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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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15.03.2014
 

Versprecher
Aus meinen Sammlungen

Mehr oder weniger lustig, meist Antizipationen und Kontaminationen

Die Maßnahmen liefen daraus hinauf...darauf hinaus (BR 5, 1.4.94)

Der DAAD wird alles in seinen Kräften Tuende stehen... (Theodor Berchem 1993 in Regensburg, nicht korrigiert)

Machiavelli (statt Macchia)

Zwei Dreispiele, eh, zwei, drei Beispiele

monolythischer Mythos

Sie hatte Lust zum Memory-S-pielen, eh, -schpielen

der elixierte Ovid (nicht korrigiert)

die gesprachliche Gestaltung

Ästhätik

Zähläbigkeit

psychische Trübe ... Triebe

für beise ...beide Thesen

Spielfalt (Spielraum + Vielfalt)

sie haben ihre Kommulare ... Kommentare formuliert

Fortsspän (Sportsfan)

das schlechte Gebissen (Gewissen + Gewissensbiß)

Der ganze Chor zeichnet sich dadurch aus, daß er stinkt ... singt wie mit einer Stimme.

Resüpiert ... resümiert man diesen Punkt

vergorene Zeit (verlorene + vergeudete)

Eine Frau geht in ein Modegeschäft und sagt: „Ich interessiere mich für das Kleid mit der Spitzenpasse.“ Verkäuferin ruft einer anderen zu: „Die Dame interessiert sich für das Kleid mit der Spatzenpisse!“

Ja, von einer Sprache zur anderen ist ja eine ganz häufige Quelerfelle.

erfolgsreiche .... erfolgreiche Betriebswirtschaft

die Olle ...die Rolle eines Objekts

der Einschnupf ... der Einschub knüpft ...

Dieses Dogma hat zehn Jahre lang die Sprachlaborsch ... Sprachlabors beherrscht

fünfstündige Düskussion (Radiosprecher)

erneide ich manchmal vor blaß ... erblasse ich manchmal vor Neid

Ich habe ein besseres Gesich- ... Sicherheitsgefühl

Da war kein Sändchen Korn drauf. (Dorothee, 10 Jahre)

nach Stall und Unfau (statt Stau und Unfall, Verkehrsmeldungen BR 5, 27.11.2003)

er fühlt sich auf den Arsch genommen (verarscht + auf den Arm genommen)



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Kommentare zu »Versprecher«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2019 um 14.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#41641

Erstaunlich häufig: Lichtbedienungen statt Lichtbedingungen (besonders in Bewertungen von Handy-Kameras).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2018 um 08.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#39859

Eine sehr häufige Verwechselung und Mischung gibt es auch bei den gleichbedeutenden Wendungen (nicht) umhin können und (darum) herumkommen. Ich muß selbst immer kurz nachdenken und halte diese Kontamination für nicht mehr aufhaltbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2018 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#39841

Daneben sind Gläubigerversammlungen auch zum Schutz des sich in Zahlungsschwierigkeiten befindlichen Unternehmens nichtöffentlich. (faz.net 17.19.18)

Eine sehr häufige Kontamination aus „sich befindend“ und „befindlich“, obwohl das überzählige „sich“ eigentlich ziemlich unbequem ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.09.2018 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#39532

Im Deutschlandfunk wurde eben noch einmal ein Bericht wiederholt, in dem behauptet wird, das NRW-Bauministerium habe die unverzügliche Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst mit der Begründung angeordnet, es bestünde »Gefahr für Leib und Seele« der Bewohner. Ein Sprecher des Ministeriums verwies, wie ich gerade irgendwo lese, auf die »Brandgefahr für die Nutzenden«. Letzteres war, davon muß man heute ausgehen, kein Versprecher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2017 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#34911

suuper statt supper ist wohl nur als Tippfehler möglich und zeigt, daß der "Befehl" VERDOPPELN gewissermaßen getrennt von der Wahl der Buchstaben erteilt wird.

Ich tippe su aoch statt so auch. Die aktivierten Buchstaben stehen Schlange, einer drängt sich ungebührlich vor, und gerade dies kräftigt den anderen so, daß er sich doch noch durchsetzt, wenn auch an der falschen Stelle. Anderenfalls wäre su auch zu erwarten. (Briefkastenphänomen: Sobald der Brief eingeworfen ist, verlieren weitere gelbe Kästen ihren Reiz. Erledigte Aufgaben werden aus der Agenda gestrichen.)
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 29.11.2016 um 10.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#33963

Manchmal geschehen solche Versprecher doch auch, weil der Sprechende sich vom Satzrhythmus verführen läßt. Ich erinnere mich, daß einer meiner Deutschlehrer folgende Anekdote erzählte: Es hielt jemand einen Vortrag über die Biografie eines Dichters. Er schloß mit pathetischem Tonfall: "Und bei der zehnten Strophe, da nahm ihm der Tod die Hand aus der Feder."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2016 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#33962

Eine Fünfjährige spricht von ihrer Tatenpante, wird selbst stutzig und muß kurz überlegen, was eigentlich falsch ist.

Solche alltäglichen Versprecher stützen die Ansicht, daß die Verhaltens-"Pläne" sozusagen gleichzeitiig aktiviert sind und dann Schlange stehen, bis sie der Reihe nach abgearbeitet, dann aber auch schnellstens in den Papierkorb verschoben werden. Dabei ist die Entstehung der "competing plans" vielleicht eher zu erklären als die Herstellung der korrekten Abruf-Reihenfolge. Der Stärkste drängelt sich vor, denn einen höherrangigen Ordner scheint es nicht zu geben. Zum Stärksten wird einer wohl u. a. durch die schon geschehenen Ereignisse gemacht, das nennt man dann Grammatik.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 12.10.2016 um 17.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#33522

DLF, "Tag für Tag", 4.10.:
Nun kuriert er die Sammlung des neuen Bibel-Museums (...)
Gemeint war wohl kuratiert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2016 um 12.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#32448

Die Rechte zur kommerziellen Verwertung an Crispr hat sich Feng Zhang gesichert. (FAZ 29.4.16)

Die erste Präposition ist falsch gewählt, weil es nicht um das Recht geht, etwas zu tun, sondern um den Gewinnanteil, also um Rechte an der Verwertung dieser Gentechnik. Dieses an drängt sich dann aber doch noch auf, nur wieder an der falschen Stelle, statt von.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.08.2015 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#29702

Schon Rudolf Meringer wies vor über hundert Jahren darauf hin, daß Versprecher niemals in der Weise vorkommen, daß etwa kom und mok vertauscht würden, wie es doch zu erwarten wäre, wenn es die drei Sprachlaute wirklich gäbe. Das gilt auch für wirkliche Wörter. MacNeilage beobachtet, daß spiegelverkehrte Wörter wie eat/tea, no/own nicht zu Versprechern führen. Dagegen werden die Wörter Fisch und Schiff schon mal vertauscht (z. B. von mir!). Offenbar anderer Mechanismus als die Spiegelung.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 13.08.2015 um 00.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#29699

Rechtschreibprobleme machen dick:

»Das hat dazu geführt, dass die Kinder mit Rechtschreibschwierigkeiten deutlich zugenommen haben.«

(Westfälische Nachrichten, 12. August 2015; http://www.wn.de/Muensterland/2076505-Verwirrung-bei-Kindern-und-Eltern-Mehr-Probleme-mit-Rechtschreibung)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2015 um 08.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#29692

Der gesündeste Mann ist in seiner gesündesten Stunde nicht sicher sich zu versprechen. (Meringer/Mayer 1895)

Was die Versprecherforscher hier schreiben (und was oft zitiert wird), ist auf den ersten Blick selbst ein Lapsus, weil ein nicht fehlt. Aber gemeint ist: nicht davor sicher, sich zu versprechen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2015 um 18.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#28312

"Die SPD ist so häufig schlechter Laune", sagt der Ex-Kandidat. Das sei auch nur folgelogisch, wenn man immer zu viel wolle und so zwangsläufig scheitern müsse. (Zeit 10.3.15)

(logisch + folgerichtig)
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 26.07.2014 um 16.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#26399

"Man kann den Klingelton schon ausschalten", erklärt mir die Verkäuferin, "aber dann hört man's, wenn niemand anruft."
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.03.2014 um 10.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#25390

Daß es bei den Antizipationen offenbar keinen Unterschied macht, ob jemand vom Blatt liest oder nicht, beweist, daß man sich die Wörter »im Geiste« ebenfalls linear zurechtlegt.
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 16.03.2014 um 02.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#25387

Aber niemand behauptet ja etwas anderes, lieber Herr Markner. Da es sich hier laut Titel um eine Sammlung von Versprechern handelt, denke ich mir etwa folgendes: Jemand kommt vom Urlaub (wohl auf Korsika) zurück und erzählt: "Man geht und geht, und ringsum nichts als Machiavelli!" (Und natürlich ist er durch lauter Macchia gewandert.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.03.2014 um 18.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1608#25386

Die Schreibung Machiavelli ist korrekt, das ch muß aber natürlich als k ausgesprochen werden (wie in chilogrammo usw.).
 
 

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