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30.03.2012
Metrisches
Trochäus mit Auftakt
Die deutsche Sprache ist überwiegend trochäisch.
"'Die Feigen fallen von den Bäumen' könnte, wie in deutschen Gedichten häufig, eine Verszeile mit vierhebigem Jambus und Alliteration abegeben." (Heinz Schlaffer: Das entfesselte Wort. München 2007:649)
Wohl eher Trochäus mit Auftakt, vgl. Feigen fallen von den Bäumen – was im wesentlichen dasselbe wäre, denn der bloße Auftakt verschiebt ja nicht das Metrum der ganzen Zeile.
Das Nietzsche-Buch scheint das letzte Werk Schlaffers zu sein, das in herkömmlicher Rechtschreibung erschienen ist, das neueste („Geistersprache“, 2012), ebenfalls bei Hanser, ist reformiert gedruckt.
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Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 01.04.2012 um 21.07 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1509#20333
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Das liegt m.E. weder am Reimschema noch am Metrum, sondern an der Silbenzahl – zehn Silben pro Zeile wirken nicht so gut wie sieben bis acht (je nach Kadenz):
"Ja! Ich weiss, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr’ ich mich.
Licht wird Alles, was ich fasse,
Kohle Alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich."
Nicht nur Poes berühmter Rabe folgt demselben Schema – wie gut das letztendlich klingt, hängt natürlich nicht vom Metrum allein ab, sondern auch wesentlich davon, wie die Akzente gesetzt sind. Man liest so ein Gedicht ja für gewöhnlich nicht mit gleichbleibender Betonung.
Zum eigentlichen Tagebucheintrag:
"Die deutsche Sprache ist überwiegend trochäisch." – Das heißt ja eigentlich auch nichts anderes, als dass nun mal überwiegend Stammsilbenbetonung gilt und die Stammsilbe meist am Anfang eines Wortes steht.
Ich halte nicht viel von Begriffen wie Auftakt, Trochäus und Jambus (von Auftakt würde ich nur im Zusammenhang mit Lyrik sprechen, wenn ein Vers mehr Silben hat als die übrigen, ohne dass dies beim normalen Lesen oder Sprechen wirklich auffiele). Im wesentlichen wechseln sich einfach betonte und unbetonte Silben ab.
Ansonsten lässt sich wohl sagen, dass im Deutschen auf eine betonte Silbe üblicherweise ein bis zwei unbetonte Silben folgen, ehe wieder eine betonte kommen muss. Auf Äußerungsebene von Trochäus, Jambus, Daktylus oder Anapäst zu sprechen, dürfte relativ sinnlos sein.
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Kommentar von Jason Honk, verfaßt am 01.04.2012 um 19.33 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1509#20331
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Eine mich manchmal störende ästhetisch-euphonische Schwäche des Deutschen: die zweisilbigen Wörter mit dumpfen Endsilben. Vorteil: deutliche hörbare Trennung der Wörter, da fast alle mit -en, -er, -e usw. enden. (Zusätzliche Hilfe: das Wortanfangssignal durch "glottal stop" – macht Deutsch leicht verstehbar!) Friedrich II von Preußen wollte dem Mangel durch Anfügen eines -a abhelfen: "gebena", "nemena" usw. (man vergleiche die lateinischen oder polnischen Flexionen).
Aber Gedichte wirken dadurch oft molto molto moderato:
"Habt ihr nicht gesehn den König reiten,
Gold an ihm und Gold an allen Seiten,
über ihn und alle seine Großen
ausgesät wie dichte Hagelschloßen..." etc.
Besonders klappernd in Verbindung mit Reimschema aa-bb-cc etc.!
(Ist aber nach einem beruhigenden Glas Wein ein wunderbares Gedicht...)
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