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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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23.11.2005
 

spazierengehen
Infinitiv als Adverb?

Im Jahre 1954 veröffentlichte Heinrich Hempel einen immer noch lesenswerten Aufsatz „Wortklassen und Bedeutungsweisen“.
Darin schrieb er: "Namentlich ist, wenn ich mich nicht täusche, in 'ich gehe, bin spazieren' der Infinitiv nicht mehr als solcher, sondern eher als Adverb gefühlt."

Eine feine Beobachtung, die übrigens, wie Stefan Stirnemann neulich herausgefunden hat, auch schon bei Karl Ferdinand Becker steht.



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Kommentare zu »spazierengehen«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2010 um 06.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=294#15694

„Semantisch kommt der Typ 1b [Egon geht schwimmen] einem finalen Adverbial nahe. Der Vergleich von Karl fährt Milch holen mit dem finalen Infinitiv Karl fährt, um Milch zu holen zeigt aber, daß nicht Finalität im engeren Sinne vorliegt. Finalität ist eine Relation zwischen voneinander getrennten Sachverhalten. Eine solche Trennung ist bei Karl fährt Milch holen nicht gegeben.“ (Eisenberg II, 1999:341)

Wieso denn nicht? Sie ist nur bei spazierengehen (und betteln gehen) nicht gegeben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.02.2010 um 11.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=294#15698

Mir scheint hier die Frage eine Rolle zu spielen, was genau man sich unter »Milch holen« vorstellt. Wenn man »holen« im Sinne von einholen, einkaufen versteht, dann fährt Karl (z. B. mit dem Fahrrad oder dem Wagen) los, um im Geschäft etwas zu tun, nämlich Milch holen. Faßt man »holen« dagegen als das Herbeischaffen auf, also in dem Sinne, daß Karl dafür sorgt, daß die Milch vom Geschäft in sein Haus gelangt, dann sind holen und fahren bzw. das Milchholen und das Milchholenfahren eins. In diesem Fall würde nicht das Holen das Wozu des Fahrens bezeichnen, sondern das Fahren das Wie des Holens.

Könnte das die unterschiedlichen Bewertungen erklären?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2010 um 12.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=294#15699

Guter Gedanke! Das Beispiel ist weder von Eisenberg noch von mir glücklich gewählt.
Besser wäre (aus meiner Belegsammlung) Er fährt nach Frankfurt die Messe besuchen. Und ohne Fortbewegungsverb:
Aber meistens sitze ich natürlich im italienischen Eiscafé Teenager beobachten. (Eckhard Henscheid: Geht in Ordnung – Sowieso – Genau. Frankfurt 1979:20)

(Man kann so testen: Er geht in die Stadt, und zwar Milch holen. Aber: *Er geht, und zwar spazieren. – Mehr dazu hier.)
 
 

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