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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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17.11.2010
 

Beratung den Beratern
Kasusunsicherheit in Freiburg

Die Freiburger Sprachberatung (s. Diskussionsforum) scheint selbst nicht gut beraten zu sein:

Diese Freiburger Sprachberatung gibt es seit 1997 und betreut verschiedene Sprachberatungen allgemeiner und spezieller Art.

(www.klassikerwortschatz.uni-freiburg.de)



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Kommentare zu »Beratung den Beratern«
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Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 17.11.2010 um 13.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17203

Man möchte fast wetten, daß es im Entwurf "... seit 1997, und sie betreut..." hieß, dem Verfasser es aber bei der Festlegung auf ein Komma vor dem "und" mulmig wurde. Der einfachsten Lösung ("... seit 1997. Sie betreut...") stand natürlich sein Ehrgeiz entgegen, gleich am Anfang die Fähigkeit zur Konstruktion eines längeren Satzes zu demonstrieren.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 17.11.2010 um 14.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17204

Es wird ja nicht besser: "Eine Sprachberatung speziell für die Schweiz ist im Aufbau begründet", lautet der nächste Satz. Das ist allenfalls geschwollen, soweit nicht angedeutet werden soll, daß es an anderen Begründungen fehlt.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 17.11.2010 um 14.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17205

Lieber Herr Bärlein,

inzwischen bin ich widerwillig etwas geübt darin Fehler zu überlesen. Deshalb muß ich gestehen, daß ich statt "begründet" tatsächlich zunächst "begriffen" gelesen habe. Aber Sie haben natürlich recht, so klingt es arg geschwollen und unverständlich zugleich. Könnte es daher nicht vielleicht einfach ein Tippfehler sein?
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 17.11.2010 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17206

Lieber Herr Höher,

an einen Tippfehler (genauer: an drei hintereinander) glaube ich nicht. Vielmehr scheint der Verfasser sich für "begründet" entschieden zu haben, nachdem er "begriffen" und "befindlich" als nicht vornehm genug verworfen hatte. Nicht etwa als zu gestelzt, denn eine gute Lösung wäre auch hier ganz einfach zu haben gewesen: "Eine Sprachberatung speziell für die Schweiz ist im Aufbau."

Aber Sie haben recht, man gewöhnt sich daran, Fehler stillschweigend hinzunehmen, solange man sich einigermaßen denken kann, was gemeint ist. Mir ist das "begründet" ebenfalls erst im zweiten Durchgang aufgestoßen. Einer Sprachberatung sollte man so etwas trotzdem nicht durchgehen lassen.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 17.11.2010 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17207

Mal ganz dumm gefragt: Wo ist die beanstandete Kasusunsicherheit? Ich habe es mehrmals gelesen, bin aber nicht dahintergekommen.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 17.11.2010 um 16.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17208

Diese Freiburger Sprachberatung gibt es seit 1997 und betreut verschiedene Sprachberatungen allgemeiner und spezieller Art.

Im ersten Satz ist "[d]iese Freiburger Sprachberatung" das Akkusativobjekt, aber dann fehlt im zweiten Satz nach dem "und" eigentlich das Subjekt des von Herrn Bärlein und mir mitgedachten "sie", das natürlich im Nominativ steht. Denn das Akkusativobjekt im zweiten Satz ist "verschiedene Sprachberatungen".
 
 

Kommentar von YN, verfaßt am 17.11.2010 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17210

Was heißt und zu welchem Zweck betreibt man "Sprachberatung"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2010 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17212

Unser japanischer Freund hat mit Recht an den berühmten Titel von Schillers Vorlesung erinnert.
Gerade nach dem seltsamen deutschen "es gibt" steht übrigens sehr oft statt des Akkusativs der Nominativ, als ob der Sprecher das Gefühl hätte, eigentlich "existiert" gesagt zu haben. Bei Existenzaussagen gehört es sich gewissermaßen nicht, den Akkusativ zu setzen ....
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2010 um 18.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17215

Früher waren die Menschen gegen Apokoinu-Konstruktionen (auch bei verschiedenen Kasusforderungen) unempfindlicher, sie kommen aber auch heute noch vor. Auf die Beispiele bei Mosebach hatte ich, glaube ich, schon hingewiesen. Hier sind noch welche aus anderen Texten:

Privatfernsehen gibt es nur regional und ist landesweit nicht finanzierbar. (FAZ 15.7.03)

Fahrpläne gibt es, sind aber ausverkauft. (Zeit 18.3.88)

Was ist und gibt es Gerechtigkeit? (Titel eines Aufsatzes von Ekkehard Kaufmann. Jur. Arbeitsblätter 1985, ebenfalls ironisch an Schiller erinnernd)

Es ist ein Wort, das vor wenigen Monaten nur die Politiker der Linkspartei in den Mund genommen haben, aber jetzt die Debatte in Berlin beherrscht. (SZ 6.2.09)

Das nennt man Produktspezifizierung, und sollte möglichst detailliert sein. (Wiki Translationswissenschaft)

Der letztgenannte Wiki-Artikel stellt mit pompösen Worten eine ebenso prätentiöse "Interwissenschaft" dar. Ich habe aus beruflichem Interesse viele "übersetzungswissenschaftliche" Texte gelesen, kann mich aber an keine Gedanken erinnern, die darin enthalten gewesen wären.
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 18.11.2010 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17221

Die in dieser Woche erschienene Ausgabe eines Kölner Anzeigenblatts (Sonntagspost?) bietet auf der ersten Seite die Schlagzeile: "Von und für die Jugend".
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 18.11.2010 um 14.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17226

Zu #17208: Vielen Dank für die Erläuterung. Wie peinlich, daß ich das nicht bemerkt habe – aber auch wie interessant, daß ich es mir offenbar automatisch richtig zurechtgereimt habe; vermutlich einfach wegen der Satzstellung. Denn wenn man den "gibt es"-Teil überspringt, steht ja ein normaler Satz da: Diese Freiburger Sprachberatung [...] betreut verschiedene Sprachberatungen allgemeiner und spezieller Art. So leicht kann man also in die Falle gehen!

Was aber soll mit dieser geradegebogenen Aussage gemeint sein? So, wie es dasteht, geht es m. E. inhaltlich nicht auf. Statt dessen würde ich folgendes erwarten: Entweder unterhält bzw. umfaßt sie verschiedene Sprachberatungsgruppen (die sich auf spezielle Bereiche verstehen) oder sie betreut Kunden (die mit sprachlichen Anfragen an sie herantreten).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.05.2012 um 11.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#20751

Aber gegen ein von Grund auf defensives Londoner Team hätte es mehr bedurft als ehrliches Bemühen und den ein oder anderen gelungenen spielerischen Ansatz: mehr Wucht, mehr Präzision, mehr Durchsetzungsvermögen.
(FASZ, 20.5.12, S. 13)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2015 um 05.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#27938

Noch einmal zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#17215:

Translation ist eine Form des Handelns. Jedes Handeln ist bestimmt von einer Situation, der Analyse dieser Situation durch den Handelnden und die Intention des Handelnden, der bestimmte Ziele erreichen will. Wie jedes Handeln ist also auch die Translation als Kommunikationshandlung zweckbestimmt. Der Zweck einer Kommunikationshandlung, ihr Skopos (gr.) ist erfüllt, wenn das erzielte Ergebnis der Intention des Handelnden (des Senders) entspricht und auch der Empfänger der Kommunikation die erhaltene Nachricht in seiner eigenen Situation schlüssig interpretieren kann.
Die Skopostheorie geht nun davon aus, dass der Zweck eines Translats, eine bestimmte Funktion zu erfüllen, der bestimmende Faktor ist, auf den der Translationsprozess ausgerichtet sein muss. Dabei kann ein Translat grundsätzlich jede beliebige durch einen Text erfüllbare Funktion haben, die Bewertung einer bestimmten Funktion als „gut“, „sinnvoll“ oder „ethisch“ bleibt zunächst außen vor. Daraus ergibt sich die Auffassung von Übersetzungen und Verdolmetschungen als zielsprachliche und -kulturelle Informationsangebote über andere Informationsangebote in Ausgangssprache und -kultur. Die Qualität eines Translats kann grundsätzlich nur bezüglich seiner Funktion bewertet werden.

(Wikipedia "Translatologie")

Auf einer Glatze kann man keine Locke drehen? Offenbar doch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2015 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#27942

Ich möchte noch besonders bemerken, daß dem breitgetretenen Quark des zitierten Textes der fatale "Sender" beigemischt ist, der gleichwohl Intentionen haben soll. Wie oft muß man noch sagen, daß Sender keine Absichten haben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2015 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#28483

Übersetzer können anderen Übersetzern gute Ratschläge geben, Erfahrung ist in diesem Fach alles. Es gibt auch Zeitschriften, die solches mitteilen. Dem stehen "Übersetzungswissenschaftler" gegenüber, die schwerverdauliche und nutzlose Theorien entwickeln und selbst so gut wie nie als Übersetzer gearbeitet haben. Man kann die gegenwärtigen und früheren Lehrstuhlinhaber ja mal durchgehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2017 um 10.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#34328

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#27938

„Die Translatologie ist die Wissenschaft vom Dolmetschen und Übersetzen. Im deutschen wissenschaftlichen Diskurs herrscht die Bezeichnung Translationswissenschaft vor. Gelegentlich wird sie auch einfach als Übersetzungswissenschaft bezeichnet, obwohl diese Benennung streng genommen die ebenfalls zur Translatologie gehörige Dolmetschwissenschaft ausschließt.“

Im Gegenteil. Gerade streng genommen schließt Übersetzen auch das Dolmetschen ein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2017 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#34499

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#27938

Die "Skopos-Theorie" des Übersetzens ist offensichtlich an Bibeltexten ausgerichtet. Theologen meinen, daß die Botschaft immer dieselbe und nur für jede Generation wieder neu zu formulieren sei. Aber welche Funktion hat die Ilias oder das Gilgamesch-Epos heute? Dazu habe ich keine Äußerung gefunden.

Und für den Ungläubigen, wie gesagt, sind die heiligen Texte der Religionen einfach Texte wie alle anderen. Sie haben einen Inhalt, den man mehr oder weniger verstehen kann, aber keine Botschaft. Die Probleme der Übersetzung sind immer dieselben.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.02.2017 um 09.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#34501

Ist der Urtyp des »Translats« im Sinne dieser Theorie nicht eher eine Gebrauchsanweisung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2017 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#34502

Gut gesagt. Die "Skopos-Theorie" ist der Hintergrund des Verfahrens, die Interpretation gleich in die Übersetzung einzuarbeiten (wie bei der "Bibel in gerechter Sprache"). Das Problem ist natürlich, daß sich keine Grenze mehr ziehen läßt, im Prinzip also auch ein völlig neuer Text zu billigen wäre, wenn er nur dieselbe "Funktion" hat wie die Vorlage. Im Wikipedia-Eintrag zur Übersetzungswissenschaft wird das auch angedeutet.
Und dazu eben noch, daß viele Texte hier und heute überhaupt keine "Funktion" mehr haben, auch keine analoge, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse sich geändert haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2018 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1367#38231

Die Übersetzungswissenschaftler beteuern zwar, "Transkreation" sei kein alter Hut, es ist aber trotzdem einer. Nur die Unkenntnis der Geschichte schützt vor dieser Einsicht.

Übersetzung ist eine altehrwürdige Tätigkeit. Schon zur Zeit der Neandertaler muß es Übersetzer gegeben haben, und transkreativ waren sie ganz bestimmt auch.
 
 

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