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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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24.10.2008
 

Gleich gültig
Bemerkungen zu den Varianten

Die vielen Varianten in der revidierten amtlichen Rechtschreibung und den darauf fußenden Wörterbüchern gelten sogar unter Journalisten als Zeichen der „Liberalisierung“. In Wirklichkeit sind es ungewollte Folgen der ständigen Reparaturarbeiten an der mißglückten Rechtschreibreform: Varianten aus Verlegenheit.
Die ursprüngliche Idee der Reform war ganz im Gegenteil auf Beseitigung der Varianten gerichtet, die als „Zonen der Unsicherheit“ gebrandmarkt wurden. So sollte auch die amtlich nicht durchgehend festgelegte Getrennt- und Zusammenschreibung noch durchgeregelt werden, und die Reform von 1996 enthielten strenge, wenn auch sprachwidrige und unplausible Regeln auch in diesem Bereich. Die neuen Großschreibungen und die volksetymologischen Schreibweisen wurden größtenteils variantenlos durchgesetzt.
Durch die Fülle der unterschiedslos geltenden Varianten gehen nun wertvolle Differenzierungsmöglichkeiten verloren, auch solche, die längst etabliert und keineswegs besonders subtil oder schwer zu beherrschen waren, z. B. bei der Schreibung der Ordinalzahlwörter und bei der Getrennt- und Zusammenschreibung.

Die Banken scheuen sich, das staatliche Hilfsangebot anzunehmen. Jetzt ruft der Erste nach einer Zwangsteilnahme. (SZ 25.10.08)
Der Erste im deutschen Bankwesen ist zweifellos die Deutsche Bank, gerade die lehnt aber eine Teilnahme ab! Früher war das orthographisch klar gelöst.
An der indifferenten Eintragung allgemeinbildend, allgemeingültig, allgemeinverständlich und allgemein bildend, allgemein gültig, allgemein verständlich (alles gleichmäßig auf dem ersten Bestandteil betont) z. B. in WahrigDaF sieht man ebenfalls den Rückschritt.



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Kommentare zu »Gleich gültig«
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Kommentar von Kelkin, verfaßt am 03.11.2008 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1067#13390

Die bundesweit als 'Sparkasse' bekannte Bank gab sich in manchen anderen Ländern einen anderen Namen, der sich leichter aussprechen lässt aber trotzdem noch deutsch klingt und 'zündet': Sie heißt dort 'Erste'.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 03.11.2008 um 13.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1067#13393

Ein weiteres Indiz dafür: Es gibt anscheinend sehr viele Menschen, die fürs Erste arbeiten.
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 25.11.2008 um 19.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1067#13504

Und wieder Rechtschreib-Bereicherer Springer-Verlag:

"Ich bin der letzte der alten Garde"
Die Jazz-Ikone Sonny Rollins gibt noch einmal Konzerte in Deutschland.
Daß Sonny sich als den Letzten einer Reihenfolge sieht, hat WELT KOMPAKT 25.8.2008 S. 22 nicht mitbekommen. Und ich dachte die ganze Zeit, nach der RSR schreibt man sowas immer groß.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 21.10.2011 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1067#19418

Im Wikipedia-Artikel zu Muammar al-Gaddafi findet sich unter "Variationen der Namensschreibung" eine interessante Darstellung. An zehn Positionen des kompletten Namens werden jeweils Varianten angegeben (bis zu sechs). Dabei ist das Raster noch gar nicht vollständig. Beispielsweise wird zum Nachnamen im Begleittext ausdrücklich die Variante Gheddafi erwähnt, und weder Gh noch das folgende e sind in dem Schema berücksichtigt.

Der Bezug zur Rechtschreibreform: Wenn wir uns schon bei ausländischen Namen immer wieder mit Varianten abplagen müssen, können wir es nicht brauchen, daß die Reform uns quer durch den deutschen Wortschatz eine Fülle überflüssiger Varianten aufbrummt.
 
 

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