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»Sprache und Politik«


Beiträge zum Thema

»Der populistische Einfluß der sprachlichen Nachhaltigkeit
Politisch korrekte Unwörter und Gummiwörter«

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Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 09.12.2010 um 23.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=260#7220


Einem Bundeswehrangehörigen kann man nicht gut verwehren, sich gegen etwas zu "verwehren", da ist Nachsicht zu wahren. Unter Zivilisten reicht es aber völlig aus, sich zu "verwahren".
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Bernhard Deykowski
Voerde

Dieser Beitrag wurde am 08.12.2010 um 18.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=260#7209


Wenn ich mich zu einem Urteil habe verleiten lassen, war dies gewiß nicht reflexhaft. Reflexe beinhalten allgemeinhin schnelle Reaktionen. Modische Wörter hingegen bereichern die Sprache. Ich verwehre mich auch nicht gegen modische Wörter. Insofern lieber geil als nachhaltig. Ich verwehre mich jedoch gegen den Mißbrauch der Sprache für politische, wirtschaftliche Zwecke, wie es gegenwärtig in einer derartig extremen Ausprägung mit der Nachhaltigkeit passiert. Wohlwissend, daß die Sprache auch hierfür immer schon als Mittel zum Zweck genutzt wurde.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 08.12.2010 um 14.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=260#7208


Die Feststellung, daß ein Wort modisch ist, sollte einen nicht zu dem reflexhaften Urteil verleiten, daß es sich um ein »Unwort« handele, was auch immer das sein mag.
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Bernhard Deykowski
Voerde

Dieser Beitrag wurde am 08.12.2010 um 13.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=260#7206


Die Sprache war noch nie ein abgeschlossenes System und wird sich ihre Freiheit auch sicherlich bewahren. Sie wird durch die unterschiedlichsten Einflüsse bereichert, so dass sie einer fließenden Veränderung unterworfen ist und lebendig bleibt. Zu allen Zeiten haben neuartige Ausdrücke, populäre Modewörter und grammatikalische Änderungen die sprachliche Welt verändert. Cool, geil, krass, mega, super, voll. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Aber wie alles im Leben, macht erst die Häufigkeit der Verwendung die Dosis. Sprachlich ungesund ist es sicherlich, wenn Modewörter eine gewisse sprachliche Dominanz aufweisen.

Viel problematischer aber wird es, wenn die Sprache durch populistisch suggerierende Motive und Absichten missbraucht wird. Und auch wenn die Sprache spätestens seit Heraklit bekanntlich im Fluss ist, gibt es schnell fließende Wörter, über deren Sinn und Einsatz man natürlich immer streiten kann. Sogenannte Unwörter des Jahres, über deren Wahl man sich mithin nur wundern kann, haben dahingehend einen nachhaltig sprachlichen Einfluss. Womit ich das Wort bereits ausgesprochen habe. Die Nachhaltigkeit…

Noch vor nicht allzu langer Zeit war diese sicherlich sinnige Wortschöpfung nur selten zu hören und wurde auch zumeist nur im Natur- und Umweltschutz eingesetzt. Was jedoch die deutsche Sprachwelt gegenwärtig für einen Dauerbeschuss erleiden muss, ist mithin nicht mehr zumutbar. Ob in der Sprache der Kommunalpolitiker, wenn es um den argumentativen Verkauf einer Sportanlage geht, alles geschieht unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit. Das verkauft sich gut, da es einen zukunftsweisenden Charakter suggeriert. Und mit einer Zukunft, die nachhaltigen Bestand haben soll, kann man sehr gut Hoffnung verkaufen und Ängste verringern. Bei der Deutschen Bank gibt es einen Nachhaltigkeitsbericht, das RWE ermöglicht ihren Kunden eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung. Nachhaltigkeitsindizes, der deutsche Nachhaltigkeitspreis, Nachhaltigkeitsstrategien... Vom Autoverkäufer bis zur Bundeskanzlerin. Der deutsche Sprachraum ist voll von Nachhaltigkeit und nachhaltigen Versprechungen.

Bei Google findet man immerhin erstaunliche 6,8 Mio. Suchergebnisse. Wikipedia erklärt den Begriff recht neutral, wenn auch ich mich dem Eindruck eines "Gummiwortes" nicht entziehen mag. Man hätte dieses Wort im Sinne seiner Schöpfung im Sprachraum des Umwelt- und Naturschutz belassen sollen. Der vorerst sprachliche Gipfel wurde aus meiner Sicht in einem Artikel des Manager-Magazins erklommen, wo der Autor es immerhin geschafft hat, wenigstens die Überschrift nicht mit Nachhaltigkeit zu würzen, es aber gleichsam bei einem Textumfang von anderthalb Seiten auf 12 nachhaltige Wortverwendungen bringt.

Mein Kandidat für das Unwort des Jahres wäre die Nachhaltigkeit somit in jedem Fall, wobei ich beinahe sicher bin, dass dieses sicherlich schöne Wort in seine Ursprungsbedeutung zurückfinden wird. Und wer hat schon einen Nutzen hinsichtlich eines jährlichen Unwortes, das sich spätestens mit der Wahl ähnlich verhält, wie mit dem Schnee von gestern...
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