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Beiträge zum Thema

»Sprache und Ausdruck in der Politik«

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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 24.08.2015 um 23.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#11141


dpa-Wortwahl: "Hollande: «Thalys-Helden» haben ein Massaker verhindert [/] Paris (dpa). Für Frankreichs Präsident François Hollande steht fest: Der Angreifer im Thalys war ein Terrorist - und hätte ein Blutbad angerichtet, wenn nicht mutige Passagiere eingeschritten wären. Die Männer wurden heute im Élysée-Palast als «Ritter der französischen Ehrenlegion» ausgezeichnet. Mit ihrem Eingreifen hätten sie ein Massaker verhindert, sagte Hollande. In einem Hochgeschwindigkeitszug von Amsterdam nach Paris hatte am Freitag ein Marokkaner das Feuer eröffnet. Die heute ausgezeichneten Fahrgäste konnten ihn überwältigen. [/] 24.08.2015 12:17"

Das berichtet bbc doch etwas anders: "Three Americans and a Briton who foiled a suspected terror attack on a train have received France's top honour from President Francois Hollande." (http://www.bbc.com/news/world-europe-34037580)
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Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 01.09.2014 um 09.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10847


Andererseits meine ich nach der Sachsenwahl zu bemerken, daß die allgemeine schroffe Abwehrfront "unserer" Presse gegen die AfD etwas löcherig wird. Statt sich mit Inhalten zu beschäftigen hat man schubladisiert. Man traut sich noch nicht und wartet ab, was die Kollegen vom anderen Blatt schreiben.
Es wird sich Gelegenheit bieten, das zu beobachten.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 01.09.2014 um 00.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10846


Während die F.A.Z. jetzt anfängt, die AfD als »Rechtspopulisten« zu bezeichnen, was die darbende Auflage sicherlich nach oben treiben wird, macht sich ein Bild-Redakteur namens Sebastian Kayser nicht die Mühe, verhüllende Begriffe zu suchen. Er twittert ganz ungeschützt: »die einen nazis raus, die anderen rein... insgesamt haben die zugelegt mit fast 15 %«.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 31.08.2014 um 02.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10845


Vom Brandenburger Tor bis zur Neuen Bundeskanzlei ist es eine U-Bahnstation, also gut 400 Meter. Die Demonstranten haben sich also keine Blasen gelaufen. Aber hätten sie nicht die Forderung, daß nichts aus Vegas dringen möge, selbst erheben können?
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 30.08.2014 um 19.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10844


Wo soll ich diesen Kommentar einordnen? Vielleicht paßte er sogar unter <<Blüthen der Thorheit>>: "Berlin (dpa) – Mehrere tausend Menschen haben unter dem Motto «Freiheit statt Angst» in Berlin gegen Überwachung und für eine strengere Kontrolle der Geheimdienste demonstriert. Die Auswirkungen von Datenspeicherung durch Unternehmen und staatliche Stellen seien bereits spürbar, sagte der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar der dpa. Datenauswertung könne dazu führen, dass Menschen keinen Kredit bekämen oder aus Angst ihre Meinung nicht mehr frei äußerten. Die Veranstalter sprachen von etwa 6500 Demonstranten, die vom Brandenburger Tor zum Kanzleramt zogen. [/] 30.08.2014 18:25" - In welcher Traumwelt leben die Leute eigentlich? Mit der Elektronik ist alle mögliche Datenspeicherung möglich, und anzunehmen, daß der Elektronik einmal persönlich Anvertrautes doch privat sei, ist einfach naïv. Schlimm ist natürlich, daß Menschen "aus Angst ihre Meinung nicht mehr frei äußerten." Aber mein Haus steht 17 km von der nächsten Sheriff-Station weg, und ich bin doch nicht blöd, zu allem und jedem, was mich interessiert, auch gleich meine Meinung in die Welt zu setzen, denn ich weiß, what happens in Vegas, stays in Vegas. Freiheit, die ich meine, verlangt nun einmal Zivilcourage. Mit gebannertem Marsch für Verbote und persönlichem Aufbrausen hinter schwarz auf weiß geforderter «Freiheit statt Angst» ist da nicht viel getan; ich bete da beinahe mit mehr Erfolg, daß die Leute in den staatlichen Datenspeichern anständige Leute sind und das Herz auf dem rechten Fleck haben und alle diese Riesenmaschinen mit ihren Daten nur gegen die einsetzen, die meine Freiheit bedrohen. - Wie man sieht, versuche ich mich etwas zwischen zwei Stühlen zu setzen, damit ich nach den Spätnachrichten noch einmal - wenn auch beunruhigt - einnicken kann, auch mit der Frage, wie viele Kilometer ist der Weg vom Brandenburger Tor zum Kanzleramt eigentlich? Und: Wer alles liest denn eigentlich unsre guten Kommentare zu Sprach- und Schreibsystemen und deren Beobachtung hier mit, so daß alle diese staatlich angestellten Lehrenden nicht etwas aufmucksen, wenn's ums Lehren richtigen Schreibens geht?
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 06.06.2014 um 03.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10718


Sie haben recht, lieber Herr Riemer, ich hätte wohl aus der in indirekter Rede gebrachten Aufzählung von einzelnen Aussagen nicht schließen sollen, daß diese Nebeneinanderstellung gleichermaßen im Original der Fall war, - was ich bei meiner politischen Haltung in dieser Frage aber tat. Doch mein Kurzschluß kam eben auch durch die Berichterstattungsart zustande, was eben auch wieder zeigt, wie politisch gedreht die Sprache da sein kann, um öffentliche Meinung zu beeinflussen. Daß ich aber mit meinem Kurzschluß nicht weit vom sachgerechten Verständnis der berichteten Situation liege, meine ich wiederum trotzdem. Verführerisch jedoch sind solche Rede-Wendungen schon, wie ja auch die von Herrn Markners deutschem Steuerzahler. Von dem habe ich hier und anderswo ja auch mehrmals gesprochen, aber eben mit Bezug auf die für die Allgemeinheit völlig nutzlose und trotzdem aus politischen Gründen einfach durchgesetzte Rechtschreibreform. - Zum Hinweis auf die Weltereignisse, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs führten: Da war auch Stalin, der die Einnahme Berlins zur Ehre der ruhmreichen Armee der Sowjetunion für sich haben wollte, was ihm die Westmächte zugestanden, aber natürlich auch m. E. nicht hätten zugestehen sollen. ("Einladung" in diesem Zusammenhang ist auch schon wieder so eine eigenartige Wendung, die einem Sprachbeobachter aufstoßen sollte! "Uncle Joe" gehört natürlich in die gleiche Kategorie, wenn auch in seinem Machtbereich derartige eher amerikanische Familienkuschelei nicht seinen Führungsstil benannte und da glänzende Sprüche wie "Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen" propagiert wurden.) Mann, und wieviel Geld hinterher ein halbes Jahrhundert lang das alles uns Steuerzahler kostete, nicht wahr! Bei all dem bin ich kleiner, aber für mich selbst doch ziemlich wichtiger einzelner Mensch dankbar, daß ich im weltpolitischen Schlamassel der unmittelbaren Nachkriegszeit paar Kilometer westlich der Zonengrenze fest kam und da aufwachsen konnte, während meine ebenfalls aus unserm oberschlesischen Dorfe vertriebene kleine Sandkastenspielgefährtin umgesiedelt irgendwo in der Ostzone verblieb, wo sie halt nicht so gut weiterkam, weil bei ihrer Art ihre Sprache eben nicht alles mitmachte, was da stehende Vorrede und viel andere Bedingung war. Und sie war damit da ja auch nicht die einzige.
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Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 05.06.2014 um 18.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10717


Eine nähere Betrachtung von Sprache und Ausdruck in der Ukraine-Politik wäre die Rede von "Deeskalation" wert. Gängig ist das Wort als Bezeichnung für eine Polizeitaktik: eine aufgebrachte Menschenmenge nicht durch hartes Vorgehen weiter anzustacheln, sondern sie durch demonstrative eigene Friedfertigkeit zu besänftigen. In dieser Bedeutung fand das Wort auch in der Ukraine-Krise zunächst Verwendung. Seit Ende März freilich sind nicht mehr Polizeikräfte Adressat der Aufforderung zur Deeskalation, auch geht es offensichtlich nicht mehr um eine konkrete Taktik, deren Erfolg von bestimmten Voraussetzungen abhängt. Vielmehr ist der Vorwurf, den Konflikt nicht zu deeskalieren, zur Standardbegründung für sogenannte Sanktionen gegen Rußland geworden. Sinnvoll könnte ja sein, eskalierende Handlungen mit Sanktionen zu bedrohen. Das setzt jedoch die Benennbarkeit und Zurechenbarkeit dieser Handlungen voraus. Der Vorwurf dagegen, den Konflikt nicht zu deeskalieren, rechnet beliebige Handlungen und Geschehnisse überhaupt erst zu. Der Konflikt selbst dient als Demonstration mangelnder Deeskalationsbereitschaft der Gegenseite. So verschwimmt die Wirklichkeit hinter der Rhetorik.
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 05.06.2014 um 00.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10716


Lieber Herr Ludwig,
mir ist, ehrlich gesagt, nicht ganz klar, ob Ihr Beitrag sich nun gegen die Sprache einer dpa-Meldung richtet, wir also nicht "Opfer unsrer eigenen Propaganda" sein sollen, oder doch gegen Putin, dessen Sprache ja nur indirekt wiedergegeben ist. Wer, meinen Sie, dreht den Leuten etwas an?
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 05.06.2014 um 00.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10715


Putins hier kritisierte Argumentation beruht nicht wesentlich auf sprachlichen Mitteln, die Widerrede ist jedenfalls nicht weniger rhetorisch, daher der Hinweis auf die unerwähnt gebliebene Tatsache. – Was Berlin betrifft, so haben die Amerikaner die Russen (Uncle Joe) ja dorthin eingeladen. Als sie dann angekommen waren, war es auch wieder nicht recht. Hätte man in Washington vielleicht vorher drüber nachdenken sollen.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 04.06.2014 um 23.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10714


Zu #10713: Was hat dieser Einwurf mit Verwendung von Sprache zu tun?
Zum Inhalt: Ich habe Kurt Schuhmacher gehört, wie er in einer Wahlrede forderte, daß die Amerikaner, statt ihre jungen Soldaten in Texas auszubilden, das in der Lüneburger Heide tun sollten. Und während der Berlin-Krise Ende der 50er Jahre war ich es in West-Berlin zusammen mit den West-Berlinern und den anderen Deutschen, die ohne die Stationierung amerikanischer Truppen da (man sprach da nicht mal von britischen oder französischen, wenn ich mich recht an die Stimmung erinnere) für die Freiheit dieser Insel keinen Pfifferling mehr gegeben hätten. Und das Land des armen deutschen Steuerzahlers, der über Jahrzehnte hinweg für die Stationierung amerikanischer Truppen in der Bundesrepublik aufgekommen ist, gehört zu den "nicht so reichen Ländern"? Werden wir hier doch nicht Opfer unsrer eigenen Propaganda, sondern betrachten wir, wie Sprache verwendet wird.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 04.06.2014 um 21.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10713


Für die Stationierung amerikanischer Truppen in der Bundesrepublik ist über Jahrzehnte hinweg der deutsche Steuerzahler aufgekommen.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 04.06.2014 um 20.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#10712


Eigentlich möchte ich ja hier nicht zu politischen Fragen Stellung nehmen, aber bei dieser Nachricht geht's doch etwas darum, was Politiker mit Sprache nicht alles versuchen, wenn's darum geht, den Leuten was anzudrehen: "Putin warf den USA vor, alles andere als ein Vorbild zu sein. Die amerikanische Politik sei die aggressivste und härteste - im Gegensatz zu den USA habe Russland praktisch keine Truppen im Ausland stationiert." (dpa, heute) - Einmal bringt es nicht so reichen Ländern ziemlich viel US-Geld ins Land, wo die USA Truppen stationiert haben (und wieviel Geld hätte Rußland dafür übrig?); zum nächsten ist diese Stationierung auch im politischen Interesse dieser Länder (wer immer für das Volk da sprechen mag); und dann noch: Wer zittert nicht vor Angst und schüttelt sich nicht vor Abscheu, russische Truppen bei sich zu stationieren! Man frage da mal die Tschechen, die Ostanrainer der Ostsee, ja, selbst die Afghanen. Und das Adverb "praktisch" führt ja, wenn man genau hinhört, auch zu einigem Bedenken. Aber irgendwas muß Putin in der gegebenen Situation zur Vorbereitung der Öffentlichkeit auf sein Gespräch mit Obama jetzt ja sagen. Wenn's wegen ihm nicht so schlimm stünde, könnte er einem sogar etwas leid tun.

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Jan-Martin Wagner
Kiel

Dieser Beitrag wurde am 21.10.2010 um 11.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#7022


Apropos "lebhafte Protestdemonstrationen": http://www.abendblatt.de/hamburg/article1665966 (bzw., weil dieser Artikel schon nicht mehr frei zugänglich ist, hier)
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 18.10.2010 um 22.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#6993


zur Bananenrepublik:
Und unter einer "Bananenrepublik" versteht man landläufig doch wohl etwas anderes als einen Staat, in dem es lebhafte Protestdemonstrationen gibt

Ja, genau. Das finde ich auch. Eben deshalb habe ich das Wort in 22#6983 benutzt. Ich hoffe ja auch, daß es nicht soweit kommt, befürchte nur, wir nähern uns ...
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Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 23.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2473


So ist es. Der Kämmerer hat allerdings einen Haufen Arbeit, bis die Finanzierung eines Vorhabens zumindest auf dem Papier gesichert ist. Deshalb nennt er das Ergebnis "Darstellung".
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 19.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2471


Aber was genau ist mit Darstellbarkeit der Finanzierung eines Vorhabens im Haushaltsplan gemeint: daß genug Geld dafür vorhanden ist? Dann wäre darstellbar = finanzierbar.
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Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 18.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2469


An diesen Verwendungen von darstellen zeigt sich lediglich, daß viel zu viele Polit-Journalisten (ausbildungsbedingt?) außerstande sind, Sachverhalte einigermaßen korrekt und nachvollziehbar darzustellen. Viele fühlen sich auch legitimiert, solche herzustellen (sog. Presse-Enten). Vielleicht daher rührt die um sich greifende Verwechslung mindestens dreier Verben. Greift eine unbedarfte Journalistenhand ins deutsche Verblexikon, nimmt leider nicht dieselbe, sondern der Text Schaden (das Lexikon kommt irgendwie davon). Allerdings finden sich z.B. in FAZnet – Wissenschaft bei bestimmten Autoren ähnliche "Blüthen" in höchster Dichte. Es kann also nicht allein am kreativen new speech des alltäglichen Polit-Geplappers liegen.
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Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 16.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2466


"Darstellbar" ist ein Terminus aus dem Rechnungswesen und bedeutet dort immer die Darstellbarkeit der Finanzierung eines Vorhabens im Haushaltsplan. Politiker schnappen so etwas dann auf und machen sich mit dem Jargon wichtig. Symptomatisch ist der häufige Pleonasmus, dies oder jenes sei "finanziell nicht darstellbar".
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Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 13.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2464


Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.11.2007 um 12.00 Uhr

In allen angeführten Beispielen mit "darstellen" und "darstellbar" hätte man früher "realisieren" und "realisierbar" geschrieben. Mir scheint, daß die englische Bedeutung von "to realize" = merken, erkennen die deutsche Bedeutung von "realisieren" = verwirklichen schon verdrängt hat und deswegen "realisieren" jetzt durch "darstellen" zu ersetzen versucht wird, was im Bereich der Technik gewöhnungsbedürftig ist, weil man dort sofort an "Darstellende Geometrie" denkt. "Zu verwirklichen" wäre sinnvoller als "darstellbar". In meinem Wörterbuch (1970) heißt aber "realizable" noch "zu verwirklichen".

Ähnlich ist zu beobachten, daß die deutsche Bedeutung von "kontrollieren" = prüfen immer mehr durch die von englisch "to control" = beherrschen verdrängt wird.
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 31.10.2007 um 23.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2457


Nicht darstellbar

In letzter Zeit höre ich aus Politikermund häufiger, eine Maßnahme oder ein Vorhaben sei „nicht darstellbar“. Was soll das heißen? Anfangs dachte ich, das vermutlich ebenfalls dem Politjargon entsprungene „(der Öffentlichkeit) nicht vermittelbar“ hätte Verstärkung bekommen, und für diese Verwendung finden sich tatsächlich viele Belege. Aber bei den Äußerungen, über die ich gestolpert bin, war eine solche Interpretation in dem jeweils gegebenen Kontext nicht sinnvoll. Inzwischen meine ich, daß „darstellen“ in diesen Fällen eher im Sinne von durchführen, realisieren, umsetzen verwendet wird. Mag sein, daß die Vorstellung der Nichtvermittelbarkeit noch mitschwingt, das Schwergewicht aber scheint sich hier auf den Gedanken der Nichtrealisierbarkeit verlagert zu haben.

Einige Beispiele:

„Sicherheit in Europa ist ohne die USA nicht darstellbar“ [nicht denkbar, unmöglich?] (CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag)

„Frankfurt 21 war finanziell nicht darstellbar“ [weder vermittelbar noch realisierbar?] (FAZ.NET)

„Für manchen Studierende [sic!] und manche Studieninteressierte ist ein Studium als Full-time-Job innerhalb der Regelstudienzeit auch finanziell nicht darstellbar [nicht zu schaffen, nicht möglich?].“ (Netzwerk Wege ins Studium)

„Auf den ursprünglich zu reaktivierenden Haltepunkt Dornap-Hahnenfurth wird verzichtet, weil dessen Umbau und Erschließung zu einem S-Bahn-Haltepunkt nach heutigem Standard […] nur mit erheblichem zusätzlichem Kostenaufwand zu betreiben und somit wirtschaftlich nicht darstellbar [vertretbar?] wäre (rd. 2 Mio € Baukosten gegenüber rd. 500.000 € Baukosten für den neuen Haltepunkt Hahnenfurth-Düssel). […] Der jetzt geplante neue Standort Hahnenfurth-Düssel ist wesentlich effektiver und kostengünstiger zu erschließen […] Somit begründen vor allem der effizientere Mitteleinsatz, die für Kundinnen und Kunden attraktivere Lage und Ausgestaltung sowie betriebliche Zwänge - zwei Haltepunkte mit einem Abstand von ca. 1 km sind betrieblich nicht darstellbar [?] - den neuen Haltepunkt Hahnenfurth-Düssel.“ (Stadt Wuppertal)

Besonders merkwürdig und womöglich das Ergebnis eines mißglückten Nachahmungsversuchs:

„Ursache dafür ist m.E., dass der Diesel ungedrosselt arbeitet und im Teillastbetrieb ohne Probleme stark abgemagert werden kann. Diese Eigenschaft ist bei Ottomotoren schlecht bzw. nicht darstellbar. Schichtladungsbetrieb (VW FSI) etc. haben in der Praxis nicht überzeugend funktioniert.“ (Forum www.hpn.de)

Als ich gestern nun im Fernsehen Peter Struck sagen hörte, man werde sich von den Experten ausrechnen lassen, ob die längere Zahlung des ALG II „aus dem Haushalt der Bundesagentur darstellbar“ sei, entschloß ich mich endgültig, die Frage der Runde hier einmal vorzulegen.

Gerade lese ich, daß „darstellen“ in der Sprache der Chemiker für gewinnen, herstellen steht (einen Stoff darstellen). Sollte es da einen Zusammenhang geben? Darstellbar – herstellbar – machbar? Für wahrscheinlicher halte ich, daß sich in den Köpfen der Sprecher die Grenze zwischen Vermittelbarkeit und Realisierbarkeit verwischt hat. Manchen, zumal Politikern, gilt ein Vorhaben eben als undurchführbar, wenn zu befürchten steht, daß es anderen, namentlich den Wählern, nicht schmackhaft gemacht werden kann.
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Peter Henkelmann
Rockenhausen

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2007 um 23.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#1265


... wenn die Anpassung >fachkundig begleitet< wird, ganz bestimmt.
;-)
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Gabriele Ahrens
Elsfleth

Dieser Beitrag wurde am 27.09.2005 um 09.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#287


"Der Personalbestand muß um ca. 15.000 Leute nach unten angepaßt werden." Dies sagte gestern abend im ZDF ("heute") der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer über VW. Es fällt auf, daß immer öfter negative Absichten mit Begriffen angekündigt werden, die etwas Positives assoziieren. Ein Anpassung kann schließlich nichts Schlechtes sein, oder? Auch eine "Korrektur" nicht, die zur Zeit unserer Schriftsprache widerfährt, schon gar nicht, wenn sie "behutsam" vorgenommen wird. Die Begriffe "Anpassung" und "Korrektur" schließen gleichzeitig eine gewisse Notwendigkeit mit ein. Ob die 15.000 Leute sich wohl über die "Anpassung" (an wen oder was eigentlich?) freuen werden, wenn sie sich auf der Straße wiederfinden?
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