zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


05.06.2009
 

Übersetzungskunst
Kuriose Korrektur

"Die Septuaginta ist nicht, wie im Artikel 'Das erlöste Babel' auf S. 13 vom 30. Mai behauptet, die lateinische, sondern die griechische Übersetzung des Neuen Testaments."

(Süddeutsche Zeitung 4.6.2009 unter "Korrekturen")

Nun warten wir auf die nächste Korrektur.



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Übersetzungskunst«
Kommentar schreiben | neueste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 05.06.2009 um 10.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#14578

... des "Alten Testaments" ...
 
 

Kommentar von Lw, verfaßt am 05.06.2009 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#14580

Die Verwirrung paßt doch hervorragend zum Titel des Artikels!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2009 um 09.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#14583

SZ 6.6.09: Im „Sprachlabor“ kommt Unterstöger auf die Korrekturen von vorgestern zu sprechen, aber noch nicht auf die Übersetzung des ohnehin griechisch abgefaßten NT ins Griechische.
Er antwortet auf Leserzuschriften, die beanstandet hatten, daß die Union schlecht beraten wäre, „den Minister hängen zu lassen“. „Die Rechtschreibreform ist in dieser Sache so verblieben, dass Verbindungen aus zwei Verben getrennt geschrieben werden, dass sie jedoch, wenn bleiben oder lassen mit von der Partie sind, bei übertragener Bedeutung auch zusammengeschrieben werden können. Der Duden empfiehlt Getrenntschreibung. Dem schließt sich die Süddeutsche an.“
Das stimmt aber gar nicht, in derselben Ausgabe steht z. B. fallengelassen.
Die SZ berichtet auch über Gräueltaten in Buchenwald, aber sonst schreibt sie meistens Greuel usw., Reform und Duden hin oder her.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 06.06.2009 um 20.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#14592

Lustig ist, daß Unterstöger hängenlassen für eine "übertragene Bedeutung" von hängen lassen hält. Weniger lustig ist, nicht zuletzt für die Reformer, daß ausgerechnet der einzige vernünftige Teil ihres Unternehmens, nämlich die Beseitigung des Dudenprivilegs, so wenig angenommen wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2009 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#14604

Heute ist denn auch der doppelte Irrtum mit der Septuaginta aufgeklärt (8. 6. 09).
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 08.06.2009 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#14605

Na bitte, das hat doch nur neun Tage gedauert!
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.06.2009 um 19.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#14606

Leider sind die Angaben der Südd. Zeitg. zur Septuaginta sehr ungenau. Wie in der "Septaginta Deutsch" von 2009 beschrieben, haben die 72 Übersetzer in 72 Tagen nur die fünf Bücher Mose übersetzt. Der Rest des Alten Testamentes wurde später von verschiedenen Übersetzern angefügt. Im zeitgenössischen Aristeasbrief (Aristaios) wird berichtet, daß die Übersetzer ihre Übersetzungen "durch Vergleich in Übereinstimmung brachten" und der Bibliothekar Demetrius anschließend das, "worin sie nun übereingekommen waren, in diesem Wortlaut ordentlich niederschrieb". Die Legende von der durch göttliche Inspiration erfolgten gleichlautenden Übersetzung, zu der die Übersetzer unabhängig voneinander gelangt seien, wurde erst 300 Jahre später von Philon von Alexandria aufgeschrieben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2009 um 18.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#14610

Nochmals:

„Der Duden empfiehlt Getrenntschreibung. Dem schließt sich die Süddeutsche an.“ (SZ 6.6.09)

Die Eigentümer und die Manager haben Arcandor hängenlassen. (SZ 10.6.09)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2009 um 18.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#14611

Übrigens - die Bibel. Die gehört ja nun zu den meistgedruckten Büchern, und seit 1996 sind wohl Millionen Bibeln in irgendeiner seither überholten Neuschreibung erschienen. Dazu gibt es offenbar rein gar nichts, auch kein Wort des Bedauerns. Nur vor der Rückumstellung haben die Kirchen seinerzeit gewarnt.

In einer revidierten Lutherbibel heißt es gleich am Anfang:

Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila und dort findet man Gold.

So haben es ja auch die Schulbuchverleger machen lassen: Kommas entfernen, die jetzt fakultativ geworden sind, aber beileibe nicht konsequent, sondern nach dem Zufallsprinzip, damit man sieht, daß die Kommasetzung jetzt tatsächlich beliebig ist. In diesem Sinne hatte mir damals ein Schulbuchverlag geantwortet.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 11.06.2009 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#14614

Statt "beliebig" könnte man auch volkstümlich sagen: "sch***egal".
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 20.10.2013 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#24244

Der neue SPIEGEL berichtet über Abhöraktionen der NSA gegen mexikanische Regierungsbehörden im Jahr 2010. In einem Bericht der NSA hieß es dazu (laut Ausriß): "we intend to go much farther against this important target". Der SPIEGEL übersetzt: "wir haben vor, bei diesem wichtigen Ziel noch weitaus weiter vorzudringen".

Warum haben sie es nicht mit "viel weiter" übersetzt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2015 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#29543

Die "Frankfurter Anthologie" bespricht Ezra Pounds Metro-Gedicht, natürlich "aus dem Amerikanischen" übersetzt von Eva Hesse.
Das Erscheinen dieser Gesichter in der Menge...
Der substantivierte Infinitiv gefällt mir nicht. Apparition ist doch noch etwas anderes. Mir fällt aber auch keine Lösung ein.
(Wir haben die Verse in der Schule besprochen, seither weiß ich sie auswendig. Der Englischunterricht war in dieser Hinsicht nicht schlecht; der Lehrer hat einfach gemacht, wozu er Lust hatte.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2015 um 18.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1170#29563

Die Übersetzung aus dem Mittelhochdeutschen geht fast immer schief, wegen der trügerischen Nähe zum heutigen Deutsch. In seinem letzten Buch führte Ulrich Pretzel ein hübsches Beispiel vor:

und wizzet daz diu heidenschaft ze himel hât kleine kraft

Pretzel zeigt, daß das praktisch nur heißen kann:

kein Heide kommt in den Himmel.

Aber welcher Germanistikstudent ringt sich dazu durch?

(Mittelhochdeutsche Bedeutungskunde. Heidelberg 1982) – Pretzel war übrigens der ältere Bruder von Sebastian Haffner.
 
 

nach oben


Ihr Kommentar: Sie können diesen Beitrag kommentieren. Füllen Sie dazu die mit * versehenen Felder aus und klicken Sie auf „Kommentar eintragen“.

Sie können in Ihrem Kommentar fett und/oder kursiv schreiben: [b]Kommentar[/b] ergibt Kommentar, [i]Kommentar[/i] ergibt Kommentar. Mit der Eingabetaste („Enter“) erzwingen Sie einen Zeilenumbruch. Ein doppelter Bindestrich (- -) wird in einen Gedankenstrich (–), ein doppeltes Komma (,,) bzw. ein doppelter Akut (´´) werden in typographische Anführungszeichen („ bzw. “) umgewandelt, ferner werden >> bzw. << durch die entsprechenden französischen Anführungszeichen » bzw. « ersetzt.

Bitte beziehen Sie sich nach Möglichkeit auf die Ausgangsmeldung.
Für sonstige Diskussionen steht Ihnen unser Diskussionsforum zur Verfügung.
* Ihr Name:
E-Mail:
(Wenn Sie eine E-Mail-Adresse angeben, wird diese angezeigt, damit andere mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.)
* Kommentar:
* Spamschutz: refresh Image CAPTCHA Image
  Bitte tragen Sie die Zeichenfolge in das Feld rechts ein. Falls Sie Schwierigkeiten haben, sie zu erkennen, können Sie sich mit einem Klick auf die grünen Pfeile eine andere Zeichenfolge vorgeben lassen.
  TESTBETRIEB; das funktioniert noch nicht! Bitte wählen Sie zur Kommentareingabe wieder die neuesten Kommentare zuoberst aus.


Zurück zur vorherigen Seite | zur Tagebuchübersicht


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM