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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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10.03.2006
 

Zehetmair
Kommentierte Stoffsammlung

SPIEGEL: Wissen denn die Deutschen in etwa, was auf sie zukommt?
Zehetmair: Nein, überhaupt nicht. Die breite Öffentlichkeit ist so gut wie gar nicht informiert. Deshalb werden viele erschrecken, wenn es nun zu einer Reform kommt, und zwar auch dann, wenn noch einiges geändert wird. Viele haben gar nicht mehr an eine Reform geglaubt, nachdem seit fast hundert Jahren alle Vorschläge gescheitert sind. Man wird uns, die Kultusminister, fragen: Was habt ihr denn da angestellt? Es wird große Aufregung und viel Streit, sogar erbitterten Streit geben, und es würde mich nicht wundern, wenn er mit der Schärfe von Glaubenskämpfen ausgetragen würde. (Der Spiegel 11.9.1995)



Regierungserklärung von Kultusminister Zehetmair vor dem Bayerischen Landtag am 27.10.1995
(Am 18.10.1995 hatte die Amtschefkommission der Kultusministerkonferenz in München getagt und auf Zehetmairs Einspruch hin 35 Wörter der vorgesehenen Neuschreibung abgelehnt: Karrosse, Karrosserie, Packet, Pott, Jackpott, Zigarrette, Zigarrillo, Restorant, Alfabet, Asfalt, Katastrofe, Apostrof, Strofe, Triumpf, Zellofan, Rabarber, Reuma, Rytmus, Eurytmie, Astma, Atlet, Biatlon, Triatlon, Teke, Apoteke, Artotek, Bibliotek, Diskotek, Hypotek, Kartotek, Videotek, Ortografie, Frefel, Fede, Tron. Diese Maßnahme trieb den Dudenverlag beinahe in den Ruin, da der neue Rechtschreibduden bereits gedruckt war und eingestampft werden mußte. Das Protokoll der Rede und der anschließenden Aussprache verzeichnet zwölfmal „Heiterkeit“.)

Hohes Haus!
Mit der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung berühren wir ein Thema, das in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Regelungen in diesem Bereich greifen nicht nur in die Schreibgebräuche der Schule, sondern der ganzen Sprachgemeinschaft regulierend – und an bestimmten Stellen auch verändernd – ein. Es ist daher nötig, sie sorgfältig vorzubereiten.
Der Kultusministerkonferenz liegt – nach achtjähriger Vorlaufszeit und vielen intensiven Beratungen in nationalen wie in internationalen Gremien – nunmehr der Entwurf für eine solche Neuregelung vor, und ich benutze gerne die Gelegenheit, Sie, meine Kolleginnen und Kollegen, hierüber zu informieren.
1.Hintergrund und Ziele des Vorhabens
Was ist der Hintergrund für dieses Vorhaben, das in der Presse nun schon seit mehreren Jahren immer wieder diskutiert wird? Die gegenwärtig gültigen Rechtschreibregeln sind in die Jahre gekommen. Sie waren das Resultat der 2. Orthographischen Konferenz in Berlin 1901, und sie galten schon damals als verbesserungsbedürftig. Sie umfaßten ursprünglich 26 Paragraphen und eine Wörterliste, die in dreispaltigem Druck 36 Seiten dick war. Allerdings war eine Reihe von Fragen ungelöst geblieben: Regeln für die Interpunktion und für die Getrennt- und Zusammenschreibung wurden z.B. nicht aufgestellt. Die Ergänzung und Fortschreibung des Regelkanons erfolgte nicht durch staatliche Stellen, sondern von Fall zu Fall durch den „Duden“, der auf diese Weise eigentlich erst für eine einheitliche deutsche Rechtschreibung sorgte. Die im „Duden“ veröffentlichten Schreibweisen und Regeln hat die Kultusministerkonferenz 1955 für alle Schulen in Zweifelsfällen für verbindlich erklärt. Sie räumte damit einem privatwirtschaftlich geführten Verlag ein sehr weitgehendes, auch rechtlich nicht [un]umstrittenes Gestaltungsrecht ein.
Auf dem Hintergrund der Entscheidung von Einzelfällen und durch die bereits 1915 erfolgte Integration des „Drucker-Dudens“ in die für die Öffentlichkeit bestimmte Ausgabe entstand im Lauf der Jahrzehnte ein Geflecht von teilweise recht spitzfindigen Regelungen, das im Interesse der Schreibenden der Vereinfachung bedarf. Die Redaktion des „Duden“ sieht diesen Bedarf ebenfalls. In ihrer Informationsschrift „Duden. Informationen zur neuen deutschen Rechtschreibung“ (Mannheim 1994) heißt es „Diese Einheitlichkeit (der deutschen Rechtschreibung) (...) ist 1901 über Kompromisse unter konkurrierenden Regelungen und Schreibvarianten zustande gekommen – oft auf Kosten von Systematik und Einfachheit. Und manches, was an Entscheidungen in der Zeit danach (vor allem durch Einzelfallregelungen) hinzugekommen ist, hat die Erlernbarkeit der Rechtschreibung eher erschwert als erleichtert.“
Der Entscheidungsspielraum verengte sich auf die Weise; Rechtschreibung und Zeichensetzung wurden unübersichtlich. So stehen etwa im Bereich der Kommasetzung vor Infinitiv und vor mit „und“ eingeleiteten nebengeordneten selbständigen Sätzen 3 Regeln 14 Ausnahmen gegenüber, die wohl nur wenige Schreiber vollständig beherrschen.
Ein Beispiel mag genügen: Die Sätze „Setzen Sie sich dort drüben hin, und verhalten Sie sich ganz ruhig!“ werden durch ein Komma getrennt, die Sätze „Seien Sie bitte so nett und geben Sie mir das Buch!“ aber nicht.
Auch in anderen Bereichen kam es zu nicht ganz leicht nachvollziehbaren und erlernbaren Festlegungen: Man schreibt als Ganzes gesehen, aber im ganzen gesehen; beim Bisherigen bleiben, aber beim alten bleiben; im Freien übernachten, aber im dunkeln tappen; Auto fahren, aber radfahren. Und man trennt Psych-ago-ge, aber Psy-cho-lo-ge, päd-ago-gisch aber pä-do-phil, Wes-pe, aber We-ste.
Eine Systematisierung der Regeln, die Beseitigung von Ausnahmen und die Angabe von leicht handhabbaren Begründungen für bestimmte Schreibungen sind daher an der Zeit.
Der zur Zeit der Amtschefkonferenz der KMK vorliegende Vorschlag geht auf einen Auftrag zurück, den die Kultusministerkonferenz und das Bundesinnenministerium dem Institut für deutsche Sprache in Mannheim im Jahre 1987 erteilt und nach der heftigen Diskussion des ersten Entwurfs von 1988 im Jahre 1991 erneuert haben.
Das von Sprachwissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeitete Regelwerk wurde im Rahmen einer öffentlichen Anhörung im Mai 1993 in Bonn, an der eine Vielzahl von Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur teilnahm, zur Diskussion gestellt. Es bildete die Beratungsgrundlage für die „3. Wiener Gespräche zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung“ vom 22. – 24.11.1994.
Der Entwurf beruht auf folgenden Grundsätzen:
- Er bemüht sich um eine behutsame inhaltliche Vereinfachung der Rechtschreibung mit dem Ziel, eine Reihe von Ausnahmen und Besonderheiten abzuschaffen.
- Er weitet den Geltungsbereich der Grundregeln aus und verstärkt das im Deutschen grundsätzlich geltende Prinzip, nach dem ein Wortstamm auch in Zusammensetzungen und Ableitungen seine Schreibung nicht oder kaum verändert wird.
- Er bietet eine Neuformulierung der Regeln nach einem einheitlichen Konzept und macht die jeweiligen Schreibungen durch die Angabe von Begründungen handhabbarer.
Die im Anschluß an die Wiener Gespräche überarbeitete Fassung liegt nunmehr zur abschließenden Beratung und Beschlußfassung vor. Mit Schreiben vom 06.09.1995 habe ich jedoch darum gebeten, angesichts der weitreichenden Konsequenzen der zu treffenden Entscheidung im Interesse einer nochmaligen sorgfältigen Überprüfung von einer Beschlußfassung der KMK bei der Plenarsitzung in Halle Ende September abzusehen.
Einige Fragen mußten nach meiner festen Überzeugung nochmals erörtert werden.
Vor allem hatte ich Bedenken bezüglich der Eindeutschung von Fremdwörtern, die etwa zu Schreibungen wie Alfabet, Apoteke, Bibliotek, und Restorant geführt hätte. In einem zusammenwachsenden Europa sehe ich bei alle Loyalität gegenüber der eigenen Muttersprache keinen Sinn in einem so forcierten Vorgehen. Weder dürfen wir unser humanistisches Erbe vergessen, das sich auch in den aus den alten Sprachen entlehnten Schreibungen widerspiegelt, noch wollen wir Kinder, welche Fremdsprachen lernen, unnötig irritieren. Meine Vorstellung war also, die Integration von Schreibweisen weitestgehend auf Wortstämme zu beschränken, bei denen die Eindeutschung bereits im Gange ist, das sind z.B. Wörter, in denen die Stämme phon/fon und graph/graf vorkommen. Fotografie, Dikatafon und Grafik werden ja auch heute schon häufig mir f geschrieben.
Vorbehalte hatte ich auch gegenüber Veränderungen im historisch überlieferten Schriftbild von Wörtern wie Frevel, Thron und Fehde. Sie zu verändern erzeugt mehr Vorbehalte als gewonnen wird. Dabei übersehe ich nicht, daß auch im Bereich der Schreibungen gewisse Systematisierungen im Sinne des für das Deutsche auch sonst geltenden Stammprinzips für den Lerner wie den versierten Anwender hilfreich sein werden. Wenn rauh künftig wie blau, grau und schlau ohne h geschrieben werden soll, und so wie bisher bei „Hand“ – „Hände“ – „mäkel“ künftig auch: bei „Band“ – „Bändel“; Hand – „behände“ und „Überschwang“ – „überschwänglich“ verfahren werden soll, halte ich das für eine Erleichterung. Aber man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.
Eine Amtschefkommission der KMK hat sich letzte Woche auf meine Inititative hin nochmals mit der Materie befaßt und Einvernehmen darüber erzielt, daß besonders bei den Fremdwörtern und den anderen von mir angesprochenen Fällen nunmehr mit der gebotenen Behutsamkeit vorgegangen wird. Ich habe mich darüber gefreut, denn damit wurde die bayerische Linie bestätigt. Und nach dem, was ich Woche für Woche an Briefen erhalte, glaube ich nicht ganz verkehrt zu liegen, wenn ich erwarte, daß sich mit größerer Behutsamkeit auch die Akzeptanz des neuen Regelwerks verbessern wird.
Ich rechne daher mit einem einvernehmlichen Beschluß bei der nächsten Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz in Mainz am 30.11./1.12.1995 und glaube, Bayern hat das Seine dazu beigetragen, daß dieser Beschluß dann auch der Öffentlichkeit vermittelt werden kann, selbst wenn – wie in solchen Fällen nicht anders zu erwarten – kein ungeteilter Jubel ausbrechen wird. Denn Rechtschreibung kann allein schon vom Gegenstand, der lebendigen und überaus differenzierten Sprache her, nicht „einfach“ werden. Übergangszonen und Zweifelsfälle wird es – wenn auch in deutlich vermindertem Maße – auch weiterhin geben.
2. Einrichtung einer zwischenstaatlichen Kommission für die deutsche Rechtschreibung
Mit der Neuregelung soll auch die Aufhebung des Beschlusses der Kultusministerkonferenz vom 18./19.11.1955 „Regeln für die deutsche Rechtschreibung“ verbunden sein.
Im Sinne einer kontinuierlichen Sprachpflege ist auf Vorschlag der Teilnehmer an den 3. Wiener Gesprächen die Einrichtung einer zwischenstaatlichen Kommission für die deutsche Rechtschreibung beim Institut für deutsche Sprache in Mannheim beabsichtigt. Sie soll die praktische Umsetzung des Regelwerks beratend begleiten, die Sprachentwicklung beobachten und den staatlichen Stellen Vorschläge zur Anpassung von Schreibungen und Regeln machen. Ich habe diesen Vorschlag von Anfang an mit Sympathie begleitet.
Wir haben in Deutschland ja keine der „Académie Francaise“ vergleichbare Einrichtung. Das bedaure ich manchmal, denn im Bereich der Sprachpflege wäre es nicht schlecht, wenn ein Korrektiv vorhanden wäre, das mit der Autorität – und dem Augenmaß! – der Académie dem bisweilen feststellbaren Wildwuchs entgegenwirken könnte. Die bedenkenlose Übernahme von weder korrekt sprech- noch deklinierbaren Wortungetümen wie „stylen“, „designen“ oder „recyceln“ in unsere Sprache und unsere Wörterbücher halte ich für bedenklich. Zum Teil gibt es für diese Wörter im Deutschen weder eine korrekte Aussprache noch lassen sie sich, wie die beiden letztgenannten Beispiele zeigen korrekt konjugieren („gerecycelt“? „gedesignt“?).
Auch hier soll die Kommission für die deutsche Rechtschreibung etwas bewirken. Ein bloßes Zur-Kenntnis-Nehmen des Sprachmülls, der in den letzten Jahren bei uns abgeladen wurde, scheint mir jedenfalls nicht der richtige Weg zu sein.
Vorstellungen zum weiteren Verfahren
Daß die Umstellung in den Schulen mit Behutsamkeit erfolgen muß und daß wir dabei in langen Fristen denken müssen, bedarf, so glaube ich, keiner ausführlichen Erläuterungen.
Mit Schreiben vom August 1995 wurden daher die Schulen auf die voraussichtlichen Änderungen aufmerksam gemacht und um Vorinformation der Schüler, Eltern und Lehrer gebeten. Der Information der Öffentlichkeit insgesamt kommt natürlich eine ebenso große Bedeutung zu, auch die Erklärung der Staatsregierung ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Die Bürgerinnen und Bürger dürfen nicht den Eindruck erhalten, hier werde im Kabinettsstil der 18. und 19. Jahrhunderts hinter ihrem Rücken entschieden.
Das weitere Verfahren stelle ich mir wie folgt vor:
- Wir werden noch prüfen, ob als Termin des Inkrafttretens der Neuregelung in Schule und öffentlicher Verwaltung nicht doch erst der 01.08.1998 vorgesehen werden soll. Von diesem Zeitpunkt an wären dann die neuen Regeln dem Unterricht ausnahmslos zu Grunde zu legen.
- Bis zum Ablauf einer angemessenen Übergangszeit – gedacht ist an 5 – 7 Jahre – sollen die bisherigen Schreibweisen in den Schulen nicht als falsch gewertet, sondern als überholt gekennzeichnet und durch die neuen Schreibweisen ergänzt werden. Ein allzulanges Zuwarten erscheint mir im Hinblick auf den eher geringen Umfang der Änderungen nicht als erforderlich und im Sinne einer möglichst einheitlichen Schreibung in Schule und Öffentlichkeit auch nicht als zweckmäßig.
- Es wird angestrebt und von den Verlagen für durchführbar gehalten, daß Fibeln für den Unterricht in den Grundschulen und Sprachbücher für die Anfangsklassen der anderen Schularten spätestens zum Termin der Inkrafttretens in der neuen Schreibung zur Verfügung stehen. Für eine rasche Zulassung schon im Vorgriff auf die Neuregelung wird Sorge getragen. Auch andere Schulbücher, die auf den neuen Regeln basieren, sollen ab der Unterzeichnung des Abkommens in der neuen Schreibung genehmigt und in den Schulen benutzt werden können.
- Im Interesse einer möglichst kostenneutralen Umsetzung ist – auch im Hinblick auf den eher geringen Umfang der Änderungen – nicht daran gedacht, die Zulassung für Lernmittel nur aufgrund der neuen Schreibung aufzuheben. Das heißt, Erdkunde- oder Physikbücher werden nicht allein deshalb ausgesondert, weil z.B. „daß“ künftig „dass“ geschrieben wird.
4. Zur Frage der Kosten Veränderungen der Rechtschreibung lassen sich nicht ganz kostenneutral durchführen. In der Presse wurde seit 1993 mehrfach eine Zahl von 5 Milliarden für den Austausch der Schulbücher genannt. Der Verband der Schulbuchverleger hat diese im Mai 1993 im Rahmen der Bonner Anhörung von seinem Repräsentanten genannte Zahl in einem Schreiben mittlerweile deutlich relativiert: Kosten dieser Größenordnung wären nach seiner Mitteilung nur zu erwarten, wenn die in allen Schulen der Bundesrepublik vorhandenen Schulbuchbestände binnen einem Jahr gegen neue Werke ausgetauscht werden müßten. Ein Austausch von Büchern außerhalb des Sprachbuchbereichs allein aufgrund der Neuregelung ist jedoch gar nicht beabsichtigt, und Neubeschaffungen müssen ohnehin regelmäßig durchgeführt werden.
Für den Fall einer angemessenen Übergangszeit rechnen die Schulbuchverleger nach einer kürzlich erschienenen Pressemitteilung mit einem Gesamtaufwand von 300 Mio. DM für die inhaltliche Überarbeitung und technische Herstellung aller Schulbücher in Deutschland.
5. Rechtliche Fragen
Diskutiert wurde in den letzten Wochen, ob die Rechtschreibreform durch einen Beschluß der Kultusministerkonferenz umgesetzt werden kann oder ob hierfür eine gesetzliche Regelung zu erfolgen hat. Auslöser war eine juristische Dissertation, die zu der Auffassung gelangte, eine Neuregelung der Rechtschreibung tangiere letztlich Grundrechte und bedürfe daher der Gesetzesform. Ich habe den Sachverhalt prüfen lassen und meine, daß diese Auffassung doch etwas zu weit geht. Das Erlernen einer bestimmten Schreibweise unterliegt nicht dem Erziehungsrecht der Eltern, denn die Eigenheiten der Sprache entwickeln sich unabhängig davon und folgen auch nicht bestimmten Erziehungsvorstellungen. Mit andern Worten: Es geht um Schreibkonventionen, die angepaßt werden sollen, nicht um Erziehungs- und Bildungsziele. Es ist daher wohl doch nicht erforderlich, 16 Ländergesetze und auch noch ein Bundesgesetz zu erlassen. Aufgeworfen wurde auch die Frage, in welcher Form die gleichmäßige Umsetzung der Neuregelung zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz verabredet werden soll.
Angestrebt wird nicht ein völkerrechtlicher Vertrag im Sinn des Art. 32 GG, sondern eine gemeinsame Erklärung der Bundesrepublik Deutschland und der übrigen deutschsprachigen Länder.
6. Gesamtbewertung
Ein Kompromiß beinhaltet immer auch Elemente, mit denen nicht alle Beteiligten vollständig konform gehen. Dies gilt auch im vorliegenden Fall. Da die von mir gewünschte Überprüfung im Rahmen der KMK zu weiteren Verbesserungen geführt hat, zeichnet sich eine vernünftige Lösung ab.
Oberstes Ziel muß es sein, daß im deutschen Sprachraum einheitlich verfahren und der Kompromiß zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich umgesetzt wird.
Die bayerische Staatsregierung beabsichtigt daher, den Neuregelungsvorschlägen für die deutsche Rechtschreibung nach der nunmehr erfolgten Klärung der angemahnten Problempunkte zuzustimmen.
(Bayerischer Landtag · 13. Wahlperiode Plenarprotokoll 13/31 v. 27.10.95 2208)


Anmerkung: Als besonders absurdes Beispiel der bisherigen Rechtschreibung führt der Altphilologe Zehetmair vor: „Man trennt Psych-ago-ge, aber Psy-cho-lo-ge, päd-ago-gisch, aber pä-do-phil.“ Der Text seiner Rede stammt wahrscheinlich von Ministerialrat Dr. Stefan Krimm, der es noch im Sommer 2003 in einem Standardbrief als besonders sinnlos darstellt, daß Psych-agoge, aber Psycho-logie, „Hekt-ar, aber Nek-tar“ getrennt wird. Etwas später rühmt Zehetmair sich, Schreibweisen wie Apoteke verhindert zu haben: Wir dürften nicht „unser humanistisches Erbe vergessen, das sich auch in den aus den alten Sprachen entlehnten Schreibungen widerspiegelt“. Gegen die viel schlimmere barbarische Silbentrennung (Res-pekt, Diag-nose) sollte er sich nicht wehren. „Die Sätze 'Setzen Sie sich dort drüben hin, und verhalten Sie sich ganz ruhig!' werden durch ein Komma getrennt, die Sätze 'Seien Sie bitte so nett und geben Sie mir das Buch!' aber nicht.“ - Sollte der Minister den Grund dieser unterschiedlichen Kommasetzung wirklich nicht erkannt haben?

Aus der anschließenden Landtagsdebatte:
Abgeordnete Radermacher (SPD):
„Herr Zehetmair, Sie sehen mich und Sie sehen uns in einer trauten Einigkeit mit Ihnen. Das werden wir hoffentlich so schnell nicht wieder erleben. Das wäre uns beiden furchtbar peinlich, das weiß ich. Ich denke aber, es ist notwendig, daß wir jetzt dafür sorgen, daß die Reform durchgeführt wird. Es ist nur ein Reförmchen, aber es ist notwendig, auch im Interesse unserer Kinder. Auch das wollte ich Ihnen noch einmal sagen.“ (Beifall bei der SPD)
Sie fuhr fort und bezog sich dabei auf eine TED-Umfrage vom Vortag, die 89 Prozent Ablehnung der Reform ergeben hatte:
„Stimmung gegen etwas Neues zu machen, ist immer angstbesetzt. Der Umfrage messe ich deshalb keine große Bedeutung bei, weil jeder, der etwas Neues lernen soll, erst einmal sagt, man sollte lieber beim Alten bleiben. Mit dieser Haltung hätten wir aber auch 1901 keine Rechtschreibreform geschafft, und viele Dinge würden noch so geschrieben wie im vorigen Jahrhundert.“
Abgeordnete Petra Münzel (Grüne):
„Mit dieser Rechtschreibreform werden viele Ungereimtheiten der deutschen Rechtschreibung, die den Schulkindern immense Schwierigkeiten bereiten und auch von Erwachsenen regelmäßig nicht beherrscht werden, ausgeräumt. Die Rechtschreibung soll also für die, die schreiben, leichter sein, ohne daß sich Nachteile für die Lesenden daraus ergeben. Ein lohnendes Ziel. Meiner Auffassung nach ist dies durchaus gelungen.“
Am Schluß forderte sie den Minister unnötigerweise auf: „Sorgen Sie für eine baldige Umsetzung des Reförmchens.“ Alle Debattenredner offenbarten eine ähnliche Unwissenheit über den Inhalt der Reform sowie über die Geschichte der deutschen Rechtschreibung. Diese Unwissenheit war die Voraussetzung für die Verkennung der Probleme und für die von allen Rednern geäußerte Gewißheit, daß die Reform gut für die Kinder sei, da sie das Schreiben erleichtere.


Zehetmair und sein Staatssekretär Freller erweckten den Eindruck, als hätte der Minister mit seinem Protest gegen 35 Fremdwortschreibungen die „Kulturbarbarei“ verhindert und nun sei alles in Ordnung. Von den viel gravierenderen Folgen der Reform in anderen Bereichen hatte niemand eine Ahnung. Wie wenig Zehetmair mit der Materie und den Zuständigkeiten vertraut war, zeigt sich in seiner Erwartung, die zu gründende Rechtschreibkommission werde auch etwas gegen die „Anglizismen“ und anderen „Sprachmüll, der in den letzten Jahren bei uns abgelagert wurde“, unternehmen müssen. (Das bayerische Kultusministerium redete gleichzeitig zum Beispiel in seinen Kampagnen gegen Drogen die bayerischen Schüler grundsätzlich nur auf englisch an: Be smart, don't start usw.) Man kann in dieser Forderung aber auch schon das Muster künftiger Ablenkungsrhetorik erkennen: Wozu sich über die Rechtschreibreform aufregen, wo es doch viel Wichtigeres gibt, zum Beispiel die Anglizismen.

Im Oktober 1996, also wenige Wochen nach dem Beginn des Schuljahres im Zeichen der Reformschreibung, gab ein Sprecher des bayerischen Kultusministeriums bekannt, man habe von den Schulen „nur Positives“ gehört. Die Grundschulen hätten mit der neuen Rechtschreibung „anstandslos angefangen“. Allerdings fügte er hinzu, im Falle der Weigerung hätten die Lehrer mit Disziplinarmaßnahmen zu rechnen, denn die Neuregelung sei ebenso verbindlich wie der Lehrplan. (Süddeutsche Zeitung vom 17.10.1996)

Die Drohung sollte nicht die einzige bleiben. Die Ministerialräte Stefan Krimm und Toni Schmid – dieser als Pressesprecher des Kultusministeriums – betrieben in Bayern die Durchsetzung der Rechtschreibreform und versorgten den Minister mit Argumenten und Beispielen. Auf die Gründung einer reformkritischen Lehrerinitiative antwortete Schmid umgehend:

4. März 1997
Zur dpa-Meldung vom 4. März 1997 („Lehrerinitiative gegen Rechtschreibreform“) stellt das Bayerische Kultusministerium fest:
Aus dem Tiefschlaf erwacht!
Bayerische Lehrer, die sich der neugegründeten Initiative „Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform“ anschließen, müssen sich fragen lassen, was sie in den letzten Jahren eigentlich gemacht haben. Im März 1995 brachte die Lehrerzeitschrift „schulreport“ bereits einen vierseitigen Überblick über die wichtigsten Änderungen mit Literaturhinweisen zur Information aller Lehrer. Gleichzeitig wurden die Eltern in der Zeitschrift „Schule aktuell“ informiert. Im August 1995 veröffentlichte das Ministerium ein Schreiben an alle Schulen mit der Bitte an die Deutschlehrer, sich mit den vorgesehenen Neuregelungen vertraut zu machen und Schüler und Eltern über den Stand der Dinge zu informieren. Im Juni 1996 veröffentlichte „schulreport“ eine abschließende 8seitige Zusammenfassung der Änderungen für die Hand der Lehrer, gleichzeitig informierte „Schule aktuell“ die Eltern mit Beispielen zur neuen Schreibung. Zeitgleich mit der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung in Wien wandte sich Kultusminister Zehetmair am 1. Juli 1996 an die Schulen mit abschließenden Hinweisen zur Umsetzung der Neuregelung. Ebenfalls im Juli 1996 erschien eine Sondernummer des Amtsblattes mit den Neuregelungen. Die Lektüre des Amtsblattes gehört zu den Dienstpflichten jedes Lehrers. Noch vor Beginn des neuen Schuljahres erhielten die Schulen darüber hinaus eine 112seitige Handreichung des ISB, in der die Neuregelung bezogen auf die Lehrpläne der einzelnen Schularten didaktisch und methodisch aufbereitet wurde.
Nunmehr, über eineinhalb Jahre nach der bindenden Aufforderung, sich mit der Neuregelung vertraut zu machen und auch die Schüler entsprechend zu informieren, wirft die Gründung einer Lehrerinitiative gegen die Rechtschreibreform ein bezeichnendes Licht auf alle, die ihr beigetreten sind. Wie haben es die Unterzeichner in den letzten Jahren mit der Wahrnehmung ihrer Dienstpflichten gehalten?
Bayerisches Staatsministerium
für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst
Toni Schmid, Pressereferent



Bayerisches Staatsministerium für Unterricht usw.: Presseerklärung vom 7. August 1997
Kultusminister Zehetmair fordert mehr Sachlichkeit bei der Debatte um die Rechtschreibreform: Der Untergang des Abendlandes findet nicht statt
Mehr Sachlichkeit bei der Debatte um die Rechtschreibreform hat Kultusminister Zehetmair am Donnerstag in München gefordert. Entgegen allen Unkenrufen aufgeregter Reformgegner finde durch die Neuregelung der Untergang des Abendlandes nach den vorliegenden Erfahrungen nämlich nicht statt. Bayerns Schüler seien bereits im abgelaufenen Schuljahr mit der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung vertraut gemacht worden. Das Ergebnis einer bayernweiten Umfrage durch die Regierungen und die Ministerialbeauftragten belege jetzt, daß die überwältigende Mehrheit der bayerischen Schulen keine nennenswerten Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung haben. Auch die dem Ministerium vorgelegten gedruckten Jahresberichte der Schulen, die bezeichnenderweise fast alle in neuer Schreibung über das Geschehen an den Schulen berichten, seien ein weiterer deutlicher Beweis dafür, daß von „Chaos“ und „Kulturbruch“ keine Rede sein könne. Meist müsse man ohnehin zweimal hinschauen, um zu erkennen, ob der jeweilige Text nach den alten oder den neuen Regeln verfaßt sei. Vor allem werde deutlich, daß die Beteiligten nicht das Gefühl hätten, einem „menschenverachtenden Massenversuch“ ausgesetzt zu sein, wie eine maßlos gewordene Anti-Reform-Polemik in Anspielung auf historische Verbrechen behaupte. Katastrophenszenarien dieser Art nähmen von der Realität offensichtlich keine Notiz mehr. Der unaufgeregte Umgang mit der Neuregelung an den bayerischen Schulen bestätige auch die Erfahrungen in anderen Ländern. Zehetmair: „Die Neuregelung ist von den Deutschlehrern mit Engagement und Ideenreichtum auf den Weg gebracht worden und die Schüler haben längst bemerkt, daß die Systematisierung der Regeln und die Beseitigung einer Vielzahl von Ausnahmen das Schreiben insgesamt leichter macht.“
Zur Versachlichung der Diskussion könne auch eine neue wissenschaftliche Untersuchung beitragen, die belege, daß einander widersprechende Angaben von Wörterbuch zu Wörterbuch keineswegs so zahlreich sind, daß diese Nachschlagewerke, wie vielfach behauptet, unbrauchbar und die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung gefährdet wären. Die Studie von Kerstin Güthert und Klaus Heller vom Institut für deutsche Sprache in Mannheim („Das Märchen von tausendundeiner Differenz“) kommt zum Ergebnis, daß ein großer Teil der divergierenden Angaben in den Nachschlagewerken bereits vor der Umsetzung der Neuregelung vorhanden war. Durch die Neuregelung sei die Zahl dieser Fälle sogar merklich zurückgegangen. Seit der Neuregelung gebe es in den marktführenden Wörterbüchern zwar noch Darstellungsunterschiede, sich widersprechende Aussagen seien jedoch sehr selten.
I. A. Josef Parsch, Pressereferat

Der betrügerische Charakter der „Untersuchung“ von Güthert und Heller ist in meinem Buch „Regelungsgewalt“ aufgedeckt. Güthert wurde acht Jahre später Geschäftsführerin des Rates für deutsche Rechtschreibung und damit Zehetmairs rechte Hand bei der Überarbeitung und weiteren Durchsetzung der Reform. Das Pseudozitat vom „menschenverachtenden Massenversuch“ geht auf den führenden Reformer Gerhard Augst zurück, der behauptet hatte, ich hätte die Rechtschreibreform mit den Nazigreueln verglichen. Natürlich hat auch kein Reformkritiker je den „Untergang des Abendlandes“ durch die Rechtschreibreform heraufkommen sehen; das Dementi gehört selbst zu dem Katastrophenszenario, das es zu bekämpfen vorgibt.

Das bayerische Kultusministerium erwarb 5500 Exemplare der Schrift „Rechtschreibreform – Eine Antwort an die Kritiker. Stuttgart 1997“ von Gerhard Augst/Burkhard Schaeder und verschickte sie am 6.10.1997 mit einem entsprechenden Begleitschreiben an alle bayerischen Schulen. (Süddeutsche Zeitung 31.10.1997) Die „Bayerische Staatszeitung“ stellt dazu fest, die Schrift von Augst und Schaeder sei „eines ganz gewiß nicht: eine ,Antwort an die Kritiker‘. Denn auf keines der Kernargumente der Kritik läßt sie sich ernstlich ein (...). Das macht aber nicht viel, denn die Lehrer sind gescheit und werden sich schon ihren eigenen Reim machen. Aus der Tatsache, daß ihnen die ,Antwort an die Kritiker‘ auf dem Dienstweg zugestellt wurde, wird man ja gewiß doch folgern dürfen, daß sie auf dem gleichen Weg auch mit den Argumenten der Reformkritiker bekannt gemacht worden sind.“ (31.10.1997) Letzteres ist natürlich nicht geschehen. Für Horst H. Munske war das Pamphlet der unmittelbare Anlaß, die Rechtschreibkommission zu verlassen.

Nachdem das bayerische Kultusministerium geteilt worden war und Zehetmair das Schulministerium an Monika Hohlmeier abgetreten hatte, äußerte er sich nur noch selten zur Rechtschreibreform. Gelegentlich kam er auf den Gedanken staatlicher Abwehrmaßnahmen gegen Anglizismen zurück. Äußerungen hierzu sind naturgemäß unverbindlich und folgenlos, da der Staat für solche Fragen nicht zuständig ist.



Bayern will die deutsche Sprache retten (Stuttgarter Nachrichten 24.3.2001)
Ein neues Gesetz kommt für Kultusminister Zehetmair aber nicht in Frage
München - Selbst im „Bayernkurier“ greift „Denglisch“' um sich, zumindest in Anzeigen: Mit dem Business-Tower Nürnberg kann man via Infoline Kontakt aufnehmen, und eine Münchener Firma wirbt mit „Committed to Communications“'.
Von unserem Korrespondenten Ralf Müller, München
In den Augen des bayerischen Wissenschafts- und Kunstminister Hans Zehetmair ist solche Werbung lächerlich. „Die Deutschen tun sich offenbar bei der Misshandlung ihrer eigenen Sprache hervor“', sagt der CSU-Politiker. Protest gegen die Anreicherung der deutschen Sprache mit englischen Vokabeln oder gar die Übernahme ganzer Redewendungen aus dem Angelsächsischen kam dieser Tage auch von den CSU-Senioren. Vorsitzender Gebhard Glück forderte dazu auf, „sich gegen die Abwertung der deutschen Sprache zur Wehr zu setzen'“. Auch Berlins Innensenator Eckhart Werthebach rief zu einer „Abstimmung zum Schutz der deutschen Sprache“' im Internet auf.
Dem bayerischen Wissenschaftsminister stört an der gegenwärtigen Sprachentwicklung vor allem „die Übernahme von Wörtern, die nicht selten viel weniger treffend sind als die herkömmlichen deutschen Begriffe“. So rede die Deutsche Telekom vom City Call statt vom Ortsgespräch. Ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache lehnt der Minister aber ab. Das funktioniere nicht einmal im weitaus sprachbewussteren Frankreich. Gewonnen sei der Kampf gegen das „sprachliche Desaster“', wenn unnötiges Englisch in deutschsprachiger Werbung „schlichtweg ausgelacht“ werde.
Zur Rechtschreibreform zog Zehetmair eine eher skeptische Zwischenbilanz. Sie habe bisher keine Verbesserungen bei der Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung gebracht, sondern „das Durcheinander vergrößert“, räumt der Minister ein, der maßgeblich am Zustandekommen der Reform beteiligt war. Es sei allerdings von Anfang an klar gewesen, „dass man niemandem etwas aufzwingen kann“, so Zehetmair.
Zwei Jahre später wurde der Minister deutlicher:
Zehetmair: „Wir hätten die Rechtschreibreform nicht machen dürfen.“ Sprache sei ein dynamischer Prozeß, und niemals dürfe die Politik sich anmaßen, hier mit Dekreten einzugreifen. (Bayerische Staatszeitung 11.7.2003)

Ungefähr um dieselbe Zeit entdeckte Zehetmair eine „sehr erfreuliche“ Seite der von ihm angerichteten Zerstörung und wußte nun auch, wer eigentlich an der Verwirrung schuld war:

Fünf Jahre Rechtschreibreform – besonnen korrigieren

(Frankfurter Allgemeine Zeitung 1.8.2003: Fremde Federn)

Etwas sehr Erfreuliches und aus meiner Sicht auch ziemlich Unverhofftes hat die Rechtschreibreform ganz sicher mit sich gebracht: die intensive, ja bisweilen leidenschaftlich geführte Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache und ihrer Orthographie. Wer hätte das den Deutschen zugetraut? Hatte man doch den Eindruck, unsere Sprache sei eher ein unliebsames Kind. Insofern erinnern die Rechtschreibreform und die Diskussion über sie gerade auch in der Öffentlichkeit ein wenig an die Rolle Harry Potters für die Jugendliteratur: Es mag Besseres geben, aber die Kinder lesen wieder. Für die Rechtschreibreform: Es mag Verbesserungswürdiges geben, aber die Leute setzen sich wieder mit ihrer Sprache auseinander. Sprache ist wieder zum Thema
geworden. Warum ist dies so erfreulich?

Aus einer Vielzahl von möglichen Kommunikationsformen steht dem modernen Menschen einzig die Sprache als einigermaßen brauchbares Instrument zur Verfügung. Die Erfahrung, daß sie – gerade im gefühlsmäßigen Bereich – noch zu perfektionieren ist, haben wir alle gemacht. Für den intellektuellen Bereich hat die Wissenschaft seit langem den engen Zusammenhang zwischen
Denken und Sprache erforscht und erwiesen. Übrigens ein wahrlich spannendes Forschungsfeld, jedenfalls spannender als die Frage, ob ich Ketchup oder Ketschup zu schreiben habe. Die Kommunikation durch Sprache erlaubt es dem Menschen, seine eigene Lebens- und Erfahrungswelt zu verlassen und sich so neue Horizonte zu erschließen. Im Vergleich zu früheren Gesellschaften hat dabei die Bedeutung des Mündlichen abgenommen, seit langem herrscht das schriftliche Wort in Form der Literatur oder von Gebrauchstexten vor. Verkürzt gesagt, entscheidet also die Beherrschung der Sprache und ihrer Nuancen über die Qualität der Kommunikation mit dem anderen, sei es im privaten Leben des einzelnen oder auf der Ebene der Nationen. Insofern ist jede Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Sprache auch ein Schritt hin zu besserer Verständigung.

Als ich – neu im Amt des bayerischen Kultusministers – mit den Vorschlägen für eine Reformierung der deutschen Rechtschreibung konfrontiert wurde, die eine Gruppe von Fachleuten im voraus ausgearbeitet hatte, war ich ob der Radikalität einiger Teile der Vorlage doch etwas schockiert. In der Folge wurde Schlimmeres verhindert: Ich habe diese Reform erst einmal gebremst, was einigen Ärger machte, bis hin zur Drohung eines Verlages mit einer Schadenersatzforderung. Übrig blieb ein relativ moderates Reformwerk mit einsichtigen Verbesserungen – ich denke da beispielsweise an die ss-ß-Schreibung – und einigen Veränderungen, die sich nicht durchgesetzt haben. Kein Zweifel: Es spricht nichts dagegen, einzelne Neuerungen, die sich nicht bewährt haben, besonnen und nüchtern zu korrigieren, etwa weil sie, wie beispielsweise die „Gämse“ oder das „Quäntchen“,
sprachwissenschaftlich nicht haltbar sind. Dabei gilt: im Zweifel weniger als zuviel zu ändern. Selbstverständlich war auch die Rechtschreibreform kein Endpunkt, da Sprache ein dynamischer Prozeß ist, der kein Ende kennt. Was es allerdings nicht geben sollte, ist eine weitere Reform, die von der Politik entschieden werden muß, weil sich Sprachwissenschaftler auf keinen Kompromiß einigen können. Sprache und Rechtschreibreform eignen sich nicht für politische Entscheidungen. Von einer neuen großen Reform – einer Art „Gegenreform“ – halte ich nichts: Weite Teile der Bevölkerung haben von der neuen Rechtschreibung profitiert – naturgegebenermaßen vor allem die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit ihr aufgewachsen sind – oder sich mit ihr arrangiert haben. Und ganz deutlich muß gesagt werden, daß die „Verwirrung“, welche die Reformgegner immer wieder
bei Alt und Jung ausmachen, unter anderem darauf zurückzuführen ist, daß auch eine renommierte Tageszeitung sich der neuen Rechtschreibung noch nicht angeschlossen hat. Was hier der Grund ist, möge jeder für sich beurteilen.

Der Verfasser ist bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst.



Im Ruhestand wandte sich Zehetmair wieder der Rechtschreibreform zu. Als die KMK keinen anderen Kandidaten für den Vorsitz im neuen „Rat für deutsche Rechtschreibung“ gewinnen konnte (Wolfgang Frühwald hatte abgewinkt), verfiel sie auf den Hauptschuldigen: Hans Zehetmair. Er hatte tätige Reue versprochen und ließ sich zunächst recht gut an:
Zehetmair: Politik soll sich aus der Rechtschreibung raushalten

Berlin (ddp, im Dezember 2004). Die Politik sollte sich nach Ansicht des ehemaligen bayerischen Kultusministers Hans Zehetmair (CSU) aus der Rechtschreibung heraushalten. Zehetmair, der am Montag von der Kultusministerkonferenz als Vorsitzender des neuen Rates für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagen wurde, sagte am Dienstag im Deutschlandradio Berlin, die Rechtschreibung sei das Gebiet der Journalisten, Sprachkundigen und -gelehrten. Sie könne nur entsprechend der Dynamik der Sprache fortgeschrieben werden und nicht als Beschluss des deutschen Bundestages oder der Länderparlamente. Zehetmair, der am 17. Dezember bei der konstituierenden Sitzung des Rates in Mannheim zum Vorsitzenden gewählt werden soll, hofft, dass der Rechtschreibstreit durch das Ausräumen von Ungereimtheiten beendet werden kann. Er betonte, eine Zurückführung zur alten Rechtschreibung, zur „Stunde Null“, werde es aber nicht geben. Am Donnerstag ist die Rechtschreibung Thema im Bundestag. Am Abend sollen der Gruppenantrag „Die Einheit der Deutschen Sprache bewahren“ und der Antrag der CDU/CSU-Fraktion „Klarheit für eine einheitliche Rechtschreibung“ beraten werden.

Zehetmair kündigt Korrekturen an

München (dpa, 30.11.2004) - Der designierte Vorsitzende des neuen „Rates für deutsche Rechtschreibung“, Hans Zehetmair (CSU), will schon bis Ende des Jahres erste Korrekturen der umstrittenen Reform einleiten. „Dieser Pflicht können wir uns nicht entziehen“, sagte der frühere bayerische Kunst- und Kultusminister am Dienstag in einem dpa-Gespräch. Das neue Regelwerk soll am 1. August 2005 offiziell verbindlich in Kraft treten.
Vor allem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung gebe es Handlungsbedarf, betonte Zehetmair. So sei es nicht einleuchtend, dass der räumliche Begriff „auseinander setzen“ etwa getrennt, aber der Begriff „sich auseinandersetzen“ mit dem politischen Gegner zusammengeschrieben wird. Auch die Großschreibung von „es tut mir Leid“ sei einem Schüler kaum zu vermitteln. „Groß schreibt man Dinge, die man anfassen kann“, sagte Zehetmair. Ein weiteres Problem sei die Eindeutschung von Fremdwörtern. Der CSU-Politiker will auf den Dialog setzen: „Ein alles oder nichts“ werde es nicht geben.
Zehetmair war am Montag von den deutschen Kultusministern als Vorsitzender des neuen „Rates für deutsche Rechtschreibung“ vorgeschlagen worden. Der Rat, dem 18 deutsche sowie je 9 Experten aus Österreich und der Schweiz angehören, soll am 17. Dezember in Mannheim konstituiert werden und auch seinen Vorsitzenden wählen. Der deutsche Vorschlag für den Vorsitz sei von Österreich und der Schweiz „wohlwollend aufgenommen“ worden, hieß es. Neben Sprachwissenschaftlern gehören dem Rat Praktiker wie Autoren, Journalisten, Lehrer sowie Buch- und Zeitungsverleger an. Der Rat soll nach den Worten Zehetmairs eine Dauereinrichtung werden. Der Vorsitz werde auf jeweils fünf Jahre gewählt. „Nicht mehr die Politik, sondern der Rat wird die Reform begleiten.“
„Sprache ist etwas Lebendiges“, unterstrich Zehetmair mit Hinweis auf die Reformkritiker. „Dichter sind häufig auch Sprachschöpfer.“ Er wolle jedenfalls auf die Gegner der Rechtschreibreform zugehen und sehen, ob nicht noch Möglichkeiten der Zusammenarbeit bestünden. Bisher haben die Reformkritiker wie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt oder das PEN-Zentrum eine Mitarbeit ausgeschlagen. „Wir wollen den Streit wieder auf leisen Sohlen ins Lot bringen“, sagte Zehetmair.
Die Einsetzung des neues Rates ist eine Reaktion der Kultusminister auf die anhaltende Kritik an den neuen Schreibweisen. Das Gremium soll „die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum bewahren“ und das orthografische Regelwerk weiterentwickeln.

„Staat hätte sich aus der Rechtschreibung raushalten sollen“ (Die Welt 1.12.2004)

Berlin - Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat den früheren bayerischen Kultus- und Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) als Vorsitzenden des Rates für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagen. Der Rat soll am 17. Dezember 2004 zu seiner konstituierenden Sitzung in Mannheim zusammenkommen. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt Zehetmair, wie er die Rechtschreibreform auf den rechten Weg bringen will. Die Fragen an den Präsidenten der Hans-Seidel-Stiftung stellte Joachim Peter.

DIE WELT: Herr Zehetmair, wollen Sie das Amt des Vorsitzenden des Rechtschreibrats annehmen?

Hans Zehetmair: Wenn ich gewählt werde, nehme ich das Amt an. Ich war und bin in die Frage der Rechtschreibreform eingebunden und will mich daher der Aufgabe nicht entziehen.

DIE WELT: Ist die neue Rechtschreibung überhaupt noch zu retten?

Zehetmair: Es ist eine Illusion zu meinen, daß man die Rechtschreibreform kippen könnte. Die meisten Änderungen sind doch inzwischen vollzogen worden. Es geht also nicht um eine große Rettung, sondern darum, einige Fehler zu beheben und die Rechtschreibreform wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen, damit sie bei der Bevölkerung in hohem Maße Zustimmung findet. Das wird einige Zeit benötigen, aber bis zur endgültigen Einführung am 1. August 2005 sollten einige gravierende Fehler behoben worden sein.

DIE WELT: Ist die neue Institution überhaupt arbeitsfähig, wenn sie von der Akademie für Sprache und Dichtung boykottiert wird?

Zehetmair: Ich werde das Gespräch mit allen Beteiligten suchen, um in die Debatte möglichst viel Vernunft und Sachlichkeit einkehren zu lassen. Im übrigen kann man die Akademie ja nicht auf eine einzelne Person reduzieren.

DIE WELT: Die Akademie will eine nichtstaatliche Instanz zur Regelung der Rechtschreibung. Nachdem der Staat hier erkennbar überreguliert hat, klingt diese Forderung nicht gerade abwegig.

Zehetmair: Ich hätte es immer bevorzugt, wenn der Staat in die Rechtschreibung nicht eingegriffen hätte. Ich selbst sehe mich auch nicht als Vollzugsgehilfe des Staates, denn ich stehe nicht mehr als amtierender Minister in dessen Dienst.

DIE WELT: Hat der Staat bei der Rechtschreibung versagt?

Zehetmair: Es war ganz sicher ein Fehler, zu glauben, daß man die sensible dynamische Struktur einer Sprache in eine staatliche Verordnung zwängen könnte. Das darf sich nicht wiederholen. Der Rat für Rechtschreibung ist daher auch so zu verstehen, daß er die Entwicklung der Sprachpraxis beobachtet und gegebenenfalls dann Vorschläge unterbreitet, wie man das Regelwerk ändern könnte.

Gegen E-sel wehre ich mich (Merkur-online 30.11.2004)

Hans Zehetmair über Kultur, Korrekturen und Ketchup

Die Kultusminister hätten ihn „intensiv gebeten“, sagt Hans Zehetmair. Über die Parteien hinweg zeichnet sich eine Mehrheit dafür ab, den früheren bayerischen Kunstminister zum Vorsitzenden des neuen Rates für deutsche Rechtschreibung zu wählen. Am 17. Dezember soll er sein Amt antreten und innerhalb eines halben Jahres Korrekturen an der Reform ermöglichen.
Herr Zehetmair, bewahren Sie uns vor dem „Ketschup“, vor dem „Restorant“ und vor vielem Unsinn der Schreibreform?

Zehetmair: Mich hat das Wort Ketchup nie ereifert, weil ich das Produkt nicht mag. Aber wir müssen Restaurant sicher nicht mit „o“ schreiben. So multilingual ist unser Land.

Wo wollen Sie Änderungen am umstrittenen Reformwerk durchsetzen?

Zehetmair: Bei Fremdwörtern, bei der Kommasetzung und bei der Zusammenschreibung.

Zum Beispiel?

Zehetmair: „Auseinandersetzen“ oder „auseinander setzen“. Streitende Schüler muss ich auseinander setzen, mit dem politischen Gegner sollte ich mich auseinandersetzen. Bei der Reform wurde viel an den Schreiber gedacht, aber zu wenig daran, dass Rechtschreibung auch eine Hilfe für den Leser ist.

Sie wollen keine totale Rücknahme der Reform.

Zehetmair: Nein. Das wäre nicht durchsetzbar.

Kein Sieg der vielen Reformgegner in der Bevölkerung?

Zehetmair: Es darf in dieser Frage keine Sieger und Besiegten geben. Das würde uns noch mehr spalten. Im Übrigen glaube ich nicht, dass sich die Menschen stöhnend und ächzend unter dem Joch der Rechtschreibreform durch das Land bewegen. Wir sollten nicht den Eindruck erwecken, als stünde nun der Untergang Deutschlands bevor.

Was ist gelungen an der Reform?

Zehetmair: Die „s“-Schreibung halte ich für schlüssig.

Sie sagten mal: „Politik, Hände weg von der Sprache!“

Zehetmair: Das war die leidvolle Erfahrung aus der Kultusministerkonferenz. Ich war der Einzige, der noch Korrekturen durchgesetzt hat. Ich habe damals das Veto Bayerns eingelegt.

Jetzt wird ein Politiker Vorsitzender des Rates . . .

Zehetmair: Warum soll ein Politiker nicht auch dazulernen? Ich will weitere Veränderungen an der Reform.

Was tun Sie, damit der neue Rat nicht nur ein Kaffeekränzchen wird?

Zehetmair: Dieser Rat ist ein nicht ganz einfaches Gremium. Ich will wissen, wie sich die heterogenen Meinungen bündeln lassen. Ein Kaffeekränzchen darf das nicht werden.

Keine Rückkehr (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2004)

oll. Jetzt macht der frühere bayerische Wissenschaftsminister Zehetmair seine Ankündigung doch wahr, durch tätige Buße als Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung seine allzu willfährige Unterstützung der Rechtschreibreform zu mildern. Zwar hat er schon in den neunziger Jahren das ein oder andere kritisiert, verstummte aber, als der "Heilige Vater" endlich wieder in Großbuchstaben erstrahlte und sich nicht mehr jene unwürdige Kleinschreibung gefallen lassen mußte. Wenn sich nur alle Unstimmigkeiten der Reform so rasch beseitigen ließen! Daß es unter seinem Vorsitz keine Rückkehr zur bisherigen Schreibung geben wird, hat Zehetmair unmißverständlich festgestellt. Wie er schon bis Weihnachten sinnvolle Vorschläge für die Getrennt- und Zusammenschreibung unterbreiten und dann auch noch mit den Kritikern ins Gespräch kommen will, bleibt vorerst sein Geheimnis. Denn im Rat wird er keine Kritiker der Reform mehr finden, und wer könnte sich ernstlich noch dazu hergeben, einen weiteren unzulänglichen Kompromißvorschlag zu erarbeiten? Zehetmair hat recht, die Politik sollte sich nicht an der Sprache vergreifen, doch dann dürfte es auch keinen Rat der KMK geben.


Das Leid mit dem Leid (Aachener Nachrichten 1.12.2004)
Eckhard Hoog
München. Kaum dass der designierte Vorsitzende des neuen „Rates für deutsche Rechtschreibung“, Hans Zehetmair (CSU), zur Sache das Wort ergreift, irritiert er die Öffentlichkeit sogleich mit etwas befremdlichen Einlassungen. So hat er einerseits gegenüber der Deutschen Presse-Agentur angekündigt, bereits bis zum Ende des Jahres erste Korrekturen der Reform einleiten zu wollen, dabei allerdings auf gar keinen Fall zur alten Rechtschreibung zurückzukehren. Andererseits hat er die Politik aufgefordert, „sich aus der Rechtschreibung herauszuhalten“ und das Gebiet vertrauensvoll Journalisten, Sprachkundigen und -gelehrten zu überlassen. Nur: Ist Zehetmair nicht selbst Politiker?
Vor allem bei der neuen Getrennt- und Zusammenschreibung sieht Zehetmair „Handlungsbedarf“. Sein Beispiel-Argument indessen ist total falsch: Es sei nicht einleuchtend, sagt er, dass der räumliche Begriff „auseinander setzen“ getrennt, aber „sich auseinandersetzen“ mit dem politischen Gegner zusammengeschrieben wird. Richtig ist dagegen: Nach der neuen Rechtschreibung wird „auseinander“ in Verbindung mit Verben immer getrennt geschrieben, somit gibt es diese Unterscheidung gar nicht mehr. „Sich mit etwas auseinandersetzen“ wird nur nach alter Schreibung zusammengeschrieben. Was also will Zehetmair eigentlich an der neuen Schreibweise ändern?
Ähnlich seltsam mutet sein Argument gegen die Großschreibung von „es tut mir Leid“ an: „Groß schreibt man Dinge, die man anfassen kann“, sagt Zehetmair. Es gibt viele gute Gründe, „Leid“ in diesem Fall klein zu schreiben, nur der von Zehetmair genannte, der gehört nicht dazu. Oder soll der „Geist“ jetzt „geist“ geschrieben werden?
Der Sprachrat soll am 17. Dezember in Mannheim konstituiert werden – mit Zehetmair als Vorsitzendem. Morgen ist die Rechtschreibung Thema im Bundestag. Dann soll der Gruppenantrag „Die Einheit der Deutschen Sprache bewahren“ und der Antrag der CDU/CSU-Fraktion „Klarheit für eine einheitliche Rechtschreibung“ beraten werden.

Was der Rat für Rechtschreibung soll (Frankfurter Allgemeine Zeitung 3.12.2004)

Von Hans Zehetmair

Das Angebot, den Vorsitz des neu zu gründenden Rates für deutsche Rechtschreibung zu übernehmen, war in meiner Lebensplanung nicht unbedingt vorgesehen. Und ich kann glaubhaft versichern, daß es nicht etwa ein ausgeprägter Hang zum Hedonismus ist, der mich bewog, mich für diese Aufgabe zur Verfügung zu stellen - falls ich denn am 17. Dezember bei der konstituierenden Sitzung gewählt werde. Auf der anderen Seite halte ich es für hoch an der Zeit, dem schreibenden Teil unserer Gesellschaft - der ja nicht unbedingt im Anwachsen ist - bei der Suche nach einer konsensfähigen Lösung behilflich zu sein.

Dabei könnte ein langfristig arbeitendes Gremium nützlich sein, das sich als Dauereinrichtung kontinuierlich mit der Sprachentwicklung und der Weiterentwicklung der Rechtschreibung beschäftigt. Zwei Voraussetzungen müssen dabei erfüllt sein: Zum einen darf der Rat kein staatliches Organ sein. Diese Voraussetzung ist mit der Zusammensetzung des Gremiums erfüllt. Und zum zweiten: Ich werde mich bemühen, den Schriftstellerverband PEN und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zu einer Mitarbeit im Rat zu bewegen. Staatsferne und größtmögliche Pluralität in der Zusammensetzung brauchen wir von allem Anfang an.

„Unverzüglich Schwachstellen beseitigen”

Inhaltlich sollten wir uns unverzüglich darum bemühen, einige der größten Schwachstellen der Reform zu beseitigen. Ich nenne die Zusammen- und Getrenntschreibung, die Interpunktion, die Eindeutschung von Fremdwörtern und die Silbentrennung. Bei der letzten Reform wurde viel aus der Perspektive des Schreibenden geändert, aber viel zuwenig berücksichtigt, daß Rechtschreibung auch eine Hilfe für den Leser ist. Wir brauchen mehr und nicht weniger Interpunktion, weil Satzzeichen den Sprachfluß und den Sinnzusammenhang strukturieren. Der Pisa-Studie zufolge haben deutsche Schulkinder Schwierigkeiten mit dem Erfassen und Verstehen von Texten.

Aber auch die neue Getrennt- und Zusammenschreibung führt zum Verlust der semantischen Differenzierungsmöglichkeit und der Ausdrucksvielfalt der Sprache. So ist es ein Unterschied, ob man zum Beispiel „auseinandersetzen“ zusammen oder getrennt schreibt: Streitende Schüler muß ich auseinander setzen, mit dem politischen Gegner sollte ich mich auseinandersetzen. Die weitgehend beliebige Trennung von Wörtern führt ebenfalls zu geringerer Genauigkeit im Schreiben, im Lesen und beim Denken. Die Silbentrennung darf nicht zur sinnlosen Trennung werden. Eine Trennung von „A-bend“, „E-sel“, „durcha-ckern“ sieht nicht nur absurd aus – sie ist es auch.

„Warne vor übertriebenen Hoffnungen”

Schließlich soll das Bemühen um die Erhaltung unserer Sprache angesichts einer stetig fortschreitenden Überflutung überwiegend mit Anglizismen nicht dadurch beinahe lächerlich gemacht werden, daß man Fremdwörter beliebig eindeutscht - vor allem wenn wir in einer Epoche von Globalisierung und Internationalisierung die einstmals fremde Schreibweise längst gewohnt sind. Wir müssen „Restaurant“ sicher nicht mit „o“ schreiben, so multilingual ist unser Land hoffentlich mittlerweile schon.

Ich warne allerdings auch vor übertriebenen Hoffnungen. Bei aller berechtigten Kritik an der bestehenden Reform wird es eine völlige Rückkehr zur alten Rechtschreibung nicht geben. Es darf nicht übersehen werden: Die derzeit praktizierte Reform enthält durchaus sinnvolle Korrekturen, wie beispielsweise die neue „s“-Schreibung. Daher ist es notwendig, zweifellos vorhandene Ungereimtheiten, wie ich sie angeführt habe, zu beseitigen, um der Unsicherheit in der Bevölkerung ein Ende zu setzen und sie schließlich doch noch für eine sinnvolle Reform zu gewinnen.

„Auch in Fragen der Schreibung nicht schludern”

Sprache und Rechtschreibung haben eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung und kulturelle Leitfunktion. Das in den Schulen vermittelte Wissen muß über die Schule hinaus Bestand haben. Insofern darf es keine getrennte beziehungsweise unterschiedlich verbindliche Schreibweise geben. Ich bin großer Hoffnung, daß wir auch für die Verlage im deutschsprachigen Raum eine tragfähige Lösung finden, um zu einer einheitlichen Rechtschreibung zurückzukehren. Schließlich prägen die Medien das Sprachempfinden der Gesellschaft entscheidend mit.

Zusammen mit den Mitgliedern des Rates wird es daher mein vorrangiges Ziel sein, in der knappen Zeit bis zum 1. August 2005 zunächst die evidenten Unebenheiten der bestehenden Reform zu glätten. Um diesen Konsens sollten sich alle Mitglieder des Rates bemühen. Unabhängig davon wird sich der Rat als eine Dauereinrichtung mit der Entwicklung unserer Sprache auch über diesen Zeitpunkt hinaus beschäftigen. Denn Sprache ist die wichtigste Kommunikation des Menschen, um Kultur zu schaffen und zu leben. Daher sollte auch in Fragen der Schreibung nicht geschludert werden.

Der Autor war als langjähriger bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus auch Präsident der Kultusministerkonferenz - und damit an der Einführung der Rechtschreibreform beteiligt. Seit März 2004 ist er Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung in München.


„Volksseele wieder versöhnen“ (Nordwest-Zeitung 3.12.2004)


Regina Jerichow

Der frühere bayerische Wissenschafts- und Kultusminister (CSU) ist designierter Vorsitzender des neuen Rates für deutsche Rechtschreibung. Er will vier Schwachstellen der Reform korrigieren.

Frage: Herr Zehetmair, wir haben es Ihnen zu verdanken, dass wir Philosophie nicht mit zwei f schreiben müssen. . .

Zehetmair: . . . das stimmt, weil es einfach wider mein kulturelles Empfinden, wider meine Ausbildung und Bildung geht.

Frage: Hätten Sie als Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung noch mehr Korrekturen parat?

Zehetmair: Es bleibt erst einmal abzuwarten, wer am 17. Dezember als Vorsitzender oder als Vorsitzende gewählt wird. Jedenfalls bin ich bereit mitzuarbeiten. Im Wesentlichen gehe ich davon aus, dass das Rad nicht völlig zurückgedreht werden kann und soll. Auf dieser Basis will ich dazu beitragen, dass sich Sprachreformer und Bevölkerung wieder vertragen. Ich will recht geschriebene Sprache und Volksseele wieder versöhnen.

Frage: Da haben Sie sich aber viel vorgenommen.

Zehetmair: Ich weiß, aber wir müssen von dieser Verkrampftheit, wie sie ja oft in Deutschland besonders ausgeprägt ist, wegkommen.

Frage: Haben Sie da schon konkrete Ideen?

Zehetmair: Ich denke, dass es einige Unebenheiten gibt, die evident sind und die geglättet werden müssen, und habe vier Ansatzpunkte. So gibt es eine Reihe von logisch nicht erklärbaren Getrennt- beziehungsweise Zusammenschreibungen. Es macht einen Unterschied, ob die Lehrerin zwei Schüler auseinander setzen muss, weil sie schwätzen, oder ob ich mich mit meinem politischen Gegner auseinandersetze. Zu sagen, dass man das schreiben kann, wie man will, ist ein Stück Verfall des sprachlichen Denkens und damit des Denkens überhaupt. Zweitens brauchen wir mit Blick auf die Nachvollziehbarkeit von Sinnzusammenhängen mehr Interpunktion, als das neue Regelwerk vorsieht. Drittens halte ich die Eindeutschung von Fremdwörtern für überzogen.

Frage: Das haben Sie schon 1995 kritisiert.

Zehetmair: Da habe ich eine ganze Reihe von Korrekturen durchgesetzt, gleichwohl wurden wieder einige Ungereimtheiten hineingewürgt.

Frage: Zum Beispiel?

Zehetmair: Ich hätte nie das Wort Restorant durchgehen lassen. Das würde ab August 2005 verpflichtend eingeführt. Das Vierte, was ich ansprechen will, ist die Silbentrennung. Ich halte es für nicht durchdacht, dass ich „E-sel“ trenne oder „durcha-ckern“. Die Silben sollen schon noch einen Sinn machen. Ich möchte beim Rat dafür werben, dass diese Zähne bis 2005 gezogen sind.

Frage: Sie gehörten immer zu den stärksten Reformkritikern unter den Kultusministern, haben aber letztlich nichts getan, um die Reform zu verhindern.

Zehetmair: Sind Sie hart zu mir! Ich habe einiges getan, um im Reformprozess Korrekturen vorzunehmen. Ich akzeptiere die Kritik insofern, als ich noch mehr hätte anregen können. Aber ich halte mir zugute, dass ich eh der Einzige bin, der damals spürbare Korrekturen gefordert und durchgesetzt hat.

Frage: Viele Reformkritiker haben eine Mitarbeit im Rat für deutsche Rechtschreibung abgelehnt. Wollen Sie auch die versöhnen?

Zehetmair: Ich werde versuchen, durch Kontaktangebote beim PEN-Zentrum und bei der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung den Dialog zu eröffnen.

Frage: Das Thema Rechtschreibung ist nun auch Thema im Bundestag. Ist das nach den bisherigen Erfahrungen sinnvoll?

Zehetmair: Die Politik sollte sich nicht erneut in das Thema hineinbegeben. Die Sprache verträgt keine Verordnung durch Parlamente.

Frage: Wie schreiben Sie eigentlich Ihre privaten Briefe, in neuer oder alter Rechtschreibung?

Zehetmair: In neuer, aber mit mehr Kommata, als es sein müssten. Ein Stück Individualität behalte ich mir vor und schreibe beispielsweise Orthographie nach wie vor mit ph und nicht mit f.




Zehetmairs Mut und Chance (Bayerische Staatszeitung, 10.12.2004)

Der Ex-Kultusminister soll den Rechtschreib-Frieden stiften

Hans Krieger

Großes hat Hans Zehetmair sich vorgenommen als designierter Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung, der in der kommenden Woche konstituiert werden soll. Er will der im Volk und noch mehr bei den Intellektuellen verhaßten Rechtschreibreform „die schlimmsten Zähne ziehen“, wie er in einem Zeitungsinterview sagte, und damit „die Gesellschaft mit der Reform versöhnen“. Und er will die Aufgabe in zügigem Tempo angehen, damit bis August 2005, wenn die Übergangsfrist endet und die Reformschreibung verbindlich wird, eine „konsensfähige Lösung“ auf dem Tisch liegt.
Hans Zehetmair weiß, worauf er sich einläßt. Er weiß, daß es nicht nur um die Konservierung eines Traditionsschatzes geht, sondern um die Bewahrung des Kulturgutes Sprache vor dauerhaften Substanzschäden. In einem programmatischen Aufsatz für die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Zehetmair diese Schäden klar benannt: Durch den Reformzwang zu forcierter Getrenntschreibung gehen unerläßliche semantische Differenzierungen verloren, und die Ausdrucksvielfalt wird geschmälert; die Lockerung der Interpunktionsregeln schwächt die Deutlichkeit des Satzbaus; die Beliebigkeit sprachwidriger Silbentrennung beeinträchtigt die Genauigkeit beim Lesen und Schreiben und damit beim Denken; die Germanisierung von Fremdwörtern mindert die internationale Anschlußfähigkeit des Deutschen im Zeitalter der Globalisierung.
Nahezu alle Kernpunkte der Reformkritik sind in diesem Katalog nicht nur aufgelistet, sondern in ihrem Zusammenhang erkannt und in ihrer Bedeutung für die Sprachkultur und die gesellschaftliche Kommunikation verstanden. Wichtig ist Zehetmair der Hinweis, daß mangelnde sprachliche Genauigkeit zur Ungenauigkeit des Denkens führt. Mit einem ausdrücklichen Verweis auf die schlechten Leistungen deutscher Schulkinder im verstehenden Erfassen von Texten bei der Pisa-Studie unterstreicht Zehetmair die Dringlichkeit der Abhilfe. Und nur ein wichtiger Punkt fehlt in seiner Aufzählung der „schlimmsten Zähne“: Beseitigt werden müssen auch die grammatikwidrigen Schreibungen, weil sie langfristig die Fundamente des Sprachverständnisses aushöhlen. Dazu gehören nicht nur Schreibungen wie „so Leid es mir tut“ (laut Duden 2004 nicht mehr zwingend geboten, aber zulässig) oder „wie Recht du doch hast“, sondern auch die Großschreibung adverbialer Wendungen wie „morgen Abend“, „im Übrigen“ oder „des Weiteren“, und Binnen-Großschreibungen wie „der 81-Jährige“.
Wer die Fehler der Reform so exakt benennen kann wie Hans Zehetmair, weiß natürlich auch, daß es sich nicht um vereinzelte Ausrutscher, sondern um systemische Mängel handelt, denen mit punktueller Nachkorrektur nicht beizukommen ist. Der Prozeß der Reform der Reform, der mit der Neuauflage des Duden vom August 2000 begann und mit der jüngsten Duden-Auflage vom Herbst 2004 seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte, hat klar vor Augen geführt, daß ohne Preisgabe der reformerischen Regelsystematik nur Flickschusterei möglich ist, die jede Verbesserung im Detail mit noch größerer Undurchschaubarkeit des Ganzen bezahlt. Der Wirrwarr in der Getrennt- oder Zusammenschreibung etwa kann nur behoben werden, wenn sämtliche vor der Reform übliche Zusammenschreibungen wieder zur Regelschreibung werden, also der Status quo ante wiederhergestellt wird; da die Reform die Sprachentwicklung um fast 200 Jahre zurückgedreht hat, wäre dies kein „Salto rückwärts“, sondern ein Schritt nach vorne. Auch der Rat für deutsche Rechtschreibung kann nur das Chaos vermehren, wenn er die Reform nicht grundsätzlich in Frage stellen und die seit 1996 erschienenen Wörterbücher nicht ungültig machen darf.
Versucht Zehetmair das Unmögliche? Vielleicht ist er der einzige, der überhaupt noch etwas bewegen kann. Er hat früh opponiert und dabei Unerschrockenheit vor Wirtschaftsinteressen bewiesen, die Reform dann als Kultusminister loyal mitgetragen, aber zuletzt als einziger öffentlich eingestanden, daß und warum sie ein unverzeihlicher Fehler war. Und als Elder Statesman ist er mit Karriererücksichten nicht mehr erpreßbar. Freilich steht er einem Gremium vor, das mit vorgesehenen 36 Mitgliedern viel zu schwerfällig ist; bei vielen Mitwirkenden sind zudem die standespolitischen und wirtschaftlichen Interessen klarer erkennbar als die Sachkompetenz. Schon Zehetmairs Vorsatz, den Schriftstellerverband PEN und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ins Boot zu holen, dürfte nur dann Erfolgsaussichten haben, wenn eine veränderte Zusammensetzung des Rates den Reformkritikern echte Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.
Zehetmair hat nur dann eine reelle Chance, wenn er aufs Ganze geht. Das heißt: wenn er darauf besteht, es nicht bei einer Schönheitsoperation zu belassen, sondern das Übel an der Wurzel zu packen. Nur dann läßt das immer noch mögliche Scheitern sein Prestige unbeschädigt: Er hat sein Bestes getan. Die Richtung hat er mit dem Satz gewiesen, wir hätten jetzt zu einer einheitlichen Rechtschreibung „zurückzukehren“. Geht er den bequemeren Weg der kleinen Anpassungen, so ist ihm ein klägliches Scheitern gewiß. Durch den Scheinerfolg einer Minimalkorrekturwird niemand sich täuschen lassen; Zehetmair stünde da als einer, der sich dazu hergab, mit taktischen Winkelzügen lediglich der Reformkritik den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Rechtschreibfrieden ist so nicht wiederzugewinnen. Versöhnung, Zehetmairs großes Ziel, setzt Wahrhaftigkeit voraus. Das heißt als erstes: Den Reformkritikern muß mehr eingeräumt werden als eine Feigenblattfunktion. Zu Zugeständnissen werden gewiß auch sie bereit sein, wenn restlos alles zurückgenommen wird, was die Sprache in ihrer Substanz beschädigt. Ein eleganter Ausweg aus der Sackgasse steht immer noch offen.


Zehetmair gegen Alternativ-Schreibweisen (Yahoo 14.12.2004)
München/Mannheim (AP) Der designierte Vorsitzende des Rats für deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair, dringt bei Änderungen der umstrittenen Reform auf einheitliche Lösungen. Der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister sprach sich in einem Interview des «Mannheimer Morgens» (Mittwochausgabe) dagegen aus, bei gleichen Fällen zwei verschiedene Schreibweisen alternativ zuzulassen.
Unterschiedliche Bedeutungen sollten sich auch in den jeweiligen Schreibweisen niederschlagen, weswegen «auseinander setzen» auch wieder zusammengeschrieben möglich sein sollte, erklärte der CSU-Politiker. Der jeweilige gemeinte Sinn solle dabei mit nur einer Schreibweise ausdrückbar sein.
Ausserdem schlägt Zehetmair vor, wieder mehr Kommas zu setzen, um die Lesbarkeit von Texten zu erhöhen: «Es ist zu wenig beachtet worden, dass die Frage des Schriftbilds auch mit dem Leser zu tun hat: Zusammenhänge sollen leicht erfassbar sein.» Der Ex-Minister erklärte zudem, er rechne damit, dass die Zeitungen des Axel-Springer-Verlags wieder zur neuen Rechtschreibung übergehen werden.


„Sprache braucht Sinnhaftigkeit und Disziplin“ (Mannheimer Morgen, 15.12.2004)


INTERVIEW: Hans Zehetmair, künftiger Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung, hat noch Änderungsvorschläge

Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Groß

Der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmaier (68) soll den Vorsitz des Rats für deutsche Rechtschreibung übernehmen, der sich am Freitag in Mannheim konstituieren wird. Der Vorstandsvorsitzende der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung ist überzeugt, dass der Rat noch manches Detail der Rechtschreibreform überarbeiten kann - und muss.

Herr Zehetmair, Sie sagten, der Rat soll die größten Schwachstellen der Rechtschreibreform beseitigen. Welche sind das?

HANS ZEHETMAIR: Wir können nicht das Rad neu erfinden und es geht auch nicht um Alles oder Nichts. Der Reformprozess hat seine Geschichte und man muss mit Behutsamkeit an Verbesserungen herangehen. Die Glättung der Unebenheiten bezieht sich im Besonderen auf die Bereiche Groß-, Kleinschreibung sowie Auseinander- und Zusammenschreibung. Zum Zweiten auf die Frage der Interpunktion – da denke ich auch an Ihre Zeitung, die ja mehr Kommata setzt, als jetzt für die Schule vorgesehen ist. Es ist zu wenig beachtet worden, dass die Frage des Schriftbildes auch mit dem Leser zu tun hat: Zusammenhänge sollen leicht erfassbar sein. Drittens möchte ich eine besondere Handhabung in der Eindeutschung von Fremdwörtern erzielen, was ebenfalls ein paar Korrekturen zur Folge haben wird. Der vierte Punkt ist die Frage der Trennung: Silbentrennung soll gelten, es muss der Sinnzusammenhang erkennbar sein; die Trennung „E-sel“ oder „heruma-ckern“ sollte nicht möglich sein. Die Sprache braucht Sinnhaftigkeit und die Disziplin des Verwenders.

Die zwischenstaatliche Kommission für Rechtschreibung, welche die Umsetzung der Reform begleitete, hat noch die umstrittene Getrennt- und Zusammenschreibung modifiziert. Zum Teil existieren nun alte und neue Schreibungen nebeneinander. Ist das ein akzeptabler Weg?

ZEHETMAIR: Die Frage des Zusammen- oder Auseinanderschreibens darf keine Beliebigkeitsantwort erfahren; es ist ein Unterschied zwischen „auseinander setzen“ im Lokal oder „sich auseinandersetzen“ im übertragenen Sinne. Das muss die Orthografie deutlich machen.

In welchem Verhältnis sehen Sie Ihre Arbeit zu derjenigen der Kommission?

ZEHETMAIR: Ich sehe die Aufgabe des Rates und auch seine Botschaft nicht in einem Zwischenscharnier zwischen Staat und Bevölkerung; er soll der Sprache gegenüber Verantwortung tragen und sie besonnen begleiten, die Entwicklung analysieren. Man sollte nicht nur aufs Datum 1. August 2005 schauen, wenngleich bis dahin ein tüchtiges Stück Arbeit geleistet sein muss, um erwähnte Unebenheiten zu glätten. Die Begleitung, Betreuung und Begutachtung der Sprache ist eine längerfristige Aufgabe, die übrigens auch vom Politikgeschäft möglichst fern gehalten werden sollte. Sprache ist ein dynamischer Prozess, sie ist das wertvollste Kommunikationsgut zwischen den Menschen und so muss sie dann auch gesehen und behandelt werden.

Die Politik hat sich zuletzt besonders die Sache der Reformkritiker zu Eigen gemacht. Fürchten Sie Versuche der Politik, Einfluss auf Ihre Arbeit zu nehmen?

ZEHETMAIR: Ich glaube, dass ich die Politik außen vor halten kann. Ich war lange genug selber Politiker und habe dabei immer meine eigene Meinung kundgetan. Wenn man mich nun zum Vorsitzenden des Rates vorgeschlagen hat, dann doch sicher nicht deshalb, weil man glaubt, mir leicht hineinreden zu können. Außerdem hat man es mit einem Rat von 36 Mitgliedern zu tun, deren Kompetenz ja nicht zu bezweifeln ist. Es bedarf keines parlamentarischen Auftretens und keiner aktuellen Stunde im Bundestag zu Fragen der Rechtschreibung.

Allerdings dürfte es bei einer so großen Mitgliederzahl schwierig werden, Einigkeit zu erzielen . . .

ZEHETMAIR: Diese auch für mich hohe Zahl ist vorgegeben. Grundsätzlich sollten wir in wesentlichen Fragen um Konsens bemüht sein, aber es wäre eine Verarmung, wenn man bei der Frage der Wertung eines Wortes oder eines Satzgefüges nur eine bestimmte Meinung haben könnte. Allerdings sollte man bei einer Formulierung wie „es tut mir Leid“ doch zusammenfinden und einsehen, dass sich die Reformer verlaufen haben: „Leid“ ist kein greifbares Ding, sondern eine Umschreibung – also bitteschön wieder „es tut mir leid“.

Reformkritische Institutionen wie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung oder auch der deutsche PEN haben angekündigt, im Rat nicht mitarbeiten zu wollen – suchen Sie dennoch einen Dialog?

ZEHETMAIR: Einige Institutionen hatten das kundgetan, bevor ich damit befasst wurde. Es ist mir ein großes Anliegen, dass ich mit beiden Gremien, die ich für besonders wichtig halte, Kontakt aufnehme; ich möchte alles tun, was vertretbar ist, um eine kompetente Mitwirkung zu erreichen.

Nachdem Ministerpräsidenten und Kultusminister bestätigt haben, dass es kein Zurück mehr gibt, ist es stiller um die Rechtschreibreform geworden. Glauben Sie, dass sie nun so akzeptiert wird, wie sie – von wenigen Modifikation abgesehen – ist?

ZEHETMAIR: Ich werde jedenfalls alles dazu beitragen, dass der Rat diese Frage, die die deutsche Nation zu spalten drohte, zu einer Klärung bringt. Die Kultusministerkonferenz hat in Übereinstimmung mit den österreichischen und schweizerischen Gremien formuliert, dass sich der Rat für deutsche Rechtschreibung so bald wie möglich konstituieren soll, damit etwaige Änderungen zum 1. 8. 2005 in Kraft treten könnten; das zeigt doch, dass es nicht darum geht, möglichst wenig zu ändern.

Zuerst ist die FAZ zur alten Orthografie zurückgekehrt, vor kurzem haben Springer, Spiegel und Süddeutscher Verlag ein Gleiches angekündigt, was nur Springer vollzogen hat. Wie bewerten Sie das alles?

ZEHETMAIR: Ich habe unmittelbar aus der Umgebung von Springer übermittelt bekommen, man sei von den Vorstellungen, wie ich sie formuliert habe und sie der Ministerpräsidentenkonferenz zu Grunde lagen, sehr angetan; ich gehe davon aus, dass wir wieder zusammenfinden können – sofern wir das Thema Prestige subordinieren.

Und wie ist Ihr persönliches Verhältnis zur Rechtschreibreform?

ZEHETMAIR: Ich schreibe in der neuen Rechtschreibung, habe, als klassischer Philologe, meine Probleme, wenn ich „Orthografie“ mit „f“ schreibe, und ich setze mehr Satzzeichen, als ich in der Zukunft müsste. Eindeutschungen liebe ich gar nicht, schon gar nicht, wenn ich ein „Restaurant“ glaube eindeutschen zu müssen - mit „o“ als letztem Vokal. Mein Verhältnis zur reformierten Rechtschreibung ist kein kriegerisches und kein emotional belastetes – es ist ein von der Ratio her mit einem reifen Fragezeichen versehenes.


Herkulesaufgabe (Frankfurter Allgemeine Zeitung 20.12.2004)

Heike Schmoll
Lange war nicht sicher, ob sich Hans Zehetmair doch noch seiner Zusage erinnerte, nach seinem Abschied aus der Politik für den Rechtschreibfrieden tätig zu werden. Nun steht der langjährige bayerische Kultusminister vor der herkuleischen Aufgabe, einen Augiasstall auszumisten.

Als Philologen müßten ihm Trennungen wie "A-nekdote" und ähnliche Fälle ein Dorn im Auge sein. Doch mit punktuellen Änderungen der Rechtschreibreform ist es nicht getan. Ob Zehetmair den Mut haben wird, die Axt an die Wurzel der Reform zu legen, wird sich erst zeigen. Jedenfalls müßte er dann die Neuregelung der Silbentrennung über Bord werfen, zahllose abwegige Etymologien korrigieren, die gesamte Getrennt- und Zusammenschreibung einer Prüfung unterziehen und die Interpunktionsregeln wieder in Kraft setzen. Jetzt, da Zehetmair Amt und Loyalitätszwänge los ist, hätte er die Chance, einen mutigen Schnitt zu tun - wenn der neugebildete Rat für deutsche Rechtschreibung ihn gewähren ließe. Sein Balanceakt, von der Kultusministerkonferenz zur Wahl vorgeschlagen und vom Rat auftragsgemäß gewählt worden zu sein und sich dennoch nicht als Erfüllungsgehilfe der Minister zu bewähren, darf mit Spannung beobachtet werden.

In der Kultusministerkonferenz hat Zehetmair nicht nur wegen seiner langen Amtszeit hohes Ansehen genossen. Zehetmair gehörte bei der Einführung der Rechtschreibreform zu den Vorreitern, so daß sich die Behauptung, nun lasse sich nichts mehr ändern, weil die Schüler schon nach den neuen Regeln lernten, von Süden nach Norden ausbreiten konnte. Nicht erst am Ende seiner Amtszeit hat er eingestanden, daß die Sprache nicht von Politikern geregelt werden dürfe. In entwaffnender Ehrlichkeit stellte er schon im Jahr 1995 fest, daß die breite Öffentlichkeit in Deutschland überhaupt nicht wisse, was auf sie zukomme. Schon damals warnte er davor, im Kabinettsstil des 18. und 19. Jahrhunderts zu entscheiden.

Johannes Baptist Zehetmair wurde am 23. Oktober 1936 in Langengeisling geboren, der Vater war Wagnermeister und Landwirt. Er hat in München klassische Philologie, Germanistik, Alte Geschichte und Sozialkunde studiert und unterrichtete von 1964 an zehn Jahre lang am Freisinger Dom-Gymnasium. Zwei Jahre später wurde er Stadtrat in Erding, Kreisrat und schließlich stellvertretender Landrat.

Nach der Landtagswahl 1986 berief ihn der damalige Ministerpräsident Strauß zum Kultusminister. 1989 wurden Schul- und Hochschulministerium zusammengelegt, und Zehetmair führte das größte Kultusministerium. Er widersetzte sich der Gesamtschule, auch der zwölfjährigen Schulzeit, trug die Vereinbarung zur Schulzeitverkürzung als Präsident der Kultusministerkonferenz aber doch mit. Auch dem Mainzer Kompromiß über das Abitur hat er sich schließlich nicht widersetzt. In Bayern indes kämpfte er für einen allgemeinverbindlichen Kanon von Pflichtfächern und ein höheres Niveau des Abiturs.

Verraten (Frankfurter Allgemeine Zeitung 20.12.2004)

Kommentar von Edo Reents
Hans Zehetmair ist nunmehr das, was er nach eigenem Bekunden gar nicht sein wollte: der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung, der am Freitag in Mannheim zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkam und sich mit der Sachlage auseinandersetzte. Oder muß es heißen: sich auseinander setzte? Wir wissen, daß dem Vorsitzenden die Getrennt- und Zusammenschreibung an der Rechtschreibreform, die er doch selber mit auf den Weg gebracht hat, inzwischen besonders mißfällt, weil sie wichtige Unterscheidungen tilgt. Deswegen soll sie ja auch rückreformiert werden, bevor die Übergangsfrist am 1. August 2005 endet und es den Schülern als Fehler angestrichen wird, wenn sie statt „auseinander setzen“ „auseinandersetzen“ schreiben. Was den Rat für deutsche Rechtschreibung betrifft, so durfte man die Worte, die sein Vorsitzender auf der Pressekonferenz wählte, so interpretieren, daß seine Mitglieder fürs erste nur sich auseinander gesetzt haben - und dies, obwohl die gewichtigsten Kritiker aus dem PEN-Zentrum Deutschland und der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung noch nicht einmal dabeiwaren, weil sie nicht mitmachen wollen bei einem Vorhaben, dessen Erfolgsaussichten der Vorsitzende selber in ein äußerst zweifelhaftes Licht rückte: Das werde „kein einfacher Ritt“, sagte Zehetmair und lächelte sympathisch. Es gebe im Rat nämlich „einige festgelegte Positionen“. Nun, wenn es die richtigen sind, ist es ja nicht weiter schlimm. Aber das war es nicht, was Zehetmair eigentlich sagen wollte. Es war vielmehr dies: Es gehe bei der ganzen Sache auch ums „Prestige“. Ums Prestige! Damit ist es heraus: Bei der Arbeit des Rates für deutsche Rechtschreibung, der spät genug installiert worden ist, gelten Maßstäbe, die außerhalb der Sache liegen. Zum ersten Mal hat das nun jemand zugegeben. Man müßte von einer in ihrer Offenheit fast schon begrüßenswerten Bankrotterklärung sprechen, wäre der Rat nicht schon deshalb so wichtig, weil nur er zu retten vermag, was noch zu retten ist. Viel ist das nicht. Eine Rückkehr zur alten, bewährten Schreibung wird es nicht geben, das stand schon vorher fest. Man will vielmehr „die Gesellschaft mit der Rechtschreibreform versöhnen“, indem man die „Schwachstellen“ beseitigt. An die Frage, ob Prestige dabei ein guter Ratgeber ist, sollte man keine Zeit mehr verschwenden; jetzt heißt es: nach vorne diskutieren! Diskutieren will man im Rat auch, und das nicht zu knapp. Zunächst, so Zehetmair, werde man "die Hauptkritik an der bestehenden Reform diskutieren", jedes Ratsmitglied solle sich, vermutlich ganz im Sinne des Prestiges, bis Mitte Januar positionieren; am 18. Februar wird man dann, natürlich unter vollständiger Gesichtswahrung jedes einzelnen der offiziell sechsunddreißig Mitglieder, zur nächsten Sitzung zusammenkommen und sich, je nachdem, mit der Sache auseinandersetzen oder sich auseinander setzen und dann - was dann? Sprache ist, das haben wir in den vergangenen Monaten nun wirklich oft genug gehört, ein dynamischer Prozeß. Vom Rat für deutsche Rechtschreibung kann man das vorläufig nicht sagen. Seine Zielsetzung ist defensiv und trägt einem Faktor Rechnung, der für Zehetmair, der ihn nun, womöglich aus Versehen, ausgesprochen hat, noch am allerwenigsten gilt: Eitelkeit.

„Reformen der Reform“ (DER SPIEGEL 6.6.2005)

Hans Zehetmair, 68, Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung, über die Einführung der Reform zum 1. August

Spiegel: Herr Zehetmair, die Kultusministerkonferenz (KMK) hat diese Woche beschlossen, die reformierte Rechtschreibung zum 1. August in Schulen und Behörden einzuführen – auch solche Teile, die Ihr Rat noch gar nicht geprüft hat, wie etwa die Groß- und Kleinschreibung. Fühlen Sie sich bloßgestellt?

Zehetmair: Ich unterstelle der KMK nicht, dass sie uns düpieren wollte. Sie hat uns schließlich letztes Jahr beauftragt, die strittigen Regeln der Rechtschreibrefom zu prüfen. Man muss den Kultusministern aber schon raten, besonders behutsam und zurückhaltend mit Fragen der Rechtschreibung umzugehen. Wir werden uns wie geplant gegen Ende des Jahres auch die Groß- und Kleinschreibung vornehmen. Wir sind ein völlig unabhängiges Gremium.

Spiegel: Eine Reform wird teilweise eingeführt, muss dann eventuell nach Ihrem Votum wieder teilweise zurückgenommen werden – wie soll irgendjemand das beispielsweise Schülern noch vermitteln?

Zehetmair: Es droht ein gewisses Durcheinander, aber am schlechtesten wäre es gewesen, die Reform vollständig in Kraft treten zu lassen. Und die KMK-Verwaltung hat ja tatsächlich darüber nachgedacht, für die gesamte Reform ein Moratorium zu erwirken. Keine schlechte Idee, doch wir brauchen für unsere Arbeit noch Jahre.

Spiegel: Wird es dann eine Reform der Reform geben?

Zehetmair: Es kann sogar sein, dass es mehrere Reformen der Reform geben wird, da wir ja auch die Sprachentwicklung über die Jahre beobachten und dann sehen, was sich im Sprachgebrauch durchsetzt. Außerdem ist es mir gelungen, drei prominente Reformgegner für den Rat zu gewinnen. Wir werden zu Mehrheitsentscheidungen über vernünftige Korrekturen kommen – und dies dann auch durchsetzen.

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„Wir werden intuitiver entscheiden“ (Der Tagesspigel 11.6.2005)


Hans Zehetmair, der Vorsitzende des Rats für Rechtschreibung, erklärt, was von der Reform geblieben ist

„Kennenlernen“ soll künftig wieder zusammengeschrieben werden, „spazieren gehen“ weiterhin getrennt und „sitzen bleiben“ wahlweise getrennt oder zusammen. Die schlichte Reform-Regel „Verb und Verb schreibt man stets getrennt“ gilt offenbar nicht mehr. Können Sie das erklären, Herr Zehetmair?

Das sind Beispiele dafür, dass wir nicht mehr Regeln in den Vordergrund stellen, sondern wieder mehr darauf achten, wie im deutschsprachigen Raum gesprochen wird. Grundsätzlich wird bei der Zusammenstellung zweier Infinitive aber noch immer getrennt geschrieben. Es bleibt bei „laufen lernen“, „baden gehen“ oder „spazieren gehen“. Ausnahmen bilden Verbindungen mit „bleiben“ oder „lassen“. Hier kann auch zusammengeschrieben werden, wenn eine übertragene Bedeutung vorliegt: Die Akten sind „liegengeblieben“, aber: Am Sonntag möchte ich gerne länger „liegen bleiben“.

Warum soll „kennen lernen“ dann wieder zusammengeschrieben werden?

„Kennenlernen“ haben wir wegen der ausschließlich übertragenen Bedeutung als Sonderfall in die Gruppe der Verbindungen mit „bleiben“ und „lassen“ aufgenommen. Man kann es aber auch getrennt schreiben. Auf diesen Kompromiss haben wir uns nach einer langen Diskussion geeinigt.

Auch die Regel, dass Adjektivverbindungen mit Verben getrennt geschrieben werden, wenn sie steigerbar oder erweiterbar sind, wurde gestrichen. So kann jetzt „blank putzen“ auch wieder zusammengeschrieben werden.

Die Steigerungsregel hat sich als nicht praktikabel erwiesen. Jetzt soll gelten: Es kann zusammen- wie auch getrennt geschrieben werden, wenn es um das Resultat eines Vorganges geht. Hier sind die Varianten sinnvoll, weil es Schüler überfordert zu unterscheiden, ob die Betonung nun auf „blank“ liegt oder auf dem Putzvorgang als solchem. Es ist aber eine schöne Aufgabe für Lehrkräfte, den Schülern solche Sinnunterschiede nahe zu bringen.

Die Schulen kommen allerdings gut mit den vereinfachten Regeln zurecht – und vielen Eltern und Lehrern graut davor, den Kindern jetzt wieder etliche Ausnahmen erklären zu müssen.

Dahinter steht unsere Philosophie, dass der Sprachgebrauch wieder Vorrang vor der Regelhaftigkeit hat. Das ist für Schüler und auch für Erwachsene eingängiger. Wir werden intuitiver entscheiden, was wir getrennt oder zusammenschreiben: „Heilig sprechen“ kann der Papst, „heiligsprechen“ wird man ihn später. Außerdem ging es um die Korrektur all dessen, was man in der Bevölkerung nicht verstanden hat. Sinnentstellende Schreibweisen wie „Leid tun“ oder „Not tun“ soll es nicht mehr geben.

Warum wird nicht durchgehend liberalisiert? Jetzt scheint es durcheinander zu gehen: „leidtun“ nur noch klein und zusammen, „eislaufen“ ebenso, aber bei „brustschwimmen“ kann man auch schreiben, „er schwimmt Brust“.

Die Schreibweisen „leidtun“ und „nottun“ sind jetzt unantastbar, weil die Groß- und Getrenntschreibung schlichtweg unsinnig wäre. Im Zusammenhang mit „eislaufen“ wurde in der Tat diskutiert, ob es auch heißen könnte, „sie läuft Eis“. Jetzt hat sich das nicht durchgesetzt, aber wenn sich dieser Sprachgebrauch in einigen Jahren festsetzt, könnte man es noch modifizieren. Bei „brustschwimmen“ sind wir liberaler – wenn der substantivische Bestandteil hinten steht.

Wie radikal sind also die Änderungen in der Getrennt- und Zusammenschreibung, die der Rat am vergangenen Freitag in Mannheim beschlossen hat? Wird die Rechtschreibreform in diesem Bereich „nahezu vollständig zurückgenommen“, wie der Sprachwissenschaftler Theodor Ickler schon im April frohlockte?

Es ist kein radikales Zurückschrauben, sondern ein moderates Ausgleichen der Unebenheiten und Ungereimtheiten. Da ist einiges auch im Sinne von Herrn Ickler. Aber federführend war Peter Eisenberg von der Akademie für deutsche Sprache, weil er schlüssige, ausgewogene und besonnene Vorschläge gemacht hat. Ich bin sehr froh, dass er seit vergangener Woche ordentliches Mitglied des Rats ist. Insgesamt ist unsere Arbeit ein entschiedenes Aufeinanderzugehen sehr heterogener Befindlichkeiten. Zur Getrennt- und Zusammenschreibung gab es am Schluss nur vier Gegenstimmen bei 33 Prostimmen.

Warum beschäftigt sich der Rat nicht auch mit der Groß- und Kleinschreibung?

Wir werden sie uns mit Sicherheit noch gesondert vornehmen. Einige Probleme der Groß- und Kleinschreibung sind mit der Getrennt- und Zusammenschreibung ja auch schon gelöst worden. In der ersten Phase wollen wir bis Herbst die beiden weiteren gravierenden Themen klären: Zeichensetzung und Silbentrennung. Ab Herbst, wenn wir die ersten drei großen Komplexe zur politischen Entscheidung weiterreichen, setzen wir für andere Bereiche der Reform, die zum 1. August amtlich werden, Arbeitsgruppen ein und beobachten die Sprachentwicklung – auch in der Groß- und Kleinschreibung. Einen Zeitplan für etwaige Änderungsvorschläge gibt es aber noch nicht. Der Rat in seiner jetzigen Zusammensetzung ist für sechs Jahre berufen.

Warum wird zum 1. August dieses Jahres nur ein Teil der Rechtschreibreform amtlich?

Die Kultusminister wollten das einmal gesetzte Datum 1. August 2005 unbedingt halten. Da haben sie sich eben durchgerungen, die Bereiche zurückzustellen, über die wir noch beraten. Unsere Vorschläge müssen wir noch mit Eltern- und Lehrerverbänden diskutieren, und dann befindet die Politik abschließend darüber.

Warum sind Sie nicht bis zum 1. August fertig geworden?

Weil wir unsere Aufgabe sehr ernst nehmen und in den Arbeitsgruppen intensiv diskutieren. Die andere Möglichkeit wäre gewesen, das Ganze um ein Jahr zu verschieben. Dass die KMK anders entschieden hat, kritisiere ich nicht, aber ich mache es mir auch nicht zu Eigen. Das müssen die Kultusminister selber verantworten. Die Politik hat den Rat aus der Erkenntnis heraus eingesetzt, dass die Reform eines begleitenden kompetenten Gremiums bedarf, das unabhängig und in eigener Verantwortung arbeitet. Wer mit dem dynamischen Gefüge Sprache verantwortungsvoll umgehen will, braucht Zeit.

Und wann werden die Neuregelungen zur Getrennt- und Zusammenschreibung, zur Silbentrennung und zur Zeichensetzung für Schulen verbindlich?

Ich gehe davon aus, dass die Länder die drei Komplexe zum August 2006 einführen. Um die Schüler nicht zu verwirren, sollte man das nicht mitten im Schuljahr machen – obwohl die Neuregelungen schon vorher stehen. Die Schule sollte aber nicht darauf kapriziert sein, an welchem Stichtag sie was als Fehler wertet.

Wie beurteilen Sie die Rolle der Zeitungen, die sich der Rechtschreibreform mehr oder weniger verweigern?

In unserem Rat sitzen ja auch offizielle Vertreter der Journalistenverbände und der Zeitungsverleger. Angesichts der weitgehend positiven Reaktionen auf unsere Vorschläge bin ich guter Hoffnung, dass auch die Zeitungen, die sich besonders stark verweigern, wieder zum Common Sense zurückfinden.

Von Reformgegnern wird die Arbeit Ihrer Vorgänger, der Zwischenstaatlichen Kommission, weiterhin verteufelt. Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit im Rat von der in der Kommission?

Formal unterscheidet sich der Rat von der Kommission dadurch, dass er unabhängig ist. Die Kommission war als Hilfsinstrument von der Politik eingesetzt – für eine Reform, in die sich die Politik aus meiner heutigen Sicht gar nicht hätte einmischen sollen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat eine höhere Eigenverantwortung gegenüber der Öffentlichkeit. Wir arbeiten transparent und vermitteln nach jeder Sitzung in einer Pressekonferenz, was wir in der Abwägung langer Diskussionen als Erkenntnis gewonnen haben.

Steckt dahinter auch eine Philosophie?

Wir müssen gegenüber der sensibilisierten Öffentlichkeit alles tun, um den Eindruck zu vermeiden, dass Sprache aufgezwungen wird. Was wir zu tun haben, darf nicht von wissenschaftlicher Rechthaberei geleitet sein, sondern von tiefer Sensibilität für den Sprachgebrauch der Menschen.

Die Fragen stellte Amory Burchard.

Hans Zehetmair (68), 1986 bis 2003 CSU-Kultusminister in Bayern, ist seit Dezember 2004 Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung und leitet die Hanns-Seidel-Stiftung.



„Jetzt Fehler anzurechnen, ist nicht sinnvoll“ (Süddeutsche Zeitung 24.7.2005)

Hans Zehetmair, der Vorsitzende des Rates für Rechtschreibung, mahnt die Länder zur Besonnenheit
Das Ringen um die Rechtschreibreform ist in die nächste Runde gegangen. Bayern und Nordrhein-Westfalen wollen zum 1. August Teile der Regeln nicht in Kraft setzen, wie es die Kultusministerkonferenz (KMK) Anfang Juni beschlossen hatte. Der Vorsitzende des Rates für Deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair, begrüßt die Entscheidung, da sie zu weniger Verunsicherung unter Schülern und Lehrern führe.

SZ: Erstaunt Sie nicht das Verhalten der bayerischen Staatsregierung?

Zehetmair: Ich habe in den vergangenen Monaten den Kultusministerkollegen immer wieder gesagt, dass es Verantwortungsbereich der KMK ist, was sie wann und wie für die Schulen verordnen; und dass es Sache des Rates ist, davon unabhängig den Auftrag zu erfüllen, für die Einheitlichkeit der Sprache zu sorgen, und evidente Ungereimtheiten auszumerzen. Bei 38 Ratsmitgliedern ist es jedoch nicht einfach, einen Zweidrittelkonsens herzustellen. Ich kann also gut nachvollziehen, dass man nicht Teilbereiche in Kraft setzen will. Schließlich kann ich dem Rat nicht Grenzen setzen, sich zu bestimmten Sachverhalten nicht mehr zu äußern.

SZ: Wenn Bayern und NRW einen anderen Weg beschreiten, kann von einer Einheitlichkeit der Sprache nicht mehr die Rede sein.

Zehetmair: Seien wir ehrlich: Wir haben schon seit einigen Jahren die nicht erfreuliche Situation, dass ein Auseinanderdriften in der Handhabung der Rechtschreibung festzustellen ist. Als Beispiel nenne ich nur den Printmedienbereich. Was die Schule betrifft, so geht es darum, dass ab 1. August bestimmte Dinge nun als Fehler angerechnet werden sollen, die bisher nur korrigiert wurden. In einer so labilen Situation, wie wir sie haben, halte ich dies nicht für sinnvoll.

SZ: Sie befürchten also keinen Rückfall in die Kleinstaaterei, wenn nun jedes Land nach Lust und Laune Rechtschreibregeln einführt oder auch nicht?

Zehetmair: Nein überhaupt nicht. In der Schweiz haben wir eine ähnliche Lage. Die Erziehungsverantwortlichen der Kantone setzen die Rechtschreibung in der Teilreform zum 1. August um, nicht aber die Verwaltung. Sie will warten, bis der Rat zum Abschluss kommt. Es geht hier nicht um einen Konflikt zwischen den Ländern. Es gibt nur zwei Haltungen: Die einen starten mit der Teilumsetzung, die anderen warten damit noch.

SZ: Führt das nicht bei Schülern und Lehrern zu Verunsicherungen?

Zehetmair: Nein, es verändert sich in Bayern oder in NRW nichts im Vergleich zum abgelaufenen Schuljahr. Vielmehr bleiben Lehrer jetzt bei der Handhabe, die sie bereits beherrschen. Ich denke, das neue Schuljahr kann genutzt werden, Schüler für die Sinnunterschiede etwa der Getrennt- und Auseinanderschreibung zu sensibilisieren. Sie sollen den Unterschied verstehen lernen zwischen einem viel versprechenden Politiker, der dann nichts hält, und einem viel versprechenden, auf den man baut.

SZ: Was das anbelangt, so gab es einen einstimmigen KMK-Beschluss, an den sich Bayern und NRW nun nicht mehr halten wollen. Selbst der Philologenverband spricht inzwischen vom Zickzackkurs der Politik.

Zehetmair: Es wäre unredlich, wenn man wegdiskutieren wollte, dass der ganze Vorgang Rechtschreibreform kein Ruhmesblatt ist. Das trifft aber nicht nur auf Bayern zu, sondern gilt generell. Ich habe das Problem, dass ich in dem Rat eine Menge Persönlichkeiten habe, die an der Altlast mittragen. Daher muss ich schauen, dass ich diese Leute integriere, sonst bekomme ich keine Zweidrittelmehrheit, die ich haben muss. Was aber die Verunsicherung betrifft, ist sie dort größer, wo man sagt, man führt die Reform nun ein, nur die Bereiche, die noch strittig sind, bleiben außen vor.

SZ: Sie selbst haben in den vergangenen Jahren mehrmals Ihre Position zur Rechtschreibreform geändert.

Zehetmair: Im Laufe der Jahre wird man klüger. Mir ist klar geworden, dass es ganz gefährlich ist, wenn die Rechtschreibung an dem Empfinden der Menschen vorbei zu sehr akademisch betrieben wird. Sie muss auf den Sprachgebrauch des unverbildeten Bürgers achten. Das ist unsere Leitlinie. Das haben uns auch Verlage und Printmedien deutlich gemacht, die übrigens, wie man am Beispiel der SZ sieht, wenn ich das so sagen darf, auch mit der Reform gerungen haben. Lediglich Spiegel, FAZ und Springer-Verlag zeigen sich nach wie vor resistent gegenüber einer Reform, geben aber zu erkennen, dass sie an einer Annäherung Interesse haben.

SZ: Wäre es rückblickend besser gewesen, es hätte nie eine Reform gegeben?

Zehetmair: Wäre sie nicht schon am Laufen, hätte ich sie nicht initiiert.

SZ: Wird also bis zum Beginn des Schuljahres 2006/2007 eine einheitliche Reform für alle Länder stehen?

Zehetmair: Für alle Länder sowie in Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Südtirol. Nach fünf mühevollen Sitzungen, in denen wir den schwierigsten Block der Getrennt- und Auseinanderschreibung hinter uns gebracht haben, bin ich guter Dinge, dass wir in der Silbentrennung und in der Interpunktionsfrage auch eine Mehrheit herbringen. Nur sollen sich die nicht Hoffnung machen, die alles zurückschrauben wollen.

SZ: Und was geschieht am 1. August?

Zehetmair: Viele werden ihren Schulen auf leisen Sohlen sagen, sie sollen nicht so sehr auf Fehlerschärfe, sondern auf pädagogische Chance setzen.

Interview: Christine Burtscheidt«



Ähnliche Hoffnungen erweckte Zehetmair auch in seinem Gastbeitrag in „Bild am Sonntag“:

Neue Rechtschreibung nächstes Jahr fertig (Bild am Sonntag, 24. 7. 2005)

„Im Interesse der Schüler sowie der schreibenden und lesenden Erwachsenenwelt brauchen wir eine einheitliche Orthographie. Der Rat für deutsche Rechtschreibung, dem von der Kultusministerkonferenz die Aufgabe übertragen wurde, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung weiterzuentwickeln, leistet mit seiner Arbeit einen wichtigen Beitrag, um das bestehende Auseinanderdriften in der Handhabung der Rechtschreibung zu korrigieren.
Den umstrittensten und schwierigsten Bereich der Rechtschreibreform, die Getrennt- und Zusammenschreibung, hat der Rat bereits abschließend behandelt und dazu Neuregelungen erarbeitet. In den nächsten Monaten werden wir uns mit der „Zeichensetzung“ und der „Silbentrennung“ beschäftigen.

Da der Rat, der auf sechs Jahre eingesetzt wurde, ein unabhängiges Gremium ist, wird er es sich nicht nehmen lassen, sich auch mit anderen Bereichen der Rechtschreibreform wie der Groß- und Kleinschreibung zu beschäftigen, um auch hier evidente Ungereimtheiten zu beseitigen.
Ich bin zuversichtlich, daß die vom Rat in den nächsten Monaten erarbeiteten Vorschläge wieder zu einer einheitlichen Rechtschreibung im deutschsprachigen Raum führen werden, so daß spätestens mit Beginn des Schuljahres 2006 ein verbindliches Regelwerk vorliegt.

Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung von Bayern und Nordrhein-Westfalen, die Übergangsfrist für die Rechtschreibreform um ein Jahr zu verlängern, konsequent und nachvollziehbar.“

Im Spätsommer oder Herbst 2005 muß es den Kultusministern und Ministerpräsidenten gelungen sein, Zehetmair endgültig umzudrehen. In der ersten Ratssitzung nach den Sommerferien hatte er sich bereits den Termin- und Themenplan seiner Auftraggeber zu eigen gemacht.
Zehetmair in der Pressekonferenz nach der 6. Ratssitzung am 28.10.2005
„Wir werden in der nächsten Sitzung uns noch mit Groß- und Kleinschreibung befassen, da dies ein von bestimmter Seite geltend gemachtes Anliegen ist, und auch mit der s-Schreibung noch befassen – Doppel-s, scharfes s –, dann aber wollen wir etwa bis zum Frühjahr des nächsten Jahres diese unmittelbare Agenda abgehandelt haben, um dann in den eigentlichen Auftrag des Rates für deutsche Rechtschreibung zu kommen, nämlich die Sprache – ich sage dazu: unaufgeregt – zu beobachten. (...) Wir möchten dann ab Mitte des Jahres gewissermaßen in ruhige Fahrwasser kommen der Sprachbeobachtung. Wir wollen dann im Austausch zwischen Wissenschaft und Verbrauch, sag ich mal, also Anwendung, hier uns austauschen, wiederum über das Institut für deutsche Sprache, dessen Chef ja eben gekommen ist, Professor Eichinger, und wollen dann auch nicht nur in Mannheim tagen, sondern auch in den deutschsprachigen Gebieten. So haben wir vor, im Sommer oder Herbst die dann folgende Sitzung auf Einladung Österreichs in Wien durchzuführen. Also, es soll eigentlich dann eine Wegstrecke begangen werden, bei der nicht ein Ergebnis an die Politik zurückgeht, sondern, dem organischen Wachstum der Sprache entsprechend, ihrer Dynamik entsprechend, man dann sich austauscht und letztlich die einschlägigen Editoren, also sowohl die Wahrig- und Duden-Verlage als auch die entsprechenden Buchverlage, dann eben auch, wie es über Jahrzehnte geschah, Erkenntnisse fortschreiben.
(...)
M: Das heißt, Sie bleiben dabei, 2006/2007 soll die Reform dann eingeführt werden?
Z: Ja.
(...)
M: Mich würde mal interessieren, wie Sie jetzt eigentlich die gewissen alten Schreibweisen von FAZ und Springer so beeinflussen. Ob Sie sich nicht doch, wenn Sie dann die FAZ lesen – die Sie ja sicherlich mehrmals die Woche lesen –, dann stutzt man ja, wenn man die neue Schreibweise –
Z: Ich lese sie täglich neben dem Merkur, der Süddeutschen, der Welt und dem Berliner Tagesspiegel.
M: Beeinflußt das oder beeinflußt das nicht?
Z: Nein. (Unverständlich) ... das muß nicht so extrem sein wie ganz alte Schreibe wie FAZ, aber auch Springer, aber auch Spiegel ...“


Hier gibt Zehetmair also zu, daß der Rat für deutsche Rechtschreibung bisher nicht im Sinne seines eigentlichen Auftrags tätig war, sondern die Reform zu reparieren versuchte.

Während der Novembersitzung des Rates berichtete Zehetmair schmunzelnd, neulich in Peking habe er den SPIEGEL gelesen und dabei ein dass entdeckt, worin er ein Signal sieht, daß auch der SPIEGEL allmählich wieder der Reformschreibung folge. Er wußte offenbar nicht, daß der SPIEGEL synchron mit den anderen Zeitungen umgestellt worden war und seit sechs Jahren in Reformothographie gedruckt wurde.

Zehetmair in der Pressekonferenz nach der 7. Ratssitzung am 25.11.2005:

„Aber die einzigen, die uns Sorgen bereiten, sind die Kultusminister, weil wir bis zum März ihnen die Ergebnisse vorlegen sollen.
(...)
Ich rekapituliere schnell, daß wir ja den Auftrag hatten und die Bitte von der
Ministerpräsidenten- und der Kultusministerkonferenz, der Rat möge doch vorrangig die Bereiche der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Silbentrennung und der Interpunktion lösen. Es war klar und ist auch unstrittig, daß der Rat sich jedwedes Thema vornehmen kann zusammen mit der Einheit der deutschen Sprache und mit der Beobachtung, so steht’s ja auch in der Präambel. Aber jetzt gilt es die erstrangigen Aufgaben abzuarbeiten, und wir haben heute nun das Kapitel zwei und drei beschlußmäßig abgeschlossen.
(...)
Gestern fand eine Schaltkonferenz statt zwischen dem Präsidium der Kultusministerkonferenz und dem Vorsitzenden des Rates für Rechtschreibung, und hier war erkannt und vorausgesetzt, zugrunde gelegt, daß wir uns mit der Groß- und Kleinschreibung noch befassen. Die Bitte war, es in überschaubarer Form zu tun, das war unser Ziel auch, und die Klarheit herbeizuführen, so daß sie in uno actu, in einem Vorgang dann, in der Sitzung im März, die Dinge so beschließen können, daß sie dann im Vollzug der Kultus- und Schulministerien der sechzehn Länder rechtzeitig ausgearbeitet und für das Inkrafttreten zum Schuljahr 2006/7, sprich zum 1. August 2006/7, vorliegen.“

Einen förmlichen Auftrag der Politiker an den Rat, sich vorrangig und in einer bestimmten Frist mit bestimmten Themen zu beschäftigen, gab es nicht und konnte es nicht geben, da es mit der statutenmäßig zugesicherten Unabhängigkeit des Rates unvereinbar gewesen wäre. Der Rat hat vielmehr aus freien Stücken die allerdings drastisch genug gefaßten Wünsche der Kultusminister befolgt, die einen Teil der Neuregelung vorab für „unstrittig“ erklärten und vor jeder Befassung des Rates verkündeten, Änderungswünsche in diesen Bereichen seien vom Rat nicht zu erwarten. Hierauf hätte der Rat eigentlich anders antworten müssen, aber es lag jederzeit auf der Hand, daß eine überwältigende Mehrheit seiner Mitglieder dieselben Absichten wie die Politiker hatte. Was die Terminsetzung selbst betrifft, so wäre den Interessen der Schüler mit einer schlichten Verlängerung der Übergangsfrist keinesfalls schlechter gedient als mit der Verhängung weiterer „verbindlicher“ Regeln, deren Unausgegorenheit und damit Vorläufigkeit gar nicht ernsthaft bestritten wird.

Im Dezember 2005 wurden die ersten Vorschläge des Rates für deutsche Rechtschreibung verschiedenen Institutionen zur Anhörung bzw. Stellungnahme vorgelegt. Das Anschreiben des Vorsitzenden Zehetmair enthielt eine falsche, nur zur Beruhigung der Kritik dienende Angabe: Es stimmt gar nicht, daß die AG Groß- und Kleinschreibung „im Wesentlichen“ nur diejenigen Teile der GKS bearbeiten soll, bei denen sich „Anpassungen aus den Änderungen im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung ergeben“. Der Auftrag umfaßt vielmehr:

„(1) Schreibung des Anredepronomens du, (2) Schreibung fester Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv (z.B. gelbe/Gelbe Karte), (3) Schreibung von Einzelfällen insbesondere aus dem Überschneidungsbereich von Groß-Klein- und Getrennt-Zusammen-Schreibung (Pleite gehen, Recht haben), (4) Schreibungen im Randbereich (z.B. auf allen vieren (gehen)).“
Wie man sieht, berührt nur einer der vier Punkte die Getrennt- und Zusammenschreibung, und auch der nur teilweise; eigentlich sind nur drei Wörter betroffen (Pleite/Bankrott gehen, Recht haben, Not tun).In Wirklichkeit müßte noch wesentlich mehr behandelt und in Ordnung gebracht werden, als die gewaltsam beschränkte Agenda vorsieht. Damit war jedoch keinesfalls mehr zu rechnen, wie folgende Agenturmeldung vom 31.12.2005 zeigt:

„Zehetmair sieht sich als Moderator bei der Rechtschreibreform

Berlin (ddp). Der Präsident des Rates für deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair, versteht sich als «Moderator» der deutschen Sprache. Er wolle die starren Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Rechtschreibreform abbauen, sagte Zehetmair der Nachrichtenagentur ddp in Berlin.

Die Weigerung vieler Zeitungen und Zeitschriften, die neue Rechtschreibung anzuwenden, sowie die traditionellen Lesegewohnheiten der Deutschen hätten einen Kompromiss notwendig gemacht. Nach den Korrekturen an der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Silbentrennung sowie der Interpunktion entscheidet der Rat am 25. Februar über die letzten Veränderungen bei der Groß- und Kleinschreibung. Anfang März werden die Empfehlungen des Rates der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgelegt. Für die Schulen treten die Korrekturen am 1. August 2006 in Kraft. Insgesamt zieht der ehemalige bayerische CSU-Kultusminister eine positive Bilanz der bisherigen Arbeit des Rates für deutsche Rechtschreibung. Er sei mit dem Ergebnis „sehr zufrieden“, sagte Zehetmair ein Jahr nach Bestehen des Gremiums. Für das 2006 hofft er, nicht mehr so unter Zeitdruck zu geraten. „Der Rat soll in ruhigere Gewässer kommen", sagte er. Der Rat plane vorerst nicht, noch weitere Teile der Reform anzugreifen. Fremdwörter würden nicht sofort geändert. Hier werde man abwarten, welche Schreibart sich in der Öffentlichkeit durchsetzt.“ (31.12.2005)

Anmerkung: Es waren weder die Weigerung der Medien noch die Lesegewohnheit der Deutschen, die zur Gründung des Rates führten. Vielmehr fing schon die Zwischenstaatliche Kommission sofort nach ihrer Gründung im Frühjar 1997 – anderthalb Jahre vor dem Inkrafttreten der Reform – mit der Reparatur der fehlerhaften neuen Regeln an. Ihre Vorschläge wurden von der KMK abgelehnt. Im Sommer 2004 wurde die erste amtliche Revision durchgeführt. Der Rat für deutsche Rechtschreibung knüpfte hier an. Satzungsgemäß soll er den Sprachwandel beobachten und die Rechtschreibung daran anpassen, aber in Wirklichkeit ist er wie zuvor die Kommission mit nichts anderem als der Revision der mißlungenen Reform beschäftigt. Der „Zeitdruck“, unter dem der Rat bisher arbeiten mußte, existiert in Wirklichkeit nicht. Die Kultusminister mögen den Wunsch geäußert haben, spätestens im Sommer 2006 eine endgültige Regelung beschließen zu können, doch ist der Rat an solche Wünsche nicht gebunden. Sie decken sich allerdings mit dem Wunsch des Vorsitzenden und selbstverständlich auch der Mehrheit der Ratsmitglieder, die ja an der Durchsetzung der Reform interessiert sind.

Die zweite Anhörung fiel ganz aus.

Zehetmairs Anschreiben vom 10.2.2006:

Sehr geehrter Herr ....,

wie in unserem Schreiben vom 1. Dezember 2005 angekündigt, hat sich der Rat für deutsche Rechtschreibung auf seiner Februarsitzung mit Arrondierungen im Bereich der Groß- und Kleinschreibung befasst.

Die dazu ausgesprochene Empfehlung geben wir Ihnen im Anhang zur Kenntnis. Wir bitten nachzusehen, dass wir zu diesem Bereich kein Anhörungsverfahren durchführen werden. Zwei Punkte haben uns zu diesem Schritt bewogen: zum einen die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit und zum anderen das klare Votum des Rats in diesem Bereich, der sich bei einer Gegenstimme für die Empfehlung ausgesprochen hat.

Wir danken Ihnen nochmals für Ihre Stellungnahme zu den Bereichen der Getrennt- und Zusammenschreibung, Zeichensetzung und Worttrennung am Zeilenende. Die Stellungnahmen wurden auf der vergangenen Sitzung eingehend diskutiert und sollen – zusammen mit einer kurzen Zusammenfassung der Diskussion – demnächst auf unserer Website www.rechtschreibrat.com eingestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen
gez.
Dr. h. c. mult. Hans Zehetmair
Staatsminister a. D.
Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung“

Anmerkungen: Schon der Ausdruck „Arrondierung“ ist ein weiterer nicht hinnehmbarer Euphemismus (nach den „Anpassungen“ des ersten Anschreibens). Die reformierte Groß- und Kleinschreibung ist korrigiert und nicht „arrondiert“ worden.

Die Anhörung ist im Statut des Rates vorgeschrieben. Die erste Amtsperiode des Rates umfaßt sechs Jahre. Von „Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit“ kann also keine Rede sein. Der Vorsitzende verschweigt, daß die Kultusministerkonferenz den Rat unter einen Termindruck gesetzt hat, dem er in früheren Sitzungen noch mit dem Hinweis auf die Unabhängigkeit des Rates entgegengetreten war.
Der zweite Grund ist ebenso nichtig. Das Statut macht die Anhörungen nicht von Mehrheitsverhältnissen im Rat abhängig, sondern zielt ausdrücklch darauf ab, externen Sachverstand in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Schon die Tatsache, daß der Vorsitzende zur ersten Anhörung auf deutscher Seite fast nur die ohnehin im Rat vertretenen Verbände einlud (und zur zweiten Anhörung erst ein- und dann wieder auslud), verstößt gegen den Geist des Statuts und auch gegen den guten Geschmack. Die eingereichten Selbstbegutachtungen sind entsprechend peinlich ausgefallen.
Offenbar glaubte der Vorsitzende die notdürftig geflickte Reform nun ohne Rücksicht auf ein geordnetes Verfahren durchpeitschen zu können, weil die widerspenstigen Zeitungsunternehmen ihm zugesichert hatten, sich nach den Empfehlungen des Rates richten zu wollen. Dies führte am 15. Februar zu einer verwirrenden dpa-Meldung über ein bevorstehendes Einknicken der F.A.Z., was allerdings von den Herausgebern umgehend dementiert wurde. Am 6. März gab der SPIEGEL nach und stellte auch sofort auf eine Version der Reformschreibung um, die er offenbar für den Stand der „Empfehlungen“ hielt; am 7. März kündigten der Axel Springer Verlag und die FAZ Kompromißbereitschaft an. Alle drei waren von Zehetmair besucht und intensiv bearbeitet worden.

Während der Pressekonferenzen nach jeder Ratssitzung wirkte Zehetmair sachlich überfordert, wandte sich in Detailfragen hilfesuchend an die Geschäftsführerin und deren Chef, den IDS-Direktor, dem er alsbald die Sprecherrolle abzutreten pflegte. Beide machten sich, wie Augenzeugen berichten, offen über den unwissenden Vorsitzenden lustig. In der letzten Veranstaltung dieser Art am 3.2.2006 sagte Zehetmair:

„Wir können nicht anders, denn die deutsche Kultusministerkonferenz muß in ihrer Sitzung am 2./3. März eine Entscheidung herbeiführen und will sie herbeiführen, damit sie die Vorbereitungen für das Schuljahr, das am 1. August 2006 beginnt, so rechtzeitig noch machen kann, daß eben nicht wieder dann die Verunsicherung in den Schulen da ist.“

Für die Schulen ist es in Wirklichkeit gleichgültig, ob die dritte (eigentlich vierte) Rechtschreibreform innerhalb eines Jahrzehnts am 1. August 2006 verbindlich wird oder später. Der Vorsitzende hat Druck von der KMK zu spüren bekommen und nachgegeben, das ist alles. Das Konzept „Geiselnahme an den Schülern“ funktionierte von Anfang an, wie an der bayerischen Strategie seit 1996 gezeigt werden konnte.

Nachdem der IDS-Direktor verschiedene Einzelfragen beantwortet hat, ergreift Zehetmair nochmals das Wort: „Der Sprachwissenschaftler kann es letztlich auch nur subjektiv beantworten und empfinden. Der aus der Politik Kommende, Unverdorbene und Unverbildete sagt klipp und klar: es ist kein Ruhmesblatt, und im Grunde sind eher zu viele Wissenschaftler als zu wenige dabeigewesen, und eigentlich hat das Murren des Volkes und wer immer es ist, aus der Politik, dazu geführt, daß man zu einer neuen Besinnung gekommen ist.“

Hier nimmt einer der Hauptverantwortlichen das Privileg der Unverdorbenheit für sich in Anspruch. Dazu paßt der populistische Spott über die Wissenschaftler, der sich wie ein roter Faden durch viele Äußerungen des ehemaligen Kultusministers zieht. Aber auch vom Volk, auf das er sich gen beruft, scheint Zehetmair nicht viel zu halten. Zum Beifall, den die Bevölkerung der Wiederzulassung der groß geschriebenen Briefanrede Du zollte, bemerkt er: „Man glaubt gar nicht, welche Sorgen die da für sich gepachtet haben.“ Kein Wort des Bedauerns über die Anmaßung des Staates (auch des Ministers Zehetmair), den Sprachgebrauch in Privatbriefen reglementieren zu wollen.

In einem Gespräch mit dem „Rheinischen Merkur“, das am 16.2.2006 erschien, sagte Zehetmair u.a.:
„Als ich 1986 Minister wurde, war das schon im Gang; ich wurde nicht gefragt, ob ich zustimme. Man wollte meine Zustimmung haben, dass man alles kleinschreiben sollte. Als ich das erste Mal davon erfuhr, war meine spontane Reaktion: Da wird Bayern nicht mitmachen. Ich habe ein Veto eingelegt, das dazu führte, dass sich das Ganze wieder um Jahre verzögerte und schließlich auch nicht weiterverfolgt wurde. Man wollte auch den Heiligen Vater kleinschreiben! So habe ich 1995 gesagt, solange der Katholik Zehetmair Kultusminister in Bayern ist, werdet ihr es nicht hinkriegen, dass der Heilige Vater kleingeschrieben wird und der Schwarze Peter groß.“
„Ich habe nicht zugelassen, dass die Philosophie mit f geschrieben wurde, dass die Apotheke ihr h verlor. Ich habe gerade bei aus dem Griechischen kommenden Wörtern gesagt: Eine solche Entstellung der Sprache mache ich nicht mit. Da hat man diese 30 Korrekturen, die ich benannt habe, vorgenommen, und damit glaubte ich in etwa, das Wichtigste erledigt zu haben. Ich habe nicht registriert, dass dann Stengel mit ä geschrieben werden sollte, das 'Quäntchen Glück', 'gang und gäbe' und so weiter.“
Die Äußerungen bestätigen, daß Zehetmair die wirklichen Probleme auch im Rückblick so wenig kennt wie schon 1995. Auch seine Beispiele sind, wie in allen anderen Äußerungen, großenteils falsch. Weder stand seinerzeit Filosofie zur Debatte noch hat sich an gang und gäbe etwas geändert. Es ist nicht zu verstehen, wie er überhaupt auf solche Beispiele kommt, die auch im Rat niemals erwähnt worden sind. Seine Ahnungslosigkeit in der Sache führte ihn wohl auch zu der Ansicht, man könne über sprachliche Sachverhalten „Mehrheitsentscheidungen“ herbeimoderieren.
„Ich konnte ja nur dann Korrekturen durchbringen, wenn ich eine Zweidrittelmehrheit bekam.“ „Und wenn Sie ein Gremium mit vielen Professoren, mit Sprachwissenschaftlern und Didaktikern haben, ist es sehr schwierig, die in einen Konsens zu bringen und in eine Zweidrittelmehrheit, zumal eine Reihe von Persönlichkeiten dabei ist, die frühere Vorschläge der Kommission, die es jetzt zu korrigieren galt, selber eingebracht hatten.“
Wie schon in der Pressekonferenz nach der achten Sitzung macht Zehetmair – der übrigens gar nichts „durchgebracht“ hat – die Wissenschaftler für die Probleme verantwortlich. In Wirklichkeit sind es die Interessenvertreter und Verbandsfunktionäre, die aber von Zehetmair niemals erwähnt, geschweige denn kritisiert werden. Sie waren es, die unter Benutzung Zehetmairs als Maskottchen ihre Pläne durchsetzten, deutlich sichtbar am Wörterverzeichnis und an jenen Teilen der „Empfehlungen“, die am Rat und seinem Vorsitzenden vorbei von den Wörterbuchverlagen und der Geschäftsführerin verfaßt wurden.
Mit den widerspenstigen Zeitungen hatte er bereits erfolgreich verhandelt. Er glaubte daher, die „Gazetten“, wie er sie nennt (Duden: „Gazette - veraltet, noch abwertend für Zeitung“) in der Tasche zu haben. Nur deswegen konnte er auch den Verfahrensfehler riskieren, die zweite Anhörung abzusagen; sie schien ihm nicht mehr notwendig, wenn erst alles unter Dach und Fach wäre. „Ich bin ganz sicher, dass es sich letztendlich, auf Jahrzehnte gesehen, kein Printorgan leisten kann, eine völlig andere Rechtschreibung zu handhaben.“

Schlußbemerkung: Während Zehetmair anfangs – auch im Rat selbst – noch die Unabhängigkeit des Rates bei der Themenwahl, Prioritäten- und Terminsetzung hervorhob, paßte er sich im Laufe der Zeit immer mehr an die Wünsche der Kultusminister an. Die sachlichen Probleme hat er immer unterschätzt oder gar nicht in ihrem ganzen Umfang wahrgenommen. Daher glaubte er, schon im März 2006 eine Kompromißfassung vorlegen zu können, mit der sich die Bevölkerung abfinden werde. Bemerkenswert scheint noch, wie wenig ihn die Tatsache beeindruckt, daß ein großer Teil der Druckmedien die Reformschreibung – nicht aus Trotz, sondern nach gutwilliger Erprobung und schlechten Erfahrungen – wieder aufgegeben hat. Die schlichte Rückkehr zum Gewohnten („Stunde Null“) findet er „extrem“ und nennt das Bewährte die „ganz alte Schreibe“. Damit trifft er genau den Geist der überwältigenden Ratsmehrheit. So ist und bleibt der Rat für deutsche Rechtschreibung unter Zehetmair das Instrument zur Durchsetzung der Reform, als das er von der KMK geplant war. Zehetmair hat die Chance, das von ihm mitverursachte Elend zu beenden, nicht wahrgenommen, sondern den Zerfall der Sprachkultur ins Unabsehbare verlängert.



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Kommentare zu »Zehetmair«
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Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 10.03.2006 um 16.53 Uhr  
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Unter neuer Flagge oder: Dann mach´ ich mit´m Hämmerchen was kaputt.

Zehetmair, der nach eigenem Bekunden nie fahnenflüchtig wird, scheint große Lust zu verspüren, den Rechtschreibrat in Richtung "Sprachreinigung", "Müllbeseitigung" zu steuern. Da kann er dann wenigstens keinen Schaden mehr anrichten, und auch seine ursprünglichen Auftraggeber werden´s mit Wohlwollen sehen. Zu empfehlen wäre ein Zusammenschluß mit den anderen Sprachwaschanstalten: Deutscher Sprachrat und Verein Deutsche Sprache des umtriebigen W. Krämer. Der Verein sucht übrigens zur Zeit einen Ersatz für "Blackout" in der Bedeutung "kurzdauernde Bewußtseinsstörung". Na, wie wär´s? (Da sollte uns aufmerksamen Beobachtern des Reformirrsinns doch etwas einfallen.)
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 10.03.2006 um 22.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#3296

Was für eine Demontage! Und was für eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit! Da sitzt ein Mann einem Gremium vor, dessen Mitglieder großenteils das fachliche Niveau eines Pumuckl haben, während der Herr Vorsitzende selbst als Baby Schimmerlos durch die Lande tingelt und der KMK soviel Selbstbehauptungswillen entgegenstellt wie ein Schneeball einem Hochofen. Das freilich hindert, wir Herrn Icklers glänzende Dokumentation zeigt, unsere Zeitungsmacher nicht, den Pseudoexperten wieder und wieder zum Gespräch zu bitten. Hunderte von Zeilen, und immer nur die gleiche heiße Luft. Und am vorläufigen Ende der Farce war es dem Ahnungslosen nicht einmal peinlich, in gewissen Pressehäusern devot die Klinken zu putzen.
Nein, die sogenannte Rechtschreibreform, die, wie wir jetzt offiziell wissen (aber natürlich schon längst wußten), "falsch war" und nur aus "Staatsräson" vollstreckt wurde, ist mausetot. Unbegreiflich, daß manche Zeitungen ihr Kapital noch heute auf eine Bank zu tragen bereit sind, die so schonungslos ihren Bankrott erklärt hat.
Eines möchte ich an dieser Stelle aber auch nicht vergessen: Herrn Ickler für seinen eindrucksvollen Fleiß und seine nimmermüde sachkundige Beharrlichkeit herzlichst zu danken. Ich hoffe, damit auch für möglichst viele Nutzer dieses Forums zu sprechen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2006 um 09.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#3297

Dem Vorsitzenden Zehetmair haben wahrscheinlich nicht die Kultusminister, über deren Pressionen er im Rat berichtete, jeden Rest von Eigenständigkeit ausgetrieben, sondern die CSU. Sie dürfte ihn im Sommer 2005 daran erinnert haben, was er eigentlich ist. Zwar dürfte es in den oberen Rängen der Partei ebenso wie in der bayerischen Regierung niemanden geben, der die Rechtschreibreform befürwortet, aber solange die Parteilinie ihre Durchsetzung verlangt, haben sich alle daran zu halten. Geschlossenheit -- auch im Falschen -- ist bei der CSU ein noch höherer Wert als bei den anderen Parteien. Ich hatte verschiedentlich Berührung mit CSU-Führern, die genau die hier skizzierte Linie vertraten, und auch aus der Staatsregierung sind mir entsprechende vertrauliche Nachrichten zugegangen.
 
 

Kommentar von Johannes Faupel, verfaßt am 11.03.2006 um 10.43 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#3299

E. Stoiber: „... in Österreich, der Schweiz und anderen Ländern mit deutschen Minderheiten.“ Von einem demokratischen Prozeß, den keiner bemerkt hat.

Ministerialrat Krimms Märchen, frei nacherzählt von Edmund Stoiber:

(...) „Soweit es mich betrifft, hätte ich mit den bisherigen Schreibregeln gut auskommen können. Bayern hat denn auch die Neuregelung weder angestoßen noch vorangetrieben, sondern im Gegenteil in jahrelangen Verhandlungen alle weitergehenden Vorstellungen – wie zum Beispiel die radikale Kleinschreibung und die übertriebene Eindeutschung von Fremdwörtern – gebremst. Ich akzeptiere aber das Ergebnis der Reformbemühungen und bin strikt gegen einen bayerischen Sonderweg bei der Rechtschreibung. Niemand kann guten Gewissens anstreben, daß die Kinder in Bayern eine andere Rechtschreibung lernen als jene in den 15 anderen deutschen Ländern, in Österreich, der Schweiz oder anderen Ländern mit deutschen Minderheiten. Die Klammer der gemeinsamen Sprache, auch in ihrer schriftlichen Form, gilt es zu erhalten.

Ich kann jeden verstehen, der Vorbehalte gegen die Neuregelung hat und der Meinung ist, man sei mit der bisherigen Rechtschreibung gut gefahren. Auch mir erscheint die Rechtschreibreform in bestimmten Bereichen gewöhnungsbedürftig und gewisse Details benötigen möglicherweise noch der Präzisierung. Andererseits haben sich die neuen Rechtschreibregeln in einem Diktattest mit über 700 Schülern bereits bewährt. Die bis zu 40 % weniger Fehler, die bei diesem Test gemacht wurden, lassen darauf schließen, daß die neuen Schreibweisen eher dem Sprachgefühl der Schüler entsprechen als die herkömmlichen Orthographiebestimmungen. (...)

Die Rechtschreibreform ist nach einem überaus langen und schwierigen Verfahren unter Dach und Fach gebracht worden und, ob man diese Entscheidung innerlich mitträgt oder nicht, man sollte akzeptieren, daß auch in einem demokratischen Prozeß irgendwann ein Schlußpunkt gesetzt werden muß. Dieses Ende der Debatte sehe ich, ohne der von Ihnen veranlaßten gerichtlichen Überprüfung vorgreifen zu wollen, erreicht.“

Auszüge aus einem Brief des Bayerischen Ministerpräsidenten vom 15. Dezember 1996.

Trau keinem Deutschdiktat, das nicht die eigenen Leute formuliert haben.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 11.03.2006 um 11.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#3301

Stoiber hat doch recht, die Reformschreiber sind überall eine deutsche Minderheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2009 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#14692

In Zehetmairs Regierungserklärung von 1995 heißt es:
"Das Erlernen einer bestimmten Schreibweise unterliegt nicht dem Erziehungsrecht der Eltern, denn die Eigenheiten der Sprache entwickeln sich unabhängig davon und folgen auch nicht bestimmten Erziehungsvorstellungen. Mit andern Worten: Es geht um Schreibkonventionen, die angepaßt werden sollen, nicht um Erziehungs- und Bildungsziele. Es ist daher wohl doch nicht erforderlich, 16 Ländergesetze und auch noch ein Bundesgesetz zu erlassen."
So ähnlich hat es dann das Bundesverfassungsgericht übernommen, ohne auf den Widerspruch zu achten. Die Sprache "entwickelt sich", heißt es, und dann wird der Eingriff einer Handvoll Kultusminister unter diese Entwicklung subsumiert. Die Eltern haben nichts zu sagen (wollten ja auch gar nicht in die Sprache eingreifen), aber die Kultusminister können machen, was sie wollen. Karlsruhe hat denn auch dem Staat ausdrücklich auch gestaltende Eingriffe in die Sprache erlaubt. Das Karlsuher Urteil beruht auf weitgehend wörtlich übernommenen Gutachten von zwei Jura-Professoren, die einfach zu wenig von Sprache und Schrift verstehen.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 26.06.2009 um 14.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#14693

Das ist alles leider korrekt und zugleich auch sehr tragisch. Aber einen Trost gibt es doch, und der war noch dazu von den Deformern so nicht geplant (viel zu verblendet und von dem eigenen Machwerk überzeugt war man nämlich damals): der ganze Schwindel ist an die Akzeptanz der Bevölkerung gebunden. Und das bedeutet ganz klar ausgesprochen, daß die Rechtschreibreform immer verfassungswidriger wird, je weiter die Zeit, bei schrumpfender Zustimmung zu ihr, voranschreitet.

Nachträglich können nicht einmal die Kultusminister und ihre Durchsetzer das Karlsruher Urteil ändern. So fehlgeleitet es im einzelnen war, diese Begründung steht da schwarz auf weiß! (Zusätzlich könnte man den Kultusministerien ihre eigenen schriftlichen Machwerke präsentieren, um nachzuweisen, daß nicht einmal sie selbst – auf den jeweils einzelnen Reformstufen seit 1996 – das beherrschten, was sie bei der Bevölkerung durchzupeitschen versuchten und noch immer versuchen.)
 
 

Kommentar von Bernfried Janas, verfaßt am 26.06.2009 um 14.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#14694

Die Redlichkeit hätte es den Kultusministern geboten, nach dem Karlsruher Urteil das Unternehmen Reform umgehend zu beenden. Daran festzuhalten – um die viel zu geringe Akzeptanz bereits wissend – bedeutete ja nicht weniger, als den alten Grundsatz "Non scholae sed vitae" auf den Kopf zu stellen, und welcher Schulverantwortliche könnte das wollen? Das muß auch Ex-KuMi Z irgendwie gefühlt haben, sonst hätte er nicht solchen Wert auf eine Gleichschaltung der Medien gelegt. Die hatten denn auch ein Einsehen und mochten die düpierten KuMis nicht einfach so hängenlassen, nachdem ja auch Karlsruhe sie denn doch nicht hatte hängen lassen.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 29.06.2009 um 09.10 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#14701

Die vorausgesetzte „Akzeptanz“ im Urteil des Bundesverfassungsgerichtes v. 14.7.1998 stammt nicht von diesem, sondern ist der zustimmend zitierte Tenor des Schleswiger OVG-Urteils von 1997. Dieses hatte die Klage des Lübecker Ehepaares gegen die Einführung der „Reform“ ohne Gesetz verworfen, weil „Sprache“ (man beachte die nebulöse Vermengung mit „Rechtschreibung“) nicht gesetzlich regelbar sei, sondern auf Akzeptanz angewiesen sei. Das wirkte für die Kultusministerien wie ein Freibrief, erlaßweise für die Schulen quasigesetzliche Regelungen zu treffen. Als ich mich aber vor dem OVG Schleswig auf die (auch durch Volksentscheid) nachgewiesene Nichtakzeptanz berief, stellte dieses in einem „Beschluss“ v. 18.7.2008 fest, daß „es ein „richtig“ oder „falsch“ in Abhängigkeit von der gesellschaftlichen Akzeptanz nicht geben könne.“ – Gegen solche Rabulistik haben Recht und Demokratie keine Chance. Es bleibt uns wohl nur die außergerichtliche Nichtakzeptanz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.06.2009 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#14703

Wie schon oft berichtet: Das Bundesverfassungsgericht war entschlossen, die Rechtschreibreform passieren zu lassen, aus welchen Gründen auch immer. Jedenfalls hat mir ein Eingeweihter schon knapp drei Wochen vor der Anhörung mitgeteilt, die Entscheidung stehe bereits fest: zugunsten der Kultusminister. Eine Journalistin erfuhr auch den Namen des Richters, der dies verraten hatte. Leider darf ich ihn hier nicht nennen.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 29.06.2009 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#14704

Darf die Journalistin ihn denn nennen? Hat sie es bereits getan?

Alles in allem ein Skandal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.06.2009 um 17.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#14705

Es gibt ja keine Beweise, deshalb ist viel zu riskant, den Namen zu nennen. Und es ist ja letzten Endes auch egal. Es genügt, das Urteil und die famosen Gutachten der beiden Juraprofessoren zu studieren, dann weiß man Bescheid.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2016 um 11.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#33598

Heike Schmoll berichtet über Friedrich Denks neue "Frankfurter Erklärung" (FAZ 20.1.0.16). Der Titel "Späte Reue" bezieht sich auf Zehetmair, der, freundlich wie immer, zu Denk gesagt hat: Im Grunde war die klassische Rechtschreibung nach meinem Empfinden die bessere.
"Späte Reue"? Ach was! Solche privaten Äußerungen gab es von ihm schon immer. Zehetmair hat die Reform gerettet, auch wenn sie dabei Federn lassen mußte, und den Kultusministern geholfen, das Gesicht zu wahren.

Vorschlag für ein wirkliches Reuebekenntnis: "Ich habe von Anfang an gewußt, daß die Rechtschreibreform sinnlos und schädlich ist, aber ich hatte nicht den Mut, zu meiner Überzeugung zu stehen. Zum Teil noch strenger als meine damaligen Kollegen habe ich die Reform durchsetzen lassen und dadurch viel Leid und einen Milliardenschaden verursacht. Falsch war es auch, mich in den Dienst der Bertelsmann AG zu stellen. Für all dies bitte ich um Verzeihung."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2016 um 17.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=446#33717

Im Gespräch mit der "Presse" (24.10.16) bezeichnet Zehetmair die Übernahme des Vorsitzes im Rechtschreibrat als "Büßergang". Ich nehme an, daß er das wirklich so sieht und damit auch die Absicht bezeugt, etwas wiedergutzumachen und nicht vordringlich, die Reform noch zu retten.
Er glaubt auch weiterhin, 1995 noch Schlimmeres verhütet zu haben.
Nun, dann will ich auch nicht weiter stören; er verläßt ja nun auch die Bühne und braucht uns nicht weiter zu beschäftigen,
 
 

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