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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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31.07.2008
 

Jede und jeder
Die Politische Korrektheit spaltet die Sprachgemeinschaft

Noch stärker als die Rechtschreibreform trägt die Politische Korrektheit zur Sprachverhunzung bei.
Hier kommt ja noch hinzu, daß nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung, nämlich die Behörden und einige Wissenschaftler (besonders Linguisten), sich dem Wahn unterwirft. Zeitungen und Schriftsteller widersetzen sich, sie wollen ja auch gelesen werden.

Vor mir liegt eine neue Broschüre des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bundesministerium für Bildung und Forschung) vom Juli 2008. Die feministische Sprachregelung ist äußerst konsequent durchgeführt.
Bewerberinnen und Bewerber, Arbeitgeber/innen
Ausbilder/innen, Personalberater/innen und Personalchefs und -chefinnen.
Versuche, gemeinsam mit deiner Tischnachbarin oder deinem Tischnachbarn eine entsprechende Bewerbung zu verfassen.
Die Inhalte werden von jeder und jedem selbst erstellt.
eine Erläuterung, die jeder und jedem Interessierten zur Verfügung steht
.

Orthographisches:
dem einzelnen
zurecht finden
schwer fallen
allgemein bildende Schulen
(aber im selben Text auch allgemeinbildend)



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Kommentare zu »Jede und jeder«
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Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.05.2021 um 21.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45899

»Was uns bewegt

Kund*in

Im Mittelpunkt unseres Handelns stehen immer unsere Kund*innen. Der Fokus liegt auf ihren Bedürfnissen

Wir kennen die Anforderungen unserer Kund*innen […], wir beziehen Kund*innenbewertungen in unsere Optimierungsprozesse ein und gehen mit ihnen in den Austausch […] Doch eine so kund*innenzentrierte Haltung will gelernt sein. Wie ist der/die OTTO-Kund*in überhaupt, was möchten sie und wie hören sie sich an? Um diese Fragen direkt zu Beginn ihrer Zeit bei OTTO zu beantworten, durchlaufen alle neuen Mitarbeiter*innen in den ersten Tagen des neuen Jobs ein Programm mit dem Namen „Love Your Customer”. So arbeiten alle Kolleg*innen für zwei Tage im Kund*innencenter von OTTO, sprechen und chatten mit Kund*innen. Der Fokus steht im gesamten Programm auf der Kund*innenorientierung.«

(https://www.otto.de/unternehmen/de/was-uns-bewegt/kundin-kunde)

Besonders erfolgreich scheinen all diese Bemühungen nicht zu sein. Oder glaubt man in der Firmenzentrale allen Ernstes, daß die Kunden so angesprochen werden möchten? Schlechter kann man es kaum machen. Der Text ist eine Zumutung und derart respektlos gegenüber den vorgeblich so geschätzten Kunden, daß man an Selbstverspottung glauben könnte, wenn man es nicht besser wüßte. Wie lange bewahren sich wohl die bedauernswerten neuen »Mitarbeit*innen« ein Gefühl dafür, daß hier etwas ganz gewaltig nicht stimmt?

Immerhin drückt man sich nicht um die Beantwortung der immer noch ungeklärten Frage, wie man denn bitte im Singular geschlechtsneutral formulieren soll. Die hier gewählte Lösung »der/die Kund*in« dürfte aber kaum Chancen haben, sich durchzusetzen. Nicht, weil Männer (der Kund?) damit »unsichtbar« werden (damit könnten die Genderaktivisten bestens leben), sondern weil diejenigen, für die man den ganzen Aufwand angeblich treibt, ja gerade nicht mit »der« oder »die« identifiziert werden wollen. Neulich habe ich irgendwo einen durchgegenderten Text gelesen, in dem auf Artikel ganz verzichtet wurde. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Umbau der deutschen Grammatik hat gerade erst begonnen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.05.2021 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45897

Ich hatte mir so vorgenommen durchzuhalten, aber ich konnte mir Scholz’ Rede nicht länger als zehn Minuten anhören. Das ist nicht ironisch gemeint. Die Atmosphäre auf so einem Online-Parteitag empfinde ich sowieso schon als gespenstisch, bedrückend, sauerstoffarm, ich weiß nicht, wie ich es nennen soll. Das ist dem Redner nicht anzulasten, das hat er sich nicht ausgesucht. Um so stärker ist meine Erwartung an ihn, daß er dieses erstickende Ambiente mit seiner Rede vergessen macht. Das gelingt den wenigsten, und es kann überhaupt nicht gelingen, wenn der Redner sich permanent selbst unterbricht. Bei Scholz kommt hinzu, daß er dadurch noch weniger überzeugt. Die Art, wie er das Mikrofon hält, sein kontrolliertes Treten auf der Stelle, seine Blickführung und eben auch das Durchdeklinieren der Paarformeln – das alles wirkt auf mich emsig eingeübt und unecht. Ich versuche, ihm zuzuhören, aber es gelingt mir nicht, weil ich mir immer nur vorstellen muß, wie seine »Coachs« ihm eingebimst haben, wohin er zu gucken hat, wann er welches Wort zu betonen hat usw. Ein authentisch verschnarchter Scholz, der einfach sagt, was er zu sagen hat, wäre mir tausendmal lieber gewesen als das, was er mir dort geboten hat.

Die teuer bezahlten Berater haben vermutlich eine präzise Vorstellung von der Zielgruppe des Gendersignals in Scholz’ Rede. Sie übersehen, daß die »Sozialdemokratnn und Sozialdemokratn« es sich am wenigsten leisten können, eine pseudointellektuelle Kunstsprache zu pflegen. Nicht, weil die »Arbeiter« so nicht sprechen – die sind der SPD schon vor längerem abhanden gekommen –, sondern weil fast niemand so spricht. Die Anbiederung an jene, die Sarah Wagenknecht »Lifestylelinke« nennt, wird nichts bringen, die wählen gleich das Original. Wenn die SPD ihren Status als Volkspartei erhalten will, muß sie die Leute in der Mitte überzeugen. Diese Mitte ist breiter – oder vielleicht besser: die Ränder dieser Mitte sind schmaler, als Frau Esken & Co. offensichtlich meinen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2021 um 04.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45892

Wenn man, wie Olaf Scholz, kein hinreißender Redner ist, fällt dem geduldigen Zuhörer besonders auf, wie sehr das Gendern gerade auf Parteitagen den Redeschwung lähmt. Die Zeitungen zitieren es getreulich, fallen aber in eigenen Zusammenfassungen sofort in normales Deutsch zurück.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2021 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45887

Das Lesbenfrühlingstreffen wird wegen Transfeindlichkeit kritisiert.

Ich kenne die Einzelheiten nicht, aber die Meldung überrascht mich nicht. Identitätspolitik erzeugt ihre eigenen Widersprüche, nur Universalismus geht.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 08.05.2021 um 00.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45868

Es wird spannend:
„Ziel ist es, ein Grundsatzurteil zu erstreiten, um diesem opportunistisch-heuchlerischem Gender-Wahn einen Riegel vorzuschieben.“
Das schreiben die Anwälte des Klägers, der von Audi nicht gezwungen werden möchte, die Gendersprache zu verwenden. Der VDS unterstützt die Klage, siehe
https://vds-ev.de/mitteilungen/klage-gegen-audi-im-gender-streit/


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2021 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45853

Im Programm der Grünen stören mich die Gendersternchen fast noch mehr als die abgestandenen sozialistischen Ideen bei der Wohnraumbewirtschaftung. Diskussion in beiden Fällen zwecklos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2021 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45836

Lieber Herr Metz, ich kenne Ihre Selbstzweifel nur zu gut. Aber ich schätze Ihre sachlichen und sachkundigen Beiträge sehr und speichere sie größtenteils in meiner eigenen Materialsammlung. Ob ich noch mal was Zusammenhängendes dazu schreiben werde, weiß ich nicht, viele Projekte liegen herum, und ich werde älter (plane aber mit der Unvernunft eines 18jährigen).
Sie haben ganz recht: Man wird bald nicht mehr wissen, wie es gekommen ist. Und man wird es nicht einmal mehr wissen wollen... Den Journalisten ist sowieso alles wurscht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.05.2021 um 01.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45834

Inzwischen beschleicht mich eine gewisse Scheu, hier den x-ten Beleg für das Genderkauderwelsch beizubringen, der dieser Tage in einigen Medien herrscht, denn ich möchte niemanden langweilen, und es kostet mich, nebenbei gesagt, auch (wertvolle) Zeit. Andererseits finde ich, daß das alles dokumentiert werden sollte, weil in zehn oder fünfzehn Jahren vermutlich niemand mehr genau wissen wird, wie es zu dem hat kommen können, was wir dann haben werden.

In SPIEGEL ONLINE fand man gestern ein besonders eindrückliches Beispiel für das heillose Durcheinander, das manche Journalisten anrichten, weil sie glauben, irgendwie mitmachen zu müssen – mit Betonung auf »irgendwie«. Maria Stöhr berichtet in einem Artikel über die Beschneidung von Freiheitsrechten in manchen Ländern unter dem Vorwand der Seuchenbekämpfung (https://www.spiegel.de/ausland/coronakrise-wie-regierungen-weltweit-in-pandemie-zivilrechte-einschraenken-a-b21dc6f9-4186-4c70-8851-1963475ab0cd).

Die Lektüre vernebelt den Kopf, man wird ständig gezwungen, über Dinge nachzudenken, die nichts zur Sache tun, zum Beispiel darüber, ob ein bestimmter Bericht nun von Männern und Frauen oder doch nur von Männern geschrieben worden ist oder ob unter Kritikern auch Frauen oder nur Männer sind. Mit dieser Vergewaltigung ihrer Leser verstößt die Autorin gegen eine Grundregel effektiver Kommunikation, nämlich die, daß wenn irgend möglich nichts von der Botschaft des Textes ablenken sollte. Das ist ihr entweder nicht bewußt, oder sie nimmt es in Kauf, um eines vermeintlich höheren Zieles willen (Überzeugung, Anpassung an die Wünsche der Redaktion?).

Der Text beginnt sprachlich unauffällig: »Da ist das Beispiel des 43-jährigen Anwalts Javier Ordóñez aus Kolumbien, der im September während des strengen Lockdowns seine Freundin besuchen wollte. Polizisten fingen ihn ab, verletzten ihn durch Elektroschocks und Schläge so schwer, dass er starb.« Waren unter den Polizisten womöglich auch Frauen? Keine Ahnung. Ist auch egal, der Mann ist tot, das Geschlecht der Handelnden ist völlig unwichtig.

Dann ist die Rede von einer »Aufforderung an Sicherheitskräfte und Polizei, gegen Protestierende und Regierungskritiker mit Gewalt vorzugehen.« Wieder wird die generische Form korrekt verwendet: ob Männer oder Frauen die Regierung kritisieren, ist unerheblich.

Nun aber lese ich: »Drei Politikerinnen der wichtigsten Oppositionspartei wurden im vergangenen Frühsommer in der Hauptstadt Harare bei einer friedlichen Demonstration festgenommen.« Früher wäre für mich klar gewesen, daß es sich um Frauen handelt. Heute aber zweifle ich. Zu oft habe ich in den letzten Monaten im SPIEGEL und anderswo von »Klinikleiterinnen«, »Expertinnen« usw. im generischen Femininum gelesen (und die weitere Lektüre des Artikels, siehe unten, bestätigt meine Skepsis). Der übernächste Satz schafft immerhin Klarheit: »Der Staat […] klagte die Frauen an.«

In der nunmehr gefestigten Erwartung, daß dieser Artikel offenbar doch in normalem Deutsch verfaßt ist, lese ich weiter. Doch urplötzlich drängen sich »Bürgerinnen und Bürger« in den Text. Geschenkt, denke ich da, »Bürger« gibt es ja eigentlich nur noch bei der AfD, wahrscheinlich ist es der Autorin nicht mal aufgefallen, daß sie hier die Doppelform verwendet hat. Am Ende des Absatzes ist auch wieder von »Bürgerbeteiligung« die Rede.

Im nächsten Absatz aber wird klar, daß es sich nicht um einen Ausrutscher gehandelt hat: »Regierungen verletzten in der Pandemie die Meinungs- und Pressefreiheit und bauten die Überwachung von Bürgerinnen und Bürgern, Kritikerinnen und Kritikern aus.«

Der übernächste Absatz bestätigt diesen Eindruck: »Zwei von drei Menschen weltweit leben laut der Autorinnen und Autoren in einem Land, in dem Protest oder aktives Engagement für die Gesellschaft unterdrückt werden. Aktivistinnen und Aktivisten, Medienvertreter und Menschenrechtsorganisationen werden zum Schweigen gebracht.«

Markiert das Wort »Medienvertreter« womöglich das Ende des (pflichtschuldigen) Genderausflugs in dem Artikel? Schwer zu sagen, denn jetzt ist erst mal viel von »Menschen« die Rede (zur Erinnerung, das ist der Plural von »der Mensch«). Doch dann: »Studienmacher«, »Menschenrechtsverteidiger«, »Journalisten«.

So weit, so gut. Dann aber wieder ein Moment völliger Verwirrung: »Die philippinische Journalistin Maria Ressa, eine der schärfsten Kritikerinnen Dutertes, warnte im SPIEGEL, dass die Maßnahmen gegen Covid-19 zum ›Tod der Demokratie‹ führen könnten. Kritiker sagen, die Befugnisse gehen viel weiter als das, was er zur Bekämpfung des Virus bräuchte.« Frau Ressa ist eine Kritikerin, aber ist sie nur Teil einer Gruppe von Frauen oder Teil einer – viel größeren – Gruppe von Männern und Frauen? Und sollen die »Kritiker« aus dem nächsten Satz dann wieder Frauen und Männer sein??

Der Rest des Artikels scheint wieder die Vermutung zu bestätigen, daß der Text grundsätzlich im ach so schrecklichen generischen Maskulinum geschrieben ist. Die »Autorinnen und Autoren« der zitierten Studie begegnen uns nun auf einmal als »Autoren« und, erneut, als »Studienmacher«.

Dann noch ein Knaller zum Schluß, den ich, inzwischen durch das heftige Hin und Her völlig gebeutelt, nur noch gedämpft wahrnehme: »Das Virus wirke, so die Autorinnen [!], ›wie ein Brandbeschleuniger‹, was Unruhen und soziale Ungerechtigkeiten im Land angehe.« Es folgen noch die »Menschenrechtsaktivisten«. Aha, also doch die generische Form?! Wieso ist von »Brandbeschleunigern« die Rede, denke ich, was ist mit Brandbeschleunigerinnen??

Ich fahre den PC runter und begebe mich zur Nachtruhe, in dem unbehaglichen Gefühl, gestern viel weniger zur Bekämpfung von Diskriminierung beigetragen zu haben als die Autorin des Artikels.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 04.05.2021 um 20.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45833

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#45831
taz: "Schüler*innen nur Mittelmaß"

Ich stelle mir diesen Satz gelesen vor, denke dabei an eine Meldung der letzten Tage über die Vorteile des Freiluftunterrichts und ergänze unwillkürlich:

Schüler*innen nur Mittelmaß, außen aber richtig gut.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 29.04.2021 um 20.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45801

Ich gehe davon aus, daß kaum jemand privat gendert. Denjenigen, die öffentlich gendern, merkt man ihre fehlende Routine deutlich an, da sie in freier Rede fast immer das Gendern vergessen. Das wäre sicher anders, wenn sie sich auch privat um die angebliche Geschlechtergerechtigkeit bemühten. Dann müßte das besser sitzen.

Heute habe ich einen Podcast gehört (NDR "Die Idee" mit Karagiannidis vom DIVI), den ich fast abgeschaltet hätte, weil der Interviewer so betont – gendert. Aber es waren eigentlich nur die einleitenden Phrasen, die er sich vorher offensichtlich zurechtgelegt hatte. Nach diesem Fähnchenschwenken wechselte er in normale Sprache.

Wäre dieser Interviewer ein Beleg dafür, daß Gendersprache sich durchgesetzt hat? Oder eher ein Beleg für das Gegenteil?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2021 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45795

Die Sprachbastler behaupten zwar, ihre Neusprache sei in der Gesellschaft "angekommen", aber ich meine nach wie vor, daß dies ein Wunschtraum ist. Leider wird die sprachsoziologische Frage, wer überhaupt gendert, kaum gestellt und nicht wissenschaftlich bearbeitet. Die veröffentlichte Rede erzeugt ein falsches Bild. Das Gendern ist und bleibt eine Angelegenheit bestimmter Konventikel, die zwar groß sind, aber bei weitem nicht so groß, wie sie glauben.

Wer den Zentralrat in diese Konventikel hineinzieht, entfernt ihn ein Stückchen weiter von den Gläubigen selbst, die weiterhin Normaldeutsch sprechen werden.
Sollten die Pfarrer ihre Predigten gendern (ich habe keine neuere Erfahrung mit dieser Textsorte), werden die Kirchenaustritte sich beschleunigen, auch wenn man wohl nie eine Korrelation nachweisen wird.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 28.04.2021 um 23.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45794

"Auch zeigen Studien, dass die Lesbarkeit von Texten kaum beeinflusst wird."
Das liest man in der Begründung des Beschlusses des ZdK zur Vorgabe der Gendersprache, und man liest es so oder ähnlich in allen vergleichbaren Publikationen.
Jeglicher noch so geringe Ansatz von Empirie spricht ja dagegen. So wie z.B. die Betrachtung der Neusser Ratsverordnung, die Herr Metz heute verlinkt hat, ein Dokument des Grauens mit 258 Sternen auf 15 Seiten.
Das ganze wird für das ZdK sicher ein Eigentor werden, wie Herr Ickler vermutet. Mir als Katholik ist die Schadenfreude daran leider verwehrt. Ich möchte stattdessen flehen "Herr lass regnen was immer diesen Leuten fehlt!".
 
 

Kommentar von , verfaßt am 28.04.2021 um 16.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45792


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2021 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45791

Verpflichten, zwingen... – die Sprache sagt alles.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 28.04.2021 um 14.48 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45790

Einer der besten Texte zur eigentlichen Funktion der Gendersprache ist lustigerweise von Anatol Stefanowitsch.

Er erklärt uns ganz freimütig, daß diese Sprache ein Erkennungszeichen bestimmter Communities ist:

Binnen-I, Gendersternchen usw. werden dagegen mit bestimmten „Communities of Practice“ in Verbindung gebracht: Gruppen von Menschen mit ähnlichen Zielen und Wertvorstellungen, wie eben die queere Community, die Frauenbewegung und andere.

Indem man die Bediensteten der Stadt Hannover zum Gendersternchen verpflichtet, zwingt man sie kurzfristig in eine Community of Practice, zu der sie eigentlich nicht gehören. Mittelfristig löst man damit dann die Verbindung des Markers zu dieser Gemeinschaft auf: Solange ich das Gendersternchen freiwillig – vielleicht sogar gegen gewisse Widerstände – verwende, kommuniziere ich damit auch, dass ich mich zu einer Gruppe von Menschen mit bestimmten Vorstellungen über Geschlecht rechne. Je mehr Menschen eine bestimmte Form verwenden, weil sie dazu gezwungen sind, desto schlechter lassen sich solche Rückschlüsse ziehen. Das Gendersternchen verliert so nicht nur seine Bedeutung im engeren Sinne, sondern auch seine Fähigkeit, die Weltsicht derjenigen zu vermitteln, die es verwenden.

(https://zeit.de/kultur/2019-01/gender-sprache-geschlechtergerechtigkeit-hannover-leitfaden-gleichstellung/komplettansicht)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 28.04.2021 um 13.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45789

Der Papst ist hoffentlich nicht gegen die ZdK-Entscheidung, denn in der Bergpredigt heißt es künftig:
Niemand kann zwei Herr*innen dienen; er/sie wird entweder den/die eine/n hassen und den/die andern/andere lieben oder er/sie wird zu dem/der einen halten und den/die andern/andere verachten.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.04.2021 um 13.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45788

Und schon ist man in Neuss dem Ziel der Chancengleichheit wieder ein Stück näher gekommen. Leider aber nur in der Theorie. Denn in der Praxis bewirkt die Entstellung von Texten nur eins: daß sie unlesbar und unvorlesbar werden und damit noch unzugänglicher, als sie es ohnehin schon waren, gerade für die, die man ansonsten doch auch so angelegentlich fördern möchte. Selbst studierten Lesern, die einigermaßen abgehärtet sind, wenn es um die Lektüre schwerfälliger Rechts- und Verwaltungstexte geht, dürfte es schwerfallen, dem Gedankengang zu folgen, wenn zusätzlich sperrige Doppelgebilde und unzählige Asteriske die Aufmerksamkeit davon ablenken und den Fließtext zur Stolperstrecke machen. Wobei genau das ja sogar das erklärte Ziel der Verantwortlichen ist. Man soll ja stolpern und gerade nicht bequem durch den Text gleiten. Wir müssen raus aus unserer allzu kommoden Haltung und uns immer wieder und wieder klarmachen, daß es außer Männern auch noch Frauen gibt, und uns das ständig gegenseitig vorsagen.

Das vom BMJ herausgegebene und hier schon öfter zitierte »Handbuch der Rechtsförmlichkeit« gilt zwar nicht für Statute kommunaler Organe, aber danach würde die Geschäftsordnung des Rates der Stadt Neuss schon deshalb durchfallen, weil sie drei wesentliche Anforderungen nicht erfüllt:

»Der Text muss so formuliert sein, dass er auch dann verständlich ist, wenn er vorgelesen wird.
Der Text muss übersichtlich bleiben.
Die Formulierung sollte nicht zu sehr vom allgemeinen Sprachgebrauch abweichen.«
(Rn. 112: http://hdr.bmj.de/page_b.1.html#an_112)

Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern diese Eseleien der sprachlichen Gleichbehandlung von Männern und Frauen dienen sollen. Männer und Frauen sprachlich gleich zu behandeln bedeutet, sie gleich zu benennen. Genau das leistet das generische »Maskulinum«. Daß es völlig schnuppe ist, ob ein Mann oder eine Frau eine bestimmte Funktion ausübt, bringt man gerade nicht dadurch am besten zum Ausdruck, daß man das Mann- oder Frausein der Betroffenen ständig hervorhebt, sondern durch eine generische Benennung. Die haben wir längst, und sie muß nicht durch irgend etwas Kompliziertes und Unaussprechliches ersetzt werden, nur weil die immer selben vier oder fünf von Genderaktivisten gebetsmühlenartig zitierten unwissenschaftlichen »Studien« ein für allemal belegt haben sollen, daß die generischen Formen unser Bewußtsein in schlimmer Weise manipulieren. Das tun sie nicht, und es ist leicht zu erklären, aber niemand will es hören. Solange die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, in Unternehmen und Verbänden und an den Hochschulen in der Realität das Gefühl haben, keine zufriedenstellenden Erfolge im Kampf für mehr Chancengleichheit vorweisen zu können, verfahren sie nach dem Karottenprinzip. Der Sprachfetischismus als Möhre vor dem Maul kann den Esel eine Zeitlang in Bewegung halten, stillt aber seinen Hunger nicht. Mal sehen, wann der Esel das merkt und was er dann tut.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 28.04.2021 um 13.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45787

Endlich: kurz vor Schließung wegen Geschäftsaufgabe stellt das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) noch schnell um auf "geschlechtersensible bzw. -gerechte Sprache".

In der Begründung zu einem Änderungsantrag heißt es, das Buch Genesis zu zitieren, sei "angesichts von Genesis 1,27 (als Mann und Frau schuf er den Menschen) und der Einbeziehung von "nicht-männlichen Menschen" (w, d) eher kontraproduktiv."

https://antrag.zdk.digiv.de/std
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 28.04.2021 um 09.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45786

Die Stadtverordnung ist ein Lesegenuß:
https://neuss.de/rathaus/ortsrecht/pdf/30-02-geschaeftsordnung.pdf

Fängt gleich an mit Die Bürgermeister*in.

Mich würde dabei interessieren, wie man jede_r korrekt ausspricht. Vielleicht kann hier jemand helfen?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 26.04.2021 um 06.50 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45764

Die ARD-Moderatorin Eva-Maria Lemke schreibt auf Twitter:
"Hey, ihr @rbbabendschau-Zuschauerinnen – ich hätte da mal ne Frage. Vielleicht auch zwei.
Meldet Euch per DM bei mir. Ick freu ma.
(Übrigens: kein generisches Femininum – wirklich nur Frauen!)"


So umständlich wird es halt, wenn man die Markierung "-innen" ihres Sinnes beraubt.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 26.04.2021 um 06.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45763

Notizen zur der Anne-Will-Sendung gestern abend:
Anne Will gendert wie immer penetrant, gestern ohne Gender-Gap aber mit Doppelnennung, koste es was es wolle: "wenn die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern...".
Schreckt sie plötzlich vor dem gesprochenen Gender-Gap zurück? Oder sollen die zermürbenden Ausdrucksungetüme dem Gender-Gap den Weg bereiten?

Annalena Baerbock: "ich bin jemand, der... und der.....", es gibt also das generische Maskulinum und es rutscht ihr bisweilen durch.

Naturwissenschaftler tendieren dazu, normal zu sprechen. Anders die Physikerin Viola Priesemann, die derzeit oft in Talkshows zu sehen ist. Sie beherrscht den Gender-Slang und bedient sich der Stilmittel Doppelnennung und Abwechslung.
Schmunzelnd nimmt man aber zur Kenntnis, daß ihre Wendung "Frage an die Juristen und Politikerinnen" im simultanen Untertitel (optional einschaltbar in der Mediathek) normalisiert wird: "Frage an die Juristen und Politiker".
Anders als bei Youtube, wo die Untertitel per Spracherkennung – also akustischer Transkription – erzeugt werden, ist hier ist offenbar ein Mensch am Werke. Und der übersetzt in normale Sprache. Unter Zeitdruck spricht und schreibt man offenbar normal. Köstlich!
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 25.04.2021 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45760

In der ZEIT mal wieder ein Artikel, in dem es random hin- und hergeht zwischen generischem Maskulinum und modischer weiblicher Form, inkl. hübschem Wortspiel:

"Wenn sich nun Liefers und rund 50 weitere Schauspielerinnen in den kurzen ironischen Clips der AllesDichtMachen-Aktion aus heimeligen Innenräumen heraus für bedingungslosen Gehorsam gegenüber Regierungshandeln aussprechen;"

Auch sonst sprachlich recht bunt, gesteltzt wirkende
"hülfe" und "fürderhin", dann wieder "sorry to say", "well" und "nope". So muß man wohl als Kulturwissenschaftler schreiben.

https://www.zeit.de/kultur/film/2021-04/allesdichtmachen-schauspieler-corona-massnahmen-pandemie-politik/komplettansicht
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 23.04.2021 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45739

Einmal an der Regierung, hätten die Grünen dann wohl die Lizenz zum Nervtöten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2021 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45732

Wie gesagt: Im Corona-Podcast des NDR haben Drosten und Ciesek ausreichend Zeit, ihre Kenntnisse vorzutragen. Sie gendern nicht. Anders die inhaltlich gut vorbereiteten Wissenschaftsjournalistinnen, die offenbar gehalten sind, möglichst konsequent zu gendern. Je besser es ihnen gelingt, desto unangenehmer ist die Wirkung, und zwar auch deshalb, weil ihre Redeweise wie eine ständige implizite Zurechtweisung der beiden Wissenschaftler wirkt. Die moralische Überlegenheit scheint ihnen das Recht zu geben, den Fachleuten alle drei Minuten auf die Finger zu klopfen.

Wenn das Gendern in Prüfungsnoten einfließt, könnte man dagegen klagen. Ich bin aber nach meinen Erfahrungen mit der Justiz nicht sicher, wie das ausgehen würde. Das Bundesverfassungsgericht hat dem Staat das Recht zugesprochen, in die Sprache einzugreifen; das läßt sich ausbauen.

Ein grüne Mehrheit im Bundestag verspricht in dieser Hinsicht auch nichts Gutes. Aber die schwarzbraune Alternative würde ich deshalb noch lange nicht wählen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2021 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45731

Merz fordert ein Verbot der Gender-Sprache:

"Wer gibt zum Beispiel Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern das Recht, Prüfungsarbeiten auch danach zu bewerten, ob die Gender-Sternchen verwendet werden oder nicht?", fragte der CDU-Politiker. "Wer gibt Nachrichtenmoderatorinnen und -moderatoren das Recht, in ihren Sendungen einfach mal so eben die Regeln zur Verwendung unserer Sprache zu verändern?" (t-online.de 23.4.21)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.04.2021 um 10.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45725

Die Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim ("Politbarometer" und Wahlhochrechnungen fürs ZDF) benutzt statt Anhänger und Anhängerinnen gern den Begriff Anhängerschaft.
Dort würden sie schreiben:
ein Viertel der Unionsanhängerschaft

Allerdings sind immer mehr "Genderierende" auch damit unzufrieden und würden die Unionsanhänger*innenschaft vorziehen. Dann könnten sie aber auch gleich bei Unionsanhänger*in(nen) bleiben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.04.2021 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45724

Außerdem hätte er dann auch schreiben müssen: »nur jeder Vierte und jede Vierte«.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.04.2021 um 09.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45723

Die Grundgesamtheit sind in dem Fall alle Unionsanhänger (wobei der Autor konsequenterweise natürlich »Unionsanhänger und Unionsanhängerinnen« hätte schreiben müssen). Wenn innerhalb dieser Gruppe Männer und Frauen gleich verteilt sind, stimmt die Aussage, sofern zusätzlich die Bedingung erfüllt ist, daß das Meinungsforschungsinstitut Civey, das die Umfrage durchgeführt hat, tatsächlich mit einer quotierten Stichprobe gearbeitet hat, »die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht«, wie es in den Erläuterungen zur Methodik im SPIEGEL heißt (https://www.spiegel.de/backstage/die-methodik-hinter-den-civey-umfragen-a-b50353b3-b072-43c8-ab70-7fab20d48710?d=1612960628). Allerdings glaube ich nicht, daß der frömmelnde Autor des Artikels auch nur eine Sekunde an diesen Aspekt gedacht hat. Er wollte uns einfach nur zeigen, wie gut er im Genderunterricht aufgepaßt hat.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 22.04.2021 um 07.25 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45719

Haargenau dieselben beiden Stellen des SPIEGEL sind gestern unter dem Stichwort "Tohuwabohu" in meinem Notizkasten gelandet.

Daniel Eckert in der welt-online heute kann es besser:
"Fest steht auch, dass die künftige deutsche Regierung mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Juristen geführt werden wird. Sowohl Armin Laschet von der CDU als auch Annalena Baerbock von den Grünen haben ein rechtswissenschaftliches Studium hinter sich."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2021 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45718

Der SPIEGEL schafft den Salto mortale beim Gendern:
Ausgerechnet unter Unionsanhängern hat Laschet laut einer repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstitutes Civey für den SPIEGEL einen schweren Stand. Nur jeder Vierte oder jede Vierte hält die Entscheidung gegen Söder als Kanzlerkandidat für richtig.
(Das würde, abgesehen von der Inkonsequenz, einschließen, daß Frauen und Männer gleiche Zustimmungswerte aufweisen – aber steht das überhaupt fest?)
Daß Olaf Scholz bei der „Kanzlerin-Frage“ nicht gut wegkommt, liegt vielleicht daran, daß er keine gute Kanzlerin wäre? – Usw. – es geht alles durcheinander.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.04.2021 um 23.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45713

Es gibt offenbar auch einen Verband, der sich offiziell
Bundesverband der Berufsbetreuer/innen e.V. (BdB)
nennt, und auf diesen (ich schrieb irrtümlich "freier" statt "der") hat sich die Sendung Plusminus bezogen. Also wohl doch korrekt.

Was es allerdings mit diesen zwei irritierenden Namen genau auf sich hat und ob es sich evtl. um eine erneute Umbenennung desselben Verbandes handelt, konnte ich nicht herausfinden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.04.2021 um 22.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45711

Wikipedia:

» Der Bundesverband freier Berufsbetreuer e.V. (BVfB) ist eine berufsständische Vertretung für selbständige Berufsbetreuer in Deutschland. [...]
Der Verein wurde 1995 in Münster als Verband freiberuflicher Betreuer/innen gegründet, verlegte 1998 seinen Sitz nach Berlin und wurde 2004 in „Bundesverband freier Berufsbetreuer“ umbenannt. 

Das ficht Das Erste (ARD) natürlich nicht an. In der heutigen Sendung Plusminus wurde ständig vom
Bundesverband freier Berufsbetreuer/innen
gesprochen (mit glottalem Plosivlaut) und dieser Name so auch bildlich eingeblendet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.04.2021 um 14.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45704

In den Zeitungen kommt heute aus gegebenem Anlaß das Wort "Kanzlerkandidatin" sehr oft vor. Zum Beispiel auch im Mannheimer Morgen, mehrfach gleich auf Seite 1.

Aber dann wird es auf Seite 18 komplizierter (Hervorhebungen von mir):

Grüne aus der Region gratulieren Annalena Baerbock zur Kanzlerinnenkandidatur.
Annalena Baerbock zieht für die Grünen als Kanzlerinnenkandidatin in den Wahlkampf.
"Wir haben mit Annalena Baerbock eine großartige Kanzlerkandidatin", [...]
[...] die damals noch als Kanzlerin-Kandidatin geltende Annegret Kramp-Karenbauer[!]
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 20.04.2021 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45702

Vielleicht hat die Frauenfeindlichkeit mit der Männerfeindlichkeit zu tun, die in woken Kreisen so gewissenhaft gepflegt wird. Als Mann per se unrecht zu sein, gefällt nicht jedem. Und wem geht das allgegenwärtige "taffe" Frauenideal nicht auf die Nerven, das die Szene seit Jahren beherrscht? Ob Fernsehkommissarin oder unbeugsame Feministin, die Abziehbilder sind immer die gleichen. Da kommt Annalena Baerbock gerade recht. "Schon wieder ne Frau", seufzt selbst meine eigene: "Ich finde, langsam wärs mal wieder an der Zeit für Testosteron." Dieses Empfinden könnte es übrigens sein, das Söder beim Wahlvolk soviel beliebter macht als Laschet.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.04.2021 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45701

Mir ist schon klar, wie der Satz gemeint war, nur meine ich, daß die Verschränkung der beiden Gedanken in dieser Weise problematisch ist, und ich wollte vorführen, welche ungewollte Konsequenz es hat, wenn man so formuliert, nur weil man sich lieber auf die Zunge beißt, als eine Frau einen Kandidaten zu nennen. Man liest ja auch oft, Merkel sei die »erste Bundeskanzlerin«, die dieses oder jenes getan hat. Auch das ist richtig, reduziert aber die Kanzlerin auf die Gruppe der Frauen, die bisher dieses Amt bekleidet haben, und die ist mit einer Person doch wesentlich kleiner als die Gruppe aller acht bisherigen Amtsinhaber. »frauenverkleinernd« nannte Dorothea Wendebourg das in der FAZ Anfang des Jahres.

Der Satz »Nur eine kann es werden«, hörbar verunsichert vorgetragen von Robert Habeck, der offenbar nichts falsch machen wollte, ist mir auch aufgefallen. Auch diesen Satz kann ich nicht generisch verstehen. Wenn klar war, daß es nur »eine« werden konnte, warum hat man Frau Baerbock dann nicht schon vor Monaten nominiert? Ich glaube übrigens, daß es tatsächlich schon lange klar war, so gesehen könnte es sich sogar um einen Freudschen Versprecher handeln (was ich aber nicht glaube, ich denke, er wollte das generische Maskulinum umschiffen).

Dazu passend: »Das WC zwischen Hauptbahnhof und Platzspitz ist das meistbesuchte WC der Stadt. Am Montag überraschte die Stadt Zürich die millionste Besucherin mit einem Blumenstrauss. Auch das Reinigungspersonal erhielt von der Stadt Anerkennung.« (toponline.ch, 19.4.21)

Das Deutsche hat an dieser Stelle eine Schwäche, keine Frage, denn der Sprecher oder Schreiber möchte bei der Schilderung einer konkreten Situation meist sofort das Geschlecht der handelnden Personen deutlich machen. Warum das so ist und ob man gegen dieses offensichtlich vorhandene Bedürfnis ankämpfen sollte, steht auf einem anderen Blatt. Phettbergs »Arztys« und »Lesys« sind nett, aber spätestens bei »Terroristys« und »Kinderschändys« hätte ich keine Lust mehr mitzumachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2021 um 08.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45700

Baerbock ist eine Frau und grün – mehr brauchen die Giftzwerge nicht zu wissen, um die Schmähungen auf sie niederprasseln zu lassen, die sie bisher Merkel zugedacht haben. Auch der frauenfeindliche Ton ist eins zu eins übernommen. Ein guter erster Schritt ist schon mal, sie „Annalena“ zu nennen.

Schon wenn man las, was alte Männer über junge Mädchen wie Greta Thunberg öffentlich sagten, fragte man sich ständig, welche Kinderstube solche Leute eigentlich genossen haben. Menschen, die selbst etwas können und leisten, erniedrigen sich nicht so weit, daß sie – im Schutz feiger Anonymität – andere Menschen in dieser Weise herabsetzen. Das gilt ohne Ausnahme. Überhaupt war mein ständiges Kriterium immer: Würdest du einer Person das, was du anonym über sie schreibst, auch ins Gesicht sagen? Merkel „dumm“, „Flintenweib“ usw. nennen? Nicht? Dann gehörst du zum Pack und bist nicht wert, daß man mit dir redet.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 20.04.2021 um 06.09 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45699

"Die Grünen haben ihre erste Kanzlerkandidatin."
Wie ist das zu verstehen? Frauen an der Spitze haben wir schon lange, bei den Grünen sowieso. Nur die Kanzlerkandidatur ist etwas neues.
Von daher habe ich den obigen Satz zweifelsfrei generisch verstanden, offenbar anders als Sie, Herr Metz ("Wo muß man leben, um die Tatsache, daß eine Partei, zumal die Grünen, anno 2021 eine Frau auf den Schild hebt, für etwas Historisches zu halten?").
Aber das zeigt genau den Schaden, der durch die Beseitigung des generischen Maskulinums entsteht: Beim Reden über Menschen kann man nicht mehr präzise und irritationsfrei sprechen, und zwar weder beim Reden über Menschen allgemein noch beim Reden über Frauen vs. Männer.

Die gestrigen vielfachen Äußerungen von Habeck, Baerbock und vieler Kommentatoren ("es kann nur eine geben", "wer die bessere Kanzlerkandidatin ist", usw.) zeigten in geballter Form diese Verwirrung und gleichzeitig die fortgeschritten wirksame Verpönung des generischen Maskulinums.

Bei diesem Chaos kommt einem der Vorschlag von Hermes Phettberg geradezu elegant vor. Danach würde es heißen "...haben ihr erstes Kanzlerkandidaty" oder "...kann nur eines geben".

Übrigens ist Baerbock dann doch einer durchgerutscht, als sie am Abend nämlich zu Karen Miosga sagte "...so wie sich jeder in seinem Leben weiterentwickelt". Na bitte.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.04.2021 um 01.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45693

Nun sollen die Grünen also »ihre erste Kanzlerkandidatin« bekommen, so als hätten sie bisher immer nur Männer ins Rennen geschickt. Die Formulierung wird der Bedeutung des Vorgangs nicht gerecht und schmälert die Rolle von Frauen. Wo muß man leben, um die Tatsache, daß eine Partei, zumal die Grünen, anno 2021 eine Frau auf den Schild hebt, für etwas Historisches zu halten? Die Grünen erheben erstmals den Anspruch, das Kanzleramt zu besetzen (= den Kanzler zu stellen), das ist ungleich mehr.

Man kann die beiden Aussagen »erste Kanzlerkandidatur der Grünen« und »Frau wird damit betraut« nicht in dieser Weise sinnvoll kombinieren, und zwar weder nach den bisher geltenden Grammatikregeln noch nach der Logik der Gendersprache, denn auch in dieser Parallelwelt kann »Kanzlerkandidatin« immer nur eine Frau bezeichnen. Wer die klassische generische Form unbedingt vermeiden will, muß auf pedantische und unaussprechliche Konstruktionen ausweichen, die das Pathetische der Aussage restlos zerstören. Dann hätten die Grünen »ihre(n) erste(n) Kanzlerkandidatin/-en«. Bei Einbeziehung der Diversen ist eine Bezeichnung im Singular sogar unmöglich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.04.2021 um 00.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45684

Eine Frau kann, so scheint sie also zu denken, nichts wie ein Mann sagen, sondern nur wie eine andere Frau. Was für irre Blüten doch die Genderei treibt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2021 um 22.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45683

Anne Will im Ersten, 18.4.21:

... um es mal ganz spießig und oberlehrerinnenhaft zu sagen.

Das muß man ihr lassen, sie kommt langsam in Übung.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 17.04.2021 um 23.25 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45674

Ich bin ja mit den Gepflogenheiten in anderen Ländern nicht so vertraut. Aber fest steht wohl, daß die englischsprachigen uns bezüglich der Menschenfreundlichkeit weit voraus sind.

Nur verstehe ich das mit den Pronomen noch nicht so ganz. Die australische Seite 7News schreibt z.B.:

"Individuals are also encouraged to take note of the pronouns people use for themselves and politely ask when unsure."

(https://7news.com.au/news/education/fresh-push-to-drop-gendered-terms-like-mum-dad-husband-or-girlfriend-c-2572877)

Was sollen das für Pronomen sein, die die Leute für sich selbst verwenden? Ich würde ja jederzeit sagen: "ich" oder - je nach Fall - "mir" oder "mich", im Englischen also "I" und "me".

Manchmal lese ich auch, daß es Personen gibt, die mit besonderen Pronomen angesprochen werden wollen. Normal wäre im Englischen wohl "you". Früher waren auch andere üblich, "thou" z.B.

Nun lese ich aber immer wieder von "they" umd "them". Das ist überraschend. Wie soll man sich das vorstellen? Reden die Leute jetzt von sich in der dritten Person Plural? Oder sprechen sich damit an?

Seltsam.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.04.2021 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45673

Darüber brauchen wir uns zum Glück keine Gedanken zu machen, das müssen die sich schon selber überlegen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.04.2021 um 13.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45672

Ein schöner Aspekt. Die Frage ist nur, wie soll die Sternchentrennregel überhaupt aussehen?

Ratgeber- *innen
oder
Ratgeber*- innen

sind ja nicht besser, denn man trennt auch bisher nur

Ratgebe-
rinnen
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.04.2021 um 13.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45671

Mich hat interessiert, ob die taz ernsthaft »Schulabbrechende«, »Abbrecher*innenquote« usw. schreibt. Dabei stieß ich in einem Artikel auf dies:

Ratgebe-
r*innen

Das Trennprogramm will wohl noch nicht so wie die Redaktion und ignoriert einfach das neckische Sternchen. Das sollte sie dringend korrigieren, denn solche Trennungen nähren den Verdacht, daß es der Zeitung und ihren Gesinnungsgenießenden gar nicht um die Ansprache einer verschwindend kleinen Minderheit geht, sondern um die Einführung des generischen Femininums durch die Hintertür. Das menschenverachtende Spiel mit dem Atemaussetzer zur Bezeichnung von Personen hat ohnehin keine Zukunft. Schon jetzt ist zu beobachten, daß immer mehr Wohlmeinende ungerührt die weibliche Form aussprechen, als hätten sie das Stigma gar nicht bemerkt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.04.2021 um 10.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45670

Klar, ein Reisender ist auch dann einer, wenn er gerade im Hotelbett schläft, aber manche Partizipien gehen einfach nicht. Ein Sprechender (gerade in einem Artikel über Anglizismen gelesen) muß schon reden, um die Bezeichnung zu rechtfertigen. "Nachrichten Sprechender"ist keine Berufsbezeichnung wie Nachrichtersprecher. So brav der Artikel ansonsten auch gegendert ist – "die Sprachen der Eroberer“ sind hineingerutscht. https://de.babbel.com/de/magazine/kolonialisiert-englisch-andere-sprachen?bsc=languagecolonialism-deu&btp=fb&fbclid=IwAR3CIuN0Xg4kHgr5OhtpQzYJydjlrLN5MF05w_KWIX53uGvBeIKdmVzGhPk&utm_campaign=languagecolonialism&utm_medium=social&utm_source=facebook&utm_term=organicpost
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.04.2021 um 23.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45663

Ich erhielt vor ein paar Tagen eine Rundmail, überschrieben mit Liebe Mitglieder*innen, Fördernde und Freund*innen des ...,
Die Verfasserin engagiert sich seit vielen Jahren in der Organisation eines gemeinnützigen Vereins. Sie schrieb bislang völlig normal, gelegentlich mit Doppelnennungen. Jetzt schaltet sie um und läuft prompt in die altbekannte Falle.
Es juckt in den Fingern, zumindest auf den Fehler aufmerksam zu machen. Oder sogar eine Meinung zu dem Umschwenken auf Gender-Sprech zu äußern.
Sicher geht es den meisten wie mir: Ich lasse es bleiben, denn in Anbetracht des unschätzbaren Engagements der Dame, das sich in hunderten und aberhunderten von Stunden freiwilliger Arbeit für den gemeinnützigen Verein (neben Familie und Beruf) manifestiert, erscheint so eine Reaktion unweigerlich als Korinthenkackerei. Also läßt man sowas.

Wenn man sich in Kirchen- und Ehrenamtskreisen bewegt, hat man immer öfter mit derartigen Situationen zu tun. Und – wie gesagt – man unterläßt das Herumkritteln an der Sprache, da man allen Beteiligten für ihr Engagement und ihren Fleiß dankbar sein muß.

Umgekehrt kann es einem aber passieren, daß bei der Ansprache an eine Gruppe die Verwendung des generischen Maskulinums von jemandem aus der Gruppe mit einer "freundlichen Ergänzung" versehen wird ("UND SängerINNEN").

Ersteres wirkt also wie Korinthenkackerei, letzteres wie ein hilfreiches Beispringen im Sinne der Gerechtigkeit.

Gewissermaßen ein asymmetrischer Konflikt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2021 um 22.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45662

"Pariser und Pariserinnen" sehen zu:

"Die Handwerker stützen das Gewölbe."

(Tagesthemen, Das Erste, 15.4.21)

Toll, man weiß sofort, es waren keine Frauen dabei.
Oder besser:
Es sollen keine Frauen dabeigewesen sein.

Wenn etwas wirklich sexistisch ist, dann ist es die Genderei!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2021 um 19.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45661

Von der geplanten Bundesstiftung Gleichstellung erwarte ich leider auch neue Anschläge auf die deutsche Sprache. Nachdem die Gleichstellung schon gesetzlich geregelt ist, könnten hier noch weitere Forderungen durchgesetzt werden. Wer würde sich widersetzen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2021 um 19.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45660

In der Sendung Brisant (Das Erste) stand heute der Geschäftsführer des Pilgerheims Weltersbach kurz vor der Kamera. Er erwähnte zuerst

"Bewohnerinnen und Bewohner und Mitarbeiter",

und kurz danach

"regelmäßige Testungen der Besucherinnen und Besucher, der Mitarbeitenden und Mitarbeitenden".

Solche Versprecher müßten nicht sein, wenn man einfach nur die unsinnige Genderei sein ließe.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.04.2021 um 06.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45654

Spiegel Online betitelt heute einen Artikel:
Wie geht es Arbeitnehmern in der Pandemie?
Gleich danach liest man aber im Aufreißer:
Die einen bekommen eine Prämie von der Chefin, wenn Sie sich impfen lassen.
Offenbar nutzt der Autor die Wechselnennung der Geschlechter, um seine Tugendhaftigkeit zu belegen.
Im nächsten Absatz scheint sich das zu bestätigen: ..wer als Vorgesetzter oder Chefin auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter...
Dann verfällt er allerdings in einen Arbeitsmodus, bei dem er sich aufs Thema konzentriert, und daher von der Geschlechtszählerei abgelenkt wird.
Man liest
...Arbeitnehmern
...Teilnehmer
...Arbeitnehmer
...Arbeitnehmer
...jeder Zweite
...Kolleginnen und Kollegen
...Arbeitnehmer
...Chefs
...Arbeitgeber
...das Verhältnis zwischen Arbeitnehmerinnen und Vorgesetzten verändern,
...Mitarbeiter
...Arbeitnehmer


Einzig die Kolleginnen und Kollegen stechen mitten drin heraus (die "Kollegen" sind ein Ausdruck, der das Gendern zuverlässig triggert).
Und am Ende muß er noch einmal eine Marke setzen. Aber so wie er es tut ("...das Verhältnis zwischen Arbeitnehmerinnen und Vorgesetzten..."), bringt er unweigerlich eine Irritation in den Text. Denn man wird aufgrund der aktuellen Me-Too-Debatten unweigerlich auf das Thema "sexuelle Belästigung" gelenkt, um dann festzustellen, daß es nichts damit zu tun hat. Hier geht es nur um Corona.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2021 um 03.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45652

„Die sich aufopfernden Ärztinnen, Ärzte, Pflegerinnen, Pfleger, Assistentinnen und Assistenten“ (SZ 14.4.21) – gerade in einem appellierenden Text geht das angestrebte Pathos im bürokratischen Gendern unter. Dafür fehlt anscheinend das Gespür. (Der Text ist aber nur zur Hälfte gegendert, was die Sache nicht besser macht.)

Auch die Zusammenstellung von Herrn Metz widerlegt die Behauptung, das Gendern sei in der deutschen Sprache angekommen.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.04.2021 um 00.40 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45651

Gute Zusammenstellung, Herr Metz, danke.

Dafür sind unsere Regierungsbeamten perfekt eingenordet. In einer Antwort des Gesundheitsministeriums an Herrn Kubicki liest man "...die Anzahl an Covid-19 Patientinnen und Covid-19-Patienten..."
so heute in einem Welt.de-Artikel.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.04.2021 um 00.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45650

Aktuelle Überschriften und Anreißer auf tagesschau.de (14.4.21):

SPD verteidigt Infektionsschutzgesetz
Spitzenpolitiker der SPD haben dazu aufgerufen, die Änderungen am Infektionsschutzgesetz zügig umzusetzen. Es gehe jetzt darum, "die Gesundheit der Bürger zu schützen", sagte Vizekanzler Scholz.

Ministerium weist Ärzte-Kritik zurück
Verbände der niedergelassenen Ärzte kritisieren, dass die Praxen deutlich weniger Impfstoff bekämen, als ihnen zugesichert worden wäre. Nach Ansicht des Gesundheitsministeriums ist das jedoch nicht der Fall.

Brandenburg stoppt Terminvergabe für Erstimpfungen
Weil unter 60-Jährige nicht mehr mit Astrazeneca geimpft werden dürfen, erhalten etwa 60.000 Brandenburger ihre zweite Impfdose mit Biontech oder Moderna. Deshalb muss an anderer Stelle gespart werden: bei denen, die auf eine baldige Erstimpfung gehofft haben.

BASF impft Mitarbeiter
Als erstes Unternehmen in Deutschland impft BASF von heute an ausgewählte Mitarbeiter gegen Corona im eigenen Impfzentrum. Weitere Konzerne erklären sich startklar und dringen auf eine Erlaubnis.

In 100 Tagen geht es los – oder nicht?
In 100 Tagen sollen die Olympischen Spiele in Tokio beginnen. Ob das wirklich klappt, kann jetzt noch niemand sagen. Die Athleten bereiten sich mit Hochdruck auf das sportliche Highlight vor – so gut es eben geht.

Mehr Schutz für Kleinanleger geplant
In den vergangenen Jahren zeigte sich: Der gesetzliche Schutz von Kleinanlegern reicht nicht aus. Nun berät der Bundestag, wie Risiken künftig leichter erkennbar werden. Auch ein Verbot ist geplant.

DAX bleibt im Seitwärtstrend
Die heimischen Anleger tun sich derzeit schwer damit, auf das hohe Niveau am Aktienmarkt noch draufzusatteln. Auch Rekorde an der Wall Street locken sie derzeit nicht aus der Reserve.

Der harte Kampf um Gleichberechtigung
Etwa 30 US-Bundesstaaten haben Gesetze in Arbeit oder schon beschlossen, die Trans-Mädchen vom Mädchen-Sport ausschließen. Die Republikaner wissen, dass das emotional aufgeladene Thema bei ihren Wählern ankommt.

Und so weiter. Im Haupttext wird nur selten gegendert, und wenn, dann sehr lückenhaft.

In Leitfäden zu »geschlechtergerechter« Sprache findet man gelegentlich den Hinweis, daß in Überschriften und einleitenden Absätzen im Interesse der Kürze und Effizienz auch das generische Maskulinum gestattet sei, solange man dann im eigentlichen Text wieder gerecht formuliere. Das ist widersinnig. Denn wenn es stimmte, daß Wörter wie »Verbraucher« und »Touristen« in den Köpfen der Leser die einseitige Assoziation »Mann« auslösen, wären sie gerade am Anfang von Texten verheerend, denn dort würde das Mißverständnis ja entstehen und wäre also auch dort unbedingt zu vermeiden. In Wirklichkeit ist dieses vermeintliche Zugeständnis der Beweis, daß das generische Maskulinum funktioniert und den Leser eben nicht in die Irre führt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2021 um 03.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45640

In Nachdrucken des "Struwwelpeter" peitscht der bitterböse Friederich nicht mehr "seine Gretchen gar", wie es der Hesse Heinrich Hoffmann tat, sondern "ach, sein Gretchen gar".

Immerhin ist der kohlpechrabenschwarze Mohr, der nichts dafür kann, noch erhalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2021 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45615

Zervakis galt unter ihren Kolleginnen und Kollegen im "Tagesschau"-Team immer auch als eine der unprätentiösesten Nachrichtensprecher. (t-online 9.4.21)

Das geht grammatisch auch nicht (auch abgesehen vom prätentiösen unprätentiösest).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2021 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45592

Nicht die "Identität" von Verfasserin und Übersetzern ist das eigentliche Problem, sondern die Nichtwiederholbarkeit der Situation dieses "Gelegenheits-Gedichts" im wahrsten Sinne. So hat auch Martin Luther King mit seiner Dream-Rede Geschichte geschrieben, aber wer möchte solche Texte denn nachlesen? "Dann hat er die Teile in seiner Hand, fehlt, leider, nur das geistige Band." – So könnte man sinngemäß sagen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.04.2021 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45591

Tja, so was kommt von so was. Auf Feldern, die man selbst vermint hat, ist nicht gut spazierengehen. Wenn Schwarze nicht einfach schwarz sein dürfen, sondern stets und überall »Schwarz« sein müssen, weil es immer nur darum gehen kann, sie als Opfer von Rassismus zu begreifen und darzustellen, dann landet selbst ein so harmloses Wort wie »Farbe« auf dem Index. »Flüchtlinge« soll man nicht mehr sagen, um die Betroffenen nicht auf ihre Flucht zu »reduzieren«. Menschen mit schwarzer Hautfarbe dürfen, ja müssen dagegen auf ihre Rassismuserfahrungen reduziert werden. Wieso regt sich dagegen eigentlich kein Widerstand?

Herr Heibert ist höflich und deutet nur an, was er von der Übersetzung hält. Daß er den »Sound der 20- bis 30-jährigen deutschen Spoken-Word-Poeten« nicht gut hinbekommen hätte, kann ich mir kaum vorstellen. Er hätte es sicher nicht schlechter gemacht als das erlesene Kollektiv, das jetzt diesen hochheiklen Auftrag gewissenhaft erfüllt hat, indem es in vielen Fällen »Kompromisse« geschlossen hat, wie man liest! Lyrik nicht als Kunst, sondern als Verhandlungsmasse, das muß man sich mal vorstellen. Ich lasse mich gern belehren, aber wenn Formulierungen wie »alleinerziehende Mutter«, »Wir streben vielmehr nach Verbundenheit, gemeinsamen Perspektiven und Zielen« und »Soll an erster Stelle die Zukunft stehen, müssen wir erst von unseren Differenzen absehen« typisch für den Tonfall dieser Literaturgattung sind, dann ziehe ich das Original vor und lese lieber amtliche Merkblätter, Parteiprogramme und holländische Sinterklaas-Gedichte.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.04.2021 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45590

Wenn man auf politisch korrektes Behördendeutsch hinauswill, kann man "raised by a single mother“ zwar mit "Kind einer alleinerziehenden Mutter“ übersetzen lassen, aber um das Ergebnis „brillant“ zu finden, muß man schon der Verleger sein. Interessant ist die sachliche, praxisnahe Sicht des Übersetzers Frank Heibert: https://www.n-tv.de/leute/buecher/Gorman-Streit-setzt-an-der-falschen-Stelle-an-article22471293.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2021 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45588

Die taz ist natürlich begeistert, besonders wegen der Sklavinnen:

„Das (!) an dieser Stelle im Deutschen ein generisches Femininum steht, ist sprachlich wie politisch eine kluge Wahl, weil diese Variante den Geist des Ausgangstexts trifft.“
Aber woher soll der Leser wissen, daß das Femininum generisch gemeint ist? Nur ein taz-Leser ahnt das.

Der Verleger versucht die Wahl der beiden Aktivistinnen neben der eigentlichen Übersetzerin zu rechtfertigen:

https://www.ndr.de/kultur/Gorman-Gedicht-Verleger-Tim-Jung-ueber-die-deutsche-Uebersetzung,jung322.html

Im Sozialismus stand ein Parteikommissar neben jedem Experten und paßte auf, daß ideologisch nichts anbrannte. Vorbild war die Kirche, ohne deren Imprimatur nichts gedruckt werden konnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2021 um 04.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45568

Es gibt im Deutschen kein generisches Femininum. Natürlich kann man eine künstliche Sprache konstruieren, in der es eins gibt. Aber man kann die Sprachgemeinschaft nicht zwingen, es zu verstehen. Ich könnte mich auch darauf kaprizieren, die Arme eine Menschen als Beine zu bezeichnen, was sie ja "genau genommen" auch sind. Beim Essen sollte man die Vorderbeine auf dem Tisch lassen usw.

Die Sprache, wie sie ist, transportiert keine bestimmte Ideologie, im Gegensatz zu den Sprachidealisten, die das glauben oder zu glauben vorgeben. Man kann in derselben Sprache sämtliche Weltanschauungen ausdrücken, die der Menschheit je eingefallen sind. Ich selbst sehe nur zu deutlich, daß in der Alltagssprache eine gewisse "folk psychology" enthalten ist, aber ich habe keine Mühe, die antimentalistische Gegenposition zu vertreten. Theisten und Atheisten benutzen dieselbe Sprache usw. Die Belehrung und Bekehrung fängt erst beim Gesagten an, nicht schon mit der Wahl der Sprache.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.04.2021 um 23.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45566

Sprachlich und politisch eine kluge Wahl? Wie soll eine Formulierung in einer Übersetzung, die in eklatanter Weise gegen die Grammatik der Zielsprache verstößt, sprachlich klug gewählt sein? Das kann nur finden, wer zwischen »sprachlich« und »politisch« keinen Unterschied sieht, zum Beispiel weil er selbst von früh bis spät Sprachpolitik betreibt. Wobei man »politisch« vielleicht besser durch »ideologisch« ersetzen sollte. Die taz will uns wohl sagen: Gäbe es im Englischen ein generisches Femininum (bzw. wäre es formal konstruierbar wie im Deutschen), hätte Amanda Gorman es bestimmt verwendet. – Und solche spekulativen Überlegungen und gezielten Manipulationen sollen nun die Überlegenheit der eingesetzten Kommission gegenüber normalsterblichen Übersetzern belegen, die ganz und gar unempathisch »Sklaven« übersetzt hätten??
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.04.2021 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45565

Die lahme deutsche Übersetzung des hymnischen Gorman-Gedichts ist Gegenstand vieler Verrisse. Die tapfere "taz" hält, wenn auch verhalten, dagegen und attestiert den Autorinnen Strätling, Haruna-Oelker und Gümüºay: "Mission erfüllt".

Das Original sei schließlich auch nicht so doll. Anhand des nackten Textes lasse sich "schon bald nicht mehr nachvollziehen, warum der Auftritt der 22-jährigen Lyrikerin die Amtseinführung von Joe Biden überstrahlte. Mit etwas Abstand und bei genauer Lektüre fällt die simple Machart der Funktionspoesie eben auf".

Besonderes Lob hat die "taz" für die Übersetzung von skinny Black girl / descended from slaves and raised by a single mother mit Nachfahrin von Sklavinnen, Kind einer / alleinerziehenden Mutter "Das [!] an dieser Stelle im Deutschen ein generisches Femininum steht, ist sprachlich wie politisch eine kluge Wahl, weil diese Variante den Geist des Ausgangstexts trifft."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2021 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45560

Viele meinen anscheinend, gelegentliches Gendern könne nicht schaden oder man erfülle damit sein Soll auf eine unverfängliche Weise. Das ist falsch gedacht. Das gelegentliche Gendern widerlegt permanent die Grundvoraussetzung der feministischen Sprachregeung; daß das generische Maskulinum Frauen ausschließe. Die gemischten Texte zeigen: das generische Maskulinum lebt und funktioniert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2021 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45531

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat am Freitag zwar die Anerkennung des Gendersternchens nochmals verweigert, ohne aber die Legende von der "geschlechtergerechten" Sprache anzuzweifeln. Das war bei dieser Besetzung auch nicht anders zu erwarten.

Leider erfährt man nichts über die Modalitäten der Sitzung. Aber eigentlich interessiert es auch niemanden mehr.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 28.03.2021 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45525

Lieber Herr Metz, zu meiner Entschuldigung kann ich nur vorbringen, daß die letzte Lünepost nicht in meinem Briefkasten steckte. In den vorherigen Ausgaben lagen die Sternchengegner klar in Führung. Mir schien übrigens schon die Einladung zur Diskussion einen süffisanten Unterton zu haben, der denn auch von einem Leser als tendenziös gerügt wurde. Daß die Meinungen ausgeglichen seien, behauptet die schamlose Redaktion bestimmt nur, um das Publikum nach dem Sturm wieder in Harmonie zu wiegen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.03.2021 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45524

Zu #45513:

Die Dudenredaktion versucht sich abzusichern, indem sie die umgeschriebenen Einträge mit dem Standardhinweis versieht:

»In bestimmten Situationen wird die maskuline Form (z. B. Arzt, Mieter, Bäcker) gebraucht, um damit Personen aller Geschlechter zu bezeichnen. Bei dieser Verwendung ist aber sprachlich nicht immer eindeutig, ob nur männliche Personen gemeint sind oder auch andere. Deswegen wird seit einiger Zeit über sprachliche Alternativen diskutiert.«

Nein, deswegen gibt es diese Diskussion ganz gewiß nicht. Diese Begründung ist hanebüchen, die Autoren stellen sich dumm. Daß etwas »sprachlich nicht immer eindeutig« ist, ist überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, es ist ja der entscheidende Vorzug der generischen Verwendung, daß sie es uns ermöglicht, uneindeutig zu bleiben, wo Eindeutigkeit nur stören würde, weil sie von der Sache ablenkt. Und dort, wo sie erwünscht ist, kann sie leicht hergestellt werden. Die wahren Motive derer, die diese Diskussion vom Zaun gebrochen haben, liegen ganz woanders, und sie sind allgemein bekannt, schon weil die Einheizer selbst sie bei jeder Gelegenheit ausposaunen.

In ihrem Eifer scheint die Redaktion völlig zu übersehen, daß sie so einen Systemwechsel nicht nur halb vollziehen kann. Wenn man in den Bedeutungserklärungen von der generischen zur spezifischen Lesart wechselt, muß man auch die Beispiele anpassen. Jahrzehntelang war für die Dudenredaktion ein Einwohner »jemand, der in einer Gemeinde, einem Land seinen ständigen Wohnsitz hat«. Dazu paßte das Beispiel »die Einwohner des Saarlandes«. Nach der Neudefinition ist ein Einwohner laut Duden heute eine »männliche Person, die in einer Gemeinde, einem Land ihren ständigen Wohnsitz hat«. Trotzdem steht immer noch dasselbe Beispiel unter diesem Lemma. Es führt die neue Bedeutungserklärung ad absurdum, zumindest wenn man sich am tatsächlichen Sprachgebrauch orientiert, was die Dudenredaktion ja für sich in Anspruch nimmt. Der zitierte »Disclaimer« kann diesen Widerspruch nicht auflösen, im Gegenteil, er zeigt eindrücklich, daß nicht der herkömmliche Sprachgebrauch das Problem ist, sondern seine manipulierte Darstellung im Duden. Wie sollte ein Beispiel aussehen, das zur neuen Definition paßt? Etwa »Die Einwohner des Saarlandes verdienen im Schnitt immer noch mehr als die Einwohnerinnen des Saarlandes«?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.03.2021 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45517

Wenn ich es zu Ende denke, sehe ich eigentlich nur noch eine Möglichkeit, korrekt mit dem Gedicht umzugehen: Frau Gorman liest es sich selbst vor! Aber bitte nicht zu laut, damit niemand mehr gestört wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2021 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45515

Unter den Zuhörern Amanda Gormans bei der Inauguration Bidens waren auch einige Weiße, das habe ich genau gesehen. Sie konnten das Gedicht nicht verstehen. Warum hat sie es überhaupt vorgetragen, sozusagen Perlen vor die Säue geworfen?

Das Problem mit dem Übersetzen stellt sich doch ebenso beim Hören und Lesen: Identität!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.03.2021 um 01.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45514

Lieber Herr Virch, Sie haben uns vorenthalten, wie die Diskussion ausgegangen ist. In der LÜNEPOST vom 24. März 2021 (https://www.luenepost.de/epaper/e0e570de6dca05c209f3e915b28c1698/LP-24_03_2021.pdf) lese ich:

Liebe Leserinnen und Leser,

dieses Thema bewegt die Massen: Nach der komplett „durchgegenderten“ Lünepost vom 13. März erreichten auch in dieser Woche noch viele Lesermeinungen die Redaktion. Während die einen die geschlechtergerechten Formulierungen ausdrücklich begrüßen, sind viele andere gegen die Veränderung der Schriftsprache.

Was auffällt: Die Zahlen der Pro- und die der Contra-Meinungen halten sich nahezu die Waage. Daher werden wir in der Redaktion weiter schreiben, wie gehabt – auch wenn diese Entscheidung natürlich nicht in Stein gemeißelt ist. Mit der heutigen Ausgabe schließen wir die Diskussion ums Gendersternchen – vielen Dank an alle Leser*innen für ihre Meinungen!

Die Redaktion

Hier aber noch ein paar Leckerbissen aus der Ausgabe vom 13. März:

Sparfüchse, aufgepasst!

Der bisherige „tejo‘s SB-Lagerkauf“ wird zu einem modernen Trendmöbel-Mitnahmemarkt, dem Opti-MegaStore, umgebaut, der besonders preiswerte Wohnideen zum Abholen hat. Das alles – Umbau des Einrichtungshauses und Umbenennung des bisherigen „tejo‘s SB-Lagerkauf“ – machen einen Sortimentswechsel mit Abverkauf im großen Stil nötig, bei dem besonders Schnäppchenjäger*innen auf ihre Kosten kommen dürften. (S. 4)

Der Online-Duden führt selbstverständlich auch die »Sparfüchsin« und bringt das erfundene Beispiel: »sie war nicht immer so eine Sparfüchsin«. Demnach hätte es heißen müssen: »Sparfüchs*innen, aufgepasst!«

Nicole E. ist Bürokauffrau, die Lüneburgerin verdient sich gerne mal mit Heimarbeit etwas dazu, betreibt auch selber einen kleinen Onlineshop. Und: „Ich bin schon einmal auf eine Stellenanzeige hereingefallen, bin sensibilisiert für dieses Thema.“ Vor rund drei Jahren ließ sie sich online für Heimarbeit anstellen und machte einen entscheidenden Fehler: „Ich gab damals meine Identität online über das Video-Identverfahren preis.“ Das Ergebnis: Betrüger*innen räumten ihr Konto ab. Jetzt ist sie vorsichtiger. (S. 5)

Nach Monaten mit Corona-bedingtem Online-Training und der Sorge, ob die Mitglieder*innen dem HCL treu bleiben, durften in dieser Woche die ersten Kids wieder auf den Platz. (S. 6)

Gewächshäuser im Garten können auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken. Schon die alten Römer*innen erstellten solche Gebäude, um ihre Pflanzen zu schützen und wachsen zu lassen. (S. 13)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.03.2021 um 00.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45513

Wenn der Duden (online) z. B. zum Eintrag Teilnehmer schreibt,
Substantiv, maskulin – männliche Person, die an etwas teilnimmt,
dann ist das geradezu eine Lüge, eine Fälschung des Sprachgebrauchs. Auch weibliche Personen zählen zu den Teinehmern einer Veranstaltung.

Ein Bäcker sei ein
Handwerker, der Backwaren für den Verkauf herstellt,
und ein Handwerker ist wiederum eine
männliche Person, die berufsmäßig ein Handwerk ausübt.
Also hole ich meine Brötchen jetzt immer bei den Backenden. (Achtung, Falle! Der Artikel ist ganz wichtig, nicht etwa "bei dem ..."!)

Daß der Duden so dreist die Sprache zurechtbiegt, zeigt, daß er sich längst nicht mehr nur um die richtige Rechtschreibung, Bedeutung, Grammatik, Stil usw. kümmert, sondern sich anmaßt, uns Bürgern den Mund zu verbieten bzw. uns die angeblich korrekten Worte zum Nachsprechen vorzusetzen.

So war es auch schon bei selbständig. Ich höre jetzt ständig im Rundfunk und Fernsehen, wie sich die zutiefst untertänigen Sendeanstalten und ihre genötigten Sprecher deutlich abmühen, selbstständig zu sagen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.03.2021 um 23.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45512

Zu #45509: Übersetzen ist ein Akt kultureller Aneignung und damit per se rassistisch. Es sollte geächtet werden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.03.2021 um 19.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45511

Die Genderwelle hat das Lüneburger Anzeigenblättchen erreicht. Der Aufmacher der vorletzten Lünepost kündigte an, daß zunächst nur eine Ausgabe gegendert werden solle (diese aber konsequent!), und lud die Leser*innen zur Stellungnahme ein. So ganz klappte das mit der Konsequenz dann doch nicht, und die Anzeigen sahen eh aus wie immer. Inzwischen liegen jede Menge Leserbriefe vor. Eine Dame ist begeistert und läßt Lüneburg wissen, daß sie Sprachphilosophin sei. Die meisten anderen Reaktionen sind grantig, man droht sogar damit, das Lesen einzustellen. Ich bewerte das alles positiv. Demnächst wird es das Gendern noch als Gebäck geben, als Gesellschaftstanz, als Haartönung und als App gegen Blähungen, und dann findet die ganze Seifenoper hoffentlich ein Ende.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.03.2021 um 18.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45510

https://virchblog.wordpress.com/2021/03/24/strange-fruit/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2021 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45509

Schon wieder eine Diskussion über die Frage, ob Gedichte einer jungen Schwarzen nur von einer jungen schwarzen Übersetzerin übersetzt werden sollten. (Daß die abgewiesene holländische Übersetzerin „nicht-binär“ ist, scheint ein Pluspunkt gewesen zu sein, der aber nicht ausreichte, sie zu halten. Das wäre inkonsequent, wenn Amanda Gorman nicht ebenfalls nicht-binär sein sollte. Eine Untersuchung ihres Geschlechtslebens ist dringend notwendig.) Es ist kein Geheimnis, daß es für Gorman enorm wichtig ist, einen hartnäckigen Sprachfehler überwunden zu haben. Diese Erfahrung sollte die junge schwarze Übersetzerin ebenfalls gemacht haben. Ist Gorman Vegetarierin? Auch das ist für viele Menschen existentiell.
Wir hatten schon das Paradox mit dem Bildungsziel „Nachahmung der alten Griechen“, die ihrerseits niemanden nachgeahmt haben, jedenfalls nicht bewußt, und auch keine Fremdsprachen lernten, schon gar keine 2000 Jahre alten.

Zuvor hatte ich im Küchenradio eine Besprechung neuer Kinderbücher gehört, die sich an Corona angehängt haben. Die Sendung war so widerwärtig gegendert, daß ich den Inhalt nicht ganz mitbekommen habe. Zwischen den willkürlich movierten Formen immer wieder die Leserschaft, die ich so bürokratisch finde wie Herr Metz den Reisenden.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.03.2021 um 23.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45496

Da ich vorgestern nacht sowieso nicht schlafen konnte, habe ich im Internet die Übertragung der Pressekonferenz von Merkel, Söder und Müller verfolgt. Außer den Corona-Beschlüssen selbst interessierte mich, wie die ermüdeten Herrschaften es nach einem 15stündigen Sitzungsmarathon zu nachtschlafender Zeit mit dem Gendern halten. Nun, so, wie erwartet. Die Kanzlerin sprach ganz normal. Nur am Anfang sagte sie einmal »von jedem (!) und jedem einzelnen«, danach ging es bis zum Schluß herkömmlich weiter: Forscher, Ärzte, Patienten, jeder, Hausärzte, Mitfahrer, Rückkehrer, Passagiere. Genderstreber Müller aus Berlin schwächelte gelegentlich: Hausärzte, Arbeitgeber, Ministerpräsidenten, Bewohner, Besucher, brachte aber auch zu nächtlicher Stunde immerhin die sicher eingeübten Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Lehrerinnen und Lehrer unfallfrei über die Lippen. Söder sprach relativ kurz und unauffällig: Intensivmediziner.

Heute im Bundestag war das Bild bei der Kanzlerin schon gemischter. Sie bat – selbstverständlich – die Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung, sprach von den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, aber auch mal von den Ministerpräsidenten, von Experten, von Haushaltspolitikern und vom Steuerzahler, von Unternehmerinnen, sie verhaspelte sich in dem Satz »Wir haben dann mit den Arbeitgeberinnen … [kurzes Stutzen und Kopfschütteln] … mit den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern verabredet, daß […]«, und einmal mußte sie nachsetzen: »die Testzentren, wo jedem Bürger der Bundesrepublik Deutschland … und jeder Bürgerin jede Woche mindestens ein Test zur Verfügung steht«. Interessant auch dieser Satz: »Erst einmal danke, daß Sie die erwähnt haben, die jeden Tag wirklich Tag und Nacht, kann man sagen, neben den Medizinern und den Krankenschwestern und Krankenpflegern … äh, oder Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern, um’s etwas zeitgemäßer zu sagen […]«, wobei es ihr hier vermutlich mehr um das altmodische Wort Krankenschwester als ums Gendern ging.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2021 um 08.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45478

Im DLF wurde ein Bundestagsabgeordneter der SPD interviewt. Seine Antworten waren so mit Hausärztinnen und Hausärzten, Betriebsärztinnen und Betriebsärzten durchsetzt, daß ich in bänglicher Erwartung der nächsten gar nicht mitgekriegt habe, was er eigentlich gesagt hat. Solche Texte bekommen durch die Doppelnennungen unvermeidlich etwas Leierndes, weil die vielen Silben ja doch immer unter einen einzigen Wortgruppen-Hauptakzent gebracht werden müssen. Die Konnotation ist: Aha, ein Funktionär!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2021 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45466

Um Vielfalt zu demonstrieren und mehr Frauen zu gewinnen, bezeichnet sich die Deutsche Bahn jetzt als ArbeitgeberIN. Die grammatische Angleichung des Genus bei Substantiven wie Firma, Aktiengesellschaft usw. war schon lange üblich, hat aber nichts mit dem Gendern als Teil der Frauenbewegung zu tun. Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36915.
Die DB hat schon früher bewiesen, daß sie sich leicht etwas einreden läßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2021 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45463

Man könnte meinen, Behindertinnen usw. seien völlig undenkbar, und schaut gar nicht erst nach. Sollte man aber.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.03.2021 um 10.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45461

Mir ist jemand eingefallen, zu dem mein kleines Sonett übers Gendern passen könnte. Ich habe es an Petra Gerster geschickt und sie bei der Gelegenheit gefragt, ob ihr feministisches Ringen mit dem generischen Maskulinum nicht ein herrliches Thema für einen Lore-Roman wäre.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 18.03.2021 um 18.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45457

Ich hatte vor einem dreiviertel Jahr mit einer hessischen Verordnung zu tun, aus der ich hier bereits zitiert hatte:
http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43451
Die Situation damals änderte sich im Dreiwochentakt und entsprechend gab es dann Neufassungen der Verordnung.
Für Altenheimleiter war das ganze rechtlich verbindlich, und daher müssen sie das alles lesen und verstehen.

Ich lag damals mit einem Altenheimleiter im Clinch, es ging buchstäblich um Leben und Tod. Meine vielen Mails in dieser Zeit versuchte ich immer knapp zu halten und wirkungsvoll zu formulieren. Als ich mich in meinen Mails dann im Detail auf diese Verordnung beziehen mußte, kürzte ich allen Genderballast heraus (obwohl ein copy&paste problemlos möglich gewesen wäre).
In dieser Situation erschien mir das ganze verbale Posieren nicht mehr nur lästig und lächerlich. Es kam mir vor dem Hintergrund des Kampfes um unsere Mutter abgrundtief pervers vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2021 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45456

Ich kann beim stillen Lesen eher über den Grauschleier hinwegsehen als beim Vorlesen solcher Texte. Und da meine Frau und ich uns täglich gegenseitig vorlesen, um dann desto besser über den Gegenstand sprechen zu können, empfinden wir beide diese Marotten als äußerst lästig. Wir haben sogar schon manchen Text beiseite gelegt. Darum kann ich mir auch gut vorstellen, daß das Gendern den Auflagenschwund nicht gerade bremst. Mal sehen, wie es mit der Frankfurter Rundschau weitergeht, die besonders rigoros gegen ihre Leser kämpft.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.03.2021 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45455

Besonders verwirrend sind Texte, in denen die beiden Formen nicht wie in »Ärztinnen und Pfleger« direkt hintereinander stehen. Mit etwas Glück erkennt man im Laufe der Lektüre das angestrengte Bemühen des Autors, männlich und weiblich ungefähr gleich auf den Text zu verteilen. Da das aber vollkommen unsystematisch geschieht und in vielen Fällen dennoch Zweifel bleiben, ob eventuell doch eine nichtgenerische Aussage beabsichtigt war (wie im Beispiel »die Anhängerinnen Trumps« in #44823), ist diese Praxis nichts anderes als eine Rüpelei gegenüber dem Leser. Genausogut könnte der Autor in jedem dritten Satz eine unpassende Zeitform verwenden oder einfach mal ein paar falsche Artikel in den Text einstreuen (die Tisch und das Stuhl), im Vertrauen darauf, daß der Leser es sich schon zusammenreimen wird.

Wenn Zeitungsartikel, Merkblätter von Stadtverwaltungen und interne Firmenschreiben nur noch als Gelegenheiten angesehen werden, eine bestimmte Gesinnung zu demonstrieren, dann läuft etwas gewaltig schief. Die verantwortlichen Damen und Herren sollten sich fragen, welche Meinung sie eigentlich von ihren Lesern, ihren »Kunden«, haben, wenn sie ihnen bei jeder neuen dieser Gelegenheiten wieder die Zunge herausstrecken.

Eben gelesen:

Das Wort »Schmierinfektion« ging mir locker über die Lippen, und weil ich innerhalb von zwei Wochen mich wie sämtliche meiner Journalistenkollegen und Legionen von Twitter-Nutzerinnen zum kompetenten Virologen gegoogelt hatte, konnte ich auch jedem ziemlich genau erklären, warum eine Maske ziemlicher Unfug war in dieser Pandemie.

(https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-als-die-pandemie-italien-erreichte-a-b44285c6-5bfb-4954-94f7-21dd79278b8d)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2021 um 11.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45454

Ein Beitrag im Wissens-Teil der SZ vom 18.3.21 beginnt so:

Es ist genauso gekommen, wie es viele Expertinnen und Experten prognostiziert hatten. Die Mathematiker und Physikerinnen sahen in ihren Modellierungen eine sich erst langsam, dann immer schneller auftürmende Welle der Neuinfektionen. Die Epidemiologen und Virologinnen...

Später im Text wie auch in der Überschrift herrscht dann das generische Maskulinum: Experten, Modellierer.

Das ist nicht nur inkonsequent, sondern logisch widersprüchlich. Die Beidnennung widerspricht dem Gebrauch des generischen Maskulinums und des hinzuerfundenen generischen Femininums. Dagegen war die gelegentliche Beidnennung mit dem generischen Maskulinum verträglich, weil es nur die Neutralisierung des Geschlechts für den Einzelfall wiederaufhob. (Übrigens heißen die „Physikerinnen“ Viola Priesemann...)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.03.2021 um 10.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45453

DLF, 18.3.21, gegen 10.10 Uhr:

Bitte melden Sie sich über unser Hörer- und Hörerinnentelefon ...

Die Bürger- und Bürgerinnenmeister- und -meisterinnenkandidaten und -kandidatinnen gibt es fast schon.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.03.2021 um 08.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45431

Ja, die Anrede, zumal die mündliche bei physischer Anwesenheit der Angeredeten, ist ein anderer Fall. Allerdings hätte er durchaus »Liebe Mitbürger« sagen können, ohne daß sich die anwesenden Frauen ausgeschlossen gefühlt hätten (dieses Sich-angesprochen-Fühlen soll ihnen jetzt ja ausgetrieben werden), während »Meine Herren« hier nicht in Frage gekommen wäre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2021 um 03.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45427

Danke, daß Sie sich die Mühe gemacht haben! Dabei ist die Anrede nicht einmal eine wirkliche Ausnahme, weil etwa "Damen und Herren" schon lange üblich war und nichts mit dem feministischen Gendern zu tun hat.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.03.2021 um 00.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45426

Neulich habe ich nach langer Zeit mal wieder zwei Stunden am Stück vor der Glotze gesessen. Im WDR liefen »Rheingeschichten«. Ganz nett gemacht, mit historischen Aufnahmen, die ich teilweise noch nicht kannte, nicht sehr tiefschürfend, aber das muß auch nicht immer sein, vor allem nicht am Ende einer sehr anstrengenden Arbeitswoche.

Dann noch eine Folge aus der Reihe »Unser Westen«. Diesmal ging es um »besondere Plätze und Straßen«. Die Gezwungenheit, mit der hier eine Art NRW-Identität herbeigefilmt und -geredet werden soll, geht mir ein wenig auf die Nerven. Ständig wird betont, daß auch Nordrhein-Westfalen hübsche Ecken hat und daß »wir im Westen« darauf stolz sein können.

Mich interessiert aber natürlich die sprachliche Seite: Wie reden die Leute, was trägt der Sprecher vor? Und siehe da, sowohl die Off-Sprecher als auch sämtliche befragte Personen aller Altersgruppen und beiderlei Geschlechts, ob im Studio oder auf der Straße, haben NICHT gegendert. Und es handelte sich um aktuelle Produktionen. In den Sätzen, die da gesprochen wurden, wimmelte es von Besuchern, Patienten, Autofahrern, Künstlern, Kunden, Pilgern, Schülern und Studenten, Journalisten, Freunden, Dortmundern, Münsteranern, Siegenern (Siegener*innen?) – halt ganz normales, modernes Deutsch. Einzige Ausnahme: In einer historischen Aufnahme aus dem Jahr 1979 sprach ein Redner (vermutlich der damalige Oberbürgermeister) die Zuhörer auf dem Marktplatz vor dem Aachener Rathaus mit »Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!« an …

Es folgte »WDR aktuell«. Auch hier regierte das generische Maskulinum, nicht nur bei allen Normalsterblichen, die irgendwas ins Mikrofon des Reporters sagten, sondern (sogar) beim Moderator im Studio und bei den Off-Sprechern. – Und dann, nach fast zwei genderfreien Stunden, tritt Jens Spahn auf die Bühne! Man zeigt uns einen Ausschnitt aus der Bundespressekonferenz. Und was hören wir? »Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen«, »Bürger … [kurzes Stocken] … rinnen und Bürger«. Das kommt völlig unvermittelt. Es wirkt seltsam deplaziert, wie aus einer anderen Welt. Aber es steht nun mal so auf seinem Zettel, deshalb trägt er es brav vor. Dann benutzt der Moderator wieder ganz normale Wörter: Händler, Teleshopper, Fernsehmacher. Sogar der Bürgermeister von Dülmen (SPD) spricht in einem Interview von Händlern (hoffentlich hat Frau Esken das nicht gehört!).

Es ist schon merkwürdig: während Politiker und Funktionäre sich jahrzehntelang leidlich bemüht haben, ihren abgehobenen Jargon der Alltagssprache anzunähern, reißen sie jetzt, wie ferngesteuert, die alte Kluft wieder auf. Bei den wenigsten habe ich den Eindruck, daß sie es aus Überzeugung tun. Es klingt eher wie phonetisch auswendig gelernt.

Ähnlich bei den öffentlich-rechtlichen Medien. Lange Zeit bemühten sich die Redaktionen, den regierungsamtlichen Verkündigungsstil der Nachrichten (früher hielten viele Zuschauer Karl-Heinz Köpcke & Co. für Regierungssprecher!) abzulegen. Damit tat sich vor allem das ZDF hervor. Auch in den Unterhaltungssendungen zog nach und nach eine etwas normalere Sprache ein. Aber der Drang zur Erziehung ist wohl doch übermächtig. Und so kehrt man nun wieder zurück zu einer »korrekten« Sprache. Immer geht es darum, dem Publikum in überzeichnender Weise vorzuführen, wie man sich richtig verhält. Früher war es ein gepflegter Sprachstil, an dem die verehrten Hörer und Zuschauer sich ein Beispiel nehmen sollten, wobei die Grenze zwischen gepflegt und gespreizt regelmäßig überschritten wurde. Heute manifestiert sich Korrektheit wieder als Abweichung von der Normalsprache, nur wird der Erziehungsauftrag diesmal gesellschaftspolitisch überhöht.

Allerdings erkennt das Publikum, daß es sich um eine Inszenierung handelt, und hält an seinen Sprachgewohnheiten fest. Wie wohl auch die Inszenatoren. Oder glaubt irgend jemand ernsthaft, daß Frau Will und Frau Gerster, Herr Maas und Herr Hans im privaten Gespräch Sternchen verschlucken?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2021 um 12.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45425

In der SZ gendert Kurt Kister auf die „bunte“ Art: alles durcheinander. Wenn er dann mittendrin schreibt: Die 61-jährige Durchschnittswählerin der Zukunft, die in der Stadt lebt, neigt mal den Grünen zu, mal vielleicht einer Wählerinitiative ..., dann kann man auf keine Weise herausfinden, ob er dies nun generisch meint oder weiblich, was ja hier auch Sinn gäbe. Ich habe den Beitrag nicht ganz zu Ende lesen können, so schwindlig war mir.

Soviel sprachliche Unbildung bei einem Spitzenjournalisten ist nicht zu fassen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 12.03.2021 um 00.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45423

Ein ganz interessanter Fall:

Im Dezember diskutierte im ZDF Markus Lanz fast anderthalb Stunden lang mit der Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats Alena Buyx, Karl Lauterbach, Heiner Breme und Thomas Middelhoff über die Coronakrise. Keiner der Gesprächsteilnehmer hat in der ganzen Sendung auch nur ein einziges Mal gegendert! Einzig Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, der kurz zugeschaltet war, sprach von »Lehrerinnen und Lehrern« usw.

Aber ich will auf etwas anderes hinaus. Frau Buyx genderte nicht nur nicht, sie leistete sich die Ungeheuerlichkeit zu sagen, daß der Bund sich nun einmal jedesmal mit den »Ministerpräsidenten«, mit »16 Mann«, auf Maßnahmen verständigen müsse.

Dieselbe Frau Buyx hat jetzt den Kinderreportern des SPIEGEL ein Interview gegeben. Und wie lautet ihr erster Satz? »Der Deutsche Ethikrat ist eine Gruppe von Expertinnen und Experten.« Ich bin ganz sicher, daß das nicht auf ihrem Mist gewachsen ist. Entweder die Redaktion hat ihre Aussage im nachhinein (im besten Fall mit ihrer Genehmigung) »korrigiert«, oder aber sie hat sich verstellt, weil sie meinte, heute so mit Kindern reden zu müssen. (Preisfrage: Was ist schlimmer?) Jedenfalls hat im weiteren Verlauf entweder die Redaktion oder sie nicht aufgepaßt. Denn was müssen wir dort lesen? »Wenn klar ist, dass Geimpfte das Virus nicht weiterverbreiten, müsste man wohl Quarantäne-Regeln ändern. Restaurant-Besitzer (sic!) könnten sagen: Bei mir kommen nur Geimpfte rein. Es gibt aber Situationen, in denen es komplizierter wird. Ein Beispiel: In einem Dorf gibt es nur eine Buslinie, die von einer privaten Firma betrieben wird. Die dürfte nicht sagen: Ich fahre in diesem Bus nur noch geimpfte Leute. Denn die Leistung des Unternehmens ist für das ganze Dorf wichtig. Aber der Italiener (sic!) um die Ecke, der kann das machen, wenn es ganz viele andere Restaurants gibt. Beim einzigen Bäcker (sic!) im Dorf wäre es schon wieder schwierig.«

Das Ganze ist übrigens nicht nur unter dem Aspekt des Genderns interessant. Die vermeintlich kindgerechte Aufbereitung des Textes erinnert stark an den Stil der »Leichten Sprache«. Ein paar zusätzliche Bindestriche und eine Portion mehr Parataxe hier und da, gekennzeichnet durch den neckischen Doppelpunkt, macht einen Text noch nicht verständlicher. »Quarantäne-Regeln ändern«, »Leistung des Unternehmens«, »von einer privaten Firma betrieben« – das sind doch, wenn überhaupt, die Stolpersteine in so einem Text!a
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2021 um 06.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45417

Die SZ (11.3.21) macht sich Gedanken, ob man geschlechtsneutrale Pronomina (ens) für das Deutsche erfinden könnte. Auch Lann Hornscheidt wird natürlich wieder aus der Versenkung geholt. Solche Sandkastenspiele gibt es seit Jahrzehnten (Pusch); das kindische Niveau im Vergleich mit anderen Beiträgen wird anscheinend nicht bemerkt.

Wer wirklich etwas mitzuteilen hat, nimmt an diesen Spielchen nicht teil.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2021 um 17.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45411

Wenn wir uns dumm stellen, sammeln wir Texte aller Art, zählen die gegenderten Formen und stellen dann fest: Das Gendern ist in der Sprachgemeinschaft angekommen.

Es ist übrigens möglich, daß das Gendern auch wieder aufgegeben wird. Auf keinen Fall kann es so bleiben wie heute. Sprachhistoriker würden dann vor der einzigartigen Tatsache stehen, daß eine sprachliche Neuerung rückgängig gemacht wird. Das kommt nicht vor. Die althochdeutsche Lautverschiebung kann sich nicht zurückbilden, schon weil die unverschobenen Formen für den heutigen Sprecher nicht mehr "erreichbar" sind. Allenfalls in einem künstlichen Sprachexperiemnt kann ein Gelehrter den früheren Stand wiederherstellen.

Zurück zur Gegenwart! Die erste Frage, die der Chronist und besonders der Wörterbuchmacher stellen muß, ist die sprachsoziologische: Sind die Texte in meinem Korpus frei formuliert oder gebunden (an Verordnungen, Richtlinien, Style sheets...)?

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat vor Jahren (in meinem neuen Buch dokumentiert) zugeben müssen, daß die Beobachtung von Texten in der Schule sinnlos ist, weil die Schulen verpflichtet sind, die Reformschreibung zu unterrichten und Abweichungen notenrelevant als Fehler zu bewerten. Ebenso ist das Gendern in unfreien oder eben gebundenen Texten zu beurteilen. Sie sind im philologischen Sinn "korrupt" und müßten emendiert werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2021 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45407

Gestern wieder ein ausgezeichnetes Coronavirus-Update vom NDR mit Frau Ciesek. Die Journalistin genderte immer, Ciesek nie. Ähnlich läuft es mit Drosten. Dabei machen die beiden Wissenschaftsjournalistinnen ihre Sache gut, aber dies nervt. Man fragt sich ständig: Wer gibt nach? Es wirkt ja wie ein permanenter stiller Vorwurf an die beiden Virologen, eine implizite Korrektur und Zurechtweisung. Nie wird der Unterschied zwischen freien und gebundenen Sprechern deutlicher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2021 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45395

In der SZ lese ich einen Artikel über Steuerberater. Generisches Maskulinum, generisches Femininum und Doppelnennung gehen wild durcheinander. Wahrscheinlich glaubt der Verfasser, es "gerecht" zu machen, wenn er all diese Formen als gleichberechtigt behandelt und willkürlich zwischen ihnen wechselt. Er versteht zu wenig von Sprache, um den Irrtum zu erkennen. Opposition und Neutralisation sind nicht Beliebigkeit, sondern streng geregelt. Solche gemischten Texte sind nicht nur unangenehm zu lesen, sondern objektiv sprachwidrig und ohne Zukunft.

In den Schulen läuft etwas falsch, wenn aus Tausenden von Deutschstunden so wenig sprachliche Bildung hervorgeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2021 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45391

Der Deutschlandfunk gendert heftig, aber unter jedem Interview steht:

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Er merkt nicht, daß er Frauen unsichtbar macht, und sie merken es auch nicht. (Vielleicht sollte ich keine schlafenden Hunde wecken...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2021 um 04.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45390

Sie will uns erziehen, dafür bezahlen wir sie.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 07.03.2021 um 23.14 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45388

Gerade bei Anne Will: Alle fünf Gäste reden normal "... Bürger, Besucher, Mitarbeiter, Experten, Lehrer, Ärzte, Unternehmer, … tausende Menschen, Mann an Mann ..."
Nur Anne Will selbst bleibt konsequent penetrant.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2021 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45385

Männlich und weiblich sind Gegensätze, aber im Kontext kann dieser Gegensatz aufgehoben werden zugunsten des einen Pols. Dasselbe in der Synonymik überhaupt, wie unter diesem Titel dargestellt.

"Kontext" ist wichtig, denn "im Lexikon" bleibt der Gegensatz natürlich erhalten.

Eigentlich ist der Begriff der Neutralisation schon im Markiertheitsbegriff enthalten. Ärztin ist abgeleitet, aber man würde es nicht außerdem noch markiert nennen, wenn es das Prinzip der Neutralisation nicht gäbe.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 07.03.2021 um 08.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45384

...sollte man das Grundprinzip von Markiertheit und Neutralisation deutlich machen.

Markiertheit ist intuitiv verständlich, aber was bedeutet in diesem Zusammenhang Neutralisation?
Im Netz finde ich nur unverständliche Definitionen, meist im Zusammenhang mit Phonologie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2021 um 08.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45379

In überschaubaren Kreisen ist das Gendern halbwegs durchgreifend eingeübt, aber meistens wirkt es gezwungen und wird ständig durch Rückfälle ins generische Maskulinum unterbrochen oder beschränkt sich auf Standardformeln wie Schülerinnen und Schüler, Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten und läßt andere Teile des Vokabulars aus. (Die Erstnennung der femininen, markierten und meist längeren Form wird kaum noch diskutiert.) Der Zustand „gebundener“ Texte, wie ich es nenne, läßt sich nicht ohne weiteres als Beleg natürlicher Sprachentwicklung bewerten. Behörden oder Redaktionen erzwingen eine redaktionelle Überarbeitung, das ist eine politische und soziologische Tatsache, aber kein Schritt in der Sprachentwicklung. Wenn zum Beispiel die Dudenredaktion sich entscheidet, freie und gebundene Texte gleichrangig auszuwerten, geschieht das auf ihre eigene Verantwortung, ist aber sprachwissenschaftlich problematisch.

Die SZ (6.3.21) spricht mit der Duden-Chefin Kunkel-Razum über das Gendern im Duden. Auf seiten der Gender-Kritik wird ein Vertreter des rechtslastigen VDS gehört, mit passendem Hinweis auf die AfD. Gender-Kritik ist eben reaktionär, das haben nun alle verstanden.

Das generische Maskulinum bleibe erhalten, so wird versichert – aber wie kann das sein, wenn es zugleich als unzeitgemäß gebrandmarkt wird? Statt Tausende von männlichen und weiblichen Formen aufzulisten, sollte man das Grundprinzip von Markiertheit und Neutralisation deutlich machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2021 um 07.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45364

Übrigens: "Familienvater" hat bei Google 2 Mill. Einträge, "Familienmutter" nur 400.000. Die Zahlen stimmen natürlich nicht, nur die Größenordnung, und selbst da müßte man genauer hinsehen, weil "Familienmutter" wohl erst in neueren Texten häufiger vorkommt.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 02.03.2021 um 19.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45361

Unfreiwilliges Wortspiel in der ZEIT oder Absicht ?

"Houston in Texas, [..], samt teils 26-spuriger Hauptverkehrsader, die Vorstädterinnen zur ansonsten kaum bewohnten Innenstadt in die Arbeit bringt."

https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-02/einfamilienhaeuser-klimaschutz-debatte-eigenheim-gruene-stadt-land/komplettansicht
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2021 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45349

Man könnte z. B. in den USA keinen Handlungsbedarf sehen, weil Weiße und Nichtweiße "vor dem Gesetz" gleichberechtigt sind. Ich hatte schon auf das neue Buch des Republikaners und Wahlkampfmanagers Stuart Stevens hingewiesen, das auch in dieser Hinsicht lesenswert ist (voter suppression – nur ein Aspekt).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.02.2021 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45348

Auf einem unendlichen Weg erreicht man das Ende nie, aber wenn man auf dem Gipfel eines Berges steht, gehts nicht mehr höher.
Wenn alle Menschen gleiche Rechte haben, wenn vor dem Gesetz Männer und Frauen nicht mehr unterschieden werden, ist das Ende der Entwicklung erreicht.
Mit dem A und O bin ich natürlich einverstanden, aber es ist eine andere Sichtweise.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2021 um 13.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45347

Ich will das Thema hier nicht noch breiter treten. Aber etwas scheint mir doch erwähnenswert: Bis vor kurzem mußte eine Frau die Genehmigung ihres Mannes (der automatisch "Haushaltsvorstand" war) einholen, wenn sie berufstätig sein wollte. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein durfte eine Lehrerin nicht verheiratet sind und wurde entlassen, wenn sie heiratete (marriage ban auch in den USA). Usw. All das galt mal als vollkommen naturgegeben, eben mit der Biologie. Uns kommt es verrückt vor. Warum sollte heute das Ende der Entwicklung erreicht sein?

Übrigens kann man aus verschiedenen Gründen auf Nichtdiskriminierung klagen. Aber selbst wenn es anders wäre, würde ich das "ausgerechnet Frauen" nicht gelten lassen. Frauen ist das A und O oder etwa nicht?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.02.2021 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45345

"Frauen, die schwanger werden könnten ... haben eindeutig schlechtere Chancen auf eine Anstellung"

Ich fühle mich hier noch mißverstanden. Dies bestreite ich ja gar nicht, sondern ich frage, warum wir glauben, dagegen etwas tun zu müssen. Chancen, und zwar nicht nur die auf eine Anstellung, sind schließlich über die ganze Menschheit ungleich verteilt.

Wir sehen keinen Anlaß einzugreifen, obwohl Häßliche, Behinderte, Ausländer usw. schlechtere Chancen bei Einstellungen, Wohnungssuche, Partnersuche ... haben (trotz moralischer Appelle sind diese Gruppen de facto alle in irgendeiner Weise benachteiligt).
Weshalb finden wir es dann so wichtig, ausgerechnet die Benachteiligung von Frauen bei Einstellungen zu beseitigen? Sie ist genausowenig absolut abschaffbar wie die anderen Benachteiligungen anderer Gruppen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.02.2021 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45344

Frauen, die schwanger werden könnten oder nur eingeschränkt einsetzbar sind, weil sie Kinder haben, haben eindeutig schlechtere Chancen auf eine Anstellung. Daß in den Stellenangeboten „m/w/d“ stehen muß, ist eine kosmetische Vorschrift, die den Staat nichts kostet und keiner Bewerberin nützt. Nützlich sind Kinderkrippen und -tagesstätten. Der Chef eines Kleinbetriebes stellt trotzdem lieber einen Mann ein, weil er sich Ausfälle nicht leisten kann und weiß, wie oft Kinder krank werden und die Mutter brauchen. Daran haben auch alle staatlichen Bemühungen, die Väter familiär stärker einzubinden (Elternzeit etc.), nicht viel geändert.

Feministen unterstellen als Grund gern männliche Obstinanz, es gibt aber auch weibliche Gründe wie eine geringere Risikobereitschaft, wenn es beispielsweise um eine ärztliche Niederlassung geht. Die meisten Ärztinnen wünschen sich eher eine Anstellung, oder eine eigene Praxis sollte zumindest nahebei in der Stadt mit dem Fahrrad erreichbar sein. Letzteres ist natürlich nicht statistisch belegt, sondern nur eine private Beobachtung, aber es würde mich wundern, wenn sie tröge.

Gewiß muß der Staat der Benachteiligung von Frauen energisch entgegenwirken. Er darf dabei aber nicht so weit gehen, weibliche Wünsche und Vorlieben zu vernachlässigen. Mädchen, die sich für MINT-Fächer einfach nicht begeistern können, sollen ihre eigene Wahl treffen – ohne sich von der Behauptung unter Druck gesetzt zu sehen, es gebe keinen Geschlechterunterschied. Sie unterstellt ja nicht nur männlichen Chauvinismus, sondern auch weibliches Versagen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.02.2021 um 22.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45343

Vielleicht meinen wir wirklich dasselbe, aber ich nenne die Wirtschaft nicht familienfeindlich. Kein Wirtschaftsmagnat hat jemals verfügt, daß Männer nur arbeiten und daß nur Frauen Kinder kriegen sollen. Im Gegenteil, die Wirtschaft hat sich ausgesprochen familienfreundlich mit diesen Grundgegebenheiten arrangiert.

Frauen müssen sich mit den biologischen Gegebenheiten abfinden? Woher wissen wir, daß nicht noch mehr Frauen darin sogar ein Privileg sehen? Müssen sich Männer nicht auch damit abfinden, nur Arbeitstier zu sein, keine Kinder gebären und mit ihrem Körper nähren zu können?

Die Sicht, daß Männer angeblich alles können und nur Frauen irgendwie benachteiligt sind, finde ich einseitig. Männern und Frauen wurden von der Natur verschiedene Rollen im Leben zugewiesen. Trotzdem steht es jedem Mann und jeder Frau frei, sich darüber mit allen Kräften hinwegzusetzen. Wir haben alle das gleiche Recht für alles, nur eben nicht die gleichen natürlichen Möglichkeiten.

Mit unterschiedlichen Fähigkeiten sind auch verschiedene Männer begabt, und die Natur hat auch Frauen nicht alle gleich ausgestattet. Man muß diese „Ungerechtigkeit“ der Schöpfung, die sich Individualität nennt und die niemand wollte und niemand verschuldet hat, nicht genau an der Geschlechtergrenze festmachen.

Mit gleichen Rechten für alle tun wir alles, was wir vernünftigerweise tun können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2021 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45342

Wenn man zurückblickt, ist schon alles mögliche auf die "natürlichen biologischen Unterschiede" geschoben worden. Gesellschaftliche Verhältnisse sind aber nicht biologisch und haben sich schon in einem Maß geändert, das man vor 150 Jahren nicht für möglich gehalten hätte.
Übrigens habe ich ja dasselbe wie Sie gemeint, als ich die Wirtschaft "strukturell familienfeindlich" nannte. Ich bin nur nicht bereit, das hinzunehmen. Frauen sind heute ebenso qualifiziert wie Männer – wozu, wenn sie sich dann mit den "natürlichen biologischen Unterschieden" abfinden müssen?
Es ist schon viel geschehen, aber auch noch viel möglich.

Wie Sie wissen, bin ich alles andere als ein Feminist, aber ich war immer ein Befürworter der Emanzipation und zugleich ein "Familienmensch", der sich ein Leben ohne Kinder nicht vorstellen möchte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.02.2021 um 16.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45341

"inoffizielle Zurücksetzung ... daß Frauen nur befristete Stellen bekommen, weil man befürchtet, sie könnten schwanger werden"

So gehen eigentlich die üblichen Begründungen der Verfechter von Quotenregeln. Aber sind denn solche Befürchtungen nicht richtig?

Ist es für Arbeitgeber etwa kein Problem, daß eine Frau plötzlich für ein Jahr oder länger ausfallen könnte? Wieso nennt man das dann Zurücksetzung? Das ist m. E. Teil der objektiven biologischen Unterschiede.

Es gibt tausend Dinge, die man als ebenso "diskriminierend" anprangern könnte. Zum Beispiel das Aussehen. Kann man es einem Modedesigner verübeln, wenn er zur Präsentation seiner Ware nur schlanke junge Frauen oder kantige junge Männer einstellt?

Wegen einer Behinderung darf auch niemand diskriminiert werden. Aber ist es nicht verständlich und im Grunde selbstverständlich, daß das Fernsehen als Nachrichtensprecher niemanden mit einem Sprachfehler einsetzt?

Und so weiter. All diese Dinge überläßt man ganz einfach dem Wettbewerb. Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen. Frau Merkel war keine Karriere auf dem Laufsteg vergönnt, dafür gehört sie zu den respektiertesten Politikern der Welt. Niemandem fällt das Wort Diskriminierung ein, solange dieser allgemeine Wettbewerb nicht über Geschlechtergrenzen geht. Aber dann wird es plötzlich heikel, müssen Quoten und Sondergesetze her. Warum?

Es sind nun mal nicht alle Menschen gleich, auch nicht innerhalb des gleichen Geschlechts. Was nötig ist, sind gleiche Rechte für alle, sonst nichts.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.02.2021 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45339

https://virchblog.wordpress.com/2020/07/18/quotennote/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2021 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45337

Das stimmt formal. Wie ich aber aus jahrzehntelanger eigener Erfahrung weiß, gibt es eine inoffizielle Zurücksetzung der Frauen, die zum Beispiel darin besteht, daß Frauen nur befristete Stellen bekommen, weil man befürchtet, sie könnten schwanger werden.

Das gilt nicht nur für die freie Wirtschaft, die man mit Recht "strukturell familienfeindlich" nennt, sondern auch für staatliche Stellen. Überall wird der frei bewegliche Mann bevorzugt.

Kinder muß es geben, aber im Berufsleben stören sie, das ist das Kernproblem der "Vereinbarkeit von Familie und Beruf".

Es gibt keine einfache Lösung. Der Staat muß die Nachteile ausgleichen, die einem Betrieb durch die Einstellung von Frauen (Müttern) entstehen, nicht durch Quoten, sondern durch Geld. (Kinderlose zahlen zu wenig Steuern – das ist keine Frage der "Bestrafung", sondern es geht um Familienlastenausgleich; der ist ins Stocken geraten.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.02.2021 um 22.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45336

Ich bin der Ansicht, Frauen sind bei uns bereits voll gleichberechtigt. Bei allen weiteren Bestrebungen, mittels Quoten oder anderen Maßnahmen die sogenannte Lage der Frauen weiter zu verbessern, geht es in Wirklichkeit nicht um Gleichberechtigung, für die wir natürlich alle sind, sondern um Nötigung und Gleichmacherei unter Mißachtung unterschiedlicher Interessen sowie körperlicher, psychischer und biologisch-sexueller Unterschiede von Männern und Frauen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2021 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45334

Das Ende wird, wie üblich, so aussehen:

Das Gendern hat zwar die Lage der Frauen nicht nachweisbar verbessert, aber es hat das Bewußtsein für ein Problem geweckt und war deshalb verdienstvoll. (Die Opfer, die es gekostet hat, verschwinden unter dem Mantel der Geschichte...)

So macht man es ja auch mit der Rechtschreibreform. Zehetmair pflegte in seiner gemütvollen Art zu sagen, die Reform sei zwar nicht nötig gewesen, habe aber dazu geführt, daß sich die Menschen wieder mehr Gedanken über die Sprache machten. Und das ist ja was Schönes. So hat jeder Skandal seine wohltätigen Seiten.

Nicht so schön für uns: Wir haben uns eigentlich umsonst abgestrampelt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.02.2021 um 22.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45332

Ja, das ist sehr gut geschrieben. Deswegen glaube ich auch nicht an die Zukunft der Genderei. Es ist eine vorübergehende Modeerscheinung.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.02.2021 um 19.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45331

Ich empfehle die Lektüre dieses – nicht von einem alten weißen Mann verfaßten – Artikels: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article227000843/Sprache-Gendern-das-erinnert-mich-inzwischen-an-einen-Fleischwolf.html
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.02.2021 um 23.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45326

Köstlich!
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 23.02.2021 um 20.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45325

Das scheint zunächst erstaunlich, denn bei 2000 Euro/Sekunde Kosten zur besten Werbezeit würde dieser Tugendschlenker ja mit ca. 1500 bis 2000 Euro zu Buche schlagen. Jedes einzelne Mal.

Das ist es ihnen wirklich wert?

Aber dann kommt die Lösung (https://www.ard-werbung.de/tvtarife/?tab=1): Der sog. OTC-Pflichthinweis ist kostenfrei und wird nicht auf die Werbezeit angerechnet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.02.2021 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45324

Einmal mußte es ja kommen, heute habe ich es zum ersten Mal gesehen und gehört
(ZDF, kurz vor halb acht, Werbung für ein Mittel gegen Erkältungen):

bildlich eingeblendeter Text:
Zu Risiken oder Nebenwirkungen
lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie
Ihre(n) Arzt/Ärztin oder Apotheker/Apothekerin.

dazu gesprochener Text:
... und fragen Sie
Ihre Ärzt innen oder Apotheker innen.

Bemerkenswert ist der Unterschied im Numerus. Im Singular klappt das eben nicht.
Danach gab es noch mehrmals Medikamentenwerbung in der bisherigen Form (Ihren Arzt oder Apotheker).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.02.2021 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45310

Wenn überhaupt, dann gehört inzwischen eher Mut dazu, nicht zu gendern, jedenfalls wenn man Redakteur bei einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ist oder in einer Behörde, einem Verband oder einer Hochschule arbeitet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2021 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45309

Die FR findet, zum Gendern gehöre „Mut“, und den behauptet sie zu haben. Das kann man nicht bestreiten, wenn man die sinkende Auflage betrachtet.
https://www.fr.de/politik/der-schwangere-patient-90037253.html

Die Frankfurter Rundschau war schon immer in einem bestimmten "Milieu" zu Hause, und das ist allmählich immer kleiner geworden. Nach meinem Eindruck verdeckt das Volkserzieherische inzwischen die Reste von politischer Richtung. In der Gleichgültigkeit gegenüber den Leserwünschen gleicht man sich dem zwangsfinanzierten Rundfunk an, als wenn auch den Zeitungsabonnenten die Möglichkeit der Abstimmung mit den Füßen fehlte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.02.2021 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45293

Ja, natürlich. Hier die Nr. des Mitarbeitenden für alle zum Nachhören: 0621 2932253.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.02.2021 um 09.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45290

Wundervoll, vielen Dank, Herr Riemer! Ich hab es mir gleich heute früh angehört. (Habe mich natürlich nicht zu einem Mitarbeitenden durchstellen lassen.) Ich darf Ihre Beobachtung hoffentlich weitergeben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2021 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45289

Um das Problem zu entschärfen, verfolgen Wissenschaftlerinnen und Entwickler drei Strategien.. (SZ 18.2.21)

Es geht um Windräder und deren gegenseitige Störung in Windparks. Ich weiß ganz genau, daß auch Wissenschaftler daran arbeiten. Mein alter Rechtschreibkumpel Carsten Ahrens hat mir vor 20 Jahren am Juister Strand genau erklärt, was es mit Windrädern und Turbulenzen auf sich hat. Inzwischen sind wir beide Ruheständler:innen.

(LaiInnen fragen sich ja oft, warum die Räder nur drei Flügel haben und sich so langsam drehen und nicht dichter stehen...)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.02.2021 um 22.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45288

Telefon-Hotline des Gesundheitsamtes Mannheim:

Wenn Sie zu einem Mitarbeitenden durchgestellt werden möchten, wählen Sie die 9.

Ich wollte eigentlich lieber zu einer Mitarbeitenden durchgestellt werden und habe daraufhin spontan die 10 gewählt. Da war ich wieder draußen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2021 um 06.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45270

In der pädagogischen Subkultur geht Schülerinnenundschüler flott von den Lippen. Das ist ein leicht automatisierbares Pluraletantum.

Wie es in der Schülersprache selbst zugeht, ist noch gar nicht untersucht worden. Arschloch ist ja Neutrum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2021 um 06.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45269

Max Planck Forschende - so nennen sie sich zwar nicht selbst, aber so werden sie von der Pressestelle genannt, die alle Texte entsprechend redigiert. Alle Forschungsinstitutionen werden von einer Handvoll Leuten in Pressestelle und Gleichstellungsbüro beherrscht, und dagegen ist kein Appell möglich.

Die Folgen werden als Sprachwandel vorgezeigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2021 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45260

Wenn die Frankfurter Rundschau jemanden interviewt, trimmt sie dessen Antworten ebenso (und ebenso unsystematisch) aufs Gendern wie die eigenen Texte, z. B. hier:
https://www.fr.de/wirtschaft/rente-doppelbesteuerung-altersvorsorge-olaf-scholz-finanzministerium-absprache-heinrich-braun-klaus-schindler-90198804.html
Das Durcheinander und die Bevormundung sind ein Graus, der hoffentlich Folgen für die Auflage hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2021 um 08.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45258

Wie viele Menschen das Gendern billigen, ist objektiv kaum feststellbar. Manche finden es grundsätzlich gut, würden aber einen konsequent gegenderten Text nicht gern lesen. Viele halten einen Text für gegendert, obwohl er es in Wirklichkeit nicht ist. Gestern wieder im DLF: "Senatorinnen und Senatoren" (x-mal wiederholt), aber dann "Republikaner". Das ist der Normalfall, wie ja auch bei der Frankfurter Rundschau schon beobachtet.
Die Rücksichtslosigkeit, mit der das Gendern auch gegen den Wunsch der Leser und Hörer durchgesetzt wird, fällt noch stärker auf als bei der Rechtschreibreform. Die folgsamen Zeitungen vertrauen wohl darauf, daß auch diesmal nicht viele Abonnenten allein deswegen kündigen, aber unterschwellig dürfte es den Verdruß an Druckmedien verstärken. Bei der Rechtschreibreform war ihnen der Schulterschluß sehr wichtig: es sollte keine Ausweichmöglichkeiten geben. Das hat geklappt. Das Gendern ist noch im Versuchsstadium, aber manche wie die taz und jetzt die FR machen den gleichen Fehler wie damals die WOCHE: ganz vorne mitzuspielen. Die sexbesessenen Texte wirken aber nicht fortschrittlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2021 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45239

Die Esa sucht neue Astronauten – Diversität von „größter Wichtigkeit“
Zum ersten Mal seit elf Jahren sucht die Europäische Weltraumagentur Esa neue Astronauten, der Bewerbungsstart ist am 31. März.
Diversität sei dabei von großer Wichtigkeit, weshalb ausdrücklich Frauen aufgerufen werden sich zu bewerben.
Auch für Menschen mit Behinderungen soll ein neues Projekt gestartet werden.
Sämtliche Gruppen unserer Gesellschaft sollen abgebildet werden, versicherte David Parker, ESA-Direktor für Astronautische und Robotische Exploration.
(8.2.21)

Wirklich? Warum nicht alte Menschen, Dialysepatienten usw.? Muslime? Diskriminierung allerorten.
Dabei ist auf der Erde genug zu tun. So sind in Kitas und Grundschulen noch längst nicht genug Männer beschäftigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2021 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45238

Pressesprechende gibt es schon:

Clara Mayer ist eine 18 Jährige deutsche Klimaaktivistin und eine der Pressesprechenden von Fridays for Future. (https://www.itb-kongress.de/de/Programm/Personendetail.jsp?personId=633460)

Daß sie außerdem noch jährig ist, überrascht nicht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.02.2021 um 20.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45237

Noch zu Herrn Wrase:

Nicht ohne Grund gibt es in der freien Normalsprache zwar »Trinker«, aber keine »Ertrinker«. Trinker können auch mal nicht trinken, Ertrinkende sind aber immer nur mit dem Ertrinken beschäftigt.

Eines nicht allzu fernen Tages werden uns die Sprecher*innen eines Ministers oder einer Ministerin oder einer nichtbinären Ministerialpersönlichkeit als »Sprechende« begegnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2021 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45233

Zu wenig werden die Demokratinnen und Demokraten präsentieren können, um 17 republikanische Senatoren, die es für eine Mehrheit braucht, auf ihre Seite zu zwingen. (...) Die Demokraten im Repräsentantenhaus hatten das Verfahren eingeleitet, als Trump noch Präsident war. Ihre Anklage bezieht sich außerdem auf Handlungen während seiner Amtszeit. Es gibt durchaus Streit unter Juristinnen, ob die Verhandlung verfassungsrechtlich gedeckt ist (...) Eine Gruppe von Demokratinnen im Kongress, die das Amtsenthebungsverfahren managt, reagierte daher am Montag abweisend auf Trumps Stellungnahme. (...) Und laut einer aktuellen Umfrage von Politico sind zwar 54 Prozent der befragten Bürger der Meinung, Trump solle des Amtes enthoben werden, unter republikanischen Wählerinnen sagen das aber nur 19 Prozent. Das wird die Republikaner nicht unbedingt zu einer mutigeren Entscheidung motivieren. (...) Wenn in vier Jahren der nächste Präsident oder die nächste Präsidentin gewählt wird (...) (ZEIT 9.2.21, Rieke Havertz )

(Dieses Kauderwelsch hat keine Zukunft. Übrigens: „die nächste Präsidentin“?)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.02.2021 um 06.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45224

Gerade lese ich: Auf der A2 bei Bielefeld verbrachten Fahrer und Mitfahrende die ganze Nacht auf der Straße und mussten bei klirrender Kälte zum Teil zwölf Stunden lang in ihren Autos ausharren.

Nanu, warum nicht Fahrende und Mitfahrende? Dafür scheint es einen nachvollziehbaren Grund zu geben. Fahrende klingt nämlich mehr als Fahrer so, als ob sie gerade fahren, aber das tun sie in dem Fall ja nicht. Hingegen stellt man sich Mitfahrer immer als passive Geschöpfe vor, auch dann, wenn man sie Mitfahrende nennt, also ist diese Umbenennung eher möglich. Ergo Fahrer und Mitfahrende. Sehr feinfühlig, diese Schreibenden von Spiegel Online.
 
 

Kommentar von A.B., verfaßt am 08.02.2021 um 21.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45221

Könnte sich nicht einfach jemand das Gender-Binnen-* als Gebrauchsmuster schützen lassen? (Am besten den assoziierten Glottisschlag gleich hinzu.)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 08.02.2021 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45220

Die Werbung hat das *innen als Gütesiegel entdeckt. Die Firma Scoyo verbindet das Versprechen mühelosen Lernens mit der Anmutung fachlich zeitgemäßer Gesinnung.

https://www.youtube.com/watch?v=jHsIRLa34WM
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2021 um 09.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45219

Aus einem Beitrag der Frankfurter:innen Rundschau:

Donald Trumps Lügen kosten Steuerzahlende Millionen
Ein besonders teurer Punkt, der auf die Steuerzahler zurückfällt: Der Sturm auf das Kapitol. (...) hat nicht nur Millionen Amerikaner:innen getäuscht (...)
(...) Nein, es sorgt auch für immense Kosten, die am Ende des Tages an den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern in den USA hängen bleiben. (...) Interviews mit Staatsbeamten geführt (...) Gewaltdrohungen von Trump-Unterstützenden (...) Die Demokraten könnten im Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump, das am Dienstag (09.02.2021) beginnt, die immensen verursachten Kosten anbringen - denn sie werden von Steuerzahler:innen getragen. (...) Strafverfolger (...) Extremisten

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2021 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45218

Wenn im durchgegenderten (und sehr unangenehm zu lesenden) Magazin Max Planck Forschung plötzlich steht Wissenschaftler können solche Hüllen bereits in großer Menge herstellen, dann muß man annehmen, daß Wissenschaftlerinnen es nicht können.

Zu den penetranten Forschenden sollte der Duden vermerken, daß es ein Pluraletantum ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2021 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45214

Wenn meine derzeitige Abonnementszeitung sich nach dem Vorbild der Frankfurter Rundschau entschließen sollte, das Gendern zur Regel zu machen, werde ich kündigen, das steht fest. Da wir einander gern vorlesen, bemerken wir das bisher inkonsequente Gendern besonders deutlich. Ich merke auch, wie ich in bangem Warten auf den nächsten Zwischenfall vom Inhalt abgelenkt werde.

In den letzen Monaten haben wir die Tagesschau aus dem Archiv gesehen, vor allem wegen der USA, anschließend einiges aus dem US-Fernsehen. Inzwischen haben wir es wieder aufgegeben zugunsten des Vorlesens gescheiter Bücher. Die ohnehin dürftige Tagesschau wird durch das Gendern unerträglich. Ich weiß, daß die Abstimmung mit den Füßen wegen der Zwangsfinanzierung ohne Wirkung bleibt, das muß ich leider in Kauf nehmen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.02.2021 um 22.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45213

Das Gendern soll ja Medizin gegen angeblich krankmachende Substanzen sein: bittere Tropfen gegen böse Wörter, die durch ihre Einnistung im Unterbewußtsein der Menschen ein System von Unterdrückung und Benachteiligung verfestigen. Daß einige Therapeuten versuchen, die Tropfen irgendwie zu versüßen, um den Patienten die Einnahme zu erleichtern, mag anerkennenswert sein, weil es zeigt, daß sie deren Befindlichkeit immerhin nicht ganz aus dem Auge verloren haben. Wenn aber die Substanzen nicht nur harmlos, sondern nützlich sind und die Ursachen der Krankheit ganz woanders liegen, sollte man die übel schmeckenden Tropfen schleunigst absetzen. Auch sollte man sich die Symptome noch einmal genauer ansehen. Nicht jedes Phänomen ist ein Krankheitssymptom, und die Symptome, die tatsächlich auf eine Krankheit hindeuten, verlangen ganz andere Therapien.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.02.2021 um 19.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45211

Leichen seien geschlechtsneutral.

Ach ja? Aber auch nur, weil die Leiche grammatisch weiblich ist. Bei grammatisch männlichen Personenbezeichnungen kommt unweigerlich ein -in dran. Die Ausnahme Mensch zählt nicht, außerdem ist sie eh bald keine mehr.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.02.2021 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45210

Also statt Bäcker soll man gemäß diesen Schreibenden jetzt Backende sagen, und natürlich im Plural.

Na schönen Dank auch. Dann geh ich jetzt mal zu den Backenden Brötchen holen.

Backe, backe Kuchen, die Backenden haben gerufen, ...

Fuchs, du hast die Gans gestohlen, ...
sonst werden dich die Jagenden holen, ...

Oder die bösen Wörter vermeiden. Geh ich eben in die Backfactory.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2021 um 18.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45209

Danke für die Hinweise! Natürlich muß es so etwas geben.

Vermeidungssprache ist ebenso unfrei wie gegenderte, nur bemerkt man es schwerer, wie Sie ja auch sagen. Erst die Statistik deckt es auf.

Ich habe auch schon mal alle ß vermieden, wenn eine Zeitung sie nach Heyse in ss umwandeln würde, also vor allem kein "daß". Niemand merkt es, aber es ist natürlich keine Lösung für jemanden, der Klartext reden will.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 07.02.2021 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45208

Es scheint bereits einige gegenderte Romane zu geben, allerdings wohl keinen mit Gender-Sonderzeichen. Hier beschreibt ein Autor, wie er das generische Maskulinum unverkrampft zu vermeiden sucht:

https://www.tor-online.de/feature/buch/2020/08/romane-gendergerecht-schreiben/

Selbstverständlich kann man das so machen, und die Texte müssen nicht schlechter sein als solche ohne die Einschränkungen. Das Formulieren wird ja auch beim Gedichteschreiben durch Versmaß, Reime etc. gegängelt. Ein gelungenes Gedicht unterscheidet sich aber in einem entscheidenden Punkt von einem gelungenen Gendertext dieser Art: es bietet mit seiner Form einen besonderen Reiz. Der Gendertext ist dagegen unauffällig. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Der Autor muß schon über seine Verdienste reden, um sie ins Licht zu rücken. Das ist sympathischer als die Selbstbeweihräucherung mit Gendersternen, aber wo bleibt die Sichtbarmachung der Frau?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 07.02.2021 um 13.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45207

Ja, es gibt ein Gegenbeispiel: Ein Schriftsteller, der in seinen Romanen gendert.
In hr-info wurde er am 6.3.2020 (Weltfrauentag) mit einer eigenen Sendung bedacht.
Die Journalistin interviewt ihn sehr wohlwollend aber durchaus mit kritischem Hinterfragen. Sein "Erweckungserlebnis" war ein Luise-Pusch-Buch, auf das er in einer Büchertelefonzelle gestoßen ist.
Und natürlich käut der die Mythen von Pusch wieder. Mit konstruierten und selektierten Beispielen. Die ganze Inkonsequenz und Absurdität wird bei ihm deutlich.
Denn die Umständlichkeit kommt durchaus zur Sprache und er räumt ein, die ganze Sache irgendwie "in Balance halten" zu wollen (sprich: eben doch nicht konsequent zu sein).
Letztlich bleibt der Wille "Aufmerksamkeit zu erzeugen" (für die Frauen). Zumindest ihm mit seinen Romanen ist am Weltfrauentag die Aufmerksamkeit sicher. Ob danach immer noch? Ich glaube eher nicht. Den Namen habe ich vergessen.
Der Link auf den Podcast funktioniert leider nicht mehr:
https://www.hr-inforadio.de/podcast/kulturlust/gendern-ohne-sternchen–wie-literarische-sprache-frauen-einbeziehen-kann,podcast-episode-65886.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2021 um 10.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45206

Manche halten ja das Gendern für einen Sprachwandel, dem man sich vernünftigerweise nicht entziehen kann.

„Für den Leser ist in dreißig Jahren ein Roman, in dem kein Binnen-I vorkommt, wahrscheinlich völlig kurios. Die werden denken: Haben das nur Männer geschrieben?“, glaubt der Typographie-Professor Victor Malsy. (FAS 7.2.21)

Anscheinend hat er nicht bemerkt, daß gerade Romane nicht gegendert werden. Auch Helmut Berschin hat das kürzlich festgestellt.

(Gibt es Gegenbeispiele?)

Wenn es in dreißig Jahren noch Zeitungen gibt, werden sie wahrscheinlich nicht gendern. (Man wird dann sagen: Das Gendern war zwar ein Irrweg, es hat aber die Menschen für die Probleme sensibilisiert und dadurch viel Gutes bewirkt...)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.02.2021 um 13.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45203

Ich fürchte, sowas schätzen nur Liebhaber. Seit ich weiß, daß Herr Bellut seine Praktikanten hier mitlesen läßt, habe ich immerhin die Hoffnung, daß die Bosheit den einen oder anderen Adressaten trifft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2021 um 06.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45199

Das ist großartig! Können Sie es nicht einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 05.02.2021 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45197

Die Frau war unsichtbar im Nirgendwo verloren,
grammatisch eingekerkert in geheimnisvollen Tiefen.
Wenn wir nach Bürgern, Bäckern, Baggerführern riefen,
kam sie ja bestenfalles mitgemeint zu Ohren.

Der Sprache gab das Maskulinum hart die Sporen,
saß hoch zu Roß in Dokumenten, Büchern, Briefen,
tat ungerührt, als ob die Opfer selig schliefen,
und tat es obendrein generisch unverfroren.

Doch davon gilt es nunmehr Abstand zu gewinnen.
Es droht die Faust im Venuszeichen auf den Zinnen!
Wir sind gefordert, unsere Männerwelt zu ändern.

So wollen wir nun kühn das ernste Werk beginnen
Als Dichtende mit Unterstrich und Binnen*Innen.
Nicht ganz bei Sinnen? Ausgezeichnet. Auf zum Gendern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2021 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45191

Das SZ-Magazin erfreut seine lieben Leser*innen mit einem ausdrücklich gegenderten Teil, in dem homosexuelle und andere Schauspielende „mehr Sichtbarkeit“ fordern. Es ist wie bei den Feministinnen: Durchaus nicht alle legen Wert darauf, daß ihr Geschlecht ununterbrochen hervorgehoben wird; aber zu Wort kommen logischerweise die anderen. Die sexuellen Vorlieben von Schauspielern interessieren doch nur in der Promi-Klatschpresse.
Übrigens wirkt es ein wenig komisch, daß das Magazin sich eine Pionierrolle zuschreibt, wo doch das Thema und die feministische Sprachregelung seit vielen Jahren allgegenwärtig sind. Wie schätzen die Verfassenden (Carolin Emcke und Lara Fritzsche) eigentlich die Leser*innen ein? (Die beiden bekunden am Ende, wie „beglückend“ es für sie war, die Interviews zu führen. Das ist bezeichnend für diesen Betroffenheitsjournalismus.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2021 um 11.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45166

Das Bundesverfassungsgericht hat eine Klage auf tatsächliche Geschlechterparität im Bundestag abgewiesen. Das ist zwar noch keine Entscheidung in der Sache selbst, aber das Gericht hat schon mal festgestellt, daß der Bundestag kein verkleinertes Abbild der Gesellschaft sein müsse.

Es ist abzusehen, daß ein entsprechendes Gesetz die Freiheit der Wähler einschränken würde. Selbst diese "Bastion" könnte aber angesichts der Macht guter Gesinnung geschleift werden. Nicht die Freiheit, sondern die Geschlechtergerechtigkeit ist der höchste Wert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2021 um 04.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45155

Wir sehen seit einiger Zeit die Tagesschau bei Youtube, werden es aber bald wieder aufgeben. Zur allgemeinen Öde, der entsetzlichen Kameraführung usw. kommt das immer konsequentere Gendern. Meine Frau verdreht die Augen, wenn zum drittenmal die "Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten" erwähnt werden.

Hochgradige Künstlichkeit der öffentlich-rechtlichen Welt. Man tritt im Geiste einen Schritt zurück und fragt sich: Worauf habe ich mich da eingelassen?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 02.02.2021 um 00.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45153

Noch zu #45120: Ob Frau Razum-Kunkel wirklich nicht weiß, daß man seit undenklichen Zeiten beim Eintritt einer Lehrerin sagen würde: »Die Lehrerin kommt zur Tür herein«? Man mag es sich nicht vorstellen.

Hier wie so oft werden unbedarft oder absichtsvoll grundverschiedene Kategorien durcheinandergewirbelt. Ich empfahl neulich einem Freund (ein Mann, sonst hätte ich »einer Freundin« geschrieben): »Du solltest mal wieder zum Augenarzt gehen.« Weder wußte ich noch war es relevant, ob sein Augenarzt ein Mann oder eine Frau ist. Als er mir dann drei Wochen später von dem Termin berichtete, sprach er von seiner »Augenärztin«, und ich machte es daraufhin selbstverständlich genauso. Zwar tat eigentlich das Geschlecht immer noch nicht viel zur Sache, aber jetzt wurde eine konkrete Situation geschildert, und dem folgten eben auch der Sprachgebrauch und das Sprachverständnis. Hätte ein Mann den Termin als Vertretung wahrgenommen, hätte der Freund mir erzählt, was »der Augenarzt« gesagt hat, und es wäre sofort klar gewesen, daß er nicht, wie ich im ersten Gespräch, das generische Maskulinum verwendet, sondern von einer bestimmten männlichen Person redet.

Dieser Wechsel wird von Sprechern und Hörern völlig automatisch und problemlos vollzogen. Und genau das ist den Sprachfummlern ein Dorn im Auge. Deshalb versuchen sie, den Leuten einzureden, mit »Zuschauer« u. ä. würden nur Männer angesprochen. Der Plan ist einfach: Wenn man das Publikum nur lange und penetrant genug mit »Zuschauerinnen und Zuschauer« bestreicht, glauben sie irgendwann tatsächlich, daß »Zuschauer« Männer seien. Der Plan wird aber nicht aufgehen, und zwar schon deshalb, weil die kommunikativen Vorzüge der generischen Form viel stärker sind als irgendwelche ideologiegetriebenen Kopfgeburten.

Man kann sehr wohl sprachlich sensibel mit Menschen umgehen, die in irgendeiner Weise benachteiligt oder besonders verletzlich sind, ohne auf die Holzhammermethoden der Ideologen zurückzugreifen. Allerdings ist das etwas anstrengender, weil man genauer hinsehen und sich um einen guten Ausdruck bemühen muß. Wer sich bei fast jeder Äußerung das Gros der Anzusprechenden als wehrlose Opfer einer allgegenwärtigen Diskriminierung vorstellt, die man nur dadurch schützen könne, daß man sie aus den Kommunikationsgepflogenheiten der übergroßen Mehrheit ausgrenzt, und dann diese sprachliche Quarantäne zur Pflicht für alle machen will, damit auch ja nichts mehr schiefgehen kann, macht es sich zu leicht. Diese intellektuelle Bequemlichkeit, um nicht zu sagen Einfalt, kontrastiert auffallend mit dem hohen moralischen Anspruch.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.02.2021 um 12.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45149

Heute habe ich gelernt, daß Freiberufler im Gendersprech »Freiberufliche« heißen. Ein großer gesellschaftlicher Fortschritt! Da will auch das katholische Online-Magazin »Kirche + Leben« nicht nachstehen. Auch dort wird in einem Artikel über die durch Corona arg gebeutelten Kirchenmusiker von »Freiberuflichen« gesprochen. Außerdem begegnet uns zweimal die Paarformel »Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker« und einmal »Musikerinnen und Musiker«. Ansonsten aber herrscht das generische Maskulinum:

Künstler (1 x)
Kirchenmusiker (6 x)
Organist (3 x)
Musiker (1 x)

Zum Glück ist die Sache bei den Priestern eindeutig, so daß man sich hier bis auf weiteres sprachlicher Eingriffe enthalten kann.

(https://www.kirche-und-leben.de/artikel/keine-gottesdienste-wegen-corona-was-machen-die-kirchenmusiker/print.html)
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 01.02.2021 um 11.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45148

"Autorinnen und Autorinnen" ist offenbar nichts besonderes, bei Google ergeben sich sage und schreibe 41.800 Treffer.

Gleich der zweite davon ist dieses Dokument auf verdi.de:
https://vs.verdi.de/++file++5edb55eaca29009227bc5340/download/Krisenhilfe%20fu%CC%88r%20Autorinnen%20und%20Autoren%20in%20Deutschland_NetzwerkAutorenrechte.pdf
Dieses 8-seitige PDF zeigt eindrucksvoll das zwangsläufige Chaos, das die Gerechtschreibung verursacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2021 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45147

Zum Faszinosum von Sammelbänden gehört, dass man auf interessante Beiträge oder fesselnde Autorinnen und Autorinnen stoßen kann. (SZ 1.2.21)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2021 um 07.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45129

Auf der Grundlage seiner Forschungen entwickelte er ein Textproduktionsmodell, das er auf einer längeren Reise durch die USA und Kanada im Austausch mit dortigen Kollegen verfeinern konnte. (https://de.wikipedia.org/wiki/Gisbert_Keseling)

Muß man das erwähnen? Übrigens ist nichts leichter als Textproduktionsmodelle entwickeln.

Ich habe seinerzeit in ein Seminar des frisch nach Marburg berufenen Keseling hineingeschnuppert, bin aber gleich weggeblieben, weil es da zeitgemäß und Marburg-spezifisch formlos emanzipatorisch zuging, geraucht wurde usw.; auch war die generative Grammatik gerade bekanntgeworden, und man dilettierte eifrig darin herum. Behauptungen über das Deutsche standen unwidersprochen im Raum, die jedes Erstsemester hätte widerlegen können. Es ging drunter und drüber. So wie jetzt das Gendern im Wikipedia-Eintrag.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 29.01.2021 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45126

Ich muß dabei immer an den Opa denken, der mit einem Fußtritt in den Allerwertesten die Kellertreppe hinunterbefördert und dann gehässig gefragt wird: »Aber Opa, warum hast’es denn so eilig?«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2021 um 17.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45125

In beiden Fällen bezeichnen die Veranstalter und deren Helfer ihre Eingriffe als "Sprachwandel", und gegen den kann man doch nichts einwenden – oder?

Verwandt ist der Trick, das Geplante als das Übliche zu bezeichnen.

Sprachwandel, der durch Ministererlasse und Redaktionsbeschlüsse ausgelöst wird, ist nicht das, was der Sprachhistoriker sich darunter vorstellt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 29.01.2021 um 17.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45124

Vor allem haben damals die Gegner der Reform überwiegend sachlich und unbequem fundiert argumentiert, während die Gegenseite trotz Beweislast über allgemeines Gerechtigkeitsgeplänkel und wirklichkeitsferne Prognosen meist nicht hinauskam. Darin sehe ich, bei allen Unterschieden, eine Parallele zur heutigen Genderdebatte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2021 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45122

Bei dieser Gelegenheit sagt Frau Kunkel-Razum (Duden) auch:

Aber ich mache jetzt das dritte oder vierte Mal in meinem Berufsleben die Erfahrung, dass Sprachthemen zu einer derartig aufgeladenen Auseinandersetzung führen. 1997 habe ich in der Duden-Redaktion angefangen und auch die damalige Auseinandersetzung um die Rechtschreibreform ist in dieser Schärfe geführt worden, nur eben mit anderen Mitteln. Das war auch ohne soziale Medien schon eine extrem hässliche und emotionale Auseinandersetzung.

Damals haben wir sie zwar nicht wahrgenommen, aber es ist interessant zu hören, wie die Dudenredaktion die Einführung der Rechtschreibreform erlebt hat und daß sie uns so gehaßt hat. Dabei haben die Reformer und nicht wir den Duden ruiniert, und er hat sich davon nie wieder erholt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2021 um 09.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45120

Im ZEIT-Interview sagt die Duden-Chefredakteurin:

Wenn wir sagen "der Lehrer kommt zur Tür rein", sehen wir keine Frau vor uns. Wir sehen eine männliche Person, die reinkommt.

Man sieht, wie die Irreführung funktioniert. Um solche Fälle ging es ja nie. Beim Kunstturnen der Frauen hat noch niemand auf eine Sportlerin am Reck gezeigt: "Sieh mal den Turner am Reck!"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2021 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45115

In Leitfäden zum "geschlechtergerechten" Sprachgebrauch (schon die Bezeichnung ist eine Unverschämtheit) fehlt selten die Aufforderung an den Nutzer, selbst "kreativ" zu werden und sich eine elegante Lösung einfallen zu lassen (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38291).

Ausgeschlossen ist nur die nächstliegende und eleganteste.

Das generische Maskulinum ist nur ein Teil des in vielen Sprachen genutzten Ordnungsprinzips der "inklusiven Opposition", also des Zusammenspiels von Markierung und Neutralisierung. Eine ingeniöse Gruppenleistung, die man bewundern und nicht abschaffen sollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2021 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45114

Das Online-Portal heilpraxisnet.de gendert besonders rigoros, schreibt aber auch:

Insgesamt umfasste das COVID-19-Register zum Zeitpunkt der Analyse 7.102 Patientinnen und Patienten. Von diesen waren 172 aktive und 910 ehemalige Raucher.

Können Patientinnen Raucher sein? Wahrscheinlich hat der Verfasser gespürt, daß es um eine reine Funktionsbezeichnung geht, die ein nochmaliges Gendern unpassend macht. Im übrigen gehören die Texte dieses Magazins aber zu den unangenehmsten überhaupt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2021 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45112

Die Fußgänger haben den Sprachverbesserern und Sprachverbessererinnen auch schon Kopfzerbrechen beschert. Besonders Straßenschilder sollen ja knapp und schnell lesbar sein.

Und ist es nicht speziesistisch, anderen Tieren die Anerkennung des weiblichen Geschlechts zu verweigern? Bären sind Sohlengänger? Gibt es denn keine Bärinnen, also Sohlengängerinnen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.01.2021 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45105

Die Dudenredaktion versucht die Existenz und das Funktionieren des generischen Maskulinums zu leugnen, wird aber durch die Sprachwirklichkeit ständig widerlegt, vor allem wenn man freie Texte untersucht, d. h. solche, die nicht von Amts wegen oder nach Beschluß von Herausgebern (Beispiel FR) usw. zum Gendern verpflichtet sind. Auch wenn manche Journalisten es immer wieder mal versuchen, bleibt die Tageszeitung eine Apotheose des generischen Maskulinums.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 23.01.2021 um 09.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45087

Ich warte nur noch auf die Menschin. Oder ist die etwa auch schon irgendwo aufgetaucht?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 23.01.2021 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45086

Im NDR war gestern ein Bericht über Falschgeld zu hören. An bestimmten Scheinen, so der Sprecher, würden sich die Fälscherinnen und Fälscher besonders abarbeiten. Trotz des ernsthaften Tones hatte ich den Eindruck einer gewissen Ironie. Vielleicht wars aber auch nur ein besonders eifriger Pudel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2021 um 04.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45079

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45074

Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1217#34236

Das Ministerium hat sich von engagierten und ideologisch gefestigten Laiinnen beraten lassen. Steuergeld wird nicht immer sachgemäß ausgegeben.

Nicht alle Komposita sind durch Bindestrich aufgelöst:
Leitfaden, Lautsprecher, Teilnehmer, Teilnehmerin, Fremdwort, Unterlage, Durchführen, Unterstützer, Anmeldung, Überschrift...
Das ist angesichts von Kaffee-Tasse schwer zu verstehen.
Auch wird eine Groteskschrift empfohlen, weil Serifen als „Schnörkel“ gelten – das ist so pauschal nicht gerechtfertigt.
Die Fehler der Erstfassung von 2014 sind nicht korrigiert: Essen gehen.

Wie überall in der Literatur zur "Leichten Sprache" wird das Prüfverfahren ganz oberflächlich behandelt. Ein irgendwie behinderter Testleser wird wie einst der "native speaker" eingeführt, als sei er das Heilige Offizium, gegen dessen Urteil kein wissenschaftlicher Appell zählt – als ob es tatsächlich verbesserte Lesbarkeit garantiere.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.01.2021 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45077

Was ist eigentlich aus dem guten alten Ichsachma geworden? Es fehlt mir. Kein Mensch sagt mehr ichsachma, dabei wurde lange Jahre jeder zweite Satz so eingeleitet. Kann man, statt zu gendern, nicht lieber wieder ichsachma sagen?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.01.2021 um 22.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45074

In einem Leitfaden informiert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales darüber, worauf man bei der Abfassung von Texten in Leichter Sprache achten sollte (https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a752-ratgeber-leichte-sprache.pdf;jsessionid=5C90D5B315F061FCC8CACB26A058EC6F.delivery1-replication?__blob=publicationFile&v=1). Die empfohlenen Eingriffe in die normalen Schreibgewohnheiten können gar nicht drastisch genug sein, um den Angehörigen der – leider nur sehr schwammig definierten – Zielgruppe die Lektüre zu erleichtern:

Da werden Allerweltswörter durch Bindestriche gegliedert, weil man offenbar meint, ein Wort sei grundsätzlich leichter zu lesen und zu verstehen, wenn seine Struktur im Schriftbild kenntlich gemacht wird. (Worauf diese Annahme basiert und ob sie stimmt, steht allerdings dahin. Ich bezweifle zum Beispiel, daß »etwas heraus-finden« von vornherein leichter verständlich ist als »etwas herausfinden«. Oder welchen Vorzug soll die Schreibung »Stell-Vertreter« haben? Werden Texte durch solche Sonderschreibungen nicht oft sogar noch schwerer, weil sie den Leser zu unnötig belastenden, aber letztlich fruchtlosen etymologischen Überlegungen und Spekulationen nötigen?)

Da wird der Genitiv für tabu erklärt.

Da wird vom Gebrauch von Redewendungen und Sprachbildern abgeraten.

Da werden kurze Sätze angemahnt.

Da wird vor komplizierten Konstruktionen gewarnt.

Aber an einem darf nie und unter keinen Umständen gerüttelt werden: dem Gendern! Damit wirft man umstandslos alles über den Haufen, was man vorher in mühevoller Kleinarbeit aufgebaut hat. Da setzt sich jemand hin und bemüht sich nach Kräften, all die gutgemeinten Tips zu beherzigen und einen Text so einfach wie möglich zu formulieren, und wenn er fertig ist, muß er noch einmal Zeile für Zeile mit der Gendersetzmaschine über den ganzen Acker walzen!

Das ist so grotesk, daß man darüber lachen könnte. Aber ich finde es gar nicht lustig, sondern fast schon kriminell. Was denken sich Leute, die so etwas aushecken?! Es ist doch Realsatire, wenn man erst die Regel aufstellt: »Benutzen Sie kurze Wörter. – Schlecht: Omnibus. Gut: Bus« (Quelle: besagter Leitfaden), dann aber überall »Politiker und Politikerinnen« usw. schreibt. Das ist so, als würde man aus einer Stofftasche mit fadenscheinigem Boden nach und nach behutsam schwere Einkäufe herausnehmen, damit die Tasche nicht reißt, und dann urplötzlich die frisch erworbenen 5-Kilo-Hanteln hineinwerfen, weil die noch viel dringender als alle anderen Einkäufe nach Hause transportiert werden müssen.

Menschen mit Leseschwäche oder Lernschwierigkeiten dürfen nicht hoffen, in puncto Gendern schonender behandelt zu werden als der Rest der Menschheit. Das Anliegen ist von so überragender Bedeutung, daß alles andere zurückzustehen hat.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.01.2021 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45073

»Leichte« Sprache à la BMI:

Spitzen-Sportlerinnen und Spitzen-Sportler sind Menschen,
die den Sport als Beruf haben.


Spitzen-Sportlerinnen und Spitzen-Sportler
sind ein Vorbild für andere Menschen.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2021 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45065

Frankfurter Rundschau vom 19.1.21:

Seine teils wirren Aussagen lassen die Reporter:innen verblüfft zurück. (...) Die Pressevertreter:innen fragen, was Christopher Miller von dem Programm halte.

Aber auch:

Joe Biden, gewählter US-Präsident, bekommt seit der Wahl Anfang November mehrheitlich positive Noten von den Amerikanern. Und stets: Demokraten, Republikaner.

Das Korrekturprogramm (oder seine Entsprechung im vergatterten Kopf des Redakteurs) ändert nur die zufällig dafür vorgesehenen Wörter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2021 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45062

Heute fiel mir im Deutschlandfunk ein besonders heftiges Gendern auf. Ob das Zufall war – oder ist eine Anweisung von oben ergangen? Die Interviewten und Interviewtinnen genderten allerdings nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2021 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45060

Das Streiflicht der SZ macht sich über „herrenlos“ lustige Sorgen, z. B. über herrenlose Damenhandtaschen. „Damenlos“ wäre aber nicht die weibliche Entsprechung.
Man könnte noch erwähnen, daß es „herrinnenlos“ durchaus gibt, aber nach meinen Recherchen nur auf Femdom-Pornoseiten. Interessante Asymmetrie.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 18.01.2021 um 23.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45053

Doppelt hält besser im DLF ("Deutschland heute", Sendung vom 18.01.21):

".. nicht alle Seniorinnen und Seniorinnen sind so fit darin .."

https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2021/01/18/impf_chaos_in_niedersachsen_keine_benachrichtigungen_fuer_dlf_20210118_1411_62ca439c.mp3

(ab 0:24)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.01.2021 um 10.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45042

Informationstafel der Stadt Mannheim:

Liebe Besucherinnen und Besucher!

Hier leben Feldhamsterinnen und Feldhamster!
[...]

Die Stadt Mannheim und das Land Baden Württemberg haben Verträge mit Landwirtinnen und Landwirten geschlossen. Sie bewirtschaften Flächen feldhamsterfreundlich, indem sie z. B. Luzerne anbauen, die den Feldhamsterinnen und Feldhamstern Nahrung und Sichtschutz vor Fressfeindinnen und Fressfeinden bietet. [...]

Die Hilfe der Landwirtinnen und Landwirte ist sehr wichtig für den Schutz der Feldhamsterin und des Feldhamsters, denn nur in einer geeigneten Umgebung können die Tiere selbstständig überleben.

Na gut, ich gebe zu, ich habe leicht gemogelt, im Original sind nur Besucherinnen und Landwirtinnen enthalten, Feldhamsterin[nen] und Fressfeindinnen habe ich ergänzt.

Mit dem Tierschutz und der geschlechtergerechten Tierbenennung hapert es noch ein wenig. Aber das wird in absehbarer Zeit auch noch werden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.01.2021 um 19.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45029

mdrAKTUELL berichtete gerade über den 20. Jahrestag der Wikipedia-Gründung. Fast alle Beitragsschreiber seien Männer. Und dann:

„Nur jede zehnte Autorin ist eine Frau.“
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 13.01.2021 um 11.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45020

Daß selbst Genderprimus Gysi nur halb soviele umständlich gegenderte Ausdrücke benutzt wie generisch maskuline, zeigt, daß er mit ersteren nur Gesinnungssignale senden will. Er könnte stattdessen auch eine Mütze aufsetzen, deren Bommel in regelmäßigen Abständen lila blinkt. Das Gendersternchen im Schriftbild ist ja nichts anderes.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 13.01.2021 um 00.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45017

Korrekterweise eher "Heldinnen beziehungsweise Helden". Ginge halt zu Lasten der Sendezeit.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.01.2021 um 22.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45015

Tagesthemen im Ersten, 12.1.21, 22.40 Uhr, Caren Miosga:

"Zu Beginn der Pandemie haben wir die Pflegerinnen und Pfleger ununterbrochen Helden genannt, ..."

Nicht Heldinnen und Helden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2021 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45009

So ist es: Sie wollen es, aber sie können es nicht.

Wenn sich immer weniger Menschen für diese Art von "Geschlechtergerechtigkeit" erwärmen, ist es Zeit für den Staat, sie verbindlich einzuführen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bemüht sich schon redlich, auch wenn die Tagesschau dadurch noch öder wird. Es braucht ja niemand zu gucken, die Gebühren kommen auch so herein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.01.2021 um 02.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45008

Das wären also bei Gysi in diesem Interview nach meiner Zählung (die Kleingärtner lasse ich mal als Genderei gelten)
6 gegenderte Ausdrücke und 12mal generisches Maskulinum
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.01.2021 um 01.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45007

Ich wollte Ihnen beiden, lieber Herr Schardt und lieber Herr Metz, eigentlich zustimmen, denn auch mir ist Gysi schon als eifriger Genderer aufgefallen.

Aber dann habe ich mir doch mal das von Herrn Schardt empfohlene, auch sonst ganz unterhaltsame Interview von Gregor Gysi mit Franz Müntefering angesehen bzw. angehört.
Münte ("Meine Eltern waren Zentrumswähler") gendert nie, es sei denn, ich habe es einmal überhört.

Bei Gysi dagegen hört sich das ganz anders an.
Nach dem markanten, von Herrn Schardt gerade zitierten und von mir für kokett gehaltenen Satz bringt er noch in Gendersprache je einmal "Genossinnen und Genossen" sowie "Facharbeiterinnen und Facharbeiter" und:
"Was glauben Sie, wieviel Kleingärtner und Kleingärtner in meinem Wahlkreis leben?"
(Ich habe mir die Stelle zweimal angehört: "Kleingärtner und Kleingärtner"!)

Aber sonst im dem immerhin fast zweistündigen Gespräch?
Das Sprichwort von den dümmsten Bauern mit den größten Kartoffeln tastet er nicht an.
Außerdem:
Amerikaner und Briten,
Fotografen,
Facharbeiter,
Unternehmer,
zitiert sich selbst: "Als Bundesminister kann man zurücktreten, aber nicht, ohne ein Wort zu sagen, als Parteivorsitzender",
Rechtsanwälte,
Spitzenverdiener,
Unternehmer,
Despoten.
Alles generisch gemeint.

Für die Vollständigkeit der Liste möchte ich mich nicht verbürgen, aber sie zeigt immerhin, daß auch Gysi, selbst wenn er wirklich wollte, das generische Maskulinum nicht abschaffen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2021 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45006

Für Geschlechtergerechtigkeit ist kein Preis zu hoch. Es gibt absolute Werte, die nicht verhandelbar sind. So sind ja auch schon Max-Planck-Institute oder ganze Industrieviertel nicht gebaut worden, weil etwa eine Gelbbauchunke just dort ihren Wohnsitz hatte.

(Habe ich jetzt Frauen mit Lurchen und Lurchinnen verglichen?)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.01.2021 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45004

(Ich hatte den Beitrag von Herrn Schardt noch nicht gesehen. Das »eher« bezieht sich noch auf die Vermutung von Herrn Riemer.)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.01.2021 um 16.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45003

Ich glaube eher, daß Gysi das Gendern derart intensiv eingeübt hat (warum, das ist eine andere Frage), daß er die sperrigen Wortgebilde mechanisch runterleiert. Im Bundestag hat er im Laufe der Jahre viel von seiner Redezeit dafür geopfert. In seinen Äußerungen wimmelt es nur so von »Sozialhilfeempfängerinnen und Sozialhilfeempfängern«, von »Britinnen und Briten«, von »Demonstrierenden«. Dabei scheut er auch keine Häufung bleierner Konstruktionen in ein und demselben Satz. Aus einem Interview von 2011: »Doch weder die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch die Rentnerinnen und Rentner noch die Sozialleistungsbeziehenden tragen eine Schuld an der Krise.« (https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2011/37153215_kw52_gysi-207274) Die Zahl solcher Beispiele ist Legion. Das wirkt nicht wie Koketterie auf mich.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 11.01.2021 um 15.42 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45002

Nein, Gysi kokettiert nicht. Hier kann man sich überzeugen: https://youtu.be/VVPeL0UWL_U?t=255
Gysi fällt mir schon seit langem als einer der konsequentesten Durchzieher der Doppelnennung auf. Den Vorwurf der Übertreibung würde er sicher zurückweisen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.01.2021 um 13.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45001

Dieser Satz von Gysi kommt mir so vor, als ob er die Genderei absichtlich auf die Spitze treibt, um einen Witz draus zu machen.

Aber andererseits gendert er auch sonst viel und will sich sicherlich nicht über das Gendern im allgemeinen lustig machen. Er kokettiert nur ein bißchen mit dieser Übertreibung.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 10.01.2021 um 22.59 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44995

Zu Gysi: Er ist auf jeden Fall konsequent, ohne Rücksicht auf Verluste, Zeitverluste. Sein Satz...

Dieses schwierige Verhältnis zwischen Rheinländerinnen und Rheinländern auf der einen Seite und Westfalinnen und Westfalen auf der anderen Seite – kannst du uns Berlinerinnen und Berlinern das irgendwie erklären?

...ist fast doppelt so lang wie der bedeutungsgleiche Satz:

Dieses schwierige Verhältnis zwischen Rheinländern und Westfalen – kannst du uns Berlinern das irgendwie erklären?

Und er ist ein schönes Beispiel für die Entwertung des Wörtchens "und". Viermal kommt es vor, aber nur einmal davon hat es Bedeutung, nämlich als Verbindung eines Gegensatzpaares (Rheinländer vs. Westfalen). Die übrigen drei und sind "Signalrauschen", wertlos und störend.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.01.2021 um 21.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44994

Peter Eisenberg kritisiert in der FAZ die Dudenredaktion für ihre Versuche, die Tatsachen ins Gegenteil zu verkehren, und erklärt und verteidigt nochmals das quicklebendige generische Maskulinum. Eine Leserin will seinen Standpunkt nicht gelten lassen, schließlich sei er schon seit vielen Jahren emeritiert und kenne daher die aktuelle Studienlage nicht. Das Muster ist bekannt: Polen klauen wie die Raben, Frauen können nicht autofahren, und alte weiße Männer reden nur Unsinn. (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-duden-und-der-unsinn-der-gegenderten-sprache-17135087.html)

Gregor Gysi im Gespräch mit Franz Müntefering: »Dieses schwierige Verhältnis zwischen Rheinländerinnen und Rheinländern auf der einen Seite und Westfalinnen (sic!) und Westfalen auf der anderen Seite – kannst du uns Berlinerinnen und Berlinern das irgendwie erklären?«

In einem Fernsehkrimi sagt eine Frau, die sich zu Unrecht verdächtigt fühlt, beschwörend zur Kommissarin: »Ich bin kein Verbrecher!« Sie hätte auch sagen können: »Ich bin keine Verbrecherin.« Beide Sätze sind grammatisch korrekt, der erste drückt aber besser aus, was sie sagen will, nämlich daß sie zu Unrecht verdächtigt wird, nicht daß sie als Frau zu Unrecht verdächtigt wird.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 10.01.2021 um 15.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44992

Die ZEIT-Journalistin, die sonst überaus eifrig gendert, kann auch ganz normal schreiben (Anhänger, Randalierer, Mitbürger, Bürger, Senatoren). Oder sie glaubt, daß es tatsächlich nur um Männer geht, auch wenn die dazugehörige Bilderstrecke recht viele Frauen zeigt.

https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-01/sturm-auf-us-kapitol-donald-trump-demokratie-usa?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 10.01.2021 um 14.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44991

Man argumentiert anders:

Die generische Verwendung des Maskulinums werde auf duden.de auch nicht abgestritten, sie sei aber „nicht Bestandteil der lexikografischen Kategorie Bedeutung“.

https://rp-online.de/kultur/der-online-duden-wird-gegendert_aid-55572005

Genau umgekehrt sieht es Thomas Becker:

The so-called “generic masculine” nouns in German are personal nouns that appear to be ambiguous having one reading that refers to male persons only and another that refers to both sexes. […] The present article relates this much-discussed topic to the findings of L. Horn (1984), which point to a description of that assumed ambiguity as a case of “autohyponymy” triggered by a conversational implicature. Under that analysis the politically incorrect generic reading, which is supposed to be charmed away, turns out to be the unique lexical meaning of those nouns, the other reading being an implicature.

https://buske.de/zum-generischen-maskulinum-bedeutung-und-gebrauch-der-nicht-movierten-personenbezeichnungen-im-deutschen.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2021 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44986

Was immer die Dudenredaktion plant, die ja nur noch ein Schatten ihrer selbst ist: sie scheint wie bei der Rechtschreibreform mit dem Taschenspielertrick arbeiten zu wollen, das Verordnete für das Übliche zu erklären. Demnach wird heute gegendert, das generische Maskulinum ist obsolet.

Damit verhebt sie sich an einem Sachverhalt, der denn doch mehr Gewicht hat als die Rechtschreibung.

Ich sehe eine Ausgabe der Süddeutschen Zeitung durch. Es wimmelt von Abgeordneten, Republikanern, Franzosen, Medizinern, Kandidaten, Beobachtern usw., weit und breit kein Gendern. Die Frankfurter Rundschau pflegt ihre leserfeindliche Marotte, aber wird sie nicht durchhalten.

Den jetzigen Eigentümern des Duden ist es wahrscheinlich egal, ob dieses Produkt noch Gewinn bringt, sie haben andere Pferde im Stall.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2021 um 08.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44968

Die Frankfurter Rundschau will mir „das optimale Nutzererlebnis bieten“. Aber mit dem Gendern geht das nicht. In den Überschriften herrscht das generische Maskulinum, im Text wird dann gegendert:

Ärzte unterschlagen systematisch Interessenkonflikte - Eine groß angelegte Recherche von Buzzfeed News zeigt, dass zehntausende Mediziner:innen von der Pharma-Industrie gefördert werden ohne es transparent zu machen. Ärztinnen und Ärzte werden häufig in der Forschung von Pharma-Konzernen gefördert.

Corona-Leugner bleiben allerdings maskulin, sie haben es nicht anders verdient.

„Trump und seine Unterstützer sollten endlich die Entscheidung der amerikanischen Wähler*Innen akzeptieren und aufhören, die Demokratie mit Füßen zu treten“, schrieb Maas am Mittwochabend im Onlinedienst Twitter. (Agenturen 7.1.21)

In den Überschriften werden daraus Anhänger. Das generische Maskulinum funktioniert also. Das zeigen auch die Unterstützer, die Maas übersehen hat.

Die Verknappung des Raums wirkt ähnlich wie andere Ernstfälle. Das umständliche, sprachwidrige Gendern stört in jedem Fall die Wirkung auf den Leser.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2021 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44941

Im Deutschlandfunk spricht ein Theologe über das AT und erwähnt "Menschen, die männlich konnotiert sind". Das sind vermutlich Männer (pfui!).

Er spricht auch von der "Menschwerdung des Wortes Gottes". Ich verstehe, daß er an die Logos-Metaphysik des Johannes-Evangeliums anknüpfen möchte, um ja nichts falsch zu machen, aber kann man es verstehen? Die Kirchen grübeln seit Jahrzehnten darüber nach, wie sie ihre Botschaft in einer zeitgemäßen Sprache rüberbringen können, und wie erwähnt, war ich vor vielen Jahren mal in entsprechenden Kreisen unterwegs, aber wie ich sehe, hat sich seither nicht geändert. Mit der Werdung wird das nichts. Es bleibt kryptisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2021 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44939

Am Anfang ihrer Neujahrsansprache gendert die Bundeskanzlerin ein bißchen, dann gibt sie es auf. Der Text ist schriftlich fixiert, aber wahrscheinlich merkt jeder Redner, daß das Gendern gerade bei eindringlichen Reden bürokratisch lähmend wirkt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.01.2021 um 21.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44938

»Kinder aus armen Familien seien die besonderen Verliererinnen und Verlierer dieser Krise.«

(https://www.spiegel.de/politik/deutschland/politiker-nachwuchs-von-diesen-politikerinnen-unter-30-werden-sie-2021-noch-hoeren-a-5d9f80a8-b955-42b1-b4cd-9e84b38d8d50)

Bei »Kinder« dachte ich noch an Mädchen und Jungen, aber unter »Verlierer« hätte ich mir nur Jungen vorgestellt, deshalb bin ich dankbar für die klärende Ergänzung.

Würde man übrigens nicht eher von den größten Verlierer[innen und Verlierer]n sprechen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2020 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44905

Während Schüler und Schülerinnen besonders im pädagogischen Milieu flott von den Lippen geht, verteilt sich das Gendern sonst sehr ungleich auf die deutschen Substantive.

Einzelhändlerinnen und Einzelhändler ist vergleichsweise selten und nur in bürokratischen Texten aus der Stadtverwaltung usw. zu finden, zum Beispiel hier: file:///C:/Users/User/AppData/Local/Temp/corona-initiative-bruehl-digital.pdf, wo aber alsbald das generische Maskulinum wiederkehrt. Noch viel seltener ist Einzelhändler und Einzelhändlerinnen. Einzelhändlerinnen wird von Google sogar unterringelt, als sei es ein Schreibfehler. Es ist kaum vorstellbar, daß jemand gesprächsweise sagt: „Aus unserer Innenstadt verschwinden immer mehr Einzelhändler und Einzelhändlerinnen.“ Es ist und bleibt Krampf.

Bundespräsident Steinmeier wurde erwähnt. Vielleicht kann jemand seine Weihnachtsansprache hören und auf das Gendern achten. Ich kann es nicht wegen der Nebenwirkungen (Narkolepsie).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.12.2020 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44900

Im Interview mit dem SZ-Magazin vertritt Luise F. Pusch die gleichen Ansichten wie vor 50 Jahren: "Die Grammatik gerade im Deutschen ist ein System struktureller Gewalt gegen Frauen." Usw.
Zusätzlich gibt sie Einblick in ihr Leben als Lesbierin, den autobiografischen Roman, ihre späteren Liebesbeziehungen usw. - alles nicht neu, aber in dieser Zusammenstellung relativiert es doch ihr krassen Thesen. Die meisten Frauen haben eben doch einen anderen Lebenshintergrund und daher auch andere Ansichten. Da Pusch mehrmals ihren Psychoanalytiker erwähnt, müßte sie zustimmen.
Es gibt ja ähnliche Fälle, und letzten Endes sind es diese wenigen Personen, die einen enormen Einfluß auf die deutsche Sprache ausgeübt haben. Ich denke auch an die beiden Frauen, die Deutschland auf der Weltfrauenkonferenz in Peking vertraten.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.12.2020 um 22.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44897

»Es ist eine schwere Zeit, gerade für die Kultur, für unsere Kulturschaffenden, für alle Musikerinnen und die Mitarbeiter an den Häusern.«
(Bundespräsident Steinmeier, Videobotschaft anläßlich des Festkonzerts zum 250. Tauftag von Ludwig van Beethoven)

Wegen der abgrenzenden Herausstellung der beiden Glieder (alle A und die B) ist diese Konstruktion eigentlich noch schlimmer als »Ärztinnen und Pfleger«. Hier hat sich der Sprecher noch lauter auf etwas festgelegt, was er gar nicht meint. Eigentlich tragisch, zumal wenn man bedenkt, daß die gewählte Formulierung nichts Positives zu bewirken imstande ist, sondern bloß einen Text ohne Not schlechter macht, als er sein könnte.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.12.2020 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44890

Kurz noch zu meiner letzte Notiz: Die Anmaßung der Oberlehrer macht mich fassungslos. Wie kann man hergehen und eine alberne Mode, einen biedersinnigen Zeitgeist, das eigene opportunistische Geschwätz über alles stellen, was viel Größere hervorgebracht haben?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 21.12.2020 um 10.15 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44889

Nach der Zeit und der Frankfurter Rundschau reiht sich ja auch Spiegel Online in die Riege der Spracherzieher ein. So wurde dann auch jüngst Jürgen Klopp "Welttrainer*in des Jahres".
Umso überraschender ist man, wenn man dann hier https://www.spiegel.de/politik/deutschland/annalena-baerbock-ja-ich-traue-auch-mir-das-kanzleramt-zu-a-b2307386-aa63-4273-9f27-ef92745bed88 plötzlich folgendes liest:
"...Baerbock hält sich ...für kanzlertauglich. »Ja, ich traue auch mir das Kanzleramt zu«, sagte Baerbock... Im anstehenden Bundestagswahlkampf wollen die Grünen erstmals einen Kanzlerkandidaten aufstellen. Baerbock ...: »Für alle ..gilt: Niemand ist als Kanzler vom Himmel gefallen. Alle müssten im Amt dazulernen.«
Nanu? Wie kommt es zu dieser "Entgleisung" (sowohl von Baerbock als auch des Redakteurs)?
Einzige Erklärung: Die Vorstellung "Baerbock im Kanzleramt" hat beide so elektrisiert (wahlweise als Verzückung oder Entsetzen), daß sie die Kontrolle verloren und einfach redeten und schrieben, wie ihnen der Schnabel gewachsen war.
Auf jeden Fall ein interessantes Fund- und Beweisstück.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.12.2020 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44888

Einwohner der Schweizer Gemeinde Kilchberg am Zürichsee leiden seit Januar im Bereich des Holzbirrliweges und der Nidelbadstraße unter einem unerträglichen Geräusch, einem tief grummelnden, erdbebenhaften Rollen und Knirschen. Die Folgen sind Konzentrations- und Schlafstörungen, Kopfschmerzen, einzelne Häuser zeigen bereits Risse im Mauerwerk. Als Ursache vermuten die Kilchberger den Umstand, daß die Hansestadt Lübeck sich im Januar zum Gendern entschlossen hat, weshalb Thomas Mann nun in seinem Grabe rotiere.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2020 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44886

Ich kann mir vorstellen, wie Redaktionskonferenzen ablaufen, in denen so etwas beschlossen wird. Man kennt es ja aus anderen Gremien. Der Trick, der alles vorab entscheidet, ist die Wortwahl: "geschlechtergerecht". Indem man undiskutiert unterstellt, der Eingriff in die deutsche Grammatik sei "geschlechtergerecht", oder dies mit scheinplausiblen Hinweisen auf die "Macht der Sprache" begründet, erzeugt man auch gegen die eigene Überzeugung eine Zwangslage: Wer könnte gegen Geschlechtergerechtigkeit sein? Und so nehmen die Dinge ihren Lauf. Es gibt auch jene besondere Feigheit in Gruppen, man könnte auch milder sagen: Resignation. So erfüllt sich die These von der Macht der Sprache selbst.
Manche freilich schwelgen masochistisch in der Selbsterziehung durch sprachliche Zwangsmaßnahmen, stellen die Bekämpfung ihres alten Adams lustvoll zur Schau. Es sind durchweg nicht die größten Leuchten, aber nun marschieren sie an der Spitze des Fortschritts.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.12.2020 um 21.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44885

In einem FR-Artikel war kürzlich die Rede von zwei »Unterstützer:innen« Trumps, die irgendeinen Quatsch gefordert hätten (Militär einsetzen oder so was). Die beiden wurden auch namentlich genannt, sie trugen – bürgerlich gesprochen – Frauennamen. Ich dachte zunächst an ein Versehen und fragte mich, ob es schon Programme gibt, die normal geschriebene Texte auf Knopfdruck durchgendern, also eine Art Genderprüfung, analog zur Rechtschreibprüfung. Dann fand ich aber, daß die Doppelpunktschreibung recht besehen nur konsequent ist und auch dann zum Einsatz kommen muß, wenn nach traditionellem Verständnis nur Frauen oder nur Männer bezeichnet werden sollen. Denn wer weiß schon – Name hin oder her –, welche »Geschlechtsidentität« die Betroffenen (momentan) für sich als gegeben ansehen. Zwei Sätze weiter dann aber plötzlich: »die beiden Unterstützerinnen«. Nanu?

Man muß der Gendergemeinde wohl noch ein bißchen Zeit geben. Daß Feministen und Transaktivisten in fast entgegengesetzte Richtungen marschieren, wird oft übersehen. Ich kenne wohlmeinende Zeitgenossen, die das Gendersternchen (selbst das gesprochene) »im Prinzip gut« finden und gleichzeitig für die Doppelformen (»Expertinnen und Experten«) trommeln. Sie scheinen nicht zu wissen, daß die beiden Positionen nicht zusammenpassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2020 um 18.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44884

Die Frankfurter Rundschau hat kürzlich ihren Lesern eine Form des Genderns mit Doppelpunkt vorgeschlagen und dann entschieden, es tatsächlich so zu machen. Aus den Texten geht nicht hervor, daß die Leser das so gewollt haben, wahrscheinlich ist es nicht. "Es muß alles demokratisch aussehen", fällt mir dazu ein. Aber es bleibt Bevormundung, Erziehung erwachsener Menschen großenteils gegen ihren Willen, die zweite konformistische Unterwerfung nach der Rechtschreibreform.

Hier sind die beiden Texte:

https://www.fr.de/politik/wie-gendern-sprache-editorial-frankfurter-rundschau-90037079.html

https://www.fr.de/meinung/liebe-leserinnen-und-leser-90072151.html

Die FR schreibt also:

Berater:innen des Präsidenten, darunter auch Donald Trumps persönlicher Anwalt Rudy Giuliani, gegen den Plan wehrten, Powell zur Sonderberaterin zu machen.

Der amtierende US-Präsident will zur Unterstützung der beiden republikanischen Senatskandidat:innen eine Wahlkampfveranstaltung in Georgia abhalten.

Ebenso Anhänger:innen, Wähler:innen usw.

Ob das die Auflage rettet?
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 19.12.2020 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44875

Die ZEIT ist wieder besonders eifrig ...

"Die Naturschützer*innen und -schützer hatten sich gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Frankfurt (Oder) gewandt, das zuvor die Fällung der Bäume genehmigt hatte."

https://www.zeit.de/mobilitaet/2020-12/gigafactory-gruenheide-brandenburg-tesla-us-elektro-auto-rodung-urteil

Eine kurze Suche ergibt, daß alle mögliche Publikationen diese dpa-Meldung übernommen haben, aber nur die ZEIT diese Verrenkung unternimmt. Selbst ZDF und Deutschlandfunk berichten nur über Naturschützer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2020 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44864

Ein Münchner Geigenbogenbauer verwendet nur Schweifhaare von Hengsten aus der Inneren Mongolei. Sexistisch? Nein, Stuten verderben das Haar durch Pieseln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2020 um 09.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44862

Schüler gendern natürlich nicht. Das ändert sich, wenn sie zu Schülersprechern gewählt werden und mit den erwachsenen Funktionären verhandeln. Dann werden sie selbst welche und ihre Sprache unfrei. Es ist betrüblich zu beobachten. Man mißbraucht die Gutwilligkeit junger Menschen, wenn man ihnen die scheinplausiblen Voraussetzungen der feministischen (und sonstigen) Sprachregelung kritiklos vermittelt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2020 um 03.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44856

In dem erwähnten Magazin "KlarText" (https://klartext-preis.de/meldungen/die-beste-wahl/) ist gleich dreimal von Abgeordnetinnen und Abgeordneten die Rede.
Man kann der absoluten Gedankenlosigkeit bei der Arbeit zusehen. Und das soll den Frauen helfen?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.12.2020 um 02.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44849

Spannend wird es, wenn es mal nur noch eine Ministerpräsidentin geben sollte. Wird man dann immer noch von den »Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten« sprechen? Oder wird es dann heißen »die Ministerpräsidenten und die Ministerpräsidentin«? Will man dann ständig mit dem Finger auf die arme Frau zeigen? Womit hätte sie das verdient?

Apropos, vorhin im ZDF gehört: »Wenn jetzt schon die Kanzlerin und etliche Ministerpräsidentinnen und -präsidenten so vehement von Verschärfung der Coronamaßnahmen reden, dann könnten die auch bald folgen.« Es gibt in Deutschland derzeit zwei Ministerpräsidentinnen. Selbst wenn beide vehement von irgend etwas reden sollten – zwei Personen würde man doch niemals als »etliche« bezeichnen. Ich verstehe »etliche A und B« jedenfalls als »etliche A und etliche B«. Wahrscheinlich würde ich »etliche der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten« als weniger störend empfinden, weil man es mit viel gutem Willen im Sinne von »etliche aus der Gruppe der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten« interpretieren könnte. Das Problem entsteht überhaupt erst dadurch, daß man die Frauen als eine eigenständige Untergruppe sprachlich markiert, so als ob das Geschlecht für die Frage relevant wäre, wie jemand über eine bestimmte Sache denkt (Sexismus). Gleichstellung durch Absonderung – kann das je funktionieren?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.12.2020 um 20.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44848

In der Tagesschau um acht war heute mehrmals von den Innenministern die Rede. Welch ein Wunder, daß der Sprecher nie "Innenminister innen" gesagt hat, obwohl doch auch ein weiblicher darunter ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2020 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44842

Es gibt zwar keine Frauen, sie verdienen aber weniger als Männer, und das muß aufhören. Das gleiche Problem wie beim Antirassismus.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.12.2020 um 21.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44840

Aus der "Kompakt Grammatik Niederländisch":

Auf "-mensen" enden viele Substantive, die keine Berufsbezeichnungen sind oder einen Beruf im allgemeineren Sinne bezeichnen und sich sowohl auf männliche als auch auf weibliche Personen beziehen können. Diese Art der Pluralbildung kommt im modernen Niederländisch immer häufiger vor:

kantoormensen Büropersonal
onderwijsmensen Lehrpersonal
wetenschapsmensen Wissenschaftler
zakenmensen Geschäftsleute
u.a.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.12.2020 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44839

Sicher ist das schwer, aber es wird zumindest versucht, und der MM nennt im gleichen Artikel auch den sog. "bereinigten" Wert, 6 statt 19 Prozent, die Frauen angeblich bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation weniger verdienen als Männer.

Aber für die Kommentatorin Roana Rettig (auf der gleichen MM-Seite) ist diese Bereinigung nur Augenwischerei und Schönreden, wie sie schreibt.
"Es sollte doch ums Ganze gehen - oder? Und im Großen und Ganzen verdienen Frauen hierzulande 19 Prozent weniger als Männer."

Frauen sollen also immer noch im Durchschnitt möglichst 2 bis 3 Kinder mehr gebären als Männer, sollen jedes einzelne ein knappes Jahr länger als Männer im Bauch tragen und ein weiteres knappes Jahr länger als Männer an die Brust legen, und danach sollen sie die gleichen Tätigkeiten ausüben und über die gleiche berufliche Qualifikation verfügen wie Männer.

Wozu gibt es eigentlich die Familie, wenn sie nicht auf Arbeitsteilung beruht und dabei die nun einmal nicht abzuändernden biologischen Gegebenheiten berücksichtigt? Solchen Leuten wie Frau Rettig steht es ja frei, die ihr biologisch zustehende Rolle links liegen zu lassen und alle Männer gehaltsmäßig zu überholen, nur die Durchschnittsgehälter von Frauen und Männern wird sie damit auch nicht angleichen, jedenfalls solange Kinder noch von Frauen geboren und gestillt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2020 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44838

Es ist immer schwer, die Einkommen für genau gleiche Tätigkeiten herauszufinden. Frauen neigen ja bei der Berufswahl schon zu zwar verdienstvollen, aber weniger lukrativen Jobs.

Vor drei Wochen ging durch die Medien, daß weibliche Mitglieder in Dax-Vorständen mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.12.2020 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44837

Übrigens kann man auf gehaltsvergleich.com noch haarsträubendere Unterschiede finden. So verdienen Softwareentwickler im Schnitt um die 4000 €, das sind gleich 50% weniger als Geschäftsführer mit über 8000 €. Was für eine Ungerechtigkeit!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.12.2020 um 11.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44836

Weibliche Beschäftigte erhielten im vergangenen Jahr durchschnittlich 19% weniger Entgelt als ihre männlichen Kollegen, [...]
(MM, 9.12.20, S. 6)

"Männliche Kollegen"? Ist das nun doppelt gemoppelt oder gibt es doch auch weibliche Kollegen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2020 um 04.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44833

Die Klaus Tschira Stiftung verleiht Preise für Wissenschaftskommunikation und berichtet darüber in einem Magazin „KlarText 2020“. Es ist gegendert, wenn auch nicht konsequent. Ein Telefoninterview mit Sonderpreisträger Drosten ist anfangs durchgegendert, obwohl jeder Hörer des NDR-Corona-Updates weiß, daß Drosten nicht gendert – ein klarer Fall von Fälschung. Gegen Ende des Textes läßt die kriminelle Energie nach und das generische Maskulinum kehrt zurück.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.12.2020 um 01.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44832

Niederdeutsch ist die Lösung!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.12.2020 um 21.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44831

»Aufruf an alle Hoteliers und Vermieter, an Gastronomen, Watt- und Gästeführer, und an alle Pellwormerinnen und Pellwormer:
Lasst euch zu Sternenkiekers ausbilden!«

(pellworm.de)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 08.12.2020 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44830

Luise F. Pusch legt die inklusive Opposition hierarchisch aus. Im „Cicero“ erklärte sie kürzlich zum generischen Maskulinum wieder einmal: „Der Mann als Norm und Standardversion des Menschen wird uns von den Sprachen aufgezwungen, die Frau erscheint entsprechend als Abweichung von dieser Norm.“ Eine gerechte Sprache solle erreichen, „dass die Sprache uns Frauen keine Gewalt antut, indem sie uns den Männern symbolisch unterordnet“.

Wenn ich das Prinzip recht verstehe, tue ich mit der Ankündigung, zwei Tage verreisen zu wollen, mindestens einer mitgemeinten Nacht Gewalt an.

Natürlich darf Frau Pusch alles für symbolisch halten und alles anregen, was ihr einfällt. Am liebsten wären ihr „gerechte“ Formen wie Freundin (Frau), Freundis (Mann) und Freundil (divers), Plural Freundinne, Freundisse, Freundille; die Medien lobt sie aber auch schon fürs gesprochene Gendersternchen.

Das Lob ist fehl am Platz. Meine Frau hat in mehr als dreißig Jahren gynäkologischer Praxis unzählige Gespräche mit Frauen aller Schichten geführt. Keine habe jemals gegendert, sagt sie, alle hätten sich in bewährtem Deutsch klar und deutlich ausgedrückt (Fremdsprachlerinnen ausgenommen). Von Unterdrückung und Gewalt sei zuweilen leider die Rede gewesen, doch an Unterdrückung durch die Sprache habe keine Patientin gelitten.

Ungeachtet aller Realität sucht uns eine vermeintliche Elite immer lauter einzuhämmern, wie wir „gerecht“ zu reden und zu schreiben haben. Selbstüberschätzung und Anmaßung sind tatsächlich im Begriff, damit noch größeren Schaden anzurichten als mit der Rechtschreibreform.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.12.2020 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44827

DER SPIEGEL scheint sich auch auf ein gelegentliches Alibi-Gendern zu beschränken, um seinen Gehorsam zu beweisen. Beispielartikel:
„Auf der Bühne der Nation“, Nr. 49a / 2.12.2020, S. 60 bis 65:

Es sind Virologinnen und Virologen, Epidemiologen, Klinikerinnen und Pharmakologen, Mathematiker und Gesundheitsexpertinnen, die maßgeblich die Geschicke der Welt im vergangenen Jahr gelenkt haben.

Dieser Satz sticht hervor, ansonsten kommt Genderei nur noch so vor: Forscherinnen und Forscher (2mal) und Kolleginnen oder Kollegen.

Zusätzlich zu den bisher genannten Fällen kommen aber im gleichen Artikel viel häufiger folgende generische Maskulina vor (in der Reihenfolge des ersten Auftretens, in Klammern die Anzahl, wenn >1):

Politikberater, Wissenschaftler (8), Epidemiologe, Forscher (5), Politiker (5), Kritiker, Protagonisten, Laien, Einwohner, Engländer, Anhänger, Quacksalber, Amerikaner, Gäste, Löwen, Bürger, Freunde, Schweden (7), Reporter (2), Stockholmer, Städter, Patienten, Follower, Pandemieerklärer, Twitternutzer, Kollegen, Gegner, Teilnehmer, Politikjournalisten, Forscher, Medizinerkollegen, Nebenwissenschaftler

Ich habe nicht alle Artikel gelesen, aber dieser scheint in Bezug auf Genderei typisch fürs ganze Heft zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2020 um 17.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44826

Herr Metz legt den Finger auf den linguistischen Kern: Solange männliche UND weibliche Formen verwendet werden, können sie nicht gleichbedeutend sein. Entweder sie bezeichnen die beiden Geschlechter unter einem gemeinsamen Oberbegriff (Männer und Frauen sind Menschen), oder einer der beiden Begriffe bezeichnet zugleich den gemeinsamen Oberbegriff (sogenannte "inklusive Opposition": im US-Senat sitzen 100 Senatoren, darunter 25 Senatorinnen). Diese Neutralisation hebt die Opposition nicht auf. Das ist wahrscheinlich ein universales Instrument der Sprachen. So alltäglich wir davon Gebrauch machen, so wenig wird es verstanden. Der Grund ist leicht zu sehen: Im Schulunterricht wird es nicht behandelt, obwohl es einfach zu verstehen und mindestens so wichtig ist wie die Keilerei bei Issos. (Die Deutschlehrer wissen es aber auch nicht.)
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 07.12.2020 um 16.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44825

In den Tickern und Liveblogs diverser Medien, die sonst fleißig gendern, wird dies nur getan, wenn jemand zitiert wird. Bei den kurzen Meldungen ist offenbar einfach kein Platz für diese Spielereien.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.12.2020 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44823

Daneben gibt es ein weiteres höchst ärgerliches Phänomen, nämlich die inkonsequente Benutzung des generischen Femininums. Da ist die Rede von »Wirtschaftsexpertinnen«, die sich geäußert hätten, und dann werden eine Frau und ein Mann zitiert. Einige Sätze vorher war noch von den »Bundesbürgern« gesprochen worden. Oder es werden die »Anhängerinnen« Trumps erwähnt, obwohl nicht nur Frauen gemeint sind. Das ist nicht nur inkonsequent, wenn in dem Artikel ansonsten das generische Maskulinum verwendet wird, es ist vor allem irreführend, weil im Präsidentschaftswahlkampf die Motive weiblicher Trump-Unterstützer besonders in den Vororten durchaus ein Thema waren (»Suburban women, will you please like me?« usw.).

Manchmal weiß ich bei der Lektüre eines Artikels nicht, ob an den ein, zwei Stellen mit weiblichen Personenbezeichnungen wirklich Frauen gemeint sind oder ob hier nur der Geßlerhut gegrüßt wird. Wenn ich am Ende der Lektüre festgestellt habe, daß der Text ansonsten nicht gegendert ist, neige ich zur zweiten Interpretation, aber sicher bin ich nie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2020 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44821

In der Mediensprache gibt es zur Zeit mehrere Formen des inkonsistenten Genderns.

1. Nur bestimmte Wörter sind gegendert:

Was, wenn so viele seiner Anhängerinnen und Anhänger daran glauben, dass es nicht für die beiden Sitze in Georgia reicht, weil nicht genug republikanische Wählerinnen und Wähler zur Wahl gehen? (ZEIT 6.12.20; andere Wörter wie Republikaner sind nicht gegendert)

2. Nur einzelne Textteile (in der Regel aus verschiedener Hand) sind gegendert:

Kein Land der Welt ist für Journalistinnen und Journalisten so gefährlich wie Mexiko. Seit 2000 starben dort mindestens 119 Reporterinnen und Redakteure. So der Vorspann eines ganzseitigen Beitrags in der SZ vom 7.12.20. Der Beitrag selbst ist nicht gegendert.

3.In Interviews und Podcasts mit Experten gendern die Journalisten, nicht aber die befragten Experten. So zum Beispiel im Corona-Update des NDR mit Drosten und Ciesek.

Je solider die Wissenschaft, desto weniger wird gegendert, also praktisch nie in Physik oder Mathematik, sehr viel in der Pädagogik.
 
 

Kommentar von Tante Google, verfaßt am 01.12.2020 um 22.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44796

https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/fuenf-am-freitag-heute-einfach-nur-rock-n-roll-17061688/rollt-zum-schluss-17061693.html

"[..]

Bei so viel Selbständigkeit kann man sich Eigenwilligkeit leisten, zum Beispiel das Festhalten am Eszett, wo ihm die Rechtschreibsense weithin den Garaus gemacht hat: Daß, muß, paßt überlebten in Scooter & Sport, einer Quelle der Information und Unterhaltung aus der Welt des Motorrollers. Damit ist nun Schluß.

[..]

Schade, daß es so gekommen ist."
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 28.11.2020 um 14.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44776

Pressemitteilung der Siemens AG:

"Maria Ferraro wird neuer Chief Diversity Officer von Siemens"

https://press.siemens.com/global/de/pressemitteilung/maria-ferraro-wird-neuer-chief-diversity-officer-von-siemens

Pressemitteilung der Siemens Energy AG:

"Siemens Energy ernennt Chief Inclusion & Diversity Officerin"

https://press.siemens-energy.com/global/de/pressemitteilung/siemens-energy-ernennt-chief-inclusion-diversity-officer
(Im Link hat sich wohl ein Redakteur geschlechtergerächt)

Dazu dann noch der ganze Kitsch von Vielfalt, Respekt, kreativ, innovativ usw.
Von solchen Leuten gefeuert zu werden, fällt dann schon fast unter Wellness.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2020 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44775

Die "Top-Rezensenten" bei Amazon heißen neuerdings "Top-Beitragende".

Ein schönes Beispiel dafür, daß man um der sprachlichen Gleichschaltung willen etwas anderes sagt, als man eigentlich sagen will.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 17.11.2020 um 22.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44723

(Bitte ins Diskussionsforum "Bewährte Rechtschreibung gibt es noch" verschieben. Beim Versuch, dort etwas einzutragen, wird der Beitrag immer wieder "verschluckt": Nach Klicken auf "Vorschau" erscheint die Fehlermeldung "Das Feld "Beitrag" muß ausgefüllt werden".)

In der FAZ von heute auf der letzten Seite im Technik-Teil ein kurzer "Nachruf" auf die Zeitschrift "Scooter & Sport", die demnächst eingestellt wird. Lobend hervorgehoben wird die Eigenheit, nicht auf Reformschreibung umgestellt zu haben. Daher ist der Artikel selbst in klassischer Rechtschreibung gehalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2020 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44719

Auch ich glaube, daß der direkte Kampf gegen den Unsinn zur Zeit nicht möglich ist. Ich setze meine Hoffnung, wie schon gesagt, auf die Unterscheidung freier und unfreier (gebundener) Texte. Die einen wollen gelesen und verkauft werden, die anderen müssen gelesen werden oder werden gar nicht gelesen, sondern nur "verteilt". Baerbock und tausend andere rasseln ihren Funktionärsjargon herunter. Wenn sie merken, daß sie damit mehr Wähler abschrecken und keine neuen gewinnen (das ist das Äquivalent der Marktkräfte), könnten sie vielleicht umschwenken; allerdings bezweifle ich es bei ideologisch verbohrten Parteimenschen, die gehen lieber glanzvoll unter (wie sie es sehen).
Schlimm wird es, wenn der Staat (d. h. die Mehrheit der Abgeordneten gegen bessere Einsicht) verordnet, daß alle Texte gegendert werden müssen. Das scheint noch in weiter Ferne zu liegen, aber da wäre ich mir nicht so sicher. Der Tugendterror hat schon manches erreicht.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.11.2020 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44718

Ich habe die Sendung nicht eingeschaltet, weil mir Will und Baerbock im Doppelpack zuviel sind. Baerbocks schneidende Stimme setzt dem Gegender die Krone auf, beim Warten auf die Nachrichten habe ich sie Merz noch niederkeifen hören. Daß Scholz sich den Damen angepudelt hat, überrascht mich nicht. Die SPD hat sich schließlich ins Stammbuch geschrieben, wer die menschliche Gesellschaft wolle, müsse die männliche überwinden.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 16.11.2020 um 01.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44712

Anne Will schneidet in der heutigen Sendung am Ende tatsächlich das Thema "Gendern" an. SPD-Justizministerin Lambrecht ist ja gerade erst mit ihrem feminin formulierten Gesetzentwurf gescheitert, was auch im Vorspann dargestellt wird. Olaf Scholz findet es trotzdem toll, weil ja das Nachdenken angeregt würde und nur die verstockte CDU die Sache verhindert hätte. Meint er, das bürgerliche Aushängeschild der SPD, das wirklich? Würde er es wirklich selbst so verabschieden wollen? Kaum zu glauben aber mittlerweile nicht mehr auszuschließen. Jedenfalls nutzte er die Gelegenheit, um Merz eine zu verpassen.
Der einzig vernünftige in der Runde ist Friedrich Merz, ihm rollt es sichtbar die Fußnägel hoch. Aber leider versagt er als Anwalt der richtigen Sache. Denn er trägt keine wirklichen Argumente vor (nur implizit, als er sagt, es wäre ja alles ok gewesen, wenn das Gesetz "Schuldnerinnen und Schuldner" gesagt hätte), sondern zieht sich auf das schwache "wir haben doch ganz andere Probleme" zurück. D.h. er zieht nicht die eigentlichen Argumente aus dem Köcher sondern lenkt ab. So gerät er leider argumentativ und rhetorisch gegen Baerbock ins Hintertreffen, die ihre wirkungsvollen Slogans in üblicher Maschinengewehrart herunterrattert.

Ich befürchte, diese Diskussion hat ziemlich deutlich gezeigt, warum im Moment eine fast erdrutschartige Verbreitung der Genderei zu beobachten ist: Die Gegner wissen gar nicht so genau um ihre Argumente. Sie fühlen, daß es überflüssig ist und daß es Schaden anrichtet, können es aber meistens nicht benennen. Dagegen sind die Slogans der Verfechter griffig und eingängig ("nur mitgemeint", "die Hälfte ausgeschlossen", "genderGERECHT", "alle ansprechen") und stellen die Gegner wirkungsvoll in die moralische Schmuddelecke.

Meine Erwartung aus den Neunzigern, als die Doppelnennung aufkam, daß sich das schon aus Gründen der Ökonomie erledigen würde, habe ich begraben und sehe im Moment überhaupt keinen Punkt, an dem irgendwie ein Halten zu erhoffen sein könnte. Die Idiotie hat im Moment freien Lauf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2020 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44708

Noch ein öffentlich-rechtlich verwahrloster Text:

Wasserwerfer gegen "Querdenken"-Demo und Gegendemonstrant:innen

In Frankfurt am Main ist die Polizei mit Wasserwerfern gegen Gegendemonstrant:innen einer "Querdenken"-Demo vorgegangen. Sie begründete dies auf Twitter damit, dass die Strecke des Demonstrationszuges blockiert und auch nach mehrfacher Aufforderung nicht wieder freigegeben worden sei. Zudem seien Beamt:innen angegriffen worden. Vereinzelt setzte die Polizei Schlagstöcke ein. Anlass der Gegendemo waren Proteste der Initiative "Querdenken". Sowohl ihn Frankfurt als auch in anderen Städten waren mehrere hundert Menschen gegen die Corona-Beschränkungen auf die Straßen gegangen. Die Veranstaltung in Hessen stand unter dem Motto "Kein Lockdown für Bembeltown". Die Polizei hatte den Protestzug mehrfach angehalten, weil viele Teilnehmer gegen Hygieneauflagen verstoßen hätten. Auch gegen diese Demonstrierenden ging die Polizei vor. Die Route durch die Frankfurter Innenstadt sei zudem verkürzt worden. Die Polizei löste die „Querdenken“-Versammlung auf und setze auch gegen diese Demonstrant:innen Wasserwerfer ein, nachdem sich einige Teilnehmende geweigert hatten, den Rathenauplatz zu verlassen. "Querdenken" organisiert seit Monaten bundesweit Demonstrationen gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Auch Rechtsextreme, Reichsbürger:innen und Verschwörungsideolog:innen mobilisieren für die Proteste.
(tagesschau.de 14.11.20)

Auch Wikipedia kann sich einiges erlauben, weil die Texte nicht einzeln verkauft werden müssen:

2020 veröffentlichte sie das Buch Nerds retten die Welt ebenfalls bei Kiepenheuer & Witsch, in dem sie Interviews mit Wissenschaftler*innen und Expert*innen veröffentlichte. (Wikipedia "Sibylle Berg")
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2020 um 03.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44700

Das Alternieren (Wissenschaftlerinnen und Ärzte) ist die schlechteste Lösung. Man tut so, als seine sowohl das Maskulinum als auch das Femininum generisch verwendbar, anders gesagt: Die Motion existiert zwar, hat aber nichts zu bedeuten. Das kann es in keiner Sprache geben.

Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) prüft derzeit private Börsengeschäfte ihrer Mitarbeiterinnen, bei denen der Kurs der Wirecard AG eine Rolle spielte, also zum Beispiel Kauf oder Verkauf von Aktien des Unternehmens. Es besteht der Verdacht, dass Mitarbeiter der Finanzaufsicht einen möglichen Informationsvorsprung zum privaten Vorteil genutzt haben könnten. (ZEIT 14.11.20)

Warum sollen die Mitarbeiter für etwas einstehen, was die Mitarbeiterinnen verbockt haben? In den vielen Leserzuschriften wird natürlich nicht gegendert. Das tut nur die Umerziehungsagentur ZEIT-Redaktion.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.11.2020 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44689

Ich höre und sehe oft die öffentlich-rechtlichen (weil werbefreien) Radio- und Fernsehsender, unterwegs im Auto besonders DLF. Wir haben ja leider nichts Besseres. Es leuchtet mir schon ein, wenn Journalisten und Kommentatoren den „Empfehlungen“ der Sendeanstalten zum Gendern folgen, schließlich möchten sie ihren Job behalten oder noch etwas aufsteigen.

Was mich aber sehr wundert, ist, daß andere, nicht beim Sender angestellte Leute, wie Wissenschaftler, Politiker, Bürgermeister, Direktoren, alle möglichen kleineren und größeren Amtsinhaber in den Gesprächen und Interviews den ganzen Quatsch so mitmachen. Nicht etwa, daß irgendeiner von ihnen darin ganz konsequent wäre, aber die meisten glauben immerhin, mit einer gelegentlichen Doppelnennung oder einem gelegentlich gesprochenen Glottis-Sternchen oder einem gelegentlichen generischen Femininum ihre Folgsamkeit beweisen zu müssen. Wieso ist kaum jemals einer mit Arsch in der Hose dabei, der sagt, diesen Unsinn mache ich nicht mit?

Ich kann mich nur an ein einziges Interview im DLF erinnern, bei dem ich schmunzeln mußte, weil der Interviewte immer die vom Fragesteller verwendeten Doppelformen in seinen Antworten mit dem bewährten einfachen generischen Maskulinum wiederholte. Aber das war eben nur einmal von ungezählten Fällen.

Wikipedia:
»Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) ist die Interessenvertretung professioneller Autoren bzw. Schriftsteller in Deutschland [...] Nach einem Mitgliederentscheid im Oktober 2015 änderte der Verband die ursprüngliche Selbstbezeichnung „Verband deutscher Schriftsteller“ in „Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller“.«
(Hervorhebung von mir)

Von denen ist also auch nichts zu erwarten. Wie kommt das bloß? Ist dieser Gesellschaft langsam alles egal, gebraucht sie ihren Verstand nicht mehr? Warum machen selbst die mit, die nicht müssen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.11.2020 um 18.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44687

DLF, heute 18.24 Uhr
(nach Gehör mitgeschrieben):

Viele Einzelhändler innen in den Innenstädten ...
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.11.2020 um 13.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44681

Richtig, Herr Virch, es war als Quellenangabe gemeint, ich wollte mich nicht mit fremden Federn schmücken.

Hinweis der Redaktion: Herr Metz hatte seinen vorigen, längeren Beitrag zunächst in zahlreichen Teilen gepostet und später die Redaktion darum gebeten, die Teilbeiträge zu löschen, samt jener Bitte. Bei diesen Löschungen wurde versehentlich auch ein Beitrag von Herrn Virch gelöscht, auf den sich der obige Beitrag von Herrn Metz bezieht. Der Beitrag von Herrn Virch (13.18 Uhr) lautete wie folgt:

Ich nehme an, Andreas Rebers gehört nicht zu den „Befindlichkeitsvirtuosen", sondern ärgert sich über sie.
"Während man sich hierzulande mit einer albernen und lächerlichen Bubusprache durch die Wohlstandsverwahrlosung gendert, machen in Europa die Dschihadisten mobil.“ (Rebers, "Nuhr im Ersten")
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.11.2020 um 12.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44673

Noch mal zur Reaktion des ZDF auf Herrn Virchs erstes Schreiben (#44532). Die Empfehlung der Geschäftsleitung zum Thema Gendern bezieht sich nach dem Wortlaut der Antwort des Zuschauerservice nicht auf die Sendungen, sondern nur auf den Schriftverkehr:

»Die Empfehlung der Geschäftsleitung des ZDF, den Genderstern für den internen und externen Schriftverkehr zu nutzen, ist im Laufe dieses Sommers ausgesprochen worden. Die Bereiche unseres Hauses sind aufgefordert, die Empfehlung mit Sinn und Verstand und mit Blick auf die jeweilige Zielgruppe, das betrifft insbesondere die Redaktionen, miteinander zu diskutieren.«

Wenn man das liest, könnte man meinen, die Geschäftsleitung hätte lediglich eine behutsam zu führende Diskussion darüber angeregt, was von ihrer Empfehlung zu halten sei, im Schriftverkehr zu gendern. Der Hinweis auf die Zielgruppen der Redaktionen macht aber klar, daß es um mehr geht als um interne Rundschreiben und die Beantwortung von Zuschauerzuschriften. Natürlich wird die Geschäftsleitung die Redaktionen nicht explizit auffordern, in den Moderationstexten zu gendern, schon gar nicht durchgängig. Vielmehr schafft man mit der Empfehlung eine Spielwiese für diejenigen, die dem kurzen Sprachaussetzer viel abgewinnen können. Sollte sich die Sache irgendwann totgelaufen haben, braucht man das nicht mal weiter zu kommentieren, dann hat eine fortschrittliche Diskussion eben dieses Ergebnis gezeitigt, und man geht zur Tagesordnung über.

Beim ZDF scheint die Feministin Petra Gerster die treibende Kraft hinter den Gendersternchen zu sein. Sie ist erfahren genug, um es damit nicht zu bunt zu treiben. Deshalb begnügt sie sich vorerst mit kleinen Nadelstichen. In jeder von ihr moderierten »heute«-Sendung bringt sie im Schnitt eine gesprochene Sternchenkonstruktion unter, ansonsten verwendet sie die sperrigen Doppelformen oder eben das ganz normale generische Maskulinum. Dafür wird sie von den Befindlichkeitsvirtuosen (Andreas Rebers) gefeiert:

»Petra Gerster nutzt „ZDF heute“ immer wieder, um Frauen eine Stimme zu geben. Mit cleveren Tricks will sie Gruppierungen, die sich noch immer unterdrückt sehen, in unseren Alltag integrieren.« (hier und im folgenden: https://www.derwesten.de/panorama/promi-tv/zdf-heute-programm-nachrichten-moderatorin-petra-gerster-neuerung-gendern-gleichberechtigung-frauen-id230774750.html).

Das klingt interessant. Wie mögen diese »cleveren Tricks« wohl aussehen? Hier die Antwort:

»Damit das ZDF-Publikum ihrer Moderation weiterhin folgen kann (sic!) , versucht sie, etwas kreativer zu werden. „Immer beide Geschlechter zu nennen ist bei den Nachrichten schwierig, weil es auf die Sekunden ankommt. Und das kann auf Dauer auch ermüdend sein. Zur Abwechslung kann ich ja auch in der Aufzählung variieren. Wenn es zum Beispiel bei Verdi gerade um den Kampf für eine Gehaltserhöhung geht, kann ich von ‚Erziehern‘ und ‚Ärztinnen‘ sprechen.“«

Respekt! So elegant ist wohl noch nie ein eingebildetes Problem gelöst worden.

Ganz typisch ist übrigens die Argumentation, man mache das alles ja nicht für sich selbst, sondern im Namen der jungen Leute. Bei der Rechtschreibreform wurde ähnliches vorgetragen. Vorsicht ist immer dann geboten, wenn ein älterer Mensch urplötzlich als Protektor der Jugend auf den Plan tritt. Meist stecken andere, wenn auch allzu menschliche Motive dahinter.

Bei Petra Gerster klingt das so:

»Das generische Maskulinum hat mich – und vermutlich viele Frauen meiner Generation – lange nicht gestört. Ich fühlte mich tatsächlich mitgemeint, immer. Aber bei jüngeren Frauen ist das anders, sie fordern ganz selbstverständlich, auch sprachlich sichtbar zu werden.«

Und da wir gerade beim ZDF sind: den Vogel hat neulich ein Off-Sprecher in der Sendung »heute journal up:date« geschossen. Ein Beitrag über die Coronainfektionsgefahr in Kitas endet mit dem Satz: »Von 800 Kindern steckte sich keines an, aber 2 Erzieher Sternchen innen.« Wohlgemerkt, er hat das Wort Sternchen ausgesprochen (https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal-update/heute-journal-update-vom-5-november-2020-102.html, 20:36). Entweder der Mann weiß es nicht besser, oder dies war sein ganz persönlicher, diebischer Beitrag zu der von der Geschäftsleitung so sehr herbeigewünschten Diskussion.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.11.2020 um 12.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44672

Wenn es für die Aussage egal ist, ob man »Wähler«, »Wählerinnen« oder »Wählerinnen und Wähler« schreibt, ist schon aus sprachökonomischen Gründen nicht damit zu rechnen, daß sich alle drei Formen nebeneinander halten werden, sondern es wird sich die kürzeste Form durchsetzen. Damit liefern die, die so schreiben, ungewollt einen schlagenden Beweis für die Überlegenheit des generischen Maskulinums. Ein weiterer Vorteil dieser knappen Ausdruckform ist, daß sie alle Personen gleichermaßen anspricht und bezeichnet, also auch diejenigen, die sich mit keinem der beiden klassischen Geschlechter identifizieren. Das alles hatten wir natürlich schon immer, es war nur vorübergehend ein wenig in Vergessenheit geraten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2020 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44671

Die Verfasserin, die erst kürzlich von der taz zur ZEIT gekommen ist, schreibt auch:

All das trifft im Verhältnis sehr viel häufiger auf Schwarze und Bürgerinnen mit lateinamerikanischen Wurzeln zu.

Aber nur: die Demokraten

Sie praktiziert das Durcheinander ganz bewußt:

Auf Nummer sicher zu gehen hieß für die Demokraten: auf die Wechselwähler zu schauen, auf die vermeintliche Mitte. Aber diese Mitte hat allerspätestens Trump endgültig zerschlagen. Alle Daten, die Wissenschaftlerinnen so eifrig erheben, zementieren die Spaltung, die durch das Land verläuft. Demokraten misstrauen Republikanern und andersherum. (...] Und viele junge Wählerinnen und Wähler, und unter ihnen viele schwarze Wähler, werden das der Partei nicht verziehen haben.

Wenn aber maskuline und feminine Formen dasselbe bedeuten, warum werden dann „Wählerinnen und Wähler“ aufgezählt? Das hat doch dann keinen Sinn mehr.

Ist es kein korrektes Deutsch, so ist es doch pädagogisch wertvoll und paßt zum Erziehungsauftrag, den die ZEIT zu haben glaubt.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 09.11.2020 um 23.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44670

Die ZEIT variiert ja gerne statt doppelter Nennungen, in diesem Fall aber hätte ich zumindest die umgekehrte Zuordnung erwartet.

"Joe Biden aber hat herumlaviert beim Thema Rassismus: Statt das Problem klar zu benennen und Änderungen zu erzwingen, wollte er die Polizistinnen nicht vor den Kopf stoßen, den Vorstädtern gefallen, die ob möglicher Ausschreitungen auf der Straße doch lieber wieder alles unter den gepflegten Vorgarten kehren wollen."

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-11/us-demokraten-joe-biden-praesidentschaftswahl-niederlage?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2020 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44636

Sehr gut! Die Windmühlen, gegen die man hier anrennt, heißen eigentlich "Öffentlich-rechtlich" und "Zwangsfinanzierung". Nur deshalb können sie sich alles erlauben, und deshalb bleibt auch nur die Abstimmung mit den Füßen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.11.2020 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44633

https://virchblog.wordpress.com/2020/11/03/zdf-duckt-sich-weg/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2020 um 04.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44631

In der gestrigen Bundespressekonferenz wirkte die Bundeskanzlerin wieder sehr gut – klar in Gedanken und Worten, wie sogar Kritiker zugeben. Nur das gelegentliche Gendern stört, auch wenn es in offiziellen Kreisen inzwischen allgegenwärtig ist. Man fragt sich, wann und wie es mal wieder aufhören könnte. Daß es nicht durchgehend geschieht, zeigt ja, wie überflüssig es ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2020 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44619

Die feministisch engagierte Autorin Caroline Jebens zitiert in einer konfusen, aber kraß gegenderten Sammelrezension aus einem Buch von Ezra Klein: „liebe Leserin“ (FAS 1.11.20). Im Buch selbst heißt es aber: „liebe Leserin und lieber Leser“. Und im Original steht, wie man sich denken kann: „dear reader“. Man kann sich auf nichts mehr verlassen, die Ideologie walzt alles nieder.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2020 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44613

Die ZEIT, die schon immer einen Neigung hatte, ihre lieben Deutschen zu erziehen, setzt ihren Lesern ab und zu so etwas vor:

"Unsere Ärzte bekommen mehr Geld, wenn jemand an Covid stirbt", behauptete Trump, ohne dafür Beweise zu liefern. Er unterstellte ihnen damit indirekt, ein Interesse an der Ausweisung von Corona-Todesfällen zu haben. Expertinnen wiesen darauf hin, dass diese Aussage nicht stimme. (...) Unterdessen nutzten bereits etwa 87 Millionen US-Amerikanerinnen die Möglichkeit, schon vor dem offiziellen Termin am 3. November per Brief oder in vorab geöffneten Wahllokalen abzustimmen. (ZEIT 31.10.20)

Niemand hat die Leser gefragt, ob sie es so wollen. Für eine Abstimmung mit den Füßen reicht es wahrscheinlich auch nicht, weil es eben nicht konsequent geschieht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.10.2020 um 00.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44551

Bisher hatte Deutschland etwa 80 Millionen Einwohner. Nach neuer Sprachregelung sind es 40 Millionen Einwohner und 40 Milionen Einwohnerinnen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.10.2020 um 19.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44549

Noch etwas zum Stichwort "Aus-dem-Kontext-Reißen“. Wenn Denise und Max häufig Besuch von Freunden bekommen, sind das vermutlich Menschen beiderlei Geschlechts. Wenn ein Max häufig Besuch von Freunden bekommt, dürfte es sich um Männer handeln, und wenn eine Denise häufig Besuch von Freunden bekommt, liegt der Verdacht nahe, daß die Männer dafür bezahlen. Ein schlichtes Beispiel; in der Realität kann der Kontext generischer Maskulina weitaus umfänglicher und komplexer sein (wenn es nicht gerade um einen Polizeibericht oder einen Arzneiwaschzettel geht). Was deutlich macht, wie hanebüchen der Genderismus an die Sprache herangeht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.10.2020 um 11.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44546

In einem Antragsformular lese ich: »Name der Ansprechpartner*in«. Das Beispiel zeigt anschaulich, daß die Sternchenlösung im Singular grundsätzlich nicht funktionieren kann. »Name des/der Ansprechpartner(s)*in« würde das Problem nur scheinbar lösen, denn es würde Menschen mit nichtbinärer Geschlechtsidentität »ausgrenzen«, da zu ihnen weder der männliche noch der weibliche Artikel paßt. Analog zur Pluralvariante der Sternchenlösung könnte man eventuell »des*r« schreiben: »Name des*r Ansprechpartner(s)*in«. Aber wie soll hier das erste Sternchen beim Vorlesen artikuliert werden, damit sich auch wirklich alle angesprochen fühlen? Denkbar wäre ein Pfiff, ein Räuspern oder auch ein Bäuerchen. Auch für die Klammer müßte man noch was finden, aber mir fällt gerade nichts Passendes ein.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.10.2020 um 00.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44539

Wer sich dafür interessiert, wie Befürworter einer »korrekten« und »gendersensiblen« Sprache ticken, dem sei die Lektüre folgender TV-Kritik in der Frankfurter Rundschau empfohlen: https://www.fr.de/kultur/tv-kino/dieter-nuhr-ard-schenkelklopfer-ueber-geschlechtergerechte-sprache-90064971.html
Die besonders kritisierten Teile der Sendung findet man zwischen 19:15 und 27:32 hier: https://www.youtube.com/watch?v=7Lzb6oI0PtA
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.10.2020 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44537

Übrigens werden auch die zigtausend blinden Menschen in Deutschland, die zwar nicht fern-sehen können, aber trotzdem das Gerät einschalten, um zu hören, vom ZDF nicht richtig angesprochen, ergo »diskriminiert«. Mithin gehören die Wörter Zuschauer und Zuschauerin aus dem Wortschatz der Anstalt getilgt. Das wird aber wohl (erst mal) nicht passieren. Die Lösung der Genderfrage fordert bis auf weiteres schon genug Kraft. Man sollte sich auch nicht verzetteln. Besser man räumt die großen Ungerechtigkeitsbrocken dieser Welt Stück für Stück aus dem Weg in eine glorreiche Zukunft.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.10.2020 um 10.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44535

Es ist schon verrückt: da erklärt eine agitierende Minderheit eine einfache, leicht zu handhabende und ohne Verrenkung der Sprechwerkzeuge zu artikulierende grammatische Form, die alle Menschen gleichermaßen anspricht und mit der die überwältigende Mehrheit stets bestens zurechtgekommen ist und noch immer -kommt, quasi über Nacht und ohne valide Begründung für tabu und findet damit relativ schnell Unterstützung bei Leuten, die sich selbst der intellektuellen Elite zurechnen.

Die Suche der Besorgten nach einer Alternative zum verdächtig praktischen und dummerweise weithin akzeptierten generischen Maskulinum wird schwierig werden. Es ist wohl außerhalb jeder Diskussion, daß die tapsigen Versuche mit Strichen und Sternchen dem wichtigen gesellschaftspolitischen Anliegen nicht entfernt gerecht werden. Oder meint irgend jemand ernsthaft, daß Menschen, die sich keinem der beiden klassischen Geschlechter zugehörig fühlen, adäquat angesprochen werden, wenn man sie mit einem vielleicht 50 Millisekunden dauernden Sprachaussetzer bedenkt? Ist das nicht »menschenverachtend« (um eine Lieblingsvokabel der Sprachidealisten zu verwenden)? Die kauzige Sternchenformel beseitigt mitnichten das ach so verhaßte »bloße Mitmeinen von Frauen«. Im Gegenteil, sie meint selber bloß mit, indem sie alle menschlichen Wesen bezeichnen soll, in Wirklichkeit aber weder Frauen noch Männer noch Nichtbinäre anspricht.

Ich jedenfalls fühle mich mit »Liebe Zuschauer*innen« nicht angesprochen. Was nun?! Und was, wenn auch Frauen sich nicht angesprochen fühlen, wenn die weibliche Form mit einem Glottisschlag unkenntlich gemacht wird? Wenn nur 0,5 Prozent aller Frauen und Männer sich durch die Sternchenformel nicht angemessen angesprochen fühlen, müßte sie nach der Logik der Sprachidealisten eigentlich sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Oder sollten die Gefühle dieser 0,5prozentigen Minderheit weniger beachtlich sein als die jener 0,5 Prozent, die nach Schätzungen nichtbinär sind?

Minderheitenschutz ist ein hohes Gut. Zivilisierte Gesellschaften akzeptieren, daß die Mehrheit die Interessen von Minderheiten nicht pauschal als irrelevant abtun und ignorieren darf. Das gilt für die Rechte der Opposition in Parlamenten, für die Mitsprache kleinerer Mitgliedstaat in der EU, für gesellschaftliche Gruppierungen, die nicht dem Mainstream entsprechen. Aufgeklärter Minderheitenschutz bedeutet aber nicht, daß 99,5 Prozent der Bevölkerung von höherer Stelle in penetranter Weise zur Verwendung einer gekünstelten Sprache gedrängt werden, die diesen fast 100 Prozent völlig fremd ist. Die sprachliche und sonstige Herabwürdigung von Menschen ist auch dann nicht hinzunehmen, wenn sich die überwältigende Mehrheit unausgesprochen darauf verständigt haben sollte. Aber davon sind wir weit entfernt, das ist hier nicht das Thema. Und die Interessen von Menschen mit jedweder Geschlechtsidentität werden nicht berührt, wenn man sie in einer Form anspricht, die seit je als neutral empfunden wird und in der Alltagssprache der Menschen völlig unangefochten ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.10.2020 um 18.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44533

Es gibt also eine Empfehlung der Geschäftsleitung des ZDF zum Genderstern.
Wahrscheinlich gibt es solche Empfehlungen auch beim Ersten, beim DLF u.a. Sendern.

Auffallend dabei ist, wie beflissen fast alle Sprecher dieser Empfehlung folgen, wenn auch niemals fehlerfrei (im Sinne von durchgängig).
Wenn z. B. im DLF jemand gar nicht gendert, kann man darauf wetten, daß es kein DLF-Mitarbeiter, sondern ein Interviewter bzw. ein Gesprächspartner von außerhalb ist.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 20.10.2020 um 16.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44532

Antwort des ZDF ganz wie erwartet:
https://virchblog.wordpress.com/2020/10/16/zdf-gender-propaganda/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2020 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44529

Wie seinerzeit bei der üblen Dauerausscheiderin beobachtet, die in Wörterbüchern ausgespart wurde, findet man jetzt kaum Superspreaderinnen, auch in sonst gegenderten Texten. Das ist Rosinenpickerei. Allerdings setzt das Gendern auch aus bei der täglich tausendfach gedruckten Angabe pro 100 000 Einwohner.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.10.2020 um 23.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44524

Es ist übrigens nicht auszuschließen, daß Herr Bellut Ihnen persönlich antworten wird. Vor vielen Jahren, als er noch das ZDF-Politbarometer moderierte, ist er – immerhin – recht ausführlich auf meine kritischen Fragen zur Methodik der Meinungserhebungen der Forschungsgruppe Wahlen eingegangen. Danach stieg er zum Programmdirektor auf, und mittlerweile ist er eben Intendant. Warten wir seine bzw. die Reaktion ab. Sie wird, so oder so, aufschlußreich sein.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.10.2020 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44523

Danke! https://virchblog.wordpress.com/2020/10/16/zdf-gender-propaganda/
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.10.2020 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44519

Nur zu, Herr Virch.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.10.2020 um 11.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44518

„Da hat es Herr Metz aber dem ZDF leicht gemacht, brauchen sie nur noch hier abzuschreiben.“

Das wäre das schönste Resultat. Wahrscheinlicher ist, daß der nächstbeste Praktikant mit einer kurzen Abfertigung betraut wird. Darf ich Ihre Antwort in meinen Blog stellen, Herr Metz?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.10.2020 um 10.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44513

Da hat es Herr Metz aber dem ZDF leicht gemacht, brauchen sie nur noch hier abzuschreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2020 um 02.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44508

Genial! Alle Textbausteine sind bekannt und vielfach belegbar.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.10.2020 um 20.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44506

Wie könnte die Antwort von Herrn Bellut wohl aussehen? Vielleicht so:

– Es trifft nicht zu, dass in den Nachrichtensendungen des ZDF bei allen Berufsbezeichnungen ein hörbares »Innen« angehängt wird. Vielmehr verwenden unsere Redakteurinnen und Redakteure ganz unterschiedliche Formen nebeneinander, vom generischen Maskulinum über die weiblich-männlichen Doppelformen bis hin zum gesprochenen Gendersternchen.
– Die Redakteurinnen und Redakteure entscheiden unabhängig und eigenverantwortlich über die Formulierung der Texte. Die Anstaltsleitung macht den Redaktionen weder sprachliche noch sonstige Vorgaben.
– Die inkriminierte Ausdrucksweise nimmt einen Trend auf, der nicht nur bei den Medien, sondern auch in anderen Gesellschaftsbereichen wahrzunehmen ist. Das ZDF als Anstalt des öffentlichen Rechts sieht sich – gerade auch im Sinne der von Ihnen selbst angesprochenen Sicherung der Meinungsvielfalt – in der Pflicht, derartige Entwicklungen im Zuge einer wichtigen gesellschaftlichen Debatte in den eigenen Sprachäußerungen wenigstens teilweise abzubilden. Diesen Sprachwandel zu ignorieren würde dem Neutralitätsgebot just zuwiderlaufen.
– Im Übrigen wird durch einzelne Formulierungen in Nachrichtensendungen niemandem etwas »oktroyiert«.
– Sprache prägt das Denken mit, und es gibt durchaus ernstzunehmende wissenschaftliche Belege dafür, dass bei ausschließlicher Verwendung des generischen Maskulinums auch dort männliche Assoziationen ausgelöst werden, wo nicht nur Männer gemeint sind.
– Das ZDF legt Wert darauf, das Publikum in seiner ganzen Breite und Vielfalt anzusprechen, nicht nur Männer, nicht nur Männer und Frauen, auch Menschen mit nichtbinärer Geschlechtsidentität.
– Wir befinden uns mitten in einem gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Warten wir doch alle einfach ab, was am Ende dabei herauskommt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.10.2020 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44505

Gut geschrieben!
Die Antwort würde mich auch interessieren.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.10.2020 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44504

Müßig, aber man tut seine Bürgerpflicht.

ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN
ZDF-Straße 1
55127 Mainz
Herrn Dr. Thomas Bellut
Herrn Frederic Huwendiek

*Innen

Sehr geehrter Herr Intendant, sehr geehrter Herr Huwendiek,

ich sehe Ihre Nachrichten regelmäßig und habe mich immer darauf verlassen, daß Sie sich Ihrem grundgesetzlichen Auftrag und dem Rundfunkstaatsvertrag verpflichtet fühlen. Wie Sie natürlich wissen, haben öffentlich-rechtliche Nachrichtensendungen einen wichtigen Beitrag "zur Sicherung der Meinungsvielfalt und somit zur öffentlichen Meinungsbildung“ zu leisten, haben also ein hohes Maß an Neutralität zu wahren.

Deshalb befremdet es mich, daß die Moderatoren Ihrer Nachrichten neuerdings „gendern“, indem Sie allen Berufsbezeichnungen mit grammatisch männlichem Geschlecht ein hörbares „Innen“ anhängen. Damit stellen Sie sich nicht etwa in den Dienst der Geschlechtergerechtigkeit, sondern beziehen propagandistisch Stellung für eine feministische Minderheit, die der fragwürdigen Überzeugung ist, man könne mit oktroyierten Änderungen der Sprache die Gleichstellung der Geschlechter erreichen. Abgesehen davon, daß diese Überzeugung kein valides wissenschaftliches Fundament besitzt, sondern ideologisch geprägt ist, wendet sie sich aggressiv gegen das authentische Sprachempfinden und den Willen der Bevölkerungsmehrheit.

Mir ist jede sachliche Meldung, jeder objektive Bericht zum Thema Gleichstellung bzw. Gleichberechtigung willkommen; auf Propaganda bitte ich Sie jedoch zu verzichten.

Mit freundlichen Grüßen

Erich Virch
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2020 um 13.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44501

Wer grundsätzlich nichts liest, was mit dieser Duftmarke versehen ist, versäumt nichts. Andererseits dürfte das im selbstreferentiellen System der Akademiker niemanden jucken. Bedauerlich ist der Zwang, der mehr oder weniger auf andere ausgeübt wird.

Die Literaturangaben sind übrigens ein Panoptíkum der Verrücktheit.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.10.2020 um 11.41 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44500

Nun ist der Text durchgekommen. Er enthielt einen Apostroph. Nach dessen Beseitigung funktioniert es.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.10.2020 um 11.38 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44499

Der Inhalt der folgenden Broschüre überbietet alle Gender-Leitfäden, die mir bislang untergekommen sind, nochmal um eine Absurditätsstufe:
https://stura.uni-leipzig.de/fsr-philosophie/doc/genderleitfaden-des-philosophischen-instituts
Immerhin Versuchen die Autoren zu argumentieren:
"Dennoch ist der geschlechtsabstrahierende Gebrauch der männlichen Form ungenau, da sich das generische Maskulinum und das geschlechtsspezifische Maskulinum nicht voneinander unterscheiden."
Das ist natürlich Unsinn, denn sobald es aufs Geschlecht ankommt, macht man es spezifisch und redet z.B. von "männlichen Teilnehmern". Dann weiß der Hörer,
daß aus einer offenbar gemischten Gruppe die Teilmenge der Männer gemeint ist.
Ungenau ist eher das Wort "Teilnehmerinnen". Denn es gibt ja nicht wieder, ob zufällig nur Frauen anwesend sind, oder ob die Teilmenge der Frauen in einer beliebigen Gruppe gemeint ist. Die Verwendung von "die weiblichen Teilnehmer" - in gesprochener Sprache noch mit einer Betonung auf dem Adjektiv - würde hier sofort Klarheit schaffen. Aber dieses Mittel wird ja nach und nach unmöglich gemacht, wenn die Abschaffung des generischen Maskulinums voranschreitet.
Und wie wenig das Argument der Ungenauigkeit überhaupt reflektiert (oder ernst gemeint) ist, wird ja auch an folgendem klar: Die Postulierung eines generischen Femininums durch Wahl der "...innen"-Form läuft gegen jegliche Sprach- und Denklogik und läßt jeden Text, der von Menschen handelt ins Nebulösen abtauchen. Geht es um Frauen? Um Männer? Um beide? Ist es sowieso egal?
Bestes Beispiel gestern auf SPON, ein wohlwollender Artikel über den feministischen Gesetzentwurfstext der Justizministerin.
Im Artikel liest man "...sorgt nun für Unmut bei den Kolleginnen des Innenministeriums" und später von den "Mitarbeiterinnen".
Aha, haben sich nur die Frauen zu Wort gemeldet? Wohl kaum, oder sogar eher die Männer...man weiß es nicht und kann es dem Text nicht entnehmen. Am ehesten ist zu vermuten, daß der Spiegel den Mitarbeitern des Innenministeriums noch symbolisch einen mitgeben wollte. Kindisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2020 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44498

Ich habe gerade mit Erfolg zwei Einträge gemacht, ein allgemeines Problem scheint es also nicht zu sein. Dieser Hinweis ist vielleicht nützlich.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.10.2020 um 11.09 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44496

Da ich gebranntes Kind bin, habe ich den Textentwurf hier im Editor gespeichert.
Ich sende ihn gerne an den Programmierer dieser Seite, damit er endlich diesem üblen Bug einmal auf den Grund geht.
Wer kann den Kontakt herstellen?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.10.2020 um 11.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44494

Ich habe alles versucht, die Kontrollzeichen für Schrägschrift entfernt, den Link entfernt ... mein Text kommt nicht durch.
Nach Klick auf "Kommentar eintragen" kommt die Seite mit "Zu Ihrem Kommentar", doch dann erscheint er einfach nicht.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.10.2020 um 10.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44493

Mein Text kommt nicht durch, trotz vielfacher Versuche gestern und heute ... wer kann helfen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.10.2020 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44490

Danke fürs Verlinken der Studie. Es haben also 86 Versuchspersonen drei Varianten eines Textes von weniger als 200 Wörtern gelesen und (gewiß ganz unbefangen) beurteilt. Rückenwind für die Geschlechtsbesessenen, und doch – irgendwie sind andere Verschwörungstheorien überzeugender. Im Netz kursiert zum Beispiel ein Video, das gleich 80 wissenschaftliche Beweise dafür vorlegt, daß die Erde eine Scheibe ist. Den Mißstand gleichen die Genderer mit Inbrunst aus. Als der Verein Deutsche Sprache e.V. letztes Jahr einen Aufruf gegen die Ausbreitung der „geschlechtergerechten Sprache veröffentlichte, reagierte Daniel Kretschmar von der taz mit einem wahren Tobsuchtsanfall. „Oh, fuck off“, schrieb er und erklärte die Erstunterzeichner, darunter Literaturpreisträger, angesehene Wissenschaftler und prominente Kabarettisten zu einer „jämmerlichen Parade kleinbürgerlicher Würstchen“. Dazu wälzte er sich in Urinphantasien: „Würde selbstgerechter Zorn den Körper durch die Harnröhre verlassen, ertrinken würden die hundert Erstunterzeichner*innen des Aufrufs ‚Schluss mit dem Gender-Unfug’ in ihren eigenen Ausscheidungen.“ Nicht mal Attila Hildmann ist leidenschaftlicher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2020 um 03.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44487

Wie ich schon mehrmals gesagt habe, sind die üblichen psychologischen Experimente mit geschlechtsspezifischen Assoziationen "ökologisch unangemessen", weil Neutralisationserscheinungen augenblicklich verfälscht werden, wenn man sie zum Gegenstand der Aufmerksamkeit macht. Das ist eine besondere Form des "Aus-dem-Kontext-Reißens".

Ganz verschiedene Sprachgemeinschaften, ganz verschiedene Menschen (Männer, Frauen, Frauenverächter und Frauenverehrer usw.) sind mit dem generischen Maskulinum gut zurechtgekommen. Wie ja auch Fromme und Unfromme sich derselben Sprache bedienen und auch sonst der Sprachidealismus ("Weltansicht der Sprache") Tag für Tag durch die Praxis widerlegt wird. Nur wo die Sprache "feiert", also in der Sonderwelt der Philosophen und Spinner, bestimmt die Sprache, wo es langgeht.

Es sollte mich nicht wundern, wenn der Sprachfeminismus seinen Triumphzug erst in der Dämmerung beginnt. Wenn kaum noch jemand an diesen Unsinn glaubt, wird er von Staats wegen durchgezogen. Hunderte von Professorinnen stehen bereit.

Übrigens hat die Rassismus-"Forscherin" Susan Arndt nun ein Handbuch über Sexismus herausgebracht, das z. B. von der Süddeutschen Zeitung in die zweifellos wohlverdiente Pfanne gehauen wird. Auch angesehene Verlage verlieren jedes Maß, wenn solche gutgemeinten Sachen sich aufdrängen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.10.2020 um 00.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44486

Zwar interessiert uns hier hauptsächlich die sprachliche Seite des Feminismus, aber diese ist nicht so leicht durchschaubar wie andere. Daß es den Feministen schon lange nicht mehr nur um Gleichberechtigung, sondern um allgemeine Gleichmacherei geht, beweisen sie am anschaulichsten auf anderen Gebieten. Ein Beispiel aus dem "Magazin", der Beilage der SZ vom 9.10.2020, Seiten 28 ff.:

Noch nie war eine deutsche Frau im All. Seit Jahren kämpft eine Raumfahrt-Ingenieurin darum, dass sich das endlich ändert.

Obwohl die NASA nun Frauen befördert, hat sie immer noch deutlich mehr Männer ins All entsandt.
männlich 305 weiblich 50

Rund 500 Menschen waren im All, davon nur 64 Frauen

Als ob Reisen ins All ein Vergnügungsprivileg wären. Als ob sie nicht besondere Anforderungen vor allem an die physische Leistungsfähigkeit stellten. Als ob überhaupt gleich viele männliche und weibliche Kandidaten zur Auswahl stünden.

Ebenso naiv der Spiegel, Nr. 41, 2.10.2020, S. 106:

Die Nobelpreise gehen meist an alte Männer

Ja, aber wirklich, wo doch junge Frauen viel hübscher sind! Das verstehe wer kann.

Insgesamt liegt die Frauenquote bei nicht einmal vier Prozent.

Klar, um die Quote geht es, nicht um die wissenschaftliche Leistung.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.10.2020 um 00.16 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44485

Die "Studie von 2007 von Friederike Braun" ist hier einzusehen:
https://wiki.kif.rocks/w/images/0/08/Braun-et-al.pdf
Die Studie ist, was Fragestellung, Methodik und das verwendete Textbeispiel angeht, äußerst dürftig und rechtfertigt keinesfalls den vollmundigen Bezug darauf ("Kritik wurde durch Studie widerlegt").
 
 

Kommentar von HJ Martin, verfaßt am 14.10.2020 um 21.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44484

Das einzige valide Argument für das Gendern, von dem sich Feministen ja die Gleichstellung aller Gruppen der Gesellschaft (Frauen, Männer, Diversen) auch in der außersprachlichen Realität versprechen, ist die nachweisbare Existenz von Assoziationseffekten: Genus löst manchmal (oft stereotype) Assoziationen zum Sexus aus, wie die Linguistin Ewa Trutkowski im Juli in der Neuen Zürcher Zeitung anmerkte.

Nun nähme vermutlich niemand Anstoß daran, wenn in bestimmten Fällen, in denen etwa Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang bestimmte Berufe nur von Männern ausgeübt wurden, neben dem "männlichen" Genus ("Maurer", "Pilot" etc.) auch einmal der weibliche benutzt wird, um die erwartete Assoziation nur mit dem biologisch männlichen Geschlecht (Sexus) vorausschauend zu korrigieren.

Die aktuell zu hörende und zu lesende (vermeintliche ) sprachliche Pflichtübung penetranten Genderns ist allerdings trotz aller Mühe nicht nur stets fehlerhaft und inkonsistent, sie "gendert" auch ganz grundsätzlich: möglichst überall, wo Personen gemeint sind, und sogar bei Institutionen und Tieren mit weiblichem Genus. Das Motiv ist folglich kein pragmatisches, sondern ein ideologisches. Gerade deshalb sind die Praktikanten solch sprachlicher Verrenkungen von ihrer Mission so überzeugt.

Alle anderen Mitglieder der deutschen Sprachgemeinschaft assoziieren mit Corona-Patienten, Fernsehzuschauern, Kinogängern, Museumsbesuchern, Passagieren, Touristen, Wählern etc. einfach nur Menschen welchen Geschlechts auch immer, die Corona-krank sind, fernsehen, ins Kino gehen, ein Museum besuchen etc.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 14.10.2020 um 16.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44483

Ein Artikel in der taz kommentiert den Referentenentwurf wie zu erwarten. Bemerkenswert ist der Hinweis auf "eine Studie von 2007 von Friederike Braun und anderen, die widerlegt, geschlechtergerechte Sprache mache Texte unverständlich.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.10.2020 um 18.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44478

Daß im Bundesjustizministerium allen Ernstes ein Referentenentwurf im generischen Femininum vorgelegt werden kann, zeigt, wie weit es schon gekommen ist. Gutachten werden wahrscheinlich zu dem Ergebnis kommen, die Sache sei "umstritten", in jener "pervertierten Objektivität" (Susan Jacoby), die auch dem intelligent design einen Platz neben der Wissenschaft sichert. Anything goes. Wenn es bisher kein generisches Femininum gab, dann machen wir eben eines!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.10.2020 um 23.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44471

In ZEIT ONLINE schreibt Johanna Roth (früher taz) über die Wahlchancen Trumps. Machen Sie sich den Spaß und lesen Sie die nachstehende Liste laut vor. Beantworten Sie dann die zweiteilige Preisfrage: 1. Gibt es in den USA Frauen? 2. Dürfen Frauen in den USA wählen?

Teilnehmende
Wählerinnen und Wähler
Trump-Wähler
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
US-Amerikanerinnen und -Amerikaner
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
Trump-Wählerinnen (hier sind Frauen und Männer gemeint)
Wählerinnen und Wähler
Wähler
Wählerinnen und Wähler
Teilnehmende
Trump-Wählerinnen und -Wähler
Nichtwähler
Nichtwählerinnen und Nichtwähler
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
Teilnehmende
Wählerinnen und Wähler
Senioren
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
Bewohnerinnen und Bewohner
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
Vorortbewohner
Hochschulabsolventen
Plünderer
Vorortwähler
Rentner
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler
Independent-Wählerinnen und -Wähler
Wählerinnen und Wähler
Wählerinnen und Wähler

Um es etwas schwieriger zu machen: Sie schreibt durchweg »Republikaner« und »Demokraten«, außerdem »Wählergruppen«, »Wählerschaft«, »Wählerstimmen«.

Nun sind Sie dran. Viel Erfolg!
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 09.10.2020 um 22.16 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44470

Argumente gegen das Gendern, die Sie anderswo nie lesen. Empfehlenswerter Artikel auf welt-online, der seinem Titel gerecht wird.

https://www.welt.de/kultur/plus217170354/Argumente-gegen-das-Gendern-die-Sie-anderswo-nie-lesen.html

Der Autor befaßt sich insbesondere mit den Studien, die von den Gender-Befürwortern immer wieder ins Feld geführt werden. Sehr fundierte Darstellung, auch von Widerlegungsstudien, am Ende eine lange Referenzliste.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2020 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44428

Die "fratelli tutti" der neuen Enzyklika haben naturgemäß Kritik der sorelle hervorgerufen, und in die deutsche Übersetzung soll im letzten Augenblick die "Geschwisterlichkeit" eingefügt worden sein.

Eine neue Gesellschaftordnung oder gar Weltordnung zu fordern ist leicht. Verständlicherweise haben auch wohlmeinende Beobachter gleich zurückgefragt, ob die katholische Kirche nicht zunächst im überschaubaren Bereich ihrer eigenen Ordnung einiges ändern könnte. Aber ein großer Aufreger wird die Enzyklika (150 Seiten) ohnehin nicht werden. Im Archiv ruht schon zuviel desgleichen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2020 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44423

Wirklich moralisch fragwürdig sind die auf den „Melania Tapes“ festgehaltenen Äußerungen zu Migrant*innenkindern. (FR 4.10.20)

Das entspricht ungefähr der "Eselinnenmilch", die nach Jacob Grimm der Pedant seiner schwangeren Frau verabreicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2020 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44407

Heribert Prantl (SZ 2. 10.20) prangert die Kirche wegen des "Missbrauchsskandals" an und sieht darin die Hauptursache der Kirchenaustritte, aber dann schließt er sich doch der Sprachregelung "sexuelle Gewalt" an. Ich wundere mich jeden Tag über diese sprachliche Gleichschaltung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2020 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44400

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43914

Die Attacken der Gender-Meute auf J. K. Rowling werden immer wüster. Nach ihrem neuen Buch ("Troubled Blood") hört man von Bücherverbrennungen und Boykott, was insgesamt dem Absatz zugute kommen dürfte. Das Buch ist erst seit einigen Tagen auf dem Markt, die meisten Erregten dürften es noch nicht gelesen haben, aber von Rowling kann ja nichts Gutes kommen...
Ich habe es übrigens gelesen, will aber nichts verraten, weil es ja ein Krimi ist. Nur soviel: Für Gender-Aktivisten gibt es nichts her. Die beiden Hauptfiguren der Serie haben bekanntlich ihr Päckchen zu tragen, sind allerdings im übrigen durchaus ein richtiger Mann und eine richtige Frau...
Der Rowling-Leser wünscht natürlich seit dem ersten Band, daß die beiden zusammenkommen, weiß aber gleichzeitig, daß die wachsende Anziehung zwischen ihnen aus dramaturgischen Gründen möglichst in die Länge gezogen werden muß, so daß wir leider auch am Ende von Band 5 noch nicht am Ziel unserer Wünsche sind. Immerhin vergißt er diesmal nicht ihren Geburtstag und schenkt ihr sogar ein Parfum (die Marke ist erwähnt). Das ist ganz altmodisch. Heutzutage liegen ja die Liebenden, wenn sie einander ihre Liebe "gestanden" haben (was man kaum sagen kann), in der nächsten Sekunde zusammen im Bett oder wenigstens auf dem Küchentisch. Cormoran und Robin hingegen denken bloß beide daran, daß das Bett nur eine Treppe entfernt ist. Rowling teilt uns nämlich von beiden und nur von diesen mit, was sie denken und fühlen.
Nicht zu tadeln ist, daß die Frau zwar auf eine zurückhaltende Art sexy, im Beruf jedoch dem ehemaligen Boxer und Militärpolizisten Cormoran mehr und mehr ebenbürtig dargestellt ist.
Im übrigen raucht er leider, wie schon berichtet, eine Benson & Hedges nach der anderen, sogar eine, die er gar nicht hat, denn eine Seite vorher waren sie ihm ausgegangen. Als ich nachsah, ob andere Leser diesen Fehler auch schon bemerkt hatten, stieß ich gleich auf einen Eintrag, wenige Tage vorher, wo auch noch andere Versehen aufgelistet waren. Trotzdem ein schönes dickes Buch mit ausgezeichneten Dialogen, wie immer.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 29.09.2020 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44388

"Das Hinterherpfeifen ist eher Sache der Straßen- und Bauarbeiter."

So nicht. ZEIT Online macht vor, wie es richtig geht:

"Musk hat bei seinem Besuch Anfang September schnell noch Richtfest gefeiert, ist für seine Motivationsrede vor den Bauarbeitenden in eine Zimmermannskluft geschlüpft und hat den wartenden Journalistinnen zugeworfen: "I believe in speed."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2020 um 19.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44386

Ergänzung zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44373

In einer Rezension, die offenbar noch vor seinem Tod geschrieben wurde, ist vom Opportunisten Wolfgang Clement die Rede, der „sich zum Büttel der großen Energiekonzerne machen ließ und im Bundestag Texte aus der Presseabteilung des Energieunternehmens RWE verlas“. Das ist heute noch genauso. Die Politiker verwenden wörtlich die gleichen Wendungen wie die Atomwirtschaft in ihrer genannten Broschüre: „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ usw. Heute im Radio gehört.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2020 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44383

Jede und jeder, der oder die usw. – diese Doppelformen werden nie wirklich üblich werden, sondern immer etwas Zwängliches behalten. Das trägt zu meinem Eindruck bei, daß die politisch korrekte Sprache im gleichen Maße, wie sie sich in unfreien Texten (Rundfunk, Politiker usw.) verbreitet, immer unbeliebter wird. Es erscheinen auch immer mehr Proteste.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2020 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44382

Zwei Drittel aller Frauen haben schon erlebt, daß Männer hinter ihnen herpfiffen.

Eine Petition will erreichen, daß auch das unter Strafe gestellt wird. Das bedeutet Millionen von Anzeigen gegen unbekannt, hunderttausend weitere Stellen in Polizei und Justiz. Das Hinterherpfeifen ist eher Sache der Straßen- und Bauarbeiter, die z. T. auch unter Gruppenzwang handeln; sie glauben das tun zu müssen. Bier wird ausdrücklich erwähnt. Wir Akademiker tun das nicht. Die Forderung der Fuldaer Studentin (!) ist auch ein Stück Klassenkampf. Mit zwanzig weiß man das noch nicht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.09.2020 um 21.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44380

Aus dem »Wörterverzeichnis der Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM) mit Formulierungshilfen, Erläuterungen und alternativen Begriffen für die Berichterstattung in der Einwanderungsgesellschaft«
(https://glossar.neuemedienmacher.de/glossar/fluechtlinge/):

»Sprachlich ist der Begriff ›Flüchtling‹ umstritten. So sind Worte mit dem Ableitungssuffix ›-ling‹ im Deutschen verkleinernd und teils negativ konnotiert (Vgl. Eindringling, Schönling, Schädling etc.). Gleichzeitig werden Menschen durch die Bezeichnung ›Flüchtling‹ auf einen Teil ihrer Biografie reduziert.«

Wenn ich jetzt sage, daß »die Autor*innen« noch etwas vergessen haben (nämlich daß das Wort Flüchtling abscheulicherweise männlich ist), habe ich sie auch »auf einen Teil ihrer Biografie reduziert« – allerdings auf den einzigen, der hier interessiert. Es ist nämlich egal, ob sie Fleisch essen oder nicht, für oder gegen aktive Sterbehilfe sind, lieber am Meer oder in den Bergen Urlaub machen. Hier geht es nur darum, daß sie diesen Eintrag verfaßt haben.

Die Reduzierung auf die relevanten Aspekte des Redegegenstandes ermöglicht überhaupt erst ein effektives Gespräch. Jede Ablenkung erschwert die Verständigung, ohne daß dem irgendein erkennbarer Nutzen entgegenstünde (abgesehen von rhetorischen Manövern). Was haben die Menschen in Moria davon, wenn man sie »Geflüchtete« nennt? Auch dieses Wort »reduziert sie auf einen Teil ihrer Biografie«, aber eben auf genau den, von dem hier die Rede ist.

Schon bald wird also wohl ein neues Wort fällig werden. Die Euphemismustretmühle läuft mal wieder heiß. Haben nicht überhaupt Flucht und das ganze Wortfeld etwas sehr Gehetztes? Tiere zeigen Fluchtverhalten, aber Menschen? Wollen wir Menschen wirklich mit Tieren gleichsetzen? Wie wäre es mit »Personen mit Ausweichgeschichte«? Es sollte doch möglich sein, für die nächsten sechs Monate etwas Passendes zu finden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.09.2020 um 22.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44379

Abgesehen von dem Versprecher, eine einzelne Personenbezeichnung wie Mitarbeiter wird von den Genderverirrten meistens gegendert, aber sobald es um eine Aufzählung oder andere Gruppierung wie hier geht, wird ausnahmslos doch wieder auf das angeblich veraltete generische Maskulinum zurückgegriffen. Wer sagt schon

der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Nachkomminnen und Nachkommen?

Übrigens, das Wort Nachkomminnen ist sowieso ziemlich exotisch, es kommt vor allem im Duden und auf Grammatikseiten vor.

Google-Funde:

"Nachkommen" ................. fast 14 Millionen
"Nachkomminnen" .............. 842 (0,006% der ersteren!)
"Nachkomminnen und Nachkommen" 6
"Nachkommen und Nachkomminnen" 0
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.09.2020 um 13.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44378

(Der Sprecher war in dem Fall übrigens der Chefhistoriker von VW. Und hinter Heinrich-Plagge-Assoziation steckt vermutlich Associação Heinrich Plagge.)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.09.2020 um 12.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44377

Vorgestern in der Tagesschau, ein VW-Sprecher äußert sich zu den beschlossenen Entschädigungszahlungen im Zusammenhang mit Repressalien gegen Werksmitarbeiter in Brasilien vor rund fünfzig Jahren:

»Wir erkennen das Leid der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen an. Die Hälfte der Summe geht daher an die Heinrich-Plagge-Assoziation, der Zusammenschluß der betroffenen Mitarbeiter und deren Nachkommen.«
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.09.2020 um 11.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44374

Vor ein paar Tagen habe ich im ZDF zweimal die Schreibweise "Kritiker*nnen" gesehen, vielleicht war es auch ein anderes Wort, jedenfalls mit einem sozusagen zum * entarteten i-Punkt.
Auch ein schöner Gag. Mit der Aussprache wird es da allerdings noch schwieriger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2020 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44373

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung wirbt in einer Broschüre, die den Zeitungen beiliegt, für ihr Projekt: „Der gesuchte Standort soll für die Lagerung hoch radioaktiver Abfälle die bestmögliche Sicherheit für eine Million Jahre gewährleisten.“ Von der „Rückholbarkeit“ hat man wohl Abstand genommen. Der Text gibt sich sehr offen, „dialogorientiert“, und will offenbar vor allem eine jüngere, eher grüne Population bzw. Gorleben-Veteranen ansprechen. Er ist daher strikt mit Sternchen gegendert. Am Problem selbst ändert sich durch Dialoge mit „Kritiker*innen“ nichts. Die Standortsuche sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, was ja nach dem Entsorgungsdeal mit dem Steuerzahler buchstäblich zutrifft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2020 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44322

Weibliche Dienstgrade in der Bundeswehr seien "überfällig", mein ein (männlicher) Personalrat. Die Soldatinnen selbst hätten lieber passende Schutzwesten, Stiefel usw.

Über Hauptfrau wird jetzt schon gespottet.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.09.2020 um 01.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44300

»WAS IST DAS EUROPÄISCHE ÜBERSETZER-KOLLEGIUM?
Das Europäische Übersetzer-Kollegium in Straelen ist das weltweit erste und größte internationale Arbeitszentrum für professionelle Literatur- und Sachbuch-Übersetzerinnen und Literatur- und Sachbuchübersetzer.«

(https://www.euk-straelen.de/deutsch/das-kollegium)

Man kann nur hoffen, daß die Übersetzungen von höherem Niveau sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2020 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44245

Der menschliche Geschlechtstrieb findet unzählige Wege und Umwege, und gerade das Internet verschafft uns einen Einblick in die mehr oder weniger skurrilen Vorkehrungen und Hilfsmittel, mit denen Menschen (vor allem Männer?) zu sexueller Befriedigung zu kommen versuchen, und die früher nur in Spezialwerken zur Psychopathia sexualis zu finden waren. So auch bei der Objektwahl. Darunter fallen auch Kinder, die nach heutiger Auffassung und Gesetzeslage noch nicht als Sexualpartner in Frage kommen (früher war man da manchmal großzügiger). Wenn das nun der Fall ist, kann man sicher nur selten annehmen, daß der Täter den Drang hat, endlich wieder einmal Gewalt anzuwenden, um Lust zu empfinden. Das unterstellt aber die Fügung "sexualisierte Gewalt" mit ihrer Verschiebung von Kern und Beifügung. Der sprachliche Mißgriff spiegelt, wie gesagt, die Ideologie: Sex ist gut, Gewalt ist böse.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2020 um 12.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44244

Die meisten Pädophilen und gewiß auch die 650 Ordensleute, von denen gerade in der Presse berichtet wird, würden es zurückweisen, Gewalt angewendet zu haben. Sexualisierte Gewalt ist ungefähr die Definition von Sadismus. Das ist aber in den meisten Fällen nicht das, worum es beim sexuellen Mißbrauch von Minderjährigen geht. Ein Machtgefälle liegt immer vor, aber Macht ist nicht Gewalt – diese Taschenspielerei ist nur in gewissen Kreisen üblich. Es gibt natürlich auch wirkliche Vergewaltigung, die aber gewissermaßen verharmlost wird, wenn man sie mit den Verführungstricks der Pädophilen in einen Topf wirft.

Kann man den Justizministern die Verirrung nicht doch noch ausreden? Es ist ja abzusehen, daß Juristen künftig um den ausgeweiteten Gewaltbegriff streiten werden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.09.2020 um 10.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44242

Wie halten wir es nun mit brutaler Gewalt, sanfter Gewalt, häuslicher Gewalt und nackter Gewalt? Nahe lägen brutalisierte Gewalt, besänftigte Gewalt, domestizierte Gewalt und nackig gemachte Gewalt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2020 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44237

Jetzt wird es offiziell: Der Begriff "sexualisierte Gewalt" zieht ins Strafgesetzbuch ein und ersetzt "sexuellen Mißbrauch". Ein Sieg der feministischen Ideologie. Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1358#39560

Von den meisten zuständigen Politikern kann man wohl sagen: Sie wissen nicht, was sie tun. Sie könnten es aber wissen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.08.2020 um 23.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44098

Heute war ein Faltblatt der Waldorfschulen im Briefkasten. Davon ein paar Zitate:

Werden Sie Oberstufenlehrer*in.
Für die Fächer der Oberstufe suchen Waldorfschulen gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer.

Wie denn, Lehrer* werden nicht gesucht? Wie stellen sich die Waldorfer*innen das vor?

-> Weiterbildung Oberstufenlehrer*in
Dieser Studiengang ergänzt ein vorheriges wissenschaftliches Studium und bildet Sie zur Lehrerin/ zum Lehrer in den Klassen 9 bis 13 aus.

Und zum Lehrer* wird niemand ausgebildet?

Unsere Studiengänge und Weiterbildungen
Studiengänge
- Klassenlehrer mit Wahlfach
- Klassenlehrer mit Schwerpunkt Inklusive Pädagogik
Weiterbildung
- Oberstufenlehrer*in
- Waldorfklassenlehrer*in
- Fachlehrer*in

Weder Klassenlehrerinnen noch Klassenlehrer* in den Studiengängen!

Akademikerinnen und Akademiker gesucht!
Waldorfschulen suchen Lehrkräfte für die Oberstufe - ...

Also auch hier sind weder Akademiker* noch Lehrkräfte* gesucht?

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht - und natürlich auch darüber, dass Sie diese Karte an andere interessierte Menschen weitergeben.

Aber die Weitergabe an Menschen* ist anscheinend unerwünscht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.08.2020 um 12.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44085

Die Pressestelle der Erlanger Uni berichtet in einem ihrer peinlichen Texte, was ein "Forschendenteam" über Corona herausgefunden hat. Nach einigen Verrenkungen geht sie schlicht zu "Forschern" über, so daß auch ein deutscher Leser es verstehen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2020 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44045

Birx ist schon die zweite Medizinerin in Trumps Beraterkreis, die der Zorn des Präsidenten trifft. Vor ihr fiel bereits ihr Kollege Anthony Fauci bei Trump in Ungnade. (SZ 5.8.20)
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 04.08.2020 um 01.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44036

Aus dem Formular eines Bundesministeriums zur Förderung von Kultureinrichtungen:

Wir sind

- Mieter/in
- Pächter/in
- Eigentümer/in

Die Tatsache, daß das grammatische Geschlecht bei Organisationen überhaupt keine Rolle spielt, scheint den Gender-Robotern in der Verwaltung nicht bewußt zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2020 um 04.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44025

In der SZ (1.8.20) ein Rückblick auf die Revolution in Bayern:

Die Historiker Elisabeth Angermair und Andreas Heusler...
Dabei lassen die Autorinnen und Autoren...
Die Autoren, allesamt Frauen und Männer vom Fach...
So erhält der Leser...


Ein typischer Text von heute: Manchmal fällt dem Verfasser das Gendern ein, dann vergißt er es wieder. Und das soll den Frauen helfen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2020 um 10.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43967

Zur Ergänzung:

Sexualisierung aufgrund des grammatischen Geschlechts war schon lange vor der feministischen Bewegung üblich: Muttergesellschaft, Tochterfirma usw. So auch in der Allegorese: Grammatica als Frau usw. Ich nehme an, daß ein Teil der kirchlichen Dogmatik (Kirche, Ecclesia = Braut Christi), darauf zurückgeht. Der buddhistische Samgha würde kaum so ausgedeutet werden.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 23.07.2020 um 23.02 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43965

https://www.nzz.ch/feuilleton/gendergerechte-sprache-die-diskussion-ist-politisch-vergiftet-ld.1567211

»Wer gendert, ist lieb und links. Wer es nicht tut – und auch nicht tun will –, böse und rechts.«
 
 

Kommentar von Hans-Jürgen Martin, verfaßt am 22.07.2020 um 14.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43963

Zum Urteil des Thüringer Verfassungsgerichtshofs in Weimar zur Paritätsregelung im Landeswahlgesetz:

Die Verfassungswidrigkeit der Regelung war und ist jedem klar, der sich klarmacht, was ein Wahlrecht bedeutet. Deutlich wurde das, wie Theodor Ickler kürzlich anmerkte, in der unsinnigen Aussage, in den deutschen Länderparlamenten seien teils deutlich mehr Männer als Frauen vertreten: Wenn tatsächlich "mehr Männer als Frauen vertreten" sind in einem Parlament, dann heißt das schlicht, daß sich "mehr Männer als Frauen" an der Wahl beteiligt haben. Ob, wen oder was Wähler wählen, ist allein ihre Sache.

Auch weitere Gründe sprechen aber gegen eine Paritätsregelung:

1. Nach dem Beschluß des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017, daß es künftig einen dritten Geschlechtseintrag im Geburtenregister für intersexuelle Menschen geben müsse, hätten doch auch für diese kleine Gruppe einige Listenplätze (und Parlamentssitze) reserviert werden müssen – oder?

2. Die Idee des Proporzes unterstellt – m. E. absichtlich fälschlich –, durch 50% Frauen (oder 49%, siehe Punkt 1) in einem Parlament würde wenigstens zu 50% Politik für Frauen gemacht. Es mag ja grundsätzlich sein, daß Frauen die besseren Menschen sind, ich kann allerdings nicht erkennen, daß z.B. das CSU-geführte Landwirtschaftsministerium bessere Arbeit leistet als das CSU-geführte Verkehrsministerium. Weibliche Politiker machen erfahrungsgemäß ebenso gute und schlechte Politik wie männliche, und so wie kluge Männer lieber eine kluge Frau in ein politisches Amt wählen, so wählen kluge Frauen lieber einen klugen Mann – politische Baustellen (Klimawandel, Artenschwund, Verarmung etc.) gibt es wahrlich genug.

3. besteht die Bevölkerung bzw. Wählerschaft nicht nur aus Frauen, Männern und Inter- & Transsexuellen, sondern auch aus Alterskohorten, Bildungskohorten, Berufsgruppen, Selbständigen & abhängig Beschäftigten, reichen & armen Bürgern, Religionsanhängern & Atheisten etc., und es gab immer schon Forderungen, mehr Nicht-Akademiker, mehr junge Menschen etc. in die Parlamente zu bringen. Wäre ein Proporz mit der Verfassung und den Menschenrechten vereinbar, könnten und müßten alle diese Gruppen gemäß ihren Anteilen an der Bevölkerung in den Parlamenten repräsentiert sein. Solche auf Proporz gegründete Parlamente gab es schon früher (Ständeordnungen, Zensuswahlrecht etc.), und es gibt sie tatsächlich weiterhin in etlichen, oft "gescheiterten" Staaten (nicht nur Afghanistan, Libanon etc.), die der Westen gerne hochmütig als "tribalistisch" beschreibt, obwohl die so geschmähten Staaten meist durch Kolonialmächte geschaffene künstliche Gebilde sind. In Deutschland allerdings wäre eine umfassende Proporzregelung das Ende aller Demokratie.

Offenbar sind wir noch sehr weit entfernt von der Überzeugung, daß ein Politiker (Handwerker, Manager, Beamter etc.) ganz unabhängig von seinem Geschlecht, Alter, Glauben, Schulwissen etc. beurteilt werden sollte.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 22.07.2020 um 13.30 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43962

Ach ja, "bento": Ich stolpere über die Überschrift:
"Was Absolventinnen später verdienen wollen – und was sie wirklich bekommen."
https://www.bento.de/future/einstiegsgehaelter-gehaltsvorstellungen-von-studierenden-auf-jobsuche-im-realitaetscheck-a-86202435-0e1b-44ab-9984-33e334f5ad84

Hat die Autorin tatsächlich speziell weibliche Absolventen gemeint? Immerhin deutet darauf hin, daß da nicht "AbsolventInnen" steht, also könnte es durchaus so gemeint sein.
Andererseits: Gehaltswunsch vs. Realität ist ja durchaus ein Thema, was beide Geschlechter gleichermaßen interessieren könnte. Also was nun?
Erst ein Blick in den Artikel gibt Aufschluß: Im ersten Absatz lese ich "...Fragen, die sich jeder Studierende mal stellt."
Aha, "jeder (sic!) Studierende", es geht offenbar um Männer und Frauen.
Warum dann also "Absolventinnen" im Titel? Vermutlich infolge der Strategie des bunt abwechselnden Femininums und Maskulinums als generisches Genus.
Wieder mal ein Beispiel für die Verwirrung, die sich durch die vielen kleinen Unklarheiten und Inkonsistenzen einstellt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.07.2020 um 11.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43961

»bento«, die Schülerzeitung »vom SPIEGEL«, berichtet über Unregelmäßigkeiten bei der Lohnauszahlung an Fahrer von Essenslieferdiensten wie Lieferando. Bemerkenswert ist, daß der 30jährige Autor fast durchgehend das generische Maskulinum verwendet. Er schreibt »Werkstudierende« und einmal »Fahrerinnen und Fahrer«, ansonsten aber:

Fahrer (Pl.), 11 x
Kurierfahrer (Pl.)
Essenskurier
Essenskuriere
Kuriere
Rider (Pl.)
Kollegen
Mitarbeiter (Pl.), 4 x
Mini-Jobber (Pl.)

Gastronomen
Parteifreunde

Der Artikel liest sich denn auch ganz normal. Die einzigen Stolpersteine sind Zitate aus Schreiben von Lieferando! Wie in solchen Texten inzwischen weithin üblich, sind sie in einer offiziösen Kunstsprache verfaßt, in der das Gendern nicht fehlen darf. Daß keine Überzeugung dahintersteckt, sondern nur das Signal abgegeben werden soll: »Wir machen auch mit«, erkennt man allein schon an der Inkonsequenz, mit der die Autoren die selbstverordneten Regeln anwenden. So entstehen immer wieder unfreiwillig komische Sätze, die das ganze Unterfangen ad absurdum führen.

»Im seltenen Fall, dass es ein Problem mit der Abrechnung gab und Gehalt oder Trinkgeld einmal nicht korrekt an einzelne FahrerInnen ausgezahlt wurde, können diese sich selbstverständlich direkt an den jeweiligen Vorgesetzten wenden.«

Man sieht hier wieder sehr schön, wie es funktioniert. Fahrer sind immer »FahrerInnen«, auch wenn die Zahl der Essenskurierinnen nicht sehr hoch sein dürfte. Darüber wird gar nicht mehr nachgedacht, das Versatzstück »FahrerInnen« wird mechanisch in den Text gefügt. Ausgerechnet aber dort, wo die Geschlechtergerechten den größten Umformulierungsbedarf sehen, nämlich wenn es um die Machtverhältnisse geht, hat man schon wieder vergessen, daß man sich der Bewegung angeschlossen hat. Das sagt alles.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2020 um 11.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43957

In Österreich nicht, aber hierzulande wohl schon, wenn der Dozent einverstanden ist. Aus der gleichen Zeit noch:

Die explorative Studie wird mit zwei weiblichen Schülerpaaren aus einer zehnten Gymnasialklasse einer Gesamtschule durchgeführt. Die Auswahl der Schülerinnen erfolgte hier zunächst auf Basis freiwilliger Teilnahme an der Studie. Die konkreten Schülerinnen der Untersuchung werden...
(https://www.pedocs.de/volltexte/2018/16013/pdf/ZISU_2013_2_Voelzke_Arnold_Kremer_Denken_und_Verstehen.pdf)

Weibliche Paare und konkrete Schülerinnen zeugen von einer gewissen Unbeholfenheit. Der Deutschunterricht beschäftigt sich mit allem möglichen, aber zu wenig mit Übungen im schriftlichen Ausdruck.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 21.07.2020 um 10.41 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43956

Bei den Schülerpaaren handelt es sich ausschließlich um weibliche Teilnehmerinnen.

Ohnehin schlechtes Deutsch. Richtig:
Die Schülerpaare bestanden ausschließlich aus weiblichen Teilnehmern.

Interessant aber: "Schüler" wird auf Seite 10 generisch eingeführt ("...sondern Schüler und Schülerinnen (Schüler) sollen auch...") und dann durchgehend so verwendet. Die Arbeit ist von 2012, würde sie heute durchkommen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2020 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43955

Bei den Schülerpaaren handelt es sich ausschließlich um weibliche Teilnehmerinnen. (Katja Völzke: Lautes Denken bei kompetenzorientierten Diagnoseaufgaben zur naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung. Univ. Kassel 2013:38)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.07.2020 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43939

»Will man nicht genau das überwinden?«

Nein, im Gegenteil, das Individuum soll überwunden werden zugunsten der gesellschaftlichen Segmente (Gemeinschaften). Im Grunde also eine Neuauflage ständestaatlicher Vorstellungen. Letztlich geht es darum, daß die jeweiligen communities Organisatoren und Sprecher brauchen, welchen Macht zufällt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2020 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43937

„Nobel“? Manchmal, nicht immer. Es gibt auch viel Eigennutz, dazu die Naivität der Mitfühlenden, die mit der scheinbaren Kälte der juristischen Argumentation nicht zurechtkommen.

Es ist geradezu lächerlich, mit welcher Sicherheit man voraussagen kann, welche Zeitungen das Thüringer Urteil begrüßen und welche es kritisieren. Natürlich wird den Richtern Rückständigkeit unterstellt usw.

Vorbereitet war das alles in dem zweideutigen Begriff der Gleichstellung, verschärft durch den Zusatz: tatsächliche Gleichstellung. Auch so konnte man darunter noch die Gleichberechtigung oder Chancengleichheit des einzelnen verstehen, ein Grundrecht. Man konnte es aber auch auf das Abstraktum Geschlecht oder die Kohorte der Frauen, Männer, Transsexuellen usw. beziehen, im konkreten Entscheidungsfall auch zuungunsten einzelner Bewerber. Dann landet man beim Proporz. Grundrechte gelten eigentlich nur für den einzelnen Menschen, aber dieser Gedanke kann vor der Macht der Wohlgesinnten nicht bestehen. Der Mehltau der Gesinnung legt sich über die Gesellschaft.
 
 

Kommentar von S. H., verfaßt am 15.07.2020 um 20.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43934

Die Absichten hinter vielen solcher Initiativen sind sicher nobel. Doch wird in meinen Augen zuwenig das Ende bedacht: Führt man so nicht ebenjene Konzepte, die es eigentlich zu bekämpfen gilt, überhaupt erst wieder in unser Zusammenleben ein und sorgt durch perpetuierende Quoten dafür, daß sie niemals vergehen, daß man immer erst die Gruppe und niemals den einzelnen sieht? Will man nicht genau das überwinden?

So steht man vor der Repräsentation (und ihren sprachlichen Verrenkungen) wie Goethes Zauberlehrling.

Serjosha Heudtlaß
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2020 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43933

Hier geht es wohl um ein Mißverständnis. Zur Wahl steht ja nicht, ob mehr Männer oder mehr Frauen ins Parlament kommen, sondern dies ist einfach das logische Ergebnis der Wahlentscheidungen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.07.2020 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43932

Wieso Unsinn? Nicht ein Gesetz, sondern das Wahlergebnis soll bestimmen, ob mehr Männer oder mehr Frauen ins Parlament gelangen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2020 um 14.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43930

Genau das wollte ich vorhin auch noch schreiben und kann mir nicht vorstellen, daß es so in der Urteilsbegründung steht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.07.2020 um 14.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43929

Die Entscheidung an sich ist richtig, aber der Satz in der Begründung

So könnten die Wählerinnen und Wähler nicht mehr frei entscheiden, ob sie etwa mehr Frauen oder mehr Männer ins Parlament schicken wollen.

ist ausgemachter Unsinn. Als ob so eine Frage jemals zur Debatte stünde. Und wenn, dann wäre jede Entscheidung darüber genauso verfassungswidrig wie die jetzt gekippte Paritätsregelung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2020 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43928

Parteien müssen in Thüringen ihre Kandidatenlisten für Landtagswahlen nicht abwechselnd mit Männern und Frauen besetzen. Das hat der Thüringer Verfassungsgerichtshof in Weimar am Mittwoch entschieden und damit eine sogenannte Paritätsregelung im Landeswahlgesetz gekippt. Zur Begründung führte das Gericht aus, diese Regelung beeinträchtige das Recht auf Freiheit und Gleichheit der Wahl. So könnten die Wählerinnen und Wähler nicht mehr frei entscheiden, ob sie etwa mehr Frauen oder mehr Männer ins Parlament schicken wollen. Freiheit der Wahl bedeute auch das Recht, sich ohne staatliche Beschränkung zur Wahl zu stellen.

Gute Entscheidung. Das Recht der freien Wahl (aktiv und passiv) ist wichtiger als das abstrakte Prinzip des Proporzes. Das hätte man sich vorher klarmachen können, statt es sich von der AfD sagen zu lassen.

In den deutschen Länderparlamenten sind teils deutlich mehr Männer als Frauen vertreten.

Nein, es sitzen dort mehr Männer als Frauen, aber wen sie vertreten, ist nicht festzustellen und nicht relevant, weil sie offensichtlich ihre Wähler „vertreten“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2020 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43925

Verschwörungstheorie trifft hier tatsächlich nicht zu, Beziehungswahn ist besser.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 14.07.2020 um 14.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43924

Ich habe jetzt keine Zeit für eine längere Antwort, aber ich bin NICHT mit Ivo Sasek identisch. Ich engagiere mich schon seit der Zeit von www.rechtschreibreform.com gegen die Rechtschreibreform. Mir wurde damals vorgeworfen, "Verschwörungstheorien" zu verbreiten – ich kannte damals dieses Wort noch gar nicht –, weil ich (aufgrund von Nachrichtensendungen) feststellte, daß vier Länder Europas, namentlich Deutschland, Frankreich, Die Niederlande und Norwegen, zeitgleich eine Rechtschreibreform durchführten. Seit damals ist mir klar, daß dieses Wort "Verschwörungstheorie" ein Kampfbegriff ist, eine Art moderner Zauberspruch, um die Gedanken der Leute in eine bestimmte Richtung zu manipulieren. In diesem Sinne wäre es vielleicht auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht interessant, sich für derartige Begriffe und ihr funktionieren zu interessieren. Mein Ziel ist, die Leute aufzuklären, so wie ich seit damals versuche, die Leute über die Rechtschreibreform aufzuklären, nicht irgendwelche "Theorien" zu verbreiten. Wenn andere dies so mißverstehen, dann ist das nicht meine Schuld.
 
 

Kommentar von S. H., verfaßt am 13.07.2020 um 22.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43922

Das eigentlich Fatale besteht ja darin, daß jene postmoderne „Identität“ aus Gruppenzugehörigkeiten zusammenkonstruiert wird, was weit das Tor öffnet für rechts wie links, Schmu mit dem Konzept zu treiben.

Identitätspolitik ist insofern die neueste Wende im Universalienstreit. Das Pendel schlägt um, und wir kehren zurück zum Realismus des Mittelalters. Pathetisch gesprochen, aber mit wahrem Kern: Der postmoderne Platon triumphiert über den Nominalismus der Neuzeit und begräbt Freiheit und Würde des Individuums unter ideologischen Quotenträumen.

Können wir als aufgeklärte Menschen einen solchen Antihumanismus wirklich wollen?

Serjosha Heudtlaß
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2020 um 04.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43914

Auch unter Frauen gibt es Frauenfeindlichkeit, aber daraus läßt sich wenig machen. Neuerdings kommt Transphobie hinzu, die man auch Frauen vorhalten kann (wie im Falle Rowling). Nach einer gewissen Ermüdung des traditionellen Feminismus verspricht Transphobie neuen Schwung; allerdings ist die Interessengruppe der Transsexuellen viel kleiner als die der „Frauen“, von denen neuerdings gar nicht mehr gesprochen werden sollte (das „F-Wort“ laut SZ vom 11.7.20).
Wie aber, wenn man Transphobie als sexuelle Orientierung wie jede andere erkennen und anerkennen sollte? Früher hat man in diesem Sinn für Pädophilie geworben, ohne auf die Dauer deren Strafwürdigkeit verändern zu können.
Alles, was irgendwie queer ist, unter einem Titel zusammenzufassen, dürfte nicht dauerhaft möglich sein. Die Interessen sind zu verschieden, die Gruppierung ist zu offen. Vgl. die „People of Color“, unter denen es auch Streit gibt, wie auch unter Migranten, die keineswegs am selben Strang ziehen (u. a. was Entschädigungsansprüche betrifft). Die „Charta der Vielfalt“ verdeckt die Interessenkonflikte. Das ist der innere Widerspruch der Identitätspolitik; als einzige Lösung haben die Philosophen schon immer die schlichte Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz erkannt. Was darüber hinausgeht, zerfällt früher oder später oder schlägt in neue Gewalt, Unterdrückung und Vernichtung um. Die Revolution frißt ihre Kinder.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2020 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43890

Der Anonymus Pt hat mir kürzlich unterstellt, seine Einträge "reflexartig" zu löschen - schon das wäre ein hinreichender Grund, sie zu löschen. In Wirklichkeit versucht er immer wieder, sich in meinem Tagebuch einzunisten, um von dort auf Klagemauer-TV, d. h. die verschwörungstheoretische Website von Ivo Sasek zu verlinken (mit dem er möglicherweise identisch iat). Vermutlich bin ich nicht das einzige Opfer. Ich lasse den letzten Eintrag samt meiner Antwort eine Weile stehen, damit die anderen Leser sich ein Bild machen können, was es alles gibt. Jeder sieht ja, wie Pt es schafft, von jedem Punkt aus die Kehre zu seinem Lieblingsthema zu finden. Ich empfehle ihm aber dringend, sich einen anderen Wirt zu suchen, sonst setzen meine "Reflexe" ein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2020 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43889

Ich dachte weniger an den Höllenfürsten Bill Gates samt "Machenschaften" und "Hintergrund" als an ganz aktuelle Beispiele von sehr jungen Menschen, die ihre kleineren oder größeren Programme an Firmen verkaufen. Es kann sich um Spiele handeln oder etwa um die übersichtliche Präsentation von Infektionsdaten.

(Sie schreiben: "Bill Gates Vater war Rechtsanwalt, somit hatte Billy beste Voraussetzungen etwas zu programmieren, wo andere in seinem Alter andere Jobs machen mußten." Wenn Sie damit meinen, daß die Familie nicht am Hungertuch nagte, dann müßten Millionen in dieser angenehmen Lage sein.)
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 09.07.2020 um 19.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43888

Ich vermute mal, daß damals die Leute auf eine andere Weise Kontakt mit Computern bekamen als heute. Früher gab es Leute, die professionell rechneten, weiß leider nicht, wie die damals bezeichnet wurden. Eine Möglichkeit wäre, daß diese Leute dann zu Programmierern (bzw. Programmiererinnen) wurden, als die ersten "Großcomputer" aufkamen und dafür Programme geschrieben werden mußten.

Später kamen dann die Homecomputer auf, die sich interessierte Leute für ein paar hundert Mark kaufen konnten. Zu dieser Zeit konnte man (für eine kurze Zeit) für relativ einfache Programme noch relativ "viel" Geld bekommen, oder aber für Raubkopien von Spielen.

Die Zeit, man mit 17 etwas erfindet, was dann für viele Jahre oder gar Jahrzehnte bestimmend ist (Bill Gates, Microsoft BASIC), dürften vorbei sein. Und auch hier sollte mal überprüft werden, was da wirklich im Hintergrund war: Bill Gates Vater war Rechtsanwalt, somit hatte Billy beste Voraussetzungen etwas zu programmieren, wo andere in seinem Alter andere Jobs machen mußten. Weiterhin sind noch weitere Aspekte zu berücksichtigen, da Verwandte eine gewisse Rolle bei Organisationen wie Planned Parenthood spielten, also in "zwielichtige" bzw. okkulte Machenschaften verwickelt waren oder noch sind. Auch bei Zuckerberg würde ich derartige Verstrickungen erwarten.

Wenn viele Künstler aus Hollywood sowie Musiker in diese Machenschaften verwickelt sind, dann ist das bei derart wichtigen Technologien wie Computer oder Internet ebenfalls zu erwarten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2020 um 14.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43886

Ja, das hatte ich im Internet auch gelesen, es ist ja auch Gegenstand einiger Filme (Apollo-Mission) usw. Aber warum ging der Anteil dann zurück? Der typische Nerd, der mit 17 etwas erfindet und vielleicht seine erste Firma gründet, ist männlich. Auch an den Gymnasien wird man fündig.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 09.07.2020 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43884

Zum Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2020 um 05.43 Uhr

"Interessanterweise fordert man Geschlechterproporz bei Wahllisten und in Aufsichtsgremien o. ä., aber nicht bei den genannten Grundschullehrern und auch nicht bei Programmierern (über 90 % männlich). Was besagt das über die jeweils erforderliche Eignung und Neigung?"

Nichts! In früheren Zeiten (lange vor dem PC) waren die meisten Programmierer weiblich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2020 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43882

Wegen mehrerer Corona-Fälle sind drei Koblenzer Studierendenwohnheime unter Quarantäne gestellt worden. Drei Bewohner hätten Symptome gespürt und sich ins Krankenhaus begeben, ein Schnelltest sei positiv ausgefallen, teilte die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz mit. Auch Kontaktpersonen zeigten nach den Angaben Symptome und wurden getestet.
Zwei nachweislich Infizierte leben in einem Wohnheim, der dritte in einem anderen. Das dritte Wohnheim sei wegen Kontakten der Bewohner zu den anderen beiden Gebäuden ebenfalls unter Quarantäne gestellt worden.
Die drei Wohnheime bieten insgesamt Platz für rund 350 Bewohnerinnen und Bewohner. "Es sind nicht alle da", sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Alle Bewohner würden auf das hoch ansteckende Coronavirus getestet.
Zahlreiche Polizisten kontrollierten alle Ausgänge der drei Studierendenwohnheime. Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz und von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft kamen in weißer Schutzkleidung und mit Masken, um Abstriche von den Bewohnern zu nehmen.
(ZEIT 9.7.20)

Hier enthält jeder Satz etwas vom Kampf mit dem Gender, und das Ergebnis ist: Kraut und Rüben. Man erkennt auch, wie die Redaktion ihre Leser einschätzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2020 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43879

Interessanterweise fordert man Geschlechterproporz bei Wahllisten und in Aufsichtsgremien o. ä., aber nicht bei den genannten Grundschullehrern und auch nicht bei Programmierern (über 90 % männlich). Was besagt das über die jeweils erforderliche Eignung und Neigung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2020 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43874

Eine Frauenquote ist schnell gefordert. Aber auch wenn man von der Frage unterschiedlicher Eignung absieht: Wie steht es mit der unterschiedlichen Neigung? Die Überrepräsentation von Frauen in sozialen Berufen beklagt man nur wegen der geringeren Bezahlung (Pflege), aber nicht wegen eines Frauenanteils von 87 % an den Grundschullehrern. Ob sich bei besserer Bezahlung daran viel ändern würde? Dabei verdienen alle deutschen Lehrer sehr gut, rund das Doppelte des OECD-Durchschnitts. Für Frauen offenbar ein sehr erstrebenswerter Beruf.
Und bei Wahlämtern bedeutet die Quote eine Beschränkung der Wahlfreiheit. Die Parteien können den Wählerwillen zwar nicht direkt einschränken, aber durch die Zusammenstellung der Listen sehr wohl. Das wird praktisch nicht diskutiert.
Proporz ist das Gegenteil von Chancengleichheit.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 30.06.2020 um 01.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43814

Der Wikipedia-Artikel zu "Praktischer Arzt" beginnt mit "Praktischer Arzt oder Praktische Ärztin ist eine seit der Weiterbildungsordnung von 1992 nicht mehr neu vergebene Berufsbezeichnung für einen niedergelassenen Arzt ohne eine zum Führen der Bezeichnung „Facharzt“ obligate Weiterbildung." Anschließend ist nur noch vom Praktischen Arzt die Rede.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.06.2020 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43804

Schon wahr!

Argumente sind allerdings zwecklos, da die Linke alle Kulturkämpfe gewinnt, sozusagen als Trostpreis dafür, daß die Besitzverhältnisse nicht angetastet werden.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.06.2020 um 02.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43799

Nochmals zum Genderwahnsinn:

Die informierteren Befürworter des Genderns kennen durchaus den Unterschied zwischen Genus und Sexus. Deshalb kommt man in der Diskussion nicht weiter, wenn man sie – wie es oft geschieht – über die Funktion des generischen Maskulinums belehrt. Sie irren aber in zwei wesentlichen Fragen.

Erstens glauben sie, daß vor dem geistigen Auge der Hörer oder Leser automatisch Männer erscheinen, wenn irgendwo maskuline Personenbezeichnungen auftauchen. Mich überzeugt das nicht. Ob in meinem Kopf überhaupt irgendeine Assoziation hinsichtlich des natürlichen Geschlechts ausgelöst wird, weiß ich nicht. Mit manipulativen Fragetechniken kann man das jedenfalls nicht klären. Viel naheliegender erscheint mir der Gedanke, daß Bilder im Kopf, falls sie denn wirklich existieren sollten, zunächst das Vorfindliche widerspiegeln.

Mag sein, daß die Leute bei »Lokführer« erst einmal an einen Mann »denken«. Aber liegt das wirklich am generischen Maskulinum oder daran, daß die Loks in der Realität fast ausschließlich von Männern geführt werden? Sind »Putzkräfte« in unserer Vorstellungswelt deshalb zunächst Frauen, weil das Wort »Putzkraft« grammatisch weiblich ist oder weil diese Tätigkeit nun einmal zum allergrößten Teil von Frauen ausgeübt wird? Bei den »Rettungskräften« sehe ich trotz grammatischer Weiblichkeit eher Männer in Aktion, ebenso bei den »Feuerwehrleuten«. Und wären ab morgen 95 Prozent der »Backenden« Frauen, würden vielleicht schon in ein paar Jahren die meisten das Wort »Bäcker« mit Frauen assoziieren – aber eben auch das Wort »Backende«. Wenn vom besonderen Humor der »Berliner« die Rede ist, fallen mir ebenso viele Frauen wie Männer ein. Die vermeintlich genderneutralen »Abgeordneten« des Deutschen Bundestages sind weit überwiegend Männer. Was löst das Wort im Hirn der Leute aus? Ich weiß es nicht, ich vermute aber nichts anderes als die »Parlamentarier«. In Holland sind seit dem 15. Juni Touristen wieder willkommen. Wer um alles in der Welt denkt bei »Touristen« nur an Männer??

Der zweite große – eigentlich noch viel größere – Irrtum der Genderer besteht in der Annahme, die Welt über einen gewaltsamen Eingriff in die Sprache in ihrem Sinne verändern zu können. Sie mögen damit die Sprachgewohnheiten beeinflussen, aber nicht die tatsächlichen Verhältnisse. Wenn junge Leute jahrelang »Studierende« hören oder lesen, glauben sie irgendwann vielleicht wirklich, daß mit »Studenten« nur Männer gemeint seien. Daß aber ein Arbeitgeber eher bereit wäre, eine Frau auf einen Chefposten zu setzen, wenn er nur lange genug – sei es aus Überzeugung oder als Mitläufer – geübt hat, auf den Gebrauch des generischen Maskulinums zu verzichten, ist derart unwahrscheinlich, daß es erheblicher, ja fast übermenschlicher Anstrengungen bedürfte, die Richtigkeit dieser Behauptung zu beweisen. Solche Anstrengungen werden aber nicht mal ansatzweise unternommen! Wie kann es sein, daß etwas als plausibel durchgeht, was bei genauerer Betrachtung völlig unplausibel ist? Warum lassen sich so viele ohne Not in den Schraubstock einer reaktionären feministischen Kunstsprache einspannen?

Die sprachlichen Mätzchen lenken von der eigentlichen Frage ab, ob Frauen gegenüber Männern bei uns tatsächlich noch nennenswert benachteiligt sind. Wenn ja, dann muß man dagegen endlich etwas tun! Dann lehnt man es ab, mit dekadenten Sprachspielchen seine Zeit zu vertun. Wenn nein, dann ist alles in bester Ordnung, und man kann sich entspannt zurücklehnen. Ich vermute, daß die Wirklichkeit irgendwo dazwischenliegt. Und was wäre denn, wenn sich in bestimmten Bereichen herausstellen würde, daß Frauen zwar gleiche Chancen haben, Position X zu ergattern, die bisher ausschließlich von Männern besetzt worden ist, vielleicht aber gar keine Lust auf diese Position haben – sei es aus Bequemlichkeit, sei es aus mangelnder Neigung, sei es aus besserer Einsicht? Muß man sie dann zu ihrem Glück zwingen? Und wäre das dann nicht eine sehr patriarchalische Haltung?! Haben Frauen nicht das Recht, Chancen liegenzulassen? Haben Männer nicht das Recht, Chancen liegenzulassen …?

Über all das wird kaum noch gesprochen. Wie kommt es eigentlich, daß die Ansprüche an eine Diskussion unter mündigen Erwachsenen derart gesunken sind?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2020 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43787

Vier sonst unbekannte Autoren verlassen die Literatur-Agentur, die J. K. Rowling betreut, wegen ihrer Äußerungen zu Transgender. Auch die SZ berichtet darüber, erwähnt aber nicht einmal die vier Namen.
Rowling darf eine persönliche Meinung zu Geschlechterfragen haben, sollte sie aber für sich behalten, sonst setzt es Hiebe. Andere Meinungen sind eben gar nicht zu ertragen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2020 um 16.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43759

In einem Text der SZ zu Corona heißt es:

Sängerinnen und Sänger
Forscherinnen und Forscher
Erntehelferinnen und Erntehelfer
Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen
Patienten
Überträger
Forscher
Freunde


Dieser Mischmasch ist weit verbreitet. Eine grammatische Kategorie wie Genus/Sexus kann aber auf die Dauer nicht einfach unterschiedslos mal eingesetzt werden und dann wieder nicht. Die ungezwungene mündliche Rede normaler Menschen kennt so etwas auch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.06.2020 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43754

Die quasi-staatlichen Umerziehungsversuche an erwachsenen Menschen wirken impertinent.

Hat jemand Erfahrung mit frei finanziertem bzw. werbefinanziertem Rundfunk? Vielleicht über Deutschland hinaus?
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 15.06.2020 um 00.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43750

HR Info macht das inzwischen fast durchgängig und macht es damit immer schwerer, zum eigentlichen Kern der Nachrichten, Kommentare oder Interviews durchzudringen, weil ständig Stolpersteine in die Texte eingebaut werden. Schließlich spricht außerhalb der Elfenbeintürme kaum jemand so.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2020 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43745

Laut Deutschlandfunk wurden Teilnehmer innen auseinandergerissen. Feministischer Schluckauf, zwangsgebührenfinanziert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2020 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43722

Über Rowling:

Nachdem die Autorin im Netz betont hatte, dass lediglich Frauen menstruieren würden, erntete sie einen heftigen Shitstorm – der Grund: Sie habe mit ihren Worten die Trans-Gemeinschaft diskriminiert.

Ich bin ein Mann und will auch menstruieren wie jeder andere!

Im Ernst: Es ist noch nicht verboten, eine Meinung zu äußern, aber das Spektrum ist sehr eng geworden. Fast immer meldet sich eine empörte „Gemeinschaft“ (Meute). So klein sie ist, zur Rufschädigung reicht es allemal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2020 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43717

Bei einer Untersuchung unter der Leitung von Forschenden des University College London (UCL) wurde festgestellt, dass repetitives negatives Denken das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung deutlich erhöht. (Alexander Stindt, heilpraxisnet.de 9.6.20)

Britische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass negatives Denken über einen längeren Zeitraum einen Risikofaktor für Demenzerkrankungen darstellt. (RTL 9.5.20)

Ähnlich andere Medien, nur Stindt ist auf eine „Untersuchung unter der Leitung von Forschenden“ gekommen, was ja auch abgesehen vom Gendertick ein dolles Ding ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2020 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43706

Die FAS bringt wegen der Rassenunruhen einen Beitrag des afroamerikanischen Autors Maurice Carlos Ruffin, übersetzt von Tanja Handels. Wahrscheinlich ist schon im Original das Adjektiv „Black“ immer groß geschrieben, daher auch „Schwarz“ in der Übersetzung, aber das Gendern muß die Übersetzerin hinzugefügt haben: „Bürgerinnen und Bürger“, „Autofahrende“ usw. Es macht die Lektüre pädagogischer und beschwerlicher als nötig.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.06.2020 um 08.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43699

In einem Gastbeitrag in der FAZ äußern sich die Staatsoberhäupter Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zur Klimapolitik. Wenn es nicht so traurig und offensichtlich anbiedernd wäre, könnte man sich amüsieren über die Fehler, die beim angestrengten Gendern passieren, und zwar sowohl den Autoren als auch der Zeitung. Der deutsche Bundespräsident hätte vermutlich »Bürgerinnen und Bürger« geschrieben, vielleicht sogar auch mal nur »Bürger«. Das war aber wohl mit dem österreichischen Kollegen nicht zu machen, also steht nun »Bürger*innen und Bürger« im Text! Ein beliebter Fehler bei Genderanfänger*_Innen. Ich stelle mir vor, wie in der ersten Textfassung »Bürgerinnen und Bürger« stand, dann aus Wien (oder Bern, ich tippe aber auf Wien) die dringende Bitte kam, auch mal das Gendersternchen zu verwenden, und dann hat irgendwer in Wien oder Berlin halt diesen Bock geschossen.

Vielleicht war es aber auch jemand aus der FAZ-Redaktion, und der Fehler bei ist bei der letzten Durchsicht in den Hauptstädten übersehen worden. Jedenfalls ist aus dem hübschen »jede und jeder« im Text in der Zwischenüberschrift nun ein »Jeder und jeder« geworden. Ein Paukenschlag: Männer und Männer! – zumindest nach feministischer Lesart. Das geht wohl aufs Konto der Zeitung, denn Zwischenüberschriften werden dem Autor oft nicht zur Genehmigung vorgelegt.

Apropos »Autor«, unter dem Artikel lesen wir den Hinweis: »Die Autoren (sic) sind die Staatsoberhäupter Deutschlands, der Schweiz und Österreichs.« Man hat in Frankfurt noch viel zu lernen.

(https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/gastbeitrag-zum-weltumwelttag-wachstum-durch-kluge-klimapolitik-16800362.html)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2020 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43658

Tausende von Bürgerinnen und Bürger... (FAZ 27.5.20)

Wie zu vermuten, liefert die Suche nach von Bürgerinnen und Bürger über 100.000 Belege, und das ist ja nur eine der vielen feministischen Wendungen, die beim Heunterleiern amputiert werden und bei empfindlicheren Menschen einen Phantomschmerz hinterlassen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.05.2020 um 01.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43629

Zur Vermeidung der sperrigen Doppelformen weichen Genderer gelegentlich auf das Partizip I aus. So werden aus den Forscherinnen und Forschern auch schon mal die Forschenden (= Forscher). Das stört zwar das Sprachgefühl der übergroßen Mehrheit empfindlich, kommt aber den Forderungen der Sprachökonomie entgegen. Neu ist die Praxis, bei Nennung von zwei Personengruppen der einen das weibliche und der anderen das männliche Geschlecht zuzuweisen. Das war schon in dem neckischen der eine oder die andere angelegt, bei Konstruktionen wie Bürgermeisterinnen und Landräte aber hört der Spaß auf, weil hier die Aussage verfälscht wird, jedenfalls solange das generische Maskulinum im Deutschen quicklebendig und der Normalfall ist:

Der Landtag hat in der vergangenen Woche mit den Stimmen von CDU und FDP beschlossen, dass Bürgermeisterinnen und Landräte in NRW rückwirkend zum 1. Januar 2020 mehr Geld erhalten sollen. (SPD Euskirchen)
In der Überschrift übrigens noch richtig: Mehr Geld für Bürgermeister und Landräte kommt zur Unzeit

Neulich in einem Anreißer in Spiegel Online: Unter den Infizierten in Deutschland sind laut einem Bericht besonders viele Ärztinnen und Krankenpfleger.
Im Text selbst dann richtig: Unter den Coronavirus-Infizierten sind laut einem Medienbericht viele Mitarbeiter von Krankenhäusern, Arztpraxen, Rettungsdiensten und Pflegeheimen.

Offenbar meinen die Autoren, einer gefühlten Ungerechtigkeit abzuhelfen, indem sie einmal die Männer und einmal die Frauen sprachlich »benachteiligen« – das hebt sich dann irgendwie gegenseitig auf. Das ist natürlich blanker Unsinn. Bei den Bürgermeisterinnen mag man noch schnell erkennen, daß kaum nur weibliche Amtsinhaber gemeint sein können (obwohl man selbst das nicht von vornherein ausschließen kann, Stichwort: positive Diskriminierung). Aber als ich Ärztinnen las, dachte ich wirklich nur an Frauen, schon weil die Frage, welches Geschlecht stärker von Corona betroffen ist, in den letzten Wochen immer wieder diskutiert worden ist.

Das Gendern mag sich in den Sondersprachen bestimmter Bereiche (Politik, Verbände, Unis) relativ ungestört ausbreiten, weil die Sprecher die Kluft zur normalen Ausdrucksweise – entweder als Überzeugungstäter oder, wohl in der Mehrheit, als Mitläufer – hinnehmen. Aber das generische Femininum trägt allzu deutlich die Züge einer (wenn auch gegenstandslosen) Retourkutsche, als daß sich ein nennenswerter Teil der Sprachgemeinschaft dafür erwärmen könnte. Es trägt auch nichts zur Lösung irgendeines tatsächlichen Problems bei. Soweit Frauen in einigen Gesellschaftsbereichen immer noch benachteiligt sind, wird sich das nicht dadurch ändern, daß alle plötzlich sagen »Du solltest mal zur Ärztin gehen«. Ist das wirklich so schwer zu verstehen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2020 um 12.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43606

Nachtrag zu Drohnen: Die Drohne mit dem hübschen Namen „Reaper“ (typisch amerikanisch, vgl. „Fat Man“, „Little Boy“) räumt gründlich auf, kostet aber 20 Mill. $ pro Stück. Die Zukunft gehört vielleicht den kleinen und billigen Drohnen, die man ja fast schon im Spielwarengeschäft kaufen kann. Aufwendige Sonderkommandos erübrigen sich dann. Auch Exilrussen, -nordkoreaner usw. sollten auf der Hut sein; statt des Amazon-Päckchens kann jederzeit und überall etwas anderes angeflogen kommen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.05.2020 um 10.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43605

"Der Abbruch verlief jederzeit sicher", teilte die Betreiberin des Meilers, der Energieversorger EnBW, kurz nach der Sprengung mit.
(MM, 15.5.20, S. 1)

"Die Betreiberin", aber "der Energieversorger". Wieso nicht Energieversorgerin?

Und wieso überhaupt das Suffix -in für die EnBW, die Energie Baden-Württemberg AG, sind die Energie oder die Aktiengesellschaft Frauen, vermehren sie sich geschlechtlich?

Wird irgendeine wirkliche Frau beleidigt oder diskriminiert, wenn man den Konzern EnBW einen Betreiber des Atommeilers oder eben, wie es die Zeitung anscheinend nur versehentlich tat, einen Energieversorger nennt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2020 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43588

Die Bibel ist voller Gewalt. Auch wenn vieles nicht historisch ist, sondern nur Gewaltphantasien. Darum lieber nur Wolldecken.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.05.2020 um 14.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43587

Über die Bewaffnung der Drohnen dürfen wir nicht vergessen, daß auch unsere Soldatinnen und Soldaten selbst direkt todbringende Waffen tragen. Das ist sehr, sehr unmenschlich! Wir sollten die gesamte Ausrüstung unserer Armee künftig auf Bibeln und warme Decken beschränken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2020 um 12.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43585

Zum Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten brauchen wir bewaffnete Drohnen (Kramp-Karrenbauer). Und unsere Polizistinnen und Polizisten? Darüber reden wir später.

(Obamas Drohnenkrieg soll ausdrücklich nicht das Vorbild sein. Sondern irgendwie anders.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2020 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43572

In Berichten über die neue Wehrbeauftragte und in deren eigenen Äußerungen konnte man oft Soldaten und Soldaten hören. Meine Frau meint, Soldatin und Soldaten gehört zu haben, aber eine Silbe fehlte praktisch immer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2020 um 04.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43570

Auf feministische Proteste hin werden die Wörterbücher der Oxford University Press antisexistisch überarbeitet, vor allem in den Beispielsätzen. "I was doing housework" statt "She was doing housework". Auch Adjektive sind betroffen, die den weiblichen Körper als sexuell interessant beschreiben. Diese volkspädagogische Maßnahme wird allerdings durch eine Milliardenindustrie unterlaufen. Die will z. B. das Haar der Frauen gerade so herrichten, wie es laut neuem Wörterbuch nicht mehr sein soll ("lustrous").
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.05.2020 um 19.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43569

Es geht um eine Schülerin einer Schule in Bosnien-Herzegowina
(MM, 22.1.20, S. 3, Bildunterschrift):

Azra Keljalic eine der Schüler, die sich gegen ethnische Trennung wehren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2020 um 09.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43561

Die Website der Erlanger Uni ist streng durchgegendert, aber die Alumni sind dem Gender-Sprachamt entgangen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2020 um 04.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43511

Ich widme dieses Buch der Erde, welche Mutter, Tochter, Freundin und Geliebte ist, damit alle Menschen einen Weg finden werden, sowohl sie als auch einander mehr zu lieben.
Ich widme dieses Buch weiters der ägyptischen Göttin Sachmet, die das antike Bild der weiblichen Kraft ist und uns helfen kann, die Wege der Mütterlichkeit zu beschützen und frei von Abhängigkeiten und falschen Vorstellungen eine bessere Gesellschaft zu schaffen.
(Genevieve Vaughan)

Schwärmerisch feministisch, gilt aber auch als Semiotikerin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2020 um 14.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43469

"Max Planck Forschung" wird bekanntlich nicht verkauft, sondern verschenkt, ist folglich gegendert. Die "Forschenden" sind bestimmt nicht gefragt worden.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 19.04.2020 um 11.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43451

Aus einer aktuellen hessischen Verordnung:

l) Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentinnen und Medizinisch-technische Laboratoriumsassistenten gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 des MTA-Gesetzes vom 2. August 1993 (BGBl. I S. 1402), zuletzt geändert durch Gesetz vom 15. August 2019 (BGBl. I S. 1307),

m) Medizinisch-technische Radiologieassistentinnen und Medizinisch-technische Radiologieassistenten gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 2 des MTA-Gesetzes,

n) Medizinisch-technische Assistentinnen für Funktionsdiagnostik oder Medizinisch-technischer (sic!) Assistenten für Funktionsdiagnostik gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 3 des MTA-Gesetzes,


Und so weiter im gesamten zwölfseitigen Dokument.
Immerhin konsequent.
Der Fehler in Punkt n) fällt dann bei diesem Getöse gar nicht mehr auf.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 18.04.2020 um 10.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43438

Gehören Schausteller zur Speerspitze des Feminismus?

Hätte wohl keiner vermutet aber ich wurde plötzlich unsicher, als ich in einer privaten Email über das Wort "Schaustellendenverband" stolperte.
Kurze Google-Anfrage ergibt null Treffer.

Der Text aus der Feder eines ev. Pfarrers war auch sonst perfekt durchpartizipiert, dann ist die Schaffung eines neuen Verbandes in gewisser Weise konsequent.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2020 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43422

Um die Corona-Pandemie, das Virus SARS-CoV-2 und die Krankheit Covid19 verstehen und behandeln zu können, waren in den vergangenen Wochen Epidemologinnen, Virologinnen oder Pneumologinnen die ersten Ansprechpartner. (...)Als Bürgerin hätte ich jedoch in der Corona-Krise ein deutlich besseres Gefühl, wenn ich wüsste, die Bundesregierung würde nicht so zugespitzt auf Theoretiker und Theoretikerinnen hören.
(Usw.) So gehen die Kommentare einer gewissen Lamya Kaddor bei t-online.

Zum Expertenrat der Leopoldina rechnet sie vor:

Genauer gesagt, zählt man 24 Professoren und 2 Professorinnen. Ein erstaunlicher Frauenanteil von 0,08 für ein Gremium, das Empfehlungen für eine gesamte Gesellschaft machen soll.

Ihre Bücher sind, soviel ich sehe, nicht gegendert. Die sollen ja gekauft werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2020 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43421

Fußnoten aus einem Stundenentwurf:

1 Der Einfachheit halber wird im Folgenden der Begriff „Lehrerin“ für beide Geschlechter verwendet.
2 Der Einfachheit halber wird im Folgenden der Begriff „Schüler“ für beide Geschlechter verwendet.

(/https://www.deutschlandfunk.de/lyrix-unterrichtsmaterialien-juli-2009-deutsch-als.media.8402db702af395aa651c8650527121cf.pdf)

Es geht um Deutschunterricht!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.04.2020 um 22.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43412

Der Arbeitsgruppe der Leopoldina, die die aktuelle Stellungnahme zu COVID-19 vorbereitet hat, gehören 24 Männer und 2 Frauen an. Dieses Ungleichgewicht kann man nicht beseitigen, indem man ungerührt von »Expertinnen und Experten« spricht. Dennoch geschieht genau das. Denn die Bekenntnisformel erfüllt immer ihren Zweck, auch dann, wenn in der so bezeichneten Gruppe nur eine oder überhaupt keine Frau auszumachen ist.

Wie naiv muß man sein, um zu glauben, daß man »böse« Männer, die alles unter sich aufteilen, zu einem Umdenken bewegen könnte, indem man sie solche Sprüchlein aufsagen läßt (die lachen sich doch innerlich kaputt)? Und wie wenig Vertrauen muß man andererseits zu den »guten« Männern haben, die bereit sind, etwas von ihrer Macht abzugeben, wenn man nicht auf ihre Taten setzt, sondern auf Lippenbekenntnisse?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 14.04.2020 um 14.41 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43411

Es ist sehr zu wünschen, daß diese bewährte Ausdrucksweise wieder zum Normaldeutsch wird.

Ja, dann käme man zu der kürzlichen gehörten Feststellung eines Lehrers "Ich kenne jetzt meine Schüler im Schlafanzug." nicht zwangsläufig auf die provokante Ergänzung: "Die SchüleRINNEN kannte er offenbar schon so."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2020 um 08.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43410

Sie ist der dritte Bundeskanzler seit dem Vertrag von Maastricht. (FAZ 14.4.20)

Es ist sehr zu wünschen, daß diese bewährte Ausdrucksweise wieder zum Normaldeutsch wird.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 12.04.2020 um 13.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43397

Ansprache Steinmeier gesehen und mitnotiert:

- Bürgerinnen und Bürger
- Lebensrettern
- Freiberufler
- Künstler
- Jeder von Ihnen
- Jeder von Ihnen
- Politiker
- Experten
- Bürgern
- Jeden und jede
- Jeder und jede

"Bürgerinnen und Bürger" ist Pflicht. Und am Ende greift er aufs allseits beliebte "jeder und jede" zurück. Aber dazwischen zeigt er, wie einfach es funktionieren könnte.

Ob ihm für das doppelte "Jeder von Ihnen" die Telefone durch Anrufe der 50% nicht Sichtbaren heißlaufen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2020 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43395

In einem längeren Text über studentische Erntehelfer (FAZ 11.4.20) kommen vor: Student, Studentin, Landwirte, Arbeiter usw., er ist auf den ersten Blick nicht gegendert. Nur ein Wort kommt nicht vor: Studenten; es ist stets durch Studierende ersetzt. Studierende stechen Spargel usw. Es könnte sein, daß dieses Partizip lexikalisiert wird wie früher Reisender; dann müßte allerdings der Singular hinzukommen. So ist es nicht Fisch und nicht Fleisch, wirkt nur bemüht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.04.2020 um 23.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43374

Kaum jemand scheint zu bemerken, daß diejenigen, die Frauen in der Sprache »sichtbar« machen möchten (»Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter«), und jene, die von Geschlechtern nichts wissen wollen (»Mitarbeitende«) in völlig unterschiedliche Richtungen marschieren. Es geht keineswegs um stilistische Nuancen, sondern um zwei unvereinbare Positionen. Die arglosen Papageien wissen von alldem nichts.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.04.2020 um 23.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43373

AKK heute morgen im DLF (und der Mann – pardon: die Person – im Studio natürlich auch): »Reservistinnen und Reservisten«. Das muß nicht sein! Man kann genausogut von »Reservierten« sprechen. Damit vermeidet man nicht nur die etwas unschöne Doppelform und schon gar das reaktionäre »Reservisten«, man umgeht damit auch die Beantwortung der unbehaglichen Frage, warum man überhaupt eine Sprachgemeinschaft von Abermillionen Erwachsener »geschlechtergerecht« umerziehen will, wenn es doch gar keine Geschlechter gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.04.2020 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43369

Wie wir gesehen haben, stehen die Universitäten kurz davor, die Verweigerung des Genderns zur Dienstpflichtverletzung zu machen. Peter Eisenberg andererseits lehnt zwar das Gendern an, aber mit dem Argument, es verstoße gegen die amtliche Rechtschreibung, deren Mißachtung wiederum eine Dienstpflichtverletzung sei usw.

Diese Exzesse können nur zu einem bösen Ende führen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.04.2020 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43368

In der "Rechtfertigungspflicht" sollen also nun alle stehen, die freie Texte verfassen wie z. B. die Zeitungen usw. Das könnte euch so passen! Den triumphierenden Ton können sie sich nur leisten, weil Tausende von "Gleichstellungsbeauftragten", die meisten aus Steuermitteln bezahlt, die Szene beherrschen und sich um ihren Stand keine Sorgen machen müssen. Vom hohen moralischen Roß treiben sie einen Keil in die Sprache und die Gesellschaft. Wer sich verweigert, ist böse. Es ist eine gemeingefährliche Gesinnungsdiktatur, wie ja auch der Tonfall zeigt. Da vergeht mir das Lachen, ehrlich gesagt.

Ich vermute, daß man dieser (und damit der ganzen?) Sprachwissenschaft eines Tages bescheinigt: Kann wegfallen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.04.2020 um 00.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43366

Schon der Klappentext ist amüsant, da werden gleich zweimal die "Autorinnen" des Buches erwähnt, und kurz danach erfährt man auf eben dieser Webseite, daß der "Autor" Gabriele Diewald ist.

Der Stil des Klappentextes spricht auch sonst Bände:
"... und es führen die Autorinnen an zahlreichen Texten aus unterschiedlichen Bereichen vor, wie ..."
Schwülstiger geht’s wohl nicht, was soll diese Einleitung mit dem unpersönlichen "es" a la "Es zogen auf sonnigen Wegen ..."?

Also wer seinen Spaß haben möchte, kommt mit diesem Buch sicherlich auf seine Kosten.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 06.04.2020 um 23.09 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43365

"Handbuch geschlechtergerechte Sprache"

Hier sind die ersten 98 Seiten einsehbar (Klick auf das Auge-Symbol):

https://ernster.com/detail/ISBN-9783411745173/Diewald-Gabriele/Handbuch-geschlechtergerechte-Sprache#r81340-0-84355:89051:101949

Das Vorwort kommt ziemlich triumphierend daher:
Nicht mehr diejenigen, die sprachlich fair und nicht diskriminierend kommunizieren wollen, sind in der Rechtfertigungspflicht, sondern diejenigen, die die Auffassung vertreten, dass es so, wie es bisher war, auch bleiben soll.

Und so selbstbewußt geht es auch weiter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2020 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43363

Dudenredaktion (Herausgeber), Gabriele Diewald (Autor): "Handbuch geschlechtergerechte Sprache"

(erscheint am 20.4.2020)

Solche gelben Bände werden wohl von vielen als kanonisch und verpflichtend angesehen werden. "Geschlechtergerecht" klingt unwiderstehlich.

Germanistinnen haben eine Marktnische gefunden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 02.04.2020 um 19.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43339

Die Adjektivschreibung mit Bindestrich und großem Anfangsbuchstaben (Personen-große, Personen-hohe) empfinde ich hier auch als abwegig. Das mag in bestimmten adjektivischen Zusammensetzungen möglich sein, aber m. E. nicht in diesen einfachen Fällen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2020 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43338

Aktivist_innen positionieren Personen-große rote Buchstaben mit einer klaren Botschaft vor dem Gebäude. (https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200312_OTS0136/einladung-tierversuchskritik-mit-personen-hohen-buchstaben)

Eigentlich sagt man im Deutschen mannshohe Buchstaben, aber das geht hier nicht, weil der Tierschützertext durchgegendert ist.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 02.04.2020 um 15.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43337

Um die Verwechslung mit dem Ei zu vermeiden, schlage ich die italienische Form "-ia" vor.

Weil ein großer Teil des englischen Wortschatzes auf die altisländische Wikingersprache zurückgeht, schlage ich altisländisch "hendi" = Dativ Singular "für die Hand" vor.
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 02.04.2020 um 11.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43336

„‚Aber ich habe Satz X konstruiert, bei dem sich das generische Maskulinum nicht einfach durch eine weibliche Form oder eine Beidnennung ersetzen lässt, ohne dass die Bedeutung sich verändert.‘ Tja, was machen wir da bloß… ich glaube, es gibt keine Lösung, denn Sätze lassen sich bekanntlich nicht umformulieren“, so Stefanowitsch.

Klar lassen sich Sätze umformulieren, dennoch hat man mit dem Gendern eine weitere potentielle Fehlerquelle, so stellt sich eben die Frage, ob die Befindlichkeiten von Sprachfeministen wirklich mehr Gewicht haben.

„‚In der Weihnachtsbäcker*innenrei‘? Wir haben mit Rolf Zuckowski seine Lieder umgeschrieben.“

In Bäckerei steckt kein Suffix -rei, sondern -ei. Auf der Website von bento wurde zu Weihnachtsbäcker*innenei korrigiert, allerdings ist die Pluralendung -en in der Derivationsbasis überflüssig: Weihnachtsbäcker*innei. Grimm hat es beinahe vorgemacht („aus dichter kann dichterisch, aus gärtner gärtnerei gebildet werden, aus dichterin, gärtnerin kein dichterinnisch, gärtnerinnei“).

Im Wörterbuch GESCHICKT GENDERN finden sich „gendergerechte Alternativen“ wie Bezugsperson (zu Abonnent!), Abenteuer mutige Person und Abschluss inhabende Person (richtig wäre einen Abschluss innehabende Person), das ist nicht sehr geschickt, sondern grenzt an Realsatire, wie der Anglizismen-Index, wo zum Beispiel chat’n chuck cell phone eingetragen ist (in der Online-Version eigentlich mit ASCII-Apostroph, aber mein Kommentar wird sonst womöglich nicht angenommen, daher ersetzt), obwohl ich für diesen Ausdruck nur einen Beleg gefunden habe – und zwar im Englischen, nicht im Deutschen –, und Wegwerfhändi mit ä und i als Ersatz vorgeschlagen wird, während bei handy² (irrsinnigerweise in Kleinschreibung) die Übertragung Händi kursiv gesetzt ist („Gewagte oder spöttische Übertragungen sind kursiv gesetzt“); chatter (wieder in Kleinschreibung) ist der Klasse 2 (differenzierend) zugeordnet, als Übertragungen sind (Netz-)schwatzpartner und Netzplauderer eingetragen – warum nicht Gesprächspartner?

Zurück zum Gendern: In Österreich gibt es Verordnungen mit Kurztiteln wie Kunststoffformgebung-Ausbildungsordnung und Maler/in und Beschichtungstechniker/in-Ausbildungsordnung, angebracht wäre hier eigentlich ein Gedankenstrich (mit Abständen wie bei Sanitär- und Klimatechnik - Ausbildungsordnung), bei einem echten Kompositum wäre ein Fugenelement zu erwarten, darüber hinaus fehlt beim Motionssuffix streng genommen ein Ergänzungsstrich. Mit einer Anbindung der ersten Berufsbezeichnung landen wir bei Maler-/-innen- und Beschichtungstechniker-/-innen-Ausbildungsordnung.

VerbraucherInnenschützerInnen (so gesichtet in dieStandard) suggeriert für mich Innenschützer als Bestandteil, man könnte mit dem Bindestrich nachhelfen: BürgerInnen-MeisterInnen-KandidatInnen. Sehr einfach und LeserInnen-freundlich, gell?

Wie sieht es eigentlich mit der Worttrennung am Zeilenende aus? Da manchmal ein Knacklaut gesprochen wird, könnte man so trennen:

Schüler-
*innen

Zuschauer-
Innenraum

Letzteres kann auch für Zuschauer-Innenraum stehen. Wie soll andererseits eineN neueN SchülerIn ausgesprochen werden? Man könnte natürlich eine neue SchülerIn schreiben (damit hätte man eigentlich ein generisches Femininum, aber gut, man sieht ja die Varianten Schüler und Schülerin). Begegnet ist mir diese Trennung:

Gender-Gegner_
innen

Der Gender-Gap erfüllt hier also auch die Funktion eines Bindestrichs, manchmal wird denn auch Gender_Gap geschrieben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 31.03.2020 um 23.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43324

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich höre, daß sich ein Kommunalpolitiker im Fernsehen an dem unaussprechlichen Monstrum »Jenaerinnen und Jenaer« abarbeitet, muß ich unwillkürlich an die »Närrinnen und Narrhalesen« denken.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 31.03.2020 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43321

Astronauten geben Tipps für zu Hause
[...]
Nicht so viel Platz zur Verfügung zu haben und nicht einfach vor die Türe zu können – das kennen Astronautinnen und Astronauten sehr gut.
(Mannheimer Morgen, 30.3.2020, S. 6)

Aber im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen behalten die Vertreterinnen der Zunft anscheinend ihre allgemeinnützigen Erfahrungen lieber für sich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 31.03.2020 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43319

Womöglich werden solche Beiträge nicht aus Überzeugung veröffentlicht, sondern um möglichst viele Reaktionen zu provozieren; schon ein paar alberne Absätze sorgen für unzählige Klicks. Liest man sowas nicht nur, um dann die Kommentare zu überfliegen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2020 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43317

Danke für den Hinweis! Die Frau ist eine grüne Pädagogin ohne sprachwissenschaftliche Kenntnisse, äußert sich aber kraft Amtes über Sprache. Lammfromm nimmt man es hin, das ist hier an unserer Uni genau so. Korrekte Gesinnung siegt über Sachkenntnis. Entsprechend das Selbstbewußtsein dieser Damen.

Man sollte alle Genderbeauftragten entlassen.
 
 

Kommentar von C. Schardt, verfaßt am 31.03.2020 um 17.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43315

Nicht repräsentativ aber interessant: Die Kommentare unter diesem Artikel (680 an der Zahl) wenden sich vehement (schätzungsweise 90%) gegen die Gendersprache. Und das im Spiegel.

https://www.spiegel.de/panorama/gendergerechte-sprache-ich-frage-mich-wovor-diese-menschen-eigentlich-angst-haben-a-968ab99e-ee39-4f59-9f77-47590da829c6#

Das Interview selbst ist ein Gefälligkeitsinterview. Kritische Nachfragen bleiben aus. Stattdessen kommt die perfide Formulierung "...wovor diese Menschen eigentlich Angst haben." in den Titel.

Und die zwei Kommentarempfehlungen der Redaktion verweisen auf zwei zustimmende Beiträge, die substanzlos und dümmlich sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2020 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43314

Ganz meine Meinung. Und gerade was die Meinung betrifft, so interessiert mich, wie schon öfter gesagt, was die Leute tun, und nicht, was sie "meinen". Zumal eben die sogenannte Meinung in vielen Fällen erst entsteht, wenn man danach fragt.

Die tägliche Karikatur der Meinungsumfragen sind ja die anzukreuzenden Alternativen auf den Websites der Medien. Aus Sicht der empirischen Sozialforschung ein Witz - aber sind die professionellen immer soviel besser?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.03.2020 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43313

Außerdem, das muß man ja bei aller berechtigten Liebe zur Gerechtigkeit auch sagen, geht es nicht nur um Gerechtigkeit, sondern daneben auch noch um eine vernünftige, unverkrampfte und unverkitschte Ausdrucksweise. Das alles wird mit der alleinigen Vorlage von "gendergerecht" unter den Tisch gewischt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.03.2020 um 11.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43312

Die unzulässige Beeinflussung bei Umfragen beginnt schon mit dem Wort "gendergerecht". Wer möchte nicht gerecht sein?

Es geht ja bei der Umfrage genau um den Punkt, ob die Genderei überhaupt gerecht ist und darum, daß es nicht ungerecht ist, wenn statt mehrerer Wörter nur ein Wort für alle Geschlechter benutzt wird.

Wenn das entscheidende Wort den Menschen schon mit der Frage einseitig suggestiv vorgelegt wird, kann man solche Umfragen vergessen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2020 um 03.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43305

Wie Sie selbst andeuten, kommt es auf die Frage an. Und selbst wenn die Leute verstehen, worum es geht, entspricht ihre Praxis nicht unbedingt ihrem Urteil. Viele Leute glauben ja auch, die Auslautverhärtung sei eigentlich falsch und es müsse [kind] mit stimmhaften d lauten. (Ich habe auf einem Spielplatz in Berlin mal einer Mutter zugehört, die ihrem Kind "richtiges" Deutsch beibringen wollte...)

Der Zirkel von Menschen, denen das Gendern wirklich einigermaßen zur Gewohnheit geworden ist, läßt sich immer noch recht gut begrenzen. Wobei ich natürlich gelegentliches Damen und Herren nicht dazurechne.
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 31.03.2020 um 01.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43303

„Das Gendern wird von einer großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt und hat etwas Sektiererisches.“

Ist es wirklich eine Mehrheit? In einer YouGov-Umfrage (2017) lehnten 19 Prozent „voll und ganz“ ab, 23 Prozent lehnten „eher“ ab, 23 Prozent befürworteten „eher“, 14 Prozent befürworteten „voll und ganz“ und 21 Prozent machten keine genaue Angabe. Hier also mehr Ablehnung als Befürwortung, aber letztlich nur von etwa 42 Prozent eine explizit ablehnende Antwort.

Von INSA-Consulere wurde eine Umfrage durchgeführt; „Mehrheit der Deutschen lehnt gendergerechte Sprache ab“ (FAZ), wurde vermeldet, doch gefragt wurde tatsächlich etwas anderes, nämlich: „Wie wichtig oder unwichtig ist Ihrer Meinung nach gendergerechte Sprache für die Gleichstellung der Frau in Deutschland?“ Gendersprache als „eher unwichtig“ für die Gleichstellung der Frau zu erachten, bedeutet nicht, sie abzulehnen, in der Tat kann ihr bei einer solchen Bewertung eine gewisse, wenn auch kleine, Rolle diesbezüglich zugestanden werden; eine andere Frage ist, ob man die Maßnahme gutheißt. Es ist (um es überspitzt zu halten), als würde ich „Ist Klimaschutz die Lösung aller Probleme?“ fragen statt „Ist Klimaschutz sinnvoll?“, so kann man natürlich ein bestimmtes Ergebnis (mehrheitliche Ablehnung) provozieren.

(Nebenbei bemerkt habe ich von der Umfrage in einem maskulistischen Blog erfahren, in dem es heißt: „Über Kommentare, auch gerne kritische freue ich mich, ich bitte allerdings darum sie sachlich zu halten.“ Mein Kommentar, in dem ich meine Skepsis über die Interpretation des Ergebnisses bekundete, wurde jedoch nie freigeschaltet.)

Gefunden habe ich noch das hier (2014):

„Wie ‚profil‘ in der aktuellen Ausgabe berichtet, spricht sich eine knappe Mehrheit der österreichischen Bevölkerung (55%) für eine Bezugnahme auf Frauen in der Sprache aus (Binnen-I, Verwendung von männlicher und weiblicher Form).

40% der Befragten sind laut der vom Meinungsforschungsinstitut Unique research für ‚profil‘ durchgeführten Umfrage dagegen. 5% wollten sich dazu nicht äußern.

[…]

(Online-Befragung, n=500)“

Hier wurde „Knappe Mehrheit laut Umfrage für Binnen-I“ getitelt, wenn es aber lediglich allgemein um die Bezugnahme auf Frauen in der Sprache ging, dann gibt das Ergebnis dies nicht wirklich her, neben dem Binnen-I ist ja auch Splitting möglich, selbst die Verwendung eines generischen Maskulinums mit dem Zusatz (m/w) oder Frauen sind mitgemeint kann als sprachliche Bezugnahme auf Frauen verstanden werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2020 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43300

In einem Interview (FAZ 30.3.20) spricht Staatsministerin Grütters anfangs von ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, dann geht es bis zum Schluß weiter mit dem generischen Maskulinum. Möglicherweise von der Redaktion bereinigt.

Die Empfehlung des Deutschen Ethikrates „Solidarität und Verantwortung in der Corona-Krise“ ist überhaupt nicht gegendert. (https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Ad-hoc-Empfehlungen/deutsch/ad-hoc-empfehlung-corona-krise.pdf)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2020 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43268

Die „Philosophie des Geistes“ wird hauptsächlich von Männern betrieben, aber sie beschäftigen sich nur mit Frauen: a thinker could think the very contentful thoughts she in fact thinks in her actual environment usw. Die Frauen werden gleichsam zoologisch erforscht. Ob sie das gern lesen? Sie lesen es aber nicht, weil ihnen das Ganze abstrus vorkommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2020 um 03.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43259

Zu http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=754#11092

In dem Dokumentenband ist stets von Studierendentexten die Rede, und das Wort Student ist konsequent vermieden. Andererseits Schülertexte... Es klappt einfach nicht, und das Ganze wirkt verkrampft und abseitig.

Ich glaube aber nicht, daß außer mir irgendeine Menschenseele den Text liest, und es ist ja sowieso alles egal. Corona wäre eine gute Gelegenheit, die Maisitzung des Rates ausfallen zu lassen und dann die Sitzungen überhaupt aufzugeben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.03.2020 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43252

Wenn’s wirklich drauf ankommt, ist für sprachfeministische Turnübungen kein Platz. Die NRW-Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vom 22. März 2020 (https://www.land.nrw/sites/default/files/asset/document/2020-03-22_coronaschvo_nrw.pdf) hält sich durchgehend an das generische Maskulinum: Reiserückkehrer, Patienten, Kunden, Floristen, Handwerker, Dienstleister, Friseure, Tätowierer, Physiotherapeuten, Hörgeräteakustiker, Optiker, Schuhmacher etc. pp. Nicht auszudenken, wenn dieser Text durchgegendert worden wäre! Man könnte ihn gar nicht ernst nehmen und teilweise nur schwer verstehen. Wie unernst das ganze Unternehmen ist, wird in einer Notlage wie dieser besonders deutlich. Wenn die Krise vorbei ist und niemand mehr die Verordnung lesen und verstehen muß, kann der Text gerne nachträglich »gerecht« umformuliert werden, aber bitte keine Sekunde früher!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.03.2020 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43245

Ist Ihnen das auch aufgefallen?

»IV. Der Weg zur Arbeit, zur Notbetreuung, Einkäufe, Arztbesuche, Teilnahme an Sitzungen, erforderlichen Terminen und Prüfungen, Hilfe für andere oder individueller Sport und Bewegung an der frischen Luft sowie andere notwendige Tätigkeiten bleiben selbstverständlich weiter möglich.« (Hervorhebung von mir)

Hätte man hier nicht erwartet: »Teilnahme an erforderlichen Sitzungen, Terminen und Prüfungen«? Oder sind Sitzungen immer erforderlich? Wie steht es mit Sitzungen des Bundeskabinetts? Vorerst kann die Kanzlerin die Sitzungen ja ohnehin nicht persönlich leiten, aber treten die Kabinettsmitglieder überhaupt noch zusammen, oder sind bis auf weiteres Videokonferenzen geplant?

Man darf gespannt sein, wie eine »Besprechung mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder« umgetauft wird, wenn zufällig wieder nur ein Bundesland von einer Frau regiert wird. »Besprechung mit der Regierungschefin und den Regierungschefs der Länder«??
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2020 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43243

Auch bei ihrem Auftritt am Sonntag (22.3.20) ist die Kanzlerin vom gelegentlichen Gendern alsbald zum generischen Maskulinum übergegangen.

Die FAZ möchte auch bei Lieferschwierigkeiten ihren Abonnentinnen und Abonnenten entgegenkommen und macht den Abonnenten dann ein kostenloses Angebot. Die Abonnentinnen gehen leer aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2020 um 19.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43239

Es ist ja auch kein Theorem, sondern eher ein Bonmot. Übrigens erscheint im Schweizer Monat ein knapper Beitrag von mir, der den Gegenstand behandelt und mit besagtem Satz schließt. Er kommt auch Ihrem Einwand entgegen. In einem fertigen Buchmanuskript lege ich sehr viel ausführlicher die Lobbyarbeit der Schulbuchverleger offen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.03.2020 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43238

zu #43190:
Das Forsthoff-Theorem ist eigentlich unlogisch, denn mögen irgendwelche Randgruppen und Minderheiten soviel krakeelen, wie sie wollen, sie könnten ohne Mehrheit nirgendwo Schaden anrichten.

Wie kommen Minderheiten also doch zum Ziel? Indem sie genau die besagten "arglosen Trottel mit ins Boot holen". Das würde ich nicht den größten Triumph nennen, sondern so machen sie es immer, wenn sie Erfolg haben.

Das Theorem beruht, obwohl dies immer verschwiegen wird, auf der Voraussetzung, daß die Mehrheit des Volkes dumm und somit gutmenschlichen Versprechungen leicht zugänglich, d.h. manipulierbar ist.

Wer die dumme Mehrheit am geschicktesten in die Pfanne haut, gewinnt. Das ist die eigentliche Aussage des Theorems.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.03.2020 um 02.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43220

Die Fernsehansprache der Bundeskanzlerin ist auch unter dem Aspekt der »geschlechtergerechten Sprache« interessant. In dem rund 1600 Wörter zählenden Text hatte sie (wenn ich richtig gerechnet habe) 28mal die Gelegenheit zu gendern. Sie hat es 21mal, also zu 75 Prozent, NICHT getan. Dort, wo sie die weibliche Form zusätzlich verwendet hat, kann man darüber streiten, ob das nötig war.

Was sagt uns das? Wer eine wichtige Botschaft hat, verzichtet auf sprachliche Narreteien, die nur von der Sache ablenken. Eigentlich eine ganz einfache rhetorische Erkenntnis. Aber in der Flut der Äußerungen von Politikern und Funktionären, mit der wir tagtäglich überschwemmt werden, scheint sie völlig unterzugehen, obwohl die Leute manchmal durchaus etwas zu sagen haben. Sie merken offenbar nicht, daß sie mit ihrer künstlichen Sondersprache nicht nur ihre eigenen Aussagen empfindlich schwächen, sondern auch die Distanz zu den »Bürgerinnen und Bürgern«, denen sie doch so nah sein wollen, noch weiter vergrößern, statt sie zu verkleinern.

Das gilt besonders für die umständlichen Doppelformen. Wenn gendernde Politiker, Beamte oder Verbandsfunktionäre interviewt werden, klingt es oft, als hätten sie einen Sprachfehler. Neulich lief im ZDF ein Gespräch mit dem hessischen Sozialminister Kai Klose (Grüne). Sein unfreiwillig komisches »Ministerpräsident’n und Ministerpräsident’n« preßte er unter soviel Anstrengung heraus, daß er auf mich wirkte wie ein debütierender Schauspieler beim Vorsprechen. Wenn man nicht so genau hinhört, könnte man sich bei durchgegenderten Reden auch an liturgische Texte erinnert fühlen. Wenn die Form den Inhalt verschüttet, hören viele nicht mehr hin. Wem ist damit eigentlich gedient?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.03.2020 um 23.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43219

Hmm, das zeigt, daß ich, obwohl Bayernfan, kein echter Bayer bin. Auf die Radlermaß wär ich nicht gekommen, wohl ebenso wenig wie Ludwig Zehetner sich anscheinend vorstellen konnte, daß es noch ein Deutschland außerhalb Bayerns gibt.

Laut Duden sagt man der oder das Radler. Ich hätte vor allem das gedacht, vielleicht vom Grundwort Bier oder Wasser oder Getränk.

Aber wie auch immer, in jedem Fall kommt dieses Geschlecht nicht vom Bestimmungswort der Radler (=Radfahrer), sondern vom Grundwort, so wie man auch das Pilsner selbstverständlich auf das Bier bezieht.

Wenn es nun ein Getränk für Radler, kurz der oder die oder das Radler genannt, gibt, so war meine Überlegung, dann müßten doch Gendergeschädigte ebenso nach einem Getränk für Radlerinnen, kurz der oder die oder das Radlerin genannt, lechzen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.03.2020 um 22.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43218

Laut Ludwig Zehetner, Bairisches Deutsch und Robert Sedlaczek, Das Österreichische Deutsch gilt:
der Radler = Radfahrer, also männlich belebt;
in Deutschland die Radler = Abkürzung von die Radlermaß,
in Österreich der Radler = Getränk.
Die Genderisierung von Radler ist also ein österreichisches Problem, kein bundesdeutsches.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.03.2020 um 19.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43216

Wann gibt es eigentlich die erste Radlerin zu trinken?
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 20.03.2020 um 13.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43215

Zeit online bringt heute einen Artikel des bulgarischen Politikwissenschaftlers Ivan Krastev: "Sieben Schlüsse aus der Coronavirus-Krise". Im englischen Original war der Artikel beim European Council on Foreign Relations erschienen. Daraus nur ein Satz: "In 1929, following the Great Depression, people demanded strong government intervention to offset the failings of the market." Das modelt die Übersetzerin Meike Dülffer sich so zurecht: "Nach der Großen Depression verlangten die Bürgerinnen und Bürger 1929 entschiedene Regierungsinterventionen, um die Verluste der Märkte auszugleichen."
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.03.2020 um 10.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43214

Krise ab jetzt Chefinnensache
...
Von diesem Zeitpunkt an war klar – die Krise ist ab jetzt Chefinnensache.
(Mannheimer Morgen, 20.3.20, S. 2)

Klingt, als sei die Krise überhaupt nur von Frauen lösbar. Ein Mann als Chef käme gar nicht in Betracht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.03.2020 um 14.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43204

Am Anfang eines Genderisierungsrechtschreibkorrekturprogrammes muß die Frage "männlich belebt (z.B. Tellerwäscher) oder unbelebt (z.B. Geschirrspüler)" stehen. (Das erinnert an die slawischen Sprachen, in denen es um den Akkusativ geht.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2020 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43190

Nach dem Forsthoff-Theorem haben die allgemeinsten Interessen die geringsten Aussichten, weil sie sich nicht organisieren lassen. Zur Zeit tragen die (oft lesbischen) Feministinnen und die Transgender-Aktivisten den Machtkampf unter sich aus. Unter die Räder kommen die Normalos. Der größte Triumph besteht aber darin, die arglosen Trottel mit ins Boot zu holen, so daß ihnen z. B. die Sprachlenkung sinnvoll erscheint, mit der die Lobbygruppen ihnen das Leben schwermachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2020 um 21.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43177

Es gibt allerdings die "sexuellen Zwischenstufen", wie man das früher nannte. Sie sollen nicht benachteiligt werden. Mehr können sie nicht verlangen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.03.2020 um 18.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43175

zu #43172:

Aber was heißt möglich, ist es denn nicht selbstverständlich, bedarf es dazu überhaupt noch irgendeines Beweises, daß die Zweigeschlechtlichkeit von Lebewesen rein biologisch bedingt ist und ausschließlich der Fortpflanzung dient?
Ich kann mir nicht vorstellen, daß vernünftige Menschen etwas anderes behaupten. Die das doch tun, kann man doch nicht ernst nehmen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.03.2020 um 12.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43174

Die Genderisierung ist eine große Aufgabe für die Rechtschreibkorrekturprogramme.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2020 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43172

Wer eine biologische Grundlage des Geschlechtsunterschieds für möglich hält, gilt als transphob und hat mit Schwierigkeiten zu rechnen, bis hin zur Entlassung und zur Vernichtung seiner bürgerlichen Existenz.

Als J. K. Rowling sich in diesem Sinne äußerte, fiel die Meute über sie her, und Medien phantasierten zusammen, daß für viel Harry-Potter-Fans "eine Welt zusammenbrach". Welche Welt? Jedenfalls nicht die der Romane. (Auch wenn das Lehrpersonal in Hogwarts eigentümlicherweise ehe- und kinderlos ist wie in einer freilich gemischtgeschlechtlichen Klosterschule.)

Nun, die Menschheit überlebt durch den biologischen Sexus, nicht durch das ideologische Gender; insofern erledigt sich das Thema irgendwann von selbst.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.03.2020 um 03.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43170

Sehr schön auch diese Stelle:

[...], sofern ein Wahlhelfender seine Teilnahme zurückziehen muss.

Was ist dann der große Gendervorteil von Wahlhelfender gegenüber dem üblichen Wahlhelfer?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.03.2020 um 00.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43169

Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf verhaspelt sich bei der Genderei auf ganzer Linie, hier der Link:
https://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-buergerdienste/wahlamt/artikel.456557.php
Am Ende wurde allerdings ein Wort übersehen: Wahlhelferaufgaben.
Dort wir auf Videos des Bundeswahlleiters verwiesen:
https://www.bundeswahlleiter.de/mitteilungen/bundestagswahl-2017/20170628-wahlhelfer-video.html
Erstaunlich dabei: Die Videos nutzen durchgehend das generische Maskulinum, dessen Funktionieren sogar bestens belegt wird, indem die gezeichnete Illustrierung überwiegend aus Frauen besteht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2020 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43167

Als Wahlhelfende kann jeder tätig werden, der zum Europäischen Parlament wahlberechtigt und kein Wahlbewerber, Mitglied eines Wahlausschusses oder Vertrauensperson eines Wahlvorschlages ist.
(Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf)

Nicht ganz gelungenes Gendern, obwohl man sich ja in Berlin besonders viel Mühe gibt ...
 
 

Kommentar von A.B., verfaßt am 14.03.2020 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43166

Gewiß auch manche Lehrerin sehnt sich beim Betreten des Lehrer*innenzimmers nach dem Lehrer*außenzimmer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2020 um 03.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43162

Nur scheinbar flüssig geht es ihnen über die routinierten Lippen. Die Wirkung ist und bleibt unerfreulich. Im erwähnten DLF hört man oft den Knacklaut vor dem Suffix – sprachwidrig und daher ohne Zukunft.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.03.2020 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43161

Im DLF kam heute was über "Bürgermeisterinnen- und Bürgermeister-Kandidaten". Der Kandidat stand also auch für angehende Bürgermeisterinnen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.03.2020 um 19.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43160

Das Gegenteil von "innen" ist doch "außen" :-)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2020 um 18.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43159

Empfehlungen zum kirchlichen Leben in Zeiten der Corona-Pandemie
(an die Dekan*innen und Einrichtungsleiter*innen mit Bitte um Weiterleitung)
(...)
Für die Konfirmationsfeiern empfehlen wir den intensiven Dialog mit den Familien der Konfirmanden*innen.

Liebe Mitarbeitende in den Kirchenleitungen...


(Alles evangelisch, wie man sich denken kann.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2020 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43153

Amtspersonen verhaspeln sich jetzt ständig mit den Ärztinnen und Ärzten, die Patientinnen und Patienten zu versorgen haben. – Das Gendern packt jede Aussage in Watte, weich und wohltuend wie jede alliterierende Wortemacherei.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.03.2020 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43148

Ich habe vom "polnischen Gendern" auch noch nie gehört. Aus dem hier Gegebenen vermute ich aber, daß der Ausdruck in Anlehnung an die polnische Notation in der Mathematik gebildet wurde. Die polnische Notation heißt so, weil sie ein Pole erfunden hat. Es ist eine sehr kompakte, klammerfreie Schreibweise für beliebig geschachtelte Rechen- oder logische Operationen, wobei der Operator entweder vorangestellt (normale poln. Notation, pN) oder nachgestellt (umgekehrte polnische Notation, upN) wird, z. B.:

3+4
pN: + 3 4
upN: 3 4 +

(a+b)×(c-d)
upN: ab+cd-×

Hierbei häufen sich bei mehrfacher Schachtelung die Operatoren am Ende, was vielleicht ähnlich aussieht wie die Suffixe bei diesem poln. Gendern.
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 12.03.2020 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43147

Hier ein Beispiel: „Die Motive der Teilnehmernnnie, transportiert werden zu wollen, sind ungefähr immer gleich: Veränderung.“

https://books.google.de/books?id=fkx0DwAAQBAJ&pg=PT230&dq=%22der+Teilnehmernnnie%22

Warum eigentlich polnisch?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2020 um 04.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43144

In den progressiven Teilen dieses Buchs wird das sogenannte „polnische“ Gendering benutzt: Alle für alle Geschlechter nötigen Buchstaben kommen in gefälliger Reihenfolge ans Wortende. (Ann Cotten: Lyophilia, auch zitiert im Wikipedia-Eintrag über Cotten)

Ich habe das Buch nicht zur Hand, würde aber gern mal ein Beispiel für polnisches Gendern sehen, wovon ich noch nie gehört habe.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.03.2020 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43124

In Spanien kürzte man zu Francos Zeiten z. B. in Personalausweisen m/h ab, macho/hembra. Das wurde dann geändert in h/m, hombre/mujer, das genaue Gegenteil.
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 09.03.2020 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43122

m/w/d – männlich/weiß/deutsch? m/w/x, dann ist die Reihenfolge alphabetisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2020 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43121

Um den kostspieligen Angriffen der "AGG-Hopper" (Scheinbewerbung mit anschließender Klage wegen Diskriminierung) zuvorzukommen, schreiben die Unternehmen in ihre Stellenanzeigen meistens m/w/d hinter die Funktionsbezeichnung. Diese Reihenfolge sollte überdacht werden, sie ist ja sexistisch. Außerdem soll d oft als "deutsch" mißverstanden werden.
Für Unternehmen wird es immer schwieriger, ihre Wünsche durchzusetzen, aber es dürfte ihnen dennoch gelingen. Das ist so ähnlich wie die Chiffrierung und Dechiffrierung von Arbeitszeugnissen oder die Koevolution von Säbelzahntiger und Riesenschildkröte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2020 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43081

Querverlag zu einem Buch der lesbischen Autorin Koschka Linkerhand: „Dabei wird bewusst aus der Perspektive von Frauen argumentiert.“ Haben alle Frauen dieselbe Perspektive? Oder auch nur die lesbischen? Das wird in diesen Kreisen vorausgesetzt, stillschweigend auch, daß Frauen im Normalfall lesbisch sind. (Wie „für Männer“ oder „Männersachen“ eine Zeitlang sich meistens auf Homosexuelle bezog.) Immerhin beharken sich die Feministinnen seit langem gegenseitig heftiger, als sie gegen die Männer zu Felde ziehen; das gibt Hoffnung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.03.2020 um 23.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43061

"Emma Hinze ist der neue Superstar"
(Tagesthemen, heute im Ersten)

Gibt’s die Starin noch nicht?
Ab und zu bemerken die SprachkorrektInnen jedenfalls doch, daß prädikativ zum Subjekt nicht notwendigerweise Kongruenz im grammatischen Geschlecht besteht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2020 um 08.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43059

IDS-Direktor Henning Lobin teilt mit:

"Die Forderung nach geschlechtergerechtem Sprachgebrauch wird heute in vielen Institutionen erhoben, ob man das nun gut findet oder nicht. In Hessen etwa wird das Gleichstellungsgesetz in Gestalt von Abschnitt III in der Anlage 3 der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Landesregierung über die Ministerien an “nachgeordnete Behörden”, wie es mein Arbeitgeber, die Justus-Liebig-Universität Gießen, ist, weitergereicht." (https://scilogs.spektrum.de/engelbart-galaxis/kampf-um-hoeflichkeit/)

Es ist nicht bekannt, ob Lobin in diesem „Weiterreichen“ an die Universitäten ein Problem sieht. Der Text („ ob man das nun gut findet oder nicht“) deutet eher auf Folgsamkeit hin (wie bei Eisenberg). Vom IDS ist aber sowieso nichts anderes zu erwarten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2020 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43038

Bewusstsein – Selbst – Ich
Die Hirnforschung und das Subjektive
HerausgeberInnen: Helmut Fink und Rainer Rosenzweig

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2020 um 05.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43034

Zum vorigen:

Die kleine lexikologische Beobachtung zeigt den ideologischen Hintergrund: In den heiligen Hallen des Feminismus kennt man die Feindschaft nicht. Ich zitiere noch einmal die gefühlige Grundstimmung:

„Im Idealfall, stelle ich mir vor, ist Frauensprache eine Art von Kommunikation unter Frauen, wo wir uns einander verbunden und miteinander verbunden fühlen, ohne uns lang zu kennen, ohne vorausgehende Prüfung der Charaktere, über Nationalität, Rasse, Alter und Klassen hinweg, weil wir zuallererst Frauen sind, bewußt uns als Frauen erleben mit demselben Anliegen, uns gegen unsere Unterdrückung zu wehren. Im Idealfall ist Frauensprache unterstützender Dialog, Offenheit, Kreditgeben, Akzeptieren, Verstehen (...)“ (Senta Trömel-Plötz 1984)

Wie soll da Feindinnenschaft aufkommen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2020 um 07.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43024

Freundinnenschaft: mehrere tausend Belege und viel liebliche Literatur.

Feindinnenschaft: fast gar keine Belege und Rückfrage von Google: „Meintest du: Freundinnenschaft“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2020 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42977

Dass Macht und Gewalt begriffshistorisch miteinander verwoben sind, kann eine Erklärung dafür liefern, warum es neben Hannah Arendt so gut wie keine_n Theoretiker_in gibt, der oder die sich Macht in Abgrenzung von Gewalt widmet. (https://soziologieblog.hypotheses.org/9953)

Steht es so um die deutsche Sprache, daß es nicht möglich ist, einen ganz einfachen Gedanken ohne schauderhafte Verrenkungen auszudrücken?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2020 um 04.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42964

Es klingt auch für mich etwas schräg, ich würde sagen: "es sei denn, eine Infizierte wird schwanger" oder so ähnlich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.02.2020 um 01.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42962

„[...], es sei denn, der Infizierte ist weiblich und wird schwanger.“

(aus einer Finnlandkrimiserie, gestern im ZDF)

Ich frage mich, wie die „Genderexperten“ so etwas in ihrem Sinne ausdrücken wollten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2020 um 04.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42955

Jeder vierte Professor meint, an den Hochschulen sollte die Verweigerung der "gendergerechten" Redeweise nicht zulässig sein (Allensbach).

Daß "gendergerecht" gendergerecht ist und die ganze feministische Ideologie setzt man also schon als wahr voraus.

Ich bin nicht überrascht. Ich kenne den deutschen Professor und weiß, daß z. B. an der Uni Erlangen nicht nur ein Viertel, sondern alle mitmachen werden, wenn die Verwaltung im Griff der Frauenbeauftragten demnächst das Gendern vorschreibt. Über den ersten Vorstoß habe ich berichtet. Den Testlauf mit der Rechtschreibreform haben sie schon bestanden. Nicht ist so leicht und lustvoll wie seine Freiheit abzuschütteln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2020 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42943

Seit die Gleichberechtigung der Frauen in den modernen Gesellschaften selbstverständlich geworden ist (zumindest als Forderung), muß auch die katholische Kirche sich dazu äußern. Die herkömmliche Linie lautet: Gerade die Diskriminierung (im wörtlichen Sinne) ist ein Ausdruck besonderer Wertschätzung. Ds hängt mit dem Marienkult zusammen. Die letzten Päpste haben sich durchweg in diesem Sinn geäußert, Franziskus hat es gerade noch einmal in seinem Amazonien-Schreiben bekräftigt.

Auch in dieser Gegenwelt dreht sich alles um die Frau.

Wenn ich mich nicht irre, ist die Diskussion um dieses explosive Thema weiter fortgeschritten als in der muslimischen Welt. Unsere iranischen Bekannten sehen aber auch dort die Sprengkraft der Frauenfrage.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.02.2020 um 14.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42877

Im einem DLF-Beitrag ging es heute nachmittag um "Lebensmittel und ihre Erzeugerinnen und Erzeuger".

Das hört sich an, als ob Lebensmittel vor allem von Einzelpersonen erzeugt würden. In Wirklichkeit sind es fast ausschließlich Erzeugerbetriebe, die gar kein biologisches Geschlecht haben.

Es ist so, als ob die Bundesrepublik alle Länder, mit denen sie Handel treibt, als ihre Handelspartnerinnen und -partner bezeichnete.
Wörter auf -er wie Erzeuger usw. lösen eben bei Gutmenschen den Innen-Reflex aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2020 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42868

Die FAS, die ich aus irgendwelchen Gründen abonniert habe, brachte gestern eine ganze Seite von der Jurastudentin Franziska Heinisch. Als ich sah, daß sie das generische Femininum benutzt, das es ja im Deutschen nicht gibt und nicht geben kann, habe ich aufgehört zu lesen, zumal mich eine Polemik gegen Jonathan Franzen ohnehin nicht interessiert. Ich habe dann lieber eine sehr gute Doppelseite über Oktopusse gelesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2020 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42867

Das Online-Magazin "jetzt.de", das die SZ nicht mehr drucken wollte, gendert wie verrückt und kann es sich leisten, weil es nicht verkauft werden muß. Was zu beweisen war.

Es wendet sich an junge Erwachsene und wirkt wie eine Fortsetzung von "Bravo", ranschmeißerisch und ganz furchtbar liberal (Cannabis, Sex).

Ob die Nutzer das Gendern mehrheitlich gut finden, wird nicht gefragt. Man hat ja einen Erziehungsauftrag.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2020 um 15.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42860

Drucksache 18 / 20 040


18. Wahlperiode

Schriftliche Anfrage
der Abgeordneten Jeannette Auricht (AfD)
vom 25. Juni 2019 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 26. Juni 2019)
zum Thema:
Wem nützt das „Gendersternchen“?
und Antwort vom 09. Juli 2019 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 17. Juli 2019)

Senatsverwaltung für Inneres und Sport

Frau Abgeordnete Jeannette Auricht (AfD)
über
den Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin
über Senatskanzlei - G Sen -


Antwort

auf die Schriftliche Anfrage Nr. 18/20 040
vom 25. Juni 2019
über Wem nützt das „Gendersternchen“?


Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie folgt:


1. Basierend auf welcher rechtlichen Grundlage verwendet der Senat in Schriftstücken das sogenannte Gendersternchen?

Zu 1.:
Eine ausdrückliche rechtliche Grundlage, die eine Verwendung des so genannten Gendersterns regelt, besteht nicht. Die GGO I sieht grundsätzlich die Verwendung von geschlechtsneutralen Formulierungen vor. Ist dies nicht möglich, sollen Paarformulierungen verwendet werden. Die Vorschriften der GGO I werden gegenwärtig dahingehend überprüft, ob aufgrund des Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017 zur 3. Geschlechtsoption sowie der nachfolgenden Änderung des Personenstandsrechts und der Einführung des Geschlechtseintrags „divers“ Anpassungen erforderlich werden. Es ist dem Senat ein Anliegen, grundsätzlich keine Personengruppe sprachlich auszuschließen.

2. Wer soll mit einem „Gendersternchen“ angesprochen werden?

Zu 2.:
Der Genderstern wird von Teilen der Bevölkerung verwendet. Eine Verwendung zielt darauf ab, alle Menschen unabhängig von einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Geschlechtsidentität anzusprechen.

3. Wie genau wird das „Gendersternchen“ in der mündlichen Sprache verwendet?
3.1 Wird das Sonderzeichen ausgesprochen, also z.B. „Bankräuber-Sternchen-Innen“?
3.2 Wird statt des ausgesprochenen Sternchens wie in 3.1. etwa eine Pause gelassen? Falls ja, reicht eine Verzögerung von einer Sekunde oder sind zwei Sekunden oder eine längere Pause empfehlenswerter?
3.3 In welchem Regelwerk finden sich Hinweise zur korrekten Aussprache des „Gendersternchens“?

Zu 3.1 bis 3.3:
Allgemein gültige Regelungen, wie das Aussprechen eines Gendersterns zu erfolgen hat, sind dem Senat nicht bekannt.

4. Was ist damit gemeint, wenn es in der Gemeinsamen Geschäftsordnung für die Berliner Verwaltung, Allgemeiner Teil (GGO I) im § 2 Absatz 2 heißt: „Die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern ist zu beachten. Dies soll primär durch geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen und, wo dies nicht möglich ist, durch die Ausschreibung der jeweils weiblichen und männlichen Form geschehen. In Schriftsätzen, die sich an Einzelpersonen richten, ist die im Einzelfall jeweils zutreffende weibliche oder männliche Sprachform zu verwenden.“? (Bitte mit Beispielen erläutern.)

Zu 4.:
Die derzeitigen Regelungen der GGO I sehen vor, dass in der Berliner Verwaltung vorrangig eine geschlechtsneutrale Personenbezeichnung zu verwenden ist, z. B. anstelle von „Arbeitnehmern“ die Bezeichnung „Beschäftigte“. Dort, wo eine passende alternative Bezeichnung nicht möglich ist, sollen Paarformulierungen verwendet werden im Sinne der Ausschreibung der jeweils weiblichen und männlichen Form, z. B. „Kandidatinnen und Kandidaten“.

5. Wie viele Einwohner hat Berlin nach aktuellem Stand?
5.1 Wie viele Einwohner Berlins sind weiblich?
5.2 Wie viele Einwohner Berlins sind männlich?
5.3 Wie viele Einwohner Berlins können oder wollen nicht einem unter 3.1. oder 3.2. genanntem Geschlecht zugeordnet werden?

Zu 5.:
Der Senat geht davon aus, dass in Frage 5.3 nach Einwohnenden Berlins gefragt ist, die sich nicht einem Geschlecht nach 5.1 oder 5.2 zuordnen. Nach Auswertung des Melderegisters waren zum Stand 1. Juli 2019 von den insgesamt 3.756.581 mit Haupt- oder alleinigem Wohnsitz in Berlin gemeldeten Personen
- 1.896.901 weiblich,
- 1.859.635 männlich und
- 45 ohne einen weiblichen oder männlichen Geschlechtseintrag.
Statistische Angaben zu Menschen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen, werden im Land Berlin nicht erhoben.

6.Welche wissenschaftlichen Untersuchungen untermauern die These, dass es Teile der Bevölkerung gibt, die sich ohne „Gendersternchen“ in ihrer Menschenwürde herabgesetzt fühlen würden? (Bitte Quellen und Anzahl der Befragten angeben.)

Zu 6.:
Dem Senat ist eine solche wissenschaftliche Untersuchung nicht bekannt.

7. Welche Umfragen sind dem Senat zur Akzeptanz des „Gendersternchens“ in der Gesamtbevölkerung bekannt?

Zu 7.:
Eine Erhebung zur Akzeptanz des Gendersterns in der Gesamtbevölkerung ist dem Senat nicht bekannt.

8. Ist die Verwendung des „Gendersternchens“ bereits Teil der Berliner Rahmenlehrpläne oder gibt es Planungen, dieses mitten in deutschen Wörtern befindliche Sonderzeichen in den öffentlichen Schulen einzuführen?

Zu 8.:
Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie orientiert sich an dem Beschluss des Rats für deutsche Rechtschreibung vom 16. November 2018 mit den Empfehlungen zur „geschlechtergerechten Schreibung“. Verschiedene Schreibweisen in den Berliner Schulen werden zur Kenntnis genommen und in der Verwendung zugelassen.

9. Wird den dank einer weltoffenen Senatspoltik neu und meist ohne Deutschkenntnisse hinzugekommenden Bürgern unserer Stadt die Bedeutung des „Gendersternchens“ in Willkommensklassen erläutert, so dass diese Neubürger Formulare Berliner Behörden besser verstehen können?

Zu 9.:
Die Bedeutung des Gendersterns wird in Willkommensklassen im Rahmen des Unterrichts alters- und bedarfsgerecht erläutert.

10. Gibt es Senatsstudien zur Akzeptanz des „Gendersternchens“ unter muslimischen Einwanderern?

Zu 10.:
Nein.

Berlin, den 09. Juli 2019

In Vertretung
Torsten Akmann
Senatsverwaltung für Inneres und Sport
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2020 um 15.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42851

Noch einmal Hogrefe:

Die Manuskripte sollen nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung abgefasst werden. Bitte richten Sie sich nach der 26. Auflage des Dudens (2014). Wenn unterschiedliche Schreibweisen möglich sind, verwenden Sie bitte die vom Duden gelb hinterlegte Empfehlung.

Bei der Erstellung des Manuskripts ist auf eine geschlechtergerechte Sprache zu achten. Dies soll vor allem durch die Verwendung von geschlechtsneutralen Bezeichnungen (z.B. Studierende, Reisende, ärztliche Tätige) und/oder die Verwendung beider Formen (z.B. Sportler und Sportlerinnen) geschehen. Eine Fußnote, die darauf verweist, dass aufgrund der „besseren Lesbarkeit“ das generische Maskulinum oder Femininum verwendet wird ist hingegen nicht zulässig.


https://www.hogrefe.de/fileadmin/user_upload/global/journals/Hogrefe_Goettingen/KIE/KIE_Richtlinien_zur_Manuskriptgestaltung.pdf

(Entspricht den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychologie)

Zur orthographischen Seite vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1123
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.01.2020 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42826

Interview mit der Redaktionsleiterin des Diercke-Weltatlas:

Schreiben Sie in der nächsten Auflage „Einwohnerinnen“?

- Nein, das ist aktuell nicht vorgesehen (lacht). Wir befinden uns im Prozess und beobachten natürlich die Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung.
(FAS 26.1.2020)

Man sieht auch hier, wie der Rat in der Bevölkerung nach und nach als Sprachamt angesehen wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2020 um 06.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42750

Es ist heute fast unmöglich, ein Tabu zu brechen und mal so richtig Skandal zu machen. "Ich ficke Babys" war noch ein schöner erster Satz, aber das ist 30 Jahre her.

Jetzt ist es J. K. Rowling gelungen, etwas unfaßbar Anstößiges zu sagen: "Sex is real."

Eine Feministin, die sich dazu äußert, berichtet stolz, wie sie ihrem Freund erklärt habe, sie sei an Penetrationssex nicht interessiert. Uns Romantikern hat diese rüde Sprache nie gefallen. Glücklicherweise bin ich nie gefragt worden: Papa, was ist Penetrationssex?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2020 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42735

Die FAS zitiert eine Schweizer Abgeordnete: „In keinem Land können die Bürgerinnen und Bürger so häufig abstimmen und wählen wie in der Schweiz, und dennoch weiß die Bevölkerung nichts darüber, woher das Geld der Wahl- und Abstimmungskomitees kommt.“ Dann fährt die Zeitung fort: Hier für mehr Transparenz zu sorgen verbessere die Meinungsbildung der Bürger und stärke das Vertrauen zur Politik. (FAS 12.1.20)

Die Funktionärin spricht gebunden, die Zeitung frei. Immer dasselbe Schema.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2020 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42725

Windbeutel und Windbeutelinnen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.01.2020 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42724

Auf Wiedersehen dann nächstes Jahr auf dem Dreikönig*innen Treffen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.01.2020 um 21.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42723

Parteichef Lindner erklärte heute auf dem Dreikönigstreffen, wer für die Menschen von den "Facharbeiterinnen und Facharbeitern" bis zu den "Landwirtinnen und Landwirten" die beste Politik macht. Das seien die "Freien Demokraten". Da muß er wohl an der Frauenquote seiner Partei noch ein bißchen arbeiten, oder hält er seine Frauen in dieser Beziehung etwa für völlig unfähig?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2020 um 16.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42722

Das schon erwähnte Produkt "Richtig gendern" wird bei Amazon so angezeigt:

Richtig gendern: Wie Sie angemessen und verständlich schreiben
von Dudenredaktion (Herausgeber), Anja Steinhauer (Autor), Gabriele Diewald (Autor)


Munske, dessen Schülerin einer der "Autoren" war, bemerkt:

"Und es ist eine Anmaßung, unter dem Logo DUDEN Ratschläge für richtiges Gendern zu erteilen. Als ginge es nur um das Wie und nicht auch um das Ob überhaupt. Der Verlag zahlreicher unentbehrlicher Werke zum Deutschen darf seine Autorität nicht für strittige Sprachexperimente verschwenden."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2020 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42708

Weiße Baumwollsocken, auf denen man jeden Blutspritzer sieht, hießen bisher Arztsocken, jetzt steht auf der Packung Ärztin & Arzt Socken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2020 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42701

Das ist eine sehr interessante Beobachtung, die auch in der bisherigen Diskussion kaum vorgekommen ist: Das Gendern haftet gewissermaßen an bestimmten Vokabeln (Lexemen). Fast möchte man schreiben Schülerinnenundschüler usw.

Nicht nur das Partizip I hat ernorm zugelegt, sondern auch der Plural. Er wird zur unmarkierten Form, aus der man einen unsicheren Singular irgendwie ableiten muß.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 04.01.2020 um 01.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42700

WDR-Intendant Tom Buhrow hat offenbar keine Lust zu gendern. Um so befremdlicher nehmen sich die »Seniorinnen und Senioren« aus, die er in einem Interview mit dem SPIEGEL (https://www.spiegel.de/plus/tom-buhrow-ueber-wdr-umweltsau-video-ich-bin-nicht-eingeknickt-a-00000000-0002-0001-0000-000168763984) gleich zweimal bemüht. Es war wohl ein Gruß an den Geßlerhut, wie man ihn jetzt so häufig beobachten kann. Hier sämtliche Stellen des Interviews, an denen er zusätzlich Gelegenheit zum Gendern gehabt hätte (Hervorhebungen von mir):

»Wir konnten die Mechanismen erkennen, aber wir konnten auch unterscheiden zwischen dem, was orchestriert ist, und dem, was echte Gefühlsäußerungen von ansonsten wohlmeinenden Hörern sind. Und da hatten wir wirklich Hunderte Seniorinnen und Senioren und deren Enkel am Telefon.«

»Mein Thema ist, dass wir in einer Familienwelle viele, viele Hörer verletzt haben.«

»Kinder spielen im Fernsehen und im Hörfunk überall eine Rolle, auf Spendengalas, bei Weihnachtskonzerten. Ich glaube, selbst auf Wahlplakaten von Politikern

»Ich reagiere nicht auf jede Politikeräußerung

»Ich erlebe auch den WDR nicht so, dass hier eingeschüchterte Redakteure herumlaufen.«

»Wir können uns doch nicht hinter der Satirefreiheit verstecken und sagen: Wir haben recht, lieber Hörer, und dass du so empfindest, das ist eben falsch.«

Mehrere Medien zitieren überdies wie folgt aus einem Brief der Redakteursvertretung des WDR an Buhrow:

»Wir sind außerordentlich irritiert über diese eklatante Verletzung der inneren Rundfunkfreiheit und das schlechte Krisenmanagement der Geschäftsleitung, das Kolleg*innen und Kollegen beschädigt und dem Ansehen des WDR zudem schadet.« Aua!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2019 um 07.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42673

Im Radio spricht eine Pädagogin über die Lehrerausbildung und gendert ausnahmslos: Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler. Als sie dann aber auf die Ausbildung von Ärzten zu sprechen kommt, scheint es nur noch Männer zu geben. Man spürt richtig, daß sie die Automatismen nur auf ihrem Fachgebiet gelernt hat. Fast könnte sie einem leid tun, wie jede Marionette, die sich frei wähnt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2019 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42655

Was treiben die Gender-Studierenden eigentlich, z. B. an der HU?

Sphinxen der Moderne Oder: Konstruktion von Weiblichkeit von 1800 bis Anfang des 20. Jahrhundert am Beispiel der Sphinx (Seminararbeit)

Solche Titel sind für künftige Archäologen Leitfossilien unserer Epoche.

In der Seminararbeit wird natürlich auch das Gedicht Lasker-Schülers zitiert, das ich hier schon gerühmt habe: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1407#33372

Die Sphinxen sind übrigens einer der vielen Plurale, zwischen denen man sich nicht entscheiden kann. Der feine Mann sagt Sphingen und behandelt das Wort als maskulin, statt Weiblichkeit zu konstruieren.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 27.12.2019 um 22.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42654

Aha, es regt sich was:
https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/lehrer-gestaendnis-weg-mit-den-gender-wortmonstern-a-1301850.html
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.12.2019 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42643

In der DLF-Sendung "Europa heute" am 20.12.2019 um 9.22 Uhr über Finnland (von Jenni Roth) wurde in knapp 7 Minuten tatsächlich kein einziges Mal gegendert:

Finnen (5x)
Experten
der Finne (als Gruppenbezeichnung, 2x)
Minister
Populisten
Nazis
Deutsche, Spanier und Franzosen
Politiker (4x)
Wissenschaftler (2x)
Mediziner
Taliban
Kommunisten

Das ständige "Finninnen und Finnen" wäre in diesem Bericht auch besonders lächerlich gewesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2019 um 08.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42642

Beim Zentrum für digitale Lexikographie der deutschen Sprache wird zwar gegendert, aber sehr nachlässig:

Ehemalige Mitarbeiter und Studierende

Wissenschaftliche und wissenschaftlich-technische Mitarbeiter


Sollte es in diesen gottlosen Kreisen ein generisches Maskulinum geben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2019 um 15.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42637

Zwangsgebührenfinanziert. Darum ändert Abschalten nichts. Q. e. d.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.12.2019 um 13.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42636

Zum penetranten Gegendere im Deutschlandfunk: Erst gestern wieder hörte ich ein Interview zwischen einem korrekten Redakteur im Studio und einem nicht minder korrekten Oberbürgermeister, nämlich dem von Bonn, über das Beethovenjahr. Alle naselang wurde einem da ein »Besucherinnen und Besucher«, »Bürgerinnen und Bürger«, »für jeden und jede« ins Ohr gehämmert, wo der Unterschied zwischen Männlein und Weiblein rein gar nichts zur Sache tat. (Einmal allerdings ging es schief, da war die Rede von den »Wienern«, und mehrmals hörte ich »Menschen«, auch »Popstars«.) Als letzte Ohrfeige gab’s dann noch einen Jahresendgruß des Kommunalpolitikers an seinen Gesprächspartner und das wehrlose Auditorium: »Das wünsche ich Ihnen und Ihren Hörerinnen und Hörern auch«. Als dann anschließend der Beitrag eines Korrespondenten angekündigt wurde, der mit »Amerikanerinnen und Amerikanern« über die Fernsehdebatte zwischen »Kandidatinnen und Kandidaten« der Demokraten (sic!) gesprochen habe, wurde es mir zu bunt und ich habe abgeschaltet.

Übrigens ist mir aufgefallen, daß die Korrespondenten überwiegend nicht gendern, auch nicht in Schaltgesprächen, in denen sie mit der selbstverordneten Sondersprache der Kollegen in der Zentrale konfrontiert werden. Vielleicht liegt das daran, daß sie etwas zu sagen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2019 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42626

Jenem gegenderten Magazin legt die Uni Erlangen liebreich eine Weihnachtspostkarte bei, die wir an unsere Freunde verschicken können. Über dem Bild einer Eule mit Doktorhut steht MERRY X-MAS, und verantwortlich ist das Referat Marketing der Universität.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendein Kollege dieses geschmacklose Produkt verwendet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.12.2019 um 22.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42624

Auch wenn einige namhafte Institutionen, wie z.B. der DLF, sich noch so sehr bemühen, sie werden das generische Maskulinum nicht ausrotten, weil es einfach unmöglich ist.

Ich höre unterwegs oft DLF, sie gendern dort zum Fremdschämen, und doch gibt es kaum einen Beitrag ohne generisches Maskulinum.

Beispiel
18.12.2019, 17.35 Uhr, aus der Sendung "Kultur heute" nur der ca. 5-minütige Beitrag über den Drill an der Wiener Ballettakademie, alle verwendeten Personenbezeichnungen, die sich jeweils auf beide Geschlechter beziehen, in der Reihenfolge der Nennung:

Schülerinnen und Schüler
Eleven
Ballettschülerinnen und -schüler
Ballettänzer
Ballettpädagoginnen und -pädagogen
Lehrerinnen und Lehrer
Auszubildende
Ballettänzer
Ernährungsberater, Psychologen und Physiotherapeuten
Auszubildende

Wie gesagt, ähnlich ist es in fast jedem DLF-Beitrag. Man muß das generische Maskulinum kennen, um den Beitrag komplett zu verstehen. Das wird sich nie ändern, dafür sorgt schon die Sprachökonomie.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 19.12.2019 um 20.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42623

Anscheinend sind alle Forschenden der Forschergruppe Forscher.
Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber so muß es wohl gemeint sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2019 um 12.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42622

Forschende der Universität Zürich entdeckten in einer Zelle erstmals ein Protein, das die Infektion von menschlichen Zellen durch Adenoviren ermöglicht.

Leserzuschriften:

"Nicht jeder Forschende ist ein Forscher und nicht jeder Studierende ein Student! Als langjähriger und international tätiger Wissenschaftler und Forscher verbiete ich mir dieses sinnlose Gendergeschreibe!" Dr. Geissner

"Vielen Dank! Sie sprechen mir aus meinem Forscherherzen!" Prof. Dr. Wolf-Dieter Schleuning

(https://www.nau.ch/news/forschung/in-zelle-forschende-entdecken-protein-mib1-65630863) >(19.12.19)

Die Forschenden gehören übrigens zur „Forschergruppe von Urs Greber“. Nanu?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2019 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42616

Der Pressestelle ist wohl nicht leicht klar zu machen, daß die Herausgebenden der Chronik grammatisch falsch ist. Es gibt doch die Studierenden der Germanistik usw.? Die gibt es zur Not, aber damit ist die bloße Zugehörigkeit ausgedrückt, die Valenz des zugrunde liegenden Verbs ist nicht erfüllt. Wer Goethe studiert, ist kein Srudierender Goethes. Er ist allenfalls ein Goethe Studierender, aber dies ist stilistisch unbeholfen, weil das Partizip im Deutschen usw. (siehe dieses: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1121; ich muß es ja nicht immer wieder sagen).

Ausrutscher beim Gendern kommen vor, aber interessant ist auf der letzten Seite des Magazins Rückkehrer, bezogen auf nicht zustellbare Hefte. Sind die Hefte alle männlich, vielleicht weil sie "Alexander" heißen wie der erste Milchzahn von Matthias Claudius’ Sohn? Nein, es ist einfach das Nomen agentis, per default im generischen Maskulinum. So einfach ist das Deutsche, wenn man es beherrscht.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 18.12.2019 um 15.21 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42614

Das ganze Heft ist wieder radikal gegendert ...

Nicht ganz, z.B. S. 10: "Oscar Pakos, einer von insgesamt vier wissenschaftlichen Mitarbeitern am Lehrstuhl von Professor Voigt"

Oder sind es vier Männer?

Oder wäre "wissenschaftlichen Mitarbeitenden" dann doch zu blöd? Das müßte ja ohnehin "wissenschaftlich Mitarbeitenden" heißen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2019 um 14.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42612

Im Magazin „Alexander“ der Universität Erlangen werden 30 Jahre Frauenbeauftragte gefeiert. Ein Foto zeigt „die Herausgebenden der Chronik“:
https://www.fau.de/files/2019/12/FAU-Magazin-alexander-112.pdf

Das ganze Heft ist wieder radikal gegendert, bis auf die Anzeigen, die das Ganze finanzieren, die bleiben alle beim generischen Maskulinum.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.12.2019 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42583

Jeremy Corbyn fand es nötig kundzutun, daß seine Pronomina he und him seien.

Hat wohl nicht geholfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2019 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42582

Die Bundesregierung soll eigentlich dem ganzen Volk dienen, das sie gewählt hat und auf dessen Wohl sie vereidigt ist. Ein "Bundeministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend" schließt jedoch eine gar nicht so kleine Gruppe aus (die Hälfte der Erwachsenen), die schon in der Selbstbezeichnung conspicuously absent ist. Man könnte von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sprechen. Wahrscheinlich sogar von Verfassungswidrigkeit. So ja auch die Bevorzugung von Frauen (= Zurücksetzung der Männer) "bei gleicher Eignung".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2019 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42580

Was sind eigentlich Mädchen*, Trans*personen? Wenn man solche Texte liest, wundert einen auch die Gomringer-Affäre an der Alice-Salomon-Hochschule nicht mehr. Bleibt nur noch hinzuzufügen: „Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend“.
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2019/12/Broschu%CC%88re-GR-P%C3%A4dagogik-GMF.pdf

"Treibt man etwas auf die Spitze, so übertreibt man und hat die Lächerlichkeit." (Fontane) – Das ist die letzte Hoffnung.

Übrigens tun die Korrekten recht daran, ihre Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit groß zu schreiben und GMF abzukürzen. Das sind zwei Schritte zur Sinnaustreibung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.12.2019 um 00.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42579

Ebenfalls von dieser Internet-Seite:

Diskriminieren Mädchen* und Jungen* anders?

So habe ich den Genderstern auch noch nicht gesehen. Die werden immer irrer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2019 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42577

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/projekte/fachstelle-gender-und-rechtsextremismus/

Die Amadeu-Antonio-Stiftung schließt Antifeminismus mit Rassismus zusammen, alles unter „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Es ist nicht ratsam, den Feminismus zu kritisieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2019 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42568

Zur Methode von Beatrice Primus und ihren Schülern hatte ich mal etwas Kritisches geschrieben:

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1044#25451
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2019 um 07.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42552

Die Gesellschaft für deutsche Sprache schließt sich der Gender-Ideologie an:

https://gfds.de/standpunkt-der-gfds-zu-einer-geschlechtergerechten-sprache/

Die Meinung der Mitglieder spielt, wie bei der Rechtschreibreform, keine Rolle.

Nach Ansicht eines früheren Vorsitzenden sind die Mitglieder zu dumm, als daß sie in sprachwissenschaftlichen Fragen mitreden könnten. Es reicht gerade mal zum Zahlen der Mitgliedsbeiträge.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.12.2019 um 10.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42543

Beatrice Prima?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2019 um 08.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42541

Ratsmitglied Beatrice Primus ist verstorben, der Rat widmet ihr einen Nachruf.
Ist „Prof’in“ regelkonform? Man findet es auch mit Abkürzungspunkt: „Prof.’in“.
Anscheinend soll auch die einzelne Professorin noch gegendert werden. Wenn es nur um das Abkürzen ginge, wäre Prof. vor Frauennamen ohne weiteres als „Professorin“ lesbar (falls man das wünscht; „Frau Professor“ ging ja anstandlos durch und kann logischerweise nicht als Unsichtbarmachen der Weiblichkeit gelten). Wenn der Rat zweimal „Frau Prof’in“ schreibt, kommt mir das unpassend vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2019 um 03.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42533

Bei Olaf Krause (http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#11032) bin ich auf Studierendentexte gestoßen (die der Rechtschreibrat untersucht haben soll). Studentische Texte kann er nicht mehr sagen, weil da das verhaßte Maskulinum drinzustecken scheint.

Genderndentexte, Angepaßtentexte, Gehorchendentexte, Gleichgeschaltetentexte...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.12.2019 um 23.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42519

Die Idee ist erstmal nicht schlecht, wir hätten dann Studentinnen und Studentriche, Schülerinnen und Schüleriche, Lehrerinnen und Lehreriche, Bürgerinnen und Bürgeriche.

Wem das zu lang ist, der kann dann wieder einfach Studenten, Schüler, Lehrer, Bürger sagen, was dann jeweils in eindeutiger Weise immer beide Geschlechter umfaßt.

Das einzige verbleibende Problem würde sein, daß ein einzelnes Exemplar z. B. der Gruppe Student, egal, ob männlich oder weiblich, dann immer noch der Student heißt.
Und daran würde es wohl scheitern.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.12.2019 um 22.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42518

Ich denke, die Endung ist eigentlich -rich, das r wird nur nicht noch einmal geschrieben, wenn schon eins da ist (Enter, Ganser/Ganter). Nach anderen Konsonanten wird noch ein e eingeschoben, -erich, z. B. Wegerich, Knöterich, Dieterich, Friederich (Friedrich).
-rich soll etymologisch auf das Wort herrschen zurückgehen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 02.12.2019 um 14.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42517

So sehr das generische Maskulinum auch bekämpft wird, noch existiert es. Eine damit verbundene Benachteiligung der Männer liegt auf der Hand und wurde, glaube ich, hier schon angesprochen. Frauen können Bürgermeister sein und sich obendrein mit der rein weiblichen Bezeichnung Bürgermeisterin schmücken. Eine rein männliche Endung fehlt jedoch. Ich fände -ich dafür passend. -ich ist bereits bei Gänserichen und Wüterichen üblich, daher wäre es zum Bürgermeisterich kein großer Schritt, und zwischen Altenpflegerich und Zahntechnikerich würde der Gerechtigkeit ein weites Feld geöffnet.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.12.2019 um 13.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42516

Vorher kommt noch die Bürgerinnenmeisterinnenkandidatin. Mark Twain hat dazu einiges gesagt in "Die schreckliche Deutsche Sprache".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2019 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42514

Ganz Eifrige schreiben Herr/Frau der Dinge sein.

Das ist bestenfalls ein etwas ärmlicher Witz. Es geht ja nicht um einen Mann der Dinge, dem man eine Frau gegenüberstellen könnte. Herrin wäre denkbar, aber das wollen ja die Feministen nicht, weil es abgeleitet ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.11.2019 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42513

Anatol Stefanowitsch:
"Natürlich geht das, natürlich kann ich von Bürger*innenmeister*innen sprechen. Und dann immer mit diesem kleinen Plosiv, mit diesem kleinen glottalen Plosivlaut, die eben diese Gendersternchen anzeigen. Das ganze Wort wird dadurch in diesem Fall sehr lang. Wenn einen das stört, dann wäre man eben gefordert, ein ganz anderes Wort dafür zu finden, in dem eben das Wort Bürger dann nicht mehr vorkommt."

Die Hervorhebung ist von mir.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.11.2019 um 19.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42512

In der Sendung "Wer hat Angst vorm Genderwahn", heute 19.20 Uhr in 3sat, hat Herr Stefanowitsch allen Ernstes gesagt, dann müsse man eben das Wort Bürger*innenmeister*innen benutzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2019 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42500

Welche Schülerin kommt heute bei „Schülerschaft“, „Schülervertretung“ überhaupt noch auf die Idee, sie sei nicht gemeint? Durch das Gendern wird sie erst auf die Möglichkeit einer solchen Interpretation gestoßen, und das alle paar Zeilen. Das Gendern verewigt die Zurücksetzung der Frau.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2019 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42479

Soweit ich sehe, ist die Elternzeitschrift des bayerischen Schulministeriums nicht gegendert. Vielleicht will sie gelesen werden.

https://www.km.bayern.de/schueler/schule-und-mehr/magazin-schule-und-wir.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2019 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42472

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40524

Ich habe bei der HU (Frau Kirstein) angefragt, auf welcher Rechtsgrundlage die Verpflichtung zur Reformorthographie beruht, aber bisher keine Antwort erhalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2019 um 15.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42466

Das Studium beendete sie 1990 mit dem Magistra Artium. (Wikipedia über Doris Ahnen)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2019 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42452

Neutralisation ist ein sensibler Gegenstand. Wenn man das generische Maskulinum thematisiert, zerstört man es. Daraus lassen sich gegensätzliche Folgerungen ziehen, und das geschieht auch. Darum sind Diskussionen mit Feministen nicht sinnvoll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2019 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42451

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41844

In der Unternehmenskommunikation ist die Rechtschreibreform seit langem zu 100 Prozent durchgesetzt; dort ist einfach kein Platz für Zweifel. Das Gendern im Prinzip ebenfalls, weil man das eben jetzt so macht – Ausnahmen unterlaufen nur ungewollt.

In der Verbandszeitschrift der Übersetzer MdÜ bespricht eine österreichische Übersetzerin und Übersetzungswissenschaftlerin (Innsbruck) zwei Duden-Bände zum Gendern, natürlich zustimmend. Sie selbst gendere immer, auch mündlich, nach den Richtlinien des Kulturministeriums, was man gern glaubt.

So ist man immer auf der sicheren Seite.

Diese Welten sind so geschlossen und für unsere Argumente unzugänglich, daß man sich wie von einem anderen Stern fühlen könnte – wenn da nicht die Zeitungen usw. wären und eben auch die Außenwerbung besagter Unternehmen.

Im Radio hört man die Funktionäre mit ihrem heruntergeleierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Glaubt man wirklich, damit etwas für die Gleichberechtigung getan zu haben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2019 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42416

Nachtrag:

Bürger sollen „auch im Alter von 41 oder 52 Jahren noch mal eine neue Berufsausbildung machen können“, findet Bundesfinanzminister Scholz. Zugleich verteidigt er seinen umstrittenen Vorstoß für eine Streichung von Steuervorteilen für reine Männervereine. (welt.de 17.11.19)

Immer die Hand am Puls der Zeit...

(Wer wird einen Berufsanfänger Mitte oder Ende fünfzig einstellen? Vielleicht der Bund?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2019 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42415

Friederike Haupt (FAS) hat einen Männergesangverein besucht und beschreibt sehr anschaulich, wie es im wirklichen Leben zugeht, nämlich ganz anders, als Olaf Scholz es sich vorstellt.

Man kann sich nach allen möglichen Kriterien zusammentun: Katholiken, Behinderte, Jugendliche, Frauen, Schwarze... Anrüchig sind nur Vereine von Männern, Weißen... also das geht gar nicht!

Scholz vermischt zwei Probleme: Gemeinnützigkeit und Geschlechtergerechtigkeit (aber nur im Hinblick auf Frauen, darum erwähnt er keine Frauenvereine).

Die Gemeinnützigkeit besteht nicht im Nutzen für die Mitglieder.

Beim THW sind 15% Frauen. Selbst wenn beim THW nur Männer wären, würde es die Gemeinnützigkeit nicht beeinträchtigen.

Am gemeinnützigsten sind die Parteien; das beweist die überaus großzügige Parteienfinanzierung, für die sie selbst gesorgt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2019 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42412

Typischer Text, der die Sprachspaltung zeigt:

„Anders Wirtschaften für nachhaltigen Wohlstand – auf dem Weg in die sozial-ökologische Marktwirtschaft“ ist das Papier überschrieben, an dem neben den Fraktionsvorsitzenden auch der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und die neue wirtschaftspolitische Sprecherin Katharina Dröge mitgearbeitet haben. „Wir brauchen nicht noch mehr Verfügbarkeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern“, heißt es darin. Stattdessen sollen Mitarbeiter ihre Arbeitszeit zwischen 30 und 40 Wochenstunden frei wählen dürfen. (FAZ 15.11.19)

Der zitierte Text der Grünen gendert, der laufende Text der Journalistin natürlich nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2019 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42409

Zu Olaf Scholz:
Männerchöre nützen auch Frauen, weil viele Frauen gern Musik für Männerchor hören.
(Laut Paul Kirchhof nützt das Fernsehen auch Menschen, die es nicht nutzen.)
Ein bekanntes Orchester nahm lange keine Frauen auf, obwohl Frauen ebenso gut musizieren wie Männer. Das war ungerecht und hat sich inzwischen geändert, nicht zum Schaden des Orchesters.
Man sollte Vereinen beitreten, die lieber auf Gemeinnützigkeit und Steuerprivilegien verzichten. Allerdings werden auch diese bald verboten werden, wenn sie sich der feministischen Stampede entgegenstellen, wetten daß...?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2019 um 04.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42407

Wolfgang Schindler schreibt: Schreiberinnen und Leserinnen probierten mit der Zeit immer mehr schreibgrammatische Neuerungen aus, die sie dann gegenseitig gut fanden (Evolutions- bzw. Selektionstest bestanden) oder eben nicht. (http://wolfgang-schindler.userweb.mwn.de/index.html)

Wenn man gemerkt hat, daß der Verfasser das generische Femininum gemeint hat, bleibt der Eindruck der Beflissenheit zurück, aber keine zusätzliche Einsicht in die Beteiligung von Frauen an der Schriftgeschichte. Deren bedeutende Rolle hat der vielgescholtene Otto Jespersen schon vor 100 Jahren gewürdigt.

Schindler wird das bestimmt nicht beibehalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2019 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42383

"Olaf Scholz will Steuervorteile für Männervereine abschaffen"

Man sollte die Gemeinnützigkeit sowieso durchforsten. Die Freiwillige Feuerwehr oder das THW nützen allen, aber ein Gesangverein nützt nur den Sängern, während er den Zuhörern eher schadet. Falsches Motiv, aber richtige Folgen.
Bei dieser Gelegenheit: Auch auf Waren sollte ein gleicher Mehrwertsteuersatz erhoben werden, weil es dem Staat nicht zusteht, Tampons oder Bücher gegen Notebooks und Schnittblumen abzuwägen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2019 um 06.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42341

Nächste Woche verleiht der Verein TOTAL E-QUALITY e. V. in München seine jährlichen Auszeichnungen. Die Preisträger sind überwiegend staatliche und öffentlich-rechtliche Institutionen, die nicht dem wirtschaftlichen Wettbewerb ausgesetzt sind. Die Liste hier:

https://www.total-e-quality.de/media/uploads/liste_der_pr%C3%A4dikatstr%C3%A4ger_2019.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2019 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42318

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25560

„Menschen mit einer lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender- oder intersexuellen Identität“
Das ist auch nicht selbstverständlich. Man lehnt den „biologistischen Essentialismus“ ab, aber was ist mit „Identität“ gemeint? Ich bin heterosexuell, aber das definiert mich nicht, es gibt auch noch anderes.

Für Menschen, die heute aus ihren sexuellen Vorlieben eine Berufskarriere machen, sieht das vielleicht anders aus, aber ich halte dieses Insistieren auf Diversität für "essentialistisch".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2019 um 03.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42316

SPD-Mitglieder sprechen ganz selbstverständlich von der "Rettung" ihrer Partei, um die es jetzt gehe.
Ob zum Niedergang nicht auch so etwas beigetragen hat: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30418?

Das Gendern wird von einer großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt und hat etwas Sektiererisches. Gerade die Arbeiterschaft will nicht, daß die Politiker sich auf solchen akademischen Spielwiesen verausgaben.

Nein, man muß nicht fürchten, als AfD-Nachahmer angesehen zu werden, wenn man endlich die Gründe gegen das Gendern ernst nimmt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2019 um 12.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42308

Der Riß verläuft nicht zwischen amtlicher und nichtamtlicher Sprache. Besser scheint mir die Unterscheidung zwischen gebundenen und freien Texten. Gebundene Texte sind solche, die sich einer von außen gesetzten Norm unterwerfen (weil sie müssen oder auch nur müssen glauben).

Auch damit ist nicht das ganze Spektrum erfaßt, aber doch schon viel mehr als mit amtlich/nichtamtlich.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) schrieb nach dem Bekanntwerden der Baumängel und der Schulschließung an den Lörracher Oberbürgermeister: „Als zuständigen Schulträger bitte ich die Stadt Lörrach darum, dem Sanierungsbedarf im hier einschlägigen Fall so nachzukommen, dass der Unterricht für die Schülerinnen und Schüler ohne Abstriche gewährleistet werden kann.“ (FAZ 25.10.19)

Im Artikel selbst ist nur von Schülern die Rede. Die Ministerin bzw. ihr Ministerium sprechen die gebundene Verlautbarungssprache. Kein natürlich formulierter Text passiert den Filter.

Eine Zeitschrift wie "Sterne und Weltraum" gendert natürlich nicht. Nur auf der Seite, wo didaktische Materialen für die Schule angeboten werden, ist von Schülerinnen und Schülern die Rede, aber nur ganz vorübergehend, dann nur noch von Schülern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2019 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42304

Mehr Studienanfänger, höherer Frauenanteil
(...)
Nicht einmal ein Viertel der Studienanfänger war damals weiblich.

1971 führte der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) die staatliche Ausbildungsförderung Bafög ein. Die Zahl der Studienanfänger stieg daraufhin stark an und wächst seither stetig.
(ZEIT 23.10.19)

Das generische Maskulinum funktioniert.

(Aus der Grafik geht hervor, daß der Anstieg schon vor 1970 einsetzte; tatsächlich gab es bereits das „Honnefer Modell“, mit dem ich ab 1963 mein ganzes Studium finanzierte, bis ich als studentische Hilfskraft selbst etwas verdiente.)
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 21.10.2019 um 07.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42284

Und wie immer bekommen sie es nicht ganz auf die Reihe: Abweichler, Diabetiker, Bewohner, Whistleblower (3x).
Na gut, daß Whistleblowerinnen nicht sichtbar gemacht werden möchten, ist verständlich.
Dagegen haben Abweichlerinnen, Diabetikerinnen und Bewohnerinnen Grund, sich bitter zu beklagen.
Wobei die Abweichler ein besonderer Fall sind: Im Text beziehen sie sich auf Tumorzellen, und in der Paarung die Zelleder Abweichler belegen sie ein funktionierendes generisches Maskulinum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.10.2019 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42283

Das Magazin kann noch so auf Hochglanz poliert sein, man merkt doch gleich, daß man in eine andere Welt tritt: Schon das kurze Geleitwort des Präsidenten enthält dreimal Doppelnennung beider Geschlechter. Ob der Mann auch so redet, etwa mit seiner Frau? Es ist eben die Spielwiese der Ideologen. Keine Zeitung oder Zeitschrift, die sich auf dem Markt behaupten muß, leistet sich eine derart verkorkste Sprache. Hier ist die Auflage (6.500) garantiert, auch wenn keiner das Zeug lesen mag. Es ist nicht das Außenbild der Universität, sondern eine ideologisch entstellte Karikatur.
Pressestelle und Genderbüro haben still und leise die Macht ergriffen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2019 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42274

Das kostenlose Forschungsmagazin unserer Universität ist aufs lächerlichste durchgegendert: Expertinnen und Experten sprechen auch von optischer Biopsie. usw. (Sonst könnte jemand auf den Gedanken kommen, daß nur Experten, nicht aber Expertinnen von optischer Biopsie sprechen.)
Die Wissenschaftler (und Wissenschaftlerinnen) der Universität haben bei dieser ihrer Außendarstellung nicht mitzureden, das macht die Pressestelle, vermutlich im Bündnis mit dem Büro für Gender und Diversity.

Eine Genderforscherin der Uni behauptet im selben Heft:

„Es gibt viele Menschen, die geschlechtergerechte Sprache ablehnen, darunter auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Aber das sind in der Regel nicht diejenigen, die sich tatsächlich fachlich mit Sprache und Kognition befassen.“

Ziemlich unverschämt.

Hier kann man das ganze Heft sehen:

https://www.fau.de/files/2019/10/friedrich119_Im-Verborgenen.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2019 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42245

Die WELT meint zwar, Duflo sei erst die "zweite weibliche Gewinnerin" des Wirtschaftsnobelpreises, aber im übrigen kann man anläßlich des gemischten Trios sehr gut sehen, daß das generische Maskulinum in allen Medien nach wie vor funktioniert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.10.2019 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42221

"Gut" im moralischen Sinn (Stefanowitsch’sch).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.10.2019 um 00.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42220

Behauptet ja keine und keiner. Bloß gerecht soll es sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.10.2019 um 14.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42219

In den DLF-Nachrichten wurde heute schon mehrmals gesagt:

"... müssen sich nun einen anderen Kandidat oder Kandidatin suchen."

Das soll nun gutes Deutsch sein?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2019 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42204

Es lagen auch Daten zum Schlaf der Teilnehmenden vor, da die Patienten bereits eine Nacht in einem Schlaflabor zwischen dem Jahr 1991 und 1998 verbracht hatten. (https://www.heilpraxisnet.de/ 5.10.19)

Hier sieht man, wie der Verfasser (Alexander Stindt) reflexartig auf die maskuline Endung -er reagiert, nicht aber auf das lexikalisch maskuline Patient. Das hält er auch in seinen anderen Texten durchgehend so. Das Gendern geschieht völlig gedankenlos – ob das den Frauen wirklich hilft?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2019 um 07.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42202

Die Metaphorisierung von Mutter- und Tochterfirma führt zwar zur Sexualisierung des grammatischen Genus (Firma), die aber nicht bis zur Allegorese weitergetrieben ist. Es bleibt bei einer mechanischen Kongruenzerscheinung. Bei der Kirche ist es etwas anders. Hier scheint die „Mütterlichkeit“ zur Theologie zu gehören, so daß die Metapher vielleicht mehr ist:
In Amazonien hat die katholische Kirche im Laufe des letzten Jahrhunderts einen Rollenwandel vollzogen und ist von der bekehrenden Missionarin zur Anwältin der Indigenen geworden. (FAZ 5.10.19)

(Paradoxerweise besteht diese Mutter größtenteils aus Männern.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2019 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42180

Nach Ansicht der Gleichstellungsbeauftragten

„heben die neuen Empfehlungen nicht auf einen sprachsystematischen Eingriff ab, sondern sie möchten die Sprecherinnen und Sprecher auf der Ebene des Sprachgebrauchs anregen, die verfügbaren sprachlichen Mittel so nutzen, dass sich alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen fühlen können und geschlechtliche Vielfalt auch ihren sprachlichen Niederschlag findet.“

Dieses Argument findet man oft. Die Unterscheidung von Sprachsystem und Sprachgebrauch ist aber nicht haltbar. Das „Sprachsystem“ darf nicht zu einem Wesen eigener Art hypostasiert werden. Nur den Sprachgebrauch gibt es wirklich, das „System“ wird daraus vom Linguisten erschlossen bzw. konstruiert. Anders gesagt: Die Unterscheidung der „verfügbaren Mittel“ und des Gebrauchs, den man davon macht, ist ein einleuchtendes, aber falsches Modell der Sprache. Diese alte Einsicht (etwa bei Hermann Paul: „Prinzipien der Sprachgeschichte“) hat der Strukturalismus mit seiner Unterscheidung von Vorrat und Auswahl zeitweise verdunkelt, aber heute besinnt sich die Linguistik eines Besseren.
Um es am konkreten Beispiel zu erläutern: Wenn der „Gebrauch“ des generischen Maskulinums a limine ausgeschlossen wird (wie in den „Empfehlungen“), so ist damit selbstverständlich eine Änderung des deutschen Sprachsystems verbunden. Die „Empfehlungen“ implizieren geradezu die Behauptung, daß das generische Maskulinum nicht mehr funktioniere – eine empirisch falsche Behauptung über das Sprachsystem.

Auch falsche Behauptungen können allerdings die Sprache (den Gebrauch und damit auch das System) verändern. Die Problematisierung des generischen Maskulinums ist selbsterfüllend: sie macht das generische Maskulinum problematisch. Das ist auf anderen Gebieten der „politischen Korrektheit“ schon geschehen, aber bei grammatischen Mitteln, die wesentlich im Hintergrund operieren, ist die Thematisierung des Unthematischen besonders folgenreich.

Solange sie die Hochschulleitung hinter sich haben, können Gleichstellungsbeauftragte ohne sprachwissenschaftliche Kenntnisse ihre naiven und falschen Ansichten über die deutsche Sprache verbreiten und daraus ihr praktischen Forderungen ableiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2019 um 05.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42179

Die bloße Erwähnung von männlichen und weiblichen Personen ist noch kein Gendern im Sinne des Feminismus. Entscheidend ist, ob das generische Maskulinum verwendet wird. Die Neutralisation ist immer nur eine Möglichkeit.

Ich höre einige Interviews im DLF. Die Sprecher wechseln zwischen Beidnennung (Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer) und generischem Maskulinum (Arbeitgeber). Das ist nur ein wenig pedantisch, aber ansonsten der herkömmliche Zustand. Ob die Sprecher es wollen oder nicht: Sie bestätigen durch die Praxis, daß das generische Maskulinum funktioniert. Damit ist die Hauptvoraussetzung der Sprachfeministen widerlegt.

Das Online-Magazin jetzt.de gendert mit dem Sternchen, anders als die „Süddeutsche“ selbst. Man will wohl junge Erwachsene ansprechen, ohne ihnen etwas verkaufen zu müssen. (Ich habe nur mal einen Blick reingeworfen. Seltsam missionarisch für die „offene Ehe“.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.09.2019 um 18.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42171

Es steht ihr frei, beispielsweise den Begriff Kopulation zu benutzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2019 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42170

EMMA über Luise F. Pusch:

Bei der Prostitution, sagt sie zum Beispiel, wären wir weiter, „wenn wir das, was da passiert, nicht länger als ´Sex´ bezeichnen würden. Denn Sex bezeichnet einen für beide Seiten lustvollen Akt.“

Wieso denn?
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 28.09.2019 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42168

Sallust, Epistula ad Caesarem I 1,2: "Appius ait fabrum esse suae quemque fortunae". An Luise Pusch haben weder Appius noch Sallust gedacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2019 um 03.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42167

In der Basisarbeit der Kirchen ist das Gendern besonders beliebt. "Gender mainstreaming im Kindergottesdienst" usw. – Wer die Jugend hat, hat die Zukunft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2019 um 03.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42166

Jede ist ihres Glückes Schmiedin. Allerdings dürften Schmiedinnen selten gewesen sein, als das Sprichwort entstand. Luise Pusch entkräftet den Einwand, weil sie ja das generische Femininum vertritt. So konnte ein Mann den Beruf der Schmiedin ergreifen.

Jeder das Ihre. (Suum cuique.) Diese oft propagierte Neufassung stand wenigstens nicht in Buchenwald.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2019 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42165

Wie ich die Gleichstellungsbeauftragten kenne, werden sie uns immer auffordern, mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen, aber niemals zugeben, daß es das zu lösende Problem nicht gibt und nie gab. Ich möchte behaupten, daß durch Wer hat seine Geldbörse verloren? noch niemals Frauen sich nicht angesprochen gefühlt haben.
 
 

Kommentar von A.B., verfaßt am 27.09.2019 um 14.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42164

Wer hat den ihr oder ihm gehörenden Lippenstift liegenlassen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.09.2019 um 13.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42163

2 Lösungsvorschläge:

Were (oder werin) hat ihren Lippenstift im Bad liegengelassen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.09.2019 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42162

Auch „Wer hat seinen Lippenstift im Bad liegen gelassen?“ und „Wer hat ihren Lippenstift im Bad liegen gelassen?“ sind nicht gleichbedeutend interpretierbar. Im ersten Fall hat jemand seinen eigenen Stift oder den eines (zuvor genannten) anderen vergessen, im zweiten Fall kann es nicht die Besitzerin gewesen sein (Helga ist sauer: Wer hat ihren Lippenstift im Bad liegen gelassen?).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2019 um 04.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42160

Ich habe die Leiterin des Genderbüros auf "Wer hat denn hier seinen Lippenstift liegen lassen?" angesprochen. Sie antwortet, man könne doch "den Lippenstift" sagen.

Das zeigt die Bedenklichkeit des ganzen Ansatzes: Die beiden Ausdrücke sind ja nicht gleichbedeutend. Um der vermeintlichen Geschlechtergerechtigkeit willen etwas anderes zu sagen, als man eigentlich sagen wollte, ist eine Zumutung, über deren Unzulässigkeit man nicht weiter zu reden braucht.

Die ganze Antwort-Mail, die ich hier nicht wiedergeben kann, ist von einer erschütternden Naivität in linguistischen Dingen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2019 um 06.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42154

Früher gab es an der Universität Erlangen eine Frauenbeauftragte. Das Team des Genderbüros samt angeschlossenen Stellen umfaßt inzwischen rund 20 Personen, im Kernbereich ausschließlich Frauen. Für die ist also schon mal gesorgt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2019 um 04.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42136

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17903

Gerade haben wir wieder Anlaß, uns über das Autoritäre, Wissenschaftsfeindliche der Universitätsverwaltungen zu beschweren, wie es in den Verlautbarungen einer enthemmten Gender-Bürokratie zum Ausdruck kommt. Der zitierte Text fuhr schon damals fort:

Gleichstellungspolitik ist eine zentrale Querschnittsaufgabe an der Universität Erlangen-Nürnberg, die sich in einer Vielfalt von Aktivitäten und  Perspektiven widerspiegelt. Ein umfassendes, modernes Gleichstellungskonzept soll alle gleichstellungspolitischen Aktivitäten bündeln und deren strukturelle Einbindung sowie die strategische Ausrichtung der Gleichstellungspolitik als bedeutsamen Bestandteil des Leitbildes der Universität Erlangen-Nürnberg aufzeigen.
Das Gleichstellungskonzept dient sowohl der internen wie externen Kommunikation bestehender und geplanter Gleichstellungsmaßnahmen als auch der Sichtbarmachung  des Standortvorteils unserer Universität.
Das Gleichstellungskonzept der Universität Erlangen-Nürnberg wird derzeit in Kooperation von Universitätsleitung, Frauenbeauftragten, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Büros der Frauenbeauftragten ausgearbeitet. Die Fertigstellung ist für April 2010 geplant.
Ansprechpartnerinnen sind:
Prof. Dr. Johanna Haberer
Dr. Sabina Enzelberger


Die einzigen, die nicht mitreden dürfen, sind die Fachleute.

(Für Außentehende: Die Uni Erlangen leistet sich einen Lehrstuhl für Christliche Publizistik. S. a. "Universitätsprediger".)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2019 um 03.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42135

Die Wikipedia möchte lesbar bleiben, gendert also nicht. Diskussionen gab es natürlich:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Meinungsbilder/Geschlechtergerechte_Sprache

Ein Beiträger schrieb: Wikipedia ist keine Umkleide.
 
 

Kommentar von Theodor Icler, verfaßt am 20.09.2019 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42130

Die Universität Erlangen gib Rat, wie man sich gegen sexuelle Belästigung wehrt:

„Herr Dr. S., bitte unterlassen Sie diese anzüglichen Bemerkungen!“;

„Frau Prof. K., ich bin an einem privaten Verhältnis mit Ihnen nicht interessiert! Bitte drängen Sie mir keine Verabredungen auf!“;

„Herr J., ich verbitte mir solche Berührungen! Das ist mir unangenehm und ich will, dass Sie das nicht mehr tun!“


(Man beachte, daß nur die Frau es zum Professorentitel gebracht hat! Allerdings kann sie es nicht lassen, Mitarbeiter sexuell zu belästigen. Der Text stammt übrigens von der LMU München; das Genderbüro der Erlanger Uni ist nicht besonders kreativ.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2019 um 03.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42128

Vater der Rosetta-Mission entschuldigt sich unter Tränen für geschmackloses Hemd (Focus 15.11.14)

(Auf dem Hemd sind einige Frauen in Sommerkleidung abgebildet. „Viele Zuschauer hielten dies für unangebracht und sexistisch, Taylor schien es ehrlich Leid zu tun.“)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2019 um 03.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42127

Der Bayerische Rundfunk bemüht sich um "geschlechtergerechte Formulierungen". In einem internen Flyer mit dem Titel "Faire Sprache" werden die Mitarbeiter dazu aufgerufen, nicht immer automatisch die männliche Variante eines Wortes zu benutzen: lieber Abteilungsleitung als Abteilungsleiter. Eine BR-Sprecherin bestätigte am Donnerstag Berichte des "Münchner Merkur" und der "tz" und betonte: "Bei dem Flyer "Faire Sprache" handelt es sich nicht um eine verbindliche Anweisung, sondern um eine reine Orientierungshilfe, um Tipps für den Arbeitsalltag." (PNP 27.11.14)

Der quasi-staatliche ö.r. Rundfunk kann gendern, erst recht seit der Einführung des Zwangsbeitrags, weil die Einnahmen fließen, auch wenn niemand mehr hört und guckt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2019 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42120

Zum Beispiel könnten Richter auf den Gedanken kommen, zum Gendern den neuen Direktor des IDS zu befragen. Wo denn sonst ist der linguistische Sachverstand zu suchen? So könnte der Laie fragen.

Henning Lobin hat zusammen mit der Fachfrau Damaris Nübling einen Aufsatz veröffentlicht, der sich vorbehaltlos für das Gendern und für den zugrunde liegenden Sprachidealismus ausspricht. Daß das wissenschaftlich haltlos ist – woher sollen die Juristen das wissen?

Man denke an die KMK, die sich in ihrer Hilflosigkeit an den Rat für deutsche Rechtschreibung (!) wandte, um etwas Brauchbares zum Gendern in die Hand zu bekommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2019 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42118

Schon Aristoteles dachte darüber nach, wie Laien die Qualität von Fachleuten beurteilen können. (Hintergrund war die "demokratische" Wahl von Gemeindeärzten, Heerführern usw.)

Das Bundesverfassungsgericht hat uns Linguisten angehört, gefolgt ist es den schlechten. Daher das beklagenswerte Niveau des Urteils, was sprachliche Tatsachen betrifft.

Die "Fachleute", welche auch immer, sind manchmal der letzte Strohhalm der Richter, wenn sie nicht weiterwissen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.09.2019 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42116

Ziehen eigentlich Richter auf einem Gebiet, wo sie Laien sind, keinen Sachverständigen zu Rate?
Das müßte doch in diesem Fall ein Sprachwissenschaftler mit einiger Erfahrung und allgemeiner Anerkennung sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2019 um 03.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42112

Aus OLG Karlsruhe, Urteil v. 13.9.2011-17 U 99/10, Zusammenfassung:

Geschlechtsneutral ist eine Ausschreibung nur dann formuliert, wenn sie sich in ihrer gesamten Ausdrucksweise sowohl an Frauen als auch an Männer richtet. Dem ist jedenfalls dann Rechnung getragen, wenn die Berufsbezeichnung in männlicher und weiblicher Form verwendet oder ein geschlechtsneutraler Oberbegriff gewählt wird. Der Begriff "Geschäftsführer" ist eindeutig männlich. Es handelt sich bei ihm nicht um einen geschlechtsneutralen Oberbegriff. Die Anforderungen an die Begrifflichkeiten im Alltag oder in Gesetzestexten sind andere als bei einer Stellenausschreibung. Selbst wenn im allgemeinen Sprachgebrauch oder teilweise auch noch in der Gesetzessprache der männliche Begriff wie ein Oberbegriff verwendet wird, so wird er dadurch im Rahmen einer Stellenanzeige nicht geschlechtsneutral.

Die Behauptung, daß es in Stellenausschreibungen kein generisches Maskulinum gibt, ist offenbar nicht deskriptiv, sondern normativ: es soll keines geben. Einzig in Stellenausschreibungen soll eine Sonderform des Deutschen Verwendung finden, die sich systematisch von der Alltagssprache, aber auch von der sonstigen Rechtssprache unterscheidet. Erst wenn dieser Eingriff akzeptiert wird, ist analytisch wahr: Der Begriff "Geschäftsführer" ist eindeutig männlich. Es handelt sich bei ihm nicht um einen geschlechtsneutralen Oberbegriff.

Dieses Urteil war eines der folgenreichsten in der ganzen Genderdebatte und -praxis.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.09.2019 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42111

#42108:
Nur spiegelt eine Zusammensetzung weder unbedingt einen Genitiv wider (das hatten wir auch schon diskutiert), noch deckt der Genitiv oder dessen Ersetzung mit "von" einen notwendigen Numerus auf.

Ärztinnenrechnung kann man grammatisch sinnvoll (ich rede natürlich nicht vom Sinn der Genderei) sowohl mit Ärztin als auch mit Ärztinnen deuten bzw. umschreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2019 um 16.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42110

Warum die schöne Literatur niemals gendern wird, hat Arthur Brühlmeier vor Jahren an einem Stück aus Goethes "Dichtung und Wahrheit" vorgeführt:

In ruhigen Zeiten will jeder/jede nach seiner/ihrer Weise leben, der Bürger/die Bürgerin sein/ihr Gewerb, sein/ihr Geschäft treiben und sich nachher vergnügen; so mag auch der Schriftsteller/die Schriftstellerin gern etwas verfassen, seine/ihre Arbeiten bekannt machen und, wo nicht Lohn, doch Lob dafür hoffen, weil er/sie glaubt, etwas Gutes und Nützliches getan zu haben. In dieser Ruhe wird der Bürger/die Bürgerin durch den Satiriker/die Satirikerin, der Autor/die Autorin durch den Kritiker/die Kritikerin und so die friedliche Gesellschaft in eine unangenehme Bewegung gesetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2019 um 15.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42109

Vor einigen Jahren hat die EU beschlossen, daß die Werbung keine Frauen bei hausfrauentypischen Beschäftigungen mehr zeigen soll.
Ohne dem Stand der Dinge nachgehen zu wollen: Ist es unproblematischer, Frauen in frauentypischen Berufen zu zeigen: Erzieherinnen, Krankenschwestern usw., deren niedrige Entlohnung ja der Hauptgrund für den "gender gap" bei den Einkommen ist?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.09.2019 um 14.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42108

Im Süddeutschen Deutsch wird der Genitiv durch "von" ersetzt. Er ist nur in kirchlichen Begriffen üblich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2019 um 05.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42106

Kürzlich ferngesehen, dabei auch die Arzneimittelwerbung. Auf dem Bildschirm erscheint durchweg: "...fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker", ohne die 2005 beschlossene Doppelnennung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.09.2019 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42105

Entschuldigung, lieber Germanist, das war auf Prof. Icklers Antwort bezogen.
Aber welches Pronomen wäre dann in Ärztinnenrechnung weggelassen worden? Ich glaube, das hilft nicht weiter.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 15.09.2019 um 19.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42104

Ja, das verstehe ich. Auch daß -(e)r- wohl aus sprachhistorischen Gründen nicht als Fugenelement in Frage kommt (obwohl es wie -en- nicht nur den Plural, sondern auch eine Art Genitiv bildet, z. B. Bremer Rathaus). Umso besser, dann gibt es noch mehr Beispiele als ich dachte, nicht nur Pluraliatantum, für Bestimmungswörter im Plural.

Aber was spricht dann dagegen, daß in Ärztinnenrechnung auch ein richtiger (nicht nur ein vermeintlicher) Plural steckt? Die bloße Existenz des Fugenelements -en- macht ja noch nicht jeden Plural auf -en- in Komposita zum Singular, oder?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.09.2019 um 19.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42103

Meiner Meinung nach entstehen zusammengesetzte Substantiva durch den Wegfall eines Pronomens. Wenn mann also die entsprechende Rückbildung macht, sieht man sofort, ob das Bestimmungswort im Plural oder Singular stehen muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2019 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42102

Eine Seenplatte könnte nicht Seeplatte heißen. Es gibt hier eine klare Opposition: Alle Komposita werden mit der neutralisierten (unmarkierten) Form See- gebildet (Seegurke, Seenot, Seerose, Seeufer usw.), nur nicht Seenkunde, Seenplatte, wo tatsächlich die Mehrzahl gemeint ist.
(Ich habe zwei Komposita beigemischt, die sicherstellen, daß der Unterschied der/die See keine Rolle spielt.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.09.2019 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42101

zu #42097:
Aber alle Ihre Beispiele stehen doch, jedenfalls für mich, im Verdacht, ebenfalls nur vermeintliche Plurale zu sein. Es gibt Fugenelemente -s-, -(e)n-, -d-, -t-, ...[?], warum nicht auch -(e)r-?

Diese Wörter könnten genauso gut Seeplatte, Buchregal, Hausmeer heißen. Wer dagegen semantische Gründe anführt, ist schon wieder bei der Frage, was das Bestimmungswort in einer Zusammensetzung bedeutet, bzw. bei Karl Valentins Semmelnknödeln. Auch im Kartoffelsalat sind normalerweise mehrere Kartoffeln verarbeitet, trotzdem ist das Wort mit dem singulargleichen Wortstamm gebildet.

Ich habe also mit Bedacht als Beispiel das Pluraletantum Ferien gewählt, weil man nur damit nicht darum herumkommt anzuerkennen, daß es sich bei Ferienwohnung um eine Zusammensetzung mit einem Plural handelt. Es beweist, daß Zusammensetzungen mit dem Plural existieren!

Meine letzte Frage in #42094 sehe ich also noch nicht beantwortet, ich formuliere sie noch einmal:
Was erlaubt uns, in Seenplatte, Bücherregal, Häusermeer jeweils einen Plural, kein Fugenelement -n-, -er-, zu sehen, in Ärztinnenrechnung jedoch ohne weiteres nur das einfache (singulargleiche) Wort Ärztin mit Fugenelement -en-?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2019 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42098

Sie suchen Redner, Keynote Speaker oder Moderatoren? (Referentenagentur Bertelsmann)

Nicht gegendert – es geht ums Geschäft.

Übrigens weiß ich nicht, ob ich auf so einer Liste stehen möchte. Mietredner waren auch die antiken Sophisten; ihr Ruf ist nicht der beste.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2019 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42097

Doch, auch mit dem Plural kann man Zusammensetzungen bilden: Seenplatte, Bücherregal, Häusermeer.

Ferien hat keinen Singular, darum ist das Beispiel nicht so geeignet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.09.2019 um 23.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42094

Ich glaube, ich kann meine letzte Frage selbst beantworten. Das Wort Ferienwohnung hat zweifellos ein Bestimmungswort im Plural und kein Fugenelement.

Wenn es nun einerseits Zusammensetzungen mit verschiedenen Fugenelementen, andererseits aber auch Zusammensetzungen mit dem Plural gibt, woher wissen wir dann, zu welchem dieser beiden Fälle das Wort Ärztinnenrechnung gehört?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.09.2019 um 23.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42093

Bedeutet das, daß es überhaupt keine Zusammensetzungen mit dem Plural eines Bestimmungswortes gibt?

Werden alle Zusammensetzungen immer mit dem Singular und ggf. einem Fugenelement (ggf. Umlaut und Konsonantenverdopplung inclusive) gebildet?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2019 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42092

Über die Herkunft (also eine historische Frage) der Fugenzeichen haben wir immer wieder mal diskutiert, so auch schon hier: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=373#2584
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.09.2019 um 09.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42091

Ist es denn nur ein vermeintlicher Plural? Wie kann man das unterscheiden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2019 um 03.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42088

Die Empfindlichkeit zarter Augen und Ohren gegen Darstellungen von „Gewalt“ usw. in alter und sehr alter Literatur und Kunst wirkt ein wenig seltsam angesichts der geballten Ladung in heutiger Literatur, Filmen, Raptexten usw. Kaum auszudenken, was sich Schulkinder schon alles reingezogen haben, bevor sie sich Wort für Wort durch Ovid hangeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2019 um 03.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42086

Der (vermeintliche) Plural als Kompositionsstammform auch in:

Kanzlerinnendämmerung (alljährlich in der Presse zu lesen)

Hebammenrechnung
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.09.2019 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42085

Interessant:
Man sagt ja i. a. Arztrechnung, nicht Ärzterechnung
(bei Google ca. 50mal häufiger).

Mit der weiblichen Form wird jedoch der Plural gebildet:

Nicht Ärztinrechnung, sondern Ärztinnenrechnung.

Das findet man sogar in ein und demselben Satz:
- Hat jemand statt einer Arztrechnung je eine Ärztinnenrechnung gefordert ...
- Die Idee war eigentlich einmal, dass mit den Monatsprämien die Arzt- und Ärztinnenrechnung und der Spitalaufenthalt bezahlt sind.

Das ist m. E. ein klarer Hinweis darauf, daß es in Arztrechnung nicht um die Person des Arztes geht, sondern nur um den Wortstamm der Berufsbezeichnung, wie in ärztlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2019 um 16.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42084

Kundinnennummer, Kundinnen-Nummer, KundInnennummer findet man fast nur auf österreichischen Seiten; Ärztinnenrechnung ist aber auch dort kaum belegt. Warum diese Ungleichbehandlung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2019 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42082

Wenn ein Dichter eine erotische Affäre aus seiner Sicht darstellt und nichts über die Gefühle der Partnerin sagt, dann kann auch der Leser nichts darüber sagen. Sonst wären wir wieder auf der Suche nach der "Wahrheit über Rotkäppchen" usw.
Als Schriftstellerin konnte Christa Wolf natürlich ihrerseits das Innenleben fiktionaler Heldinnen erfinden. Das geht dann gänzlich auf ihre Kappe und ist keine Forschung, wo es nichts zu forschen gibt.

Wesselmanns Vorschläge (übrigens durchgegendert) zur feministischen Lektüre römischer Dichtungen laufen auf das geschmähte inhaltlich identifikatorische Lesen hinaus, nur eben ideologisch umgepolt, wie es der heutigen Mode entspricht.

In der Ilias gibt Helena einen knappen Einblick in ihr Innenleben, und Homer deutet noch etwas mehr an, aber das war es dann auch. Wenn Lehrer ihren Schülern aufgeben, sich noch Genaueres auszumalen – bitte sehr, das ist didaktische Freiheit und kann vielleicht das Interesse an den alten Stoffen stärken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2019 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42075

In der ZEIT diskutiert eine Altsprach-Didaktikerin "sexuelle Gewalt" in antiken Texten (https://www.zeit.de/kultur/2019-09/lateinunterricht-sexuelle-gewalt-antike-texte-metoo-10nach8/komplettansicht).

Beim Studium lateinischer und griechischer Texte drängen sich nach dem Perspektivwechsel durch #MeToo unangenehme neue Realitäten auf: Die Handlung von Homers Ilias wird durch Geschacher um die entführte Sklavin Briseis in Gang gebracht, Catull bedroht seine Dichterrivalen mit analer und oraler Penetration, bei Terenz gilt die Eheschließung von Vergewaltiger und Opfer als Happy End.

Das soll erst im Gefolge von #MeToo bemerkt worden sein? Ich bin schon eine Weile aus dem Geschäft, aber das kann ich mir wirklich nicht denken.

Die deutschsprachige Altphilologen-Community hat auf #MeToo bisher nicht reagiert. In der Schule zielt die Vermittlung meist auf absolute Identifikation, um Jugendliche für die Antike zu faszinieren.

Immerhin will die Verfassserin die alten Texte weißer Männer nicht verbannen (natürlich nicht, sie lebt ja davon), sondern als Gelegenheit zur antisexistischen Erziehung nutzen und in diesem Sinne dann für den Lateinunterricht werben. (Ick hör dir trapsen – eigentlich von der ersten Zeile an...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2019 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42071

Den Übermut der Ämter erkennt man wieder daran, daß die Leiterin des Genderbüros an unserer Universität, eine Politologin, sich lediglich der Rückendeckung der Universitätsleitung versicherte, nicht aber die Germanisten und Sprachwissenschaftler der Universität zu konsultieren für nötig hielt. So läuft es überall in Deutschland. Als Quellen für sprachliche Erfindungen im Sinne der PC werden immer wieder dieselben Pamphlete aus radikalfeministischen Konventikeln genannt. Das sind die heiligen Schriften unserer Zeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2019 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42067

Wie Luise F. Pusch gern anführt, hat schon Ina Seidel über ihre Freundin Agnes Miegel geschrieben „Wer war’s, die das Brot gebrochen hat“, und Pusch meint, dies sei eine Vorwegnahme ihres eigenen Vorschlags: „Wer hat ihren Lippenstift im Bad liegen gelassen?“
Dem ist aber nicht so. Es handelt sich bei Seidel um einen freien Relativsatz mit Vorgreifer-es. Die Antwort wäre etwa: „Die das Brot gebrochen hat, war Agnes.“ Hier entfällt die Kongruenzforderung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2019 um 03.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42066

Am vorigen Eintrag sieht man, welche Macht die früher so genannten Frauenbeauftragten inzwischen bekommen haben. Früher saßen sie in Berufungskommissionen herum und sagten kein Wort, auch wegen fehlender Kompetenz, bis auf die obligate Frage, ob denn auch die besondere Situation der weiblichen Bewerber hinreichend berücksichtigt sei (was sie selbstverständlich immer war).
Seither ist ihr Pöstchen zu ganzen Stabsstellen ausgebaut, und sie stehen hoch über der gesamten übrigen Verwaltung. Sie führen nämlich das Schwert der Moral ("Gender mainstreaming"), dem nicht einmal der Rektor bzw. Präsident gewachsen ist. So schaffen sie es, ohne Konsultation der ihnen unterworfenen Professoren Maßnahmen wie den "geschlechtersensiblen Sprachgebrauch" durchzusetzen. Widerstand ist möglich, aber zwecklos.
An den Gender-"Empfehlungen" unserer Universität kann man die Verbindung von Dummheit und Frechheit studieren; es ist aber im ganzen Land dasselbe.
Leider sind beamtete Hochschullehrer nicht die mutigste Spezies, wie man schon bei der Übernahme der Rechtschreibreform gesehen hat. Zum normalen Konformismus tritt nun noch das Kuschen vor dem pseudomoralischen Totschlagargument.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2019 um 20.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42065

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat nun auch Empfehlungen zum Gendern herausgebracht:

https://www.gender-und-diversity.fau.de/gender/geschlechtersensible-sprache/

Ich kommentiere ein bißchen.

Was bedeutet im Titel der Empfehlungen „erfolgreich kommunizieren“, und in welchem Verhältnis steht dies zu „geschlechtersensibel“? Bedeutet es, daß etwa Anträge weniger Aussicht auf Erfolg haben, wenn sie nicht im Sinne des Büros für Gender und Diversity „geschlechtersensibel“ abgefaßt sind? Seit wann gibt die Universitätsverwaltung Empfehlungen zum erfolgreichen Kommunizieren heraus, und ist dies überhaupt ihre Aufgabe?
Die Wortwahl „geschlechtersensibel“ und „geschlechtergerecht“ ist eine Captatio benevolentiae, denn wer möchte schon unsensibel und ungerecht sein? Auch suggeriert sie, daß der bisher übliche Sprachgebrauch solche Mängel gehabt habe – eine unsaubere und unsensible Subreption schon vor dem Einstieg in die Sache selbst..

Die Empfehlungen beginnen mit einer starken Behauptung:

Sprache beeinflusst unser Denken, Bewusstsein und unsere Wahrnehmung, steuert unsere Bewertung von Sachverhalten, spiegelt und transportiert Werthaltungen und schafft damit Wirklichkeit. Durch einen geschlechtersensiblen, inklusiven Sprachgebrauch können wir als Universität dazu beitragen, alle Menschen gleichermaßen zu berücksichtigen und zu adressieren und dadurch erfolgreiche Kommunikation zu unterstützen.

Woher wissen die Verfasser das alles? Der Sprachidealismus, zu dem sie sich vorbehaltlos bekennen, hat unter Sprachwissenschaftlern kaum noch Anhänger. (In Deutschland war der Ahnenerbe-Keltologe Weisgerber der letzte einflußreiche Vertreter.) Alle Versuche, ihn empirisch zu untermauern, sind mehr oder weniger gescheitert. Wenn Sprache das Bewußtsein steuerte, müßten die Angehörigen einer Sprachgemeinschaft in ihrem Denken, in der „Bewertung von Sachverhalten“ usw. weitgehend übereinstimmen. Es ist aber nicht gelungen, die „Weltansicht“ ganzer Sprachgemeinschaften zu bestimmen.

Der „Anwendungsbereich“ der Empfehlungen soll zwar Vorlesungen, nicht aber die schriftlichen Veröffentlichungen umfassen, obwohl sie in gleicher Weise zum „sprachlichen Erscheinungsbild der FAU“ beitragen.

Das generische Maskulinum, also der initiale Hinweis in Texten, dass mit männlichen Personenbezeichnungen auch Frauen gemeint seien, ist zwar konform mit den Rechtschreibregeln. Allerdings wird es von vielen auf die Bezeichnung von Personen männlichen Geschlechts reduziert und daher von den hier vorliegenden Empfehlungen ausgeschlossen.

Die Verfasser scheinen nicht zu wissen, was man unter dem „generischen Maskulinum“ versteht. Jener „initiale Hinweis“ ist nicht selbst das generische Maskulinum, sondern weist darauf hin.

Die mehrmals apostrophierte „amtliche Rechtschreibung“ (Schulorthographie) ist für Wissenschaftler ohnehin nicht verbindlich.

Hinweis: Bei der Beidnennung ist es üblich, aber nicht vorgeschrieben, die weibliche Form zuerst zu nennen.

„Vorgeschrieben“? Wer schreibt denn plötzlich vor, wo es doch um Empfehlungen gehen soll? (Die Erstnennung von Frauen stammt noch aus der alten Galanterie und steht eigentlich im Gegensatz zur modernen Gleichstellungspolitik. Einer Dame in den Mantel zu helfen oder ihr die Tür aufzuhalten und den Vortritt zu lassen wäre heute als Ausdruck der Geringschätzung zu werten.)

Die Empfehlung, die scheinbar maskuline Form auch als Erstglied von Komposita zu vermeiden (Rednerpult soll zu Redepult werden), beweist, daß die Verfasser die deutsche Wortbildung nicht verstanden haben. Sie verwechseln den Stamm des Nomen agentis mit der maskulinen Form. Man muß sich wundern, daß sie nicht auch den Stamm von Ableitungen wie redner-isch in Angriff genommen haben.

Geschlechterneutrale Pronomen sind z.B. wer oder alle.[/i]

Aber wer wird durch das generische Maskulinum wiederaufgegriffen: Wer hat seinen Lippenstift hier liegenlassen? Was sagen die Verfasser zu diesem klassischen Beispiel aus der feministischen Diskussion?

Die „Empfehlungen“ sind durch eine gewisse Ängstlichkeit geprägt: als könne man, wenn man nicht aufpaßt, unversehens ein großes Unrecht gegen Frauen oder sonstwie geschlechtlich geprägte Mitmenschen begehen.

Die immer weiter wuchernde Vermeidungssprache wird die Kommunikation ungemein erschweren und keineswegs „erfolgreicher“ machen. Bezeichnenderweise unterbleibt das Gendern in Zeitungen und Romanen, also in Texten, die verkauft werden müssen. Das Gendern und daher auch diese "Empfehlungen" treiben einen Keil in die Sprachgemeinschaft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.09.2019 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42055

Körperteil ist nach Duden maskulin, aber jeder weiß, daß daneben das Neutrum üblich ist. Bei der ZEIT z. B. hat man eine erstaunlich gleichmäßige Zunahme des Neutrums gefunden: http://www.sprachlog.de/2014/06/30/von-maennlichen-koerperteilen/ (mit weiterer Erörterung des Problems).

Maskuline Teile entstehen durch Teilung, neutrale sind funktionierende Einheiten. Daher hat sich das Geschlechtsteil durchgesetzt, und Körperteil folgt derselben Logik oder gleich demselben Muster.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2019 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42046

In den Unternehmenstexten, die meine Tochter übersetzt, spielt durchweg der Schutz vor sexueller Belästigung – und schon vor dem Anschein einer solchen – eine große Rolle, ganz anders als noch vor wenigen Jahren. Eigenartiges Menschenbild, jedenfalls offiziell. Laut einer amerikanischen Studie wirkt sich „MeToo“ bereits auf die Einstellungspraxis und das Verhalten der Angestellten aus, meistens zum Nachteil der Frauen. Je attraktiver sie sind, desto geringer ihre Chancen. Man meidet auch Besprechungen unter vier Augen, gemeinsame Dienstreisen usw.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 30.08.2019 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42032

Es gibt am nullachten November eine vom „Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration“ geförderte Tagung „Critical Whiteness, Powersharing und Empowerment in der Jugend(sozial)arbeit“ (https://www.lvr.de/media/wwwlvrde/jugend/jugendfrderung/2019_11_Critical_Whiteness.pdf). Der Text ist mit seíner Kombination aus dummen Anglizismen mit häßlichem Gendersprech (oder umgekehrt?) der Brüller bei jedem Bullshit-Bingo.

Kostprobe:

„Powersharing“, „Frauen*beauftragte“, „Alice Salomon Hochschule“ (Deppen Leer Zeichen!), „Durchpowern, Selfcare und Empowerment“, „Tools“, „Mädchen*arbeit“, „Teilnehmer*innenzahl“, „Die zwei Formen des Empowerments in der Theorie der trilemmatischen Inklusion“, „Professorin für Diversität und Soziale Arbeit“, „Fachreferentinnen* der LAG Mädchen*arbeit“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2019 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42028

der oder die gemäßigtere Führungsfigur (FAZ 29.8.19)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2019 um 08.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42024

Die DASD hat in ihrem Forum fast drei Jahre gar keine Einträge mehr gehabt, dann kam dieser betuliche, wahrhaft präsidiale Text:

Drei Fragen zu „gendergerechter Sprache“
Zu den erklärten Aufgaben der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zählt es,
- die Sprachentwicklung in der Verbindung von sprachwissenschaftlicher, literarischer und literaturkritischer Kompetenz aufmerksam zu begleiten, und
- sich für den freien Austausch der Meinungen in Wort und Schrift einzusetzen und zu einer differenzierten Debattenkultur beizutragen.
Keine Frage, die deutsche Sprache betreffend, wird derzeit so heftig diskutiert wie die nach ihrer „Gendergerechtigkeit“. Sie ist nicht neu, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat ihr bereits ihre Herbsttagung 1991 unter dem Titel Hat die deutsche Sprache ein Geschlecht? gewidmet, und ein Blick auf den Tagungsbericht zeigt, dass viele der damals vorgebrachten Gesichtspunkte auch heute noch die Auseinandersetzung bestimmen. Die Kontroverse ist jedoch weitaus schärfer geworden, sie hat sich von der Frage, ob Frauen sprachlich benachteiligt seien, auf ein ganzes „Genderspektrum“ ausgeweitet, und sie hat eine Reihe von heftig umstrittenen Vorschlägen für gendergerechte Ausdrucksweisen gezeitigt.
Die Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung versteht sich, wenn es zu öffentlichen Kontroversen über die deutsche Sprache kommt, nicht als Richter; das wäre allein schon deshalb nicht möglich, weil ihre Mitglieder in diesen Kontroversen oft ganz verschiedene Ansichten vertreten. Sie ist nicht einmal ein Schlichter, denn die derzeitigen Vorschläge lassen sich schwer versöhnen. Sie kann aber vielleicht im Sinne ihrer genannten Aufgaben zu einem freien und fairen Austausch der Meinungen und zu einer differenzierten Debattenkultur beitragen, nicht durch einen Vergleich der verschiedenen Vorschläge und ihrer Begründungen, sondern durch den Vorschlag, über drei grundsätzliche Fragen nachzudenken, die für eine gendergerechte Sprache leitend sind. Der folgende Text, den das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verantwortet, ist ein solcher Vorschlag.
Um welche Benachteiligung geht es?
1. Es zählt nicht zu den üblichen Aufgaben von Gesetzgebern und Behörden, über die Regeln der deutschen Sprache zu entscheiden oder gar, sie zu ändern. Wo dennoch ein staatliches Handeln erforderlich ist, beispielsweise beim Deutschunterricht in den Schulen, muss es sich daran ausrichten, was in den allgemein anerkannten Grammatiken und Wörterbüchern über das Deutsche gesagt ist. Der Staat hat allerdings auch die Aufgabe, auf die Wahrung der im Grundgesetz garantierten Gleichberechtigung hinzuwirken; dies mag auch die Sprache betreffen, beispielsweise beim Recht auf einen Übersetzer vor Gericht oder bei dem Recht auf Klarheit und Verständlichkeit bei verbrauchernahen Verträgen. Grundsätzlich sollte sich jedoch die Obrigkeit möglichst wenig in die Freiheit derer einmischen, die die deutsche Sprache gebrauchen.
2. Nicht alle Gruppen der Gesellschaft sind in der Öffentlichkeit gleichermaßen „sichtbar“. Ist dies eine Benachteiligung im Sinne des Grundgesetzes, die möglicherweise ausgeglichen werden muss? Von Vertretern und Vertreterinnen der feministischen Linguistik wird seit längerem die Ansicht vertreten, dass die deutsche Sprache, so wie sie derzeit gebraucht wird, eine wichtige Ursache dafür ist, dass Frauen öffentlich weniger sichtbar sind als Männer. Dies gilt insbesondere für den Gebrauch von grammatischen Maskulina, wo beide Geschlechter gemeint sind. Nach dieser Ansicht liegt vielleicht bereits in Artikel 5 des Grundgesetzes selbst eine solche Asymmetrie und damit Benachteiligung vor: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.“, denn jeder und seine sind grammatische Maskulina.
3. Etwa die Hälfte aller Sprachen kennt keine grammatische Genusunterscheidung, bekannte Beispiele sind Chinesisch und Japanisch, in Europa Türkisch und Ungarisch; in anderen ist sie extrem reduziert, etwa im Englischen, wo sie auf he und she (samt Flexionsformen) beschränkt ist. Sind Frauen in Gesellschaften mit diesen Sprachen öffentlich sichtbarer als in deutschsprachigen Ländern? Das ist schwer zu entscheiden, und es sind auch keine einschlägige (!) vergleichende (!) Untersuchungen bekannt.
Wie sind die sprachlichen Fakten?
4. Im Deutschen haben alle Nomina, gleich ob sie sich auf ein Lebewesen beziehen oder nicht, ein grammatisches Genus. Es bestimmt Flexion und Kongruenz, besagt aber nicht direkt etwas über das Geschlecht. Allerdings sind die meisten deutschen Wörter für weibliche Lebewesen Feminina, die meisten für männliche Lebewesen Maskulina; charakteristische Ausnahmen sind Diminutiva wie Mädchen oder einzelne Wörter wie die Person, die Geisel, die Koryphäe, die man nicht nur auf Frauen bezieht. Die bevorzugte Zuordnung von Geschlecht zu grammatischem Genus führt dazu, dass indirekt Maskulina bei Lebewesen oft mit „Geschlecht männlich“ und Feminina mit „Geschlecht weiblich“ assoziiert werden. Die Stärke dieser Assoziation schwankt; so käme sicher niemand auf die Idee, dass es sich in Auf der Fensterbank döste eine Katze in der Sonne. nicht um einen Kater handeln könne und dass mit Der Hund stammt vom Wolf ab. gemeint sei, dass nur männliche Hunde vom Wolf abstammen. Bei der Kontroverse geht es jedoch vor allem um Personen; da ist die Assoziation zwischen grammatischem Genus und Geschlecht besonders stark, insbesondere dann, wenn sie durch außersprachliche Fakten gestützt wird, etwa durch typische Berufe. So wird auch im Englischen doctor vorrangig mit „Geschlecht männlich“ assoziiert, obwohl es kein grammatisches Genus hat.
5. Bei Lebewesen kann man im Deutschen einem einfachen Wort im Maskulinum durch das Ableitungssuffix –in das Kennzeichen „Geschlecht weiblich“ hinzuzufügen; das Genus ist dann regelhaft femininum. Bei Personen ist dies sehr gängig (Lehrerin, Diebin); bei Tieren wird es nur gelegentlich angewandt (Hündin, Löwin). Ein vergleichbares Suffix für „Geschlecht männlich“ gibt es nicht. Deshalb kann man die einfachen Formen Lehrer, Dieb in zwei Weisen verstehen: A. neutral, d.h. sie machen keinerlei Angabe über das Geschlecht, können daher für Frauen, Männer oder auch Intersexuelle verwandt werden, oder B. restriktiv, d.h. sie treffen ausschließlich auf Männer zu. Die neutrale Deutung A ist die herkömmliche; sie entspricht den geschlechtsneutralen Formen in eng verwandten Sprachen (englisch teacher, thief, niederländisch leraar, dief), und sie entspricht weitgehend dem faktischen Sprachgebrauch in Geschichte und Gegenwart. Wenn gesagt wird Der Halter haftet, so gilt das unabhängig vom Geschlecht, und ein Satz wie Die meisten Diebe sind Männer wäre sinnlos, wenn Diebe sich ohnehin nur auf Männer beziehen würde, gleichwie ja Viele Diebinnen sind Frauen sinnlos ist. Die restriktive Deutung B kann darauf verweisen, dass dort, wo - implizit oder explizit - ein Gegensatz im Spiel ist, die einfache, grammatisch maskuline Form nur auf Männer bezogen wird, etwa in Lehrer verdienen im Schnitt mehr als Lehrerinnen oder Es gibt weitaus mehr Diebe als Diebinnen. Sonst wäre der Gegensatz sinnlos.
Man kann daher die Fakten am einfachsten so zusammenfassen, dass einfache Formen wie Lehrer oder Dieb der Wortbedeutung nach geschlechtsneutral sind, dass sie aber in bestimmten Kontexten – insbesondere wenn ein Gegensatz ausgedrückt oder mitgedacht wird - auf „männliches Lebewesen“ eingeschränkt werden können. Zu solchen Kontexten können auch Debatten über gendergerechte Sprache zählen.
6. Im Deutschen gibt es keine grammatischen und nur wenige lexikalische Mittel, sich spezifisch auf Personen zu beziehen, die sich nicht eindeutig als Mann oder als Frau – oder als beides - empfinden. Das Preussische Allgemeine Landrecht von 1794 spricht von der Zwitter und er, d.h. es nutzt das Maskulinum; das moderne Personenstandsrecht seit 2013 spricht von Personen, die sich nicht dauerhaft dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen, d.h. es verwendet das Femininum (die Person). In beiden Fällen ist aber die biologische Unterscheidung gemeint, nicht ein darüber hinausgehender Begriff von „Gender“. Sieht man Wörter wie Lehrer, Dieb, Person als geschlechtsneutral an (Deutung A), so sind sie naturgemäß auch „genderneutral“. Bei Deutung B wären nur Männer gemeint; dann muss man nach einer eigenen Ausdrucksweise suchen. Der bekannteste Vorschlag nutzt dazu ein neues Zeichen, das „Gendersternchen“ in Verbindung mit dem Suffix –in und dem Femininum: die Lehrer*in, die Dieb*in; ein Femininum wie Person wird hingegen von Anfang an als genderneutral angesehen. Anders gesagt, das grammatische Maskulinum gilt nicht als neutral, das grammatische Femininum hingegen wohl. Hier liegt eine gewisse Inkonsistenz. Das „Gendersternchen“ schafft allerdings keinen Ausdruck spezifisch für Personen, die sich weder als Mann oder Frau – oder auch als beides – empfinden; es soll vielmehr Genderneutralität andeuten. In dieser Hinsicht besagen Lehrer*in, Dieb*in jedoch auch nicht mehr als die einfachen Formen Lehrer, Dieb, solange der Kontext bei diesen nicht eine Einschränkung nahelegt.
Wie soll man die deutsche Sprache gebrauchen?
7. Man kann die Frage der „gerechten Sprache“ unter rechtlichen Aspekten und im Hinblick auf die sprachlichen Fakten betrachten. Man kann diese Fakten auch nach verschiedenen Aspekten bewerten - moralischen, praktischen, ästhetischen. Wie bei allen solchen Bewertungen gibt es hier individuelle Unterschiede. Das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ist der Ansicht
- dass der Gebrauch der Sprache wie jedes Handeln durch Achtung vor dem Mitmenschen geleitet sein soll; dazu zählt es auch, Bezeichnungen zu vermeiden, die andere kränken können.
- dass die Sprache des Rechts und der Verwaltung nach Möglichkeit einfach und klar sein soll, sodass sie von allen Betroffenen verstanden werden kann; das gilt in besonderem Maß für all jene, die besondere Schwierigkeiten haben, solche Texte zu verstehen;
- dass man nicht nur in der Literatur, sondern auch im sonstigen Sprachgebrauch, insbesondere in den Medien, Plumpheit vermeiden und nach bewusstem Ausdruck streben soll.
Diese Kriterien für den guten Sprachgebrauch sind nicht immer leicht zu erfüllen, insbesondere dort nicht, wo sie gegenläufig sind; deshalb kann es auch keine einfache (!) Regeln geben. Auch muss man differenzieren, mit wem man sich mit welchen Mitteln – gesprochene Sprache, geschriebene Sprache, neue Medien - und mit welchen Absichten verständigt. Für all dieses bietet die deutsche Sprache, so wie sie sich im Lauf der Jahrhunderte entwickelt hat, ein schier unerschöpfliches Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten. Alle Sprecher, Sprecher und Sprecherinnen, SprecherInnen, Sprecher!innen, Sprecher_innen, Sprecher*innen, Sprecher/innen, Sprecherïnnen, Sprechex und Sprechys sind aufgefordert, von diesem Reichtum guten Gebrauch zu machen. Dazu kann man Ratschläge geben; pauschale Vorgaben oder gar Vorschriften sollte sich niemand anmaßen.
Das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Juli 2019
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Wie schon bei der Rechtschreibreform drückt sich die DASD um ein Urteil mit dem Argument, die Mitglieder seien nicht alle einer Meinung. (Ist diese Meinung je erfragt worden?) Von Abstimmungen und Mehrheitsbeschlüssen scheint sie nichts zu halten.
Die englische „grammatische Genusunterscheidung“ ist eine Sexusunterscheidung. Auch sonst werden die Begriffe Genus, Sexus und Gender etwas unbestimmt gebraucht.
„Im Deutschen haben alle Nomina, gleich ob sie sich auf ein Lebewesen beziehen oder nicht, ein grammatisches Genus.“ - Nur im Singular, daher nicht Ferien usw.
„Ein [mit -in] vergleichbares Suffix für „Geschlecht männlich“ gibt es nicht.“ Doch, -er: Witwer, Hexer. Dazu müßte es allerdings mehr generische Femina geben. (Im Text wird „neutral“ statt „generisch“ gesagt.)
„Das Preussische Allgemeine Landrecht ...“ - Was soll das sein? Der Orginaltitel nicht, und die Schreibweise mit ss bleibt rätselhaft.
„Das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ist der Ansicht
- dass der Gebrauch der Sprache wie jedes Handeln durch Achtung vor dem Mitmenschen geleitet sein soll; dazu zählt es auch, Bezeichnungen zu vermeiden, die andere kränken können.“
Wie verhält sich das zur Meinungsfreiheit, die auch und gerade Kritik einschließt?
Man soll „Plumpheit vermeiden und nach bewusstem Ausdruck streben“ - was soll denn das bedeuten? Plumpheit ist eine Folge von Ungeschicktheit, und „bewußter“ Ausdruck, wie man in solchen Zusammenhängen oft sagt, soll vielleicht „wohlüberlegt“ heißen. Man spricht ja selten unbewußt oder wie in Trance. Die Forderung der DASD, die sich sogar auf die „Literatur“ richtet, wirkt recht plump und undurchdacht. Der mehrmals angemahnte „gute Gebrauch“ der Sprache bleibt leer, wenn jeder Hinweis fehlt, worin er besteht, und außerdem überflüssig. Jeder Sprecher will ja wohl so gut wie möglich ausdrücken, was er will.
Der Text enthält mehrere Grammatikfehler und eine eigenwillige Interpunktion.
Insgesamt kommt der „Vorschlag, über drei grundsätzliche Fragen nachzudenken“, reichlich spät, weil dieses Nachdenken seit vielen Jahren die Seiten füllt und die Gemüter erhitzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2019 um 09.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41994

An den Details für die neuen Einreisebestimmungen für EU-Bürgerinnen werde derzeit noch gearbeitet, sagte die Sprecherin in London. "Wir werden zum Beispiel sofort sehr viel strengere Regeln zu Kriminalität einführen für Leute, die nach Großbritannien kommen." EU-Bürger, die in dem Land leben wollen, sollen Premierminister Boris Johnson zufolge künftig anhand eines Punktesystems nach australischem Vorbild ausgewählt werden. (...) Wie die britischen Grenzbeamtinnen aber künftig zwischen EU-Bürgern mit und ohne Aufenthaltsrecht unterscheiden sollen, ist bislang unklar. (...) Derzeit leben schätzungsweise 3,6 Millionen EU-Bürger in Großbritannien. Unter Theresa May wurde ihnen angeboten, einen Antrag auf einen dauerhaften Aufenthaltstitel zu stellen. Davon machten inzwischen rund eine Million EU-Bürgerinnen Gebrauch. (ZEIT 20.8.19)

Ob die ZEIT mit dieser Marotte, die in keiner Sprache systematisiert sein kann, neue Leser gewinnt? Jedenfalls entspricht es dem erzieherisch-bevormundenden Stil des Blattes.

Im selben Text:

Die Rechte von EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern, die bereits in Großbritannien leben, seien davon nicht betroffen.

D. h. der Verfasser unterscheidet sehr wohl die beiden Geschlechter; dann kann er nicht im selben Text so tun, als hätten die beiden Wörter keine verschiedenen Bedeutungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2019 um 04.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41974

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40410

Ein Berliner Gericht hat nun entschieden, daß ein Knabenchor keine Mädchen aufnehmen muß. Mein hypothetischer Fall von Streichern in Posaunenchören ist noch offen. – Was wird aus meinem Traum, von einer Gynäkologin behandelt zu werden? Überall Diskriminierung.

Es gibt trotzdem Unzufriedene, die sich gegen die Unterstellung wehren, Mädchen könnten nicht singen. Das hat allerdings niemand behauptet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2019 um 18.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41950

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37517
und den sexuellen Konnotationen der beiden Kleidungstypen:

Einen meiner Lehrer, der mir erzählte, er habe einer solchen Geistesaustreibung durch den Rabbi beigewohnt, fragte ich, warum der Dibbuk mit Vorliebe in Frauen fahre. Darauf erwiderte er mir, weil ihre Kleider unten offen sind, könne er leichter in sie hineinschlüpfen. (Mark Lidzbarski: Auf rauhem Wege. Gießen 1927:89)

Das war um 1870 in einer polnischen Kleinstadt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2019 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41901

"Der Bundesregierung liegen Erkenntnisse vor, wonach chinesische Behörden versuchen, sowohl chinesische Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland als auch deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zu China forschen, in ihrem Handeln zu beeinflussen", heißt es. (...) Auch für deutsche Wissenschaftler in China hat dies Auswirkungen. (SPON 31.7.19)

Man sieht hier den Unterschied zwischen der Normalsprache der Redaktion und der gendermäßig gemainstreamten Verlautbarungssprache der Bundesregierung.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 30.07.2019 um 09.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41892

Der hessische Innenminister Peter Beuth bedankt sich nach Pressemeldungen bei den »couragierten Bürgerinnen und Bürgern«, die den Täter festgehalten und so seine Festnahme ermöglicht haben. Es waren also mindestens zwei Frauen und zwei Männer. Oder war es doch anders? Waren es vielleicht drei Männer und eine Frau? Oder nur Männer? Nur Frauen? Ach, egal, hier geht es ja um ein höheres Ziel. Die Pedanterie solcher Paarformeln steht in merkwürdigem Kontrast zur Irrelevanz oder Gegenstandslosigkeit der damit ausgedrückten Unterscheidung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2019 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41855

Arno Frank schreibt u. a. für den SPIEGEL und gendert dort in irreführender Weise: Irgendwann schafft es sogar ein Eiswagen durch die Absperrung, versorgt Polizistinnen wie Demonstrierende. (21.7.19) – In „Meute mit Meinung“ (2013) zitiert er die New York Times: Yvonne Brill, a Pionieering Rocket Scientist, Dies at 88. Das ist natürlich nicht richtig. – Er trennt auch: in emb-ryonaler Haltung (So – und jetzt kommst du. Stuttgart 1917:350) Das ist reformgerecht, liest sich aber recht stumpfsinnig.

In "Meute mit Meinung" geißelt er wortreich die "Schwarmdummheit".
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 18.07.2019 um 14.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41847

Gerade erlebt: Abiturfeier einer Mädchenschule. Letzter Programmpunkt ist ein Quiz a la Wim Thoelke, Lehrermannschaft (drei Männer, zwei Frauen) gegen Schülermannschaft (fünf Abiturientinnen, wie ja nicht anders möglich).
Die Abiturientin, die das Vergnügen eloquent und humorvoll moderierte, sprach dabei eine gute Viertelstunde lang durchgängig und ausnahmslos von "den Lehrern" und "den Schülern".
Erstaunlich!
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 18.07.2019 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41846

"...normales Deutsch, wie in Zeitungen und Romanen."

Dann schauen Sie sich einmal DIE ZEIT genauer an. Dort wimmelt es inzwischen von solchen fast schon unerträglichen "Doppelungen". Auch manchen Krimi (allerdings der einfacheren Art) habe ich schon beiseite gelegt, weil ich das Gegendere einfach nicht mehr lesen konnte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.07.2019 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41845

Keine Sorge, in Romanen und Romaninnen kommt das auch noch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2019 um 07.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41844

Wie schon gesagt: Unternehmen passen sich in ihren Verwaltungstexten mehr oder weniger der Political correctness an:

Der/die einstellende Vorgesetzte weist dem neuen Mitarbeiter bzw. der neuen Mitarbeiterin einen Betreuer/eine Betreuerin zu, der/die den Anforderungen des Mitarbeiters bzw. der Mitarbeiterin gerecht wird.

Aber natürlich nicht in der Werbung. Dort schreibt man normales Deutsch, wie in Zeitungen und Romanen. Darüber sagen die Moralapostel (wie Stefanowitsch) nichts, soweit ich sehe.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.07.2019 um 18.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41822

Aus einem amtlichen Schreiben der Stadt Mannheim, 26.6.2019:

Erläuterungen

Sprachliche Gleichstellung: Personenbezeichnungen im Bescheid gelten jeweils in der männlichen und weiblichen Form.

Seltsame Ausdrucksweise, na ja, Beamte.
(In dem betreffenden Bescheid kommen genau folgende Personenbezeichnungen vor:

Frau (in der Adresse und als Anrede)
Bearbeiter/in (im Briefkopf, Absenderangaben)
Sachbearbeiter (im Text))
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.06.2019 um 06.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41779

Wie gut muss sich eine Angreiferin oder ein Angreifer auskennen, um ein Smart-Home-Gerät zu hacken? (...) Heute nutzen es fast alle, Userinnen und User kommen kaum noch daran vorbei. (...) Experten fordern immer wieder eine Zertifizierung von Geräten. So könnten Nutzerinnen und Nutzer sehen, welche Sicherheitsstandards ein Smart-Home-Gerät besitzt. (ZON 30.6.19)

Das Interview ist nur teilweise gegendert. Wieder sieht man, daß das Suffix -er den Reflex auslöst, während der Experte durchschlüpft.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 28.06.2019 um 20.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41773

Zum DLF:
Journalisten waren meiner Beobachtung nach lange Zeit gefeit gegen den Genderismus. Schließlich haben sie etwas mitzuteilen und haben dafür begrenzten Raum und begrenzte Zeit zur Verfügung.
Aber diese Bastion der Vernunft und des Pragmatismus scheint zu wanken.
Jüngst auf DLF einen Bericht zu den Schülerdemos gehört. Durchgehend (vier oder fünf mal) sprach der Autor von den "Schülerinnen und Schülern", einmal von "Expertinnen und Experten".

Anne Will benutzt mittlerweile ebenfalls durchgehend die Doppelnennung. Konsequent penetrant.
Die Politiker in Talkshows mittlerweile nahezu durchgehend ebenfalls. Selbst CDU und FDP. Nur die AfD-Vertreter verweigern sich konsequent diesem Dikat und sprechen von Freunden, Bürgern usw. Das mutet dann fast rebellisch an.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.06.2019 um 20.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41772

DLF, "Hintergrund", heute gegen 19.45 Uhr:

Zum O-Ton (Rede der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam) "... my most sincere apology to all people of Hongkong ..." übersetzt der DLF:
"Dafür möchte ich mich bei den Bürgerinnen und Bürgern von Hongkong aufrichtig entschuldigen."

"People" werden also ohne weiteres zu "Bürgerinnen und Bürgern". So ähnlich in diesem Beitrag mindestens dreimal.

Im gleichen Beitrag gibt es dennoch immer wieder, sicher dann doch aus Zeitgründen, völlig ungegenderte Aktivisten, Elitepolizisten, Teilnehmer, Schüler, Studenten, Anwälte, Senioren, Hongkonger und Hongkonger Bürger (einige davon mehrfach so).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2019 um 18.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41757

Das neue Gender-Papier des Vatikans ("Als Mann und Frau schuf er sie") sorgt für Klarheit über die beiden Geschlechter und ihre natürlichen Aufgaben. Es wird daher von der AfD und folglich auch vom Forum deutscher Katholiken begrüßt (das sich auch zum Rechtsstaat, zur Meinungsfreiheit, zum Klimawandel usw. fast wortgleich wie die Partei äußert).

Zum WELT-Bericht darüber gibt es Hunderte von Zuschriften. Die Leser wissen ganz genau, daß es, verdammt noch mal, nur zwei Geschlechter gibt und auch sonst alles so ist, wie man es schon immer für richtig gehalten hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2019 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41743

Vom Erlanger Stadttheater:

2019 ist es endlich Zeit für Female Dominance! FemDom definiert die Frau als Alphatier und den Mann als das „Nebenihr“. Wir fordern eine neu gelebte Weiblichkeit, die sich nicht mehr in Abhängigkeit vom Mann definiert. Die Frau fragt nicht, sie tut. Die Frau an sich ist Macht.
In unserem theatralen Versuchsaufbau durchlaufen eine Frau und ein Mann eine Vielzahl an Utopien, schaffen sich ab und erschaffen sich neu, um am Ende eine Regierungsform anzubieten, die das Patriarchat endgültig beendet und durch eine neue, bessere Welt ersetzt. Und vielleicht führt dieses Experiment über einen Weg durch die Extreme zu einem Plädoyer für die Gleichberechtigung.


Die Forderung nach Gleichberechtigung ist aber doch nicht neu, und Weiberfastnacht gibt es laut Wikipedia seit dem Mittelalter.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.06.2019 um 15.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41681

DLF, Informationen am Abend, 13.6.19, ca. 18.20 Uhr:

Eines steht fest: Da die beiden einzigen weiblichen Kandidatinnen heute ausschieden, wird der nächste britische Premierminister garantiert wieder ein Mann sein.

Anscheinend gibt es auch männliche Kandidatinnen?

Und der Premierminister könnte theoretisch auch eine Frau sein?

Letzteres war ja schon immer Konsens, der DLF tut sich aber seit kurzem besonders penetrant mit seiner Genderei hervor. Nur manchmal, wie hier, kommen eben die guten alten Zeiten wieder durch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2019 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41626

Ein Alexander Stindt bei heilpraxisnet.de – täglich unter Google News – schreibt stets von Forschenden und Teilnehmenden, aber die maskulinen Autoren und Patienten entgehen ihm, ebenso der Hausarzt. Er ist wahrscheinlich auf das Suffix -er fixiert, das dann den Genderreflex auslöst. Gern weicht er auf Team aus. Man merkt in jedem Beitrag das Beflissene.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2019 um 03.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41607

Stimmt ja. Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen. (Ex 22,17)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.05.2019 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41605

Vermutlich weil sie nicht als Hexen verbrannt werden möchten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2019 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41604

Dawkins weist beiläufig darauf hin, daß Zauberer (auf der Bühne, nicht im Märchen) fast immer Männer sind.

Zauberinnen haben uns bisher nur wegen der Wortbildung interessiert (s. Haplologie), aber wir sollten unbedingt klären, warum sie nicht zaubern können oder wollen. Oder liegt es an den Zuschauern, die keine sehen wollen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2019 um 05.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41558

Gestern mal ein Video aus der Bundespressekonferenz gesehen. Zwei Jugendliche von "Fridays for Future" und einige Experten diskutierten über Klimawandel. Ausnahmslos alle genderten, eine Expertin gebrauchte sogar das generische Femininum und war dadurch noch schwerer zu verstehen als ohnehin. Die Namen habe ich vergessen bis auf v. Hirschhausen, der mir schon vorher bekannt war und in der Runde ziemlich überflüssig wirkte.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Bei allen verschwammen die Doppelformen zu so etwas wie Vertreter und Vertreter, kein einziger sprach die femininen Ableitungen ordentlich bis zu Ende. Enttäuschend die beiden Schüler, die dies und den ganzen Jargon auch schon voll drauf hatten, besonders die "deutsche Greta" redete wie auswendig gelernt, irgendwie unfrisch. Die Syntax verlor sich bei allen im Gestrüpp angefangener Sätze.

Ich bin ja selbst durch und durch öko, aber was hier geboten wurde, war rein sprachlich zweitklassig. Eine vertane Gelegenheit.

Ob die "Schülerinnen und Schüler" auch untereinander schon gendern? Oder nur die Klassensprecher und künftigen Politiker?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2019 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41547

Die Biologie an der Uni Basel ist heute immer noch schwergewichtig auf die Molekularbiologie und das Biozentrum ausgerichtet. Doch seit drei Jahren gibt es ein interdisziplinäres Biologie-Curriculum, das allen Biologiestudierenden eine breite Ausbildung ermöglicht: Angehende Molekularbiologinnen sollen nebst Genen auch ganze Organismen und Ökosysteme kennen lernen; angehende Zoologen die Grundlagen der Molekularbiologie rudimentär beherrschen. (http://www.blauen-institut.ch/s2_blue/tx_blu/tp/tpf/f_portmann.pdf)

Diese schwankende Ausdrucksweise widerspricht der beibehaltenen Genus- bzw. Sexusunterscheidung und dürfte kein Dauerzustand sein. Die diensteifrige Verfasserin (hier wirklich eine Frau) muß sich zwingen, so unnatürlich zu verfahren.

Der Beitrag gilt dem Andenken Adolf Portmanns. Nach dem Krieg wurde dieser Biologe noch viel gelesen; ich erinnere mich eines Rowohlt-Taschenbuchs. Das Fromme, Antimaterialistische, "Gestalthafte" war gefragt; auch Karl Jaspers und Karl Barth waren damals in Basel. Portmann wurde durch die Molekularbiologie buchstäblich an den Rand gedrängt. Seine Lehre von einer nicht-adaptionistischen Selbstdarstellung der Lebewesen gilt heute als Mystifikation.
Wir bewundern das Prachtkleid der Schmetterlinge. Neuerdings weiß man, daß etwa der farbige Rand zur Auflösung der Kontur beiträgt, das Prachtvolle macht also für Freßfeinde gerade unsichtbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2019 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41415

Duden-Newsletter vom 7.5.19 zum Schrägstrich:

„Weiterhin kann man ihn verwenden, um mehrere gleichberechtigte Möglichkeiten platzsparend zusammenzufassen: Schüler/-innen, und/oder. Wenn diese Alternation am Anfang eines Satzes steht, müssen Sie darauf achten, dass alle entsprechenden Wörter großgeschrieben werden – denn theoretisch könnte der Satz mit jedem dieser Wörter beginnen: Ich/Wir bestätige(n) hiermit, dass …

In den gerade beschriebenen Beispielen steht der Schrägstrich für beziehungsweise.“

Dann wäre die Großschreibung aber falsch, vgl.: *Ich beziehungsweise Wir...

(Man sollte auch anmerken, daß die "platzsparende" Schreibweise nur fürs Auge ist und daher außerhalb bürokratischer Normsprache vermieden werden sollte.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2019 um 04.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41383

Das Lehrendenteam und die Studierenden bilden mit ausgewählten Lehrpersonen und Schulklassen des Gymnasiums Arbeitsgruppen, innerhalb derer sich Lehrendentandems von Studierenden bilden. (Uni Salzburg 2019)

Das „Center für lebenslanges Lernen“ der Uni Oldenburg gendert eigentlich auch, vergißt es aber manchmal und stellt sein Konzept so vor:

Wissenstransfer auf universitärem Niveau
mit hohem Anwenderbezug durch ein ausgewähltes Professorenteam und renomierten Praktikern

(https://uol.de/c3l/studiengang/bwlsport/lehrende/)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2019 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41369

Die Apothekerkammern heißen immer noch so und gendern erst „weiter unten“:

Die Berliner Apothekerinnen und Apotheker haben ihre 15. Delegiertenversammlung, das Parlament der Apothekerkammer, gewählt. Fünf Wahlvorschläge mit insgesamt 127 Kandidatinnen und Kandidaten hatten sich zur Wahl gestellt. (2019)

Wie lange halten die das durch?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2019 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41358

Bei SPON versucht ein Eike Kühl sich im Gendern, indem er mal Nutzerinnen und Nutzer erwähnt, mal nur Nutzerinnen im generischen Sinn, gegen Ende dann nur noch Nutzer. (https://www.spiegel.de/netzwelt/web/alternative-browser-opera-cliqz-brave-es-muss-nicht-immer-chrome-sein-a-1263546.html)
Auf die Dauer ist es unmöglich, die Kategorie Genus formal beizubehalten, ihr aber zugleich jegliche Funktion anzusprechen, als ob hier der reine Zufall herrschte. Dem widerspricht dann wieder die ausdrückliche Erwähnung beider Geschlechter. Das einzige Signal, das aus solchem Durcheinander hervorgeht, ist der Hinweis auf die PC des Verfassers, aber wer will das ständig hingerieben kriegen?

Kann der feministische Umbau der Sprache ebenso gegen den Willen der Mehrheit durchgesetzt werden wie seinerzeit die Reformschreibung? Nur wenige dürften ein Abonnement wegen der Rechtschreibreform gekündigt oder die Lektüre eines reformierten Romans verweigert haben. Dazu war der Eingriff der dummen und folgsamen Verlage nicht schwer genug.
Die entscheidende Frage ist, ob die Macht des Verbrauchers ausreicht, die feministische Sprachverhunzung aufzuhalten. Belletristik hält noch stand, bei Zeitungen und Zeitschriften ist es nicht so sicher. Mit sinkenden Auflagen kämpfen sie alle, werden darum alles vermeiden, was die Leser noch mehr abstößt; aber diese schwache Hoffnung kann täuschen, vor allem, wenn sie sich absprechen und wenn die Diffamierung der herkömmlichen Sprache erfolgreich weitergeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2019 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41345

Mich interessiert seit meiner Schulzeit, wie so etwas möglich ist, genauer: wie und wann jemand so entgleist, daß er sagen kann: "Mein Körper ist eine offene Proposition" usw. In der Schule noch nicht, da lachen ihn die Klassenkameraden aus. Es muß also an der Universität passieren. In Seminararbeiten kann man es schon mal wagen; man weiß zwar selbst nicht, was es bedeutet, aber so hat man es gelesen bei hoch anerkannten Autoritäten. Und siehe da: es geht durch, wird sogar gelobt! Die Konditionierung geht weiter, man wird promoviert, habilitiert, verbeamtet.

Auf der Website der Sprechwissenschaftler der Uni Marburg, zu denen die Verfasserin gehört, scharen sich drei Leute um das Modell eines menschlichen Gehirns. Das ist eine weitere Verirrung, mit der sich Erfolge einfahren lassen: Neurobluff.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2019 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41344

Schönes Beispiel für den postmodernen Galimathias, der nicht nur hier kritiklos hingenommen wird, weil er gesinnungsmäßig irgendwie korrekt zu sein scheint.

Solange die Finanzierung gesichert ist, gibt es keinen Filter mehr, weil die Kollegen viel zu feige sind, auf den nackten Kaiser zu zeigen (erst recht die Kaiserin...).
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 24.04.2019 um 18.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41343

PDF heruntergeladen, zufälligen Beitrag angesteuert und durch folgenden einleitenden Absatz belohnt:
"Der Körper als offene Proposition, als Deutungsvielfalt, als Performanz, die des Gegenübers und der eigenen Intentionalität bedarf, um im Prozess von Konstruktion und Dekonstruktion Annäherungen zur Figuration vom Selbst zu finden, ehe er in der Zirkulation des Dialogischen die Konturiertheit gleichsam wieder verliert: Dieses konstruktivistische Körperkonzept sperrt sich gegen Präskriptionen, gegen Ein-Deutigkeit und gegen Wiedererkennung und natürliche Verfasstheit und gerät im Kontext sprechsprachlicher Kommunikation zur Provokation."
Die Preziose steht auf S. 63.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2019 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41342

Sibel Vurgun: Gender und Raum (Hans-Böckler-Stiftung 2005)
Kurzbeschreibung:
Welche Räume gelten als eher männlich konnotiert, welche werden als vorrangig weiblich belegt? Wie bedingen sie sich gegenseitig? Wie lassen sich traditionelle Zuordnungsmuster aufbrechen? Unter welchen Bedingungen sind Grenzüberschreitungen möglich und inwiefern finden sie tatsächlich statt? Kurz: Welche Beziehungen bestehen zwischen Gender und Raum? Diesen Fragen gehen die Autorinnen des vorliegenden Bandes aus unterschiedlichen geistes- und sozialwissenschaftlichen Blickwinkeln nach. Der Raumbegriff wird dabei häufig, aber nicht ausschließlich, sehr konkret gefasst. Behandelt werden sowohl metaphorische Rauminterpretationen als auch sehr spezifische Räume wie Zugabteil, Warenhaus oder Gebäranstalt. Zusätzlich ist die Tagungsdokumentation der 11. Wissenschaftlerinnen-Werkstatt der Hans-Böckler-Stiftung enthalten, die seit ihrer Entstehung 1993 Promotionsstipendiatinnen und geladenen Frauen aus Wissenschaft und Praxis ein Forum für fachlichen Austausch und persönliche Vernetzung bietet. "Räume für uns schaffen" war der Titel der Wissenschaftlerinnen-Werkstatt 2004 in Charlottenberg – diese Veröffentlichung versucht der Forderung ein Stück weit nachzukommen. Der Band setzt sich aus vier Hauptkapiteln zusammen: "Echo-Raum: Die 11. Wissenschaftlerinnen-Werkstatt der Hans-Böckler-Stiftung" Gender und sozialer Raum" Gender-Raum-Konstellationen in der Literatur" Frei-Raum

(https://www.boeckler.de/5248.htm?produkt=HBS-003408&chunk=13&jahr=)

Man kann das vergriffene Buch herunterladen.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 19.04.2019 um 14.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41305

"Eine Auswahl unserer Speaker*innen für einen CLUB OF ROME Vortrag bei Ihnen"
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 14.04.2019 um 15.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41258

Der Vorwurf der Sprachverhunzung hat immer etwas Anmaßendes, weil dabei die Ästhetik eine Rolle spielt und nicht alle Menschen denselben Geschmack haben. Sprachverstümmelung hingegen ist keine Geschmackssache. Die im Gang befindliche Abschaffung des generischen Maskulinums ist verstümmelnd und sollte auch so genannt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2019 um 08.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41256

Marie Bonaparte, eine von Freuds Schülern... (Sophie Freud: Im Schatten der Familie Freud. Berlin 2006:171)

Das war eine elegante und allseits akzeptierte Möglichkeit, sich geschlechtergerecht auszudrücken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2019 um 03.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41226

Wieder wird diskutiert, ob die Wikipedia gegendert werden soll: https://netzpolitik.org/2019/wikipedia-fuer-alle-petition-fordert-geschlechtergerechte-sprache/#spendenleiste

Man muß immer damit rechnen, daß die scheinbar so einleuchtende Begründung sich durchsetzt und dann dieses einflußreiche Medium auf unabsehbare Zeit und gegen den allgemeinen Sprachgebrauch von einer ideologisch verblendeten Minderheit verdorben wird. (Die Reformschreibung wurde auch gegen den Willen der Mehrheit durchgesetzt.) Retardierend wirkt noch, daß die Sekte sich nicht einigen kann, u.a. wegen der „nicht-binären“ Menschen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2019 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41074

Bei heilpraxisnet.de scheint man sich nun endgültig die Forschenden verordnet zu haben. Forschendenteams überwiegen auf Schweizer und österreichischen Websites.

Die Forschenden aus Großbritannien und China überwachten für ihre Untersuchung zehn Jahre lang 500.000 chinesische Teilnehmende.

Ich kenne niemanden, der so redet. Ein weiterer Schritt ins sprachliche Abseits.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2019 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41068

„Die Sprecherinnen und Sprecher sind freie Mitarbeitende, die für eine Sendung ein festes Honorar bekommen. Zur Orientierung: Für die Hauptausgabe der Tagesschau bekommt ein Sprecher 259,89 Euro.“ (t-online.de 15.3.19)
Und eine Sprecherin?
(Überschrift: Das verdient ein „Tagesschau“-Sprecher)
Das wird nie klappen. Aber vielleicht genügt ja auch hier die Andeutung des guten Willens, und das Durcheinander bildet gerade die gewünschte Nichtanerkennung der Kategorie „Geschlecht“ ab?
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 14.03.2019 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41054

Sie haben völlig recht. Allerdings klingen die Partizipien für meinen Geschmack irgendwie gestelzt.

Statt

Theoretisch können alle 30.000 Einwohner sowie in Rheinberg Arbeitende und zur Schule Gehende teilnehmen.

vielleicht besser

Theoretisch können alle teilnehmen, die in Rheinberg wohnen, arbeiten oder zur Schule gehen.

Auch hier bleibt natürlich die Frage, ob man als Radfahrer oder als Fußgänger ("zur Schule GEHEN") mehr für die Umwelt täte ...
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 14.03.2019 um 05.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41053

@Vollgasfahrer:
https://www.rheinberg.de/de/aktuelles/stadtradeln-2014-in-rheinberg/

"Theoretisch können alle 30.000 Einwohner sowie in Rheinberg Arbeitende und zur Schule Gehende teilnehmen."


Das ist allerdings völlig korrekte und sinnvolle Sprache, wie auch die andere Stelle zeigt, wo der Verfasser "in Rheinberg zur Schule gehende Schüler" schreibt. So wie er an alles Stellen durchgehend von Bürgern, Radlern, usw. spricht (ausgenommen das eine "SchülerINNEN", das aus dem Rahmen fällt).
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 14.03.2019 um 00.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41052

Im Videotext von DMAX (fast so gut wie der von RTL II) war gestern abend zu lesen:

"Vor dem weltweiten Aktionstag gegen Klimawandel haben zur Schule gehende (!) in Neuseeland die Unterstützung von Premierministerin Ardern erhalten."

Leider kein Foto gemacht, online ist daraus überall wieder Schüler gemacht worden. Irgendwem bei der dpa muß wohl aufgefallen sein, daß es albern wäre, wenn die "zur Schule Gehenden" am Freitag eben nicht zur Schule gehen wollen. Der Ausdruck ist aber online durchaus belegt, etwa hier:

https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/Fast-200/-/id=47428/did=4985042/38uzf8/index.html

"Nach den aktuellsten Zahlen wurden 2017 noch rund 557.000 Studierende und zur Schule Gehende gefördert."

https://www.rheinberg.de/de/aktuelles/stadtradeln-2014-in-rheinberg/

"Theoretisch können alle 30.000 Einwohner sowie in Rheinberg Arbeitende und zur Schule Gehende teilnehmen. In der Vergangenheit haben einige Schulen sehr gut und erfolgreich ihre SchülerINNEN motiviert."

An der folgenden Stelle muß der Verfasser dann gemerkt haben, wie bescheuert die Umschreibung "zur Schule Gehende" wäre. Der Rest des Textes ist dann normales Deutsch:

"Quasi jeder Schüler kann den täglichen Weg zur Schule mit dem Rad zurücklegen"
 
 

Kommentar von , verfaßt am 13.03.2019 um 22.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41051

Herr Ickler bemerkte, wie ich gerade sehe, am 3.1.2019: "Römer und Römerinnen erobern im 1. Jh. v. Chr. den Ostmittelmeerraum."

Das erinnert mich an einen Besuch des Neanderthal-Museums in Mettmann: Im Museumsshop öffnete ich ein neues Buch über diese Menschenart und las schon im Vorwort „Neandertalerinnen und Neandertaler“. Ich brauchte einige Sekunden, bis ich glauben konnte, was ich sah. Auf die Klärung der Frage, ob die beiden an der Ausrottung der Mammutinnen und Mammuts beteiligt waren oder nicht, habe ich dann verzichtet und das Buch ins Regal zurückgestellt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.03.2019 um 16.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41049

Bei der Rechtschreibung macht die Fatz zu 99,5% mit. Der männliche Anteil an der Leserschaft liegt gefühlt im selben Bereich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.03.2019 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41048

Wirklich durchgängiges Gendern ist ja kaum möglich. Erst kürzlich hörte ich in einer DLF-Sendung, wie sich sowohl der DLF-Sprecher als auch der Interviewpartner in sehr penetranter Weise bemühten, immer z. B. Ärztinnen und Ärzte zu sagen, und zwischendurch war dann doch immer wieder mal nur von Physiotherapeuten und Psychotherapeuten oder sogar nur von Patienten die Rede.

Wir hatten hier auch schon Beispiele nach den Mustern "jede zweite Teilnehmerin ist eine Frau" oder "unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten", wenn schon bekannt ist, daß genau ein männlicher und genau eine weibliche gemeint sind.

In all diesen Fällen wäre die Genderei ganz offensichtlich einfach lächerlich oder nur mit besonders umständlichen Formulierungen durchzuhalten. Deshalb glaube ich, es ist gar nicht möglich, daß das generische Maskulinum völlig ausstirbt. Es wird immer zumindest eine Mischung von genererischem Maskulinum und Genderei bestehen bleiben.

Vielleicht helfen schließlich sogar die absurde 3-Geschlechter-Theorie und die n-Geschlechter-Genderei, doch wieder zu einer vernünftigeren Ausdrucksweise zurückzukehren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2019 um 09.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41047

Wahrscheinlich halb mitmachen, wie bei der Rechtschreibung. Als Signal reicht das ja auch.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.03.2019 um 07.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41046

Ja, so wird es kommen, und die Fatz wird sich drei Jahre sträuben und dann mitmachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2019 um 06.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41045

Es besteht eine gewisse Gefahr, daß die Zeitungen sich – wie bei der Rechtschreibreform – zu einer "konzertierten Aktion" absprechen und sich verpflichten, alle Texte "geschlechtergerecht" zu gestalten. Der Deutsche Presserat könnte dabei eine Rolle spielen, der ja auch bisher schon darüber wacht, daß keiner aus der Reihe tanzt. Dann hätte der Leser keine Wahl mehr – außer der einen: auf Zeitungslektüre (und -abonnement) ganz zu verzichten. Dazu hat die Rechtschreibreform nicht ausgereicht, außer vielleicht bei ganz wenigen, die durch ihre Kündigung das Überleben der Zeitungen nicht gefährdeten. Sogar ich selbst habe nach einer Pause wieder abonniert. Durchgängiges Gendern wäre mir allerdings zuviel. Mein FAZ-Abo ist schon jetzt prekär.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2019 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41044

Studenten sind wohl besonders empfänglich für moralisch begründete, wenn auch theoretisch schwachbrüstige Ideen; daher auch unterwerfungsbereiter als andere Menschen.

theologiestudierende.de usw. – alle Texte strikt gegendert. "Kosten" spielen da keine Rolle. Besonders in den Para- und Pseudowissenschaften findet man den Typ des überzeugten Mitläufers.

Der Sprachwissenschaftler Stefanowitsch trägt die Moral schon im Titel seines Dudenbuches vor sich her - wer könnte da widerstehen?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.03.2019 um 22.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41033

Am Anfang stand das neckische der eine oder die andere.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2019 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41032

Danke für den Link! Dort findet man noch mehr:

Wird eine Falschmeldung ungeschickt widerlegt, erinnern sich Leser oder Zuhörerinnen später nicht an die Korrektur, sondern nur an die schon eingeprägte Falschinformation. (...) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Am Ende schreiben die beiden Jungwissenschaftler aber: Denn es reicht nicht, auf die Argumente der Skeptiker immer nur zu reagieren. - Das ist typisch: der Gegner wird nicht gegendert, er ist einfach böse und männlich.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 10.03.2019 um 15.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41031

"Landwirte, Försterinnen, Naturschützer, Binnenschiffer – sie alle haben weiterhin mit der Trockenheit zu kämpfen."

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-11/klimagipfel-in-katowice-klimawandel-fakten-mythen-globale-erwaermung-wissenschaft
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2019 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41030

In der FAS heute ein guter Artikel über die seltsamen Reaktionen sogenannter Erwachsener auf Greta Thunberg.

Leider versucht sich der Verfasser Tobias Rüther seit einiger Zeit im Gendern (Demonstrantinnen und Demonstranten), das liest sich unangenehm beflissen.

Vor einigen Monaten hat er es mit dieser Methode versucht:

Wie viele schwarze Regisseure und Darstellerinnen sind für den Oscar nominiert? (...) Man kann, das wissen Austauschschülerinnen genauso wie Migranten, aus dem Fernsehen die Sprache eines neues Landes lernen, in dem man jetzt lebt.

Vielleicht hat er selbst gemerkt, daß das nicht geht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2019 um 17.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41026

Tausende Berliner demonstrieren für Gleichberechtigung (ntv 9.3.19)

Schönes Beispiel für die Gender-Resistenz der Medien!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2019 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41024

Aber das sagen sie doch!
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.03.2019 um 13.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41022

Warum sagen Politiker immer nur "liebe Freunde" und nicht "liebe Freundinnen und Freunde"? "Freundinnen" scheint noch nicht gesellschaftsfähig zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2019 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41021

Zum Aufruf gegen den Gender-Wahn:

Für den Linguistik-Professor Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin führt der Aufruf "mit Vollgas zurück in die Vergangenheit". Unterzeichnet hätten ihn "vorwiegend ältere Herrschaften, die ihre Sprachgewohnheiten verletzt sehen".

Das kennen wir doch? Aber wer ständig die Moral im Mund führt, sollte nicht so reden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2019 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#41019

Nachtrag zum Weltfrauentag:
Garry Wills zeigt (u. a. in „Papal Sin“), wie die antike (aristotelische, stoische und jüdische) Frauenfeindlichkeit wieder in das erstaunlich egalitäre frühe Christentum einsickerte und bis heute besonders in der katholischen Kirche fortdauert. Er zitiert auch aus immer abenteuerlicher werdenden päpstlichen Begründungen der Inferiorität der Frau, vor allem im Zusammenhang mit der Frage der Frauenordination. Ein Hauptmotiv der Ablehnung ist heute die Gefahr, fast zwei Jahrtausende Irrlehre zugeben zu müssen. Wie ein Kardinal mal in bezug auf das Verhütungsverbot sagte: Was machen wir mit den Millionen von Menschen, die wir deswegen in die Hölle geschickt haben?
Die bedeutende Rolle der Frauen um Jesus und in den frühen Gemeinden, an die Paulus schreibt, wurde nach und nach versteckt und weggefälscht („Junias“ usw.). In unserer Zeit verkünden Päpste: Frauen sehen nicht aus wie Jesus, können daher den Gläubigen nicht überzeugend die Eucharistie spenden... Infolge dieser „structures of deceit“ lebten und leben Milliarden von Katholiken an der amtlichen Lehre vorbei, großenteils in dauerhafter Todsünde, was ihnen aber wurscht ist. Im Vatikan weiß man das natürlich. Bei Johannes Paul II. mit seinem Marienkult ("Totus tuus") kam noch die Obsession mit der Jungfräulichkeit hinzu, aber das ist nur die gesteigerte Form jenes archaischen Horrors vor der weiblichen "Unreinheit".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2019 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40987

Wenn also vorgeschlagen wird, dass Personenbezeichnungen durch ein großgeschriebenes Binnen-I „gegendert“ werden sollen, muss er feststellen, dass Großschreibung innerhalb von Wörtern im Deutschen systemwidrig ist, also falsch. Das (geschriebene) Wort ist im Deutschen nun einmal dadurch definiert, dass es zwischen zwei Leerstellen steht und am Anfang dann großzuschreiben ist, wenn es sich um ein Wort handelt, das eine Nominalgruppe dominiert. Meistens sind das Substantive.

Ich bin ja auch dagegen, aber die Begründung finde ich schwach. Man darf das System nicht hypostasieren, und man darf nicht dem naturalistischen Fehlschluß verfallen. (Derselbe Verfasser wendet gegen Anatol Stefanowitsch ein, Moral sei Sache des Theologen, nicht des Sprachwissenschaftlers...)

Das Sprachsystem einschließlich des orthographischen ist auch nicht scharf begrenzt. Es gibt viele Ausnahmen, also Tatsachen, die sich nicht in das aus dem Befund extrapolierte System fügen.

Auch kann man es ändern (wie durch die Rechtschreibreformer ein wenig versucht), und es kann sich ändern (wie in der Werbesprache). Man hätte die Kleinschreibung einführen können – ein toller systemwidriger Fehler, aber danach dann eben nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2019 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40956

Grußwort einer Bürgermeisterin. Das Haar männlich kurz, weiblich blondiert. Sie gendert perfekt, vergißt niemals den weiblichen Teil. Das trägt wesentlich zum Eindruck des Roboterhaften bei.

Natürlich kann sie an der Veranstaltung, die sie eröffnet, nicht selbst teilnehmen, wegen anderer Termine, wünscht aber einen schönen Abend. Man applaudiert höflich und ist froh, als sie geht.

Es hat etwas Unwirkliches, gerade weil man genau denselben Ablauf schon so oft erlebt hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2019 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40897

Mit Recht kritisiert Helmut Glück das verordnete Gendern der Stadt Hannover. Allerdings kann man der feministischen Linguistik nicht allgemein vorwerfen, daß sie Genus und Sexus verwechsele. So einfach ist es nicht. Es geht auch nicht mehr um die irrwitzige Tilgung des vermeintlichen Maskulinums aus Zusammensetzungen usw., sondern im Kern um die Frage, ob das generische Maskulinum bei Personenbezeichnungen noch in aller Unschuld funktioniert oder ob es durch die Diskussion um eben diese Frage in eine Schieflage geraten ist.
Die Verteidiger der Sprache schwächeln. Sie haben meines Wissens nirgendwo tatkräftig für das generische Maskulinum gekämpft, sondern in der Regel um des lieben Friedens willen nachgegeben, wenn wieder mal ein Ausschreibungstext neutralisiert oder gegendert werden sollte (was auf dasselbe hinausläuft). Die Schwäche betrifft aber auch noch andere Bereiche:

In einem Artikel in der FAZ (20.2.19) über die sexuelle Nötigung und Vergewaltigung von Ordensfrauen durch Priester spricht Daniel Deckers wieder ein dutzendmal von „sexualisierter“ bzw. „sexueller Gewalt“.

Heute schreibt Matthias Rüb an gleicher Stelle über dasselbe Thema und kommt ganz ohne die feministische, den Sachverhalt verzerrende Redeweise aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2019 um 09.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40861

Rogers räumte in seiner Replik zunächst ein, dass er und mit ihm wohl viele Psychologen und Psychologinnen zumindest in einige Punkten mit Skinner übereinstimmen würden. (Mark Galliker: Ist die Psychologie eine Wissenschaft? Wiesbaden 2016:145)

Der gemeinte Text ist: Rogers, C. R., & Skinner, B. F. (1956). Some issues concerning the control of human behavior: a symposium. Science, 124, 1057-1066.
Die damaligen Diskutanten haben zweifellos Psychologinnen stets mitgemeint, aber gegendert haben sie an keiner Stelle. Der Fall ist deshalb ein wenig komplizierter als die „Bibel in gerechter Sprache“, weil der Verfasser indirekte Rede benutzt, die nicht den Anspruch erhebt, das Original wortgetreu wiederzugeben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.02.2019 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40852

Die gesetzlich verordnete paritätische Vertretung der Geschlechter auf den Wahllisten entspricht nicht der Mitgliederstruktur der Parteien. Dadurch kommt es zu dem wohl verfassungswidrigen Ergebnis, daß Frauen eine mehr als doppelt so große Chance wie Männer haben, gewählt zu werden. (Darauf weist ein Leser in der FAZ hin.) Daß sich mehr Frauen in der Politik engagieren, läßt sich nicht gesetzlich festlegen.
Die Verfassungsgerichte werden aber möglichweise auch das zurechtbiegen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 06.02.2019 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40781

Im MM steht heute auf Seite 29 ein Artikel des Redaktionsmitglieds Stefanie Ball zu Feminismus und „Geschlechtergerechtigkeit“. Sie bringt wieder die üblichen falschen Behauptungen (die Hälfte einer Schulklasse fühle sich ausgeschlossen, wenn nur von Schülern die Rede ist, usw.). Der Artikel endet so:

Immerhin, einen Vorteil hat das Englische: Es ist auch ohne sprachliche Verrenkungen und Empfehlungen genderkonform. Nach Worten wie „teacher“ (Lehrer) etwa oder „friend“ (Freund) kann sowohl die weibliche Form „she“ (sie) als auch das männliche „he“ (er) folgen.

Sie gibt also zu, daß Sie sich sprachlich verrenken muß!

Und dabei kann man auch im Deutschen ganz ohne sprachliche Verrenkung Worte wie Lehrer oder Freund mit er oder sie verbinden: Sie war der beste Lehrer der Schule, usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2019 um 18.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40772

„genderstudies“
Herausgeberin Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung
der Universität Bern IZFG


Übrigens wird auch Anrufbeantworterin nicht nur in satirischer Absicht gebraucht. -er ist eine sehr böse Buchstabenverbindung, die überall getilgt oder wenigstens versteckt werden sollte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.02.2019 um 23.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40750

Da der Spiegel nur aus englischsprachigen Quellen abschreibt (sofern seine preisgekrönten Reporter nicht gleich alles frei erfinden) und dort US als Singular aufgefaßt wird, muß es zwangsläufig zu Interferenzen kommen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 02.02.2019 um 18.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40749

Im Spiegel liest man "Die USA kündigt den INF-Vertrag zum Verzicht atomarer Mittelstreckenraketen“ (http://www.spiegel.de/politik/ausland/inf-vertrag-gekuendigt-furcht-vor-neuem-wettruesten-in-europa-a-1251297.html). Was hat es nur mit diesem Femininum auf sich? Es wird doch nicht gegendert sein?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2019 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40745

In einem Beitrag über Wohngeld schreibt die ZEIT (Nadine Oberhuber):

Wirtschaftsforscherinnen und -forscher
Bezieher
Bevölkerungsforscherinnen beobachten, dass gerade Ältere wegziehen, wenn ihnen die Stadt zu teuer wird.
Vielleicht sucht man Geringverdiener bald vergeblich in den Städten. Und Wohngeldbezieherinnen damit auch.


Usw. – alles so bunt wie möglich gemischt. Bei der FAZ hat Oberhuber es nicht so närrisch getrieben. Es soll offenbar signalisiert werden, daß die Motion durch -in keinerlei Unterschied bewirkt. Forscherin kann auch einen Mann bedeuten, so wie bisher Forscher auch eine Frau. Ich kann mir nicht vorstellen, daß dies das Deutsch der Zukunft ist, es widerspricht der sprachlichen Ökonomie, und die Ideologie fast Satz für Satz nervt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 02.02.2019 um 00.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40742

Die Liste ist wirklich eine Fundgrube. Allerdings enthält sie sachliche Fehler. So ist Rechtsanwalt etwas anderes als Rechtsbeistand. Dolmetscher kann man nicht als übersetzende Fachkräfte bezeichnen (auch nicht als simultanübersetzende Fachkräfte, es sei denn, sie dolmetschen gerade simultan und nicht konsekutiv). Elternteil ist kein genderneutraler Ersatz für Vater oder Mutter, weil es der Elternteil, nicht das Elternteil heißt! Was soll an Student im Singular auszusetzen sein, wenn die betreffende Person männlichen Geschlechts ist? Oder soll man das nun auch schon schamhaft verschweigen? Elternmilch statt Muttermilch – geht’s noch?!

Vielleicht werden die Texte wenigstens stilistisch besser, wenn man die Wörterliste benutzt. Denn: »Gendergerechte Sprache kann beim Schreiben wie Lesen elegant sein.« Ich hab’s mal versucht. Urteilen Sie selbst!

Vorher:

Ein Student hatte viele Fans. Seine Tante mütterlicherseits etwa, eine Putzfrau, lobte seinen Ordnungssinn. Die Gründerzeitvilla, in der er zusammen mit ein paar Schulabbrechern wohnte, wurde vom Hausmeister fachmännisch betreut. Die Mitbewohner verdienten sich als Animateure etwas dazu, und so konnten sich die Mannsbilder sogar einen Gärtner leisten. Als der Vater des Studenten eines Tages zu Besuch kam, begrüßte dieser ihn freudig: »Vater, sei unser Gast! Wir saufen, bis der Arzt kommt! Der Vermieter hat bestimmt nichts dagegen. Und wenn, dann gibt es keine Zeugen.« Das hörten zufällig die Nachbarn. »Wir machen mit! Sollen wir noch Bier bei der alten Hexe im Tante-Emma-Laden um die Ecke besorgen?« Darauf erhielten sie nie eine Antwort. Warum, das wissen die Götter.

Nachher:

Ein Mitglied der Studierenden hatte viele in besonderem Maße begeisterte Personen. Seine Tante martinalicherseits etwa, eine Reinigungskraft, lobte seinen Ordnungssinn. Die Gründungszeitvilla, in der er zusammen mit ein paar Menschen ohne Schulabschluss wohnte, wurde vom Gebäudemanagement fachkundig betreut. Die Powermenschen verdienten sich als Freizeitbetreuungspersonen etwas dazu, und so konnten sie sich sogar eine Gartenfachkraft leisten. Als ein Elternteil des Mitglieds der Studierenden eines Tages zu Besuch kam, begrüßte dieses es freudig: »Elternteil, sei unser Besuch! Wir saufen, bis ärztliches Fachpersonal kommt! Die vermietende Person hat bestimmt nichts dagegen. Und wenn, dann gibt es keine Bezeugenden.« Das hörten zufällig die nebenan Wohnenden. »Wir machen mit! Sollen wir noch Bier bei der schwarze Zauberkraft innehabenden Person im Laden für Waren des täglichen Bedarfs um die Ecke besorgen?« Darauf erhielten sie nie eine Antwort. Warum, das wissen die übernatürlichen Wesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2019 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40736

Wer Munition gegen den Genderwahn sucht, kann sich hier bedienen:

https://geschicktgendern.de/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2019 um 06.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40734

Natürlich ist es eine Illusion, daß Abgeordnete, sobald sie gewählt sind, die Interessen des ganzen Volks vertreten und nicht mehr das Programm der Partei, für die sie angetreten sind und der sie formal keine Rechenschaft mehr schuldig sind („freies Mandat“). Im Bundestag sitzen nicht lauter kleine Bundespräsidenten; das wäre auch nicht wünschenswert.

Wenn es sich bei der Politik um die Lösung klar definierter Probleme handelte, könnte man sie einem Computerprogramm übertragen. (Diesen Gedanken haben kürzlich mehrere meiner Bekannten und Verwandten unabhängig voneinander geäußert. Schönes Thema für Abituraufsätze.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2019 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40732

Die gesellschaftliche Entwicklung (nicht die feministische Bewegung) hat dazu geführt, daß den Frauen so gut wie alle alle Möglichkeiten offenstehen, wenn da nicht die Mutterschaft wäre, von sehr vielen Feministinnen mit Verachtung belegt, als sei sie ein Verrat an den hehren Idealen. Der Konflikt zwischen den Interessen der Wirtschaft und der Aufzucht des Nachwuchses ist unauflösbar, man kann nur die Folgen mildern. Wer sich hier nicht engagiert, ist nicht satisfaktionsfähig.
Meiner Ansicht nach sind die Männer gar nicht so schlimm. Sie sind durchaus bereit, sich halbtot zu arbeiten, wenn es der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dient. Jedenfalls viele.
Diesem Ziel nützen Quotenfrauen im Landtag oder im Aufsichtsrat von Großunternehmen gar nichts.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.02.2019 um 01.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40731

Ein Freund schreibt mir aus Berlin: »Songwriter und -writerinnen – eben in Radioeins. Ausgesprochen: Reiterinnen.«
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 31.01.2019 um 22.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40729

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, aber sie sind nicht gleich. Sie haben unterschiedliche biologische Funktionen und daraus resultierend unterschiedliche körperliche und geistige Voraussetzungen, auch unterschiedliche Interessen. Es ist deswegen nicht möglich, aus einer unterschiedlichen Beteiligung von Männern und Frauen an bestimmten Institutionen oder Tätigkeiten eine Unterdrückung eines der beiden Geschlechter zu folgern. Unterschiedliche Anteile von Männern und Frauen wegen unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen sind gerade bei absoluter, wirklicher Gleichberechtigung unbedingt zu erwarten und nicht zu beanstanden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2019 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40727

Aus der Gleichberechtigung der Geschlechter hat der brandenburgische Landtag gefolgert, daß auch die Kandidatenlisten zur Landtagswahl geschlechterparitätisch und zwar abwechselnd mit Männern und Frauen besetzt werden müssen. Das ist unlogisch und führt zu unabsehbaren Folgen. Daß das Verfassungsgericht dem einen Riegel vorschiebt, ist nicht sicher, da die Politik schon lange auf die tatsächliche gleichmäßige Vertretung der Geschlechter auf allen Posten hinarbeitet (affirmative action) und dafür auch Grundrechtsverstöße in Kauf nimmt, die dann von Juristen gebilligt werden.
Der nächstliegende Einwand ist, daß auch andere Gruppen Parität fordern könnten: Alterskohorten, Menschen mit ausländischer Herkunft, Religion usw. Auch ist die Zweigeschlechterordnung ja gerade überholt worden.
Außerdem kann, was auf der Spielwiese Landtag folgenlos angehen mag, nicht in allen Berufsgruppen durchgesetzt werden, wo es oft ein enormes männliches oder weibliches Übergewicht gibt.
(http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40058)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2019 um 17.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40726

Nach einigen neueren Sendungen im Bayerischen Rundfunk (Bayern 5) scheint es so, als sei jetzt Mitarbeitende zwingend vorgeschrieben. Unternehmen suchen MItarbeitende.

Damit legt man sich praktisch auch auf den Plural fest, und das könnte Folgen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2019 um 03.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40723

Die Lyrikerin Barbara Köhler hat ihre 15 Minuten Ruhm, aber ich hätte es ehrenhafter gefunden, bei der Gomringer-Posse nicht mitzuspielen, erst recht nicht zugunsten einer eigenen Produktion.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2019 um 03.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40671

Darüber brüten Gutachtende, von Steuerzahlenden (oder Steuer Zahlenden?) finanziert, und eine neue Broschüre zum korrekten Gendern wird sicher bald vorliegen.

Ich wundere mich jeden Tag aufs neue, wie ein Clique es geschafft hat, ihre Ideologie gegen die große Mehrheit der Wissenschaftler und gegen den Wunsch der leidtragenden Bevölkerung durchzusetzen, genau wie bei der Rechtschreibreform. Darum interessiere ich mich auch so für die Gruppendynamik in Gremien.

Das Argument, die deutsche Sprache sei bisher dem weiblichen Geschlecht nicht gerecht geworden, hat eine oberflächliche Plausibilität. Hinzu kommt der Gedanke "Schad’t ja nix!" (um es mit Augst zu sagen). Und die allgemeine Duckmäuserei (warum wegen so einer Kleinigkeit Streit anfangen?). Wer viel in Kommissionen sitzen mußte, wird wissen, wovon ich rede.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.01.2019 um 23.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40670

Wie nennt man in Hannover jetzt eigentlich geschlechtslos und diskriminierungsfrei Personen, die kein Fleisch essen? Vegetierende?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2019 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40649

Die Stadt Hannover gendert in Zukunft alle ihre Texte. Dem werden sich viele oder alle anschließen. Wer wird schon ankündigen, nicht "geschlechtergerecht" oder "gendergerecht" sprechen und schreiben zu wollen? Das ist vor allem bei Gremienentscheidungen unvorstellbar. Schicksal, nimm deinen Lauf!
Das einzige, was sich jeder klarmachen kann, ist, daß diese Sprache sich noch ein Stück weiter von der allgemein üblichen entfernt. Aber das ist den Ideologen egal, sie sind bereit, jeden Preis zu zahlen und von anderen zu verlangen. (Wie wäre es mit einem Referendum? Aber so demokratisch ist man dann wohl doch nicht.) !
Die Begründung "Sprache ist in Bewegung" entspricht dem, was schon die Rechtschreibreformer zur Rechtfertigung ihres gewaltsamen Eingriffs vorgebracht haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2019 um 07.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40647

Spiritualität ist weder eine eigentlich esoterische noch religiöse Praktik, sondern eine grundlegende Dimension des Menschseins. Damit ist Spiritualität auch kein Reservat von Gurus, Religionsstiftern, Propheten oder Priestern, sondern von jederfrau.

Von der Website eines Erlanger Psychologen, der sich neuerdings Diplom-PsychologInne nennt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.01.2019 um 22.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40645

Sie schreibt dort auch (Hervorhebungen von mir):

"Die Vernichtung von Jüdinnen, Roma, Sinti, Homosexuellen, Kranken infrage zu stellen, Witze darüber zu machen, als feister Sack an Orten des absoluten Grauens rumzublaffen, ist das Ende der Zivilisation."

Ich muß sehr an mich halten. Daß Leute, die sich wie diese Frau Berg noch klug dabei vorkommen, selbst Witze über das Unfaßbare zu machen, inzwischen ihr Geblaffe in so etablierten Blättern wie dem SPIEGEL veröffentlichen können, ist das eigentliche Ende der Zivilisation. Welchen Respekt vor KZ-Opfern hat denn Frau Berg?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.01.2019 um 19.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40643

Auf die „Besucherordnung“ der Gedenkstätte Buchenwald verweist Sibylle Berg im SPIEGEL mit einem Link „Besucherinnenregeln“. Sie schreibt auch: „In der Hoffnung, auch noch den letzten Nazi als Wählerin zu gewinnen, verweigern Politikerinnen einer KZ-Überlebenden den Respekt.“ Und: „Ja, es sind Menschen, Enkel, Urenkel der Mörderinnen, die an Orten pöbeln und höhnen, die doch so grauenhaft sind, so unfassbare kurze 70 Jahre her, dass man vermeint, das Elend, die Bestialität noch spüren zu können.“

Der Text wird durch diese Privatsprache schwerverständlich, denn es gibt ja im Deutschen weiterhin ein nicht-generisches Femininum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2019 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40620

Franz und Michelle Müntefering trennen 41 Jahre. Dies ist für den ehemaligen SPD-Chef kein Problem. Sie halte ihn aktiv. (t-online.de 17.1.19)

Das hatten wir schon öfter: Wenn ein alter Mann eine junge Frau heiratet, fragen die Journalisten besorgt, ob ER damit kein Problem habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2019 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40587

In Brasilien ist es künftig leichter, Waffen zu kaufen. Präsident Jair Bolsonaro unterzeichnete ein Dekret, wonach jeder Brasilianer künftig bis zu vier Schusswaffen kaufen und sie zu Hause oder am Arbeitsplatz aufbewahren kann. "Das Volk will Waffen und Munition kaufen und wir können ihm das nicht verweigern", sagte er. Bislang mussten Bürgerinnen und Bürger einzeln nachweisen, warum sie eine Waffe benötigen. (ZEIT 16.1.19)

Man gendert nur ab und zu, zeigt also den guten Willen, möchte aber den Leser auch nicht abstoßen. Die Erstnennung der Frauen entspricht einer Phraseologisierung der alten Galanterie (Damen und Herren), auch wenn Waffenbesitz und -gebrauch überwiegend Männersache ist. (Man denkt an die „Römerinnen“, die laut Jugendbibel den Ostmittelmeerraum eroberten. Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40464)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2019 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40563

Schreibende schreiben im Dienste der Lesenden. (https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/dateien/Remote/km/180629_Rechtschreibrahmen-Klassen-1-bis-10.pdf)

Aber auch der eindeutig männliche Lesende im Singular wird oft erwähnt, einmal sogar der Leser, wohl aus Versehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2019 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40553

Schon die Grundschüler lernen, "Schülerinnen und Schüler" usw. zu sagen. Das ist das perfekte Mißbrauchsalter. Eigentlich sollten sie Deutsch lernen, aber sie beten die feministische Ideologie nach, als sei es das heilige Evangelium.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2019 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40545

Durch das Studium dieses Artikels kann man Credit Points erwerben, das läßt ihn um so tiefer einsinken.

Auch hierzulande, wo man nicht ganz so psychologiegläubig ist, haben wir ja lernen müssen, wer wirklich schwer krank ist: der heterosexuelle Mann.

Ich kann mich nicht erinnern, je einen Bericht über Erkenntnisse der Psychologie gelesen zu haben, der nicht sofort als Unsinn zu erkennen gewesen wäre.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 12.01.2019 um 02.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40543

Die "American Psychological Association" erklärt in ihren neuesten Richtlinien Männer schon deshalb für behandlungsbedürftig, weil sie Männer sind. Vgl. https://www.apa.org/monitor/2019/01/ce-corner.aspx

Empirie scheint hier keine Rolle mehr zu spielen, sondern nur noch Ideologie und "Theorie".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2019 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40540

Die Verkehrsinfo-Zentrale in Berlin gendert: Warnungen und Ankündigungen sollen künftig möglichst geschlechtsneutral formuliert werden. Aus dem „Radfahrer“ wird der „Radfahrende“.

So liest man es nun in der Tat, entsprechend der „Autofahrende“ usw. – Der Widersinn wird nicht bemerkt. Im Singular kann ja von Geschlechtsneutralität keine Rede sein, der Radfahrende ist maskulin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2019 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40539

Wenn die HU aus ihrem Status als „Einrichtung öffentlichen Rechts“ ihre Pflicht zur Befolgung der Schulorthographie herleitet, müßte das für alle Anstalten des öffentlichen Rechts gelten, also auch für die Kirchen, entgegen Eisenbergs Meinung.
Daß er ausdrücklich die Rundfunkanstalten verpflichten will und mit dem Begriff "Dienstpflichtverletzung" herumfuchtelt, könnte die so Verwarnten zu einer Stellungnahme bewegen.

Was er über "unabsehbare kulturpolitische Konsequenzen" sagt, die mit einer Gender-Selbstverpflichtung des Berliner Senats verbunden wären, erinnert mich an die fast identischen Worte, die er mir vor über 20 Jahren bei der Mannheimer Anhörung vom 23.1.1998 entgegenhielt. („Ein Kippen der Rechtschreibreform wäre eine kulturpolitische Katastrophe." Damals kam er seinem Dienstherrn und Parteigenossen Kultusminister Wernstedt zu Hilfe. Vgl. auch: „Die Orthographiereform ist beschlossene Sache, der Streit um das Für und Wider einzelner Regelungen hat vorerst ein Ende. Es kommt jetzt darauf an, den Übergang auf die neue Orthographie im Alltag des Schreibens zu sichern, ihn so unaufwendig wie irgend möglich zu machen.“ (Eisenberg 1996) Man erkennt das Muster.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40532

Man muß noch eine Variante beachten, die beinahe der Normalfall zu sein scheint. Unsere Universität hat sich scheinbar "selbst unterworfen", indem sie sowohl Reformschreibung als auch Genderwahn bedingungslos übernommen und auch die alberne "Charta der Vielfalt" unterzeichnet hat. Aber in Wirklichkeit war es nicht die Universität; es ist ja auch niemand gefragt worden. Vielmehr haben einzelne Leitungspersonen das alles im Alleingang gemacht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.01.2019 um 10.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40531

Die DFG ist als Verein organisiert, obwohl sie im Grunde als öffentliche Einrichtung fungiert. Ihre Angestellten sind keine Beamten und unterliegen keinem Dienstrecht.

Andererseits kann die DFG natürlich beschließen, sich der jeweils gerade gültigen Schulorthographie zu unterwerfen. Hier besteht, anders als Eisenberg glaubt, kein Unterschied beispielsweise zur EKD.

Die Selbstunterwerfung unter die jeweils gerade gültige Geschlechtsideologie verspricht aber wahrscheinlich mehr Prestige.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 10.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40529

Eisenberg stellt für alle Institutionen, die er exemplarisch erwähnt, also viel mehr als die "Verwaltung", als Tatsache fest, daß Verstöße gegen die amtliche Regelung "Dienstpflichtverletzungen" sind, "die disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen können." Was sagen die Genannten dazu, also etwa die DFG?

In Wirklichkeit geht es ihm um ein juristisch haltbares Verbot der Genderschreibweisen, aber er vermischt das mit der Frage der Geltungsreichweite der Neuregelung und der Freiheit der Dudenredaktion.

Die "Kriterien", die der Rechtschreibrat für eine künftige Genderschreibweise aufgestellt hat, sind unverbindliche Überlegungen, die Eisenberg aber wie eine ebenfalls amtliche vorbeugende Maßnahme gegen das verhaßte Sternchen liest.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40527

Selbstunterwerfung gibt es, aber auch Anweisungen von oben. Und die Frage ist, was "Verwaltung" und "Behörden" alles umfaßt.

Eisenbergs Text enthält krasses Zeug, das ich hier nicht kritisieren will; ich empfehle die Lektüre.

Er kritisiert nicht nur die Dudenempfehlungen als eigenmächtigen Verstoß gegen die Absichten des Rates, sondern auch die Tatsache, daß sich der Duden zwischen die amtliche Regelung und den Wörterbuchbenutzer schiebt – als wenn er nicht wüßte, daß die amtliche Regelung gar nicht benutzbar ist. Im übrigen handelt der Duden auf eigenes Risiko und darf es, denn er ist ja nicht amtlich und kann, wie jedermann, nach Belieben verfahren und dann sehen, ob es sich verkauft.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.01.2019 um 09.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40526

Solange die Selbstunterwerfung von Behörden unter die Schulorthographie nicht gerichtlich untersagt worden ist, wird sie wohl erlaubt sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40524

Peter Eisenberg lehnt das Gendern ab, ich tue es auch, es ist unser gutes Recht. Aber nun geht er in einem Aufsatz für die FAZ (10.1.19) mit einer neuen Waffe in den Kampf. Weil Genderstern und andere typographische Erfindungen nicht in der amtlichen Orthographie vorgesehen und daher auch nicht zulässig seien, dürften sie wenigsten in der Schule und in Behörden, ja allen Einrichtungen des öffentlichen Rechts nicht verwendet werden. Er zitiert von der Website der Humboldt-Universität:
„Die Humboldt-Universität zu Berlin ist als Einrichtung öffentlichen Rechts dazu verpflichtet, die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung anzuwenden. In ihrer Funktion als Bildungseinrichtung müssen die Webseiten der HU daher in korrekter Rechtschreibung und Grammatik verfasst sein. Dieser Anspruch trägt in besonderer Weise zur Außenwirkung der Universität bei.“

Dieser Position schließt Eisenberg sich an. Kirchen und Parteien zum Beispiel dürften gendern. „Alle vergreifen sich damit allerdings an der Einheitsorthographie. Nicht verwenden dürfen solche Gebilde die Gleichstellungsbeauftragten öffentlicher Einrichtungen, Bundesbehörden, Lehrer und Schüler öffentlicher Schulen, die DFG, die ARD oder die KMK sowie der Senat von Berlin.“

Eisenberg schließt dann noch eine Dudenkritik an, wobei er schon die gelben „Empfehlungen“ des Duden als unzulässig einschätzt, wie seinerzeit, allerdings folgenlos, der Rat für deutsche Rechtschreibung, dem Eisenberg damals noch angehörte. (Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36257) Auch kritisiert er, daß im Duden die amtliche Regelung, die er selbst für minderwertig erklärt, nicht mehr abgedruckt ist – aber warum sollte sie? Der Duden ist dazu nicht verpflichtet, die Regelung steht ja im Netz. Was der Dudenverlag schließlich in Broschüren zum Gendern rät, ist rechtlich gleichgültig. Obwohl die Reformer und auch Eisenberg die Aufhebung des Dudenprivilegs feiern, tun sie manchmal so, als sei der Duden immer noch amtlich. (Eisenberg fragt sonderbar genug: „Und wo steht der Duden, unsere letzte und damit einzige Sprachautorität?“)

Was aber eigentlich erstaunt, ist die rigoros autoritätshörige Auslegung der Rechtslage. Das Bundesverfassungsgericht hat 1998 die Geltung der Neuregelung auf die Schulen beschränkt, was Eisenberg erwartungsgemäß nicht erwähnt. Wieweit die Ausweitung auf die „Verwaltung“ – so der ausdrückliche Anspruch der im Rechtschreibrat versammelten Reformdurchsetzer – überhaupt berechtigt ist, steht dahin. Es gibt zwar Anweisungen einzelner Ministerien und Dienststellen, über deren Rechtmäßigkeit ist aber meines Wissens nie gerichtlich entschieden worden. Eisenberg geht aber noch weit über die „Verwaltung“ hinaus. Er scheint sogar die Hochschullehrer auf die Orthographie der Kultusminister verpflichten zu wollen, was mit der Freiheit von Forschung und Lehre in Konflikt gerät.

Fast alle Institutionen, die Eisenberg vom Gendern abhalten will, tun es schon mehr oder weniger. Was werden sie zu diesem Angriff sagen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2019 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40522

Wenn man heute jemandem erzählt, daß z.B. in Baden-Württemberg Lehrerinnen im Fall der Heirat aus dem Dienst ausscheiden mußten (Lehrerinnenzölibat), stößt man wahrscheinlich auf Unglauben. Der Feminismus hatte keinen Anteil an der Änderung von Zeitgeist und Gesetzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2019 um 07.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40464

Aus einem anderen Eintrag gehört auch hierher:

Römer und Römerinnen erobern im 1. Jh. v. Chr. den Ostmittelmeerraum. (Neue Jugendbibel mit Kommentar und Lexikon, hg. vom Deutschen Katecheten-Verein. Verlag Katholisches Bibelwerk 2002)

Von einer Römerin erobert zu werden muß nicht so schlimm sein (vgl. Goethe).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.01.2019 um 20.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40451

Ziemlich unglaubhaft ist auch, daß Seemänner und Seefrauen eine unterschiedliche Sprache sprechen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2019 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40450

Die VeranstalterInnen des Boys’ Days haben sich dieses Jahr unter dem Motto „Geschichte zum Anfassen: Wir bauen eine Römerboot“ etwas Besonderes ausgedacht und möchten die Schüler an dem Bau eines römischen Patrouillenbootes beteiligen. An diesem Tag werden ProfessorInnen der Universität interessante Informationen zum Bau des römischen Patrouillenbootes aus kulturwissenschaftlicher, geschichtlicher und archäologischer Sicht präsentieren sowie ein Quiz mit Schülern zur Seemannssprache im Englischen durchführen, dass die Fächer Englisch, Deutsch, Geschichte und Nautik miteinander verbindet. Im darauffolgenden Praxisteil haben die Schüler dann die spannende Möglichkeit den Bootsbau aktiv mitzuerleben. (Büro für Gender und Diversity der Universität Erlangen 6.3.17)

Ein Fach "Nautik" kennt die Schule zwar nicht, wohl aber Grammatik und Rechtschreibung, eigentlich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.12.2018 um 22.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40438

Der Wirt schafft in
der Wirtschaft.

Wirt und Wirtin sind dann wohl Wirtschaffende.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.12.2018 um 18.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40437

Das Suffix "-schaft" bedeutet nicht immer, daß etwas "geschaffen" wurde, z.B. in "Eigenschaft", aber eine Dissertation im Ingenieurwesen kann durchaus etwas Neues schaffen, z.B. eine neue Maschine oder ein besseres Verständnis von technischen und physikalischen Vorgängen. Hier dauert eine Dissertation ja auch viel länger als in anderen Fächern.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.12.2018 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40436

Zu #40430, nämlich daß ein Wissenschaftler erst einmal Wissen erwerben muß, paßt auch der Beitrag im MM vom 15.12.2018, Beilage S. 5 (auf diesen bezieht sich die Leserkritik aus http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#40432). Der MM schreibt über den Autor des kritisierten Artikels:

Hasan-Hüseyin Kadioglu (24) kommt aus dem behaglichen Ansbach in Mittelfranken und war bis Oktober dieses Jahres Volontär, also auszubildender Journalist, dieser Zeitung [...] Der Politikwissenschaftler macht derzeit seinen Master Conflict Resolution in Divided Societies am King’s College London.

Ich finde, einen Studenten sollte man wirklich erstmal seine Abschlüsse machen lassen, bevor man ihn Wissenschaftler nennt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2018 um 06.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40433

Die Naturwissenschaftsredakteurin Sibylle Anderl (FAS zu Silvester 2018) gibt einen kurzen Einblick in die vielen Zuschriften von Menschen, die die Weltformel oder etwas ähnliches entdeckt zu haben glauben. Nebenbei erwähnt sie, daß es sich dabei stets um Männer handelt. Diese Tatsache hat noch kein Genderologe erklären oder wegdiskutieren können. Mit einem gewissen Typ von Sprachkritikern verhält es sich genau so. Die Rechtschreibreform wurde ja auch von Männern erdacht; unter den Kritikern waren anfangs viele Frauen, aber sie scheinen die Lust verloren zu haben. Das kann an gesunder Abwehr von Besserwisserei liegen, es kann auch ein Mangel an jener Hartnäckigkeit oder Verbissenheit sein, der Männer oft in den Wahnsinn, aber manchmal auch zu schönen Entdeckungen oder Erfindungen treibt. Gerade wurde kritisiert, daß Patentanmeldungen fast nie von Frauen kommen; angeblich würden sie nicht genug „gefördert“. Das scheint aber bei weitem keine ausreichende Erklärung zu sein.
(Anderl warnt junge Wissenschaftler davor, sich auf eine Diskusssion mit solchen Originalgenies einzulassen: es führt zu nichts. Kürzlich habe ich einem bekannten Physikquerulanten, der Einstein widerlegen kann und Neutrinos und vieles andere für nichtexistent hält, geantwortet, daß ich seine Thesen kenne – nur um ihn von deren Darlegung abzuhalten. Prompt fragte er mich, was ich davon halte. Ich habe aber nicht mehr geantwortet.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2018 um 04.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40430

Unsere Partizipienliebhaber (Philometochoi) haben sich vor einigen Jahren die Wissenschaffenden ausgedacht und glauben wohl wirklich, daß die Wissenschaft so heißt, weil sie Wissen schafft. (Vgl. Grillparzers Kalauer: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.)

Die Zentrale Frauenbeauftragte der Freien Univesität (sic) Berlin hat den neuen Rundbrief für Wissenschaffende 2/2015 mit dem Schwerpunkt: Queer herausgegeben.

Manche Wissenschaftler sollten, bevor sie Wissen zu schaffen versuchen, erst einmal Wissen erwerben.

(Übrigens liefert Google für die Fehlschreibung Univesität rund 26.000 Belege.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2018 um 04.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40419

Im Englischen KANN Sam auch ein weiblicher Vorname sein, in heutigen Fachtexten MUSS es ein solcher sein:

The view that is ruled out is that for Sam to judge that ducks run is for her to perform an operation on representations of a radically different kind than those on which she would operate were she to make a corresponding assertion. (https://mindmodeling.org/cogsci2010/papers/0031/paper0031.pdf)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.12.2018 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40417

In Wirklichkeit (aber in der leben diese Leute ja nicht) gibt es keinen »letzten, chirurgischen Schritt«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.12.2018 um 06.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40415

Übrigens wundere ich mich immer über meine eigene Unfähigkeit, mich in Menschen hineinzudenken, die sich im falschen Körper fühlen und unbedingt zum anderen Geschlecht wechseln wollen. Wie wäre das denn, wenn ich mich als Frau fühlte? Das muß etwas ganz anderes sein, als sich sexuell zu eigenen Geschlecht hingezogen zu fühlen (was sich wohl jeder von uns als mehr oder weniger entfernte Möglichkeit immerhin noch vorstellen könnte), aber was? Ich weiß von mehreren Männern, die alles Erdenkliche auf sich nehmen, um endlich als Frauen leben zu können, angefangen von der Stimmtherapie bis zum letzten, chirurgischen Schritt. Irgendwie verblaßt das ganze modische Gender-Gerede vor solchen Fällen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.12.2018 um 19.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40413

Doch, die Operationen sind nötig, denn mit denen und mit den teuren Hormonen wird doch das Geschäft gemacht.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 25.12.2018 um 12.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40412

OP ist gar nicht nötig, es bestimmt doch jede/r/s ihr/sein Geschlecht selbst. (Notfalls nach Tageszeit oder Wetterlage.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.12.2018 um 11.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40411

Aus Sicht der Geschlechterforschung liegt keine Diskriminierung vor, weil die Mädchen ja jederzeit leicht zu Knaben umoperiert werden können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.12.2018 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40410

Knabenchöre bestehen – wie der Name schon verrät – ausschließlich aus männlichen Sängern. Ein Verstoß gegen das Grundgesetz, meint die Berliner Rechtsanwältin Susann Bräcklein und versucht dagegen vorzugehen.
Dass in Knabenchören wie den berühmten "Thomanern" keine Mädchen singen dürfen, ist nach Ansicht der Berliner Rechtsanwältin Susann Bräcklein ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz. Wenn Mädchen keinen Zugang zu bekannten Knabenchören hätten, die staatlich gefördert würden, sei dies eine Diskriminierung nach Artikel 3, Abs. 3 der Verfassung, der Benachteiligung aufgrund des Geschlechts verbietet, sagte die Juristin dem Evangelischen Pressedienst.
(domradio.de 22.12.18)

Es gibt Knabenchöre, Mädchenchöre und vor allem gemischte Kinder- und Jugendchöre, darunter alle Schulchöre im Zeichen der Koedukation. Es gibt auch Posaunenchöre, in denen keine Streicher geduldet werden – ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.12.2018 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40408

Der „Skeptiker“ gendert brav (jedenfalls im Fließtext) und pflegt auch die Partizipien bis zum Lächerlichen, aber die unaufgeklärten Anhänger der Alternativmedizin bleiben einfach Anhänger. Das ist wie mit den „Dauerausscheidern“ und anderen unangenehmen Zeitgenossen, die auch in den Wörterbüchern männlich bleiben dürfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2018 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40401

Feministinnen wie Evelyn Fox Keller haben irrigerweise in der Alchimie eine Art Rehabilitation der Frau gegenüber der "mechanistischen" männlich-dominanten Wissenschaftsauffassung Bacons sehen wollen. William R. Newman und viele andere haben es widerlegt. Es kam meistens darauf an, das unreine Weib völlig entbehrlich zu machen, den Homunculus ohne weibliches Zutun zu erzeugen. Bezeichnend auch dies aus (Pseudo-)Paracelsus De natura rerum:

Nun aber damit ich widerumb auf mein fuernemen kom, von dem basilisco zuschreiben, warum und was ursach er doch das gift in seinem gesicht und augen habe. Da ist nun zu wissen, das er solche eigenschaft und herkomen von den unreinen weibern hat, wie oben is gemelt worden. Dan der basiliscus wechst und wird geboren aus und von der groessten unreinikeit der weiber, aus den menstruis und aus dem blut spermatis.

Also da ist nicht viel zu holen, vgl. auch Wouter J. Hanegraff, Jeffrey J. Kripal; Hidden Intercourse: Eros and Sexuality in the History of Western Esotericism. Leiden 2011.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2018 um 04.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40397

Selbst beim Ventilatorenhersteller EBM-Papst, der vor allem Maschinenbauer und Elektrotechnikerinnen sucht, sieht es so düster nicht aus. (ZEIT 21.12.18)

Es ist unwahrscheinlich, daß die Firma Elektrotechnikerinnen sucht; das ist eine Zutat der politisch korrekten ZEIT.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2018 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40384

Jeremy Corbyn soll im Parlament stupid woman vor sich hingemurmelt haben. Ist das frauenfeindlich? Er hat ja nicht gesagt, daß er May für dumm hält, weil sie eine Frau ist (mit der unausgesprochenen, für den Schluß notwendigen Prämisse "Frauen sind dumm").
Der Vorwurf ist bezeichnend für die eher assoziative als logische Vorgehensweise heutiger Tugendwächter. Ähnlich die Klage gegen das Wort Altweibersommer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2018 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40351

Der vorige Eintrag war durch Schlagzeilen über Kinderehen veranlaßt. Ich wollte noch etwas aus meinen Erinnerungen nachtragen. Ich habe nette alte Menschen, die im Dritten Reich selbst rassistische Verfolgung mit knapper Not überlebt hatten, rassistische Ansichten äußern hören, die mich erstaunten. Es stand für sie fest, daß es minderwertige Rassen gibt, und die politischen Unruhen in Südamerika zum Beispiel führten sie auf die Rassenmischung zurück. Natürlich fange ich in solchen Fällen keine Diskussion an, sondern höre schweigend zu und mache mir Gedanken über unsere Befangenheit im "Zeitgeist". Sich nicht über andere erheben, sondern immer dazulernen.

Es ist der Hintergrund der Semantik, und hier spielt sich auch der Wandel ab, der die "Kreativität" unserer Sprache ausmacht, nicht die Kombinatorik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2018 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40350

Nebenbei gefragt: Es scheint ja festzustehen, daß die Pubertät bei Mädchen immer früher einsetzt. Nun teilen aber Mediävisten mit, daß in der adeligen Gesellschaft des Mittelalters Geburten von Müttern im Alter von 15 und sogar 12 Jahren immer wieder belegt sind. Old enough to bleed... der kaltschnäuzige Vers scheint wörtlich verstanden worden zu sein, ohne daß jemand Anstoß nahm. Freilich war ein früher Beginn ratsam, weil die Frauen ohnehin nicht alt wurden. Aber was wird aus der Akzeleration?

Durch die moderne Ausdehnung der "Kindheit" im rechtlichen und moralischen Sinn sind manche Probleme entstanden. Jedenfalls haben sich unsere Begriffe und Anschauungen gewandelt. Erst gestern erzählte mir ein betagter Bekannter, wie er und seine Geschwister im Nachkriegsdeutschland rangenommen wurden, aus heutiger Sicht skandalöse Kinderarbeit.

Etwas später fanden die meisten von uns Jungs, daß die Haartracht der Beatles tatsächlich das Allerletzte war und Elvis sowieso der Inbegriff des Verwerflichen, worin die USA wieder mal vorangingen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2018 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40219

Der "Tagesspiegel" meldet radikalkonformistisch:

Studierendenrekord

Aber dann doch:

Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer ist mit einem Studenten aneinandergeraten.

Denn sogar die Leser dieser Zeitung würden nicht glauben, daß der junge Mann nachts auf der Straße studierte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2018 um 03.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40175

"Divers" – das ist Wasser auf die Mühlen der Abmahnvereine, ich meine natürlich: Geld in die Kassen.

Berlin hinkt mal wieder hinterher mit dem geplanten Frauen-Feiertag am 8. März.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2018 um 18.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40168

Noch einmal Lann Hornscheidt:

Ex steht für Exit Gender, das Verlassen von Zweigeschlechtlichkeit. Diese Formen haben Lio Oppenländer und ich zusammen uns ausgedacht.
Ein Beispielsatz: „Lann liebt es mit anderen zu diskutieren. Ex lädt häufig dazu ein, einen Roman zu besprechen. Lann ist Lesex von vielen Romanen.“
Die Endung kann an den Stamm von Personenbezeichnungen angehängt werden: Schreibex, Schwimmex, Musikex. Die Form drückt aus, dass die Person, die so bezeichnet wird, sich als entzweigendernd versteht, als nicht weiblich oder männlich. Die Form ist identisch in allen Fällen. Ein Beispielsatz: „Lann und ex Freundex haben ex Rad bunt angestrichen.“


(http://www.lannhornscheidt.com/)

Jeder kann machen, was er will. Eine andere Frage ist, ob außer den Freundexen irgend jemand es lesen mag. Daran sind bisher alle Neuerungen gescheitert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2018 um 10.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40108

In der FAZ diskutieren zwei Professoren über Zulassen oder Verbieten von Handys usw. in Lehrveranstaltungen. Der Österreicher spricht stets von "Studierenden", auch im Singular: "der Studierende". Aber das macht den feministischen Gewinn wieder zunichte.

Der andere, ein Anglist, der möglichst alles digitalisieren will, strebt ausdrücklich an, überhaupt kein Wissen mehr zu vermitteln, nur noch Medienkompetenz, und scheint es darin schon weit gebracht zu haben. Eigentlich würde man ein solches Ziel eher dem anderen, einem Juristen, zuschreiben wollen, denn das juristische Wissen ist eher externalisierbar als das philologische.
Aber wenn man Englischlehrer ausbildet, die ebenfalls nichts wissen, sondern nur nachzuschlagen verstehen, dann fällt die Besonderheit der Ausbildung durch einen unwissenden Professor nicht weiter auf.

Der Jurist (Prof. Vec) setzt eher auf das Charismatische, das besondere Erlebnis, wenigstens ein Zeitlang nicht am Bildschirm, sondern in leibhaftigem Kontakt mit einer Person studiert zu haben. Aber er steht wohl auf verlorenem Posten. Die Bundesregierung setzt ja voll und ganz auf die industriefreundliche Lösung.

Ob Philologen, die gar nichts mehr wissen (keine Karikatur, Prof. Handke sagt es ja selbst!), irgend etwas Neues, noch nicht Aufbereitetes, entdecken werden? Oder werden die Maschinen und Programme auch dies noch erledigen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2018 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40058

Justizministerin Barley will das Wahlrecht ändern, damit im Bundestag mehr Frauen sitzen (idealerweise ebenso viele wie Männer).

Das wäre ein weiterer Schritt zur Aushöhlung der Demokratie zugunsten des Proporzes. Keiner Frau geschieht ein Unrecht, wenn weniger Frauen in irgendeinem Gremium sitzen. Die Gleichheit bezieht sich nach dieser Ideologie auf Kollektive, nicht mehr auf die einzelne Person und deren Chancen. Aber soweit denken viele Menschen nicht. "Parität überall!" klingt ja auch zu schön, da kann man doch nicht nein sagen.

Übrigens hat in Bayern der Wähler bisher noch die Möglichkeit, bestimmte Personen innerhalb der Liste nach vorn zu wählen. Das müßte auch geändert werden, sonst wählt er am Ende noch Männer an den Kandidatinnen vorbei an die Spitze!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2018 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40053

In seiner neuen Geschichte der Erlanger Universität erwähnt Gregor Schöllgen, daß die "Frauenzeitschrift EMMA" Emmy Noether zur bedeutendsten Mathematikerin des 20. Jahrhunderts gekürt habe. Das wird sie wohl gewesen sein (ich kann es so wenig beurteilen wie Schöllgen), aber EMMA ist vielleicht nicht die geeignetste Instanz.

Schöllgens Qualitätsmerkmale für Professoren sind die Zahl ihrer Bücher und die Öffentlichkeitswirkung. In beidem glänzt er selbst. Noether müßte eigentlich schlecht abschneiden, weil sie wie die meisten Mathematiker fast nur Aufsätze geschrieben hat.
Auch in anderen Fächern (z. B. der gar nicht erwähnten Indogermanistik) enthalten eine Handvoll Aufsätze oft mehr Wissenschaft als ein Dutzend "Monographien" (zumal der kompilierenden Art).

Nebenbei möchte ich bemerken, daß in diesem offiziösen Buch (vom Rektor vorgestellt und an alle Hochschullehrer verschickt) erstaunlich scharfe Urteile über noch lebende Kollegen gefällt werden. Zum Beispiel in der Philosophie:
Auf die „Blütezeit“ des Erlanger Konstruktivismus (Lorenzen, Kamlah) folgte Manfred Riedel als „bedeutender Vertreter der praktischen und breit aufgestellter Interpret der klassischen Philosophie“. „Als man 1996 einen nicht habilitierten Philosophen ohne erkennbares Profil auf diesen Lehrstuhl berief, der sich bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand gerade einmal zwei schmale Monographien abzuringen vermochte, begann der Niedergang. (...) Es gibt Ordinarien, die wie dieser wissenschaftlich und publizistisch krass versagen (...)“.

Der Geschmähte ist für Hiesige leicht zu identifizieren. Ich bin nicht mit ihm befreundet, aber ich frage mich, ob ein solches Buch der richtige Ort ist, persönliche Hühnchen zu rupfen. Wenn man nichts Positives über einen Kollegen sagen kann, sollte man ihn (wie 1000 andere) eher nicht erwähnen, als solches Gift ins doch immer noch bestehende Kollegium zu spritzen. Schließlich trifft man einander bei vielen Gelegenheiten, so auch bei der Vorstellung dieses Buchs...

Am ausführlichsten gelobt wird ein ebenfalls nicht namentlich bezeichneter Historiker, der für die kommerzielle Verwertung der Wissenschaft als "Dienstleistung" bekannt geworden ist: Schöllgen selbst. S. auch https://www.gregorschoellgen.de/de/Willkommen.

S. https://www.sueddeutsche.de/bayern/erlangen-fau-fakultaet-schoellgen-1.4241927
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 07.11.2018 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#40038

Zur "geschlechtergerechten Sprache" hier ein interessanter Artikel in der NNZ:
https://www.nzz.ch/meinung/lassen-wir-die-sprache-menschlich-sein-ld.1433844
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2018 um 03.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39998

Was für eine "Meinung"? Wie soll die Frage lauten? Und wie und wozu soll das "ausgewertet" werden?

Ich frage nach, weil ich schon die vielen Meinungsumfragen zu Gerichtsurteilen hierzulande skeptisch sehe. Es geht nie darum, ob die Gesetze richtig angewendet worden sind, sondern immmer um das Strafbedürfnis des gesunden Volksempfindens.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.11.2018 um 20.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39994

Man sollte einmal eine repräsentative Umfrage unter allen in Deutschland Lebenden machen, welche Meinung sie zu diesem pakistanischen Gerichtsentscheid haben. Das Ergebnis sollte dann nach Religionszugehörigkeit ausgewertet werden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.11.2018 um 15.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39991

Es ist ihnen ja aufgefallen – deshalb die Sternchen-Schreibweise, die allerdings unaussprechlich ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.11.2018 um 15.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39990

Zur geschlechtlichen "Korrektheit" (#39982):

Kürzlich wurde ja das sogenannte dritte Geschlecht eingeführt. Da müßte es doch bald auch den PC-Fanatikern auffallen, daß sie mit "Bürgerinnen und Bürger" usw. ständig gerade das vermeintlich Falsche, die biologische Zweigeschlechtlichkeit, betonen. Ob das dem generischen Maskulinum wieder auf die Sprünge hilft? Daß sich diese Leute vielleicht mit ihren eigenen Waffen selbst beseitigen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2018 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39985

Der schrecklichste der Schrecken: die haßerfüllten Gesichter der Männer, die in Pakistan gegen den Freispruch einer wegen Blasphemie zum Tode verurteilten Christin demonstrieren. Sie wollen diese Mutter von fünf Kindern steinigen. Fürsprecher sind bereits ermordet worden. Die Richter sind auch gefährdet, ihr Mut verdient Bewunderung.
Vor diesem Hintergrund scheint mir die Betonung der Geschlechtergerechtigkeit im UN-Entwurf berechtigt. Das ist kein Luxus-Feminismus wie bei unseren Sternchen-Liebhabern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2018 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39982

Personenbezeichnungen, die in diesem Dokument aus Gründen der Lesbarkeit nur in der männlichen Form wiedergegeben sind, umfassen Personen jeden Geschlechts. (Entwurf des UN-Pakts zur Migration)

Ich empfinde diese inzwischen weit verbreitete Klausel als irgendwie beschämend. Als ob die deutsche Sprache, wenn man sie "korrekt" gebrauchte, unlesbar wäre. Man gebraucht sie also unkorrekt und entschuldigt sich ausdrücklich dafür. Wann hat es je so etwas gegeben?

Der Text selbst gebraucht sehr oft den Ausdruck geschlechtersensibel (= gender-responsive), was man ihm zum Teil nachsehen kann, weil es um die Rechte der Frauen gerade in vielen Herkunftsländern (und auf dem Migrationsweg) schlecht bestellt ist. Das hätte man offener sagen können, aber dann wären einige Lander ausgestiegen.

Ich habe den Text gelesen und finde nichts, was die rechtsgerichtete Polemik und die überraschenden Ausstiegsabsichten einiger Mitverfasser rechtfertigen würde. Aber es ist schon klar, daß die Gerüchte über die Wahrheit siegen werden, schon weil letztere die unzumutbare Arbeit der Lektüre voraussetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2018 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39969

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39797

Nach einigem Hin und Her wendet sich in der FAZ heute der Historiker Manfred Hettling gegen die Verpflichtung der Historiker auf bestimmte "Lehren der Geschichte". Ganz gut zu lesen. Meine Meinung dazu:

In der Deutung der Geschichte kommt man über viel Wissenswertes (Jacob Burckhardt) – und eben Meinungen nicht hinaus, in der Deutung wird man niemals Einigkeit erzielen, darum sind solche Appelle und Deklarationen wie vom Historikerverband grundsätzlich verfehlt.

Darum sollte man ja auch in gewissen Umgebungen nicht über Politik und nicht über Religion diskutieren, wenn man sich nicht verfeinden will.


Hettling erzählt eine schöne Anekdote, die mir bisher unbekannt war und die ich hier in der Fassung Kosellecks wiedergebe:

Friedrich von Raumer, bekannt als Historiograph der Hohenstaufen, berichtet uns aus dem Jahre 1811, als er noch Sekretär Hardenbergs war, folgende Episode: Bei einer in Charlottenburg gehaltenen Beratung verteidigte Oelssen [Sektionschef im Finanzministerium] lebhaft die Ausfertigung vielen Papiergeldes, um damit Schulden zu bezahlen. Als alle Gegengründe nicht anschlugen, sagte ich (meinen Mann kennend) mit übergroßer Kühnheit: „Aber Herr Geheimer Staatsrat, erinnern Sie sich doch, daß schon Thukydides erzählt, wie große Übel entstanden, weil man in Athen zuviel Papiergeld gemacht hatte.“ – „Diese Erfahrung“ erwiderte er beistimmend, „ist allerdings von großer Wichtigkeit“, – und so ließ er sich bekehren, um den Schein der Gelehrsamkeit festzuhalten. Raumer bemühte in den hitzigen Debatten um die preußische Schuldentilgung eine Lüge, denn er wußte, daß die Antike niemals Papiergeld gekannt hatte. Aber er riskierte seine Lüge, weil er – rhetorisch an die Schulbildung seines Opponenten appellierend – deren Wirkung einkalkulierte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2018 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39966

Die ZEIT über Blackrock und Friedrich Merz:

Dabei ist die Fondsgesellschaft tief in der deutschen Wirtschaft verankert. So tief, dass es einige Expertinnen und Experten beunruhigt. (...) Blackrock ist ein Unternehmen, das das Geld seiner Kundinnen und Kunden weltweit in Fonds sammelt und vor allem in Aktien investiert.

Am Anfang zweimal Pfötchen geben, aber im Rest des Artikels wird nicht mehr gegendert; das Maskulinum bleibt die unmarkierte Form.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2018 um 17.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39849

Oli Herbert war einer der Gründungsmitglieder, die die Gruppe 1998 ins Leben riefen. (t-online 18.10.18)

Diesen Fehler findet man tausendfach, wahrscheinlich widerstrebt es den Schreibern, sich mit es auf eine männliche Person zu beziehen (vgl. das Mädchen ....sie).

Es gäbe sogar eine gewisse Rechtfertigung, wenn man versteht: "Unter den Gründungsmitgliedern ist einer..." (nämlich ein Mann).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2018 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39820

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32554

B. F. Skinner had made corrections to his personal copies of Verbal Behavior. His notations are shown below.
[Skinner typed and pasted on the front fly leaf the following statement:]
If Verbal Behavior were published today (1987), it would be different in two ways. I would avoid sexist terms and I would not speak of "reinforcing people." I have thought of revising the manuscript in these respects but it would be a very laborious task.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2018 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39814

Zur Erinnerung: Große Verehrung genoß und genießt noch immer die Feministin Sandra Harding.

Harding referred to Newton’s Principia Mathematica as a "rape manual" in her 1986 book "The Science Question in Feminism", a characterization that she later said she regretted. (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2018 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39799

Dann wäre die Universität allerdings schon tief gesunken. Man kann die Thesen der Gender- und Diversitätsideologie vorsichtig als umstritten bezeichnen. (Einige Staaten schaffen die Förderung ab.) Das heißt, die Wissenschaftler, deren Korporation die Universität doch eigentlich sein sollte, diskutieren noch. Dann kann ihr gewählter Vertreter doch nicht von oben herab dekretieren, was allenfalls das Ergebnis sein könnte.
Die Professoren nehmen es bisher hin, weil sie das Blabla auf der Website sowieso nicht ernst nehmen – sofern sie es überhaupt kennen.
 
 

Kommentar von Frank Daubner, verfaßt am 10.10.2018 um 16.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39798

Nun, ein großer Unterschied ist der, daß die Universitätsleitung immer als irgendwie geartete "Obrigkeit" gesehen werden kann, die im Zweifelsfall ohnehin gegen das fachliche und persönliche Interesse des Professoren arbeitet, während der Historikerverband als Berufsverband doch unseresgleichen sein sollte. (Ich bin schon vor Jahren wegen anderer Dinge ausgetreten.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2018 um 14.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39797

Der Historikerverband wird kritisiert, weil er, ohne ein allgemeinpolitisches Mandat zu haben, eine Resolution gegen rechts verabschiedet hat, noch dazu mit einem sehr zweifelhaften Akklamationsverfahren. Man kennt das ja aus früheren Zeiten, als Astas Resolutionen für die Vietcong verabschiedeten, alles hübsch demokratisch mit Mehrheiten usw.

Nun aber: Ist es denn etwas anderes, wenn Universitäten von ihren Rektoraten auf Gender mainstreaming und die "Charta der Vielfalt" verpflichtet werden, ohne daß die Professoren überhaupt gefragt worden wären?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.10.2018 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39795

»Nikki Haley ist eine der wenigen Politikerinnen, die das Trump-Team verlassen und durch die Zeit in seiner Regierung nicht als politisch beschädigt gelten.«

(http://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/rueckzug-der-un-botschafterin-nikki-haley-haelt-sich-bedeckt-15830206.html)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2018 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39782

Die Schweiz übt nicht zuletzt wegen seines hoch entwickelten Finanzdienstleistungssystems eine ungebremste Anziehungskraft auf ausländisches Kapital aus. (https://www.geldwaescherei.ch/)

Das massenhafte Vorkommen solcher Kongruenzfehler auf engstem Raum beweist, daß das grammatische Genus keine starke funktionale Last mehr trägt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2018 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39729

Das Gendern ist immer noch überwiegend eine Duftmarke der Grünen, dann auch der SPD, wo man folglich die "Kandidierenden" am meisten findet; aber es breitet sich aus. Überraschenderweise scheint nach Google-Suche die Schweiz hier einen Schritt voraus zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2018 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39725

abgeordnetenwatch.de fragt: Welche Positionen vertreten Ihre Kandidierenden?

 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.10.2018 um 00.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39715

Dieselfahrerinnen und Dieselfahrer!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2018 um 03.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39705

„Alles Handeln ist politisch.“ (Lann Hornscheidt, zustimmend zitiert in einem neuen Dudenbuch über Gendern)

So reden sie daher, denken sich nichts dabei. „Politisch“ müßte also in die Definition von „Handeln“ eingehen. Vielleicht als Unterscheidungsmerkmal gegenüber „Verhalten“? Man weiß es nicht, weil es eben bloß Geplapper ist.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass beim generischen Maskulinum im Gehirn auch ein männlicher Prototyp entsteht. (https://digitalcourage.de/themen/feminismus/leitfaden-fuer-eine-gendergerechte-sprache)

Natürlich nicht. Die Experimente (übrigens ziemlich praxisfern und methodisch fragwürdig) waren traditionell psychologisch angelegt und hatten nichts mit Neurologie zu tun.

Die Sprache der Zeitungen ist mit ihrem Massendurchsatz wahrscheinlich die mächtigste Ausformung der Schriftsprache überhaupt. Sie ist vom Gendern so gut wie unberührt. Um so weltfremder wirken die immer weiter gehenden Entstellungen in der selbst- oder fremdverordneten Sprache von Behörden und Konventikeln. Irgendwann wird man es satt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2018 um 04.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39694

In einer neuen Studie zeigte sich, dass Personen, die sich mediterran ernähren, deutlich weniger von Depressionen bedroht sind. Die Forschenden schlagen daher vor, eine Ernährungsberatung in die Depressionstherapie zu integrieren. (...) Die Forschenden analysierten Daten aus 41 Studien... (heilpraxis.net 29.9.18)

(Zwischendurch Wissenschaftler)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2018 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39676

DUDEN macht jetzt auch in "Streitschriften", vor allem zum Gendern. Zum Beispiel:
"Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen" von Anatol Stefanowitsch

Außerhalb der Gemeinde finden sie wenig Anklang. Es gibt ja auch schon sehr viel davon.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 25.09.2018 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39660

Zu #39646:

Die wortwörtliche Übersetzung “im Austausch für“ ist natürlich verfehlt.

Im Deutschen würde man einfach „gegen“ oder, wenn man es umständlich mag, „als Gegenleistung für“ sagen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.09.2018 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39649

Beispiel für Normaldeutsch aus dem gestrigen MM, Seite 1:

Ohne Migranten kollabiert Pflegesystem
In Deutschland fehlen viele Tausend Pflegekräfte und Ärzte. Ohne Personal aus dem Ausland kollabiert das System, sagen Experten. Daher werden Flüchtlinge zu Pflegern ausgebildet. > Seite 4

Im ausführlichen Artikel auf Seite 4 genauso. Wäre dieser Text konsequent durchgegendert, wäre er kaum noch lesbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2018 um 19.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39646

Wikipedia über den Philosophen John R. Searle:

Im März 2017 wurde öffentlich, dass Searle sexualisierte Gewalt gegen eine 24-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin vorgeworfen wird. In diesem Zusammenhang wurden mehrere weitere entsprechende Fälle bekannt. Die Direktorin des John Searle Center for Social Ontology erklärte, Searle habe mehrfach sexuelle Beziehungen zu Studentinnen im Austausch für akademische und finanzielle Vorteile gehabt.

Man sieht, wie der Gewalt-Begriff gedehnt wird. Schon die Rede vom „Austausch“ widerlegt den Gewalt-Vorwurf. Es ging um ein Geschäft, jede Partei hatte etwas zu geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2018 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39645

Bezeichnenderweise bleibt der innerbetriebliche Sprachgebrauch meistens beim generischen Maskulinum ("Kunde" usw.). Nun nach außen hin fügt man sich der feministischen Tyrannei. Der beste Beweis, daß man das Ganze für Firlefanz hält. Normaldeutsch ist nicht ganz und gar vergessen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2018 um 04.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39627

Lesenwert: https://www.nzz.ch/feuilleton/ian-buruma-chefredaktor-der-new-york-review-of-books-verlaesst-das-blatt-nach-strittigem-artikel-zu-metoo-ld.1421900

Die Affäre Buruma zeigt, wie gefährlich die Anschuldigungskultur von #MeToo allmählich wird. Jeder Vorwurf, der aus dieser Richtung kommt, ist ein Selbstläufer, wie bei den Hexenprozessen.

Kandidat Kavanaugh soll sich als – wie ausdrücklich gesagt wird – sturzbetrunkener Teenager an ein Mädchen herangemacht haben. Dagegen zählt sein ganzes Leben nichts. Vom Werfen des ersten Steins scheint die christlichste aller Nationen noch nichts gehört zu haben. (Oder gerade doch? "Wer unter euch den ersten Stein wirft, ist unschuldig." So ähnlich hat doch Jesus gesprochen.)
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 20.09.2018 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39612

Jüngst las ich einen Text, in dem jemand im EU-Wahlprogramm der „Grünen” (offiziell wohl: „Grün*innen”) die Genderisierung systematisch, wenn auch unvollständig, untersucht hat. Bei all den vielen Ungereimtheiten und Misoandrismen (oder wie immer das heißt...) ist möglicherweise noch niemandem aufgefallen, daß die befohlene Schreibnorm bei vielen Worten schlichtweg Unfug erzeugt, bspw.:

Beamter - Beamte/Beamtinnen
Bauer - Bauern/Bäuerinnen
Jude - Juden/Jüdinnen

Die offiziellen Grün*innen-Konstrukte „Beamt*innen”, „Bäuer*innen” und „Jüd*innen” sind übel sexistisch (um nicht zu sagen: blödsinnig), denn hier bleibt nur die feminine Form übrig. Gäbe man sich Mühe, entstünde etwa „Beamte*r*innen” „Ba*ä*u*ern*innen” und „J*u*ü*d*e*innen”.

Wer wählt so etwas?!?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.09.2018 um 16.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39596

Genau, denn in
Bürgerinnen- und Bürgermeisterinnen- und -meisterkandidatinnen und -kandidaten
kämen ein paar unsinnige Kombinationen vor. Ebenso in
BürgerInnenmeisterInnenkandidatInnen
Darum geht es nur auf diese Art:

Bürgerinnen- und Bürgermeisterinnenkandidatinnen und -meisterkandidaten
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.09.2018 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39594

Noch ein paar schöne Beispiele: Bürgermeisterinkandidatin, Kanzlerinkandidatin, Beamtinanwärterin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2018 um 15.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39592

Inzwischen wird bekannt, daß einer der bisherigen Staatssekretäre in den einstweiligen Ruhestand versetzt wird, ein SPD-Mann. Die acht sind ja auch schon mehr als in jedem anderen Ministerium.

(Über die Wegbeförderung Maaßens zerfleischt sich inzwischen die SPD, sicher nicht zum Mißfallen der Union.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2018 um 06.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39589

Maaßens Wegbeförderung ist eigentlich kein Aufreger, da gibt es ganz andere Fälle.
Bemerkenswert ist aber, daß zu Seehofers acht männlichen Staatssekretären nun noch ein neunter hinzukommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2018 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39586

Danke für den Hinweis! Es wurde Zeit, wieder mal nachzusehen. Besonders BürgerInnenmeisterInnen kommt vor, meistens nur als Beispiel gegenderten Redens, aber auch schon in wirklichem Gebrauch. Vgl. auch http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=693#6574.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.09.2018 um 23.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39585

Immer öfter wird auch das Erstglied von Zusammensetzungen mit durchgegendert:
Pfarrerinnen- und Pfarrertag.
Die Bürgerinnen- und Bürgermeisterinnen und -meister sind kein Witz mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2018 um 20.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39584

Er sprach beim Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag am 18. September vor 400 Pfarrern in Augsburg.
(https://www.idea.de/politik/detail/scharfe-kritik-beim-pfarrertag-am-kreuzerlass-von-soeder-106597.html)

Man sieht hier sehr schön, wie die Presse nach dem gegenderten offiziellen Namen sofort zur eigenen Normalsprache zurückkehrt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2018 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39578

Gut dem Dinge!
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.09.2018 um 14.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39576

https://virchblog.wordpress.com/2017/11/02/ihr-me-too/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2018 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39568

Kandidat Kavanaugh soll als betrunkener Teenager eine ebensolche sexuell belästigt haben, wie ihr gut 35 Jahre später einfällt, gerade rechtzeitig zur Kandidatur des Unholds. Nun nimmt die Gerechtigkeit ihren Lauf.

Männer, besinnt euch! Habt ihr nicht auch irgendwo einen dunklen Fleck in eurem Leben? Einen gescheiterten Annäherungsversuch, also sexualisierte Gewalt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2018 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39528

Was ist Materie? Diesen Titel schlug Michael Blume vor, als ich auf Facebook fragte, was sich meine Lesenden als Blog-Thema wünschen würden.“ (Joachim Schulz https://scilogs.spektrum.de/quantenwelt/warum-materie-hart-ist/)

Der Physiker hat sich auch ausdrücklich mit Gender in den Wissenschaften befaßt. Vermutlich spürt er, daß er kein richtiges Deutsch schreibt, kann sich aber nicht erklären, was an meine Lesenden falsch ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2018 um 06.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39525

Aufruf bei Wikipedia (wg. Urheberrecht):

An all unsere Lesenden in Deutschland

Viel nützt es nicht, denn im Singular haben wir denselben Schlamassel: mein Lesender/meine Lesende oder wie?

Die Anrede Lieber Lesender, liebe Lesende ist auch kein Scherz, sondern dutzendfach belegt. Aber dann hätte man gleich bei Lieber Leser, liebe Leserin bleiben können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2018 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39519

Fairerweise muß ich hinzufügen, daß solche Verhaltensrichtlinien heute nicht nur die Männer als Übeltäter ins Auge fassen. Soviel Gleichstellung muß sei. Auch Frauen machen Männer an, besonders beliebt scheinen "graphische" E-Mails zu sein. Da ist guter Rat teuer.
Einen großen Raum nehmen auch Beispiele ein, bei denen man nicht selbst Opfer, sondern nur Beobachter ist, und empfohlen wird auf breiter Front ein Verhalten, das man nur als Denunziantentum bezeichnen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2018 um 09.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39516

Das stimmt natürlich, ich hatte auch die "Übernahme" nur ironisch gemeint, in der Sache ist es eher eine absurde Konvergenz aus sehr verschiedenen Richtungen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.09.2018 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39515

Es handelt sich offensichtlich nicht um eine Übernahme aus dem islamischen Kulturbereich, sondern aus Kalifornien – einem Bundesstaat, aus dem die »weiße« Mittelschicht mittlerweile massenhaft abwandert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2018 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39514

Ich habe ein wenig Einblick in den Verhaltenskodex, den große Firmen entwickelt haben, um Diskriminierung, insbesondere sexuelle Belästigung unter Mitarbeitern zu verhindern. Dazu werden auch Schulungen mit abschließendem Test angeboten. Das Ganze wirkt oft weltfremd und unfreiwillig komisch.

Das Grundproblem bleibt naturgemäß ungelöst. Man kann Menschen nicht hindern, geschlechtliches Interesse an einander zu bekunden. Sie wissen aber nie, wie es ankommt; der Versuch bleibt also riskant. Die Bemerkung, Frisur oder Kleid stehe einer Frau gut, sei an sich nicht zu beanstanden, könne aber als Belästigung empfunden werden usw. – das ist eine der Formeln für das Dilemma. Die wirkliche oder instrumentelle Empfindlichkeit kann unendlich gesteigert werden.

Wir übernehmen freiwillig die strengste muslimische Leitkultur: ein Mann und eine Frau sollten nie allein im Zimmer oder im Fahrstuhl sein usw.

In der letzten FAS kritisierte eine schwedische Schriftstellerin den Widerspruch von Catherine Deneuve und anderen Frauen gegen MeToo. Das hing wohl auch mit Unterschieden zwischen schwedischer und französischer Flirtkultur zusammen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2018 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39509

Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, gratuliert in einer Anzeige den „Jüdinnen und Juden“ in Deutschland zum Neujahrsfest und zugleich zum „70jährigen Bestehen“ des Staates Israel. Wie man sieht, ist der Text durchgegendert (die Frauen werden immer zuerst erwähnt, was der Gleichbehandlung zuwiderläuft, sprachlich-stilistisch auch dem Gesetz der wachsenden Glieder), aber der Bindestrichgebrauch der Reformschreibung wird nicht beachtet.
Im übrigen ist nicht klar, ob der Text sich an die Juden wendet (dann wären die Belehrungen über den jüdischen Kalender nicht angebracht) oder über sie spricht, wie es zu Beginn scheint (trotz Großschreibung von „Ihren Familien, Freundinnen und Freunden“).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2018 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39384

tagesschau.de:
Ungarn will „Gender studies“ abschaffen.

Das Vorhaben könnte gegen die verfassungsrechtlich verankerte Wissenschaftsfreiheit und geltendes EU-Recht verstoßen.
Denn über die Einrichtung eines Studiengangs entscheiden in demokratischen Rechtsstaaten wissenschaftliche Kriterien – und nicht die Regierung.


Das stimmt doch gar nicht.

SPIEGEL dazu:

Die ungarische Regierung will den Studiengang Geschlechterforschung an staatlichen Universitäten verbieten. Was absurd anmutet, ist Teil einer kulturpolitischen Offensive gegen regierungsunabhängiges Denken.

Man sieht, wie gehirngewaschen der SPIEGEL ist. Was hat die „Geschlechterforschung“ mit ihrem ungeheuren Aufwand bisher entdeckt? Immer wieder wird erwähnt, der Anteil von Frauen an Kunst und Wissenschaft sei bekannter geworden. Bedarf es dazu ganzer Studiengänge und Hunderter von Professuren? Typische Themen dieser Art wurden auch vorher schon an Doktorandinnen vergeben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.08.2018 um 23.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39342

Mir ist noch nicht klar, ob jemand Diverses und jemand Männliches zusammen ein schwules oder ein heterosexuelles Paar bilden, und zusammen mit jemand Weiblichem ein lesbisches oder ein heterosexuelles Paar.

Selbstverständlich hingegen dürfte sein, daß ein Diverser mit einer Diversen ein Heteropaar bilden, während ein Diverser und ein weiterer Diverser eindeutig schwul und eine Diverse mit einer weiteren Diversen eindeutig lesbisch sind.

Auch im ersten Fall kommt es wahrscheinlich darauf an, ob sich das diverse Wesen lieber mit er oder mit sie referenzieren läßt bzw. ob es mit Herr oder mit Frau angesprochen zu werden wünscht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.08.2018 um 19.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39341

Divers sollte sich eigentlich schon wegen der Nähe zu pervers verbieten, aber bitte sehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2018 um 19.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39340

Ursprünglich hatte das Bundesinnenministerium "Anderes" als Name für die dritte Geschlechtsoption vorgesehen, was nicht nur von Interessensverbänden, sondern auch den SPD-Ministerinnen Giffey und Katarina Barely (Justiz) als diskriminierend zurückgewiesen wurde. Erst wurde die Bezeichnung in einem Referentenentwurf zu "Weiteres" abgeändert, jetzt also zu "Divers".

Segen des Fremdwortes! Allerdings könnte es sein, daß divers bald als diskriminierend empfunden wird, dann beginnt die nächste Runde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2018 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39195

Die vermeintlich geschlechtergerechte Sprache wird durchgezogen, "was immer es kostet". – Das ist ungefähr die Maxime dieser Leute. Eigentlich eine Art von Untertanengeist.
Aller Erfahrung nach ist es ausgeschlossen, daß alle Verantwortlichen vom Gendern überzeugt sind. In Wirklichkeit dürften sich die Meinungen etwa so verteilen wie in der übrigen Bevölkerung. Aber wie das in Gremien so ist: Man hält den Mund und macht mit; gruppendynamisch verdummt (um es schonend auszudrücken).
Aber wer würde solche Parteien wählen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2018 um 14.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39193

Der Text des Koalitionsvertrags nervt ungemein. Die Verfasser wissen offensichtlich nicht, was ein Nominalstamm ist, daher Bürger*innenschaftliches Engagement usw., und manchmal vertun sie sich auch in geradezu rührender Weise: Pädagogen*innen. Blödmänninnen eben.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.07.2018 um 11.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39192

Das Gegenteil von "innen" ist "außen". Es ergibt lustige neue Begriffe, "innen" spaßeshalber durch "außen" zu ersetzen: VerbraucherAußenschutz usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2018 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39189

Linke und Grüne sind für VerbraucherInnenschutz. Andernfalls würden zwar die Verbraucher geschützt, aber nicht die Verbraucherinnen. Die SPD Berlin schreibt im Koalitionsvertrag:

Die Koalition wird die verbraucher*innenpolitische Strategie in Berlin mit den Zielen fortschreiben, eine sozial verantwortliche Verbraucher*innenschutzpolitik sowie die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Verbraucher*innenentscheidungen zu fördern, Transparenz zu schaffen, Verbraucher*innenrechte zu stärken, die Realität in der Einwanderungsgesellschaft und die sozialen, interkultu­rellen und demografischen Besonderheiten in Berlin anzuerkennen und somit die Verbraucher*inneninteressen gegenüber den Marktinteressen der Wirtschaft zu stärken.

(Warum findet man solche Monstrositäten auf der linken Seite? Wo bleibt die BürgerInnenfreundlichkeit?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2018 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39137

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36366

"Redepult" statt "Rednerpult" ist inzwischen in vielen Ratgebern zum Gendern enthalten, auch sogenannte philosophische Fakultäten haben es beschlossen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2018 um 04.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39116

Eine solche Zweiteilung würde die zu Erziehenden auf falsche Gedanken bringen, ja traumatisieren. Alle sexuellen Zwischenstufen sind proportional zu berücksichtigen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.07.2018 um 23.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39114

Der Mannheimer Morgen schreibt heute auf Seite 1:

Männliche Erzieher fehlen
Der Anteil der männlichen Betreuer in den Kindertageseinrichtungen in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt. [...] Dennoch ist die Quote sehr gering.

Nach gewissen "Genderer*Innen" müßten Erzieher ja sowieso schon nur männliches Geschlecht haben.
Auch sonst noch 3- oder 4mal im Text ganz einfach und natürlich das generische Maskulinum Erzieher.
Und auf Seite 2 sagt eine Psychologin im Interview:

Am besten wäre es, wenn die Hälfte der Pädagogen männlich und die andere Hälfte weiblich wäre.

Es geht ja so leicht, wenn man nur will.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2018 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39095

Der neue Direktor des IDS, Henning Lobin, ist ein Befürworter der "geschlechtergerechten" Sprache. Man wird sehen, ob er das ganze Institut darauf verpflichtet. Dort ist man ja insgesamt nicht abgeneigt, die deutsche Sprache von oben zu verändern. Zur Rechtschreibreform hat sich keiner der sehr zahlreichen Mitarbeiter kritisch zu äußern gewagt, obwohl die meisten den Unsinn durchschaut haben dürften.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.07.2018 um 18.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39084

Die Babyboomerinnen wurden wieder einmal unterschlagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2018 um 13.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39083

Besonders hoch war die Geburtenrate in Deutschland schon einmal. Die in den Jahren zwischen 1950 und 1960 geborenen Menschen nennen Demographinnen und Demographen Babyboomer. (...) Ähnliches beobachteten Forscherinnen und Wissenschaftler auch, als der Koreakrieg vorbei war. Beobachten ließ sich dieser Effekt etwa bei türkischen Migrantinnen und Einwanderern aus dem ehemaligen Jugoslawien. (ZEIT 6.7.18)

Aus der ausdrücklichen Markierung des Geschlechts könnte man schließen, daß es hier von besonderer Bedeutung sei; aber es soll im Gegenteil gerade keine Rolle spielen, darum wird es erwähnt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2018 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39037

Kleingeister diskutieren über das Händeschütteln, das sie Ausländern aufnötigen wollen, obwohl es auch unter Einheimischen immer mehr aus der Mode kommt.
Aber wie ist es mit der Sitte, daß die Frau mit ihrem Kopftuch zwei oder drei Schritte hinter ihrem Ehemann einherwandelt? Bei Bosniern usw. sieht man das jeden Tag, es ist zur zweiten Natur geworden. Die abgearbeitete Frau, die ihrem Pascha viele Kinder geboren hat, aber das untergeordnete Arbeitstier bleibt... Auch wenn es wenig über die wirkliche Machtverteilung sagt, sehe ich es mit Widerwillen, das muß ich gestehen. Aber ich habe auch selbstbewußte Studentinnen aus diesen Regionen erlebt, das "Problem" dürfte sich also von selbst erledigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2018 um 04.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#39012

In der älteren Musikkritik (fast nur von Männern) hat man oft lesen müssen, dieses oder jenes Stück, vor allem Klavierwerke, werde besser von einem Mann gespielt. "Tastentornado" war ehrend gemeint.
Das ist selten geworden. Dynamik ist keine Frage der Lautstärke allein, sondern eine der Abstufung, Differenzierung. In der klassischen Musik war sowieso nicht daran zu denken, daß die Wände wackelten, wenn ein Klavierlöwe in die Tasten griff. Auch nicht, wenn Schumann "Mit aller Kraft" vorschrieb. Erst der moderne Konzertbetrieb hat das citius, fortius (auch altius) hervorgebracht.
(Schrieben die Komponisten nicht auch und gerade für Frauen? Schumann und Brahms wußten, daß Clara besser spielen konnte als sie selbst.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2018 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38995

Aber Herr Riemer, das ist doch das generische Femininum! Alle Menschen sind Frauen, bis auf die Männer.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.07.2018 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38994

Der DLF heute gegen 9.45 Uhr in einem Beitrag über die Weltkirchenkonferenz 1968 in Uppsala
(https://www.deutschlandfunk.de/weltkirchenkonferenz-1968-revolution-in-namen-jesu.886.de.html?dram:article_id=422126):

Nicht mal jede zehnte Delegierte in Uppsala ist eine Frau.

Wenn sie, die Delegierte, keine Frau ist, was für eine ist sie dann?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2018 um 03.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38989

Übrigens schreiben in den Sprachnachrichten des VDS nur Männer (bis auf die Kolumne einer jungen Schwarzafrikanerin, die als studierte Linguistin hervorhebt, wie wichtig das Deutschlernen sei).

Unter den Urhebern und Kritikern der Rechtschreibreform fiel das Übergewicht der Männer auch schon auf, und hier sind ja auch nur Männer übrig geblieben. Diese Tatsachen werden in der feministischen Linguistik nicht behandelt, obwohl es schon in der traditionellen Sprachwissenschaft Ansätze dazu gab (Jespersen u. a.).

Eine erste, oberflächliche Feststellung dazu: Rechthaberei ist Männersache. Weiteres bei John L. Locke, wie hier erwähnt.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 15.06.2018 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38964

Auf FAZ-online heute ein Interview mit Peter Gallmann. Genderisierung sei Selbstdarstellung. Aber was ist das, wenn jemand Milionen von Menschen zwingt, seine persönliche, häßlich-dümmliche Extrem-Großschreiberitis zu übernehmen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2018 um 03.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38956

Der neue Auftrag an den Rechtschreibrat geht über die bloße Rechtschreibung hinaus. Offenbar will die Politik dem verordneten Gendern ein wissenschaftliches Mäntelchen umhängen.
Noch wird abgewiegelt: Es werde sich nur um "Empfehlungen" handeln. Das ist aber nicht amtlich und verdient nach unseren bisherigen Erfahrungen kein Vertrauen. In den Bereichen, über die der Staat "Regelungsgewalt" zu haben glaubt, wird es verpflichtend sein, und besonders unter Akademikern wird es genügend Beflissene geben, die sich durch besondere Folgsamkeit empfehlen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 21.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38955

Gespräch der Hannoverschen Allgemeinen mit Josef Lange:

Für wen sind Empfehlungen des Rates zur geschlechtergerechten Schreibung wichtig?

Die Empfehlungen haben zwei Geltungsbereiche: Die Schulen und der gesamte Bereich von Verwaltung und Rechtspflege.


Ein riskantes Spiel. Die Kultusministerien könnten versuchen, mit Hilfe des Rechtschreibrates das Gendern verpflichtend in die Schulen zu drücken. Schüler würden schlechte Noten bekommen, wenn sie nicht gendern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38944

Um den Kultusministerien möglichst viel Genderforschung vorweisen zu können, haben die Universitäten alles zusammengekratzt, was sich allenfalls darunter subsumieren läßt. Daraus machen die Genderforscher dann wieder einen Beweis für die Fruchtbarkeit und Notwendigkeit ihres Fachs. Das ist zum Beispiel in Medizin und Medizinsoziologie ganz klar zu erkennen. Die Arbeiten wären sowieso erschienen, aber jetzt heißen sie Genderforschung. Auch in der Literaturwissenschaft wurden schon immer gern "Frauenthemen" verteilt, jetzt gibt es für die gefällig umbenannte Forschung aber mehr Geld.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38943

Christa Binswanger, Dozentin an der Universität St. Gallen und geschätzte Expertin für Genderfragen im Schweizer Radio und Fernsehen SRF, sagt in einem Plädoyer ganz unverblümt: «Bei mir ist die gendergerechte Sprache ein Beurteilungskriterium.» Das betreffe auch Bachelor- und Masterarbeiten. Das heisst mit anderen Worten: Dozentin Binswanger verteilt Gesinnungsnoten – und das ausgerechnet unter dem Titel der Antidiskriminierung. (NZZ)

Gerade an den Universitäten ist das möglich. So haben ja auch viele Dozenten rechtswidrig die reformierte Rechtschreibung erzwungen. Ich selbst habe meinen Töchtern schon während ihrer Schulzeit geraten, mit den Wölfen zu heulen, weil ich nicht möchte, daß sie ausgerechnet in der Zeit ihrer größten Verwundbarkeit zu Märtyrern werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 04.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38942

Am Freitag hat der Rat für deutsche Rechtschreibung über «geschlechtergerechte Schreibungen» diskutiert – nachdem die Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung den Rat vor einiger Zeit um entsprechende Formulierungsempfehlungen gebeten hatte. Eine solche mochte das 41-köpfige Gremium nun aber vorerst nicht abgeben: Es kann in der bisherigen Sprachpraxis noch keine «klare Präferenz» erkennen und will die Dinge bis zu seiner nächsten Sitzung im November weiter beobachten.

Man kann den Schreibbrauch nicht "beobachten", ohne schon bei der Auswahl der Stichproben zwischen jenen beiden Textgruppen zu unterscheiden (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38904).

Die verordnete Sprache "entwickelt" sich nicht, und die zwischen beiden Gruppen stehende ideologisch-freiwillige Kunstsprache wird immer marginal bleiben. Die Verfechter des Genderns verfassen gegenderte Diskussionsbeiträge über das Gendern, aber sonst werden sie scheitern, weil niemand Lust hat, sie zu lesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2018 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38919

Der Rechtschreibrat hat seine Entscheidung vertagt.

Wie schon die Bezeichnung "geschlechtergerechte Schreibweise" zeigt, soll der Rat in jedem Fall seine Zuständigkeit über die Rechtschreibung hinaus erweitern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2018 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38917

Im Themateil der ZEIT wurde eine Gruppe Fußball-Fans erwähnt, die grölend zum nächsten Bierkiosk zieht, wo man dann überrascht erfährt, daß es sich nicht (nur) um Männer handelt. Der Grund der Überraschung ist aber nicht das generische Maskulinum (Fan), sondern die ausgewählte Gruppe, die eben typischerweise männlich ist. Das weiß die Verfasserin auch.
Tatsächlich wird man in deutschen Texten selten in dieser Weise irregeführt, anders als im Englischen, woher dieses Argument denn auch hauptsächlich geborgt ist. „The teacher“ erweist sich oft erst einige Sätze später als Frau.
Daß die feministische Redeweise überhaupt etwas zur Gleichstellung der Frauen beitragen könne oder beigetragen habe, dürfte sich schwer beweisen lassen. Man zieht sich gern auf die Behauptung zurück, sie schärfe wenigstens das Bewußtsein. Geschenkt!
Wenn man die Gleichstellung der Geschlechter fördert, wird die Sprache folgen, soweit notwendig. Das kann auf ganz andere Weise geschehen, als die Feministen heute annehmen und praktizieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2018 um 08.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38907

So auch Eisenberg: "unter anderem auf Betreiben des Berliner Senats". Eisenberg weiß auch aus dem Rat selbst, daß mit einer Entscheidung "kurzfristig nicht zu rechnen ist". Aber da habe ich Zweifel: Wenn die Politiker drängen, wird der Rat auch kurzfristig "entscheiden" (= abnicken), bei Strafe der Auflösung – es wäre ja nicht das erstemal, daß die Politiker eine solche Rasselbande heimschicken und sich eine neue besorgen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.06.2018 um 08.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38906

Gunnar Schupelius (B.Z.) hat in Erfahrung gebracht, daß die Frage von außen an den Rat herangetragen worden ist. Daher auch die flankierende Medienkampagne.
https://www.bz-berlin.de/berlin/wird-uns-jetzt-die-schreibweise-mit-dem-sternchen-aufgezwungen
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2018 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38904

In der heutigen FAZ kritisiert u. a. Peter Eisenberg die geplante Einführung des Genderns in die amtliche Rechtschreibung.

Seltsamerweise kommt fast nie zur Sprache, was mich zum Haupteintrag veranlaßt hat: die weiter wachsende Spaltung der Sprachgemeinschaft. Nur Behörden und Sklaven werden sich fügen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2018 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38900

Um über das Gendersternchen zu beraten, fahren die Ratsmitglieder (aus denen unwissende Journalisten "40 Sprachwissenschaftler" machen) auf Staatskosten nach Wien. Wäre Hermann Zabel noch dabei, würde er wie einst berichten: "Wien ist immer eine Reise wert."

Wie relevant ist das Gendern eigentlich für die Schule, den einzigen Bereich, für den die KMK "Regelungskompetenz" hat?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2018 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38898

Der Rechtschreibrat könnte versucht sein, sich durch Gendermanipulationen wieder ins Gespräch zu bringen. Andererseits könnte es sich bewußt sein, daß es zwar ein wenig seine Bekanntheit, nicht aber sein Ansehen heben würde. Die amtliche Anerkennung der Genderschreibweise würde wie bisher schon das ganze Gendern nur amtliche Texte erfassen – und solche, die es gern wären, also nicht die Zeitungen und keinesfalls die schöne Literatur. Die Kluft wächst.
Schon die Beschäftigung mit „geschlechtergerechtem Schreiben“ (und „geschlechtergerechter Sprache“) setzt voraus, daß es so etwas überhaupt gibt, ist also dieser Ideologie verpflichtet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.06.2018 um 17.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38897

Das ist ulkig, da ja der Asterisk gerade nicht für bloß zwei Geschlechter stehen soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2018 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38896

Süddeutsche Zeitung:

Der Rat für deutsche Rechtschreibung befasst sich am morgigen Freitag mit dem Thema "geschlechtergerechte Schreibung".
Er könnte beschließen, das Gendersternchen offiziell ins deutsche Regelwerk aufzunehmen.
Das ist sinnvoll, sagen der Linguist Henning Lobin und die Linguistin Damaris Nübling, wer die Gleichstellung der Geschlechter will, muss sie auch beide ansprechen.


(http://www.sueddeutsche.de/kultur/genderdebatte-tief-in-der-sprache-lebt-die-alte-geschlechterordnung-fort-1.4003975)

Es folgt ein Aufsatz der beiden mit dem üblichen Inhalt.

Ich traue dem Rechtschreibrat durchaus zu, das Gendersternchen (und das Binnen-I) aufzunehmen; dagegen spricht allenfalls die Kritik von noch radikaleren Ideologen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.06.2018 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38887

Jede und jeder in Berlin weiß, wer an dem Todesfall schuld ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2018 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38885

Mindestens ein Toter. Eine Radfahrerin. Sollte man nicht „Mindestens eine Tote“ formulieren?
(Leserbrief zur „Verfolgungsjagd“ der Berliner Polizei auf Diebstahlverdächtige)
Der Tausendfüßler soll sagen, mit welchem Bein er zu gehen anfängt, kommt infolgedessen gar nicht mehr von der Stelle. Auch die schicke Gender-Grübelei führt zu Stillstand. Die scheinbar so skrupulösen Besserwisser dürften sonst ein ganz normales Leben führen.
-
Übrigens weiß ein anderer Leser, wer an dem Todesfall schuld ist:
So ist es eben, in dem Land, in dem wir gut und gerne leben. Leider lebt die Fahrradfahrerin nun nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2018 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38882

Das Gendern wird sicher nicht an der kritischen Literatur zugrunde gehen, sondern am Überdruß und der unaufhebbaren Sprachwidrigkeit (vgl. Norwegen).
Vorige Woche brachte die ZEIT drei ganze Seiten dazu, pro und kontra usw., nach ZEIT-Manier breit und dünn ausgewalzt, ich habe es nicht lesen mögen. Es ist ja längst alles gesagt.
Man sieht den Mainstream-Sprachpflegern zu, wie sie aus den selbstgestellten Sprachfallen wieder herauszukommen versuchen ("Richtig gendern" – was für ein trübsinniges Produkt!), und wendet sich nahrhafteren Dingen zu.
 
 

Kommentar von Charlotte, verfaßt am 06.06.2018 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38880

Ja, das ist mir auch aufgefallen. Und die 1-Stern-Bewertungen sind ziemlich wirr.
Autor des Buches ist übrigens Tomas Kubelik.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.06.2018 um 14.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38879

Bemerkenswert zu diesem Buchtip sind die Rezensionen bei Amazon:
Von 36 Rezensionen 32mal 5 Sterne und 1mal 4 Sterne.
Ansonsten nur 2mal 1 Stern und 1mal 2 Sterne.

Interessant, daß diese 3 Ablehner auf ihre Rezensionen fast nur ablehnende Antwortkommentare erhalten.
 
 

Kommentar von charlotte, verfaßt am 06.06.2018 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38878

Buchtip zum Thema (für alle, die es noch nicht kennen):
Genug gegendert! Eine Kritik der feministischen Sprache
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.05.2018 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38848

Ja, das mag zum Teil stimmen, ist aber auch sehr kontextabhängig. Für "auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft" gibt es unzählige Belege.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.05.2018 um 08.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38847

»Fach« wäre ohnehin besser gewesen, »Gebiet« bezeichnet eine kleinere Einheit.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.05.2018 um 11.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38846

Der MM hat letzten Sonnabend einen Leserbrief von mir (zum Thema 1040#38737) veröffentlicht, s. auch https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-leserbrief-reine-wahrheit-kann-niemanden-diskriminieren-_arid,1255350.html.

Leicht gekürzt, leider wie üblich auch die Rechtschreibung geändert (ß -> ss), ist beides geschenkt. Aber an einer Stelle hat der MM ein Wort eingefügt:

Stefanowitsch fragt: „Zählt wissenschaftliche Wahrheit mehr als die Diskriminierungserfahrung einer Gruppe?“ Damit verhöhnt er sein eigenes Gebiet – nämlich die Sprachwissenschaft.

Dieses "nämlich" ist nicht mein Stil und klingt schön dämlich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.05.2018 um 11.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38845

Manche Politiker haben das Gendern schon so automatisiert, daß ihnen Ungereimtheiten gar nicht mehr auffallen.
Udo Bullmann, Vorsitzender der Sozialdemokraten im Europaparlament, forderte heute im Interview der Woche des DLF (nachzulesen auf http://www.deutschlandfunk.de/verhaeltnis-deutschland-usa-transatlantisch-auf-die-knie.868.de.html?dram:article_id=418812)

"Bildungschancen für jedermann und jede Frau".

Wenn schon ausdrücklich für "jede Frau", dann hätte er auch "für jeden Mann" und nicht "für jedermann" sagen müssen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.05.2018 um 17.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38823

zu #38737:
Vom gleichen Prof. Stefanowitsch gab es heute morgen ein Interview im DLF (nachzulesen auf http://www.deutschlandfunk.de/diskriminierende-sprache-es-gibt-leute-die-wollen-einfach.694.de.html?dram:article_id=418485).

Natürlich darf man niemanden beleidigen oder sprachlich diskriminieren. Dazu führt er dann Beispielwörter wie Idiot oder Schwachkopf an. Er meint aber sinngemäß, wenn A geistig Behinderte sind und jemand B einen Schwachkopf nennt, dann beleidige er nicht nur B, sondern diskriminiere auch alle A.

Das stimmt aber nicht! Schwachkopf ist immer eine Beleidigung, egal ob man einen Gesunden oder Behinderten so nennt. Es gibt keine Automatik, nach der das Wort Schwachkopf besonders geistig Behinderte diskriminiert. Es ist eine allgemeine Beleidigung und hat damit nichts mit dem Thema Diskriminierung bestimmter Gruppen zu tun.

Von solchen Selbstverständlichkeiten, daß man bestimmte Wörter gar nicht oder nur beleidigend benutzen kann, geht er dann über zu allgemeineren angeblichen sprachlichen Diskriminierungen. Diese muß er sich aber nun in Ermangelung wirklicher Diskriminierungen erst selbst ausdenken, um danach dagegen anwettern zu können. Beispielsweise behauptet er, Frauen würden sprachlich ausgeblendet. Er sagt zwar in diesem Interview nicht wie, aber natürlich meint er wieder das generische Maskulinum. Ein biologisch weibliches Wesen würde ausgeblendet, wenn auf es ein Wort mit grammatisch männlichem Genus angewandt wird. Was haben Genus und Sexus miteinander zu tun? Dies war solange überhaupt kein diskriminierendes Problem, bis Leute wie Prof. Stefanowitsch auf Dummenfang gingen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.05.2018 um 19.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38807

Alle diese Bezeichnungsversuche beweisen nur, daß es kein drittes Geschlecht gibt. Es gibt genau zwei biologische Geschlechter, außerdem relativ seltene Fälle, wo diese beiden physisch undeutlich oder gemischt ausgeprägt sind.

Bei der ganzen Euphorie um drei oder mehr Geschlechter kommt mir ein Punkt immer zu kurz: Jeder Mensch hat das Recht, entweder als Mann oder als Frau zu gelten. Nur in den Fällen, wo sich das biologische Geschlecht nicht medizinisch klar bestimmen läßt, darf der Betroffene selbst mit entscheiden, ob in seinem Paß männlich, weiblich oder divers steht (was dann aber auch nicht alle naselang geändert werden kann).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2018 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38804

SPD-Ministerinnen engagieren sich jetzt für eine passende Geschlechtsbezeichnung in Geburtsurkunden und Ausweisen ("divers"?, "inter"?). Das wird viele Stimmen bringen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2018 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38748

Um gegen die Vereinigten Staaten wie ein Mann oder eine Frau aufzustehen, müssten die Mitgliedsländer der Europäischen Union eine gemeinsame Interessenlage haben. (FAZ 14.5.18)

Gendern als Zwangsneurose. Und warum „Interessenlage“? Gemeinsame Interessen! Man schiebt immer noch eine Abstraktion dazwischen und verbannt den eigentlichen Gegenstand ins Attribut oder ins Erstglied eines Kompositums.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.05.2018 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38738

Habe gestern mit einem Freund aus den Iran gesprochen (der seinerseits nur von Persien spricht). Mit Blick darauf, daß es im Persischen keine Genusunterschiede wie im Deutschen gibt („Wir haben kein der, die, das“!), regte er an, man möge in Deutschand einmal untersuchen, inwieweit sich diese sprachliche Wirklichkeit günstig auf die gesellschaftliche Stellung der Perserinnen auswirkt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.05.2018 um 12.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38737

Heute steht ein Artikel des Berliner Sprachwissenschaftlers Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch im Mannheimer Morgen (Wochenendbeilage, S. 5). Gleich mit dem ersten Satz deckt er seine Kompetenzen auf:

Dass Frauen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft behandelt werden, ist eine mühsame Errungenschaft der jüngeren Vergangenheit.

Das macht neugierig darauf, was Frauen seiner Meinung nach sind.

Im folgenden dann wieder die bekannte Vermischung bzw. Nichtunterscheidung von Genus und Sexus, Verfechter/innen, allen Ernstes schlägt er das Wort Kontoinhabende vor.

Seiner Meinung nach ist die Verwendung des generischen Maskulinums das gleiche, als wenn Männer und Frauen gemeinsam mit Ausdrücken mit dem Suffix -in angesprochen würden.

"Wissenschaftliche Wahrheit" müsse hinter die "Diskriminierungserfahrung einer Gruppe" zurücktreten.

Einzig für "Menschen mit geringerer Bildung oder mit kognitiven Einschränkungen" dürfe man "ausnahmsweise das gegnerische Maskulinum" (Druckfehler oder Programm?) verwenden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2018 um 03.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38716

Jede/r von uns – auch der/die psychologische Forscher/in – weiß ... (Jochen Müsseler/Wolfgang Prinz (Hg.): Allgemeine Psychologie. Heidelberg, Berlin 2002:5)

Die Herausgeber bedanken sich für die wertvolle Unterstützung des Spektrum Akademischer Verlags (S. V).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2018 um 08.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38690

Talkers traffic in the behaviors for which we have no symbols. They nod, smile, murmur, and move together. They take on the face and body language of their fellow talkers. They dance. Women are clearly more active in theses ways than men, since they are generally more empathic and emotive. If you doubt this, do a little (more) eavesdropping and cast a furtive glance at two women friends who are talking over a glass of wine. What you will see is matching facial expressions. When one woman discusses something that frightened or pleased or worried her, similar emotions usually appear on the face of her friend. (Locke Duels 123f.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2018 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38672

Gute Menschen erregen sich, weil Lidl Haushaltsgeräte als Muttertagsgeschenke anbietet und damit ein überholtes Frauenbild bedient. Dieser Tag soll eigentlich den Blumengeschäften und Parfümerien zugute kommen.
Man könnte auch einwenden, daß Mütter gegenüber anderen Frauen bevorzugt werden, Frau-Sein also auf Mutterschaft reduziert wird, obwohl die moderne Frau doch kinderlos ist.

Andererseits kommt der Vorwurf reichlich spät. Die Frauenzeitschriften und die allgegenwärtige Werbung für Mode und Kosmetik steuert das Bild der Frau ohnehin gänzlich in eine bestimmte Richtung, sozusagen überzeitlich-konservativ.

Also regt euch ab! Ihr müßt die schönen neuen Bügeleisen ja nicht benutzen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.05.2018 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38662

Maischberger, ja. Gottseidank war kein Sprachwissenschaftler dabei – ihm wäre das Hirn geschmolzen. Die Gäste: Peter Hahne (evangelisches Urgestein mit viermal erwähntem neuem Zigeunerschnitzelbuch und somit ausgewiesener PC-Experte), Bushido (Experte für Frauen und Sprachkunst), Annabelle Mandeng (den Raum völlig losgelöst vollquatschende Moderatorin), Florian Schröder (Kabarettist, Experte für Moral und erläuternde Gemeinplätze), Teresa Bücker (geschlechtergerecht durch und durch), Marlies Krämer (Frau Bückers senile Variante). Für den Höhepunkt der Sendung sorgte die geschlechtergerechte Teresa Bücker, als sie ausgerechnet Bushido in den Hintern kroch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2018 um 07.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38659

In einer Talkshow wurde über das Gendern und andere Formen der PC diskutiert. Wenn man die Berichte liest, weiß man, daß Sprachwissenschaftler dort nichts zu melden hätten. (Gestern hat sich Helmut Glück in der FAZ damit beschäftigt.)
In Ellwangen haben 150 edle Wilde die Abschiebung eines ebensolchen verhindert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2018 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38618

Wenn John L. Locke (Duels and Duets) recht hat, gibt es biologische Gründe für unser Unbehagen an Politikerinnen, die den männlichen Redestil (Faust ballen und schreien) nachahmen. Wenn die Frau laut wird, wirkt sie nicht mächtig, sondern lächerlich. Wir alle wissen doch auch, daß die Frau uns mit ihrem niedlichen Fäustchen zwar puffen, aber nicht zusammenschlagen kann. Frauen sollten uns die Welt in vernünftigen Worten erklären. Die Raute zum Beispiel ist eine interessante geometrische Figur und paßt dazu.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2018 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38615

Viele fassen das Genus der Substantive als eine diesen "inhärente" Eigenschaft auf, die an Artikelwörtern usw. "sichtbar" gemacht werde. Diese Mystifikation wirkt sich unmittelbar aus, wenn Modelle der Sprachproduktion tatsächlich das Genus als "Merkmal" in einem Speicher für Substantive verzeichnen. So Theo Herrmann (Sprachproduktion und erschwerte Wortfindung, Heidelberg 1992 und in "Sprache und Kognition" 11, 1992). In Wirklichkeit besteht das Genus in der Verkettung mit genusflektierten anderen Wörtern, ist also wie jede Rektion eine syntagmatische Beziehung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2018 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38542

Die Grünen-Politikerin Ekin Deligöz hält von einem solchen Kopftuchverbot nicht viel. „Persönlich finde ich es furchtbar, wenn Kindergartenkinder oder junge Mädchen schon ein Kopftuch tragen müssen. Wir sollten ihnen ihre Kindheit lassen“, fordert die Bundestagsabgeordnete. Sie halte es aber juristisch für extrem schwierig, das Elternrecht auf Religionsfreiheit einzuschränken. „Ich kann Eltern ja auch nicht verbieten, ihr Kind taufen zu lassen oder zum Kommunionsunterricht zu schicken“, sagte Deligöz dem Tagesspiegel. „Ich sehe keine juristisch wasserfeste Möglichkeit, ein solches Verbot durchzusetzen.“ (Tagesspiegel 8.4.18)

Christian Lindner hatte im Sinne des Liberalismus für ein Kopftuchverbot bis 14 (Religionsmündigkeit) plädiert. Man kann eben mit denselben Gründen dafür oder dagegen sein.

(Lindner hat vor vielen Jahren für die Trennung von Staat und Kirche plädiert. Aus Opportunismus stellte er das dann ein und beschäftigt sich nun lieber mit dem Islam...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2018 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38541

Noch eine Bemerkung zum vorigen (obwohl sie auch zu "Friede sei mit euch" paßt):

Über den Biologen Steven Rose sagt Wikipedia:

Born in London, United Kingdom, he was brought up as an Orthodox Jew, Rose says that he decided to become an atheist when he was eight years old.

Die Vorstellung eines achtjährigen Atheisten ist leicht komisch, ebenso wie die eines achtjährigen orthodoxen Juden oder einer achtjährigen Muslima. Aber ich kann gut nachfühlen, daß manche Kinder, wenn sie sich überhaupt mit solchen Dingen beschäftigen, die religiösen Erzählungen ab einem gewissen Alter einfach nicht glauben, sondern mit den Märchen zusammenstellen oder mit dem Geflunker von Onkel Franz. Von theologischer Dogmatik brauchen sie keine Ahnung zu haben, das ist für die meisten Gläubigen sowieso irrelevantes Geschwätz.

Kinder von orthodoxen Juden sind orthodoxe Juden, auch wenn sie noch Windeln tragen; ebenso Katholiken usw. So rekrutiert sich eben im Sinne des Elternrechts der religiöse Nachwuchs. Aber unter den Kopftüchern, Kippas und Kreuzen regt sich manch ungewollter Widerstand. Aus Lektüre und eigener Anschauung ist mir z. B. bekannt, wie sehr viele Iranerinnen wirklich denken, verstärkt gerade durch die Gängelung des äußeren Verhaltens.

Kurzum: Religiöse Indoktrination ist Elternrecht, hat aber nicht immer die gewünschte (oder befürchtete) Wirkung. Und noch einmal: Es gibt hier keine "saubere" Lösung, nur an radikalen Meinungen besteht kein Mangel.

Bei uns legt der Staat das Elternrecht sehr weit aus und zögert oft, das Kindeswohl höher zu stellen. Ich habe selbst Familien kennengelernt, in denen die Kinder ein ziemlich fanatisch-verrücktes religiöses Weltbild mitbekommen haben, aber solange sie nicht dem verpflichtenden Schulunterricht entzogen wurden, sah das Jugendamt keinen Grund einzuschreiten. In der öffentlichen Meinung wird oft dafür plädiert, sich in die "dichten" ausländischen Familien einzumischen und sie von mutmaßlich integrationshinderlichen Gewohnheiten abzubringen. Sogar deutsch sprechen sollen sie untereinander, obwohl sie es nicht können. (Man stelle sich vor, eine deutsche Familie in China werde aufgefordert, untereinander chinesisch zu radebrechen!) Eine dichte ausländische Familie bringt wahrscheinlich stabilere Menschen hervor als eine dysfunktionale deutsche, von denen wir leider auch eine ganze Reihe kennengelernt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2018 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38540

Dazu noch eine Ergänzung:

Was immer eine "Vorstellung" sein mag, in Erzählungen und ähnlichen Texten verlangt der Hörer nach etwas, was er sich anschaulich vorstellen kann. Darum werden meistens Begriffe einer mittleren Abstraktionsebene gewählt, wie auch die Prototypensemantik herausgearbeitet hat. Wir erfahren also, daß jemand einen Dackel an der Leine führte. Den stellen wir uns nach bisheriger Dackelerfahrung vor, der eine so, der andere so (denn auch Dackel sind verschieden, aber in irrelevanter Weise). Wird einfach ein Hund erwähnt, dann springt eine kontextbezogene Prototypensemantik ein, und wir denken beim Hund an der Leine etwa an einen Schäferhund oder Golden Retriever, beim Hund auf dem Schoß eher an einen Mops oder Pinscher. Das geht gerade noch, während ein "Tier" an der Leine nicht geht. Stuhl geht, Möbelstück geht nicht. Usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2018 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38524

Geschlechtslose Bezeichnungen wie engl. teacher haben ihre Vorteile. In Richtlinien für den Schulunterricht und ähnlichen Texten, die nur mit der Funktion zu tun haben, braucht man sich die Lehrperson nicht konkret vorzustellen. Das hat man im Deutschen bisher mit dem generischen Maskulinum erledigt; neuerdings ergehen sich die Verfasser in Lehrerinnen und Lehrer, was die Geschlechtszugehörigkeit in unangemessener Konkretheit hervorhebt.

In englischen Romanen und ähnlichen Texten ist man manchmal eine halbe Seite lang im Ungewissen, ob ein Lehrer oder eine Lehrerin aufgetreten ist. Gute Schriftsteller lassen alsbald ein aufklärendes Pronomen folgen oder machen auf andere Weise klar, was man sich vorstellen soll. Denn vorstellen soll man sich etwas, und eine "Lehrperson" kann man sich nicht vorstellen.

Übersetzer kennen das Problem, sie müssen oft mehrere Absätze durchgehen, bis sie auf ein klärendes Wort treffen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2018 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38523

Natürlich drängen Eltern das Mädchen in eine gewisse Rolle, wenn sie ihm ein Kopftuch überziehen (wie eine türkische Journalistin gerade anklagend feststellte). Aber das gilt für alles, was aus dem Elternrecht folgt. Es gibt Bestrebungen, die Erziehung zu herkömmlichen Geschlechterrollen zu verbieten, viele versuchen es auch aus freien Stücken (Pink stinks). Um das durchzusetzen, müßte man die Kinder nach der Entwöhnung den Eltern wegnehmen und in die Obhut staatlicher Erziehungsprofis geben. Platon und andere Konstruktivisten haben so etwas immer schon angestrebt. Dann würden die Kinder zwar auch geprägt, aber eben richtig...
Darf man die Kinder religiös erziehen? Ist nichtreligiöse Erziehung nicht auch eine willkürliche Festlegung? Man sollte wenigstens zugeben, daß es hier keine saubere Lösung gibt. Warum haben unsere Kinder ausgerechnet Deutsch gelernt? (Wir haben übrigens versucht, bei den Mädchen auch mathematisch-technische Interessen zu wecken, meine Frau hat sogar eine Montessori-Schule mitgegründet, die inzwischen sehr gut gedeiht.)

Der Genderwahn wird, wie gesagt, an den kosmetischen Tatsachen zuschanden:

Though they spent so much time trying to make themselves beautiful, you were not supposed to admit to women that beauty mattered.

(Als ich mir diese hübsche Formulierung aus einem Roman aufschreiben wollte, stellte ich fest, daß sie bereits in mehrere Zitatsammlungen im Internet aufgenommen war, also auch anderen gefallen hatte.)
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 10.04.2018 um 13.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38473

Genderismen aus dem ersten Englischwörterbuch meiner Kinder (sinngemäß aus dem Gedächtnis, da viele Jahre her):

- doctor: Arzt oder Ärztin
- judge: Richter oder Richterin
- teacher: Lehrer oder Lehrerin
- thief: Dieb
- worker: Arbeiter oder Arbeiterin
- ...

Finde den Fehler! Oder ist es eine Verschwörung? Ich denke ja. Und ist es jemandem aufgefallen außer mir? Nein!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2018 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38455

Was sollen wir eigentlich dem kleinen Kind beibringen?
Sollen wir ihm das generische Maskulinum von Anfang an vorenthalten? Lehrerinnen und Lehrer, Kaufmann und Kauffrau?

Werden die Kinder ihre Doktorspiele durch Genderspiele erweitern oder ersetzen, und soll man sie dazu anleiten? Bisher haben sie ihr Geschlecht entdeckt, in Zukunft vielleicht auch ihr Gender? Das wird allerdings weniger entdeckt als entlarvt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.04.2018 um 16.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38451

Bei der ZEIT gibt es einen Journalisten, der ziemlich konsequent gendert: Karsten Polke-Majewski.

Münsteranerinnen und Münsteraner, Ermittlerinnen und Ermittler, Anwohnerinnen und Anwohner, Polizistinnen und Polizisten, Radfahrerinnen und Fußgänger usw.

Laut Wikipedia-Eintrag (von ihm selbst verfaßt?) war er "als Alumni Teil des German-American Editors Program der Robert Bosch Stiftung".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2018 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38413

As fetuses, males already have more testosterone than females, and are also more physically active in the birth canal. They remain so after birth. Within the first two years of postnatal life, males are already physically pushing others more than females do, and may continue to do so as they get older. At 18 months, boys kick their siblings more often than girls do. At 2 and 3 years of age, males continue to out-kick females, and assume an advantage in two other acts of aggression, biting and hitting. How sensitive are these postnatal sex differences to cultural expectations? Do male infants see their father wrestling in the grass with the man next door, and surmise that this sort of behavior is expected of them? (Locke: Duels and Duets)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2018 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38412

Schwimmer ertrinken öfter als Nichtschwimmer. Vielleicht weil es mehr Schwimmer gibt oder weil Nichtschwimmer gar nicht erst in tiefes Gewässer gehen. Bergsteiger stürzen ungleich häufiger ab als Nichtbergsteiger, Skiläufer geraten in Lawinen usw.

Zurück zu Seehofer. Ich habe seit Jahren den Eindruck, daß er ein Problem mit Frauen (als Berufskollegen) hat, besonders natürlich mit einer. Dies mag der Grund sein, warum ihm in diesem Fall eine strategische Ungeschicklichkeit unterlaufen ist. Die acht Männer um ihn herum wirken wie eine Leibgarde – gegen jene Frau. Und es bleibt dabei: Eine Regierung, die den Frauenanteil in der privaten Wirtschaft regelt, aber in den eigenen Reihen nichts davon wissen will, ist nicht glaubwürdig.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.04.2018 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38400

Es war nur ein Beispiel, das zeigen sollte, wie stark solche Wahrscheinlichkeiten von der Zusammensetzung des Pools abhängen.

So schrieb der MM am 28.2.18, daß laut DLRG von den 404 im Jahr davor in Deutschland ertrunkenen Menschen 77% männlich waren. Die "naheliegende" Schlußfolgerung, daß Männer soviel schlechter schwimmen können als Frauen, ersparte der MM dem Leser zwar, aber weiter hieß es, daß Ältere besonders gefährdet seien, weil gut 36% der Getöteten über 55 Jahre alt waren. Um die Gefährdung von Älteren wirklich einordnen zu können, muß man eben auch erst mal wissen, wie hoch ihr Anteil insgesamt an den Badenden war. Das stand aber nicht im Artikel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2018 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38398

Wer interessiert sich für den "Beruf eines Staatssekretärs"? Diese Posten werden aus einem Pool besetzt, der immer noch nicht so viele Frauen wie Männer umfaßt, aber doch auch nicht gar so wenige. Und wo bleibt das offizielle Gender mainstreaming?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.03.2018 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38372

Es hängt davon ab, wie viele Frauen sich überhaupt für den Beruf eines Staatssekretärs interessieren.
Sucht man blind aus einem Pool von 1000 schwarzen und 10 weißen Kugeln 8 beliebige heraus, ist die Wahrscheinlichkeit, daß alle schwarz sind, sehr groß (92%).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2018 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38363

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß acht Männer und keine Frau die besten Staatssekretäre sind? 1 : 256?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2018 um 08.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38351

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre

(Einladung der Linde AG zur Hauptversammlung)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2018 um 08.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38318

Die Journalistin Claudia Neumann ist die erste Frau im deutschen Fernsehen, die Fußballspiele bei einer Männer-EM kommentiert. Seither muss sie sich üble Beschimpfungen anhören, nicht, weil sie Fehler gemacht hat, sondern, weil sie als Frau in einem von Männern dominierten Metier mitmischt. Das stinkt unserer Kommentatorin, die solche Kritik am eigenen Leibe erlebt. (DLF)

Usw., es ist viel darüber geschrieben worden. Ich interessiere mich nicht für Fußball oder andere Leibesübungen fremder Leute. Aber ich kann es nicht vermeiden, im Küchenradio (mein einziger Kontakt zum Rundfunk) immer wieder Fußballreporterinnen zu hören, und mein intutives Urteil hat sich über Jahrzehnte nicht verändert: Paßt nicht!

Das Buch von Locke (voriger Eintrag) enthält Anregungen, die dieses Gefühl erklären. Eine bestimmte Art des "Kompetitiven" liegt den Frauen einfach nicht und macht sie unattraktiv, wo es dennoch versucht wird. Lockes Titel "Duell" (abzüglich des Ehrbegriffs) versucht es zu fassen, z. B. berichtet er über Rededuelle, Debattierclubs usw., wo man vergeblich den Frauenanteil zu erhöhen versucht habe. Gerade Jurorinnen bewerten die rhetorische Leistung ihrer Geschlechtsgenossinnen viel negativer als die Männer usw.

Ich brauche nicht zu betonen, daß mir jede frauenfeindliche Einstellung fremd ist und daß meine Wertschätzung der Frauen nicht die eines betagten Schwerenöters ist.

Die Sensationsstimme des teichoskopischen Sportberichts, bis hin zur gespielten Aufregung des "Tooor!"-Geschreis wirkt bei Frauen aufgesetzt, proporzmäßig. Man sollte niemanden, der sich so äußert, von vornherein verurteilen, sondern lieber den Voraussetzungen nachgehen. Es ist ja auch kein Makel, diese ganze Inszenierung einfach zu dumm zu finden, als daß eine wirklich interessante Frau dort mitmachen sollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.03.2018 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38313

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38217

In their personal lives, few women participate in jokey greeting rituals or maintain joking relationships, but as previously mentioned it is not unusual for some men, upon seeing an old friend, to give him a playful punch in the belly and say, “How are you, you old son of a bitch?“ It is equally common for one man to comment on the growing paunch or baldness of another. How easy is it to imagine a woman who, upon seeing a lady friend on the street, feigns a playful punch in the midriff and says, “How are you, you old whore?” How often do women joke about a friend´s bulging midriff, varicose veins, or sagging breasts to her face? (Locke 58)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2018 um 03.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38291

Anleitungen zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch enden oft mit der Formel, der Kreativität seien hier keine Grenzen gesetzt. Anders gesagt: Laßt euch etwas einfallen, wie ihr aus der selbstgestellten Falle wieder herauskommt!

Anders als bei der Rechtschreibreform machen Schriftsteller und vor allem Zeitungen nicht mit.

Auf die Professoren dagegen kann sich die Obrigkeit verlassen; nicht alle, aber doch sehr viele sprechen lustvoll nur noch von Studierenden, Doktorandinnen und Doktoranden, sogar im privaten Gespräch.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.03.2018 um 15.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38284

Und schließlich: Gegen auf Trump gemünzte »Haßbotschaften« hätte die Ministerin bestimmt nichts einzuwenden gewußt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.03.2018 um 13.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38283

Ein Beispiel auch für den plattfüßigen Indikativ, der sich am Ende so vieler Politiker- und Journalistensätze findet. Anstelle von schützen werde, schützen wolle, zu schützen vorhabe etc. schützt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2018 um 12.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38281

Die deutsche Justizministerin Katarina Barley meint, Facebook müsse erklären, „wie es die Privatsphäre seiner Nutzerinnen und Nutzer künftig besser schützt“, und zeigt sich entsetzt, dass Nutzer (!) „gezielt mit Trump-Werbung oder Hassbotschaften gegen Hillary Clinton bombardiert wurden“. (FAZ 22.3.18)

Die Zeitung zitiert korrekt das Genderdeutsch der Politikerin und fährt dann im eigenen Normaldeutsch fort. Ein schöner Beleg für die Volksferne der Amtspersonen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2018 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38217

John L. Locke: Duels and duets. Why men and women talk so differently. Cambridge 2011.

Endlich mal ein gescheites Buch zum Thema, auch sehr gut und klar geschrieben. (Erstaunlich preiswert außerdem.)

Locke macht sehr umsichtig von evolutionärer Psychologie und Soziobiologie Gebrauch. Keine neurosophischen Spekulationen und keine feministischen Scheuklappen. Der Titel deutet die Hauptthese schon an.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.03.2018 um 10.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38210

Daß Jochen Bär feministische Positionen nicht ignoriert, erscheint mir vernünftig – es gibt sie schließlich. Und selbstverständlich haben Maskulina wie Arzt oder Bürger eine "doppelte" Bedeutung. Die Paarformel Bürgerinnen und Bürger nimmt dem Maskulinum den generischen Charakter, und je stärker sich diese Formeln verbreiten, desto schwächer wird vermutlich die Geschlechtsneutralität auch sonst empfunden. Die Feministen haben das Problem, das ihnen so schrecklich auf den Nägeln brennt, selbst geschaffen.

Am Tage des BGH-Beschlusses war das generische Maskulinum übrigens Thema im ZDF-Morgenmagazin. (https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-morgenmagazin/videos/streitgespraech-zur-gendergerechten-sprache-100.html) Ein Mann im Publikum wurde einem „Test“ unterzogen; er wurde gebeten, fünf "Schauspieler oder Sportler" zu nennen. Er nannte nur Männer. Peter Eisenberg war zu Gast und kritisierte etwas zerfahren das „Design“ des „Tests". Der war tatsächlich irreführend, was daran lag, daß nach Individuen gefragt wurde. Wenn es sich auf einzelne Personen bezieht, verliert das Genus naturgemäß an Geschlechtsneutralität. Bärs Bezeichnung pseudogenerisch ist deshalb unglücklich; die fraglichen Maskulina sind ja nicht scheinbar generisch, sondern je nach Kontext mehr oder weniger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2018 um 22.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38200

Zu Bär vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1540#29619

(Bitte wirklich mal dem dortigen Link folgen, es lohnt sich!)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 16.03.2018 um 19.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38199

Zum Aufsatz von Jochen Bär wäre noch anzumerken, daß er gelegentlich feministischen Positionen sehr nahe kommt.

So schreibt er in bezug auf weibliche Ableitungen von generischen Maskulina (Arzt/Ärztin): „Sie werden aber im Plural aus sprachökonomischen Gründen häufig vermieden, sodass nur von Lehrern, Rechtsanwälten, Wissenschaftlern, Bürgern, Antragstellern usw. die Rede ist, wo auch Lehrerinnen, Rechtsanwältinnen usw. gemeint sind.“

Damit entzieht er dem Begriff des generischen Maskulinum schon fast die Grundlage. Denn wenn es sich tatsächlich um ein solches handelt, dann sind Paarformeln wie Ärzte und Ärztinnen schlechterdings überflüssig.

Außerdem teilt er offenbar die von Feministen in diesem Zusammenhang vertretene Meinung, daß die Sprache das Bewußtsein beeinflusse: „Da die Sprache die Bewusstseinsinhalte einer Sprachgemeinschaft nicht nur abbildet, sondern auch beeinflusst, wird ein solches Verschweigen weiblicher Beteiligung vielfach als Form der Diskriminierung angesehen ...“

Abgesehen davon, daß damit überhaupt nichts „verschwiegen“ wird, ist das ist eine bemerkenswert apodiktische Aussage über etwas durchaus fragliches.

Diese Auffassungen ergeben sich eben leicht aus der Annahme, daß generische Maskulina wie Arzt eine doppelte Bedeutung hätten - mal geschlechtsneutral, mal geschlechtsspezifisch männlich.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 16.03.2018 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38196

Lieber Herr Riemer,

vielen Dank. Jetzt lichtet sich bei mir etwas der Nebel.

Allerdings entspricht Ihr Verständnis nicht meiner Auffassung und auch nicht dem allgemeinen Verständnis.

Als Beispiel nenne ich den kürzlichen Beitrag von Peter Eisenberg in der FAZ unter dem Titel „Wenn das Genus mit dem Sexus“. Dieser Titel wird noch in der zweiten Überschrift näher erläutert: „Wann begreifen die Leute endlich, dass das grammatische Geschlecht mit dem biologischen nichts zu tun hat? Eine Verständnishilfe.“

Daß Eisenberg ganz eindeutig davon ausgeht, daß es sich bei den generischen Maskulina nur um solche grammatisch männlichen Geschlechts handelt, geht auch aus seinem Hinweis auf Wörter wie Öffner und Bohrer hervor.

Auch der Bundesgerichtshof ist dieser Meinung. In seiner kürzlichen Entscheidung zur Verwendung der Bezeichnung „Kunde“ in Bankformularen, heißt es: „Der Bedeutungsgehalt grammatisch männlicher Personenbezeichnungen kann nach dem allgemein üblichen Sprachgebrauch und Sprachverständnis Personen umfassen, deren natürliches Geschlecht nicht männlich ist ("generisches Maskulinum").“

Schließlich ist Bibliothekarin im „allgemein üblichen Sprachgebrauch“ kein generisches Femininum sondern bezeichnet ausschließlich Frauen. Daran ändert nichts, daß manche Feministen (generisches Maskulinum!) das Wort gern als solches etablieren möchten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2018 um 07.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38192

Im Feuilleton der FAZ eine sehr gute Analyse des Historikers Ronald G. Asch zur Quotierung in den Wissenschaften. Am Ende die bittere Einsicht, daß so etwas wohl nur die Geisteswissenschaften betrifft, dort aber unvermeidlich sein dürfte, zu deren Selbstmarginalisierung beiträgt und damit letztlich auch die Frauen schädigt.
Alle Versuche der Feministen, auch in den Naturwissenschaften den Wahrheitsbegriff quotengerecht umzudeuten, sind gescheitert. Aber in den Geisteswissenschaften merkt es niemand, wenn ein paar Millionen Seiten Unsinn hinzukommen.

Wieder mal versucht, Evelyn Fox Keller zu lesen, aber an derselben Stelle aufgehört wie früher. Enorme Frustration.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2018 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38175

Die Nichtsnutzin, die ich hier erfunden zu haben glaubte: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1546#33906, steht längst im Duden, ist aber schwerer zu belegen als die Taugenichtsin, die nicht drinsteht. Eine Tunichtgutin scheint es auch noch nicht zu geben.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 14.03.2018 um 11.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38159

Hohle Floskeln wie „heutiges Sprachverständnis” und „wissenschaftlicher Kenntnisstand” dienen hier mal wieder nur dazu, Propaganda pseudowissenschaftlich zu untermauern. Mir fällt da immer „zeitgemäß” ein, noch so ein Kandidat für „Bullshit-Bingo”.

Im übrigen, technisch gesehen, würde ich als Sparkasserer einfach drei Formulare anbieten, die man wahlweise ausdrucken kann: für Kunde, Kundin und ________; letzteres enthält leere Felder, in welche man die Anrede handschriftlich einfügen kann, denn es gibt ja bekanntlich abzählbare viele Gechlechter*innen.

Oder gleich alles auf Englisch: customer
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2018 um 15.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38151

Dazu:

Der BGH verpasst eine Chance auf Fortschritt
Das Gericht behauptet, die männliche Form "Kunde" sei neutral. Das stimmt schlicht nicht und entspricht weder dem heutigen Sprachverständnis noch dem wissenschaftlichen Kenntnisstand.

(Kommentar von Wolfgang Janisch SZ 13.3.18)

Janisch scheint nicht bemerkt zu haben, daß die Süddeutsche Zeitung im allgemeinen nicht gendert. Wer hindert sie daran?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2018 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38149

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37895

Der BGH hat die Klage zurückgewiesen und sich auf den allgemeinen Sprachgebrauch berufen, allerdings mit Hintertürchen. Die Frau will zum Bundesverfassungsgericht und Europäischen Gerichtshof gehen.

Sie hält sich zugute, den Wetterdienst zur Änderung der alten Praxis gebracht zu haben, Tiefdruckgebiete weiblich zu benennen. Das ist eine magische Folgerung aus der Bezeichnung "schlechtes Wetter" – als wenn Regen nicht ebenso gut wäre wie Sonne. Freizeitperspektive?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.03.2018 um 23.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38126

Lieber Herr Achenbach,
was ich mit der Bezugnahme auf den Sexus meine:
Wenn ich vom generischen Geschlecht (männlich oder weiblich) spreche, dann denke ich nicht ans grammatische, sondern ans natürliche Geschlecht, welches generisch eingesetzt wird.

Beim generischen Maskulinum ist das vielleicht nicht so deutlich, aber nehmen wir das Beispiel eines generischen Femininums (#25778):
ETHIKKODEX FÜR BIBLIOTHEKARINNEN
(gemeint waren alle m. und w. Berufsangehörigen).
Warum das? Doch nicht, weil es grammatisch feminin ist, sondern weil das Suffix -in(nen) das natürliche weibliche Geschlecht kennzeichnet. Ausdrücklich dieses wird sodann generisch auf beide natürlichen Geschlechter bezogen.

Zu Bärs Unterscheidung zwischen generisch und pseudogenerisch:
Er nennt Mensch, Person schon generisch, weil sie sich »immer« auf beide natürlichen Geschlechter beziehen, während z. B. Lehrer »nicht immer« generisch gebraucht wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2018 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38122

Familienministerin Barley unterstützt Frauenquote in der Filmbranche

(...)

Schweden, wo nicht nur Gelder und Posten, sondern auch Drehbuchinhalte quotiert werden.


Vgl. Deutschquote bei Schlagern usw. Man kann sehr vieles quotieren und wird dadurch ein immer besserer Mensch. Die quotierten Filme und Schlager wird vielleicht niemand mehr sehen und hören wollen, aber den Preis ist es wert. (Gerechtigkeit hat keinen Preis.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 10.03.2018 um 18.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38114

Lieber Herr Riemer,

ich stimme Ihnen vollkommen zu, daß es das Substantiv und nicht das Genus ist, das generisch ist. Ich hatte ja auch schon mein Unbehagen an dem Begriff generischer Genus geäußert. Wir drohen uns allerdings in subtile Formulierungsfragen zu verlieren. Es scheint mir auch schwer zu sein, ganz befriedigende Formulierungen zu finden, die nicht allzu schwerfällig sind. Nicht so klar ist mir noch, was Sie mit der Bezugnahme auf Sexus genau meinen.

Was Bär mit generischem Genus meint, scheint mir jedenfalls hinreichend klar, nämlich Substantive, die Wesen beiderlei natürlichen Geschlechts bezeichnen. Weniger klar ist mir seine Unterscheidung zwischen echtem generischen Genus (egG) und pseudogenerischem Genus (pgG). Anscheinend meint er mit pgG ein Substantiv mit doppelter Bedeutung, das sowohl beide Geschlechter als auch nur ein einzelnes Geschlecht bezeichnen kann. Als Beispiel nennt er Arzt, weil es wohl die Gesamtheit der Ärzte als auch nur den männlichen Arzt im Gegensatz zur Ärztin bezeichnen könne. Dasselbe scheinen Sie auch zu meinen, wenn Sie sagen: „Lehrer steht für Lehrerinnen und Lehrer.“

Dieses stelle ich jedoch grundsätzlich in Frage. Ich bestreite, daß Arzt in gleicher Weise wie Mann ein männliches Individuum bezeichnet. Wie sollte man denn zuverlässig zwischen beiden Bedeutungen unterscheiden?

Es trifft zu, daß man in manchen Gesprächssituationen einen bestimmten weiblichen Arzt fast immer als Ärztin bezeichnet (etwa als Personenbezeichnung). Wenn man in solchen Situationen von Arzt spricht, wird zumeist angenommen, daß man einen männlichen Arzt meint. Das ist aber erstens nicht zwingend und zweitens nicht vergleichbar mit der Bezeichnungsweise eines Wortes wie Mann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2018 um 06.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38109

Der Koalitionsvertrag ist in herkömmlicher Weise gegendert (Bürgerinnen und Bürger), nur an einer Stelle zieht er sich anders aus der Affäre:

Angesichts der weltweiten Bedrohung kritischer Künstlerinnen, Intellektueller, Journalistinnen und Wissenschaftler, aber auch aus unserer historischen Verantwortung heraus unterstützen wir eine Initiative für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Presse und Meinungsfreiheit, auch im Hinblick auf Exilerfahrungen.

Die "herkömmliche" Art entfernt sich nur von der deutschen Allgemeinsprache, die zweite verstößt auch gegen die deutsche Grammatik. Das abwechselnde Nennen beider Geschlechter bedeutet nicht, daß tatsächlich immer beide gemeint sind. Im Gegenteil: Die ausdrückliche Thematisierung des Geschlechts würde normalerweise bedeuten, daß wirklich nur Personen des genannten Geschlechts gemeint sind. Die Parteien müßten ihrem Text die Erklärung voranstellen, daß sie sich nicht der deutschen Standardsprache bedienen, sondern einer als geschlechtergerecht angesehenen Sondersprache mit eigenen Regeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2018 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38099

Gendern ist prima, aber wenn Texte verkauft werden müssen, läßt man es lieber. Ebenso der Kampf gegen den Sexismus: Kosmetik, Mode und überhaupt die Unterhaltungsseiten stellen Tag für Tag das „gewagte Dekolleté“ und den „knackigen Po“ dieser oder jener Prominenten zur Schau. Manche Frauen behaupten, sie wollten nicht den Männern, sondern sich selbst gefallen. Wie abartig ist das denn? Der Mensch ist ein Säugetier.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.03.2018 um 23.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38085

Finden Sie es so abwegig, beim generischen Maskulinum eher ans Maskulinum des Sexus als ans Maskulinum des Genus zu denken?

Es gibt mit dem Wort Maskulinum (M.) eine Zweideutigkeit: Als M. wird einerseits ein m. Substantiv bezeichnet, andererseits aber auch das m. Genus. Analog Femininum (F.).

Wenn wir Mensch ein generisches M. nennen, meinen wir offenbar, es sei ein generisches m. Substantiv und nicht ein generisches m. Genus. Analog ist Person ein generisches f. Substantiv und kein generisches f. Genus. Der übergeordnete Begriff für alle generischen M. und F. wäre also generisches Substantiv, und eben nicht "generisches Genus".

Deshalb sagte ich bereits, daß "generisches Genus" bei mir den Eindruck erweckt, das Genus M. oder F. sei diejenige Eigenschaft, von der die klassenbildende Sexusneutralität ausgeht. Das Genus ist dabei aber vollkommen zufällig. Es ist die Semantik des Wortes Mensch oder Person, die das Generische ausmacht.

Die Semantik eines Wortes hat aber mehr mit dem natürlichen Geschlecht zu tun als mit dem grammatischen. Deshalb bezweifle ich die Sinnhaftigkeit des Ausdrucks "generisches Genus" und denke beim generischen M./F. weniger an das m./f. Genus, sondern daß die Formen des m./f. Sexus dabei generisch gebraucht werden.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 07.03.2018 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38084

Jetzt bin etwas perplex. Wie haben Sie es denn "bisher anders verstanden"?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.03.2018 um 17.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38083

"wenn man von einem generischen Maskulinum spricht, verwendet man Maskulinum doch im Sinne von maskuliner Genus"

Ja, bei Bär ist es offenbar so, aber ich selbst habe es bisher anders verstanden. Vielleicht gibt es auch für beide Ansichten plausible Gründe. Leider wird eben bei Mask./Fem. nie dazugesagt, ob Genus oder Sexus gemeint ist.

Es führt ja auch nirgends zu Problemen, außer bei Bär, der extra das generische Genus betont und dadurch auch noch zwischen generisch und pseudogenerisch unterscheiden muß.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 07.03.2018 um 16.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38082

Lieber Herr Riemer,

wenn man von einem generischen Maskulinum spricht, verwendet man Maskulinum doch im Sinne von maskuliner Genus. Also ist ein generisches Maskulinum doch ein generischer maskuliner Genus und somit auch ein generischer Genus. Richtet sich also Ihre Argumentation nicht genausogut auch gegen das generische Maskulinum?

Was mich an dem Begriff generischer Genus allerdings stört, ist daß nach meiner Auffassung der Genus grundsätzlich keinen Sexus impliziert, also schon von seiner Bedeutung her immer in diesem Sinne „generisch“ ist. Daher ist die Bezeichnung generischer Genus in meinen Augen ein Pleonasmus ebenso wie dasgenerische Maskulinum.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.03.2018 um 23.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38073

Es fällt schon auf, daß Bär (soweit ich es bisher sehe) als einziger von einem "generischen Genus" spricht, was ihn dann noch (wieder als einzigen) zur Unterscheidung von generisch und pseudogenerisch zwingt.
Ist das so? Weder bei Eisenberg, von dessen FAZ-Artikel diese Diskussion ausging, noch bei anderen Linguisten (Metzler, Bußmann) finde ich diese Begrifflichkeit, und, wie gesagt, auch nicht in diesem Tagebuch.

In Metzler Lexikon Sprache steht (ich kürze leicht):

Generisch (lat. generatim >klassenweise, im allgemeinen<) 1. Ausdrücke für Gattungsnamen oder Typenbezeichnungen - 2. geschlechtsneutral gemeinte Verwendung von Personenbezeichnungen. [...]

Ja, der Punkt 1. trifft für Wörter wie Mensch, Person zu, Bär mag sie also in seiner Begrifflichkeit als generische Maskulina bzw. Feminina bezeichnen, weil sie in diesem Sinne generisch sind und maskulines bzw. feminines Genus haben, also Maskulina bzw. Feminina im Genus sind.

Aber gibt es ein "generisches Genus"? Das würde m. E. bedeuten, daß es das Genus ist, von dem die klassenbildende Sexusneutralität ausgeht, das halte ich dann doch für nicht zutreffend.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.03.2018 um 19.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38072

Lieber Herr Riemer,

Sie haben ja völlig recht, daß der Streit nicht oder kaum um den "echtem generischem Genus" geht, sondern fast ausschließlich um den sog. „pseudogenerischen Genitiv“. Darauf hatte ich ja schon in meinem Beitrag #38018 hingewiesen.

Andererseits meine ich schon, daß man jedes Wort, daß unabhängig von seinem grammatischen Geschlecht männliche, weibliche und geschlechtlose Individuen bezeichnen kann, als generisches Maskulinum, Femininum oder Neutrum bezeichnen kann (ich vermeide hier absichtlich den Ausdruck generischer Genus, da er mir etwas pleonastisch vorkommt). Das erscheint mir auch das übliche Verständnis zu sein. Deshalb hatte Herr Virch mit seiner ursprünglichen Auffassung nach meinem Verständnis durchaus recht.

Natürlich kann man definieren, wie man will. Man sollte aber nicht die Schwierigkeit, eine andere Definition klar zu formulieren, unterschätzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2018 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38069

Zu Senta Trömel-Plötz (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17899):

Als wegweisend für die Herausbildung einer feministischen Sprachwissenschaft im deutschsprachigen Raum gilt ihr soziolinguistischer Text Linguistik und Frauensprache, der erstmals 1978 in der Fachzeitschrift Linguistische Berichte veröffentlicht wurde. Mit diesem Aufsatz wurde „zum ersten Mal eine problematische Verquickung von grammatikalischem und biologischem Geschlecht“ nahegelegt. Trömel-Plötz „leitete damit die Debatte um das vermeintlich geschlechtsneutrale generische Maskulinum [...] ein und kritisierte, dass diese Form eben nicht geschlechtsneutral wirke [...], sondern Frauen gedanklich auslösche.“ (Wikipedia)

Zur These von Senta Trömel-Plötz, daß Einstein sich bei der Mathematik zu Speziellen Relativitätstheorie von Mileva Marić helfen lassen mußte, vgl. Allen Esterson:
http://www.butterfliesandwheels.org/2006/
who-did-einstein-s-mathematics-a-response-to-troemel-ploetz/
und:
http://www.esterson.org/Defending_Mrs_Einstein.htm

Es gab dazu dann noch weitere Diskussion, die man sich aber schenken kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2018 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38061

"Auch ich habe meine Karriere durch sexuelle Gefälligkeiten erkauft. (Das sehe ich aber erst heute so.)"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2018 um 18.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38060

Wem sagen Sie das! Ich habe zwei Brüder und leider keine Schwester und habe früher mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung gehadert. Aber längst habe ich drei Töchter und keinen Sohn, das ist schon okay.

Es muß immer was zu reden geben. Darum fühlt sich jene Frau ohne Geschmack und Verstand, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, zur Staatsdichterin berufen, statt sich um den Kabinettsproporz zu kümmern...

Nachtrag: Frauen und Männer, Osten und NRW: Durch Proporz-Regelungen ist die Besetzung der SPD-Kabinettsposten schwierig. (welt.de)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.03.2018 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38059

Wenn es genau gleichwahrscheinlich ist, ob ein Ministerposten von einem Mann oder einer Frau belegt wird, ist die Wahrscheinlichkeit dafür, daß alle drei Minister das gleiche Geschlecht haben, keineswegs fast null, sondern auf je drei Fälle mit unterschiedlichem Geschlecht kommt einer mit nur einem Geschlecht:
FFF FFM FMF FMM MFF MFM MMF MMM

Wenn bei einem Verhältnis von 1:3 wirklich einmal der Fall mit der geringeren Wahrscheinlichkeit eintritt, dann muß man noch lange nicht gleich von einem Anachronismus sprechen. Die Aufregung darüber ist nicht gerechtfertigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2018 um 16.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38058

Viele kritisieren und die SZ bezeichnet es als "anachronistisch", daß alle drei CSU-Minister Männer sind. Das kann man so sehen. Aber ist Proporz, welcher auch immer, nicht anachronistisch? Die Kompetenz muß immer zurückstehen, das ist das Wesen von Proporz. Andererseits spielt Kompetenz bei Ministern nur ein untergeordnete Rolle, wie man an den ständigen Kabinettsrochaden sieht. Wiederum andererseits: Ist mit Geschlechterproporz in Regierungen und Unternehmensvorständen den Frauen geholfen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.03.2018 um 22.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38042

Lieber Herr Achenbach,

diese kleine Verwechslung ist wirklich nicht erwähnenswert, und meine Frage danach ist mir peinlich, denn ich hatte den Link bzw. Hinweis von Prof. Ickler auf den Namen Bär zuerst übersehen, hatte also den Irrtum "Frau Bär" zunächst selbst nicht bemerkt. Den Aufsatz hatte ich erst später gelesen. Viel wichtiger als dieser kleine Lapsus wäre mir aber eine Klärung der sachlichen Begrifflichkeit.

Herr Bär benutzt den Ausdruck pseudogenerisch, wo es hier im Tagebuch sonst immer generisch heißt, z.B. generisches Maskulinum: Lehrer steht für Lehrerinnen und Lehrer.

Mensch bzw. Person seien hingegen Wörter mit "echtem generischem Genus", dazu müßte man, wie Sie richtig sagen, dann auch die Fachkraft zählen. Aber sind das nicht eigentlich ganz triviale Fälle, um die es uns hier noch nie gegangen ist?

Ich war deswegen der Meinung, wenn hier im Tagebuch vom generischen Maskulinum oder vom generischen Femininum die Rede ist, beziehen sich Mask. bzw. Fem. nicht aufs Genus, sondern immer auf den Sexus.

Wen interessiert es, ob ein Wort, welches sexusneutral ist (Mensch, Person, Fachkraft usw.), zufällig männliches oder weibliches oder neutrales Genus hat? Das ist doch völlig irrelevant. Deswegen erscheint mir das "generische Genus" von Herrn Bär als überflüssiger Begriff, deswegen habe ich diese Wörter als ganz normale allgemeine (nichtgenerische) Ausdrücke bezeichnet.

Bei meiner Definition generischer Ausdrücke beziehe ich mich nur auf den Sexus, ich war der Meinung, genau und nur darauf käme es an, auch in der sprachpolitischen Auseinandersetzung.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.03.2018 um 18.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38040

Lieber Herr Riemer,

vielen Dank für den diskreten Hinweis auf Herrn Bär.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2018 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38029

Monica Lewinsky sieht ihre berühmte sexuelle Dienstleistung heute in einem anderen Licht. Glaubte sie bisher, es freiwillig getan zu haben, so erkennt sie unter dem Einfluß der großen Enthüllungsbewegung (MeeToo), daß es Freiwilligkeit gegenüber dem Mächtigen nicht geben kann, sie folglich mißbraucht worden sein muß, ohne es zu merken. Das ist ein psychoanalytisches Denkmuster.
Und es ist nicht zu widerlegen: Wäre sie nicht mit dem mächtigsten Mann der Welt, sondern beispielsweise mit dessen Chauffeur in einem Zimmer gewesen, hätte sie sich kaum zu der unappetitlichen Gefälligkeit bewegen lassen. Die Macht ist bekanntlich ein sexuelles Stimulans ersten Ranges und macht sogar Ekliges attraktiv.
Daher läßt sich jede sexuelle Beziehung als Mißbrauch deuten, das ist nur eine Frage der Opportunität. Zur Zeit trägt der Mann das Risiko; früher fühlte er sich nicht selten als Opfer, beschuldigte aber vor allem in vorchristlicher Zeit nicht unbedingt die Frau, sondern schob die Schuld auf einen Gott.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.03.2018 um 02.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38027

Ehrlich gesagt, Herrn Bärs Aufsatz hat mich gerade etwas verunsichert. Entweder liege ich ganz falsch, oder seine Terminologie ist doch völlig anders?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.03.2018 um 02.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38026

Entschuldigung, ich hatte Prof. Icklers Link zu Jochen A. Bär zunächst nicht verfolgt, habe diese Arbeit aber inzwischen gelesen.
Ich denke, Herrn Bärs noch feinere Unterscheidung generisch/pseudogenerisch ist in bezug auf Fachkraft gar nicht nötig, da dieses Wort auch in seinem Sinne überhaupt nicht generisch ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.03.2018 um 23.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38023

Lieber Herr Achenbach,

die Frage mag nebensächlich sein, aber sie wurde nun mal hier gestellt. Wenn auch bereits indirekt beantwortet, so ziehe ich immer eine ganz klare Antwort entsprechend der Frage vor. Indem ich also explizit betone, daß Fachkraft kein generisches Femininum bedeutet, möchte ich einfach jedes Mißverständnis ausschließen. So hoffe ich, daß z. B. ein evtl. Irrtum von mir oder von Ihnen nicht nicht einfach untergeht.

Ich weiß nicht, auf welche Frau Bär Sie sich beziehen und was ihre Terminologie ist, aber benutzen wir doch einfach die allgemein übliche Terminologie.

Mit einem ganz normalen allgemeinen Ausdruck meinte ich hier einen nichtgenerischen Ausdruck.

Ich finde genau wie Sie, daß Fachkraft im Prinzip das gleiche ist wie Person, weibliches Genus zur Bezeichnung von Menschen beider Sexus. Und genau deswegen sind beide Wörter nicht generisch gebraucht. Generischer Gebrauch heißt, entweder eine männliche (bzgl. Sexus) Bezeichnung oder grammatische Form wird auf beide biologischen Geschlechter (Sexus) bezogen oder eine weibliche (bzgl. Sexus) Bezeichnung oder grammatische Form wird auf beide biologischen Geschlechter (Sexus) bezogen. Beispiele beider Arten gibt es ja hier genug.

Da sowohl Fachkraft als auch Person nur weibliches Genus haben, aber den Sexus offenlassen (das meinte auch Prof. Ickler mit "Sexus hat hier gar keine Anwendung"), sind dies keine generischen Ausdrücke.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.03.2018 um 15.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38018

Lieber Herr Riemer,

ich kann Ihnen da nicht ganz folgen, zumal ich nicht recht weiß, was „ein ganz normaler allgemeiner Ausdruck“ ist. Die Fachkraft ist jedenfalls nicht etwa mit der Gravitationskraft zu vergleichen. Sie bezeichnet vielmehr eindeutig Menschen, und es gibt männliche und weibliche Fachkräfte. Das Wort unterscheidet sich daher nicht grundsätzlich von dem Wort Person, das nach der Begrifflichkeit von Frau Bär ein „echter generischer Genus“ ist.

Wörter wie Putzkraft oder Schreibkraft sind ja gerade dazu geprägt worden, um jeden Bezug zum Sexus zu vermeiden (anstatt Putzfrau, Sekretärin). Infolgedessen genießen sie ja das Wohlwollen der Gender-Ideologen. Aus deren Sicht sind sie sogar besser als Wortschöpfungen wie Studierende oder Lehrende, da diese nur in der Mehrzahl geschlechtsneutral sind.

Fachkraft läßt sich aus demselben Grund auch nicht mit Wahrheit oder Leben vergleichen, und die männliche Fachkraft zeigt ja, daß hier Sexus durchaus „Anwendung hat“.

Der entscheidende Unterschied zwischen Fachkraft und etwa Lehrer ist der, daß von ersterem keine den Sexus bezeichnende Ableitung mit der Endsilbe -in bilden läßt. In der Terminologie von Frau Bär handelt es sich bei Lehrer daher um einen „pseudogenerischen Genus“.

Es ist ja gerade dieser pseudogenerische Genus, der der Stein des Anstoßes für die Anhänger „gendergerechter Sprache“ ist. Infolgedessen ist die Frage, ob Fachkraft ein generisches Femininum ist, nur ein Nebenkriegsschauplatz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2018 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38002

Berufsrisiko: Hand am Hintern (ZEIT über Kellnerinnen)

Na ja, man kann nicht hektoliterweise Bier an Männer ausschenken und dann erwarten, daß sie sich benehmen wie in der Kirche. "Eklig" schon, aber irgendwie auch verständlich. Es gibt viel Ekligeres, worüber mir Frauen berichten und wovon wir Männer gar nichts mitkriegen.

Die Überschrift alliteriert und folgt außerdem dem Gesetz der wachsenden Glieder (no pun intended), aber eigentlich handelt es sich wie so oft um einen Parallelismus membrorum (same again), nämlich doppelten Trochäus: Hánd am - Híntern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2018 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38001

Sehr gut gesagt. Ich hatte auch nicht den Eindruck, daß Sie das Wort falsch verstanden haben. Aber die Sache ist kompliziert, daher mein Hinweis auf den Aufsatz von Bär, der es im wesentlich ganz gut erklärt.

Man muß auch immer mit einer pragmatischen "Konversationsmaxime" rechnen (wenn man es mit Grice sagen will). Wenn wir z. B. einen Hund sehen, werden wir kaum Säugetier sagen und damit verleugnen, wie genau wir bereits informiert sind. Und in den meisten Fällen werden wir eine Frau, die aus dem Sprechzimmer kommt, nicht Arzt nennen, sondern eben Ärztin, generisch hin oder her.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 02.03.2018 um 09.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38000

Die Bedeutung von „generisch“ war mir schon klar, der Hinweis auf den Eisenberg-Artikel in der FAZ hatte mich aber auf den Gedanken gebracht, daß eine ältere Notiz von mir fehlerhaft sein könnte (sie ist es immer noch: https://virchblog.wordpress.com/2013/07/09/von-menschen-und-menschinnen-warum-mannliche-professorinnen-elitare-kackscheise-sind/). Mir war nicht klar, wie eng der Begriff des generischen Femininums zu fassen ist, daß also Abstraktbildungen wie „Fachkraft“ ungeachtet ihres Femininums und ihrer generischen Anwendung nicht hineingehören.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.03.2018 um 20.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37995

Ich habe den Eindruck, bitte entschuldigen Sie, falls ich mich irre, daß Herr Virch das Adjektiv generisch von Genus ableitet. Es geht bei "generisch" aber nicht ums Genus, sondern ich lese es etwa wie "allgemein" (detaillierter siehe Wikipedia). "Fachkräfte" sind also kein generischer Ausdruck (kein generisches Femininum) für Menschen beiderlei Geschlechts, sondern es ist ein ganz normaler allgemeiner Ausdruck, der eben zufällig weibliches Genus hat.

Ein generisches Femininum wäre, wenn eine grammatische Form, die immer für weiblichen Sexus steht, auf alle Individuen bezogen wird.

Mir fällt dazu die Gottesanbeterin ein, der Name gilt allgemein für das Insekt, sowohl für männliche als auch weibliche Vertreter, sie ist also ein Beispiel fürs generische Femininum. Zur Unterscheidung ist man gezwungen, von "männlichen Gottesanbeterinnen" zu sprechen, denn die Tierart Gottesanbeter gibt es nicht.

Das ist anders als z.B. bei männlichen und weiblichen Katzen (oder Ziegen). Katzen (oder Ziegen) haben weibliches Genus und können sich im Sexus sehr wohl in männlich und weiblich unterscheiden. Das Wort Katze (oder Ziege) mit weiblichem Genus hat also bzgl. Sexus nichts Generisches, sondern ist ein sexus-neutraler Oberbegriff.
Aber das Suffix -in zeigt eigentlich nur weibliches Sexus an. Bezieht man es trotzdem auf Männchen und Weibchen (wie bei der Gottesanbeterin), kann das nur generisch gemeint sein, hier also generisches Femininum, generische Verwendung des Suffix -in.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.03.2018 um 15.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37991

Danke!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2018 um 14.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37990

Enten sind natürliche Arten mit geschlechtlicher Fortpflanzung, Kraft ist eine Abstraktbildung ("Anspannung") wie Krankheit, Unfall usw.

Zur Begrifflichkeit vgl. www.baer-linguistik.de/beitraege/genus_und_sexus.pdf

(nicht fehlerfrei! Der Verfasser kann kein Griechisch.)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.03.2018 um 11.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37989

"Fachkraft ist grammatisch feminin, wie Hilfe usw., das ist Genus; Sexus hat hier gar keine Anwendung.“ Darum ging es mir. Ist das nicht eine Form generischen Femininums? Eisenberg selbst verweist auch auf die Ente. Tatsächlich sind Erpel ja auch Enten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2018 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37987

Fachkraft ist grammatisch feminin, wie Hilfe usw., das ist Genus; Sexus hat hier gar keine Anwendung.
"Ich bin die Wahrheit und das Leben", hat mal ein junger Mann(!) gesagt, und das ist wenigstens in grammatischer Hinsicht nicht zu beanstanden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.03.2018 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37986

Ich verstehe, aber nicht ganz, fürchte ich. Wenn ein Betrieb erklärt, seine Fachkräfte seien bestens geschult, können damit doch Männer wie Frauen gemeint sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2018 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37985

Dumm ist die Frage durchaus nicht, vgl. aber http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1135#27578

Hans Müller ist eine Fachkraft.

Hier ist keine Kongruenz erforderlich, im Prädikat kann Beliebiges stehen. Bei Nomina agentis oder anderen Personenbezeichnungen kommt ein generisches Maskulinum in Frage: der Versager/die Versagerin Anna Müller ist auch ein Dieb/eine Diebin. In solchen Fällen dürfte aber der sachgemäße Sexus als besser empfunden werden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.03.2018 um 08.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37984

Dumme Frage: Ist die Fachkraft Hans Müller kein generisches Femininum?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2018 um 08.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37983

Schon wieder hat US-Präsident Donald Trump einen Mitarbeiter aus seinem inneren Zirkel verloren. Mit Hope Hicks geht nicht nur die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, sondern auch eine langjährige und persönliche Vertraute Trumps. (SZ 1.3.18)

Das generische Maskulinum gedeiht prächtig – wenn ein Text verkauft und nicht von Amts wegen gelesen werden muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2018 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37966

In der FAZ (28.2.18) bricht Peter Eisenberg eine Lanze für das generische Maskulinum.
„Die Sexualisierung des Maskulinums und des Femininums wurde bis in die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts mit Energie betrieben, auch Jacob Grimm war mit einem konsequenten Animismus dabei.“
Das ist nur halb richtig und betrifft die Theorie zur Entstehung der Genera. Aber Grimm hat auch geschrieben: „Der pedant wird seiner schwindsüchtigen frau nicht eselsmilch, nur eselinnenmilch zu trinken anrathen ...“ (Über das pedantische in der deutschen sprache. 1847).
Eisenberg geht auch nicht auf die Asymmetrie der Geschlechtsbezeichnungen ein. Er erwähnt nicht, daß die maskuline Form zwar zur Neutralisierung des Geschlechtsunterschieds dient, aber nicht in jedem Verwendungszusammenhang. In „Lehrer-Schüler-Verhältnis“ liegt Neutralisierung vor, in „Da drüben kommt ein Lehrer“ aber nicht.
Daß das generische Femininum „nicht möglich“ sei, ist leider übertrieben. In der Sondersprache der Akademiker, z. B. in den USA, ist es schon weitgehend durchgesetzt: eine Machtfrage wie die Rechtschreibreform.
Eisenberg schreibt etwas änigmatisch:
Im Deutschen sind bis heute viele Plurale („Mehrheiten“) identisch mit femininen Formen. Substantive verwenden im Plural die Artikelform „die“. Sollten Männer aus der Form „die Menschen“ etwa schließen, sie seien nur „mitgemeint“, gemeint seien eigentlich nur Frauen?
Wieso „bis heute“? Der Zusammenfall der Formen setzt keine alten Verhältnisse fort, sondern ist ein rezenter Zufall der Sprachgeschichte.
Mit seiner berechtigten Kritik an „Duden: Richtig gendern“ zielt er auch auf die nicht namentlich genannte Mitverfasserin Gabriele Diewald.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2018 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37936

Daniel Dennett rechtfertigt den Titel seines neuen Buches: From bacteria to Bach and back. Erstens sei die Versuchung der Alliteration zu stark gewesen, und zweitens habe er kein Frau von ähnlich "ikonischem" Rang gefunden wie so viele Männer. Der Leser möge sich in dieser Hinsicht selbst prüfen.
Alles ein bißchen witzelnd, aber der Rechtfertigungszwang ist nun mal da und wird augenzwinkernd anerkannt.

Anderswo lese ich:

First, I appeal to the reader’s own sense of her experience. (http://www.3ammagazine.com/3am/the-splintered-skeptic/)

Das generische Femininum ist der neue Standard, auch wenn, wie hier, die Leserschaft überwiegend männlich sein dürfte. Es ist aber noch kein Teil der Sprache, sondern gehört zur allgemein üblichen Heuchelei. Eben "splintered mind" – wie gerade dieser Autor es treffend nennt.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 21.02.2018 um 14.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37899

Der „Postillon” schlug jüngst eine männliche Form vor, die mit "-er" gebildet werden soll, also:

- Professor (m oder w)
- Professorin (w)
- Professorer (m)

Das halte ich für eine brauchbare Idee. Die von mir unterschlagenen, weiteren 58 Geschlechter könnte man oben mit einordnen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.02.2018 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37897

Wo Frauen ohnehin das Privileg genießen, nicht nur durch das generische Maskulinum repräsentiert zu sein, sondern obendrein mit der Endung -in bzw. -innen ihr biologisches Geschlecht betonen zu können! Wir Männer sind immer nur mitgemeint.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2018 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37895

Der BGH muß sich mit der Klage einer älteren Dame beschäftigen, diesmal einer Sparkassenkundin (Marlies Krämer, 80), die seit Jahrzehnten eine „geschlechtergerechte“ Formulierung der Vordrucke usw. verlangt. Das Urteil wird am 13.3.18 erwartet.
Nachdem der Staat und auch einige Gerichte sich in unzähligen Texten gegen die Sprachwissenschaft und für die Politische Korrektheit (Gender-Ideologie) entschieden haben, kann das Gericht kaum dahinter zurückgehen. Es hat keinen Zweck, dagegen zu protestieren. Caesar supra grammaticos, trotz allem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2018 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37784

Bewusstseinsbildende Maßnahmen

§ 63. Die Universität Salzburg setzt aktiv Maßnahmen zur Bewusstseinbsbildung (!) durch
1. die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache insbesondere in Aussendungen, Formularen, Mitteilungen, Protokollen sowie Internetauftritten. Die Verwendung von Generalklauseln zur Rechtfertigung einer nicht geschlechtergerechten Sprache ist dabei nicht zulässig [...]

Satzung der Universität Salzburg, Auszug aus Teil IV Frauenförderung.


(https://www.uni-salzburg.at/fileadmin/multimedia/Praktische%20Theologie/documents/Anderes/Leitfaden_f%C3%BCr_gerechten_Sprachgebrauch.pdf)

Läse jemand dort den eigenen Leitfaden, hätte er vielleicht den Tippfehler bemerkt. Gleichwohl – als Student oder Mitarbeiter würde ich der Verwaltung nicht gern erlauben, mein Bewußtsein ändern zu wollen. Schon das Geständnis, ein falsches Bewußtsein zu haben, würde mir schwerfallen, weil es mich zu sehr an Selbstbezichtigungen in kommunistischen Schauprozessen und "1984" erinnerte. Wie viele kriechen zu Kreuze, weil sie ihre Stelle nicht verlieren wollen?

Versteht sich, daß der Leitfaden wie seine gesetzliche Grundlage dann fortfahren, gewagte Behauptungen über Sprache und Denken aufzustellen und dafür Glaubensgehorsam zu fordern wie die Kirche. So steht gleich am Eingang des akademischen Lebens ein Denkverbot.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.02.2018 um 11.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37738

Dame zu Frau entspricht genau dem Verhältnis von Herr zu Mann: Herrensocken, Klo für Herren, Handball-Herren.
Ausnahme ist die Anrede: Herr und Frau Müller.
Wenn jemand von der "Dame Merkel" spricht, klingt das eher spöttisch als bewundernd oder im gesellschaftlichen Kontext.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2018 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37736

Das ist wahrscheinlich nicht aufzuhalten (die Euphemismen-Tretmühle). Es gibt ja schon die Damenbinde und das Klo für Damen (D), auch Handball-Damen usw.
Die Lyrik ist konservativ, noch wäre die Bewunderung einer Dame nicht dasselbe wie die Bewunderung einer Frau. Gibt es nackte Damen - mit Brüsten usw.?
Dame ist eben gesellschaftlich, Frau und auch immer noch Weib (in den Ableitungen) ist biologisch.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.01.2018 um 15.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37679

Mir scheint, das Wort "Frauen / mujeres / pani" ist in seiner Bedeutung abgewertet worden wie früher das einmal ehrenwerte Wort "Weib". Es würde genügen "mujeres / Frauen" zu ersetzen durch "Senoras / Damen / damy",
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2018 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37613

Zu Gomringers Gedicht:

So reproduziere es eine „klassische patriarchale Kunsttradition, in der Frauen ausschließlich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren“, erklärten die Studentenvertreter. „Es erinnert zudem unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind.“ Die Studenten forderten, das Gedicht zu übermalen. (welt.de 24.1.18)

Man sollte vorsichtig sein. Die Studentenvertreter verraten mehr über sich selbst, als ihnen vielleicht lieb ist.

Umfrage:

Finden Sie das Gedicht "avenidas" von Eugen Gomringer sexistisch?
- Ja, Frauen werden darin zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert.
- Nein, die Aufregung ist völlig überzogen.
(welt.de 24.1.18)

Der größte Teil der Lyrik aller Zeiten und Völker sollte vernichtet werden ("Ich übergebe der Flamme...").
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2018 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37605

An der Berliner Alice Salomon Hochschule geschieht das Unvermeidliche: das Gedicht von Gomringer wird beseitigt. Es könnte ja jemand – wie die Aktivisten selbst – auf den Gedanken kommen, der Text sei irgendwie sexistisch.
Das Gedicht ist ja absichtsvoll verrätselt, weil es jede Aussage vermeidet. Gerade das scheint einige rasend zu machen; sie vermuten hinter dem Unverstandenen eine besondere Niedertracht. Das unanständige Wort "Frauen" löst wie "Neger" den Reflex der guten Gesinnung aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2018 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37604

Kein normaler Mensch in Europa glaubt, dass er oder sie durch das Europaparlament unmittelbar demokratisch vertreten wird. (Timothy Garton Ash, Schweizer Monat Juli 2017)

Nein, nicht oder sie; das geht einfach nicht.

(Auch sonst nicht unbedingt lesenswert.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2018 um 10.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37564

Die Suchmaschine unterringelt Herausgeberinnenschaft, es steht auch nicht im Duden. Man findet es hauptsächlich bei Veröffentlichungen von Universitäten und Ministerien, also auf Spielwiesen. Gute Bücher können das nicht sein.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 09.01.2018 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37535

„kreativ” ist offenbar ein Euphemismus für „dumm”.

Genitivitiskranke Blasenkonstrukte wie „entsprechend der Wirklichkeiten” werden in der angelsächsischen Fachsprache, glaube ich, als Bullsh*t bezeichnet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2018 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37530

"Kreativität"! Die braucht man, um sich vollkommen konformistisch zu verhalten:

https://www.uni-marburg.de/fb05/studium/studiengaenge/diplom-kirch-ex/studienverlauf/studium/pruefungen/inklusivesprache
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.01.2018 um 14.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37520

Auch ein schöner Beitrag zur politischen Korrektheit
(aus einem satirischen bayrischen Lied, gestern abend auf BR Heimat gehört):

die Wildererin
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2018 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37517

Wie weit das Gendern in die Verkehrszeichen vorgedrungen ist, habe ich nicht verfolgt. Besonders in Österreich scheint man aktiv geworden zu sein.

Die Frau mit Pferdeschwanz, die an einem Erdhaufen schippt, ist insofern unrealistisch, als man im Straßenbau praktisch nur Männer schaufeln sieht. Auch für die ist es nicht besonders gesund.

Fahrräder für Männer sind der Prototyp, vgl. auch Rennräder. Der niedrige Einstieg der Damenräder nimmt auf Röcke Rücksicht, und solange Frauen noch solche Kleidung vom Typ "Wrap-around" tragen, werden auch die extrem stilisierten Menschen ohne Herrenhut, aber eben mit "Separate-leg-garment", zunächst als Männer gedeutet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2018 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37482

Die neue Regierung Österreichs will den Genderwahn stoppen. Die Stimmung ist günstig, weil gerade Österreich es auf die Spitze getrieben hat (Nationalhymne, Gehrers Sprachregelung, Gender-Spielplätze usw.). Auch sonst viel gesundes Volksempfinden im Sinne der „Krone“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2018 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37444

Unser Ziel ist es, den verschiedenen Nutzer/inneninteressen weitestgehend gerecht zu werden und die notwendigen Informationen bereitzustellen, um schnell Antworten auf sprachliche Zweifelsfälle zu präsentieren. Damit uns dies gelingt, muss der Nachschlagende selbst entscheiden können, in welcher Form bestimmte Informationen dargestellt bzw. angeordnet werden.
(Storjohann vom IDS über das geplante Paronymwörterbuch)

Weibliche Nachschlagende werden hier unsichtbar gemacht, während sie als Nutzerinnen ausgerechnet im Kompositum sichtbar sein sollen? Das ist doch nicht gerecht!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2017 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37424

Kann ich meine Frau „verstehen“? Dann müßte ich mir z. B. vorstellen können, wie es ist, mit mir verheiratet zu sein. Das fällt mir schwerer, als mich in eine Fledermaus zu versetzen.
Man sollte verständnisvoll sein, aber den Begriff des „Verstehens“ nicht sinnlos überreizen. Es hätte auch keinen Wert. Wenn ich meine Frau, meine Kinder und nun die kleine Enkelin „wirklich“ verstünde, im Sinne der Hineinversetzung – was hätten sie denn davon? Dann wäre ich eben nicht der Mann, Vater, Großvater, an dem sie aus welchen Gründen auch immer hängen. Verstünde meine Frau mich vollkommen, wäre sie wirklich die sprichwörtliche Schlaftablette; dann hätten wir einander nichts zu sagen. Einer wie ich reicht mir!
Spaß beiseite: Die Verschärfung der Begriffe über jeden normalen Gebrauch hinaus schafft Scheinprobleme, die uns von der Lösung der wirklichen ablenken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2017 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37423

In einem "Spezial Männer" der Silvesterausgabe der FAS träumt Harald Staun wieder einmal von der "Abschaffung der Geschlechter", wie schon vor zwei Jahren, mit Shulamith Firestone, "Xenofeminismus" usw., immer dieselbe sparsame Bewirtschaftung eines begrenzten Gedankenvorrats. (Meistens steckt ja dahinter etwas Persönliches.)

Am Horizont taucht noch sehr unbestimmt ein neuer Mensch auf, dem diese Abschaffung nichts ausmacht. "Sie fragen nicht nach Mann und Weib, und keine Kleider, keine Falten umgeben den verklärten Leib." (Das war jetzt nicht Staun.) Einstweilen umgeben noch Falten den gar nicht verklärten Leib, und auch die Kosmetikindustrie macht Milliarden mit der Verschönerung der Sexobjekte. Vielleicht sollte Staun dort ansetzen statt bei der Macho-Gehirnwäsche.

Schon früher haben sich Frauen dagegen gewehrt, den von Staun erträumten neuen Mann für den Mann ihrer Träume halten zu sollen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.12.2017 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37378

Stefan Heym ist einer der langweiligsten Leute, die unter uns sind. (Johannes Gross 14.10.88)

Leute ist Pluraletantum, regiert also kein Genus. Um so bemerkenswerter diese partitive Konstruktion, die ein Maskulinum aussondert.

Es gibt Tausende von Belegen für er war einer der Leute, aber so gut wie keine für sie war eine der Leute, aber auch nicht für ein generisches Default-Maskulinum wie sie war einer der Leute, das man erwarten könnte. Gelegentlich wird von einer Frau gesagt, daß sie eine von den Leuten ist oder war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.12.2017 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37376

„Jede zweite Frau wurde schon einmal sexuell belästigt, da ist die Statistik recht klar.“ (FAZ 23.12.17)
Keineswegs. Der Begriff der sexuellen Belästigung ist so unbestimmt wie kaum ein anderer und vom Zeitgeist abhängig. Die Statistik beruht auf Umfragen unter den Opfern, daher:
„Als Opfer sexueller Belästigung betroffen sind Frauen (je nach Umfrage 28-58 %) wesentlich häufiger als Männer (ca. 10 %).“ (Wikipedia)
28 bis 58!
In unserer Kultur (und auch sonst weithin) gilt als ausgemacht, daß der Mann bei der Anbahnung intimer Beziehungen die aktivere, werbende Rolle spielt. Damit steigt sein Risiko, als belästigend angeschwärzt zu werden. Die Frau gilt wieder grundsätzlich als engelhaft rein, ohne Ahnung von unterleiblichen Gelüsten. Abartige Ausnahmen bestätigen die Regel: Wie mir eine Elvis-Biographin mitteilt, wurde das „Sexsymbol“ von unzähligen Frauen bedrängt, auch durch zehntausend Briefe mit eindeutigem Inhalt und entsprechender Bebilderung. Substanzlose Vaterschaftsklagen enttäuschter Verehrerinnen mußten abgewiesen werden usw.
Mit dem Dirigenten Charles Dutoit wollen vier bekannte Orchester nichts mehr zu tun haben, nachdem Vorwürfe sexueller Belästigung gegen ihn erhoben wurden. Eine Sopranistin, der er sich vor über 30 Jahren unangemessen genähert haben soll („Zungenküsse“ – brr!), habe sich damals Freunden anvertraut, mehr aber nicht, weil sie damit gerechnet habe, daß man ihr nicht glaube. Solche Solisten sind nicht einmal vom Dirigenten abhängig wie Filmsternchen vom Produzenten. Dutoit mag als Schürzenjäger bekannt gewesen sein, das hat außerhalb seiner Künstlerkreise niemanden interessiert. Das Ganze ist schäbig, reicht aber immer noch aus, eine Karriere für immer zu ruinieren. Strafrechtlich relevant ist wahrscheinlich gar nichts, und einem ordentlichen Verfahren wird es nicht kommen. Die bloßen Anschuldigungen gegen den 81jährigen haben aber sofort einen Abschnitt in der englischsprachigen Wikipedia bekommen, die deutsche wird in diesen Tagen nachziehen. Hunderte von Karrieren werden im modischen Shitstorm versanden. Ein Freispruch ist nach Logik der Hexenprozesse fast nicht möglich, die Anschuldigung ist das Urteil.

Nachtrag 31.12.17: Die Vorwürfe gegen Dutoit sind inzwischen auch in der deutschsprachigen Wikipedia eingetragen, wenn auch konfus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.12.2017 um 03.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37372

Es wird oft behauptet – so jetzt wieder von Kardinal Marx –, der Staat könne und dürfe die Ehe nicht einfach umdefinieren (gemeint ist natürlich die Öffnung für Gleichgeschlechtliche).

Aber ist das richtig gesehen? Logisch würde man sagen: nur extensional. Zum Vergleich: Definiert der Staat den Begriff "Volljährigkeit" um, wenn er das Alter von 21 auf 18 Jahre herabsetzt? Niemand bezweifelt doch wohl, daß so etwas möglich ist.

Die Öffnung der Ehe ist für Reinhard Kardinal Marx ein großer Fehler – auch weil „man das Kind in solchen Debatten zum Produkt macht“. (welt.de 22.12.17)

Auch das ist schwer nachvollziehbar, wie so vieles, was Kleriker über Geschlecht und Fortpflanzung sagen. Sie meinen, daß Kinder schicksalhaft und nicht geplant über ein – natürlich ordnungsgemäß getrautes – Ehepaar kommen müssen, weshalb auch jeder Geschlechtsakt nur dann zulässig sei, wenn er "offen für die Empfängnis" ist. So die Dogmatik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2017 um 13.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37347

Schweden treibt die sexuelle Korrektheit auf die Spitze (welt.de)

Keineswegs. Zwar müssen Erwachsene, die zum Beispiel von ihrem Ehepartner Sex wollen, in Zukunft ausdrücklich dessen Einverständnis einholen, aber wie jeder weiß, sind mündliche Auskünfte nie eindeutig, insbesondere wegen des analogen Charakters der Prosodie und der nonverbalen Begleitkommunikation. Ohne Schrift-Verkehr wird es nicht gehen; und selbst schriftliche Dokumente sind nicht immer eindeutig ernstgemeint, z. B. „Sklavenbriefe“ und ähnliche Spielformen. Ein zufriedener (ehemaliger) Partner wird immer Möglichkeiten finden, nachträglich jedes Einverständnis abzustreiten.
Zum rationalen Verhältnis der Schweden zum Sex vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20244
Geschlechtsverkehr kann natürlich auch als reine Hygienemaßnahme verstanden werden. Wenn Zeitungen nun schreiben, Sex sei in Schweden in Zukunft so unromantisch wie in Saudiarabien, so ist das aber ganz falsch. Wo die Sittenpolizei Wache hält, müssen die Geschlechtspartner ihr Zusammensein einer dritten Macht abluchsen, und das kann sehr romantisch sein. Die extreme Vernünftigkeit der Schweden ist gerade das Gegenteil.

In den schlimmen Büchern, die ich in meiner Jugend gelesen habe, standen manchmal solche Stellen: "Sie fielen übereinander her." Auch in Filmen kommt so etwas vor. Ist das nicht furchtbar?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37322

Fragen Sie Ihre oder Ihren...

Linguistisch Unbelehrte geben keine Ruhe, auch 12 Jahre nach dem Vorstoß des Gesundheitsministeriums unter Ulla Schmidt:

Dr. med. Christiane Groß, M.A., Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. macht anlässlich des Internationalen Frauentage 2017 auf diese sprachliche Unstimmigkeit aufmerksam: „Sprache und damit auch die Amts- und Rechtssprache bringt mit Vokabular, Orthographie und Grammatik auch das Verhältnis zur Gleichstellung zum Ausdruck. Der DÄB fordert daher seit vielen Jahren, bei Berufsbezeichnungen eine geschlechtergerechte Sprache zu verwenden und mahnt dies immer wieder an. Die ausschließlich männliche Form ist unserer Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß und verkennt, dass in Deutschland 63 Prozent der Medizinstudierenden Frauen sind, es über 170.000 Ärztinnen und über 30.000 Zahnärztinnen gibt und neun von zehn Apotheken von Frauen geführt werden. Ich meine, dass eine geschlechtergerechte Sprache keine Schwierigkeiten bereitet, sie ist nur nach wie vor etwas gewöhnungsbedürftig“.

Vorschriften geschlechtergerecht und zugleich fachlich und sprachlich einwandfrei zu formulieren, erweist sich in der Praxis manchmal als schwierig. Die deutsche Sprache bietet jedoch eine Vielzahl von Optionen, um maskuline Bezeichnungen als Oberbegriff für männliche und weibliche Personen zu vermeiden. Als Hauptargument bei der ausschließlichen Nennung der männlichen Form wird zum Beispiel immer wieder vorgebracht, Frauen würden bei der männlichen Form einfach mitgedacht. Warum? Genauso gut könnte man die weibliche Form verwenden und sagen, Männer werden mitgedacht.

Wir regen eine Nachbesserung des Heilmittelwerbegesetzes an, damit Ärztinnen, Zahnärztinnen und Apothekerinnen künftig auch sprachlich sichtbar sind und sich nicht hinter maskulinen Subjektiven verstecken müssen. Für eine geschlechtergerechte Sprache stehen zum Beispiel der Schrägstrich bei der Berufsbezeichnung Arzt/Ärztin und Apotheker/Apothekerin zur Verfügung und das so genannte Binnen-I mit ÄrztIn und ApothekerIn sowie der Unterstrich mit Ärzt_in und Apotheker_in. Nur für Stellenausschreibungen gibt es schon eine Soll-Vorschrift: Wird zum Beispiel ein Arzt oder Apotheker gesucht, muss eine solche Stelle geschlechtsneutral mit „m/w“ ausgeschrieben werden. Das bedeutet, männliche und weibliche Bewerbungen sind gleichermaßen willkommen.

(https://www.aerztinnenbund.de/Augen_auf_im_Alltag.2640.0.2.html)

(Man beachte den Widerspruch: Es gibt keine Schwierigkeiten, man kann sie aber auf verschiedene Arten überwinden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37321

Man hat vorgeschlagen:

Der/die Besitzer(in) kann die Herausgabe der Sache verweigern, wenn er/sie oder der/die mittelbare Besitzer(in), von dem/der er/sie sein/ihr Recht zum Besitz ableitet, dem/der Eigentümer(in) gegenüber zum Besitze berechtigt ist.

Oder mit amtlich noch nicht zugelassenem Binnen-I:

Der/die BesitzerIn kann die Herausgabe der Sache verweigern, wenn er/sie oder der/die mittelbare BesitzerIn, von dem/der er/sie sein/ihr Recht zum Besitz ableitet, dem/der EigentümerIn gegenüber zum Besitze berechtigt ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37319

Wenn man nachrechnet, sind viele feministisch formulierte Texte grammatisch nicht korrekt:

durch Wissenschaftler(inne)n und Lehrer(inne)n (Thomas Herbst/Michael Klotz: Lexikografie. Paderborn 2002:102)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2017 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37250

Es dürfte nur wenige Texte geben, die das Gendern wirklich konsequent durchziehen, am ehesten vielleicht von österreichischen Germanistinnen, denen es egal ist, ob jemand außerhalb des eigenen Zirkels sie liest.

In Unternehmenstexten wird der Verfasser nur gelegentlich vom feministischen Rappel ergriffen:

wie der Teilnehmer oder die Teilnehmerin seine bzw. ihre Rolle als Geschäftsführer/in wahrnimmt

– und nach diesem Pfötchengeben geht es normal weiter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2017 um 09.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37189

Duden: "Richtig gendern: Wie Sie angemessen und verständlich schreiben" (2017)

Erwerbszweig Gendern. (Gibt es ein richtiges Schreiben im falschen? "Angemessen" heißt politisch korrekt, also linientreu, und verständlich soll es trotzdem sein.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2017 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37154

Die strikte Beachtung des Genus ist schon lange vor dem Gendern unbequem:

Als Hauptsatz wird das erste Modul oder eine erste Modulkombination bezeichnet, mit dem oder mit der eine Exposition beginnt und welche die Haupttonart festigt.

Wie man sieht, verlassen den Schreiber schon bald die Kräfte (welche). Möglich wäre der Plural: mit denen...
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 30.11.2017 um 16.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#37152

"Wenn jemand zwölf Jahre lang ein Land dominiert, dann ist sie ohne Frage mitverantwortlich für den Zustand eines Landes.“ (Spiegel Online)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.11.2017 um 14.28 U