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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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16.07.2012
 

Bindestrichschwund
Pragmatischer Gebrauch

Viele "obligatorische" Bindestriche werden weggelassen.
In der professionellen Textwirtschaft (Werbung, Bedienungsanleitungen usw.) stehen weniger Bindestriche, als nach der amtlichen Regelung vorschrieben sind. Man schreibt ein Full HD 3D-Erlebnis usw. Die Bindestriche würden hier pedantisch wirken (wie auch in Namen von Firmen, Hochschulen usw.). Englischer Einfluß mag mitspielen.



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Kommentare zu »Bindestrichschwund«
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 20.07.2012 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#21109

Wikipedia schreibt durchweg Bodmer Papyri, auch in Verweisen auf diesen Artikel. Man kann darin eine Angleichung an die englische Schreibung sehen, also gewissermaßen eine internationale Schreibweise.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 30.07.2012 um 09.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#21167

A propos Bindestrich: Mir ist erst vor kurzem aufgefallen, daß laut § 40 E die Bindestrichsetzung bei "Kurzformen" (was ja schon reichlich vage ist) amtlich untersagt worden ist:

"E: Aber ohne Bindestrich bei Kurzformen von Wörtern (Kürzeln), zum Beispiel: Busfahrt, Akkubehälter"

Damit sind Uno-Inspektoren, Nato-Operation oder Aids-Infektion amtlich falsch, und man muß nun aufpassen bei Aluunterlage (Bindestrich nicht zulässig) und Blechunterlage/Blech-Unterlage (Bindestrich zulässig). Ebenso Laserreflektor (nur so), aber Lichtreflektor/Licht-Reflektor.

Das war gewiß nicht so beabsichtigt, aber die verrückten Folgen der Regelformulierung im Bindestrichkapitel werden m.E. häufig unterschätzt.
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 30.07.2012 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#21171

"Damit sind Uno-Inspektoren, Nato-Operation oder Aids-Infektion amtlich falsch, und man muß nun aufpassen bei Aluunterlage (Bindestrich nicht zulässig) und Blechunterlage/Blech-Unterlage (Bindestrich zulässig). Ebenso Laserreflektor (nur so), aber Lichtreflektor/Licht-Reflektor."

Nicht ganz.

§ 40:
"Man setzt einen Bindestrich in Zusammensetzungen mit Einzelbuchstaben, Abkürzungen oder Ziffern."

"Dies betrifft [...] Zusammensetzungen mit Abkürzungen und Initialwörtern, zum Beispiel: [...] UNO-Sicherheitsrat [...]"

Busfahrt und Akkubehälter sind wahrscheinlich nicht die glücklichsten Beispiele, weil Bus und Akku i.a. gar nicht mehr als Kurzwörter empfunden werden (genauso wie Auto). In jedem Falle liegt hier aber eine andere Art der Kurzwortbildung vor als bei den vorigen Beispielen, darauf zielt wohl der Zusatz ab.

Was die Aluunterlage angeht, könnte ich mit § 45 argumentieren: Wenn der Bindestrich das Verständnis erleichtert, kann man ihn setzen.


Zum ursprünglichen Eintrag: Die Bindestriche wirken da in der Tat etwas pedantisch, aber der eine Bindestrich in "Full HD 3D-Erlebnis" wirkt ebenso seltsam, oder?
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 01.08.2012 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#21188

Lieber Herr Blombach,

die Frage ist doch gerade, wo Initialwörter aufhören und die Kurzformen anfangen. Die Grenze ist notorisch unscharf (vgl. Aids, Laser). Es ist eine ähnlich schwierige (und von den Schreibenden nach der Reform dennoch zu treffende) Unterscheidung wie die zwischen Zusammensetzung und Ableitung.

Was Ihren Hinweis auf § 45 angeht, so geht es doch gerade darum, daß hier, wie so oft im Regelwerk, einander widersprechende Anweisungen vorliegen. Nach § 40 E spielt es keine Rolle, ob die Zusammensetzung schlecht lesbar ist oder nicht: "Aber ohne Bindestrich bei Kurzformen". Es kommt ja noch hinzu, daß § 40 vor § 45 steht, obwohl m.E. der Inhalt des § 45 besser am Anfang des Kapitels stünde. Es gibt auch keinen Verweis von § 40 E auf § 45.

Selbst wenn Sie also recht hätten (aber wer kann das schon mit Sicherheit sagen?), bleibt doch festzuhalten, daß auch dieses Kapitel mißverständlich formuliert und keineswegs zu vernachlässigen ist, wie beispielsweise Prof. Eisenberg meint.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2012 um 08.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#21189

Full HD 3D-Erlebnis war nur ein authentisches Beispiel, das mir gerade begegnet war, so etwas kommt auch ganz ohne Bindestriche vor. Der Bindestrich in diesem Beispiel steht an der Stelle, wo das "semiotisch Heterogene" endet und die normale deutsche Sprech- und Schreibweise wiedereinsetzt. Insofern ließe er sich begründen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.09.2012 um 13.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#21462

Sollte man z.B. Auto-Biographie schreiben, wenn es sich um den Lebenslauf eines Autos handelt?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.03.2014 um 18.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25411

Eine Start- und Landebahn ist nur eine Bahn, also wäre theoretisch die richtige Schreibung: Start-und-Lande-Bahn. So steht es denn auch im Duden.

Interessant ist, wie Wikipedia damit umgeht:
Die Start- und Landebahn (SLB; orthografisch korrekte Schreibweise: Start-und-Lande-Bahn) ist die (meist befestigte) Fläche eines Flugplatzes ...
Und im ganzen restlichen Artikel heißt es dann Start- und Landebahn, was ja nach eigener Darstellung nicht "orthografisch korrekt" ist.

Auf der Diskussionsseite des Artikels hat denn auch ein Benutzer am 13. September 2013 unter der Überschrift "orthografische Korrektheit" die Frage gestellt (Zitat): Warum und inwiefern ist Start-und-Lande-Bahn orthografisch korrekt, Start- und Landebahn aber nicht?

Eine Antwort hat er bisher nicht bekommen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.03.2014 um 19.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25412

Unter einer Start-und-Lande-Bahn verstehe ich eine Bahn, auf der sowohl Starts als auch Landungen stattfinden. Eine Start- und Landebahn ist für mich eine Bahn, die sowohl Startbahn als auch Landebahn ist. Im Ergebnis sehe ich keinen inhaltlichen Unterschied. Nach meinem Empfinden handelt es sich nicht um orthographische Alternativen (richtig/falsch) oder Varianten, sondern um zwei verschiedene Bezeichnungen ein und derselben Sache.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.03.2014 um 20.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25414

Herr Metz hat recht. Ich habe die Argumentation aus der Perspektive derer geschrieben, die Start-und-Lande-Bahn fordern (Duden). Ich hatte nicht deutlich gemacht, daß ich mich dieser Argumentation nicht anschließe. Sie geht von der Überlegung aus, daß eine wohldefinierte Sache nicht mit einer Formulierung des Typs "A und B" bezeichnet wird, sondern mit einem einzigen Wort; daher müsse das und Bestandteil eines einzigen Wortes sein, einer Zusammensetzung.

Die Sprecher sprechen keine Bindestriche, sie werden sich nicht mit dieser Frage aufhalten. Die Leser haben offenbar keine Probleme mit Start- und Landebahn. Sie haben vielmehr Probleme mit Start-und-Lande-Bahn.

Das spricht für die Interpretation, daß die Sprachteilhaber es für in Ordnung halten, einen einzigen Gegenstand gegebenenfalls mit einer Wortgruppe des Typs "A und B" zu benennen. So wie eine einzige Person, sagen wir Friedrich Schiller, "Dichter und Philosoph" sein kann. So etwas Zerhäckseltes wie Start-und-Lande-Bahn stellt sich in der Tat kein Sprecher und kein Hörer vor. Folglich kommt kein Schreiber von sich aus auf die Idee, dieses Gestotter zu Papier zu bringen.

Aber die Frage bleibt: Wenn jemand diese Bezeichnung ausspricht, wie viele Wörter sind es eigentlich: eines oder drei? Oder zweieinhalb?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.03.2014 um 20.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25415

Es kommt noch hinzu, daß die betreffende Piste nicht im selben Moment Start- und Landebahn zugleich sein kann. Erst wenn ein Flugzeug gestartet ist, steht sie wieder für einen weiteren Start oder für eine Landung zur Verfügung.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.03.2014 um 21.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25416

Ich denke, man sollte die Schreibweise von Analogien wie der folgenden herleiten:
der Englisch- und Französischlehrer Herr X
ein Englisch- und Französischlehrer

Analog:
eine Start- und Landebahn

Beim Lehrer wäre auch möglich:
der Englisch- und Französisch-Lehrer Herr X
ein Englisch- und Französisch-Lehrer

Niemand würde jedoch schreiben, obwohl korrekt:
der Englisch-und-Französisch-Lehrer Herr X
ein Englisch-und-Französisch-Lehrer

Bei Gelegenheitskonstruktionen wie Englisch- und Französischlehrer wird die Zusammenfassung zu einem Kompositum nicht gefordert, warum auch? Wenn das korrekt ist, sollte Start- und Landebahn ebenfalls korrekt sein. Oder warum soll hier etwas anderes gelten?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.03.2014 um 22.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25417

Den Unterschied zur Start- und Landebahn oder Start-und-Lande-Bahn illustriert ganz gut das "Katz- und Mausspiel", das wir hier schon mal hatten und das natürlich nur ein "Katz-und-Maus-Spiel" sein kann:
www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#9232


Ein zweiter Verweis auf einen Text mit Katz- und Mausspiel wurde entfernt, weil dort die Schreibweise nicht besprochen wird. – Red.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 18.03.2014 um 22.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25418

"Es kommt noch hinzu, daß die betreffende Piste nicht im selben Moment Start- und Landebahn zugleich sein kann." Nein, das kommt nicht hinzu. Die "Start- und Landebahn 3" ist eine "Start- und Landebahn", selbst wenn im Moment kein Flugzeug darauf landen will oder zum Abflug bereit steht. So ist Herr X auch zeit seines Beruflebens der Englisch- und Französischlehrer Herr X, auch in der Englischstunde, wenn er nur Englisch lehrt, und natürlich auch in der Französischstunde, wo er nur Französisch lehrt, und auch, wenn er mal nichts lehrt oder schon pensioniert ist. Warum ich aber immer "Start- und Landebahn 3" schreiben würde und ebenso nur "der Englisch- und Französischlehrer Herr X", das weiß ich auch nicht. Bei größeren Flughäfen könnte wohl die "Bahn 1" für Flugzeuglandungen frei sein und die "Bahn 2" für Flugzeuge, die abfliegen wollen. - Zu Herrn Wrases bleibender Frage: "[W]ie viele Wörter sind es eigentlich: eines oder drei? Oder zweieinhalb?" Vielleicht spreche ich "Start- und Landebahn [3]" (mehr) als ein Wort, "Englisch- und Französischlehrer" aber nicht als nur ein Wort. Aber ich gebe auch zu, daß ich eigentlich nicht weiß, was ein Wort ist. (In einer Diskussion dieser Frage sagte ein alter Professor: Words are what's in the dictionary. So einfach ist's aber nicht mehr, wo wir deshalb eher von freien und gebundenen Morphemen sprechen und m. E. "und" trotz abgetrennter Schreibung kein freies Morphem ist.)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.03.2014 um 23.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25420

Ich gebe Ihnen recht, Herr Ludwig. Man könnte auch sagen, daß eine Start- und Landebahn immer auch eine Startbahn ist, auch dann, wenn gerade kein Flugzeug auf ihr startet, sondern landet, oder wenn dort gerade gar nichts passiert – so wie ein Schwimmbecken auch dann eines ist, wenn gerade niemand darin schwimmt. Ich glaube allerdings, daß Herrn Markner mit seinem Hinweis nicht gegen die Schreibung Start- und Landebahn argumentieren, sondern just Herrn Wrases Kritik an Start-und-Lande-Bahn beipflichten wollte, weil die Durchkopplung die vermeintliche Gleichzeitigkeit noch betont.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2014 um 06.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25421

Ich schließe mich Herrn Wrase an und möchte die Dinge noch einmal so formulieren, wie ich sie erklären würde. Start- und Landebahn ist mit einem Auslassungsstrich geschrieben, weil es eine elliptische Fügung ist. Auf einem anderen Blatt steht, daß Englisch- und Französischlehrer sowohl Zweisprachenlehrer als auch die Englischlehrer und die Französischlehrer je für sich bedeuten kann. Das hat mit unserem Problem nichts zu tun.
Start-und-Landebahn ist mit Durchkoppelungsbindestrichen geschrieben und deutet an, daß aus den Stämmen von starten und landen ein Augenblickskompositum gebildet (univerbiert) worden ist, dessen Stamm in ein weiteres Kompositum eingeht. Das ist zumindest stilistisch "markiert". Vgl. Du mit deiner Damit-will-ich-nichts-zu-tun-haben-Mentalität.

Zusammengefaßt: Start- und Landebahn ist die normale Lösung, da sie nichts weiter als die gewöhnliche Sparsamkeit im Ausdruck voraussetzt.

In der Grammatik kommt es sehr oft vor, daß verschiedene "Programme" zum selben oder wenigstens einem gleichwertigen Ergebnis führen. Zum Beispiel sind Frauen haben es schwer und Die Frau hat es schwer in den meisten Fällen austauschbar, obwohl ganz verschiedene Programme zugrunde liegen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2014 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25422

Zur Univerbierung vgl. noch „Was ist EIN Wort?“

Zum Teil wird durchgekoppelt, zum Teil nicht:

Auch politisches Bewußtsein bitte ich Sie, nicht als fix-und-fertige Kategorie zu übernehmen. (Urs Jeggle, Hg.: Lebensgeschichte und Identität. Frankfurt 1981:141)

33 fix und fertige Vertretungsstunden (Buchtitel)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 19.03.2014 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25423

Es ist richtig, daß die Englisch- und Französischlehrer sowohl die Zweisprachenlehrer sein können als auch die Englischlehrer und die Französischlehrer je für sich. Aus diesem Grund hatte ich meine Beispiele so formuliert:
der Englisch- und Französischlehrer Herr X
ein Englisch- und Französischlehrer

Damit war der Fall ausgeschlossen, daß es sich um verschiedene Arten von Lehrern bzw. um verschiedene Personen handelt.

Ich finde, daß das Beispiel sogar um so mehr zur Veranschaulichung taugt. Gerade weil es auch Lehrer gibt, die nur eine Sprache unterrichten (Englischlehrer bzw. Französischlehrer), hätte man Anlaß, im Fall der Zweisprachenlehrer eine eindeutige Schreibung zu wählen: Englisch-und-Französisch-Lehrer.

Man tut es aber nicht. Bei einer einzelnen Person wird man ein Englisch- und Französischlehrer schreiben. Wenn im Plural Zweideutigkeit drohen sollte, werden die Schreiber vermutlich auf eine andere Konstruktion ausweichen, anstatt sich und den Lesern Englisch-und-Französisch-Lehrer zuzumuten.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.03.2014 um 20.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25502

Ich habe ein Tier gefunden, das absolut widerstandsfähig gegen den Bindstrich zu sein scheint: die Ge Pel-Fischeule. Laut Wikipedia wird sie auch Binden-Fischeule genannt. Aus meiner Sicht sollte sie Bindestrich fehlt-Eule genannt werden.

Man findet keinen einzigen Beleg für die Suchkombination "Ge Pel-Fischeule" und "Bindestrich". Die Schreibweise scheint bisher niemandem unangenehm aufgefallen zu sein. Skandalös!
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 30.03.2014 um 21.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25515

Da fehlt es wohl nicht nur an dem Bindestrich, lieber Herr Wrase. Ich halte – bis zum Beweis des Gegenteils – die Bezeichnung Ge Pel-Fischeule für Unfug. Was soll das vorangestellte "Ge" denn bedeuten? Haben Sie bei Ihrer Suche einen einzigen Beleg gefunden, der nachweislich älter ist als diese Wiki-Seite (vom 07.10.2009)?

Das Tier heißt Afrikanische Fischeule, auch Binden-Fischeule oder eben Pel- bzw. Pels Fischeule, nach seinem Entdecker H. S. Pel, einem niederländischen Kolonialbeamten.

Es erstaunt daher nicht, daß es zuerst in der niederländischen Wikipedia beschrieben wird (05.02.2006). Der Artikel beginnt: "De Pels visuil is een uil uit de familie Strigidae..." und schließt: "De Pels visuil leeft aan beboste oevers van meren, rivieren en moerassen."

Aus dem De ist im Nu ein Ge gepfuscht – und der Vogel im Deutschen umbenannt. So etwas erscheint einem zwar schier unmöglich, aber wie ließe sich der Vorgang anders erklären? Vielleicht haben Sie eine plausiblere Idee.

Jedenfalls trägt das Tier auf einer Site, die dem deutschen Wiki-Eintrag klar vorausliegt (30.01.2007), neben den beiden ob[en]genannten, schlicht den Namen Pel-Fischeule (siehe hier: http://www.tierseiten.com/eulen/eulensystematik.html).
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 31.03.2014 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25517

Lieber Herr Herter, vielen Dank für die Recherche! Diese wäre eigentlich meine Aufgabe gewesen. Ich habe zwar auch ein bißchen gegoogelt, aber nicht genügend.

Mir fiel auch gleich auf, daß da etwas mit dem Namen nicht stimmen kann (unabhängig von der Schreibweise). Dazu gab es viel zu wenig Einträge. Es gibt ja viele Vogelfreunde, bei einer Eulenart wären mehr Fundstellen zu erwarten gewesen. Dann hatte ich mir Englisch angesehen: Nur Pel's, kein Ge. Und schließlich war ein gewisser Ge Pel gar nicht auffindbar. Dann hatte es mir gereicht.

Kurz, ich stimme Ihnen zu. Der Fall offenbart das Rechtschreibniveau der Wikipedianer, denn bei der Schreibweise hätte doch mal einer der Biologen stutzig werden müssen, in deren Listen der Artikel immer wieder auftaucht. Letztlich wird damit belegt, daß man in Wikipedia irgendeinen orthographischen und sonstigen Käse schreiben kann, der sich erstaunlich lange hält und auch außerhalb vervielfältigt wird (z. B. automatische provisorische Einträge in Online-Lexika).
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 23.04.2014 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25646

Hurra! Aus der Ge Pel-Fischeule ist bei Wikipedia ordnungsgemäß die Pel-Fischeule geworden und nunmehr sogar die Bindenfischeule (laut Lemma) beziehungsweise die Binden-Fischeule (laut dem ersten Satz).

Des Rätsels Lösung: In der Quelle, einem englischen Standardwerk namens Owls of the World, wurden offenbar Namen in fremden Sprachen angegeben, so auch für Deutsch Pel-Fischeule mit vorangesteller Abkürzung Ge – für German.

Unsere Diskussion war ausweislich der Versionsgeschichte zumindest der Auslöser für diese erfreuliche Wendung.
 
 

Kommentar von de blinde vink, verfaßt am 24.04.2014 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25657

Lieber Herr Wrase, Ihre Freude freut mich. Sie haben lediglich ein weniges zu früh in den Wiki-Artikel geschaut. Jetzt ist die öde Eule jedenfalls erlegt und erledigt. Ich aber bin so jagdmüde, daß ich im Moment nicht näher darauf eingehen mag.

Sie haben das Untier gesichtet, ich hab es verfolgt und vernichtet.

Und was im übrigen die Bindestriche, vielmehr den Mangel an solchen angeht, so dürfen wir uns wenigstens am portugiesischen Namen unseres Vogels erfreuen: Corujão-pesqueiro-de-pel.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 24.04.2014 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#25658

Ja, es ist jetzt noch besser geworden. Vielen Dank fürs doppelte und dreifache Jagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2015 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#30521

Radkappenweitwurfweltmeisterschaft

Niemand weiß so recht, ob und wo er Bindestriche setzen soll.

Seit 2007 findet in Meppen (Emsland) jährlich die Radkappenweitwurf-Weltmeisterschaft statt. (Wikipedia)

Hier bei uns anscheinend auch, jedenfalls liegen neben den Landstraßen unzählige Radkappen im Graben, so daß ich wirklich fürchten muß, irgendwann von einem solchen Ding abgeschossen zu werden. Sind die wirklich so schlecht befestigt?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 21.11.2015 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#30632

Was machen kleine Kinder, wenn sie ein großes Geschäft machen?

Aa
aa
AA
A-a
a-a
A-A

Ich wette, daß so gut niemand weiß, was im Duden dazu angegeben ist. (Wozu auch?) Wikipedia gibt eine andere Auskunft als Duden, die etwas näher an der Schreibwirklichkeit ist. Interessant: Das Wort ist auch schon im Grimmschen Wörterbuch verzeichnet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.11.2015 um 10.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#30633

Wikipedia (in einer richtigen Enzyklopädie hätte das Wort nichts zu suchen) folgt dem Duden. Im Wiktionary ist hingegen A-a der Haupteintrag.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 21.11.2015 um 13.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#30635

Wieso? Wikipedia gibt zwei Schreibweisen an, Duden nur eine.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.11.2015 um 14.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#30636

Keine Ahnung, warum die dem Duden folgen. Tun die halt.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 21.11.2015 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#30637

Wenn Wikipedia zwei Schreibweisen angibt und Duden nur eine, kann man doch nicht sagen, Wikipedia folge dem Duden. Aber egal. Ich hatte den Beitrag in dieser Form auch nur geschrieben, weil ich finde, daß die Selbstbefragung, welche Schreibweise man selber wählen würde, in diesem Fall recht interessant ist.

Was mir als erstes im Duden auffällt, ist der Verzicht auf einen Bindestrich. Diese Schreibweise ist nicht gerade leserfreundlich. Der eine oder andere Leser wird Aa machen lesen wie Ah machen. Ich behaupte mal, wenn man die Schreibweise heute erfände, würde man vorzugsweise A-a schreiben. Vielleicht auch a-a, wenn man eher die Lautfolge der verhüllenden Benennung abbilden möchte und insofern kein Substantiv vor sich sieht.

Im Internet findet man auch AA machen. Diese Schreibweise ist nach meinem Eindruck ebenfalls aus dem Bedürfnis entstanden, auf die getrennte Aussprache der beiden Vokale hinzuweisen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2015 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#30638

Das liest man fast nie in den anständigen Büchern, und andere lesen wir nicht. Gestern abend zufällig in einem englischen Buch gelesen: A A (Hugo Hamilton: The speckled people) - Das hat das irische Kindermädchen von der deutschen Mutter der Hamilton-Kinder übernommen.

(Wer gerade etwas Zeit hat, z. B. auf einer Bahnfahrt mit der üblichen Verspätung, könnte auch an Hamiltons "Every single minute" seine Freude haben, vor allem wenn er Berlin kennt.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.11.2015 um 18.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#30639

Wikipedia leitet von der üblicheren Schreibweise A-a auf die Duden-Schreibung Aa um. Variantenführung halt. Dem Duden zu folgen heißt ja nicht, ihn exakt zu kopieren.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.11.2015 um 00.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#30640

Die Frage, ob man bei dem genannten Unterschied noch von "folgen" sprechen kann, können wir bei Gelegenheit anhand eines seriöseren Gegenstandes vertiefen.

Ich selber finde wie gesagt den Fall durchaus interessant, weil verschiedene Schreibungen denkbar sind und auch vorkommen. Insbesondere finde ich, daß sich die Frage nach dem Bindestrich aufdrängt, der im Duden nun mal nicht auftaucht; deshalb hatte ich den Beitrag dieser Rubrik zugeordnet, in dem es um die Vermeidung von Bindestrichen geht (wenn auch meist anderer Art).

Weiterhin hatte ich mit meinem launigen Beitrag die Idee verbunden, die Verknüpfung von kindisch-ordinärem Beispielwort und Duden-Kritik könne zu einer gewissen Auflockerung beitragen; ähnlich wie uns damals die Kapitel-Überschrift Pups im Schildbürger-Büchlein erheitert hat, mit der das Niveau der Rechtschreibreform gewissermaßen kürzestmöglich ausgedrückt war. Aber vielleicht liegen die Dinge hier ein wenig anders. Mancher hat meinen Einwurf vermutlich als Aa-Beitrag (A-a-Beitrag) wahrgenommen.

Eine gewisse Ähnlichkeit hat übrigens die die Duden-Angabe Ia für eins a. Als ob 1a überhaupt nicht in Frage käme! Dabei ist 1a eine einwandfreie Schreibweise und liest sich auch eindeutig, im Gegensatz zu Ia, das den Leser zum Iahen veranlassen könnte. Aber das hat nichts mehr mit dem Bindestrich zu tun und sollte deshalb hier auch nicht weiter vertieft werden. Nur als weiteres Beispiel für fragwürdige Duden-Festlegungen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.11.2015 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#30647

In einer Frakturumgebung sieht Ia in Antiqua gut aus, das Ia in Fraktur des Esels hingegen ist vom Ja praktisch nicht zu unterscheiden. Es muß also I-a geschrieben werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2017 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#34793

Zum "Deppenleerzeichen" gibt es eine eigene Website:

https://deppenleerzeichen.de/

Ertragreicher ist dies:

https://de.wikipedia.org/wiki/Leerzeichen_in_Komposita
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2017 um 09.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35758

In der WAZ wurde berichtet:

„Marien Hospital ist falsch geschrieben“, sagt die kaufmännische Leiterin des Krankenhauses. Und zwar so: „Marienhospital“. Die schon vor Jahren erfolgte Änderung ist der HCR nicht bekannt gewesen.

Dies kommentiert ein Journalist so:

Zur Schreibweise der neuen HCR-Haltestelle „Marienhospital“: Da irrt die kaufmännische Leiterin des Krankenhauses, denn für die Rechtschreibung gibt es feste Regeln. Und nach denen schreibt man zusammengesetzte Substantive zusammen. Die HCR wäre also gut beraten, das Schild so zu belassen, will sie nicht in eine endlose Debatte über Rechtschreibung hineingezogen werden. Die Entscheider im Krankenhaus haben offenbar beschlossen, die Ortsbezeichnung Herne mit in die Namensbezeichnung aufzunehmen. Angesichts der überregionalen Bedeutung des Hauses als Lehrkrankenhaus der Universität Bochum macht das Sinn. Bei sehr langen Worten und bei aus mindestens drei Worten zusammengesetzten Substantiven kann man getrennt schreiben, dann sind freilich Bindestriche vorgeschrieben. Vermutlich war „Marien-Hospital-Herne“ den Damen und Herren aus der Geschäftsleitung des Krankenhauses aus optischen Gründen nicht genehm, als sie anders entschieden haben. Orthographisch richtig wird ihre Schreibweise dadurch nicht.

Nun hat jeder das Recht, sein Unternehmen so zu nennen, wie es ihm richtig erscheint, und dieses Krankenhaus heißt offensichtlich Marien Hospital Herne, vgl. etwa:
https://www.google.de/search?q=marien+hospital+herne&source=lnms&tbm=isch&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwizl-GJ6ZnVAhUHKVAKHRLCBPEQ_AUICCgD&biw=1280&bih=878#imgrc=rQZT8Xpd6glvoM:
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.07.2017 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35759

Wenn ein Krankenhaus sich „Kranken Haus“ nennt, ergibt sich daraus aber für andere nicht unbedingt die Pflicht, es ebenso zu nennen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.07.2017 um 12.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35760

Eben. Der Verkehrsbetrieb hat richtig entschieden.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 21.07.2017 um 17.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35764

Nach meinem Sprachgefühl sollte das erste Substantiv im Genitiv stehen: der Kranken Haus, der Marien Hospital.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2017 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35765

Das wundert mich aber sehr.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.07.2017 um 20.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35770

Ich verstehe Germanist so, daß er selbstverständlich das Krankenhaus schreiben würde, aber wenn schon jemand auf die seltsame Idee käme, Kranken Haus getrennt zu schreiben, dann würde dieser "Name" durch den Genitiv wenigstens einigermaßen legitimiert. In diesem Sinne jedenfalls würde ich das auch so sehen.

Was mich aber wirklich wundert, ist, daß der Journalist meint, es läge eine Zusammensetzung mit dem Namen der Stadt Herne vor. Also seiner Meinung nach liegt eine Zusammensetzung mit der Stadtherne vor, oder sowas in der Art? Das finde ich nun wirklich Unfug.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2017 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35774

Germanist hat noch den Artikel hinzugefügt, zum Attribut wohlgemerkt. Aber dann ergibt sich: Ich brachte meine Frau in der Kranken Haus usw. Ist das die Meinung? Ich will natürlich niemandem das Recht streitig machen, althochdeutsch zu reden. (Wir bilden ja auch nicht mehr den Genitiv sg. Marien.)

Herr Riemer hat auch recht: Marien-Hospital-Herne wäre erst recht verkehrt gewesen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.07.2017 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35776

Richtig ist: Ich brachte meine Frau ins Krankenhaus.

Ich brachte meine Frau in der Kranken Haus
könnte ich als recht altmodisch klingende Redeweise zumindest noch akzeptieren, auch wenn ich selbst nicht so schreibe oder rede.

Ich brachte meine Frau ins Kranken Haus.
Hier kann man den Fehler zwar nicht hören, wenn ich das aber geschrieben sehe, muß auch dort bleiben.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.07.2017 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35777

Der einstige Genitiv scheint in Marienhospital, Luisenstraße usw. zu einem bloßen Fugenlaut verkümmert zu sein, vgl. Amalienborg im Dänischen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.07.2017 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35778

Als die Frauenkirchen gebaut wurden, war dieser Genitiv Singular noch üblich. Heute wundern sich Kinder, warum es nicht auch Männerkirchen gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2017 um 13.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35779

Ja, das hatten Sie vor sieben Jahren mit Recht erwähnt (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1268#15796)
und ich hatte eine ebenfalls volksetymologische Anekdote hinzugefügt:
http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1373#17492
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.07.2017 um 17.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35781

Gehört Marien eigentlich zu Marie oder zu Maria oder ist es ein alter deutscher Genitiv von beiden?
Spielt es im Christentum eine Rolle, ob die Mutter Gottes (Muttergottes) Maria oder Marie heißt? Ich habe nie anders als von Maria reden hören, aber andererseits gibt es die Marienverehrung usw.
Eigenartig auch, daß manchmal dieser alte deutsche Genitiv verwendet wird und manchmal der lateinische (Mariä Himmelfahrt usw.).
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.07.2017 um 12.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35784

Hebräische Bibel: Mirjam; Mathäus griechisch: Maria; Lukas griechisch: Mariam; lateinisch: Maria; französisch: Marie, wohl schon vom Altfranzösischen ins Deutsche übernommen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.07.2017 um 16.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35785

Ja, aber weder im Religionsunterricht noch in unsrer Familie (meine Großeltern waren sehr religiös) habe ich jemals von Josef und Marie gehört. Die Marie kam nur bei den Gebrüdern Grimm vor. Ist es nicht verwunderlich, daß es trotzdem so viele Marienkirchen gibt? Der deutsche Genitiv wird also in deutschen Texten anscheinend auch auf die lateinische Namensform angewandt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2017 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35789

Aus einem Fachtext:

der Blu-ray Disc™ Videoausgang

Ich kann verstehen, daß hier nach englischem Vorbild (es handelt sich um eine Übersetzung) nicht mit Bindestrichen durchgekuppelt wird. Das ist so weit verbreitet, daß es meiner Ansicht auch nicht mehr rückgängig gemacht werden dürfte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.08.2017 um 19.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#35983

Aus aktuellem Anlaß lese ich bei Wikipedia unter Mariä Himmelfahrt nach und finde dort lauter Genitive Mariens.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2017 um 14.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#37028

Manchmal empfiehlt es sich auch bei kurzen Wörtern, sie durch einen Bindestrich zu gliedern. Dann wird zum Beispiel klar, daß Genschere nicht der Plural von Genscher ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2019 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#40801

Zur 1x täglichen Einnahme

Man lächelt wohl über die unbeholfene Schreibweise dieser Zusammenbildung – aber wie wäre es „richtig“? Deutlich ist es jedenfalls, und das ist auf Arzneipackungen vielleicht doch wichtiger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2019 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1529#41672

Unter-15-Jährige leben gefährlich (Westfälische Nachrichten 12.6.19)
Diese Schreibweise, logisch die einleuchtendste, wird bei korrekturen.de als falsch bezeichnet, in Übereinstimmung mit der Duden-Festlegung; die amtliche Regelung sagt nichts darüber. Richtig sei nur über 15-Jährige. Das ist grammatisch nicht konstruierbar. Auch die ebenfalls „falsche“ Zusammenschreibung ohne Bindestrich wäre noch besser: Überfünfzehnjährige. Dieselbe Kritik übt auch ein Blogger ebd.
 
 

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