nebenher gearbeitet haben, so ähnlich wie Betriebsräte. Aber wie das in Großorganisationen meist so geht: irgendwann wird die Tätigkeit hauptamtlich, und Mitarbeiter werden geschult (irgend jemand muß ja die Schulungsunerlagen schreiben und die Fortbildungen veranstalten). Schließlich greift auch hier das eherne Gesetz der Organisationssoziologie: je mehr Untergebene man hat, desto höher das eigene Prestige – und die Macht natürlich.

Die Geschlechterforschung als wissenschaftliche Disziplin (Disziplin im Sinne von "Marxismus-Leninismus" im Ostblock) dürfte wohl teilweise unabhängig davon entstanden sein, zunächst natürlich in Geisteswissenschaften, aber inzwischen greift es auch auf Naturwissenschaften (vgl. z.B.: http://arsfemina.de) und die Medizin über (man suche im Internet einfach nach "feministische Medizin"). Irgendwann wurde eine eigene "Disziplin" daraus, und angesichts der zunehmenden "Professionalisierung" des Gleichstellungswesens sowie der Kompetenzausweitung ("Diversity-Management") ergeben sich zwangsläufig Arbeitsplätze für die Bachelors und Masters in "Gender Studies". Irgendwann wird es sicherlich auch noch entsprechende Schulfächer geben, so daß man die Absolventen, die nicht in der Verwaltung unterkommen, als Lehrer beschäftigen kann.

Zu den esoterischen und okkulten "Studien" der "Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe": Man darf nicht vergessen, daß die SS so etwas wie Staat im Staate war, mit eigenen Betrieben, eigenen Schulen, eigenen Studien- und Forschungseinrichtungen, eigener Armee, eigener Gerichtsbarkeit usw. Etwas Vergleichbares gibt es heute nicht, und ob die SS im Falle eines militärischen Sieges in der Lage gewesen wäre, auch noch die Hochschulen unter ihre Kontrolle zu bringen, muß Spekulation bleiben.

Jedenfalls florieren die Pseudowissenschaften heute an staatlichen Universitäten, auch innerhalb etablierter Fächer.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.07.2013 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23649

Die Abfolge war schon umgekehrt. Erst wurden überall Stellen für Geschlechtsbeauftragte geschaffen, später erst die passenden Studiengänge eingerichtet. – Im übrigen kann man den deutschen Universitäten nicht vorwerfen, nach 1933 Studiengänge in Welteislehre oder Gralssuche eingerichtet zu haben; mit der Rassenhygiene hielt man sich auch ziemlich zurück. Man verfolgte seinerzeit aber auch noch nicht das Ziel, die Hälfte jedes Jahrgangs zu Hochschulabsolventen zu machen.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 13.07.2013 um 12.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23647

Gut gefallen hat mir dieser Leserkommentar: "Geschlechter sind eine Erfindung der Männer, um Frauen diskriminieren zu können."
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 13.07.2013 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23645

Eben. Erst kreiert oder fördert man Pseudowissenschaften wie die Welteislehre, Rassenhygiene, Gralssuche oder eben Gender- bzw. Diversity-Forschung, und dann werden massiv Stellen geschaffen, um die Absolventen materiell abzusichern und den Blödsinn zu perpetuieren, koste es, was es wolle. Man muß dazu übrigens auch nicht unbedingt auf die Nazi-Zeit rekurrieren – die Sowjetunion, die DDR oder sogar die Amtszeit G.W. Bushs liefern dafür reichlich Beispiele.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 12.07.2013 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23632

Das ist kein stichhaltiges Argument. Es gibt doch genügend Stellen für solche Absolventinnen, Geschlechtsbeauftragte sind überall gefragt.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 12.07.2013 um 08.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23630

Jan Fleischhauer zielt wieder einmal mitten ins Herz:

"An den deutschen Universitäten gehören die Gender Studies zu den am schnellsten wachsenden Wissenschaftszweigen. Wie ich bei Harald Martenstein von der 'Zeit' gelesen habe, der dafür auch in der Böll-Studie steht, hat die Zahl der Gender-Professoren inzwischen locker die der Slawisten überflügelt: 173 Professuren hat Martenstein gezählt versus 100 bei den Philologen.

Universitär gesehen ist die Genderforschung also ein Riesenerfolg. Das Problem ist nur, dass nicht ganz klar ist, was man anschließend damit macht. Nicht jeder kann ja bei Siemens oder BMW als 'GendertrainerIn' anfangen, um dort 'ein lustvolles und produktives Miteinander der Geschlechter' zu bewirken, wie es zum Beispiel das Genderwerk in Berlin anbietet. Solange es noch kein Gesetz gibt, das eine solche Beratung für Unternehmen zur Pflicht macht, bleibt in der Regel nur eine Stelle im Staatsdienst, als Gleichstellungsbeauftragte oder eben an einer Hochschule. Das mag auch einer der Gründe sein, warum sich dieser Bereich ständig fortentwickelt."

(Quelle: www.spiegel.de)

Es fällt mir als Historiker schwer, dabei nicht an Organisationen wie "Ahnenerbe" zu denken…
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 11.07.2013 um 16.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23622

Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft spricht in ihrer Vergütungsregelung von „Promovierenden“ – siehe www.dfg.de/formulare/55_02.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 10.07.2013 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23595

Ist das nicht putzig?

"Someday – perhaps sooner than we think – a new Edward Gibbon in China or India will surely sit down to write The History of the Decline and Fall of the American Empire. [...]

I think she’ll probably classify self-righteous American 'innocence' as one of the most toxic tributaries of national decline, with President Obama as its highest incarnation."

(Quelle: www.tomdispatch.com/blog/175440/)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2013 um 19.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23590

Das ergibt sich meistens aus der Aktionsart des Verbs. Eine belagerte Stadt ist eine Stadt, die belagert wird. Ein eroberte Stadt ist eine Stadt, die erobert worden ist. Man unterscheidet transformative und nichttransformative Verben, aber eigentlich geht es um etwas anderes. Das Erobern und das Promovieren sind keine realen Vorgäge, sondern Statusänderungen, etwas Abstraktes, sozusagen ein Wechsel der Interpretation. Sie haben keine zeitliche Ausdehnung. Ein Student, der sich um diese Statusänderung bemüht, bleibt am besten ein Promovend.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.07.2013 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23589

Da zeigt sich ein großes Handicap der deutschen Sprache: Sie hat kein Partizip Präsens Passiv. Es bleibt schwierig.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 09.07.2013 um 16.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23587

So sehe ich es auch: Die „politisch korrekte“ Bezeichnung die Promovierenden wurde in Anlehnung an die Studierenden gebildet, ohne weiter darüber nachzudenken.
 
 

Kommentar von MG , verfaßt am 06.07.2013 um 19.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23570

Ja, die allgemeine Partizipitis ist sicher feministisch motiviert. Motivierend aber ist sie nicht. :-)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.07.2013 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23563

Früher wurde man promoviert, so hieß es amtlich. Gemeint war das Ergebnis der Prüfung.
Heute promoviert man. Gemeint ist die Doktorarbeit und ihre Verteidigung.
Früher wurde man diplomiert, gemeint war das Ergebnis der Diplomarbeit und der Diplomprüfung.
Heute diplomiert man (sich)?
Kann man auch bachellorieren und mastern?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2013 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23561

Die Erlanger Universität lädt folgerichtig zu einer Promovierendentagung ein. Scheinbar ist damit das -nd des lateinischen Gerundivs gewahrt, aber in Wirklichkeit stimmt das natürlich nicht. Die Promovierenden promovieren selbst, statt promoviert zu werden; sie sind also eher Promoventen. Die Universität hätte bis vor kurzem sorgfältiger formuliert, sowohl die Promotionsordnung als auch solche Rundschreiben. Es ist wohl die allgemeine feministisch motivierte Partizipitis, die einfach alles mitreißt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.07.2013 um 18.17 Uhr