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»Rechtschreibung und -reform«


Beiträge zum Thema

»Laut-Buchstaben-Zuordnung(en)
Etymologie hin oder her, ...«

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Theodor Ickler
Spardorf

Dieser Beitrag wurde am 28.06.2016 um 07.22 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#11407


In Abugida-Schriften (s. d. unter Wikipedia) ist dem Konsonantenzeichen ein Vokal inhärent; das bekannteste Beispiel sind indische Schriften wie die mehrmals erwähnte Devanagari. Soll das inhärierende kurze a ausgeschlossen werden, setzt man einen kleinen Auslassungsstrich (Virama). Dafür gibt Wikipedia den Terminus halant, mit einem blinden Verweis.

Tatsächlich ist dieser Begriff weitgehend ungebräuchlich und nur innerhalb der Paninischen Grammatik verständlich. Es handelt sich um ein Bahuvrihi (Possessivkompositum), dessen erster Teil hal ein Kürzel für "alle Konsonanten" ist; das bezieht sich auf die erwähnten Shivasutren, die der Grammatik vorangestellt sind. Halanta heißt also: "was einen Konsonanten als Schluß hat". Ich empfehle, bei Virama zu bleiben.

Eine unechte Silbenschrift etwas anderer Art ist die koreanische.
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 13.10.2014 um 22.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#10884


Wieder mehr Spätausssiedler
(SZ, 13.10.2014, Seite 6)

Mit der Adelungschen Schreibweise wäre dieser Fehler sofort aufgefallen und hätte daher gar nicht passieren können.
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 06.03.2014 um 00.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#10614


FAZ, 5.3.14, S. 4:
Umweltministerin Hendricks besucht Atommüllager Asse

Dicke Überschrift, jawohl, so darf man das ruhig mal richtig dick schreiben.
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Jan-Martin Wagner
Kiel

Dieser Beitrag wurde am 17.07.2013 um 17.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#10333


Wiener Zeitung, 16. Juli 2013, Leserbriefe zu „Wie viel Etymologie braucht der Mensch?“

Rechtschreibreform verbirgt Wortherkunft
Reform erschwert das Verstehen des Schriftlichen

Die ganze Rechtschreibreform ist zu vergessen, weil man von der falschen Zielvorgabe ausgegangen ist. Man wollte das Schreiben vereinfachen, aber das Ziel einer Reform sollte es eigentlich sein, das Verstehen des geschriebenen Wortes zu erleichtern.

Und jetzt hat man nach der Reform der Reform der Reform das Problem, dass fast alles irgendwie erlaubt ist, zum Beispiel: aufwendig, was für das Verständnis eine Katastrophe darstellt.

Mag. Manuel Leitgeb,
per E-Mail


Gedankenloser Eingriff in die deutsche Sprache

Bei der Diskussion "e" versus "ä" wird ein Aspekt außer Acht gelassen, nämlich die Frage der Phonetik beziehungsweise Aussprache. Richtigerweise werden nämlich die beiden Vokale nicht gleich ausgesprochen, oder sollten es zumindest nicht werden.
Besonders deutlich wird das etwa beim Wort "Tränen", welches kein korrekt sprechender Schauspieler wie "Trenen" aussprechen würde.
Es ist dies einer der Fälle, in denen die "neue Schlechtschreibung" rücksichts- oder doch gedankenlos in die eigentliche deutsche Sprache eingreift.
Am ärgsten ist dies bei der unsäglichen Neuschöpfung "selbstständig" statt "selbständig" geschehen. Das Wort "selbstständig" hat es in der deutschen Sprache niemals gegeben. Vielmehr setzt sich das richtige Wort "selbständig" aus den Bestandteilen "selb" und "ständig" zusammen. Vergleiche "selber" oder den aus der Kunstgeschichte bekannten Gemäldetypus der "Anna selbdritt".
Dankenswerter Weise verwendet die "Wiener Zeitung" dieses Wort in seiner richtigen Form.

Prof. Dr. Gerhard Kramer,
1190 Wien


www.wienerzeitung.at
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Jan-Martin Wagner
Kiel

Dieser Beitrag wurde am 10.07.2013 um 16.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#10319


Wiener Zeitung online, 9. Juli 2013

Wie viel Etymologie braucht der Mensch?
Von Robert Sedlaczek

Manchmal scheint die Wortherkunft in der Schreibung stark durch, manchmal ist sie kaum zu erkennen. Das ist Anlass für heftige Diskussionen.

Dass man seit der Rechtschreibreform Gemse mit ä schreiben muss, hat viele verärgert. Das sei inkonsequent. Einmal werde ein e, weil es vom a stammt, als ä geschrieben, ein anderes Mal nicht. Eltern komme ja gewiss von alt und werde nicht Ältern geschrieben. Ente komme von mittelhochdeutsch ant und die Bauern sagen Antn. Und doch dürfe man nicht Änte schreiben.

Es geht um Streitfälle der Rechtschreibung und um eine interessante Frage: Wie stark soll dem etymologischen Schreibprinzip zum Durchbruch verholfen werden? Hermann Möcker, ein Mitarbeiter am "Österreichischen Wörterbuch", hat sich in einem beachtenswerten Aufsatz in der sprachwissenschaftlichen Zeitschrift "tribüne" (3/2013) damit beschäftigt. Er analysierte die Herkunft und Schreibung von mehr als 200 strittigen Wörtern, darunter Gämse, Eltern und Ente.

Vorneweg die Conclusio: Die drei Wörter sind nicht vergleichbar. Gämse geht auf spätlateinisch camox zurück, es hat im Althochdeutschen ein a, im Mittelhochdeutschen ein e. Dieses hat sich in unsere Zeit hinübergerettet: Gemse. Eine Variante mit a hat sich jedoch in den Mundarten gehalten - man denke an das Lied "Die Gamserln schwarz und braun . . ." Formen mit a haben sich auch in der Fachsprache durchgesetzt: Gamswild, Gamsräude, Gamsbart. Die Gemse ist also aus der Reihe getanzt, weg mit ihr.

Anders gelagert ist der Fall bei Eltern. Hier handelt es sich um einen substantivierten Komparativ von alt. Sowohl im Althochdeutschen als auch im Mittelhochdeutschen gibt es Formen mit a und mit e. Später hat sich das e durchgesetzt, denn Eltern müssen nicht alt sein. Es gibt also keinen Grund, Ältern zu schreiben.

Die Ente geht auf ein althochdeutsches anut zurück, im Mittelhochdeutschen wurde daraus der ant - ein Maskulinum, Mehrzahl diu ente. Weil diese Tiere meist in Gruppen in Erscheinung treten, hat man eine neue Einzahlform gebildet, die feminin war: die Ente. Wenn auch mundartlich "die Antn" dominiert, so hat diese Form keinen Niederschlag in einer Fachsprache gefunden. Es war also richtig, bei der Ente zu bleiben.

Gut und richtig waren auch die neuen Schreibungen von behände (zu Hand) und überschwänglich (zu Überschwang), aber Möcker möchte nicht den Eindruck erwecken, dass er die Rechtschreibreform generell für gut heißt. Es gibt zu viele Beispiele, die einem am Verstand der Reformer zweifeln lassen.

Was für einen Sinn hat es, dass nun sowohl aufwändig (zu Aufwand) als auch aufwendig (zu aufwenden) zugelassen ist? Das stiftet nur Verwirrung. In den sprachlichen Auskunfteien gibt es Unmengen an Anfragen, ob jetzt auch aufwänden, Aufwändungen, einwänden und Einwändungen zulässig seien. Die Antwort lautet vier Mal nein. Es wurde auch die Chance vertan, zwischen herschenken (hergeben) und einschänken (Ableitung von Schank) zu unterscheiden. Möcker empfiehlt, das gesamte Wortfeld rund um Schank mit ä zu schreiben, also auch Heurigenschänke. Die Zeitschrift ist übrigens bestellbar beim LIT-Verlag.


www.wienerzeitung.at
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 21.05.2013 um 19.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#10238


Unerwartete Aussprache: "British English pronunciation: "Chumlee". US English pronunciations: Col mon del ee". Zu diesen Ortsnamen könnte man auch alle mit unbetonten "-folk" und "mouth" hinzufügen. Und den Sioux-Indianern ist die Aussprache [su:] auch nicht ohne weiteres abzulesen. Auch die einsilbige Aussprache von "towards" (Wegfall des [w]) gehört hierher, die durchaus auch standardsprachlich ist (vgl. List of names in English with counterintuitive pronunciations (en.wikipedia.org); und http://ncf.idallen.com/english.html, worauf Herr Stiene hier hinweist, ist natürlich nicht zu schlagen).
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Heinz Erich Stiene
Frechen

Dieser Beitrag wurde am 21.05.2013 um 12.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#10237


Lieber Herr Riemer, zu den unvorhersehbaren Aussprachetücken im Englischen vergleichen Sie bitte das vergnügliche Gedicht 'The Chaos', vor Jahrzehnten verfaßt vom Niederländer Gerard Nolst Trenité ("Dearest creature in creation").
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 20.05.2013 um 22.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#10235


Würde es abgeschafft, müßten künftige Lexika schreiben, daß es einmal ein Fogel-Fau gab, das wie ein halbes W oder w aussah und oft anstelle des Fisch-Eff benutzt wurde.

Die englische Aussprache hat mich auch schon sehr verblüfft, z. B. bei den Namen Worcester, Leicester, Gloucester, Thames. Kennt jemand noch andere Beispiele mit ähnlich unerwarteter Aussprache?
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Dieser Beitrag wurde am 18.05.2013 um 20.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#10233


Kommentar von R. M., verfaßt am 18.05.2013 um 08.41 Uhr

http://www.youtube.com/watch?v=tQWPR9TM0Gk


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2013 um 07.50 Uhr

Was mich auch noch überrascht hat: Als neulich eine Zeitung von Vorderungen schrieb, hielt ich das für eine seltene Entgleisung, stellte dann aber fest, daß es ungemein häufig belegt ist. Etymologisch geht das ja auch in Ordnung, und man könnte das "Vogel-Vau" (wie meine Kinder es in der Schulen nannten) ganz abschaffen. Das würde kaum zu Mißverständnissen führen, wenn man also Wase ebenso schriebe wie Wrase.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2013 um 07.08 Uhr

Bis vor kurzem wußte ich nicht, wie das englische Cholmondeley ausgesprochen wird. Anders gesagt: Wer es hört, kann unmöglich darauf kommen, wie man es schreibt.
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 18.11.2011 um 09.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#8314


Vermieter-Albtraum "Messie"

Für Vermieter wie Nachbarn kann es zum Alptraum werden: Ein Mieter leidet unter dem "Messie-Syndrom" und lässt die Wohnung vermüllen.
... - die Wahrscheinlichkeit an einen Messie-Mieter zu geraten ist entsprechend hoch.

(Mannheimer Morgen 18.11.11, S. 47)

Im MM kommen Alp- und Albtraum immer noch mal so, mal so vor – wie hier sogar im selben Artikel. Mit der Komma-Entsorgung haben die Rechtschreibreform-Messies aber dann übertrieben.
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 15.10.2011 um 22.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#8200


Vielen Dank, Herr Chmela, für Ihren interessanten Hinweis!
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Gunther Chmela
Raubling

Dieser Beitrag wurde am 14.10.2011 um 16.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#8196


Lieber Herr Metz,

die Schreibweise "Saitenschneider" hat durchaus ihre Berechtigung und wird in dieser Form auch von Instrumentenbauern verwendet. Das Werkzeug dient zum Abschneiden von Klavier-, Gitarrensaiten u.ä. Allerdings sind ein "Seitenschneider" und ein "Saitenschneider" praktisch baugleich. In diesem kuriosen Fall läßt sich das Wort sowohl von der Form des Werkzeugs, als auch vom Verwendungszweck herleiten – und damit von zwei Wörtern mit grundverschiedener Bedeutung, die jedoch gleich klingen.
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 14.10.2011 um 00.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#8193


Gerade lese ich in der Wikipedia, daß es neben Seitenschneider auch die Schreibung Saitenschneider gibt. Was ist davon nun schon wieder zu halten? Werden im Technikjargon bestimmte Drähte u. dgl. als Saiten bezeichnet, oder handelt es sich schlicht um eine Fehlschreibung? Mir sind Saiten nur von Musikinstrumenten und Tennisschlägern vertraut.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 08.09.2010 um 23.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#6835


»Herr Mertesacker darf sich, egal ob auf dem Platz oder im Alltag, nicht schnäutzen.« (Vera Laumann, bild.de)
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Jan-Martin Wagner
Halle (Saale)

Dieser Beitrag wurde am 28.05.2010 um 14.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#6443


Weil ich gerade aus einem anderen Zusammenhang heraus über diese Schreibungen gestolpert bin, bringe ich ein vermutlich bereits sehr altes Thema noch einmal an: Wie kam es eigentlich zur p-Doppelung bei Onestepp, Quickstepp und Twostepp?

Hinter diesen Einträgen findet sich im amtlichen Wörterverzeichnis der Vermerk „§ 37 E3“, aber das bezieht sich auf die GZS:
»§ 37. Substantive, Adjektive, Verbstämme, Pronomen oder Partikeln können mit Substantiven Zusammensetzungen bilden. Man schreibt sie ebenso wie mehrteilige Substantivierungen zusammen. Dies betrifft (1) Zusammensetzungen [...] (1.5) mit Elementen unflektierter Wortarten (Adverbien, Partikeln) [...] E3: Dieser Regel folgen auch lexikalisierte, ursprünglich aus dem Englischen stammende bzw. aus englischen Einheiten gebildete Zusammensetzungen [...]«

Eine Anwendung der Regel „Konsonantenverdopplung nach betontem kurzen Vokal“ (§ 2) kommt nicht in Frage, weil diese Wörter auf der ersten Silbe betont werden. Daher müßte sie sich nach „E zu § 2 und § 3“ auf das Grundwort „Step“ beziehen, das in der Form „Stepp“ in die Zusammensetzung eingegangen ist. Aber „Step“ ist ein ganz anderer Tanz als die oben genannten drei, daher kann es diese Zusammensetzung inhaltlich nicht geben. Daher erneut meine Eingangsfrage: Wo kommt das doppelte p her?
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Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 23.06.2009 um 17.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#5101


Lieber Herr Achenbach,

deshalb gehörte der Albtraum neben der Gämse und anderen illustren Dingen auch zu jenen Lieblingswörtern, die zu Beginn der glorreichen Rechtschreibrevolution den armen Schülern so oft eingebläut wurden, daß Generationen von ihnen vermutlich noch sehr lange Alpträume haben werden. Herr Ickler hat Wörter dieser Art darum auch in seinem Buch "Regelungsgewalt" als "Stolpersteine" bezeichnet (S. 31). Und natürlich kommt aus diesem Grund der Alptraum auch in Schaeders berühmtem Übungsdiktat vor.

Nachzulesen hier.
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Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 23.06.2009 um 08.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#5100


Erst kürzlich bin ich durch eine Bemerkung hier im Forum und zu meinem Erstaunen darauf aufmerksam geworden, daß der (noch) aktuelle Duden die Schreibung Albtraum empfiehlt.

Bei der Suche nach einer Erklärung bin ich darauf gestoßen, daß die RSR auch die Schreibung von Alb/Alp (für "gespenstisches Wesen") geändert hat, was mir bisher entgangen war.

Früher hat der Duden beide Schreibungen aufgeführt. Dabei waren die Erläuterungen etwas unterschiedlich, aber so unklar, daß ich im Zweifel blieb, ob ein Bedeutungsunterschied angedeutet werden sollte oder nicht.

Die Einträge in meinem Duden (1961) lauteten:

Alb ("Elf"; gespenstisches Wesen; nur noch in den Namen: Alberich, Alboin, Albin); vgl. Alp [ohne Geschlechts- oder Flexionsangabe]

Alp (gespenstisches Wesen; Alpdrücken) m; -[e]s, -e; vgl. Alb

Ein Blick in das Grimmsche Wörterbuch ergibt, daß wohl tatsächlich ein Bedeutungsunterschied vorliegt:

ALP, m. daemon, incubus, die streng ahd. wortform hat sich nur für den feindlichen nachtgeist, nicht für den lieblichen lichtgeist erhalten, welcher davon unterschieden und mit dem namen elb oder niederdeutsch elf belegt wird (s. alb).

Dort findet sich auch nur die Schreibung Alpdruck

Adelung führt nur die Schreibung Alp an, im Sinne von "bösartiger Geist", der zu "schweren Träumen" führe.

In den reformierte Regeln von 1996 heißt es nun:

Alb(*) (Elfe; gespenstisches
Wesen
) + Alp

Alp, Alpe (Bergweide) + Alb

Damit schafft die Reform eine offenbar seit Jahrhunderten bestehende Unterscheidungsschreibung ab. Das konnten sich die Reformer wohl nur erlauben, weil die Wörter Alb/Alp heutzutage nicht mehr lebendig sind. Warum in aller Welt aber ändern sie dann - gewissermaßen rückwirkend - eine nur noch historische Schreibung?

Danach erscheint es aber kaum folgerichtig, Alptraum/Albtraum und Alpdruck/Albdruck als gleichberechtigte Varianten anzugeben.

Der alte Duden kannte auch die Unterscheidung Alb (Gebirge) und Alp, Alpe (Bergweide). Das amtliche Wörterverzeichnis kennt das Wort in der Bedeutung Gebirge nicht mehr. Anscheinend wird darin nur noch eine Besonderheit geographischer Namen gesehen.

Dazu sagt nun der aktuelle Duden:

Alb, der; -[e]s, -en (Naturgeist; auch für gespenstisches Wesen; Albdrücken); vgl. aber Alp

Alp alte Schreibung für Alb usw.

Letzterer Eintrag ist eigentlich nicht ganz korrekt, denn Alp ist nur teilweise die "alte Schreibung" für die Neuschreibung Alb. Auch der Rotdruck ist zweifelhaft, da Alb nur teilweise Neuschreibung ist.

Immerhin kennt der Duden noch das Wort Alb für Gebirge:

Alb, die; - (Gebirge); Schwäbische, Fränkische Alb K 140

Mit seiner Empfehlung von Albtraum und Albdruck ist der Duden zwar in einem gewissen Sinne folgerichtiger als die Amtlichen Regeln, er entscheidet sich damit aber für eine (pseudo-)historische Etymologie, die dem modernen Schreiber völlig fremd sein dürfte. Der moderne Schreiber wird allenfalls schwanken, weil er sowohl an Alpen als auch an (Schwäbische) Alb denken könnte.

Vernünftige Richtschnur in solchen Fällen unklarer oder nicht mehr lebendiger Ableitung schiene mir zu sein, die phonetische Schreibung zu verwenden. Die Reformer wollten es ja ursprünglich mit Apt auch so machen. Deshalb bleibe ich lieber bei Alptraum/Alpdruck, ebenso wie bei aufwendig.
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Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 11.06.2008 um 08.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#3471


FKK in der DDR
[Bild]
... Während sich der DDR-Kulturminister Johannes R. Becher in den fünfziger Jahren vor provokativ zur Schau gestellten "deformierten Körpern" fürchtete, hätte er bei diesem Anblick gegen FKK vermutlich nichts einzuwänden gehabt.

Spiegel online "Eines Tages", gefunden 11.6.08
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Martin Valeske
Kohlberg

Dieser Beitrag wurde am 04.06.2008 um 14.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#3445


Wenn schon platzieren, warum dann nicht auch schmeltzen?
Heute in Welt online gefunden:

Das unendliche Meer, glitzernde Lagunen und schmeltzende Gletscher - mit faszinierenden Bildern haben Fotografen die Folgen des Klimawandels festgehalten.
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Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 16.05.2008 um 14.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#3318


Damit, lieber Herr Wagner, sind wir wohl nur noch wenige Augenblicke von den "Topp off se Popps" entfernt. Wer hätte das für möglich gehalten!

Freilich handelt es sich hierbei weniger um die englische Sprache, als vielmehr um BSE. Kann auch Basic Standard English bedeuten! Hinter beiden Krankheiten steckt natürlich wieder mal die Krone der Schöpfung. In einem Fall fütterten wir Rindviecher mit zerschredderten, von einer Traberkrankheit befallenen Schafen, und im anderen Fall füttern wir uns selber mit unverdaulichem Blödsinn, der gegen einen differenzierenden Wortschatz, nachvollziehbare Wortbildung und Grammatik gebastelt wurde. "Look, what have we here?"

Eigentlich sind Rindviecher Pflanzenfresser, und wir waren irgendwann mal vernunftbegabt. Zur Entschuldigung der Rindviecher läßt sich anführen, daß die nicht wußten, was sie taten...
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Jan-Martin Wagner
Halle (Saale)

Dieser Beitrag wurde am 16.05.2008 um 13.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#3315


Nicht nur in Kontaktanzeigen zu finden (vgl. #2447), sondern auch im redaktionellen Teil des Wochenspiegel Halle (Hervorhebungen hinzugefügt):

23. April, 2008, Seite 8 (Reisemarkt), Artikelüberschrift:
"Die Goldene Stadt
Wie wäre es mit zu Pfingsten mit einem Kurztripp nach Prag?"

30. April 2008, Seite 6 (Reisemarkt), Artikelüberschrift:
"Für Radler: 'Happy Mosel'
Autofreier Raderlebnistag an der Mosel am 18. Mai 2008"
Bildunterschrift:
"Wer noch einen sportlichen Kurztripp plant: Auf zum Raderlebnistag an die Mosel."
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 04.02.2008 um 08.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2914


Hellau! (neu zu engl. hello)
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 05.12.2007 um 03.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2637


Ausgeräu(h)chert

Das Goethe-Institut präsentiert auf seiner Website ein Advents-Spezial. Unter dem 16. Dezember findet man dort einen – natürlich in Reformschreibung („Furcht erregende Gestalten“) gehaltenen – Text zum Thema „Rauhnächte“. Die Schreibung mit h kann nicht auf Zufall beruhen, denn es wird ausgeführt: „Hierzulande wird viel gerätselt und gerne gegruselt. Die perfekten Gestalten dafür sind die Dämonen der Rauhnächte. Gerätselt wird bei den Volkskundlern: Sie sind sich uneins, ob der Begriff „rauh“ von pelzig stammt, was auf fellige Dämonen verweisen würde, oder ob der „Rauch“ zwischendrin einen Buchstaben verloren hat und Namensgeber der Rauhnächte war. Mit geweihtem Rauch wurden nämlich früher Dämonen und böse Geister vertrieben.“

Man kann nur spekulieren, warum die Autorin, Christine Sommer-Guist, den Rauch nicht gleich um einen zweiten Buchstaben erleichtert hat. Möglicherweise ist ihr, wie vielen, die Tilgung des h in „rauh“ durch die Reform schlicht entgangen. Für diese Vermutung spricht der folgende Satz im selben Text (Hervorhebung von mir): „Einige Wissenschaftler führen die Rauhnächte auf die kalten, sprich rauhen Temperaturen des Winters zurück.“ Jenseits des etymologischen Aspekts (unter dem Stichwort „Rauchnächte“ liest man bei Kluge 2002: „Sekundär auch Rauhnächte, Raubnächte, Raunächte u.ä.“) scheint die Autorin die Schreibung „rauh“ jedenfalls für normal zu halten. Zu Recht.
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David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 29.11.2007 um 16.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2613


Eine Bad Homburger Bushaltestelle trägt die Aufschrift "Kaiser-Willhelm-Bad". Müssen wir uns auch auf eine Bissmark-Schosseh gefaßt machen? (Eine andere Haltestelle heißt übrigens "Schloßgarten".)
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 29.11.2007 um 15.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2612


"Signallisiert"

(Anzeige des Mobiltelefons LG C3300 nach erfolgreichem Rufaufbau)
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2007 um 14.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2600


Starckteütsche Reformverweigerung

»Christian Rommel kennt sie alle, die zahlreichen Adaptionen des wohl bekanntesten Schneutzlappens der Welt.« (Katharina Iskandar, F.A.Z., 27. 11. 2007)
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 24.11.2007 um 11.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2588


»Ludwig Ehrhard« (Jasper von Altenbockum, F.A.Z., 24. 11. 2007)
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David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 18.11.2007 um 20.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2575


"Denn dem seriösen Blatt zufolge führt dieses vermeindliche deutsche Nachtflugverbot mitunter dazu, dass Nato-Soldaten der Schutztruppe Isaf mitten in der Schlacht den Rückzug antreten müssen, weil ohne die deutschen Helikopter die Möglichkeit zur Evakuierung Verwundeter fehle." (Spiegel online)
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 29.10.2007 um 16.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2447


Dem Volk auf die Schreibpfote schauen kann man offenbar gut in Kontaktanzeigen (Hervorhebung hinzugefügt):

"Meine Interessen bestehen aus Kinobesuchen, Fahrrad fahren, Urlaubstripps, schwimmen, ich tanze gern, mag Treffen mit Freunden in gemütl. Runden. [...]"

(Oder aber es sagt etwas über das Niveau der zuständigen Redakteure in Wochenblättchen aus; das zitierte Beispiel stammt aus dem Wochenspiegel Halle vom 10. Oktober 2007.)
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 10.08.2007 um 22.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2183


Zu #2182: Natürlich. Ein Frisör wird deutsch auch kein Frisär. Eher wird er schon ein Coiffeur, – und wenn er dabei geschickt ist, wird er vielleicht sogar ein Billiardär..., Billardär ... Billjardär ...; man vergebe mir meine Rechtschreibunsicherheit; einmal: die heutige Rechtschreibsituation, und dann: ich benutze dieses Wort zum ersten Mal in meinem Leben. Und hätte Beethoven nicht Schillers Millionen zu Tönen gesetzt, würde's der Buchstabe "j" bei denen sicher bei vielen auch tun. (Im Schwedischen tut er's ja auch, glaube ich.)
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 10.08.2007 um 17.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2182


Zwischen Billardeur und Billiardär bleibt ein kleiner Unterschied . . .
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 09.08.2007 um 13.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2180


"Wie auch schon an anderer Stelle einmal angesprochen wurde, hätte ich gegen Billiard und brilliant keine Einwände." — Ich auch nicht. Doch das müßte sich zuerst richtig eingebürgert haben und dürfte eben nicht so mir nichts, dir nichts als einzig richtig vorgeschrieben werden. Hier handelte es sich dann um echte "Volksschreibweisen". — (Aber die falsche Vorschreibe begann auch schon mit "Kioto" und "Tokio", deren Schreibung nicht die Aussprache nachahmt, sondern eine für Japaner unverständliche suggeriert. Die Schreibung mit "j" wäre eine bessere gewesen und hätte den Deutschschreibenden mit ihren gewohnten Laut-Buchstaben-Zuordnungen nichts abgebrochen. Und falsche Trennungen wären auch von vornherein ausgeschlossen, die jetzt bei "[t]i-on" wirklich immer beim Lesen stören. [Wer freut sich im nachhinein schon darüber, daß das "ti" vor dem Trennstrich als "zi" hätte gesprochen werden müssen!]) Hier hilft ein guter Deutschlehrer mit einer einmaligen Erklärung, und damit hat sich's für jemanden, der richtig schreiben will. — Bei "Zierrat" wird etymgemogelt, als ob es sich um Hausrat und anderes Gerät handelte. Auch hier hilft eine einmalige Erklärung, damit man nicht einen falschen Gedanken weiter in Umlauf bringt oder sich auf den Gedanken, sich sogar noch mehr davon anschaffen zu müssen. — Aber die Politik muß doch die Wirtschaft unterstützen, nicht wahr, ja... Und selbst wenn man Kultusminister ist, kauft frau sich sicher ja davon auch mal öfter mal was Neues.
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Philip Köster
Hamburg

Dieser Beitrag wurde am 09.08.2007 um 00.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2179


Liebe Frau van Thiel,

ich hätte Zierrat tatsächlich intuitiv immer mit zwei r geschrieben -- just wurde ich im Spiegel-Forum darauf hingewiesen, daß das Reformquatsch wäre. Ich habe dann später angefangen, mich für die Begründung zu interessieren, und da habe ich bei Herrn Ickler gelesen, Zierat verhalte sich zu Zier wie Heimat zu Heim. Wir brauchen einfach mehr gute Deutschlehrer!

PS. Wie auch schon an anderer Stelle einmal angesprochen wurde, hätte ich gegen Billiard und brilliant keine Einwände. Die Deutschen möchten gerne so schreiben, und warum sollte man es ihnen auf Dauer verbieten?
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Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 08.08.2007 um 19.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2177


Da der "Zierrat" als gar nicht kostbare Zierde auch die letzte Re-Re-Re-Reform überlebt hat und ich letzthin bei der Lektüre - ich glaube, einmal bei Eichendorff und dann bei Kafka - auf die Pluralformen Zierate oder Zieraten gestoßen bin, frage ich mich, wie denn wohl bei einer "Modernisierung" und "Verbesserung" dieser Schriftsteller verfahren werden müßte. Lautet der Plural dann Zierrate oder Zierraten oder "mit schönen Zierräten"?
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K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 01.08.2007 um 15.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#2129


Heute erreichen mich die Feriengrüße eines Neffen (Viertkläßler):
" ... Hier in Dänemark ist es toll. ... Das Essen ist nicht das besste ... Viele Grüße ... ".
Er hat die "ß-/ss-Regel" verstanden ( - nur bei isst , ess und dass hapert es noch).
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Alexander Glück
Hollabrunn

Dieser Beitrag wurde am 21.06.2007 um 08.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#1962


In der Modelszene ernähren sich viele Frauen tatsächlich von Hipp-Gläschen! War vielleicht das gemeint?
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 20.06.2007 um 17.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#1961


»In der Modelszene überleben nicht die Fittesten, sondern die Hippsten.« (Weltwoche 22/2007, Übersetzung aus dem Englischen [!] von Thomas Bodmer)
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K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 28.02.2007 um 01.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#1540


@ Sigmar Salzburg, 03.01.2007, Neue Vokallängendefinition

Tatsächlich, ein solches Beispiel hatten wir auch schon hier (vielleicht findet die Red. den Beitrag, ich habe ihn vergebens gesucht): Meiner Erinnerung nach berichtete ein Schreiber letztes Jahr entrüstet, daß seine Chefin (oder Mentorin), wohl eine Gymnasialdirektorin, in aller Selbstverständlichkeit erklärt hätte, "daß" könnte nicht mit "ß" geschrieben werden, weil es ja sonst ein "langes a" haben müßte.
Wenn das an den Schulen so gelehrt wird, werden die von Herrn Salzburg aufgezählten Ortsnamen, wohl auch etliche Flur-, Gewässer- und Familiennamen von einigen Schülergenerationen spontan tatsächlich nicht mehr richtig gelesen werden können.
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Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 27.02.2007 um 11.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#1537


rau ist mau

Der armseligen Freude der Reformbetreiber, dem Wort „rauh“ sein „h“ genommen zu haben und so im Namen der Erleichterungsideologie ein Zeichen gesetzt zu haben, steht doch ein erheblicher ideeller Verlust für die Sprach- und Schreibgemeinschaft gegenüber.

Den Schreibapparatschiks der „Reform“ geht anscheinend jeder Sinn für sprachliche und klangliche Poesie ab. Dies zeigt sich daran, daß ihnen die Verwendung und Wirkung des schönen alten Wortes „rauh“ offensichtlich völlig gleichgültig ist.

In den Kieler Nachrichten (meiner Nachbarin) von Juni 02 bis Ende 05 kam es etwa 20mal unreformiert, aber 100mal reformiert h-los vor.

Von den letzteren beschrieben 45 Prozent rauhes Klima, rauhe See oder Winde. Hier ist der Hauch des „h“s, oder zumindest die Erinnerung daran, eigentlich unverzichtbar.

In weiteren vierzig Fällen handelte es sich um die Beschreibung musikalischer, meistens vokalischer Vorgänge: „…expressiv mit rauer Blues-Rock-Röhre“ o.ä.. Auch hier verbildlicht das „h“ in Laut und Zeichen vorzüglich die physischen Ereignisse.

Nur dreizehnmal wurde das Wort „rau[h]“ zur Angabe einer Materialoberfläche verwendet, aber auch dort ist die Gedankenverbindung zu einem obertonreichen Reibelaut nicht fern.

Nicht genau abgrenzbar ist die übertragene Verwendung des Wortes in weiteren zwölf Fällen. Diese muß natürlich den gleichen Gesetzen folgen.

Lediglich bei politischen Schaukämpfen, die zumeist flaue Tricks bieten, wäre eine Annäherung von „rauh“ an „flau“ und „mau“ sinnvoll: „Rot-grünes Klima wird rauer“.

(Angeregt durch den Kommentar von Rominte van Thiel vom 24.2.07)
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K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 15.01.2007 um 16.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#1352


@ Invasion ...

Tatsächlich, es ist schon erheiternd, was so alles unter "Wissenschaft" verbreitet wird, vor allem bei der zwanghaften Neigung der Spiegelschreiber, sich ständig als Wortschöpfer in Szene setzen zu müssen. Daß ein Fisch als "behende" erlebt und beschrieben werden könnte, ist an sich schon seltsam. Seitdem es aber "behände" heißen soll – und der Spiegel will es ja so –, kann es aufgrund der bewußt angestifteten Assoziation wohl überhaupt nicht mehr zutreffen.
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Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 15.01.2007 um 09.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#1349


Behände Fische wieder einmal …

Invasion der kaspischen Grundeln

Angler ziehen sie aus Rhein und Mosel: Grundel-Arten, die eigentlich in Osteuropa beheimatet sind. Die Fische, klein, stummelig und nicht besonders behände, haben sich Tausende Kilometer nach Westen vorgekämpft - mit Hilfe des Menschen und zu Lasten einheimischer Arten. …

Zwar ist P. marmoratus ein Bodenfisch, und als solcher kein behänder Schwimmer, …


http://www.spiegel.de/wissenschaft/0,1518,,00.html
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Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2007 um 08.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#1257


Das Heyse-System mit seiner neuen Vokallängendefinition bewirkt einen Kulturbruch in der deutschen Namenstradition. Eine erheblich vermehrte Zahl deutscher Familiennamen und Ortsangaben kann von der indoktrinierten Jugend nicht mehr intuitiv richtig gelesen werden. Allein im Postleitzahlenverzeichnis findet man folgende Orte:

Aßlar, Aßling, Aßschwang, Aßmannshardt, Baßdorf, Baßlitz, Beßlich, Bloßwitz, Bößgesäß, Boßdorf, Büßfeld, Büßholz, Büßleben, Bußhof, Bußmannshausen, Bußvitz, Daßwang, Dößig, Drößling, Drößnitz, Droßdorf, Droßkau, Düßnitz, Dußlingen, Dußvitz, Eßbach, Eßbaum, Eßleben, Eßlingen, Eßweiler, Faßberg, Faßmannreuth, Feßbach, Fißmühle, Flößberg, Floß, Floßdorf, Floßmühle, Frößnitz, Fußgönheim, Fußstall, Gößlow, Gößnitz, Gößweinstein, Goßberg , Goßdorf, Goßmannsrod, Goßmar, Goßra, Goßwitz, Graßlfing, Greßthal, Grißheim, Größnitz, (Groß …), Haßfurt, Haßlach, Haßlau, Haßleben, Haßley, Haßlinghausen, Haßloch, Haßmersheim, Haßmoor, Heßberg, Heßdorf, Heßheim, Heßlar, Heßler, Heßles, Heßlingen, Heßloch, Hoßkirch, Hußweiler, Jeßling, Jeßnigk, Jeßnitz, Jößnitz, Kaßberg, Kaßlerfeld, Klüß, Kluß, Kößlarn, Kößlitz, Kößuln, Koßdorf, Koßweda, Koßwig, Kraßlau, Kreßbach, Kreßberg, Kröß, Krößuln, Laßbach, Laßbruch, Laßrönne, Lißdorf, Lößnig, Lößnitz, Lößnitzgrund, Lößnitztal, Loßbruch, Loßburg, Loßwig, Loßnitz, Lüßvitz, Lußberg, Maßbach, Maßlau, Maßlow, Maßnitz, Maßweiler, Meßbach, Meßdorf, Meßkirch, Meßlingen, Meßnerschlag, Meßstetten, Mißlareuth, Mößling, Mößlitz, Moßbach, Naßkamping, Naßweiler, Neßlbach, Neßmergrode, Neßmersiel, Nißma, Nißmitz, Nößwartling, Noßlitz, Noßwitz, Nußbach (5), Nußbaum, Nußbühl, Nußdorf (4), Nuloch, Oßla, Oßling, Oßmannstedt, Oßmaritz, Oßweil, Paßbruch, Paßditz, Pißdorf, Pößneck, Poßdorf, Proßmarke, Raßdorf, Raßlitz, Raßmannsdorf, Raßnitz, Raßreuth, Rißdorf, Rißegg, Rißtissen, Rößnitz, Rößuln, Roßbach (19), Roßberg (2), Roßbrunn, Roßdach, Roßdorf (8), Roßendorf, Roßfeld, Roßhaupten (2), Roßholzen, Roßla, Roßlach (2), Roßleben, Roßrieth, Roßstadt, Roßtal, Roßwälden, Roßwag, Roßwangen, Roßwein, Rüßdorf, Rüßwihl, Saßleben, Saßmannshausen, Saßmicke, Saßnitz (Sassnitz), Scheßlitz, Schlößchen, Schlößlesmühle, Schloßau, Schloßberg (3), Schloßböckelheim, Schloßborn, Schloßgarten, Schloß Grubenhagen, Schloßhalbinsel, Schloß Hamborn, Schloßheck, Schloßhof, Schloß Hohenfels, Schloßig, Schloßkulm, Schloß Holte-Stukenbrock, Schloß Neuhaus, Schloß Ricklingen, Schloß Rottal, Schloß Vippach, Schloß Zeil, Schmißberg, Schweßwitz, Seßlach, Soßmar, Staßfurt, Stoßdorf, Straß (4), Straßberg (4), Straßbessenbach, Straßdorf (2), Straßen, Straßen, Straßenhaus, Straßenreuth, Straßfeld, Straßgiech, Straßgräbchen, Straßkirchen, Straßlach-Dingharting, Straßtrudering, Strößwitz, Strußberg, Süß (2), Süßenbach, Süßenborn, Süßenhof, Süßkofen, Teßmannsdorf, Thoßfell, Traßdorf, Traßlberg, Tüßling, Ueß, Voßbarg, Voßberg (3), Voßlapp, Voßfeld, Voßhagen, Voßheide, Voßhofen, Voßkuhl, Voßloch, Voßwinkel (2), Waßmannsdorf, Waßmannshausen, Weßling, Weßmar, Weßnig, Weßnitz, Wißkirchen, Wißmannsdorf, Wißmar, Wißstedt, Wußwerk, Zaßnitz, Zwerchstraß, Zußdorf
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Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 30.12.2006 um 11.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#1231


Ächte Etymologie bitteschön!

Im Etymologischen Wörterbuch des Duden-Verlages kann man im Artikel zu Krebs fündig werden und erfährt, daß das Wort von krabbeln kommt. Es wird auch auf die Krabbe verwiesen. Warum wurde Greuel zu Gräuel deformiert, nicht aber Krebs zu Kräbs, obwohl sicher viele Schüler das Tier schon oft genau so verschriftet haben? Gestandene Etymologen und Volksetymologen sollten daher unbedingt gräulich rote Kräbse verlangen.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 29.09.2006 um 04.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#976


Imbisz steht im DWb. Ein altes Wort, dessen erste Silbe mancherlei Formen angenommen hat, aber daß die zweite Silbe von Biß herrührt, steht nicht in Frage.
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 28.09.2006 um 21.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#974


Assimilation woher – etwa aus ein, so daß Imbiß letztlich in Bezug zu hineinbeißen zu sehen ist? (Spätestens jetzt ist es also Zeit für den Blick in ein etymologisches Wörterbuch, ich habe aber gerade keines zur Hand.)
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 28.09.2006 um 20.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#973


"Aber was wäre Im- dabei?" (#972) — Gute Frage! Und gut beobachtet! Auf jeden Fall keine Kontraktion aus Präposition und definitem Artikel. Antwort also: Assimilation?
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 26.09.2006 um 12.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#972


Aus welcher Regel ergibt sich eigentlich die Schreibung Imbiss? Mir scheint, ich habe da eine kleine Lücke im amtlichen Regelwerk gefunden: Weil die zweite Silbe nicht betont ist, müßte es unter § 5 fallen (Verdopplung des Buchstabens für einen einzelnen Konsonanten, obwohl der vorausgehende kurze Vokal nicht betont ist). Jedoch trifft keine der darin genannten Fallgruppen zu: Wenn ich mich nicht irre, ist Imbiß kein Fremdwort, und damit fällt es weder unter (1) noch unter (3). Auch spielen hier die Suffixe -in und -nis sowie die Wortausgänge -as, -is, -os und -us keine Rolle, so daß (2) ebenfalls nicht zuständig ist. Unter (4) geht es nur um „wenige Wörter mit tz“ (Kiebitz, Stieglitz). Fazit: Imbiß wird nicht erfaßt.

Nachtrag: Gibt es noch die Möglichkeit, Imbiß als Zusammensetzung anzusehen, so daß sich die Schreibung nach der von Biss richtet, also analog zu Zusammensetzungen mit Guss, Riss, Schuss etc.? Aber was wäre Im- dabei?
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Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 25.09.2006 um 20.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#968


Der Rat wändet sich hin und her ...

und steht mit dem Rücken zur Wand. Daß "aufwendig" nicht vom Partizipialstammnomen "Aufwand" kommt, dürfte ja wohl hinlänglich klar sein. Es gibt im Deutschen das Basisverb "wenden" und Ableitungen mit Verbzusätzen oder Präfixen wie "aufwenden, abwenden, verwenden, zuwenden, hinwenden, wegwenden, (sich) heimwenden" usw. Wer – in Gottes Namen – ist denn auf die "etymologische" oder gar ontologische Idee gekommen, das Adjektiv wäre vom Präteritalnomen "abzuleiten"?
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 27.05.2006 um 21.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#694


Hier ein Vorgeschmack auf eine bevorstehende Selektion: Welche Schreibvariante wird wohl wieder verschwinden?

»Und noch eine Kleinigkeit am Rande: den Panther gibt es auch als Panter. Beide Schreibweisen sind nach deutscher Rechtschreibung gültig.«

(www.businessportal24.com, 26. Mai 2006. In dem ganzen Text wird, außer in dem zitierten Satz, nur Panther verwendet.)
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 26.03.2006 um 22.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#574


Über schlimme Regelungslücken und Dudens Man[t]schetten

Auch „Amtliches“ kann gelegentlich die Phantasie anregen. Im berüchtigten Wörterverzeichnis lesen wir: „Schreibungen, die den Regeln nicht widersprechen, sind immer möglich, auch wenn sie im Wörterverzeichnis nicht explizit aufgeführt werden, z. B. Schreibungen mit Bindestrich nach § 45 und Ähnliches.“ Mal ganz abgesehen von der eigentümlichen Logik des Satzschlusses (offenbar hält man „Ähnliches“ für ein Beispiel) – was heißt das für Wörter, die seit eh und je existieren, im Wörterverzeichnis aber nicht aufgeführt sind? Wenn man diesen Satz ernst nimmt, war eine Zeitlang (im Sinne von „eine gewisse Zeit“) auch bisher schon reformkompatibel. Denn die Tatsache, daß die jederzeit frei konstruierbare Fügung eine Zeit lang im alten § 39 E2 (1) als Beispiel aufgeführt war, beweist ja nicht die Nonexistenz der Zusammenrückung Zeitlang. Offenbar hat das Frau Dr. Renate Wahrig-Burfeind genauso gesehen. Jedenfalls findet man in der Ausgabe des „Deutschen Wörterbuchs“ von Bertelsmann aus dem Jahr 2000 beide Schreibungen traulich nebeneinander – wie einst bei Konrad Duden, wie bei den Grimms –, ja der Schreibung Zeit lang wird hier gar nur den Status der Nebenvariante zuerkannt: „auch“. (Nebenbei: Die Bearbeiter des Rechtschreibwörterbuchs aus demselben Hause sehen das anders. Sie halten das eine für die alte Schreibung des anderen.)

Alles Rabulistik? Das Regelwerk liest sich, wohl nicht zufällig, wie ein Gesetz. Jemand, der Deutsch als Fremdsprache lernt, könnte geradezu auf den Gedanken verfallen, er finde dort alles, was er über unsere Rechtschreibung wissen muß. Wer einen solchen Anschein erweckt, muß damit rechnen, daß sich die Kritiker seiner Vorlage – jedenfalls für die Zwecke ihrer Kritik – derselben juristischen oder auch pseudojuristischen Denkkategorien bedienen, auch wenn die unserer Sprache natürlich gar nicht gerecht werden.

Der Fall Zeit lang/Zeitlang hat sich mit der Revision erledigt. Interessant ist aber, daß man das Beispiel „eine Zeit lang“ aus § 39 E2 (1) gestrichen hat, obwohl es da ja nach wie vor hingehört. Warum wohl? Möglicherweise gibt es weitere Fälle dieser Art.

Beim Tollpatsch sieht die Sache anders aus. Hier wird man nicht einfach argumentieren können, das Fehlen von Tolpatsch im Wörterverzeichnis bedeute nicht, daß diese Schreibung reformwidrig sei, denn dies würde allgemein anerkannten Auslegungsregeln allzu kraß widersprechen. Gilt das aber auch für tolpatschig? Das Wörterverzeichnis enthält keinen Eintrag tollpatschig. Ist das Ganze wirklich so eindeutig, wie es den Anschein hat? Es gibt Leute, die mit der Schreibung platzieren durchaus leben können, die Schreibung deplatziert aber aus naheliegenden Gründen kategorisch ablehnen. Das amtliche Regelwerk enthält keinen einzigen Beleg für die Schreibung deplatziert. Im Vorwort findet man lediglich einige schwer zusammenzubringende Indizien. So heißt es an einer Stelle, Regelteil und Wörterverzeichnis ergänzten einander, die Schreibung vieler Fremdwörter könne aber nur durch Einzelfestlegungen im Wörterverzeichnis erfaßt werden. Zum Wörterverzeichnis selbst wird ausgeführt: „Ableitungen […] sind nur angegeben, wenn sich bei der Anwendung von Regeln […] Schwierigkeiten ergeben können.“ Frage: Aus welcher Regel läßt sich problemlos deplatziert aus platzieren ableiten?

Wie steht es überhaupt mit Wörtern, deren Schreibung weder im Regelteil geregelt noch im Wörterverzeichnis aufgeführt ist? Schreibt man Klepper (von „kleppe[r]n“) oder Kläpper (von „klappern“)? Sind dafür die überkommene Literatur und die Schreibwirklichkeit wieder gut genug? Eine eklatante Regelungslücke!

Zum Schluß noch ein Wort zu plan[t]schen. Seit ewigen Zeiten existieren die Schreibungen mit bzw. ohne t friedlich nebeneinander. Wörterbuchbelege findet man zuhauf, unter anderem im DWB (1889), bei Sanders (1893), Pekrun (1933), Paul (1966), Klappenbach-Steinitz (1974), Mackensen (1982), Brockhaus-Wahrig (1983), im ÖWB (1990) und bei Kluge (2002). Daß uns die Schreibung plantschen seit 1996 als neu verkauft wird, hat wohl eher etwas mit Dudenscher „Vergangenheitsbewältigung“ als mit einer tatsächlichen Änderung des Schreibgebrauchs oder praktizierter Weitherzigkeit zu tun. Bei den Mannheimern fiel die Schreibung plantschen nämlich in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre in Ungnade, kurz nachdem die KMK der Dudenredaktion das Danaergeschenk der Verbindlichkeit in Zweifelsfällen gemacht hatte. Seit der 14. Auflage war sie im Rechtschreibduden West nicht mehr verzeichnet. In Leipzig hielt man allerdings an ihr fest. Von einer Reformschreibung kann man bei plantschen also wirklich nicht sprechen!

Freilich noch interessanter als die Plantscherei erscheint mir die Mantscherei. Denn was der einen recht ist, sollte der anderen doch billig sein. In Gütersloh hat man das offenbar ähnlich gesehen und kurzerhand mantschen ins Wörterbuch aufgenommen. In Mannheim hatte man Manschetten. Bis heute wollen die Redakteure des Rechtschreibdudens mit dem Gemantsche nichts zu tun haben. „Das große Wörterbuch der deutschen Sprache“ kannte die Variante mit t zwar schon vor der Reform, aber ins Allerheiligste wollte man sie denn doch nicht vorlassen. Merke: Schilda ist überall. Der 22. Juli kann kommen!
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Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 02.03.2006 um 15.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#541


Sollte nach der "neuen Wörterliste" "aufwendig" nicht wieder die Hauptvariante sein und "aufwändig" die Nebenvariante? Oder ist das alles in der Eile unter den Tisch gefallen oder im Papierkorb der Geschäftsführerin des Rates gelandet?

Aus der vergleichenden Wörterliste hier auf der Hauptseite geht nicht hervor, was Haupt- und was Nebenvariante ist. Man kann zwar annehmen, daß das Erstgenannte die Hauptvariante ist, aber eigentlich gehört das einer der Legende erwähnt.
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 05.10.2005 um 19.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#300


In herkömmlicher Schreibweise wird zwischen dem Föhn (warmer Fallwind) und einem Fön (Wz.) (elektrischer Heißluft-Haartrockner) unterschieden. Die h-lose Schreibweise gilt nach der Reform nur noch für das Warenzeichen. Was aber gilt für das zugehöre Verb? Das amtliche Wörterverzeichnis (sowohl 1996 als auch 2004) enthält weder föhnen noch fönen. Entsprechend der geänderten Schreibweise des Substantivs müßte nun das Verb ebenfalls mit h geschrieben werden.

Und nun warte ich nur noch darauf, bis analog dazu auch frönen durchgängig mit h geschrieben wird. Google findet etliche Belege; es könnte aber auch sein, daß diese Schreibweise schon vor der Reform ein "beliebter Fehler" war.
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Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.08.2005 um 13.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#254


Palmström steht an einem Teiche
und entfaltet groß ein rotes Taschentuch:
Auf dem Tuch ist eine Eiche
dargestellt sowie ein Mensch mit einem Buch.

Palmström wagt sich nicht hineinzuschneuzen,-
er gehört zu jenen Käuzen,
die oft unvermittelt-nackt
Ehrfurcht vor dem Duden packt.

Zärtlich faltet er zusammen,
was er eben erst entbreitet.
Wird der Gerhard A. ihn nun verdammen,
weil er ungeschnäuzt entschreitet?

(Chr. Morgenstern, Palmström – zeitgemäß leicht verändert)
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Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 29.08.2005 um 10.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#252


Damit dieses Forum nicht das gleiche Schicksal erleidet wie das verblichene in rechtschreibreform.com, bitte ich alle Beteiligten, auf endlose Diskussionen um an sich klar zu entscheidende Sachverhalte (z.B. etymologische Ableitungen) zu verzichten. Im Zweifelsfall sollte man lieber das Urteil des Fachmanns abwarten ("Unser Prof." ist ja in einer Woche aus seinen Inselferien zurück). Es besteht sonst die Gefahr, daß es erstens nur noch ums Rechthaben geht und zweitens ein Großteil der hier Versammeltn sich bloß langweilt. - Ich selbst werde jedenfalls nicht mehr an solchem Kreisverkehr teilnehmen, was ja sich ja auch unter Pseudonym nicht schickt, gell Herr W.?
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(verschoben)


Dieser Beitrag wurde am 28.08.2005 um 23.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=35#251


kratzbaum am 28.08.2005 um 22:53 Uhr:

Die Energie eines Lichtquants ist proportional von der Frequenz, kann also sehr wohl verschieden groß sein. Die kleinste Energiemenge (exakt: Wirkung = Energie x Zeit) ist bekanntlich das Plancksche Wirkungsquantum.


Kai Lindner am 28.08.2005 um 19:57 Uhr:

"Quäntchen" ist natürlich die *Verniedlichung* von Quant, denn als kleinste Energiemenge gibt es keine weitere Verkleinerung dazu. Bekannt geworden ist es durch das bliebte Physiker-Trinklied: "Alle meine Quäntchen schwimmen auf dem Vakuumsee".

"Quantümchen" gilt es dabei übrigens nicht mit "Quantelinchen" zu verwechseln.


kratzbaum am 28.08.2005 um 16:39 Uhr:

"Quäntchen" ist die Verkleinerungefom von "Quant". Zu "Quantum" heißt sie "Quantümchen".


R. M. am 28.08.2005 um 16:04 Uhr:

Wenn es schon eines Diminutivs von Quantum bedarf, dann doch wohl Quantulum.


Kai Lindner am 28.08.2005 um 12:52 Uhr:

Was ist denn eine Geschichtsklitterung? Geschichte liegt wie kaum eine andere "Wissenschaft", im Auge des Betrachters -- nur die Kunst ist da noch schlimmer. Geschichte ist das, was von fragwürdigen Leuten mit einer persönlichen "Hidden Agenda" (ein passendes deutsches Wort, das einen ebenso sinistren Beigeschmack hat, fällt mir hierzu nicht ein) in Geschichtsbücher geschrieben wurde. Historiker wollen die Welt so erklären, wie sie ihnen am besten in den Kram paßt. Nach zweihundert Jahren "historischer" Evolution weiß die Menschheit dann, warum etwas wann passiert ist (oder er weiß zumindest, was die mehrheit der Historiker glaubt). Geschichte ist also grundsätzlich eine Klitterung.

(Sorry, aber als Physiker binn ich sehr rigoros damit, was eine "echte" Wissenschaft ist, und was sich nur für eine hält ;-)

Aber Ethymologie kann man mit Recht eine Wissenschaft nennen. Jedoch nur, wenn sie sich an die Regeln hält. Und das bedeutet Quellenstudium ohne Interpretation, was ein vielleicht legasthenischer Autor vor fünfhundert Jahren wohl gemeint haben könnte, als er "Quentchen" mit E schrieb (oder vielleicht ist auch ein Schriftsetzer schuld, der kein Ä im Setzkasten hatte). Hier gibt es also raum für Spekulationen... aber die ist nicht wissenschaftlich ;-)

Und... wenn wir die zahlreichen ethymologischen Fehler der vergangenen zweihundert Reformjahre korrigieren wollten, wäre unser heutiges Deutsch (prä Reform) dann nicht auch sehr komisch zu lesen?

Doch worum geht es eigentlich? Geht es bei der Rechtschreibung nicht immer um einfach anwendbare Regeln? Und ist es nicht eine Regel, die aus dem Quintin ein "Quäntechen" oder "Quentchen" macht? Oder aus die Gams die "Gämse" oder "Gemse"?

Wenn dieser Tanz um die "goldene Gams" die Reformkritik in die Lächerlichkeit zieht (und so sieht das für mich als Nicht-Germanisten aus)... dann haben die Reformer endgültig gewonnen.


kratzbaum am 28.08.2005 um 11:57 Uhr:

Genaugenommen ist es gleichgültig, ob man "Quentchen" oder "Quäntchen" schreibt - aber nur, solange man sich nicht auf eine etymologische Herleitung der neuen Schreibung beruft.
"Heute zu.." (Wobei im stillschweigend immer hinzuzufügen ist: Das hat der Oberrreformer sich augstgedacht) bedeutet nichts anderes als die Kappung der eytymologischen Wurzel . In der Geschichtswissenschaft entspricht dem die Geschichtsklitterung, also Geschichtsfälschung. Im übrigen gebe ich W. Wrase völlig recht: Man lernt einmal, wie ein Wort geschrieben wird, und damit hat es sich. Aber wer will heute noch Fakten lernen, wo man doch alles aus Regeln ableiten kann...?


Kai Lindner am 28.08.2005 um 11:48 Uhr:

Zum Teil verstehe ich den Sinn der Diskussion nicht...

Es ist wohl ohne Zweifel, daß es wissenschaftlich und ethymologisch richtig Quentchen und nicht Quäntchen heißen muß... es sei denn, der kluge Kluge irrt -- was ich aber nicht glaube?

ABER-1:

Diese Etymologeleien sind nicht das Problem der Reform. Die komischen Kommaregeln, die grauenhafte Getrennt-Zusammenschreibung und die scheußliche SZ-SS Umsetzung, die sich als Stolpersteine mitten in den Sätzen und Worten auftun, die sind die eigentlichen Probleme.

Jedoch, wenn man einem unbelasteten Bürger mit dem Hickhack um Gämse oder Gemse den Unsinn der Reform klarmachen will, dann bekommt man einen dicken Vogel gezeigt und ein "wir haben ja wohl größere Probleme" läßt sich dann kaum noch entkräften.

Fast glaube ich, daß es ein brillianter Schachzug der Reformer war, diese Volksethymologien in die Reform einzubringen, denn so kann man sich als gebildeter Kritiker auf hohem Niveau über die miderwertige Reform lustig machen, und wird doch von keinem der "ungebildeten" Bürger mehr verstanden.

ABER-2:

Zum Nachdenken, denn auch ich will meinen Beitrag zur Verwirrung leisten ;-)...

A sagt: "Mein Quantum an Glück habe ich verbraucht."
B antwortet: "Dann gebe ich Dir ein Quäntchen von meinem!"

In diesem Fall, mit Bezug auf Quantum, würde ich auf Quäntchen mit Ä bestehen wollen...

Meine Folgerung:
Quentchen leitet sich ethymologisch von Fünftelunze ab...
Quäntchen leitet sich ethymologisch von Quantum ab...
Ärgerlich ist hierbei nur, daß beide Begriffe das gleiche bedeuten können, nämlich "kleiner Anteil" -- worauf man sich beziehen will, bleibt dem Schreiber überlassen.


Pavel Nemec, Praha 4 am 27.08.2005 um 11:56 Uhr:

Vertragen deutsche Wörter mit der Einzahl-Endung "-um" überhaupt eine Verkleinerungsform unter Wegfall dieser Endung? Wie lauten die Verkleinerungen bei anderen Wörtern außer Quantum: Zentrum, Album, Museum, Datum, Gymnasium, Podium, Ministerium usw.?

Von "Quant" kann "Quäntchen" jedenfalls nicht abgeleitet werden, denn es gibt nichts Kleineres als ein Quant, weil das eben als die kleinstmögliche Energiemenge festgelegt ist.


Ursula Morin am 27.08.2005 um 00:25 Uhr:

Noch einmal zu "Quäntchen" .... (und Roma Locuta): Es ist bestimmt kein wichtiges Wort und ich habe es sicher auch selten benutzt, aber ich habe mich schon immer dafür interessiert, wo Wörter herstammen und wie sie zu dem geworden sind, was sie heute sind. Es gibt da sicher sehr viele Unregelmäßigkeiten, jedoch lassen sich auch bestimmte Muster erkennen.

So ist es z.B. höchst unwahrscheinlich, daß ein Wort, das mit "ä" geschrieben wird, sich aus einem Wort mit "i" ableitet. Normal (nach den Gesetzen der Lautwandlung) wäre eben "e" wie in Quentchen. Den Schülern, die nun heute den verballhornten Duden zur Hand nehmen - oder ganz einfach "Quäntchen" als "richtig" schreiben müssen, werden dadurch Hindernisse auf den Weg zu einem wahren Verständnis der Etymologie und Sprachgeschichte gelegt.

Das finde ich schade ... denn aus heute gebrauchten Wörtern auf ihre Herstammung zu schließen, ist - wie schon oben erwähnt - eine sehr interessante Beschäftigung für den Sprachinteressierten und zudem sehr nützlich beim Lernen von Fremdsprachen. Wenn man einige Jahre Latein in der Schule gehabt hat, braucht man auch keine besondere Nachhilfe, um die mögliche Herkunft von "Quentchen" zu deuten. Das gilt auch für viele andere Wörter, deren Sinn und Herkunft sich erschließen, wenn man die übliche Lautwandlung beachtet.

Und was soll in diesem Zusammenhang der Hinweis auf "Quantum"? Warum sollte eine unbestimmte Menge zu einer kleinen Menge werden? Da unterstellt man der Sprache eine Begriffsstutzigkeit, die ihr eigentlich nicht zu eigen ist. Eher noch hätte "quintus" zu "Fisimatenten" werden können als zu "Quäntchen".

Aber was soll's - warum sollten sich Schüler mit so etwas beschäftigen, wenn schon eine Gymnasiallehrerin (in einem anderen Diskussionsstrang) die Meinung äußern kann, daß Sprache nichts mit Gedanken zu tun hat. Und Latein liegt ja auch nicht mehr im Trend, obwohl es mir beim Erlernen von Englisch und Französisch stundenlanges Vokabelpauken erspart hat ...
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 13.07.2005 um 19.52 Uhr eingetragen.
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Dagegen steht im amtlichen Regelwerk:

§ 16: Für den Diphthong [OY] schreibt man äu statt eu, wenn es eine Grundform mit au gibt.
Dies betrifft flektierte und abgeleitete Wörter wie:
[...] sich schnäuzen (wegen Schnauze), verbläuen (wegen blau)
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 02.07.2005 um 23.36 Uhr eingetragen.
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Auch hübsch: Duden 2004 läßt Geschoß (süddt., österr.) zu, Obergeschoß und Untergeschoß nicht. Hornußen muß man so schreiben, außer natürlich in der Schweiz, wo man es spielt.
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Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.06.2005 um 12.11 Uhr eingetragen.
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"Legt ihr´s nicht aus, so legt was unter!" - Man hatte ja schon öfter den Eindruck, daß die Schöpfer der Reform sich gelegentlich im Gestrüpp verfangen. "Schnäuzen" von "Schnauze" abzuleiten, scheint den Herren Sitta und Gallmann plötzlich doch etwas zuviel der Zumutung. So wird flugs der "Schnauz" aus der Wundertüte hervorgezaubert. Als Nichtbesitzer eines solchen steht man nun allerdings dumm da. Was tun, wenn´s dröppelt? Da muß eine Antidiskriminierungsregel her!
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 29.06.2005 um 18.44 Uhr eingetragen.
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In der Übersicht „Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung“ von Peter Gallmann und Horst Sitta wird die Änderung von schneuzen zu schnäuzen mit der Bemerkung versehen: heute zu: der Schnauz. Ach so?

Und siehe da: Im Wortschatz-Lexikon findet sich ein Eintrag Schnauz; Substantiv; männlich – mit dem Zusatz: Pragmatikangaben: gebr: landsch., bes. schweiz. Aha!
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