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Neues aus dem Rat - von Theodor Ickler

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23.02.2012
Buch oder Bildschirm
Warm werden mit einem Abstraktum?

Neulich sah ich jemandem längere Zeit zu, der in einem E-Book las, einen Roman. Irgend etwas fehlt.

Ich lese ja selbst sehr viel am Bildschirm, Tausende von Texten habe ich schon gespeichert. Friedrich Forssmans Plädoyer für das gedruckte Buch hat mich noch einmal auf die Frage gebracht, was mir eigentlich zu fehlen scheint, abgesehen von gewissen optischen Problemen.

Ich glaube, es liegt an meinem ziemlich ausgeprägten "Ortsgedächtnis". Ich erinnere mich noch lange daran, daß eine bestimmte Textstelle auf einer rechten Buchseite links oben stand usw. Beim Scrollen und Verändern der "Ansicht" auf dem Bildschirm verlieren die Textstellen diese "Lokalfarbe", der Text wird vollkommen abstrakt. Fußnoten erscheinen oft auch nicht auf derselben Fläche, sondern werden per Link eingeblendet. Das ist wie eine Rede aus dem Nirgendwo, ohne sinnlich wahrnehmbaren Sprecher. Für bestimmte Informationen genügt es, aber so richtig warm werden kann ich mit einem solchen Abstraktum nicht. Ob es anderen auch so geht?



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Kommentare zu »Buch oder Bildschirm«
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Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 07.03.2013 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22764

Programmieren ist eine Kunst, die neben semantischer Richtigkeit des Codes alle Fälle behandeln muß, die möglich sind, also alles behandeln, was geschehen soll und auch alles, was nicht geschehen darf.

Kompliziert wird es im Zusammenspiel mehrerer Programme und wenn Programme zu beliebigen Zeitpunkten auf externe Ereignisse reagieren müssen (Interrupt). Das monatliche Microsoft-Update belegt, daß über Jahrzehnte laufend große Mengen an Fehlern in den Programmen gefunden werden, die dann durch solche Updates „gepatched“ werden. Und gäb’s keine Programmierfehler, gäb’s auch keine Hacker.

Vorgesehene Einstellungen am Rechner auszuwählen würde ich als Parametrieren und nicht als Programmieren bezeichnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2013 um 19.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22762

Ganz sicher verhält es sich so. Und im Grunde hat er ja recht, auch wenn wir bloß ein paar Einstellungen ändern usw., programmieren wir ja unsere Computer, wenn auch nur ganz an der Oberfläche.
Vor 30 Jahren, als das alles anfing, wurde mit dem MS-DOS auch ein BASIC geliefert, da habe ich dann auch mal ein bißchen mit gespielt. Aber mir war schon klar, daß ich meine Tage nicht damit verbringen wollte. Immerhin habe ich handgreiflich gelernt, daß man beim Schreiben von Programmen nicht den kleinsten Fehler machen darf. Die Suche danach kann sehr aufwendig sein. Insofern schult das Programmieren, auch wenn man es nicht berufsmäßig treiben will, genau jene Sekundärtugenden, deren Förderung man dem Lateinunterricht zuschreibt (und noch einleuchtender Mathe).
Ich stelle mir vor, daß in den Animationen der Filmindustrie eine schwindelerregende Programmierarbeit steckt, und bewundere Leute, die das beherrschen oder wenigstens durchschauen.
Steinbrücks Bemerkung, "für die Arbeitswelt" sei Computerbeherrschung wichtiger als Latein, ist ja fast tautologisch, denn die Berufe mit Latein sind selten. Die Voraussetzung, daß alles an den Schulen im Dienste der Arbeitswelt zu stehen habe, entspricht wohl Steinbrücks tiefer Überzeugung. Er wollte den Herstellern was Nettes sagen, hat nebenbei schwierige pädagogische Fragen beantwortet und meint wohl, daß ihm das keiner so genau nachrechnet. Es gibt ja viele, die sich mal eben zur Schule äußern, weil sie mit der Folgenlosigkeit ihrer Reden rechnen dürfen. Mal sehen, was er sagt, wenn er vor dem Deutschen Philologenverband redet ...
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 06.03.2013 um 18.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22761

Steinbrück weiß wahrscheinlich nicht, was Programmieren bedeutet, er meint vermutlich das Benützen eines PCs oder eines Smartphones.
Programmieren im eigentlichen Sinn (z. B. Unix, C++, Java, usw.) wird auch in Zukunft kaum etwas für jeden Schüler sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2013 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22760

Auf der CeBIT hat Steinbrück verlangt, man solle jedem Schüler einen "mobilen Computer" zur Verfügung stellen. Programmieren sei die zweite Fremdsprache von morgen, nicht Latein (worin er durchgefallen sei).

Gibt es noch Schüler, die keinen haben? Muß der Staat das bezahlen? Sind die Ergebnisse der Laptop-Klassen (Bertelsmann, Sony) so überwältigend, daß die Ausgabe sich lohnt? Könnte man für die 10 Milliarden nicht mehr Lehrer einstellen?

Die ebenfalls angemahnten Internetfähigkeiten sind doch bei fast allen Schülern längst vorhanden, wir Älteren können uns von unseren Kindern jederzeit Rat holen. "Programmieren" wird immer nur ein Teil der Schüler lernen und später mal brauchen.

Man kann die Selbstironie auch zu weit treiben: Steinbrück plädierte für eine "Kultur des Scheiterns".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2013 um 12.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22666

Eher tivi.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.02.2013 um 10.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22664

Gibt es eigentlich Leute, die tatsächlich Tefau statt Fernsehen sagen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2013 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22662

Ich werde weiterhin alles außer Lebensmitteln bei amazon kaufen. Warum sollte ich zum Erhalt der Buchhandlungen beitragen, etwa Thalia in bester Innenstadtlage? Die Buchhandlungen verschandeln die Städte, jeder Blick in die Auslage dreht mir den Magen um, und der Gedanke an das Innere (alles in falscher Reformschreibung) verdirbt mir die Laune für den ganzen Tag. Waschsalons mit ihren zuverlässig rotierenden Trommeln sind viel schöner.
Bei amazon kriege ich alles billiger, Neuerscheinungen nach ein paar Wochen zum halben Preis, vor allem aber Bücher aus Amerika und anderen Ländern für fast nichts, bloß die drei Euro Porto. Elektrogeräte kann man sich bei Saturn ansehen oder im letzten noch dahinvegetierenden Haushaltswarengeschäft und dann bei amazon marketplace bestellen. Dahinter stecken ja auch Fachgeschäfte, nur eben die preisgünstigsten. Ich bin ein rationales Wirtschaftssubjekt (wie ich vor 50 Jahren in einer schönen Vorlesung gelernt habe). Ebenso rational wie mein Arbeitgeber, der mir das Gehalt bzw. die Pension auch nicht aus Menschenliebe zahlt. Die TV-Sendung über amazon habe ich natürlich nicht gesehen. Hat sich schon mal jemand um andere Saisonarbeiter gekümmert?
Übrigens schreibt ein Leser in der FAZ heute sehr schön, daß er in seinem fernsehfreien Haushalt die TV-Gebühr als den Preis dafür betrachtet, sich "das Programm der Öffentlich-Rechtlichen vom Hals halten zu dürfen. Auf den Tag und die gewonnene Lebenskultur umgerechnet, ist die Abgabe gar nicht mehr zu teuer." – In einem Artikel vom selben Tage sagen Wissenschaftler, Kinder sollten nicht mehr als zwei Stunden am Tag fernsehen. Kinder, die 15 % ihres wachen Lebens vor dem Fernseher verbringen! (Dann erzählen sie einem von einem gewissen Stefan Raab, den ich nicht kenne, der aber demnächst Bundeskanzler werden soll oder so ähnlich, mich wundert gar nichts mehr.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2013 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#22505

Nachdem es um die Renommierschulen mit ihren gesponserten „Laptopklassen“ still geworden ist, liest man nur im Regionalteil der Zeitungen immer wieder mal, in dieser oder jener Schule lerne man nun mit Laptops und Ipads und komme „Mit Bits und Bytes zum Abi“ (SZ 29.1.13 über die Privatschule Schloß Neubeuern). Den Schülern mache es Spaß und: „Das Lernen werde dadurch spielerischer und kreativer.“ Das sind alles keine objektivierbaren Kriterien. Interessant auch die Voraussetzung, daß Ausdrücke wie „Bits und Bytes“ immer noch Eindruck machen.
„Große Vorteile hat das digitale System auch, wenn ein Schüler krank ist, weil die Lehrer ihm auf sein Laptop alles schicken können, was im Unterricht durchgenommen wurde.“
Das war ja früher ein unüberwindliches Problem, nicht wahr? Und dafür werden hunderttausend Euro ausgegeben? (Übrigens haben die Jungen blaue Ipads und die Mädchen rosafarbene bekommen. Auch das scheint zur Überwindung der, wie es dort heißt, „anachronistischen“ Pädagogik mit Papier und Stift beitragen zu sollen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2012 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20209

Gerade im Zusammenhang mit dieser Messe war wieder zu hören, wie viele "Laptopklassen" inzwischen gesponsert werden. Gibt es überhaupt noch Medienpädagogen, die keine Auftragsforschung treiben? Die Verlagsbeilagen der Zeitungen zum Thema "Lernen" sind ganz und gar auf elektronische Medien ausgerichtet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.03.2012 um 11.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20208

Wie ist das denn genau mit der Marktmacht, kann man irgendwo sehen, wie sich z. B. die Spiegel-Bestsellerliste auf E-Bücher und gedruckte Bücher verteilt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2012 um 08.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20206

Die sogenannte "Bildungsmesse" didacta wurde auch wieder von den Computer- und Softwarefirmen beherrscht. Die unwidersprochene Botschaft ist, daß das gedruckte Buch total out sei. Für die elektronischen Medien spricht zwar keine pädagogische Empirie, sondern nur die Marktmacht, aber wer könnte sich dagegen vernehmbar machen?
Am Rande spielte auch die Interkulturelle Kommunikation eine Rolle, auch so ein Windei. (Der strikt monokulturelle Innenminister Friedrich sprach sich kürzlich für Bikulturalität der Türken in Deutschland aus ...)
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 04.03.2012 um 00.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20202

MGs Einlassung soll wohl nicht so ernst gemeint sein. Ansonsten ist es unlauter, eine Idee im vorhinein mit einem zu Recht vergessenen Plan zu vergleichen und damit zu diskreditieren.

Praxiserfahrung habe ich genug, um zu wissen, daß Schüler, die ihr eigenes E-Book kaputtmachen, es auch selbst ersetzen müssen. Spätestens beim zweiten gibt's zu Hause Ärger. Und die Schule hat auch kein Problem damit, wenn der Schüler wieder Bücher aus Papier schleppt.
Mit einem Schüler-E-Book geht kein pädagogisches Konzept einher. Es dient dazu, die Schultasche leichter und Literatur und Sachtexte verfügbar zu machen; nicht mehr und nicht weniger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2012 um 08.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20201

Über die Laptop-Klassen haben wir schon gesprochen (hier). Ich verfolge die Entwicklung am Rande mit, weil es schließlich um sehr wichtige Fragen der Lesekultur usw. geht. Aber seither habe ich keine Erfolgsmeldungen von der Laptop-Pädagogik mehr vernommen, obwohl Bertelsmann doch so viel Geld hineingesteckt hat. Es hat in der Pädagogik schon oft "völlig neue Dimensionen" gegeben.
 
 

Kommentar von MG, verfaßt am 02.03.2012 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20200

| Eine sehr überlegenswerte Anwendung von E-Books
| scheint mir in der Schule gegeben.

Diese Überlegung führt in die Irre. Schmeißt man ein Schulbuch in die Ecke oder haut es seinem Mitschüler um die Ohren (beides tägliches Praxis in der Schule), dann funktioniert es hinterher immer noch, es hat hinterher höchstens ein paar Eselsohren oder einen angeschlagenen Deckel.

Macht man das gleiche aber mit einem E-Book oder Laptop, dann ist das entsprechende Gerät hinterher hin.

"Laptopklassen" sind seit 15 Jahren der letzte Schrei der Schulinnovation. Aber nur bei denen, die keine Ahnung von der Praxis haben.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 26.02.2012 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20174

Archive haben schon jetzt das Problem, geeignete Geräte für (inzwischen veraltete) Neue Medien vorzuhalten. Wer benutzt heute noch Disketten, schon gar die großen?
So gehen fünfzehn Jahre alte Aufzeichnungen verloren, während fünfhundert Jahre alte Bücher lesbar sind wie am ersten Tag.

So sind E-Books von heute auch nur Ergänzungsmedien. Sie eignen sich gut, wenn man auf Reisen eine Auswahl von Büchern mit sich führen will. Die eigentliche Bibliothek hat man zu Hause; sogar das Original der Software-Bücher ist im Schreibtischrechner, und nur eine Kopie läuft auf dem E-Book.

Eine sehr überlegenswerte Anwendung von E-Books scheint mir in der Schule gegeben. Wenn alle Schulbücher elektronisch vorlägen, bräuchten die Schüler weit weniger Bücher mit sich herumzuschleppen. Die Bände könnten viel einfacher aktualisiert werden, und selbst konkurrierende Bücher anderer Verlage könnten parallel genutzt werden.
Die Wahrscheinlichkeit, daß Schüler ihre Bücher vergessen, ist auch geringer.
 
 

Kommentar von Peter Schmitt, verfaßt am 26.02.2012 um 13.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20171

Neben den bereits angesprochenen Punkten gibt es Fragen, die – soweit ich es beobachten konnte – selten oder nie angesprochen werden:
Bücher kann man verleihen, verschenken, verkaufen – geht das auch bei E-Books?
Verschiedene Bücher aus einer "herkömmlichen" Bibliothek können von mehreren Lesern gleichzeitig benützt werden.
Bücher, einmal gekauft, werden (voraussichtlich) auch nach 50 Jahren noch benutzbar sein.

Natürlich hat das E-Book auch einen Vorteil, der – zumindest auf den ersten Blick – unbestreitbar ist:
Man kann, wenn man will, auch hundert Bücher mit sich herumtragen. Aber was passiert, wenn das Lesegerät verlorengeht oder unbrauchbar wird?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2012 um 09.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20162

Ich lese ja auch keine Romane mehr, insofern betrifft mich das Problem, das ich selber aufgeworfen habe, nicht so sehr. Nur bei Fremdsprachen mache ich ein Ausnahme, na, und bei orthographisch verhunzten deutschen Romanen, über die ich mich ärgern will (um es dann hier abzuladen). Und Anthony Powells "A dance to the music of time" habe ich nur wegen des schönen Titels gelesen und weil ich jedes Buch, wenn ich mal angefangen habe, auch zu Ende lese, in diesem Fall also zwölf Bände. Poussins namengebendes Gemälde ziert seither meinen Desktop.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.02.2012 um 21.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20161

Für mich ist ein Buch erst wertvoll, nachdem ich es mit Markierungsstreifen an den wichtigen Stellen versehen habe. Ohne Stichwortverzeichnis ist ein Buch kaum brauchbar. Allerdings lese ich keine Romane. (Das längste Buch war Bozena Nemcová: Die Großmutter, Eine Erzählung aus dem alten Böhmen)
 
 

Kommentar von Ralf Gruner, verfaßt am 24.02.2012 um 19.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20160

Ich will die Technik gar nicht zu sehr verteidigen, Herr Riemer, denn ein Buch zu benutzen ist mir eigentlich auch lieber. Aber trotzdem - wenn man sich erstmal darauf eingestellt hat, gibt es auch kleine Vorteile. Im Bett etwa läßt sich einfacher umblättern. Man kann sich die Schriftgröße aussuchen. Man hat unterwegs mehrere Bücher dabei einschließlich Wörterbücher – wer fremdsprachig liest, weiß so etwas sicher zu würdigen.
Daß die Benutzungsdauer mit einer Akkuladung nicht genauer angegeben wird, liegt an der Technik. Das Gerät braucht hauptsächlich nur dann kurz Strom, wenn man umblättert. Einem Käufer aber etwas von 8000 Blättervorgängen zu erzählen, wie es andere Hersteller machen, war Amazon vielleicht nicht anschaulich genug. In der Praxis reicht eine Ladung jedenfalls für mehr als ein Buch.
Die Ladegeräte sind kein Problem, da übliche USB-Schnittstellen benutzt werden, also funktionieren auch Mobiltelefon-Netzgeräte.
Und der Metall- oder Plastikrahmen steckt bei mir in einer gelungenen Lederklapptasche, die man fast wie ein Buch halten kann.
Als Problem empfinde ich eher die Dinge, die unausgereift sind. Beispielsweise ist es unmöglich, die Silbentrennung der Geräte zu aktivieren, weil da gelegentlich greuliche Fehltrennungen passieren. Und selbst wenn das mal besser werden sollte, kennt die Software dann vermutlich nur die reformierten Varianten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.02.2012 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20159

"Ein vollgeladener Akku hält bei ausgeschalteter WLAN-Funktion bis zu einem Monat, wenn Sie täglich bis zu einer halben Stunde lesen. Mit dauerhaft eingeschalteter WLAN-Funktion hält er bis zu 3 Wochen." (Amazon über Kindle)

Immer dieses unverbindliche "bis zu". Ein Durchschnittswert wäre mir lieber. Wenn ich also, z. B. im Urlaub, täglich 3 Stunden lesen möchte, geht das "bis zu" 5 Tagen, mit eingeschalteter WLAN-Funktion "bis zu" 3 Tagen.

Wie oft habe ich mich schon geärgert, wenn ich vergessen hatte, Kamera oder Handy aufzuladen. Und für jedes Teil, incl. Rasierapparat usw., muß man ein anderes Ladegerät dabeihaben.
Wie unabhängig bin ich da mit einem Buch aus Papier.

Und ein schöner Buchumschlag macht mir auch viel mehr Lust zum Lesen als so ein grauer Metallrahmen.
 
 

Kommentar von Ralf Gruner, verfaßt am 24.02.2012 um 13.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20158

Mit Formeln und Skizzen sieht es momentan eher schlecht aus. Es gibt wohl Geräte, die handschriftliche Anmerkungen und Skizzen zulassen, aber da habe ich eher nur über Probleme anstatt Begeisterung gelesen.
Farbige Bildschirme gibt es hierzulande auch noch keine, sofern man die Gerät mit leuchtendem Bildschirm (LCD) nicht mitrechnet. Und der Farbraum und -konstrast der angekündigten Bildschirme mit elektronischem Papier scheint vorerst auch nicht berauschend zu sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.02.2012 um 12.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20157

Eine Frage ist natürlich auch, welche Art Notizen man erfassen kann. Bei Amazon lese ich über Kindle, daß man Notizen über eine virtuelle Tastatur eingeben kann. Also Buchstaben, Zahlen, ein paar Sonderzeichen. Wie ist es aber mit mathematischen Formeln, Skizzen?
Ob und wie ein E-Book farbige Abbildungen und Fotos anzeigt, die in vielen Büchern enthalten sind, konnte ich der Amazon-Beschreibung nicht entnehmen.
 
 

Kommentar von Ralf Gruner, verfaßt am 24.02.2012 um 11.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20155

Wahrscheinlich haben alle Lesegeräte der aktuellen Generation Funktionen für Lesezeichen und Anmerkungen. Akzeptabel benutzen kann man die aber nur bei den Modellen, die mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm ausgestattet sind. Ich benutze beispielsweise ein Cybook Odyssey, da funktioniert das recht gut.
Mit der Position einer zu suchenden Stelle geht es mir ähnlich. Wenn ich einen Roman lese, blättere ich aber meistens nur wenige Seiten zurück, und dann klappt das beim Lesegerät auch einigermaßen, denn man stellt ja nicht ständig an der Schriftgröße herum. Da man aber keinen Finger zwischen die Seiten klemmen kann, um sich die Position zu merken, und es keine rechte oder linke Seite gibt, habe ich mir bei der Benutzung des Gerätes wohl doch einen etwas anderen Lesestil angewöhnt. Das empfinde ich aber nicht als allzu schlimm und möchte den Vorteil der Platzersparnis nicht mehr missen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.02.2012 um 11.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20154

Ich wollte nicht sagen, daß es unmöglich ist, nur habe ich von solchen E-Book-Funktionen bisher nicht gehört. Sicher werden die Geräte auch schnell weiterentwickelt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2012 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20153

Ich bin überrascht: Kann man wirklich in E-Books keine (auch wieder versteckbaren) Notizen eintragen? Bei gespeicherten Texten auf dem PC kann man das doch ganz leicht.
Ja, das Suchen ist natürlich enorm erleichtert, und überhaupt wäre es ja Unsinn, die Vorteile der elektronischen Speicherung usw. zu bestreiten. Aber eben: Suchen ist nicht Lesen ...
Ich muß auch zugeben, daß ich im Laufe meines Lebens viel zu viele Bücher gekauft habe, wenn auch oft antiquarisch (wie ich auch jetzt kaum widerstehen kann, wenn ich bei ZVAB oder amazon ein Buch sehe, das kaum mehr als das Porto kostet, also oft nur 1 Cent plus 3 Euro, das kommt mir dann geschenkt vor). Aber ich habe eigentlich schon lange keinen Platz mehr im Reihenhäuschen, und die Auslagerung in die immer noch bewohnten Kinderzimmer klappt auch nicht so recht. Da wäre die elektronische Speicherung schon besser gewesen.
Der ernste Hintergrund ist natürlich, ob und wie sich unser Verhältnis zur Schrift ändert. Werden wir das gedruckte Buch (und die deutsche Sprache) eines Tages nur noch für Belletristisches nutzen, während die "Information" englisch und elektronisch abgewickelt wird?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.02.2012 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1500#20150

Das mit dem Ortsgedächtnis geht mir ganz genauso. Wenn ich beim Lesen zurückblättere und eine bestimmte Stelle suche, weiß ich, ob ich links oben oder rechts unten usw. suchen muß. Das geht im E-Book sicher verloren, andererseits gibt es vielleicht dort komfortable elektronische Suchfunktionen.

Was ich bei einem E-Book noch vermissen würde: In eigene Bücher trage ich gern mit Bleistift Randnotizen oder Markierungen ein. Vielleicht ließe sich das in einem E-Book sogar auch irgendwie einrichten.

Letzlich ist es wohl eine Frage der Gewohnheit. Im Moment glaube ich nicht, daß ich mir jemals einen (oder ein?) "Kindle" oder ähnliches anschaffen werde.
 
 

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