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Beiträge zum Thema

»Zweifel«

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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 07.09.2016 um 15.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#11489


Ja, so war es gemeint, es klang bloß so pedantisch, »das Jahr vor dem Jahr« zu schreiben.
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 06.09.2016 um 19.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#11488


Zu #11485: »Das zweite Jahr der Erbauung des Tempels von Jerusalem war nicht das Jahr vor seiner Fertigstellung.« Das wäre es aber auch nach der anderen Lesart nicht, sondern danach wäre das zweite Jahr der Erbauung des Tempels das Jahr vor (eigentlich: nach) dem Jahr vor seiner Fertigstellung. Oder?
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 06.09.2016 um 15.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#11487


Das erste/zweite/dritte/... halbe Jahrtausend v. Chr. dürfte ebenso klar feststehen wie das erste/zweite/dritte/... Jahrzehnt/Jahrhundert/Jahrtausend v. Chr., der Bezugspunkt ist die Zeitenwende.

Danach wäre z. B. das zweite halbe Jahrtausend v. Chr. die Zeit von 1000 bis 500 v. Chr. (Einen evtl. Streit über +-1 Jahr können wir außen vor lassen.) Allerdings kann ich mich nicht erinnern, so eine Formulierung schon mal gelesen zu haben.

Die erste Hälfte des ersten Jahrtausends v. Chr. bezieht sich aber dann, etwa mit Herrn Markners Worten, auf das Leben vorwärts innerhalb des so ("erstes v. Chr.") bezeichneten Jahrtausends, und zwar auf dessen Beginn im Jahr 1000 v. Chr., dessen zweite Hälfte dann von 500 bis 1 v. Chr. dauerte.

Zuerst hat es mich etwas irritiert. Man muß aber genau auf die Formulierung achten.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 06.09.2016 um 08.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#11485


Man zählt zwar rückwärts, aber die Menschen haben ja nicht rückwärts gelebt. Das zweite Jahr der Erbauung des Tempels von Jerusalem war nicht das Jahr vor seiner Fertigstellung.
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 05.09.2016 um 10.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#11484


Was ist eigentlich die zweite Hälfte des ersten Jahrtausends vor Christus?

In Wikipedia, z. B. auf der Seite über die erste Lautverschiebung, scheinen damit die Jahre 500 bis 1 v. Chr. gemeint zu sein.
Der größere Teil meiner Bekannten ist aber felsenfest der Überzeugung, daß man vor der Zeitenwende ja rückwärts zählt, die zweite Jahrtausendhälfte könnten also nur die Jahre 1000 bis 500 v. Chr., d.h. vor der ersten Hälfte, gewesen sein. Das zweite Jahrtausend v. Chr. liege ja auch vor dem ersten Jahrtausend v. Chr.

Gibt es dafür eine Konvention, oder muß man sich das, was wirklich gemeint ist, immer aus dem Kontext erschließen?
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Dieser Beitrag wurde am 06.01.2013 um 21.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#9860


Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.01.2013 um 11.54 Uhr

Bei Matthäus 17, 14 steht "seläniatsetai"; laut alt- und neugriechischem Wörterbuch heißt das "er ist mondsüchtig". Das lateinische "lunaticus" ist wohl eine Lehnübersetzung aus dem Griechischen. Im Mittellateinischen Glossar steht unter "lunaticus" mondsüchtig, epileptisch. Möglicherweise war den Mittellateinern das altgriechische Wort "epiläptos", epileptisch nicht mehr bekannt ("graeca sunt, non leguntur").
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 05.01.2013 um 14.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#9850


Lieber Herr Herter,
vielen Dank für den Hinweis. Die Stelle heißt nach der Ausgabe des Verlags Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft zu Berlin, 4. Aufl. 1972:
"Herr, erbarme dich über meinen Sohn! denn er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser; und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, und sie konnten ihm nicht helfen."

Na ja, ich verstehe die Werbung so, daß entweder der Spruch heißt: "Wer der Mondsucht verfällt, ist nicht mehr Herr seiner Sinne", oder mit dem "Spruch" ist nur das Wort "Mondsucht" bzw. "mondsüchtig" gemeint, und der zweite Teilsatz ist eine eigene Ergänzung.
Oder als gäbe es einen Spruch, der sozusagen das Wort "mondsüchtig" definiert. Aber in der Bibel wird es einfach wie ein allgemein bekanntes Wort benutzt. Ich finde nicht, daß diese Stelle Spruchcharakter (Sprichwortcharakter) hat. Sie ist Teil einer Erzählung. (Im Alten Testament gibt es eine gesonderte Sammlung von Sprüchen.)

Interessant wäre, ob Luther das Wort eigens für diese Übersetzung erfunden hat oder ob es den Ausdruck vorher schon gab:
Hermann Paul: "lat. lunaticus (wie schon ahd. manodsioh)"
Etym. Wörterb., dtv 1995: "ahd. manodsioh 'mondsiech, mondsüchtig' (9. Jh.)"
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 05.01.2013 um 14.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#9849


Die Stelle steht in der Fassung von 1545 u. a. hier.
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Roger Herter
Basel

Dieser Beitrag wurde am 05.01.2013 um 12.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#9848


Lieber Herr Riemer, falls mit Mondsucht Schlafwandeln gemeint ist (und nicht bloß Mondfühligkeit), könnte sich der alte Spruch auf eine Bibelstelle beziehen. Matthäus 17,14 beschreibt knapp und anschaulich einen solchen Fall; der Betroffene ist in der Tat nicht mehr Herr seiner Sinne:

Ein Vater fleht Jesus an, seinem Sohn zu helfen, der ein schreckliches Leiden habe. Er falle nämlich wieder und wieder hin, auch ins Wasser und selbst ins Feuer, "denn er ist mondsüchtig".

(Gerne hätte ich hier die originale Lutherübersetzung gebracht, habe aber leider im Moment weder Zugang zu meinen Büchern noch Zeit für eine Netz-Recherche. Falls Sie den Wortlaut nachlesen möchten, bitte keine 'modernisierte' Fassung benutzen. Heute ist der Teufel zum Dämon und die Mondsucht zur Besessenheit geworden...)
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 05.01.2013 um 00.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#9842


"Wer der Mondsucht verfällt, so ein alter Spruch, ist nicht mehr Herr seiner Sinne."
(aktuelle Programmwerbung im Fernsehsender Phönix)

Kennt jemand so einen Spruch?
Es ist das, was man gemeinhin unter Mondsucht versteht, nichts Originelles, nichts, wofür Sprüche gut sind, wofür man sie braucht, weshalb besonders alte Sprüche aktuell und in Erinnerung bleiben. Die Einfügung ist also nur albernes Geschwätz.

Ich glaube gar, mit dem "Spruch" ist nur das Wort "Mondsucht" gemeint. Dann ergäbe der Satz zwar etwas mehr Sinn, aber ein einzelnes Wort ist doch kein Spruch, oder?
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 03.12.2012 um 23.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#9734


Zahlen in der Zeitung sind manchmal richtig, aber trauen kann man ihnen nie:

Grönland hat 263 Milliarden Tonnen Eis verloren
...
Dabei stellte sich heraus, dass Grönland zwischen 2005 und 2011 rund 263 Milliarden Tonnen Eis verloren hat, in der Antarktis betrug der Verlust etwa 81 Milliarden Tonnen. Weil Eis etwas weniger dicht als Wasser ist, entsprachen die Werte zusammen etwa 372 Milliarden Kubikmeter Schmelzwasser. Umgerechnet auf die Fläche aller Weltmeere trug dieses Schmelzwasser zu einem Anstieg des Meeresspiegels von knapp unter einem Millimeter bei.

(FAZ, 1.12.2012, Seite 11)

Während die Überschrift so klingt, als ginge es um die Gesamtmenge seit der letzten Eiszeit, erweckt der weitere Text den Anschein, als sei die Summe in den sieben Jahren von 2005 bis 2011 gemeint. In Wirklichkeit entsprechen sowohl die 263+81 Milliarden Tonnen als auch der knappe Millimeter Meeresspiegelanstieg etwa den durchschnittlichen Werten während dieser Zeit pro Jahr!

Die Süddeutsche Zeitung (30.11.2012, Seite 18) hat plausible Zahlen:

Das große Schmelzen
...
Demnach hat nicht nur Grönland seit 1992 Eis verloren, sondern auch die Antarktis. ... Über den ganzen Zeitraum gemittelt hat Grönland 152 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr eingebüßt, die Antarktis 71. Zusammen sind daher 4260 Milliarden Tonnen Eis im Meer gelandet und haben dessen Spiegel um knapp zwölf Millimeter angehoben - ein Fünftel der gesamten beobachteten Erhöhung. Der Prozess verläuft womöglich beschleunigt. In den 1990er-Jahren betrug der Verlust an beiden Polen 100 Gigatonnen pro Jahr, in der Zeit seit 2000 stieg er auf fast 300 an. Ab 2005 ergibt sich sogar ein Mittelwert von 344 Milliarden Tonnen jährlichen Eisverlusts.


Preisfrage:
Um wieviel steigt der Meeresspiegel, wenn die gesamte nordpolare Eiskappe (d.h. ohne das Grönlandeis) schmilzt?
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 17.09.2012 um 03.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#9444


In Sonntag Aktuell, der Sonntagsausgabe des MM, gab es gestern einen schwärmerischen Artikel über den Elbe-Radweg von Aussig nach Dessau.

Seit Jahren führt er die Top Ten der deutschen Radfernwege mit großem Abstand an.

Da ich dort auch schon mehrmals vor und nach der Wende geradelt bin, kann ich das Lob nur voll bestätigen. Besonders die erste Hälfte vom Elbsandsteingebirge bis Meißen ist vollgepackt mit landschaftlichen und architektonischen Schönheiten. Nordwestlich von Meißen bis Dessau wird es etwas ruhiger, aber der Artikel gewinnt auch dieser Strecke zu Recht angenehme Seiten ab. Insgesamt also eine gelungene Werbung, die sicher allen, die gern radwandern, Lust zum Nachfahren macht. Eigentlich egal in welcher Richtung, beschrieben ist die Tour, wie gesagt, von Aussig nach Dessau. Dann aber:

Was Sie tun und lassen sollten
... Auf keinen Fall flussabwärts fahren - es sei denn, man möchte gegen den meist aus West wehenden Wind antreten.
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 05.03.2011 um 23.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#7572


Verbotenes zum Fasching
(Wider den tierischen Ernst)

Hab ich doch dort, wo ich sonst oft abends ganz legal kostenlos parke, kürzlich ausnahmsweise mal am hellichten Tag geparkt. Und natürlich aus lauter Gewohnheit vergessen, daß es tagsüber was kostet. Bei meiner Rückkehr informierte mich ein kleines Zettelchen am Scheibenwischer, daß ich verbotswidrig geparkt hätte und mir deshalb demnächst ein Bußgeldbescheid zugehen werde.

Komisch, dachte ich, wenn man verbotenerweise einen Fehler macht, dann müßte doch eigentlich verbotswidrig alles in Ordnung sein, oder?

Heute nun las ich beim Einkaufsbummel, daß wegen des Faschingsumzuges morgen in der Freßgasse nicht geparkt werden dürfe. Kostenpflichtig abgeschleppt würden Fahrzeuge, die vorschriftswidrig abgestellt seien. Und wieder beschlichen mich Zweifel: Wenn vorschriftswidriges Verhalten bestraft wird, dann müßte doch eigentlich verbotswidriges allemal erwünscht sein!

Ob ich wohl gegen den Bußgeldbescheid Einspruch einlegen sollte?
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Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 28.03.2009 um 17.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#4804


Die Diskussion um die Absichten von GoogleBooks hat ja auch Auswirkungen auf die Orthographie von Texten, da Autoren mit den Rechten an ihren eigenen Texten faktisch auch die Kontrolle über ihre eigene Orthographie verlören.

Und wie auch im Falle der Rechtschreibung geht es hier um versäumte Aufklärung, Desinteresse und Lügen bezüglich der tatsächlichen Absichten dieser digitalisierten Monopolisierung.

Näheres unter http://www.textkritik.de/urheberrecht/index.htm, wo man auch die Möglichkeit hat, sich dem Heidelberger Aufruf anzuschließen. In jedem Fall ist es ein Lehrstück in Sachen "Politik und die Freiheit des Denkens" und sollte zudem beim nächsten Google-Besuch zumindest nachdenklich stimmen.

Bekanntlich gibt es auch bei Suchmaschinen Alternativen zu Google.
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 31.12.2006 um 14.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=94#1234


Aus »Kästchen-Logo muss dem Wappentier weichen«, Erlanger Nachrichten vom 8. Dezember 2006:

»In den Reihen der CSU-Fraktion trauerte vor allem Stadträtin Barbara Grille den alten „Kästchen“ — „die waren ganz schön wirksam“ — etwas nach. Sie vermutete sogar, das neue Erscheinungsbild mit dem Erlangen-Schriftzug und dem Adler werde sich ebenso wie die Rechtschreibreform am Ende gar nicht durchsetzen.«

(siehe hier)
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