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Neues aus dem Rat - von Theodor Ickler

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30.04.2012
Anthropomorphismus
Mentalistische Schnörkel in der Alltagssprache

Aggressive Bienen attackieren Wandertags-Teilnehmer

Sechs Wanderer sind in Ungarn schwer durch einen Bienenschwarm verletzt worden. Die Insekten hatten sich vermutlich durch die Wanderer bedroht gefühlt und mit einer großen Anzahl zugestochen. (Welt 29.4.12)

Bildunterschrift: Bienen, die um ihren Stock fürchten müssen, reagieren äußerst aggressiv
(Ähnlich in mehreren Zeitungen.)

In Wirklichkeit fühlen sich die Bienen nicht bedroht, fürchten nicht um ihren Stock und reagieren nicht aggressiv. Oder vielmehr: Die Hinzufügung solcher Redeweisen ist völlig unnütz, weil sie nichts erklärt und die Einsicht in die Tatsachen verstellt. Zu bestimmten Zeiten stürzen sich Bienen auf jeden, der eine gewisse Mindestdistanz zum Stock unterschreitet. Ich habe das schon mehrmals erlebt. Einmal ging meine Frau zwei Meter näher am Bienenstock vorbei (ohne daß wir den überhaupt gesehen hatten) und wurde arg zerstochen, während ich selbst verschont blieb. Ein andermal schob ich einen Kinderwagen an einem Bienenstock vorbei; als ich den Angriff bemerkte, raste ich samt Wagen einen Feldweg entlag und konnte beobachten, wie die Bienen abdrehten, sobald ich die kritische Distanz erreicht hatte.



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Kommentare zu »Anthropomorphismus«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2012 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1515#20630

Selbstlose Nager

Ratten stellen Kameradschaft über Schokolade

In den Nagern schlägt ein mitfühlendes Herz, wie eine Studie aus den USA belegt: Selbst wenn Schokolade als Alternative lockt, befreien Ratten lieber ihre eingeschlossenen "Kollegen".
(dpa 9.12. 2011)

Solche Berichte sind sehr beliebt. In Wirklichkeit ist es sinnlos, von Egoismus und Altruismus bei Tieren zu sprechen. Die berichteten Versuche sind jederzeit replizierbar, was ja schon für eine Gesetzmäßigkeit des Verhaltens spricht, die keine mentalistischen Schnörkel braucht und verträgt.

Tiere "wollen" nicht, weil ihnen die Sprache fehlt, in der sie ihre bevorstehenden Verhaltensweisen ankündigen und zur Diskussion stellen können.
 
 

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