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Neues aus dem Rat - von Theodor Ickler

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12.03.2012
Non leguntur
Latein und Griechisch haben ausgedient

Heiner Geißler hat sein neues Buch "Sapere aude" genannt – sehr ungeschickt, denn das wird die Auflage halbieren. Man kann sich vorstellen, was junge Buchhändlerinnen daraus machen.
Ein berühmter Fall war die indogermanistische Zeitschrift, die Walter Wüst (Ahnenerbe!) herausgab. Sie hieß "PHMA", was natürlich griechisch zu lesen war (rhema = lat. verbum). Die Bibliotheken ordneten es (auch) unter lat. P ein, sonst wäre es unauffindbar verschollen. Erstaunlich, daß intelligente Menschen solche Schwierigkeiten nicht voraussehen.



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Kommentare zu »Non leguntur«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2013 um 07.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#22249

Habe gerade wieder einmal mit Lorem ipsum zu tun und möchte daher auf dieses hier noch nie erwähnte Kuriosum hinweisen. Wiki hat einen hübschen Eintrag dazu.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2012 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#22178

„Der Grundstoff für die legendäre Blutsuppe, deren Kraft Roms Legionen die halbe Welt erobern ließ, waren im Prinzip Blutwürste.“ (SZ Aktuelles Lexikon 22.12.12)

Wirklich?
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 18.10.2012 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#21737

Ob Steinbrück damit seine Tauglichkeit als Kanzlerkandidat zeigen will, daß er sich der albernen Rhetorik Gerhard Schröders bedient? Damals (d.i. im Jahr 2002) wußten die Zeitungen immerhin noch, wie man das Wort schreiben muß.

Was mag als nächstes kommen? Etwa Rilke-Gedichte...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2012 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#21736

Zum Rededuell zwischen Merkel und Steinbrück schreibt die FAZ:

Im Umgang mit Griechenland, so monierte Steinbrück zu Recht, wirke die Koalition kakofon.

Ich fände kackofon konsequenter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.10.2012 um 08.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#21670

In der SZ (12.10.12) wird wieder einmal erörtert, ob gewalttätige Computerspiele Aggressivität fördern oder abbauen. Grausame Szenen der Ilias werden erwähnt: „In seiner Poetik verteidigte Aristoteles solch explizite Gewaltdarstellung. Er hoffte auf eine reinigende Katharsis bei den Rezipienten, die im Theater ihre Gewaltlust abbauten. Gut 2300 Jahre später ist sich die Medienwirkungsforschung einige, dass Aristoteles irrte: ‚Die Katharsistheorie gilt in der Wissenschaft als erledigt, sie konnte nie durch methodisch einwandfreie Studien bestätigt werden‘ ...“ usw.

Aristoteles hatte keine Theorie von hydraulisch aufgestautem Aggressionstrieb (wie bei Freud), und er sprach nicht von Gewaltlust, die es abzubauen gelte. Er behandelte (übrigens in bezug auf die Tragödie, nicht das Epos) die auch von Schiller erörterte Frage nach unserem Vergnügen an tragischen Gegenständen. Warum gehen die Menschen freiwillig und sogar mit einer Begeisterung, von der wir uns heute kaum noch eine Vorstellung machen, ins Theater, um sich den höchst ungerechten Untergang von Menschen anzusehen, denen wir soviel Sympathie entgegenbringen?
Irgendwie scheint die Tragödie den Menschen bei der Daseinsbewältigung zu helfen, sie gehen zufrieden und vielleicht gebessert (Schaubühne als moralische Anstalt), jedenfalls irgendwie befreit nach Hause. Ob man nun eleos und phobos als „Furcht und Mitleid“ oder „Jammer und Schrecken“ übersetzt, die Frage muß als offen gelten, die Katharsislehre ist bisher nicht widerlegt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2012 um 15.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#21257

Im selben Text wird wieder mal einer Äbtissin "Referenz erwiesen", was ja ebenfalls auf redaktionelle Bearbeitung hindeutet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2012 um 19.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#21254

In einem Vortrag des bekannten Kirchenhistorikers Hubert Wolf, den die Süddeutsche Zeitung heute abdruckt, heißt es im Zusammenhang mit den Sakramenten ex opero operato, in vermeintlicher Kongruenz der Ablativendung. Das kann nur durch die Redaktion hineingerutscht sein und wird den Verfasser nicht wenig ärgern.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.03.2012 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#20306

In der Slawistik ist es ähnlich: Viele einheimische Grammatik-Bezeichnungen ergeben wörtlich übersetzt die früheren deutschen Bezeichnungen wie "Namenwörter, Zahlwörter, Fürwörter, persönliche Fürwörter" usw. Aber ins Deutsche müssen sie mit lateinischen Wörtern übersetzt werden. Wörtlich Übersetzen wäre wohl "unwissenschaftlich".
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 28.03.2012 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#20305

Grammatische Begriffe des Griechischen wie "spiritus asper" bzw "lenis" werden durchweg lateinisch wiedergegeben. Auch ein gängiges Griechisch-Lehrbuch trägt den Titel "Lingua Graeca". Man erwartet also einen Zugang zum Griechischen erst durch das Lateinische!

Der letzte Satz von Germanist von der Überheblichkeit paßt übrigens sehr gut zum Thema "alles englisch". Vor einiger Zeit erschien einmal ein sehr schönes Buch "Die Namen der Kleinplaneten", angesiedelt im Grenzbereich zwischen Astronomie und Kulturwissenschaft (auch sprachwissenschaftlich interessant). Das Buch war ein großer Verkaufserfolg, die Auflage binnen kurzem vergriffen. Der Verlag entschied daraufhin, daß es keine Neuauflage geben solle (dürfe). Stattdessen wurde eine englische Übersetzung erstellt und aufgelegt. Bei solcher Verlagspolitik darf man sich nicht wundern. Non legunturne?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 25.03.2012 um 22.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#20296

Ein ganz wesentlicher Teil der griechischen Wissenschaft wurde erst ins Arabische übersetzt (im 9. Jahrhundert in Bagdad) und von da ins Lateinische (im 12. Jahrhundert in Toledo). Die allgemeine Einführung der arabischen Mathematik wurde noch lange danach von der Kirche als Werk des Teufels behindert. Es war immer ein Nachteil, aus Überheblichkeit keine fremdsprachige Fachliteratur zur Kenntnis zu nehmen, nur um behaupten zu können, man habe alles selber entdeckt oder erfunden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2012 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#20294

Es ist wahr, daß die griechische Kultur zeitweise ganz und gar durch römische Vermittlung gegangen ist, und die Angleichung der römischen Kultur an die bewunderte griechische (interpretatio romana) ist erstaunlich, wahrscheinlich einzigartig. Aber trotzdem waren die beiden Völker sehr verschieden, und wenn es zutreffen sollte, was die Vertreter der linguistischen Relativität und gerade auch die Humboldtianer und Neuhumanisten lehren, dann sollte man außer Latein auch Griechisch lernen. Aber bis zum heutigen Tage macht es uns nichts aus, griechische Redensarten usw. auf lateinisch zu zitieren, als sei die Verschiedenheit der Sprachen in diesem Falle völlig gleichgültig. Wir reden gewissermaßen "altsprachlich". Wir sagen also "Amicus Plato, magis amica veritas" usw., als ob Aristoteles lateinisch geschrieben hätte, und tatsächlich sind ja die lateinischen Übersetzungen auch schon von der Tradition geheiligt und haben ihre Wirkung gehabt.
Aber trotzdem: Sollte denn das "Ad fontes" hier gar nichts gelten? Jedenfalls außerhalb der katholischen Kirche. Dort muß man sich ja nach vielen lateinischen Sätzen manchmal erst darauf besinnen, daß es eigentlich um den einen oder anderen griechischen Autor geht.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 21.03.2012 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#20273

Umgekehrt machte es kürzlich ein Kabarettist (habe leider vergessen, wer), der das Getue um "Wetten daß" in Anlehnung an die Papstwahlformel mit "Habemus moderator" kommentierte.
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 21.03.2012 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#20271

Hübsch auch Luc Jochimsens Aufruf zu mehr Zivilcourage (letzte Woche bei Anne Will, ARD):

"Ich wünschte mir Tausende Beate Klarsfelds und ihre männlichen Alter egi!"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2012 um 06.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#20270

Der neueste Kino-Schmarrn spielt in einem Fabelreich "Panem". Wie die Verfasserin der Romanvorlage ("The Hunger Games") zu erkennen gibt, stammt das Wort aus der bekannten Formel panem et circenses, und es ist zu vermuten, daß sie dies für den Nominativ hält. Damit rekapituliert sie unbewußt einen Teil der romanischen Sprachgeschichte.
 
 

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