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»Rechtschreibung und -reform«


Beiträge zum Thema

»Trennung von ck
H. H. Munske 1992«

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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 07.06.2010 um 23.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=4#6490


ck wird nicht mehr getrennt, sondern kommt geschlossen auf die nächste Zeile:

Scho-
ckerlebnis (FAZ, 31.5.2010, Seite 32)
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Jan-Martin Wagner
Halle (Saale)

Dieser Beitrag wurde am 19.05.2008 um 17.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=4#3329


An die Uckermark hatte ich zwar schon gedacht, aber leider nicht darüber hinaus. Im DWb habe ich noch das veraltete Acklei (Ackelei) gefunden, ferner die wohl außer Gebrauch gekommenen (mir unbekannten) Ackes (Axt), Eckel (unklar: "von der schneidenden schärfe"), ecket (eckig), ickeln (ärgern, verdrießen), Ickis (Name des Buchstabens X) und ockers/ockert (nur, bloß).
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 19.05.2008 um 01.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=4#3328


In Brandenburg der Flußname Ucker. Das DWb kennt auch das Verb ockeln/öckeln.
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 15.05.2008 um 16.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=4#3306


In Berlin kommt noch icke hinzu ...
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Jan-Martin Wagner
Halle (Saale)

Dieser Beitrag wurde am 15.05.2008 um 16.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=4#3305


Die Nichttrennung von ck führt zusammen mit der Nichtabtrennung einzelner Vokalbuchstaben zur Nichttrennbarkeit folgender Wörter: Acker, ackern, Ecke, Ecker, eckig, Ocker. (Ich hoffe, damit alle Fälle gefunden zu haben.)
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 06.03.2008 um 22.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=4#3012


Zur Schreibung von ck als eigentlichem Sonderfall, zu „Ligaturen vs. Di- bzw. Trigraphen“ und zum Vergleich der ck- mit der tz-Trennung siehe http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=270#1328.
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 12.10.2007 um 22.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=4#2398


Zu den Folgen der reformierten ck-Trennung im Evangelischen Gesangbuch siehe http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=312#10104.
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 21.03.2005 um 12.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=4#5


[Positionen ausgefallener lautschriftlicher Sonderzeichen sind mit einem Unterstrich markiert. Kapitelverweise und Fußnoten wie in „Orthographie als Sprachkultur“, Frankfurt a.M. 1997]


Horst Haider Munske
„Läßt sich die Trennung von ck am Zeilenende reformieren?“


(Sprachwissenschaft 17 (1992), 37-44)

Wie sollen wir künftig in Wortformen wie Zucker, hacken, Säcke etc. die Buchstabenfolge ck bei der Worttrennung am Zeilenende behandeln? Es gibt drei diskutable Möglichkeiten:

(1) k-k: Zuk-ker, hak-ken, Säk-ke
(2) c-k: Zuc-ker, hac-ken, Säc-ke
(3) -ck: Zu-cker, ha-cken, Sä-cke

Die geltende Regelung (1) wurde 1901 eingeführt; sie bereitet seitdem Schreiblernern und Schreibern Probleme und läßt auch Leser stok-ken, da das vertraute Wortbild nur für den Zweck der Worttrennung abgewandelt wird. Die Zeichenfolge kk, welche auf diese Weise eingeführt wird, kommt im übrigen im Deutschen nur bei wenigen Fremdwörtern vor (Mokka, Makkaroni, Makkabäer, Mekka). Deshalb zählt die k-k-Trennung zu den Problembereichen, mit denen sich die Orthographiereform-Kommissionen der deutschsprachigen Länder befassen. Allerdings konnte bisher keine Einigung erzielt werden. Zwar hat sich bei den jüngsten gemeinsamen Beratungen (September 1990 in Mannheim) eine Mehrheit für eine Änderung der geltenden Regel ausgesprochen, doch schrumpfte diese bei der Entscheidung zwischen c-k bzw. -ck wieder zu Minderheiten zusammen. Mithin droht alles beim alten zu bleiben: zweifellos keine befriedigende Lösung. Ich mache deshalb einen erneuten Versuch der Abwägung. Die linguistische Erörterung soll dabei jedoch nur so weit getrieben werden, wie es für dieses Thema unerläßlich ist. Es liegt mir nicht daran, am Beispiel der Sondergraphie ck die Aporien der alphabetischen Verschriftung des Deutschen zu diskutieren, es sollen lediglich die Argumente für und wider die jeweiligen Lösungen im Zusammenhang unseres orthographischen Systems aufgezeigt werden. Dies zielt auf eine Gewichtung der Argumente unter linguistischem sowie schreiber- und leserbezogenem Aspekt und mündet in einen Vorschlag, den ich für den relativ besten bzw. den am wenigsten schlechten halte.

I. Das Dilemma der ck-Trennung liegt offensichtlich darin, daß jede der drei Trennungsmöglichkeiten der Sondergraphie ck für /k/ nach Kurzvokal einigen Regeln des deutschen Schreibsystems entspricht, andere aber verletzt. Es kann darum keine befriedigende Trennungsregel für ck geben – sie wäre auch längst gefunden. Es kann vielmehr nur darum gehen, zu entscheiden, welchen Regeln primär gefolgt werden soll bzw. welche am ehesten verletzt werden dürfen. Diese Situation will ich im folgenden für die drei Fälle skizzieren.

1. Die geltende Regel (ck zu k-k) läßt sich wie folgt begründen: ck entspricht graphischen Geminaten wie mm, ll, ff etc. Wie diese ist sie aufgrund der Syllabisierungsregel (bei langsamer Aussprache) zu trennen in je ein Segment am Endrand der ersten Silbe und am Anfangsrand der zweiten Silbe (vergleiche stem-men). Damit wird dem ambisyllabischen Charakter des bezeichneten Konsonanten bzw. dem festen Anschluß des Konsonanten an den vorangehenden Vokal Rechnung getragen. Danach müßte an sich die Trennung c-k erfolgen, doch führt dies zu einer Regelwidrigkeit (siehe 2.). Die Umwandlung zu k-k nach dem Muster graphischer Geminaten sucht diese zu vermeiden, erzeugt damit aber eine andere Regelwidrigkeit. Dies ist der wunde Punkt der k-k-Trennung.

Für manche Linguisten ist die Umwandlung von ck zu kk allerdings nur eine 'Readjustierung' (Kohrt, 1988, S. 148), eine Wiederherstellung der regelhaften graphischen Geminate in der Worttrennung: gewissermaßen ein Aufleuchten der Tiefenstruktur unter der regellosen Oberfläche. Die lästige Sondergraphie ck wird vorübergehend getilgt. Dies klingt linguistisch überzeugend; radikale Reformer könnten darin sogar einen ersten Schritt zur gänzlichen Beseitigung der Sondergraphie ck zugunsten kk sehen (künftig: Zukker, hakken, Säkke). Der Haken ist nur, daß mit dieser Readjustierung ein zentraler Grundzug deutscher Orthographie, die Bewahrung des Wortbildes (Stammprinzip, morphematisches Prinzip) verletzt wird. Andere Reformvorschläge suchen gerade dem morphematischen Prinzip weitere Geltung zu verschaffen, die k-k-Trennung ist hier kontraproduktiv. Hinzu kommt, daß ein weiterer Grundsatz verletzt wird, der bei den Reformüberlegungen eine wichtige Rolle gespielt hat: Die Erlernung und Beherrschung der deutschen Orthographie soll möglichst wenig linguistisches Wissen erfordern. Linguistische Operationen oder gar Spitzfindigkeiten sind zu vermeiden. Darum aber handelt es sich hier: Für die k-k-Trennung muß die Graphie ck als Sonderfall einer graphischen Geminate zur Markierung von vorhergehender Vokalkürze erklärt werden.

Beispiele für eine stringentere Anwendung des morphematischen Prinzips in den Reformvorschlägen sind unter anderem platzieren (wegen Platz), nummerieren (wegen Nummer), Differenzial (wegen Differenz), verbläuen (wegen blau), vor allem aber die Wiedereinführung der Heyse'schen s-Schreibung (Fluss statt Fluß wegen Flüsse).

Wenn Readjustierungen in unserer Orthographie gängig wären, sollte man dies auch auf andere Sondergraphien in der Worttrennung anwenden: zum Beispiel x zu k-s (Hek-se statt He-xe), und z zu ts (dut-sen statt du-zen). M. Kohrt vermutet hinter fehlerhaften Trennungen von ß als s-s (heis-sen statt hei-ßen) solche Tendenz. Doch verbirgt sich dahinter wohl nur die Verwirrung, die unsere geltende s-Schreibung mit dem positionsabhängigen Wechsel von ß zu ss bereitet, zumal beim Ersatz von ß durch ss (auf fremden Schreibmaschinen oder alten Computern) ohnehin keine andere Wahl bleibt. Es ist also ein Pferdefuß der geltenden Trennung k-k, daß das Wortbild für den schlichten Zweck der graphischen Worttrennung verändert wird.

2. Die Trennung c-k (Zuc-ker), im Jargon der Orthographiereformer kurz als [tsutsker] apostrophiert, wird zunächst wie die k-k-Trennung begründet (siehe oben). Sie verstößt jedoch gegen eine andere Regel. ck ist eine Buchstabenverbindung, die einen Konsonanten repräsentiert, wie ch und sch, sowie in Fremdwörtern ph, th, rh, gh und qu. Für diese Buchstabenverbindungen (Digraphe[1], Trigraphe) gilt die Regel, daß sie bei der Worttrennung nicht getrennt werden (la-chen, Ma-sche, Meta-pher, Pa-thos, Myr-rhe, Jo-ghurt, Cli-que). Wie die Beispiele zeigen, stehen diese Zeichen auch nach Kurzvokal, allerdings ohne Verdoppelung. Die seltene Quantitätsopposition [laxə] ≠ [la:xə] (lache versus Lache) bleibt hier graphisch unbezeichnet. Der genannten Regel widerspricht die c-k-Trennung; sie erzeugt bei der Trennung erste Silben wie Zuc-, hac-, Säc-, die im einheimischen Wortschatz nicht vorkommen und im Fremdwortschatz anders zu inter pretieren sind: Hier steht c für /k/ (Code), für /ts/ (Penicillin), /t∫/ (Cello) oder /s/ (Recycling). Der Grund, weshalb die c-k-Trennung so ungewohnte und mißverständliche Silben erzeugt, liegt eben darin, daß der Buchstabe c in deutschen Wörtern nur in Kombination mit anderen Buchstaben Phonographeme bildet. Daß diese nicht getrennt werden, ist offenbar eine Grundregel, die bislang (außer bei ck) befolgt wurde. Um dieser Regel Rechnung zu tragen, wurde 1901 die Umwandlung in k-k eingeführt.

3. Die letzte Lösung (-ck: Zu-cker) vermeidet die Probleme der ersten beiden: Das Wortbild bleibt unverändert (1.), der Digraph ck wird nicht aufgespalten (2.) – dies wird jedoch mit anderen Nachteilen erkauft. Da ck – in graphischem Kontrast zu k – Vokalkürze markiert (im Gegensatz zu ch, sch, ph etc., die in dieser Hinsicht unmarkiert sind), wird die Möglichkeit, die Silbengelenkfunktion von ck wie bei m-m, l-l usw. auch in der Worttrennung deutlich zu machen, aufgegeben. Schlimmer noch: Der Kurzvokal markierende Digraph gerät an den Anfangsrand der zweiten Silbe (-cker, -cken etc.) und erzeugt ein Silbenbild, das dem Deut schen fremd ist. Dies verstößt gegen eine Regel, die Kohrt (1988, S. 134) beobachtet hat: 'Die Anfangs- und Endränder von Silben sollen denen von Wörtern (resp. Wortformen) möglichst entsprechen bzw. (in weniger stringenter Formulierung) mit ihnen vereinbar sein'. Im Verlauf seiner Argumentation überträgt Kohrt diese Forderung auch auf die geschriebene Sprache und postuliert für die Worttrennung einen 'graphotaktischen Filter' (S. 146). Ich kann hierauf jetzt nicht ausführlich eingehen, dafür ist Kohrts empirische Basis auch noch zu schmal. So bleibt zu prüfen, inwieweit Phonotaktik und Graphotaktik parallel laufen, ob mithin der 'graphotaktische Filter' nichts anderes ist als die graphemische Abbildung der phonotaktischen Gegebenheit, die in der Syllabisierungsregel zum Ausdruck kommt. Zweifellos gibt es spezifische graphotaktische Regeln (ich habe 1985 versucht, solche zu bestimmen [oben Kap. 2, S. 33ff.]), doch wird man diese erst kennen, wenn eine vollständige segmentale und syntagmatische autonome Graphemanalyse des deutschen Schreibsystems vorliegt. Für den vorliegenden Fall läßt sich feststellen, daß der 'graphotaktische Filter' offenbar nur begrenzt funktioniert. Ich sehe unter anderem folgende Ausnahmen:
a) Trennung von ß: hei-ßen (weder phonologisch ist /s/ am Anfangsrand möglich, noch graphematisch ß),
b) Trennung von ch: la-chen (außer in Fremdwörtern ist anlautend /x/ nicht möglich, eine Parallele bietet jedoch das Diminutivsuffix -chen),
c) zahlreiche Endsilben von Fremdwörtern wie -tion (Nation), -sion (Illusion), -tiell (partiell), -tial (Potential) etc. sind an Anfangsrändern nicht belegt.

Meine Vermutung geht dahin, daß der Endrand der ersten Silbe strengeren phono- und graphotaktischen Restriktionen unterliegt als der Anfangsrand der zweiten Silbe. Deshalb sind Zuc-, hac-, Säc- so irritierend, wohingegen -ßen, -chen, -tion und auch -cker weniger Verwirrung stiften. Dies mag damit zusammenhängen, daß die zweite Silbe zumeist der schallärmere Rest einer Wortform ist. Im übrigen ist die zweite Silbe eben immer die zweite Silbe, d.h. sie knüpft an die schon gelesene erste Silbe an, während die Fortsetzung der ersten Silbe noch offen ist.

Ferner ist gegen den Trennungstyp Zu-cker eingewendet worden, er führe zur Verwechslung mit der Partikel zu. Dies gilt jedoch nur für eine sehr kleine Wort gruppe (Zucker, zuckeln, zucken, Zuckung). Nicht stichhaltig ist dagegen der Einwand, zu-, za-, zi- etc. ließen die Vokalkürze nicht erkennen wie bei Lem-ma, fal-len. Gleiches gilt für alle untrennbaren Di- und Trigraphe.


II. Soweit eine Analyse der Vor- und Nachteile der drei Trennungsmöglichkeiten. Es gilt nun, abzuwägen, welche Lösung im Hinblick auf die verletzten Grundsätze bzw. Regeln der deutschen Orthographie am ehesten tragbar ist, d.h. welche sich am leichtesten in das Gesamtsystem einfügt und für Schreiber und Leser gleichermaßen einfach ist. Ich gebe hierzu zunächst einen Überblick über die bisherigen Beobachtungen.

Die beobachteten Regeln, die in der Worttrennung von ck befolgt oder verletzt werden, sind

(1) Bewahrung des Wortbildes,
(2) Trennung graphischer Geminaten,
(3) Beachtung graphotaktischer Restriktionen,
(4) keine Trennung von Di- und Trigraphen.
Befolgung (+) bzw. Verletzung (–) einer Regel lassen sich so darstellen:

(1) (2) (3) (4)
k-k – + + –
c-k + + – –
-ck + – – +

Die Graphik zeigt, daß bei Gleichgewichtung von (1) bis (4) alle drei Lösungen gleich gut oder gleich schlecht sind. Eine solche Gleichgewichtigkeit liegt aber nicht vor. Das zeigen schon die unterschiedlichen Auffassungen der Fachleute, die offenbar auf einer mehr oder weniger intuitiven Gewichtung beruhen. Es ist die Frage, ob sich für solche Gewichtung gewisse objektive Kriterien finden lassen, die zu einer Rangfolge der drei Lösungsmöglichkeiten führen. Den wichtigsten Grundsatz der Bewertung sehe ich in der Reichweite einer Regel im orthographischen System, einen weiteren in dem Grad ihrer Geltung. Mit beiden hängt zumeist die Leser- und Schreiberfreundlichkeit zusammen (das Wort 'Regel' verwende ich hier ungezwungen im Sinne von Regelmäßigkeit). Ich betrachte die vier beobachteten Regeln nacheinander.

(1) Bewahrung des Wortbildes (morphematisches Prinzip). – Für die Bedeutung des morphematischen Prinzips in Alphabetschriften im allgemeinen und in deutscher Orthographie im besonderen braucht man keine Lanze mehr zu brechen.[2] Die 'graphische Kennzeichnung der Identität eines Morphems' gewährleistet auf der signifikativen Ebene der geschriebenen Sprache Einheitlichkeit über allomorphischer Varianz, wie das phonematische Prinzip die Einheitlichkeit über allophonischer Varianz herstellt. Nur zwei Ausnahmeregeln verstoßen gegen das morphematische Prinzip: die geltende s-Schreibung und die k-k-Trennung, beide übrigens nicht aufgrund allomorphischer Gegebenheiten, sondern lediglich stellungsbedingt. Beide Ausnahmen sind eine Erschwernis für Schreiber und Leser, eben weil sie ein Grundprinzip der Orthographie verletzen. Die Beseitigung bei der Ausnahmen führt zu einer wünschenswerten Expansion des morphematischen Prinzips, wie sie anderen Reformvorschlägen zugrunde liegt.

(2) Trennung graphischer Geminaten. – Die Regel gilt ausnahmslos und ist sehr häufig anzuwenden. Sie basiert auf der regelmäßigen Kurzvokalbezeichnung durch folgende graphische Geminate und trägt dem ambisyllabischen Charakter der betreffenden Konsonanten, zumal bei Lento-Aussprache, Rechnung. Zu be achten ist jedoch, daß sie sich nur auf graphische Geminaten (ll, mm, nn etc.), nicht generell auf Konsonanten nach Kurzvokal erstreckt. Wie oben erwähnt, tritt eine graphische Geminierung bei Di- und Trigraphen (ch, sch, ph, th etc.) nach Kurzvokal nicht ein. Die Regel gilt also nicht generell für Konsonantengrapheme nach Kurzvokal, sondern nur für einfache Konsonantengrapheme, die geminierbar sind. Der besondere Fall des ck liegt darin, daß es einerseits zur Gruppe der unteilbaren Digraphe gehört, andererseits in der graphischen Opposition ck versus k die Funktion einer graphischen Geminate erfüllt. Die Restitution von ck zu k-k soll dem Rechnung tragen.

Man muß jedoch sehen, daß die Trennung graphischer Geminaten nur eine Trennungsregel ist, die sonst nicht wie (1) im Gesamtsystem der Orthographie verankert ist. Deshalb halte ich (2) gegenüber (1) für deutlich nachgeordnet.

(3) Beachtung graphotaktischer Restriktionen. – Wie oben erörtert, halte ich diese Beobachtungen noch nicht für hinreichend ausgelotet, vor allem was die Gewichtung von Silbenendrand und Silbenanfangsrand betrifft. k-k wäre unter diesem Aspekt die beste, c-k die schlechteste Lösung; -ck ist immerhin tolerabel (vgl. heißen).

(4) Keine Trennung von Di- und Trigraphen. – Die Regel bezieht sich wie (2) nur auf die Worttrennung, gilt aber nicht ausnahmslos (ng für /_/). Gerade diese Ausnahme führt Kohrt (1988) dazu, die Regel (4) generell in Zweifel zu ziehen. Er sieht die Nichttrennung von ch, sch etc. nur graphotaktisch entsprechend (3) begründet (Vermeidung von lac-hen, Tas-che etc.), nicht, weil durch solche Trennung falsche lautliche Repräsentationen erzeugt würden. Die geltende Trennung von ng (n-g) scheint mir jedoch kein hinreichendes Argument. Hier ist einzuwenden, daß die bei der Trennung erzeugten phonologischen Repräsentationen (zum Beispiel lan-ge) nicht völlig falsch sind. n vor k entspricht [_] (zum Beispiel in Klinke, hier als Allophon von /n/), zudem begegnet auch die Aussprache [la_g_], die genau der graphischen Trennung entspricht. ng wird also eher wie tz als eine aus erkennbaren Elementen zusammengesetzte Graphie, nicht als untrennbare Einheit angesehen. Hinzu kommen sicher phono- und graphotaktische Gründe, die gegen eine Trennung -ng sprechen.

Ich meine also, daß die n-g-Trennung der Regel (4) nicht eindeutig widerspricht. c-k läßt sich mit dem Beispiel n-g nur schwach begründen, wohingegen -ck entsprechend -ch, -sch, -ph, -th etc. gut begründet ist. Dies kommt auch darin zum Ausdruck, daß sich die -ck-Trennung sehr einfach in die geltende Regeldarstellung der Worttrennung einfügen läßt. Im Mannheimer Reformvorschlag heißt es: 'Verbindungen aus verschiedenen Buchstaben wie ch, sch, ph, rh, th werden nicht getrennt, wenn sie für einen einzigen Konsonanten stehen' (Zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung 1989, S. 29). Hier ist lediglich ck einzufügen.

III. Die Gewichtung der vier Regeln bzw. der entsprechenden Regelverletzungen führt zu dem Schluß, daß von den drei Lösungen die Variante -ck (3) die relativ beste (bzw. für Pessimisten: die drittschlechteste) ist. Nur Regel (1) und (2) sind von allgemeiner Bedeutung in der deutschen Orthographie, wobei (1) vor (2) rangiert. Regel (3) und (4) beziehen sich dagegen nur auf die Worttrennung, wobei mir im vorliegenden Fall (3) weniger gewichtig scheint als (4). Die vorgeschlagene Lösung scheint mir aus eben diesen Gründen auch die schreiber- und leserfreundlichste. Sie führt zu einer wesentlichen Vereinfachung der geltenden Trennungsregel.

Ich will die genannten Argumente noch einmal vereinfacht zusammenfassen: Für eine -ck-Trennung spricht:

1. Das Wortbild wird nicht verändert.
2. Die Trennung erfordert kein spezifisches linguistisches Wissen (etwa: ck ist Sondergraphie für kk und entspricht funktional den graphischen Geminaten mm, ll etc.).
3. Die Trennung entspricht der Regel für andere Buchstabenverbindungen, die für einen einzigen Konsonanten stehen.
4. Deshalb läßt sich diese Trennung ohne Formulierung einer Ausnahme in das Regelsystem der Worttrennung einfügen.
5. Die Reform (-ck statt k-k) entspricht den Grundsätzen (siehe I.), denen auch andere Reformvorschläge folgen.

Eben diese fünf Punkte sprechen zugleich gegen eine k-k-Trennung. Man mag fragen: War dies nicht zu viel Aufwand für eine orthographische Quisquilie? Darauf möchte ich antworten: Auch das gehört zum mühseligen Geschäft einer Orthographiereform. Bedenkt man, welche Folgen für Millionen Schreiber und Leser damit verbunden sind, so erweist sich der Einwand als rhetorisch. Ich hoffe nur, daß ich andere habe überzeugen können.[3]

____________________
[1] Erste Leser dieses Beitrags (W. Mentrup, G. Augst) haben Zweifel geäußert, ob <ck> ein Digraph sei. Ich will dies erläutern. Bußmann (1990, S. 183) definiert meines Erachtens richtig: 'Digraphie (...). Repräsentation eines Phonems durch zwei graphische Zeichen, z.B. engl. <sh> für [∫]'. Die Bestimmung von Mono-, Di-, Trigraphen (etc.) beruht auf einem paradigmatischen phono-graphischen Vergleich: Durch welche Zeichen bzw. Zeichengruppen werden die Phoneme einer Sprache repräsentiert? Für das Deutsche gibt es zwei Arten von Digraphen: solche aus zwei gleichen Zeichen (<mm>, <ff> etc.) und solche aus zwei verschiedenen Zeichen (<ch>, <ie> etc.); die ersten haben bei einheimischen Wörtern in der Regel die (syntagmatische) Funktion, Kürze des vorangehenden betonten Vokals anzuzeigen, die letzten nicht. Die Besonderheit von <ck> liegt darin daß es ausdrucksseitig zum Typ 2 gehört, funktional zum 1. Ein Digraph ist <ck> aber allemal.
[2] Vgl. u.a. Deutsche Orthographie (1987, S. 144ff.), Munske (1984a, S. 241f. [oben Kap. 1, S. 16ff.]) und (1985 [oben Kap. 2]).
[3] Inzwischen haben die Delegierten der Rechtschreib-Kommissionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz auf ihrer 9. Internationalen Arbeitstagung in Rohrschach/Schweiz (30.9.–4.10.1991) mehrheitlich meinem Vorschlag zugestimmt.
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