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Neues aus dem Rat - von Theodor Ickler

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01.03.2012
Sex
Beiläufige Beobachtung

Wir sind Säugetiere, können es aber nicht einfach hinnehmen.

Bei manchen Internetseiten kann man einen "Familienfilter" ein- oder ausschalten, und Google bietet an:

SafeSearch-Filter
Welche Art sexuell expliziter Inhalte (Webseiten, Bilder und Videos) soll der SafeSearch-Filter aus Ihren Ergebnissen filtern?


Anderes auszufiltern scheint nicht zur Diskussion zu stehen, vielleicht ist es schon ausgefiltert, bevor es gefährlich werden kann.

Dieses Starren auf die Fortpflanzungsfunktion ist eigentlich merkwürdig. Es erinnert an manche Institutionen, für die "Moral" fast dasselbe ist wie "Sexualmoral". (In der antiken Moralphilosophie kommt Sex so gut wie gar nicht vor.)

Damit wären wir beim "Weltbild"-Verlag, einem der größten Handelsunternehmen in Deutschland. Daniel Deckers zeigt in der FAZ (1.3.12), daß die Konkurrenz hier offenbar eine Kampagne angezettelt hat, um das profitable Unternehmen billig übernehmen zu können. Zu diesem Zweck wurden die Bischöfe und der Papst mit Meldungen über das "Erotik"-Angebot derart in Schrecken versetzt, daß sie sofort und um jeden Preis verkaufen wollten. Inzwischen ist eine gewisse Beruhigung eingetreten, und vielleicht führt sie nicht nur zum Erhalt der Firma samt hübscher Einkünfte, sondern auch zum Erhalt der Arbeitsplätze, ja vielleicht sogar zu einer Besinnung, was es denn mit dem ominösen Angebot für lebenslustige Säugetiere überhaupt auf sich hat.



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Kommentare zu »Sex«
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Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 31.10.2012 um 09.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1501#21822

Ich würde das so lösen: Google definiert einfach verschiedene Kategorien von Seiten. Jede tatsächliche Seite wird dann einer oder mehreren Kategorien zugeordnet; diese Zuordnung läßt sich aufgrund des Inhaltes relativ leicht erstellen. Im Fall von Filtern werden einfach Seiten, die entsprechenden Kategorien angehören, gesperrt, und zwar mit allen Inhalten, also auch den darin enthaltenen Bildern, unabhängig davon, was diese Bilder tatsächlich zeigen.
Bei der Bildauswahl selbst wird zuerst der Dateiname und dann eine eventuelle Bildunterschrift herangezogen. Benenne ich also ein Bild, welches ein Auto zeigt z. B. mit Fuß.jpg, dann wird dieses Autobild unter den gesammelten Füßen erscheinen, sofern es nicht von einer gefilterten Seite stammt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2012 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1501#21820

Früher scheint das recht simpel gehandhabt worden zu sein. Man beklagte sich, daß Internetseiten mit Stichwörtern wie "Brust" gesperrt wurden, so daß die Suche nach medizinischen Auskünften schwer war. Ein Lehrer erzählte mir, als ich selbst noch kein Internet hatte, daß die Eingabe "Erziehung" erst einmal eine lange Reihe von Domina-Studios brachte; das scheint inzwischen überwunden. Gestern sprach ich zufällig wieder mit ihm, und er meinte, die Google-Suche sei inzwischen so personalisiert, daß von jedem PC aus etwas anderes Priorität habe. Natürlich kennt Amazon längst meine Interessengebiete. Bei Google muß man etwas geschickter suchen, bis man durch die von anderer Seite gesteuerten Prioritäten durchstößt.

Das E-Mail-Angebot hat sich auch verändert, weniger Potenzmittel (vielleicht werde ich als zu alt eingeschätzt), mehr plumpe Versuche, an meine Bankdaten zu kommen. Unverändert die Aufforderungen, einem Nigerianer Geld zu schicken, damit er es mir hundertfach zurückzahlen kann.

Insgesamt habe ich als eifriger Internetnutzer, aber Ahnungsloser in technischen Hintergründen, den unbestimmten Eindruck, daß wir immer noch in den Anfängen dieser wunderbaren Erfindung stecken. Es wird sicher alles noch mehr durchkommerzialisiert, aber ich bin sicher, daß ich immer meine Nische finden werde.

Mein Freund schimpft gern auf das Internet und kann sich nicht damit abfinden, daß Amazon usw. den Buchhandlungen den Garaus macht. Ich brauche keine Buchhandlungen. Ich weiß immer, was ich will, und meine Möglichkeiten, es zu beschaffen, stehen nicht hinter denen einer Buchhandlung zurück. Seit der Rechtschreibreform betrete ich sowieso keine Buchhandlungen mehr. Bei Thalia wird mir richtig schlecht. Die Konkurrenz hält sich, wie man hört, nur dadurch über Wasser, daß sie der Universitätsbibliothek die Zeitschriften liefert, an denen diese zugrunde geht. Da scheint sich aber eine Veränderung anzubahnen, wie die Boykottbewegung gegen Elsevier zeigt (Open Access).
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 31.10.2012 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1501#21819

Habe mich aus Neugier gerade ein bißchen kundiger gemacht. Es gibt viele Berichte von Nutzern, Anbietern und Beobachtern, die sich über die Ergebnisse der Google-Suchen wundern. Beispielsweise kann es passieren, daß man bei einer Suche mit aktiviertem SafeSearch mehr Bilder angezeigt bekommt als mit einer Suche ohne Filter. Solche unlogischen Ergebnisse gibt es auch bei der Textsuche.

Grundsätzlich verrät Google nichts Genaues über seine Suchalgorithmen. Man kann aber davon ausgehen, daß Google nicht nur den Bildtitel oder Tags auswerten läßt, sondern zugleich alles mögliche andere. Dazu zählt der Text der gesamten Internetseite, auf der das Bild erscheint. Wenn der ordinäre Passagen enthält, wird es ungemütlich für das Bild. Außerdem werden die Links überprüft, die auf die Seite mit dem Bild führen. Wenn diese zu oft auf inkriminierten Seiten stehen ("schlechte Nachbarschaft"), ist man ebenfalls in Gefahr, in den Filter verschoben zu werden. Dabei kann es ohne weiteres vorkommen, daß eine ganze Internetseite dem Filter zugeordnet wird, die auf ihr veröffentlichten Bilder aber nach wie vor über die Google-Filtersuche gefunden werden, weil sie auf andere Seiten kopiert wurden oder von anderen Seiten aus über Links erreichbar bleiben.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 31.10.2012 um 04.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1501#21818

Ich bin kein EDV-Fachmann, aber ich denke, die Bilder werden nicht einfach als solche gespeichert, sondern zusammen mit Stichwörtern ("Tags"), die auf den Inhalt schließen lassen und auf die Suchen späterer Nutzer zugeschnitten sind. Der Familienfilter richtet sich nach diesen Metadaten. Wenn bei den Tags ein Begriff dabei ist, der auch etwas mit Sex zu tun haben könnte, wird der Filter das wohl bemerken. Interessant wäre dann die Frage, wie man den Filter programmiert, damit nicht jedes Bild eines Fußes unterdrückt wird, nur weil es unter anderem mit den Begriffen Haut und Model verknüpft worden ist. Die Auswertung der Bilder wird wohl nicht nach der Holzhammermethode programmiert (Tag Haut = verboten), sonst würden schnell Proteste auflaufen. Aber ich könnte mir vorstellen, daß ein Begriff wie Haut schon irgendwie in die Berechnung des Anstößigkeits-Koeffizienten einfließt. Wenn es jemand besser weiß, bitte korrigiert mich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2012 um 19.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1501#21815

Es gibt ja Fußfetischisten, aber Füße kann man eigentlich nicht in aufreizenden Posen darstellen, oder? Fußpornographie? Wem diese Neigung fremd ist, dem kann man Füße drehen und wenden, wie man will, es wird ihn nicht anturnen. Wenn man bei Google/Bilder "Füße" (oder feet) eingibt, kann man unendliche Reihen Füße anschauen, aber ich kann nichts besonders Aufregendes entdecken. Schaltet man jedoch den vorgegebenen Familienfilter aus, der ja erklärtermaßen entfesselten Sex freigeben soll, dann erscheinen sofort andere Füßte bzw. dieselben Füße in anderer Reihenfolge (ich habe es nicht genau nachgeprüft). Warum das so ist, weiß ich nicht, die Fußbilder können doch nicht von Zensoren im Hinblick auf ihre pornographischem Potentiale indiziert worden sein. Gibt es auch Knopffetischisten? "Knöpfe" ergibt denselben Effekt. Überhaupt alles. Ziemlich sonderbar.
 
 

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