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»Rechtschreibung und -reform«


Beiträge zum Thema

»Wenn Lektüre fast zur Qual wird«

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Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 01.03.2014 um 16.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=294#10608


Lieber Herr Chmela,

dann wären wir schon mal mindestens zwei Überempfindliche. Seitdem sich fast alle Verlage orthographisch gleichgeschaltet haben, kaufe ich keine neuen Bücher mehr. Spätestens ein Jahr nach der Neuerscheinung findet man fast alle Titel im sogenannten modernen Antiquariat (also auf den Wühltischen der größeren Buchhandlungen) wieder. Da kann ich dann in Ruhe jedes Buch in die Hand nehmen, die Schreibweise überprüfen und die Dummschreibung aussortieren. Von dem bißchen, was danach noch übrigbleibt, suche ich mir meistens drei bis vier Titel aus, die ich dann mitnehme. Da spare ich neben dem Geld (mein Buchhändler, bei dem ich vor der Einführung der Dummschreibung viel gekauft habe, stempelt im modernen Antiquariat zum Glück nicht mal die Mängel auf den Buchschnitt) auch noch viel Zeit, denn Lesezeit ist ja immer auch Lebenszeit. Und für alles, was mich sonst noch interessiert, gibt es Antiquariate. Über das ZVAB findet man schon sehr viel.
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Gunther Chmela
Raubling

Dieser Beitrag wurde am 28.02.2014 um 23.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=294#10607


Die Rede ist von Heimito von Doderers Roman "Die Merowinger", neu erschienen als Taschenbuch bei dtv 2010. Ich hatte den Roman vor etwa 40 Jahren mit großem Vergnügen gelesen. An ihn erinnerte ich mich vor kurzer Zeit und bekam Lust, das Buch noch einmal zu lesen. Da das damalige Exemplar geliehen war, fand ich lediglich die oben erwähnte Taschenbuchausgabe im Handel erhältlich. Mag sein, daß ich überempfindlich bin, doch ich habe die Lektüre etwa in der Hälfte des Buches abgebrochen. Ich habe diese sehr merkwürdige Mischung aus Doderers ursprünglicher Schreibweise einerseits und fast schon übertriebener Anwendung der Reformschreibung andererseits nicht mehr ertragen.
Die eine Seite: Doderers bewußt etwas antiquierte Schreibung wird beibehalten. So z.B. das 'c' in Wörtern wie Indicator, Director. Ebenso unverändert findet man seine konsequente Verwendung des Dativ-e in Wendungen wie z.B. 'auf dem Tische', 'in dem Liede'.
Die andere Seite aber, vom Doppel-s anstelle ß gar nicht zu reden: Grundsätzliche Getrenntschreibung der Verbkomposita, Apostrophe allenthalben (auf's beste), Großschreibung vieler Adverbien und Adverbialen, und eine geradezu exzessive Anwendung der Bindestrichschreibung bei Substantivkomposita, auch dort, wo wirklich kein Grund besteht, sie anzuwenden (Garten-Tisch, Glocken-Turm usw.). Vor allem letzteres hat mich besonders gestört.
Wie gesagt, vielleicht bin ich zu empfindlich.
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