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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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02.04.2017
 

Die Stunde Null
Zu einem grammatischen »Grenzgänger«

Null gehört zu den Wörtern, deren orthographische Behandlung man sich nicht merken kann.

zwei Grad unter null, die Stunde null? Nachschlagen ist die Lösung, weil man grammatische Kriterien einfach nicht findet.

Ich komme darauf, weil die FAS über die "Stunde null" schreibt, und zwar in dem Sinn, daß man aufgelassene Truppenübungsplätze und andere Brachen sich sebst überläßt ("Tabula rasa" wird es ebd. auch genannt) und zusieht, was sich entwickelt.

Im Lexikon wird auch die groß geschriebene Stunde Null erwähnt, das ist jene Nachkriegsepisode, von der man nicht weiß, ob es sie gab, aber einen Eigennamen hat sie schon mal (s. Westfälischer Friede in der amtlichen Regelung).

Aber auch der Gebrauch im Sinne eines Neuanfangs ist ein Nominationsstereotyp und könnte groß geschrieben werden.

Zur Sache ist noch ganz interessant, daß der Plan, zwei Prozent des deutschen Staatsgebiets sich selbst zu überlassen, auch wieder nicht allen recht ist. Angeführt wird der Artenreichtum der Magerrasen usw., die Gelbbauchunke...

Wir haben hier auch so ein Stückchen offener Landschaft nach dem Abzug der Amerikaner. Dort werden Wildpferde gehalten, man kann es sich im Internet ansehen (Tennenlohe), sehr schön das Ganze. Aber die Ökologen wissen natürlich, daß in unseren Breiten solche Flächen von Hasel und Birke erobert werden und schließlich in einem hohen Buchenwald enden, dem natürlichen Zustand, in den sich ganz Deutschland verwandeln wird, wenn wir Menschen einmal nicht mehr sind.



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Kommentare zu »Die Stunde Null«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.06.2017 um 03.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35432

Hab ich doch geliefert.
 
 

Kommentar von , verfaßt am 21.06.2017 um 18.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35428

Da offenbar keine weiteren Hinweise mehr eingehen, bedanke ich mich recht herzlich, Herr Wrase, für die Erläuterung.

Ich dachte, jemand nimmt den Ball auch noch in der Richtung auf, daß es hier eine bisher nicht so bekannte Analogie zu "Früh", "Hoch", "Tief", "Naß" und etlichem mehr dieser Art gibt. Aber zum Assoziieren muß man immer auch in der Stimmung sein.

Viele Grüße

Alexander Glück
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.06.2017 um 08.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35407

Die Suche nach "im frei" + dienstplan liefert einige relevante Treffer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2017 um 21.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35405

Im Betriebsjargon häufig, grammatisch wie das Hoch usw.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.06.2017 um 19.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35404

Es mag wohl sein, daß es diesen Sprachgebrauch gibt, aber wo läßt er sich schriftlich nachweisen? Google wirft z. B. für er ist heute/morgen im Frei keine Resultate aus. Vielleicht handelt es sich bloß um einen Regionalismus.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 19.06.2017 um 14.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35401

Also ich meine folgendes: frei ist ein Adjektiv. Dieses kann man substantivieren, wenn man denn will: Sobald jemand das Frei sagt (also zum Beispiel ein schönes Frei wünscht), liegt eine solche Substantivierung vor, somit im Endeffekt die Wortart Substantiv. Genauso wie bei der Freie. Formulierungen wie ein schönes Frei wünschen sind nur nicht gerade üblich. Deshalb taucht das Frei beispielsweise nicht im Duden auf.

Bei sich drei Tage frei nehmen haben offenbar alle Schreiber die Empfindung, daß hier keine Substantivierung vorliegt. Das erkennt man an der durchgängigen Kleinschreibung.

Man kann ein Verb wie nehmen nicht nur mit Substantiven kombinieren, sondern auch mit Adjektiven. Unter Umständen kann damit sogar dieselbe Bedeutung ausgedrückt werden, wie bei sich drei Tage frei nehmen = drei Tage Urlaub nehmen. Aus der gleichen Bedeutung kann man nicht schließen, es liege jeweils die gleiche grammatische Konstruktion vor, also konkret, hier müsse ein Substantiv Frei vorliegen, weil Urlaub auch ein Substantiv sei.
 
 

Kommentar von Red., verfaßt am 19.06.2017 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35398

Die Löschung des Namens hängt wohl mit dem Umlaut zusammen. Bitte Glueck schreiben, solange die technischen Probleme nicht gelöst sind.
 
 

Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 19.06.2017 um 09.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35397

Ich möchte meine Frage noch um zwei Aspekte erweitern:

1. Genauso wie "X ist im Dienst" sagt man landläufig an vielen Arbeitsplätzen, und zwar in Deutschland: "X ist im Frei". Hier ist es also ganz bestimmt ein Substantiv. Jeder, der Dienstpläne schreibt, behandelt "Frei" als Substantiv, geradezu als Gut, und es ist sogar eine Ware, die getauscht werden kann.

2. Aus alten Romanen und deutschen Volksbüchern ist mir die Redewendung "X nahm Urlaub und..." geläufig.

z. B. hier https://books.google.at/books?id=4JgYAAAAYAAJ&pg=PA253&lpg=PA253&dq=%22nahm+urlaub+und%22&source=bl&ots=ohfP1hNsZS&sig=s4XA2o1AYrCWu5SYtgAkLUkaimk&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj1rcn9rMnUAhXBZlAKHQxbAtsQ6AEILTAA#v=onepage&q=%22nahm%20urlaub%20und%22&f=false

oder hier https://books.google.at/books?id=9a1hAAAAcAAJ&pg=PA106&lpg=PA106&dq=%22nahm+urlaub+und%22&source=bl&ots=YV2LXptlPq&sig=dl2bMLv08KGDeMoISqUc1UQnTkc&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj1rcn9rMnUAhXBZlAKHQxbAtsQ6AEIMDAB#v=onepage&q=%22nahm%20urlaub%20und%22&f=false

Nun hat sich Urlaub als Substantiv etabliert, Frei aber offenbar nicht. Dabei scheint beides sehr ähnlich zu sein.

Ich bitte Sie oder jemand anderen, der sich berufen fühlt, nochmals um sachgerechte Antwort auf die Frage, wie "frei" grammatikalisch zu bewerten ist und wie es sich dabei von "recht" und "Urlaub" unterscheidet oder eben nicht. Wenn ich es wüßte, würde ich nicht fragen. Und da dieses Thema offenbar schon seit 20 Jahren diskutiert wird, scheint es wohl auch ein bißchen komplexer zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2017 um 08.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35396

Was meinen Sie mit "korrekt"? Reformgerecht? Dudentreu? Grammatisch begründet? Traditionell üblich?

Das alles noch einmal aufzurollen hat wohl niemand Lust und Zeit.
 
 

Kommentar von , verfaßt am 19.06.2017 um 08.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35395

Die Anfrage war nicht anonym, sie war aber durchaus ernstgemeint.

Frei/Dienst sind umgangssprachlich die subjektivischen Bezeichnungen für die dienstfreie und dienstliche Zeit. Meine Frage war, wie "frei" korrekt zu behandeln ist.

Es wäre schön, wenn jemand meine Anfrage beantworten könnte. Danke.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2017 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35392

Ich glaube nicht, daß die mit "Alexander Glück" unterzeichnete anonyme Anfrage ernst gemeint ist. Schließlich haben wir über recht haben usw. zwanzig Jahre lang diskutiert. Zu hitzefrei s. mein Wörterbuch.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.06.2017 um 23.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35390

Trapattoni meinte auch nicht *das Fertig, als er »Ich habe fertig« rief. Sicherlich könnte man das Wort erfinden, aber was genau soll es denn bedeuten?
 
 

Kommentar von , verfaßt am 18.06.2017 um 12.59 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35388

In diesem Zusammenhang erscheint ein Problem passend, zu dem ich mir Ihren kompetenten Rat wünsche:

"Schönes Frei" sagte meine Frau zu einer Kollegin und meinte "Frei" damit subjektivisch. Löste bei einem Dritten damit aber Verwunderung aus.

Wie ist es denn mit "Ich habe frei", "Ich gebe dir/dich frei" usw.? Ist es "das Frei" oder eher adjektivisch?

Bitte klären Sie auch gleich die verwandten Fälle "recht haben/tun, unrecht tun" usw., damit ich es verstehe.

Danke und viele Grüße

Alexander Glück
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2017 um 04.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35065

Es dürfte eine Rolle spielen, ob das Substantiv zu den Konkreta (Buch) oder Abstrakta (Auswirkung) gehört, bei den Konkreta wiederum zu den Individuativa oder Kontinuativa (Fett).

Verstöße wirken ja auch sonst scherzhaft: Mehr Buch fürs Geld. Über das Bild von Kirche usw. haben wir schon gesprochen: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1385

Gestern in der FAZ: Kirche schafft sich ab. Dann werden wir bald null Kirche haben.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.05.2017 um 19.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35064

Bei Sätzen wie Das hat null Auswirkung(en) schwankt der Gebrauch zwischen Singular und Plural.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.05.2017 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#35063

Die Zahl null wird besonders oft in Scherzbildungen verwendet:
in null-Komma-nichts;
null Toleranz, null Ahnung, null Fortschritt

Bei Zusammensetzungen mit null hört aber der Spaß auf:
Nullwachstum, Nullzinspolitik

Daß Substantive nach Zahlen größer als 1 im Plural stehen, scheint logisch zu sein. Überraschend finde ich jedoch, daß auch Konkreta nach 0 im Plural stehen:
nicht 0/null Buch, sondern 0/null Bücher usw.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.05.2017 um 15.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#34988

Ohne die Null gäbe es keine negativen Zahlen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.05.2017 um 13.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#34987

In einer höheren Sprachebene bedeutet sogar null etwas, nicht nichts. In der EDV kann das Feld für einen numerischen Wert null (bekannt) oder leer (unbekannt) sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.04.2017 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1657#34837

Braucht Null/null eine Sonderregel? Ich denke, man sollte das genau wie andere Zahlen behandeln.
Namen fallen sowieso in eine andere Kategorie, das ist auch wie bei allen anderen Zahlen.

null, eins, zwei, drei;
Die Stunde null, die Nummer eins;
zwei Nullen, zwei Einsen;
null Toleranz, zwei tolle Ranzen, ...

Etwas Besonderes hat die Null dann doch, zumindest bei der Verwendung in Zeiträumen. Diese beginnen zwar immer mit der Stunde null, aber andererseits nur mit dem Tag eins.

Sekunde, Minute und Stunde zählen erst etwas, wenn sie vorbei sind, aber Tag, Monat und Jahr zählen schon von Anfang an. Jahrzehnt, Jahrhundert, Jahrtausend müssen wieder warten, bis sie vorbei sind.

Jede Zahl ist etwas, nur die Null ist nichts.
 
 

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