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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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31.07.2008
 

Jede und jeder
Die Politische Korrektheit spaltet die Sprachgemeinschaft

Noch stärker als die Rechtschreibreform trägt die Politische Korrektheit zur Sprachverhunzung bei.
Hier kommt ja noch hinzu, daß nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung, nämlich die Behörden und einige Wissenschaftler (besonders Linguisten), sich dem Wahn unterwirft. Zeitungen und Schriftsteller widersetzen sich, sie wollen ja auch gelesen werden.

Vor mir liegt eine neue Broschüre des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bundesministerium für Bildung und Forschung) vom Juli 2008. Die feministische Sprachregelung ist äußerst konsequent durchgeführt.
Bewerberinnen und Bewerber, Arbeitgeber/innen
Ausbilder/innen, Personalberater/innen und Personalchefs und -chefinnen.
Versuche, gemeinsam mit deiner Tischnachbarin oder deinem Tischnachbarn eine entsprechende Bewerbung zu verfassen.
Die Inhalte werden von jeder und jedem selbst erstellt.
eine Erläuterung, die jeder und jedem Interessierten zur Verfügung steht
.

Orthographisches:
dem einzelnen
zurecht finden
schwer fallen
allgemein bildende Schulen
(aber im selben Text auch allgemeinbildend)



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Kommentare zu »Jede und jeder«
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Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.08.2017 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36023

zu #36020:
War das alles, die Fahr-Erfahrung mit der Zeitdauer des Führerscheinbesitzes gleichzusetzen?

Es könnte ja sein, daß Männer aus beruflichen Gründen oder wegen anderer Rollenverteilung innerhalb eines Jahres viel häufiger Auto fahren als Frauen, und daß daher das bessere Einparken doch nichts mit einer geschlechtsbezogenen Begabung zu tun hat, sondern einfach mit mehr Übung.

So wie der Artikel geschrieben ist, scheint das jedenfalls nicht berücksichtigt worden zu sein. Wie auch immer, der Leser wird wieder mal für dumm verkauft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2017 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36022

Durch die Presse geht gerade: Die sexuelle Orientierung von Adoptivkindern wird nicht dadurch beeinflußt, ob sie von homo- oder heterosexuellen Paaren aufgezogen werden.

Daraus könnte geschlossen werden, daß Geschlecht eine biologische Kategorie und kein gesellschaftliches Konstrukt ist ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2017 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36021

Man liest ständig, daß die Gehirne von Männern und Frauen bei bestimmten Aufgaben mehr oder weniger verschieden arbeiten. Gibt es eigentlich Aufgaben, bei denen sie genau gleich arbeiten? Könnte es sein, daß die "bildgebenden Verfahren" (Hirnscan) stets Unterschiede produzieren? Ist das untersucht worden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2017 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36020

Bei einigen wenigen räumlichen Denkprozessen weisen Männer teilweise eine deutliche Überlegenheit auf, wobei es Männer besonders gut können, sich vorzustellen, wie ein kompliziertes Objekt, das im Raum gedreht wird, aussehen würde, wenn die Drehung zu Ende ist, d.h., sie sind in Belangen der mentalen Rotation besser. Einige Dinge, die daraus folgen, liegen diesem Kern zugrunde, denn Frauen sind überall dort, wo das Rotationsprinzip eine Rolle spielt, im statistischen Mittel, weniger begabt, wobei es sich dabei um einen statistischen, sehr robusten Effekt handelt, der seit 40 Jahren und über alle Kulturkreise hinweg nachgewiesen werden konnte. In diesem Fall kann man mit großer Wahrscheinlichkeit von einem biologischen Faktor ausgehen, wobei auch die links-rechts-Verwechslung ist bei Frauen etwas stärker ausgeprägt, wenn auch der Unterschied nicht so deutlich ist wie bei der mentalen Rotation. Frauen parken daher experimentell nachweisbar schlechter ein, was sowohl mit der weniger ausgeprägten Begabung der räumlichen Vorstellung als auch vermutlich einem geringeren Selbstbewusstsein von Frauen angesichts von Parklücken zu tun hat. Frauen brauchen länger, um schlechter einzuparken. In Experimenten hat man Fahranfänger untersucht, die den Führerschein maximal zwei Wochen hatten, und etwas erfahrenere Autofahrer und Autofahrerinnen, die den Führerschein schon ungefähr ein Jahr hatten. In beiden Gruppen sind die Frauen, sowohl was die Geschwindigkeit des Einparkens als auch was die Präzision des Einparkens angeht, deutlich schlechter gewesen. Zunächst scheint es stark biologisch beeinflusst zu sein: Frauen sind hormonell bedingt bei einer ganz bestimmten Denkleistung schlechter als Männer. Das betrifft die mentale Rotation, also die Fähigkeit, sich eine Drehung vorzustellen. Aber nach einem Jahr müssten auch Fahranfängerinnen das Einparken gelernt haben, doch jetzt kommt das gängige Vorurteil ins Bild. Frauen können nicht einparken. Das wiederum führt zu einem psychologischen Faktor, denn jetzt haben die Frauen Angst vor der Parklücke. Am Anfang ist es noch die Biologie, am Ende ist es die Psychologie, aber der Unterschied ist da. Vermutlich haben in diesem Fall auch self-fulfilling prophecies Einfluss auf die Denkleistungen genommen. Der mentale Rotationstest, der das räumliche Vorstellungsvermögen untersucht, indem dabei mehrere dreidimensionale Figuren auf Übereinstimmungen überprüft werden müssen, wofür man die Figuren im Kopf drehen muss, fällt Männern leichter. Man vermutet, dass Hormone dafür verantwortlich sind. Testosteron hilft offenbar beim mentalen Rotieren, denn Frauen mit hohen Testosteronwerten schneiden dabei ebenso wie Männer besser ab. Östrogene dagegen blockieren das geistige Drehen. Die Werte ändern sich auch mit dem monatlichen Zyklus, denn während der Menstruation, wenn die Östrogenwerte niedrig sind, beherrschen auch Frauen das Rotieren besser. Männer verarbeiten Sprache und räumliche Aufgaben eher getrennt in rechter und linker Hirnhälfte, während Frauen beide Hirnhälften gleichzeitig symmetrischer nutzen. Während der Menstruation verarbeitet auch das weibliche Gehirn Aufgaben asymmetrisch – links Sprache, rechts Raum. Und nach den Wechseljahren, wenn die Konzentration an weiblichen Sexualhormonen sinkt, funktioniert das Gehirn der Frauen ebenfalls eher nach männlichem Muster. Frauen denken also zu ganz bestimmten Zeiten in ihrem Leben anders.

Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GESCHLECHT-UNTERSCHIEDE/Rotationstest-Mann-Frau.shtml

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2017 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35996

Sebastian Merkens kämpft für eine geschlechtergerechte Sprache. Daher will der schwule Linken-Politiker aus Möchengladbach in offiziellen Papieren zur Bundestagswahl als ErzieherIn bezeichnet werden.

Da hat einer wohl etwas mißverstanden. In akademischen Kreisen kommt dasselbe auch vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2017 um 05.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35988

Es ist ungefährlich, die besonderen Fähigkeiten von Frauen auf bestimmten Gebieten zu preisen. Zwar ist es ebenso sexistisch, aber niemand muß fürchten, deshalb entlassen zu werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2017 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35924

Ob Männer im Durchschnitt besser programmieren können als Frauen, ist eine empirische Frage. Von der einen oder anderen Hypothese dazu "distanziert" man sich nicht (wie jetzt bei Google), sondern man widerlegt sie.

Von der sexistischen These, daß Frauen leichter Fremdsprachen lernen, hat sich noch niemand "distanziert".
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.08.2017 um 21.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35918

"Bei der EM im eigenen Land krönen sich die Niederlande erstmals zur Fußball-Europameisterin." (NTV, heute)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2017 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35903

Warum eine Broschüre zum Nahostkonflikt für StudierendInnen in Deutschland? (Uni Marburg 2011)

Niemand ist folgsamer, opportunistischer, verführbarer als die Hochschulen und dort wieder die StudierendInnen...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2017 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35828

Unter "Beruf und Chance" berichtet die FAZ über das Studienfach Geschlechterforschung. Ein paar StudentInnen werden interviewt. Sie klagen über viel Gegenwind, scheinen aber sonst zufrieden. Die Genderideologie wird ganz unkritisch ausgebreitet, man glaubt sich einige Jahrzehnte zurückversetzt.
Die Student*innen überwachen einander, damit jede/jeder auch im Gespräch immer hübsch gendert.

Auch die Universalausrede fehlt nicht: Wenn das Gendern sonst nichts verändert, so "sensibilisiert" es doch immerhin, auf Schritt und Tritt. Messen kann man diese Wirkung nicht, sie zeigt sich wieder nur im Gendern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2017 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35791

Die Feministen behaupten, das generische Maskulinum mache das weibliche Geschlecht unsichtbar. Was sagen sie aber zur Bank als Eigentümerin eines Unternehmens? AfD könnte die größte Wahlhelferin der Kanzlerin werden (welt.de 25.7.17) Hier täuscht das grammatische Feminimum das weibliche Geschlecht einer an sich geschlechtslosen Institution vor. Am Ende fordert die Bank noch Mutterschaftsurlaub für ihre "Töchter".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2017 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35782

In einem Beitrag über Demenz gendert ein Leser jede männliche Personenbezeichnung, auch Alzheim*er. Das funktioniert inzwischen rein mechanisch, wie das sogenannte Denken selbst.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2017 um 10.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35742

Was wäre, wenn Geschlecht gar keine Rolle spielen würde, wenn es um die Personen an sich gehen würde? (Lann Hornscheidt, welt.de 18.7.17)

Wir wissen, daß es hier um ein persönliches Problem der Verfasserin geht (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33977), aber darüber hinaus denke ich, daß zur Person für die allermeisten Menschen ihr Geschlecht gehört. Man kann das nicht einmal in Gedanken abtrennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2017 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35730

Ich habe jahrelang beobachtet, daß die Universität das zugewiesene Geld ausgeben mußte, weil es nicht auf das nächste Haushaltsjahr übertragen werden konnte und sonst verloren gewesen wäre. Also hat man irgendwas angeschafft. Gemeinden haben es ähnlich gemacht, daher die vielen Mehrzweckhallen, Schwimmbäder usw. Heute heißt das "Mindestdrehzahl für Investitionen" oder so ähnlich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.07.2017 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35729

Die TV-Dokumentation des Norwegers Harald Eia wäre bestimmt ein spannendes (!) Thema für ein Projekt, und einen deutlichen Gender-Bezug hat sie auch.
(http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gender-debatte-tv-bericht-biologen-widersprechen-gender-theorie/8309672.html)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2017 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35728

In Bayern ist noch Geld aus dem Genderprogramm übrig, und wir werden aufgefordert, uns Projekte auszudenken, damit es ausgegeben werden kann. Sie müssen nur einen deutlichen Gender-Bezug haben...
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 13.07.2017 um 22.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35705

Im Bairischen ebenso: der Bäck, die Bäckin (allerdings nur noch auf dem Land; in den Städten verwenden auch Dialektsprecher diese Form meist nicht mehr).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.07.2017 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35704

Im Erzgebirge sagt man auch der Bäck.
Allerdings der Müll oder der Schneid oder der Lehr u.v.a. würde man nicht verstehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2017 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35703

Die FAZ beschäftigt sich humorvoll mit der geschlechtergerechten Personenbezeichnung und findet, daß z. B. in Bäckerin, auch mit "phallischem" großem Binnen-I, doch immer noch das männliche -er enthalten ist. Warum also nicht Bäck/Bäckin sagen und schreiben?

Dieser Vorschlag ist nur scheinbar kühn. Denn genau so hieß es früher, und der Familienname Beck bezeugt es bis heute. In Franken ist sogar die Bäckerei-Filialkette Der Beck jedermann bekannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2017 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35625

Zur Sicherung rechtsstaatlicher Verfahren in der Zeit der zu erwartenden Proteste rund um den G20-Gipfel in Hamburg am 07. und 08. Juli 2017 haben Rechtsanwält*innen zusammen mit dem Republikanischen Anwältinnen- und Anwälteverein e.V. (RAV) einen anwaltlichen Notdienst eingerichtet. Der Notdienst ist in enger Kooperation mit dem Hamburger Ermittlungsausschuss (EA), der Roten Hilfe e.V. und weiteren Antirepressionsgruppen eingerichtet worden. (https://www.anwaltlicher-notdienst-rav.org/de/startseite)

Der SPIEGEL und andere Medien bieten der Gruppe Gelegenheit zur Selbstdarstellung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.07.2017 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35622

Als im Zuge der Aufklärung die Forscher ihren Blick von Gott abwendeten und begannen, ...
(Seite 7)

Die Abgebende bzw. Vorlegende dieser Arbeit scheint selbst noch einen recht voraufklärerischen Blick zu haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2017 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35620

In der Titelei einer schon erwähnten Hamburger Bachelor-Arbeit heißt es übrigens:

Betreuende Prüfende: Prof. Dr. Sabine Stövesand
Zweite Prüfende: Prof. Dr. Carmen Gransee


opus.haw-hamburg.de/volltexte/2010/1120/pdf/WS.Soz.BA.10.1271.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.06.2017 um 17.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35526

Der SPIEGEL hat daran erinnert, daß ausgerechnet der Deutsche Germanistenverband seine Mitglieder als Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder anredete.

Er gehört eben nicht nur bei der Rechtschreibreform zu den verdienten Mitläufer-Verbänden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.06.2017 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35497

Gestern hörte ich ein Interview mit der Vorsitzenden des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. Sie hatte das Gendern unfehlbar verinnerlicht, versäumte niemals die Doppelform. Das kann man bei vielen Funktionären und Politikern beobachten, und es ist gewisser Weise bewundernswert, weil ja die Spontansprache der weniger gebundenen Menschen es anders macht. Lehrer sind allerdings besonders gelehrig; ein Wink der Obrigkeit genügt, auch bei Professoren.

Gestern fand ich auf der Website unserer Universität:

Das Forum für Integration und interkulturellen Dialog „FAU INTEGRA“ versteht sich als zentrale Vernetzungsstelle für alle Aktivitäten der FAU in Bezug auf Geflüchtete. Initiiert wurde die Koordinationsstelle aus Mitteln des interdisziplinären Masterstudiengangs „Ethik der Textkulturen“.
FAU INTEGRA verbindet das Programm „Studienorientierung für Geflüchtete“ mit einer wissenschaftlichen Begleitung des Integrationsprozesses und der Kommunikation der Universität mit der städtischen Öffentlichkeit.

 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.06.2017 um 21.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35376

»Er blieb sechzehn Jahre lang Regierungschef, länger als jeder vor ihm und bisher jede nach ihm.« (Berthold Kohler über Kohl, SchröderIn und MerkelIn)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2017 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35331

Die geplante Einschränkung der Meinungsfreiheit wäre eine gute Gelegenheit, die geschlechtergerechte Sprache auch im privaten Bereich verbindlich vorzuschreiben. Zwar profitiert die Politische Korrektheit auch bisher schon vom vorauseilenden Gehorsam, aber in den Medien herrscht noch weitgehend das herkömmliche Deutsch mit seiner Frauendiskriminierung.
Wenn man ruinöse Geldstrafen vermeiden will, wird man nicht um Vorzensur herumkommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2017 um 12.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35248

An unserer Universität gibt es ein "Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung". Die Lehrerinnen und Lehrer werden dort bestimmt nicht über die Regeln der deutschen Wortbildung aufgeklärt. Wäre lehrer- eine maskuline Form und nicht der Stamm des Nomen agentis, müßten sich die Lehrerinnen eigentlich dagegen wehren, als Anhängsel des Mannes bezeichnet zu werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2017 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35213

„Die Wissenschaft stellt für den Mann, für die Frau auf der Straße oft etwas zutiefst Beunruhigendes dar, einfach weil Wissenschaftler alles in Frage stellen“, erklärt der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz. (dpa 21.4.17)

Schön, daß der Mann auch an die "Frau auf der Straße" denkt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.05.2017 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35160

Neuesten Forschungen zufolge ist der Penis am Klimawandel schuld:
http://www.skeptic.com/reading_room/conceptual-penis-social-contruct-sokal-style-hoax-on-gender-studies/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2017 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35158

Das Gendern wird bis in Lexikonartikel hinein getrieben, obwohl das Geschlecht dort besonders irrelevant ist:

Allerdings betrachten viele Syntaxtheoretiker/innen semantische Rollen als problematisch, da bislang keine vollständige und allgemeingültige Liste solcher Rollen gefunden wurde. (https://de.wikipedia.org/wiki/Subkategorisierungsrahmen)

In dieser Mechanisierung könnte auch der Schlüssel zur Überwindung der Marotte liegen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.05.2017 um 23.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35142

"auf dem Kapitol" – nein, diese Schweizer aber auch, klingt, als würden die Russen nach Rom schauen. Oder fast so sonderbar wie "auf Schalke".
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 19.05.2017 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35140

Zu #35138: Jede auffahrend lachende Dritte würde aber die erregte Arbeit auch daran sicher ohne weiteres Bedenken auf sich nehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.05.2017 um 10.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#35138

Als lachender Dritter beobachtet die russische Regierung das Treiben auf dem Kapitol. (NZZ 19.5.17)

Aus diesem Bereich ist das generische Maskulinum nur schwer zu vertreiben.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 29.04.2017 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34970

"In manchen Gegenden Österreichs wird Knoblauch auch als „Vanille des armen Mannes" bzw. "der armen Frau“ bezeichnet. Der dort bekannte „Vanillerostbraten“ wird daher nicht mit Vanille, sondern mit Knoblauch gewürzt." (https://de.wikipedia.org/wiki/Knoblauch#K.C3.BCche)

Tu, felix austria ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2017 um 08.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34966

Wilhelm Havers erwähnt einmal „die wunderbar ausdrucksvolle Melodie der Kindersprache“. Auch Frauen intonieren melodischer als Männer. Letzteren wird es abgewöhnt. Es ist cool, entweder lapidar (= wie in Stein gehauen) oder beiläufig zu reden. Beides ist einer ausdrucksvollen Modulation nicht zuträglich. Man könnte das auch so deuten, daß der "Beziehungsaspekt" zurückgenommen wird. Sachlichkeit bis hin zur Fachsprache kann natürlich auch zur Pose werden, Kompetenz vorspiegeln. Aber vielleicht zieht gerade das die Frauen an?
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 21.04.2017 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34937

> keine Unterrepräsentanz ... _mehr_ vorliegt.

Das impliziert, daß es eine solche gegeben hat, womöglich noch vor einem Kurzen. Und dieser Misssstand wurde durch den jahrelangen, mutigen und selbstlosen Einsatz des Büros für LSBTTI*, Frauen, Karneval und Umwelt endlich beseitigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2017 um 13.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34929

Von der Erlanger Universität:

Förderung besonders begabter Nachwuchswissenschaftlerinnen der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie
Negativliste: Fächer, die auf Promotionsebene nicht förderfähig sind, da ab einem Frauenanteil von 50% keine Unterrepräsentanz von Wissenschaftlerinnen mehr vorliegt.
(Die angegebenen Frauenanteile resultieren aus der Erhebung der abgeschlossenen Promotionen im Zeitraum von 2011-2015 für die Fächer der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie)

Klassische Archäologie (50%)
Islamwissenschaften (67%)
Semitische Philologie (100%)
Romanistik (83%)
Amerikanistik und Anglistik (54%)
Psychologie (81%)
Pädagogik (50%)
Grundschulpädagogik und -didaktik (100%)
Religionspädagogik und Didaktik des Evangelischen Religionsunterrichts (100%)
Didaktik des Deutschen als Zweitsprache (67%)
Didaktik der Chemie (100%)
Didaktik der deutschen Sprache und Literatur (67%)
Kunstpädagogik (100%)
Soziologie (57%)
Medienwissenschaft (50%)
Buchwissenschaften (60%)
Kunstgeschichte (89%)

-

Seltsamerweise scheint das Büro für Gender und Diversity aus den Zahlen keine Forderung abzuleiten, Männer zu fördern, bis ein gleicher Anteil der Geschlechter erreicht ist.

Die früher zitierte Förderung "gendersensibler" Forschung (nicht bloß Stellenverteilung!) bedeutet auch einen Abschied vom alten Ideal der Wissenschaft, die nur der Wahrheit verpflichtet sein sollte. Man bekennt sich ganz offen zu grundgesetzwidrigem Verhalten, wodurch es freilich nicht legaler wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2017 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34928

Zentralratsvorsitzender Ayman Mazyek sagte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Frau Petry hatte in dieser Partei nie die Hosen an.“ (NOZ 20.4.17)

Was ist denn das für eine Metapher? Der Islam ist wirklich nicht integrierbar!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2017 um 07.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34860

„Die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie finanzieren aus eigenen Mitteln im kommenden Wintersemester drei Lehraufträge mit thematischem Gender-Bezug, um hiermit einen Beitrag zur Schaffung einer geschlechtersensiblen Lehre zu leisten.“
(Rundmail der Erlanger Universität)

Es ist nicht zu erwarten, daß jemand gegen diese Ideologisierung protestiert, auch wenn die Mittel anderswo fehlen. Man beachte auch die verkorkste Grammatik, die allerdings nicht aus der Gender-Ideologie stammt, sondern aus der unsinnigen Zusammenlegung zweier unvereinbarer Fakultäten. (Im Ausschreibungstext heißt es dann: „Die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie finanziert aus eigenen Mitteln  jeweils zwei Lehraufträge sowie einen Anschub für zwei Drittmittel-Forschungsprojekte pro Jahr, um hiermit einen Beitrag zur Schaffung einer geschlechtersensiblen Forschung und Lehre zu leisten.“)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.04.2017 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34851

Der Indogermanist Klaus Strunk setzt Sprachen mit einem einzigen Genus an (Englisch, Altarmenisch), aber das geht logischerweise nicht. Die Kategorie Genus ist dann eben nicht anwendbar. Typischerweise führt er Sprachen an, die das Genus verloren haben, nicht solche, die es nie hatten wie das Chinesische und wo man gar nicht auf den Gedanken käme, es ihnen zuzuschreiben. (Vgl. Klaus Strunk: „Grammatisches und natürliches Geschlecht in sprachwissenschaftlicher Sicht“. In: Venanz Schubert, Hg.: Frau und Mann. St. Ottilien 1994:141-164.)

Man liest auch sonst oft von Sprachen, die "nur ein Genus" haben: „Das Englische besitzt nur ein Genus, das Romanische zwei.“ (http://othes.univie.ac.at/8481/1/2010-01-31_0302276.pdf)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.04.2017 um 23.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34825

Mann über Bord!

So der Schreckensruf beim "Tod einer Kadettin" (Filmtitel), des "Matrosen Borchert", einer jungen Frau, die 2008 auf der Gorch Fock vermißt und Tage später tot aus dem Meer geborgen wurde. Gegendert wird in diesem Film nur selten, nur bei dem Wort Kadettin.

Im TV Morgen (Programmbeilage des MM) heißt es zu dem heute im Ersten gelaufenen Film: "Eines Nachts geht sie während ihrer Schicht über Board." [sic] und "Die Dokumentation erzählt von dem Schicksal der jungen Kadettin Jenny Böken und ihrer Familie, die aus ungeklärten Gründen ertrank." Gar so schlimm war es nun doch nicht, nicht die ganze Familie ist damals ertrunken.

Der Spielfilm und die anschließende Dokumentation waren bedrückend, sehr offen, stimmten sehr nachdenklich, machten auf mich nicht den Eindruck, daß etwas vertuscht werden sollte. Letztlich bleibt ungeklärt, wohl für immer, ob es sich um Mord, Selbstmord oder ein selbst- oder fremdverschuldetes Unglück handelte.

Aber eins hat der Film meiner Meinung nach, zwar kaum mit Absicht, aber trotzdem sehr deutlich, gezeigt: Es ist einfach ein Unding, ich finde, geradezu ein Verbrechen, Frauen die Teilnahme an militärischen Diensten (ausgenommen Innendienste) zu gestatten.

So, wie man vielleicht manchmal auch noch in modernen Gesellschaften Männer per Gesetz in ihrem Hochmut bremsen muß, so muß man halt auch Frauen gesetzlich vor ihrem eigenen Übermut schützen. Es gibt nun einmal objektive, biologisch bedingte Unterschiede und Grenzen. Wirkliche Gleichberechtigung gibt es nur, wenn man das anerkennt und beachtet, aber nicht durch sprachlichen Genderquatsch und Frauenquoten.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.03.2017 um 22.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34740

Welche Version ist besser?

[1] Vor mir sehe ich sie, die Bürgerinnen und Bürger, die sich den neuen Entwicklungen in Gegenwart und Zukunft wirklich stellen und den Vereinfacherinnen und Vereinfachern und den Verführerinnen und Verführern mit der Kraft der Vernunft begegnen. Sie widerstehen dem traditionellen politischen Extremismus, verschließen aber auch die Augen nicht vor neuem Populismus und auch nicht vor der Demokratieferne, dem Nationalismus oder Islamismus unter Teilen unserer Einwanderinnen und Einwanderer. Sie unterstützen den Dialog mit unseren engeren und weiteren Nachbarinnen und Nachbarn, wollen aber auch nicht hilflos werden gegen Destabilisierungsversuche von außen, egal ob sie durch offene Provokationen oder anonyme Cyberattacken erfolgen. Demokratinnen und Demokraten wissen: Freiheit ist notfalls auch dadurch zu verteidigen, dass sie für die Feindinnen und Feinde der Freiheit begrenzt wird.

[2] Vor mir sehe ich sie, die Bürger, die sich den neuen Entwicklungen in Gegenwart und Zukunft wirklich stellen und den Vereinfachern und Verführern mit der Kraft der Vernunft begegnen. Sie widerstehen dem traditionellen politischen Extremismus, verschließen aber auch die Augen nicht vor neuem Populismus und auch nicht vor der Demokratieferne, dem Nationalismus oder Islamismus unter Teilen unserer Einwanderer. Sie unterstützen den Dialog mit unseren engeren und weiteren Nachbarn, wollen aber auch nicht hilflos werden gegen Destabilisierungsversuche von außen, egal ob sie durch offene Provokationen oder anonyme Cyberattacken erfolgen. Demokraten wissen: Freiheit ist notfalls auch dadurch zu verteidigen, dass sie für die Feinde der Freiheit begrenzt wird.

(https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Bulletin/2017/03/31-3-bpr-gauck-eidesleistung.html)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.03.2017 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34731

gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Formen:

Wieder werden Äpfel und Birnen verglichen.
Die "weibliche Form" (auf -in) bezieht sich aufs natürliche Geschlecht, die "männliche Form" jedoch zunächst nur aufs grammatische Geschlecht, welches neutral gegenüber dem natürlichen ist. Erst durch die mutwillige Umdeutung der "PC"-Anhänger wird diese "männliche Form" auch aufs natürliche Geschlecht bezogen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2017 um 04.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34730

Tausendmal so oder ähnlich zu lesen:

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Formen verzichtet, sämtliche Formen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht. (Konrad Adenauer Stiftung)

Für eine bessere Lesbarkeit kann es sein, dass nur eine Geschlechtsform verwendet wird, obwohl alle Geschlechter gemeint sind. (https://www.ausbildung.de/berufe/logopaede/gehalt/)

Man gesteht also ohne weiteres zu:

1. Das generische Maskulinum funktioniert nach wie vor.
2. Es ist besser lesbar.

Meliora probant, deteriora sequuntur. (Anderswo schon zitiert, bleibt aber ewig wahr und erklärt die Hälfte des Weltgeschehens.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.03.2017 um 11.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34723

Der Rassenproporz ist in den USA ja auch älter als die Frauenquote. Er spielte bloß hierzulande aus naheliegenden Gründen keine größere Rolle, von den drei Königen einmal abgesehen, wo er jetzt aber abgeschafft werden soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 08.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34716

Mainstreaming nur für Gender ist inkonsequent. Proporz muß allumfassend sein. Jeder, der A sagt, kann dafür kritisiert werden, nicht auch B gessagt zu haben. Das wird auch weitgehend beherzigt. Werbung für Kinderkleidung zeigt zwei weiße und ein schwarzes Baby, vielleicht noch eins der sinotibetischen Rasse (obwohl es "Rassen" ja gar nicht gibt). Das funktioniert auch ohne verordnete "Charta der Vielfalt". Der Staat kann gar nicht so schnell und wirksam regulieren, wie es Wirtschaft und akademische Welt aus freien Stücken tun.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 17.03.2017 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34714

Ich habe mich als Liberaler seit langem darüber aufgeregt, daß Konservative den Leuten vorschreiben wollten, wie sie zu leben haben. Die Hysterie, die die politische Linke in bezug auf die Sexualität offenbart, ist aber ebenso erschreckend.

Warum können diese Ideologen nicht akzeptieren, daß Liebe und Sexualität Privatsache sind und keiner staatlichen Förderung bedürfen? Natürlich darf es daneben auch keine staatliche Diskriminierung geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34713

Schade auch, dass es keinen lesbischen Moment gibt. Während der Fluch des Schlosses im Film aufgehoben wird, Tassen und andere sprechende Gegenstände sich zu Menschen zurückverwandeln, wird sich geküsst. Da hätte es genug Gelegenheit auch für homosexuelle Küsse gegeben. Der Kinderfilm hat das Potenzial, jungen Menschen sanft und unaufgeregt verschiedene Lebensweisen und Identitätskonzepte zu vermitteln, ohne diese zu problematisieren. Das hat Disney bisher leider versäumt. (FREITAG 17.3.17 über „Die Schöne und das Biest“)

Kein Kinderfilm, ohne daß sich gefragt wird, ob die volle Breite der sexuellen Orientierungen berücksichtigt ist! "Gelegenheiten" gibt es genug.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2017 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34684

Wenn man eine feministische "Magistra Artia", zum Beispiel diese: http://www.gender.lu.se/irina-schmitt, auf die Monstrosität ihrer lateinischen Grammatik hinwiese, würde sie vielleicht sagen, das sei Absicht und solle uns auf die Benachteiligung der Frauen aufmerksam machen. Sie könnte Pusch zitieren: "Die hier vorgeschlagene Umstrukturierung tut dem Sprachsy­stem nicht mehr Gewalt an, als dieses System uns Frauen antut."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2017 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34682

Der „Stern“ erfindet einen Skandal: Ein Politologe wird vor laufender Kamera von seinen Kindern gestört, schiebt sie beiseite und spricht weiter. Frage: Wo ist der Skandal? Der besteht darin, daß der Professor, wäre er eine Frau, einen Shitstorm ausgelöst hätte. „Wie gesagt, nichts gegen Professor Kelly. Nur mal laut gedacht. Weil ja gerade erst Internationaler Frauentag war.“ (http://www.stern.de/familie/kinder/kinder-stoeren-bbc-interview–waere-professor-kelly-eine-frau–haette-es-einen-shitstorm-gegeben-7363678.html?google_editors_picks=true)
So steckt die Welt voller unentdeckter Skandale. Zum Beispiel: Wäre die Redakteurin ein Mann, hätte sie/er diesen Artikel gar nicht erst geschrieben. Wenn das kein Skandal ist!
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 03.03.2017 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34631

>Personenbezeichnungen auf -ling gelten als "abwertend".

Als nächstes wird der Zwilling abgeschafft. Ersatz gibt es schon: den Twinn (vom DUDEN empfohlene Schreibweise: mit Doppel-Enn).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.03.2017 um 08.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34629

So oder so steckt dahinter das krampfhafte Bemühen, ja niemandem zu nahe zu treten. Außer dem armen Leser, versteht sich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2017 um 03.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34627

Mir war dieser Text auch aufgefallen, ich führe die verkrampfte Sprache aber auf eine andere Doktrin als das Gendern zurück: Personenbezeichnungen auf -ling gelten als "abwertend". Muster war Lehrling (daher dann der Azubi).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 02.03.2017 um 21.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34626

»Polizeischüsse auf ghanaischen Geflüchteten«

(http://www.spiegel.de/panorama/justiz/hamburg-polizei-schiesst-auf-ghanaischen-gefluechteten-die-hintergruende-a-1136453.html)

Auf der Flucht angeschossen sozusagen. Im Singular ist mit dem »Geflüchteten« PC-mäßig nichts gewonnen, aber das fällt dem Autor gar nicht auf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2017 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34575

Der US-Präsident hat eine Regelung seines Vorgängers zur Nutzung von Toiletten in Schulen rückgängig gemacht. (Zeit online 23.2.17) (Transsexuelle sollen sich nicht mehr aussuchen dürfen, welche Toiletten sie benutzen.)

Schönes Beispiel für Trumps Tatkraft. Hat die schlappe Merkel sich je um die Klos der Nation gekümmert?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2017 um 18.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34512

Nach wie vor sind viele Abgeordnete nicht glücklich damit, dass es CDU/CSU nicht gelungen war, einen eigenen Kandidaten beziehungsweise eine Kandidatin ins Rennen zu schicken. (SZ 12.2.17)

Ich weiß, um welche geheimnisvolle "Beziehung" es sich handelt. Soll ich es verraten? Es ist das Geschlecht!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2017 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34353

Die Referenten aus der FAU führen das Gespräch miteinander und mit den Zuhörenden. (Vortragseinladung der Universität)

Aber solange sie zuhören, können sie doch nicht sprechen? Für Zuhörer wäre es kein Problem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2017 um 11.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34352

Die schon zitierte Vorbemerkung der BA-Prüfungsordnung (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=577) ist auch der Habilitationsordnung der Universität Erlangen vorangestellt:

Vorbemerkung zum Sprachgebrauch:
Die Bezeichnung weiblicher und männlicher Personen durch die jeweils maskuline Form in der nachstehenden Satzung bringt den Auftrag der Hochschule, im Rahmen ihrer Aufgaben die verfassungsrechtlich gebotene Gleichstellung von Mann und Frau zu verwirklichen und die für Frauen bestehenden Nachteile zu beseitigen, sprachlich nicht angemessen zum Ausdruck. Auf die Verwendung von Doppelformen oder andere Kennzeichnungen für weibliche und männliche Personen (z. B. Bewerberin/Bewerber) wird jedoch verzichtet, um die Lesbarkeit und Übersichtlichkeit zu wahren. Mit allen im Text verwendeten Personenbezeichnungen sind stets beide Geschlechter gemeint.


Es hat etwas Devotes, besonders weil es von Wissenschaftlern verbreitet wird. Weder Verstand noch Rückgrat, es ist zum Fremdschämen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2017 um 06.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34333

Das BBB-Merkblatt zur sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22899) ist zwar überall verlinkt, besonders an den Universitäten, aber über das Bundesverwaltungsamt selbst scheint es nicht mehr erreichbar zu sein.

Ich finde den Text besonders aufschlußreich, weil es sprachphilosophische und linguistische Fragen, über die man sich in der Wissenschaft den Kopf zerbricht, muftihaft für längst beantwortet erklärt. Das ist typisch für den Erfolg der Lobbyarbeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2017 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34322

Das mühsam erzeugte private und privatwirtschaftliche Engagement für die historischen Stadt- und Ortskerne sowie das hohe Maß bürger/innenschaftlicher Identifikation mit ihnen würden versiegen. (Prof. Bajohr, Uni Düsseldorf)

Bürger*innenschaftliches Engagement (Die Linke Berlin)

Im oftmals sehr persönlichen und freund*innenschaftlichen Verhältnis, werden Kritik und Beschwerden erschwert. (Jusos Berlin)

Der Irrtum, den Derivationsstamm für maskulin zu halten, eint die Linken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2017 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34315

Wie Ministerin Schwesig immer betont, soll das Lohngleichstellungsgesetz mehr Gerechtigkeit "für Frauen und Männer" schaffen. Dann wird sich kein Mann mehr darüber beschweren, daß er mehr verdient als seine Kollegin.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 31.12.2016 um 09.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34196

Die beim Bier in Bayern üblichen Ausschankmengen sind weiblich: die Halbe, die Maß.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 31.12.2016 um 09.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34195

Nicht zu vergessen die Schorle!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2016 um 07.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34189

Die Genuszuweisung ist schwach semantisch motiviert, und kein neuerer Linguist läßt sich die Bemerkung entgehen, daß alkoholische Getränke maskulin sind (paßt zu uns Kerlen). Dummerweise ist das alkoholische Getränk schlechthin neutrum: das Bier, und das nichtalkoholische Getränk schlechthin (für die weibliche Begleitung) maskulin: der Saft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2016 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34167

Vor allem die neuen Verfahren der Hirnforschung zur funktionellen Bildgebung zeigen in aller Deutlichkeit, dass jede Form subjektiven Erlebens im Gehirn seine objektive, das heißt, physiologische Entsprechung hat. (Politische Studien 385/2002)

Hier sieht man noch einmal sehr schön, wie zwei dazwischentretende Nichtfeminina die Genusrektion durcheinanderbringen.

(Im selben Heft des CSU-Blattes schimpft ein Politologe auf die Regierung Schröder wegen ihrer Zurückhaltung im Irakkrieg – aus heutiger Sicht lesenswert. Reinhard C. Meier-Walser: Editorial: „Deutschland – Allein zu Haus“ – Rot-Grün hat die transatlantischen Beziehungen beschädigt und Berlin international isoliert.)
(www.hss.de/uploads/tx_ddceventsbrowser/politische_studien_385.pdf)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2016 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34141

Eine österreichische Feministin schreibt:

„Die Feministische Linguistik hat gezeigt, dass die Verwendung des generischen Maskulinums im Deutschen dazu führt, dass Frauen durch die Sprache vergessen oder absichtlich ausgeschlossen werden. Dies ist noch immer in allen Bereichen des öffentlichen Diskurses erkennbar und, trotz aller Bemühungen, auch in allen Bereichen der Wissenschaft. So würde man erwarten, dass in dem vermutlich generisch gemeinten Titel Die wichtigsten Philosophen (Grabner-Haider 2006) durchaus auch Philosophinnen Platz hätten. Dem ist jedoch nicht so, die Philosophinnen wurden für dieses Überblickswerk also entweder als nicht wichtig genug erachtet oder schlichtweg vergessen.“

Gibt es Philosophinnen? Mir fällt gerade keine ein. Das ist übrigens kein Makel, wie ich nach meinen Bemerkungen über Philosophie nicht noch einmal zu erklären brauche. Über die Rechtschreibreform diskutieren ja, wie man sieht, auch nur Männer. Das alles liegt aber nicht am generischen Maskulinum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2016 um 06.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#34050

In der FAZ vom 8.12.16 zeigt die Juristin Judith Froese, daß die Leichte Sprache sich nicht mit dem Gendern vereinbaren läßt. Sie führt auch das „Handbuch der Rechtsförmlichkeit“ an. Knapp und klar. (http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/gendergerechtigkeit-exklusion-durch-inklusion-14563961.html)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2016 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33977

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30044

Wenn Sie mit Lann Hornscheidt Kontakt aufnehmen wollen, verwenden Sie bitte respektvolle Anreden, die nicht Zweigeschlechtlichkeit aufrufen. Bitte vermeiden Sie zweigendernde Ansprachen wie "Herr ___", "Frau ___", "Lieber ___", oder "Liebe ___". Es gibt nicht die eine richtige und gute Anrede, sondern es bedarf respektvoller neuer Anredeformen – ich freue mich auf Ihre kreativen anti-diskriminierenden Ideen.

Falls Sie nicht kommunizieren, sondern nur Ihre Irritation zurückwerfen wollen, statt sie als Impuls für sich zu benutzen über eigene Normen und Weltbilder nachzudenken, dann schicken Sie dies bitte an folgende Mail-Adresse: hatemail.an.hornscheidt@gmail.com

Oder – Sie nehmen sich die Zeit, um was Nettes und Respektvolles stattdessen an eine Person Ihrer Wahl zu schreiben – und schauen mal, wie sich eine solche Handlung anfühlen würde.

Lann Hornscheidt gibt keine Lehrveranstaltungen mehr an der Humboldt-Universität.

(https://www.gender.hu-berlin.de/de/zentrum/personen/ma/1682130)

Im „curriculum vitae“ (http://www.lannhornscheidt.com/home/curriculum-vitae/) kann man den "wandernden Unterstrich" besichtigen. Mir ist nicht klar, wie man Professor an der HU sein kann, ohne seinen Lehrverpflichtungen nachzukommen. Erstaunlich auch, was für Auslassungen die HU auf ihrer Website duldet (s. o.).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.11.2016 um 07.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33879

Auf Ö1 kommt heute wieder »Intrada«, eine Sendung, in der österreichische Musiker vorgestellt werden. Untertitel: »Österreichs Musizierende im Porträt«. In Sachen PC sind und bleiben die Öschis Spitzenreitende.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 05.11.2016 um 22.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33774

Aber da im faz.net rauh mit h und sogenannt ein Wort, also nach etwas eigener Art:

Politisch korrekt oder unsäglich? Sogenanntes Gender-Deutsch treibt Befürworter und Gegner auf die Barrikaden. Der Ton an den Unis wird rauher.
 
 

Kommentar von Serjosha Heudtlaß, verfaßt am 05.11.2016 um 21.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33773

Die FAZ bringt einen (recht oberflächlichen) Artikel zum „Gender-Deutsch“:
http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/gender-deutsch-an-unis-professx-trifft-student-innen-14511321.html?printPagedArticle=true

Darin findet sich auch die folgende Passage:
„Die Münchner Frauenbeauftragte Margit Weber setzt jedoch darauf, dass sich die Menschen an die neuen Begriffe gewöhnen, wie sie auch die Rechtschreibreform akzeptiert hätten.“

Es sollen also wohl wieder die bewährten antidemokratischen Methoden zum Einsatz kommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2016 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33722

Die "Tagespost" vergleicht das Gender mainstreaming mit der Rechtschreibreform:

Dabei ist die Willfährigkeit der Kultusminister deprimierend und empörend zugleich. Anscheinend fürchten sie nichts so sehr wie den Vorwurf der Unzeitgemäßheit. Wir erleben die gleiche Tragödie wie vor zwanzig Jahren mit der Einführung der „Rechtschreibreform“: Ein Grüppchen von „Experten“ kann einem ganzen Volk seinen Willen aufzwingen, weil es zuständigen Ministern an Widerstandskraft fehlt(e). „Totalschaden für die Orthographie“, war ein Artikel in der FAZ zum 20. Jahrestag der Einführung der „Rechtschreibreform“ überschrieben. Sie habe „die Anzahl der Fehler vervielfältigt, was zu bleibenden Defiziten führt“, hieß es darin. Die einzige Lösung aus der Misere bestehe „in einer Rückkehr zur Schreibung von 1996. Das allerdings wird ganz gewiss nicht geschehen, denn dann müssten die Kultusminister, die fahrlässig und ahnungslos eine Rechtschreibreform beschlossen, öffentlich ihren Fehler rückgängig machen“ (Heike Schmoll).
Die Hauptursache für solche fatalen Fehlentscheidungen ist mangelnde Sachkenntnis, die durch Hinzuziehung von Experten ausgeglichen werden muss. Deshalb entscheidet sich alles an der Frage, nach welchen Kriterien die ratgebenden und damit auch mitentscheidenden Experten ausgewählt werden. Hier lassen es deutsche Kultusminister wie bei der Rechtschreibreform, so auch jetzt bei der Entscheidung über den Inhalt des Sexualkundeunterrichts an Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein fehlen. Nur so ist es zu erklären, dass es immer wieder Außenseiter sind, die den größten Einfluss gewinnen.

 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.10.2016 um 00.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33602

Müßte man nach Eisenberg nicht eigentlich jn. aufmerksammachen schreiben ...?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2016 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33601

Rundmail der Universität

Vergabe von Gender-Lehraufträgen und Forschungsanschüben

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich möchte Sie auf die finanzielle Förderung von Gender-Lehraufträgen und Drittmittel- Forschungsprojekten mit thematischem Gender-Bezug aufmerksam machen.
Die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie finanzieren aus eigenen Mitteln (5.000 Euro pro Jahr) jeweils zwei Lehraufträge sowie einen Anschub für zwei Forschungsprojekte pro Jahr, um hiermit einen Beitrag zur Schaffung einer geschlechtersensiblen Forschung und Lehre zu leisten.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2016 um 06.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33556

Bei Facebook kann man zwischen 50 bzw. (für GB) 71 Gender-Kategorien wählen: http://www.telegraph.co.uk/technology/facebook/10930654/Facebooks-71-gender-options-come-to-UK-users.html
In Deutschland zwischen etwa 60. Matthias Heine sagt mit Recht, das werde nicht reichen, und berichtet, daß Hirschfeld 43.046.721 sexuelle "Zwischenstufen" errechnet habe.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.10.2016 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33531

In der Südd. Zeitg. vom 13.10.16 steht im Feuilleton ein interessanter Artikel über "Die Feminisierung des Polnischen". Ich halte ihn deswegen für bemerkenswert, weil dieser Vorgang der erste mir bekannte in der slawischen Sprachfamilie ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2016 um 06.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33505

Bei Bodo Kirchhoff stoße ich zum erstenmal auf Frisösinnen – warum nicht, es gibt ja auch die hier schon erwähnten Diakonissinnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2016 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33493

Es wäre ein Treppenwitz, wenn Trump wegen einer lange zurückliegenden frauenverachtenden Äußerung zu Fall käme und nicht wegen seines gegenwärtigen Seins und Wesens. Er war ja immer derselbe, Überraschendes kommt nicht zutage. Seine Anhänger haben ihn so weit kommen lassen und tun nun so fassungslos, wie sie über sich selber sein müßten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2016 um 19.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33460

Zu Reff gibt der Duden als typische Verwendung "er ist ein langes Reff". In Wirklichkeit ist "altes Reff" häufiger und typischerweise auf Frauen bezogen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2016 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33437

Zwischen Genus und Flexionsklasse gibt es eine lockere Beziehung, durchkreuzt vom natürlichen Geschlecht zum Beispiel.
Ich wollte nicht wörtlich zitieren, sondern frühere Erörterungen wiederaufgreifen, die der Ansicht galten, sowohl Adjektive als auch Substantive hätten Genus (oder das "Merkmal" Genus), nur einmal offen, einmal "inhärent", verdeckt, "covert" (was für ein Wort!).
Anders gesagt: "hortus ist maskulin" bedeutet etwas ganz anderes als "amoenus ist maskulin". S. auch hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1448#32705
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.10.2016 um 20.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33436

In dem Zitat wird nicht behauptet, daß das Adjektiv ein Genus habe. Was soll man allerdings von einer »overten Markierung« halten, die unzuverlässig ist? Es gibt ja auch lateinische Substantive, die auf a enden und trotzdem Maskulina sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2016 um 18.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33435

Noch ein Beispiel für die Fehldeutung von "Genus":

"Im Lateinischen ist am Nomen puell-a, 'Mädchen', durch die Endung -a overt das Merkmal Genus (nämlich Femininum) markiert. Das ist auch innerhalb einer einzigen Sprache nicht immer durchgehend der Fall: puer, 'Junge' trägt keine overte Markierung für das Genus Maskulinum. Dennoch ist, z.B. durch Hinzutreten eines Adjektivs klar, dass es sich um ein Maskulinum handelt: puer stult-us. Hier ist das Merkmal Genus also nicht overt realisiert, sondern dem Nomen inhärent oder covert."
(https://de.wikipedia.org/wiki/Overte_Markierung)

Beim genusflektierten Adjektiv bedeutet "Genus haben" etwas ganz anderes als bei nicht genusflektierten Substantiv. Hier ist es keine gehemnisvolle verdeckte Eigenschaft, sondern die schlichte Rektion (wie der Kasus beim Verb).
 
 

Kommentar von Thedor Ickler, verfaßt am 01.10.2016 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33429

So sei sie als "Küsten-Barbie" betitelt worden und Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) habe über sie gesagt, sie solle nicht so weinerlich sein. Das sei "nichts Weltbewegendes, aber damit fängt es an", sagte Schwesig. (focus.de 1.10.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2016 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33385

Das soll allerdings Satire sein, auch wenn sie schon einen mächtigen Bart hat.

Unter nordbayern.de lese ich gerade:

Geburtstag mit Gabriel: SPD Nürnberg feiert seinen 150. Ehrentag
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 26.09.2016 um 20.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33384

Antrag [der Ratsfraktion der Linken in Flensburg]:

Ab sofort werden Arbeitsgeräte/-mittel aus allen Arbeitsbereichen der Stadt Flensburg genderneutral bezeichnet. Dies gilt insbesondere für grammatisch mit maskulinem Artikel („der“) bezeichnete Arbeitsgeräte/-mittel:

• Bezeichnungen, die Berufsbezeichnungen nachgebildet sind: der/die ScannerIn, der/die ComputerIn, der/die BleistiftanspitzerIn, der/die KopiererIn, der/die StaubsaugerIn usw.
• weitere Bezeichnungen sollten bestehenden Doppelformen kreativ nachgebildet werden: der/die Papierkorb/-körbin, der/die Briefkopf/-köpfin, der/die AbfalleimerIn usw.
[Warum nicht PapierkörbIn und BriefköpfIn?]

Ausgenommen davon sind Nomen,..

• die mit einem Nominalisierungssuffix (-keit, -heit, -ung usw., insbesondere wenn sie dabei den femininen Artikel „die“ tragen) gebildet werden, z.B. die Sitzung, die Tagesordnung usw.
• die grammatisch einen neutralen Artikel („das“) tragen: das Papier, das Dokument usw.
• die einen Ort bezeichnen (der Flur, die Kantine, die X. Etage, der Wartebereich usw.)

https://ratsinfo.flensburg.de/sdnetrim/Lh0LgvGcu9To9Sm0Nl.HayIYu8Tq8Sj1Kg1HauCWqBZo5Ok4KfyIfuCWt8Ur4Ri2Pe-Hd.CYt8Wm5Sm4LeyGavEZs9Tn8Sr1Ni1MbyIar9Ur8Si3RgzGhuHcGJ/Beschlussvorlage_LINKE_RV-109-2016_1.–Ergaenzung.pdf
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 15.09.2016 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33314

"Der Haferflock":
Manchmal ist es aber auch nicht eindeutig: der Zeh ~ die Zehe
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2016 um 17.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33313

Mira Kadric, Klaus Kaindl, Hg.: Berufsziel Übersetzen und Dolmetschen Grundlagen, Ausbildung, Arbeitsfelder. UTB 2016

(Ein Produkt aus Österreich; alle Beiträge mit Binnen-I durchgegendert, deshalb von der Übersetzerzeitschrift MDÜ ausführlich gelobt; die Rezensentin ärgert sich über vereinzelte generische Maskulina und bedauert, daß das Buch nicht wie ein früheres derselben Autoren ganz im generischen Femininum gehalten ist.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2016 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33305

Die "Rüde" Morgensterns ist ein Sprachscherz wie der "männliche Briefmark" bei Ringelnatz. Als unsere Jüngste noch sehr klein war, stocherte sie mit dem Löffel in ihrem Hafermüsli und sagte dann ganz ernst mit vorwurfsvollem Blick: "Da fehlt ein Haferflock!" Der Genuswechsel gehörte sicher nicht zu ihrem Scherz, sondern Haferflocken wird praktisch nur im Plural gebraucht, so daß der korrekte Singular für ein Kind gar nicht leicht zu bilden ist. Zur Erklärung vgl. Anna Wierzbicka über "Oats and wheat".
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.08.2016 um 19.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33102

Wenn die Konzernsprache seit »Langem« Englisch ist, kann von sprachlicher Vielfalt bei Siemens jedenfalls keine Rede sein.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.08.2016 um 19.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33101

"Diversity" kann auch Signalübertragung gleichzeitig auf mehreren Wegen bedeuten, wobei der Empfänger sich das stärkste Signal aussucht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2016 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33100

Diversity ist eines der beliebtesten Ziele in den Strategien der Unternehmen – doch im Alltag spielen vielfältige Teams kaum eine Rolle. Das muss sich ändern.
Wer weltoffen sein will, muss sich mit möglichst unterschiedlichen Menschen umgeben. Das gilt für Menschen wie auch für Konzerne: „Nicht zuletzt weil wir viele internationale Kunden haben, wollen wir diese Vielfalt auch in unserer Mitarbeiterschaft spiegeln“, findet Bettina Volkens, Personalchefin der Lufthansa.
Auch Siemens-Personalvorstand Janina Kugel betont: „In einer Gruppe von sieben bringt jedes neue Mitglied eine Veränderung mit sich, und die Vielfalt ist entscheidend.“ Und es ist bereits mehr als drei Jahre her, als der damalige Henkel-Chef Kasper Rorstedt sagt: „Konzernsprache ist seit Langem Englisch. Wir brauchen große Diversität.“
(Wirtschaftswoche 12.8.16) Weiter hier:
http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/diversity-management-unbeliebte-quote/13997224-2.html

Am Ende weiß man kaum noch, was Diversität bedeutet oder vielmehr nicht bedeutet. Ich möchte vor allem auf die neue Verwendung von vielfältig hinweisen: vielfältige Teams (dazu ein Foto: zwei Männer und zwei Frauen)

Kürzlich ließ Siemens in Erlangen eine Woche lang eigens angefertigte Regenbogenfahnen wehen, um sich zur Diversity zu bekennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2016 um 04.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33077

„Auch Männer werden in Deutschland diskriminiert.“ Das sagt der erste Männerbeauftragte, Matthias Becker in Nürnberg. Eigentlich waren die Frauenbeauftragten schon in Gleichstellungsbeauftragte umbenannt worden, aber nun zeigt sich, daß das nur Sprachkosmetik war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2016 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33047

Die wenigsten kennen das Gedicht Morgensterns, aus dem einer der meistzitierten Halbverse stammt:

Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

»Wie war« (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
»möglich, wie dies Unglück, ja –:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht –?«

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil«, so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf.«


Morgenstern hat bekanntlich nicht nur die Rüde, sondern noch viele andere Tiere erfunden.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 08.08.2016 um 00.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33046

Lieber Herr Markner,

Sie haben ja grundsätzlich recht. Aber die Wortfelder sind nicht etwas Starres, einem isolierten Wort Inhärentes. Die Bedeutung eines Worts, also seine Wortfelder, hängt von dem textlichen und tatsächlichen Zusammenhang ab. Deshalb geht es bei der Frage der „wörtlichen Übersetzung“ nicht um isolierte einzelne Wörter, sondern um Texte. Die Frage „Was ist die ‚wörtliche Übersetzung‘ von friend?“ erscheint mir daher wenig sinnvoll.

Der Zusammenhang kann dazu führen, daß ursprünglich unterschiedliche Wortfelder des fremdsprachlichen und des deutschen Worts deckungsgleich werden. In diesem Fall kann man von einer „treffenden“ Übersetzung sprechen. Gelingt es nun, in einem Text, also einer Wortfolge, jedes Wort durch ein treffendes zu ersetzen und zugleich den Sinn des Gesamttextes richtig zu übertragen, dann kann man sehr wohl von einer „wörtlichen Übersetzung“ sprechen.

Das ist, wie ich meine, bei der fraglichen Äußerung von Bill Clinton der Fall. Es ist offenkundig, daß er friend hier im Sinn gebraucht, denn Sie als „Freund (M/F)“ bezeichnen, also als generisches Maskulinum. Ebenso offenkundig wird Freund in der wörtlichen Übersetzung in derselben Bedeutung gebraucht. Deshalb halte ich daran fest, daß man hier mit Fug und Recht von einer wörtlichen, ja wortwörtlichen Übersetzung reden kann.

Natürlich stutzt man als Deutscher für einen Moment bei dieser Übersetzung, da hat Herr Wrase ja schon recht. Aber auch der Angelsachse stutzt für einen Moment bei der englischen Urfassung. Das ist ja die Pointe der Aussage, die sonst geradezu unerträglich banal wäre.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 07.08.2016 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33045

Einfachste Erklärung: Morgenstern wußte nicht, was ein(e) Rüde ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.08.2016 um 19.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33042

Ja, das Versmaß ist es. Daran hatte ich zwar gedacht, aber den Gedanken wieder verworfen, weil die Taktanzahl sowieso ganz unterschiedlich ist:
4 - 4+1/2 - 4
3+1/2 - 5 - 6

Wenn er wollte, hätte er z. B. mit der einfachen Änderung
Er allein ist frisch wie'n junger Rüde!
sowohl den Rhythmus als auch die Verslänge und schließlich die Grammatik besser hinbiegen können.

Aber daß er augenzwinkernd nur so tut, als erforderten die Trochäen sozusagen eine "Rüdin", das paßt ganz genau zu Morgenstern, diesen Gedanken finde ich sehr einleuchtend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2016 um 16.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33041

Von einem Witz würde ich hier auch nicht sprechen, es ist eher das Absurde wie in anderen Morgensternschen Gedichten, also am ehesten Sprachwitz. Er tut auch noch so, als sei er um des Verses willen dazu gezwungen.
Man könnte auch an "die Drohne" denken.
Aber letzten Endes kann ich auch nicht erklären, warum gerade dieser Dichter mich so zum Lachen reizt; es muß mit meiner kindlichen Natur zusammenhängen.

Robert Gernhardt trifft es auch manchmal.
 
 

Kommentar von Hugo, verfaßt am 07.08.2016 um 15.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33040

Herr Riemer, es dürfte schlicht am Versmaß liegen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.08.2016 um 12.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33039

Ich gäbe etwas darum zu verstehen, warum Morgenstern "eine junge Rüde" und nicht "ein junger Rüde" schreibt, zumal es dem Witz, den ich an sich zu verstehen glaube, nicht abträglich wäre, im Gegenteil, es höbe eine Irritation auf. Irgendetwas muß mir hier entgehen. Ich weiß, nichts ist öder als Witze zu erklären, aber vielleicht erbarmt sich jemand meiner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2016 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33033

Seit Jahren versuche ich meiner Frau das folgende Gedicht vorzulesen, schaffe es aber wegen Lachkrampf nie:

Christian Morgenstern:

Der vorgeschlafene Heilschlaf

Palmström schläft vor zwölf Experten
den berühmten Schlaf vor Mitternacht,
seine Heilkraft zu erhärten.

Als er, da es zwölf, erwacht,
sind die zwölf Experten sämtlich müde.
Er allein ist frisch wie eine junge Rüde!

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2016 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33032

Ich möchte den etwas heftigen Kutschera nicht unbedingt verteidigen, aber in evolutionstheoretischen Schriften sind beliebter Kürze halber teleologische und quasi-deontische Ausdrucksweisen üblich, weil der Verfasser darauf vertraut, daß man sie richtig (naturalistisch) versteht.
 
 

Kommentar von Georg Hilscher, verfaßt am 04.08.2016 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33012

Die besten Verteidiger der Gender Studies sind immer noch ihre Gegner. Sie mögen im wesentlichen recht haben, aber wenn sie vom „Gender-Wahn“ reden und die „Gender-Ideologie als Gesellschaftskrebs“ (http://de.richarddawkins.net/articles?tags=Genderismus) bezeichnen, dann nimmt mich das immer sehr für die andere Seite ein. Wer sich sicher ist, völlig im Recht zu sein, könnte sich auch leisere Worte erlauben.
Richtig düster wird’s, wenn Kutschera sich um die Renten Sorgen macht, weil die Deutschen nicht mehr genug Kinder bekommen. Schuld daran sind unsere „Homo-Lifestyle-Society“ und vor allem die „vermännlichten (meist lesbischen) Damen“, die so dreist sind, mit „leichte[n] Büro- bzw. Bla-Bla-Tätigkeiten“ „viel Geld [zu] verdienen“ und „subordinierten Männern die eigentliche Arbeit [zu] übertragen“! Frauen als Vorgesetzte von Männern, vor allem aber Frauen, die das gleiche machen wollen wie Männer: Was für ein Verstoß gegen die natürliche Ordnung! Denn: „In lebenden, das heißt kinderreichen Gesellschaften, haben die Geschlechter  –  evolutionär bedingt  – grundverschiedene, sich ergänzende Rollen zu erfüllen.“ Ja, richtig gelesen: Die Evolution führt nicht einfach dazu, daß die Geschlechter verschiedene Rollen erfüllen, nein, sie haben die zu erfüllen, da folgt tatsächlich mal aus einem Sein ein Sollen.
Solche Beiträge (http://de.richarddawkins.net/articles/lebende-gesellschaften-und-aussterbende-gender-unisexmenschen) machen es mir ziemlich leicht, die Gender Studies doch ein klein wenig liebzuhaben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2016 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#33007

Eine Sammlung von Beiträgen zur Gender-Debatte:

http://de.richarddawkins.net/articles?tags=Genderismus
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2016 um 04.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32986

Man kann alles (Sinnvolle) übersetzen, aber nicht immer auf der wörtlichen Ebene. Im vorliegenden Falle haben wir es, wie Herr Markner gerade zusammengefaßt hat, einerseits semantisch mit dem Stamm friend-/freund- zu tun, andererseits grammatisch mit dem Genus- und Sexusproblem. Für beide Inkongruenzen hat der Übersetzer seine Routinen, aber manchmal bleibt es auch einfach so stehen und befremdet dann den Leser mehr oder weniger.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.08.2016 um 00.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32985

Die Wortfeldgrenzen entsprechen sich nicht genau, weshalb die Übereinstimmung trügerisch ist. friend kann Freund (M), Freund (M/F) oder Freundin (F) bedeuten. Daher She is my best friend auch dann, wenn eine Frau von ihrer sprichwörtlichen »besten Freundin« spricht. Freundin wiederum bedeutet friend oder girlfriend.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.08.2016 um 00.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32984

Lieber Herr Markner,
bitte begründen Sie das etwas näher.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.08.2016 um 23.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32983

Diese Wortwörtlichkeit ist eine bloß scheinbare (wie strenggenommen immer, aber hier ganz offensichtlich).
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 01.08.2016 um 23.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32982

Die Übersetzung eines Worts hängt bekanntlich vom Zusammenhang ab. Hier geht es aber nicht um das einzelne Wort „friend“, sondern um einen bestimmten Satz in einem bestimmten Zusammenhang: „I married my best friend.“ In dem gegebenen Zusammenhang ist dieser Satz eindeutig. Genauso eindeutig ist in diesem Zusammenhang auch die wortwörtliche deutsche Übersetzung: „Ich habe meinen besten Freund geheiratet.“

Die hier vorgeschlagenen deutschen Paraphrasen sind daher schlicht redundant.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.07.2016 um 21.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32969

AE my great friend Dick – BE: Richard
AE completely awesome – BE: quite nice
usw.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 31.07.2016 um 18.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32968

Zu #32964 "Was ist die "wörtliche Übersetzung" von «friend»?"
Diese Frage könnte man nur in einem längeren Artikel beantworten. Ich weiß nicht, wie es im brit. Englisch ist, aber hier in Amerika sage ich - wie die andern auch - "friend" für Leute, die ich deutsch "gute Bekannte" nennen würde. Aber ich sage nicht "good acquaintance(s)", denn das würde doch irgendwie beinhalten, daß ich die Bezeichnung "friend(s)" absichtlich vermeide, etwas, was ich wiederum aus guten Gründen zu vermeiden versuche. Nun, when in Rome, ...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.07.2016 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32967

Erschwerend kommt hinzu, wenn Vornamen erlaubt sind, die keine Aussage über das Geschlecht enthalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2016 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32964

Was ist die "wörtliche Übersetzung" von friend?
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 29.07.2016 um 23.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32944

Ob Freund oder Freundin, für Christian Goiny von der CDU Steglitz-Zehlendorf ist das alles kein Problem. Auf Facebook stellt er sich so vor: Christian Goiny, MdA, PolitikerIn.

Wie ging das noch mit dem kategorischen Imperativ? Dann wäre Hitler DiktatorIn. StalIn auch.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 29.07.2016 um 18.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32942

In dem Zusammenhang, in dem Clinton das gesagt hat, kann man es sehr wohl wörtlich übersetzen. Es war ja klar, daß er von Hillary sprach. Wäre es anders gewesen, hätte er sich kaum so ausgedrückt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 29.07.2016 um 16.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32937

"Sie war mein bester Freund, bevor ich sie geheiratet habe." Danach siehts ja leider oft anders aus.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 29.07.2016 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32935

"We were married in that little house on October the 11th, 1975. I married my best friend. I was still in awe after more than four years of being around her, at how smart and strong and loving and caring she was, and I really hoped that her choosing me and rejecting my advice to pursue her own career was a decision she would never regret."
=> Wir heirateten in jenem kleinen Haus am 11. Oktober 1975, und ich hatte damit/so meinen besten Freund geheiratet / und ich heiratete damit/so meinen besten Freund. Nach über vier Jahren ...
Viele amerikanische Sprecher, auch sehr gebildete Sprecher, benutzen das Plusquamperfekt nicht so philologisch-akribisch, wie ich das manchmal gern hätte; aber man versteht schon, was gemeint ist (wenn auch doch nicht in jedem Fall). Aber daß es das Plusquamperfekt praktisch gar nicht mehr gibt, wie manche Englischlehrer hier leichtsinnig behaupten, das stimmt auch nicht. Die Zeitenfolge drückt man aber viel öfter durch einfache Nebenordnung aus, wenn nötig mit entsprechenden Zeitadverbien, weniger mit der Verwendung des Plusquamperfekts.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.07.2016 um 10.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32934

Sie war mein bester Freund, bevor ich sie geheiratet habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2016 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32932

Ich habe den Menschen geheiratet, der mein bester Freund war.
Oder: die Frau, die mein bester Freund war

Im Prädikatsnomen ist das generische Maskulinum unauffälliger. Dabei geht allerdings verloren, daß sie es immer noch sein könnte.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 29.07.2016 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32931

Ich habe meine beste Freundin geheiratet finde ich – als Übersetzung – sehr fragwürdig. Es entsteht der Eindruck, es werde die Auswahl unter allen Frauen betrachtet, zu denen Bill Clinton eine Beziehung hatte. Bei I married my best friend wird dagegen die Auswahl unter allen Menschen betrachtet, zu denen Bill Clinton eine Beziehung hatte, einschließlich der Männer. So empfinde ich es jedenfalls. Im Deutschen könnte das besser durch ein generisches Maskulinum ausgedrückt werden: Ich habe meinen besten Freund geheiratet.

Noch ein anderer Aspekt. Daß Bill Clinton unter allen Frauen diejenige geheiratet hat, die am besten zu ihm paßt, ist sozusagen nichts Besonderes, das wäre kaum mitteilenswert. Das wollte er nicht sagen. Er wollte nach meinem Verständnis sagen: Sie war für mich auch das, was (normalerweise) für einen Mann der beste Freund ist – oder (normalerweise) für eine Frau die beste Freundin. Gemeint war also eher die Rolle des besten Freundes, die seine Frau ausfüllte, obwohl sie eine Frau war. Im Deutschen könnte das wiederum besser durch Maskulinum ausgedrückt werden: Ich habe meinen besten Freund geheiratet.

Ich habe meinen besten Freund geheiratet klingt aber so irritierend, daß man lieber Ich habe meine beste Freundin geheiratet sagt. Aber dann ist es nicht mehr das, was Clinton meinte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.07.2016 um 22.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32924

Man kann es übersetzen – fragt sich nur, wie gut. Ich habe meine beste Freundin geheiratet ist schon akzeptabel und jedenfalls besser, als es das irritierende Ich habe meinen besten Freund geheiratet wäre. Denkbar wäre aber z. B. auch In ihr habe ich meinen besten Freund geheiratet, wenngleich das nicht die schlichte Einfalt des Originals hat.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.07.2016 um 19.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32923

In seiner Rede beim Parteitag der Demokraten sagte Bill Clinton über seine Heirat:
I married my best friend.

Das kann man nicht ins Deutsche übersetzen, wie mir scheint. Aber wenn man müßte, wie soll man es übersetzen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2016 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32894

„Lieber erträgt man durchgeknallte Theorien, als dass man sich mit der Gleichstellungsbeauftragten anlegt.“ (FAS 24.7.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2016 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32882

Damaris Nübling hat sich 2013 in einem Vortrag u. a. mit dem neutralen Genus weiblicher Eigennamen beschäftigt, das besonders in westdeutschen Regionen üblich ist, vgl. dazu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1365#20910.

„Neutrale Streicheleinheiten gibt es nur für solche Frauen, die sich im männlichen Kontrollbereich aufhalten, also in Haus und Hof: Es ist die domestizierte, die ungefährliche, verwandte, befreundete, junge Frau, das Mädchen, das ins freundliche Neutrum tritt. Frauen, die dies jedoch nicht sind, die womöglich als Konkurrentin in den beruflichen Aktionsradius des Mannes „eindringen“ und sich dort seiner Kontrolle entziehen (oder gar ihn kontrollieren), werden mit dem sexuskongruenten Femininum bezeichnet. Solche „gefährlichen“ Frauen werden also grammatisch ernstgenommen, hier gilt die sonst – und bei Männern immer – übliche Sexus-Genus-Kongruenz."

Mag sein. Aber es ist eben Deutung, und es gibt Bedenken. Werden Frauen in den betreffenden Regionen anders behandelt als im übrigen deutschen Sprachgebiet, und wenn nicht: was bedeutet es dann für die ganze Konstruktion? Natürlich ist das Geschlechterverhältnis überall auf der Welt unsymmetrisch, wie die biologischen Funktionen, an die man kaum noch zu erinnern wagt, obwohl sie das Sinnen und Trachten der Menschheit seit Millionen Jahren beherrschen. Als Konkurrentin und Partnerin auf dem Arbeitsmarkt tritt die Frau erst in neuester Zeit auf, und die dialektal gefärbte Umgangssprache kann sich nicht sofort darauf eingestellt haben.

Außerdem wäre zu berücksichtigen, daß die Verweigerung des natürlichen Geschlechts zu den bekannten Mitteln der Herabsetzung gehört, daher die Memme, die Schwuchtel (nur Männer), der Hausdrache, das Reff (nur Frauen) usw., eine lange Liste.

Nübling widmet sich dann dem anderswo bereits erwähnten, äußerst despektierlichen Merkel. Schmähungen der Bundeskanzlerin sind in den primitiveren Blogs (Foren von "Welt", "Focus" usw.) tatsächlich ungemein häufig und unterschreiten jedes Niveau. Abgesehen davon sollte man aber mitbedenken, daß der Name Merkel sich formal zur mutwilligen Deutung als Diminutivum anbietet, daher auch gelegentlich, wie von Nübling erwähnt, das Schäuble, aber natürlich nicht das Kohl. Manche Giftzwerge glauben nun wunder was geleistet zu haben, wenn sie die Bundeskanzlerin das Merkel (oder eben Mutti) nennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2016 um 13.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32804

Ich habe unsere bisherige Diskussion so verstanden, daß es nicht um Begrapschen in der Öffentlichkeit geht, sondern um erotische Beziehungen vom Flirten bis zur Ehe, daher auch mein Zitat jenes Juristen und die literaturgeschichtlichen Erinnerungen. Es ist anzunehmen, schlimmstenfalls zu befürchten, daß der eiserne Besen der (feministisch belebten) Justiz hier in eine unaufhebbare Zweideutigkeit der erotischen Sprache hineinfährt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 10.07.2016 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32803

Nein, wer sowas machte, war seinen Job nicht mit Sicherheit los. Lehrer und Pfarrer beispielsweise wurden oft nur versetzt (und das nicht unbedingt gleich beim erstenmal). Die Ächtung hielt sich in scheinheiligen Grenzen.

Die Rechtslage mag nun geringfügig verändert sein, doch wird auch künftig im Zweifel für den Angeklagten entschieden werden müssen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.07.2016 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32802

Die sechs Gesetzesvorschläge sind sehr gut.
Aber, jetzt machen Sie mich nicht irre, lieber Herr Virch, Vergewaltigung und Kindesmißbrauch wurden ja auch schon immer streng bestraft, oder etwa nicht?
Bei dem neuen \"Nein heißt nein\" geht es doch vor allem ums Begrapschen u.ä., sicher kam das auch früher vor, aber die gesellschaftliche Ächtung war abschreckend genug, daß solche Vorfälle die absolute Ausnahme blieben. Wer sowas machte, war seinen Job doch mit Sicherheit los.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 10.07.2016 um 10.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32801

Nein, in Deutschland wurden Frauen schon immer begrapscht, vergewaltigt und als Kind mißbraucht, und zwar die meisten (Feministinnen haben da genaue Zahlen). Damit ist jetzt endlich Schluß. Dumm, daß nicht schon früher jemand auf die Idee gekommen ist, „nein heißt nein“ in Gesetzesform zu gießen. Das Verfahren könnte auch anderen Unsitten ein Ende bereiten, zum Beispiel der Raserei auf Deutschlands Straßen. Dafür wären nur sechs neue Gesetze nötig: 30 heißt 30, 50 heißt 50, 70 heißt 70, 100 heißt 100, 120 heißt 120 und 130 heißt 130.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.07.2016 um 01.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32799

Ich falle aus allen Wolken.
Nein hieß bisher gar nicht nein?
Bisher durfte man also Frauen immer, sogar öffentlich, beliebig begrapschen, anfassen, belecken, ...
Habe ich mich etwa die ganze Zeit ganz umsonst beherrscht?
Weiß vielleicht jemand, ab wann das neue Gesetz in Kraft tritt?

Nein, es muß wohl anders sein, wir hatten bisher eine Kultur, in der bestimmte Dinge einfach selbstverständlich waren. Es mußte nicht alles schwarz auf weiß gesetzlich geregelt und mit hohen Strafen sanktioniert werden. Die gesellschaftliche Ächtung bei Verletzung bestimmter Tabus war Strafe genug.

Das ist nun überholt. Hoch lebe die bunte Kultur!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2016 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32798

Übrigens: Nein heißt nein, aber was heißt nicht doch!? (Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=593)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2016 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32795

Rechtzeitig in Erinnerung gebracht! Das Sträuben der Frau gehörte damals (?) zum Verführungsspiel, ist auch in der Kunst unendlich oft dargestellt. Es war die Bedingung, unter der Lust und Sittsamkeit vereint werden konnten.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 08.07.2016 um 21.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32794

Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie:

https://www.youtube.com/watch?v=NTgcwny1PnU

Ludwig van Beethoven Der Kuß Lyrics
Ludwig van Beethoven Lyrics
Ludwig van Beethoven Fotos
Ludwig van Beethoven Tabs
Der Kuß Songtext
By Christian Felix Weiße (1726-1804)

Ich war bei Chloen ganz allein,
Und küssen wollt ich sie.
Jedoch sie sprach,
Sie würde schrein,
Es sei vergebne Müh.

Ich wagt' es doch und küßte sie,
Trotz ihrer Gegenwehr.
Und schrie sie nicht?
Jawohl, sie schrie,
Doch lange hinterher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2016 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32783

Die Einzelheiten des neuen Sexualstrafrechts setzen unvermeidlicherweise die pornographische Phantasie in Gang. Ein Jurist erläutert, was das neue Gesetz bedeutet:

„Ein Mann macht von einer Frau einvernehmlich Nacktfotos. Dann bittet er sie, sich für die Aufnahmen nach vorne gegen eine Wand zu lehnen. Plötzlich dringt er unvermittelt in sie ein. Die Frau ist perplex und wehrt sich nicht. Bislang war der Mann dafür schwer zu belangen. Künftig ist das einfacher, weil der Täter nach der neuen Gesetzgebung das fehlende Einverständnis des Opfers durch die Überraschung missachtet hat.“ (Süddeutsche Zeitung 7.7.16)

Frage: Wozu muß es Nacktfotos von Frauen in Primatenkopulationsstellung geben? Was heißt: "Die Frau ist perplex und wehrt sich nicht"? Bleibt sie wie ein Gorillaweibchen "nach vorne gegen die Wand" gelehnt? Könnte ein Mann, zumal wenn die Versuchung auch für ihn selbst erst nachträglich entsteht, dieses Verhalten nicht als Zeichen der Einwilligung deuten, ein bißchen über das Fotografieren hinauszugehen? Wie echt ist die "Überraschung"? Hätten die Beteiligten vorher schriftlich festlegen sollen (am besten mit Notar), bis wohin die Einvernehmlichkeit reicht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2016 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32772

Die Sprachwandlerin – Luise F. Pusch. Zurufe von Freundinnen und Weggefährtinnen. Göttingen:Wallstein 2014.

Zu den Freundinnen gehört auch Anatol Stefanowitsch. Er schreibt über das generische Femininum, das er befürwortet, aber nicht selbst verwendet.
Er teilt mit, daß die Promotionsordnung Informatik am KIT seit 2006 das generische Femininum benutzt.

S. aber hier: https://www.informatik.kit.edu/2008.php – generisches Maskulinum; im Text von 2006 heißt es:

Vorbemerkung zum Sprachgebrauch
Aus Gründen der Lesbarkeit ist in dieser Satzung nur die weibliche Sprachform gewählt worden.
Alle personenbezogenen Aussagen gelten jedoch stets für Frauen und Männer gleichermaßen.


Das kann man nicht einmal als echtes generisches Femininum bezeichnen. Es wirkt mehr wie ein Gag, und es ist auch fraglich, ob die Fakultät das zehn Jahre später noch so machen würde. Übrigens studieren am KIT im Bereich Informatik nur 10,5% Frauen (https://www.informatik.kit.edu/1649.php).

Für das größte Hindernis hält Stefanowitsch „die Angst der Männer vor sprachlichem Bedeutungsverlust“. Dafür beruft er sich allerdings im Gegensatz zu seiner sonstigen Argumentation nicht auf empirische Untersuchungen. Solche Unterstellungen müssen in seinen Augen wohl nicht begründet werden; hier genügt die richtige Einstellung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2016 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32771

Die anhaltende Debatte über "Nein heißt nein" hat unvermeidlicherweise etwas Peinliches. Einerseits soll der Tatbestand in Gesetzesform gegossen werden, andererseits ist er, wie jeder und jede sofort erkennt, rational nicht recht erfaßbar. Man muß, um die Empirie zur Geltung zu bringen, beinahe bekenntnishaft aussagen, daß die "Sprache des Begehrens" (brrrr!) nicht besonders logisch ist. Manche bejahen das Nein usw.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.06.2016 um 15.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32742

Amüsant sind manchmal die Beispiele im Netz, z. B. bei Wikipedia unter Gerundivum:

die auf den Anstand zu nehmende Rücksicht

Man nimmt doch keine Rücksicht auf den Anstand, sondern auf irgendetwas, und diese Rücksicht ist dann der Anstand.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2016 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32741

Bei der Herleitung des "Gerundivs" (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23659) ist auf jeden Fall zu beachten, daß das zu eigentlich nur aus dem Infinitiv stammen kann. Die frühneuhochdeutsche Grammatik von Ebert et al. (S. 328) geht darauf nicht ein, erwähnt nur, daß eine zu erwartende (!) Zwischenform *die zu erledigenne Sache bisher nicht belegt ist. Die ganze Konstruktion sowieso erst in der Kanzleisprache des 17. Jahrhunderts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2016 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32717

Berufsrückkehrende und sogenannte „Aufstocker“ (Beziehende aufstockender Leistungen nach dem SGB II)

Wie schon mehrmals gezeigt, behält das substantivierte Partizip I Beziehender die Rektion des Verbs, während das Nomen agentis (Bezieher) nur ein Genitivattribut zuläßt.

Der Aufstocker entzieht sich bisher weitgehend dem Gendern.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.05.2016 um 15.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32714

Wie kommt es eigentlich, daß diese linken Korrektheitsfanatiker einfach so hinnehmen, daß alle Dinge wie Stadtführer, Flaschen- und Dosenöffner, Staubsauger, Salz- und Pfefferstreuer, Schrauben- und Korkenzieher usw. mit männlichen Begriffen bezeichnet werden? Suggeriert man damit nicht, daß alle wichtigen Dinge männlich sind, was wiederum bedeutet, daß dem männlichen Geschlecht die Hauptrolle im Leben zukommt? Werden damit nicht Frauen auch zumindest indirekt diskriminiert?

Als Marburger Studierender würde ich jedenfalls auf einem, nein, auf einer, oh Gott, das geht alles nicht, also ich würde auf mindestens zwei Studierendenstadtführenden bestehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2016 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32713

An allen (?) deutschen Hochschulen ist der "Studierendenschaftsbeitrag" einführt worden, ohne Widerstand, schon weil die "Studierendenschaften" wie seit je links dominiert sind, solche Sprache also für fortschrittlich halten. Die Stadt Marburg drückt den Studenten einen "Studierendenstadtführer" in die Hand.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2016 um 07.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32712

Es ist vielleicht ganz interessant, daß Panini, der keine gesonderte Wortart Adjektiv kennt, die Geschlechter so einteilt: stri- (weiblich), pum- (männlich) und na-pumsaka (neutral); die ersten beiden faßt er als a-na-pumsaka zusammen, also nichtneutral). (Ich habe die Bindestriche eingefügt, um die Wortbildung durchsichtig zu machen.) Das alles wie immer nur aus rein technischen Gründen, um gewisse Regeln an anderen Stellen der Grammatik möglichst einfach formulieren zu können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2016 um 09.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32706

Es gibt vielleicht mehr weibliche Fans als männliche, ganz zu schweigen von Transfans, aber wie soll man sie geschlechtergerecht nennen? Fanin ist belegt, verstößt aber gegen andere Regeln, Fannin wäre konsequent. Oder Fanny in beiden Geschlechtern?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2016 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32619

In seinem Buch „Das Hohe Haus“ kritisiert Roger Willemsen die Abgeordnete Bettina Kudla (CDU/CSU), weil sie sagt: „Lassen Sie mich als letzter Redner der Debatte einige wichtige Punkte zusammenfassen“ – aber nicht wegen des Nominativs, sondern wegen des generischen Maskulinums: „Wählt erst mal Rednerinnen, die sich selbst nicht 'Redner' nennen.“ (S. 132; Auszug hier: https://books.google.de/books?id=ctlvAgAAQBAJ&pg=PT86&lpg=PT86&dq=%22w%C3%A4hlt+erst+mal+rednerinnen%22&source=bl&ots=TH8CF1UOpF&sig=-FjhFcx_IvgS-PQ8ujvytb_45ls&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiu3Jfq9OPMAhXJKiwKHTuYBd4Q6AEIIzAA#v=onepage&q=%22w%C3%A4hlt%20erst%20mal%20rednerinnen%22&f=false)

Natürlich ergäbe sich bei der femininen Form wieder das Problem, daß Kudla zwar letzte Rednerin war, jedoch auch kein männlicher Nachfolger mehr vorgesehen war. Jedenfalls hatte Willemsen die feministische Sprachregelung verinnerlicht, und das wirkt im Zusammenhang etwas unter Niveau. Allerdings macht der Beobachter des Bundestages aus der Verteilung seiner Sympathie kein Geheimnis.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2016 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32554

Im Buch von 1957 gebraucht Skinner durchgehend he, him. In drei Fällen steht she, her, aber da bezieht es sich eindeutig auf zuvor erwähnte Mädchen – mutmaßlich eine seiner beiden Töchter, seine Hauptinformantinnen. Nur einmal heißt es: The new-born (!) child is not conspicuously patient or prudent, but to some extent it seems to acquire such an admirable character as soon as named.
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 10.05.2016 um 22.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32551

B. F. Skinner beispielsweise verwendet im (relativ kurzen) Manuskript der Vorlesungen über Verbal Behavior (1948) überwiegend "it", wenn er sich auf "child" bezieht. Und zwar in mindestens sieben Fällen (sogar "the child itself"), etwas weniger oft "he", aber nur einmal "she", wo auch wirklich ein Mädchen gemeint ist.

(Es wäre interessant zu vergleichen, wie er's damit in der Buchausgabe von 1957 hält.)

Aus Gesprächen mit britischen Eltern weiß ich, daß die meisten dieses "it" für ein Kind unangemessen, gar unmöglich finden; für Babies allerdings, deren Geschlecht (etwa im Kinderwagen) nicht ersichtlich sei, zumindest mündlich akzeptabel, jedenfalls denkbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2016 um 21.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32550

Vielleicht weil auch Kinder Personen sind. Ich habe aber schon gezeigt, daß die Entwicklung in der entgegengesetzten Richtung weitergeht: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19160

"Gendern" ist also eigentlich "Sexualisieren". Und zwar als "Mainstreaming"...
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 10.05.2016 um 18.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32549

Warum nicht einfach "it"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2016 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32544

In einem Aufsatz von Sidney Hook aus den fünfziger Jahren lese ich gerade: As soon as the child is born he is subjected to some experience. - Heute ist das fast undenkbar. Die meisten nehmen die Substantivgruppe mit she wieder auf, viele auch mit he or she. Sind sie deshalb weniger vorurteilsbehaftet als ihre älteren Zeitgenossen? Die geschlechtergerechte Rede ist anders, weniger ungezwungen, bekenntnishafter, aber sie ist nicht gerechter gegenüber den Frauen, weil ihre Sprecher es nicht sind.
Sprachwissenschaftler haben kaum das Recht, den feministischen Umgang mit der Sprache zu kritisieren, weil sie größtenteils mitmachen oder schweigen, wie bei der Rechtschreibreform. Ihre berufsständischen Organisationen sind sogar führend, haben sich die verkrampfte Redeweise frühzeitig selbst verordnet.
 
 

Kommentar von B. Z., verfaßt am 10.05.2016 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32541

Gunnar Schupelius über Hiat und Sternchen:

http://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/eine-gruene-politikerin-erklaerte-mir-wie-sie-diskriminierungsfrei-spricht
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2016 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32467

Wenn jemand glaubt, das Erstglied Kanzler- könne keine Frau bezeichnen, was hat es dann mit Kanzlerinnendemokratie (z. B. FAS 1.5.16) auf sich? Dann kann der Plural auch keinen Singular bezeichnen, und das Wort schließt ein, daß der nächste Bundeskanzler wieder eine Frau sein wird.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.05.2016 um 12.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32466

Im Polnischen gibt es folgende förmliche Anreden: pane – der Herr (Vokativ von pan); pani – die Dame (Vokativ); panowie – Damen und Herren; panstwo – Herrschaften (Damen und Herren). Vi – Ihr (statt Sie) nur unter Freunden und Bekannten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2016 um 10.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32465

Wenn z. B. jemand nachdenkt, was sie in einer bestimmten Situation tun soll, gelten die kognitiven Prozesse, die zur Handlungsentscheidung fuhren, als psychologisch interessant. Wenn sie dann aber tut, was sie sich überlegt hat, gilt die Handlung selbst nur noch als mehr oder weniger triviales Ergebnis dieser Prozesse. (Wolfgang Prinz in Ders., Hg.: Experimentelle Handlungsforschung. Stuttgart 2014:12)

Der absichtsvolle Verstoß gegen die deutsche Grammatik wirkt beflissen. Der Text ist im übrigen keineswegs durchgegendert.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 01.05.2016 um 10.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32464

Noch zu #32290: In anderen Sprachen, z.B. Polnisch, sagt man bei gemischtem Publikum ganz offiziell "Meine Herrschaften".

Nicht nur in anderen Sprachen. Ich selbst benutze es noch manchmal im Gruß, wenn ich gemischten Paaren/Gruppen begegne, allerdings nicht mit dem Possessivadjektiv, sondern mit dem definiten Artikel: Guten Tag, die Herrschaften. Wo ich das herhabe, weiß ich nicht genau. Aber es geht bei mir zusammen mit "Guten Tag, der Herr" und "Guten Tag, die Dame" (ich habe große Schwierigkeit, Namen zu behalten), und ich komme aus Oberschlesien und hatte auch einen Vater, der Mitte vorigen Jahrhunderts durchaus manchmal noch Leute in der dritten Person anredete und Frau K. z. B. fragte: Würde auch das Frau K. gefallen? Hervorgeholt hatte ich wohl "die Herrschaften", weil ich mal das frz. "Bonjour, m'sieurs dames!" gehört hatte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2016 um 08.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32463

Nein heißt nein. Als Sprachwissenschaftler müßte man Einspruch erheben.
Es wird immer Versuche geben, das Kontinuum der Kommunikation durch eingeschlagene Pflöcke zu interpungieren. Ich hatte schon die Backenstreich-Theorie erwähnt. Hierher auch die Eidesformeln und andere Rituale, Ja-Worte usw. – In Institutionen funktioniert es einigermaßen, aber im Alltag kann man die grundsätzliche Mehrdeutigkeit nicht beseitigen, am wenigsten in erotischen Beziehungen. Man kann immer nein sagen, aber meint man es auch immer?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2016 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32399

Soll sexistische Werbung verboten werden?

Darüber läßt die Bayerische Staatszeitung ihre Leser abstimmen. Da die Wortwahl wertend ist und wie so oft darauf hinausläuft, ob man für das Gute und gegen das Schlechte ist, läßt sich das Ergebnis vorhersagen. Die meisten sind auch für die Abschaffung der Immunität von Abgeordneten (ebd.). Es kommt eben darauf an, ob man die Versuchspersonen darüber aufklärt, was wirklich an den Schlagwörtern hängt.

Man könnte sich jeden Tag an vielen Abstimmungen beteiligen. Unzählige Schreiber sind damit beschäftigt, Meinungen zu haben oder wenigstens zu verbreiten. Das lernen wir ja in der modernen Schule: Am wichtigsten ist es, eine Meinung zu haben (Spitze der Lernzielhierarchie). Im Fernsehen geht's dann weiter. Meiner Ansicht nach sollte sich jeder schämen, eine Meinung zu haben – oder wenigstens, sie zu äußern.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.04.2016 um 01.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32297

Die Anrede Liebe Kolleginnen und Kollegen allein hätte ich hier nicht kritisiert. Aber im Zusammenhang mit dem generischen liebe Freunde finde ich schon, daß letzteres mit der vorangestellten Doppelnennung nicht gut zusammenpaßt. Statt Kolleginnen und Kollegen läßt sich leicht die generische Form einsetzen. Eine ähnliche Kombination mit Damen und Herren fände ich weniger anstößig, weil dafür keine generische Form existiert.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.04.2016 um 23.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32292

Gut gegeben. Sagen wir also einfach »Verstoß gegen die Obligatorizität des generischen Maskulinums«. – Übrigens wurde Lübke ja in schmähkritischer Absicht angedichtet, er habe »Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger« gesagt. Aus heutiger Sicht natürlich doppelt verwerflich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2016 um 22.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32291

Ich würde es nicht Verstoß nennen – es ist einfach keins.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.04.2016 um 22.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32290

In anderen Sprachen, z.B. Polnisch, sagt man bei gemischtem Publikum ganz offiziell "Meine Herrschaften".
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.04.2016 um 21.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32289

»Meine Damen und Herren« – ist das jetzt auch ein Verstoß gegen das generische Maskulinum?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2016 um 14.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32287

Ich habe eine E-Mail erhalten, in der es um die Verabschiedung eines Kollegen in den Ruhestand geht:

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde von Peter,

Dem Absender schien es wohl nicht so recht passend, sich an die "Freundinnen und Freunde von Peter" zu wenden. Warum dann nicht gleich ganz beim generischen Maskulinum bleiben?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.04.2016 um 07.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32284

Spiegel Online gestern: "Wenn wir denken, unsere Freiheit hinge davon ab, dass überall Brüste hängen, ist das ein schlechtes Zeichen für unser Frauenbild."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2016 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32248

Die SPD hat sich von "Pinkstinks" beraten lassen. Man sieht dort wie auch in anderen feministischen Kreisen, daß die "Entlarvung der Heuchler" tatsächlich grenzenlos ist. Wer A erwähnt, hätte auch B erwähnen müssen, sonst diskriminiert er. (Determinatio est negatio.) An den Diskussionen der Pinkstinker sieht man, wie alle sich in voraussehbarer Weise verheddern. Gut, wenn man äußere Feinde hat, gegen die man dann wieder einig sein kann. In Deutschland empfiehlt sich der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 10.04.2016 um 01.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32233

Ganz ehrlich: Ich hatte den Eindruck einer Übertreibung erst beim Lesen des Wortes "übertreiben". Die Gendererziehung fruchtet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.04.2016 um 00.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32232

Würde das ansonsten nicht recht kompliziert oder einseitig?
Unter "geehelicht" findet man Beispiele in beiden Richtungen, von den neuzeitlichen neuen Varianten ganz abgesehen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.04.2016 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32231

»Blonde Schweden ehelichten in Mittelalter und Neuzeit eher andere blonde Schweden als dunkelhaarige Italiener.« (Ronald D. Gerste, welt.de)

Man kann es mit dem generischen Maskulinum auch übertreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2016 um 15.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32228

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will mit einer Gesetzesänderung geschlechterdiskriminierende Werbung verbieten. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Der Entwurf von Maas sieht vor, dass künftig Plakate oder Anzeigen unzulässig sein könnten, die Frauen oder Männer auf Sexualobjekte reduzieren. Im Streitfall würde ein Gericht die Entscheidung treffen.

Die SPD hat ihre Pläne nach den Übergriffen an Silvester in Köln formuliert. Das deutet darauf hin, daß die Darstellung der Frau künftig radikal muslimischen Normen entsprechen soll, um muslimische Männer nicht in Versuchung zu bringen. Man wird darauf achten müssen, daß die schwarze Verhüllung des ganzen Körpers keine allzu attraktiven Augen frei läßt.
Die Modebranche hat sich auf Berufskleidung zu beschränken (Vorsicht! Manche Männer haben einen Krankenschwester-Fetisch), Kosmetik darf nicht beworben werden. Der Unterschied der Geschlechter entspricht einem überholten und verbotenen Klischee. Niemand darf eine Vorliebe für das vermeintlich andere Geschlecht zum Ausdruck bringen (Diskriminierungsverbot).
Aber es gibt Auswege, so daß Rechtsanwälte sich schon mal die Hände reiben können. Welche Werbung „reduziert“ Frauen auf Sexualobjekte? Eine „Frau als Sexualobjekt“ – das klingt nicht schön. Eine „attraktive Frau“ bedeutet zwar dasselbe, klingt aber schon viel besser.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 09.04.2016 um 08.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32224

dpa-genderiertes Unterbewußtsein: "Berlin (dpa [09.04.2016]). Die Grünen sollten sich nach Ansicht ihres Bundestagsfraktionschefs Anton Hofreiter für 2017 eine Koalition mit der Union offenhalten, trotzdem aber jetzt einen Abgrenzungskurs fahren. Mann sollte keinen Kuschelkurs mit der Union fahren, sagte Hofreiter der «Rheinischen Post» vor dem Kleinen Parteitag heute in Berlin."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2016 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32179

Die Uni Erlangen lädt zum "Boys' Day" ein. Thema sind die Flüchtlinge. Man könnte meinen, es gehe dabei recht kämpferisch zu, so viele "Herausforderungen" gibt es:

Wie leben (jugendliche) Flüchtlinge in Erlangen, und welche Herausforderungen müssen sie in ihrem Alltag bewältigen?

Herausforderung – Erlebnis- und Kennenlernspiele
Beim gemeinsamen Spielen meistern wir verschiedene Herausforderungen. Das kann das (bessere) Kennenlernen der anderen Teilnehmer oder das gemeinsame Bewältigen einer Aufgabe sein.


Das Bewältigen einer Aufgabe kann man schlecht Aufgabe nennen, deshalb praktischerwiese "Herausforderung", da merkt man die Tautologie nicht gleich.

Außer den Diversity-Leuten sind auch die muslimischen Theologen beteiligt:

Die Propheten als Flüchtlinge – Die Flüchtlinge als Propheten
In jeder Buchreligion wird die Flucht von Propheten und Gläubigen als Erfahrung thematisiert. Ob Abraham, Moses, Jesus oder Mohammed, alle waren für einen Moment ihres Lebens Flüchtlinge und mussten ihre Heimatstädte verlassen. Als Flüchtlinge hat man sie empfangen, weil sie den Frieden mitbrachten! Heutzutage sind Millionen von Menschen aus Kriegsregionen zu uns nach Deutschland geflohen. Sie bringen den Wunsch nach Frieden mit. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, den Frieden gemeinsam in Dankbarkeit zu gestalten.

Dr. Tarek Badawia, Elham Daniela Mazloum, M.A., Department Islamisch-Religiöse Studien
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2016 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32149

Manchmal staune ich über die Unmenge von Büchern, die man dem Genre "Wanderhuren"-Romantik zuschlagen könnte. Von Frauen für Frauen, immer sehr dickleibig und wie geschaffen für opulente Kostümfilme. Bin darauf gestoßen, weil eine amerikanische Freundin meinen Frauen mit der Serie "Outlander" in den Ohren liegt. Sie haben mich davor gewarnt, das würde mich als Mann nicht interessieren. Gewissermaßen das weibliche Spiegelbild des Westerns. Es wäre ganz interessant zu untersuchen, welche Merkmale der hollywoodmäßigen Gleichmacherei entgehen. Muskelmänner in Schottenröckchen allein sind es nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2016 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32117

Zweieiige Zwillinge heißen fraternal twins, daher: Mental rotation in female fraternal twins (Uni Düsseldorf) usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2016 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32107

Kappa Kappa Gamma is a women's fraternity, because it was founded before the term "sorority" came into use. (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2016 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#32106

Als Gabalier am 22. Juni 2014 beim Großen Preis von Österreich die Österreichische Bundeshymne in der bis 2012 gültigen Version mit der Zeile „Heimat bist Du großer Söhne“ ohne die 2012 gesetzlich festgelegte geschlechtergerechte Änderung sang, wurde er unter anderem in einem Brief der Grünen, von der Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und der Ex-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) kritisiert. In den Medien gab es wochenlange Diskussionen darüber. Gabalier forderte im Zusammenhang damit eine Rückkehr zum alten Text. In einem Interview meinte er: „Ich bin sehr für Frauenrechte. Aber dieser Gender-Wahnsinn, der in den letzten Jahren entstanden ist, muss wieder aufhören.“
Bei der Überreichung des Amadeus 2015 für den Best Live Act ließ Gabalier mit dem Satz „Es ist nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl heute noch auf ein Weiberl steht“ aufhorchen. Dies löste vielerorts Kritik aus, aber auch Unterstützung durch den Extremsportler Felix Baumgartner und FPÖ-Politiker.
(Wikipedia)

Eigentlich kann ja jeder singen, was er will. Und Heterosexualität wird sich nie beseitigen lassen, auch wenn man sich tunlichst nicht mehr dazu bekennen sollte.

Die Feministische Linguistik nimmt an der angeblichen Frauenfeindlichkeit des Liedes Anstoß. Das Motto: „Alle Menschen werden Brüder“ lege entweder die Interpretation nahe, dass Frauen keine Menschen seien, oder die Interpretation, dass Frauen sich vermännlichen müssten, um in den „Bruderbund“ einbezogen werden zu können, indem sie nicht „Schwestern“, sondern „Brüder“ würden. Eines der programmatischen Bücher der Feministischen Linguistik von Luise Pusch hat den Titel: „Alle Menschen werden Schwestern“. (Wikipedia)

Aber eigentlich ist schon Tochter aus Elysium anstößig, legt es doch nahe, daß man nur mit Frauen Spaß haben kann. Es gibt noch viel zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2016 um 17.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31985

Die Rechtschreibreformer haben früh begriffen, daß sie die Staatsmacht für sich gewinnen mußten, dann würden alle wissenschaftlichen Einwände wirkungslos verhallen. So "holten sie sich den Auftrag", wie einer von ihnen treuherzig berichtet.

Ähnlich haben es die Feministinnen gemacht. So sind wir zu UNESCO-Richtlinien gekommen, mit sehr weitreichenden Auswirkungen:https://www.unesco.de/fileadmin/medien/Dokumente/.../eine_sprache.pdf

Beispiel:

Wer das nicht akzeptiert, der muss selbst einen Vorschlag machen.

Dies soll ersetzt werden durch:

Wird das nicht akzeptiert, muss selbst einen Vorschlag machen.

So steht es da, seit vielen Jahren, ich kann es nicht ändern. Übrigens wird auch empfohlen, das Pronomen man zu vermeiden, das erklärt vielleicht manches. Auch Mannschaft ist natürlich verpönt (Team).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2016 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31956

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26144

Der Unsinn steht auch nach Jahren immer noch so da; ich zitiere dazu, wie die angeführte Buchreihe sich vorstellt:

Geschlechter Interferenzen

Buchreihe im LITVERLAG

Herausgegeben von Corinna Bath, Hanna Meißner, Stephan Trinkaus und Susanne Völker

‚Geschlecht‘ ist ein Begriff, der auf sehr verschiedene Dimensionen und Bedeutungsgehalte verweist: auf symbolische Geschlechterordnungen und Wissensordnungen, institutionalisierte Geschlechterverhältnisse, auf Subjektivierungsweisen und Selbstverhältnisse, auf Identitäts-, Sexualitäts- oder Körperkonstruktionen, ebenso auf Kategorien der sozialen Strukturierung, Differenzierung, Disziplinierung und Hierarchisierung als auch auf etwas, das in keiner Kategorie, keiner Konstruktion ankommen wird. Geschlecht ist insofern auch ein Begriff des Zwischen, eines Übergangs, der keinem dieser Bereiche ganz angehört.
In dieser Reihe soll Geschlecht in einem solchen weiten Verständnis als paradigmatisches Feld begriffen werden, in dem und über das sich Übersetzungen, Grenzziehungen und überschreitungen, Prozesse der Konstituierung soziomaterialer Phänomene, also ganz generell des ‚Arbeitens‘ am Vorstellbaren, Intelligiblen, Möglichen durch den Ausschluss des Unvorstellbaren, Unmöglichen, analysieren und begreifen lassen.
Interferenzen beziehen sich nicht auf ein Original. Während Reflexionen das Gleiche an einem anderen Ort spiegeln, stellen Interferenzen heterogene Muster vielfältiger Verschiebung dar, die gleichzeitig gegensätzliche Positionierungen ermöglichen. Mit dem Begriff ‚Geschlechter Interferenzen’ möchten wir dem Umstand Rechnung tragen, dass ‚Geschlecht‘ kein Feld an sich ist, es generiert mit anderen soziomaterialen Erscheinungen mehr oder weniger dauerhafte, kohärente oder flüchtige, schillernde Muster, Überlagerungen, Störungen, Bewegungen, Wellen, Dynamiken, die Gegenstand unterschiedlichster Disziplinen und Wissensformationen sind, zwischen denen wiederum – mit Blick auf ‚Geschlecht’ – Resonanzen oder produktive Dissonanzen entstehen können.
Im Fokus dieser Reihe, die unterschiedliche Wissenschaftsverständnisse und -kulturen zu den interferenten Beziehungen und Artikulationen von ‚Geschlecht‘ befragen will, steht die kritische Beleuchtung der Zusammenhänge von Praktiken, Materialisierungen, Wissensformen und Handeln/Handlungsfähigkeit. Inwiefern kann ‚Geschlecht‘ Teil einer kritischen Bewegung/Praxis sein, die beständig die Grenzen des Wahrnehmbaren und (An)erkennbaren zu erweitern sucht – und die diese Dehnung des Unbestimmten als Handlungsfähigkeit begreift?


(Hanna Meißner nennt sich übrigens Dr.in phil. - wie liest man das?)

Ein andere Mitherausgeberin, Corinna Bath, hat vor Jahren eine feministische ingenieurwissenschaftliche Dissertation vorgelegt: elib.suub.uni-bremen.de/edocs/00102741-1.pdf Die Zusammenhänge zwischen Technik und Gender für mich schwer erkennbar. Als Beispiel könnte man den Abschnitt über die Schreibmaschinentastatur nennen (S. 102ff.). Bei Lesen stößt man auf so wenig Technisches, daß man sich wundert, wie jemand mit einer eher ideologiekritischen, weitgehend aus Literaturbericht bestehenden Arbeit ein "Dr.-Ing." werden kann.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 29.02.2016 um 22.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31819

Auf der Homepage der stay-Stiftung (.org) lesen wir: * Gendergerechtigkeit ist uns wichtig. Ausschließlich zur besseren Lesbarkeit wird auf dieser Internetseite die männliche Form für alle Personen verwendet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.02.2016 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31817

Müller, ein bekennender Frauenförderer, hätte gerne eine weibliche Bank-Chefin gehabt. (FAS 28.2.16)

Als das generische Maskulinum noch unangefochten galt, war es leichter, solche Albernheiten zu vermeiden: es gab weibliche Bank-Chefs (jedenfalls sprachlich).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.02.2016 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31815

Das erwähnte Gender-Heft des "fluter" feiert vier führende Feministinnen, darunter Butler:
http://www.fluter.de/de/154/thema/13911/
Die Zusammenfassung ihrer Lehre ist wahrscheinlich lesbarer als die Originaltexte. Ich frage mich gerade deshalb, wie man die jugendlichen Leser mit so etwas allein lassen kann.
Die Bundeszentrale hatte Butler immer wieder mal zu Wort kommen lassen:

http://www.bpb.de/apuz/26764/zwischen-den-geschlechtern
http://www.bpb.de/apuz/135431/soziologische-dimensionen-von-geschlecht?p=all

Es müßte uns auch interessieren, weil Butler viel von Sprache und "Diskurs" redet:

Für Judith Butler, der bekanntesten Protagonistin der Diskurs- beziehungsweise poststrukturalistischen Theorie, ist jede Bezugnahme auf die biologischen und materiellen Bereiche des Lebens eine sprachliche: "Wenn auf das 'biologische Geschlecht' Bezug genommen wird als etwas, was dem sozialen Geschlecht vorgängig ist, wird es selbst zum Postulat, zu einer Konstruktion, die in der Sprache als das offeriert wird, was der Sprache und der Konstruktion vorhergeht." Somit ist auch Geschlecht keine naturgegebene Tatsache, sondern ein Teil des sozialen Körperwissens und der Normen der Geschlechterdichotomie. Der Diskurs weist den Dingen einen Namen und damit eine Bedeutung zu, nicht umgekehrt. Wir können nur in Form von Sprache auf die Welt zugreifen, wodurch wir nie das rein Materielle benennen können, da es im Moment des Bezeichnens schon diskursiv überformt ist. Die diskursive Ordnung ist jedoch keine von außen einschränkende Barriere, sondern die Bedingung dafür, dass wir Begriffe haben. Die Dinge sprechen nicht selbst, wir interpretieren sie. Dadurch ist jeder Blick auf die Welt durch eine zeithistorische, spezifische Brille begrenzt.

So kann auch Geschlecht keine ontologische Tatsache, keine vordiskursive Gegebenheit sein, sondern muss als Effekt von Diskursen verstanden werden.
(Aus Pol. u. Zeitgesch. 2002)

Usw. im Stil Foucaults; man weiß nicht recht, was man damit anfangen soll. (Die Apposition im ersten Satz ist auch bemerkenswert.)

"fluter" faßt zusammen:

Judith Butler ist eine Art „Superstar der Theorie“, und deshalb ist es manchmal schwierig, sie auf Anhieb zu verstehen. Ihre Forderung ist jedoch eigentlich ganz einfach: Geschlechtsidentität muss als etwas Veränderbares verstanden werden, denn die eine richtige Identität gibt es eben nicht. Gar nicht so abwegig, oder?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2016 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31772

Man sollte meinen, daß ein Artikel zum 60. Geburtstag von Judith Butler nicht allzu schwer zu schreiben sein kann, aber Dietmar Dath bringt es in der FAZ wieder mal fertig, das Gegenteil zu beweisen. (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/die-umstrittene-natur-der-sache-judith-butler-wird-60-14086548-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2; vgl. auch http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25081)
Im Deutschlandradio wurde denn auch sogleich auf Daths "onduliertes Geburtstagsständchen" hingewiesen, was zwar komisch klingt, aber nicht unbegründet scheint.
Boshafte Leser könnten meinen, ein klar geschriebener Artikel über Butler sei nicht möglich außer als Verriß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2016 um 17.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31735

Bei Wikipedia gibt es zwar noch einen Eintrag "Studentenbewegung" (https://de.wikipedia.org/wiki/Westdeutsche_Studentenbewegung_der_1960er_Jahre), intern verlinkt ist er jedoch als "Studierendenbewegung", z. B. unter "Klaus Holzkamp".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2016 um 06.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31679

Frauen sind was Wunderbares, aber wenn es um ihre Verschönerung geht (ein Derivat des Fortpflanzungsverhaltens), scheinen sie für sprachliche Manipulation besonders anfällig zu sein, ja geradezu gierig danach, sich etwas vormachen zu lassen. Wenn es nicht wirkte, würde die Industrie nicht Milliarden dafür ausgeben, um noch mehr Milliarden einzunehmen:

Sinnbild ewiger Schönheit und unvergänglicher Ausstrahlung, schenkt müder Haut neue Energie. Das kostbarste Element der Essence OR, 24-karätiges Gold, revitalisiert die Haut, glättet und macht sie zum schönsten Accessoire. Bernstein-Extrakt spendet ebenfalls Energie und hat einen Detox-Effekt. Tri-Peptide mit einem botox-ähnlichen Effekt lassen das Gesicht entspannt und sanfter aussehen. Der Pflanzenextrakt Centella asiatica stimuliert die Kollagensynthese und wirkt straffend.
Or Revitalisant (1 x 2,5 ml)


(Die Tinktur kostet über 4000 € pro Liter, die Herstellung vielleicht nur ein paar Cent, wer weiß?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2016 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31620

Frauen schneiden überall besser ab als Männer, nur auf einem Gebiet nicht: beim Zusammenbauen von Ikea-Möbeln. Das haben skandinavische Forscher herausgefunden. Männer sind selbst dann deutlich schneller fertig, wenn sie die Instruktion nicht lesen. Ich vermute aber, daß sie gerade deshalb schneller sind. Text und Zeichnung sind oft eine zusätzliche Hürde. Männer neigen instinktiv dazu, sich auf die Logik der Sache zu verlassen; eine Musterung der Teile genügt ihnen, um zu wissen, was zu tun ist.
Eine andere Vermutung geht dahin, daß Männer mehr "competitive" sind ("Times"), daher weniger schnell aufgeben. Damit wären wir wieder bei der "erlernten Hilflosigkeit" der Frauen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2016 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31549

In der genannten Broschüre wird auch wieder eine Eigentümlichkeit unserer Universität sichtbar, auf die ich schon mal hingewiesen habe. Wenn man Fremdwörter, zum Beispiel aus dem Lateinischen, nicht durchschaut, darf man sie deutsch trennen. Da dies für die Professoren unserer gelehrten Anstalt durchweg vorausgesetzt wird, trennt man stets Konst-ruktion, Rest-riktionen usw.
 
 

Kommentar von Wikipedia, verfaßt am 03.02.2016 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31524

Die Studentenwerke (in Baden-Württemberg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz amtlich als Studierendenwerke bezeichnet) sind [...].
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2016 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31512

Eine Broschüre mit den Reden zum Personalwechsel an der Spitze der Erlanger Universität enthält das Unwort Student nicht mehr. Nur im Namen des Studentenwerks ist es noch enthalten, aber das ist nur noch eine Frage weniger Wochen. Die Pressestelle oder – wahrscheinlicher – alle Redner haben sich schnell und vollständig den Wünschen der politisch Korrekten unterworfen. Es ist ein Lehrstück. Ich kann nicht glauben, daß eine nennenswerte Zahl von Kollegen ihr Tun für richtig hält, dagegen sprechen ja alle Umfragen. Es sind eben alles Feiglinge.
Der neue Rektor versucht sich auch an Mann- und Frauschaft, gewiß halb scherzhaft, aber immerhin hat er sich schon mal abgesichert. (Die "Sprecherrätin" - nicht Sprecherinnenrätin? - verlangt vom Minister die Wiedereinführung der "Verfassten Studierendenschaft". Aber die Studenten interessieren sich gar nicht mehr dafür, wie ja die Wahlbeteilung zeigt. Man will bloß noch mehr Geld abgreifen und politische Karrieren vorbereiten.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.02.2016 um 14.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31508

Ist die Frage, ob es weibliche Studenten gibt, ernst gemeint? Es gibt sogar sehr viele, ich schätze, ungefähr jeder zweite Student ist weiblich. Oder glauben Sie etwa, lieber Herr Strasser, daß nur ungefähr jede zweite Studentin weiblich wäre?
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 02.02.2016 um 13.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31507

Man könnte sich auch auf Studenten- und Studentinnenwerk einigen, oder schlicht auf StudentInnenwerk.

Die Vorteile von Innenwerken gegenüber Außenwerken lassen sich schwer bestreiten, oder …
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 02.02.2016 um 13.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31506

Gibt es weibliche Studenten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2016 um 10.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31505

Der Berliner Senat will das Berliner Studentenwerk in "Studierendenwerk" umbenennen, damit auch Frauen mitgemeint sind. Was halten Sie davon?
Danke für Ihre Stimme.

Sehr gut! Ein weiterer Beitrag zur Gleichberechtigung.
7% [860 Stimmen]

Sinnloser Aktionismus! Ich finde die Debatte total lächerlich.
93% [10762 Stimmen]


(Tagesspiegel)

Es wird natürlich trotzdem gemacht, wie bei der Rechtschreibreform.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2016 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31494

Wird Studentenwerk in Erlangen zum Studierendenwerk?
ERLANGEN - Heißt das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg bald Studierendenwerk? Berlin plant eine solche Umbenennung, andere Bundesländer haben es schon getan. Doch in Erlangen hat man gute Gründe, es beim alten Namen zu belassen.
Das Wort "Studenten" taucht in Schreiben des Studentenwerkes Erlangen-Nürnberg kaum mehr auf. Darauf legt Pressesprecher Uwe Scheer Wert. "Für uns sind geschlechterneutrale Bezeichnungen schon sehr wichtig", sagt er, "wir nehmen das Thema ernst und gehen sensibel damit um." Daher hat die Anstalt des öffentlichen Rechts in ihrem offiziellen Sprachgebrauch die Begriffe "Studenten" und "Studentinnen" auch schon längst größtenteils durch "Studierende" ersetzt.
Aber nun auch noch den Namen selbst in Studierendenwerk umzuwandeln, davon hält Sprecher Scheer nichts. Zum einen, erläutert er, sei die genaue Bezeichnung im bayerischen Hochschulgesetz geregelt — und liege damit also nicht im Ermessen seiner Einrichtung. Zum anderen hält er eine Umbenennung auch nicht für nötig bzw. sogar für kontraproduktiv. Denn das Wort "Studentenwerk" werde gerade von ausländischen Gästen besser verstanden als die Alternative "Studierendenwerk".
Außerdem sei das Studentenwerk nun unter seinem Namen bekannt: "Es ist ohnehin nicht so leicht, den Menschen zu vermitteln, wer wir sind und was wir machen — aber nun haben wir es mit unserem altbewährten Namen doch etwas geschafft." Der Name Studentenwerk stehe nun für eine Marke.
Und letztlich sei das auch eine Kostenfrage. Allein die Umdeklarierung des Geschirrs würde das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg bis zu 300.000 Euro kosten. Zusätzlich müsste man alle Visitenkarten, Beschriftungen von Wohnheimen und etwa auch den Schriftzug "Studentenhaus" am Langemarkplatz ändern. "Da muss man fragen, ob die Sache die Summe rechtfertigt oder man das Geld nicht für etwas anderes ausgeben kann", so Scheer.
Das Berliner Studentenwerk jedenfalls will rund 800.000 Euro für die Umbenennung ausgeben. Das sieht der Entwurf zur Änderung des Berliner Studentenwerkgesetzes vor. Bis 2022 sollen Schilder und Stempel ausgetauscht sein. Die Initiative geht auf die dortige Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres zurück.
Berlin ist damit nicht allein. So haben Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hamburg und Rheinland-Pfalz bereits "Studierendenwerke". Doch der Dachverband, betont Studentenwerkssprecher Scheer, bleibt beim alten Namen. "Das ist für uns ein weiterer Grund, nichts zu verändern." 
(nordbayern.de 1.2.16)

Der Widerstand wird nichts nützen, denn der Feminismus ist allmächtig, und die korrekte Gesinnung ist ja durchaus schon vorhanden. Die tägliche Verletzung durch das Geschirr der Mensa ist nicht länger zu ertragen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31431

Beim Lesen der FAZ 23.1.16:

Nach einer Umfrage an amerikanischen Hochschulen „werden 13,5 Prozent der Frauen mindestens einmal während ihres Studiums zu Geschlechtsverkehr genötigt, während sie unter Alkohol- oder Rauschgifteinfluss oder anderweitig unzurechnungsfähig sind.“ (Wie viele Prozent der Frauen befinden sich insgesamt wie oft in einem solchen Zustand?)
„‚Es gibt Studentenverbindungen‘, sagt Marissa, ‚von denen jeder weiß, dass die Jungs vor Partys K.-o.-Tropfen in die Bowle mischen.‘“ (Warum gehen die Studentinnen trotzdem hin?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 10.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31423

Stimmt, ich habe mich verlesen, weil ich von CSB auch noch nie gehört hatte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.01.2016 um 10.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31390

CSB (was auch immer das ist), nicht CSU. – Der Pressekodex ließe sich noch weiterentwickeln: In Berlin ist gestern nacht eine Person von einer anderen Person vor eine Maschine geworfen worden, was zum Tod einer der beiden Personen führte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2016 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31389

Die Regensburger CSU will "Lady-Zonen" in Bussen.

Diese Entwicklung ist wohl keine weitere Drehung im Euphemismenkarussell (Weib - Frau - Dame), sondern ein Seitenweg.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2016 um 17.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31350

Dawkins weist beiläufig darauf hin, daß Zauberkünstler fast immer Männer sind, weshalb er in diesem Fall der Notwendigkeit geschlechtergerechter Pronominalisierung enthoben sei. Es gibt auch bei uns Zauberkünstlerinnen, aber verschwindend selten, und nur wenige erreichen größeren Ruhm. Warum ist das so? Ich könnte natürlich sagen, Frauen brauchen nicht zu zaubern, weil sich schon bezaubernd genug sind, aber das wäre doch ziemlich altmännermäßig. Oder scheuen Frauen den uralten Ruf, Hexen zu sein? Voriges Jahr soll der IS einen zaubernden Straßenkünstler geköpft haben. Er glaubt also an Zauberei, wie auch die christlichen Hexenverfolger und das AT ("Hexen sollt ihr nicht leben lassen!").
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann es auch nicht sein.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 14.01.2016 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31307

Warum verzichtet man dann nicht lieber gänzlich auf die Angabe des Geschlechts, z. B. wenn man in Formularen eine Anreden angeben soll?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2016 um 13.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31306

Das Herunterspielen des Biologischen zugunsten der gesellschaftlichen "Zuschreibung" bzw. Wahl nimmt in allen Veröffentlichungen zum Thema, auch im neuesten "fluter" der Bundeszentrale, sehr viel Raum ein. Man könnte fast meinen, dies sei das Hauptproblem unserer Gesellschaft. (Mit solchen Kommentaren mache ich mich natürlich unmöglich.)

In eigener Sache: Wir haben es schon mal angesprochen, aber auf diesen Seiten hier haben sich früher mehr Frauen gemeldet als jetzt (nur ganz selten mal eine). Man kann aber nicht sagen, daß wir jemanden weggebissen hätten. Wie die Rechtschreibreform selbst ist auch die Diskussion darüber weitgehend Männersache. Warum bloß? Jedenfalls sortiert sich manches ohne Zwang, das sollte man doch mal anerkennen.

(Spekulation: Diskutieren heißt recht behalten wollen...)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 14.01.2016 um 10.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31305

Dieter Nuhr hat letzthin die berechtigte Frage aufgeworfen, was wohl ein strammer junger Flüchtling sagen werde, wenn er an der Grenze erst einmal sein Geschlecht wählen soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2016 um 06.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31301

Da nun massenhaft Deutschunterricht für Ausländer veranstaltet werden muß, sei noch einmal dringend davor gewarnt, den Schülern einen feministisch reformierten Sprachgebrauch zu vermitteln. Sogar Schuldidaktiker behaupten und verwenden ja zum Beispiel ein generisches Femininum, z. B. Jakob Ossner. Aber wer mit Schülerinnen auch Schüler zu bezeichnen glaubt, könnte in Schwierigkeiten kommen. Ebenso mit anderen Marotten aus dem privaten Gebrauch von Gutmenschen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2016 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31279

Aus dem genannten Heft:

Als Beispiel für die patriarchale Abwertung der Frau wird gern das Adjektiv „dämlich“ genannt. Es klingt nur nach „Dame“, tatsächlich leitet es sich vom lateinischen Wort „temulentus“ (betrunken) ab.

Da hat jemand den Herkunftsduden mißverstanden, der eine Urverwandtschaft zwischen den beiden Wörtern vermutet. Allerdings ist „dämlich“ nach den schriftlichen Belegen ein sehr junges Wort.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2016 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31135

Einblick in die Gender-Ideologie der Bundesregierung gibt es hier:

http://www.fluter.de/de/154/heft/13932/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2016 um 03.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31132

Nicht moviert wird z. B. auch der Lutscher oder Dauerlutscher (dies ist das Stichwort bei Wikipedia). Das Wort bezeichnet weder einen Handelnden noch ein Instrument noch eine kurze einmalige Tätigkeit.

Interessant ist der Hinweis zur Kurzform:
Dauerlutscher, Lutscher, Lolli (fälschlich oft auch Lolly geschrieben; aus dem Englischen: Lollipop) (Wikipedia)

Kann man das wirklich als eine falsche Schreibung bezeichnen?

Durch Wikipedia wird man immerhin auf ein Gerichtsurteil hingeführt:

Oberlandesgericht Köln
Urteil vom 03.05.2001
Az.: 1 U 6/01
Der Lollystiel
Für Stiele von Lutschern – auch Lolly genannt – sind keine Lizenzgebühren für das Zeichen "Der grüne Punkt" an das Duale System Deutschland zu entrichten, denn der Lollystiel ist Teil des Lutschers selbst und nicht dessen Verpackung. Mithin ist der Stiel eines Dauerlutschers wesensmäßiger Bestandteil des Lutschers. Ohne Stiel würde es sich nicht mehr um einen Lutscher handeln, sondern vielmehr um ein gewöhnliches Bonbon. Ist der Stiel aber notwendiger Teil des Produkts selbst, kann er nicht als Verpackung im Sinne der Verpackungs-Verordnung angesehen werden. Denn die Ware kann nicht zugleich Verpackung sein.


(Wodurch auch die vermeintliche Falschschreibung amtlich ist...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31057

Oft stoße ich auf einen grammatischen Fehler, der durch die feministisch-korrekte automatische Ersetzung entstanden sein könnte:

Die Untersuchung von Röber (2006) zur Schreibung der i-Laute bei Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgangsstufen und Schularten...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2015 um 06.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31048

Schon längst wollte ich mal nachsehen, wie es eigentlich zu dem sonderbaren Ausdruck metrosexuell gekommen ist. Nun, der Wikipedia-Eintrag bestätigt, daß es ein ziemlich windiger Bestandteil des heutigen Mediengewäschs ist. Interessant besonders der Nachtrag "Sonstiges".

"Mark Simpson war bei der Begriffsprägung nicht klar, dass „Metro“ in „Metropolis“ für Mutter steht (μήτηρ, μητρός, also die Mutterstadt einer Kolonie). Wörtlich heißt der griechisch-lateinische Begriff Metrosexuell also Muttersexuell. Im Nachhinein erklärte Simpson in einem Interview, dass der Begriff wegen der postödipalen Natur trotzdem passe. (Wikipedia Metrosexualität)

Man beachte den Purzelbaum am Schluß! Die Psychoanalyse behält immer das letzte Wort.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2015 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31046

Duden:

gen­dern
Wortart: schwaches Verb

Gebrauch: Politikjargon

Bedeutungsübersicht
das Gender-Mainstreaming (auf etwas) anwenden

Beispiel
die Behörde wurde gegendert


Weder die Zuordnung zum "Politikjargon" noch die Bedeutungsangabe sind korrekt. Daher ist auch das Beispiel eher untypisch, das eher die Festlegung einer Institution auf das Gendern belegt als das Gendern selbst. Gegendert wird meistens der sprachliche Ausdruck oder eine Toilette usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.12.2015 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#31037

Sie gilt als weltbeste weibliche Schachspielerin der Geschichte. (Wikipedia über Judit Polgár)

Gäbe es eine männliche Schachspielerin, wäre sie bestimmt noch besser.

Viele Ungarn spielen ja seit ihrer Kinderheit Schach, so auch mein Freund, der sich nicht mehr erinnern kann, wann er es gelernt hat, also jedenfalls früher als schreiben. Zu Weihnachten hat er mir ein schönes Schachspiel geschenkt, um auch hierzulande einen allzeit bereiten Partner zu haben. Er wußte allerdings, daß ich aus meiner Jugend gerade mal die Regeln im Kopf hatte, und war nicht wenig überrascht, als ich ihn in fünf Zügen matt setzte. Wie es mir in der Revanche erging, will ich lieber nicht erzählen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2015 um 08.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30918

Die Uni Erlangen lädt ein:

Alle zwei Jahre machen wir uns in der Tagungsreihe „Bildungschancen durch Diversity-Kompetenz“ gemeinsam mit Ihnen als den entscheidenden Akteur_innen in Bildungsprozessen von Kindern und Jugendlichen, mit Ihnen als Studierenden und Lehrenden Gedanken, wie wir uns gerechten Bildungschancen weiter nähern und uns dafür einsetzen können. 2016 stellen wir das Thema „Identität und Geschlecht“ in den Mittelpunkt. In pädagogischen Kontexten spielen geschlechtliche Identitäten und sexuelle Orientierungen der beteiligten Personen eine wichtige Rolle – wenn auch oft nicht als ausdrückliches Thema. Damit Bildung gelingen kann, ist es notwendig, professionell mit dieser Vielfalt umzugehen. Dazu gehört, sexuelle Diversität überhaupt wahrzunehmen, Kenntnisse über die Entwicklung des Sexualverhaltens und der geschlechtlichen Identität zu besitzen und jeglicher Form sexueller Diskriminierung ethisch begründet und methodisch angemessen entgegen zu treten. In einem breiten Angebot von Vorträgen und Workshops gewinnen Sie Eindrücke einer differenzsensiblen und diskriminierungskritischen Perspektive in Wissenschaft und pädagogischer Praxis, die Sie idealerweise für Ihre eigenen Aktivitäten inspirieren.
Wir freuen uns auf die Begegnung und die Gespräche mit Ihnen.


Man erkennt das Bemühen, das Thema überhaupt auf der Tagesordnung zu halten. Das wird immer schwerer, weil das routinierte Gerede einen gewissen Überdruß erzeugt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2015 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30913

Die Sprachwissenschaft kann forschen, solange sie will – der Staat hat die Wahrheit über das "geschlechtergerechte" Formulieren erkannt und setzt sie flächendeckend durch. Widerstand ist zwecklos, es gibt auch keinen. Nur ein Beispiel:

In schriftlichen Arbeiten sind Sie dazu angehalten, geschlechtergerechte Formulierungen zu verwenden. Eine geschlechtergerechte Sprache zeichnet sich u. a. dadurch aus, „dass entweder geschlechtsneutrale Bezeichnungen oder sowohl die weibliche als auch die männliche Sprachform verwendet werden‟, wenn explizit (Kastell, 2010, S. 2) beide Geschlechter angesprochen werden.
Fragen Sie sich beim Schreiben stets, wer sich angesprochen fühlen soll (ausschließlich Männer, ausschließlich Frauen oder Frauen und Männer) und wählen Sie danach Ihre Formulierungen. Anmerkungen meist am Anfang eines Textes, dass im Folgenden nur noch eine Geschlechterbezeichnung gewählt wird, „erfüllen nicht die Anforderungen geschlechtergerechter Formulierung‟ (Kastell, 2010, S. 5). Verwenden Sie geschlechtergerechte Sprache in Ihrer gesamten wissenschaftlichen Ausarbeitung durchweg.
Die folgenden Formulierungshinweise zur Ansprache geschlechtergemischter Gruppen (orientiert an den Richtlinien des Gleichstellungsbüros der TU Braunschweig) unterstützen Sie bei der Anwendung geschlechtergerechter Sprache in Ihren wissenschaftlichen Arbeiten.
(TU Braunschweig)

(Die Literaturangabe bezieht sich auf den Leitfaden des Gleichstellungsbüros: https://www.tu-braunschweig.de/Medien-DB/gleichstellung/gbsprache.pdf)

Wie damals eine Handvoll Rechtschreibreformer die Staatsmacht für sich gewann und mit ihrer Hilfe ihre obskuren Absichten durchsetzte, so heute die Feministinnen, im wesentlichen sogar nur die Frauenbeauftragten, die Hunderte von Pöstchen zu besetzen wußten. Aus dieser sprachlichen Zwangsjacke gibt es kein Entkommen, und wie damals könnte man sagen: Wer sich unterwirft, wird auch sonst ein braver Staatsbürger sein.

Beides zusammen:

„Nutzen Sie bitte die Vorteile eines Rechtschreibprogramms und lassen Sie ihre Arbeit ggf. vor der ersten Abgabe Korrektur lesen! Achten Sie bitte auf eine korrekte Zitierweise (Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 2007) und geschlechtergerechte Formulierungen.“ (aus: Informationen zur Betreuung von Diplomandinnen/Diplomanden bei Ass.Prof.in Mag.a Dr.in Brigitte Jenull, Uni Klagenfurt)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2015 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30832

Sapir's way of speaking (in particular, his use of „he“ in a generic sense) sounds outdated today... (Anna Wierzbicka: Imprisoned in English: The hazards of English as a default language. Oxford 2014:13)

Es ist seltsam, daß Wierzbicka, die sich ja gerade um die sprachspezifischen Weltansichten kümmert, diesen feministischen Eingriff mitmacht und nicht im generischen Maskulinum eine Besonderheit des Englischen und vieler anderer Sprachen anerkennt. Implizit behauptet sie also, es gebe im heutigen Englisch kein generisches Maskulinum mehr; die Weltansicht der Englischsprecher habe sich geändert. Ist das wirklich eine Entwicklung des Englischen gewesen oder doch nur ein Eingriff? Ist he/she bzw. he or she wirklich endgültig im Englischen angekommen? Im Deutschen jedenfalls ist das generische Makulinum fast unangefochten herrschend geblieben, vor allem in Zeitungen und der Belletristik, im täglichen Gespräch sowieso.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2015 um 07.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30646

Auch Thomas Rietzschel glaubt wohl, der verhaßten Merkel nichts Böseres anhängen zu können, als sie innerhalb weniger Zeilen dreimal Bundesmutti zu nennen und sich über ihre Kleidung und ihre Frisur auszulassen. ...die Busenfreundschaft, die Angela Merkel von Anfang an mit Vladimir Putin und den chinesischen Genossen pflegte - wie bitte? War und ist Putins deutscher Busenfreund nicht ein anderer? Auf jeden Fall ist es ihr innerhalb eines Jahrzehnts gelungen, die bürgerliche Gesellschaft auf breiter Front in die Knie zu zwingen, Deutschland so zu destabilisieren, wie die Kommunisten, bei denen sie in Lehre ging, es sich immer gewünscht haben.

Tja, die kommunistischen Lehrjahre, die erklären natürlich alles, was dieser weibliche Teufel so tut.

Es gibt seriöse Analysen der gegenwärtigen Lage, aber man muß danach suchen (am ehesten im Wirtschaftsteil der großen Zeitungen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2015 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30418

Die SPD weiblicher machen
Die SPD war immer dann bei Wahlen erfolgreich, wenn sie von vielen Frauen gewählt wurde. Seit 2002 ist der Anteil der Frauen, die ihre Stimme der SPD gegeben haben, um 40 Prozent gesunken – quer durch alle Altersgruppen, besonders aber in der Gruppe der jungen Frauen. Dieser Vertrauensverlust kommt nicht von selbst – er hat Ursachen.
Trotz konservativer Politik wirkt die Union bunter und weiblicher, während die SPD trotz fortschrittlicher Programmatik als Männerpartei wahrgenommen wird.

(Beschluß vom Bundesparteitag 2013)

Man unterstellt, daß Frauen vorzugsweise weibliche Politiker wählen.

Es geht weiter:

Geschlechtergerechte Sprache mag manchmal anstrengend sein. Sie ist für uns gut und unverzichtbar. Denn wenn wir Frauen und Männer erreichen wollen, müssen wir Frauen und Männer ansprechen. Je näher wir sie auch sprachlich in ihrer Lebenswirklichkeit abholen, desto besser. Frauen wollen anders angesprochen werden als Männer. Auch wenn Frauen per se keine homogene Gruppe sind, so ist ihnen sehr wohl gemeinsam, dass sie sich eine lebendige Ausdrucksweise wünschen. Nicht die wohlfeilende (!) Formulierung reizt, sondern Leidenschaft und Einsatz.

Hat man je überprüft, ob Frauen die „geschlechtergerechte“ Sprache anziehend finden – oder eher davon abgestoßen werden, wie die meisten anderen Leute auch? (wohlfeilend kommt in mein Archiv.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2015 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30222

Liebe Studierende, liebe Mitarbeitende der FAU,

Die Katholische Hochschulgemeinde (KHG), die Evangelische Studierenden- und Hochschulgemeinde (ESG) und die Studentenmission in Deutschland (SMD) laden alle Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden der FAU herzlich zum Ökumenischen Gottesdienst zum Semesterstart ein. Am Dienstag, 13.10.2015, beginnen wir um 20.00 Uhr in der St. Bonifazkirche (Sieboldstr. 1, nahe Stadtmensa) in Erlangen. Das Thema lautet „44.701.285,82 € – Mensch, bist du das wert?“ Anschließend „all for free“ – im großen Saal der KHG, Sieboldstr. 3, wird weiter gefeiert.

Im Namen der Einladenden
Daniel Wanke

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2015 um 09.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30219

In May 2014 Valleywag, a Gawker blog, released a set of emails written by Spiegel during his undergraduate career to fraternity members that were explicitly misogynistic and homophobic in nature. Spiegel later apologized for his actions and attitude towards women at the time the emails were sent, stating, "I'm obviously mortified and embarrassed that my idiotic emails during my fraternity days were made public. I have no excuse. I'm sorry I wrote them at the time and I was jerk to have written them. They in no way reflect who I am today or my views towards women." (aus dem Wikipedia-Eintrag zu Evan Spiegel, dem 25jährigen Snapchat-Erfinder und Milliardär)

Solche Kindereien werden heute gleichrangig neben anderen biographischen Daten dokumentiert. Nach und nach wird jeder Lebenslauf abgesucht, ob da irgendwo ein dunkler Punkt im Sinne der politischen Korrektheit ist. Lieblingsbeschäftigung der Versager.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2015 um 03.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30166

Nur sehr langsam setzt es sich durch, daß man auch Frauen einfach mit dem Nachnamen bezeichnet. Bei sehr bekannten wie Merkel geht es am ehesten. Nicht gerade frauenfeindlich, aber doch paternalistisch klingt es, wenn in Wikipedia-Einträgen und anderen biographischen Texten die Frauen überwiegend mit dem Vornamen genannt werden. Man vergleiche den Artikel über Mathilde Wesendonck mit dem über Richard Wagner.

Bei Biographien muß sich der Verfasser entscheiden, ob er den kleinen Wolfgang irgendwann in Mozart übergehen läßt oder einfach beibehält, was dann doch irgendwie plump-vertraulich klingt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2015 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30126

Unzählige Beiträge in den Foren minderer Medien sind auf diesen Ton gestimmt:

Holt doch die Merkel-Mutti-Tante, die schafft das!

Man muß leider sagen, daß es ein frauenfeindlicher Ton ist, natürlich zugleich allerunterste Kiste.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2015 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30088

Leipziger Fortscher haben festgestellt, daß Frauen tiefere Stimmen haben "als angenommen". Nicht eine ganze, sondern nur eine halbe Oktave lägen sie höher als die Männerstimmen.
"Ob Frauen ihre Stimme bewusst tiefer legen oder ob es hormonelle Ursachen gibt, müsse noch erforscht werden."
Das ist keine vollständige Disjunktion. Frauen können ihre Stimmen auch unbewußt (ohne ausdrückliche Absicht) tiefer oder höher legen, Männer natürlich auch. Wie Ethnographen wissen, ist es in manchen Kulturen üblich, daß Männer machohaft tief sprechen, Frauen kindlich hoch, um dem sexuellen Geschmack entgegenzukommen oder aus anderen Gründen. Auch bei uns können solche Überlagerungen der anatomischen Gegebenheiten zu einer dauerhaft überanstrengten Artikulation führen. Das ist therapierbar.
Die neuen Ergebnisse (es geht ja um Durchschnittswerte) müssen sicher noch interpretiert werden. Ich kann mir kaum vorstellen, daß die früheren, sehr breit angelegten Studien zur Grundfrequenz so falsch gelegen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2015 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#30044

Zu 1040#28947

Bis vor einigen Monaten war mir der Begriff "Intersektionalität" (in diesem Zusammenhang) nicht bekannt, aber inzwischen weiß ich (nicht zuletzt durch die anderswo erwähnte Berliner Fachschaftsinitiative Gender Studies), daß es sich um den letzten (oder – wer weiß – vorletzten) Schrei aus Amerika handelt. Ich erwarte daher auch eine Umbenennung unseres Erlanger Büros für Gender und Diversity. Einstweilen verweise ich auf:

http://portal-intersektionalitaet.de/startseite/

und dort insbesondere auf

http://portal-intersektionalitaet.de/theoriebildung/schluesseltexte/hornscheidt/

Beispiel einer Kapitelüberschrift:

3.3 intersektionalität als entnannte weiße statisierte normsetzung zu gender, als rezentrierung einer weißen ableisierten statisierten norm zu frauisierung

Von dieser Seite scheint mir die deutsche Sprache nicht bedroht zu sein, es ist gar zu abseitig, eine private Eskapade (auch durch die vielen Unterstriche mitten in Wörtern), die allenfalls in sehr kleinen, aber auseinanderfallenden Konventikeln einige Nachahmer findet. Nur im fremdfinanzierten Schonraum der Universität kann so etwas sich eine Zeitlang halten.

Nachtrag: Professx Hornscheidt (Selbstbezeichnung) schreibt alles klein, auch Eigennamen, nur Schwarz nicht (gleichsam das neue Nomen sacrum); es hat aber anscheinend nichts genutzt. Auf der genannten Website erfährt man Näheres über dix autox.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2015 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29956

Es ist wohl unbestreitbar, daß man in den Zimmern junger Frauen viel eher als bei Männern die Kuscheltiere und Schnüffeltücher der Kindheit antrifft, und zwar durchaus noch in täglichem bzw. nächtlichem Gebrauch. Manche Frauen tragen auch Teddybären usw. mit sich herum, mindestens als unpraktische Schlüsselanhänger, und Mädchen bringen solches Getier mit in die Schule. Meine Frau meint allerdings, das liege nur daran, daß man es den Mädchen eher nachsieht, wie auch das ganze Umarmen, Weinen usw., eben die Körperlichkeit, derentwegen wir diese Spezies so lieben.
(Mein heutiger Beitrag zum Gender mainstreaming.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2015 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29950

Leidtragender ist die Zivilbevölkerung. (FAZ 15.9.15)

Bei unbelebten Gegenständen und Abstrakta hat man die Wahl zwischen dem grammatischen Genus und dem generischen Maskulinum. Kompliziert wird es durch die Personifizierung, die dann aus dem Genus Sexus macht: Unternehmen werden als Mütter und Töchter metaphorisiert, und die haben natürlich auch ein Geschlecht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2015 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29902

Die Wissenschaft darf forschen, soviel sie will – die Obrigkeit weiß schon, was dabei herauskommen muß. Darum verfügt die Leitung der Universität Erlangen:

Geschlechtergerechte Sprache als Mittel der Gleichstellung

In dem Wissen, dass sprachlicher Ausdruck und sprachliche Formulierungen einen signifikanten – wenn auch zumeist unbewussten und unreflektierten – Einfluss auf die Sozialisation, das Denken, auf Assoziationen, Wahrnehmung und Handeln haben, tritt die Universität dezidiert für die Verwendung geschlechtergerechter Sprache ein. Die Anwendung des verallgemeinernden Maskulinum stellt nicht nur eine Verzerrung der Realität dar, sondern sie trägt auch zur Diskriminierung von Frauen bei, indem Frauen nicht nur in der Sprache, sondern auch in der Gesellschaft unsichtbar gemacht und ihre Leistungen geringer bewertet werden. Dies wiederum hat gesellschaftspolitisch gesehen geschlechterspezifische soziale Ungleichheit, auch im Bereich der Forschung und Wissenschaft und hier wiederum insbesondere in Führungspositionen, zur Folge. Sprache spiegelt somit nicht nur die reale Diskriminierung der Frau wider, sie schafft und stabilisiert sie auch. Geschlechtergerecht formulieren heißt also Gleichstellung im Bereich der Sprache verwirklichen. Aus diesen Gründen strebt die Universität Erlangen-Nürnberg die Realisierung der von der Bayerischen Staatsregierung am 23.12.2003 veröffentlichten Organisationsrichtlinie zur sprachlichen Gleichbehandlung im öffentlichen Dienst ebenso wie des vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren 2008 in der Broschüre „Bürgernahe Sprache in der Verwaltung“ dargelegten Leitfadens für die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern in allen Bereichen an.

Alle Mitglieder der Universität werden aufgefordert, ihren eigenen Sprachgebrauch und den ihrer Unterrichtsmaterialien kritisch zu reflektieren.“ So wird die Universität darauf achten, dass bei allen Auftritten in und gegenüber der Öffentlichkeit, auf allen Ebenen der Selbst- bzw. Außendarstellung, bei der Bezeichnung von universitären Einrichtungen, Gremien und Kommissionen, im allgemeinen Schriftverkehr, in allen Formularen und Vordrucken, in Rechts- und Verwaltungsvorschriften sowie in Studien- und Prüfungsordnungen Frauen und Männer in gleichem Maße angesprochen werden.

Wie sich sprachliche Gleichstellung herstellen lässt, wird in einem von der AG Chancengleichheit 2010 herausgegebenen Tischkalender zum Thema „Geschlechtergerechte Sprache“ für die universitäre Öffentlichkeit dargelegt.

(http://www.gender-und-diversity.fau.de/)

Wie man sieht, wird an einer Sondersprache gearbeitet. Nur die wissenschaftlichen Texte selbst sind noch ausgenommen, aber das wird schon noch kommen. Protestiert hat noch keiner der Wissenschaftler gegen diese Vorgaben.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.08.2015 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29803

Allgemein üblich ist Bumsinchen.
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 28.08.2015 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29798

Oder ein Beispiel aus der Umgangssprache. Da fragt jemand an, wie amiguita auf deutsch heiße. Er bekommt, wohl von einem Landsmann, ungefähr diese Auskunft: Decimos Freundinchen para amiguita, pero no es común en todas partes. (Es sei also nicht überall gebräuchlich.)

Freundinchen habe ich gewiß häufiger von Deutschen als von Schweizern gehört, jedenfalls von Erwachsenen über Erwachsene. Hier im alemannischen Raum wird es eher auf Kinder bezogen oder zu Kindern gesagt: "Kannst du dein Freundinchen nicht finden? Komm, wir gehen es zusammen suchen." Das Wort ist wirklich allgemein üblich.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.08.2015 um 23.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29797

-ine kommt aus dem Französischen: Christine, Claudine, Pauline usw. Die entsprechende Form -ina im Italienischen ist zugleich ein Diminutiv. Einen Nachhall spürt man in »Paulinchen«, das besonders niedlich klingt.
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 27.08.2015 um 21.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29796

Lieber Herr Riemer,

aber nein, Sie waren keineswegs sarkastisch, ich meinte meine eigene kurze und pauschale Nachbemerkung. Beim Schreiben war mir gerade nicht gegenwärtig, daß Sie (nicht ich) explizit Mädchen geschrieben hatten; denn daran hatte ich in erster Linie gedacht.

Was Sie zum verschieden lang gesprochenen -i- sagen, klingt vielversprechend und könnte die Sache klären helfen. Dann spielten wohl (auch) regionale Unterschiede der Aussprache eine Rolle. Ich möchte allerdings nicht darüber spekulieren und hoffe wie Sie, daß jemand hier Bescheid weiß.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.08.2015 um 19.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29795

Lieber Herr Herter,
ich bin mir nicht sicher, hoffentlich kann es jemand klären, aber Ihre Beispiele auf -ine -> -inchen werden alle mit langem -i- gesprochen. Deshalb nehme ich an, sie werden wohl mit der Endung -in mit kurzem -i- als weibliche Kennzeichnung vor allem von Berufsbezeichnungen nichts zu tun haben. Auch nicht, obwohl diese Wörter auf -ine alle weiblich sind.

Oh je, ich wollte doch nicht sarkastisch sein, ich finde nur, daß der Diminutiv normalerweise erstmal nichts mit "PC" oder so zu tun hat. Es gibt natürlich spezielle Bildungen und kommt auch auf den Zusammenhang an.
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 27.08.2015 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29794

Wo kommt das Wort sonst noch vor?

Lieber Herr Riemer, wie oft nennen Sie einen (kleinen) Schneider Schneiderlein? Ich sage ja nicht, die Verkleinerungsform das tapfere Schneiderinchen sei häufig. Wie auch! Ich sage nur, so lautet(e) das weibliche Pendant zu das tapfere Schneiderlein.

Wir sind mit solchen Formen nicht in der Alltags-, sondern in der Märchensprache. Und hier wird derlei ohne weiteres gebildet. Ein Junge, der zittert, ist ein Zitterer. Nun handelt die Geschichte (bei Bechstein) aber von einem Mädchen (einer verzauberten Königstochter) – es ist das Zitterinchen. Oder gar Däumelinchen! Das erklärt sich nicht mehr simpel haplologisch. Doch wir lesen es, akzeptieren und verstehen es.

Vermutlich werden solche Bezeichnungen wie Namen behandelt, was sie ja eigentlich auch sind. Denn bei weiblichen Namen, die von männlichen abgeleitet sind, ist dieser Diminutiv nicht ungewöhnlich, etwa Paul -> Pauline -> Paulinchen.

(Zum sarkastischen Nachsatz – betr. Mädchen – vielleicht später ein Wort; es lohnt sich kaum.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.08.2015 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29790

So wie in "Balzac und das chinesische Schneiderinchen"?

Wo kommt das Wort sonst noch vor?

"politisch ungehörig, eine Frau in irgendeiner Weise zu minimieren"

Es gibt viele Verkleinerungsformen weiblicher Personenbezeichnungen, nur eben keine auf -in.
Und wohl keiner dieser Ausdrücke hat etwas "politisch Ungehöriges":
Mädchen, Frauchen, Schätzchen, Mütterchen, ...
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 27.08.2015 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29786

Keinen Diminutiv? Hat sie doch:

Das tapfere Schneiderinchen

– nur ist es heute eben politisch ungehörig, eine Frau in irgendeiner Weise zu minimieren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.08.2015 um 23.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29784

Die tapfere Schneiderin

titelt die FAZ heute auf S. 10.
Tja, die Schneiderin hat leider keinen Diminutiv.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2015 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29780

Die Wendung ist sicher schon alt, aber so richtig bekannt wurde sie wohl durch Angela Merkel, die das Abhören unter Freunden so kommentierte. Ich hatte es als scherzhaftes Halbzitat gebraucht und dabei an diese Quelle gedacht.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 26.08.2015 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29779

Gerade lese ich, daß ein Kleidungsstück "feminin" sei. Also das geht gar nicht.

Die Aussage, daß etwas ''gar nicht geht'' um etwas zu kommentieren, daß es offensichtlich gibt/das offensichtlich ''geht'' findet sich in den letzten Jahren häufig, früher hab ich das nie gehört.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2015 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29778

Für die nächsten Jahre erwarte ich eine staatlich organisierte Jagd auf jegliche Werbung, die mit geschlechtsbezogenen Klischees arbeitet. Dadurch entfällt ein großer Teil der Mode- und Kosmetikreklame. Gerade lese ich, daß ein Kleidungsstück "feminin" sei. Also das geht gar nicht. Ich wundere mich, daß noch kein Abmahnverein unter Berufung auf das Gender mainstreaming und Antidiskriminierungsgesetze diese Goldmine entdeckt hat.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 13.08.2015 um 09.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29705

Aus dem Schreiben einer Behörde:

gerne entsprechen wir Ihrem Wunsch nach einem Wechsel Ihrer persönlichen Ansprechpartnerin. (Der bis dahin zuständige Beamte war ein Mann und fachlich vollkommen überfordert.)

Ab sofort wird Ihr Antrag von Herrn **** bearbeitet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2015 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29697

Jemandem die Haare machen, sich die Haare machen

Das sagt man wohl nur von Frauen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2015 um 11.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29653

Vor ungefähr 20 Jahren nahm ich an einer Tagung über Frau und Sprache teil, veranstaltet von der GfdS und der Frauenbeauftragten der Stadt Wiesbaden. Frau Pusch war auch da. Herr Droswdowski hatte mich vor der Teilnahme gewarnt, weil er seine Pappenheimerinnen kannte, und es war auch alles ganz schrecklich. Ich habe mein Referat aus Notizen rekonstruiert und rücke es mal hier ein. (Ich hatte gerade das ähnliche Kapitel in meinem Buch "Die Disziplinierung der Sprache" geschrieben, deshalb habe ich mich auch zur Teilnahme überreden lassen.)


Frau und Sprache

Es gibt zahlreiche Äußerungen von feministischer Seite, die es einem Mann wörtlich oder im übertragenen Sinn verbieten, an dieser Diskussion überhaupt teilzunehmen. Wenn Männer auch nur den Mund aufmachen, vergewaltigen sie schon. Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte von Gewalt, die den Frauen von den Männern angetan wird. Männer gehören ein für allemal auf die Anklagebank, haben aber auch dort angesichts der Offensichtlichkeit und Größe ihrer Schuld keine Chance, sich zu verteidigen, ganz abgesehen davon, daß jedes ihrer Worte schon wieder ein Verbrechen wäre. Eigentlich bleibt nur die Möglichkeit, die Männer abzuschaffen, damit endlich friedliche Verhältnisse einkehren. Wo Schuld und Unschuld so klar verteilt sind, kann sich ein Mann nur mit dem Mut der Verzweiflung sozusagen das Recht zu einem Schlußwort unter dem Galgen erbitten, auch wenn er genau weiß, daß niemand ihm zuhört.

Auf den ersten Blick - oder vielmehr auf den zweiten - sieht die Geschichte der Menschheit, jedenfalls in dem uns bekannteren Teil, ganz eindeutig so aus, daß die Frau darin den beklagenswerten Part der weitgehend rechtlosen, unterdrückten und ausgebeuteten Dienerin des Mannes spielt, allenfalls ein wenig aufgehellt durch die Anerkennung, die ihr das Gebären von Söhnen verschafft. Die Frau ist von der Gestaltung des Gemeinwesens ausgeschlossen, sie hat in der Volksversammlung der Griechen so wenig zu suchen wie in der Hierarchie der Kirche. Usw., die Tatsachen sind ja bekannt genug.

Ich kann und will Tatsachen nicht bestreiten und möchte ausdrücklich feststellen, daß ich die allmähliche Aufhebung dieser Ungleichheiten in der jüngsten Neuzeit selbstverständlich begrüße und ebenso die notwendige Fortsetzung dieser Emanzipation.

Trotzdem reizt es mich, das Schwarz-Weiß der üblichen Darstellung zu relativieren. "Glück und Unglück in der Weltgeschichte" (J. Burckhardt) sind nie so eindeutig verteilt, daß die Bilanz so einfach wäre. Über vergangene Verhältnisse sind wir naturgemäß unzureichend unterrichtet, auch wenn nicht zuletzt dank feministisch angeregter Geschichtsforschung manches endlich ans Licht gekommen ist. Aber auch heute gibt es ja noch Gesellschaften, die der Frau eine wenig emanzipierte Rolle zuschreiben, stark männlich dominiert sind, bis hin zum weitgehenden Verschwinden der Frau aus dem Straßenbild und aus der Öffentlichkeit. Kenner versichern uns aber, daß dieses Bild ziemlich oberflächlich ist. In Wirklichkeit habe die Frau auch dort durchaus ihre Macht, ihren Einflußbereich, so daß Mann und Frau in Wirklichkeit zwar sehr ungleiche, aber eher komplementäre Rollen spielten, als daß das Bild von der einseitigen Männerherrschaft zuträfe. Wer je in solchen Ländern gelebt hat, Einblick in das Familienleben bekommen konnte usw., der weiß, daß man mit der Zeit immer mehr dazu neigt, dieses Bild zu relativieren. Noch etwas anderes kommt hinzu: Wir wundern uns ja manchmal ein wenig, daß z.B. in islamischen Staaten oder auch in anderen Ländern wie Indien und Sri Lanka Ministerpräsidentinnen auftreten, während wir noch keine Bundeskanzlerin und die USA noch keine Präsidentin hatten. Man könnte noch manches andere erwähnen.


Es gibt einen kruden Biologismus, mit dem Männer vor allem im letzten Jahrhundert die Emanzipation der Frau zu verhindern versucht haben. Frauen seien aufgrund ihrer leiblichen und geistigen Natur nicht fähig, dies oder jenes zu tun usw. Heute ist es vor allem die katholische Kirche, die noch so argumentiert und ihr biologistisches Menschenbild naturrechtlich und theologisch einkleidet. Denselben Biologismus finden wir übrigens, wo man versucht, aus dem Territorialverhalten der Säugetiere bevölkerungs- und ausländerpolitische Folgerungen abzuleiten, wie es z.B. Eibl-Eibesfeldt tut.

Andererseits halte ich es auch für falsch, biologische Einsichten für ganz irrelevant zu erklären und mit existenzialistischem Pathos zu behaupten, der Mensch sei frei, seine Identität nach Belieben zu wählen. Wir sind nicht einmal frei genug, um das Rauchen oder Trinken aufzugeben, obwohl Kant mit Recht darauf hingewiesen hat, daß jeder Mensch von einem geplanten Verbrechen abzubringen sei, wenn man ihm die Strafe unmittelbar glaubwürdig androhe. Der Raucher würde, wenn das Rauchen mit Todesstrafe bedroht wäre, angesichts des Hinrichtungskommandos das Rauchen wohl lassen können. Aber diese rigorose Auffassung hat mit dem wirklichen Leben nichts zu tun. Der sogenannte Geschlechtstrieb ist uns in anderthalb Milliarden Jahren Evolution andressiert worden. Man kann sagen, daß die Fortpflanzung unbestreitbar der Sinn und Zweck des Lebens ist, denn eine Spezies, die dieses Gebiet vernachlässigt, würde schon lange nicht mehr existieren. Ich spiele hier ein bißchen mit den Begriffen, dann natürlich weiß ich, daß der Schluß vom Sein auf das Sollen ungültig ist und daß das Leben als ganzes keinen Sinn und kein Ziel hat. Aber der evolutionistische Grundgedanke ist wohl begreiflich und unbestreitbar. Außerdem ist das eigentliche Fortpflanzungsverhalten weitgehend reflektorisch, und die bestbegründete Willensfreiheit kann ebensowenig wie die glaubwürdigste Strafandrohung zu erfolgreicher Kopulation führen. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist jeder Mensch im Grunde nur ein Sexualorgan, mit dessen Hilfe sich seine Gene fortpflanzen...

Im Grunde wissen wir das auch alle. Die Sexualität beherrscht den Menschen, vieles andere ist mehr oder weniger offen davon abgeleitet, alle Liebe und Zärtlichkeit, Verantwortung und Solidarität. Die Psychoanalyse, über die man sonst verschiedener Meinung sein kann, hat dies, durchaus im Einklang mit Schopenhauer und vielen anderen, nachzuweisen versucht. Es gibt viele Menschen, die das als demütigend empfinden, der erwähnte Schopenhauer z.B., der sich da ganz im Einklang mit indischen Auffassungen vom Rad des Lebens und Leidens wußte. Mit der Geschlechtlichkeit kam der Tod in die Welt, das ist klar und kann evolutionsbiologisch nicht anders sein. Auf diese Einsicht und auf die Herrschaft des Sexus über unser ganzes Tun und Denken reagieren die Menschen verschieden. Manche gehen ins Kloster. Andere bejahen die Herrschaft des Sexus und finden, daß das Leben erst dadurch Sinn und Wert bekommt. Das ist wohl Sache des Temperaments und der Erziehung. In der feministischen Diskussion war vor allem in der Frühzeit oft ein sexfeindlicher Zungenschlag zu vernehmen. Wenn Frauen sich dagegen wehrten, als sogenanntes „Sexualobjekt“ angesehen zu werden und sich z.B. schon darüber empörten, daß Bauarbeiter hinter einem vorübergehenden Mädchen herpfiffen, konnte man den Eindruck gewinnen, daß sie von Geschlecht überhaupt nichts wissen wollten. Andere schienen Sex zu bejahen, aber nur lesbisch orientierten, weil dort angeblich die Machtverhältnisse, die zwischen Mann und Frau herrschen sollen, keine Rolle spielen.

Mir kommen grundsätzliche Sexfeindschaft und Männerhaß ziemlich neurotisch vor, und ich kann aus den genannten Gründen einfach nicht glauben, daß sie eine natürliche, unabhängig von irgendwelchen unglücklichen persönlichen Erfahrungen erklärbare Grundlage haben. Außerdem sehe ich, daß ein großer Teil der weiblichen Menschheit einen beträchtlichen Teil seiner Zeit und Mühe und auch viel Geld darauf verwendet, sich für Männer attraktiv herzurichten, sich also just zu dem "Sexualobjekt" zu machen, das sie angeblich nicht sein will. Ich schließe daraus, daß die weit überwiegende Mehrheit nichts dagegen hat, "Sexualobjekt" zu sein (wie das rüde Wort im zeittypischen Psychojargon lautet), vielmehr die Geschlechtlichkeit bejaht und sein Glück darin sucht, "zu lieben und geliebt zu werden" (wie man früher etwas netter zu sagen pflegte). Auch enthält die Schöne Literatur beinahe nichts anderes.

Es gibt auch - besonders in Amerika - radikale Feministinnen, die nicht im Geschlecht, sondern in der Macht und Gewalt das Primäre sehen und definitorisch festlegen: Wo immer Gewalt herrscht, ist der gewaltausübende Teil als „Mann“ zu identifizieren, mag er auch biologisch eine Frau sein. Der Mann ist das böse Prinzip. Dazu habe ich naturgemäß nichts zu sagen.

Manche Unterschiede im Verhalten von Männern und Frauen sind als Aspekte des natürlichen, mit der Fortpflanzung in Zusammenhang stehenden Geschlechtsdimorphismus zu sehen, der auch im Tierreich allgegenwärtig ist. Er ist natürlich beim Menschen kulturell überbaut. Wenn nicht alles trügt, ist die Frau in Aussehen und Verhalten wenigstens teilweise in Richtung Kindlichkeit geprägt (obwohl man neuerdings darauf hingewiesen hat, daß dies für die Kopf- und Gesichtsproportionen nicht zutrifft). Man hat auf die wenig behaarte, dünnere und durch Fetteinlagerung glatt und zart wirkende Haut der Frauen hingewiesen. Die Stimme liegt aufgrund bekannter anatomischer Unterschiede des erwachsenen Kehlkopfes eine Oktave höher. Dieser Unterschied wird, wie nicht erst seit feministischen Erhebungen bekannt ist, in manchen Kulturen noch überhöht, indem die Männer machohaft tiefer und die Frauen kindlich höher sprechen, als sie eigentlich müßten. In unserer Gesellschaft verschwindet dieses Verhalten meinem Eindruck nach ebenso wie die hohen Stöckelschuhe, die ja heute auch nur noch albern wirken, wenn man nicht gerade ein Deformationsfetischist ist. Größere Natürlichkeit läßt sich auf vielen Gebieten beobachten; man hat es weniger nötig, Geschlechtsidentität zu betonen. Das gilt männlicherseits z.B. für den Ansehensverlust des Soldatischen, auch wenn einige Vorgestrige das Rad gerade auf diesem Gebiet zurückdrehen wollen.

Der Geschlechtsdimorphismus "dient" sozusagen der Steuerung des Sexualverhaltens. Der Philosoph Bernd Guggenberger hat kürzlich in einem Buch und diversen anderen Äußerungen ernsthaft und in voller Naivität die These aufgestellt, Frauen seien schöner als Männer. Damit hat er als Mann natürlich vollkommen recht, denn die Natur selbst hat es so eingerichtet, daß er es so sehen muß. Schopenhauer hat bekanntlich in groben Worten das Gegenteil behauptet, aber wer seine Schriften liest, kann unmöglich glauben, daß es ihm ernst damit war. Wahrscheinlich hat er sich damit nur gerächt für die beschämende Faszination, die das Geschlechtliche und damit die Frau zeitlebens auf ihn ausübte.


Der entscheidende Unterschied zwischen Mann und Frau besteht in der Fähigkeit der Frau, ein Kind zur Welt zu bringen. Anna Wierzbicka hat in ihrer ingeniösen Semantik die Frau als den Mittelpunkt sämtlicher genealogischen Begriffe gestellt, indem sie definiert: Eine Frau ist ein Mensch, der ein Kind zur Welt bringen kann. Der Mann ist sekundär über die Frau definiert als ein Mensch, der verursachen kann, daß eine Frau ein Kind zur Welt bringt. Mir gefällt dieser Ansatz sehr gut, weil er Biologie und Sprache, also Kultur, zusammenzuführen erlaubt. Wenn Feministinnen den biologischen Unterschied herunterspielen und Geschlecht zu einer sozialen Konstruktion erklären, verleugnen oder verkennen sie, daß nicht eigentlich die Frau, sondern die Mutter bzw. die Mutter zu werden "drohende" Frau in unserer Gesellschaft diskriminiert ist. Nicht die Frau, sondern die Schwangerschaft ist das - auch wörtlich verstandene - „punctum saliens“.

Ich selber ziehe seit Jahren mit familienpolitischen Vorträgen durch die Lande und gebe damit schon zu erkennen, wo für mich der Schwerpunkt einer realen, nicht nur symbolischen Frauenpolitik liegt. Man hat mit Recht gesagt, daß die Armut in unserem Lande weiblich, alt und kinderreich sei. Auf die Gründe kann ich hier nicht eingehen. Es ist bekannt, daß der Nutzen der Kinderaufzucht bei uns sozialisiert, die Last jedoch privatisiert wird. Da die Sozialleistungen allesamt im Umlageverfahren von der jeweils arbeitenden Generation aufgebracht werden (Mackenroth-Theorem), sind Kinder für den Bestand des Sozialsystems absolut notwendig. Die enormen, mit riesigen Wohlstandsverlusten verbundenen Lasten der Kinderaufzucht werden so wenig honoriert, daß eine Frau bis zu den jüngsten Reformen 35 Kinder hätte großziehen müssen, um eine Rente von Sozialhilfeniveau zu beziehen. Die Belastung der Familie schlägt aus bekannten Gründen hauptsächlich als Belastung der Frau durch. Leider wollen die meisten Feministinnen von "Familie" und Familienpolitik nichts wissen, in Verkennung der wirklichen Zusammenhänge und sehr zum Schaden für die Sache der Frauen. Sie kochen lieber ihr Selbstverwirklichungssüppchen und bedenken nicht, daß es ihnen eines Tages vielleicht gar nicht mehr schmecken könnte.


Auf einige Unterschiede im Sprachverhalten von Mann und Frau habe ich bereits hingewiesen. Vieles ist noch umstritten. In diesem Zusammenhang wird oft Otto Jespersen genannt, der große dänische Anglist, der 1922 in seinem Buch "Language" als einer der ersten ein Kapitel über die Frau bot. Von feministischer Seite wird Jespersen oft als Beleg männlicher Voreingenommenheit angeführt; auch habe er bei seiner Charakterisierung von Frauensprachen den möglichen "Zusammenhang mit der jeweiligen Sozialstruktur, mit vorgegebenen Verhaltensnormen und kulturellen Werten" nicht berücksichtigt (Bußmann 1995: 130). Für beide Behauptungen habe ich bei Jespersen keinen Anhaltspunkt finden können. Er gibt vielmehr eine korrekte Bestandaufnahme des damals Bekannten und bemüht sich um eine sachliche Erklärung, vor allem unter Berücksichtigung der Arbeitsteilung.
Interessant ist Jespersens Beobachtung, daß Texte, z.B. in Lehrbüchern, die von Frauen geschrieben wurden, im allgemeinen leichter zu verstehen sind als die oft überformulierten Texte von Männern: "Woman as a rule follows the main road of language, where man is often inclined to turn aside into a narrow footpath or even to strike out a new path for himself. Most of those who are in the habit of reading books in foreign languages will have experien­ced a much greater average difficulty in books written by male than by fema­le authors, because they contain many more rare words, dialect words, tech­nical terms, etc." (Jespersen 1922: 248). Männer neigen zu sprachlichem Imponiergehabe, das ist bekannt. Hochschullehrer wissen es aus Seminararbeiten usw.

Die Deutung der Unterschiede im Sprachverhalten ist schwierig. Man hat festgestellt, daß Frauen eher standardsprachlich korrekt sprechen, weniger fluchen usw. Ich möchte noch die Beobachtung hinzufügen, daß Frauen weniger Lustgewinn aus Wortspielen und Sprachwitzen (puns) ziehen und weniger Parodien und Unsinnspoesie verfassen, so daß ein Kollege von mir, der eine Anthologie von Parodien herausgegeben hat, sich genötigt sah, mangels Autorinnen eine solche zu erfinden, die er dann auch mit einem fiktiven Lebenslauf ausstattete. Ich habe dies immer mit den Untersuchungen von Piaget zum Normbewußtsein von Kindern in Verbindung gebracht: Knaben scheinen eher zum Aufstellen von Regeln zu neigen, während Mädchen eher zur Einzelfallgerechtigkeit neigen. Daraus folgt aber, daß die Jungen die Regeln ernster nehmen und gerade deshalb aus dem spielerischen Durchbrechen der Regeln und Gesetze größere Lust ziehen. Männer sind ja auch viel krimineller als Frauen. Männer haben auch viel mehr Sprachfehler, stottern eher als Frauen usw. Dafür sterben sie auch früher und sind überhaupt, wenn man von den perinatalen Gefährdungen der Mütter absieht, auf allen Altersstufen anfälliger für Krankheit und vorzeitigen Exitus.


Die feministische Sprachkritik erinnert stark an die besonders in den USA jahrzehntelang sehr populäre "Allgemeine Semantik" (Korzybski, Hayakawa, Chase). (Vielleicht ist daher Amerika auch Ursprung und Mekka der feministischen Linguistik geworden.) Diese "General Semantics"-Bewegung kritisierte bekanntlich die "ptolemäischen Redensarten" in unserer Sprache, also Wendungen, die wie „die Sonne geht auf“ längst obsolet gewordenes Wissen fortleben lassen. Das Beispiel ist allerdings selbstwiderlegend, denn gerade die Astronomen halten ja am ptolemäischen Sprachgebrauch fest, ohne sich in der Sache davon im mindesten irreführen zu lassen.

Es gibt kaum Anhaltspunkte dafür, daß der Gebrauch einer bestimmten Sprache bestimmte Ansichten und Wertungen nahelegt oder gar erzwingt. Bußmann spricht die Voraussetzung dieser Humboldt-Sapir-Whorfschen Theorie aus, wenn sie sagt, daß „ein Denken außerhalb des sprachlich Vorgegebenen nicht möglich ist“ (1995:143). Dabei kommt natürlich alles darauf an, was man unter „sprachlich vorgegeben“ versteht. Die Wissenschaftsgeschichte zeigt, daß es eher die herrschenden Modelle sind, die neue Gedanken erst allmählich und wohldosiert möglich werden lassen. Zwar werden die Modelle auch sprachlich artikuliert und vorwiegend (aber nicht nur!) sprachlich tradiert, aber nicht zwingend in bestimmten sprachlichen Formen. Ich habe diese Probleme anderswo, im Zusammenhang mit der Behauptung vom erkenntnisfördernden Wert der Metapher, diskutiert. Metaphern sind in der Tat sprachliche Figuren, Modelle sind es nicht, und gerade deshalb sind Modelle Erkenntnismittel, Metaphern nicht. Vgl. „Tunneleffekt, Coulombscher Berg, Coulombsche Schwelle“ usw. Angesichts dieser Schwierigkeit ist es schon erstaunlich, mit welcher Leichtfertigkeit behauptet wird, ein Denken außerhalb des sprachlich Vorgegebenen sei nicht möglich. Die Sprache selbst denkt ja nicht, und jede sprachlich formulierte Erkenntnis ist nur so viel wert wie die Erfahrung und das Denken, das dahinter steht.

Umgekehrt spiegelt der Sprachgebrauch schon eher eine bestimmte Weltansicht wider, allerdings in viel weniger schlüssiger Weise, als lange Zeit angenommen wurde. Denn die Ausdrucksmöglichkeiten sind außerordentlich vielfältig, die Dinge haben nicht einen festen Namen ein für allemal, und vieles kann nur der historisch-etymologische Blick überhaupt noch entziffern. Bußmann zitiert Douglas Hofstadter, der nicht ohne gefällige Zerknirschung bekannte, er gerate wider Willen immer wieder auf „die rutschige Bahn des Sexismus“, als ob man durch die gegebene Sprache frauenfeindliche Gesinnungen auszudrücken genötigt sein könnte, die man in Wirklichkeit gar nicht teilt. Das halte ich für eine abenteuerliche Überschätzung und Verkennung der Sprache. Man braucht sich bloß vorzustellen, ein überzeugter Atheist müsse sich ständig vorsehen, daß er nicht durch seine Wortwahl („Gott sei Dank“) gleichsam aus Versehen zum Gottgläubigen werde. Wohlgemerkt: Mißverstanden werden kann man natürlich immer, aber darum scheint es nicht zu gehen. Hofstadter macht sich ernsthaft Sorgen um den alten Adam in ihm selbst. Er zählt für mich damit zu den Beflissenen, und das ist in meinen Augen keine sehr angenehme Spezies. Wenn ein männlicher Kollege auf jeder Seite drei- bis viermal schreibt „Wir als Sprachtheoretikerinnen und Sprachtheoretiker“, dann frage ich mich unwillkürlich, warum er die politische Korrektheit so aufdringlich heraushängen läßt und was für ein Kerl er wohl in Wirklichkeit sein mag.

Man scheint zu glauben, wenn selbst ein Mann solche Bekenntnisse ablegt, muß es wohl stimmen, so wie man umgekehrt die gleichen Redeweisen bei Frauen damit erklärt, die Frauen hätten eben die männliche Sicht der Dinge übernommen. Mit solchen Immunisierungsstrategien ist der Punkt erreicht, wo die Diskussion für mich aufhört und nur noch Gesinnungsbekundungen zur Kenntnis genommen werden können.

Die sprachlichen Tatsachen werden von feministischer Seite nicht durchweg korrekt dargestellt. Ganz allgemein verbreitet ist schon die irrige Auffassung, Genus sei im Deutschen wie Numerus und Kasus eine "Kongruenz"-Erscheinung. Peter Eisenberg hat als einer der wenigen klargestellt, daß Genus eine Rektionserscheinung ist.

Für die angebliche Schlechterstellung der Frau wird auch immer wieder und bis zum heutigen Tage die sogenannte Bedeutungsverschlechterung von „Weib“ angeführt, obwohl spätestens seit Franz Dornseiff klar ist, wie es wirklich gekommen ist: Am Anfang stand der Wunsch mancher Männer, den einfachen "Weibern" (wîp) aus dem nichtadligen Volk etwas Nettes zu sagen: Man nannte sie also euphemistisch „frouwe“, d.h. Herrin. Als dies üblich geworden war, mußte der Name „Weib“ als nicht mehr gut genug erscheinen. Später wiederholte sich das mit „Dame“, das zur Bedeutungsverschlechterung von „Frau“ führte. In beiden Fällen waren es also Galanterie und Frauenverehrung und nicht etwa Frauenverachtung, was die Bedeutungsverschlechterung des bisher gebräuchlichen Wortes auslöste. Völlig gleichartig ist die Entwicklung bei englisch „tart“ und deutsch „Dirne“ verlaufen, die sich von der Bedeutung „Mädchen“ zur Bedeutung „Prostituierte“ entwickelt haben, weil man eben die Prostituierten seit je und überall verhüllend als „Mädchen“ bezeichnete. Geringschätzung der Frauen wäre es, wenn sich der z.B. Brauch einbürgerte, alle Mädchen „Nutten“ zu nennen, aber daran denkt natürlich niemand, am allerwenigsten ein Mann.

Da wir gerade bei Mädchen sind: Das Wort „Mädchen“ ist aus leicht erklärlichen Gründen Neutrum. Der kurzschlüssige Sprachidealismus, dem die Feministinnen huldigen, würde uns zu der Folgerung führen, daß dieses Wort dazu verleite, junge Menschen weiblichen Geschlechts als "geschlechtslos" anzusehen. Das ist natürlich krasser Unsinn. Das Wort „Mädchen“ führt (wenn es nicht gerade durch Kontexte wie „kleines Mädchen“ ins Kindliche neutralisiert wird) für jeden normalen Mann erfreuliche Konnotationen mit sich. In Tausenden von Gedichten haben Männer ihre Mädchen besungen, weit davon entfernt, sich vom neutralen Genus beeinflussen zu lassen, und selbstverständlich ohne eine Spur von Geringschätzung des jeweiligen Ziels ihrer Wünsche.

Die größere Häufigkeit von maskulinen Formen, maskulinen Pronomina usw. in Texten wird von Bußmann ohne weiteres als „Bevorzugung“ (138) bezeichnet, und zwar „zuungunsten“ weiblicher Bezeichnungen (143) was ich für ein bloßes Taschenspielerinnenkunststück halte. Größere Häufigkeit bedeutet ja keine höhere Wertschätzung. Das Maskuline ist einfach das Gewöhnliche, mehr kann man dazu nicht sagen. Auch daß bei Neutralisierungen der unmarkierte Pol einer Dimension der sogenannte „positive“ ist, sagt nichts über Wertschätzung. Man fragt ja auch, wie schwer eine Krankheit oder eine Aufgabe ist und meint damit doch wohl nichts Schätzenswertes.

Kurzum: Durch bloße Untersuchung der Sprache kann man schlechterdings nicht herausfinden, wie es mit der Stellung der Frau und dem Verhältnis der Geschlechter steht.



Luise Pusch tritt immer wieder einmal mit Vorschlägen zur "Entpatrifizierung" der deutschen Sprache hervor. Vor einigen Jahren war es z.B. die Verallgemeinerung des Neutrums bzw. des Femininums:

Sie ist eine gute Student. Ihre Leistungen sind beachtlich und ihre Professor ist sehr zufrieden mit ihr. Früher war sie übrigens Sekretär bei einer Architekt.
–-
Dem Zulassungsausschuß gehören an:
1. das Rektor als Vorsitzendes oder das Prorektor für die Lehre als dessen Stellvertreter
2. zwei Professoren
3. ein Angehöriges des wissenschaftlichen Dienstes
4. ein Student
5. das Leiter der Studentischen Abteilung.1


Diese Vorschläge haben, soweit ich sehe, keine Nachfolge gefunden. Die Frage der Durchsetzbarkeit solcher sprachlichen Eingriffe nimmt Pusch wohl etwas zu leicht, wenn sie sagt:

"Die hier vorgeschlagene Umstrukturierung tut dem deutschen Sprachsy­stem nicht mehr Gewalt an als dieses System uns Frauen antut."
Das "Sprachsystem" scheint hier hypostasiert und dämonisiert zu werden und dadurch einen Vorwurf auf sich zu ziehen, der allenfalls gegen die Männer erhoben werden könnte. Aber wie dem auch sei - vom fachsprachlichen Standpunkt aus wird hier ein Problem gestellt, das durch die Möglichkeit der "inklusiven Opposition" bereits gelöst war. Man kann sogar sagen: Das linguistische "Problem" der sexisti­schen Sprache entsteht erst dadurch, daß es thematisiert wird, denn erst von da an werden sprachliche Zeichen mit einer ideologischen Bedeutung befrachtet, die sie vorher objektiv nicht hatten. Die über­lieferte, angeblich "sexistische" Sprache hat noch keinen ihrer Benut­zer an einer nichtsexistischen Praxis gehindert.

Sprachliche Kosmetik ist wie Sprachkritik ein billiges Vergnügen, aber kraftlos gegen die strukturellen Zwänge, die eine Frauenemanzipation verhindern.

Die bisherige feministische Sprachpolitik ist vollkommen wirkungslos geblieben. Es gibt gesetzlich erzwungene Sprachregelungen in offiziellen Texten, z.B. Stellenausschreibungen, aber eine praktische Wirkung läßt sich nicht nachweisen. Wenn allmählich mehr Frauen in Professuren und leitende Stellungen kommen, setzt sich eine geschichtliche Entwicklung fort, die schon lange vorher begonnen hat und durch die feministische Sprachregelung nicht nachweisbar beschleunigt worden ist. Behauptungen, das Bewußtsein habe sich immerhin dadurch gewandelt, sind wohlfeil, aber nicht beweisbar. Hierher gehört natürlich auch das vage Gerede, die Frauen würden durch das generische Maskulinum unsichtbar gemacht, wollten mehr wahrgenommen werden usw. Manchen Feministinnen scheint es mittlerweile schon zu genügen, wenn Frauen ständig eigens erwähnt werden, durch Suffixe, Schrägstriche und großes I. An den realen Verhältnissen, z. B. eben was die Familie betrifft, arbeiten sie schon gar nicht mehr. Krasser kann man die Frauenbewegung nicht verraten, und viele Frauen, die etwas mehr wollen als frivole Sprachspielereien, distanzieren sich mittlerweile von diesen Geschlechtsgenossinnen.

Daß durch das generische Maskulinum die Frauen aus den Gedanken der Männer verschwinden könnten, ist wohl nicht zu befürchten.

Feministinnen behaupten manchmal mit dem Mut der Verzweiflung, sie hätten mit ihren Sprachregelungen durchschlagenden Erfolg gehabt. Aber wie steht es wirklich?
Die tatsächliche Praxis ist schwer zu überschauen. Es gibt zahlreiche Wissenschaftler beiderlei Geschlechts, die sich mehr oder weniger der feministischen Sprachregelung anschließen und dies auch oft ausdrücklich kommentieren:
„In dieser Arbeit werden alternierende Konventionen geschlechtsneu­traler Formulierungen verwendet, um Frauen aus der Position des eventuellen 'Mitgemeintseins' herauszuholen und sprachlich sichtbar zu machen.“ (Günthner, Susanne (1992): Diskursstrategien in der interkulturellen Kommuni­kation. Tübingen: 1.)
Man vergleiche auch die folgende, nicht ohne Selbstironie vorgeführ­te Maskerade:
On Pronominalization
I will contribute to the present chaos of person pronominalization in English by adhering to the following conventions: Speakers, whether male, female or generic, will receive masculine pronominalization. Hearers or addressees will be treated as female. When there are two or more interlocutors (i. e., speakers/hearers), the first one will be male, the second one female, and so on in alternation. (Levelt, Willem J. M. (1989): Speaking. Cambridge (Mass.), London: XV, Author's Note)
Andere bleiben bei der traditionellen Praxis, kommentieren dies je­doch ihrerseits in einer sehr bezeichnenden Weise, deutet doch gera­de der Kommentar darauf hin, daß durch die beschriebene Diskussi­on ein gewisser Rechtfertigungsdruck entstanden ist:
Das Problem der Gleichberechtigung der Geschlechter ist auch sprachlich noch nicht gelöst. So sehr es mir nötig erscheint, die Präsenz von Frauen in allen Lebensbereichen im Bewußtsein zu verankern, so sehr stört mich andererseits die Pedanterie einer ständigen Doppelbezeichnung. Ich belasse es deshalb bei dieser Grundsatzerklärung, daß es ebenso Historikerinnen und Wissenschaftlerinnen gibt wie Kommissarinnen und Täterinnen, und hoffe, daß die Leserinnen und Leser dies ihrerseits ständig mitdenken. (Renate Zoepffel in Heinz-Dieter Ebbinghaus/Gerhard Vollmer (Hg.): Denken unterwegs. Stuttgart 1992:235)

Alle Gattungsbegriffe habe ich - wie es Lesbarkeit und Umfang des Buches nahelegen - in der männlichen Form benutzt, die im Deut­schen die Bedeutung 'männlich' und 'weiblich' signalisiert. (Lutz, Luise (1992): Das Schweigen verstehen. Berlin u.a.: XVIII)
Autorengespanne verschiedenen Geschlechts sind manchmal ver­schiedener Meinung und müssen sich einigen. Ein Autor wollte das generische Maskulinum vermeiden, während seine Partne­rin dagegen war; er gab schließlich nach:
Wenn also in diesem Buch allgemein über 'den Lerner', 'die Lerner' oder 'den Lehrer' gesprochen wird, dann sind dabei stets sowohl weibliche als auch männliche Repräsentant(inn)en gemeint. (Edmondson, Willis / House, Juliane (1993): Einführung in die Sprachlehrfor­schung. Tübingen, Basel: 1.)
Das Ehepaar Leisi plädiert gemeinsam dafür, daß die Frauen die maskulinen Berufsbezeichnungen noch mehr für sich erobern, d. h. "sich zäh und nachdrücklich dafür einsetzen, daß man bei 'Lehrer', 'Partner', 'Sänger', 'Minister' immer auch an die Frauen denkt." So würde man allmählich zu englischen Verhältnissen gelangen, und da­durch würde die Gleichstellung am besten ausgedrückt. Sie verwei­sen auch auf den Unterschied zwischen „Sie ist der beste Assi­stent“ und „Sie ist die beste Assistentin“.
In Schweden z.B. wehren sich die Frauen dagegen, jeweils eigens genannt zu werden.
Der tatsächliche Einfluß der feministischen Sprachregelungen reicht wahrscheinlich weiter als der Glaube an die Richtigkeit seiner Haupt­these: daß die traditionelle Sprache den Frauen "Gewalt antue". Man beugt sich dem moralischen Druck. Diese Beobachtung kann man in Gremien von Wissenschaftlern machen, von denen man genau weiß, daß sie die feministischen Thesen für Unsinn halten. Trotzdem stim­men sie einer feministisch reglementierten Formulierung ihrer ge­meinsam erarbeiteten Texte zu, sei es um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, sei es in geradezu freudig vorauseilendem Gehorsam. Der Wissenschaftsbetrieb wird neuer­dings bekanntlich einer Disziplinierung unterworfen, die man in den USA, wo neben einer mächtigen Antisexismus-Bewegung auch die rassistische und ethnizistische Diskriminierung eine Rolle spielt, "poli­tical correctness" nennt. Damit ist das Sachfremde dieser Freiheitsbe­schränkungen treffend bezeichnet.



Vielleicht haben die Kritikerinnen recht, die der traditionellen Sprachwissenschaft vorwerfen, sie sei männlich-parteiisch gewesen. Aber soweit sie das war, war sie eben nicht wissenschaftlich, und es folgt daraus keineswegs, daß nun eine parteiisch feministische Linguistik an der Tagesordnung sei, wie man noch bei Bußmann 1995 lesen kann. Ich bin konservativ genug, eine parteiische Wissenschaft für einen Widerspruch in sich zu halten. Allerdings ist mir bekannt, daß manche Feministinnen diese Auffassung, d.h. den Glauben an die Objektivität, für typisch männlich erklärt haben. Renate Möhrmann fordert für künftige Wissenschaft geradezu eine "Parteilichkeit für Frauen":

"Feministische Wissenschaft ist parteiliche Wissenschaft und stellt den herrschenden akademischen Betrieb radikal in Frage. Sie setzt dem von Männern gestellten Objektivitätspostulat kein neues weibliches entgegen. Sie entthront die Kategorie der Objektivität ganz generell." (1982)

Möhrmann gelangt nicht über die recht vage Forderung hinaus, daß jede wissenschaftliche Tätigkeit die "Erkenntnisinteres­sen der Frauen" berücksichtigen solle.

"Daraus folgt jedoch nicht, daß ein Wissenschaftler männlicher Provenienz (? Th. I.) keinen feministischen Ansatz vertreten könne, wohl aber, daß das erwähnte geschlechtsspezifische Erkenntnisinteresse zum Gegenstand der Reflexion gemacht und die Erfahrungen von Frauen ernst genommen wer­den müssen."
Solche Ankündigungen sind nicht neu, wir warten aber noch auf ihre Erfüllung, um beurteilen zu können, was parteiliche Wissenschaft taugen mag. Ich sehe jedenfalls nicht, daß die Gegenposition zu irgendwelchen Ergebnissen geführt hätte. Es hat Versuche gegeben, der angeblich jüdischen Physik Einsteins eine angeblich deutsche Physik entgegenzustellen, und der Sowjetkommunismus hat immerhin für den Bereich der Sozial- und Kulturwissenschaften Parteilichkeit als oberstes Prinzip gefordert. Wir wissen, was dabei herausgekommen ist. Die Parteilichkeit zeigt sich bestenfalls in der Wahl der Forschungsgegenstände, z.B. der Bauernkriege, aber die Qualität der Forschung erweist sich an traditionellen Werten wie sorgfältiger Dokumentation und logischer Schlüssigkeit.
Pusch meint: „‘Betroffenheit’ wird mehr und mehr - nicht nur in der feministischen Wissenschaft - zur Vorbedingung von Wissenschaft, die diesen Namen verdient.“ (1990: 14)

(Diese Betroffenheit wird näher expliziert als „Wut und Trauer über das, was unserem Geschlecht von den Männern angetan wurde und wird“ (14). Man denkt unwillkürlich an Eichendorffs Lorelei: „Groß ist der Männer Trug und List / Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist“. Den Mann freilich schaudert´s: „Jetzt kenn ich dich, Gott steh mir bei / Du bist die Hexe Lorelei!“)

Und Bußmann schreibt noch 1995, die Erforschung des sprachlichen Wandels solle „aus der weiblichen Betroffenheits-Perspektive“ betrieben werden (147). Was soll dabei herauskommen? Weder die Argumentation noch die Ergebnisse werden sich dadurch ändern. Oder sie ändern sich tatsächlich, aber das wirft nur ein umso trüberes Licht auf die Wissenschaftlichkeit derjenigen Disziplinen, auf die sich die feministischen Ansprüche stillschweigend oder auch erklärtermaßen (wie im Untertitel von Bußmann/Hof) beschränken. Die Wirklichkeit läßt sich eben nicht nach politisch korrekten Wünschen zurechtbiegen. Bezeichnenderweise wird in feministischen Kreisen (z.B. in dem neuen Sammelband von Bußmann/Hof) das fatale Habermassche Wort „Erkenntnisinteresse“ wiederbelebt. Man nimmt wieder als völlig normal an, daß Forschung an bestimmten Ergebnissen interessiert ist und nicht an einer objektiven Wahrheit, die als unerreichbar oder nicht einmal wünschenswert gilt. Bin ich zu naiv oder zu männlich oder beides, wenn ich diese Haltung nicht teile?

Bußmann fordert uns alle abschließend dazu auf, eine sprachliche Lösung zu finden, die ein Gleichgewicht findet „zwischen linguistischer Redlichkeit und weiblicher Parteilichkeit“ (144). Ich weiß nicht, warum das Ziel so sonderbar formuliert werden muß. Warum sollte denn die Sprache parteilich sein, für wen auch immer?

Es muß hinzugefügt werden, daß keineswegs alle Wissenschaftlerin­nen und wohl nicht einmal die Mehrheit der Feministinnen so radika­len Forderungen zustimmen, und nur sehr wenige würden sich mit der in Deutschland zeitweise tonangebenden Feministin Trömel-Plötz vom Sieg der Frauensprache geradezu ein Pfingstwunder erhoffen:

„Es ist vielleicht mehr eine Wunschvorstellung als Realität und deshalb wichtiger als alle empirischen Beobachtungen: Im Idealfall, stelle ich mir vor, ist Frauensprache eine Art von Kommunikation unter Frauen, wo wir uns einander verbunden und miteinander verbunden fühlen, ohne uns lang zu kennen, ohne vorausgehende Prüfung der Charaktere, über Nationalität, Rasse, Alter und Klassen hinweg, weil wir zuallererst Frauen sind, bewußt uns als Frauen erleben mit demselben Anliegen, uns gegen unsere Unter­drückung zu wehren. Im Idealfall ist Frauensprache unterstützender Dialog, Offenheit, Kreditgeben, Akzeptieren, Verstehen (...)“ (Trömel-Plötz (1984: 33)
Es ist mir nicht klar, warum von allen denkbaren Parametern, die einen Menschen kennzeichnen und von denen die Verfasserin ja auch die wichtigsten aufzählt, ausgerechnet das Geschlecht zu einem paradiesischen Zustand führen soll.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.08.2015 um 14.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29599

Sehr viele Familiennamen auf "-er" sind Handwerksbezeichnungen und stammen aus der Zeit, als Frauen diese Berufe verschlossen waren und ihnen durch die Innungsregeln die Meisterprüfung verboten war (die "Meisterin" war nur die Frau des Meisters). Insoweit wäre es eine Wiedergutmachung, bei Namen von Handwerksbezeichnungen die Endung "-erin" zuzulassen..
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 31.07.2015 um 20.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29592

Und was machen Sie mit der Schwester und der Tochter?
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 31.07.2015 um 20.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29591

Ich hätte da einen Vorschlag, den man den Gender-Aktivisten (Verzeihung: Aktivistinnen und Aktivisten) vielleicht unterbreiten sollte, da sie selbst offenbar noch nicht auf diese Idee gekommen sind.
Alle Familiennamen, die auf -er enden, sollen (müssen?) in Zukunft mit der Endung -in versehen werden, wenn eine weibliche Person gemeint ist.
Das durchzusetzen sollte nicht allzu schwierig sein, da man ja auf alte Traditionen verweisen könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2015 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29588

Evangelische Studierendengemeinde steht über dem Eingang derselben, ich weiß nicht, seit wann. Konformismus war schon immer das Privileg der akademischen Jugend, aber es schüttelt mich, wenn ich vorbeiradle.

Irgendwo ganz oben wird Gender mainstreaming (oder Rechtschreibreform) beschlossen, und dann verläßt man sich auf die Selbstgleichschaltung, da ist überhaupt kein Zwang nötig.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 28.07.2015 um 23.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29566

Das Adjektiv studentisch entzieht sich wohl der Gegenderei, denn *studentInnenisch oder *student_innenisch sind einfach monströs – oder ist doch noch mit „studierendenisch“ zu rechnen? Denn wenn es keine „Studenten“ mehr gibt, kann es auch kein „studentisch“ mehr geben. Eieiei…
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 25.07.2015 um 10.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29546

Wo es gerade um Gesetze und Verordnungen geht: Beim Stöbern in Wikipedia bin ich gestern auf die Formulierung "Ratsfrauen und Ratsherren" für Stadtrats- bzw. Magistratsmitglieder gestoßen. Wie eine Google-Suche zeigt, scheint das mittlerweile die gängige Bezeichnung zu sein, aber sie erscheint mir irgendwie als schief:

- Man spricht von Frauen und Männern, also: Ratsfrauen und Ratsmänner;

- Man redet ein Publikum mit "Damen und Herren" an, also: Ratsdamen und Ratsherren;

- Dann gibt es ja noch die Herrin: Ratsherrinnen und Ratsherren;

- Schließlich nicht zu vergessen die -männin (Landsmännin): Ratsmänninnen und Ratsmänner. ("Landsfrau" geriete semantisch schnell in Konflikt mit der "Landfrau").

Jede dieser Varianten verletzt wohl irgendeine Empfindlichkeit, so daß man anscheinend aus Verlegenheit oder Gedankenlosigkeit zu dieser "asymmetrischen" Lösung gekommen ist.

Ratsmitglieder wäre einfacher und benötigte weniger Platz (und Tinte).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 24.07.2015 um 23.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29540

Da das Amt des Bundespräsidenten ja den Platz des Monarchen vertritt, wäre es eigentlich naheliegend, von »Mätresse« zu reden.

»Lebenspartner« scheint durch den spöttischen Gegenbegriff »Lebensabschnittspartner« unmöglich gemacht worden zu sein, daher jetzt nur noch kurz das geschäftsmäßige »Partner«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2015 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29539

Wenn es sich um ein Gesetz handelte, könnte man von einer "Lex Schadt" sprechen, denn 2012 hieß es an gleicher Stelle noch:

Hierzu gehören auch entsprechende Ausgaben für repräsentative Verpflichtungen des Ehegatten des Bundespräsidenten, soweit diese Ausgaben nicht von Dritten übernommen werden.

Ungeordnet wie die Dinge sind auch die sprachlichen Verhältnisse. Das Wort Partner läßt mich immer zuerst an Geschäftspartner denken, trotz der jüngsten Veramtlichung der Lebenspartnerschaften. Oder ich mache mit jemandem halbe-halbe, dann sind wir Partner. Freundin des Bundespräsidenten geht auch nicht, obwohl es am treffendsten wäre.
Im Alltag hört man: Ich lebe mit jemandem zusammen. Aber der Bundespräsident kann wohl zu den gehobenen Kindergeburtstagen, für die er selber keine Zeit hat, kaum jemanden schicken, mit dem er zusammenlebt.
Die gelebte Herabstufung der Ehe kontrastiert eigentümlich mit der allseits propagierten "Ehe für alle". Die Dinge sind ziemlich in Fluß geraten, und man muß abwarten, was daraus wird.

Eine andere Kuriosität ist der Vorschlag eines SPD-Politikers, die Partei möge auf einen eigenen Kanzlerkandidaten verzichten, weil er eh nicht gewinnen könne und Frau Merkel doch ganz gut sei. Das ist an sich nicht unlogisch, scheint aber doch am Sinn der Wahl vorbeizugehen. Auch die kleinste Partei braucht einen Kanzlerkandidaten, am besten auch ein Schattenkabinett, auch wenn man das von außen als Kasperletheater ansehen könnte. Aber durch die Wahl soll ja nicht nur eine Regierung ins Amt kommen, sondern auch das Kräfteverhältnis festgestellt und dokumentiert werden. Die eigentliche Frage ist wohl, ob man jemanden findet, der sich auch für einen "aussichtslosen" (aber nicht sinnlosen) Kampf voll und ganz ins Zeug legt, sich u. U. verschleißen läßt. Wenn man solche Leute nicht hat, dann braucht man in der Tat gar nicht erst anzutreten.
Die Frage stellt sich nicht nur an der Spitze. Als ich mal für den Landtag kandidierte, habe ich mir mit dem Bestellen des Möbelwagens auch Zeit gelassen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.07.2015 um 14.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29538

Manches ist bisher unbemerkt geblieben. So heißt es im Einzelplan 01 des Bundeshaushaltsplans 2015 (Bundespräsident und Bundespräsidialamt) unter »Sächliche Verwaltungsausgaben« in den Erläuterungen zum Abschnitt »Außergewöhnlicher Aufwand aus dienstlicher Veranlassung in besonderen Fällen«:

»Hierzu gehören auch entsprechende Ausgaben für repräsentative Verpflichtungen des Ehegatten oder Partners des Bundespräsidenten, soweit diese Ausgaben nicht von Dritten übernommen werden.«

Mir ist bekannt, daß »Ehegatte« und »Partner« dem juristischen Sprachgebrauch entsprechen. Daß man in Fällen wie diesem aber zu einer solchen Lösung greift, ist um so erstaunlicher, als sie ja nicht ganz undelikat ist. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie eine Formulierung aussähe, die alle denkbaren Kombinationsmöglichkeiten beschriebe, einschließlich des Falls, daß das Amt einmal von einer Frau bekleidet wird, die ja durchaus eine Partnerin haben könnte (nicht aber, bis auf weiteres, eine Ehegattin) – usw. usf.

Sobald allerdings eine pragmatische Lösung nicht mehr zwingend notwendig ist, geht die Genderei wieder los:

»Die Ausgaben sind einzeln zu belegen. Aus den Belegen muss Anlass, Funktion und Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Begünstigte) erkennbar sein.«

In beiden Zitaten ist das Geschlecht der beteiligten Personen für die Aussage völlig unerheblich.

Ich kenne zwar die Nöte derer, die sich beim Formulieren von Rechtstexten mit irgendwelchen Genderrichtlinien herumquälen müssen (siehe auch hier: www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19970), aber hat es nicht etwas Komisches, daß man sich dort, wo das generische Maskulinum ganz unauffällig gewesen wäre, dagegen entschieden hat, ausgerechnet dort aber, wo ein viel sensiblerer Bereich angesprochen ist, dafür?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2015 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29537

An der Universität Erlangen werden junge Wissenschaftler durch ein "Rising-Star-Programm" gefördert. Was tun, wenn eine Frau gefördert wird? Als "Starenweibchen" kann man sie nicht gut bezeichnen. Das Magazin der Universität sagt zweimal, Prof. Sabine Maier sei "eine der Rising Stars". Aber an das Prädikativum werden gar keine Kongruenzforderungen gestellt, ich könnte meine Frau ohne weiteres "mein Schatz" oder – um bei den Sternen zu bleiben – "mein Augenstern" nennen. Das wäre deshalb auch keine "Constructio ad sensum" (Synesis), wie manche Germanisten irrigerweise meinen.
Das Magazin ist im übrigen nur sehr unvollkommen gegendert. Zwar ist der Ausdruck "Student" schon lange tabu, aber sonst geht es wild durcheinander. Das Büro für Frauen und Gedöns scheint noch nichts bemerkt zu haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2015 um 15.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29493

Im Fall Hunt zeichnet sich tatsächlich eine Gegenbewegung ab. Ein Alumnus hat sein Testment geändert und entzieht den Narren vom University College London mal eben etwa 100.000 Pfund. Eine andere Sprache verstehen die Herrschaften wohl nicht.

In Deutschland kommt so etwas auch schon vor, juckt die Betroffenen aber nicht, weil sie wissen, daß dem Staat keine Ausgabe zu hoch ist, um die Politische Korrektheit durchzusetzen. "Mainstreaming" sagt ja schon alles.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.07.2015 um 12.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29488

Sì, è corretto.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2015 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29487

„Keinem italienischen Bergführer ist übrigens bisher eingefallen, sich *guido alpino statt guida alpina zu nennen.“ (Miorita Ulrich in Sprachwissenschaft 13, 1988)

Ob das immer noch stimmt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2015 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29457

Die beiden herkömmlichen Theorien zur Entstehung des grammatischen Geschlechts lassen sich so zusammenfassen:

Die von Grimm und vielen "romantisch" und psychologisch, später auch psychoanalytisch ausgerichteten Forschern vertretene Sexualisierungstheorie nimmt an, daß die Menschen früher die belebte Natur anthropomorphisch erlebt und daher auch mit Geschlechtszuordnungen versehen hätten, so wie man bis in unsere Zeit beobachten kann, daß z. B. handwerkliche Vorgänge und Werkzeuge sprachlich sexualisiert werden usw. Das ist dann analogisch ausgedehnt worden.

Die Junggrammatiker um Brugmann nehmen dagegen an, daß es zufällig Wörter für weibliche Wesen gab, die auf â oder î/iê endeten, und daß diese Endung dann als Suffix für Weibliches produktiv wurde. Beispiele solcher nachträglichen Zuordnung sind das „Tier-Suffix" (idg. *bho) im Indischen, Griechischen und Keltischen oder das Farbsuffix (*wo) im Germanischen, Lateinischen und Litauischen; zunächst waren diese Suffixe zufällig an einigen Wörtern der betreffenden Bedeutungsklassen aufgetreten, wurden dann produktiv.

Der einst sehr heftige Streit ist heute ein bißchen entschärft, weil man das Problem mehr im Rahmen universaler Theorien der Nominalklassifikation diskutiert. Ein gewisser Reflex findet sich aber noch in der Gender-Debatte.

Während heute die Genera mit den allerdings dürftigen Markierungen der Flexionsklassen korreliert sind, war das ursprünglich keinesfalls so – weshalb man ja in der Schule lernen muß, daß lateinische Substantive der ersten Deklination durchaus nicht alle feminin sind (agricola), und im Griechischen endet die sehr weibliche Jungfrau auf -os (parthenos).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2015 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29442

Einer schreibt's vom andern ab: Otto Jespersen habe behauptet, im alten Indien hätten die Männer Sanskrit und die Frauen Prakrit gesprochen. Helmut Glück ("Der Mythos von den Frauensprachen", OBST 9, 1977) gibt sogar die Stelle in seinem Buch "Language" an. Aber Jespersen spricht ausdrücklich von der Verteilung der Sprachen im altindischen Drama.
Im übrigen ist er einer der wenigen, die ein großes Kapitel über die Rolle der Frau in der Sprache geschrieben haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2015 um 10.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29415

Vielleicht tröstet es die Feministen, daß z. B. Kanonen, phallisch und schlimm wie sie sind, als weibliche Personen benannt werden, und zwar nicht erst die Dicke Bertha.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2015 um 18.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29400

Die Sprachstatistik, die immer wieder ergibt, daß Maskulina überproportional viele Bezeichnungen von tätigen Lebewesen umfassen, ist systematisch verzerrt durch die heute fast allein produktive Abstraktbildung mit Hilfe femininer Suffixe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2015 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29399

Damaris Nübling hat in einem Gender-Vortrag (www.germanistik.uni-mainz.de/files/2015/03/Nuebling-2014-Femineutra-Akademie-Jb-2013.pdf) sehr viel aus das Merkel gemacht, obwohl dieses Neutrum meiner Ansicht nach nur marginal vorkommt und bei weitem nicht so verächtlich ist wie die allgegenwärtige Mutti (sogar in den Leserbriefen bei FAZ.NET), die Nübling nur beiläufig einmal erwähnt.

Was übrigens die FAZ betrifft, so scheint mir die Riege der Merkelhasser in der politischen Redaktion im Laufe der Jahre schwächer und geradezu kleinlaut geworden zu sein, es gibt sogar eine Menge Huldigungsartikel, vor allem wenn man die FAS hinzunimmt. Vielleicht weil man selber auch nicht weiterweiß.

Liest man nur die Shit-Stürme auf den Leserbriefseiten (und dann gar erst bei der ZEIT usw.), versteht man überhaupt nicht die hohen Beliebtheitswerte der Kanzlerin. Aber das ist wohl die alte Geschichte mit der Schweigespirale.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2015 um 04.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29387

Was mich ganz trübsinnig macht, ist der Gedanke, daß die Formulierenden dieses Galimathias ausnahmslos von der Unsinnigkeit ihres Tuns überzeugt sein dürften, aber trotzdem mitmachen, genau wie bei der Rechtschreibreform. Das Gendern ging in den Ministerien und Hochschulverwaltungen so schnell und reibungslos über die Bühne, daß man an finstere Beispiele von Gleichschaltung erinnert wird. Nur Mitläufertum, keine Zivilcourage weit und breit. Wo sollte Widerstand auch ansetzen? Man kann es verstehen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.07.2015 um 03.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29386

Tatsächlich, das gibt es alles schon. Bei Studienanfangende fragt Google zurück, ob Studienanfang Ende gemeint war. Vielleicht spart sich Google bald diese Rückfrage.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.07.2015 um 00.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29385

Offenbar wollen die Eidgenossen ihren östlichen Nachbarn in puncto Gendern nicht nachstehen:

Einmal im Jahr, normalerweise am St.Leodegar (2. Oktober), findet ein Studierendenausflug statt. Vorschläge und freiwillige Organisierende werden an der Studierendenversammlung besprochen und gesucht.

(http://studunilu.ch/fachschaft-tf/tf-wir-uber-uns/)

Solche Texte regen natürlich meine Phantasie an: Studienberatende, Studienbewerbende, Studienanfangende, Studienabbrechende, Studierendenunruhen, Regelstudienzeitstudierende. Dumm nur, daß es das alles schon gibt, wie ich gerade feststelle. Der Tag endet mit einer Enttäuschung. Hätte ich mir aber auch denken können.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.07.2015 um 23.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29384

Alles schön und gut, Herr Achenbach, aber erinnert studentisch nicht doch zu sehr an Student? Wir sollten kein Risiko eingehen und lieber von Studierendenvertretenden sprechen. An der Uni Mannheim klappt das teilweise schon ganz gut: http://fspsycho.sowi.uni-mannheim.de/Deine%20Fachbereichsvertretung%20Psychologie/Mitglieder/.

Unbehagen bereiten mir natürlich auch die Mitglieder. Was kann man da machen? Mit- und Ohneglied wäre wohl zu anzüglich für einen derart seriösen Text. Außerdem würde daraus im Plural ja Mit- und Ohneglieder, und was wäre gewonnen, wenn wir am Ende doch wieder bei -er, also ihm, landeten? Auch Mitgliederinnen und Mitglieder kann nicht die Lösung sein, denn es wird sogar von der vorbildlich korrekten Dudenredaktion abgelehnt. Wir müssen also wohl bis auf weiteres mit den Mitgliedern leben. Obwohl … Eigentlich kommt man auch ohne aus. Kann man nicht Mitglieder der Fakultät als Fakultätsangehörende und Mitglieder der Fachschaftsvertretung als Fachschaftsvertretende bezeichnen? Klar kann man!

Dann hätten wir also:

Die Vertretenden einer Fakultät bilden die Fachschaftsvertretung. Sie besteht aus sieben Vertretenden der Studierenden; soweit die Zahl der Studierenden, die Fakultätsangehörende sind, 2.000 übersteigt, erhöht sich die Zahl der Vertretenden der Studierenden je angefangene weitere 1.000 Studierende um eins. Der oder die Fachschaftssprechende ist der oder die Vertretende der Studierenden im Fakultätsrat, der oder die bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten hat; die Fachschaftsvertretenden sind diejenigen Studierenden in der erforderlichen Anzahl, auf die bei der Wahl der Studierendenvertretenden zu den Fakultätsräten weitere Sitze entfallen würden.

Irgendwas stört mich zwar immer noch an dem Text, aber ich könnte jetzt nicht genau sagen, was. Na, Hauptsache, er erfüllt seinen Zweck.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 08.07.2015 um 19.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29383

Warum so inkonsequent? Wenn man meint, von Studierenden sprechen zu müssen, warum nicht auch von Vertretenden und von Fachschaftsvertretenden?

Dann lautete der Text:

Die Vertretenden einer Fakultät bilden die Fachschaftsvertretung. Sie besteht aus sieben Vertretenden der Studierenden; soweit die Zahl der Studierenden, die Mitglieder der Fakultät sind, 2.000 übersteigt, erhöht sich die Zahl der Vertretenden der Studierenden je angefangene weitere 1.000 Studierende um eins. Der oder die Fachschaftssprechende ist der oder die Vertretende der Studierenden im Fakultätsrat, der oder die bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten hat; die weiteren Mitglieder der Fachschaftsvertretung sind diejenigen Studierenden in der erforderlichen Anzahl, auf die bei der Wahl der studentischen Vertretenden zu den Fakultätsräten weitere Sitze entfallen würden.

Ist das nicht noch schöner?

Außerdem erspart man sich damit immerhin gut 11% der Zeichen (einschl. Leerstellen).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.07.2015 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29381

Noch vor kurzem haben wir gewitzelt, aus den "Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen" würden sicher auch bald die "Bürgermeister und Bürgermeisterinnen und Bürgerinnenmeister und Bürgerinnenmeisterinnen".

Und nun sind aus Studentenvertretern über "Studentenvertreter und -vertreterinnen" tatsächlich schon "Vertreterinnen und Vertreter der Studierenden" entstanden.

Zusammensetzungen werden also schon auseinandergenommen, um auch das Erstglied dem Korrektheitswahn zu unterwerfen. Man sieht, es war damals leider kein Witz.
 
 

Kommentar von Theodor ickler, verfaßt am 08.07.2015 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29380

Vor 20 Jahren, als das Land und die Hochschulen noch nicht von Irren regiert wurden, lautete der entsprechende Abschnitt im Hochschulgesetz:

Die Studentenvertreter eines Fachbereichs bilden die Fachschaftsvertretung. Soweit die Zahl der Studenten, die Mitglieder eines Fachbereichs sind, 2000 nicht übersteigt, besteht die Fachschaftsvertretung aus sieben Studentenvertretern. Soweit die Zahl der Studenten, die Mitglieder eines Fachbereichs sind, 2000 übersteigt, erhöht sich die Zahl der Studentenvertreter, die die Fachschaftsvertretung bilden, je angefangene weitere 1 000 Studenten um eins. Fachschaftssprecher ist der Studentenvertreter im Fachbereichsrat, der bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten hat; die weiteren Mitglieder der Fachschaftsvertretung sind diejenigen Studenten in der erforderlichen Anzahl, auf die bei der Wahl der Studentenvertreter in den Fachbereichsräten weitere Sitze entfallen würden.

(Die Zeichenzahl ist nicht genau vergleichbar, weil auch der Inhalt leicht abweicht.)

Niemand hatte damals wegen der Sprache geschlechtsbezogene Probleme.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.07.2015 um 16.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29379

Wenn ständig von Studierenden die Rede ist, fragt man sich schon, woher plötzlich die "studentischen" Vertreter kommen.

Nun war ich doch mal neugierig und habe Word nach der Zeichenanzahl (mit Leerzeichen) befragt. Dieser so umständlich "politisch korrekt" aufgeblasene Text (770 Zeichen) ist gegenüber dem inhaltlich gleichen, aber normal geschriebenen (620 Zeichen) ziemlich genau um ein Viertel größer. Alles nur Luft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2015 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29378

Zu den jüngsten Hochschulwahlen teilt die Leitung der Uni Erlangen mit:

Die Vertreter und Vertreterinnen einer Fakultät bilden die Fachschaftsvertretung. Sie besteht aus sieben Vertretern und Vertreterinnen der Studierenden; soweit die Zahl der Studierenden, die Mitglieder der Fakultät sind, 2.000 übersteigt, erhöht sich die Zahl der Vertreter und Vertreterinnen der Studierenden je angefangene weitere 1.000 Studierende um eins. Fachschaftssprecher oder Fachschaftssprecherin ist der Vertreter oder die Vertreterin der Studierenden im Fakultätsrat, der oder die bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten hat; die weiteren Mitglieder der Fachschaftsvertretung sind diejenigen Studierenden in der erforderlichen Anzahl, auf die bei der Wahl der studentischen Vertreter und Vertreterinnen zu den Fakultätsräten weitere Sitze entfallen würden.

Interessant ist auch diese Einzelheit:

Wahl zum Fakultätsrat PhilFak, Studierende:
Zahl der Wahlberechtigten: 9.413
Abgegebene Stimmzettel: 455
Ungültige Stimmzettel: 14
Gültige Stimmzettel: 441
Demnach betrug die Wahlbeteiligung: 4,83 %

 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.07.2015 um 19.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29336

Die neueste Wortschöpfung ist "Schlepperinnen". Hat man schon welche gesehen? (In islamischen Ländern eher schwierig.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.07.2015 um 14.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29332

Die Landesregierung kann – wie auch die Bundesregierung – nicht zwischen Wörtern und Wortstämmen unterscheiden, daher der Eingriff in die Komposita. Der sprachliche Verstoß spielt hier so wenig eine Rolle wie die Kosten:

"Die hier vorgeschlagene Umstrukturierung tut dem deutschen Sprachsy­stem nicht mehr Gewalt an als dieses System uns Frauen antut." (Luise F. Pusch 1990)
 
 

Kommentar von derwesten.de, 2. Juli 2015, verfaßt am 04.07.2015 um 13.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29331

Studentenwerke laufen Sturm gegen teure Zwangs-Umbenennung

Essen/Bochum/Dortmund. Die Geschlechtergerechtigkeit erreicht Mensen und Wohnheime: Deren Betreiber sollen künftig für "Studierende" zuständig sein. Die Korrektur ist teuer.
Die Studentenwerke in NRW wehren sich gegen eine anstehende Zwangs-Umbenennung in „Studierendenwerke“. Sie fürchten Kosten von mehreren hunderttausend Euro, die durch den Namenswechsel entstehen würden, unter anderem durch zu verändernde Schilder, Briefköpfe und Broschüren.
Die Landesregierung hat den Begriff „Studierendenwerke“ ins neue Hochschulzukunftsgesetz geschrieben. Begründet wird dieser Schritt mit Geschlechtergerechtigkeit. Geschlechtsneutrale Bezeichnungen seien gesetzlich vorgeschrieben. […]

(… weiter hier: www.derwesten.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2015 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29322

„Sprache des idealen Sprechers bzw. der idealen Sprecherin“ (Hilke Elsen: Grundzüge der Morphologie des Deutschen. 2. Aufl. Berlin 2014) – das ist insofern irregeleitet, als der ideale Sprecher der generativen Grammatik gar keine menschliche Person ist, sondern gewissermaßen ein abstrakter Automat, dem man ja auch keine Automatin zur Seite stellt. Das Gendern hat hier keinen Ansatzpunkt, es geschieht gedankenlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2015 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29314

„In festen Verbindungen, wie einer Sache Herr oder Meister werden, kann das Femininum überhaupt nicht verwendet werden.“ (Ingerid Dal: Kurze deutsche Syntax. Tübingen 1966:2)

Eroms hat das in der Neubearbeitung (2014) stehen lassen. Da kennt er aber unsere Sprachmeisterinnen schlecht, besonders in Österreich!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2015 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29294

Herr Wrase hat tatsächlich etwas entdeckt, was nicht nur mir bisher entgangen ist. Frauen können die krassesten Äußerungen über Männer von sich geben, ohne daß sie davon einen Nachteil befürchten müssen. Jedenfalls habe ich noch nie etwas anderes gehört oder gelesen. Es muß mit den wohltätigen Wirkungen des Opferstatus zusammenhängen, den man entweder hat oder eben nicht.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.06.2015 um 11.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29293

Ja, im Sport ist von Frauen die Rede, wo rohe Kräfte sinnlos walten: Fußball, Kugelstoßen, Speerwurf. Hingegen: Damentennis. Das liegt laut Wikipedia daran, daß viele Sportarten erst spät für Frauen zugänglich wurden, jedenfalls im Fall von Hockey: "... dass man im deutschen Sprachraum allgemein von Damenhockey, nicht von Frauenhockey spricht, beruht auf der vergleichsweise langen Tradition."

Es ist auch interessant, daß die Sportgeräte bei Frauen und Männern oft nicht dieselben sind. Beim Kugelstoßen 16 Pfund (7,257 kg) Gewicht bei Männern, 4 kg bei den Frauen. Der Speer für Männer wiegt 800 g, der für Frauen 600 g. Der Diskus der Männer wiegt 2 kg, der Diskus der Frauen nur 1 kg.

Das erinnert ein wenig an die Quote im Berufsleben: Die Regeln sorgen dafür, daß Frauen im Ergebnis mithalten können. Gut, beim Weitsprung oder im Sprint bewegen die Frauen auch leichtere Gewichte (ihr eigenes Körpergewicht ist geringer), insofern sind verschiedene Gewichte bei den Wurfsportarten plausibel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2015 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29292

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19398

Hoffentlich werden alle Lesenden von Band 1 auch Lesende des Bandes 2!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.06.2015 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29290

Interessanterweise heißt es Frauenfußball und nicht Damenfußball.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.06.2015 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29288

Wer hat im Fall Hunt eigentlich die Hexe umgehend exekutiert? Man hat ihn bekanntlich rausgeschmissen, ohne daß er sich überhaupt zu seiner umstrittenen Bemerkung hätte äußern können. Wer war "man", wer hat Hunt von seinen Posten entfernt? Feiglinge.

Hunt hatte gesagt: "... three things happen when they are in the lab … You fall in love with them, they fall in love with you and when you criticise them, they cry." Offensichtlich ein Scherz, das erkennt man an der Übertreibung. Die Karikatur liegt darin, daß das Extreme, vom Alltag Abweichende (allseitiges Verlieben und Heulen als Reaktion auf Kritik) sprachlich als Normalfall, ja als Naturgesetz präsentiert wird.

Feministinnen können am laufenden Band unfaire männerfeindliche Äußerungen in die Welt trompeten, die überhaupt nicht scherzhaft gemeint sind. Zum Beispiel: "Männer haben nur Sex im Kopf, sie verachten Frauen" usw. Niemand verbietet ihnen das Maul, obwohl sie damit das Verhältnis von Männern und Frauen beschädigen und Unfrieden sowie die allgemeine Verklemmung befördern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2015 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29286

Von Frauen, auch sehr jungen, hört man immer noch: "Ich bin Christ." Es fällt aber schon auf.

Die Hexenjagd, wie jetzt im Fall Tim Hunt, kann wohl nicht immer weitergehen, ohne daß es zu einer Gegenbewegung kommt. In allen Lexikoneinträgen zu Hunt und den anderen Opfern wird in alle Ewigkeit verzeichnet sein, daß sie sich antifeministisch geäußert haben und daher in Schwierigkeiten geraten sind. Nach einigen hundert Jahren werden sie dann rehabilitiert wie Galilei.

Bin ich Antifeminist, wenn ich sage, daß ich noch niemals einen vernünftigen Text im Bereich der feministischen Linguistik gelesen habe?

Täusche ich mich, oder wird zur Zeit der Frauenfußball von den Medien ganz bewußt propagiert? Ich kann es nicht recht beurteilen, weil er mich ebenso wenig interessiert wie der Männerfußball.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2015 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29272

In der Geschäftswelt überwiegt immer noch der generisch maskuline "Anbieter". Als "Anbieterin" treten Firmen auf, deren Name das weibliche Genus regiert, die aber an sich kein Geschlecht haben. Dazu ausdrücklich erwähnte Frauen, die etwas anbieten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2015 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29243

Dazu noch dies:

Yoga soll an zentralstaatlichen Schulen in Indien zum Pflichtfach werden.
Kinder der sechsten bis zehnten Klasse würden bald in der alten indischen Lehre unterrichtet, erklärte Bildungsministerin Smriti Irani laut der indischen Zeitung „Deccan Herald“ vom Dienstag. 80 Prozent des Schulfaches seien für Praxis-Übungen vorgesehen, 20 Prozent für Theorie.
Die meisten Schulen in Indien werden allerdings von den Bundesstaaten betrieben. Länder wie die Hauptstadt Delhi erklärten, sie wollten Yoga ebenfalls einführen. In Privatschulen, die rund 40 Prozent der Schulen in Indien ausmachen, wird Yoga zum Teil bereits unterrichtet.
(focus.de 23.6.15)

Das ist eigentlich ganz furchtbar, zumal man befürchten muß, daß auch die Bundesstaaten mitziehen werden, um die Muslime (und ein paar Millionen andere) aus dem staatlichen Schulwesen zu werfen und einen Bürgerkrieg vorzubereiten.

Hierzulande kann man dem staatlichen Religionsunterricht immerhin ausweichen, indem man sich einem freilich kastrierten Philosophieunterricht ("Ethik") aussetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.06.2015 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29217

Wenn 37 000 Menschen unter Anleitung des Ministerpräsidenten auf dem Rajpath in Neu-Delhi Yoga praktizieren, ist das nicht so friedlich, wie es aussieht. Die FAZ hat ebenfalls erkannt, daß es sich um eine neue Waffe der Hindunationalisten handelt. Provoziert werden die Muslime und sonstigen Anders- und Nichtgläubigen.

Wie berichtet, praktizierten zu meiner Zeit (vor 40 Jahren) sehr viele Studenten Yoga, aber nicht in der Öffentlichkeit - sehr im Unterschied zu Tai Chi, das man bekanntlich in China auf den Straßen, dem Campus und in Parks jeden Tag sehen kann.

Yoga hat zwar alte Wurzeln, ist aber wie vieles andere (auch "fernöstliche" Kampfsportarten) teilweise vom Westen und im Kontakt zu ihm weiterentwickelt worden. Es ist ein Jammer, daß die Inder aus einer harmlosen Privatsache nun so etwas machen und überhaupt in die nationalistische Barbarei abzugleiten drohen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2015 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29126

Manche werden die Sache mit Nobelpreisträger Tim Hunt gelesen haben. Schon ist sie auch bei Wikipedia eingetragen, als wichtiges biographisches Faktum:

"Am 9. Juni 2015 hielt Hunt einen Vortrag auf der World Conference of Science Journalists in Seoul, in dem er eine Bemerkung zur Arbeit von Frauen in Laboren machte, die von ihm nachher als Scherz dargestellt wurde. Eine anwesende britische Universtätslehrerin sah diesen Kommentar jedoch als frauenfeindlich und verbreitete ihn entsprechend kommentiert über Twitter. Aus der sich daran anschließenden öffentlichen Entrüstung zog Hunt am 10. Juni die Konsequenz und trat von seiner Honorarprofessur an der Fakultät für Biowissenschaften am University College London zurück."

Dazu:

Tim Hunt, an English biochemist who admitted that he had a reputation for being a “chauvinist”, had made the comments at the World Conference of Science Journalists in Seoul, South Korea, where he said: “Let me tell you about my trouble with girls … three things happen when they are in the lab … You fall in love with them, they fall in love with you and when you criticise them, they cry.”

Wenn man keine Scherze über Frauen mehr machen darf, ist das Leben nicht mehr lebenswert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2015 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29111

Nicht zu vergessen der Seufzer und der Fehler... Aber mal im Ernst: Woher wissen Sie denn, welchem Substantivtyp das Suffix -er vorbehalten sein sollte? "Stört" Sie wirklich ein so großer Teil des deutschen Wortschatzes?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.06.2015 um 22.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29110

Aus männlich unbelebten Substantiven auf "-er" können mit der Endung "-in" weiblich belebte Sustantive gemacht werden: der Wasserkocher (Gerät) – die Wasserkocherin (Hausfrau), der Staubsauger – die Staubsaugerin. Schwierig wird die Unterscheidung bei Hausmännern, dann können Wasserkocher und Staubsauger auch männlich belebt sein. Das hat man grundsätzlich bei der Festlegung von männlichen Sachenbezeichnungen mit der Endung "-er" nicht bedacht, und das stört mich schon lange, z.B. bei Betonmischer, Schlagbohrer, Anhänger, Akkuschrauber usw., die Sachen und Personen sein können. Eigentlich ist es ein Mißbrauch der Aktions-Endung "-er", die belebten Substantiven vorbehalten sein sollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2015 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29109

Ist das nicht mit Genus vs. Sexus abgedeckt? Wo sonst spielt in der deutschen Grammatik belebt/unbelebt eine Rolle?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.06.2015 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29108

Es scheint nötig, männlich und weiblich um den Zusatz "belebt" oder "unbelebt" zu ergänzen: Hausfrau: weiblich belebt; Kaffemühle: weiblich unbelebt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2015 um 15.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29106

Kirchentags-Sprecher Alexander Matzkeit stellte am Donnerstag gegenüber pro klar: Es handelt sich um einen Scherz, um auf das Bemühen, das Programm „geschlechtergerecht“ zu gestalten, aufmerksam zu machen. „Aufmerksame Leserinnen und Leser des Programmheftes haben in den letzten Jahren im Programmheft des Deutschen Ev. Kirchentages die ,Papphockerinnen und Papphocker‘ finden können – die Saalmikrofoninnen und -mikrofone sind ein kleiner Scherz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Programmheft für Stuttgart 2015.“

Mag sein. Aber der Scherz liegt zu nahe an der Wirklichkeit, um gleich als Scherz oder Satire erkannt zu werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2015 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29085

Sobald die Zeitungen in diesen kritischen Zeiten anfangen, ihre Leser mehr als nötig zu ärgern, ist es aus mit ihnen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.06.2015 um 13.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29083

Ich staune über die heutige Sonntagsausgabe des Mannheimer Morgen. Allein auf Seite 1 finde ich:

Wo bislang der[!] Finanzbeamte die Angaben des[!] Steuerpflichtigen geprüft ... hat
Der[!] Bürger soll das Finanzamt per E-Mail erreichen. Aus Sicht der Steuerzahler droht ein handfester Nachteil: Bislang hatte er[!] Rechtssicherheit ...
zu Ungunsten des[!] Betroffenen

Außerdem im Plural (teilweise mehrfach):
Finanzminister, Bürger, Steuerzahler, Finanzbeamte, Rechnungsprüfer, Politiker, Schüler, Studenten, Lehrer, G7-Gegner, Gipfelgegner, Demonstranten, Beamte, Sanitäter, Veranstalter, Teilnehmer, Organspender, Lebendspender

Kein einziges Mal -innen, kein einziges Mal -ende.
Sieg der Vernunft über die "PC" auf ganzer Linie!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2015 um 10.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29081

Die "Vorständin", die man jetzt nicht nur im Duden trifft, war erst möglich, nachdem der "Vorstand" vom Gremium (vgl. "Vorstandsvositzender") auf dessen einzelnes Mitglied übertragen worden war, ähnlich wie bei "Kader" (wo es aber noch keine movierte Form zu geben scheint).
Bei Schreiben an den Institutsvorstand könnte man sich aber weiterhin mit der maskulinen Form begnügen, denn welche Personen die Leitung bilden, ist nicht relevant und oft nicht einmal bekannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2015 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29061

Viagra für Frauen soll rosa sein, Viagra für Männer ist in weiser Voraussicht blau gefärbt worden. Diese Klischees müßten eigentlich Proteste hervorrufen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2015 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29054

Zum Ev. Kirchentag in Stuttgart:

Es gibt kein Familienzentrum, dafür aber erstmals auf einem Kirchentag ein Zentrum „Gender“ und ein Zentrum „Regenbogen“, in dem „mit der Bibel gegen Homophobie“ gekämpft, die „Angst vor der Vielfalt von Beziehungsformen“ genommen und „Familie neu buchstabiert“ werden soll. (Tagesspiegel 4.6.15)

Es gibt auch einen "Regenbogen-Gedenkort für verfolgte LSBTTIQ in der Michaelskirche".

Galanterweise stellt die Abkürzung die Damen an die erste Stelle, obwohl sie hinsichtlich Verfolgung bisher nicht den ersten Rang einnehmen.

Was den Kampf "mit der Bibel gegen Homophobie" betrifft, so verweise ich auf den gründlichen Artikel "Bibeltexte zur Homosexualität", aus dem auch noch einmal der Unterschied zwischen historisch-philologischer und dogmatisch-theologischer Textinterpretation hervorgeht. (Gehört zu "Heilige Texte".) Um es mit der Bundeskanzlerin zu sagen: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Oder mit P. P.: "Was ist Wahrheit?"
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 27.05.2015 um 15.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#29004

Flugzeuginnenreinigung
http://www.aviation.wisag.de/aviation/leistungen/airport-service/flugzeuginnenreinigung.html

Man ist durch die Qualitätsmedien schon so sensibilisiert, daß man beim Lesen erstmal stutzig wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2015 um 09.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28986

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25037

Das generische Femininum wird in diesem kuriosen Buch so weit getrieben, daß man sogar liest:

„das Agens (von lat. agere, agens 'die Handelnde')“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2015 um 06.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28974

Auch ohne Fernsehen erfährt man Kurioses genug, vor allem wenn man den ganzen Tag mit Frauen zu tun hat. Die Zusammensetzung Oberschenkellücke übersetzt thigh gap und bezeichnet ein Schönheitsideal, obwohl es sich auf den ersten Blick um den Namen eines anatomischen Defekts zu handeln scheint. Näheres bei Wikipedia. Dort auch der Hinweis auf knabenhaft, das wir ja schon besprochen haben.

Ebenfalls auf den ersten Blick könnte ein Besucher vom Mars den Eindruck gewinnen, daß die tatsächliche Übergewichtigkeit der Erdbewohner und die propagierte Magerkeit einander widersprechen, aber in Wirklichkeit handelt es sich wohl um dieselbe Erscheinung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.05.2015 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28956

Alle Belege für ZuschauerInnensaal kommen aus Österreich, was noch einmal bestätigt, daß dieses Land einen Vorsprung im Gendern hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2015 um 11.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28949

Da kennen Sie aber unsere Theologen schlecht!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.05.2015 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28948

Religionsbücher ohne Kreationismus wären ja auch irgendwie seltsam.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2015 um 08.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28947

In alle Studiengänge wird ein Kapitel "Gender" eingebaut. In den medizinischen Fächern wird z. B. folgendes gelesen: Martina Dören: „Gender, Diversity und Intersektionalität als Herausforderung für die Medizin“ in: Krell u. a., Hg.: Diversity studies. 2007 (ein deutschsprachiges Buch!)

In formvollendeten Referaten wird der Inhalt wiedergegeben – aber wie referiert man das Nichts?

Das einzig Gute: Die jungen Leute entwickeln einen gesunden Überdruß – wie seinerzeit an ML-Kursen in der DDR. Aber es ist schade um die vergeudete Zeit.

Die Irren haben es beinahe geschafft, den Kreationismus in die Biologiebücher der Schulen zu drücken. In den Religionsbüchern ist er schon drin, meist als "Intelligent Design" verkleidet, was beinahe seriös klingt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.05.2015 um 00.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28922

Zwischen Erziehern und Erzieherinnen gab es Kindergartenzoff.
(Vor einer knappen halben Stunde in den ZDF-Nachrichten gehört.)

Es klingt, als hätten sich Männer auf der einen Seite mit Frauen auf der andern Seite verkracht. Gemeint war aber einfach eine Meinungsverschiedenheit unter den Erziehern, die mit dem Geschlecht nichts zu tun hatte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2015 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28854

Lieber Herr Riemer, Sie dokumentieren die traurige Wirklichkeit. Ich rate aber dringend, dies erstens dem Verlag mitzuteilen (hilft vielleicht) und zweitens bei Amazon einzutragen (tut richtig weh). Das Geschäftliche ist die einzige Waffe, die uns noch geblieben ist, nachdem, wie Sie richtig sagen, das Interesse an der Sprache verschwunden ist.
Amazon bietet ein kostenloses Forum, die tägliche Verunstaltung deutscher Texte anzuprangern, natürlich auch zu loben, was zu loben ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.05.2015 um 01.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28853

Ich habe gerade das Buch von Gabriele Krone-Schmalz gelesen: Russland verstehen, Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens, Verlag C.H.Beck, München 2015. Inhaltlich ein sehr gutes Buch, dem ich möglichst viele Leser wünsche.

Schade nur, daß auch sehr gute Journalisten sich offenbar kaum für Rechtschreibung interessieren und diese wohl dem Verlag überlassen ("Der Westen hat Vieles zunächst für Propaganda gehalten", S. 49; "dass zu Zeiten der Sowjetunion Vieles hochsubventioniert war", S. 127; "was diese Kompensationsangebote im Konfliktfall Wert waren", S. 105; "um Himmels Willen", S. 169 usw.).

Warum ich meinen Beitrag aber hier unterbringe, steht hinten auf dem Umschlag. Über die Autorin heißt es:

Als eine der führenden Russland-Experten Deutschlands ist sie regelmäßig im Fernsehen zu sehen.

Eine Experte.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.05.2015 um 20.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28816

Lieber Germanist, Sie haben natürlich recht, aber diese wohl brechtigten Bemühungen habe ich nicht gemeint. Ich meinte vielmehr Regulierungen der eigenen, etablierten Sprache, die mehr oder weniger angeordnet wurden. Und da drängt sich mir der Eindruck auf, daß es meist (immer?) diktatorische oder zumindest autoritäre Regime waren, die versucht haben, in ihrem Sinne regulierend auf den Sprachgebrauch einzuwirken. Ich kann das nicht belegen, daher habe ich meine Frage gestellt.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.05.2015 um 20.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28815

Lieber Herr Achenbach,

ich verstehe Sie gut, aber ist das, was Sie schildern, nicht auch eine Art von Beflissenheit? Schließlich sucht, so sehe ich es, der Beflissene ja auch meist den Weg des geringsten Widerstands - oder er versucht, "auf der Höhe der Zeit" zu sein.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.05.2015 um 19.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28814

Lieber Herr Chmela,

ich glaube nicht, daß Beflissenheit der Grund ist. Warum sollte ein gestandener Politiker, ja eine Bundeskanzler, gegenüber einer „Clique von Eiferern“ Beflissenheit an den Tag legen?

Ich sehe als Grund eher den Weg das geringsten Widerstands. Wenn ein Politiker ständig „liebe Bürger und Bürgerinnen“ sagt, vermeidet er, von irgendwelchen Feministen öffentlich angegriffen zu werden oder gar von barbusigen „Femen“ mit großem Gefolge von Pressefotografen und Kameraleuten heimgesucht zu werden. Außerdem: „Kleinvieh macht auch Mist“. Ein paar Wählende werden ja wohl an diesen Unsinn glauben. Warum auf deren Stimmen verzichten?

Selbst wenn die meisten Wähler sich darüber ärgern mögen, aber ihre Wahlentscheidung werden sie von einer solchen Quisquilie nicht abhängig machen. Zudem könnten sie es gar nicht, weil alle Politiker so reden. Ebensowenig haben die Öffentlich-rechtlichen Sanktionen zu fürchten.

Leider ist der unangemessene Einfluß von Minderheiten inzwischen allgegenwärtig. Die Politische Korrektheit beruht ja größtenteils darauf.

In solchen Verhältnissen sollte sich niemand über Poltikverdrossenheit in Teilen der Bevölkerung wundern.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.05.2015 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28811

Für neu entstehende Staaten ist die Festlegung einer eigenen Sprache sehr wichtig.
Beispiele: Die Flamen bestehen darauf, daß sie nicht Niederländisch, sondern Flämisch sprechen, Für die Slowakei war die Festlegung einer eigenen Slowakischen Sprache äußerst wichtig. Ähnliches gilt für die Ukraine, wo die Ukrainische Sprache zeitweise verboten war. In Israel mußte erst eine gemeinsame Neuhebräische Sprache erfunden werden. Die sogenannte Serbokroatische Sprache war ein Kunstgebilde, aber für das neue Jugoslawische Königreich wichtig.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.05.2015 um 12.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28809

Zu Herrn Chmela:

Genau diese Frage habe ich mir heute auch wieder gestellt, und ich mußte unwillkürlich an die Gruppe älterer Damen denken, die sich einmal im ICE schräg gegenüber von mir sehr abfällig über Zigeuner äußerten, dabei aber durchweg politisch korrekt von »Sinti und Roma« sprachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2015 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28808

Die Emanzipation der Frau hat ohne Beteiligung des Sprachfeminismus stattgefunden. Ein anderer Anspruch wird auch nicht mehr erhoben. Man hat sich auf die Ansicht zurückgezogen, die Menschen seien durch die feministische Sprachkritik "sensibilisiert" worden. Ähnlich wurde als Erfolg der Rechtschreibreform behauptet, die Menschen interessierten sich nun wieder mehr für die Sprache. Beides ist unbeweisbar. Die Schäden liegen hingegen auf der Hand.

Es gibt wenig Deprimierenderes, als Frauenbeauftragte unwissend und gesinnungsstark über Sprache daherschwadronieren zu hören (und zu sehen, es gibt auch Videos im Internet, auch von den gerade Zitierten). Ihre Broschüren und Leitfäden sind meistens von Oberbürgermeistern und Intendanten unterzeichnet, die es vermutlich in ihrer Mehrheit besser wissen und keineswegs billigen, was sie da in die Welt schicken.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.05.2015 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28807

"Wieso gelingt es einer Clique von Eiferern – oder nein: Eiferinnen und Eiferern –, arglose Zeitgenossen mit (aufs Ganze betrachtet) geringem Aufwand dermaßen vor sich herzutreiben?"

Lieber Herr Metz,
Prof. Ickler hat an anderer Stelle bereits einmal einen ganz wesentlichen Grund für diese Erscheinung genannt: die Beflissenheit! Sie scheint weit verbreitet zu sein.
Ihr Kommentar hat mich aber noch zu einer anderen Frage geführt. Gibt es in der Geschichte irgendwelche Belege dafür, daß eine wie immer geartete Sprachregulierung (nicht Rechtschreibreform) zu einer positiven Veränderung des Sozialverhaltens geführt hat? Oder überhaupt irgendetwas Positives bewirkt hat?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.05.2015 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28806

Wer nicht genannt wird, ist nicht gemeint.

Stimmt. Wenn ich sage Liebe Männer, meine ich nicht die Frauen. Wenn ich aber sage Liebe Kunden oder Liebe Zuschauer, dann meine ich männliche und weibliche Kunden oder Zuschauer gleichermaßen. Alles andere wäre doch absurd und völlig weltfremd, und das weiß auch jeder. Oder will uns Herr Schächter allen Ernstes sagen, er hätte vor 15 Jahren, als er noch Liebe Kollegen schrieb, nur die männlichen Kollegen gemeint?

Wenn Sie Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie Zuschauerinnen und Zuschauer erreichen wollen – dann sprechen Sie beide an.

Welche Kollegin und welche Zuschauerin wird nicht »erreicht«, wenn man von Kollegen und Zuschauern spricht? Welche Frau fühlt sich aufrichtig »ausgeschlossen«?

Sprache und Gesellschaft wandeln sich ständig und beeinflussen sich gegenseitig. Sprache spiegelt gesellschaftliche Werte und Normen wider und prägt wesentlich das Bewusstsein.

Daß Kinder in Holland ihre Eltern heutzutage immer seltener siezen, hat bestimmt damit zu tun, daß sich das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Aber da ist niemand gekommen und hat gesagt: Ab heute haben Kinder ihre Eltern zu duzen. Wir sagen auch heute nicht mehr Frau Dr. Müller, wenn Herr Müller promoviert hat. Hier vollziehen wir einen gesellschaftlichen Wandel in der Sprache nach.

Aber umgekehrt? Welcher gesellschaftliche Wandel soll mit dem verordneten Sprach»wandel« denn herbeigeführt werden? Hat Herr Schächter früher nur Männer gemeint, wenn er Liebe Kollegen schrieb? Hat sich eine Mehrheit oder auch nur eine nennenswerte Minderheit der weiblichen Kollegen nicht angesprochen gefühlt? Oder fühlten sich die Frauen zwar angesprochen, haben aber in ihrer Unbekümmertheit gar nicht bemerkt, daß sie tief, tief im Unterbewußtsein des Autors doch nicht »gemeint« waren? Welches Frauenbild hat eigentlich jemand, der so denkt? Und ist denn den Leuten, die sich so verbissen für die sprachliche Umerziehung eines ganzen Volkes stark machen, nicht wenigstens ein bißchen mulmig bei dem Versuch, aufgeklärte Erwachsene auf einen Weg zu zwingen, den sie offensichtlich gar nicht beschreiten wollen? Haben sie bei alldem keinerlei Selbstzweifel? Auf welche gesicherten Erkenntnisse stützen sie ihre Forderungen? Wieviel bleibt von dem wohlfeilen Geschwätz solcher Ratgeber übrig, wenn man alle ideologischen Aussagen und abgeschriebenen Standardbehauptungen abzieht? Neulich sagte mir ein Freund (der in der DDR aufgewachsen ist), für ihn hätten all diese Manipulationsversuche fast schon etwas Faschistoides.

Den Betreibern der Rechtschreibreform ist es mehr oder weniger gelungen, eine ganze Sprachgemeinschaft umzuerziehen, ohne daß sie überzeugende Beweise für die Notwendigkeit dieses Eingriffs vorgelegt hätten. Nun werden unter dem Banner der »geschlechtergerechten Sprache« schon wieder Millionen von Erwachsenen belästigt, ohne daß die Belästiger sich ernsthaft rechtfertigen müßten. Wieso gelingt es einer Clique von Eiferern – oder nein: Eiferinnen und Eiferern –, arglose Zeitgenossen mit (aufs Ganze betrachtet) geringem Aufwand dermaßen vor sich herzutreiben? Ich habe keine Erklärung dafür, aber kann es sein, daß dabei viel schlechtes Gewissen im Spiel ist? Es kommt im Leben ja schon mal vor, daß man sich ertappt fühlt, ohne bei näherer Betrachtung etwas Falsches getan zu haben. Mir drängt sich der Eindruck auf, daß sich die Geschlechtergerechten genau diesen Effekt zunutze machen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.05.2015 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28805

Besonders hinterhältig und dumm finde ich immer die Behauptung, mit der sogenannten männlichen Form seien weibliche Personen nur "mitgemeint", aber nicht genannt.

"Wer nicht genannt wird, ist nicht gemeint."

Ja, das stimmt zwar, aber mit der generischen Form sind alle Geschlechter genannt, also auch alle gemeint.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2015 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28804

Die Stadt Nürnberg empfiehlt:

Zufahrt haben ausschließlich Personen, die in dieser Straße wohnen.

Statt:

Zufahrt haben ausschließlich Anwohner.

Allerdings kommt der zu ersetzende Satz in Wirklichkeit nicht vor. Auf den Schildern steht:

Anwohner frei

Anlieger soll durch Anliegende ersetzt werden.

Die massenhaft eingeführten Partizipien und dem Umgangsdeutschen fremde Relativsätze beweisen noch einmal die Gedankenlosigkeit der "Verfassenden" dieser Texte, Frauenbeauftragte, die der Sprachwissenschaft durchweg fernstehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2015 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28803

Inzwischen dürfte jede Stadt ihre Richtlinien für einen "geschlechtergerechten" Sprachgebrauch haben. Sie ähneln einander und gehen auf wenige feministische Vorlagen zurück. Gemeinsam ist ihnen eine laienhafte Linguistik. Auch die zwangsgebührenfinanzierten Rundfunkanstalten leisten sich so etwas und dürfen es, weil sie sich von der Nachfrage abgekoppelt haben und ihre Staatsnähe pflegen:

Liebe Kollegin, lieber Kollege,
wie selbstverständlich wende ich mich in Texten oder Reden an die „Kolleginnen und Kollegen“ im ZDF. Unvorstellbar wäre es heute, bei Veranstaltungen oder in Anschreiben nur die Männer zu begrüßen.
Seit 15 Jahren gilt für offizielle Texte auch im ZDF die Praxis geschlechtergerechter Sprache – z.B. für Vorschriften oder Tarifverträge. Aus gutem Grund: Wer nicht genannt wird, ist nicht gemeint. Wer nicht angesprochen wird, wird nicht erreicht.
Sprache und Gesellschaft wandeln sich ständig und beeinflussen sich gegenseitig. Sprache spiegelt gesellschaftliche Werte und Normen wider und prägt wesentlich das Bewusstsein. In unseren Sendungen haben wir daran ganz besonderen Anteil.
Darum ist eine zeitgemäße, faire Sprache wichtig, sie steht für ein fortschrittliches Unternehmen und für ein modernes Programm.
Hier finden Sie für den Alltag der dienstlichen Kommunikation und für das redaktionelle Texten einige Tipps. Denken Sie daran:
Wenn Sie Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie Zuschauerinnen und Zuschauer erreichen wollen – dann sprechen Sie beide an.

Markus Schächter

Tipps für Sprachprofis
Geschlechtergerechte Sprache ist kreativ:
Die deutsche Sprache bietet viele Möglichkeiten, originell zu formulieren. Nutzen Sie Ihre Phantasie und formulieren Sie Ihre Texte zeitgemäß. Geschlechtergerechte Sprache ist abwechslungsreich:
Das Fräulein ist passé, die Staatsfrau dafür aktuell.
„Die Eine oder der Andere“ klingt bunter als „so mancher“.
Geschlechtergerechte Sprache ist modern:
Werbeprofis texten „männer“- wie „frauenaffin“.
Sie wissen warum.

Mit Phantasie und Sprachgefühl
Dieses Faltblatt gibt Ihnen Anregungen für eine verständliche Sprache, die modern und auf der Höhe der Zeit ist. Eine Sprache, die niemanden ausschließt und beide meint: Frauen und Männer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Zuschauerinnen und Zuschauer.


Man beachte die Leichtfertigkeit, um nicht zu sagen Frivolität, mit der diese Leute einen "bunten Klang" in die deutsche Sprache einführen wollen: „Die Eine oder der Andere“ klingt bunter als „so mancher“. - Über die Folgen machen sie sich keine Gedanken. Zeitungen würden mit solchen Anmaßungen sofort pleite gehen, aber der Rundfunk... (s. o.).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2015 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28755

Zu englischen "Bibel in gerechter Sprache" gibt es u. a. diesen Aufsatz:

http://www.bible-researcher.com/adelphos.html

Ich möchte noch eine Beobachtung hinzufügen, die Indogermanisten geläufiger sein dürfte: Wohl aus der idg. Grundsprache ererbt ist eine für uns nicht mehr recht nachfühlbare Konstruktion, die man etwa bei Homer trifft. Dort bedeutet "Aiante", also die beiden Aias (Dual), Aias und Teukros. Im Lateinischen haben wir die "Castores" = Castor und Pollux, die "Cereres" = Ceres und Proserpina. Im Altindischen sind die "pitarau" (Dual) nicht nur zwei Väter, sondern Vater und Mutter. Die beiden Himmel sind Himmel und Erde, die beiden Mitra sind Mitra und Varuna usw.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.04.2015 um 01.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28737

100 000ste Besucherin des Maimarkts empfangen
...
Kurz nach 14.30 Uhr dann die Überraschung am Haupteingang: Mutter Dagmar Sch... wurde als hunderttausendste Besucherin begrüßt.
(Wochenblatt, Mannheim, 30. April 2015, S. 7)

Wenn man annimmt, daß Männer und Frauen ungefähr zu gleichen Anteilen vertreten sind, dann müßten es bis dahin schon insgesamt um die 200000 gewesen sein. Es ist aber nicht üblich, nur weibliche Besucher zu zählen und auszuzeichnen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 22.04.2015 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28683

Da die Verbrechen an den Armeniern am kommenden Freitag im Bundestag behandelt werden sollen, liegen inzwischen die drei Anträge als Bundestagsdrucksachen vor - allerdings zum Teil nur als Vorabfassungen.

Die Regierungsfraktionen verwenden zwar nun an zwei Stellen das Schibboleth „Völkermord“, vermeiden es aber sorgfältig, die Verbrechen ausdrücklich als solchen zu bezeichnen.

In der Überschrift und im Text wird nur von Armeniern gesprochen. Andererseits ist der Antrag insofern politisch sehr korrekt, als es dort heißt:
„Dabei wissen wir um die Einzigartigkeit des Holocaust, für den Deutschland Schuld und Verantwortung trägt.“

In den Anträgen der LINKEN und der GRÜNEN fehlt das Wort Holocaust völlig. Dabei ist es doch ganz und gar unverzeihlich, von einem anderen Völkermord zu reden, ohne die Einzigartigkeit des Holocaust zu erwähnen.

Andererseits ist dieser Satz der Regierungsfraktionen im Zusammenhang auch etwas heikel. Denn wenn „Deutschland“ Schuld und Verantwortung trägt, wer trägt dann Schuld und Verantwortung für die Verbrechen gegen die Armenier?

Alle drei Anträge sprechen nur von den Taten der damaligen türkischen Regierung, zugleich aber von der „unrühmliche Rolle“ oder „Mitverantwortung“ des „Deutschen Reichs“.

Im Antrag der Regierungsfraktionen mutet folgender Satz etwas merkwürdig an: „Das Gedenken des Deutschen Bundestages ist auch Ausdruck besonderen Respektes vor der wohl ältesten christlichen Nation der Erde.“

Sollte der Bundestag nicht auch für die Deutschen islamischen Glaubens sprechen?

Noch etwas Sprachliches:

Der Antrag der Regierungsfraktionen beginnt mit dem Satz: „Der Deutsche Bundestag verneigt sich vor den Opfern der Vertreibungen und Massaker an den Armeniern, die vor 100 Jahren ihren Anfang nahmen.“

Haben die Armenier vor 100 Jahren ihren Anfang genommen?

Die LINKEN wollen dabei mithelfen, „dass zwischen Türkinnen und Türken sowie Armenierinnen und Armeniern ein Ausgleich durch Aufarbeitung, Versöhnen und Verzeihen historischer Schuld erreicht wird“.
Sollen sich Türkinnen und Türken ausgleichen, und Armenierinnen und Armenier ebenso?

Zugegeben, diese sprachlichen Mäkeleien sind kleinlich, da jeder versteht, was gemeint ist.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 22.04.2015 um 15.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28682

Welch ein krasser Verstoß gegen jedwede feministisch-politisch Korrektheit!

Da liegt dem Bundestag doch wahrhaftig ein Gesetzentwurf der Bundesregierung (Drucksache 18/4653) vor, in dem es u.a. um die „Entlastung von Ländern und Kommunen bei der Aufnahme und Unterbringung von Asylbewerbern“ geht! Auch im weiteren Text ist nur von Asylbewerbern die Rede!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.04.2015 um 19.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28677

Immerhin: »Vertreibungen und Massaker« ist genauer als das heillos verbrauchte Wort »Völkermord«.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 21.04.2015 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28676

Die verschiedenen Entwürfe für eine Entschließung des Bundestages zu den Verbrechen an den Armeniern unterscheiden sich (laut FAZ von gestern) auch bei der politischen Korrektheit:

„Die Grünen“ sprechen in der Überschrift ihres Entwurfs von ArmenierInnen, „Die Linken“ sprechen von Armenierinnen und Armeniern, die Regierungsfraktionen nur von Armeniern.

Politisch korrekter Politiker-Neusprech ist hier nicht nur anachronistisch, er passt auch schlecht zu der gehobenen Sprache, die man bei einem solchen Anlaß erwarten darf.

Alle drei Überschriften werfen darüber hinaus noch andere grammatisch-stilistische Fragen auf.

„Die Linken“ schreiben: 100. Jahresgedenken des Völkermords an den Armenierinnen und Armeniern 1915/16 – Deutschland muss zur Aufarbeitung und Versöhnung beitragen. Man kann zwar des Völkermords gedenken, aber das Gedenken kann sich nur an den Völkermord richten.

„Die Grünen“ schreiben richtiger: Gedenken an den 100. Jahrestag des Völkermords an den ArmenierInnen – Versöhnung durch Aufarbeitung und Austausch fördern. Allerdings wollen sie doch wohl des Völkermords und nicht des 100. Jahrestags gedenken.

CDU/CSU und SPD schreiben (vorläufig): Erinnerung und Gedenken an die Vertreibungen und Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren. Hier paßt einer der Bezüge nicht richtig. Strenggenommen müßte es eigentlich ... die Vertreibungen der und die Massaker an den ... heißen. Derartige Fehler bei mehrfachem Bezug treten allerdings so häufig auf, daß man hier wohl von einer läßlichen Sünde sprechen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2015 um 04.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28459

Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Rahmen dieser Arbeit auf eine gendergerechte Formulierung verzichtet. Mit den maskulinen Bezeichnungen sind Frauen und Männern gleichermaßen gemeint. (Katharina Anderl: „Die satzinterne Majuskel als Grenzsignal im Dienste der Erfassungsfunktion“. Diplomarbeit Wien 2012)

Obwohl das gut und richtig und auch ein bißchen mutig ist, weil die österreichische Regierung diese Konzession an die Lesbarkeit ja verboten hat, bleibt ein Unbehagen. Die Forderung nach "Gendergerechtigkeit" wird grundsätzlich nicht in Frage gestellt, die Möglichkeit des generischen Maskulinums aber ebenfalls anerkannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2015 um 18.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28457

Die österreichische Diskussion um eine gendergerechte Steinigung war mit entgangen, und dann hielt ich die Meldung für einen vorgezogenen Aprilscherz, freilich von schlechtem Geschmack. Aber die österreichische Regierung kümmert sich tatsächlich um alles:

Schließlich weist auch die Durchführung der Steinigung selbst eindeutig Nachteile für Frauen auf, weil Männer nur bis zur Hüfte, Frauen hingegen bis zu den Schultern eingegraben werden. Dies ist bedeutend, weil im Falle des „Sich-Befreiens“ der (oder des) Verurteilten eine Begnadigung durchgesetzt werden kann. Dies ist bei Männern somit weitaus wahrscheinlicher. (Bundesministerin für Bildung und Frauen: Tradition und Gewalt an Frauen. Wien 2014)

Rein logisch gesehen ja richtig (soweit es sachlich zutrifft), aber jeder wird es so lesen, daß die Ministerin gleich tiefes Eingraben der Todeskandidaten fordert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2015 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28456

Im Berufsparcours sind viele Berufe vertreten, die eher technisch orientiert sind. Bei den Aufgaben wird darauf geachtet, dass sie gender- und migrationsgerecht sind. Migrationsgerecht ist eine Aufgabe dann, wenn sie ohne viele Sprachkenntnisse verstanden wird. "Gendergerecht heißt, dass die Firmen zum Beispiel darauf achten, Zangen bereitzustellen, die auch in die kleineren Frauen- und Mädchenhände passen", erklärt Karin Ressel. Ganz wichtig, wenn man weibliche Bewerber nicht vertreiben will: der Verzicht auf Styropor. "Das Quietschen von Styropor vertreibt alle Mädchen", sagt Ressel. RP online 23.3.15)

Danke für den Tip! Aber gibt es auch ein Geräusch, das Mädchen anlockt? Klappern von Stricknadeln? Babygeschrei?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2015 um 06.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28328

Gestern und vorgestern mit dem ICE durch Hannover gefahren. Die überwiegend jüngeren Leute, die wg. der CEBIT aus- und einsteigen, sind gefühlt zu 95 Prozent männlich. Frau Schwesig sollte mal mit der Frauenquote dreinfahren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2015 um 15.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28265

Wenn ich es recht verstanden habe, sollen Männer aufgrund ihres Geschlechts nicht nur bei gleicher Eignung, sondern sogar bei größerer Eignung zurückgesetzt werden. Im Hörfunk wurde berichtet, daß die Bundestagsabgeordneten nach dem Beschluß über die Frauenquote sich selbst minutenlang Beifall geklatscht haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2015 um 03.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28241

Ich habe die verwirrenden Statistiken zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz nur überflogen. Wenn ich recht verstehe, werden die meisten Fälle von den Belästigten gar nicht bemerkt, weil die Frauen z. B. das Zeitungsblatt an der Kantinenwand, das eine halb bekleidete Frau zeigt, nicht als sexuelle Belästigung empfinden, obwohl es nach dem Wortlaut einschlägiger Gesetze eine ist. Das ist ein interessanter Fall. Wir hatten schon mal den Linguisten-Beispielsatz, daß jemand "hinterhältig beleidigt" wird. Nun soll jemand belästigt werden können, ohne es zu bemerken, also gewissermaßen objektiv belästigt. Geht das? Die Marquise von O.... wurde vergewaltigt, ohne es zu bemerken. Aber belästigt wurde sie nicht, im Gegenteil.

(Man beachte, daß ich die Marquise mit vier Pünktchen versehen habe und nicht mit dreien wie Sembdner. Wikipedia widmet der Zahl der Pünktchen einen ganzen Absatz.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2015 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28225

Der SPIEGEL übertrifft sich mal wieder selbst. Einem zustimmenden Kommentar zum genannten Vorschlag der Familienministerin läßt er eine Umfrage folgen:

Sollten Gehälter transparent sein?
Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) will die Lohnstruktur in deutschen Unternehmen per Gesetz transparent machen. Wie finden Sie diese Idee?
– Ein überflüssiger und falscher Vorschlag. Wer gut verhandelt, darf auch mehr bekommen als seine Kollegen – und das geht niemanden an als ihn und den Chef.
– Ein überfälliges Gesetz – endlich wäre Schluss mit der Heimlichtuerei im Büro. Gleiche Arbeit muss gleich bezahlt werden – oder der Chef muss erklären, warum er Unterschiede macht.
– Hauptsache, ich verdiene genug – wer davon weiß, das ist mir egal.
– Um mir über solche Fragen Gedanken zu machen, bräuchte ich erstmal eine Arbeit.


(Spiegel 2.3.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2015 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28217

Die Bundesfamilienministerin (so etwas gibt es in Deutschland) bringt sich durch den Vorschlag in Erinnerung, alle Gehälter offenzulegen. Warum gerade die Familienministerin? Weil die Frauen sehen sollen, ob sie ebenso viel verdienen wie die Männer in vergleichbaren Positionen.
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 23.02.2015 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28177

Das Wichtigste ist für uns dabei, die Vorkommnisse, so weit dies irgend möglich ist, aufzuklären und so das Vertrauen in die taz zurückzugewinnen – bei LeserInnen, Interviewpartnern und Informanten ebenso wie unter den KollegInnen. (taz.de, 23.2.15)

- Warum aber nicht auch InterviewpartnerInnen und InformantInnen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2015 um 12.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28173

„Ich glaube nicht, dass die Ehe zwischen Männern oder Frauen gleichen Geschlechts derjenigen zwischen Mann und Frau gleichwertig ist.“ (Matthias Matussek)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2015 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28163

Seit einigen Tagen gehen Meldungen durch die Presse, wonach NRW per Gesetz die Umbenennung der Studentenwerke in Studierendenwerke durchsetzen will. An einigen Stellen wehrt man sich noch (auch wegen der Kosten) und sucht "nach einem neuen Namen, der das Geschlechter-Problem langfristig löst." Natürlich gibt es dieses Problem gar nicht. Thomas Paulwitz hat die Machtdemonstration treffend kommentiert: http://jungefreiheit.de/kolumne/2015/der-unfug-der-studierendenwerke/

Entweder hat man keine Sprachwissenschaftler gefragt oder nur solche, die auf dem Gender-Zug mitreisen. Wir kennen das von der Rechtschreibreform, die allerdings nicht in Gesetzesform gegossen worden ist, sondern sich mit Erlassen begnügte.

In der FAS weist Ulf von Rauchhaupt darauf hin, daß das lateinische studens, studentes schon beide Geschlechter bezeichne. Das wird nicht viel helfen, weil es im Deutschen eben die Student nicht gibt. Die Ideologinnen können es leicht zurückweisen.

Man kann damit rechnen, daß queere Personen aller Art nicht zufrieden sein werden. Sie wollen nicht mitgemeint, sondern ausdrücklich genannt sein, vgl. den Vorschlag Queerversity. Vielleicht geht das Unwesen an seiner eigenen Unersättlichkeit zugrunde, aber bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter, vorbei an mittelmäßigen, aber geschlechtergerechten Universitäten.
 
 

Kommentar von Einohrhase, verfaßt am 20.02.2015 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28143

In der Sendung "Maybrit Illner" von gestern (19.2.2015) sprach die Journalistin Margarita Tsomou von "Griechinnen" und meinte damit alle Griechen bzw. das griechische Volk. Ich hatte das schon während der Sendung so verstanden und habe mir ihre Aussagen heute nochmals in der Mediathek angehört. Sie sagt eindeutig "Für die Griechinnen hatte man das Gefühl, daß sie sich in einen Kampf schmeißen, um zu verteidigen die Zukunft von Generationen." Und sie wiederholt dies kurz darauf erneut und aus dem Zusammenhang ist erkennbar, daß es sich nicht ausschließlich um Frauen handelt. Es kann sich kaum um einen Versprecher handeln, denn die Dame spricht fließend deutsch.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 20.02.2015 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28141

Nicht ganz ungewöhnlich, wenn man seinen Ohren trauen darf, ist wohl auch die Rede von den "Kollegen und Kollegen". Ich erinnere mich, wie jemand schon vor einigen Jahren, nachdem er mechanisch mehrere -innen- und nicht-innen-Paare heruntergeleiert hatte, fortfuhr mit "den verschiedenen Gruppen und, –- ääh, ja...". Es hat nicht viel zu den "Gruppinnen" gefehlt. Oder man macht es wie eine einstige Kollegin, die immer eifrig den Innen-Stö ("Kolleg*innen") pflegte, so daß man geneigt war zu fragen, hat die Schluckauf?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2015 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28137

Die Kosten einer Griechenlandpleite müssen von den „Steuerzahlern und Steuerzahlern in Deutschland“ getragen werden, hörte ich gestern einen Politiker sagen. Eines davon sollte wohl feminin sein. Das Gendern ist Politikern aller Parteien in Fleisch und Blut übergegangen. Gibt es keine Ausnahmen? Was passiert denn, wenn einer nicht mitmacht und beispielsweise die bekannte Rolle des Steuerzahlers im generischen Maskulinum ausdrückt wie normale Menschen – von denen sich die Politiker auch in dieser Hinsicht entfernen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.02.2015 um 14.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28053

Es hört sich ja für mich ziemlich frech an, die "Schüler" einzuladen, wenn man eigentlich nur männliche Schüler haben will. Auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen, das generische Maskulinum müssen sogar sie gelegentlich verwenden, weil es manchmal gar nicht anders geht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2015 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28051

Unser Büro für Gender und Diversity wirbt nach dem Girls' Day nun auch wieder für den Boys' Day:

Sehr geehrte Professorinnen und Professoren,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
 
wir möchten Sie auf den diesjährigen Boys´Day am 23. April 2015, von 9.00-13.30 Uhr, mit dem Thema „Abenteuer Sprache und Kultur“ aufmerksam machen und würden uns sehr über die Teilnahme Ihrer Söhne freuen.

Die Schüler der Klassen 7 bis 11 der Schularten Realschule, Gymnasium und FOS/BOS sind herzlich zum Boys’Day an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) eingeladen. Die Veranstaltung wird gemeinsam von dem Diversity-Beauftragten der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie, dem Büro für Gender und Diversity und der Geschäftsstelle des Zentrums für Lehrerinnen- und Lehrerbildung organisiert.

Die Schüler haben an diesem Tag die Chance, sich im Rahmen eines Fächerparcours im sprachlich-kulturellen Bereich auszuprobieren, neue Erfahrungen zu sammeln und unbekannte Potenziale zu entdecken.
Eine breite Palette an Workshop-Angeboten bietet die Möglichkeit, spannende Themen aus den Studienfächern Anglistik/Amerikanistik, Romanistik, Deutsch als Zweitsprache und Psychologie kennenzulernen und interessante Themen und Fragestellungen zu erleben.
Ziel des Boys’Day ist es, interessante Studienperspektiven aufzuzeigen.


Ob es nicht sinnvoller wäre, beide Geschlechter für die MINT-Fächer zu interessieren? Oder geht es darum, die Männer von diesen aussichtsreicheren Berufen wegzulocken, damit Platz für Frauen geschaffen wird?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2015 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#28000

Noch einmal zur Apothekerin: Das wird sowieso allmählich ein Frauenberuf. Ich möchte aber noch auf die sonderbare Kommunikationssituation hinweisen, die in Apotheken entstanden ist. Früher schob ein verschämter Kunde einen Zettel über den Tisch, von dem der - nach Möglichkeit männliche - Apotheker den Wunsch nach Präservativen (oft in volkstümlicher Synonymik) ablesen konnte. Heute erörtern die Kunden mit den Apothekerinnen alle möglichen Leiden und lassen sich "beraten", und drei bis fünf Kunden hören gezwungenermaßen mit. In Bankfilialen und sogar am Fahrkartenschalter gibt es Diskretionsabstände, und was hinter der Tür zum Sprechzimmer des Arztes gesagt wird, hört man meistens auch nur sehr undeutlich.
Der eigentliche Schrecken liegt aber für den unfreiwilligen Zuhörer im Inhalt der apothekerlichen "Beratung". Am besten, man vergißt sein Studium, seine Schulbildung und den gesunden Menschenverstand. Kürzlich kam übrigens heraus, daß fast alle ApothekerInnen bei Erkältungen nicht etwa gar nichts (wie es geboten wäre), sondern ein und dasselbe Mittel empfahlen, wie es die Pharmafirma ihnen nahegebracht hatte.
Schwarze Schafe gibt es überall, aber gibt es auch weiße? Ich wundere mich immer wieder, wenn z. B. gleich gegen 10 000 Ärzte wegen Abrechnungsbetrug ermittelt wird, alles über dasselbe Großlabor. Als Privatpatient liest man auch staunend, was der Arzt bei einem kurzen Besuch alles gemacht haben will. Sogar die Terminvereinbarung wird als "telefonische Beratung" abgerechnet. Zahnärzte verdoppeln gern alle Beträge wegen "erhöhter Zungenmotilität", besonders bei Kindern. Widerlegen kann man so etwas nur sehr schlecht. Die vielen Kürzel und der ganze Jargon sind wieder mal sehr nützlich.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 20.01.2015 um 19.14 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27845

„Eine/r ist Zuhörer/in, der/die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen.“
Warum greift man denn in solchen Fällen nicht einfach auf den reichhaltigen Fundus des alten Bairisch zurück, das ja ohnehin die Grundlage der gesprochenen Sprache in Österreich ist? Das Bairische nämlich verwendet für solche Fälle ganz einfach das Neutrum. Dann würde der zitierte Passus folgendermaßen lauten:
"Eins ist Zuhörer, das andere Vorleser. Eins liest den Abschnitt vor, das andere faßt das Gehörte zusammen."
Aber wer weiß, womöglich wäre das den Genderfanatikern und Genderfanatikerinnen auch wieder nicht recht - plötzlich nur Neutrum zu sein ... Und dann sind da ja immer noch die männlichen Substantive im ersten Satz - schrecklich!
 
 

Kommentar von Die Presse, 12.01.2015, verfaßt am 20.01.2015 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27843

»"Genderwahnsinn" in Schulbüchern

Elternvertreter laufen Sturm gegen geschlechtergerechte Formulierungen in österreichischen Schulbüchern. Die Lesbarkeit müsse an erster Stelle stehen.

Von Bernadette Bayrhammer (Die Presse)

Wien. „Arbeitet zu zweit“, heißt es in einem Deutschbuch: „Eine/r ist Zuhörer/in, der/die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen.“ In den (neueren) österreichischen Schulbüchern wird auf geschlechtergerechte Sprache Wert gelegt – und zwar zu viel Wert, wie Elternvertreter finden.«

(weiter hier: http://diepresse.com/home/bildung/schule/4635964/Genderwahnsinn-in-Schulbuchern )
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2015 um 07.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27811

In den erwähnten Kerncurricula für die hessischen gymnasialen Oberstufenfächer kommen bemerkenswerterweise die "Schüler und Schülerinnen" nicht mehr vor, nicht einmal das Wort "Schüler"; es ist nur noch von "Lernenden" die Rede, der Singular wird vermieden. Diese zwanghafte Redeweise haben einige Seminarlehrer so verinnerlicht, daß sie Lehrprobenentwürfe kritisieren, die sich nicht daran halten. (Bericht eines Insiders)
 
 

Kommentar von Einohrhase, verfaßt am 15.01.2015 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27807

Die Volkshochschule Baar verschickt an ihre Dozenten, pardon Lehrenden, eine Information über das Semsterprogramm. Darin ist einerseits von "Lehrenden" und "Teilnehmenden" die Rede, andererseits wird auf eine "Teilnehmerliste" für die Kurse hingewiesen. Warum so inkonsequent? Warum nicht "Teilnehmendenliste"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2015 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27777

Die Mörder in Paris seien islamistische Terroristen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sie mit den Millionen friedlichen Muslima und Moslems in den europäischen Gesellschaften gleichgesetzt werden“, sagte Kolat.

Tja, die arabischen Pluräler und Vokäler!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2015 um 07.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27750

Texte wie der angeführte sind ja in hohem Grade voraussagbar, bis in den Wortlaut hinein. Wenn wir wissen, wer ihn geschrieben hat, wissen wir auch, was dabei herauskommt ("Erkenntnisinteresse" nannte man das vor längerer Zeit).
Als interessierter Mann, der die Frauen liebt, habe ich den Feminismus jahrzehntelang beobachtet, und eben wegen meines eigenen Essentialismus (na ja, auch Darwinismus) einen bestimmten Eindruck gewonnen. Die Feministinnen stehen gewissermaßen fassungslos vor der Tatsache, daß es immer noch Steinzeitfrauen gibt, die einen Mann und nichts anderes wollen, und zwar einen biologisch definierten, keinen sozial konstruierten (der auch eine Frau sein könnte und besser auch sein sollte, wegen der Machtverhältnisse und so). Sie wollen sich sogar – jetzt kommt etwas ganz Schreckliches – ab und zu diesem Ungeheuer "hingeben", ja sogar ein Kind von ihm!
In der Verurteilung solcher Atavismen ist man sich ziemlich einig und spart nicht an gelehrten Worten. Wenn man dies weiß, können an sich öde Abhandlungen wieder richtig vergnüglich zu lesen sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2015 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27748

Cornelia Koppetsch, Professorin für Geschlechterverhältnisse, läßt auch in ihren empirischen Arbeiten keinen Zweifel daran, daß sie den „Essentialismus“ in der Sexualität für überholt hält. Grammatisch falsch, aber inhaltlich eindeutig vertritt sie eine feministische, gegen die vermeintlich naturgegebene Heterosexualität gerichtete „Soziologie“:

Während über die Arbeitsteilung im Haushalt, wie auch über das Geldverdienen und die Erwerbsarbeit verhandelt werden kann (und muss), wird Weiblichkeit und Männlichkeit in der Sexualität vor allem von den individualisierten Frauen (hier am Beispiel von Kerstin und Anne) als etwas Wesenhaftes, Essentielles, erlebt. Beide Paare reproduzieren damit populäre (heteronormative) Sichtweisen, wonach die "naturgegebene" gegengeschlechtliche Sexualität ein wesentlicher Kern der Identität von Frauen und Männern darstellt.
Selbstverständlich ist der lebensweltlichen Essentialismus unterschwellig auch in vielen sozialwissenschaftlichen Studien enthalten. Der Beitrag sollte demgegenüber deutlich gemacht haben, dass Sexualität als eine zutiefst soziale Praxis zu verstehen ist, die Geschlechterverhältnisse, je nach Kontext, mit unterschiedlichen Bedeutung anreichert und symbolisiert. Wir betrachten (Hetero- )Sexualität in unserer Studie daher nicht als Folge der erotischen Attraktion zweier Geschlechter, sondern fragen danach, welchen Beitrag sexuelle Praxis zur Symbolisierung, Hervorbringung und Stabilisierung oder möglicherweise auch zur Verunsicherung von Weiblichkeit und Männlichkeit in Paarbeziehungen leistet.


www.fk12.tu-dortmund.de/cms/ISO/de/soziologie/soziologie_der_geschlechterverhaeltnisse/Medienpool/AIM_2013_Tagung/Koppetsch_Speck_Sexualitaet_in_heterosexuellen_Paarbeziehungen.pdf
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 30.12.2014 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27656

Wieder einmal war heute jemand im Radio zu hören, der feststellte, irgendetwas gelte "für jedermann und jede Frau". Merken die Leute denn gar nichts?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2014 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27471

Pinkers Buch habe ich inzwischen bei Amazon rezensiert. Vom Kauf würde ich abraten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2014 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27469

Pinkers neues Buch "The sense of style" ist immerhin ein Stilratgeber.

Fußnote zu Kap. 2:
"To avoid the awkwardness of strings of he or she, I have borrowed a convention from linguistics and will consistently refer to a generic writer of one sex and a generic reader of the other. The male gender won the coin toss, and will represent the writer in this chapter; the roles will alternate in subsequent ones."
Unter dem 3. Kapitel erinnert eine Fußnote: „In this chapter, it's the female gender's turn to be the generic writer.“

Das hat mit dem Text nichts zu tun und bezeugt bloß die Politische Korrektheit des Verfassers.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2014 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27438

Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird im Folgenden immer die generische maskuline Form gewählt. Es sind jedoch immer beide Geschlechter gemeint, wenn von Schülern oder Lehrenden gesprochen wird.

Das ist zwar immer noch besser als das Gendern, aber trotzdem fühle ich mich jedesmal veralbert. Für wie blöd hält man den Leser? Abgesehen von der peinlichen Geducktheit des Verfassers, der glaubt, sich für eine Selbstverständlichkeit entschuldigen zu müssen.
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 23.11.2014 um 19.54 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27422

Man sollte auch alle Missetaten von IS und anderen Übeltätern begrüßen, denn so bleibt das Interesse an den Menschenrechten erhalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2014 um 16.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27420

"Die Forderung nach gendergerechten Begriffen mag anstrengend und komisch sein. Aber immerhin hält sie das Interesse an Sprache wach, meint Peter Praschl "

Praschl windet und witzelt sich dann durch das Thema.

"Deswegen sollte man jede neue Wendung in der Debatte über gendergerechte Sprache vorbehaltlos begrüßen. Sie hält das Interesse am Sprachlichen verlässlich wach (mit der neuen Rechtschreibung haben sich mittlerweile ja alle abgefunden), sie sorgt für Leidenschaft und bestätigt jeden, der an ihr teilnimmt, darin, dass er recht hat, aber so was von. In welchen anderen öffentlichen Auseinandersetzungen hat man das alles schon?" (WamS 23.11.14)

Praschl meint offenbar, weil er sich mit der Reform abgefunden hat, hätten sich alle mit ihr abgefunden. So denken diese Journalisten eben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2014 um 06.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27314

Der Text des Bundespresseamtes, den Herr Metz anführt (siehe hier), zeigt noch einmal sehr schön, unter welchen Sonderbedingungen die radikalen Opportunisten ihre sprachlichen Eingriffe vornehmen können. Solche Texte werden nicht gekauft und brauchen nicht gelesen zu werden; die dienen nicht der Kommunikation.
Vor 30 Jahren, in den großen Zeiten von Pusch u. a., hieß es schon, kein Opfer an Verständlichkeit sei zu groß, um das Unrecht wiedergutzumachen, das die Sprache bisher an den Frauen verübt hat. Zwar sind die Menschen im Alltag und ebenso natürlich die Zeitungen nicht auf diesen Zug gesprungen, aber der Marsch durch die Institutionen war erfolgreich. Und so haben wir eine Sprachspaltung, die den amtlichen Text von der Allgemeinsprache noch stärker absondert, als es bisher schon unvermeidlich war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2014 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27309

"Rentenbeziehende" – das scheint eine Schweizer Spezialität zu sein. Google fragt noch nach: "Meinten Sie Rentenbezieher?"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2014 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27289

Gerade wundere ich mich über das Wort Hausmannskost. Wikipedia zitiert aus dem Deutschen Wörterbuch: „Nahrung wie sie ein Hausvater gewöhnlich für sich und die Seinigen bereiten läszt“. Es sind also wohl die Frauen, die die Hausmannskost zubereiten.
Die weiteren Angaben sind durchaus nicht verkehrt, aber es ist doch erstaunlich, wie unbestimmt sie notwendigerweise bleiben. Was heißt eigentlich deftig usw.? Wir alle wissen es, solange uns niemand danach fragt... (Übrigens entspricht Pater familias nicht der Reformschreibung.) Am Ende wird noch ein Blick auf die gutbürgerliche Küche geworfen, die ähnlich vage definiert ist. Ich habe schon als Kind auf den Schildern der Gasthäuser diesen Ausdruck gelesen und assoziiere ihn seither mit dem nicht gerade anziehenden Einheitsgeruch aus Speck und Zwiebeln und Kohl, der früher die Straßen durchzog, bevor Pizza und Döner die Herrschaft übernahmen (außer auf den Dörfern).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2014 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27284

Die sprachliche Gleichstellung der Geschlechter mag ja wichtig sein, räumen die Steuerzahler ein - Geld sollte es aber nicht kosten. Die von der grün-roten Landesregierung beschlossene Umbenennung der acht Studentenwerke im Südwesten in Studierendenwerke koste horrende Summen. So müsse neues Briefpapier beschafft werden. Und auch Broschüren, Onlineauftritte, Stempel und sogar die Bekleidung der Beschäftigten mit entsprechender Beschriftung müssen umfirmiert werden. Laut Steuerzahlerbund rechnet das Studierendenwerk Mannheim mit Kosten von bis zu 50 000 Euro, das Heidelberger mit 60 000 Euro und das Karlsruher sogar mit 120 000 Euro und rund 3000 Arbeitsstunden. «Gendern» muss nicht teuer sein, heißt es hingegen beim Wissenschaftsministerium. Zumindest «mit gesundem Menschenverstand». So könne man altes Briefpapier ja auch erst mal aufbrauchen. Grundsätzlich sei die Sprachanpassung aber wichtig. (Südkurier 7.10.14)

Stellen Sie sich ein Wissenschaftsministerium vor, das es "wichtig" findet, die Studentenwerke in Studierendenwerke umzubenennen! Nein, das kann man sich nicht vorstellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2014 um 07.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27233

Der Apple-Chef ist stolz darauf, homosexuell zu sein. Damit verurteilt er alle Heterosexuellen, aber der "Stern" scheint es nicht bemerkt zu haben, regt sich diesmal jedenfalls nicht auf.
Ein CDU-Abgeordneter muß auf Druck von allen Seiten seine Äußerung zurücknehmen, Homosexualität sei nicht "normal". Denken darf er es noch, aber nicht sagen. Im Katechismus der Katholischen Kirche steht es zwar auch, aber ohne das böse Wort "normal", von dem auch die Dudenredaktion abrät, weil es impliziere, daß irgend etwas nicht normal sein könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2014 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27206

Das werden sich die Leser auch fragen, aber manche Medien liegen eben immer auf der Lauer, ob nicht irgendwo ein Anlaß zu finden ist, die (vermutete) Empörungsbereitschaft der Leute zu entfesseln. Denken wir an den "inneren Reichsparteitag" und ähnliche Nichtigkeiten. Die unangenehme Folge ist, daß man kaum noch den Mund aufmachen kann, ohne über denselben gefahren zu werden. Der trostreiche Gedanke, daß solcher Unsinn auch schnell wieder verfliegt, macht es sich leider wohl etwas zu einfach.
Würde ich äußern, ich sei froh, kein Hund zu sein, kriegte ich etwas über "Speziesismus" zu hören. Das scheint im Augenblick noch etwas weit hergeholt, aber die Kämpfer für Tierrechte schlafen auch nicht.
Auf manchen Gebieten, vor allem Religionskritik, merken wir schon gar nicht mehr, daß in den Medien die Rücksichtnahme bis zur Tabuisierung fortgeschritten ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 30.10.2014 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27204

Was Lawrence sagen will, ist klar – Wozu dann die Aufregung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2014 um 14.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27203

Das hochmoralische Blatt "Stern" schreibt:

Sie ist eines der berühmtesten Opfer des Nacktfoto-Skandals, doch durch einen gedankenlosen Spruch verspielt sich Jennifer Lawrence derzeit die Sympathien. Nicht nur bei intersexuellen Menschen.
(...)
In der Oktober-Ausgabe der "Vanity Fair" nimmt sie ausführlich Stellung zu ihrer gehackten Privatsphäre. Leider lässt sich die 24-Jährige zu folgendem Satz hinreißen: "Es hätte schlimmer sein können. Wenigstens bin ich kein Hermaphrodit. Dann wäre ich geoutet worden - Jennifer Lawrence, Hermaphrodit!"
Erst den Verstand einschalten!
Was Lawrence sagen will, ist klar: Gäbe es an ihrer Nacktheit etwas zu entdecken, mehr als nur nackte Brüste und einen nackten Po, hätten die Fotos ihre Privatsphäre auf noch ganz andere Weise zerstört. Sie hätten ein Geheimnis gelüftet.
Was Lawrence aber leider sagt, ist, dass sie zum Glück nicht intersexuell ist. Und nicht die äußeren Geschlechtsteile eines Hermaphroditen besitzt. Und damit verurteilt sie Menschen mit nicht eindeutigem Geschlecht.


Ich bin recht froh, daß ich nicht behindert bin. (Jetzt habe ich alle Behinderten verurteilt.) Frauen haben es auch schwer; ich bin froh, daß ich keine bin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2014 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#27179

Wanka hat den zwölften "Studierendensurvey" vorgestellt. "Survey" ist kein Deutsch, und "Studierende" ist auch kein Deutsch. In den Presseberichten ist meistens von "Studenten" die Rede. Zumindest das wird also automatisch repariert. Die Amtssprache wird immer mehr zur Sondersprache.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2014 um 07.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26900

In der Beschreibung des Yoga-Kurses (der nicht gerade billig ist, aber von der Krankenkasse bezahlt werden kann) heißt es: „Spezielle Atemübungen dienen z.B. der Reinigung und der Energieaufladung.“ Usw. Das beweist den esoterischen Charakter dieser Veranstaltung.

"Heute praktizieren mindestens drei Millionen Menschen in Deutschland Yoga, darunter etwa achtzig Prozent Frauen." (Wikipedia)

Nichts gegen Gymnastik, unter welchem Namen auch immer, aber die philosophischen Texte dazu sind indiskutabel. An meiner Universität in Indien haben sehr viele Studentinnen an Yoga-Kursen teilgenommen, das war so ähnlich wie Judo für Jungen.
 
 

Kommentar von Frank Daubner, verfaßt am 30.09.2014 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26892

Auf der "Frauenvollversammlung für Uni-Beschäftigte" der Stuttgarter Universität, zu der auch alle männlichen Beschäftigten eine Einladungsmail erhielten (man soll sich also wohl selbst entscheiden dürfen?), referiert die Lach-Yogatrainerin Claudia Lippkau über das Thema "Heiter und beschwingt in den Arbeitsalltag". Organisiert wird die Veranstaltung natürlich durch die Beauftragte für Chancengleichheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2014 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26888

Hatha-Yoga ist ein weiterer Schritt in die Esoterik. Sie kann sich an der Universität breitmachen, weil niemand, nicht einmal der Rektor (oder der am allerwenigsten) es wagen wird, sich mit dem Gender-Büro anzulegen. Es ist wie das Heilige Offizium. Man möchte ja nicht selbst ein Verfahren wegen Ketzerei an den Hals bekommen. Darum kann diese immer großzügiger ausgestattete Einrichtung auch niemals mehr abgeschafft werden. Man sieht ja auch, wie sie sich immer neue Aufgaben sucht. Benachteiligung von Frauen zu verhindern war gestern.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 29.09.2014 um 11.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26885

... und den üblichen Kommafehler haben die den Text geschrieben Habenden auch wieder eingebaut bzw. irgendwo dümmlich abgeschrieben. Aber Kommas vor "und" wurden ja eh endlich abgeschafft, soviel haben wir kapiert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.09.2014 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26884

Das "Büro für Gender und Diversity" unserer Universität bietet nun auch Hatha-Yoga-Kurse an. Die Einladung zum neuen Programm beginnt so:

Sehr geehrte Dozierende, wissenschaftliche Mitarbeitende und Studierende
der FAU,
ab dem Wintersemester 2014/15 finden die Veranstaltungen des Büros für
Gender und Diversity in einem neuen Format unter dem Namen
„Kompetenzentwicklungsprogramm“ statt.


Wie man sieht, schlägt die "Kompetenz"-Orientierung nun auch auf die Phraseologie der Diversitäts-Gehirnwäscherei durch. Paßt zum Deutsch der Sprachverhunzenden.

Wir hoffen, Ihr Interesse geweckt zu haben und freuen uns über viele
Teilnehmende.


Wie viele Lesende werden hier zu Fremdschämenden?

Man sieht hier exemplarisch, wie ganze Organisationen, weil niemand sich wehrt, in die Hände radikaler Sekten fallen können.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.07.2014 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26411

Jedes Jahr zu Weihnachten kann man sehen, daß auch Tauben lesen können, nämlich die Erbsen für Aschenbrödel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2014 um 18.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26402

Vor vielen Jahren erschien in der Süddeutschen Zeitung eine Karikatur aus zwei Teilen

Ein Mann räumt auf. (Man sieht einen Revolverhelden in den Western-Saloon kommen und für Ordnung sorgen.)
Eine Frau räumt auf. (Man sieht eine Hausfrau aufräumen.)

-
Ebenso unkorrekt ist folgendes:

auf die Straße gehen 1. (männlich oder neutral) an einer Demonstration teilnehmen; 2. (weiblich) auf den Straßenstrich gehen.

Früher hat man an Deutschbüchern die Klischees kritisiert: Vater liest die Zeitung - Mutter liest Erbsen.

Das muß noch länger her sein, denn wann haben Sie zum letztenmal Erbsen gelesen? Unsere Kinder wissen wahrscheinlich gar nicht mehr, was das sein soll.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 22.07.2014 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26378

Durch eine Sendung heute morgen von PHOENIX über die französische Atlantikküste habe ich gelernt, daß in den dortigen Salzgärten nicht nur Salzgärtner, sondern auch Salzgärtnerinnen arbeiten.
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 15.07.2014 um 18.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26340

In Österreich regt sich Widerstand gegen das, was die Politik sich unter geschlechtergerechter Sprache vorstellt:

http://derstandard.at/2000003059367/Neuer-Kampf-um-eine-gendergerechte-Sprache
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2014 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26287

Gender wächst und gedeiht. Unsere Erlanger Universität rühmt sich in einem Rundbrief (der natürlich nicht so heißt) gleich sechs ausgezeichneter Gleichstellungsprojekte, verweist auch auf Auswärtiges, z. B. die Angela Davis Gastprofessur am Cornelia Goethe Centrum der Goethe-Universität Frankfurt.

Das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC) – die Schreibweise erinnert an das Bertelsmann-CHE - stellt sich selbst vor. Die Biographie Cornelia Goethes – sprachlich unbeholfen und grammatisch falsch – ist teilweise von Pusch übernommen.
Angela Davis war die Schutzheilige der DDR, natürlich nicht wegen ihrer lesbischen Veranlagung, die sie für das Cornelia Goethe Centrum attraktiv macht.

Rückschau auf die Angela Davis-Gastprofessur
Das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse hat zu Beginn des Wintersemesters 2013/2014 die Angela Davis-Gastprofessur für internationale Gender und Diversity Studies eingerichtet. Sie dient der Förderung internationaler und interdisziplinärer Zusammenarbeit im Bereich Gender und Diversity.
Die Namensgeberin, Prof. Angela Davis, em. Professorin der University of California, Santa Cruz gilt als richtungsweisend für die weltweit geführte Race-Class-Gender-Debatte und als Wegbereiterin aktueller, kritischer Diskurse innerhalb der Gender und Diversity Studies. Ihre Perspektive auf sich überlagernde Formen der Ungleichheit auf Grund von Geschlecht, Ethnizität und Klasse ist als Triple Oppression oder aktuell – als Intersektionalitätsansatz – in die sozialwissenschaftliche Theoriebildung eingegangen.
Als erste Inhaberin der Gastprofessur war Prof. Davis vom 3. – 12. Dezember 2013 am Cornelia Goethe Centrum zu Gast. Nach dem erfolgreichen Auftakt wird die Gastprofessur Ende 2014 fortgesetzt und künftig einmal im Jahr mit einer international renommierten Frauen- und Geschlechterforscher_in besetzt.


Triple oppression ist natürlich ein sehr breites Dach.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.06.2014 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26144

Der Wikipedia-Eintrag zu "Abstraktum" gehört zu den völlig wertlosen, was bei einem so geläufigen Stichwort etwas überrascht. Ich zitiere etwas vom Ende:

Ein Abstraktum kann wie ein Hilfsmittel eingesetzt werden: Es wird verwendet, so lange man es zu einem bestimmten Zweck benötigt, zum Beispiel, bestehende Verhältnisse neu zu betrachten. In diesem Sinne sieht Hanna Meißner die Funktion von Abstrakta:

„[B]egriffliche Abstrakta [sind] sinnvoll, um eine analytische Rekonstruktion von den je historischen Dispositiven oder Apparaten zu ermöglichen, die gestaltet werden könnten, um andere Beugungen zu erzeugen, andere Materialisierungen zu ermöglichen.“
– Hanna Meißner, 2013.[1]

Einzelnachweise
1.Hanna Meißner, Feministische Gesellschaftskritik als onto-epistemo-logisches Projekt, in: Corinna Bath, Hanna Meißner, Stephan Trinkhaus, Susanne Völker (Hg.): Geschlechter Interferenzen: Wissensformen - Subjektivierungsweisen - Materialisierungen. Berlin/ Münster: Lit, 2013, S. 163-208, Zitat S. 198-199. ISBN 978-3-643-10904-0


Die Namen führen in den feministischen Sumpf, wo er am tiefsten ist. Schon die Sprache ist hoffnungslos: Rekonstruktion von den je historischen Dispositiven usw.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 16.06.2014 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26064

Wenn ich mich nicht irre, wird das Wort "Vorstand" in Deutschland als Kollektivum aufgefaßt. Angesichts der vielen staatlichen, kirchlichen und sonstigen Bürokratien wäre es zwar durchaus möglich, daß sich auch eine Aufgabenbeschreibung bzw. Amtsbezeichnung mit dem Titel "Vorstand" fände, aber der erwähnte Fall scheint ein spezifisch österreichischer zu sein. Das deutsche Äquivalent wäre wohl das reichlich antiquiert wirkende "Vorsteher".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2014 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26062

"Vorstand" ist ein grammatisch maskuliner Funktionsbegriff, der auch auf den Funktionsträger angewandt wird. Man könnte Wörter wie "Wachposten" vergleichen, wo es aber auch schon vereinzelt feminine Formen gibt, meist noch ohne Umlaut.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2014 um 18.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#26056

Österreich ist bekanntlich führend:

Landesschulrat für Tirol: Ausschreibung der Stelle einer Fachvorständin/eines Fachvorstandes an der Höheren Bundeslehranstalt für Tourismus, 6280 Zell am Ziller, Schwimmbadweg 4 BMUKK-618/0011-III/5/2013

Der/Die Institutsvorstand/ständin bzw. Abteilungsleiter/in wird per E-Mail darüber informiert, dass eine oder mehrere LVs zur Unterschrift vorliegen. (Wirtschaftsuniversität Wien)

Die Dekanin der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät und die Vorständin des Instituts für Zeitgeschichte laden ein zur Buchpräsentation von Prof. Dr. Jörn Leonhard Die Büchse der Pandora: Geschichte des Ersten Weltkrieges am 11.Juni 2014, 18.00-19.30 Uhr, Alte Kapelle, Universität Wien, AAKH Campus

(und viele weitere Belege)

Die Vorständin war hier schon erwähnt: www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#9430
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2014 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25973

Die FAZ (6.6.14) berichtet ausführlich über die Rückgabe von Kykladen-Raubkunst an Griechenland. Dabei behandelt die Verfasserin "Kykladen" durchgehend als Namen der Bevölkerung, am Ende ist sogar von einer "marmornen Kykladin" die Rede.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.06.2014 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25948

Richtig, aber das begreift heute auch keine(r) mehr. So heißt z. B. eine Bundesbehörde griffigerweise »Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik«, aber als eine Frau dieser überflüssigen Einrichtung vorstand, wurden natürlich gleich die Schilder ausgewechselt.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 03.06.2014 um 14.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25947

Dabei sind Aufgabenträger und Rechtsträger ja nicht einmal Personen, sondern Behörden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2014 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25943

Das Grundgesetz ist amtlich, soviel ich weiß, noch nicht geschlechtergerecht umgeschrieben, aber es gibt Entwürfe, z. B. hier: https://sites.google.com/site/geschlechtergerechtesgg/geschlechtergerechtes-gg

Textproben:

Niemand darf ihrer oder seiner gesetzlichen Richterin oder ihrem oder seinem gesetzlichen Richter entzogen werden.

Soweit Mittelbehörden eingerichtet sind, werden deren Leitenden (!) im Benehmen mit den Landesregierungen bestellt.

Frühere deutsche Staatsangehörige, denen zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 die Staatsangehörigkeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen worden ist, und ihre Abstammenden sind auf Antrag wieder deutsche Bürgerinnen und Bürger.

Menschen auf der Flucht (= Flüchtling)

Soweit es nach seiner ursprünglichen Zweckbestimmung überwiegend für Verwaltungsaufgaben bestimmt war, die nach diesem Grundgesetze nicht Verwaltungsaufgaben des Bundes sind, ist es unentgeltlich auf die nunmehr zuständigen Aufgabentragenden und, soweit es nach seiner gegenwärtigen, nicht nur vorübergehenden Benutzung Verwaltungsaufgaben dient, die nach diesem Grundgesetze nunmehr von den Ländern zu erfüllen sind, auf die Länder zu übertragen.

Verbindlichkeiten des Bundes oder anderer Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts, welche mit dem Übergang von Vermögenswerten nach Artikel 89, 90, 134 und 135 im Zusammenhang stehen, und Verbindlichkeiten dieser Rechtstragenden, die auf Maßnahmen der in Nummer 1 bezeichneten Rechtstragenden beruhen, ...

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2014 um 04.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25925

Ich bin untröstlich, daß einige Frauen unter meinen Freunden (zum Glück nicht viele) die Verwendung des unpersönlichen männlichen Pronomens so auffassen, als wollte ich die Frauen damit ausschließen. Wenn wirklich jemand ausgeschlossen werden müßte (glücklicherweise ist dies nicht der Fall), dann würde ich, glaube ich, eher die Männer ausschließen; als ich aber einmal versuchsweise meinen abstrakten Leser als »sie« ansprach, rügte mich eine Feministin wegen gönnerhafter Herablassung: »er-oder-sie« und »sein-oder-ihr« sollte ich sagen. Das fällt dem leicht, dem die Sprache gleichgültig ist; wem aber die Sprache gleichgültig ist, der verdient auch keine Leser, gleich, welchen Geschlechts. In diesem Buch bin ich nun zum normalen, traditionellen Gebrauch der Pronomen zurückgekehrt. Ich spreche den »Leser« mit »er« an, aber ich denke mir meine Leser ebensowenig spezifisch männlichen Geschlechts, wie sich ein französischer Redner einen Tisch als weiblich vorstellt. Ich glaube sogar, ich stelle mir meine Leser häufiger weiblich vor als männlich, aber das ist meine persönliche Angelegenheit, und ich fände es schlimm, wenn derartige Überlegungen den Umgang mit meiner Muttersprache beeinflussen würden.
(Richard Dawkins: Der blinde Uhrmacher, Vorwort)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2014 um 11.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25825

„Viele Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sowie Mieterinnen und Mieter lassen sich inzwischen beraten und sichern ihre Häuser und Wohnungen“, erklärte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2013. Auch die Nachbarschaft sei aufmerksam und trage oft dazu bei, dass Täter häufiger als früher bei ihren Taten gestört würden. (Focus.de 15.5.14)

Fehlt da nicht was? Allerdings sagt die Kriminalstatistik, daß der typische Einbrecher männlich ist. (Es sind auch überproportional viele Ausländer darunter, aber das wird nicht direkt gesagt, sondern in der Angabe versteckt, daß bandenmäßige Einbruchsdiebstähle "in Grenznähe" besonders häufig vorkommen.)

Die gedrechselte Ausdrucksweise des politisch korrekten Senators wird im Deutschen niemals allgemein üblich werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2014 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25793

Mag die Wissenschaft diskutieren - die Bundeszentrale für politische Bildung schafft Tatsachen. Gender mainstreaming ist kein Diskussionsgegenstand mehr, sondern schlicht ein selbstverständlicher Auftrag:

"Da das Prinzip Gender Mainstreaming sowohl auf unsere Institution als auch auf unser Handlungsfeld angewandt werden soll, sind unsere Zielgruppen:
- Alle Beschäftigten der Bundeszentrale für politische Bildung
(insbesondere die Leitung, die Fachbereichsleitungen, die Gender Mainstreaming - Beauftragten, die Projektgruppen, die Personalabteilung)
- die Kooperationspartner
(insbesondere die freien Träger, die Landeszentralen für politische Bildung Autorinnen und Autoren, Referentinnen und Referenten etc.)
- Die Zielgruppen der BpB
(insbesondere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und Meinungsführende)"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2014 um 08.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25779

Der Text (s.http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25775) endet so:

Diskriminierungen sind nicht vor allem Angelegenheit von Diskriminierten, sondern eine gesamtgesellschaftliche Struktur und als solche eine Verantwortung vor allem dixjeniger, dix privilegiert sind, ihr_e Privilegien sozial verantwortlich gegen Diskriminierungen einzusetzen.
Und – sich Sprachhandlungen (wieder) anzueignen, Neues auszuprobieren, genau hinzuhören, schafft viele neue Kommunikationen, ist eine herausfordernde Form, politisch aktiv zu sein, erweitert die eigene Wahrnehmung immer wieder und fortdauernd – und macht einfach sehr viel Spaß
]

Der Staat gibt soviel Geld aus, warum soll er nicht auch diesen "Spaß" noch bezahlen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2014 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25778

IFLA-ETHIKKODEX FÜR BIBLIOTHEKARINNEN(1) UND ANDERE IM INFORMATIONSSEKTOR BESCHÄFTIGTE

(1) Ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird hier das generische Femininum verwendet. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass Frauen in bibliothekarischen Berufen deutlich in der Mehrheit sind. Männliche Berufsangehörige sollen dadurch nicht diskriminiert werden, sondern sind selbstverständlich mitgemeint. In anderen Fällen („Nutzer“) wird in gleichem Sinne das generische Maskulinum eingesetzt.
(http://go.b-u-b.de/19)
 
 

Kommentar von Abel Ickler, verfaßt am 05.05.2014 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25775

Ableismus, ableisiert, disableisiert: Ableismus ist das strukturelle Diskriminierungsverhältnis, das Nicht/beHinderung bzw. Dis/Ableisierung konstruiert. Personen, die in einer Gesellschaft nicht-beHindert sind, sind ableisiert.
(http://feministisch-sprachhandeln.org/wp-content/uploads/2014/03/onlineversion_sprachleitfaden_hu-berlin_2014_ag-feministisch-sprachhandeln.pdf)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2014 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25703

Wenn es für "Migrationshintergrund" ein handlicheres Wort gäbe, könnte man ein Migrationshintergrundsmainstreaming in Erwägung ziehen. Es beträfe allerdings nicht nur Frauen und könnte insofern das Thema Gender allmählich verdrängen. Der andere Weg, also die bisher geübte immer weiter gehende Spezialisierung (behinderte muslimische Lesbierin usw.), scheint mir weniger zukunftsweisend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2014 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25666

Die Gleichstellungsstelle der Universität ist nun wirklich über "Frauenbeauftragte" hinausgewachsen. Sie gewinnt der Ungleichheit immer neue Aufgabenfelder ab:

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

im kommenden Sommersemester 2014 bietet das Büro für Gender und Diversity/Kontakt- und Kompetenzstelle Interkultur

eine Veranstaltungsreihe an zum Thema:

„Internationalität und Chancengerechtigkeit in der Wissenschaft –
Karrierewege und Aufstiegsmöglichkeiten für Nachwuchswissenschaftlerinnen mit und ohne Migrationshintergrund“

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2014 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25560


Kretschmann hat mit LSBTTI-Menschen gesprochen, „also Menschen mit einer lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender- oder intersexuellen Identität“. Damit dürften die Möglichkeiten der Differenzierung noch nicht ausgeschöpft sein, nicht einmal auf sexuellem Gebiet. Weitere Interessengruppen werden sich finden. Daß Politiker, wo es um die Lehrpläne für Schulen geht, sich genötigt fühlen, mit all diesen Leuten zu verhandeln, ist ein Zeichen fortschreitender Verblödung unserer Gesellschaft.

Es ist auch unklug. Wie die Jugend nun mal ist, kann es nicht ausbleiben, daß das Gender-Mainstreaming irgendwann den wohlmeindenden, wenn auch heuchlerischen Politikern um die Ohren fliegt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2014 um 06.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25424

In der FAZ vom 19.3.14 steht ein Zweispalter der Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg, Theresia Bauer. Der Text ist fast lückenlos gegendert. In einer Umgebung, die durchweg das generische Maskulinum verwendet, wirkt das wie eine Sondersprache, zugleich penetrant belehrend und moralisierend.

Der Beitrag verteidigt die Freiheit der Wissenschaft, aber es kann durchaus schon eine Direktive geben, die den "geschlechtergerechten" Sprachgebrauch auch im Hochschulwesen zur Pflicht macht. Wenn die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit mit der politischen Korrektheit konkurriert, dürfte der Sieger (Pardon: die Siegerin) feststehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2014 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25296

Durch die amerikanische und dann auch deutsche Presse geisterte kürzlich der Brief einer Siebenjährigen an die Firma Lego mit der Bitte, mehr Mädchenfiguren anzubieten. Einem Leserbriefschreiber fiel auf, daß der Text von einer Genderforscherin ins Netz gestellt worden war, andere vermuteten ein Fake, entweder vom Vater des Mädchens angefertigt oder überhaupt eine Fiktion.
Der an verschiedenen Stellen abgebildete Text
(http://www.spiegel.de/fotostrecke/genderdebatte-siebenjaehrige-schreibt-beschwerde-brief-an-lego-fotostrecke-110681.html)
erinnert mich in der Tat an jene nachgemachten Kindertexte, die z. B. als Belege für Rechtschreibkatastrophen präsentiert werden. Ich nehme an, daß es sich um eine verstellte Erwachsenenschrift handelt. Allenfalls könnte das Kind einen vom Vater orthographisch korrekt niedergeschriebenen Text kopiert haben, aber soweit ich es erkennen kann, sind die Buchstaben bei aller Unregelmäßigkeit viel zu routiniert, die Krakeligkeit wirkt künstlich und stimmt nicht mit dem sonstigen Niveau überein.
Zutreffend auch der Hinweis zahlreicher Leser, daß Siebenjährige kaum von sich aus aufs Gendern verfallen.
Eigentlich wollte ich nur die Amazonin erwähnen, die im SPIEGEL-Text vorkommt. Das ist doppelt gemoppelt, wie die bekanntere Diakonissin. Suffixverdoppelungen hatten wir ja schon beim Afrikaner, wo dem lateinischen Suffix zwecks Verdeutlichung noch ein deutsches hinzugefügt ist.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.02.2014 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25246

Genaueres zur frühchristlichen Missionierung Mitteleuropas findet man bei wikipedia unter dem Suchbegriff "Iroschottische Kirche".
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 24.02.2014 um 18.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25244

Übrigens "steht aber so nicht bei Johannes." So ganz neu ist dieser Umgang mit den Heiligen Texten ja nicht. Wenn bei Markus klipp und klar steht adelphoi, hatte die katholische Kirche auch keine Hemmungen, das mit "Vettern" zu übersetzen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf!

 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 24.02.2014 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25243

In frühchristlicher Zeit "wurden auch ägyptische Missionare und Missionarinnen in alle Welt gesandt, nach Irland, in die Gebiete der Niederlande, Schweiz, Sudan und Äthiopien." Stimmt das eigentlich?
Die Frage ist falsch! Wenn es nicht stimmt (u.a. die Schweiz in frühchristlicher Zeit!), umso schlimmer für die Wirklichkeit!

Aber die Wirklichkeit überholt wieder mal die Satire: In einem Anzeigenblatt erschien jetzt ein als Artikel getarnter Werbebeitrag von Galeria Kaufhof. Darin heißt es tatsächlich: "Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiter freuen sich..."

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2014 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25241

Demnächst ist wieder der Weltgebetstag der Frauen. Es gibt eine offizielle Broschüre mit der Gottesdienstordnung - scharf gegendert. Eine Lesung aus dem Johannes-Evangelium ist abgedruckt, aus der "Bibel in gerechter Sprache". Es ist also gegen den griechischen Wortlaut von Samaritanerinnen und Samaritanern die Rede. Das Heil kommt nicht von den Juden, sondern aus dem Judentum. Seine Jünger und Jüngerinnen waren nämlich weggegangen (...) Jüdische und samaritanische Menschen haben nämlich keine Gemeinschaft miteinander.

Usw., ganz hübsch, steht aber so nicht bei Johannes.

In frühchristlicher Zeit "wurden auch ägyptische Missionare und Missionarinnen in alle Welt gesandt, nach Irland, in die Gebiete der Niederlande, Schweiz, Sudan und Äthiopien." Stimmt das eigentlich?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.02.2014 um 23.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25141

Der Herr Friedrich hat außerdem den Antiamerikanismus erfunden als Bezeichnung für diejenigen, die gegen Abgehört-werden sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2014 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25140

Kürzlich hat ja die BBC angeordnet, daß es in Comedy-Shows und ähnlichen Sendungen keine reinen Männerrunden mehr geben darf. Einige Zuschauer meinen, Frauen seien einfach nicht so lustig, und sehen trübe Zeiten heraufziehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2014 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25139

Das ist sicher nur "Lectio facilior". Man sollte die Intelligenz dieser Leute nicht überschätzen.
Es zeichnet sich ab, daß Antifeminismus allmählich so vorwerfbar wird wie Antisemitismus und Homophobie.
Nach einer bekannten Einsicht haben die allgemeinsten Interessen die geringste Aussicht, sich durchzusetzen, einfach weil sie nicht genügend organisiert sind.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.02.2014 um 13.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25138

"Gegnerisches Maskulinum in der Wikipedia" (Artikelüberschrift) und
"gegnerisches-maskulinum-in-der-wikipedia" (Link) - ist das Absicht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2014 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25137

Neulich stand im "Freitag", die Wikipedia wolle das generische Maskulinum obligatorisch und "geschlechtersensible Sprache unmöglich machen". (http://www.freitag.de/autoren/andreas-kemper/gegnerisches-maskulinum-in-der-wikipedia).
Ich bin gegen solchen Zwang. Laßt sie doch schreiben, wie sie wollen! Die "geschlechtersensible" Sprache (wie der tendenziöse Ausdruck lautet) wird sich von selbst erledigen, das kann sie aber nicht, wenn Zwang herrscht. So schafft man nur Märtyrer. Wikipedia ist auch in vielen Bereichen so schlecht, daß eine solche Sprachregelung es nicht besser macht.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 10.02.2014 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25102

Die Charta für Vielfalt ignoriert die Neigung der Menschen, sich zu Sozialverbänden - gleich und gleich gesellt sich gern - zusammenzuschließen. Der anzustrebende Sozialverband soll stattdessen "unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität" sein. Das ist dann die "Belegschaft", in der ein "Klima der Akzeptanz und des gegenseitigen Vertrauens" geschaffen ist. Dabei bekommen wir alltäglich mitgeteilt, daß es gerade die traditionellen Sozialverbände sind, die am erfolgreichsten den Kopf herausstrecken.

Als man Mitte der 90er feststellen mußte, daß es trotz Subventionen in den "Neuen Ländern" nicht so recht voran ging, traf einer resümierend den Nagel auf den Kopf: "Im Sozialismus war Arbeit eine gesellschaftliche Veranstaltung".

In der Charta für Vielfalt wird das Modewort Team vermieden, statt dessen das etwas angestaubte Belegschaft. Gemeint ist, was im Sozialismus Kollektiv hieß.

http://www.youtube.com/watch?v=7EDSZJ_lgQQ
http://politische-oekonomie.org/Lehrbuch/kapitel_32.htm

(Ich sehe die Situation, ca '97, noch vor mir: Im Aufzug eines achtgeschossigen Plattenbaus, der vorher die MfS-Bezirkszentrale, nach Mauerfall Teile der Stadtverwaltung beherbergte, beklagte sich eine junge Dame über die unkollegiale Atmosphäre in ihrer Abteilung. Die angesprochene junge Dame riet ihr, das doch mal im Kollektiv zur Sprache zu bringen. Die Antwort kam prompt: "Pah, Kollektiv, det is ja nichma en Team.")



 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2014 um 11.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25092

Kürzlich erschien im Tagesspiegel dieser Kommentar:
http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/sexuelle-vielfalt-der-satz-homosexualitaet-sei-privatsache-ist-nicht-liberal/9347192.html

"Der Satz, Homosexualität sei Privatsache, ist nicht liberal"
 Von Aletta Gräfin von Hardenberg

-
Darin wird betont, daß alle sexuellen Orientierungen gleichberechtigt auch an die Öffentlichkeit treten dürfen usw. Aber darum geht es der "Charta der Vielfalt" ja nicht. Vielmehr soll die Vielfalt der Orientierungen in einen betriebswirtschaftlichen Nutzen umgesetzt werden. In diesem Sinn betont der Verein, daß sexuelle Neigungen keine "Privatsache" seien. Es ist nur ein kleiner Schritt zum Bekenntniszwang. Denn wenn ein Angestellter dem Arbeitgeber z. B. verschweigt, daß er homosexuell ist, enthält er ihm einen Teil des Leistungspotentials vor und schadet dem Unternehmen zumindest indirekt.

Inzwischen rüstet man sich zum zweiten "Deutschen Diversity-Tag".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2014 um 09.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25087

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25037:

„Die ‚erste Person‘, ich, bezeichnet die Sprecherin, die ‚zweite‘, du, den Angesprochenen.“

Das steht seit einem Vierteljahrhundert da, in einer Grammatik der deutschen Standardsprache (!),und kein Germanist hat den Mut, den Unsinn Unsinn zu nennen. Aber sie haben ja auch bei der Rechtschreibreform begeistert mitgemacht, was kann man da erwarten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2014 um 14.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25081

Unser "Büro für Gender und Diversity" an der Uni Erlangen lädt zu einem Workshop "Judith Butlers Theoretische Interventionen - Grundlagen, Effekte, Kritik" ein.

Butler hat ja mal einen Preis für die schlechteste Prosa gewonnen (und sich auch noch dagegen gewehrt!); als Beispielsatz wird zitiert:

The move from a structuralist account in which capital is understood to structure social relations in relatively homologous ways to a view of hegemony in which power relations are subject to repetition, convergence, and rearticulation brought the question of temporality into the thinking of structure, and marked a shift from a form of Althusserian theory that takes structural totalities as theoretical objects to one in which the insights into the contingent possibility of structure inaugurate a renewed conception of hegemony as bound up with the contingent sites and strategies of the rearticulation of power.

Schade übrigens, daß ich nicht queer oder so etwas bin ("queervers" - gibt es das?), dann hätte auch ich aus meiner Veranlagung einen Beruf machen können.


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2014 um 12.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#25037

Das "Handbuch der deutschen Grammatik" von Hentschel/Weydt hält auch in der 4. Auflage 2013 - zehn Jahre nach der vorigen - am generischen Femininum fest. Das ist paradox, weil ja die deutsche Standardsprache dargestellt wird, zu der solche Ausdrucksweisen nicht gehören und niemals gehören werden. Es gibt außerhalb sehr enger feministischer Kreise keine Texte in dieser Privatsprache. Was sollen Ausländer denken, die vertrauensvoll ein solches Buch benutzen?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.01.2014 um 12.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24872

Nachträglicher Hinweis zu #21234

Herr Ickler hatte zu Schliemanns phänomenalen Sprachkenntnissen angemerkt: "Da er sich die Sprachen meist aus Büchern ... aneignete, litt wohl die Phonetik unter Vernachlässigung. Irgendwo habe ich gelesen, daß sein Englisch praktisch nicht zu verstehen war, kann aber die Stelle nicht mehr finden."

Daran fühlte ich mich gestern erinnert, als ich eine Fernsehdokumentation über Max von Oppenheim ansah. Sie enthält einen Video-Ausschnitt, in dem Oppenheim 1930 auf englisch die Welt in sein neueröffnetes Tell-Halaf-Museum nach Berlin einlädt.

Dasselbe Stück Film (ca. 1 Minute, ab 30:35) gibt es hier:
www.youtube.com/watch?v=eUUgsgP0hfg

Immerhin kann man Oppenheim verstehen. Er hatte ja auch viele Jahre lang im Ausland Englisch gesprochen. (Richtig amüsieren darf man sich nicht, bei der Leidenschaft und der Leistung dieses tatkräftigen Forschers.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2014 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24813

Wolf Schneider polemisiert gegen die geschlechtergerechte Sprache, die er als Erfolg Alice Schwarzers versteht. (Luther-Gespräche in Erfurt) Aber Schwarzer war in dieser Bewegung nicht führend. In der Sache hat er natürlich recht.

Ein anderer Gesprächsteilnehmer gibt zu, daß er sich wegen behördlicher Vorschriften nicht so ausdrücken darf, wie er es für richtig hält und wie es sich Journalisten (noch) leisten können.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.01.2014 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24732

"Es ist etwas entspannter geworden in Deutschland, es ist kein großes Ding mehr, lesbisch zu sein oder schwul. Es reichen wenige Worte. Nachfragen anderer Medien dazu beantwortet Hendricks nicht.“ (http://www.taz.de/Barbara-Hendricks-outet-sich-als-lesbisch/!130276/)

Was mag die taz (beiläufig!) gefragt haben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2014 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24731

Nach dem beiläufigen Outing einer Bundesministerin als lesbisch wird heiß darüber diskutiert, wer beiläufiger davon spricht. Die Beiläufigkeit ist ein Gradmesser der politischen Korrektheit, aber das kann nur der erste Schritt sein. Es ist das alte Dilemma der Antidiskriminierung. Einerseits sollen Unterschiede gar keine Rolle spielen, andererseits sollen sie jederzeit beachtet werden (Mainstreaming). Daher nun die Aufforderung, es der Ministerin gleichzutun - aber worin? Im Bekennen oder in der Beiläufigkeit?

Es erinnert mich an Kardinal Meisner, der, wenn ich ihn recht verstanden habe, von Priestern zwar den Verzicht auf Sex verlangt, zugleich aber fordert, daß es der richtige, heterosexuelle Sex sei, auf den man verzichtet.


 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.12.2013 um 22.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24659

Bei der neuen Bundesdatenschutzbeauftragten hat die neue Bundesregierung "den Bock zum Gärtner gemacht". Oder wie muß es bei einer Frau politisch korrekt heißen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.12.2013 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24650

„… nicht nur Gauck, sondern auch alle Sportler müßten die Teilnahme in Sotschi verweigern.“

Hach, was solls. Ist doch nur Sport. Freuen wir uns drauf! Und auf die Fußball-WM.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2013 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24647

Selbst wenn der russische Dirigent Gergiev eine ablehnende Haltung zur Homosexualität zum Ausdruck gebracht haben sollte (was anscheinend nicht der Fall ist), sollte er das Recht haben, seine Meinung zu äußern. Andernfalls müßten die Schwulenverbände, die jetzt seine Eignung als Münchner Chefdirigent in Frage stellen und ihn am Ende wahrscheinlich weggraulen werden, sämtliche Katholiken an den Pranger stellen, weil sie sich nicht vom Katechismus der katholischen Kirche distanzieren. Und nicht nur Gauck, sondern auch alle Sportler müßten die Teilnahme in Sotschi verweigern.

Am besten, wir führen ein allmorgendliches Pledge of allegiance ein: ein verpflichtendes Bekenntnis zu "Gender und Diversity". Vorher wird es keine Ruhe geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2013 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24637

Bei dem angekündigten "Workshop" der Universität Erlangen sind die Frauen praktisch unter sich. In den 25 Euro Teilnahmegebühr ist ein "vegetarisches Mittagessen" enthalten, so daß auch in dieser Hinsicht vorgesorgt sein dürfte. (Aber aufgepaßt: Es gibt Religionen, die den Verzehr von Zwiebeln verbieten!)

Können Sie sich vorstellen, jemandem zu erklären, Sie seien im "Büro für Gender und Diversity" beschäftigt? Die Sprache dieser Leute verrät eigentlich alles.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2013 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24632

Das "Büro für Gender und Diversity" an der Erlanger Universität läßt sich immer etwas einfallen:

Bildung – Migration – Gender - mit diesen Blickpunkten laden wir Sie sehr herzlich zur zweiten Veranstaltung in der Tagungsreihe „Bildungschancen durch Diversity-Kompetenz“ ein:
(...)
Gemeinsam mit Ihnen als den entscheidenden Akteuren in Bildungsprozessen von Kindern und Jugendlichen, als Studierende, Lehrende und Forschende wollen wir uns Gedanken machen, wie wir uns gerechten Bildungschancen weiter nähern und uns dafür einsetzen können. Dabei sind immer pädagogisch-didaktische und institutionell-administrative Rahmenbedingungen mitzudenken und ggf. zu verändern. In die Pluralisierung von Bildungsvoraussetzungen und -bedürfnissen begleiten uns 2014
 
Prof. Dr. Christiane Spiel, die Vorsitzende des Instituts für
Angewandte Psychologie der Universität Wien, und
Prof. Dr. Mechtild Gomolla, Bildungsforscherin von der
Helmut-Schmidt-Universität Hamburg,
 
sowie ExpertInnen aus dem universitären, vor- und außer- wie -schulischen Tätigkeitsfeldern in einem breiten Workshopangebot. Mit der Veranstaltung bieten wir Ihnen Eindrücke einer inklusionsorientierten, differenzsensiblen und diskriminierungskritischen Praxis in Bildungsprozessen und -einrichtungen, die Sie sicher für Ihre Praxis inspirieren.


Nix wie hin!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2013 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24565

Zu einer Erlanger Tagung über "Homosexualität als Herausforderung der Schule" (infranken.de 7.12.13):

„Der 15-jährige Mark liebt Lukas. Aber das kann er niemanden sagen, nicht den Mitschülern, nicht den Eltern. (...) Zehn Prozent der Bevölkerung sind homosexuell", sagt Breckenfelder, "und an Schulen sollen es Null Prozent sein - das geht nicht". "Undenkbar, dass sich an unserer Schule ein Kollege outen würde", sagen auch Tagungsteilnehmerinnen in Erlangen.“

Die Zahl von 10 Prozent scheint mir viel zu hoch gegriffen. Da muß man schon psychoanalytisch-entlarvend vorgehen, um auch diejenigen zuerfassen, die selbst gar nicht wissen, daß sie homosexuell sind, und es daher auch nicht direkt angeben.

Mir ist ein Gymnasium bekannt, an dem ein homosexueller Lehrer problemlos unterrichtet, über den jeder Bescheid weiß, ob er sich nun geoutet hat oder nicht (eher nicht, würde ich sagen).

Ich weiß nicht mehr, in welches Mädchen ich mit 15 verliebt war, aber ich hätte darüber weder mit den Mitschülern noch den Eltern sprechen wollen. Man muß auch bedenken, daß Jugendliche, die ihre sexuelle Identität erst noch finden müssen, wohl niemals so auf- und abgeklärt sein werden, daß sie untereinander (das ist entscheidend) jede Spielart gleichmütig hinnehmen. "Schwuchtel" (wie im Bericht erwähnt) ist ein geläufiges, nicht besonders schlimmes Schimpfwort unter heutigen Pennälern, gerade gegen "normale" Mitschüler. (Nicht bei uns damals, wir kannten so etwas gar nicht, obwohl zotige Sprüche gerade am Jungengymnasium in der Mittelstufe sehr beliebt waren.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2013 um 11.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24514

Wir wissen, dass in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften Werte gelebt werden, die grundlegend für unsere Gesellschaft sind. (Aus dem Koalitionsvertrag)

Man vermißt ein "auch" oder eine vergleichbare Einschränkung. Wie er dasteht, bedeutet der Satz, daß gleichgeschlechtliche Partnerschaften für unsere Gesellschaft unentbehrlich sind. Prädikat "Besonders wertvoll" sozusagen.

Im Vertrag steht auch:

In vielen Ländern der Welt werden besonders Christen wegen ihres Glaubens bedrängt, verfolgt und vertrieben. Religiöse Konflikte vermischen sich oftmals mit sozialen und wirtschaftlichen Spannungen.

Sonderbar, worauf deutsche Parteien sich einigen zu müssen glauben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2013 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24513

Sigmar Gabriel hat den Frauen seiner Partei zugesagt, dass sie in der schwarz-roten Koalition die Hälfte der SPD-Ministerposten bekommen. (Welt 1.12.13)

Ich finde das seltsam. Sind denn die Frauen eine eigene Partei oder Interessengruppe, so daß sie sagen könnten: "Wir haben die Hälfte der Ministerposten, wir haben 40 Prozent der Aufsichtsratsposten" usw.?

Das erinnert mich an die Schwärmerei von Trömel-Plötz, die ich hier zitiert hatte.

Das ist 30 Jahre her.

Ich würde niemals davon reden, was "wir Männer" alles geschafft haben usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2013 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24511

Eine von zahllosen geschlechtsspezifischen Kollokationen: Mädchen (und kleine Jungen) kichern, Jungen wiehern. Das ist im alten Synonym-Duden und in seinem Schülerduden-Ableger auch richtig vermerkt. Bedeutungswörterbücher, die es verschweigen, sind eigentlich unbrauchbar. Selbstverständlich handelt es sich wie in den meisten Fällen um Frequenzspezifika, d. h. Abweichungen kommen vor.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.11.2013 um 21.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24502

Ich schlage vor, wegen der politischen Korrektheit alle deutschen Ortsnamen auf "Er-" in "Es-" umzunennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2013 um 06.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24495

Das feministische Programm erledigt sich, wie vorauszusehen, nicht durch Zurückstecken, sondern durch Voranschreiten auf dem einmal eingeschlagenen Weg. Seit weitere Minderheiten ihre Ansprüche geltend machen, wirkt es antiquiert, auf Gleichberechtigung für Frauen zu bestehen. Der Koalitionsvertrag scheint der erste Regierungs-Bauchladen zu sein, der ausdrücklich Maßnahmen gegen "Transphobie" enthält.
Mein Mißtrauen gegen den Staat, dem ich eigentlich als Beamter treu gedient habe, wurde schon sehr geschärft, als die Regierung sich besorgt über meine Fernsehverweigerung beugte. Durch die Haushaltsabgabe erinnert sie mich daran, daß ich doch auch vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen profitiere.
Vielleicht kommen bald eine Transsexuellenabgabe und viele andere Abgaben, gegen die man aus moralischen Gründen und wegen Wiedergutmachung historischen Unrechts nichts einwenden kann. Die Kirchhofs werden die juristische Begründung nachliefern.
(Übrigens enthält der Wikipedia-Eintrag "Transphobie" bei aller Correctness sprachliche Fehler, und Haß ist den Aufpassern auch entgangen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2013 um 21.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24481

Es muß einmal gesagt werden: Beim Googeln findet man fast 20mal so viele hübsche Frauen wie hübsche Männer. Schöne Männer sind häufiger, wenn auch nicht so häufig wie schöne Frauen. Natürlich sind Mädchen hübscher als Jungen, aber was wirklich überraschend selten vorkommt, ist ein schöner Junge.

Viel Stoff zum Nachdenken. Es geht einmal um die Kollokationen selbst, aber auch darum, wer sie gebraucht.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 23.11.2013 um 14.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24456

Ohne Klammer wäre ebenso zu lesen gewesen, daß Luise Duttenhofer nach einhelliger Auffassung zweigeschlechtlich sei.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 23.11.2013 um 06.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24453

Luise Duttenhofer ist nach einhelliger Auffassung eine der bedeutendsten deutschen Scherenschnittkünstlerinnen (und -künstler). (Wikipedia)

Wie hat man das eigentlich früher gesagt? Ich tippe darauf, daß man früher die Klammer weggelassen hätte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2013 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24390

Das deutsche Partizip I anstelle des lateinischen verstößt ja nicht gegen die Sprachökonomie wie etwa die Doppelnennung, deshalb kann man sich an den Studierenden gewöhnen wie an den Reisenden als Berufsbezeichnung. Der partizipiale und damit verbale Sinn ist dann einfach verschwunden.
Andererseits hat man ja das Partizip im Plural eingeführt, um den Sexus unbestimmt lassen zu können. Im Singular braucht es dann aber doch wieder einen genusflektierten Artikel, so daß der Feminist sich mit dieser Lösung auch nicht zufrieden geben wird.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 14.11.2013 um 23.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24389

Auf dem Parlamentskanal BT new 2 lief vor einigen Tagen die Übertragung des Staatsaktes aus dem Bundestag vom 24.5.1999 aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Grundgesetzes.
In der Rede von Bundespräsident Herzog kam unzählige Male "der Bürger" vor. Nicht ein einziges Mal hörte ich "die Bürgerin". Das ist jetzt vierzehn Jahre her.
In den heutigen Reden unserer Politiker kommt das nicht mehr vor.
So schnell begibt man sich unter die Knute.
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 03.11.2013 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24330

Aus einem Interview mit dem Präsidenten des Deutschen Studentenwerks (www.zeit.de):

"Fast jeder vierte Studierende an deutschen Hochschulen hat einen Migrationshintergrund. Im Masterstudium haben 17 Prozent der Studenten ein Kind."

Das ist schon etwas bizarr. (Ganz interessant ist aber, dass er v.a. dann Studenten zu sagen scheint, wenn die Interviewführerin das Wort zuvor in ihrer Frage verwendet hat – ansonsten schwankt der Sprachgebrauch hier ziemlich.)

Insgesamt scheinen sich die Studierenden (zumindest im Universitätsbereich) inzwischen aber tatsächlich durchzusetzen, auch im Sprachgebrauch von Leuten, die von politisch korrekter Sprache gar nicht besonders viel halten oder sich darüber keine großen Gedanken machen – man spricht eben so, wie die anderen sprechen, und dann hört man von Kollegen auch Dinge wie "Wenn ein Studierender zu mir kommt". (Andere sprechen von Studis, das hat generell am wenigsten Silben, macht sich schriftlich aber vermutlich nicht ganz so gut.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2013 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24306

Sprachliche Mißbildungen wie Teilnehmende der Gesprächsrunde findet man noch verhältnismäßig selten, aber das Institut für deutsche Sprache pflegt sie schon seit einigen Jahren – auch wenn nur Männer teilnehmen, wie auf einem beigefügten Foto zu sehen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.10.2013 um 07.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24219

Nicht ohne Heiterkeit folgt man dem Philosophieprofessor Ansgar Beckermann auf seinem Weg durch die Genderei.

1997 bekannte er sich zum generischen Femininum: Bisher sind die meisten Erkenntnistheoretikerinnen nämlich weniger an der Beantwortung dieser Fragen interessiert als an der Analyse oder rationalen Rekonstruktion der alltagssprachlichen Begriffe ‚Wissen‘ und ‚Rechtfertigung‘...

2001 ging er zur Beidnennung über: Was Erkenntnistheoretikerinnen und Erkenntnistheoretiker tun, wenn sie die Frage nach der Natur von Wissen behandeln, lässt sich kurz so beschreiben ... (Zusammen mit Reformschreibung – Recht haben – sehr nervig zu lesen)

Heute benutzt er wieder das generische Maskulinum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2013 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24194

An der Universität Wien nennt sich die Studentenvertretung Studienvertretung. Auf der Seite der Finno-Ugristik liest man:

Die FU Mailingliste informiert Studierende und Interessierte an der Finno-Ugristik zu aktuellen Themen, Veranstaltungen und Lehrveranstaltungen. (www.finno-ugristik.at)

Interessierte an der Finno-Ugristik ist grammatisch falsch, aber politisch korrekt.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 02.10.2013 um 16.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24163

Zu #23920, "Die erste Fassung des Ereignisses kommt mir immer noch befriedigender vor": Den feinen Unterschied macht wohl das Adverb "immerhin" aus.

Und: Danke für die Information "[Z]ur Sache [...] noch". Sowas gehört den Redaktionen der Papierausgaben ins Tagebuch geschrieben (wie eigentlich so manches aus der Sprachforschungsdiskussion hier; als Demokrat meiner Art glaube ich eben immer noch an etwas Bewußtsein von der Verantwortung, die die Informationsmedien in unserer Art Gesellschaft haben).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2013 um 09.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24161

Die feministische Mathematik hat viel Aufhebens davon gemacht, daß in Textaufgaben männliche Personen (und heterosexuelle Paare) überwiegen, wodurch Mädchen vom Mathematik-Unterricht abgeschreckt werden könnten. Gross und Levitt bemerken dazu in ihrem Buch "Higher Superstition":

„A young lady who makes a game stab at 'Maude and Mabel' problems but balks at 'Joe and Johnny' versions of the same is almost certainly without the knack for abstraction that is an indispensable ingredient of mathematical talent.“ (115)

Es erinnert an den schon erwähnten Austausch vom Mathematikbüchern, weil darin noch in D-Mark statt in Euro gerechnet wird. Journalisten haben sich fast ausnahmslos diese billigen Vorwände für Geschäftmacherei zu eigen gemacht. Textaufgaben in eine berechenbare Form zu bringen ist eine der größten Schwierigkeiten des Mathematikunterrichts (zugleich eine besonders lebensnahe Aufgabe), aber an D-Mark und Mannspersonen scheitern die SchülerInnen nicht!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2013 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24151

So ist es, auch Neutra! Und auch der übertragene Gebrauch ist schon sehr alt. Das Urbild der schwangeren Männer ist ja der Knabe Theaitetos in Platons gleichnamigem Dialog (dem ersten der drei späten Dialoge, die für die Sprachwissenschaft viel wichtiger sind als der immer wieder referierte, aber weniger ergiebige Kratylos).
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 30.09.2013 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24150

PS: Ach so, es gab wahrscheinlich weibliche Tiere mit einem maskulinen Namen, stimmt's? Lateiner vor!
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 30.09.2013 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24149

Was ist eigentlich davon zu halten, wenn Latein-Lexika das Wort für schwanger in der Form gravidus angeben? Gab es bei den Römern auch schon die Möglichkeit, daß ein Mann mit einem Plan schwanger geht? Oder ist die Vorführung der maskulinen Form eine übergeordnete Konvention in der Lexikographie?

Übrigens, die Getrenntschreibung schwanger gehen (übertragene Bedeutung) könnte man im Kontext der Reformregeln auch mal ansprechen, aber das gehört hier nicht zum Thema.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2013 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#24134

Wir sollen ja nun keine Barilla-Nudeln mehr essen, weil der Chef der Firma gesagt hat, er mache keine Werbung mit Homosexuellen, und noch mehr dieser Art (mit angeschlossener "Entschuldigung bei den Schwulen").
Nun ist ein Boykottaufruf leicht in die Welt gesetzt, aber schwer zu befolgen, wegen der Verflechtung der Unternehmen. Zum Beispiel gehört Wasa-Knäckebrot auch zu Barilla.
Ich esse zwar weder Barilla noch Wasa, sondern kaufe in beiden Fällen billigere Produkte, aber kann ich sicher sein, daß meine Handelsmarken nicht von denselben Betrieben hergestellt werden? Noch mehr bedrückt mich die Ahnung, daß auch die Haferflocken, der Kaffee und das Hammelfleisch (halal) von Leuten geliefert werden, die zwar schlauerweise nicht sagen, was sie denken, aber in Wirklichkeit potzhomophob sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2013 um 04.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23920

„Mit Frau Merkel besucht immerhin erstmals ein deutscher Kanzler die KZ-Gedenkstätte in Dachau“, sagte der Zentralratsvorsitzende Dieter Graumann zu „Spiegel Online“. (FAZ 21.8.13 online)

Angela Merkel hat als erste deutsche Regierungschefin die KZ-Gedenkstätte in Dachau besucht. (SZ 21.8.13 online)

Die erste Fassung des Ereignisses kommt mir immer noch befriedigender vor.

Zur Sache möchte ich noch bemerken, daß die Kritiker des Besuchs hier wohl ein Eigentor schießen.

Merkels Terminplan - erst das KZ, dann das CSU-Bierzelt - hatte schon vorab eine aufgeregte Diskussion ausgelöst. Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, sagte der Leipziger Volkszeitung: "Wer es ernst mit dem Gedenken an einem solchen Ort des Grauens meint, der macht einen solchen Besuch garantiert nicht im Wahlkampf." Der Historiker Wolfgang Benz kritisierte im Bayerischen Rundfunk, es wirke beiläufig, "wenn man, kurz bevor man dann ins Festzelt zum Wahlkampf geht, noch den Kranz niederlegt und Betroffenheit äußert". (SZ 21.8.13)

Künast nannte es eine „geschmacklose und unmögliche Kombination“, direkt nach einem KZ-Besuch eine Wahlkampfrede im CSU-Bierzelt zu halten. (FAZ 21.8.13 online)

Aber:

Der Greis (Max Mannheimer), der einen großen Teil seiner jüdischen Familie durch die Shoa verlor, hatte von Merkels Wahlkampfauftritt beim Dachauer Volksfest gehört - und die Kanzlerin eingeladen. Ein geistig hellwacher 93-Jähriger (und SPD-Mitglied) hatte ein Ereignis ersonnen, das international Beobachtung findet. Es ist sein Coup. Mannheimer genießt ihn sichtlich.

Ähnlich Charlotte Knobloch. Merkel hat das ganz geschickt gemacht, indem sie das Heikle thematisierte:

Unmittelbar nach ihrem Besuch der KZ-Gedenkstätte trat sie in der Stadt Dachau in einem Bierzelt während einer CSU-Wahlkampfveranstaltung auf. "Einen größeren Kontrast kann es kaum geben", sagte Merkel zu Beginn ihrer Rede. Einen "Katzensprung von hier" sei die KZ-Gedenkstätte - "und jetzt bin ich auf diesem Volksfest der Fröhlichkeit und des Lebens". Merkel betonte: "Auch damals war das KZ mitten unter uns. Wer wollte, konnte damals auch sehen und hören."

Das hätte natürlich auch jedem anderen einfallen können, aber Merkel hat es gemacht. Ein anderes Arrangement wäre ebenfalls nur taktisch motiviert gewesen, wie ja die Kritik unfreiwillig zugibt durch ihre Ratschläge, wie man es mit der Betroffenheitsbekundung noch geschickter hätte einfädeln können. So wirkt nun die Kritik nicht nur kleinlich, sondern auch ohnmächtig und neidisch. Unangenehm ist Merkels Gegnern (auch Kurt Kister bei der Süddeutschen Zeitung), daß die Vertreter der jüdischen Gemeinden mit dem Besuch Merkels in Dachau hochzufrieden sind. In den Zeitungen und im Rundfunk stehen ja auch die Gedenkartikel und Massakermeldungen neben den Sportberichten und sonstigen Banalitäten und mitten dazwischen immer wieder Werbung. Dieses Nebeneinander trägt meiner Ansicht nach am meisten dazu bei, das Weltgeschen wie ein gleichgültig abrollendes Theater empfinden zu lassen. Die Medien können eben nicht glaubwürdig dagegen polemisieren, daß sie selbst alles und jedes für Unterhaltungszwecke verwursten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2013 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23893

Übrigens:

„Gender-Mainstreaming” soll wieder durchgängiges Leitprinzip im Regierungshandeln sein. (Regierungsprogramm der SPD 2013-2017)

In der Verkehrsplanung wollen wir durch Gender-Mainstreaming auch die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen, die aufgrund sozialer und familiärer Aufgaben anders mobil sind. (...) Wir halten an der Strategie des Gender-Mainstreamings fest, mit der bei allen politischen Handlungen nach den Auswirkungen auf Frauen und Männer gefragt wird. (Wahlprogramm der Grünen)

Im Programm der SPD und der CDU heißt es durchgehend selbstständig, bei den Gürnen selbständig. Die SPD spricht von ihrem 150jährigen Bestehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2013 um 21.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23795

Heute kam ein Rundschreiben: Aus dem bayerischen Programm zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen ist noch Geld übrig, und nun sucht man nach Verwendungsmöglichkeiten, vielleicht "Symposien" zum Thema Gender und so. Es wird sich schon was finden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2013 um 17.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23741

Schiffe sind feminin, danach auch Lufstschiffe und Flugzeuge (wenn der Name nicht morphologisch motiviert ist wie Airbus).
Wahrscheinlich liegt der indogermanische Gattungsbegriff (gr. als naus gegeben) zugrunde. Ob dahinter noch tiefere mythologische Begründungen liegen, weiß ich nicht.

Was ich nicht wußte:

Lloyd's List sinks the tradition of calling ships 'she'
By Andrew Hibberd and Nicola Woolcock
Telegraph 21 Mar 2002
SHIPS should no longer be called "she", the industry's newspaper has decreed.
Lloyd's List, the 268-year-old publication which claims to be the world's oldest daily newspaper, is to abandon centuries of seafaring tradition by calling all vessels "it".
The reason, explained in yesterday's issue, is to bring the paper "into line with most other reputable international business titles".
Julian Bray, the editor, wrote: "The shipping industry does need to move forward if it is not to risk becoming a backwater of international business. I decided that it was time to catch up with the rest of the world, and most other news organisations refer to ships as neuter.
"They are maritime real estate. The world moves on. I can see why 'she' would suit a magnificent cruise liner but to a rusting old hulk it could be rather offensive.
"However, I don't think there is anything wrong with calling ships 'she' in conversation. It's a respectable maritime tradition."
Mr Bray said he was expecting a "full and vibrant array of letters" about the decision from many of the publication's 10,000 readers. Columnists at the paper will still be free to refer to ships as female.
A spokesman for the Royal Navy said it would continue to refer to ships as female. It traditionally chooses masculine or geographical names, such as Iron Duke or Lancaster, for its vessels - although Andromeda, Penelope and Minerva all served in the Falklands War.
"Lloyd's List can do what it wants. The Royal Navy will continue to call its ships 'she' as we always have done. It's historic and traditional," he said.
"Ships have a soul. If I remember my history, they are female because originally the ship was the only woman allowed at sea and was treated with deference and respect - and because they are expensive."
The British Marine Industries Federation also said it had no plans to change.
"Our owners have always referred to them as 'she' and will continue to do so because, to many, they are part of the family," a spokesman said.
Among the theories as to why ships are referred to as female, one claims that crews believed the ship represented their mother, another that it is because early ships were dedicated to a goddess.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2013 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23669

Nachtrag: Ich bin auch oft in der Münchner Fußgängerzone gewesen, habe neun Jahre in der Nähe gewohnt. Zur Selbsterkenntnis verhilft mir erst der Interviewer eines "Hungerstreikenden":

Ich war am Samstagnachmittag bei Eurem Camp und habe dort den für die Münchner Fußgängerzone typischen Wohlstandspöbel erlebt.

(www.refugeetentaction.net)

Was würde wohl passieren, wenn jemand probeweise vom "Asylbewerberpöbel" redete?
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 14.07.2013 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23666

Die grundlegenden Denkfehler begegnen als Zirkel oder als Aporie. Der Satz "Geschlechter sind eine Erfindung der Männer, um Frauen diskriminieren zu können" faßt für den Genderofeminismus beides zusammen. Zugleich läßt er für sich genommen nicht erkennen, ob er ernst oder als Persiflage gemeint ist. Für die einen bringt er eine tiefe Wahrheit auf den Punkt, die anderen lachen – bis es ihnen vergeht.

Nach dem Muster sind etliche andere Ismen bzw. Anti-Ismen gestrickt, etwa so: "Die [sogenannten] Zigeuner sind eine Erfindung der Ziganisten/Antiziganisten, um [andere Menschen als] Zigeuner diskriminieren zu können." Der Unterschied liegt in den zusätzlichen PC-Pirouetten, dem Umstand geschuldet, daß es bei den Zigeunern gerade nicht darauf ankommt, sie sichtbar, sondern sie vielmehr unsichtbar zu machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2013 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23659

Entweder liegen wirklich lateinische Gerundiva vor oder Formen, die analog diesem Muster folgen. So kann man zwar unklassisch, aber nicht falsch zwischen Asylant und Asyland unterscheiden.

Im Deutschen streiten sich die Gelehrten noch, woher die Form anzunehmend / zu glaubend stammt. Systematisch wohl aus dem Infinitiv ist anzunehmen / ist zu glauben, aber bei der Einfügung des d könnte das lateinische Gerundiv mitgewirkt haben; es ist ja eine bildungssprachliche Angelegneheit. Die Dudenwörterbücher und einige Grammatiken führen es einfach als Participium praesentis mit an, was natürlich bei der Funktionsbestimmung Schwierigkeiten bereitet. Allerdings war das Partizip genusneutral, wie man noch an eine vorhabende Reise, fallende Sucht usw. erkennen kann, was früher viel häufiger war.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.07.2013 um 11.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23658

Eigentlich heißen die Partizipien oder Mittelwörter so, weil sie sowohl Verbformen als auch Adjektive sind. Aber es gibt auch Partizipien, zu denen es gar keine Verben gibt, wie man an "Doktorand" sieht. Das ist wohl nur eine Analogiebildung zu wirklichen Partizipien. Oder es muß dringend ein Verb dazu her.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 14.07.2013 um 07.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23657

Zu den "Promovierenden":

Es mag da ja subtile Unterschiede geben, aber hieß diese Spezies nicht mal "Doktorand" (ebenso "Diplomand" und "Habilitand")?

An meiner Universität war man Diplomand bzw. Doktorand, bis man diplomiert bzw. promoviert wurde, und Habilitand, bis man sich habilitierte.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 14.07.2013 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23656

Geschlechter sind eine Erfindung der Männer, um Frauen diskriminieren zu können.

Deswegen waren es ja auch Männer, die die "Geschlechterforschung" erfunden haben, denn so können sie immer schön weiter diskriminieren...
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 14.07.2013 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23655

Es ist natürlich richtig, daß die ersten "Frauenbeauftragten" ohne spezielle Ausbildung und meist auch nur nebenher gearbeitet haben, so ähnlich wie Betriebsräte. Aber wie das in Großorganisationen meist so geht: irgendwann wird die Tätigkeit hauptamtlich, und Mitarbeiter werden geschult (irgend jemand muß ja die Schulungsunerlagen schreiben und die Fortbildungen veranstalten). Schließlich greift auch hier das eherne Gesetz der Organisationssoziologie: je mehr Untergebene man hat, desto höher das eigene Prestige – und die Macht natürlich.

Die Geschlechterforschung als wissenschaftliche Disziplin (Disziplin im Sinne von "Marxismus-Leninismus" im Ostblock) dürfte wohl teilweise unabhängig davon entstanden sein, zunächst natürlich in Geisteswissenschaften, aber inzwischen greift es auch auf Naturwissenschaften (vgl. z.B.: http://arsfemina.de) und die Medizin über (man suche im Internet einfach nach "feministische Medizin"). Irgendwann wurde eine eigene "Disziplin" daraus, und angesichts der zunehmenden "Professionalisierung" des Gleichstellungswesens sowie der Kompetenzausweitung ("Diversity-Management") ergeben sich zwangsläufig Arbeitsplätze für die Bachelors und Masters in "Gender Studies". Irgendwann wird es sicherlich auch noch entsprechende Schulfächer geben, so daß man die Absolventen, die nicht in der Verwaltung unterkommen, als Lehrer beschäftigen kann.

Zu den esoterischen und okkulten "Studien" der "Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe": Man darf nicht vergessen, daß die SS so etwas wie Staat im Staate war, mit eigenen Betrieben, eigenen Schulen, eigenen Studien- und Forschungseinrichtungen, eigener Armee, eigener Gerichtsbarkeit usw. Etwas Vergleichbares gibt es heute nicht, und ob die SS im Falle eines militärischen Sieges in der Lage gewesen wäre, auch noch die Hochschulen unter ihre Kontrolle zu bringen, muß Spekulation bleiben.

Jedenfalls florieren die Pseudowissenschaften heute an staatlichen Universitäten, auch innerhalb etablierter Fächer.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.07.2013 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23649

Die Abfolge war schon umgekehrt. Erst wurden überall Stellen für Geschlechtsbeauftragte geschaffen, später erst die passenden Studiengänge eingerichtet. – Im übrigen kann man den deutschen Universitäten nicht vorwerfen, nach 1933 Studiengänge in Welteislehre oder Gralssuche eingerichtet zu haben; mit der Rassenhygiene hielt man sich auch ziemlich zurück. Man verfolgte seinerzeit aber auch noch nicht das Ziel, die Hälfte jedes Jahrgangs zu Hochschulabsolventen zu machen.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 13.07.2013 um 12.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23647

Gut gefallen hat mir dieser Leserkommentar: "Geschlechter sind eine Erfindung der Männer, um Frauen diskriminieren zu können."
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 13.07.2013 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23645

Eben. Erst kreiert oder fördert man Pseudowissenschaften wie die Welteislehre, Rassenhygiene, Gralssuche oder eben Gender- bzw. Diversity-Forschung, und dann werden massiv Stellen geschaffen, um die Absolventen materiell abzusichern und den Blödsinn zu perpetuieren, koste es, was es wolle. Man muß dazu übrigens auch nicht unbedingt auf die Nazi-Zeit rekurrieren – die Sowjetunion, die DDR oder sogar die Amtszeit G.W. Bushs liefern dafür reichlich Beispiele.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 12.07.2013 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23632

Das ist kein stichhaltiges Argument. Es gibt doch genügend Stellen für solche Absolventinnen, Geschlechtsbeauftragte sind überall gefragt.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 12.07.2013 um 08.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23630

Jan Fleischhauer zielt wieder einmal mitten ins Herz:

"An den deutschen Universitäten gehören die Gender Studies zu den am schnellsten wachsenden Wissenschaftszweigen. Wie ich bei Harald Martenstein von der 'Zeit' gelesen habe, der dafür auch in der Böll-Studie steht, hat die Zahl der Gender-Professoren inzwischen locker die der Slawisten überflügelt: 173 Professuren hat Martenstein gezählt versus 100 bei den Philologen.

Universitär gesehen ist die Genderforschung also ein Riesenerfolg. Das Problem ist nur, dass nicht ganz klar ist, was man anschließend damit macht. Nicht jeder kann ja bei Siemens oder BMW als 'GendertrainerIn' anfangen, um dort 'ein lustvolles und produktives Miteinander der Geschlechter' zu bewirken, wie es zum Beispiel das Genderwerk in Berlin anbietet. Solange es noch kein Gesetz gibt, das eine solche Beratung für Unternehmen zur Pflicht macht, bleibt in der Regel nur eine Stelle im Staatsdienst, als Gleichstellungsbeauftragte oder eben an einer Hochschule. Das mag auch einer der Gründe sein, warum sich dieser Bereich ständig fortentwickelt."

(Quelle: www.spiegel.de)

Es fällt mir als Historiker schwer, dabei nicht an Organisationen wie "Ahnenerbe" zu denken…
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 11.07.2013 um 16.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23622

Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft spricht in ihrer Vergütungsregelung von „Promovierenden“ – siehe www.dfg.de/formulare/55_02.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 10.07.2013 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23595

Ist das nicht putzig?

"Someday – perhaps sooner than we think – a new Edward Gibbon in China or India will surely sit down to write The History of the Decline and Fall of the American Empire. [...]

I think she’ll probably classify self-righteous American 'innocence' as one of the most toxic tributaries of national decline, with President Obama as its highest incarnation."

(Quelle: www.tomdispatch.com/blog/175440/)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2013 um 19.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23590

Das ergibt sich meistens aus der Aktionsart des Verbs. Eine belagerte Stadt ist eine Stadt, die belagert wird. Ein eroberte Stadt ist eine Stadt, die erobert worden ist. Man unterscheidet transformative und nichttransformative Verben, aber eigentlich geht es um etwas anderes. Das Erobern und das Promovieren sind keine realen Vorgäge, sondern Statusänderungen, etwas Abstraktes, sozusagen ein Wechsel der Interpretation. Sie haben keine zeitliche Ausdehnung. Ein Student, der sich um diese Statusänderung bemüht, bleibt am besten ein Promovend.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.07.2013 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23589

Da zeigt sich ein großes Handicap der deutschen Sprache: Sie hat kein Partizip Präsens Passiv. Es bleibt schwierig.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 09.07.2013 um 16.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23587

So sehe ich es auch: Die „politisch korrekte“ Bezeichnung die Promovierenden wurde in Anlehnung an die Studierenden gebildet, ohne weiter darüber nachzudenken.
 
 

Kommentar von MG , verfaßt am 06.07.2013 um 19.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23570

Ja, die allgemeine Partizipitis ist sicher feministisch motiviert. Motivierend aber ist sie nicht. :-)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.07.2013 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23563

Früher wurde man promoviert, so hieß es amtlich. Gemeint war das Ergebnis der Prüfung.
Heute promoviert man. Gemeint ist die Doktorarbeit und ihre Verteidigung.
Früher wurde man diplomiert, gemeint war das Ergebnis der Diplomarbeit und der Diplomprüfung.
Heute diplomiert man (sich)?
Kann man auch bachellorieren und mastern?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2013 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23561

Die Erlanger Universität lädt folgerichtig zu einer Promovierendentagung ein. Scheinbar ist damit das -nd des lateinischen Gerundivs gewahrt, aber in Wirklichkeit stimmt das natürlich nicht. Die Promovierenden promovieren selbst, statt promoviert zu werden; sie sind also eher Promoventen. Die Universität hätte bis vor kurzem sorgfältiger formuliert, sowohl die Promotionsordnung als auch solche Rundschreiben. Es ist wohl die allgemeine feministisch motivierte Partizipitis, die einfach alles mitreißt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.07.2013 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23543

Ob Luise Pusch mit ihren Glossen, die auch regelmäßig in Buchform erscheinen, etwas anderes bezweckt als Unterhaltung, weiß ich nicht. Ihre Vorschläge zur "Feminisierung des Deutschen", wie sie es nennt, sind fast durchweg so abwegig, daß sie ihnen wohl selbst keine Chance gibt. Etwa so:

Meistawerk, Pendlapauschale, Fußgängazone usw. „Diese Wörter klingen wie die alten, schreiben sich aber fortschrittlicher. Das -a zeigt, dass beide Geschlechter gemeint sind.“ (Deutsch auf Vorderfrau. Göttingen 2011:37)

Zwischendurch prahlt sie mit ihren "reichlichen sexuellen Erfahrungen", feiert die lesbische Liebe und hackt auf den Männern herum. Statt Hommage will sie Femmage sagen und Mate statt Pate. Es hat bei aller Munterkeit was Trübsinniges.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 01.07.2013 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23517

Zu "Ich frage mich manchmal, ob sich nicht wenigstens ein Teil dieser "Gender"-Spezialisten, Verzeihung: Spezialist_innen, heimlich einen Ast lacht": Diese Frage stelle ich mir auch — irgendwie habe ich ja auch noch einen Glauben —, aber ich beantworte sie anders. Wenn ich mir nämlich die Gesichter dazu ansehe (und das habe ich real getan, weil mir dazu Gelegenheit geboten wurde), dann sehe ich, deren Trägerinnen und Trägern geht's nicht um irgendwie, wenn auch erdverbunden saubere Wissenschaft, denen geht's um die ewige Seligkeit alles Weltlichen, und das mit Missionseifer, der in unseren Tagen vielleicht nur von dem der Islamisten und Islamistinnen übertroffen wird. Aber bei uns brauchen sie keine Bomben — in unserm System verfügen sie über Druck genug: "Ich kenne [...] keinen Fakultätsangehörigen, [...] der sich in diesem Sinne zu äußern wagen würde."

Zum heutigen Bildungstand und Mangel an einfachem Wissen übrigens gestern abend im amerikanischen CBS-Programm "60 Minutes" ein erfahrener Historiker: "Unsere Lehrer sollten nicht Pädagogik studieren, sondern ein akademisches Fach." (In einem Feature zur Feier des Unabhängigkeitstages. Wer sich das am Rechner noch irgendwie einspielen kann, sollte es sich zum besseren Verständnis der USA auf jeden Fall ansehen.)
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 01.07.2013 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23516

Der Witz beim Geßlerhut ist doch, daß es einerseits völlig blödsinnig ist, Hüte zu grüßen, andererseits fast gar nicht weh tut. Schmerzhaft wird es nur für den, der den Gruß verweigert. Wer herrschen will, muß nicht geliebt, sondern gefürchtet werden. Das erreicht man nicht mit durchgehend vernünftigen Anordnungen, denen die Leute gerne und aus eigener Einsicht Folge leisten, soweit sie es nicht sowieso schon halten wie vorgeschrieben. Schlimmstenfalls macht man sich lächerlich, etwa mit einem Verbot, auf dem Kopf zu laufen.

Der Reiz politisch korrekter Sprachregelungen liegt darin, daß sie aus dem Nichts heraus Macht zu schöpfen erlauben. Einer schreit und strampelt so lange, bis sich niemand mehr "Eskimo" zu sagen traut. Ist das Wort erst einmal obsolet, läßt sich ein Verbot mühelos mit Sanktionen bewehren. Danach wird noch ganz anderes möglich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2013 um 12.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23515

Diese Frage stelle ich mir auch, wenn ich die neue Promotionsordnung unserer Phil. Fak. lese. Ich kenne fast keinen Fakultätsangehörigen, der die Sprachverhunzung nicht lächerlich fände, aber auch keinen, der sich in diesem Sinne zu äußern wagen würde.

Während die Richtlinien für gute wissenschaftliche Praxis von 2002 noch in normalem Deutsch abgefaßt sind, schlagen bei der Promotionsordnung von 2013 Rechtschreibreform und Genderwahn voll durch:

Für die Organisation und Durchführung der Promotion zum Dr. phil. wird ein Promotionsausschuss bestellt. Ihm gehören sechs Vertreterinnen und Vertreter an, die das Fächerspektrum der Fakultät angemessen repräsentieren sollen.

(Sind das nun 6 oder 12 Personen?)

Diese Promotionsordnung (FPromO Phil) ergänzt die Rahmenpromotionsordnung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (RPromO) für die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie mit Ausnahme des Fachbereichs Theologie
und ist daher gleichermaßen strukturiert.


(Dies habe ich zitiert, um nochmals die Folgen der Umbenennung der Fakultät zu illustrieren. Deutsch kann man das nicht mehr nennen.)

Der Promotionsausschuss wählt aus seiner Mitte eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden sowie deren oder dessen Stellvertreterin oder Stellvertreter für jeweils ein Jahr.
-
Die Dekanin oder der Dekan ist über jedes Promotionsverfahren zu unterrichten; sie oder er hat das Recht, an den mündlichen Prüfungen teilzunehmen. Die Prüfungskommission besteht aus den für die Beurteilung der Dissertation bestellten Gutachterinnen und Gutachtern und zusätzlich für die mündliche Prüfung einer fachfremden Vertreterin oder einem fachfremden Vertreter. Ist an einem Promotionsverfahren eine auswärtige Gutachterin oder ein auswärtiger Gutachter beteiligt, wird, wenn diese oder dieser an der mündlichen Prüfung nicht teilnehmen kann, an ihrer oder seiner Stelle eine weitere an der FAU prüfungsberechtigte Person nach § 5 RPromO. bestellt. Die oder der Vorsitzende des Promotionsausschusses überträgt einem Mitglied der Prüfungskommission den Vorsitz.
-
Wird eine Juniorprofessorin bzw. ein Juniorprofessor bereits vor der Zwischenevaluation als Gutachterin bzw. Gutachter vorgeschlagen, ist eine weitere Gutachterin bzw. weiterer Gutachter gem. Abs. 2 notwendig.
-
Nach Anmeldung bei der oder dem Vorsitzenden der Prüfungskommission und mit Zustimmung der Kandidatin oder des Kandidaten können auch andere Studierende, Promovierende oder promovierte Personen als Zuhörerinnen und Zuhörer teilnehmen.
(...) Die oder der Vorsitzende des Promotionsausschusses lädt die Kandidatin oder den Kandidaten mit einer Frist von zwei Wochen zur mündlichen Prüfung. Zugleich fordert sie oder er sie oder ihn auf, binnen einer Woche die Thesen einzureichen, die Gegenstand der Disputation sein sollen.


Ja, sie oder er sie oder ihn oder umgekehrt ... Preisfrage: Wie kommt man, wenn der Spuk vorbei ist, von diesem haarsträubenden Unsinn wieder herunter?
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 01.07.2013 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23514

Ich frage mich manchmal, ob sich nicht wenigstens ein Teil dieser "Gender"-Spezialisten, Verzeihung: Spezialist_innen, heimlich einen Ast lacht und sich fragt, wieso irgend jemand das ernst nehmen kann – etwa so, wie die Bankster, die nichtsahnenden Kunden totalen Schrott mit Zertifikat angedreht haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2013 um 08.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23513

Wir haben an den Erstsemesterinnen und Mitgliederinnen gesehen, daß die feministische Umgestaltung vollständig automatisiert worden ist; der Mechanismus setzt ein, wenn die Lautkombination <er> zu vernehmen ist. In ähnlicher Weise haben ja die Amerikanerinnen, wohl nur halb zum Scherz, history umgedeutet, wobei immerhin noch ein gewisses Nachdenken vorauszusetzen ist. Gar nicht scherzhaft glauben bei uns viele, herrschen sei von Herr abgeleitet (auch wenn frauschen dann wieder nicht ganz ernst gemeint war).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.06.2013 um 18.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23508

Die Presseerklärungen der Münchner "Hungerstreikenden" sind feministisch korrekt abgefaßt. Die "Unterstützer_innen" formulieren zwar durchgehend im Namen der Hungernden ("wir Asylsuchende"), suchen aber weder Asyl noch hungern sie. Die Texte sind auch sonst bemerkenswert, die Lektüre lohnt sich, zumal in der Presse fast gar nichts davon wiedergegeben wird.:

http://www.refugeetentaction.net/index.php?lang=de
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2013 um 08.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23491

Die Einzelheiten erinnern mich an die affirmative action, die zu meiner Zeit in Indien im Schwange war: Studienbewerber aus den "scheduled castes and tribes" wurden nach einer bestimmten Quote bevorzugt zugelassen. Es war allgemein bekannt, daß sie großenteils nach zwei Semestern wieder draußen waren, weil sie sich im Seminar nicht trauten, den Mund aufzumachen, und auch sonst nicht aus ihrer untergeordneten Rolle herausfanden.

Aber kann man das auf unsere Verhältnisse übertragen? Hier in Mittelfranken kommen sehr viele Studenten vom Lande, ich habe aber nicht feststellen können, daß sie deswegen gehemmt wären. Der Bildungsvorsprung von Kindern aus Akademikerfamilien ist natürlich eine Tatsache, wobei selbstverständlich immer nur der Durchschnitt gemeint ist. Das kann aber nicht durch Diversitätsprogramme ausgeglichen werden.

Wenn ich mich recht erinnere, hat die Herkunft zu meiner Schul- und Studienzeit keine große Rolle gespielt. Die Lehrer haben sehr darauf geachtet. Sie haben auch meine armen Eltern erst darauf hingewiesen, daß ich aufs Gymnasium gehöre. (Ein Bruder war schon vorangegangen, der andere folgte. In der Familie hatte es noch nie Akademiker gegeben, die Perspektive war ziemlich ungewohnt, was man sich heute nicht mehr so recht vorstellen kann.)

Ich hätte es bestimmt abgelehnt, auf meinen nichtakademischen Familienhintergrund angesprochen und einem besonderen Förderprogramm zugeführt zu werden.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 28.06.2013 um 06.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23489

Ich hoffe es wird niemanden, der diese Seiten liest oder hier kommentiert (darunter auch Herrn Ickler), erschrecken, wenn er erfährt, daß er in den Augen der hochschuldidaktischen Abteilung der FU Berlin zu einer Minderheit ("Bildungshintergrund (Nicht-Akademiker Familien) [sic!]") gehört, auf die man in der akademischen Lehre besondere Rücksicht nehmen müsse.

Der Autor des Telopolis-Artikels (siehe hier) war einigermaßen verblüfft, um es vorsichtig auszudrücken, und er hebt zu Recht das paternalistische und destruktive Gedankengut der "Diversity"-Verfechter hervor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.06.2013 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23429

In einem Punkt muß ich mich korrigieren. Ich hatte angenommen, niemand sei so blöd, sich als Frau des Verfahrens zu bezeichnen. Nun, es gibt jede Menge Belege, z. B. diesen von der Heinrich Böll Stiftung:

Bevor sie mehr Europa fordern, müssen die Pro-Europäer sagen, wie die Bürgerinnen und Bürger Herr und Frau des Verfahrens bleiben können.

Es bleibt offen, welche Funktion eine Frau ausübt, wenn sie bei einem Verfahren die Frau ist. Man merkt übrigens den vielen Beispielen bei Google an, wie ganz und gar mechanisch, das Gendern betrieben wird. Es ist wie andressiertes Pfötchengeben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2013 um 08.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23415

Die Schweizer "Handelszeitung" berichtet am 11.6.13:

Mehrsprachige SMS sind in der Schweiz «in»

Forscher haben untersucht, welche Sprache und Ausdrücke in mobilen Kurznachrichten verwendet werden. Die Resultate sind überraschend.

Forschende der Unis Zürich und Neuenburg haben untersucht, welche Sprache und Ausdrücke in SMS in der Schweiz verwendet werden. Die Resultate zeigen, dass viele SMS mehrsprachig sind und die Rechtschreibung korrekt ist.
Dies berichten die Forschenden in zwei Artikeln im Fachjournal «Linguisticae Investigationes». Anders als es die Forschenden erwartet hatten, nahmen Anglizismen im SMS-Gebrauch nicht überhand, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) mitteilte.


Man kann leicht nachprüfen, daß die Zeitung wie normale Menschen von Forschern spricht, während die dann zitierten Forschenden aus der Pressemitteilung des Schweizer Nationalfonds stammen. Nur im steuerfinanzierten Paradiesgärtlein der Forschenden kann man sich solche Albernheiten erlauben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2013 um 08.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23404

Noch zu #23357:

Das Programm der österreichischen Übersetzerinnen Beatrice Fischer und Michaela Wolf: "Leitfaden zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch" ist am Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien 2009 entstanden. Der Versuch, bei Gelegenheit von Übersetzungen gleich die ganze Gesellschaft feministisch zu verändern, dürfte an den Auftraggebern scheitern, sobald die Translatorinnen ihr Institut verlassen und mit dem Übersetzen Geld verdienen müssen. Als Vater einer Fachübersetzerin habe ich da ein wenig Einblick.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2013 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23365

Ich habe mir noch einmal die "Charta der Vielfalt" angesehen. Wenn das Diversity Management das Ziel hat, persönliche Faktoren der Mitarbeiter, vor allem also die sexuelle Orientierung, in erhöhte Produktivität des Unternehmens umzusetzen, werden die Leute um des Unternehmenserfolges willen bald gezwungen sein, all dies schon bei der Bewerbung oder nachträglich offenzulegen. Ich verstehe nicht, wie die Universität Erlangen sich einem solchen Vorstoß anschließen konnte.

Dieser Ansatz, auch die kleinsten und intimsten Unterschiede auszuforschen und offenzulegen, findet zur gleichen Zeit statt wie die Bestrebungen zur völligen Anonymisierung der Persönlichkeitsmerkmale bei Bewerbungen. Aber das ist eben wieder der alte Widerspruch zwischen Leugnung und Hervorhebung der Unterschiede.

Neu ist die unverhüllt ökonomische Begründung in der "Charta".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2013 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23360

Nee, Herr Schaefer, war bloß ein Tippfehler, aber ich nehme Ihre Anregung gern auf und lasse es stehen, mal sehen, ob es ähnlichen Erfolg hat wie Freuds Narzißt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.06.2013 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23359

Es muß unter Männern ganz schön viele Feministinnen geben.

www.sueddeutsche.de

(Siehe auch www.fds-sprachforschung.de/index.php?show=thorheiten&id=188#1060. – Red.)
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 06.06.2013 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23358

Ist "feminist" schon ein nachweisbares Adjektiv? Ich frage aus Neugier, weil ich derartige Diskussionen bestenfalls mit Abscheu oder Kopfschütteln verfolge und mich im schlimmsten Fall darüber ärgere, daß für so einen Unsinn wahnsinnig viel Geld ausgegeben wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2013 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23357

Der innere Widerspruch, daß der Geschlechtsunterscheid einerseits als überholtes Konstrukt zu ignorieren, andererseits bei jeder Gelegenheit zu beachten sei, wird überall sichtbar.

Österreichische Übersetzerinnen glauben, sie könnten mit ihren feministen Übersetzungen die Welt verändern:

"Bewusster Umgang mit Sprache!
Sprache ist ein Schlüssel für eine gesellschaftliche Veränderung; mit ihr können feststehende Normen und auch Machtverhältnisse beeinflusst werden. Für Translator_innen ist eine bewusste und kreative Sprachverwendung von grundlegender Bedeutung: Ist ihnen der Einfluss von Sprache bewusst, können sie selbst aktiv und über Kulturen hinweg zu einer Veränderung der Welt beitragen."
(www.uni-graz.at/uedo1www_files_geschlechtergerechtes_formulieren-4.pdf)

Mit der Logik haben sie es nicht, das ist wahrscheinlich eine männliche Kategorie:

„Geschlechtergerechte Sprache verändert unser Denken, denn Sprache ist immer ein Abbild gesellschaftlicher Verhältnisse.“

Das Abbild verändert doch nicht das Original, oder?

Aber nun der Salto mortale:

„Unterschiede zwischen den Geschlechtern dürfen nicht festgeschrieben werden. Dennoch kann ein erster Schritt für eine Veränderung der Gesellschaft die bewusste Verwendung vorherrschender geschlechtsspezifischer Zuschreibungen sein. Um z.B. Frauen eine reale Chance bei der Stellenausschreibung einzuräumen, sollten auch soziale Kompetenzen – bei denen sich Frauen eher angesprochen fühlen – ein wichtiges Kriterium sein:
Teamfähigkeit
Selbstständigkeit
Kommunikationsfähigkeit
Verantwortungsbewusstsein
(...)
Zudem sollten keine stereotypen Eigenschaften verwendet werden, die eher Männern zugeordnet werden:
leistungsorientiert
durchsetzungsfähig
ehrgeizig
konsequent“

Das geht natürlich weit über die „geschlechtergerechte Sprache" hinaus. Auf welche Eigenschaften und Qualifikationen der Mitarbeiter Wert gelegt wird, ist eine unternehmerische Entscheidung.



Die Grüne Jugend Hessen hat erkannt:

"Wird von Politikern, Managern oder Ärzten geschrieben oder gesprochen, sind es Männer und nicht Frauen oder gar Inter- und Transsexuelle, die man damit assoziiert."

Um alle sexuellen Geschmacksrichtungen zu erfassen, will sie den Gender-Star verwenden. Der Gemüsehändler, zu dem ich gleich gehen werde, könnte ein bisexueller Transvestit sein, die Kassiererin im Supermarkt eine masochistische Lesbe usw.. Das ist stets mitzubedenken, weil es eben "keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt", wie auch die Universität Erlangen ausdrücklich behauptet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2013 um 03.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23354

Tilman Krause in der WELT treibt das generische Maskulinum sehr weit: Sibylle Lewitscharoff sei ein klassischer poeta doctus. (4.6.13)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2013 um 18.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23340

"Schon in der Grundschule sollten die Kinder mit einfacher Software wie Scratch programmieren lernen, empfiehlt die Royal Society. Nur so lasse sich vermeiden, dass sich Geschlechterrollen verfestigen: Der Jungsanteil im Abi-Leistungskurs Informatik lag 2011 auf der Insel bei 92,5 Prozent." (spiegel.de 3.6.13)

Originelle Begründung für frühen Informatikunterricht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2013 um 09.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23329

Für die Chronologie der Genderei ist es vielleicht nicht ohne Bedeutung, daß das Familienministerium im Laufe von sechs Umbenennungen seit 1953 (mit wechselnder Ein- und Ausgliederung von Abteilungen) im Jahre 1986 (unter Rita Süssmuth) erstmals zwar ausdrücklich Frauen, aber keine Männer im Namen führte. Ich hatte irrigerweise geglaubt, das sei erst unter Claudia Nolte geschehen.

Wie ich sehe, wurde Nolte (heute Crawford) ganz witzig und auch ein bißchen gemein als "Blusenwunder" bezeichnet. Wie schnell so etwas geht, hat sie in einem Interview viele Jahre später erzählt:

"Es wurde ja viel über Ihre Rüschenbluse gespottet. Hat Sie das verletzt?
Crawford: Ach, ich kam damals aus dem Studentenleben, wo man Jeans und T-Shirt trug. Doch dann brauchte ich formelle Kleidung für den Bundestag. Ich bin in den Laden gegangen und habe mich beraten lassen. So kam es zu der Rüschenbluse. Ich habe die Bluse übrigens nur zweimal getragen. Traurig war, wie schnell ich darauf reduziert wurde."
(Ost-Blog)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2013 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23319

Im Vorwort eines schon beiläufig erwähnten Lehrbuchs heißt es:

„Wir wurden gebeten, bei Personenbezeichnungen wie Leser auf die sog. Beidnennung Leserinnen und Leser zu verzichten. Längst haben psycholinguistische Untersuchungen ergeben, dass mit der männlichen Einheitsform auch eine männliche Vorstellung einhergeht, dass also mit Leser eher Männer als Frauen assoziiert werden. Zum 'Ausgleich' haben wir in den Beispielsätzen Frauen überrepräsentiert.“

Nehmen die Verfasserinnen im Ernst an, daß Studentinnen das Buch wegen des generischen Maskulinums beiseitelegen, schlechter verstehen oder negativ bewerten? Darum geht es doch, nicht um irgendwelche kontextfreien Experimente.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2013 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23307

Noch zu #22074:

Zur Eliminierung der Männer schon aus dem Titel eines Ministeriums gibt es natürlich längst einschlägige Kommentare, zum Beispiel hier:

www.wikimannia.org/Frauenministerium

„Das Frauenministerium wird aufgrund seines vollständigen Namens "Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend" auch "Ministerium für alle außer Männer" oder "Ministerium für alle, die nicht rückwärts einparken können"genannt.“

Aber wenn man die Witzelei beiseite läßt, gibt es schon zu denken, daß die Regierung offenbar nicht für alle Bürger arbeitet. Inzwischen hat man zwar viele Frauenbeauftragte in Gleichstellungsbeauftragte umbenannt, und überhaupt werden manche kämpferischen Unterscheidungen jetzt unter dem Namen Diversity neutralisiert, aber die Schlagseite der gesamten Genderei ist immer noch unverkennbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2013 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23305

Irigaray, in den Sokal-Hoax verwickelt, hat es inzwischen mit der Muttergottes und mit dem "Atem" junger Mädchen:

Die Gestalt der Maria ist in der christlichen Theologie nahezu abwesend, obgleich sie neben Jesus die Mit-Erlöserin der Welt ist. Diese Abwesenheit Marias in den Texten kontrastiert mit ihrer Allgegenwärtigkeit in der Kunst und widerspricht dem Eifer, mit dem das christliche Volk nicht aufhört, sich an sie zu wenden. Luce Irigaray nähert sich dem Mysterium, das Maria darstellt, und der Rolle, die sie in der Inkarnation des Göttlichen für die Menschheit spielt. Wie kann man nicht von der Tatsache berührt werden, dass die Virginität Marias nicht nur eine natürliche sein kann, sondern vor allem eine Virginität des Atems, der Seele sein muss, die sie dazu befähigt, ein anderes Ereignis des Göttlichen zur Welt zu bringen? In diesem Licht hat Luce Irigaray die so reiche Ikonographie der Verkündigung interpretiert, insbesondere das Erwecken und das Teilen des Atems, zu dem der Engel Maria einlädt. Das Schweigen, das Unsichtbare und das Berühren, so wesentlich für die Gestalt Marias, werden nicht als Zeichen einer bloßen Passivität oder Unterwerfung unter einen beliebigen Herrn interpretiert, sondern als Elemente einer weiblichen Präsenz, die imstande ist, in sich das aufzunehmen und zur Welt zu bringen, was noch nicht geschehen ist, sei es auf der menschlichen oder auf der göttlichen Ebene. Dank der Betonung des Atems und der natürlichen wie spirituellen Qualitäten der Frau erscheint Maria als eine Gestalt der Weisheit, gleich denen, die wir in anderen Kulturen finden, eine mögliche Vermittlerin zwischen verschiedenen Traditionen. Maria offenbart sich also als eine gewissermaßen verhüllte Manifestierung der göttlichen Kraft, dessen Trägerin und Verantwortliche eine Frau ist. (Verlagsankündigung zu Irigaray: Das Mysterium Marias. 2011)

Aber erst hier geht es so richtig los:

www.beck-shop.de/fachbuch/leseprobe/9783842487635_Excerpt_001.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2013 um 08.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23299

Vor ein paar Jahren hieß es zu einem „Europäischen didaktischen Programm“:

LeiterInnen des Forschungsgebietes:
Prof. Dr. René Dirven
MitarbeiterInnen des Forschungsgebietes:
Ralph Poerings
Dr. Martin Pütz
Dr. Wim Waumans


Die vier Herren sollten doch wissen, ob sie Männchen oder Weibchen sind.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 29.05.2013 um 19.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23298

Die KMK stolpert gendertechnisch über die eigenen Beine:

Dem Plenum gehören die für Bildung, Wissenschaft und Kultur zuständigen Minister und Ministerinnen bzw. Senatoren und Senatorinnen der Länder an. Sofern das Kultusressort in einem Land in zwei oder drei verschiedene Ministerien oder Senatsverwaltungen unterteilt ist, können auch mehrere Minister bzw. Senatoren an den Plenarsitzungen teilnehmen. Jedes Land hat aber in der Kultusministerkonferenz nur eine Stimme. Mehrheitsbeschlüsse sind möglich. Für Beschlüsse, die finanzwirksam sind, die Mobilität im Bildungsbereich oder die Kultusministerkonferenz selbst betreffen, ist jedoch Einstimmigkeit der Länder erforderlich. Neben den Ministern kommen die Amtschefs der beteiligten Ministerien ebenfalls zu regelmäßigen Sitzungen zusammen, den Amtschefskonferenzen, um Beschlüsse des Plenums vorzubereiten und solche Angelegenheiten zu erledigen, die keiner Erörterung im Ministerplenum bedürfen. Den Vorsitz in der Amtschefskonferenz führt die Amtschefin bzw. der Amtschef aus dem Land (Ministerium), das den Präsidenten oder die Präsidentin stellt.

(www.kmk.org/wir-ueber-uns.html)
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 10.05.2013 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23178

Bedeutet das, daß pani Novakova Untergebene von pan Novak ist?

Ich meine, Karl Kraus spielte mit diesem Aphorismus nicht auf Untergebenheit an, sondern eben auf unsere Sprache.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.05.2013 um 15.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23175

Weil Untergebene früher nicht mit "Herr" und "Frau" angesprochen wurden, hieß die Frau des Herrn Müller die Müllerin. Das war eindeutig. (In Tschechien und der Slowakei heißt die Frau von pan Novak pani Novakova.)
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 10.05.2013 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23173

Die Sprache entscheidet alles, sogar die Frauenfrage. Daß der Name eines Weibes nicht ohne den Artikel bestehen kann, ist ein Argument, das der Gleichberechtigung widerstreitet.
Wenn es in einem Bericht heißt, »Müller« sei für das Wahlrecht der Frauen eingetreten, so kann es sich höchstens um einen Feministen handeln, nicht um eine Frau. Denn selbst die emanzipierteste braucht das Geschlechtswort. (Karl Kraus)
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 09.05.2013 um 20.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23168

Zu #22901:

Die Zukunft gehört offenbar dem "Gender-_", siehe die "Antragssteller_in" in www.perle.uni-kiel.de/de/qualitaetsentwicklung-in-der-lehre/perle-projekte-ss-13 (es wird eine PDF-Datei geladen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2013 um 16.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23138

Zum 22. Weltkongreß für Philosophie: In Seoul versammelten sich über 2000 Philosophierende (...) (Rolf Elberfeld: Sprache und Sprachen. Eine philosophische Grundorientierung. Freiburg 2012:16)

Anscheinend waren auch Frauen dabei. (2000 Leute, die philosophieren, sind eine beklemmende Vorstellung.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2013 um 07.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23117

Haushaltsvorstand ist nach allgemeiner Definition der- oder diejenige, die den größten finanziellen Beitrag zum Haushalts- bzw. Familieneinkommen leistet. (...) Obwohl dieser nach heutiger Anschauung überholte Begriff immer noch verwendet wird, ist unbestritten, dass „der“ Haushaltsvorstand auch weiblich sein kann. (Wikipedia)

(der oder die ...)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 02.05.2013 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23110

Franz Kafkas Eltern Hermann Kafka (1852–1931) und Julie Kafka, geborene Löwy (1856–1934) entstammten jüdischen Familien. (Wikipedia)

Das ist nur ein Beispiel: Der Vater wird so gut wie immer zuerst genannt. Eine der seltenen Ausnahmen bei Wikipedia ist der Artikel über Mark Thatcher.

Haben die Feministinnen dagegen auch schon protestiert?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2013 um 06.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23102

Feministen argumentieren gern mit Beispielen wie

Sollte der Praktikant schwanger werden, fällt er unter den Mutterschutz.

Selbst das ist eher eine Frage der Gewohnheit, aber da wir die movierte Personenbezeichnung Praktikantin schon haben, wird man sie hier normalerweise auch verwenden, In anderen Fällen sieht man, daß das grammatische Maskulinum durchaus funktioniert:

Ist der Lehrling schwanger oder zum Bundesheer einberufen worden, gelten strengere Richtlinien. (Kärntner Wirtschaft 65/37, 2010)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2013 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23067

„Das Thema Gender muss verstärkt in die Lehre integriert werden. Ziel ist es, dass die Lehrinhalte beide Geschlechter ansprechen, Frauen und Männer gleichermaßen interessieren.“ (Die Leiterin des Büros für Gender und Diversity an der Universität Erlangen, uni kurier aktuell 90/2013)
Es geht also nicht nur um Frau und Beruf, sondern ausdrücklich um die Inhalte – ein verfassungswidriger Verstoß gegen die Freiheit von Forschung und Lehre. Daß Wissenschaften ihre eigene Systematik haben, die sich um unterschiedliche Interessen von Männern und Frauen – Autos vs. Puppen? – nicht kümmert, braucht man nicht zu erwähnen, das verstehen diese Leute sowieso nicht. Zum Glück widerlegt der „uni kurier“ mit seinen Forschungsberichten das ganze feministische Unternehmen.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 25.04.2013 um 20.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23065

Nach vier Wochen Zwangsferien dürfen fast 900 000 dänische Schülerinnen und Schüler am Montag wieder zur Schule gehen. Die Regierung beendet die von den Arbeitgebern verordnete Aussperrung der Lehrer mit einem Eilgesetz.
NZZ Online
Es klappt einfach nie. Jetzt hat man wieder die Arbeitgeberinnen und Lehrerinnen vergessen.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 25.04.2013 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23062

Berliner Provinzposse, aber wohl auch mehr: Die Bezirksvertretung Kreuzberg-Friedrichshain (oder Friedrichshain-Kreuzberg?) hat beschlossen, den Platz vor dem Jüdischen Museum "Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz" zu nennen. Man hätte auch sagen können "Moses-Mendelssohn-und-seine-Frau-Platz".

(Siehe dazu auch hier. – Red.)

Nebenbei: Die AfD bezeichnete sich neulich als "Partei neuen Typs". Da wissen wir doch, wo es herkommt, gell?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2013 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23050

Auf das generische Maskulinum wurde bewusst verzichtet, weil alle Experimente zeigen, dass es sich auf die mentale Repräsentation von Frauen negativ auswirkt und zu Assoziationen mit dem männlichen Geschlecht führt. Bei Studenten und Autoren denken wir hauptsächlich an männliche Vertreter. Die Frauen bleiben unsichtbar, auch mental. (Hilke Elsen: Wortschatzanalyse. Tübingen 2013:XI)

Auch im Jahre 2013 können manche Leute nicht einfach tun, was sie für richtig halten, sondern müssen dazu noch den Zeigefinger heben. ("Mental unsichtbar" ist auch hübsch gesagt.)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.04.2013 um 13.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23049

Das griechische Originalwort "Theotokos" (wörtlich "Gottesgebärerin"), das auf dem Konzil von Ephesos 431 als Ehrentitel festgelegt wurde, scheint männlich zu sein, ist aber ein Femininum. Griechisch war damals Welt-Umgangssprache und man hatte keinerlei Probleme mit femininen Wörtern mit maskulinen Endungen.

Im übrigen ist ein wesentlicher Unterschied zwischen protestantischen und katholischen deutschen Bibeln der Buchstabe "s" im Römerbrief 16, Vers 6: Protestantisch heißt es "Junia", katholisch "Junias". Giechisch steht nur der Akkusativ "Junian"; der weibliche Name "Junia" war sehr häufig, der männliche Name "Junias" absolut ungebräuchlich; aber es durfte amtlich keine weiblichen Apostel geben; peinlich genug gab es "Jüngerinnen", z.B. Maria aus Magdala, welcher der Auferstandene zuerst erschien war, eher als dem Petrus.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.04.2013 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23048

Im SPIEGEL von heute kommt ein Artikel von Ralf Neukirch zu dem Thema, dazu eine Karikatur mit der Unterzeile "Gender ist schuld!!".

Man sieht drei Kardinäle die Köpfe zusammenstecken. Sie tuscheln:
"Kardinälinnen, Erzbischöfinnen, Eminenzinnen, Exelenzinnen [sic] – wenn sich das nicht so schrecklich anhören würde, ...
... könnte man sich das ja noch mal überlegen mit den Frauen in der Kirche!"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2013 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23047

Doof finde ich auch „Lesbierinnen“ – seit wann gibts Lesbier? (www.utescheub.de/docs/Spraechinnen.pdf)

Ein schwieriger Fall. Die Motion erklärt sich dadurch, daß es sehr wohl Lesbier gibt und gab. Aber nur die Frauen von Lesbos sind dank Sappho zu der Ehre gekommen, stellvertretend für die gleichgeschlechtliche Orientierung genannt zu werden.

Eigentlich braucht man auch die Gebärerin nicht zu markieren, aber wenn man die Mütter einfach Gebärer nennen würde, gäbe es ein schönes feministisches Geschrei.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.04.2013 um 12.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23024

Spanisch: senorito (mit Tilde auf dem n), junger Herr, Geck;
Italienisch: signorino;
Tschechisch: panacek (mit Hatschek auf dem c) (von pan, Herr);
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2013 um 05.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23020

Ohne Fachsprache zu sein, entwickelt sich durch den Wahn der politischen Korrektheit eine bürokratische Sondersprache. Das ist das Gegenteil von "Sprachkultur" (gerade auch im Sinne der tschechischen Sprachwissenschaft, die das Schlagwort seinerzeit aufgebracht hat). Mit ermüdender Gleichförmigkeit werden alle einschlägigen Texte vollkommen mechanisch auf diese Form getrimmt:

Der Vergleich verschiedener von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern gebotenen Übersetzungen ermöglicht die Einsicht, dass jede Übersetzung von vielfältigen Bedingungen abhängig ist. (Aus einem Griechisch-Lehrplan)

Sogar beim stillen Lesen verfällt man unwillkürlich in jenes Leiern, das wir von entsprechenden Vorträgen im Ohr haben.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 17.04.2013 um 23.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23019

Au revoir „Mademoiselle“

Über Gleichberechtigung in der Sprache

"Liebe SchülerInnen .. ." Viele Briefe von Schulen an ihre Schüler
fangen oft ganz selbstverständlich mit dem berühmt-berüchtigten Binnen-I an, was nicht selten die Lesbarkeit des Textes stark beeinträchtigt. Doch die Gleichberechtigung steht um jeden Preis im Vordergrund - so auch in der Sprache.

Ebenso besingen wir in unserer Bundeshymne mittlerweile nicht nur die großen Söhne, sondern auch die Töchter- obwohl es vielen Menschen schlicht egal ist, was denn da nun eigentlich gesungen wird.

Vor einem Jahr wurde bereits der Begriff „Mademoiselle" in Frankreich offiziell von der Schriftsprache verabschiedet - bei Männern gebe es diese „Verkleinerungsform" ja auch nicht.
Außerdem soll keine Frau gezwungen sein, so viel von ihrem Privatleben preiszugeben, hieß es in der Begründung.
Hier stellt sich nun die Frage, ob es sinnvoll ist, alte Begriffe mit Zwang abzuschaffen. In Österreich gibt es den Begriff „ Fräulein“ schon lange nicht mehr, obwohl der seinen Charme durchaus
nicht verloren hat. Die meisten wollen in unserer auf Jugendlichkeit fokussierten Gesellschaft bis zu einem Alter von etwa 25 ohnehin nicht als „Frau" angesprochen werden, da sie dies als unpassend empfinden und sich nicht wohl dabei fühlen. Heute ist es aber keine Seltenheit mehr, nicht verheiratet zu sein, daher kann ein „Mademoiselle" oder „Fräulein“ nicht wirklich diskriminierend sein.
Die meisten Jugendlichen kümmern sich schlicht nicht ums Binnen-I oder ob unsere Hymne auch die Töchter beinhaltet. Auch die Verwendung von „Fräulein“ oder „Mademoiselle“, „Miss“ oder „Signorita“ ist ihnen gänzlich egal. Sie sind der Meinung, dass es genug wichtigere Dinge gibt, mit denen man sich beschäftigen muss: So sollten die wirklich diskriminierenden Tatsachen abgeschafft werden: etwa die unterschiedlichen Gehälter angleichen oder die Karenzzeiten ändern. Dasselbe gilt für alle anderen gesellschaftlichen Bereiche, in denen Frauen noch immer diskriminiert werden, etwa in der Kirche.
Erst dann kann man sich den Kopf zerbrechen, wie politisch korrekt unsere Sprache sein sollte.
Sarah Lehner (Kommentar in Der Standard Wien vom 13.2.2013).


Ich fände den Titel "Adieu Mademoiselle" treffender.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.04.2013 um 21.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23016

Die Wörter "Weib" und "Fräulein" sind veraltet und sollten in neuen Texten nicht mehr verwendet werden. Das Wort "Mädchen" sollte nur noch bis zur Pubertät angewendet werden, ab dann wird im Polizeideutsch "Frau" verwendet.
"Synesis" bedeutet "Verstand", und es würde dem Ansehen des Schulfachs Deutsch schaden, wenn dort nicht nach Verstand, sondern nur nach Vorschrift geschrieben werden dürfte. Sapere aude! Wage es ,den Verstand zu gebrauchen! (Horaz).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2013 um 18.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23014

Eduard Engel hat den Typus gleich zu Beginn, im Kapitel "Sprachschulmeisterei", ein für allemal abgefertigt. Es fehlt auch nicht das Beispiel, "das Fräulein müsse seinen, nicht ihren Hut aufsetzen". (S. 50)

Wenn man das gelesen hat, ermüdet einen die Sprachmeisterei der Heutigen ganz entsetzlich.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.04.2013 um 15.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23012

Leuten wie Schmachthagen geht eben das Gefühl für wirklich gesprochene und von guten Sprechern auch geschriebene Sprache ab. Sie müssen vorzeigen, daß sie was durch und durch verstanden haben, wie sie meinen, und die andern eben nicht, und deshalb nehmen sie jede Gelegenheit wahr, andern vorzuschreiben. Das ist es, was sie wirklich bewegt, nicht genaue Beobachtung der Wirklichkeit. Sie wollen gar nicht helfen; sie wollen bestimmen. Denn das beglückt sie, diese 1984er, und erfüllt sie mit Selbstachtung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2013 um 14.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23011

Danke für die schönen Beispiele! Auch bei Goethe wimmelt es von Übergängen zum natürlichen Geschlecht, das war früher schriftsprachlich wohl noch üblicher als heute. Je weiter man sich im Text von der neutralen Erstnennung entfernt, desto mehr setzt sich das natürliche Geschlecht durch. Die Grammatiken behandeln es unter Constructio ad sensum oder "Synesis" (so Blatz II, S. 49f.).
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 17.04.2013 um 13.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23010

Zu Mädchen, Fräulein und Weib ein paar Zufallsfunde:

Mädchen:
1) Aus dem Briefwechsel zwischen dem Dichter Heinrich Christian Boie (1744-1806) und Luise Meijer:
Luise Meijer, 6. Juli 1779: „Ein Mädchen sich zu wünschen, die nie geliebt, die ihre ganze unbefangene Seele gibt, ist romanhaft. ... um dir ein Mädchen vorzuschlagen, die ich gar nicht kennte“. – Luise Meijer, 9. Dezember 1781: „Nun fällt es dem Mädchen ein, daß ihr Geliebter ein Atheist, Deist, der Himmel weiß was ist“. – Luise Meijer, 5. Juli 1784: „Er hatte ja in Hannover ein Mädchen, ist die ihm etwa untreu geworden?“
2) E. T. A. Hoffmann, Die Serapions-Brüder, hier die Erzählung ‚Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde’: „mit einem Mädchen, die er früher geliebt“.
3) Der Zeichner und Maler Ludwig Richter, Lebenserinnerungen, Kap. 6: „von einem armen Mütterchen, welche ... ihre Kirchenlieder auswendig mitsang“.
4) Joseph von Eichendorff, Ahnung und Gegenwart, I, Kap. 5: „Der Ritter hatte ein junges Töchterlein, die machte ihm viel Kummer“.
5) Wilhelm von Kügelgen, Bürgerleben. Briefe an den Bruder Gerhard 1840-1867 (23. März 1847): „In diesem jungen Mädchen, die weder schön noch geistreich ist".
6) Herbert Eulenberg (1876-1949), ‚Wir Zugvögel’: „Das Mädchen war von ihrer neuen Pflegemutter, ... stets ‚Mala’ gerufen worden.“

„die Fräulein“
1) J. G. Herder, Italienische Reise, 7. August 1788: „Die Frl. Waldner hat mich auch zum Frühstück geladen“.
2) Noch einmal W. v. Kügelgen, 6. Dezember 1865: „eine Fräulein Röckel“.
3) Bettina von Arnim an ihren Mann Achim von Arnim im Oktober 1823: „Von Goethe heißt es hier allgemein, daß er die Fräulein Levetzow heuraten wolle, daß ihre Mutter damit einverstanden sei, das junge 18jährige Mädchen sträubt sich.“
4) Ludwig Richter, Lebenserinnerungen: „Sie war eine Fräulein Oppermann.“
5) Der Altphilologe Friedrich Creuzer an Karoline von Günderode, 12. März 1806: „Du fragst mich was Du machen solltest wegen der Briefe des jungen Fräulein, die sich Dir anvertraut?“
6) Nicolaus Lenau, Einleitung zu seinen Werken, in der die Anekdote von einer bayerischen Zofe berichtet wird: „Je, Sie sind g’wiß der Herr von Lenau, auf den die gnädig’ Frau und die gnädig’ Fräulein schon so lang’ warten!“
7) Jacob Burckhardt (1818–1897) in einem Brief: „Indem ich Sie bitte, mich Ihrer werten Fräulein Schwester und Ihrem Herrn Vater bestens zu empfehlen“.
8) Theodor Fontane, Briefe aus den 1890er Jahren: „Fräulein v. Bülow, an die ich das Rohr-Kapitel schickte“.
9) Josef Hofmiller, Brief von 1895: „Ich glaube, Deine Frl. Schwester macht momentan ihr Staatsexamen.“

Weib:
Theodor Storm, Gedicht ‚Nur heute ist‘, Vers 2: „Hast du ein Weib, so nimm sie in den Arm“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2013 um 07.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#23009

Schulmeister Peter Schmachthagen bestand kürzlich im Hamburger Abendblatt nicht nur auf der dudengerechten Verwendung der Kasus bei den Präpositionen wegen, statt usw., sondern auch auf der Beibehaltung des grammatischen Geschlechts gegenüber dem natürlichen:

Immer wieder werden das natürliche und das grammatische Geschlecht verwechselt, auch in seriösen Publikationen, wobei wir das eigene Glashaus gar nicht ausnehmen wollen. Das Mädchen entkam. Die Polizei fing „sie“ wieder ein. Nein, ohne den großen Fahndungserfolg unserer Beamten schmälern zu wollen, sei der Hinweis gestattet, dass nicht „sie“, sondern „es“ geschnappt worden ist. Übrigens ist auch Klein Fritzchen sächlich, nämlich das kleine Fritzchen. Und wenn sich der Hosenmatz noch so sehr in Positur wirft – grammatisch bleibt Klein Fritzchen ein „es“ und kein „er“. (Hamburger Abendblatt 26.3.13)

Eine weltfremde Norm, wie man aus den wissenschaftlichen Grammatiken lernen könnte. In manchen Fällen würde das Neutrum geradezu stören:

Selbst das konservative katholische Freifräulein von Droste-Hülshoff darf 'Am Turme', an einem Ort, von wo aus sie [es?] die Welt sieht, ohne von ihr gesehen zu werden, die Haare lösen und sich der Phantasie einer ungehemmten Leidenschaftlichkeit hingeben. (Heinz Schlaffer: Die kurze Geschichte der deutschen Literatur. München 2002:129)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.04.2013 um 04.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22926

Gemach, es handelt sich um ein »gewöhnliches« Binnen-I, das nur durch die Silbentrennung (im Originalabdruck) zum Kuriosum wird.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.04.2013 um 22.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22925

Als "Bürger-Außenkriege" können höchstens solche vom Typ "Deutsche Befreiungskriege" (gegen Napoleon) infrage kommen, die (am Anfang) ohne staatliche Leitung stattfanden.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 04.04.2013 um 19.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22924

Ich kann mir das Kalauern nicht verkneifen: Im Gegensatz zu den Außenkriegen, die die USA seit ihrer Gründung gegen fast alle Staaten der Welt geführt haben, war 1861-65 ja tatsächlich ein Innenkrieg.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2013 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22923

Am 9. April 1865 ging der sogenannte "Sezessionskrieg", der Bürger-Innenkrieg (!) zwischen den Nord- und den Südstaaten der USA, mit einem Sieg des Nordens zu Ende. (www.sozialismus.net/zeitung/mr20/schwarze-usa.html)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2013 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22922

Volksetymologisch an Amme angelehnt, daher überhaupt erst der Glottisschlag und die Trennung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.04.2013 um 21.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22905

Das Wort Hebamme wird sehr oft, ich glaube sogar meistens, ohne den Glottisschlag gesprochen, daher habe ich es als eines der seltenen Beispiele in Erinnerung, die man mit demselben Recht He- bamme trennen dürfte, wie man nach der "Reform" auch he- rum trennt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2013 um 09.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22904

Stichwort "Hebamme" bei Wikipedia:

"Die in Deutschland benutzte Bezeichnung Entbindungshelfer(in) oder -pfleger(in) wird in Österreich als „zu eng“ beurteilt, weil sie „die sehr wesentlichen Aufgaben der Hebamme in der pränatalen Beratung und Betreuung und in der postpartalen Versorgung von Mutter und Kind nicht berücksichtigt“ (S.20 Erl.RV)."

Darum wird in Österreich auch der Mann als "Hebamme" bezeichnet.

Die Begründung ist allerdings nicht überzeugend. Die Bezeichnung muß und kann nicht die gesamte Tätigkeit abdecken. Mit ähnlichen Argumenten ist die Hauswirtschaftlerin zur einigermaßen absurden "Ökotrophologin" geworden, der man immerhin eine wohltuende Unverständlichkeit bescheinigen kann.

Briefmarken werden auch auf Postkarten und Päckchen geklebt, weshalb sie eine Zeitlang "Postwertzeichen" heißen sollten. Immer derselbe Irrtum.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 01.04.2013 um 00.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22902

DTS-Meldung vom 31.03.2013: "BND: Jeder dritte Geheimdienstler ist eine Frau".
 
 

Kommentar von Michael Krutzke, verfaßt am 31.03.2013 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22901

Ach das Binnen-I ... Das politisch-korrekte Korrekturprogramm lehnt es mit Recht ab, wie ich gelernt habe (hat aber leider das einzig Gerechte noch nicht verinnerlicht). Die grün-jugendliche Speerspitze der Gendergerechtigkeitsbewegung hat es nämlich längst auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt. Es stößt zwar Lesende immer wieder auf Männlein und Weiblein, schließt aber tragischerweise all die aus, die weder das eine noch das andere sind. Deshalb hat man/frau/wedernoch (jeweils grünjugendlich) das "Gender-Gap" eingeführt, und zwar als "Stolperstein": Leser_innen usw. Das war für mich sehr erhellend, weil ich Wochen zuvor über die Anrede "Liebe Kund_innen" in einem Brief – tatsächlich! – gestolpert war und ratlos davor saß. Man darf sich schon auf wahrhaft geschlechtergerechte Quotenregelungen freuen ...

Tja, das kann lustig werden, sofern man genügend erheiternde Substanzen in Form bunter Pillen, in einem Pfeifchen oder eben in hartem Kau-Tobak zur Hand hat. 
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2013 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22899

In den amtlichen Ratgebern für eine bürgernahe Verwaltungssprache nehmen heute die Anweisungen zur "sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern" eine großen Raum ein. In den achtziger Jahren, als ich an mehreren Tagungen zur Verwaltungssprache teilnahm, war davon noch keine Rede. Die starken Annahmen der feministischen Linguistik werden in den neuen Broschüren und im Handbuch der Rechtsförmlichkeit als Tatsachen dekretiert, ähnlich wie die Außenseiter-Thesen der Rechtschreibreformer.
Da nun aber das Gendern in offenkundigem Widerspruch zur Lesbarkeit steht, mühen sich die Ratgeber (z. B. vom Bundesverwaltungsamt) über viele Seiten mit Vorschlägen ab, die Vermeidungsformen ihrerseits zu vermeiden. Sie sprechen auch die Hoffnung aus, daß die Sprachgemeinschft in Zukunft Wege finden werde, aus diesem Zwiespalt herauszukommen. Wenn man nicht wüßte, durch welche Anfangs-Unwahrheit dieser Ausnahmezustand hervorgebracht worden ist, könnte man sich wundern, was mit den Deutschen los ist.

Und noch etwas: Wenn eine Mode überholt ist und allgemein belächelt wird, dann ist für die Verwaltung die rechte Zeit gekommen, sie mit aller Macht durchzusetzen ...
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 30.03.2013 um 22.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22898

Auch für die Mainzelmännchen läßt sich offenbar kein feminines Pendant finden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2013 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22897

Anscheinend ist den Genderern bisher entgangen, daß Unternehmen, die Autos herstellen, Autohersteller sind. Nach femininen Formen kann man da lange suchen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2013 um 08.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22891

Die Verfasser der Straßenverkehrsordnung berufen sich auf das "Handbuch der Rechtsförmlichkeit", als sei es das heilige Evangelium, vergessen aber, daß dort auch steht:

"Die Formulierung sollte nicht zu sehr vom allgemeinen Sprachgebrauch abweichen." (Sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 29.03.2013 um 12.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22887

Bei zusammengesetzten Substantivierungen gehen üblicherweise die Präpositionen verloren. Folglich wird z.B. aus "Zu-Fuß-Gehenden" bald "Fußgehende" werden.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 29.03.2013 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22883

Der Bürgersteig muß unbedingt in Bürger-/Bürgerinnen- oder BürgerInnensteig oder noch besser in "Zu-Fuß-Gehende-Steig " umbenannt werden.
[Bemerkenswert ist, daß das Rechtschreibprogramm das Binnen-I beanstandet].
In der Schweiz habe ich schon vor Jahren von den Fahrzeuglenkenden gehört.
Na ja, die haben vielleicht ein Schuldgefühl beim generischen Maskulinum, schließlich hatten sie den Frauen lange Zeit das Wahlrecht abgesprochen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2013 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22882

Franziskus küsst Knackis die Füße (BILD 29.3.13)

Es waren auch zwei Mädchen dabei, wie könnte man das ausdrücken?

Übrigens schreibt BILD auch:

Harter Tobak aus dem Mund eines Papstes

Ich bin kein Raucher, aber ich glaube, beim Tabak kommt es eher auf die Stärke als die Härte an ...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 29.03.2013 um 08.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22881

Wenn eine Frau für das Bürgermeisteramt kandidiert, ist sie dann eine Bürgermeisterinkandidatin / Bürgermeisterin-Kandidatin? Streng logisch kann eine Frau nicht Bürgermeister, sondern nur Bürgermeisterin sein. Das Beispiel ist erweiterbar, z.B. Beamtinnen-Anwärterin usw.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 29.03.2013 um 08.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22880

Zur Schreibung Anderer:

Schon in der geltenden Fassung des § 1 Abs. 2 StVO findet sich die Großschreibung:

»Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.«

Während man hier aber noch argumentieren kann, daß die Kleinschreibung die Lesart »andere Verkehrsteilnehmer« nahelegen würde, wohingegen auch Personen gemeint sind, die nicht am Verkehr teilnehmen, ist ein solches Mißverständnis bei der Neufassung nicht möglich, so daß die Großschreibung unbegründet erscheint:

»Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.«

(Ob wohl das fehlende Komma nach »teilnimmt« im Bundesgesetzblatt noch ergänzt wird?)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 29.03.2013 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22879

Ojemine, wie kann man sich so eine Lektüre antun? Aber vielen Dank für die Darlegung der Jämmerlichkeit.

Jan Fleischhauer hat bei Spiegel Online das Thema amüsant aufbereitet:

www.spiegel.de/politik/deutschland/neue-geschlechtsneutrale-stvo-dummdeutsch-im-strassenverkehr-a-891487.html

Mich erleichtert der Spott, der sich über die Maßnahme ergießt. Fleischhauer hat auch das Vorhaben aufgegriffen, in Hannover die Fußgängerzone in Flaniermeile umzubenennen (weil Fußgänger männlich ist). Bei diesem Kommentar eines Lesers mußte ich lachen:

Liebe Bürgermeister, Bürgerinnenmeister, Bürgermeisterinnen und Bürgerinnenmeisterinnen von Hannover, nennt doch den Zebrastreifen Fußgänger- und Fußgängerinnenüberweg ... ja, für so blöde halte ich Euch!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2013 um 06.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22878

Ich habe inzwischen die ganze Neufassung gelesen und fasse zusammen:

Die neue Straßenverkehrsordnung versucht sowohl dem Gender mainstreaming als auch der Rechtschreibreform gerecht zu werden, was bedenklich genug wäre, da beide Unternehmungen auf wissenschaftlich unhaltbaren Annahmen über die Sprache beruhen. Aber auch die Ausführung ist äußerst fehler- und lückenhaft.

§ 1: Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer (...) geschädigt wird.

Ein Komma fehlt, die Großschreibung von Anderer ist unbegründet, ebenso in Gefährdung Anderer usw.

Das generische Maskulinum ist stehen geblieben in Verkehrsteilnehmer, der zu Überholende usw., außerdem in den Erläuterungen der Verkehrszeichen: Fußgänger, Verkehrsteilnehmer, Bewohner usw.

Die Existenz und Brauchbarkeit des generischen Maskulinums wird also in Wirklichkeit nicht bestritten, weshalb die punktuelle Änderung in unübliche Vermeidungsformen nicht zu rechtfertigen ist. Solche Vermeidungsformen wie zu den zu Fuß Gehenden und zu den Rad Fahrenden machen den Text schwer lesbar und vergrößern den Abstand zur deutschen Allgemeinsprache.

Das generische Maskulinum wird auch im pronominalen Bereich anerkannt: Wer überholt, darf denjenigen (!), der überholt wird, nicht behindern.

Ebenso bleibt es in den Überschriften erhalten, nicht jedoch im laufenden Text: § 25 Fußgänger usw.

Die Verfasser scheinen auch nicht zu wissen, daß die 1996 verordnete Getrenntschreibung erweiterter Partizipien (Rad fahrend) bereits 2004 durch die Wiederzulassung der sprachgerechten Zusammenschreibung ergänzt wurde. Immerhin verwenden sie platzsparend, das der herkommlichen Regelung entspricht.

Grammatisch bedenklich ist Gefährdung anderer am Verkehr Teilnehmenden. Hier ist heute die starke Deklination üblich, also anderer Teilnehmender.

Grammatisch falsch ist den Fahrenden von Krankenfahrstühlen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.03.2013 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22877

Weil das Partizip Präsens geschlechtsneutral ist, steht ihm eine große Blütezeit bevor. Später wird man diese Jahre daran erkennen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.03.2013 um 16.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22876

Mit dem ü ist der Autorin wohl ein Fehler unterlaufen. Jedenfalls heißt es im Verordnungstext (http://dipbt.bundestag.de/dip21/brd/2012/0428-12.pdf): »Mit Fahrrädern muss einzeln hintereinander gefahren werden« (§ 2 Abs. 4); »Wer ein Fahrrad […] fährt« (§ 23 Abs. 3); »wer […] mit einem Fahrrad fährt« (§ 49 Abs. 4 Nr. 7).

Für grammatisch falsch halte ich die »Fahrenden von Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen« (§ 26 Abs. 1).

Weitere Versäumnisse:

In § 18 Abs. 5 Nr. 3 Buchst. c haben die Novelleure das Wort »Rollstuhlfahrer« übersehen. Zu kritisieren ist auch das in Anlage 3 gleich zweimal verwendete Kompositum »Rollstuhlfahrersinnbild«.

In § 39 Abs. 7 steht unter dem Zu-Fuß-Gehenden-Sinnbild das Wort »Fußgänger« und unter dem Reitenden-Sinnbild das Wort »Reiter«.

Ebenfalls revisionsbedürftig sind die »Bewohner mit Parkausweis« und – nicht zu vergessen – das »Andreaskreuz«.

In der Begründung zu der Verordnung wird unbekümmert von »Inline-Skatern« gesprochen.

Usw. usf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2013 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22875

Nein, lieber Herr Wrase, das war schon immer so. Ich glaube, zur Unterscheidung vom Fahrzeughalter gab und gibt es den Fahrzeugführer, auch bei Fahrrädern.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.03.2013 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22874

Aus Radfahrern werden Rad Fahrende, oder es heißt: wer ein Fahrrad führt. Wieso führt? Es heißt doch nicht die Rad Führenden. Ist das bei Auto auch so: die Auto Fahrenden, aber wer ein Auto führt? Das mit dem ü ist vielleicht doch ein Aprilscherz.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.03.2013 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22873

Rufen wir die Frauen auf? Dies ist doch kein Männerverein.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.03.2013 um 08.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22872

Nachdem das Interrogativpronomen "wer" als maskulin erkannt worden ist und tatsächlich auch so dekliniert und im Satzgefüge so behandelt wird, besteht dringender Bedarf an einen zusätzlichen femininen Fragepronomen einschließlich der Zusammensetzungen wie "irgendwer" usw. Hier muß das indogermanische Erbe als veraltet überwunden werden, und die Deutschen könnten darin den übrigen indogermanischen Sprachen als Vorbild vorangehen. Rufen wir die Frauen zu einem Ideenwettbewerb auf!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.03.2013 um 08.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22871

Es besteht allerdings noch erheblicher Nachbesserungsbedarf. Noch ist der Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen nicht gewonnen:

Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere zu den zu Fuß Gehenden und zu den Rad Fahrenden, eingehalten werden. (§ 5 Abs. 4)

Wer seine Absicht, nach links abzubiegen, ankündigt und sich eingeordnet hat, ist rechts zu überholen. (§ 5 Abs. 7)

Die Zeichen und Weisungen der Polizeibeamten sind zu befolgen. (§ 36 Abs. 1)

Kraftomnibusse ohne Anhänger oder mit Gepäckanhänger (§ 18 Abs. 5 Nr. 1 Buchst. c)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2013 um 06.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22870

Wo das Stichwort "Geschlechtergerechtigkeit" fällt, haben Verstand und Wissenschaft ihr Recht verloren. Hinzu kommt noch eine Folge, die in harmloser Form schon bei Postwertzeichen, Fernsprecher, Lichtzeichenanlage zu beobachten war: Texte, die sich nicht auf dem Markt behaupten müssen, sondern verordnet werden, entfernen sich immer weiter von der Sprache gewöhnlicher Menschen. Bei jenen umständlichen Wörtern waren es im Grund gleichgültige Konventionen, aber beim Gendern steht die Moral-Rhetorik dahinter, und so ist leider anzunehmen, daß der Unsinn noch eine Weile weitergeht. Wer wagt dagegen aufzubegehren? Das ist wie bei der Rechtschreibreform: Sie war als Unsinn erkannt, aber im Namen der Schüler konnte man doch nicht mehr dagegen sein.
 
 

Kommentar von Peter Küsel, verfaßt am 27.03.2013 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22868

Der Süddeutschen Zeitung zufolge tritt am 1. April eine neue, geschlechtergerecht formulierte Straßenverkehrsordnung in Kraft, in der es keine Fußgänger oder Rollstuhlfahrer mehr gibt, sondern nur noch "zu Fuß Gehende" und "Fahrende von Rollstühlen":

http://sz.de/1.1634273
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2013 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22854

Ich verwende im folgenden stets die weibliche Form, wenn ich von Personen unbestimmten Geschlechts spreche. Die Männer sind natürlich immer mitgemeint. (Über Paul und Patricia Churchland.) Die Churchlands sind ebenfalls Philosophieprofessorinnen in Kalifornien, und zwar an der Universität San Diego. (Christopher von Bülow: „Chinesische Zimmer, Turnhallen und Gehirne“ 1990)

Man stelle sich vor. Jemand bestellt ein vegetarisches Gericht. Der Kellner bringt es. Der Gast schimpft los: "Wo ist denn das Fleisch? Wenn ich 'vegetarisch' sage, ist Fleisch natürlich immer mitgemeint."
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 19.03.2013 um 00.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22824

...aber die erratisch abwechselnden Personenbezeichnungen fördern den Lesefluß nicht.

Das erinnert mich an einen Radiobeitrag über eine Frankfurter Modellschule, den ich vor längerer Zeit gehört habe. Die Schulleiterin erläuterte das Konzept des "selbstbestimmten Lernens" und sprach dabei mit routinierter Eloquenz von Lehrern, Lehrerinnen, Lehrkräften, Schülern und Schülerinnen. Es dauerte eine Weile bis klar wurde, daß keine einzige der Aussagen geschlechtsbezogen war, sondern daß die willkürliche Mischung der Begriffe nur der "Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit" geschuldet war.

Die Schulleiterin vollzog diese Sprechweise routiniert und flüssig (ja geradezu virtuos). Diese permanente Demonstration ihrer guten Gesinnung geht natürlich auf Kosten des Hörers, der in jedem zweiten Satz stutzt und sich fragen muß, ob nun tatsächlich nur Mädchen bzw. Frauen gemeint sind oder ob die Aussage generell gelten soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2013 um 14.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22823

Wir werden bei Personenbezeichnungen keine Wortschöpfungen wie LehrerInnen o. Ä. einführen. Vielmehr wird aus Gründen des Leseflusses immer nur ein Geschlecht, mal in der weiblichen, mal in der männlichen Form benutzt. Das jeweils andere Geschlecht ist dann vom Leser immer mitzudenken. Die Reihenfolge ist erratisch.

Der Verzicht auf jene Wortgebilde ist zu loben, aber die erratisch abwechselnden Personenbezeichnungen – als ob es im Deutschen ein generisches Femininum gäbe – fördern den Lesefluß nicht. Warum schreiben die Leute nicht einfach so, wie es im Deutschen üblich ist? Das scheint aber nicht mehr möglich zu sein. (Wer hätte früher je von sich selbst behauptet, er schreibe „erratisch“?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2013 um 09.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22763

Ergänzend zu #19159:

Andreas Unterberger (der uns früher bei der "Presse" im Kampf gegen die Rechtschreibreform unterstützt hat) teilt eine Beobachtung mit, die wahrscheinlich nicht so gern wahrgenommen wird:
»Ich konnte in den letzten Wochen wieder an einer ganzen Reihe exzellenter, hintergründiger Vorträge und Diskussionen zu wirtschaftlich und außenpolitisch interessanten Themen teilnehmen. Viele Interessierte kamen, hörten zu und lernten dabei viel.
Nur eine Gruppe kam nicht: die Frauen. Obwohl fast alle Veranstaltungen, bei denen ich zuhörte (oder auch mitdiskutierte) frei und gratis zugänglich waren, war ihr Anteil durchwegs kleiner als 20 Prozent, meist sogar unter 10 Prozent. Gleichgültig, ob es um die Energiezukunft, um die Lage der europäischen Industrie, um die neuen Korruptionsgesetze, um die Zukunft der EU, um Ideen für die Schaffung von mehr Unternehmergeist, um die sogenannten Targetsalden der EZB (die von manchen Experten ja als brandgefährlich eingestuft werden), um den Nahen Osten oder den Balkan gegangen ist.
Warum die Frauen nicht gekommen sind, kann man zwar nicht objektiv belegen. Aber umso eindeutiger kann man festhalten, dass man ohne ununterbrochen aktualisiertes Wissen um diese ständig neuen Entwicklungen auch nicht imstande sein kann, eine Führungsposition in Politik oder Wirtschaft auszuüben. Ob das nun ein Aufsichtsratsjob, eine Vorstandsmitgliedschaft, ein Botschafterposten oder eine Abgeordneten- und Ministerfunktion ist. Daher ist das modische Gerede, dass Frauen in diesen Bereichen unterrepräsentiert wären, völlig absurd. Ihr Anteil ist überall größer als offensichtlich ihr Interesse.
Natürlich werden jetzt einige sagen: Aber viele Frauen müssen sich ja um die Kinder kümmern. Das ist für diese Frauen in der Tat ein ernstes und voll zu respektierendes Hindernis. Wobei freilich offen bleibt, wie man ohne ausreichend Zeit zum Sammeln von Hintergrundinformationen dann plötzlich ein guter Aufsichtsrat sein will.«

Frauen beteiligen und engagieren sich sehr wohl in großem Umfang, aber man muß sicher genauer hinsehen, in welchen Bereichen sie das tun, bevor man flächendeckend Quoten einführt.

Wir erinnern uns noch, daß die Rechtschreibreform praktisch nur von Männern ausgedacht und durchgedrückt wurde, auch in der Zwischenstaatlichen Kommission und im Rechtschreibrat sagen die wenigen Frauen kein Wort. Erst im letzten Stadium der Durchsetzung stiegen Kultusministerinnen zu.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2013 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22759

O je! Jetzt hat sich der Bundespräsident dazu verleiten lassen, in der Sexismusdiskussion, die sich kurioserweise den Wüstling Brüderle als Aufhänger gesucht hat, zur Mäßigung aufzurufen. Aber einen gemäßigten "Aufschrei" kann sich keiner vorstellen. Deshalb geht es nun erst richtig los: Gauck ist ja noch viel schlimmer als Brüderle!

(Die AufschreierInnen haben gleich bemerkt, daß Furor mit Furie zusammenhängt und Gauck also die Frauenrechtlerinnen allesamt hysterisch findet (obwohl er es so offen nicht gesagt hat, der Schlingel!). Näheres in den Foren von FOCUS, SZ usw.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2013 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22710

In Lehrerzeitschriften und ähnlichen Zusammenhängen wird schon mal das generische Maskulinum verwendet, wenn es um Lehrer geht, aber so gut wie niemals bei den Schülerinnen und Schülern, das ist tief verinnerlicht:

Im Ganzen ist dieses Werk für die Hand des Lehrers überaus nützlich, für die Hand von Schülerinnen und Schülern – wie bei einem wissenschaftlichen Forschungsüberblick nicht anders möglich – ist es dagegen weniger geeignet.(...)
Für die Schülerinnen und Schülern bietet dieses Buch auf Grund seiner Sprache sicherlich Schwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten liegen nicht in einer überbordenden Fachterminologie, sondern in einer Diktion, die in ihrer leisen, vorsichtigen und zugleich poetischen Diktion heute fremd anmutet und die meisten Schülerinnen und Schüler mangels einer heute so gewünschten Plakativität abschrecken dürfte. Wer sich jedoch als Lehrer oder Lehrerin mit der Odyssee befasst, sollte sich mit diesem Buch auseinandersetzen, um zu verstehen, wie dieses Epos zu dem geworden ist, was wir vor uns haben.
(Aus Pegasus, der Onlinezeitschrift des Altphilologenverbandes)



Das ist heute deutsche Normalprosa (allerdings nicht in Zeitungen und nicht bei Schriftstellern). Sie wird späteren Philologen eine harte Nuß sein, müssen sie doch irgendwie die Neurotisierung einer ganzen Generation zu verstehen suchen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.02.2013 um 13.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22569

Es wäre nicht zweckmäßig, wenn eine Bauherrin sich gegenüber den Handwerkern als Baufrau bezeichnen würde. In Bauherr(in) steckt noch die frühere Bedeutung als Herr(in) über die Bauabwicklung und nicht nur eine Anrede.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 07.02.2013 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22568

Was wird aus dem deftigen Fluch Herrgott nochmal!, wenn dem Herrgott sein Genus abgesprochen wird?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.02.2013 um 11.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22567

Ein Hund hat einen Herrn, manche sagen auch Herrchen und Frauchen, aber eine Frau hat er nicht.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 07.02.2013 um 10.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22566

Mein Vorschlag an Frau Klöckner, als Pendant-Homonym doch wenigstens Schirmdame zu wählen, fand kein Gehör.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2013 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22564

Die Politikerin, Weinkönigin usw. Julia Klöckner nennt sich, wie im Forum erwähnt, beharrlich Schirmfrau – z. B. der Aktion Niere –, weil sie nicht weiß, daß Frau keineswegs das symmetrische Gegenstück zu Herr ist. Neben anderem gilt zum Beispiel, daß man zwar Herr des Verfahres, aber nicht Frau des Verfahrens sein kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2013 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22562

Der Uni-Kurier der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat laut Impressum eine Herausgeberin, nämlich die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. So bekommen auch weibliche Universitäten ihre gerechte Chance. Finde ich gut.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2013 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22435

Sie verliert das Spiel gegen ihre erst 19 Jahre alte Landsfrau Sloane Stephens. (sueddeutsche.de 23.1.13)

Der Protest vieler Feministen gegen Landsmännin ist unbegründet, weil die Ableitung Männin rein historisch ist und im heutigen Deutsch nicht vorkommt. Wie bekannt, ist auch das ersatzweise vorgeschlagene -frau eine Ableitung von der maskulinen Form, nur noch älter und stärker verdunkelt.

Aber wenn nun Landsfrau sich durchsetzen sollte, was bei der Willfährigkeit der Medien durchaus möglich scheint, ist es auch kein Schaden, freilich auch kein Gewinn, sondern einfach: egal. (Beachten Sie bitte meinen eleganten Doppelpunkt!)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2013 um 16.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22412

Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder der GfE ... (Gesellschaft für Entwicklungsbiologie)

Unterschrift: Renate Renkawitz-Pohl, Professorin an der Philipps-Universität Marburg

Man sollte es nicht für möglich halten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2013 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22411

A child sees her father roaring and prowling like a lion, and might run away, but she doesn't act as though she thinks her father is actually a lion. If she believed that, she would be terrified. Usw.

Das ist der Stil psychologischer Abhandlungen aus den USA heute: Versuchspersonen und sonstige Subjekte sind grundsätzlich weiblich, wenn nicht ausdrücklich etwas anderes erforderlich ist. Sobald das generische Femininum sich durchgesetzt haben wird, dürfte es einen Maskulinismus geben, der sich dagegen wehrt, bloß mitgemeint zu sein. Und was werden die Frauen bis dahin erreicht haben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2012 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22220

Wer seine Haare bedecken möchte, soll das tun, und als Frau darf sie das sogar in einer Kirche. (Jan Philipp Reemtsma)

Das geht einfacher und sprachrichtiger:

Wer seine Haare bedecken möchte, soll das tun, und als Frau darf man das sogar in einer Kirche.

Die Beflissenheit ist auch nicht konsequent genug: ihre Haare<{i> wäre zu erwarten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2012 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22193

Der Tagesspiegel ist mit Recht gezwungen worden, folgende Richtigstellung abzudrucken:
Das Bundesfamilienministerium legt Wert auf die Feststellung, dass Bundesministerin Kristina Schröder in der Kolumne von Harald Martenstein in der Sonntagsausgabe vom 23. Dezember falsch zitiert worden ist. In der Kolumne heißt es: „Die Familienministerin Kristina Schröder, CDU, hat kurz vorm Fest angeregt, dass wir Deutschen in Zukunft nicht mehr ,der Gott‘ sagen, sondern ,das Gott‘, aus Gründen der politischen Korrektheit. Sie selber hält es in ihrem familiären Umfeld jedenfalls so.“
Das Ministerium teilte dazu mit:
„Das ist falsch. Weder hat sie das ,angeregt‘, noch hält sie es ,aus Gründen der politischen Korrektheit‘ so und schon gar nicht in ihrem familiären Umfeld.
Richtig ist: Kristina Schröder hat im Interview mit der ,Zeit‘ auf die Frage ,Wie erklärt man einem kleinen Mädchen, dass alle zu DEM lieben Gott beten, nicht zu DER Gott?‘ wörtlich geantwortet: ,Ganz einfach: Für eins musste man sich entscheiden. Aber der Artikel hat nichts zu bedeuten. Man könnte auch sagen: Das liebe Gott.‘“


Das germanische Wort ist in der christlichen Tradition teils zum Eigennamen Gott geworden und, soweit ich es verstehe, deutlich männlich (Stichwort Kinderglaube), teils Bestandteil einer Kennzeichnung wie der liebe Gott. Im Deutschen kann man sich, wie die Ministerin erkannt hat, um den Artikel und damit auch eine Genus-Entscheidung nicht drücken. Über das generische Maskulinum ist schon genug gesagt worden, es gibt aber auch das Neutrum als Default-Genus. So können wir auf eine Person zeigen, deren Personhaftigkeit und sogar Geschlecht eindeutig erkennbar sind und fragen: Wer ist denn DAS?
Die Juden vermeiden die direkte Verwendung eines Gottesnamens, das ist vielleicht am gescheitesten. Die Bibel in gerechter Sprache bemüht sich, mit ihren wechselnden Bezeichnungen das immerhin doch patriarchalische Gottesbild zu entsorgen, theologisch richtig, aber philologisch am falschen Ort.
Frau Schröder hat in der denkbar harmlosesten Form den Standpunkt der Theologie artikuliert. Wenn viele jetzt über sie herfallen, dann wahrscheinlich aus anderen Gründen als den vorgegebenen. Manche schwätzen aber auch einfach drauflos, wie Martenstein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2012 um 12.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22184

In der WELT schreibt Andrea Seibel (die uns übrigens vor Jahren mal geholfen hat) anläßlich des absurden Streits um Kristina Schröder:
Das unselige Gender-Mainstreaming, jene Infragestellung jeglicher, auch biologischer, Unterschiede zwischen Mann und Frau, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen!
Damit ist, wie gesagt, nur die eine Hälfte der feministischen Thesen zitiert. Der Widerspruch besteht darin, daß der Geschlechtsunterschied nicht nur geleugnet wird, sondern bei jeder politischen Entscheidung berücksichtigt werden soll.

Zur Sache noch: Da Schröder nur ausgesprochen hat, was alle Theologen glauben, nämlich daß der Begriff des biologischen Geschlechts auf Gott nicht anwendbar ist, sollte man erwarten, daß sie wie ein Mann aufstehen und ihr beispringen. Warum tun sie das nicht? Wie kann es denn sein, daß viele Leute nun so tun, als habe Schröder etwas ungeheuer Skandalöses getan? Das fragt sie sich wahrscheinlich auch. Vielleicht war und ist sie als Ministerin überfordert, das kann ich nicht beurteilen, aber daß sie wegen dieser unschuldigen, geradezu banalen Äußerung in einem Zeitungsinterview zur Belastung für Merkels Regierung wird, ist haarsträubend. Haderthauer, Geis und solche Leute haben ihre großen Auftritte, andere werden sich anschließen und die günstige Gelegenheit wahrnehmen. Aber die Medien sind auch schuld an diesem kommunikativen Desaster.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2012 um 10.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22135

Je mehr Gleichstellug der Geschlechter und Gleichheit in der Schulbildung, desto mehr ebnet sich der Unterschied in den mathematischen Schulleitungen ein. (Jungen sind wohl eher ungewöhnlich gut oder ungewöhnlich schlecht.) Die sprachliche Überlegenheit der Mädchen, meist an der Lesefähigkeit gemessen, tritt dann aber um so deutlicher hervor (siehe hier).

Beim Lesen kam mir der Gedanke wieder in den Sinn, daß die Rechtschreibreform, da ausschließlich von Männern betrieben, möglicherweise ein typischer Dumme-Jungen-Streich gewesen sein könnte. Das Motiv (den Vorsprung der Mädchen zunichte zu machen) war ihnen womöglich selbst nicht bewußt.

Bei der Behandlung der Fremdwörter haben wir das entsprechende Motiv einwandfrei identifiziert: Niemand soll sich mehr auszeichnen können. Die Letzten werden dann sogar die Ersten sein. Bisherige Dummschreibungen werden zur Norm.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 05.12.2012 um 23.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22077

Auf die Anfrage "Fehlt da nicht jemand?" hier (#22074) wird von der Leyens Ministerium sicher bald heißen: "Bundesministerium für Familie, Senioren, Seniorinnen, Frauen und Jugend."
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 05.12.2012 um 21.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22076

Ist es nicht beruhigend zu wissen, daß diese Ministerium immerhin erkannt hat, daß "es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2012 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22074

Man sollte meinen, daß die Bundesregierung für alle Bürger arbeitet, aber von der Leyens Ministerium heißt: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. – Fehlt da nicht jemand?

Auf der Website stellt dieses Ministerium hochamtlich die uns bereits bekannte These auf:

Gender Mainstreaming
bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.

(www.gender-mainstreaming.net)

Man sollte von der Leyen einmal zur Rede stellen, ob sie das wirklich und buchstäblich so meint.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 30.11.2012 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22033

Ein namhafter Betrag ist ein hoher, jedenfalls ansehnlicher Betrag (vgl. DWDS, Duden, auch schon DWB). Name hier wohl im Sinne von Bedeutung: ein bedeutender Betrag.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.11.2012 um 23.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#22026

Mal ein Versuch mit dem generischen Femininum:

Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach, eine der bedeutendsten Hüterinnen von Kafka-Autographen, hat bereits von einem privaten Mäzen die Zusage für einen sehr namhaften Betrag erhalten; ...
(FAZ, 28.11.12)

Nebenbei: Was ist ein namhafter Betrag?
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 22.11.2012 um 00.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21961

Unter dem Titel "The Most Complicated Words in English: 'He,' 'She,' and 'They'" (siehe hier) schlägt sich eine Kolumnistin des Magazins "The Atlantic" mit dem Problem des generischen Maskulinums im Englischen herum, kommt aber zu keinem Ergebnis.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.11.2012 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21948

Die Endung -er kann nicht für Männlichkeit herhalten, dann dürfte es nicht Mutter, Schwester, Tochter heißen.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 20.11.2012 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21947

Ich versuche mal, das ins Absurde zu steigern: Alle solche Gruppen explizit zu berücksichtigen, wäre natürlich erst der Anfang, denn wo blieben dabei die individuell unterschiedlichen Merkmale? Ich will als Individuum mit meinen persönlichen Besonderheiten und Befindlichkeiten wahrgenommen und geschützt werden!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2012 um 09.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21945

Als ich las:

„Das Bündnis fordert, die Persönlichkeitsrechte von Kindern als neuen Artikel 2a in die Verfassung zu schreiben. Politiker müssten dann bei jeder Entscheidung dem Kindeswohl Vorrang geben.“ (17.11.12)

– dachte ich, das ist doch genau der Platz, den bisher das Gender-Mainstreaming eingenommen hat! Und ich kam mir etwas futuristisch-satirisch vor, als ich hier ein Kinder-Mainstreaming kommen sah. Aber nun sehe ich, daß die SPD-Fraktion schon 2011 ausdrücklich ein "Kinderrechte-Mainstreaming" gefordert hat (BT-Drucksache 17/6920).

Natürlich wird es auch ein Senioren-Mainstreaming geben müssen usw. Am Ende wird die Forderung stehen, bei jeder politischen Entscheidung auf Frauen, Homosexuelle, Kinder, alte Leute, Behinderte, Muslime, Katholiken – kurz: auf die ganze Bevölkerung Rücksicht zu nehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2012 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21941

Meiner Eigenschaft, immer und unmittelbar als Frau identifizierbar zu sein, kommt hohe Visibilität zu. (Senta Trömel-Plötz: Frauensprache. Frankfurt 1982:61)

(= Ich bin leicht als Frau zu erkennen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2012 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21939

Übrigens spricht Pober in ihrem Buch durchgehend von der "Sichtbarmachung" der Frau usw., womit sie die Befangenheit im Schriftlichen beweist, auf die ich schon in anderem Zusammenhang hingewiesen habe.

Zum Inhalt: Pober scheint mir einige Jahrzehnte zu spät zu kommen. Das haben wir doch damals alles schon einmal gelesen, allerdings ohne die typographischen Mätzchen, die nun außer dem Inhalt dafür sorgen, daß kein Mensch den Wälzer lesen wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2012 um 15.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21938

Die im Diskussionsforum erwähnte Feministin Maria Pober ist in Wien zuerst Maga. phil. und später Drin. phil. geworden. Wie löst man die zweite Abkürzung eigentlich auf?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.11.2012 um 12.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21937

Betr.: Menschenrechte für Kinder.
Was nicht in der Bibel und den Zehn Geboten steht, gehört anscheinend nicht zum "Christlichen Abendland", sondern eher zum Zeitalter der "Aufklärung", und die ist in manchen Punkten heute noch umstritten, besonders in den USA, wo man sich über das "Alte Europa" lustig macht (historisch ist das ein ganz anderes Zeitalter).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2012 um 07.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21935

„Kinder müssen draußen bleiben“ – so kommentiert das Neue Deutschland den Vorstoß von Unicef und anderen, „Kinderrechte“ ins Grundgesetz aufzunehmen. Die Vorschläge sind streckenweise so formuliert, daß ein „Kinder-Mainstreaming“ bevorzustehen scheint. Schon melden sich Beschneidungsgegner, die ein neues Instrument für die Durchsetzung ihrer Ansichten kommen sehen. Eine Funktionärin wendet sich gegen den Vorwurf der Aufblähung des GG mit dem Argument, das habe man doch bisher auch schon so gehalten, etwa mit Zusätzen über die Gleichberechtigung der Frauen. Eben.
Neue Grundgesetzartikel kosten nichts und tun keinem weh, im Gegensatz zu einem Familienlastenausgleich.
Die Kritik wird wohl nichts nutzen. Gegen das Gute kann man auf die Dauer nicht kämpfen. Wenn es im Bundestag nicht klappt, macht man es eben über die EU und „setzt um“, was dort beschlossen ist, wie bei der Frauenquote.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.11.2012 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21923

Unterirdisch, in der Tat. „Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten.“ Man fragt sich, warum die Dichter aufs Flötenlöten und Krötentröten verzichtet haben. Steht doch auch alles in Steputats Reimlexikon.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2012 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21921

Jetzt mal was Unterirdisches (wie man heute gern sagt). Von meinen Töchtern habe ich schon vor Jahren gelernt, daß Rapper Texte vortragen, denen man dieses Prädikat kaum verweigern kann. Ein bekannter Journalist und Musikwissenschaftler belehrte mich dann, Eminem sei der Mozart unserer Zeit.

Nun, gerade lesen wir von einer interessanten Strafanzeige gegen Xavier Naidoo und seinen Kollegen, u. a. wegen "Homophobie". Es geht um einen Text gegen Kinderschänder und -mörder. Ich habe den Text gelesen, dessen einschlägige Stelle der FOCUS so zitiert:

Warum liebst du keine Mö**, weil jeder Mensch doch aus einer ist?

(Wir haben gelernt "Inter faeces et urinam nascimur", sind also mit dem Sachverhalt vertraut.)

Wie es scheint, gründet sich der Vorwurf darauf, daß Männer zum heterosexuellen Geschlechtsverkehr aufgefordert werden. Der homosexuelle hätte als gleichwertig ebenfalls erwähnt werden müssen. Oder verstehe ich das nicht richtig?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.11.2012 um 00.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21917

@Herrn Achenbach: Danke für den Hinweis. Mit vorgesetztem Artikel würde klarer, daß das Verb "sein" in den romanischen Sprachen ein Substantiv mit der Bedeutung "Wesen" ist. (Ohne Artikel kann es auch "menschlich sein" in direkter und in übertragener Bedeutung meinen.) Wieder was gelernt.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 14.11.2012 um 19.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21913

Die romanischen Sprachen behelfen sich doch genauso wie das Englische:

être humain, essere humano, ser humano.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.11.2012 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21910

Die romanischen Sprachen haben immer noch kein eigenes Wort für Mensch, sodaß die Übersetzung "Eine Frau ist ein Mensch" doppeldeutig wird. Sie können sich nicht einfach auf die alten Römer berufen, denn die alten Griechen waren lange vorher schon weiter. Hier besteht wirklich Nachholbedarf, weil es langsam peinlich wird. (Die Engländer behelfen sich z.B. mit "human being".)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.11.2012 um 18.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21909

Dabei fällt mir ein, Großbritannien und Nordirland müßten doch eigentlich zur Zeit anstatt UK UQ heißen, so wie auch die Nationalhymne sich jeweils an die aktuelle Gegebenheit anpaßt ("God save the K/Q").
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2012 um 11.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21908

Frauen in der Sprache "sichtbar" machen (statt hörbar) – dieser schriftverführte Fehler ist in der ganzen Welt verbreitet. Gerade sehe ich „Sexismo lingüístico y visibilidad de la mujer“ (von Ignacio Bosque, Mitglied der Königl. Span. Akademie, 2012).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2012 um 07.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21791

Taylor Swift ist eine der gegenwärtig erfolgreichsten weiblichen Popsängerinnen. (SZ 27.10.12)
= Taylor Swift ist eine der erfolgreichsten Popsängerinnen.
Das eingeschobene gegenwärtig wirkt pedantisch; wenn es sein muß, könnte man an einer besser passenden Stelle heute, zur Zeit oder der Gegenwart einfügen.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 18.10.2012 um 22.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21739

Dazu noch dies: "Harald Eia: Das Gleichstellungs-Paradox (1)", Video mit deutschen Untertiteln, www.youtube.com/watch?v=mguctw0i-rk
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 14.10.2012 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21693

Zum Hinweis von Herrn Küsel: Die Schweden scheinen nicht mitbekommen zu haben, daß man in ihrem Nachbarland erfreulicherweise aufgewacht ist – siehe hier.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2012 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21691

Wer es noch einmal amtlich und sehr deutlich lesen will:

www.gender-mainstreaming.net/gm/Wissensnetz/ziele,did=16586.html

Immerhin kann die neue Mode dazu beitragen, die Fixierung auf Gender zu verdrängen. Man wird eher die Frauenbeauftragten umfunktionieren als sie neben den Diversitybüros beizubehalten. Die Uni Erlangen tut es schon und hat ihr Büro entsprechend umbenannt. Andere Wege zur Besinnung sind ja praktisch nicht möglich.

Bei Berufungsverfahren zum Beispiel (ich kann es nur wiederholen) saß bisher die Frauenbeauftragte stumm dabei, dann die Gleichstellungsbeauftragte, nun die Diversitybeauftragte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2012 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21686

In einem Beitrag zu den Mitteilungen des Germanistenverbandes (1/2011) schreiben die Schweizer Rechtschreibräte Schmellentin und Lindauer entweder so:

Wenn die Lernenden von den Korrekturen der Lehrenden profitieren sollen, müssen die Korrekturen einsichtig und übersichtlich gemacht werden.

oder sie verwenden das nicht zugelassene Binnen-I, oder – am häufigsten – sie verdoppeln:

Dafür werden Fachbegriffe verwendet und entsprechend schwer verständlich können Regelformulierungen für Schüler und Schülerinnen sein. Regeln für Schüler und Schülerinnen sollen sich jedoch nicht so sehr an das Gebot der Kürze halten, sondern sollen möglichst in schülergerechter, einfacher Sprache formuliert und auf die Verstehensmöglichkeiten der Schüler und Schülerinnen zugeschnitten sein.

So werden auf 14 Seiten die Schülerinnen 43mal ausdrücklich erwähnt, damit auch der Letzte begreift, daß es sie gibt.

Solche Texte schnurren so mechanisch ab, daß man den Inhalt gar nicht mehr richtig aufnehmen kann. Er ist allerdings ebenso vorhersehbar wie die Form. Das Zitierte ist in seiner Banalität und tautologischen Breite ein gutes Beispiel.
 
 

Kommentar von Peter Küsel, verfaßt am 09.10.2012 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21660

Zur Entwicklung in Schweden (#20244) vgl. auch diesen Bericht aus der Zeit vom 24. 08. 2012:

Sei, was du willst
Egalia ist die umstrittenste Vorschule Schwedens. Ihr Ziel: Eine geschlechtsneutrale Erziehung


(www.zeit.de/2012/34/C-Schule-Kindergarten-Schweden/komplettansicht)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2012 um 10.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21659

Welche praktischen Folgerungen aus der Charta beispielsweise an unserer Universität gezogen werden sollen, ist mir nicht klar. Wenn man einige der angegebenen Parameter kombiniert, könnte daraus folgen, daß es eine besondere Hochschuldidaktik für die ältere, behinderte, lesbische Katholikin aus Äthiopien geben soll. Nur so kann das "Potenzial", das in diesen Merkmalen liegt, nutzbringend (!) aktiviert werden. Die "Förderung" der Diversität scheint aber andererseits darauf hinauszulaufen, alle diese Unterschiede schließlich aufzuheben: "Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig (!) von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität."
Vielleicht darf man solche Texte aber gar nicht wörtlich zu verstehen versuchen, sondern soll sich mit der Ballung wohlmeinender Absichtserklärung in eine weltumarmende Stimmung bringen lassen.
Jedenfalls ist es weder für den Universitätspräsidenten noch für andere aktive Mitarbeiter ratsam, Zweifel an diesem Projekt zu äußern. Tatsächlich verhalten sich auch alle ganz still. Es handelt sich schließlich um eine "zentrale" Aufgabe der Universität, in Zukunft vielleicht sogar um die einzige ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2012 um 07.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21658

»Vorbildliche Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass Sie auch die Dimensionen „sexuelle Orientierung“ (SOI) im Diversity Management aktiv bearbeiten. Dies potenziert Vorteile wie Innovationskraft, Motivation und die Attraktivität als Arbeitgeber.
Andere Unternehmen verweilen auf dem Level, dass sexuelle Orientierung reine „Privatsache“ sei oder als Dimension für das Unternehmen nicht relevant ist.
Wie genau kann ein Unternehmen ALLE Vorteile von Diversity realisieren und
sexuelle Orientierung zu einer produktiven Dimension aktivieren? In diesem
interaktiven Workshop erfahren Sie hierzu Hintergründe, bekommen Checklisten an die Hand und lernen, wie Bedenken bzw. Widerstände zum Thema in produktive Energie umgesetzt werden können.« (Charta der Vielfalt)

»Die Charta im Wortlaut
Die Vielfalt der modernen Gesellschaft, beeinflusst durch die Globalisierung und den demografischen Wandel, prägt das Wirtschaftsleben in Deutschland. Wir können wirtschaftlich nur erfolgreich sein, wenn wir die vorhandene Vielfalt erkennen und nutzen. Das betrifft die Vielfalt in unserer Belegschaft und die vielfältigen Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden sowie unserer Geschäftspartner.
Die Vielfalt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten eröffnet Chancen für innovative und kreative Lösungen.
Die Umsetzung der „Charta der Vielfalt“ in unserer Organisation hat zum Ziel, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität. Die Anerkennung und Förderung dieser vielfältigen Potenziale schafft wirtschaftliche Vorteile für unsere Organisation.
Wir schaffen ein Klima der Akzeptanz und des gegenseitigen Vertrauens. Dieses hat positive Auswirkungen auf unser Ansehen bei Geschäftspartnern, Verbraucherinnen und Verbrauchern sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern der Welt.
Im Rahmen dieser Charta werden wir
1. eine Organisationskultur pflegen, die von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung jeder und jedes Einzelnen geprägt ist. Wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Vorgesetzte wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Werte erkennen, teilen und leben. Dabei kommt den Führungskräften bzw. Vorgesetzten eine besondere Verpflichtung zu.
2. unsere Personalprozesse überprüfen und sicherstellen, dass diese den vielfältigen Fähigkeiten und Talenten aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unserem Leistungsanspruch gerecht werden.
3. die Vielfalt der Gesellschaft innerhalb und außerhalb der Organisation anerkennen, die darin liegenden Potenziale wertschätzen und für das Unternehmen oder die Institution gewinnbringend einsetzen.
4. die Umsetzung der Charta zum Thema des internen und externen Dialogs machen.
5. über unsere Aktivitäten und den Fortschritt bei der Förderung der Vielfalt und Wertschätzung jährlich öffentlich Auskunft geben.
6. unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Diversity informieren und sie bei der Umsetzung der Charta einbeziehen.
Wir sind überzeugt: Gelebte Vielfalt und Wertschätzung dieser Vielfalt hat eine positive Auswirkung auf die Gesellschaft in Deutschland.«
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.10.2012 um 15.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21640

Vermutlich stand im Text ursprünglich jede/r Absolvent/in oder so etwas, und Jürgen Kaube hat das dann rausgestrichen. Merkwürdigerweise sind einige gesperrte Wörter stehen geblieben, was in einem heutigen Zeitungstext höchst ungewöhnlich aussieht (vor hundert Jahren wäre es ganz normal gewesen).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.10.2012 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21639

Aus "Das leere Versprechen der universitären Kompetenzenprüfung" (FAZ, 2.10.12):

Am Ende jeder Lehrveranstaltung wird jedem Studierenden mittels einer Prüfung bescheinigt, er habe in dem Modul neben dem Fachwissen auch die überfachlichen Kompetenzen erworben, ...
Bei einem sechssemestrigen Studiengang mit dreißig Modulen hat ein Studierender mithin regelmäßig, aber auch mindestens, dreißig Kompetenzprüfungen zu absolvieren, ...
..., das heißt, der Studierende wird in die Lage versetzt, später im Beruf kompetent handeln zu können.

Was ist nun hier der Vorteil des Wortes Studierender gegenüber Student?
Wie man ständig im gleichen Text sieht, geht es sowieso nicht ohne das generische Maskulinum:

... wird jedem Absolventen bescheinigt, er habe ...
... keiner der Verantwortlichen ...
... der studentische Absolvent ...
... der Kandidat einer Modulprüfung scheitert so gut wie nie an dem Befund, der Kandidat habe etwa keine Sozialkompetenz erworben oder ihm fehle die personale Kompetenz und d e s w e g e n sei das Modul nicht bestanden.

Gottseidank verzichtet der Autor auf Absolvierende, Kandidierende, Vertretende, allerdings nicht auf Hochschullehrende.

Ansonsten ein recht aufschlußreicher Artikel über das modische Kompetenzgetue.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2012 um 12.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21519

Wie gesagt, an der Erlanger Universität ist das Amt der Frauenbeauftragten inzwischen ausgebaut worden. ("Der neue Arbeitsauftrag hinsichtlich Diversity Management bedingt eine Umbenennung des bisherigen Büros der Frauenbeauftragten zum Büro für Gender und Diversity. ")
Vergnügungssüchtige können diverse Texte von der Website herunterladen.

Die Texte sind zum Teil etwas sonderbar geschrieben: Der Familienservice der Erlanger Universität zum Beispiel hilft „in Studium bedingten Notfallsituationen“. Man wird "herzlich Willkommen" geheißen usw.

Wie auf vielen ähnlichen Netzseiten, die fast wörtlich übereinstimmen, versucht man sexuelle Belästigung zu definieren. Da kehrt die Behauptung wieder: "Sexuelle Belästigung ist stets einseitiges Verhalten, das sich grundlegend von Flirts oder Komplimenten unterscheidet " usw. Als Beispiele werden angeführt:
"taxierende Blicke - Annäherungsversuche" u. a.
Ich finde, daß es sich gerade nicht um eine "grundlegende" Unterscheidung handelt, daß vielmehr gerade hier eine kaum definierbare Übergangszone verläuft. Irgendein "Annäherungsversuch" muß ja stattfinden, sonst klappt das nie. Wie haben Sie Ihre Frau kennengelernt? Was hat Christian Wulff getan, bis Bettina merkte: „Der will doch was von dir“?

Zum Allgemeinen: Die Ausdrücke "Gender" und sogar "Diversity" werden wohl auch aus Ängstlichkeit beibehalten, weil man fürchtet, etwas falsch zu machen oder den jederzeit als vorbildlich verehrten amerikanischen Ansatz zu verfehlen. Verschiedenheit soll also ausgebaut werden:

"Bei den Unterschieden handelt es sich zum einen um die äußerlich wahrnehmbaren Unterschiede, von denen die wichtigsten Geschlecht, Ethnie, Alter und Behinderung sind, zum anderen um subjektive Unterschiede wie die sexuelle Orientierung, Religion und Lebensstil." (Wiki Diversity Management)

Das sind sieben Unterschiede, aber es sind noch mehr denkbar: Körpergröße, Händigkeit usw. - Die Suche nach Unterschieden wird selbst zu einer "Querschnittsaufgabe". Es geht darum, den Begriff "Mensch" als ideologisch zu entlarven, weil er eine Gemeinsamkeit vorspiegelt, die es nicht gibt, friedliches Zusammenleben, wo Kampf herrscht oder herrschen sollte.

Haben Sie bisher übersehen, daß Ihre Kollegin dunkelhäutig und katholisch ist? Es wird höchste Zeit, daß Sie sich das ständig bewußt machen!

Übertreibe ich? Keineswegs:

"Dieser neue Gender- und Diversity-Ansatz stellt einen ganzheitlichen Prozess dar, der die Unterschiedlichkeit aller Universitätsangehörigen als Chance und Potenzial für die Universität versteht und der in Zukunft von dem Büro für Gender und Diversity verantwortlich begleitet wird." (Uni Erlangen, Hervorhebung im Original)

Man hat den Unternehmen vorgeworfen, Diversity in den Dienst der Ertragssteigerung zu stellen, aber die Universitäten machen es genauso, indem sie eine Steigerung der wissenschaftlichen Leistung in Aussicht stellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2012 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21432

Die Vorgeschichte von Redings Vorstoß zeigt, was wirklich gemeint ist: Nicht die wirtschaftliche Leistungskraft der Unternehmen soll durch den höheren Frauenanteil erhöht werden, sondern geplant sind Beschränkungen bei der Auftragsvergabe, falls der Frauenanteil eines Unternehmensvorstandes nicht den Vorgaben der EU entspricht. Das ist ähnlich wie bei den Umweltvorgaben (Nachhaltigkeit als Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbewerb). Die Frauenquote, die Reding für die Unternehmen durchsetzen will, soll also die Erfüllung der Gleichstellungsforderung ermöglichen, die sie bereits durchgesetzt hat. Ein selbstreferentielles System, das allenfalls von außen aufgebrochen werden kann, dann allerdings vielleicht mit großer Wucht. Man kann den eigenen Markt ja auch mit Importrestriktionen schützen, aber nur, solange er groß genug ist, dem Rest der Welt standzuhalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.09.2012 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21401

Getrud Höhler schreibt in ihrem enthemmten Buch über Merkel:

Den Posten strebt sie in der männlichen Form an: „Stellvertretender Regierungssprecher“, schreibt sie. Zufall? Bei Merkel kaum.

Die generisch-maskuline Form war in der DDR bei weitem die üblichste, das sollte eine Literaturprofessorin eigentlich wissen.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2012 um 04.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21372

Die Europäische Kommission macht Ernst in Sachen Frauenquote - zumindest in Aufsichtsräten. Justizkommissarin Viviane Reding plant bereits für den Herbst eine Richtlinie, die die 27 EU-Staaten zur Einführung einer gesetzlichen Regelung verpflichtet. Dann wird als bindendes Ziel ausgegeben, dass "40 Prozent aller Aufsichtsräte dem unterrepräsentierten Geschlecht angehören müssen. Dieses Ziel gilt für börsennotierte Unternehmen und muss bis 1. Januar 2020 umgesetzt werden", heißt es in dem Entwurf, wie die "Welt am Sonntag" berichtet. "Wenn die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann geht das nicht ohne Frauen an der Spitze", sagte Reding zu den Plänen. (ARD 2.9.12)

Erstaunlich finde ich, daß die Kommissarin diesen Schritt nicht mit der längst vorgeschriebenen Gleichstellung begründet, sondern mit dem vorausgesagten wirtschaftlichen Erfolg. Das wäre ein empirisch überprüfbarer Zusammenhang. Ziemlich riskant. Allerdings kann die EU darauf hoffen, daß der Erfolg niemals untersucht werden wird. (Wir kennen das von der Rechtschreibreform und den Schul- und Hochschulreformen).

Man sieht übrigens, wie weit solche Entscheidungen von jeder Mitwirkung des Volks entfernt sind. Wir wählen zwar formal immer noch irgend etwas, aber ganz gewiß keine EU-Kommissare.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 28.08.2012 um 00.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21340

Unter einem Rangierenden stelle ich mir am ehesten jemand vor, der am Steuerpult seiner Modelleisenbahn sitzt und mit seinen Zügen Rangierfahrten durchführt.

In der Wirklichkeit gibt es keinen einzelnen Rangierenden! Am Rangieren sind zumindest 3 Aufgaben beteiligt: Rangierfahrten planen und Fahrstraßen stellen, Führen der Verschublok(s) und zugehörige Kupplungs- und Entkupplungstätigkeiten, um Züge zu zerlegen und neue zusammenzustellen.

 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 27.08.2012 um 23.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21339

Die Frage ist auch, wie nennt man einen Rangierenden, wenn er gerade nicht rangiert, ist er dann ein Nicht-Rangierender, ein im Moment beschäftigungsloser Rangierender, ein Rangierender zwischen Rangierfahrten oder gar einfach ein Rangierer?
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 27.08.2012 um 23.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21336

In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, dürfen Frauen mit einem Führerschein ein Auto fahren?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.08.2012 um 19.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21335

Für Triebfahrzeugführende gilt ab dem 14.12.2003 die Departementsverordnung des UVEK über die Zulassung zum Führen von Triebfahrzeugen der Eisenbahn VTE (SR 742.141.21.). Triebfahrzeugführende im Sinne der Verordnung sind Lokomotivführende, Strassenbahnführende sowie Zugbegleitende und Rangierende. Das BAV stellt für diese Kategorien Führerausweise aus.
(www.bav.admin.ch/glossar/index.html?lang=de&action=id&id=133)

Conducteurs de véhicules moteurs
Les conducteurs de véhicules moteurs sont soumis dès le 14.12.2003 à l’ordonnance du DETEC sur l’admission des conducteurs de véhicules moteurs des chemins de fer (OCVM ; RS 742.141.21). Au sens de cette ordonnance, il s’agit des conducteurs de locomotives, de tramways, ainsi que du personnel des trains et de la manœuvre. L’OFT délivre des permis de conduire pour ces catégories de personnel.
(ebd.)

Es ist also die deutschsprachige Schweiz, die sich das ausgedacht hat.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 27.08.2012 um 12.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21333

Im Wikipedia-Artikel Triebfahrzeugführer (vulgo: Lokomotivführer) gibt es am Ende einen Verweis auf den Artikel zu demselben Beruf in der Schweiz: Triebfahrzeugführende.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 09.08.2012 um 09.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21239

Wie ich sehe, lassen sich griechische Buchstaben nicht einfügen; bitte um Entschuldigung für den Zahlensalat. Meine Beispiele lauteten "i Nissos, i Seriphos, i Naxos, i Chios".

(Die Redaktion kann es reparieren – wenn sie möchte.)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 09.08.2012 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21238

Schliemanns Fremdsprachgenie wird vielleicht übertrieben, aber den Artikel der Pelopsinsel kann er doch nicht übersehen haben. Überhört eigentlich auch nicht; Inseln sind schließlich trotz maskuliner Endungen auch im Neugriechischen weiblich: η Νήσος, η Σέριφος, η Νάξος, η Χίος etc. Und es war ja nicht nur Schliemann, der vom Peloponnes sprach. Seltsam.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2012 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21234

Schliemann wird immer wieder als Genie des Fremdsprachenlernens angeführt, man findet aber wenig über den wirklichen Grad der Beherrschung. Da er sich die Sprachen meist aus Büchern (vor allem durch zweisprachigen Textausgaben, was ich übrigens auch sehr gut finde und gern praktiziere) aneignete, litt wohl die Phonetik unter Vernachlässigung. Irgendwo habe ich gelesen, daß sein Englisch praktisch nicht zu verstehen war, kann aber die Stelle nicht mehr finden.

Damit will ich dem großen Mann aber nicht am Zeug flicken. Lesefertigkeit ist an sich auch schon ein achtenswertes Ziel und wäre in der Schule stärker zu fördern, statt daß man sehr viel Zeit auf eine Kommunikationsfähigkeit verwendet, die allenfalls in einer oder anderthalb Sprachen erreicht werden kann, wenn man nicht gleich im Ausland ist.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.08.2012 um 20.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21232

Griech. "hä näsos" = die Insel. "hä peloponnäsos" = die Insel des Pelops, die Peloponnes (so in meinem alten Griechischwörterbuch). Möglicherweise haben sich Übersetzer von der scheinbar maskulinen Endung "-os" täuschen lassen. Aber Herr Schliemann konnte Altgriechisch.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 08.08.2012 um 18.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21231

Ich erinnere mich, daß in meiner Schulzeit von dem Peloponnes gesprochen wurde. Heute weist man sich gern mit der ostentativen Erwähnung der Peloponnes als Griechenlandkenner aus. Ich frage mich, warum Schliemann von dem Peloponnes gesprochen hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2012 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21229

... die dazu noch he parthénos ist ...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.08.2012 um 13.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21228

Ein wichtiges Beispiel für die griechische Verwendung der männlichen Substantivform mit weiblichem Artikel für weibliche Personen ist der im Konzil von Ephesos 431 festgelegte Titel "hä theotokos" = die Gottesgebärerin für die Mutter Jesu (ins Slawische wörtlich übernommen als "bogorodica") und ähnliche Formen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2012 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21227

Dagegen spricht einmal, daß der Akzent bei moviertem "apostole" verschieden wäre, zum anderen, daß Substantive auf -os ("he hippos" usw.) ohne weiteres feminin sein können und den Griechen daran nichts aufgefallen zu sein scheint. Allerdings gibt es aristophanische Scherze darüber, die Jacob Wackernagel in seinen Vorlesungen über Syntax genauer bespricht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.08.2012 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21226

Das Problem bei "apostolos" = Gesandter, Reisender, Bote ist wohl, daß in der Originalsprache die weibliche Form "apostolä" schon für Absendung, Abreise, Abfahrt belegt ist. Die neutrale Form "apostolon" existiert in "apostolon ploion" = Frachtschiff.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2012 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21225

Der Fan ist auch nur maskulin. Ich bin mit einem verheiratet, ist aber eindeutig weiblich. Bisher war uns beiden nichts aufgefallen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 08.08.2012 um 06.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21224

Das "Fehlen" von Apostelin im Rechtschreibduden ist nur deshalb erwähnenswert, weil die Redaktion sonst ganz mechanisch die weibliche Form hinzugefügt hat. Es gibt nur wenige Ausnahmen, und man kann sich die Frage stellen, warum sie von dieser politisch korrekten Maßnahme verschont geblieben sind.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.08.2012 um 00.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21222

In der Originalsprache kann "angelos" männlich oder weiblich sein, d.h. männlichen oder weiblichen Artikel haben.
In der Originalsprache ist "hagion pneuma" = heiliger Geist sächlich.
Bei der Übersetzung ins Lateinische sind also schon Verfälschungen vorgenommen worden. Kein Wunder, daß die lateinische Bibel jahrhundertelang amtlich vorgeschrieben war und niemand Griechisch lernen sollte.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 07.08.2012 um 23.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21221

Frau Wölfin ist sicher auch keine Engelin.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 07.08.2012 um 22.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21220

Fehlt noch, daß die Ehefrau des Herrn Wolf "Frau Wölfin" zu nennen ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.08.2012 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21219

Wenn es ein Wörterbuch gibt, in dem die Apostelin nicht fehlen darf, dann ist es das Große Wörterbuch der deutschen Sprache von Duden. Erwartungsgemäß findet man sie dort auch.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.08.2012 um 15.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21218

An dem Namen "Junias" für die Apostolin Junia (Römerbrief 16, 7) hält nur noch die lateinische Kirche fest.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.08.2012 um 13.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21217

Bei Apostel hat der Duden keine weibliche Form beigefügt. Dabei gibt es durchaus Apostelinnen, die man zum Beispiel bei Wikipedia unter Apostel finden kann.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 05.07.2012 um 12.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#21008

Finde gerade bei peak-oil.com die Formulierung "Rob Hopkins, der Hebammrich der Transition-Town-Kultur,(...)" mit maskulinem Motionssuffix.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.06.2012 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20956

Die Schwächen (...) summieren sich zu einem Desaster, von dem man nur hoffen kann, dass es jede und jeden, die oder der es künftig besser machen will, wenigstens eines Besseren belehrt. (SZ 29.6.12 über eine Proust-Verfilmung)

Die Karikatur eines deutschen Satzes, dank Political correctness
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.06.2012 um 22.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20944

Ach Gott, na einem nicht am Rosenmontag Geborenen wird man's wohl verzeihen, ich habe das einfach nach Gehör geschrieben. Immerhin, die Verbindung zu Narren stimmt.

Und nun weiß ich endlich auch, wie dieser Marsch richtig heißt. Bei dem hat mein Gehör bisher völlig versagt, nie und nimmer hätte ich den mit dem Wort Narr in Verbindung gebracht. (Eher dachte ich dabei daran, was wohl die besten Soßenpilze sind: Na Hallimasch!)
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 26.06.2012 um 18.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20943

A propos: Die Narrhalesen (so heißt es wohl genau) sind eine Mainzer Erfindung, passend zum Narrhalla-Marsch. Mainz liegt zwar auch am Rhein, ist aber von Köln Welten entfernt. In Köln begnügt man sich üblicherweise mit den "Närrinnen und Narren", nur bei Köbes Underground heißt es ganz gerne auch mal "Leev Jeckinnen un Jacken".
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 26.06.2012 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20942

Wie schnell man doch zum Advocatus diaboli wird (oder muß man heute sagen "Advocata Diabolae"? Aber der Teufel ist ja böse, also männlich...). Daß die Suffixe -in und -rich gleichrangig sind, hat ja niemand behauptet. Außer Enterich und Gänserich gibt es überhaupt kaum ein Wort, bei dem regelmäßig -rich als Motionssuffix Verwendung findet. Es ist aber eine Besonderheit der deutschen Sprache, daß es überhaupt einen Ansatz zu einem maskulinen Motionssuffix gibt. Sprachgeschichtlich könnte sich das leicht ausweiten.
Die Frage, ob das Anhängen von -in die Bedeutung auf eine Teilmenge einschränkt, ist eine semantische und hat mit der Wortbildung wenig zu tun. Wortbildung ist eine formale, weitgehend sinnfreie Angelegenheit. Ein Motionssuffix verwandelt ein Maskulinum in ein Femininum (oder umgekehrt, s. oben), weiter nichts. Auch etymologisch zusammengesetzte Suffixe, wie -erin es wäre, sind sprachlogisch kein Problem. Bei teilhaftig denken wir gewöhnlich nicht an teilhaft, und die berüchtigten Habseligkeiten haben nichts mit selig zu tun, und auch nicht damit, daß "man auch mit Wenigem zufrieden sein kann", wie einmal eine Jury meinte.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 25.06.2012 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20940

Solche Germanisten könnten doch auch mal untersuchen, inwieweit die Werbung einer Metzgerei für ihre guten Bratwürste und Schnitzel die vielen Vegetarier oder Hungerkünstler ausgrenzt. Ausgrenzend ist als weiteres Beispiel natürlich auch die bevorzugt an den Hausherrn geschickte Werbung von Weingütern, was suggeriert, daß nur er der Weinkenner und im Besitz des nötigen Geldes ist, um die edlen Tropfen zu erwerben.
Könnte dieser Wissenschaftler nicht eine Korrektheitsmaschine entwickeln, durch die man alle Texte erst einmal durchnudelt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.06.2012 um 10.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20939

Die Germanistik wird aber jetzt so richtig relevant:

www.scilogs.de/.../special-woman-sucht-kreditgeber

Immer größere "polyamore" Scheren in immer kleineren Köpfen – das braucht unser Land!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.06.2012 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20938

bzw. die Rheinländer (siehe hier)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.06.2012 um 21.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20937

Kann man wirklich sagen, daß die Suffixe -rich und -in sich auch nur ansatzweise entsprechen? Ich kenne kein Wort auf -rich, welches auch auf -in lauten kann. Die einzige echte solche Paarbildung haben auch wieder die Kölner erfunden: Närrinnen und Narrelesen.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 24.06.2012 um 19.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20936

Rein grammatisch-logisch könnten wir aber auch die Täterin als Grundform ansehen und eine verkürzte Ableitung für speziell männliche Täterinnen bereithalten.

Genau das geht nicht. Täter und Täterin sind nicht im Sinne von Grundform und Ableitung austauschbar. Die Bildung des einen aus dem anderen Ausdruck durch Zufügung des Suffixes -in ist eine Spezialisierung, schränkt also den allgemeineren Ausdruck auf eine Untermenge ein.
So ist es von der Sprachlogik her angelegt und so wird es auch allgemein verstanden. Eine Umdeutung als "generisches Femininum" ist von der Sprachlogik nicht möglich.
Generische Feminina (sofern man es als femininen Ausdruck der männliche und weibliche Personen gleichermaßen meint betrachtet) gibt es natürlich jede Menge: Person, Frohnatur, Witzfigur, Koryphäe, Kapazität, Erscheinung, Gestalt...
 
 

Kommentar von Der Spiegel Nr. 20, 14. Mai 2012, verfaßt am 24.06.2012 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20935

Griechenland, die Unterzeichnerin

Die EU-Beamten stellen sich darauf ein, dass die Griechen ihren Verpflichtungen in der EU dann zumindest zeitweise nicht mehr nachkommen könnten. Beispielsweise kontrolliert das Land als Unterzeichnerin des Schengen-Abkommens Außengrenzen der EU.

(Seite 30, mittlere Spalte unten)
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 23.06.2012 um 12.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20932

Es stimmt, unser Motionssuffix -in (dem nur ein ansatzweise vorhandenes -rich entspricht) schafft zusätzliche Asymmetrie und verschärft zugleich das Problem, weil die Frauen eine Extrawurst gebraten bekommen – der Täter kann beliebiges Geschlecht haben, die Täterin ist speziell weiblich, der Täterich hat sich bislang nicht durchgesetzt. Eine symmetrische und gerechte Lösung wäre natürlich ein Genus commune (Täterä!!). Rein grammatisch-logisch könnten wir aber auch die Täterin als Grundform ansehen und eine verkürzte Ableitung für speziell männliche Täterinnen bereithalten. Ähnliche Morphematik haben wir ja bei keiner ~ keine ~ kein oder schneiden ~ Schneid, wo wir (ohne wirkliche Rechtfertigung) die längere Form als Grundform ansehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.06.2012 um 01.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20929

Wo im Englischen nur die gleiche Logik wie mit Rechts- oder Linksverkehr zutrifft, ist im Deutschen die Symmetrie wesentlich stärker gestört: Wir haben die "-innen". Daher ist das generische Femininum im heutigen Deutsch einfach unmöglich. Wer es trotzdem damit versucht, beeinträchtigt nicht nur wie im Englischen die Freude am Lesen, sondern verunstaltet einen Text bis zur absoluten Lächerlichkeit.

Im Englischen entspricht die jetzige Beeinträchtigung genau dem Chaos, welches entstünde, wenn man die Entscheidung, ob rechts oder links gefahren wird, jeder einzelnen Stadt überließe. Und komplett aufs generische Femininum umzusteigen, wäre noch viel unsinniger als in Großbritannien auf Rechtsverkehr umzusteigen, denn wenn er einmal geschafft ist, brächte er wenigstens den Vorteil geringerer Anpassungsprobleme zur übrigen Welt. Hat sich das generische Femininum aber einmal durchgesetzt, dann haben Englischsprechende nach all der Mühe exakt das gleiche wie vorher.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 22.06.2012 um 21.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20926

Die Frage ist zu stellen, was genau die Freude am Lesen beeinträchtigt. Rein logisch ist ein generisches Femininum dem Maskulinum gleichwertig, so wie Linksverkehr und Rechtsverkehr. Die Entscheidung zwischen beiden ist letztlich willkürlich und von historischen Zufälligkeiten bestimmt (im Verkehrswesen der Einflußbereich Napoleons!). Es spricht einiges dafür, daß das generische Maskulinum etwas mit unserem patriarchalen Erbe zu tun hat, weil der Mensch an sich ja zuerst, weil männisch, ein Mann ist. (Man könnte schon wieder ganze Aufsätze dazu schreiben: Im modernen, "korrekten" Englisch bevorzugt man den Ausdruck "human being" gegenüber "man" für "Mensch" – was in den deutschen Fassungen amerikanischer Fernsehserien regelmäßig so schwachsinnige Sätze ergibt wie "Ich bin ein menschliches Wesen" –, aber die Unterscheidung homo ~ vir und anthropos ~ aner hat die alten Römer und Griechen auch nicht vom brutalen Patriarchat abgehalten.)
Als Provokation gelegentlich mal ein generisches Femininum zu gebrauchen, hat ja durchaus seinen Reiz. Als Dauergebrauch ist es aber natürlich eine Ersatzhandlung. Anstatt an den tatsächlichen Verhältnissen etwas zu ändern, ändert man das Reden darüber. Immerhin nachvollziehbar ist die Hoffnung, daß dies dialektisch auf die wirklichen Gesellschaftsverhältnisse zurückwirken möge. Was es so unappetitlich macht, ist das Mißverständnis, eine rein innergrammatische Regel im Drei-Genera-System sei ein getreues (mathematisch gesagt: homöomorphes) Spiegelbild der zweigeschlechtlichen Lebewelt. Die tatsächlich vorhandenen, hochkomplexen Beziehungen zwischen diesen beiden Welten nicht zu sehen, zeugt von mangelndem Verständnis davon, wie Sprache funktioniert. Eine schlechte Voraussetzung dafür, an ihr herumzumanipulieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.06.2012 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20917

Aus einem psychologischen Aufsatz:

Consider the problem of a fielder trying to catch a ball coming down in front of her. The final destination of the ball will be complexly determined by its initial velocity, its spin, the effects of wind all along its path, and other causal factors. But rather than needing to perceive all these characteristics, reflect or model the world, and compute an interception point to aim at (with screw displacements or anything else), the fielder can use a simple heuristic: fixate on the ball and adjust her speed while running toward it so that her angle of gaze – the angle between the ball and the ground from her eye – remains constant (McLeod & Dienes 1996). By employing this simple gaze heuristic, the fielder will catch the ball while running.

Hier ist also, wie heute üblich, von vornherein ein generisches Femininum gesetzt. Der Aufsatz, auf den verwiesen wird, ist hier zu finden:

www.lifesci.sussex.ac.uk/home/Zoltan_Dienes/McLeod%20&%20Dienes%201996.pdf

Darin steht – durchaus erwartungsgemäß – zur Versuchsanordnung:

Six skillful ball catchers participated. All were male.

Der Sachverhalt selbst ist ja hochinteressant, aber die sklavische Befolgung der politischen Korrektheit beeinträchtigt die Freude am Lesen.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 19.06.2012 um 08.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20902

In jungen Jahren in der alten BRD hatte ich ein Buch mit dem Titel "Sexismus in der Werbung". Geborgt von einem Linken, der heute Arzt ist. Mit gelbem Einband (März-Verlag?) und einer Menge betroffen machender Beispiele, wie demütigend sexistisch manche Werbung ist, vor allem auf Kosten der Frau.

Heute, wo einem die aufgedunsene Geilheit, längst nicht gendermäßig maingestreamt, schon beim Flanieren in der Stadt ins Auge springt, hört man von solchem Gedöns nichts mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2012 um 08.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20901

Die SZ vom 19.6.12 berichtet auf der ersten Seite von Versuchen, die geschlechtergerechte Sprache auf sexuelle Zwischenformen auszudehnen. Eine Seiten später schildert sie in leuchtenden Farben, wie herrlich unbefangen es in modernen Swinger-Clubs zugehe, wo man endlich Sex und Liebe getrennt habe usw. Stutzig machen nur die Eintrittspreise: 100 Euro für Männer und 20 Euro für Frauen. Also handelt es sich doch nur wieder um eine Variante des herkömmlichen Bordells: Geile Männer kaufen sich Frauenkörper. Komischerweise protestiert niemand gegen diese Ungleichbehandlung. (Wie sollte das auch gehen? Die Frauen können ja nicht verlangen, mehr bezahlen zu müssen oder billiger verkauft zu werden...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2012 um 14.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20870

Wenn man unbedingt politisch korrekt sein will und dafür sogar die Lesbarkeit zu opfern bereit ist – bitte sehr!

Folglich ist es angesichts des drohenden Lehrer(innen)mangels auch nur konsequent, wenn ein(e) Ingenieur(in) zwei Stunden wöchentlich Physik- oder Mathematikunterricht erteilt (...)

wie wenig selbst die Lehrer(innen)ausbildner(innen) ihrer eigenen Arbeit trauen (...)

Der/ Die Lehrer(in) in der Schule möge jede(n) Schüler(in) dort abholen, wo er / sie gerade steht, jedem [?] nach seinen [?] Möglichkeiten individuelle Förderung zu Teil werden lassen und die Heterogenität der Schüler(innen)schaft als Chance begreifen.
(http://didaktik-der-mathematik.de/pdf/gdm-mitteilungen-87.pdf)

(Ich habe die Stellen angemerkt, an denen es noch hapert.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2012 um 09.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20811

Nachdem ich gestern einen munteren, wenn auch theologisch fragwürdigen Gastbeitrag von Präses Annette Kurschus in der Süddeutschen Zeitung gelesen hatte, interessiert mich die sprachliche Behandlung des lateinischen Titels.
Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus ... (Der Westen 30.5.12, ebenso andere Zeitungen)

Wiki schreibt dudenkonform: "Präses (lateinisch, eigentlich „vor etwas sitzend“; Mehrzahl Präsides, Präsiden) ist der Titel von leitenden (geistlichen) Personen. Er kann gleichermaßen für eine weibliche und eine männliche Person gebraucht werden."

Das ist offensichtlich schwierig, manche versuchen es mit Präsessen, Präsessinnen. Eine Diskussion, die diesem Unbehagen entspringt, findet man hier.

(Präser/Präse kommen natürlich nicht in Frage. Vielleicht sollte man allgemein mehr deutsche Titel verwenden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2012 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20648

Als ich 11 oder 12 Jahre alt war, fragte mich der Vater eines Schulfreundes einmal, ob ich auch Geschwister hätte. Ich antwortete: "Nein, nur zwei Brüder."
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.05.2012 um 00.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20647

Eine Art generisches Femininum ist Geschwister, wobei allerdings die Ableitung von Schwester wegen des Vokalwechsels nicht ins Auge fällt. Das Wort ist ja schon im Althochdeutschen entstanden. Gott sei Dank heißt es Geschwister und nicht Geschwestern, sonst könnten wir auch dieses Wort nicht mehr unverkrampft gebrauchen.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 25.04.2012 um 10.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20552

Wären das alles handfeste Tatsachen, dann hätte sich in den vergangenen Jahrhunderten oder zumindest im letzten Jahrhundert sicher eine deutsche Bezeichnung (oder Fremdwort nach üblichem Muster) dafür gefunden. Daß sie nicht existiert, heißt für mich, daß alles eine Chimäre ist.
Vor 20 Jahren hätte ich eine solche Meldung übrigens für einen Aprilscherz gehalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2012 um 06.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20551

Der Rektor der Erlanger Universität lädt zu einem Vortrag einer Physikerin und Leibniz-Preisträgerin ein. Den würde ich ja gern hören, aber dazu müßte ich mich beim "Büro für Gender und Diversity" anmelden, und das kann keiner von mir erwarten.

flyer_emmy_noether2012.pdf

(Zu manchen gegenderten Veranstaltungen dieser Art wird ausdrücklich vermerkt, auch Männer dürften kommen. Angesichts der Neuerung "Diversity" sollte man hinzufügen "heterosexuelle Männer".)

Die Universität Erlangen hat sich ja ganz allgemein dazu bekannt, daß es an der Universität keine "geschlechtsneutrale Wirklichkeit" gibt (siehe hier). So scheint es nur konsequent, die gesamte Wissenschaft nach den sexuellen Orientierungen ihrer Verteter zu organisieren.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 24.04.2012 um 15.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20545

PS:
Verzeichnet sind drei Stichwörter: Taliban, Talibankämpfer, Talibankämpferin. Eine Sie ist also auch dabei. Trotzdem wirkt Talibankämpfer wie ein Ersatzwort für die Lücke Talib, denn letzteres ist ja wohl häufiger in Gebrauch. Vielleicht hat man sich für Talibankämpfer entschieden, weil sich dann die weibliche Form plausibler anhört als bei Taliba.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 24.04.2012 um 15.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20544

Der Duden verzeichnet merkwürdigerweise nur den Plural Taliban. Vielleicht liegt es daran, daß man sich beim Singular Talib hätte entscheiden müssen, ob man die weibliche Taliba hinzufügen oder weglassen soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2012 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20465

Engholms gedankenloses Gerede ist im Bundestagsprotokoll tatsächlich so dokumentiert, dazu "Heiterkeit" bei der Opposition (die es heute, zwanzig Jahre später, wahrscheinlich gar nicht mehr bemerken würde). Sonst gibt es kaum Belege, aber sehr viele für die gleichartige Formulierung "einer Sache Herr oder Frau werden".
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 18.04.2012 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20464

Aus einem Notizheft mit beiläufigen Sprachbeobachtungen vom September 1991:

Im "Dementi" [einem inzwischen eingestellten Blatt] finden sich wieder einmal die Mitgliederinnen, sie sterben nicht aus! Und der Schwachsinn geht weiter: Renée Zucker spricht in der "Rowohlt-Revue" Nr. 30 von Idolinnen...

[Das Schweizer] Radio DRS bemüht ja schon länger bei jeder Gelegenheit die Gästin, hingegen schwankt man noch zwischen der Flüchtlingsfrau und der Flüchtlingin.
(Bekanntlich hat man mittlerweile dafür die Flüchtende erfunden)

Der Eintrag schließt mit einem Zitat von Björn Engholm, dem damaligen SPD-Vorsitzenden ("Hallo", 18.9.1991):

"Unser Volk hat ein Recht auf die ungeschminkte Wahrheit über die Lage der Staatsfinanzen und alle Anforderungen, die auf uns zukommen und wie wir diesen Anforderungen Herr und Frau werden."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2012 um 12.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20455

Wenn man das grammatische Geschlecht als biologisches deutet, kommt man zu einer Personifizierung oder Allegorese, also zum Beispiel früher Frau Grammatica. Davon heute noch ein Rest in Ausdrücken wie: kognitive Psychologie als Ansprechpartnerin der Fremdsprachendidaktik.

Um 1985 brachte die Firma Schneider einen Computer auf den Markt, der Joyce hieß, zunächst feminin wie eine Frau dieses Vornamens. Soweit ich weiß, wurde das Genus bald darauf an andere Computer angeglichen, also maskulin wie der Nachname des Iren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2012 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20416

Ein früher Beleg für Mitgliederinnen ist mir bei Marianne Grabrucker („Vater Staat hat keine Muttersprache“. Frankfurt 1993) begegnet. Die Richterin Grabrucker hat in einem anderen Buch berichtet, wie sie ihre Tochter sozusagen geschlechtsneutral zu erziehen versuchte. (Dazu hat sie sich für drei Jahre beurlauben lassen, während ihr Mann weiterarbeitete, allerdings dann auch in dem Bericht kaum noch vorkommt - ein pragmatischer Widerspruch. Was aus der Tochter geworden ist, konnte ich nicht herausfinden.)

In der Zeitschrift Zielsprache Deutsch 1988,1 schrieb die Deutschdidaktikerin Sigrid Luchtenberg Spreche/r/n/innen. Man sollte es nicht für möglich halten.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.04.2012 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20377

Die Ausweitung der zusätzlichen -innen-Bezeichnungen auf vergangene Jahrhunderte oder Jahrtausende ist absolut ausbaufähig und könnte etwas Pep in den Geschichtsunterricht bringen (grins).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2012 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20373

Nur sollte man, wie es sich für einen gerecht Urteilenden geziemt, beide Seiten betrachten und hören. Die gescheiten alten Römerinnen und Römer haben es audiatur et altera pars genannt.
(Die Presse 5.4.12 zum Fall Grass)

Zweifellos haben das die gescheiten alten Römerinnen auch manchmal gesagt, aber bei welcher von ihnen hat der Journalist es gelesen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2012 um 17.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20308

Man kann es ermüdend finden, schon wieder einen Film präsentiert zu bekommen, der sich mit dem weiblichen Prozess des Alterns befasst. (Berliner Morgenpost 28.3.12 über den Fernsehfilm „Halbe Hundert“)

Das müßte dann doch eine Prozesse sein?

Übrigens gehört dieser ARD-Film, in dem sich alternde Frauen holen, was sie brauchen, "notfalls von einem Callboy", ebenso wie demnächst die regelmäßige Sendung, die ZDF dem "Philosophen" Precht schenkt, zu dem, wofür ich als Nichtfernseher Gebühren zahlen soll. Mir ist schon jetzt ganz übel.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.03.2012 um 22.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20265

Rostock immer noch als Stadt in »Ostdeutschland« aufzufassen ist auch eine Verirrung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.03.2012 um 22.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20264

Danke, Herr Metz, genau das meinte ich.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 19.03.2012 um 21.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20262

Sie meinen vermutlich das gemeinsame Interview von ARD und ZDF. Bettina Schausten fragte: »Und nun stehen an der Spitze zwei ostdeutsche Protestanten. Was bedeutet das für dieses Land?« – Antwort der Kanzlerin: »Ja, es ist so, wie schon oft auch andere Herkünfte an der Spitze standen. Also ich sag mal, es ist auf eine Art schon auch interessant, und ich glaube, daß weltweit schon gesagt wird, die deutsche Einheit ist gelingbar und gelungen, auch in der Personalzusammensetzung, und da können wir auch ein Stück stolz drauf sein. Aber ich glaube, auch jeder von uns, Joachim Gauck und ich, haben natürlich uns das auch erarbeitet als Bürgerinnen und Bürger eines vereinten Deutschlands mit ganz unterschiedlichen, teilweise auch gemeinsamen Erfahrungen und Eigenschaften. Und insofern, ja, kann ich nur sagen, die Ostdeutschen sind in dieser Art und Weise angekommen, und trotzdem bleibt bei der deutschen Einheit noch einiges zu tun.«
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.03.2012 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20260

Leider finde ich kein vollständiges Video oder den Wortlaut des Interviews, das Merkel der ARD kurz nach der Wahl Gaucks gab. Es ging u. a. darum, daß die beiden höchsten Staatsämter nun mit Personen aus der ehemaligen DDR besetzt sind. Ich kann es nicht mehr genau wiederholen, aber sie sagte etwas in der Art:

Gauck und ich, wir sind Bürgerinnen und Bürger, die ...

Gut, es war nur ein Interview, niemandem geht sofort alles druckreif über die Lippen. Aber gerade da sieht man, wie sich bestimmte Floskeln eingebrannt haben. Hauptsache PC, Sinn und Einfachheit wären Luxus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2012 um 08.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20254

Das politisch korrekte, zum Teil sogar vorgeschriebene Gendern ist in der deutschen Sprachgemeinschaft nicht wirklich lebendig. Schon in der Werbung wird es verweigert, im Gegensatz zu den Stellenausschreibungen, die eben dadurch zusammen mit amtlichen Texten das Stigma der bürokratischen Sondersprache tragen und damit der ursprünglichen Absicht entgegenwirken.

Man kann vorschreiben, daß die Kunden "Ihre Ärztin oder Ihren Arzt bzw. Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker" fragen sollen. Aber wenn man nach entsprechenden Formulierungen beispielsweise mit Autohändler sucht, wird man kaum fündig werden.

Ich vertraue daher auf die Abwehrkräfte der normalen Sprecher.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.03.2012 um 14.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20253

Google weist für "Damenmannschaft" 1.150.000 Ergebnisse nach, für "Frauenmannschaft" immerhin 491.000, für "Mädchenmannschaft" 388.000. Die Wörter "Frauen" und "Mannschaft" bringen es zusammen auf über 14 Millionen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2012 um 09.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20252

Wie verbringst Du die letzten Tage als Otto Normalbürger? (Frage der NZ an ihre bisherige Redakteurin Daniela Schadt, 16.3.12)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.03.2012 um 21.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20250

Lieber Germanist,

ich frage mich gerade, ob es nicht für alle Fälle ganz nützlich sein könnte, und ob Sie nicht vielleicht dazu zu bewegen wären, in Ihre schöne Liste der nordischen Geschlechtspronomina noch das schwedische Wort für Geschlechtsverkehr mit aufzunehmen.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 15.03.2012 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20249

Ein sympathischer Nachbar aus Kindertagen gab manchmal nach einigen Bieren den Spruch zum Besten: "Dreißigdausend Mann im Stadion – un aich kroach de Ball gehjen Kopp." – Der Mann als Maßeinheit, plural- und geschlechtslos.

(Die Schreibung ist dem sehr genauen und umfangreichen Wörterbuch: "Katzewädder Platt – Die Sprache unseres Dorfes", Hrsg. Katzenfurter Verein für Heimatgeschichte, entlehnt.)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.03.2012 um 18.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20248

Schwedisch: er – sie: han – hon;
Dänisch: er – sie: han – hun;
Norwegisch: er – sie: han – hun, er + sie: den;
Isländisch: er – sie: hann – hun;
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 15.03.2012 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20246

Ich mag diese defensive Haltung zum generischen Maskulinum nicht besonders. "Frauen sind jeweils mitgemeint" provoziert immer die nicht unberechtigte Entgegnung "warum werden sie dann nicht mitgenannt?" Besser und richtiger ist es, festzustellen, daß das generische Maskulinum Personen jedweden Geschlechts umfaßt: Männer, Frauen, Transsexuelle, Hermaphroditen, auch Geschlechtslose, falls es das gibt, und alles, was man sich sonst vorstellen kann. Das gM ist somit viel fortschrittlicher, gerechter und eleganter als die plumpe Mann-Frau-Dichotomie.

Zum Thema Schweden hörte ich jetzt (es ging wohl um einen Bericht der SZ), daß man ein neues Pronomen erfunden hat. "er" und "sie" heißt wohl (ich kann kein Schwedisch) "en" und "hon", woraus man das "geschlechtsneutrale" "hen" konstruiert hat. Also etwa: Peter ist jetzt sieben Jahre. Ersie geht jetzt in die Schule.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2012 um 13.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20244

Thomas Steinfeld, ein hervorragender Kenner Schwedens, gibt in der Süddeutschen Zeitung Einblick in die sehr entschlossene Gleichstellungspolitik dortzulande:

www.sueddeutsche.de

Mir fiel bei der Lektüre ein, was mir ein deutscher Professor erzählte, der vor ungefähr 50 Jahren Gastdozent an einer schwedischen Universität war. Im Fahrstuhl eröffnete ihm eine ebenso hübsche wie ihm völlig unbekannte Studentin so sachlich, als wenn sie um ein Heftpflaster bäte, sie habe heute morgen noch keinen Geschlechtsverkehr gehabt. Beim nächsten Halt suchte er eher abgetörnt das Weite. Das ist aber, wie gesagt, schon lange her.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 14.03.2012 um 10.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20236

[reflexhafter] Feminismus fatal: Peinlicher Versprecher
Linken-Chef spricht von „Wahlmännerinnen“

Lustiger Versprecher von Partei-Chef Klaus Ernst bei der Präsentation von Beate Klarsfeld als Kandidatin für die Bundesversammlung! Er gehe davon aus, sagte Ernst mit Blick auf Joachim Gauck, dass Klarsfeld eine echte Alternative für die „Wahlmännerinnen und…“ in der Bundesversammlung sei.

Lautes Gelächter in der Parteizentrale - hatte Ernst gerade tatsächlich von „Wahlmännerinnen“ statt Wahlfrauen gesprochen? Hatte er! Immerhin: Ernst konnte über seinen Versprecher selbst am lautesten lachen, ehe er sich korrigierte. Allerdings ist der Co-Vorsitzende der Linken – in Teilen der Partei eigentlich als Macho verschrien- ein „Wiederholungstäter“ in der Frage nach der richtigen Anrede: Erst kürzlich hatte er sich in einer Ansprache an die „Mitgliederinnen und Mitglieder“ seiner Partei gewandt…

Aus: www.express.de
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.03.2012 um 20.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20234

Wenn es mal ganz schnell gehen muß, weil sonst die Werbung zuviel kostet, wird auch ohne weiteres ganz selbstverständlich das generische Maskulinum benutzt. Jedenfalls habe ich noch nie gehört, daß ich auch meine Ärztin oder Apothekerin fragen darf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2012 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20233

Wenn man geeignete Stichwörter eingibt, findet man Hunderte von Stellen wie diese:

Wenn im vorliegenden Kapitel die männliche Form gebraucht wird, also von „dem Dozenten“ oder „dem Leser“ die Rede ist, so geschieht dies lediglich der Einfachheit halber.

Soweit in den Texten nur die männliche Form gebraucht wird, geschieht dies zur besseren Verständlichkeit der Inhalte. Weibliche und männliche Personen sind damit gleichermaßen angesprochen.

Soweit in dieser Satzung bei der Bezeichnung von Ämtern und Satzungselementen die männliche Form gebraucht wird, sind Männer und Frauen in gleicher Weise angesprochen. Die Verwendung der männlichen Bezeichnung dient allein der Vereinfachung und der Lesbarkeit der Satzung und soll nicht als Benachteiligung oder Diskriminierung der Frauen verstanden werden.

Hinweis: Dort wo im Text die männliche Form gebraucht wird, gilt gegebenenfalls die weibliche Form ebenso. Es soll ausschließlich der besseren Lesbarkeit dienen.




Es ist regelmäßig impliziert:
1. Das generische Maskulinum funktioniert (noch).
2. Das generische Maskulinum ist einfacher und verständlicher.
Mehr brauchen wir gar nicht zu wissen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2012 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20229

Verzeichnis der Autoreninnen und Autoren (Kölner Beiträge zur Sprachidaktik 5, 2007)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2012 um 18.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20138

Gestern hörte ich im Radio, daß Deutschland zusammen mit den Niederlanden das Schlußlicht bildet, und zwar beim Anteil von Frauen in Führungspositionen. Vorbildlich dagegen Bulgarien. Bevor nun alle nach Bulgarien aufbrechen, sollte man aber auch andere Daten betrachten, z. B. das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner oder den Korruptionsindex. Gut ist Schweden: viele Frauen, viel Geld und wenig Korruption.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.02.2012 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20081

Meine Enkeltochter hat sich mal über den Nammen "Herrmann" amüsiert: Sie sagte, das ist doch doppelt, Herr Mann. Dann habe ich nachgesehen, daß es von althochdeutsch "herimann" kommt und Heerführer bedetutet. Also ist die Schreibweise "Hermann" richtiger.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.02.2012 um 11.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20080

Gerade fällt mir ein Schnipsel ins Auge, den ich einmal fürs Kabarett geschrieben habe. Vielleicht macht er Ihnen Spaß. Er ist allerdings mindestens zwanzig Jahre alt und gehört eigentlich vorgetragen.

Ich muß mich kurz bei den Damen entschuldigen und mich ausschließlich an die Männer wenden. Männer! Ganz unter uns: hört endlich auf, vor den obstinaten Weibern rumzukriechen!
Doch, das tut ihr! Bildet euch bloß nichts darauf ein, daß ihr ihnen nicht mehr aus dem Mantel helft! Wer einer Frau heute den Mantel aufhängen will, der muß sich den ja erst mit Fußtritten und Handkantenschlägen erkämpfen. Man kommt ja gar nicht mehr hinter die Frau! Also steht ihr daneben und wartet stundenlang, bis sie sich allein aus ihrem Täschchen-Rucksäckchen-Schirmchen-Jäckchen rausgewurstelt hat. Das ist würdelos!
Vor allem, wenn ihr gleichzeitig zuguckt, wie sie uns unsere Sprache nehmen. Das tun sie nämlich! Denkt an die sprachliche Entwurzeltheit der Indianer – wollt ihr alle halbblind und faltig an der Flasche enden? Merkt Ihr nicht, daß es kaum noch maskuline Wörter gibt? Bürger zum Beispiel gibt’s nicht mehr – die heißen jetzt Bürger-groß-Innen. Aus Lesern sind Leser-groß-Innen geworden, aus Autofahrern Autofahrer-Innen! Früher durfte man noch draußen fahren. Ich sage euch: der Feminismus ist nach wie vor ernstzunehmen, und mehr denn je gehört das Wort Mann auf die rote Liste gefährdeter Wortarten! Es stirbt aus! Es kann ja schon jetzt keine Rede mehr davon sein, daß man sich durchsetzen kann: frau setzt sich durch! Die Emanzen werden sich demnächst noch Efrauzen nennen, die werden nicht eher ruhen, als bis der letzte Mohikaner zum großen Fraunitou betet! Irgendwann werdet ihr nicht einmal mehr Manta fahren können – nur noch Frauta! Oder stellt euch mal vor: Europacup, und dann Bayern München gegen Frauchester United!
Demnächst werden sie noch Herrmann den Cherusker in Herrfrau umbenennen. Oder in Fraumann. Oder Fraufrau. Fraufrau die Cheruskerin!! Nicht zum Aushalten.
Dagegen müssen wir angehen: nicht kastrieren, die Sprache, sondern im Gegenteil: vermännlichen, ja, mehr noch: verherrlichen! Also statt Mann generell Herr einführen!
Mannschaft – das klingt ja noch harmlos, aber Herrschaft – da steckt Pfeffer drin! Also ab sofort keine Mandarinen mehr, sondern: „Fräulein, gehm Se mal n Pfund HERRdarinen, aber zackzack! Männer, laßt uns wieder HERREN sein, HERREN, die entschlossen in die Saiten ihrer HERRdolinen greifen! HERRometer nochmal – HERRmann, der CheruskHERR! Oder nein, nicht HERRmann – HERRHERR! HERRHERR! HERRHERR! HERRRRRRRR!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2012 um 10.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20079

Ja, die Berücksichtigung des grammatischen Geschlechts ist weithin üblich, also etwa "die Universität ist unsere Partnerin" usw., aber im vorliegenden Fall ist es wohl doch etwas anders. Mit dem Neutrum "Netzwerk" geht etwas ja ohnehin nicht. Die beiden Verfasserinnen reagieren, wie mir scheint, allergisch auf grammatisch maskuline Formen jeder Art und bringen reflexhaft ihren feministischen Schnörkel an. Österreich und da wieder die Universität Linz sind offenbar besonders eifrig.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.02.2012 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20078

Genau das hatte ich im Kommentar zu "Die Zeuge und der Pfarrerin" (siehe hier) gemeint. Mir erschien die Sexualisierung von Institutionen schon immer befremdlich. Schrieben Sie damals nicht, lieber Prof. Ickler, daß das schon seit langem und auch außerhalb des Deutschen üblich sei?

Es wird interessant, wie sich die beiden Frauen "Verfassenden" nennen werden, wenn sie mal mit der Studie fertig sind. Wahrscheinlich dann auch VerfasserInnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2012 um 09.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20077

Studie zum Projekt „EasyWeb“

Verfassende:
Matausch, Kerstin
Peböck, Birgit

ProjektpartnerInnnen:
Kompetenznetzwerk Informationstechnologie
Universität Linz, Institut Integriert Studieren
Lebenshilfe Oberösterreich
ARCUS Sozialnetzwerk


Auch Institutionen werden also sexualisiert. Und die beiden Verfasserinnen scheinen sich nicht sicher zu sein, welches Geschlecht sie haben.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 07.02.2012 um 19.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20015

Lieblingsplural, Lieblingsplural zum Zweiten, zum Dritten und zum Letzten, heißen die vier Aufsätze von Robert Gernhardt, die 1988/89 in der Titanic erschienen sind und in den Sammelband "Über alles" aufgenommen wurden.

Ein Thema, das Robert Gernhardt sehr lag und ihn zu humoristischen Höchstleistungen geführt hat. Einfach köstlich. Interessant: Ein Kieler Frauenministerium spielt eine treibende Rolle, darin eine Frau Erdsieck-Rave, von der, wenn ich mich recht entsinne, auch auf diesen Seiten schon die Rede gewesen ist.

Aus der Folge: "Lieblingsplural zum Zweiten" noch ein schönes Fundstück aus einem Informationsblatt der Fachschaftsräteversammlung (FSRV) – auch ein Fundstück – der Universität Göttingen: Informationsveranstaltung für Erstsemester/Innen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 07.02.2012 um 11.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20013

Nur aus Neugier: was will die Dame sagen? Der labernde Woody Allen sei nicht komisch? Das träfe zu: Woody Allen, Hornbrillen und hohles Geschwätz waren per se noch nie zum Lachen.

Was nicht heißt, daß Anke Engelke „schlecht frisiert, mit einem Hundeblick hinter einer schwarzen Hornbrille, sentimental, melancholisch, ununterbrochen von ihren psychischen Problemen labernd“ keine krachende Parodie auf eine drollige Wissenschaftlerin liefern könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2012 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#20010

Helga M. Epp (Hrsg.): Gender Studies: Interdisziplinäre Ansichten 1. Freiburg im Breisgau 2004.
Darin schreibt Helga Kotthoff sehr ernst über weibliche Scherzkommunikation.
„Ja, von einem weiblichen Woody Allen sind wir noch immer weit entfernt. Als ältere Frau, schlecht frisiert, mit einem Hundeblick hinter einer schwarzen Hornbrille, sentimental, melancholisch, ununterbrochen von ihren psychischen Problemen labernd, wäre, wie Gerda Wurzenberger im NZZ-Folio (2002) schreibt, eine komische Anti-Heldin nicht akzeptabel.“ (Kotthoff)
Warum sollte eine Komikerin ausgerechnet in dieser männlichen Charakterisierung auftreten? Und warum sollte sie nicht akzeptabel sein, wenn sie sich etwas Entsprechendes ausdächte? Ist der Versuch gemacht worden?
„Wir finden bei den TV-Komikerinnen im Prinzip die gleichen Komisierungsverfahren wie bei den Kollegen (Hape Kerkeling, Gerhard Polt etc.).“
Ist denn nicht bedacht, daß dahinter jeweils ganze Mannschaften von Pointenschreibern arbeiten? Das fragt man sich bei den anschließenden Beispielanalysen. Stammen die "weiblichen" Pointen und Scherze vielleicht gar von Männern?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.01.2012 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19970

Das vom Bundesjustizministerium herausgegebene »Handbuch der Rechtsförmlichkeit« enthält einen interessanten Abschnitt über die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Rechtsvorschriften: http://hdr.bmj.de/page_b.1.html. Die Ausführungen sind sehr differenziert, und ich habe bisher erst einen Teil lesen können, aber unter Randnummer 112 heißt es:

»In Vorschriftentexten darf die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern jedoch nicht auf Kosten der Verständlichkeit oder der Klarheit gehen. Daher gelten für Rechtstexte folgende Grundsätze:

– Die Personenbezeichnung muss eindeutig sein (nicht: „der Käufer und/oder die Käuferin“).
– Der Text muss so formuliert sein, dass er auch dann verständlich ist, wenn er vorgelesen wird.
– Der Text muss übersichtlich bleiben.
– Die Formulierung sollte nicht zu sehr vom allgemeinen Sprachgebrauch abweichen.«

Die von mir im Diskussionsforum (siehe hier) einmal zitierten Formulierungen aus dem Saarländischen Polizeigesetz verstoßen gegen mindestens drei dieser vier Vorgaben: sie sind unverständlich, unübersichtlich und unüblich.
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 27.01.2012 um 10.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19969

Allein schon die Unterstellung, man könne mit dem Verzicht auf die (rein ideologisch motivierte) Umständlichkeit womöglich jemanden verletzen, verrät ein verkrüppeltes Denken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2012 um 08.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19967

„Dieser Text ist nur in männlicher Sprache geschrieben.
Zum Beispiel steht im Text nur das Wort Mitarbeiter.
Das Wort Mitarbeiterinnen steht nicht im Text.
Mitarbeiter können aber auch Frauen sein.
Wir wollen mit dieser Sprache niemanden verletzen.
Frauen sind uns genauso wichtig.
Wir machen das so, damit man den Text besser lesen kann.“
(Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen – Erklärt in Leichter Sprache)

Der Begriff der „männlichen Sprache“ mag hingenommen werden, weil den Lesern nicht zuzumuten ist, zwischen Genus und Sexus zu unterscheiden. Interessant ist etwas anderes: Das Ministerium gesteht ausdrücklich zu, daß 1. der feministische Sprachgebrauch die Texte schwerverständlich macht und daß 2. das generische Maskulinum funktionieren kann. Mehr wollten wir nicht wissen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2012 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19917

Welche Fragen darf ich meinen Lehrenden stellen? Wie spreche ich am besten meine KommilitonInnen an? (http://kodes.uni-kassel.de/interkomfach)

Auch die sehr guten persönlichen Verhältnisse zwischen meinen Lehrenden und mir sprachen für ein weiteres Studium in Lüneburg. (www.leuphana.de)

(und viele ähnliche Beispiele)

Aus diesem Schwachsinn folgt dann ein gleichsam rückgebildeter Singular:mein Lehrender. Sehen Sie bitte selbst unter Google nach.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 06.01.2012 um 14.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19819

Politische Korrektheit mal andersherum, oder wie Jeanne d'Arc zum Jean d'Arc wurde

Angesichts dieser wahrlich fabelhaften Neuinterpretation fällt der kleine Tippfehler in der Jahreszahl nicht weiter auf:

Die junge Frau, die im Mai 1929 in nur zehn Tagen vollbrachte, was eine ganze Armee zuvor sechs Monate lang vergeblich versucht hatte – die Stadt Orléans aus der Hand der Engländer zu befreien –, war und ist für viele Gruppen Vorbild und Projektionsfläche, die unterschiedlicher kaum sein könnten [...]

Na klar, und weil die Frauenbewegung sich an der Jeanne schon abgearbeitet hat, muß nun der Jean her.

Während Historiker wie Walter Rost behaupten, Jeanne sei in Wahrheit schlicht ein Mann und alle anderslautenden Berichte nichts als Kriegslist gewesen, wird immer wieder auch darüber spekuliert, ob sie intersexuell oder transgender gewesen sein könnte: Also kein biologisch eindeutiges Geschlecht beziehungsweise eine männliche Identität hatte. So argumentieren etwa die Aktivistin Leslie Feinberg und auch die transsexuelle Autorin Joan Roughgarden.

Die US-Biologin Roughgarden beschreibt Johanna in ihrem aufsehenerregendem Werk [»]Evolution's Rainbow[«] als Transgender-Person mit männlicher Identität, die sich bis zu ihrem grausamen Tod weigerte, ihre Männerkleidung abzulegen. Und die so überzeugend maskulin autrat, dass ihre Henker die Kohlen von ihrer nackten Leiche schoben um den Menschen ihre Weiblichkeit zu beweisen.

Warum nur druckt die "Süddeutsche" diesen Blödsinn (vgl. hier)? Muß man in Deutschland den Geburtstag der französischen Nationalheiligen begehen?

Da ist also noch viel zu publizieren, wenn man historische Persönlichkeiten auf ihre Transgendertauglichkeit (oder doch zumindest Metrosexualität) hin untersucht. Schade um's Papier!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2012 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19805

Wir haben schon gesehen, daß das Gender mainstreaming zu ganz entgegengesetzten Folgerungen führen kann. Eine besondere Blüte war der zum Gender-Park erklärte Schubert-Park in Wien: Bolzplatz für die Buben, Volleyball-Platzfür die Mädchen.

Der Grundwiderspruch steckt schon im ersten Satz einer gutgemeinten GEW-Broschüre:

„Kinder und Jugendliche brauchen eine geschlechtergerechte Schule, damit sie sich als Individuen entfalten können und nicht als das typische Mädchen, der typische Junge gesehen werden.“

(Eine_Schule_fuer_Jungen_und_Maedchen.pdf)

Die Geschlechter sollen unterschiedlich behandelt werden, zugleich aber soll es das typisch Weibliche und Männliche nicht geben, sondern nur Individuen. Wieso geschlechtergerecht und nicht individuengerecht? Was kann man vorab über das dem Geschlecht Angemessene befinden, wenn es nur Individuen und keine typischen Mädchen und Jungen gibt? Man kann nicht Geschlecht dissimulieren und zugleich "Frauen sichtbar machen".

Das setzt sich dann fort. Im zweiten Teil werden verschiedene Unterrichtsmodelle kritisch besprochen, aber ohne jede empirische Wirkungskontrolle, rein spekulativ.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2012 um 10.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19798

Wer die Studierendinnen für einen bloßen satirischen Einfall gehalten hat, muß sich eines Besseren belehren lassen. Google findet viele ernstgemeinte Belege.
 
 

Kommentar von Peter Küsel, verfaßt am 23.12.2011 um 15.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19774

In diesem Zeitungsbericht aus Dortmund werden Professoren zwar als 'Lehrende' bezeichnet, 'Studierende' aber als Studenten – offenbar deshalb, weil die Professoren hier die Guten sind und die Studenten die Bösen: www.derwesten.de.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 20.12.2011 um 20.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19765

Glückliches Volk der Bienen

die Biene (alle Familienmitglieder)
die Arbeiterin (keine Honigsammelnde/kein -r)
die Drohne (obwohl männlich)
die Königin

Der (deutsche) Mensch sollte sich das Genus zueigen machen. Sprachfeminismus wäre obsolet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2011 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19764

HochschülerInnenschaft a. d. Universität für Musik und darstellende Kunst Wien:
Kontaktaufnahme mit Studierendenvertretenden anderer Universitäten und Institute für das Kultur- und Sprachtandem



Im letzteren Fall sind es oft die Stimmen der Studierendenvertretenden die den Ausschlag in die eine oder die andere Richtung geben.
(Fachhochschule Regensburg)

Während letztere Frage zu guter Lehre und gutem Studium Gegenstand der mündlichen Interviews mit Studiendelegierten, Professoren/-innen, Studierendenvertretenden und Mittelbauvertretenden war, sollen für die Beantwortung der ersten Frage nach der aktuellen Qualität von Lehre und Studium zwei Datenquellen ausgewertet werden.
Den Studierendenvertretenden (15 Personen), Mittelbauvertretenden (acht Personen) und Senior Scientists (acht Personen) wurde bei den Gruppengesprächen die Frage nach dem Reformbedarf in der Lehre an der ETH Zürich gestellt.
(ETH Zürich)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2011 um 13.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19763

Leider kein Witz! Googeln Sie mal unter "Studierendenvertretende"!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.12.2011 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19762

Die da mitmachen sind natürlich die Studierendenvertretenden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2011 um 10.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19761

Die „Studierendenvertretung“ der Universität Erlangen heißt wirklich so, es steht auf Emailleschildern usw. – man glaubt es kaum. Wie soll man jungen Menschen, die da mitmachen oder es hinnehmen, Sprachwissenschaft beibringen?
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 13.12.2011 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19713

Wie schön, daß wenigstens im Heimatland der Politischen Korrektheit sich noch einige dem Humbug widersetzen. So möchte Morgan Freeman im Interview von der "Süddeutschen" nicht als "Afroamerikaner" (African American) bezeichnet werden:

[Süddeutsche:] Im Jahr 2011 wundert sich darüber niemand, aber als Sie Mitte der Fünfzigerjahre davon träumten, Schauspieler zu werden, war es undenkbar, dass ein Afroamerikaner der Star eines Films sein könnte, der wochenlang die Kinohitparade anführt.

[Freeman:] Nennen Sie mich bitte nicht Afroamerikaner, ich bin Amerikaner.

[Süddeutsche:] Sie sehen da keinen Unterschied?

[Freeman:] Ich denke, dass die Schwarzen in Amerika es sich zu leicht machen, wenn sie den Weißen die Schuld an ihrer schlechten Lage geben. Vieles hängt im Leben davon ab, wie viel du selbst wagst. Amerika zelebriert noch immer den »Black History Month«. So ein Quatsch! Es gibt keine schwarze Geschichte, es gibt nur die eine amerikanische Geschichte.

Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/36724
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2011 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19604

Was haben wir uns nicht alles anhören müssen! Wir, das sind die ganz normalen Lehrerinnen und Lehrer, die in ganz normalen Schulen in der Regel gern arbeiten, wir als Schulleiterinnen und Schulleiter, die wir systematisch, engagiert und manchmal zähneknirschend die öffentlichen Schulen weiterentwickeln, auch wir Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker, die auf Qualitätsentwicklung und Lernstandards setzen. (Gabriele Behler ZEIT 23.9.2010 )

Man sieht hier, wie die umständlichen feministisch-korrekten Formulierungen den Gesamteindruck schwächen.

Was wir von der ehemaligen Kultusministerin Behler zu halten haben, ging sehr schön aus ihrer Verlautbarung als KMK-Präsidentin 1998 hervor:

„Kein Stopp der neuen Rechtschreibung in den anderen Ländern
Die Präsidentin der KMK, Ministerin Gabriele Behler (Nordrhein-Westfalen), erklärt zum Volksentscheid in Schleswig-Holstein:Die Bürgerinnen und Bürger in Schleswig-Holstein, die sich am Volksentscheid über die neue Rechtschreibung beteiligen, sollen wissen, dass die Kultusministerkonferenz und die anderen Länder die Neuregelung der Rechtschreibung nicht stoppen werden. Dies gilt auch dann, wenn der Volksentscheid in Schleswig-Holstein zum Ergebnis hat, dass die Kinder dort wieder nach den alten Regeln lernen müssen. Der Volksentscheid hat keine bindende Wirkung für die anderen Länder, wie dies auch das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil am 14.07.1998 bestätigt hat.
Die neue Rechtschreibung ist seit dem 01.08.1998 die amtliche Grundlage des Unterrichts in den Schulen in Deutschland. Die überwiegende Zahl der Schulkinder lernt zum Teil seit mehreren Schuljahren die neuen Regeln, auch in Schleswig-Holstein. Alle Erfahrungen, die wir haben, bestätigen, dass Schülerinnen und Schüler gut mit der neuen Rechtschreibung zurechtkommen, weil die neuen Regeln einfacher und plausibler sind. Für die Schulkinder, ihre Eltern und Lehrer wäre es deshalb pädagogisch unverantwortlich, wenn man ihnen in Schleswig-Holstein einen Rückschritt zu den alten Regeln zumuten und sie damit von der Entwicklung im gesamten deutschen Sprachraum abkoppeln würde. Dies sollten die Bürgerinnen und Bürger bedenken, wenn sie sich am Sonntag am Volksentscheid beteiligen.“

Was von diesen Drohungen nach zwei Revisionen und vielen negativen Erfahrungen übrig geblieben ist, könnte man sie mal fragen. Aber das interessiert ja niemanden mehr, sowenig wie die anderen Verlautbarungen der damals Verantwortlichen.

Noch zur feministischen Redeweise:

Rowling ist unter den Schriftstellern der Weltgeschichte die erste, die mit ihren Werken eine Milliarde US-Dollar verdiente. (Wiki über J. K. Rowling)

Offensichtlich ein Versuch, sich aus der Schwierigkeit herauszuwinden, die mit der Verpönung des generischen Maskulinums entstanden ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.10.2011 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19405

Nicht jede(r), der/die backt, ist ein(e) Bäcker(in). Umgekehrt gibt es Momente, in denen ein(e) Bäcker(in) kein(e) Backende(r) ist; jedenfalls wäre ihm/ihr das zu wünschen.

Das Leipziger Intelligenz-Blatt auf das Jahr 1767 hilft beim Verstehen des Unterschieds: http://books.google.de.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 20.10.2011 um 11.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19404

Politisch korrekter Handel:

Liebe Sklavenhändler, liebe Sklavenhändlerinnen, liebe Sklavinnenhändler und liebe Sklavinnenhändlerinnen!
 
 

Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 20.10.2011 um 08.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19400

Geschlechterstereotypien werden gerade durch solche Tagungsbetreiberinnen zementiert, die ständig glauben, den Kindern und der Gesellschaft solche Verhaltensmuster unterstellen und austreiben zu müssen.

Übrigens ist mir schon zu Studienzeiten aufgefallen, daß beileibe nicht jeder Student gerade am Studieren ist, daher halte ich den Begriff "Studierender" für sachlich sehr eingeengt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2011 um 18.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19398

Das Partizip I wird – sprachwidrig genug – von den politisch Korrekten hergenommen, um das generische Maskulinum zu vermeiden, aber natürlich nur im Plural! Also: die Studierenden und ihre Lehrenden. Im vorliegenden Falle steht aber nun gerade wieder der Singular und damit das lästige männliche Genus. Salto mortale!
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.10.2011 um 18.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19397

Eigentlich soll das Partizip Präsens beschreiben, was der Handelnde gerade "am Tun ist". Für bereits fertige Handlungen ist das Partizip Perfekt zuständig. Nur weil das Partizip Perfekt in der deutschen Sprache meist passiv und nur ausnahmsweise aktiv ist (slawische Sprachen haben auch ein Partizip Perfekt Aktiv), kann doch nicht das Partizip Präsens dafür hergenommen werden.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 19.10.2011 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19395

Vor allem der Aufstellende ist das Sahnehäubchen. Realsatire!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2011 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19394

In Texten über Sprachvereinfachung wird oft eine Bestimmung des NRW-Justizministeriums angeführt – aber nicht als Beispiel verkorkster Prosa, sondern wegen des Inhalts:

„Bei unklaren oder mehrdeutigen Klauseln gilt im Zweifel das Prinzip der den Verbraucherinnen und Verbrauchern günstigen Auslegung, da der Aufstellende solcher Bedingungen sich klarer hätte ausdrücken können und müssen.“

Alle diese Stellen scheinen aber auf dieselbe Quelle zurückzugehen, nämlich den Sprachberater Günter Zimmermann. Als ich nachprüfen wollte, ob das Ministerium sich tatsächlich den "Aufstellenden solcher Bedingungen" abgebrochen hat, stieß ich dort auf eine zwar politisch korrekte, aber doch weniger groteske Formulierung:

„Bei unklaren oder mehrdeutigen Klauseln gilt im Zweifel das Prinzip der den Verbraucherinnen und Verbrauchern günstigen Auslegung, da die Aufstellerin oder der Aufsteller solcher Bedingungen sich klarer hätte ausdrücken können und müssen.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.10.2011 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19335

Warum die "Veranstaltenden" (!) der Erlanger Tagung das Anöden fürchten, geht schon aus der Ankündigung hervor, die unwiderstehlichen Gähnreiz auslöst:

Geschlechterstereotypen werden auch in Unterricht und Erziehung gewollt oder ungewollt transportiert. Von Jungen erwarten wir eher Stärke und Unkonzentriertheit, von Mädchen eher Fleiß und Angepasstheit. Diese Problematik wird in Lehrerinnen- und Lehrerfortbildungen bereits lange thematisiert. Die FAU möchte die vorliegenden Konzepte aufarbeiten und diskutieren. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler legen die Problematik anhand aktueller Forschungen dar und setzen Lösungen in Arbeitskreisen mit den Tagungsteilnehmenden für die schulische Praxis um. Für eine weitere gemeinsame und wissenschaftlich fundierte Weiterentwicklung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildungen werden auf dieser Tagung die Eckpfeiler eines genderkompetenten Lehrens und Lernens gesetzt und für die pädagogische Praxis greifbar gemacht. Diese Tagung bildet den Auftakt einer Tagungsreihe.

Wer Eckpfeiler greifbar machen will, hat bestimmt nichts zu sagen. Die weithin unbekannten Vortragenden (nur Frauen) kennen einander natürlich gut, deshalb heißen sie "renommiert".
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.10.2011 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19333

Das Wort "Diversity" sagt noch gar nichts aus, weil es nur ein Oberbegriff ist, der spezifiziert werden muß. Es ist ein schönes Beispiel dafür, warum Naturwissenschftler und Techniker die Soziologen nicht verstehen und umgekehrt. Was Diversity auch ist, konnte man zu Zeiten der DDR auf dem Torfhaus im Harz besichtigen: Zwei 10m-Parabolspiegel übereinander für die 2-GHz-Überreichweiten-Richtfunkübertragung nach und von West-Berlin, also zwei parallele Richtfunkstrecken, von denen bei atmosphärischen Störungen fast immer nur eine betroffen war und automatisch die bessere ausgewählt wurde.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 10.10.2011 um 14.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19331

Und was bleibt, wenn man diese Projektbeschreibung in einfaches Deutsch bringt? Nur lauwarme Luft.

Wenn man ein soziologisches Konstrukt avant la lettre erforscht, dann liest man natürlich aus einer Sache genau das heraus, was man zuvor hineinlesen mußte. Natürlich gibt es immer Phänomene, lange bevor es Begriffe dafür gibt. Aber eine Theorie nur auf die Indizien aufzubauen, die man zuvor selbst ausgestreut hat (um mal zu sehen, ob es solche Indizien da überhaupt geben kann), ist wissenschaftlich dann doch mehr als fragwürdig. Es ist eben keine Wissenschaft, sondern nur eine Mode. Und die wechselt bekanntlich sehr schnell.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2011 um 12.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19329

Es ist dringend zu empfehlen, jedem akademischen Projekt den Hinweis beizufügen, daß es genderrelevant ist. Das bringt Pluspunkte, wie vor Jahren "interdisziplinär" und immer noch "interkulturell" (aber das ist schon auf dem absteigenden Ast). Als ich noch im Dienst war, wurde ich auch alljährlich aufgefordert, genderrelevante Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekte aufzulisten. Mir ist nie was eingefallen.
Schon die Verwaltung der Genderrelevanz schafft unzählige Arbeitsplätze, vor allem für Frauen.

Überflüssig zu sagen, daß ich kein Frauenfeind bin, das könnte ich mir gar nicht leisten – seit bald 40 Jahren zu Hause ausschließlich unter dieser fabelhaften Spezies lebend ...
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 10.10.2011 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19328

Bis zum heutigen Tage weiß ich nicht so ganz genau, was „Gender“ eigentlich zu bedeuten hat. Es hat wohl etwas mit dem angeblich möglichen „freien Wählen“ des Geschlechtes oder der Identität zu tun. Eine Randgruppe der Gesellschaft wird also zur Mehrheit gemacht. In diesem Zusammenhang ist mir nicht klar, wieso dann überhaupt noch eine „Frauenquote“ bei der Besetzung von Posten oder die Berücksichtigung des weiblichen Geschlechtes in der Sprache erstrebt wird. Es müßten dann doch auch die „Vielfältigen“ mit einer Quote und selbstverständlich auch in der Sprache berücksichtigt werden Mit den „Studierenden“ (natürlich nur im Plural) und dem „Elter“ hat man schon eine geschlechtslose Form gefunden, aber wie ist es mit den „lieben Mitbürgerinnen und Mitbürgern“, die von unseren Politikern ständig im Munde geführt werden? Wie verhält es sich mit Großvater, Großmutter, Schwester und Bruder?

Nach der Logik der Experten (die wirklich nur „so genannte“ sind) müßten also zur Anpassung der Sprache an die gewünschte Wirklichkeit – die nicht der Realität entspricht – ganz neue Begriffe geschöpft werden. Womöglich gibt sich sogar ein Universitätsinstitut dazu her? Wenn mir Formulierungen wie „Gebrüderwesen“ (statt Bruder oder Schwester), „einwohnendes Leben“ (statt Einwohner und Einwohnerin, da diese männlich oder weiblich sind) durch den Kopf gehen, so kommen sie mir absurd und albern vor. Aber gibt es Absurditäten, die nicht „wissenschaftlich“ erforscht und vorangetrieben werden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2011 um 11.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19327

Diese Leute würden Sie augenblicklich belehren, daß Gender nicht Geschlecht und Diversity nicht Vielfalt heißt und daß diese englischen Ausdrücke schlechterdings in keine andere Sprache, schon gar nicht in das arme Deutsche, übersetzt werden können und dürfen. (Ich erfinde nichts, es steht alles so auch auf den Seiten der Bundesregierung.)
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 10.10.2011 um 10.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19326

Ein "Büro für Gender und Diversity" kann es in Deutschland nur an einer Universität geben. Bei einer Behörde müßte der Titel nämlich noch länger und unverständlicher sein.

Wenn man dieses Monstrum übrigens übersetzt, wird schon klar, daß ein sehr kleiner Ventilator hier nur lauwarme Luft verteilt. Was bitte soll denn ein "Büro für Geschlecht und Vielfalt" sein? Das Geschlecht erschließt sich einem noch relativ leicht, aber was ist denn bitte die Vielfalt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2011 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19325

Im Januar 2012 findet an der Uni Erlangen eine Gender-Tagung statt, die erste einer geplanten Reihe. Organisiert wird es vom "Büro für Gender und Diversity". Die "Tagungsteilnehmenden" sind u. a. zu einem Workshop eingeladen, das den aufschlußreichen Titel trägt: "Wie bringt man Gender in den Unterricht ohne die Schülerinnen und Schüler 'anzuöden'?"

Die Schüler sind immer zuerst angeödet, später die übrige Gesellschaft. Anders wird man das Thema wohl nicht los.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 10.10.2011 um 10.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19324

Im Duden gibt es die Nurhausfrau, aber keinen Nurhausmann. Für diesen findet Google zwar noch keine Belege, aber das hat den Duden ja auch sonst nicht gestört. Von der Sache her wäre der Begriff im Sinne der Parität nötig, denn der Gedanke "Er ist nur Hausmann" drängt sich im gegebenen Fall mindestens so heftig auf wie "Sie ist nur Hausfrau".

Aus dem Blickwinkel der politischen Korrektheit sieht es jedoch anders aus. Eine Nurhausfrau ist als Ausdruck des gesellschaftlichen Skandals zu verstehen, daß es Frauen in der Arbeitswelt schwerer haben. Der Hausmann dagegen ist eine rundum erfreuliche Sache, er erfüllt die Idealvorstellung des Feminismus. Feministinnen haben für Hausmänner nur Lobpreis übrig, die Formulierung "nur Hausmann" ist daher unsinnig, und folglich taucht der Nurhausmann im feministisch korrekten Duden nicht auf.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 08.10.2011 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19315

Lieber Herr Höher, so ganz bierernst habe ich das mit dem "nehmen" nicht gemeint. (Sie wahrscheinlich auch nicht.) Im DWDS konnte ich feststellen, daß die Landsmännin doch schon weit zurückreicht. Ich habe das Wort, wie schon gesagt, nie als seltsam empfunden, da es mir geläufig war. In dieser Kombination hörte ich auch nicht die "Männin" heraus, die die Verfechter der geschlechtergerechten Sprache unbedingt tilgen möchten.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 08.10.2011 um 13.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19310

Die Herkunft der "Ombudsfrau" aus dem Englischen bezweifle ich. Denn dort heißt das schlicht "Parliamentary Commissioner".

Der Paul gibt als Erstbeleg für die weibliche Form übrigens "Die Zeit" Nr. 15 von 1991 an. Das DWDS-Korpus gibt hingegen schon die Nr. 24 vom 10.6.1988 an (www.dwds.de). Im Jahr 1966 schrieb die Zeitung übrigens noch die schwedische Fassung "Ombudsman" (www.dwds.de).

Die Oxford Dictionaries (http://oxforddictionaries.com) fragen bei "ombudswoman" übrigens "Did you mean ombudsman/ombudsmen?", was nahelegt, daß der Begriff im Englischen seltener gebraucht wird.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 08.10.2011 um 13.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19309

Ich nehme niemandem die "Ländsmännin" (wie käme ich auch dazu!), verwende es jedoch selber nicht und finde es (vielleicht deshalb) albern. Regelrecht auf geschlechtergerechte Einigkeit getrimmt finde ich hingegen die "Landsfrau" in diesem Kontext.

Die Engländer zeigen sehr schön, wie man das Ganze klar und einfach zugleich ausdrücken kann:

The Liberian president, Ellen Johnson Sirleaf, and Leymah Gbowee, a social worker turned peace campaigner from the same country, will share the 10m kronor (£950,000) prize with Tawakkul Karman, a journalist and pro-democracy activist in Yemen who has been a leading figure in the protests against President Ali Abdullah Saleh since January.

Quelle: www.guardian.co.uk

Wer Shakespeare kennt, weiß freilich, daß der Begriff "countryman" natürlich in der englischen Sprache existiert ("Friends, Romans, countrymen, lend me your ears [...]"), er hat nur – genau wie im Deutschen – eine andere Bedeutung als das (in Deutschland von Helmut Kohl damals so überstrapazierte) "Mitbürgerinnen und Mitbürger". In Großbritannien sind Waliser, Engländer und Schotten britische Bürger (untereinander dann gerne "Mitbürger"), aber niemals "Landsmänner" ("countrymen"). Gleiches könnte man wohl von einem Bayern und einem Franken sagen. Schaut man sich die Biographien der beiden liberianischen Preisträgerinnen an, sieht man jedoch, daß auch der Begriff "Landsmännin" eigentlich nicht paßt.

Ich bin mir nun sehr sicher, daß ursprünglich die "Landsmännin" in dem Artikel stand. Und zwar einfach, um die doppelte Liberianerin zu vermeiden und zugleich feuilletonistischer zu schreiben. Geschlechtergerecht wurde dann die "Landsmännin" durch die "Landsfrau" ersetzt.

Das war jetzt viel Lärmen um dieses Nichts von Artikelchen. Es sollte stilistisch elegant sein und ging doch eigentlich nur schief.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.10.2011 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19308

Laut Rechtschreibduden bedeutet Landsfrau »so viel wie« Landsmännin. Worin mag nach Ansicht der Redaktion der Unterschied liegen?

Übrigens verweist das Universalwörterbuch von Duden unter dem Stichwort »Ombudsmann« auf das schwedische »ombudsman«, während der Rechtschreibduden »Ombudsfrau« für ein englisch-deutsches Gebilde hält. Wieso englisch? Hat jemand eine Idee?
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 08.10.2011 um 12.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19307

Die Landsmännin lasse ich mir nun keineswegs "nehmen", ist sie mir als Tochter ostdeutscher Eltern aufgrund des früher noch vorhandenen "landsmannschaftlichen" Zusammenhalts seit Kindestagen vertraut. Landsfrau? Damals unmöglich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2011 um 18.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19306

Duden hat Staatsmännin gar nicht mehr, nur Staatsfrau, was zweifellos nicht der Wirklichkeit entspricht. Wiki führt staatsfraulich an, aber das wird fast immer irgendwie ironisch oder sprachspielerisch gebraucht. Auch Joschka Fischer hat es an der angegebenen Stelle nicht als normale Wort verwendet, sondern als Appell an Angela Merkel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2011 um 18.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19305

Sehe gerade, daß das Ganze schon mal erörtert worden ist, allerdings im Diskussionsforum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2011 um 16.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19303

Landsmännin ist schon in Ordnung, so hat man das früher oft gemacht. Vgl. Grimms Wörterbuch.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 07.10.2011 um 16.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19302

Mit der diesjährigen Entscheidung zur Vergabe des Friedensnobelpreises hat die FAZ sprachlich ihre liebe Not. Zwei Liberianerinnen und eine Jemenitin teilen sich den Preis.

www.faz.net

Um das stilistisch nun möglichst elegant zu gestalten, werden die beiden Liberianerinnen deshalb zu "Landsfrauen". Auf dieses alberne Wort hätte man durch eine andere Formulierung verzichten können und ich hätte nicht immer das Bild der "Landfrauen" vor Augen.

Bislang war übrigen viel häufiger das ebenso alberne Wort "Landsmännin" zu lesen. Ist das nun geschlechtergerechter Sprachwandel?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.09.2011 um 13.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19234

Mannheimer Morgen, 17.9.2011, Seite 6:

Urteil: Personalleiterin erhält 13000 Euro Entschädigung

Bewerberin diskriminiert

Karlsruhe. Wegen einer diskriminierenden Stellenanzeige hat das Oberlandesgericht Karlsruhe einer abgelehnten Bewerberin eine Entschädigung von rund 13000 Euro zugesprochen. Die als Personalleiterin tätige Frau hatte sich auf eine Anzeige "Geschäftsführer gesucht" beworben. Als ihre Bewerbung nicht berücksichtigt wurde, forderte sie Entschädigung wegen geschlechtsbezogener Benachteiligung.
Das OLG gab ihr recht: Der Begriff "Geschäftsführer" sei eindeutig männlich und werde weder durch den Zusatz "/in" noch eine Ergänzung "m/w" erweitert, teilte das Gericht gestern mit. Deshalb habe die Bewerberin Anspruch auf Entschädigung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Angemessen sei der Betrag eines Monatsgehalts, hier also rund 13000 Euro. Der Betrag müsse auch abschreckende Wirkung haben, um Arbeitgeber künftig von ähnlichen Verstößen abzuhalten. dpa

Oberlandesgericht Karlsruhe Aktenzeichen 17 U 99 /10
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.09.2011 um 12.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19203

Die Arbeit wird als überdurchschnittliche Leistung mit „sehr gut“ bewertet, wenn (...)
- der Aufriss der Arbeit zeigt, dass die Verfassenden das in der Literatur Gefundene eigenständig neu organisiert haben,
- aus der Arbeit die Fähigkeit der Verfassenden hervorgeht, in anderen Zusammenhängen Geschehenes sachgemäß in neue, durch die Themenstellung vorgegebene Bezüge zu übertragen,
- die Verfassenden die Fähigkeit gezeigt haben, selbständig eigene Lösungen und Lösungsansätze zu Problem zu finden, die das Thema stellt.
(Uni Gießen, Abteilung Allgemeine Pädagogik Lehrstuhl Prof. Dr. Ingrid Miethe)

Da die Sprachverhunzenden im Schonraum Universität ihre Texte nicht verkaufen müssen, sondern im Gegenteil damit Herrschaft ausüben, können sie sich nach Belieben austoben.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 05.09.2011 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19202

Dem entspricht:

... die Herausgebenden stellen die grundsätzliche "Machbarkeit einer 'Quellenkunde' ... selbst zur Diskussion ...
Die Herausgebenden erörtern auch die Frage der Repräsentativität ...
Der Meinung der Herausgebenden, Bittgesuche seien aufgrund ihrer Mündlichkeit generell eher selten erhalten, ist gerade mit dem Argument der Verschriftlichung und des "Verwaltungsablaufes" ... entgegenzutreten ...
Zu Recht halten die Herausgebenden fest, dass die gewählte Schematisierung ... die Leserschaft mit der Frage nach einem gemeinsamen Nenner entlässt ...

Aus einer Rezension in sehepunkte – Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften

www.sehepunkte.de/2011/01/17892.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2011 um 16.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19201

Wie ich gerade sehe, reden viele Herausgeber ihr Publikum mit Liebe Lesende an.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.08.2011 um 12.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19181

Noch eine Nagerin:
Eine einzige Rättin bringt es in der freien Wildbahn mit Kindern und Kindeskindern auf bis zu 500 Nachkommen pro Jahr.
(FASZ, 28.8.11, S. 58)

Trotz Günter Grass hat es die Rättin noch nicht in den Duden geschafft. In die FAZ schon. Ob wir es demnächst auch mit Mäusinnen und Spinninnen zu tun bekommen? Nachtigallin, ick hör dir trapsen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2011 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19160

Daß in der amerikanischen psychologischen Literatur alle Versuchspersonen usw. grundsätzlich weiblich zu sein haben, wurde schon erwähnt: Introspection is the process by which someone comes to form beliefs about her own mental states. Usw.
Aber auch Tiere werden neuerdings davon erfaßt: When a bee returns to the hive after collecting pollen, she deposits a drop of wax-coated honey. (Die Weiblichkeit der Arbeitsbienen steht übrigens sehr in Frage ...)
Oder eben so: “If the pigeon wants food, and (s)he believes that pecking the key will contribute to bringing about food, then ceteris paribus (s)he pecks the key.” (Behavior and Philosophy 26, 1998:49)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2011 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19159

"Frauen und Männer werden unter der grammatisch männlichen Namensform zusammengefasst. Beispiele: Die Studenten protestieren. Die Parteimitglieder stimmen ab. Die Schülervertreter treffen sich. Frauen sind hier sprachlich inbegriffen, doch laut verschiedener wissenschaftlicher Studien werden sie effektiv weniger wahrgenommen." (Goethe-Institut Okt. 2006)

Die Politische Korrektheit reagiert mechanisch auf das Suffix "-er", daher die bekannte Verirrung mit den "Mitgliederinnen". Gut möglich, daß man sich das typische Parteimitglied als männlich vorstellt, trotz grammatisch neutralem Genus. Das typische Parteimitglied ist ja auch in Wirklichkeit männlich (SPD 69 %, CDU 75 % Männer).

Während die These von der linguistischen Relativität und der Beeinflussung des Denkens durch die Sprache in der Wissenschaft noch diskutiert wird, haben unzählige politische Gremien längst beschlossen, sie für wahr zu halten, und einschneidende Maßnahmen darauf gegründet. Das sind wir gewohnt, aber richtig ärgerlich wird es, wenn auch Wissenschaftler, sogar Sprachwissenschaftler sich freudig diesen Maßnahmen unterwerfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2011 um 05.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19158

Es ist versehentlich in die falsche Rubrik geraten, eine weitere Folge der hirnzersetzenden Wirkung von Sonne und Wind.
Irgendwo haben wir schon einmal die gastronomische Sonderbedeutung der Präposition "an" besprochen ...
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 20.08.2011 um 18.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19157

Ich weiß nicht, — bei Präpositionen lasse ich Muttersprachlern ihren Lauf, besonders denen in rustikalen Gaststätten rede ich nicht rein. Weiß ich doch: Wenn jemand mit mir kämpft, weiß ich nie genau, auf wessen Seite der ist. Und für engl. "on" gibt's wenigstens sechs doch ziemlich verschiedene Bedeutungen, die zunächst wirklich wenig gemeinsam haben. Wenn da auf Juist "an" sowas wie "neben" bedeutet, ach, wen stört's? Mit Vertrauen bestellen kann man's wohl schon, was da rustikal angeboten steht. Denn da ist sicher auch für Hochdeutsche nichts versprochen, was letztlich auf dem Teller nicht eingehalten wird.
Aber was hat das alles mit Politischer Korrektheit zu tun?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2011 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19156

Eine rustikale Gaststätte auf Juist bietet an:

Schweineschnitzel an Pommes frites
Wolfsbarsch an zerlassener Butter
Labskaus an Rote Bete


usw.

Man scheint da etwas mißverstanden zu haben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.08.2011 um 10.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19155

Auch die Konchyliologin durfte nicht fehlen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2011 um 08.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19154

Duden verzeichnet Psephologin, was unmöglich auf irgendeiner Belegstelle beruhen kann.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.08.2011 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19151

Der Artikel "Halbstarker" in wikipedia ist ganz brauchbar, er geht aber zu wenig auf die Wertvorstellungen der damaligen Elterngeneration ein, von deren Obrigkeitsgläubigkeit und Autoritätsanspruch der heutige Zustand nur noch ein ganz schwacher Abglanz ist. Ich bin Zeitzeuge. In anderen Sprachen und damit Kulturen findet man keinen entsprechend herabsetzenden Begriff.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.08.2011 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19150

In digitalisierte Texten können inzwischen natürlich noch frühere Belege gefunden werden. »Zwei Drittel des Buches sind der sexuellen Seelenstocherei des empfindsamen Halbstarken gewidmet, aber seine Regungen gegen seine und seiner Mutter materielle Not werden mit wenigen Zeilen abgetan.« (Die Neue Zeit 1883, S. 664)
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 19.08.2011 um 13.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19149

Vielen Dank, Herr Bärlein. Wenn ich noch die Erinnerungen von Herrn Ludwig dazuzähle, ist der tatsächlich negative Ausdruck dann wohl ganz allgemein auf (männliche) Jugendliche übertragen worden.

Aber waren denn die jungen Frauen, die bei Konzerten von Elvis (den hatten wir hier ja auch schon mal!), den Beatles oder gar den Rolling Stones (Waldbühne 1965!) kreischten und randalierten, auch noch "Backfische"?
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 19.08.2011 um 12.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19148

Ich hatte das Heft gerade zur Hand:

«Unter diesem Namen firmierte die widerspenstige Jugend der fünfziger Jahre in Deutschland, das Wort selbst ist indes älter. Hermann Popert verwendete es 1905 in seinem patriotischen Roman Helmut Harringa für "junge Kerle, mit schmierigen Mützen über den fahlen Gesichtern". "Der 'Halbstarke' ist der 'verkommene' junge Mensch. Verkommen heißt falsch kommen; der Verkommene ist falsch in das Leben hinein gekommen; er ist auf den falschen Weg geraten, und wohin ihn dieser Weg auch führt, er bringt ihn immer an ein falsches Ziel", heißt es 1912 in der broschierten Mahnschrift Der Halbstarke des Hamburger Pastors Clemens Schulten.
Im Zusammenhang mit den Protesten vom 17. Juni 1953 tauchte das Wort in den DDR-Medien wieder auf, 1955 gelangte es erstmals in Küppers Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. Offenkundig als Herabwürdigung gemeint, veränderte der Begriff durch Schlager und Film seine Semantik und wurde schließlich von den Jugendlichen zur Selbstbezeichnung akzeptiert. Im Sommer 1956 tauchten in einem Jugendwohnheim in Braunschweig Handzettel auf: "Am Sonnabend abends um 8 Uhr Halbstarkentreffen. Münzstraße. Gummiknüppel sind mitzubringen. Die Panther." Zwar deuteten die eilig eingeleiteten Nachforschungen auf einen minderjährigen Einzeltäter, doch für die Begriffsgeschichte hat die Quelle Indizienwert.» (Merkur 710, S. 631)
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 19.08.2011 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19147

Mrozeks Beitrag kenne ich nicht. Ich weiß nur, daß der Teenager in zahlreichen Schlagern der späteren Fünfziger vorkam: Teenager-Melodie, Wenn Teenager träumen, das klang frisch und knackig. Der Wandel im Wortschatz des deutschen Schlagers zwischen 1950 und 1960 wäre eine Untersuchung wert.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 19.08.2011 um 11.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19146

Bodo Mrozek soll in seinem Beitrag "Halbstark! Zur Urgeschichte der Popkultur" Hinweise zur Bedeutungsgeschichte des Wortes geben, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für Europäisches Denken. 62. Jg. (2008), S. 630–635. Leider stellt der "Merkur" den Text nicht kostenlos zur Verfügung.

Kennt jemand den Text?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 19.08.2011 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19145

"Gab es daher noch eine Bezeichnung für junge Männer, die nicht aufbegehrten, die nicht 'geltungsbedürftig' waren?": Ja. Ich war damals einer von denen, "die nicht aufbegehrten, die nicht 'geltungsbedürftig' waren", und trotzdem wurde ich als Halbstarker bezeichnet. Viele dachten da bei einem Halbstarken also offenbar nicht an ein "deutsches Pendant zu Marlon Brando".
Ich erinnere mich übrigens noch genau daran, daß mir die Bezeichnung "Backfisch" erklärt werden mußte, weil ich sie nicht auf Anhieb verstand.

"A teenie bopper can be defined as a young girl between the ages of 14–17." Auch wenn das Alter der jungen Leute zwischen 17 (manchmal schon 16) und 19 mit Zahlen mit der Endung "-teen" angegeben wird, spricht man hier von ihnen schon eher als "young adults" und nicht als "teenager". Teenager machen sich und der Gesellschaft mehr mit ihrer Pubertät zu schaffen.
Wie mir die Bezeichnung aus dem Deutschen geläufig ist, ist damit nach wie vor ein weiblicher "Teenager" gemeint. Normalerweise benutzt man nämlich für das, was mit deutsch "Teenager" ach so objektiv gemeint sein soll (spätere Duden), die Bezeichnung "Jugendliche". Teenagerin! So à la "Gästin" in *Andorra*!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2011 um 03.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19144

Unsere Eltern waren besorgt, daß wir Halbstarke oder Rowdies werden könnten. Das war in den 50er Jahren. An Teenager kann ich mich aus jener Zeit nicht erinnern.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 19.08.2011 um 00.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19141

Nachtragsfrage:

Beim Backfisch habe ich etwa Romy Schneider in jungen Jahren im Kopf ("Mädchen in Uniform" hieß der Film wohl), und beim Halbstarken muß ich tatsächlich an den jungen aufbegehrenden Horst Buchholz denken. So als deutsches Pendant zu Marlon Brando. Gab es daher noch eine Bezeichnung für junge Männer, die nicht aufbegehrten, die nicht "geltungsbedürftig" waren?
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 19.08.2011 um 00.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19140

Stimmt es eigentlich, daß der grammatisch maskuline Backfisch nur immer weibliche Personen bezeichnet(e)? (Anmerkung: Ich habe den Paul in der 9. Auflage zur Hand, der den Hinweis hat, daß der Backfisch seit "dem 16. Jh. stud. ›unreife Studenten‹ wohl mit Anklang an baccalaureus" bezeichnete und "heute veralt. ›junges Mädchen‹" meint. Mit der schönen Erklärung "(weil man zum Backen die kleineren, sich nicht zum Sieden eignenden Fische nahm)".

Als männliches Pendant spukt mir im Kopf dazu der "Halbstarke" herum. Das war vor meiner Zeit, aber gab es da nicht einen Film mit Horst Buchholz? Der Paul gibt zum Lemma "Halbstarker" an: "›geltungsbedürftiger Halbwüchsiger‹ (Hamburg um 1900; FAZ 17.9.56); vgl. CSchultz, Die Halbstarken 1912".

Falls das stimmt, daß der "Backfisch" sich nur auf Mädchen und der "Halbstarke" sich nur auf Jungen bezog, könnte es zugleich eine Erklärung dafür sein, daß der englische "Teenager" sich hier seit den 60er Jahren durchgesetzt hat. Plötzlich paßte ein Wort für beide Geschlechter, und womöglich konnten die Jugendlichen sich in der Ära des Rock 'n' Roll auch eher mit einem englischen Wort anfreunden.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 18.08.2011 um 23.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19139

In der Tat, warum wirkt wohl Teenagerin auf manche so albern, ja anstößig?

Zunächst einmal ist die Verwendung von Teenagerin hier nicht nur überflüssig, sondern auch irreführend, denn es könnte sich ja um eine 13jährige oder um eine 19jährige handeln, was einen himmelweiten Unterschied ausmacht.

Manche empfinden auch die umstandslose Verbindung eines (in der Ursprungssprache geschlechtslosen) Fremdworts mit einem deutschen (Geschlechts-)Suffix als ausgesprochen häßlich – ebenso Bildungen wie downgeloadet (die der Duden in seiner unermeßlichen Weisheit als die einzig richtige ausgibt).

Andere, so Peter Eisenberg in seiner Dudenpreisrede, sehen darin einen Beweis, daß die Anglizismenflut das Deutsche in seiner Substanz nicht gefährde. Schließlich scheinen deutsche Grammatik, Syntax, Flexion diese äußeren (rein lexikalischen) Einflüsse unbeschadet zu überstehen.

Daraus spricht nach meinem Eindruck ein merkwürdiges Vorurteil vor allem von Linguisten, wonach der Grammatik eine höhere Dignität zukommt als dem bloßen Wortschatz. Danach sei das Verhältnis zwischen Wort (als willkürliche Lautfolge) und Bedeutung rein konventionell, ja willkürlich; die Grammatik sei dagegen von geradezu naturgesetzlichen Regeln bestimmt, was dem Forschungsdrang des Systematikers natürlich entgegenkommt.

Bei Teenager kommt noch etwas anderes hinzu: Zumindest früher verstand man im Deutschen unter einem Teenager nur ein junges Mädchen (so auch der Duden 1961). Aus meiner Jugend sind mir die Empfehlungen, doch lieber das altbewährte deutsche Wort Backfisch zu benutzen, noch gut in Erinnerung.

Mit zunehmender Verbreitung von Englischkenntnissen scheint sich dieses Verständnis des Worts aber geändert zu haben. Jedenfalls versteht schon der Duden 1980 unter Teenager sowohl Mädchen wie Jungen.

Entspricht das aber heutzutage wirklich dem allgemeinen Sprachgebrauch?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.08.2011 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19136

Zu Boetticher noch ein Nachtrag: Es ist interessant, wie die Zeitungen durch fortwährenden Gebrauch der Wörter die Minderjährige, Schulmädchen-Affäre usw. einer legalen Beziehung doch noch den Schein des Verbotenen, zumindest Anrüchigen zu geben versuchen. In der Süddeutschen Zeitung stellte ein Psychologieprofessor, dessen Namen ich gleich wieder vergessen habe, eine besonders törichte Ferndiagnose, die naturgemäß auch den Narzissmus nicht ausließ. Boetticher ist also Narzisst. Das ist auch Julian Assange, wie man weiß, und, wie schon erwähnt, der norwegische Massenmörder. Charlotte Roche (bzw. die Heldin ihres neuen Feuchtbuches) ist ebenfalls eine narzisstische Persönlichkeit. Das schreibt wenigstens die Zeitung, folglich wird es wohl stimmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.08.2011 um 06.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19134

v. Boetticher soll durch Jost de Jager abgelöst werden, der endlich auch Ministerpräsident werden will. Zur Erinnerung: de Jager war 1998 gegen die Rechtschreibreform und für Durchsetzung des Volksentscheids. Dann wurde er durch seine Parteioberen (Volker Rühe) umgedreht und stimmte wie alle anderen für die RSR.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 16.08.2011 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19131

Putzig, daß Frau v. Braun, diese Feministin, im Interview dann sagt: "Auf der Konferenz sprechen Religionswissenschaftler, Kulturwissenschaftler, Islamwissenschaftler, aber eben auch christliche Theologen". Eine rein männliche Konferenz?

Rein botanisch gesehen, ist der Samen (lateinisch semen) übrigens geschlechtslos. Es handelt sich um ein Ruhestadium des Sporophyten-Embryos, der aus der Verschmelzung von männlichem Pollen und weiblicher Eizelle hervorgeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.08.2011 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#19130

Warum kommt mir Teenagerin besonders albern vor?
(Heute in den Medien. Es geht um die Affäre des Politikers von Boetticher mit einer 16jährigen. Übrigens zeigt das Interview mit unserem Erlanger Philosophen Rudolf Kötter wieder einmal, daß es hier gar keine Experten geben kann. Philosophische Ethik ist Quatsch, "angewandte Ethik" ist Quadratquatsch, siehe www.welt.de.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2011 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18976

Die Feministin Christina von Braun sagte mal im Gespräch mit Alan Posener:

"Es geht in erster Linie um Geschlechterbilder in den Wissensformationen. Warum sind alle National-Allegorien weiblich? Der individuelle Brite oder Deutsche ist zwar männlich – John Bull, der deutsche Michel und so weiter – aber der National-Körper wird immer weiblich gedacht: Britannia, Germania, Marianne. Gilt übrigens für alle Gemeinschaftskörper, selbst die Fußballmannschaft ist weiblich. Es geht dann auch darum, wie solche Kategorien in die Wissenschaft einwandern und mächtig werden, warum die Universität ‚alma mater’ heißt und sich das Seminar von ‚semen’, dem männlichen Samen, ableitet.  Geschlechterbilder waren sehr wirkmächtig bei der Herausbildung wissenschaftlicher Paradigmen."

(http://starke-meinungen.de)

Das ist recht lustig. Das Seminar heißt so, weil es ein Pflanzstätte der Bildung ist, und das kommt tatsächlich vom "Samen", aber nicht vom männlichen (der dem Pollen entspricht), sondern vom weiblichen, sozusagen.
 
 

Kommentar von B.Janas, verfaßt am 04.07.2011 um 16.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18954

Das Wort "Mannschaft" ist dagegen bisher bei der Frauen-WM unbeanstandet geblieben, soweit ich sehe. Ist es, weil der Mann darin schon ganz verblaßt ist und als solcher nicht mehr auffällt? Komisch auch, daß man "Team" noch nicht für solche Fälle übernommen hat.
Und warum wird Fußball von Frauen, Tennis dagegen von Damen gespielt, die sich auch in anderen Sportarten mehr tummeln als die Frauen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.07.2011 um 14.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18952

Vielleicht fällt ja den Mitfrauen auch bald noch ein passenderes Suffix ein als ausgerechnet -schaft.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 04.07.2011 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18951

Das ist vielleicht politisch "korrekt", aber sprachlich und anatomisch?
 
 

Kommentar von Frauenversteher, verfaßt am 04.07.2011 um 13.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18950

Der Verein "Lebendiges Lesben Leben e.V. Frankfurt" schreibt auf seiner Webseite sprachlich-politisch-anatomisch höchst korrekt:

"Eine zusätzliche Förderung/Unterstützung durch Mitfrauenbeiträge und Spenden ist daher unabdingbar."

www.lll-frankfurt.de

Google liefert auch einige Belege für Mitfrauschaft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.07.2011 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18946

Derselbe Landrat verkündete, um seinem nichtigen Geschwätz mehr Gewicht zu geben, mitten drin plötzlich die These, das wichtigste an der Erziehung sei es, ein zweites Auschwitz zu verhindern. Ich war wohl nicht der einzige Zuhörer, der dies als unangemessen empfand.

Ich erwähne das aber nur, um an das Vorbild, den bekannten Satz von Adorno zu erinnern:
Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an die Erziehung.
Was für ein verkorkstes Deutsch! Ganz abgesehen von der unsinnigen pädagogischen Überhebung. Man sollte Erziehungsziele nur verkünden, wenn man sie auch erreichen kann, sonst macht man sich lächerlich.
Zum Sprachlichen vgl.: Der Lehrer verlangt, daß Abschreiben nicht sei. – Komisch, nicht wahr?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.07.2011 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18936

... den Schülern und Schülern ...
(aus der – naturgemäß furchtbaren – Abituransprache eines Lokalpolitikers)
Damit ist den Forderungen der politischen Korrektheit Genüge getan.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2011 um 12.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18886

Zum 80. Geburtstag von Hans Maier schreibt die KNA:

"Die Rechtschreibung zum Gegenstand regierungsamtlichen Handelns zu machen, wäre ihm nie in den Sinn gekommen."

Als Kultusminister hat Maier 1973 mitbeschlossen, eine Rechtschreibreform auf der Grundlage der Wiesbadener Empfehlungen durchzuführen.

Später waren andere Töne zu vernehmen, aber kein ausdrücklicher Widerruf.

Andere Verdienste des bedeutenden Mannes stehen hier nicht zur Diskussion.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2011 um 07.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18819

Bei Google gibt es Studierendensekretariat inzwischen mindestens viermal so oft wie das normalsprachliche Studentensekretariat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2011 um 12.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18416

Nichts wirkt so zerreißend, nichts hinterlässt so tiefe Wunden wie ein Bruderkampf zwischen Schwesterparteien.
(aus Hans Maiers Autobiographie, Verlag C. H. Beck 2011)

Das Buch ist in Reformschreibung gedruckt, allerdings fast nur "Heyse". Maier war mitverantwortllich für die Rechtschreibreform, will heute darauf nicht mehr angesprochen werden. Ob er in seiner Autobiographie darauf eingeht, weiß ich noch nicht, nehme es auch nicht an.
Hübsch ist noch diese Stelle: "Bischof Kunst erzählte mir eines Tages, wie er Strauß in der Kuba-Krise 1962 in Bonn handlungsunfähig in einem Gebüsch liegen sah."
 
 

Kommentar von Peter Küsel, verfaßt am 28.03.2011 um 21.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18389

Winfried Kretschmann kann Geschichte schreiben und der erste grüne Ministerpräsident werden.

Nicht einmal die Grünen können es auf ihrer Website anders ausdrücken. (...) und die erste Ministerpräsidentin oder der erste Ministerpräsident werden haut irgendwie nicht hin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2011 um 11.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18371

Der erwähnte junge Mann von der Linken, der genau weiß, was Frauen wünschen, schrieb u.a.:
»Es ist einfach nicht zu fassen! Dasselbe Kultusministerium, das alljährlich Abiturientinnen mit Kooperationsschreiben (zusammen mit Wirtschaft und Wissenschaft verfasst), in denen die jungen Frauen gebeten werden, ein technisch-mathematisches Fach zu studieren, geradezu bombardiert, lässt ein Schulbuch zu, das – welch Wunder: neun der zehn Autoren sind Männer – vor männlichem Technikverständnis nur so strotzt. „Schneller, höher, weiter, exponentiell beschleunigend“, so oder so ähnlich könnte man Einführung, Aufgaben und Bilder zusammenfassend beschreiben.
„Was mischt sich der Germanist und Politologe in die Mathematik ein? Das ist doch gar nicht sein Metier?“ Könnte man meinen. Man könnte aber auch meinen, dass die hier abgehandelte Frage eine universell pädagogisch-psychologische sei. Dann müsste man mir als Lehramtsstudenten durchaus Kompetenzen zuschreiben. Und als solcher gebe ich die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Pädagogik wieder, wenn ich hier behaupte: Männer und Frauen sehen in Technik zwei verschiedene Dinge. Für die meisten durchschnittlich sozialisierten, an Technik interessierten Männer ist Technik faszinierender Selbstzweck, für die meisten durchschnittlich sozialisierten, an Technik interessierten Frauen ist Technik ein Mittel der Lebensgestaltung und Alltagsbewältigung. Das Kultusministerium konterkariert also mit einem Buch à la „schneller, höher, weiter, exponentiell beschleunigend“ die eigenen Bemühungen, da junge Frauen mit derartigen Lehrmitteln systematisch von Technik und Mathematik ferngehalten werden.«
(linksjugendbbcw.wordpress.com/2010/09/15/)

Zufällig bin ich darauf gestoßen, woher er es hat:

"Ist e=mc² eine geschlechtsspezifische Gleichung? Vielleicht. Stellen wir die Hypothese auf, dass sie es insofern ist, als sie die Lichtgeschwindigkeit gegenüber anderen Geschwindigkeiten, die für uns elementar notwendig sind, vorzieht. Was in meinen Augen den möglicherweise geschlechtsspezifischen Charakter der Gleichung anzuzeigen scheint, ist nicht unmittelbar ihre Verwendung in Kernwaffen, sondern vielmehr die Bevorzugung dessen, was am schnellsten ist..." (Luce Irigaray, zit. nach Sokal/Bricmont: Eleganter Unsinn, S. 130)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2011 um 12.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18350

Die Aussagen der Wissenschaftler werfen auch einen neuen Blick auf die Schwesterreaktoren im spanischen Santa Maria de Garoña und im schwedischen Okarsham, die noch früher ans Netz gingen als Block 1 in Fukushima Daiichi.

und ähnliche Meldungen ...

Wieso "Schwestern"? Reaktoren sind doch männlich! Das ist politisch nicht korrekt!
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.03.2011 um 20.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18272

Kauffraulich ist natürlich völlig unmöglich. Es kann doch nur kauffrauisch heißen, auch wenn Google nachfragt: "Meinten Sie: kaufrausch".

So auch Frau Prof. Dr. Susanne Schmidt-Knaebel hier (PDF-Datei).

Der Aufsatz ist ja ganz vergnüglich zu lesen, aber offenbar todernst gemeint.

An einer Stelle zitiert sie:

"Die englische Königin Elisabeth II. traf zu einem Staatsbesuch in China ein.
Es ist das erstemal, daß ein britischer Monarch das asiatische Land besucht."

Sie sagt dazu: "Eine Form 'Monarchin' stünde, wie gesagt, problemlos zur Verfügung."

Daß eine Germanistik-Professorin die Zweideutigkeit, die dadurch entstünde, nicht erkennt, ist einigermaßen enttäuschend.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 04.03.2011 um 19.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18271

Es können auch Männer kauffraulich und Frauen kaufmännisch handeln!
 
 

Kommentar von Wiki, verfaßt am 04.03.2011 um 19.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18270

Zimmerer oder Zimmermann , weibliche Bez. Zimmerin

Zimmerer / Zimmerin ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO).
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 04.03.2011 um 18.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18269

"Kauffraulich" finde ich sehr, sehr seltsam. Da schimmert noch viel "Frauliches" durch, sozusagen das Gegenstück zu einem gedachten "kaufmännlich". - Und wie wird ein weiblicher Zimmermann genannt? "Zimmerfrau" ist doch wohl schon vergeben.
Und was ist mit einem geschlechtergerechten Hanswurst?
 
 

Kommentar von E. Zink, verfaßt am 04.03.2011 um 17.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18268

Ja mei, da hätt' man selber drauf kommen sollen; danke. Dann ist wohl auch anzunehmen, die Könnerin erledige eine Sache nicht etwa fachmännisch, sondern – als wahre Fachfrau – natürlich fachfraulich. Google wird's gewiß bestätigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2011 um 15.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18267

"Kauffraulich" ist schon weit verbreitet, hier auch ganz offiziell zu lesen:

www.saarland.de/.../arbeitschancen_durch_europa.pdf

Leider ist "käuflich" schon anderweitig vergeben.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 04.03.2011 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18266

Dank sei unseren Hampelfrauen, daß sie so vieles klar erkennen.
 
 

Kommentar von E. Zink, verfaßt am 04.03.2011 um 15.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18265

Der Kaufmann ist kaufmännisch tätig. Aber die Kauffrau?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2011 um 12.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18264

"Die Soziologin Luise F. Pusch, Begründerin einer feminis­tischen Sprachkritik, spricht zum Thema 'Die Frau ist nicht der Rede wert?!' Iris-Patricia Laudacher bringt ihr Anliegen so auf den Punkt: 'Ihr haben wir es zu verdanken, dass wir heute von Kauffrauen sprechen und nicht nur von Kaufmännern.'"

www.teckbote.de

Wenn ich mich recht erinnere, haben wir "Kaufleute" gesagt ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2011 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18262

Zum "Führenden" (s. den Eintrag von Herrn Metz im Diskussionsforum): Das ist mehr als ein Flüchtigkeitsfehler. Man bildet zuerst "die Führenden", um "dem Führer" auszuweichen, und dann gleichsam als Rückbildung den Singular dazu, und im Eifer der Korrektheit übersieht man, daß der Vorteil des Plurals wieder weggefallen ist. Gestern las ich in diesem Sinne "der Studierende", als vermeintliche Vermeidung des maskulin belasteten "Student" gewiß ebenso aus dem Plural zu erklären. Zum jedem Plural gehört eben ein Singular, mag er noch so böse sein; das Sprachsystem fordert seinen Tribut.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2011 um 09.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18245

Laut Europäischem Gerichtshof dürfen Versicherungsbeiträge für Männer und Frauen nicht verschieden sein. Frauen beziehen allerdings über fünf Jahre länger Rente als Männer. Das Renteneintrittsalter kann man angleichen, muß es wohl sogar. Das Problem ist die höhere Lebenserwartung der Frauen. Was kann man dagegen tun, um auch hier Gleichheit herzustellen?
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 01.03.2011 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18240

Der Jemand

"Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich."

(Forschungsministerin Annette Schavan, zitiert nach Spiegel)

Wie würde das wohl "korrekt" heißen? "Als eine, die ..."? Oder, à la taz, "Als jefraud, die..."?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 15.02.2011 um 12.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18037

Das ist skandalös, denn bei Google findet man keine Spagatprofessorinnen, aber Schrumpfgermaninnen. Zum Beispiel nennen sich eine Office-Anwenderin und eine eBay-Nutzerin so. Es gibt sogar einen Beleg aus einem SPIEGEL Special vom August 2006 über das Altern, der Artikel handelt vom Rassenwahn der NS-Zeit. Das Zitat stammt aus dieser dunklen Epoche:

Welchen Widerhall die Arbeit dieser Experten im Volke fand, illustriert eine im August 1934 veröffentlichte Heiratsanzeige aus dem "Völkischen Beobachter": "SA-Scharführer, Anfang 30, blonder Vollgermane, kernig und erbgesund, sucht auf diesem Wege die Mutter seiner kommenden Kinder und Wahrerin seines Hortes. Selbe muß Garantin rassischer Vollwertigkeit kommender Geschlechter sein. Stattliche Blondine bevorzugt, nachgedunkelte Schrumpfgermanin unerwünscht."
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 15.02.2011 um 09.01 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18035

... aber die Schrumpfgermanin fehlt!
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 15.02.2011 um 03.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18034

Der Rechtschreibduden hat dem Spagatprofessor eine Spagatprofessorin hinzugesellt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.02.2011 um 20.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17982

Für "wer" gibt es in Altgriechisch, Lateinisch, Gemeinslawisch, Germanisch nur eine für alle Geschlechter gleiche Form. Für manche sprachlichen Erscheinungen ist einfach unsere indogermanische Ausgangssprache verantwortlich.

Auch malerisch, dichterisch, künstlerisch, poetisch, kriegerisch sind von männlichen Tätigkeitsbezeichnungen abgeleitet. Auch das sind wohl sehr alte Wörter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2011 um 18.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17980

wer klingt nicht nur männlich, sondern entlarvt sich auch bei pronominaler Weiterführung unerbittlich als männlich. Da wartet also noch viel Arbeit.
Obwohl in besagter Volkshochschule Kursleitende die Kurse leiten, wird es schwierig, wenn die Kundinnen fragen: Wo ist denn die Kursleitende? Es könnte sich ein männlicher Kursleitender in diesen sprachlichen Porzellanladen verirrt haben. Den Damen ist übrigens entgangen, daß in zeichnerisch ein Mann steckt. Es muß zeichnerisch oder zeichnerinnisch heißen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2011 um 17.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17978

Nach längerer Zeit wieder mal die Stellenanzeigen in der Wochenendausgabe der SZ durchgesehen. Ich war etwas überrascht, daß ganz überwiegend nun die maskuline Form mit nachgestelltem (m/w) herrscht. Das ist eigentlich eine Bestätigung des generischen Maskulinums. Wenn es grundsätzlich nicht funktionierte, wie die Feministen behaupten, wäre es auch mit dem Zusatz nicht möglich.
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 07.02.2011 um 17.40 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17977

Ist es nicht auch merkwürdig, daß in unserer Gesellschaft jedem Menschen unterstellt wird, er wolle, sobald er den Mund auf oder sich ans Schreiben macht, alle beleidigen, die man beleidigen kann. So daß es von allen möglichen Seiten Handreichungen gibt, wie man das tun kann, ohne daß die Beleidigten das merken oder nachweisen können. Wenn das nicht Beihilfe zur Diskriminierung ist!
Wer von Negern, Zigeunern oder WasauchimmerInnen nichts Schlechtes sagen will, kann das auch ohne solche Verrenkungen ganz unmißverständlich tun.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.02.2011 um 17.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17976

Dumm nur, daß eine Teilnehmerliste keineswegs eine Liste für Teilnehmer zu sein braucht und daß in einer »Liste für Teilnehmende« alles mögliche stehen kann. Und klingt wer nicht auch irgendwie arg männlich?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2011 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17974

Aus dem Gender-Projekt des Volkshochschulverbandes Mecklenburg-Vorpommern e. V. (Erstellt von Dr. Marion Buhl und Dr. Birgit Gabler 2004)

Umformulierungsvorschläge:

leserfreundlich – lesefreundlich
Teilnehmerliste – Liste für Teilnehmende
Wen man alles fragen muss ... – Wer alles gefragt werden muss ...

 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 02.02.2011 um 13.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17940

Der Bilderteil der österreichischen Broschüre illustriert sehr schön, daß es gar nicht um diskriminierende Darstellungen geht, sondern um den diskriminierenden Blick auf sie. Es ist der eigene.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.02.2011 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17934

Kommunistinnen und Kommunisten: Einige weibliche Kommunisten haben sich durch besondere Menschenverachtung hervorgetan. Ohne verallgemeinern zu wollen: Auch bei den Nazis gab es einige besonders fanatisierte Frauen. Es erinnert an Schillers "Glocke".
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 01.02.2011 um 14.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17933

Ich warte auf den Augenblick, wo Guido Knopp in seiner "History" verkündet, daß 1933 die Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten an die Macht kamen.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 01.02.2011 um 12.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17932

In der Tagespresse liest man bei Gewalttaten regelmäßig vom Täter, der gesucht wird, auch wenn nicht auszuschließen ist, daß dieser weiblich war. Ein entsprechender Brief an die Redaktion, das habe ich mitunter durchexerziert, findet weder Antwort und schon gar nicht Erwähnung in der Leserspalte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.02.2011 um 11.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17931

Wer von den Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan spricht, der muß konsequenterweise auch von deren Feindinnen und Feinden sprechen, und man darf sich wohl Gedanken darüber machen, ob in diesem Krieg auch immer alles schön sportlich-fair zugeht, also Panzerfahrerinnen gegen Panzerfahrerinnen usw. Man sieht, wie solcher Sprachgebrauch schnell ins Lächerliche und Absurde führen kann. In bestimmten Zusammenhängen, z. B. bei einer Armee im Krieg, ist einfach die Nennung einzelner Geschlechter völlig fehl am Platz. In Afghanistan kämpfen unsere Soldaten, da gehen keine Soldatinnen und Soldaten zum Truppenball.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 01.02.2011 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17930

Ja, wie es auch B. Janas schreibt: Bei den Verbrechern, Mördern, Drogenhändlern werden die Weltverbesserinnen nicht so gerne mitgenannt und von den Weltverbessereren aus Höflichkeit nicht erwähnt, was nach der Logik der Weltverbesserer, Weltverbesserinnen und gegenderten WeltverbesserInnen doch auch schon wieder stereotyp sein müßte.
Was nun nichts mit der Sprache zu tun hat, aber lustig ist: In dem Leitfaden dienen zwei fast identische Bilder, nämlich jeweils einer jungen pflegenden Frau, einmal als positives Beispiel (junge Leute sind nicht nur auf Vergnügen aus) und einmal als negatives (nur Frauen sind in Pflegeberufen tätig).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2011 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17927

Wie die bewußte Abkehr von der als "männlich" diffamierten Objektivität funktioniert, läßt sich auch am Leitfaden studieren:

„Unterschiede werden aber nicht wertfrei festgestellt, sondern durch eine Mehrheit bewertet, die festlegt, was als gesellschaftliche Norm zu gelten hat. Von Diskriminierung betroffen sind all jene Gruppen, die diesen dominanten Leitbildern nicht entsprechen.“

„Sexistische Sprache hat als Ausgangspunkt Frauen als unterdrückte 'Minderheit', die aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit sozialen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Sexistische Sprache ist eine Sprache, die Frauen und ihre Leistungen ignoriert, sie in traditionellen Rollen verbunden mit sogenannten weiblichen Eigenschaften darstellt und / oder sie ausschließt.“

Die Verfasserinnen des Leitfadens wissen, daß sie mogeln, die Anführungszeichen beweisen es. Aber so geht die neue Logik: Wer verfolgt ist, gehört zur Minderheit, mag er auch zahlenmäßig die Mehrheit stellen. Ähnlich war das schon vor Jahrzehnten: Gewalt war definitionsgemäß mit Männlichkeit verbunden; wer also gewalttätig ist, mag biologisch eine Frau sein, gendermäßig ist er ein Mann. Wegen dieses Nutzens kann man auch audf den Begriff "Gender" nicht verzichten.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.01.2011 um 23.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17926

Dem Partizip Präsens steht wohl eine große Zukunft bevor, denn von ihm abgeleitete substantivierte Adjektive sind bei starker Beugung geschlechtsneutral. Leider gibt es kein passives Partizip Präsens. Beim Ersatz von Berufsbezeichnungen ist Phantasie gefragt.
 
 

Kommentar von B Janas, verfaßt am 31.01.2011 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17925

Nein, man schreibt und redet ungerührt und kommentarlos, wie man das normal und gut und richtig findet. Wenn genügend viele sich das trauen - und es kostet doch weder Kopf noch Kragen! - dann werden sie schon erlahmen oder im Sumpf der Inkorrektheit versacken, diese Besserwisserinnen und -wisser.
Nun ja, hier und da mag Honorar oder Job gefährdet sein. Dann kreativ werden und unanstößige Formulierungen finden, z.B. statt "Wählerinnen und Wähler" simpler "alle, die zur Wahl gehen". Ab und an kann's auch amüsant sein, konform zu formulieren: "Säuferinnen und Säufer", "Delinquentinnen und -quenten".
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 31.01.2011 um 18.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17924

Für gesellschaftliche Mißstände ist immer irgendeine Gruppe mit verantwortlich. Analog zu "Überalterung" könnte man "niedrige Geburtenrate" zurückweisen:

Dieser Begriff impliziert ein unaufhaltsames Verderben ... Er diskriminiert kinderlose Menschen. Eine „niedrige Geburtenrate“ heißt automatisch, dass Kinderlosigkeit etwas Falsches ist, das man so nicht hinnehmen kann. Der Begriff ist gleich gebildet wie „niedrige Produktivität“ und stellt Kinderlosigkeit als mangelnde Leistung dar, die man bekämpfen muss, um den Fortbestand der Gesellschaft zu retten.

Wenn man vom Feinstaub redet, diskriminiert man Autofahrer. Wenn man das Wirtschaftswachstum gering nennt, diskriminiert man sparsame Menschen. Man schreibt am besten gar nichts mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2011 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17922

Der Leitfaden treibt die Ideologie ins Wahnhafte. Den letzten Teil mit den Bildern sollte man sich ansehen, kratzbaum hat schon darauf hingewiesen.

Im Textteil werden verurteilt: Milchmädchenrechnung, Schihaserl.

Was die Milchmädchen betrifft, so übertreffen sie noch die Mohren an Obsoletheit. Wer soll denn mit diesem Ausdruck herabgesetzt werden?
Das Schihaserl ist für die österreichischen Alpen ganz unentbehrlich, ich protestiere gegen seine Ausrottung!

... nicht nur die Bälle, auch die Frauen liegen dem Stürmer zu Füßen. Der Leitfaden kommentiert säuerlich: "Frauen liegen den Männern wie Objekte (Bälle) zu Füßen."
Nicht doch! Normalerweise liegen wir Männer den Frauen zu Füßen, und keine regt sich drüber auf. Ist ja auch was Schönes, diese Verehrung, in welcher Konstellation auch immer.

"Keine Neutralisierung durch Passivkonstruktionen:
Frau wurde Opfer von Gewalttat.
Der Ehemann tötete die Frau."

Das finden wir ja auch täglich in der Zeitung, aber manchmal ist eben der Täter nicht gleich bekannt, dann braucht man das Passiv. Wir wäre es übrigens zur Abwechslung mal mit Frau tötet Ehemann? Undenkbar? Hab ich aber auch schon gelesen, Nur im Leitfaden sind die Männer böse, die Frauen gut.

Der Islam ist auch gut, deshalb soll die Presse nicht von Geiseln Gottes schreiben. Das soll sie wirklich nicht, schon aus orthographischen Gründen.

"Diskriminierende Handlungen liegen vor,
- wenn mit Menschen, die im Rollstuhl sitzen, nicht auf gleicher Höhe sondern im Stehen kommuniziert wird.
- wenn Frauen in Frisiersalons für den gleichen Haarschnitt einen wesentlich höheren Preis als Männer bezahlen."

Das Leben wird kompliziert. Aber vielleicht wollen manche Rollstuhlfahrer das gar nicht, daß man vor ihnen in die Hocke geht wie vor einem Kinderwagen? Über die Preisgestaltung der Friseurbetriebe mögen andere urteilen. Daß sich ein österreichisches Ministerium damit beschäftigen zu müssen glaubt, ist erstaunlich.

Im Glossar dann wieder die schon bekannte Definition:

"Gender Mainstreaming bedeutet, dass bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig berücksichtigt werden, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt."

Wenn das so ist, sind auch die Köpfe von Männern und Frauen möglicherweise verschieden und müssen zu unterschiedlichen Preisen frisiert werden.

Außer Gender wird auch wieder Diversity nicht übersetzt, es sind zwei unendlich kostbare Wörter, die unbedingt in der Originalsprache belassen werden müssen.

Kurzum: Wer nach dem Leitfaden lebt, wird ein Heiliger!

 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 31.01.2011 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17919

Mir ist an dem Text vor allem aufgefallen, daß ganz normale, unvermeidliche Begriffe gebrandmarkt werden. So heißt es auf Seite 18 über "Vergreisung" und "Überalterung":

Diese Begriffe implizieren ein unaufhaltsames Verderben.

Danach ausführlicher zu "Überalterung":

Das Wort „Überalterung“ diskriminiert ältere Menschen. Eine „Über-Alterung“ heißt automatisch, dass das Älterwerden etwas Unnormales ist, das man so nicht hinnehmen kann. Der Begriff ist gleich gebildet wie „Überwucherung“ und stellt das Alter als ein Wildwachstum der Natur dar, gegen das man ankämpfen muss, um die Kultur zu retten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.01.2011 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17918

Mir fallen in diesem "Leitfaden" die Wörter Prüfling und Sträfling auf. Einige, z. B. Lehrling, könnte man noch ergänzen. Es sind alles männliche Wörter, für die es im Gegensatz zu den mit -in(nen) erweiterbaren keine weibliche Form gibt. Deshalb wird die männliche Form sogar von den Antidiskriminierungsfanatikern wie selbstverständlich auch auf weibliche Personen angewandt, bzw. es wird nicht differenziert. Wieso geht das nicht genauso bei Lehrern, Schülern usw.?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2011 um 10.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17916

Auch in diesem Text fällt wieder auf, wie stark die "Lesben" berücksichtigt sind. Da es traditionelle Galanterie so will, daß Frauen zuerst genannt werden, rücken die Lesben jeweils vor die "Schwulen", also die homosexuellen Männer, obwohl es ja diese waren,die in der Vergangenheit hauptsächlich unter Diskriminierung leiden mußten. Aber die feministische Durchdringung der Politik ging eben vor allem von Feministinnen aus, bei denen wiederum die lesbischen das große Wort führen. So kam es zu dieser verzerrten Darstellung. Der Minister ist sich nicht zu schade, gegen läppische Details eines undiffernzierten Bildes anzukämpfen, das sich manche Leute von lesbischen Frauen machen mögen. Hier sind die Proportionen verrutscht, um das mindeste zu sagen..
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 30.01.2011 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17914

Ist es einer Universität noch angemessen, solchen Quark zu verzapfen? Gibt es demnächst auch die vegetariergerechte Forschung? In Österreich treibt dieser Unsinn ebenfalls tolle Blüten, wie hier zu sehen: broschuerenservice.bmask.gv.at/PubAttachments/leitfaden_diskrim_2010_web01.pdf
Oder hatten wir das hier schon?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2011 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17903

Von der Gender-Seite der Universität Erlangen:

"Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg setzt sich das Ziel, Gleichstellung auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Universität durch die Einbeziehung der Gender-Perspektive, einer geschlechtersensiblen Sichtweise, dauerhaft in jegliches universitäre Handeln zu etablieren. Da es in den wenigsten  Bereichen der Universität eine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt, wird darauf hingewirkt, bei allen relevanten Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern zu berücksichtigen. Die Berücksichtigung der Geschlechterperspektive wird so zu einem wesentlichen Entscheidungskriterium bei allen Prozessen."

(Nur die Wissenschaft ist geschlechtsneutral, aber die ist ja an gegenderten Institutionen wie der Universität nicht so wichtig. Die „unterschiedlichen Interessen von Frauen und Männern“ werden einfach behauptet und verewigt, wie ein Naturgesetz. Wo bleiben die gemeinsamen Interessen? Gerade weil sie gemeinsame Interessen haben, sollen doch mehr Frauen in Berufe, wo bisher mehr Männer waren. Sind die Aufzucht von Kindern, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie keine gemeinsamen Interessen? Was soll dieses ausschließliche Betonen des Gegensatzes, als ob es sich um eine Erbfeindschaft handelte?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2011 um 15.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17899

Jener junge Mann von der PDS, um den wir uns kürzlich Sorgen gemacht haben, erinnerte mich an die Feministinnen, die auch die herrschende Wissenschaftsauffassung für sexistisch verseucht hielten und z. B. erklärten:

„Feministische Wissenschaft ist parteiliche Wissenschaft und stellt den herrschenden akademischen Betrieb radikal in Frage. Sie setzt dem von Männern gestellten Objektivitätspostulat kein neues weibliches entgegen. Sie entthront die Kategorie der Objektivität ganz generell.“ (...) „Daraus folgt jedoch nicht, daß ein Wissenschaftler männlicher Provenienz (?) keinen feministischen Ansatz vertreten könne, wohl aber, daß das erwähnte geschlechtsspezifische Erkenntnisinteresse zum Gegenstand der Reflexion gemacht und die Erfahrungen von Frauen ernst genommen werden müssen.“ (Renate Möhrmann 1982)

Unter Frauen soll, bloß weil sie Frauen sind, eitel Harmonie herrschen:

„Es ist vielleicht mehr eine Wunschvorstellung als Realität und deshalb wichtiger als alle empirischen Beobachtungen: Im Idealfall, stelle ich mir vor, ist Frauensprache eine Art von Kommunikation unter Frauen, wo wir uns einander verbunden und miteinander verbunden fühlen, ohne uns lang zu kennen, ohne vorausgehende Prüfung der Charaktere, über Nationalität, Rasse, Alter und Klassen hinweg, weil wir zuallererst Frauen sind, bewußt uns als Frauen erleben mit demselben Anliegen, uns gegen unsere Unterdrückung zu wehren. Im Idealfall ist Frauensprache unterstützender Dialog, Offenheit, Kreditgeben, Akzeptieren, Verstehen (...).“ (Senta Trömel-Plötz 1982)

Luise Pusch stellt fest, daß Trömel-Plötz als Pionierinnenleistung zwei Bestsellerinnen vorlegte: www.frauensprache.com/rezension_pusch.htm. Sie nimmt ihrer Freundin „Senta“ allerdings ein wenig übel, daß diese nicht nach einer Partnerin sucht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.01.2011 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17898

zu Argonaftis, #17894:
Es ist schon so lange her, daß ich mich nicht direkt erinnern kann. Aber Ulbricht war ja Sachse, daher kann er keinesfalls "Jenosse" gesagt haben, sondern nur "Genosse". Das J statt G benutzen die Berliner und andere "Preußen".
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.01.2011 um 14.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17897

Bei manchen ist nicht mal das und hörbar, z. B. bei Müntefering klingt es immer "Liebe Genossen Genossen", und ich wüßte nicht, ob ich nun beim ersten oder beim zweiten Wort einen Apostroph setzen sollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2011 um 12.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17896

Zu den Volksgenossen und Volksgenossinnen darf ich an einen früheren Hiweis auf das Dritte Reich erinnern:
www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=780#16278.

Übrigens muß man "Genossen" und "Genossinnen" genau gleich aussprechen (also mit Verschleifung des Motionssuffixes), um den Ton heutiger Politiker zu treffen.
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 27.01.2011 um 11.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17895

Bei den Genossinnen und Genossen oder den Hörerinnen und Hörern ist die Wahrnehmung heute wohl so wie bei der Rechtschreibung. Wenn man früher solches hörte oder las oder in einem Text auf „überschwänglich“ stieß, dachte man sich nicht viel dabei. Die Empfindlichkeit stellt sich in dem Augenblick ein, wo hirnferne Ideologen sich daranmachen, die Sprache totalitär nach ihrem Katechismus zurechtzuhämmern.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 27.01.2011 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17894

Die Linie läßt sich weiterverfolgen. Vor Jahrzehnten gab es eine parodierende Hörfunksendung, die stets begann: Liebe Jenossen und Jenossinnen!
Vermutlich unter Bezug auf Ulbricht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.01.2011 um 10.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17893

zum totalitären Anspruch:
Die Doppelnennungen mit "-innen" habe ich immer für ein Produkt der letzten Jahre gehalten, etwa seit A. Schwarzer, aber kürzlich hörte ich im Auszug einer Hitlerrede auch schon "Liebe Volksgenossen und Volksgenossinnen". Oder liegt es daran, daß der auch Österreicher war?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 26.01.2011 um 22.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17892

Je weiter sich duale männliche und weibliche Berufsbezeichnungen ausbreiten, desto mehr fällt das einzige Gebiet auf, in welchem weibliche Berufe von Amts wegen absolut verboten sind. Das halte ich für eine positive Nebenwirkung.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.01.2011 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17889

Die Männerfeindlichkeit der Lesbierinnen kommt bei heterosexuellen Frauen schon deshalb nicht gut an, weil sie spüren, daß sie selbst eigentlich noch mehr verachtet werden – dafür, daß sie sich mit Männern abgeben. Interessante, wenngleich reichlich manieriert geschriebene Einblicke in dieses Milieu in den siebziger Jahren bietet Terry Castles autobiographische Novelle The Professor (2010).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.01.2011 um 14.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17888

Schon im Begriff Mainstreaming steckt ein totaler, ja totalitärer Anspruch. Die Bundesregierung behauptet denn auch ganz amtlich, daß es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt. Niemand widerspricht.
In die unzumutbar verkürzten und verschulten Studiengänge ist ohnehin ein Anteil "Schlüsselqualifikationen" hineingezwängt. Bisher mogelt man sich durch mit rhetorischen Veranstaltungen im weitesten Sinne. Genderstudien dürfen dabeisein, müssen aber noch nicht. Wenn aber Gendersensibilisierung wirklich so wichtig ist, muß dieser Teil vom Kindergarten bis zum Berufsabschluß und darüber hinaus verbindlich eingeführt werden. Wie seinerzeit ML in der DDR und heute noch Religions- oder Ethikunterricht in den meisten Bundesländern.
Der Zwang wird zu Überdruß und Widerstand führen, und daran wird vielleicht der Feminismus eher scheitern als an seiner sachlichen Unbedarftheit.

Übrigens heißt es zwar offiziell, Gender sei nicht dasselbe wie Sexus, sondern ein Konstrukt und eine gesellschaftliche Zuschreibung, aber die Genderpraxis straft diese Behauptung Lügen. Es geht stets um handfeste biologische Geschlechtlichkeit. Das schaufelschwingende Mädchen auf dem Baustellenschild mit Pferdeschwanz und Rock ist kein Konstrukt, und auch unsere Frauenbeauftragten kümmern sich nicht um die Interessen von Konstrukten, sondern um Mutterschutz und Familienzeiten usw. – glücklicherweise.
Ich selbst bin auch nicht mit einer Person verheiratet, der die Gesellschaft bestimmte Genderqualitäten zuschreibt, und meine entzückenden Töchter hat diese Person vor meinen Augen in sehr handgreiflicher Weise zur Welt gebracht, wir brauchten da nichts weiter zu "konstruieren".

Sowohl die feministische Linguistik als auch die EU-Genderpolitik ist unter maßgeblichem Einfluß von lesbisch orientierten Frauen zustandegekommen, oft mit einem männerfeindlichen Zungenschlag, den viele Frauen nicht ausstehen können. In erstaunlich vielen Gender-Papieren wird denn auch auf die Interessen von Lesbierinnen hingewiesen – als wenn hier eine unterdrückte Spezies zu rehabilitieren wäre. (Über die Forderung, neben den NS-verfolgten männlichen Homosexuellen auch die nicht verfolgten Lesbierinnen mit einem Mahnmal zu ehren, haben wir ja schon anderswo gesprochen.)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 26.01.2011 um 13.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17887

Von meinen Enkeltöchtern weiß ich, daß fußballspielende Mädchen von anderen Mädchen Bewunderung erhalten, besonders solche, die sich trauen, mit Jungens zusammen zu spielen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.01.2011 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17886

Ich hatte beiläufig vorgeschlagen, Gender mainstreaming als "Durchsexualisierung" zu übersetzen, und meist stimmt das. In Wien und anderswo sollten schon Piktogramme (wie auf Ampeln, Fluchtwegmarkierungen, Bauarbeiten-Warnschildern) durch eindeutig weibliche Varianten ergänzt werden:
diestandard.at/2695627?_slideNumber=3.
Natürlich sind Bauarbeiterinnen selten zu sehen, außerdem sind Rock und Pferdeschwanz bei solchen Arbeiten nicht optimal, auch wenn sie niedlich aussehen. In manchen Berufen sind offene Haare, lose Kleidung oder Fingerringe lebensgefährlich und daher verboten.
Es gibt schon Fahrradwegschilder mit Damenfahrrädern, obwohl diese weniger prägnant aussehen. Zeigen andererseits die Fußwegschilder einen Mann mit Kind an der Hand, denkt heute jeder gleich das Schlimmste.

Bei den Toiletten wird die Paradoxie noch auffälliger. Manche fordern Einheitstoiletten, also gerade das Gegenteil der "Sichtbarmachung" der Unterschiede. Gestern sah ich nacheinander einen Schäferhund und eine Schäferhündin pinkeln. Der Rüde brauchte seinen Baum, die Hündin konnte damit nichts anfangen und tat's auf ihre Weise. Sie wissen nichts von sozialer Zuschreibung des Geschlechts.
Ich selbst möchte auf die bekannten Urinale in öffentlichen Häusern nicht verzichten, will mir aber dabei auch nicht von Frauen zusehen lassen (die sicher auch keinen Wert darauf legen). Richtig ist die Forderung nach mehr Frauenklos, denn tatsächlich bilden sich in Theatern usw. regelmäßig Schlangen bei denen da drüben, nicht bei uns. Aber dazu braucht man keine Genderforschung. Auch nicht für das ausgiebig diskutierte Problem, wohin man mit andersgeschlechtigen Kleinkindern gehen soll. Wickeln konnte ich meine Töchter, wenn überhaupt, nur auf der Damentoilette. Später bin ich mit ihnen die Herrentoilette gegangen, solange sie noch nicht allein wollten. Weltbewegend war das nicht, man muß einfach praktisch denken.

In Wien gibt es einen Genderpark:
"In Wien-Währing ist der neu gestaltete Schubertpark wieder eröffnet worden. Das Besondere: Er ist einer der ersten Gender-Parks in Wien: Das heißt: Er ist auch auf die Bedürfnisse von Mädchen ausgerichtet. ...
Zwei Sportplätze - einer für Burschen zum Fussballspielen (!), einer für Mädchen zum Volleyballspielen - sind das Herz des neu gestalteten Schubertparks."
Das ist aber wieder das alte Klischee: Jungen spielen Fußball, Mädchen Volleyball.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2011 um 15.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17885

Zwei Anmerkungen:

Die Sache mit den österreichischen Meisterinnen hatten wir schon mal:
www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=693

Die Verwechslung zwischen Storm und Fontane könnte auf des letzteren bekannte Verse über den "letzten dunklen Punkt" zurückgehen.
 
 

Kommentar von B Janas, verfaßt am 25.01.2011 um 14.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17884

T. Fontane läßt wissen, daß nicht er, sondern T. Storm Urheber des von mir zitierten Diktums sei. Ob er ihm beipflichte, steht wohl außer Frage, dennoch ein bedauerndes "Sorry" für den lapsus memoriae.
 
 

Kommentar von B Janas, verfaßt am 25.01.2011 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17883

Wikipedia unter "Arrow-Theorem":
"Das von dem Ökonom und Nobelpreisträger Kenneth Arrow formulierte und nach ihm benannte Arrow-Theorem (auch Arrow-Paradoxon oder Allgemeines Unmöglichkeitstheorem genannt) weist nach, dass es unmöglich ist, aus den Präferenzen der Individuen einer Gruppe immer eine eindeutige Präferenz der Gruppe abzuleiten, wenn diese Ableitung gleichzeitig noch einige anscheinend naheliegende ethische und methodische Bedingungen erfüllen soll."

Es ergeben sich mithin im demokratischen Prozeß unvermeidlich Widersprüche.
Das haben noch nicht alle Demokraten verinnerlicht. Oft könnte freilich Fontane helfen: "Der eine fragt, was kommt danach, der andere fragt nur, ist es recht? ..."
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 25.01.2011 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17882

Das österreichische Ministerium gibt Anleitungen zur geschlechtsgerechten Schreibung: http://www.bmukk.gv.at/medienpool/7108/gender_formulieren_2010.pdf

Gleich der erste Beispieltext verwirrt mich: „Schülerinnen und Schüler suchten ihre Meister und Meisterinnen auf Schibrettern.“
Suchten also die Schülerinnen ihren Meister und die Schüler ihre Meisterin? Wie hat man sich das vorzustellen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2011 um 06.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17881

Zum Beispiel die damalige österreichische Kultusministerin Elisabeth Gehrer hat in einem Rundschreiben angeordnet, daß die Sprache aller amtlichen Texte im feministischen Sinne umzugestalten sei, und ausdrücklich verboten, das generische Maskulinum mit dem Zusatz, es gelte für beide Geschlechter, zu verwenden.
Gehrer dürfte wissen, daß die sprachwissenschafltichen Voraussetzungen dieser Sprachlenkungsmaßnahme falsch sind, aber selbst sie konnte sich der Eigendynamik der politischen Linientreue (PC) nicht entziehen, und so geht das überall, auch bei der Rechtschreibreform.

Es kommt zu Erlassen, Richtlinien, Gesetzen, auf europäischer Ebene in höchst undurchsichtiger Weise zu Beschlüssen (wie über das Gender mainstreaming, ohne jede parlamentarische Auseinandersetzung, einfach durch Lobbyarbeit von Lissy Gröner und Gesinnungsgenossinnen), und dann fragt niemand mehr nach den sachlichen Grundlagen.

Ich habe in einer anderen Spalte schon Brechts Gesang vom Einverständnis zitiert. Es gibt solche Sprüche und solche Charaktere. Zum Beispiel das bekannte Wort von Peter Weiss:
„Die Richtlinien des Sozialismus enthalten für mich die gültige Wahrheit.“
Wie können Richtlinien eine gültige Wahrheit enthalten? Das haben wir uns auch beim Rechtschreib-Erlaß oft gefragt.
"Ich werde der neuen Norm folgen, weil sie die Norm ist." Diesen Satz eines der erfolgreichsten Schulbuchverfassers habe ich oft zitiert.
Das sind natürlich alles Fälle für den Psychologen, unter anderem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2011 um 18.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17880

Hier mal etwas Amüsantes, von einem jungen linken Frauenversteher:

linksjugendbbcw.wordpress.com/2010/09/15/

Übrigens waren viele Äußerungen von Feministinnen der 70er und 80er Jahre durchaus sehr ähnlich. Um das angeblich typisch weibliche Wissenschaftsverständnis ist es seither sehr still geworden. Man will den Frauen ja nicht alle Chancen nehmen. An der Uni mag es angehen, aber wer wird eine Person mit spezifisch weiblichem Technikverständnis einstellen? Die Hochschulen sind inzwischen zu "gendered institutions" geworden, aber gegenderte Flugzeuge usw. wollen wir doch lieber nicht benutzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2011 um 18.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17879

Als Lyrik geht vieles durch, an der Prosa zeigt sich, ob jemand etwas zu sagen hat und es auch wirklich sagen kann. Das war der Gesichtspunkt, unter dem ich beschlossen habe, Cotten nicht zu lesen.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 19.01.2011 um 22.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17854

Was jetzt kommt ist böse und gemein, aber dennoch meine ganz persönliche Meinung:

Wenn bei einer Ann Cotten Iris Radisch in der "Zeit" auf die dämliche Idee kommt, Lyriker wie Nico Bleutge als "Flugtier" und die in Iowa geborene Ann Cotten als "Jeanne d’Arc" zu bezeichnen, dann werde ich "Jeannes" Gedichte niemals lesen.

http://www.zeit.de/2010/38/L-B-Cotten

Alle diese Autoren, die so künstlich hochgejubelt wurden, waren nach kurzer Zeit (wie hieß noch mal die junge Dame, die im letzten Jahr ihren Roman zusammenplagiiert hatte?) wieder in der Versenkung verschwunden. Hinzu kommt, daß noch kein Buch in Reformschrieb es wirklich wert war, von mir gelesen zu werden.

Außerdem könnte ich jetzt noch giftig mutmaßen, daß bei Ann Cotten womöglich die österreichische Gender-Mainstreaming-Gehirnwäsche schon erfolgreich war. Aber nein, das lasse ich dann doch lieber...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2011 um 18.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17850

Ebenfalls aus Österreich stammt das folgende, allerdings in Deutschland verlegte Buch:
Franz Josef Czernin/Thomas Eder: Zur Metapher. München 2007.
Der Band wurde mit Unterstützung des österr. Kultusministeriums gedruckt. Ein Aufsatz von Marga Reimer/Elisabeth Camp ist von Ann Cotten aus dem Englischen übersetzt und verwendet nur das generische Femininum: die intendierte Sprecherinnenbedeutung, die Sprecherinbedeutung (das ist die Übersetzung von Grice' speaker meaning). Es gibt überhaupt nur Philosophinnen usw.

Suhrkamp veröffentlicht Cotten in Reformschreibung. Sie wird weithin als literarisches Wunderkind gehandelt. Eine Leseprobe aus „Florida-Räume“ macht mir aber keinen Appetit auf weitere Beschäftigung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2011 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17842

Pardon, nun noch einmal korrekt: Nirgendwo wird das Gender Mainstreaming so rabiat durchgesetzt wie in österreichischen Institutionen.
(Die Chinesen sind die größten Teetrinker, nicht wahr?)
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 18.01.2011 um 08.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17841

Das Geschlecht eines Menschen erkennt man üblicherweise an seinem Vornamen. Mehrfachredundante, künstlich erfundene Angaben wie: Univ.Prof.in Mag.a Dr.in Vorname Nachname fallen im freien Umgang dem Bestreben der Sprache zum Opfer, möglichst effizient zu sein und Unnötiges wegzulassen, ganz abgesehen vom Binnenpunkt.
Interessant auch, daß gleich im zweiten Pro-Gender-Beitrag (Dr. Sepp Hochreiter) von Biologen und Medizinern die Rede ist!
Die Hauptfrage, die ich eigentlich noch nie beantwortet bekam, ist doch, welchen Nutzen bringt die künstliche flächendeckende Einführung der typischen Wortungeheuer dem Durchschnittsleser? Ich empfinde diese Dinge nur störend und als Lesestolpersteine.
Die Verallgemeinerung, „die Österreicher sind die rabiatesten Mainstreamer“, halte ich übrigens für nicht zulässig.
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 18.01.2011 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17840

Aus der ersten von Ickler genannten Quelle:

«Dr.in Waltraud Ernst, M.A.:

Ich unterrichte die internationale, interdisziplinäre LVA "Biology, Ethics, and Gender" im Modul "Ethics and Gender Studies" für die Naturwissenschaften. Es ist immer wieder sehr aufregend zu erleben, wie Studierende mit ihrem Alltagverständnis von Geschlecht - auch ihres "eigenen" - in die Lehrveranstaltung kommen und sich zum Teil doch sehr offen mit den
wissenschaftlichen Analysen und Theorien konfrontieren lassen und am Ende des Semesters nach viel Lektüre und vielen Diskussionen ein neues Verständnis von den vielfältigen Möglichkeiten Geschlecht zu verstehen erarbeitet haben - und ein Bewußtsein davon, dass dieses Verständnis sich im Laufe der Geschichte verändert hat und nach wie vor veränderbar ist - im Zusammenhang von wissenschaftlichen Theorien, politischen und
ökonomischen Interessen und gesellschaftlichen Bewegungen.»

* So sollte jeder Text anfangen: "Ich".

* "Sehr aufregend" und "sehr offen". Zumindest zum Teil doch.

* Wer geglaubt hat, er habe ein eigenes Geschlecht, wird mit Gänsefüßchen beworfen.

* "Wissenschaftliche Analysen und Theorien", "wissenschaftlichen Theorien", im Unterschied zu den nichtwissenschaftlichen.

* Die Diskussionen in der "internationale[n], interdisziplinäre[n] LVA 'Biology, Ethics, and
Gender' im Modul 'Ethics and Gender Studies' " wurden mit den Linzer Studenten sicherlich auf englisch geführt.

* Hatte eine(r) der Teilnehmer(innen) keine Verwendung für ihr(sein)en Schein?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2011 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17839

Wie gesagt, die Österreicher sind die rabiatesten Mainstreamer. Es grenzt schon an Gehirnwäsche, wie z. B. an der Universität Linz die Leute umerzogen werden sollen. Es gibt auch opportunistische Bekenntnisse, die sich recht gruselig lesen:
stimmen%20aus%20den%20fakult%C3%A4ten.pdf
oeh%20artikel.pdf
GeschlechtergerechtinSpracheundBild_ger.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2011 um 15.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17833

Meine kleine Hoffnung bezog sich auch nicht auf die Grünen. Die haben ihre Leute fest an der Leine. Einen kleinen, aber nachhaltigen Eindruck habe ich bekommen, als der damaligen Grünen-Abgeordnete Gerald Häfner im Bundestag gegen die Rechtschreibreform sprechen wollte und auf Beschluß des Fraktionsvorstandes nicht durfte. Er durfte dann auf Antrag der FDP (!) sprechen und hat die beste aller Reden in jener Debatte gehalten. Für die Grünen sprach ein völlig ahnungsloser Außenpolitker, an dessen Namen ich mich nicht erinnern kann und will.

Im bayerischen Landtag hat sich nach Zehetmairs famoser Regierungserklärung die Grünen-Abgeordente ebenfalls nicht übertreffen lassen in ihrer Folgsamkeit gegenüber der CSU-Staatsregierung. Die Durchsetzung der Rechtschreibreform konnte ihr gar nicht schnell genug gehen.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 16.01.2011 um 13.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17832

Ähnlich wie Herr Bärlein bin auch ich skeptisch. Vor allem wenn ich mir noch einmal den ursprünglichen Kontext des Aufsatzes ansehe. Er steht in der Novemberausgabe (2007) des grünen Magazins "krass" und ist dort (leider nur) der Contra-Teil zu Josefine Pauls Pro-Text "Möglichkeiten der geschlechtergerechten Sprache nutzen!" Damit es schön politisch korrekt ausgewogen ist, wurde im Heft dem an erster Stelle (!) stehenden Text für geschlechtergerechte Sprachverhunzung einfach noch einer dagegen nachgestellt. Hilfreich ist natürlich, daß Frau Münstermann ihren Text noch einmal mitgeteilt hat, aber womöglich findet sich auch der andere Text noch im Internet.

krass_november_2007i.pdf
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 16.01.2011 um 12.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17831

Der Text von Katharina Münstermann gefällt mir auch. Nur gibt er wenig Anlaß zur Hoffnung. Eingestellt wurde er im November 2007, und bis heute ist er ohne Kommentar geblieben. Unter den gegebenen Umständen bedeutet das günstigstenfalls, daß sich kein Grüner getraut hat, ihm öffentlich zuzustimmen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.01.2011 um 23.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17830

Siehe auch Anthony Daniels über die Ersetzung von "mankind" durch "humankind":
pajamasmedia.com/blog/censorship-by-language-reform/?singlepage=true
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 15.01.2011 um 22.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17829

Zu 17824 (H. Ickler)
Ich hatte mein Berufsleben lang das Glück, durchweg wirklich gute Schreibdamen, die nach Diktat schrieben, gehabt zu haben. Nicht selten kam es vor, daß eine fragte: wollen Sie das wirklich so schreiben?
"Dort auch eine besonders absurde Schreibweise:
des/der Anwa(ä)ltes(in)" (Zitat Ickler).

Wie soll das eigentlich funktionieren, wenn so ein Schmarrn von der armen Sekretärin flott heruntergeschrieben werden soll?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 15.01.2011 um 21.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17828

Zu engl. "their" zur Vermeidung von "his" oder "his or her" oder "her or his": Ich bemerke, daß "their" den meisten, auch akademischen Sprechern ohne jede Schwierigkeit von den Lippen geht. Das hat also nichts mehr mit bewußter PC zu tun (meine ich jedenfalls), sondern ist ein Zeichen, daß da kein Gefühl mehr für einen grammatischen Singular die Wortwahl beeinflußt. Da ist bei diesen Sprechern also eher ein Gefühl für den eigentlichen Numerus verloren gegangen, als daß da bewußt noch etwas geschlechtsspezifisch verändert ausgedrückt werden soll. Bei Wörterbüchern (#17819) ist das natürlich anders; die merzen jedes "his" lt. Programm um.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2011 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17824

Bei Lesen unseres Erlanger "Uni-Kuriers" mit seinen bemüht feministischen Verrenkungen fällt mir wieder mal auf, daß es längst nicht mehr um die Rechte der Frauen geht, sondern nur noch um das Bekunden von Konformität, eben "Korrektheit" um ihrer selbst willen.
Ähnliches beobachtete die Germanistikstudentin Katharina Münstermann in einem bemerkenswert gescheiten Beitrag ihres grünen Parteiblattes:

www.gruene-jugend-ge.de

Dort auch eine besonders absurde Schreibweise:
des/der Anwa(ä)ltes(in)

Es gibt noch Hoffnung.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.01.2011 um 14.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17819

In den Wörterbüchern scheint dieser Gebrauch jedenfalls längst üblich zu sein:

Oxford Dictionaries Online (http://oxforddictionaries.com), self-starter: »a person who is sufficiently motivated or ambitious to work on their own initiative without needing direction.«

Oxford Advanced Learner’s Dictionary (7. Auflage, 2005), writer: »(with an adjective) a person who forms letters in a particular way when they are writing: a messy writer«

Ebenfalls im OALD von 2005 unter dem Stichwort »self-starter«: »a person who is able to work on their own and make their own decisions without needing anyone to tell them what to do«
Dagegen in der 4. Auflage von 1989 noch: »a person showing initiative and not needing others to make him work«

Cobuild English Dictionary (1995), ghost: »If someone does not stand or does not have a ghost of a chance of doing something, they have very little chance of succeeding in it«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2011 um 12.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17816

Über "their" als englische Umgehungsstrategie hatten wir schon gesprochen, aber ich habe eine Frage an die Kenner: In Fachtexten finde ich öfter so etwas:
A person is seated, hardly moving their body, looking at a computer screen.
Anyone who refuses to accept the need to alter their behaviour and ‘go green’ is depicted as greedy and irresponsible.

Ist dies in Zeitungen auch üblich? Und gibt es wiederum Unterschiede zwischen USA und GB?
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 12.01.2011 um 18.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17776

"Mit den Wölfen/Wölfinnen heulen". Heulen Wölfinnen überhaupt?
"Wenn der Hahn/die Henne kräht – äh – auf dem Mist...".
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 12.01.2011 um 11.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17771

Herr Riemer meinte folgendes:

Ein treffenderes Beispiel für das Sprichwort, die Ziege/den Bock zum/zur GärtnerIn zu machen ...

Das sollte man natürlich dann eleganter ausdrücken:

Ein treffenderes Beispiel für die Ziege/den Bock als GärtnerIn ...
Ein treffenderes Beispiel für die/den Ziege/nbock als GärtnerIn ...
Ein treffenderes Beispiel für Ziegen oder Böcke als GärtnerInnen...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2011 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17769

Wie schon bemerkt: In englischen Texten aus den USA ist der Zwang zum generalisierten Femininum inzwischen durchgehend zu beobachten, auch Versuchstiere sind, wie alle Menschen, grundsätzlich weiblich. Irre ich mich, oder ist das in britischen Texten nicht der Fall?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.01.2011 um 14.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17714

Ein treffenderes Beispiel für das Sprichwort, den Bock zum Gärtner zu machen, läßt sich schwer finden. Da schreibt jemand in einem derart schauderhaften, unverständlichen Deutsch ausgerechnet darüber, wie man Texte verständlicher schreiben und besser verstehen kann. Auf ein Wort wie Text-LeserIn-Interaktion, auch ohne das dämliche Binnen-I noch ein echter Lese-Widerhaken, muß man erstmal kommen! Hätte der Verfasser dafür schlicht Lesen, außerdem Schüler statt RezipientInnen geschrieben, wäre ihm die Trivialität seines Textes vielleicht selbst aufgefallen.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 05.01.2011 um 12.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17713

Ich war einmal der Meinung, der Begriff ‚sinnerfassend lesen‘ sei tautologisch.
Angesichts solcher Beispiele bekommt er für mich aber eine neue Bedeutung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2011 um 09.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17711

Noch ein Beleg aus Österreich:

Allerdings sind es nicht nur die SchulbuchautorInnen alleine, denen die Aufgabe zufällt, die Text-LeserIn-Interaktion positiv zu beeinflussen. Ein Text kann auch dann für RezipientInnen verständlicher werden, wenn sie gelernt haben, damit umzugehen. (Erziehung & Unterricht 2008)

(Der Inhalt ist natürlich auch umwerfend.)
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 01.01.2011 um 21.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17668

Schon bei der Einführung von "Kauffrau" ging's doch eigentlich daneben. Wenn meine Tochter Ärztin werden will, o.k., das liegt mir nicht quer; aber bei "Kauffrau" hätte ich's schon lieber, wenn eine dazu begabte Dame Kaufmann werden wollte. Im Plural sind derartige Fachleute sowieso "-leute" und nicht "-männer". Bei Berufsbezeichnungen anzunehmen, daß das unbetonte "-mann", engl. "man" ausdrücklich Frauen ausschließt, zeugt eben von geistigen Verrenkungen, die nichts mit Professionalität zu tun haben. Da besonders den "Mann" herauskehren zu wollen, wohl mit anderen Geschlechtsteilen, durschnittlich größerer Statur, tieferer Stimme und allem, was sonst noch dazugehört, und sei's auch aus Tradition, ist doch pervers. Wenn ich in einem Unfall verletzt worden bin, schreie ich nach einem Arzt, und dann will ich nicht hören, ob's auch eine Ärztin sein darf! Arzt ist, wer mich ärztlich behandeln kann und dazu das nötige Studium hinter sich hat. Sollte meine Tochter den Ärztinnenberuf anstreben wollen, dann hat sie eben den falschen Beruf im Sinn, und ich rede ihr das aus, bevor ich Geld an sowas verschwende; schließlich habe ich als Normalbürger ja auch was dazu zu sagen! Und das hat nichts mit späterer Spezialisierung zu tun, die eigentlich erst das Geld bringt, wie ich lese.

Zu Herrn Strassers Wildwest-Erlebnis: Es gibt hier (gesetzlich sogar besonders geförderte) Firmen, die nur Frauen anstellen. Andere derartige "Minderheitenfirmen" stellen nur Afro-Amerikaner an. Kürzlich benutzte im Radio jemand für letztere endlich die berichtigende Bezeichnung "black African Americans"! — Und auf Herrn Strassers Reise wurden die Fahrer der Autos einzeln auf die zu erwartenden Schwierigkeiten hingewiesen, so daß sie nicht so nahe hintereinander durch die Verengung fuhren und nicht noch größere Gefahren für die Arbeiterinnen schufen, als da sowieso schon normalerweise für jeden an so einer Baustelle herrschen. Das bei uns hier im Mittleren Westen wohl männlich konzipierte Schild mit "FINES DOUBLE IN WORK ZONES" veranlaßt ja nicht unbedingt jeden Fahrer, den erforderlichen Abstand zu halten. Aber die Bitte "GIVE THEM A BRAKE" unter dem "WORKMEN AHEAD"-Schild spricht auch uns hier an, vernünftig zu fahren. Ich jedenfalls habe noch kein Beet bekommen, weil ich an einer Baustelle zu schnell gefahren bin, — wo ich doch sonst immer nach Gefühl fahre und deshalb manchmal offiziell aufgefordert werde, "die Gesetze, die wir uns selbst geben" (ich spreche Englisch mit starkem Akzent), auch zu befolgen.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 01.01.2011 um 20.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17667

Ich erinnere mich an eine Situation in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Irgendwo im Westen der USA gab es eine Straßenbaustelle. Über ein oranges Schild, auf dem aufgedruckt stand: WORKMEN AHEAD, war mit einer Schnur ein kleines Ergänzungsschild vorgehängt, auf dem stand WOMAN, also WORKWOMEN AHEAD.
Auf der Baustelle waren dann wirklich nur Frauen beschäftigt, was wohl auf dem Schild gestanden wäre, wenn Männer und Frauen dort gearbeitet hätten?
Außerdem wurde jedes Auto einzeln angehalten zwecks mündlicher Einweisung, welche Art von Unannehmlichkeit zu erwarten ist.
Beides versetzte mich damals in Erstaunen.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 01.01.2011 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17666

KameramännerInnen
Las ich kürzlich irgendwo. Google bestätigt den Ausdruck ebenfalls.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2011 um 12.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17663

Im Deutschen gibt es kein generisches Femininum. Wer es trotzdem einführt, gleichsam als "affirmative action", nimmt in Kauf, mißverstanden zu werden oder sich lächerlich zu machen. In einem keineswegs schlechten Aufsatz lese ich:
Die Konzeptualistinnen (und speziell: Lakoff) tendieren dazu, Konzepte als Repräsentationen zu beschreiben, die im menschlichen Gehirn materielle Grundlagen haben. George Lakoff wird sich bedanken!
Shakespeare wird ausdrücklich zu den Dichterinnen gerechnet usw.
Wer so komisch schreibt, sollte sich fragen, ob er in zwanzig Jahren noch ohne peinliche Gefühle in seinen eigenen Schriften wird stöbern können. (Bezeichnenderweise handelt es sich um einen Österreicher. In Österreich wird der Sprachfeminismus bei weitem radikaler gepflegt als irgendwo anders.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2010 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17562

Das Referat Genderforschung an der Universität Wien hat eine Broschüre herausgebracht, die aus unerfindlichen Gründen englisch betitelt ist:
"Gender, Science and Technology". Hg. von Marlen Bidwell-Steiner, Maria Katharina Wiedlack. 2009.

Darin findet man eine neue Schreibweise für abgekürzte Titel:
die Biologin und Zoologin Prof.in Dr.in Sigrid Schmitz (das "in" jeweils hochgestellt!)

Die Verfasserinnen schreiben:

Mit Hilfe der Bild gebenden Verfahren der Computertomographie werden Daten in Bilder umgesetzt.

Ich analysiere im Folgenden mit dem methodischen Instrumentarium der Genderforschung das Fassetten reiche Netzwerk zu Geschlecht und Gehirn.

In einer Gesellschaft, die von Geschlechterkonstruktionen weit reichend und tief greifend geprägt ist ...

... inwieweit die gemessenen Phänomene auf eine biologische Determination zurück zu führen sind ...

... dass sich die Raumorientierung aus einer Vielzahl von Strategien zusammen setzt ...


usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2010 um 13.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17294

Ach, damit meine ich bloß, die Aufmerksamkeit auf das Phänomen selbst zu lenken und damit den Eindruck zu erwecken, daß überhaupt ein Problem vorliegt.
Es ist ja unbestreitbar, daß Millionen Menschen, auch Frauen, Sätze gebraucht haben wie "Wer hat denn hier seinen Lippenstift liegenlassen?", ohne auf den Gedanken zu kommen, Lippenstifte seien Männern vorbehalten. Erst wenn man darauf hinweist, daß die Wiederaufnahme mit einem maskulinen Pronomen geschieht, drehen manche durch.

In Diskussionen mit Feministinnen zieht man immer den kürzeren (bzw. nach Augst: den Kürzeren). Notfalls verdächtigen sie die ganze Logik als typisch männlich. (Ich übertreibe nicht! Belege in meinem Fachsprachenbuch.) Das einzige, was Feministinnen zur Zeit zu fürchten haben und auch tatsächlich fürchten, ist der allgemeine Überdruß am Thema. (Und an den Auswüchsen, den widerwärtigen Texten wie der zitierten Geschäftsordnung des Berliner Senats.)
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 18.11.2010 um 19.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17231

Jede sprachliche Neutralisation (wie man das nennt) bricht zusammen, sobald man die Aufmerksamkeit darauf lenkt.

Lieber Herr Ickler, was genau meinen Sie hier mit "die Aufmerksamkeit darauf lenken"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2010 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17228

Die tatsächliche Gleichstellung von Männern und Frauen wird durch die Sprache weder behindert noch gefördert. Daß es sich anders verhalte, müßte erst noch bewiesen werden. So hat die Frauenemanzipation lange vor dem Sprachfeminismus begonnen und ihren unaufhaltsamen Lauf genommen. Auch im Vergleich verschiedener Länder läßt sich kein Unterschied feststellen, der auf die verschiedene Sprachnormierung zurückgeführt werden könnte.
Frauen und Männer stehen sprachlich in einer sog. "inklusiven Opposition", wie Tag und Nacht und vieles andere. Man sagt also einerseits, daß Tag und Nacht sich (sprichwörtlich) unterscheiden und geradezu einen diametralen Gegensatz bilden, andererseits schließt Tag auch die Nacht ein: drei Tage sind dreimal 24 Stunden. Ebenso sind drei Mann drei Personen, Frauen eingeschlossen usw. (im Englischen noch deutlicher).

Jede sprachliche Neutralisation (wie man das nennt) bricht zusammen, sobald man die Aufmerksamkeit darauf lenkt. Daran kranken manche Experimente, die beweisen sollten, daß man bei maskulinen Formen bevorzugt an Männer denkt und Frauen "unsichtbar" werden.
Trotzdem kann ein wahrer Kern darinstecken. Der Mann könnte sozusagen der Normalfall von "Mensch" sein, die Frau das Besondere. Strukturalistisch: Mann ist das unmarkierte Glied der Opposition, Frau das markierte. Es gibt Schnecken mit und ohne Haus, aber die mit Haus sind der unmarkierte Fall. Darum sagen wir "Schneckengewinde" usw., und Kinder würden eine Schnecke immer nur mit Haus malen. Man baut einen Schneemann und nur selten eine Schneefrau. (In Berlin habe ich mal eine Schneefrau gebaut; sofort beschwerten sich die Nachbarn ... Dabei stand sie hinter dem Haus im Garten [Friedrichrodaer Straße, falls Sie die kennen]).

Mit Benachteiligung hat das nichts zu tun. Die patriarchalische Gesellschaft ist gewiß zu kritisieren, aber sie ist nicht von der Sprache hervorgebracht und wird nicht durch eine Änderung der Sprache abgeschafft. Insofern ist die feministische Umgestaltung der Sprache ein teurer Spaß und ganz vergeblich, sogar schädlich. Man sollte lieber etwas für die Frauen tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2010 um 13.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17165

Peter Bickelmann: Die LernerInnen-Kultur im kulturkontrastiven Grammatikunterricht Deutsch als Fremdsprache in Thailand (Beitrag in einem Sammelband von Lutz Götze u.a., Frankfurt 2009)

Bei Google gibt es keine weiteren Belege für LernerInnen-Kultur, es ist ein echtes Hapax legomenon.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.11.2010 um 22.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17064

Obwohl die Verfassung von Berlin nach wie vor nur den Regierenden Bürgermeister kennt, gibt es allerdings eine Geschäftsordnung des Senats, die von Sätzen wie dem folgenden strotzt:

An den Sitzungen nehmen außer den Senatsmitgliedern regelmäßig der/die Chef/-in der Senatskanzlei, der/die Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund, der/die im Geschäftsbereich des Regierenden Bürgermeisters/der Regierenden Bürgermeisterin für Kultur zuständige Staatssekretär/-in, der/die Leiter/-in des Presse- und Informationsamtes und der/die für die Politische Koordination zuständige Abteilungsleiter/-in der Senatskanzlei sowie die von dem Regierenden Bürgermeister/von der Regierenden Bürgermeisterin bestimmten Schriftführer/-innen teil.

Also dann, meinetwegen, Frau Bürger/-innenmeister/-innenkandidatin.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.11.2010 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#17048

"Ich bin bereit, ich kandidiere für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin", sagte die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag unter dem Jubel von 900 Parteifreunden und Gästen gestern Abend in Berlin.
(Mannheimer Morgen, 6.11.2010, Seite 1)

Was soll man nur zu einem "Kandidaten" sagen, der für ein Amt zu kandidieren glaubt, das es überhaupt nicht gibt?
(Siehe die Verfassung von Berlin, Artikel 55 bis 58.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2010 um 09.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#16938

Als Lehrer/in müssen Sie einfach wissen, wie man das Wort "E-Mail" schreibt. Selbst gestandene Deutschlehrer/innen, Professor/innen und Journalist/innen scheitern jedoch auch heute noch regelmäßig an der Schreibung des Wortes "E-Mail". (Lehrerfreund)

Warum soll man sich über die Schreibweise von E-Mail Gedanken machen, wenn man gleichzeitig so verkorkste Texte hervorbringt?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 23.09.2010 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#16826

Da möchte ich vermuten, daß der Redakteur zuerst »Kita« geschrieben und dann das neudeutsche Modewort durch ein altdeutsches ersetzt hat, ohne den Artikel anzupassen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 23.09.2010 um 15.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#16825

Ein Fall (der Femininisierung?) auf alle Fälle: "Statt in der Kindergarten mal schnell per Bahn nach Berlin: Ein kleiner Junge aus Neubrandenburg hat am Mittwoch seinen Eltern einen gehörigen Schrecken eingejagt." (Bild.de, Newsticker [wahrscheinlich also dpa], heute; und auf der Tastatur ist r nun doch wirklich ziemlich weit von n entfernt.)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.09.2010 um 20.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#16824

Merkwürdigerweise hat sich noch keine Feministin über den amtlichen Begriff "herrenlos" aufgeregt. Amtlich ist es z.B. immer noch "herrenlose Damenbekleidung", wenn eine Frau ein Kleidungsstück irgendwo liegenläßt. Ein Schuft sei, wer Schlechtes dabei denkt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2010 um 10.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#16213

Georg W. Bertram u. a.: In der Welt der Sprache. Frankfurt 2008 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft).

Ich habe das über 300 Seiten starke Buch nur durchgeblättert, verspreche mir aber so wenig Belehrung davon, daß ich es nicht lesen werde (schwere Suhrkamp-Prosa ...). Mir fiel bloß die penetrante feministische Korrektheit auf:
Sprecherinnen und Sprecher fertigen für ihre Zuhörerinnen und Zuhörer Darstellungen ihrer Ideen und Gedanken an. (12)
mit Sprechern und Interpretinnen (16)
Die Fähigkeit der Interpretin, den Sprecher zu verstehen ... (266)
Die einzige Chance für die radikale Interpretin ist ... (279)

Da es im Deutschen kein generisches Femininum gibt, weisen diese Sätze ständig auf das Geschlecht unbestimmter Personen hin. Das lenkt vom Inhalt ab, der aber – erwartungsgemäß – auch nicht berückend zu sein scheint. Die Rechtschreibung ist natürlich auch reformiert.

In der Reihe stw sind ja auch ganz gute Sachen erschienen, aber ungefähr die Hälfte findet man dann bald in Ramschkästen und würde sie nicht einmal geschenkt haben wollen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2010 um 15.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#15801

Aus einer Einführung in die historische Sprachwissenschaft (2006):

„In Äußerungen mit der Inchoativkopula wie sie wird Ärztin stecken zwei wichtige Annahmen: Erstens ist die Sprecherin noch nicht Ärztin, sie wird es erst in der Zukunft. Zweitens wird eine Intention der Sprecherin geäußert.“

Dieses Versehen wäre wohl nicht unterlaufen, wenn sich die Verfasserin nicht entschlossen hätten, in den Beispielsätzen Frauen „überrepräsentiert“ auftreten zu lassen, um dem Wunsch des Verlags zu genügen, auf Beidnennungen zu verzichten. (Vorwort)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2010 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#15684

Das Staatsministerium hat bereits zu Schuljahresbeginn durch eine repräsentative Umfrage Daten eingeholt, um zu analysieren, wie sich die konkrete Stundenplansituation der Schülerinnen und Schüler der Oberstufe darstellt. Wie inzwischen auch die amtlichen Schuldaten bestätigen, hatte sich dabei gezeigt, dass fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler mehr Fachkurse gewählt hatten als erforderlich. Die damit verbundene zeitliche Beanspruchung empfinden Schülerinnen und Schüler als belastend. Um hier Entlastung zu schaffen, hat das Staatsministerium unmittelbar reagiert: Es ist sichergestellt, dass jede Schülerin und jeder Schüler seinen individuellen Stundenplan unter spezifischer Beratung (Oberstufenkoordinator) auf konkrete Entlastungsmöglichkeiten überprüfen lassen kann; dies wird den Schülern durch eine Ausnahmeregelung ermöglicht, die es erlaubt, zusätzlich besuchte Fachkurse ohne Nachteil zu verlassen oder ggf. eine Umwahl vorzunehmen.
(Aus einem Rundschreiben des bayerischen Schulministeriums Februar 2010)
(Die Schülerinnen werden im gesamten Text 13mal erwähnt, die Schüler ungefähr doppelt so oft. An manchen Stellen wurde es den Ministerialbeamten wohl selbst zu blöd. Mit den Pronomina bzw. Possessivartikeln klappt es ja auch nicht so ganz.)

Das Schreiben ist einer jener zahlreichen Texte, mit denen sich das Ministerium selbst feiert: Wir haben alles richtig gemacht und werden es in Zukunft noch richtiger machen. Bayern ist das Paradies, leider wissen das nicht alle seine Bewohner.

Mit der Rechtschreibreform ist genauso: Wir beherrschen sie zwar nicht, setzen sie aber durch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2009 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#15319

Vielleicht habe ich die folgende Stelle schon einmal vorgeführt:

"frau Indefinitpronomen; oft hum; verwendet anstelle von man, wenn man sich ausdrücklich (auch) auf Frauen, nicht (nur) auf Männer bezieht: Das sollte man / frau inzwischen verstanden haben; Wenn frau ihr erstes Kind bekommt ...
(Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache)

Ich halte solche Einträge für falsch und gefährlich, gerade im Bereich Deutsch als Fremdsprache. Ein Ausländer, der solches Kauderwelsch schreibt oder spricht, blamiert sich doch nur. Die anderen Wörterbücher aus dem Hause Langenscheidt/Duden drücken sich vorsichtiger aus.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.10.2009 um 23.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#15077

Wir haben ja im Deutschen drei grammatische Geschlechter, trotzdem macht das sächliche Pronomen beim Deklinieren Anleihen beim männlichen. Auch das ist wohl eine Variante des generischen Maskulinums. Bisher hat sich meines Wissens noch niemand daran gestört, daß man über ein Kind (egal, ob Mädchen oder Junge), also über es sagt, man gedenke seiner oder man schenke ihm etwas.
Aber ich sehe schon den Tag kommen, an dem den PC-Besessenen auch dafür eine "Verbesserung" einfällt.
 
 

Kommentar von Hans-Jürgen Martin, verfaßt am 06.10.2009 um 13.48 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#15072

Die Politische Korrektheit bringt einen tatsächlich von Lachen zum Weinen und wieder zurück. Wohlgemerkt "einen", womit auch 'eine' gemeint ist.
"Wer hat hier seinen Lippenstift liegen lassen?" Wer sich daran glaubt stören zu müssen, weiß offenbar nicht, daß das Possessivadjektiv sein eben nicht nur zu er und es gehört, sondern auch zu man. Die Engländer lösen das "Problem" durch your, their und one's, wobei one genau 'dem einen' (also auch 'der einen') entspricht .

Damit mein Beitrag nicht so dröge wird und wirkt, hier noch der Name eines Unterverzeichnisses der Internetpräsenz der Universität Düsseldorf, Institut für Sinnesökologie: www.biologie.uni-duesseldorf.de
Nicht auszudenken, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch noch durch einen Freundes- und Unterstützerkreis verstärkt würden ... ;-)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2009 um 12.55 Uhr  
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Es gibt unzählige sprachwissenschaftliche Arbeiten, in denen Sätze wie "Wer hat hier seinen Lippenstift liegen lassen?" als nicht geschlechtergerecht, im freundlichsten Falle als Kalauer bezeichnet werden. Es handelt sich aber nach wie vor um die normale deutsche Sprache, und wer bei Google etwa "seinen Lippenstift" eingibt, wird hinreichend Texte von Frauen finden, die ganz unbefangen davon sprechen, wo "man seinen Lippenstift" kauft usw. Natürlich würde "Wo kauft man ihren Lippenstift?" auch etwas ganz anderes bedeuten. All diese Frauen sind offenbar dumm genug, ihre Diskriminierung gar nicht zu bemerken und auch noch selbst voranzutreiben.
Das Ganze zeigt, wie sich die Sprachwissenschaft ins Abseits manövriert hat, ebenso wie mit der Rechtschreibreform.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 15.06.2009 um 12.15 Uhr  
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Die Politiker scheinen mir emotionslos runterzurattern, was ihnen von ihren Beratern als vorteilhaft eingeflüstert wurde, und dazu zählt eben das "Bürgerinnen und Bürger". Steinmeier hat gestern wie viele andere auf dem SPD-Parteitag das "Genossinnen und Genossen" zu so etwas wie "Genossinugenoßn" vernuschelt. Viele Redner haben die weibliche Form an anderer Stelle auch weggelassen – sie müssen wohl selbst daran denken, um sie zu nennen.
Steinmeier selbst ist nun einmal kein Wonneproppen, und es ist ihm nach meinem Empfinden gut gelungen, seine dröge Erscheinung zu bekämpfen und nunmehr deutlich lebhafter zu wirken.

Man sieht entweder fern, oder man läßt es. Deshalb ist es kaum möglich, beide Seiten in bezug auf die Wahrnehmung der Personen zu beurteilen. Grundsätzlich kann man aber wohl sagen, daß jedes Medium in einer bestimmten Weise Leute darstellt; manche sind telegener als andere, das eine Medium kommt dem einen stärker zugute als dem anderen.
Eine Attacke auf das gebührenfinanzierte Fernsehen mag reiten, wer will; ich halte jedenfalls einen ausführlichen Live-Bericht von einem Parteitag auf Phoenix für weitaus sehenswerter als Filmchen über aus Abwasserschächten gerettete Leguane in Wisconsin oder über die neue Tätowierung eines Pop-Sternchens, wie sie die Privatsender in ihren "News" zeigen – ganz zu schweigen von den nervtötenden Werbeunterbrechungen alle paar Minuten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2009 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14616

Im Radio habe ich heute wieder so viele Politiker gehört, die irgend etwas mit uns "Menschen" machen wollen (auf uns zugehen zum Beispiel), daß ich mir wie der Angehörige einer fremden Spezies vorkam, die von den Politikern aus einiger Ferne betrachtet wird. Aber dann kam mir der Gedanke, daß dieser Ausdruck nur darum so beliebt sein könnte, weil man das ewige "Bürgerinnen und Bürger" satt hat.

Am unpassendsten finde ich es aus Herrn Steinmeiers Mund, ich weiß selbst nicht warum, vielleicht weil er so durchschnittlich wirkt, daß nicht einmal ein gewisses Pathos das Allerweltswort adelt ...

Noch ein Nebengedanke: Ich habe ja als Fernsehverweigerer noch keinen unserer Spitzenpolitker je in Aktion gesehen, sondern kenne sie nur aus dem Radio und aus der Zeitung. Macht das eigentlich einen Unterschied, was das politische Urteil und das Gefühl fü die politische Stimmungslage betrifft? (Und die Wahlentscheidung?) Und wenn nicht - was besagt das dann über die "Grundversorgung" durch gebührenfinanziertes Fernsehen? Hat man das je untersucht?
 
 

Kommentar von Michael Krutzke, verfaßt am 01.04.2009 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14223

Selbst hartgesottene Weltverbesserer dürften Mühe haben, die von ihnen als diskriminierungsfrei angesehenen Texte holperfrei zu lesen, wenn stets beide Geschlechter genannt werden. Gestern meldet welt.de, die EU-Parlamentsverwaltung habe eine 16seitige Broschüre "Geschlechtergerechter Sprachgebrauch beim Europäischen Parlament" vorgelegt. Immerhin empfehlen die Experten und Expertinnen, die Verwendung geschlechtergerechter Wendungen dürfe nicht auf Kosten der Verständlichkeit oder der Klarheit gehen. Aha! Deshalb sollten Formulierungen wie "Fahrer(in)" durch "fahrendes Personal" ersetzt werden. Beim ebenfalls empfohlenen "Flugpersonal statt Flugbegleiter" tut sich aber ein Problem auf. Das geschlechterungerechte Pfuiwort "Flugbegleiter" weist meines Wissens auf jenes Personal hin, das in der zivilen Luftfahrt dereinst ausschließlich weiblich war und Stewardess genannt wurde. Bisher waren Flugbegleiter für mich ein Teil des fliegenden Personals, das durch Piloten und Pilotinnen (einschließlich der antidiskriminierungshalber auch zu erwähnenden Co-PilotInnen) dann vervollständigt wurde. Wie war das also mit der Klarheit? Aber wahrscheinlich gibt es eine EU-Parlamentsrichtlinie, in der zwischen (mit-) fliegendem und aktiv fliegendem Personal unterschieden wird, so daß Eingeweihte stolperfrei verstehen, was gemeint ist ... Gut, daß es auf dieser Welt noch echte Probleme, krisenfeste Themen und die zu ihrer Bearbeitung notwendigen Jobs gibt.
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 30.03.2009 um 20.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14207

Rudolf Wachter hat das in seinem Vortrag am 17.1.2009 in Köthen/Anhalt (2. Jahrestag der Gründung der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft) sehr treffend formuliert:
Wenn ich lese, möchte ich von der Orthographie möglichst nichts merken, sondern mich ganz auf den Textinhalt konzentrieren können.

So kumuliert der Neuschrieb als Ärgernis (häufiger Lese-Neubeginn eines Satzes zum Verständnis) mit dem Gender-Unsinn zur Groteske.

Die politische Forderung, die (Gesetzes-)Sprache solle einfach und jedem verständlich sein ist fürwahr ein Hohn !

Und mit dem Querlesen, das ich einmal einigermaßen beherrschte, ist es allemal vorbei.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.03.2009 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14206

Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG)

§ 3 Vorsitzende und deren Stellvertreterinnen und Stellvertreter

(1) In der Vertreterversammlung und im Vorstand übt das Amt der oder des Vorsitzenden in Ausgleichsangelegenheiten die Vertreterin oder der Vertreter der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber aus, die oder der den Vorsitz oder den stellvertretenden Vorsitz in der Vertreterversammlung oder im Vorstand innehat, soweit die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber nichts anderes beschließen (§ 12 Abs. 1 Satz 1 Selbstverwaltungsgesetz).

(2) Die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen in der Vertreterversammlung und im Vorstand wählen jeweils aus ihrer Mitte diejenige oder denjenigen, die das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden oder der das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden in Ausgleichsangelegenheiten ausübt.

(usw., man fragt sich wirklich, ob die noch ganz dicht sind)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2009 um 12.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14191

Man muß immer wieder darauf hinweisen, daß die beschwerliche politisch korrekte Redeweise nur in Texten zu finden ist, die sich nicht auf dem freien Markt behaupten müssen, sondern einem begrenzten Publikum gewissermaßen zwangsweise aufs Auge gedrückt werden. Es sind Verwaltungstexte und dann eben die Masse der Fachliteratur, deren Anschaffung für Bibliotheken unumgänglich ist. Auch die prohibitiven Preise vieler dieser Bücher und vor allem Zeitschriften schließen ja schon aus, daß sie in einem normalen Wettbewerb bestehen könnten.
Auch im Internet spielen sich die Orgien der politischen Korrektheit vor allem auf den Seiten der Ministerien, Parteien, Gewerkschaften usw. ab.
Hochschulwechslerinnen und Hochschulwechsler bzw. Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger usw. - das ist eine Sackgasse der Sprach-"Entwicklung" (dieses Wort hier transitiv verstanden); es kann doch so nicht weitergehen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.03.2009 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14189

Auf die Frage, ob es Bacheloress heißen müsse, hat ein Spaßvogel bei WikiAnswers geantwortet, daß die richtige Bezeichnung Spinster sei.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.03.2009 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14188

Wenn die Grammatik für alle da ist, wozu brauchen wir dann eine spezielle Frauengrammatik?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2009 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14187

Ohne Eiertänze (womit übrigens keine tanzenden Eier gemeint sind) geht es nicht, wenn man politisch korrekt bleiben will. Der schon mehrmals erwähnte Germanist und Rechtschreibreformer Richard Schrodt führt folgenden auf:

"Das Lern- und Lehrziel ist ganz einfach, unsere Sprache besser zu verstehen, etwa so, wie eine Botanikerin eine Pflanze besser „verstehen“ kann als eine Nicht-Botanikerin. Außerdem ist es angesichts von Fehlerkorrekturen sicher nützlich zu wissen, ob man wirklich einen Sprachfehler vor sich hat und welche Argumente ins Feld geführt werden können.
Eine kleine Anmerkung zu den Botanikerinnen: Leider sind die Möglichkeiten, geschlechtsunspezifische Ausdrücke zu verwenden, durch den deutschen Sprachbau recht eingeschränkt und zudem manchmal – ich gestehe es – ein wenig lästig. Daher werde ich in meinen Texten ein wenig experimentieren – etwa mit dem „feministischen I“ (GrammatikerInnen) und ähnlichen Formen. Die deutsche Grammatik soll natürlich für alle da sein – für jung und alt, für arm und reich und natürlich auch für Mann und Frau. Grammatiker und Grammatikerinnen – das ist aber doch ein ungelenker Ausdruck (und man müsste ja auch fragen, wer kommt zuerst). Daher verstehe ich immer, wenn ich von Grammatikerinnen schreibe, auch die Grammatiker, und umgekehrt, und auch in anderen Fällen."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2009 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14185

Herr Mahlmann hat mir mit seinem Hinweis das ganze Wochenende verdorben. Ich habe das Unglaubliche bei Google eingegeben und u. a. gefunden:

Claudia Dittmar hat in Halle und Essex studiert und wurde „Magistra Artia“. Das steht auf der Internetseite der Universität Halle-Wittenberg!

Die HAW (Hochschule für Angewandte Wissenschaften) Hamburg führt eine Barbara Guilliard als Magistra Artia (Schwerpunkt Psychologie).

Eine Stefanie Berg, die katholische Theologie (offenbar ohne Latein) studiert hat, nennt sich ebenfalls Magistra Artia.

Auch an der FU Berlin und an der TU Chemnitz kann man Magistra Artia werden.

Usw.

Es gibt über 1 Mill. Lateinlerner an unseren Gymnasien. Der Befund bestätigt meine These, daß von keinem Fach so wenig hängenbleibt wie von Latein. Sonst müßte doch bei solchen zum Teil ja offiziellen Interneteinträgen sich irgendwo jemand finden, der die Notbremse zieht.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 27.03.2009 um 19.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14184

Auch dem neuen Bologneser MA (der Master of Arts wird nur ohne geriebenen Hartkäse serviert) kann ein weibliches Pendant zur Seite gestellt werden: die Mistress of Arts.

Für die etwas schlüpfrige Nebenbedeutung könnte man die Graduierte nicht verantwortlich machen. Zugleich hätte sie – Englischkenntnisse über BSE-Niveau vorausgesetzt – ein interessantes Gesprächsthema für akademische Veranstaltungen. Das sollte allerdings – vorzugsweise mit englischen, oder noch besser amerikanischen Kollegen – in der neuen Wissenschaftssprache geführt werden: "Hello, I'm the mistress of Professor XY." Wie schnell wäre dann auch der eigentliche Grund des geselligen Beisammenseins vergessen!
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.03.2009 um 19.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14183

Wenn Friseur und Friseuse, dann auch Chauffeur und Chauffeuse, Ingenieur und Ingenieuse, Konstrukteur und Konstrukteuse, Amateur und Amateuse usw, auch mit "ö" statt "eu". Da muß doch notfalls auch mit Gewalt ein System reinzukriegen sein. Und wenn die Wirklichkeit nicht der Theorie entspricht, umso schlimmer für die Wirklichkeit.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 27.03.2009 um 19.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14182

Und wie wäre es mit Bachelora Artia? Gute Freunde dürften sie dann Lora nennen.
 
 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 27.03.2009 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14181

Ist eigentlich bedacht worden, wie sich die neue Bezeichnung "Bachelor" (und auch "Master") feministisch gendern läßt? "Bachelorin"?

Ich dachte, das heißt dann Bachelorette?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 27.03.2009 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14180

Was sie sich auch ausdenken mögen, bekloppter als das unfaßbar oft genannte "Magistra Artia" kann's nicht sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2009 um 16.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14179

Ist eigentlich bedacht worden, wie sich die neue Bezeichnung "Bachelor" (und auch "Master") feministisch gendern läßt? "Bachelorin"? Oder haben wir hier einen ersten Rückschlag der Geschlechtergeschlechtigkeit, äh, -gerechtigkeit zu verkraften?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2009 um 15.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14177

Wer mal richtig in politischer Korrektheit baden will, sollte sich bei der Österreichischen Hochschülerinnnen- und Hochschülerschaft umsehen. Die fordert u. a. die Studienbeitragsbefreiung für Studienbeihilfenbezieherinnen und -bezieher. Das Aussprechen solcher Gebilde verschafft viel Zeit zum Nachdenken, was man eigentlich sagen will.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.03.2009 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#14037

zu Herrn Schmitt, 1040#12909:

Eine Teenagerin kann man heute auch im Mannheimer Morgen bestaunen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.01.2009 um 02.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#13695

Um etwas Abwechslung in die vielen Kindergartenpädagogen/innen, Absolventen/innen, Vertreter/innen, Experten/innen u.a. auf der Seite
http://www.pressemeldungen.at/bildungberufe/7747159a2412fc85f.html
zu bekommen, hat man dort noch eine ganz neue Idee:

"Eine Pädagogin (2% männlich) trägt für 25 Kinder pro Gruppe die Verantwortung ..."
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 27.12.2008 um 13.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#13651

Bürgerinsteig oder Bürgerinnensteig ? Und erst die Trennung mit dem Hackmesser! Das kann ja lustig werden.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 18.10.2008 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#13297

T-Online unternahm vor wenigen Tagen endlich etwas gegen die Benachteiligung des männlichen Geschlechtes in der Grammatik:
"David ist ein Halbwaise aus Malawi."
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 18.10.2008 um 00.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#13296

Also gibt es sie doch noch, die maskuline Form für den Berufler ganz allgemein, hier also "der Vizepräsident": "Nach einem in Alaska veröffentlichten Untersuchungsbericht hat die republikanische Vizepräsidenten-Kandidatin Sarah Palin ihr Amt als Gouverneurin des Staates missbraucht." (Welt.de, 11.10.08)
Aber wenn man an sich dann doch nur politisch herumkorrigiert, kommt eben nur Durcheinander heraus: "Sowohl die „Washington Post“ als auch das britische Blatt führten auch die nach ihrer Meinung „unverantwortliche“ Nominierung von Sarah Palin als Kandidatin für das Amt der Vizepräsidenten als Begründung für ihre Entscheidung an." (Welt.de, "Witz-Duell", 17.10.08) Für so viele Vizepräsidentenämter kandidiert sie nun doch nicht. (Und ob sie für das in Frage stehende Vizepräsidentenamt infrage kommt, das wird sich in ein paar Wochen herausstellen.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.08.2008 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12914

Wie RA Oliver Tolmein nicht müde wird zu betonen, verletzt die gängige Unterscheidung in Männlein und Weiblein die Rechte der Hermaphroditen. (Das ist, nebenbei bemerkt, durchaus nicht abwegig.) Es wäre also im Sinne der inklusiven Sprache eigentlich geboten, auch diese explizit anzusprechen. Von der Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zwitter“ muß allerdings abgeraten werden.
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 20.08.2008 um 08.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12912

An der Uni traf ich jede Menge "Studierende", die gar nicht am Studieren waren.
 
 

Kommentar von Constanza Kleinpeter, verfaßt am 20.08.2008 um 02.19 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12911

Eigentlich bin ich eher feministisch und "links" eingestellt, aber die feministische Sprachregelung geht mir mächtig auf den Senkel. Ich kann als Deutschlehrerin für Ausländer (ausländische MitbürgeriInnen, ha, ha!) und Nutzerin der Lehrbuches "Optimal" von Langenscheidt ein Lied davon singen! "Freiburg/Fribourg ist offiziell eine zweisprachige Stadt. Es gibt fast 35 000 Einwohner und Einwohnerinnen." So heißt es in schönstem Parteichinesisch. Und an anderer Stelle: "Viele Studenten und Studentinnen finden, Freiburg ist eine spannende Stadt – klein, international, offen."
Na ja, auch die Texte sind zum Weglaufen... Ein anderes Thema.
 
 

Kommentar von Peter Schmitt, verfaßt am 19.08.2008 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12909

Kürzlich in Interviews gehört:
"eine weibliche Teilnehmerin" und "die Teenagerin".
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 14.08.2008 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12904

"Wie verbinden sich das kreative und das erotische Moment in der Beziehung der beiden Schriftsteller?" (www.faz.net/s/homepage.html, 14.8.08) Wie würde frau dieses *pc*-Problem lösen? Es handelt sich um Ingeborg Bachmann und Paul Celan in einem durchaus anspruchsvollen Artikel.
 
 

Kommentar von Ronald, verfaßt am 14.08.2008 um 12.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12902

Ich erhielt heute mein Schreiben über die "Zuteilung der Identifikationsnummer nach § 139b Abgabenordnung (AO)" und finde in der Anrede "Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,". Ist es für das Bundeszentralamt für Steuern ein zu großer Aufwand, die Schreiben so zu personalisieren, daß man in der Überschrift direkt angesprochen oder wenigstens auf das Geschlecht Bezug genommen wird?

Die notwendigen Daten sind ja bei diesem Amt vorhanden, schön geteilt nach Kennziffern. Aber nein – vermutlich dachten sich die Programmierer, man kann ja nie wissen, ob trotz des Geschlechts Mehrdeutigkeiten vorliegen können. Also spricht man mal beide Möglichkeiten an...

Politische Korrektheit läßt grüßen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 10.08.2008 um 16.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12894

Na, wer sagt's denn:
"Zahlreiche Männer und Frauen sind weit nach dem 18. Geburtstag noch Jungfrauen." (Die Welt.de, 10.8.08, 12:17 Uhr)
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 10.08.2008 um 00.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12890

Interessant übrigens, daß der deutsche Fiskus Fisimatenten wie sexuelle political correctness ganz weit hinten hat. Da er allein auf die Groschen (oder wie die heute poltisch korrekt heißen) fixiert ist, gibt es für ihn nur Steuerzahler (und keine ~innen), weil den Strafverfolgungsbehörden jede Berücksichtigung des Geschlechts untersagt ist. "Und das ist gut so" (wie der Herrscher einer Urbs in nicht ganz entferntem Kontext verlauten ließ).

Daraus folgt nicht, daß es Journalisten untersagt ist, das Genus dieses und jenes Wörtchen in Ansehung zu haben.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 07.08.2008 um 11.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12881

Der Voraus ist in § 1932 BGB definiert, siehe z. B. hier: http://dejure.org/gesetze/BGB/1932.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2008 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12876

Einen rechtlich relevanten Unterschied habe ich seinerzeit, als ich einen ersten Blick auf die Auswirkungen warf, nur beim "Voraus" wahrgenommen (ein erbrechtlicher Begriff, der nun mit der adverbialen Floskel zusammenfällt, s. z. B. (§ 248, § 547 des BGB). Es mag aber noch weiteres geben. Ärgerlich ist natürlich, daß die eifrig umgeschriebenen Texte, z. B. eben das BGB in der dtv-Ausgab, 52. Auflage, inzwischen zweimal überholt sind und eigentlich wieder neu bearbeitet werden müßten. Ich kann im Augenblick nicht sagen, ob das geschehen ist. Die Reform wird ja sicher auch noch einmal geändert.
 
 

Kommentar von corvix, verfaßt am 06.08.2008 um 19.36 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12875

Vorwort. Hervorragend, lieber Herr Ickler, daß Sie den kampf gegen unsinnsbeschlüsse (hier: die rechtschreib-deform) und sprachliche wermutstropfen (»jede und jeder«) immer noch fortführen!

Zum thema. Man zählt beispielsweise in behördlichen durchführungsverordnungen zu schriftlichen schulabschlußprüfungen auf sechs seiten insgesamt 45 (i. w.: fünfundvierzig) mal das placebo "Schülerinnen und Schüler" in unterschiedlicher fallsetzung und mit unterschiedlichen präpositionen. Es ist kaum vorstellbar, wie sich das liest; aber die kultusbürokratie will davon offenbar nicht lassen.

Wie könnten praktikable lösungen aussehen, wenn beide geschlechter »rituell« erwähnt bleiben sollen? Vor mir liegt eine meinungsumfrage einer norddeutschen sparkasse. Die kundenhinweise über zweck und handhabung des fragebogens schließen mit diesem satz:

»Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird auf die geschlechtsneutrale Differenzierung, z. B. Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen, verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Geschlechter.«

Ein anfang. Mir macht er mut.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 06.08.2008 um 19.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12874

Angesichts des Schreibens der Justizministerin, das Herr Prof. Ickler uns hier zur Kenntnis gebracht hat, möchte ich mal "ganz dumm" fragen: Durfte sie das denn einfach so per Ukas anordnen? ("In Abstimmung mit mir etc."). Hätte es dazu nicht eines Rechtschreibgesetzes bedurft? Und ist es wirklich so sicher, daß sich – von so (kreuz)dämlichen Beispielen wie der "Schifffahrt" ganz abgesehen – durch die Umformulierung tatsächlich an keiner Stelle rechtliche Unterschiede auftun?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2008 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12862

Das Umschreiben der Gesetzestexte hat seinerzeit die Bundesjustizministerin angeordnet. Überflüssig zu sagen, daß inzwischen alles wieder "falsch" ist. Hier noch einmal das Schreiben der Ministerin:

Bundesministerium der Justiz Berlin, den 28. September 1999

Geschäftszeichen IV B 1-6103/2-40220/99


Bundeskanzleramt
Bundesministerien
Deutscher Bundestag
Bundesrat
Bundesrechnungshof



Betr.: Einführung der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung
hier: Normsprache
Bezug: Rundschreiben des BMI vom 7. Juni 1999
- O1-131 212-1/10-


Mit dem Rundschreiben des BMI vom 7. Juni 1999 ist in Abstimmung mit mir darauf hingewiesen worden, dass die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung auch in der Normsprache umzusetzen ist.

Bei der Abfassung von Änderungsgesetzen oder -verordnungen sowie der Vorbereitung der Verkündung solcher Normen ist es wiederholt zu Unklarheiten und Schwierigkeiten hinsichtlich der Schreibweise von Worten in den Bezeichnungen solcher Gesetze oder Verordnungen gekommen, die vor dem 1. August 1999 (Stichtag für die Einführung der Neuregelung) verkündet, nunmehr aber in neuen Vorschriften oder der Bezeichnung von Änderungsgesetzen oder -verordnungen zitiert werden sollen.

Auch in diesen Fällen ist künftig wegen der Einheitlichkeit der Normsprache die Schreibung nach der geänderten Rechtschreibung zu beachten, unabhängig davon, dass bestimmte Worte in der Vergangenheit anders geschrieben worden sind.

So ist es nunmehr bei dem Zitieren von Gesetzen oder Verordnungen erforderlich, z. B. statt der Schreibung „Strafprozeßordnung“ immer die Schreibung „Strafprozessordnung“ oder statt der Schreibung „Küstenschiffahrt“ immer die Schreibung „Küstenschifffahrt“ zu verwenden.

Das Beachten der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung gilt auch, wenn in der Bezeichnung einer Verordnung oder in einer Verordnungsvorschrift auf die Bezeichnung, eine einzelnen Vorschrift oder ein einzelnes Wort eines Gesetzes Bezug genommen wird, das vor dem 1. August 1999 verkündet worden ist.

Die in der Bezeichnung eines Gesetzes oder einer Verordnung oder in den Normen verwandten Wörter sowie die Gesetzes- oder Verordnungsbezeichnungen selber sind keine Eigennamen, so dass die für Eigennamen geltende Regel des Beibehaltens der bisherigen Schreibung nicht gilt.

Die Änderung der Schreibung eines Wortes stellt nur eine Anpassung an die geänderten Rechtschreibregeln dar, ohne eine Änderung der Wortbedeutung zur Folge zu haben. Daher sind rechtliche Konsequenzen durch [!] die neue Schreibung nicht verbunden.

Die vorstehenden Ausführungen sind auch zu beachten, wenn ein Gesetz oder eine Verordnung im Entwurf vor dem 1. August 1999 erstellt worden ist, aber erst jetzt zur Verkündung ansteht, eine Ausnahme kann lediglich bei völkerrechtlichen Vereinbarungen gemacht werden, die vor dem 1. August 1999 unterzeichnet worden sind.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie dieses Schreiben allen Mitarbeitern, die mit dem Erstellen von Entwürfen zu Gesetzen oder Rechtsverordnungen beauftragt sind, zur Kenntnis geben können.

Im Auftrag

(Freytag)
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 05.08.2008 um 01.00 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12861

Der Beitrag von Frau Rominte van Thiel macht deutlich, daß Quellenbewußtsein auch den Lehrenden weitgehend abhandengekommen ist und somit auch seine Reste über den Jordan gehen.

Die heutigen deutschen "Politiker", wer immer solche auch sein mögen, an der einen oder anderen Krankheit leiden, so auf "a" beginnen. Die einen haben den Namen der Krankheit vergessen, die anderen den Namen der ihnen gestellten Diagnose. Die Namen des Vergessenen lauten Alzheimer und Amnesie!

Kürzer wollt mir´s nicht gelingen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.08.2008 um 00.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12858

Der VW, der BMW, stimmt, aber es gibt auch die BMW, die Harley-Davidson, ...
Anscheinend sind Oldtimerinnen entweder Französinnen oder sie haben zwei Räder weniger.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 03.08.2008 um 22.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12856

"Und wieso ist ein altes Auto unbedingt immer männlich?" (#12853) — Naja, bei "-er" ist schlecht ein anderes Geschlecht drin (wenn's auch möglich wäre; auch dafür gäb's ja das Muster). Aber ansonsten sind eben alle Auto(marken)bezeichnungen bei uns maskulin: nicht nur der klar sowieso geschlechtsbedingte VW, sondern auch der (ursprünglich doch nach einer Frau benannte) Mercedes sowie der Lexus/Opel/Deux Chevaux usw. Merke jedoch: "die Ente", — welches jedoch eine Kosebezeichnung ist, wie wir's auch im Amerikanischen haben, wo wir "Fill'r [= her] up" sagten, als man noch nicht den Tank selbst auffüllte, um Kosten zu sparen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 03.08.2008 um 21.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12855

Französische Autos sind jedenfalls weiblich, auch im Alter.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.08.2008 um 20.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12853

"Veranstaltung mit Tradition"
(Beilage zum Mannheimer Morgen vom 30. Juli 2008)

Die Traditionslandesgruppe im Allgemeinen Schnauferl Club e.V. und das Automuseum Dr. Carl Benz veranstalten vom 1. bis 3. August 2008 die zwölfte Bertha-Benz-Fahrt. Ich heiße alle aus nah und fern angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Quadratestadt herzlich willkommen. 2008 liegt es 120 Jahre zurück, dass Bertha Benz mit ihren Söhnen von Mannheim nach Pforzheim und wieder zurück fuhr. Mit großer Freude habe ich die Schirmherrschaft für die Bertha Benz Fahrt 2008 übernommen, die in Erinnerung an diese erste Fernfahrt mit einem Automobil im zweijährigen Rhythmus durchgeführt wird und auch in diesem Jahr wieder in der Geburtsstadt des Automobils hier auf den Planken startet. Wie schon in den vergangenen Jahren werden auch 2008 wieder rund 125 Oldtimer erwartet, deren Fahrerinnen und Fahrer auf der 110 Kilometer langen historischen Strecke auf den Spuren von Bertha Benz unterwegs sind.
Ich danke den Organisatoren sowie allen Helferinnen und Helfern, die erneut zum Gelingen dieser traditionsreichen Veranstaltung beitragen. Den Besucherinnen und Besuchern wünsche ich unterhaltsame Stunden entlang der Strecke, den Fahrerinnen und Fahrern eine vergnügliche und vor allem reibungslose Fahrt auf der historischen Route.

Dr. Peter Kurz
OB Mannheim

–––––––
Die Hervorhebungen (fett und kursiv) sind von mir.
Da hat unser Herr Oberbürgerinnen- und -bürgermeister doch glatt die Organisatorinnen vergessen! Und wieso ist ein altes Auto unbedingt immer männlich? Waren nicht auch wenigstens ein paar Oldtimerinnen mit dabei?
 
 

Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 03.08.2008 um 19.37 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12850

Was mag nur ein Spurr sein?
Tja, liebe(r) WL, Sie müssen den Spurr nun auch noch mit kurzem u sprechen, denn eine Konsonantenverdoppelung (rr) zieht ja solche nach bzw. vor sich. Was allerdings ein Spurr ist, weiß ich auch nicht.
 
 

Kommentar von Arno Pielenz, verfaßt am 03.08.2008 um 10.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12844

Durch das Hinzufügen weiblicher Endungen an (grammatisch) männliche Gattungsbezeichnungen wird nicht einmal eine sprachliche Gleichberechtigung erzeugt - denn: Wo bleiben die grammatischen Rechte der Männer? Wo die männlichen Figuren, Gestalten, Persönlichkeiten oder Personen? Ich fordere die Einführung etwa des Personerichs (oder Personers? oder Persers?), des Figurerichs (Figurers) usw. Na, den NeusprecherfinderInnen wird schon was einfallen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 03.08.2008 um 08.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12842

Zugegeben, die Beispiele von Herrn Metz aus dem Saarländischen Polizeigesetz sind eindrucksvoll. Aber auch umwerfend lächerlich. Ich vermute, es stellt sich eine Art Gleichgewicht ein. An manchen randständigen Gesetzen tobt sich eine Gleichstellungsschamanin aus. Irgendwo muß man sie ja ackern lassen. Die Rückmeldung, daß das Ergebnis höchst dämlich ist, wird aber nicht ausbleiben. Hingegen werden sich die Feiern über den Etappensieg der Gerechtigkeit bescheiden ausnehmen. Wenn solche Umwandlungsversuche zu stark um sich greifen, werden die Stimmen unüberhörbar, die da sagen: "Jetzt reicht's! Hört auf mit dem Schwachsinn, das ist doch nur noch blamabel und belästigt jeden Leser." Somit gehe ich davon aus, daß etwa das Grundgesetz oder das Bürgerliche Gesetzbuch verschont bleiben werden.

§ 830 (2) BGB
Anstifterinnen und Anstifter sowie Gehilfinnen und Gehilfen stehen Mittäterinnen und Mittätern gleich.


Kann ich mir kaum vorstellen. Schwachsinn kann sich eine Weile in begrenztem Umfang halten, Schwachsinn kann sich aber nicht auf Dauer vollständig durchsetzen.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 03.08.2008 um 08.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12841

Zu den Gesetzestexten:
Man könnte doch neue Gesetzbücher so gestalten wie die neueren Wörterbücher. Zufügungen aus Gründen Politischer Korrektheit werden in roter Farbe gehalten und - wo besonders unübersichtlich - können die bisherigen Texte als Erklärung in einen separaten Kasten gesetzt werden.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.08.2008 um 02.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12839

Übrigens …

Wenn ich, wie vorgestern, bei meiner Hausärztin war, sage ich hinterher: »Ich war beim Arzt«, ich sage nicht: »Ich war bei der Ärztin«. Für meine Berichterstattung kommt es nämlich nicht darauf an, ob diese Institution im konkreten Fall zufällig männlichen oder weiblichen Geschlechts ist. Warum sollte das meinen Gesprächspartner auch interessieren? Er (oder sie!) wird sich allenfalls nach meinem Befinden erkundigen und mir eventuell gute Besserung (»progressiv«: Gute Besserung) wünschen. Was ist daran so schwer zu verstehen oder zu akzeptieren?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.08.2008 um 02.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12838

Wolfgang Wrase (#12808): Es leuchtet unmittelbar ein, daß das BGB niemals politisch korrekt sein wird.

Ich fürchte, ich muß Herrn Wrase widersprechen. Nichts ist so dämlich, daß der Gesetzgeber (und/oder die Gesetzgeberin) nicht doch schwach werden könnte. Siehe hier.
 
 

Kommentar von Christian H., verfaßt am 03.08.2008 um 00.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12837

Nach Ansicht des Mainzer Rechtsphilosophen Uwe Volkmann haben wir es hier mit einem Fall von nur mehr symbolischem Recht zu tun: mit einer eigenen Sorte von Regelungen, die der Gesetzgeber eigentlich bloß noch erläßt, um irgendein gesellschaftliches Unbehagen zu zerstreuen bzw. kleine, aber lästige Gruppierungen, die es thematisieren, ruhigzustellen. Die Rechtschreibreform selbst gehört zwar nicht zu den Beispielen, die Volkmann anführt, aber seine Beschreibung trifft auch auf die Reform zu: "der Gesetzgeber", schreibt er, "demonstriert seine lauteren Absichten: Mag das Gesetz selbst auch nicht viel helfen, so war es doch wenigstens gut gemeint". Volkmann weist auf den hauptsächlich rituellen Zweck hin, den solche Gesetzgebungen haben, und bezeichnet sie deshalb zusammenfassend als "demokratisches Schamanentum".

Link
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 02.08.2008 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12818

Ich halte es nicht einmal für gänzlich ausgeschlossen, daß die von Herrn Wrase entdeckten "Lücken" in unseren Gesetzestexten auch noch geschlossen werden.
Ein Staat, der sich nicht scheut, den Irrsinn Rechtschreibreform durchzupeitschen, läßt sich von Ideologen der entsprechenden Couleur vielleicht auch überzeugen, daß z. B. auch das Grundgesetz der Überarbeitung bedarf.
So heißt es in Art. 5: Jeder hat das Recht ..., in Art. 7: ...Kein Lehrer ...; in Art. 13 ist von drei Richtern und einem einzelnen Richter die Rede, in Art. 16 steht: Kein Deutscher ...
Übrigens ist die Fassung, die man beim Bundestag herunterladen kann, in Reformschreibung abgeändert, auch die Artikel, die inhaltlich nicht geändert oder ergänzt wurden. Warum eigentlich? Hat der Bundestag jemals beschlossen, daß Gesetze in dieser Hinsicht "umgeschrieben" werden müssen?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 02.08.2008 um 03.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12812

Zu "der Ritter und die Ritterin" müssen Sie unbedingt und zum Wochenende Georg Kreislers "Opernboogie" lesen (www.gkif.de/texte/liedtexte/143.doc). Und wenn Sie ihn sich auch zu Gehör bringen können, ist's noch besser.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.08.2008 um 22.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12811

Aber meine Enkeltochter war sehr stolz darauf, daß sie mit 6 Jahren bei den Ritterspielen auf Schloß Kaltenberg eine Urkunde über die Ernennung zur Ritterin bekommen hat.
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 01.08.2008 um 20.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12810

Google:

32 Fundstellen für "Verbrecher und Verbrecherinnen".
13 800 Fundstellen für "Helden und Heldinnen".
20 Fundstellen für "Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen".
26800 Fundstellen für "Juden und Jüdinnen".

Im Sinne von Herrn Mahlmann lasse ich die Zahlen für sich sprechen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 01.08.2008 um 20.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12809

Hier noch ein Bonbon aus dem BGB:

§ 830 (2)
Anstifter und Gehilfen stehen Mittätern gleich.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 01.08.2008 um 19.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12808

Der feministische Sprachzwang stößt an natürliche Grenzen schon dort, wo hochamtlich Texte verfaßt werden. Betrachten wir einen Paragraphen aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch:

§ 407 Rechtshandlungen gegenüber dem bisherigen Gläubiger

(1) Der neue Gläubiger muss eine Leistung, die der Schuldner nach der Abtretung an den bisherigen Gläubiger bewirkt, sowie jedes Rechtsgeschäft, das nach der Abtretung zwischen dem Schuldner und dem bisherigen Gläubiger in Ansehung der Forderung vorgenommen wird, gegen sich gelten lassen, es sei denn, dass der Schuldner die Abtretung bei der Leistung oder der Vornahme des Rechtsgeschäfts kennt.
(2) Ist in einem nach der Abtretung zwischen dem Schuldner und dem bisherigen Gläubiger anhängig gewordenen Rechtsstreit ein rechtskräftiges Urteil über die Forderung ergangen, so muss der neue Gläubiger das Urteil gegen sich gelten lassen, es sei denn, dass der Schuldner die Abtretung bei dem Eintritt der Rechtshängigkeit gekannt hat.

Es leuchtet unmittelbar ein, daß das BGB niemals politisch korrekt sein wird.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.08.2008 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12807

Weil die Sprache ja bekanntlich (siehe das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1998) staatseigen ist, sickert die offizielle Terminologie auch in die Medien ein. NZZ Online meldet gerade unter Verwendung von Material der Agenturen SDA und AP: „Den meisten Schweizerinnen und Schweizern blieb die Beobachtung dieses Naturereignisses [einer partiellen Sonnenfinsternis] jedoch verwehrt.“
 
 

Kommentar von Hans-Jürgen Martin, verfaßt am 01.08.2008 um 16.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12806

Das Gender-Mainstreaming hat noch eine weitere Spielkarte: Neben den "Bewerberinnen" und "Bewerbern" und den "BewerberInnen" (das große "I" wird von einigen Feministinnen besonders laut gesprochen, auf daß es gehört werde) macht sich neuerdings ein anderer politisch korrekter Trend bemerkbar: Partizipen, die die verräterischen pseudomännlichen Endungen ersetzen, weil sie ja "geschlechtsneutral" sind. Ein Beispiel zum Kopfschütteln:

In meinem beruflichen Umfeld sprach und spricht man von "Dozenten" und "Teilnehmern", und jene, die die natürlichen Geschlechter nicht von den gramnmatischen trennen können (oder wollen), sprechen und schreiben zusätzlich "und Dozentinnen" bzw. "und Teilnehmerinnen". (Anmerkung: Diese Begriffe sollen uns von den "Lehrern" und "Schülern" des Ersten Bildungsweges unterscheiden.) Neuerdings nun hört und liest man stattdessen: "die Lehrenden" und "die Teilnehmenden" - und das ist durchaus ernstgemeint!

Zunächst habe ich mich gefragt, warum wir denn nun wieder beim "Lehren" statt "Dozieren" sind, ich will aber nicht ausschließen, daß selbst den PropaganistInnen die "Dozierenden" zu blöde in den Ohren klangen - nun gut. Dann fragte ich mich, ob die "Lehrenden" und "Teilnehmenden" ihrer Tätigkeit gerade im Moment, zur Zeit oder auch nur ganz grundsätzlich nachgehen müssen, um solche zu sein. Die Antwort erfuhr ich bald, als ich von den "ehemals Lehrenden" und "ehemals Teilnehmenden" hörte. An dieser Stelle wurde mir klar, daß die politisch Korrekten wirklich die sprachlich Unkorrekten sind: Die, die gelehrt haben, sind doch wohl die "gelehrt Habenden" (oder etwa - im Partizp Perfekt - die Gelehrten? ;-))!
 
 

Kommentar von Charlotte, verfaßt am 01.08.2008 um 14.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12804

Noch eine Kuriosität:
Liebe ProjekmitgliederInnen .. (kein Witz, stand auf einer Einladung ..)
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 01.08.2008 um 13.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#12803

Danke für die Antwort, Frau van Thiel. Daß die weibliche