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»Sprachwissenschaft«


Beiträge zum Thema

»„Falsche“ Imperative
Gehe, trete, treffe usw.«

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Roger Herter
Basel

Dieser Beitrag wurde am 31.08.2012 um 08.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=251#9391


Herr Chmela hat es ja gerade an Beispielen wie "Grüß Gott!" oder "Vergelt's Gott!" veranschaulicht: das Ausrufezeichen macht noch keinen Imperativ! Vielleicht hilft ein Umweg übers Englische: "Help me Lord!" ist die Aufforderung an Gott, mir zu helfen (1. Person). Dagegen lautet der Wunsch, es werde mir Hilfe von da oben zuteil: "So help me God!" (3. Person, Konj. I; wenn's auch mancher Politiker beim Amtseid als Imperativ verstehen möchte). – Vgl. unsere Formel: "So wahr mir Gott helfe!"
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Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 30.08.2012 um 21.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=251#9390


Nicht so ganz, lieber Herr Herter. Der Gedanke an Konj.I beschlich mich durchaus, aber letztlich gab das Ausrufezeichen für mich den Ausschlag, einen Imperativ zu sehen. Liege ich damit daneben?
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Gunther Chmela
Raubling

Dieser Beitrag wurde am 30.08.2012 um 20.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=251#9389


Ein vergleichbarer Fall: Die im Süden geläufige Grußformel "Grüß Gott!" wird manchmal von Norddeutschen belächelt, weil sie meinen, dies sei ein Imperativ. Ganz große Spötter sagen dann sogar unter Umständen: "Ja, wenn ich ihn sehe!"
In Wahrheit hieße aber die vollständige Formel: "Grüße dich Gott!", also gleichbedeutend mit "Gott möge dich grüßen!". Konjunktiv I (der übrigens in der bairischen Sprache nur noch in solchen erstarrten Formeln existiert, wie auch z.B. "helf Gott" oder "vergelt's Gott!").
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Roger Herter
Basel

Dieser Beitrag wurde am 30.08.2012 um 19.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=251#9388


Nur, lieber Herr Roth, wo ist hier ein Imperativ? Sie könnten den Satz ja fortspinnen,
z. B. mit "... und erbarme sich meiner." Dritte Person also, Konjunktiv I (Gott möge
mir helfen!)
, einverstanden?
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Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 30.08.2012 um 12.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=251#9387


Hier stehe ich,
ich kann nicht anders,
Gott helfe mir! Amen !

Inschrift auf dem Lutherdenkmal von 1868 in Worms.
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Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 12.12.2010 um 13.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=251#7226


wirf zu werfe = Imperativ zu Nominativ.

Im Gegensatz dazu höre ich hier (ob ruhrgebietstypisch, weiß ich nicht) fast ausschließlich von jung oder alt nur:

Ich gib Dir das...
Ich nimm das...
Ich lies (das Buch)
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Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 11.12.2010 um 21.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=251#7225


Aus einer E-Mail eines deutschen Freundes, schon mehr Grieche als Deutscher weil in Griechenland lebend, zitiert wegen des unveränderten Stammes:
"...werfe mal einen Blick auf die Seite 8..."
Wer mag´s verübeln ?
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Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 01.08.2010 um 10.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=251#6676


"Kostunica fechtet Wahl an". Überschrift fett.
BILD aus 2002, jetzt per Zufall gefunden,
Ist zwar kein Imperativ, aber schon mal anzutreffen.
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Dieser Beitrag wurde am 08.04.2010 um 18.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=251#6230


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.04.2010 um 16.13 Uhr

Ich weiß nicht, ob wir diese "falschen" Imperative hier schon mal besprochen hatten. Meiner Ansicht nach handelt es sich um eine Regularisierung mit der erwünschten Wirkung, daß der Stamm unverändert bleibt und für den Hörer auch das Verb leichter zu identifizieren ist. Gerade im Umgang mit kleinen Kindern sagen wir nämlich manchmal: Nun eß mal schön! usw. Hier noch ein paar Beispiele aus meinen Sammlungen:

Spreche den Empfänger des Briefes möglichst oft an. (Anweisung auf einem Schüler-Arbeitsblatt)
Nehme dein Buch heraus und lese auf S. 3 ... (Anweisung des Lehrers an Schüler)
Betrete nie den Bordstein! (Pass auf im Straßenverkehr. Ravensburger 1999)
Gebe Licht. (Maria Jacques: Mein weißer Fuß. dtv Junior 1999:43)
Freue Dich, lade ein, bereite unalltägliche Speisen und Getränke, nehme Geschenke in Empfang und bedanke Dich! (Klaus P. Hansen: Kultur und Kulturwissenschaft. Tübingen 1995:110)
Trete bei deinem Aufstieg nie jemanden, dem du beim Abstieg wieder begegnen könntest. (FAZ 30.3.02)
Trete der weltweit größten Video-Community bei! (Youtube 2008)
Treffe Deinen Fußballstar! (Werbetext auf einer Pizzaverpackung 2008)
Stehle ein Bild! (FAZ 1.9.09, Überschrift)
Bevor du hier Fragen stellst, lese alle Dokumentationen und klicke die folgenden Links um mehr zu erfahren. (https://www.webmasterwork.com/page/index.php?page=Thread&postID=209538
&s=c00ea84cf1d698d78a3ffce24eed295e19717a37#post209538)


Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 07.04.2010 um 23.13 Uhr

Zu Herrn Roths Hinterkopfgedanken: Ich erinnere mich an "Der Herr gebe ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte Ihnen." Also klar ein Konj. I. Aber: In der Gegend von Lüneburg habe ich oft gehört: Eß das / Vergeß das nicht. Und ich meine, auch andere Du-Form-Imperative, bei denen die Umlautung von e zu i(e) fehlte, wären mir da aufgefallen. Ziemlich sicher bin ich auch bei Les das mal laut vor. Ob meine Erinnerungssicherheit hier mit dem End-[s] zusammenhängt? Ich weiß es nicht. Wer sagt denn heute schon noch "Befiehl"; deshalb habe ich "befehl(e)" wohl sicher nicht gehört.

Mixas "gebe" schreibe ich eher einer Unachtsamkeit zu. Er ist da aus der Kontruktion gefallen, und zwar aus einer gewissen Gewohnheit in die, an die Sie sich, lieber Herr Roth, ziemlich genau erinnern. Aber ich nehme ihm und meinen Lüneburger Informanten ihre besondere Form nicht mal so übel, — geht doch unser Imperativ auf Konj.-I-Formen zurück, wenn ich mich recht erinnere. Eng verwandt ist er ihnen auf jeden Fall.


Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 07.04.2010 um 14.00 Uhr

Zu #15932

Den Schuldigen aber gebe die...

Ich werde den Gedanken in meinem Hinterkopf nicht los, den Imperativ "gebe" im früheren Kirchendeutsch schon gehört zu haben. Etwa in der Fürbitte: ... und gebe ihnen den ewigen Frieden, und das ewige Licht leuchte ihnen. Sollte es heißen: (Gott) gebe ihnen..., würde es sich allerdings um Konjunktiv I gehandelt haben.
Einen Beleg dafür konnte ich im Internet nicht finden. Aber da ist ja auch vieles zu Gebeten und Gesängen neu gefaßt.
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