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Beiträge zum Thema

»Grammatik«

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Theodor Ickler
Spardorf

Dieser Beitrag wurde am 29.06.2016 um 14.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=308#11413


Wir haben früher über Ernst/ernst machen gesprochen. Daß beide Schreibweisen grammatisch berechtigt sind, zeigt sich auch an den Varianten sehr/ganz ernst machen (auch groß geschrieben, aber das sieht weniger richtig aus), vollen Ernst machen. Bei der Suche nach Belegen fällt auf, daß die ganze Wendung überzufällig oft in theologischen Texten vorkommt. Sozusagen ein Frequenzspezifikum der theologischen Sondersprache.
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Theodor Ickler
Spardorf

Dieser Beitrag wurde am 29.06.2016 um 07.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=308#11411


Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1108

Duden Sprachwissen:


Groß- oder Kleinschreibung von ersterer und letzterer
Attributiv verwendet schreibt man ersterer und letzterer klein: „Kirsten besitzt Fußballschuhe mit Noppensohle und Fußballschuhe mit Schraubstollen. Auf Hart- und Kunstrasenplätzen trägt sie erstere Schuhe."

Dagegen wird die häufiger verwendete substantivierte Form, mit der man auf einen bekannten oder erwähnten Sachverhalt verweist, großgeschrieben: „Kirsten spielt auf unterschiedlichen Plätzen mit unterschiedlichen Schuhen, Viola immer mit den gleichen. Allerdings ist Letzteres nicht unbedingt zu empfehlen."

-

Hier wird also die verweisende (anaphorische, pronominale) Funktion durchaus anerkannt. Es ist immer derselbe Zynismus der Reform-Vermarkter. Man läßt die Ratsuchenden mit einer unerklärten Vorschrift allein.
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Theodor Ickler
Spardorf

Dieser Beitrag wurde am 29.06.2016 um 05.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=308#11409


Warum gibt es Sätze? - Die Frage scheint selten gestellt zu werden, die Suchmaschine kennt sie nicht.

Eine physiologische Erklärung lautet, daß die Atemluft nicht beliebig lange reicht.
Dagegen ist zunächst einzuwenden, daß mündliche Rede zwar tendentiell gepulst ist, daß aber die Einheiten von zwei bis drei Sekunden nicht mit den Satzgrenzen übereinstimmen. Außerdem ist das Wesentliche am Satz nicht seine begrenzte Dauer, sondern seine Struktur.
Auf der Hörerseite könnte man Gedächtnisbeschränkungen geltend machen. Der zweite Einwand gilt aber auch hier.

Die mentalistische Psychologie behauptet, ein Satz drücke jeweils einen Gedanken aus. Diese Erklärung scheitert daran, daß das Konstrukt von Denken und Gedanken erst am Leitfaden der Sprache entwickelt worden ist: Denken wird als stummes Reden oder „Gespräch der Seele mit sich selbst“ (Platon) aufgefaßt, weshalb sie auch wie die normale Rede wörtlich und indirekt zitiert werden kann.

Tiefer geht die Erklärung, daß die wesentliche Eigenschaft der menschlichen Rede, ihre „erste Gliederung“ (im Sinne Martinets; die zweite ist die phonologische) im Satz ihre minimale Ausgestaltung erfährt.
Genauer könnte man dazu ausführen, daß die minimale Satzform die Verbindung von Zeigen und Nennen ist: ein bestimmtes Objekt wird als Fall von etwas Allgemeinem spezifiziert.

Eine Äußerung muß abgeschlossen sein,
1.damit der Hörer weiß, was er bestätigen oder bestreiten soll (Aussagesatz)
2.welcher Aufforderung er folgen oder sich widersetzen soll (Aufforderungssatz)
3.welche Frage er beantworten soll (Fragesatz, Variante von 2.)
Dies und nicht der „eine Gedanke“, der angeblich jeder Äußerung zugrunde liegt, zwingt zu entsprechenden Abschlüssen. Es ist ähnlich wie beim Schachspiel, wo ein Zug abgeschlossen sein muß, bevor der Partner zieht.
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