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»Rechtschreibung und -reform«


Beiträge zum Thema

»Bindestrichschreibung in der Praxis«

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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 21.11.2015 um 22.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#11222


"Techniker-Krankenkasse will Zusatzbeitrag erhöhen [/] Düsseldorf (dpa [heute]). Die Techniker-Krankenkasse als größte Kasse in Deutschland hat für das kommende Jahr eine Beitragserhöhung angekündigt." Diese Krankenversicherung schreibt sich selbst allerdings ohne Bindestrich: "Gesund in die Zukunft - mit der Krankenversicherung der Techniker Krankenkasse", und ich meine mich zu erinnern, erst auf die Rechtschreibreform hin.
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 13.03.2015 um 16.22 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#11011


Aus einer E-Mail:

Liebe Cinema Quadrat-Freunde,

hier kommt das Wochenprogramm vom Cinema Quadrat
...

Liebe Grüße
Das Cinema Quadrat-Team


Bin ich also ein Quadrat-Freund eines Quadrat-Teams?
Meiner Ansicht nach lassen sich Zusammensetzungen mit Ausdrücken aus mehreren Wörtern nur auf zwei Arten bilden:
"Cinema Quadrat"-Freunde, "Cinema Quadrat"-Team
oder
Cinema-Quadrat-Freunde, Cinema-Quadrat-Team
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 28.08.2014 um 22.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#10842


Kürzlich kam ein Schreiben vom Verkehrsverbund Rhein-Neckar. Darin geht es um Verbindungen, genauer gesagt, um den Bindestrich:

das Karte ab 60-Glückwunsch-Abo

Leider sind die Haltestellen denkbar schlecht beschildert, so weiß ich nicht genau, ob ich nun vorm das oder erst bei der Karte, bei ab oder womöglich erst bei der 60 zusteigen muß. Oder, wenn der Bindestrich so wenig zählt wie ein Leerzeichen, vielleicht noch später?

Immerhin kann ich damit einen ganzen Monat lang kostenlos vom Saarland über Rheinland-Pfalz bis Bayern und von Hessen bis Baden-Württemberg fahren, selbst wenn ich das Abo sofort nach dem ersten Monat kündige. Dann will ich mal nicht so sein und das Geschenk annehmen, auch wenn darin ein paar Verbindungen fehlen.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 21.08.2014 um 16.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#10828


Richtig. Und ich muß zugeben, daß mir das gar nicht in den Sinn gekommen ist. Offenbar hatte ich ein "*Open*-Tournier" irgendwie schon akzeptiert, und deshalb "Australien" als Substantiv gelesen.
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Paul Westrich
Kusterdingen

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2014 um 17.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#10826


zu #10825
Es hätte ja außerdem "Australian" heißen müssen. Schließlich geht es um die Australian Open und nicht um Australien. Alle News-Portale haben offensichtlich unkritisch die dpa-Meldung wörtlich übernommen und den Namen des Kontinents an Stelle des Adjektivs Australian geschrieben.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 19.08.2014 um 10.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#10825


Zu mehrteiligen Namen als Attribut: Bei "New Haven: Petkovic besiegt Australien Open-Finalistein Cibulkova" (dpa, heute), - tut mir leid; um diesen Titel gleich beim ersten Mal richtig zu lesen, brauche ich den Bindestrich zwischen "Australien" und "Open". Korrekturlesen überhaupt hülfe natürlich auch: "Finalistein" steht so da, und in einer anderen dpa-Nachricht wäre bei aller nötigen Kurzfassung ja auch sehr wichtig zu erfahren, wer hier was mitteilt: "Poroschenko habe sich für eine Fortsetzung der Verhandlungen ausgesprochen, teilte in Kiew mit."
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Marco Mahlmann
Osnabrück

Dieser Beitrag wurde am 29.04.2014 um 15.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#10668


Die Juso-Hochschulgruppe der Uni Osnabrück lädt per Mensa-Flugblatt in den "Willy-Brandt Raum" ein.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 28.01.2014 um 23.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#10573


Faz.de-Einleitung, 24.01.2014: "Die charmanteste unter den Kunst und Antiquitätenmessen: Die „Brussels Art Fair“ [...]". Tut mir leid, ich mußte zu dem Satz zweimal ansetzen. Da fehlt halt zum richtigen Schreiben für vernünftiges (bei einer Zeitung also einfaches, schnelles) Lesen ein Bindestrich. Und so hat's denn auch der Artikel selbst dann richtig: "Seit diesem Jahr nennt sich die Messe mit der vielseitigsten, sicher auch charmantesten Kunst- und Kulturenmischung [...]". Da hätte ich allerdings später auch einen bei "der Frankfurter Schirn Kunsthalle"; auch da stotterte mein Lesen wieder. Daß da was "ebenso in der Schirn in Frankfurt zu sehen [ist] wie Pablo Picassos „Nu aux bas rouges“", ist dagegen natürlich einfach aufzunehmen. Ich lese nun mal "Schirn-Kunsthalle" anders als "Schirn Kunsthalle". Und das zu Recht: "Braunschweig Hauptbahnhof" beruft nun mal was anderes als was "Braunschweig-Hauptbahnhof" beriefe, wollte man davon reden.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 08.08.2013 um 16.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#10376


Eine neue Zusammensetzung: "Für die Studie hatten die Wissenschaftler 137 Ehe-Paare, die sich kurz zuvor geschieden hatten, befragt." (derNewsticker.de, heute. Es geht hier um "[e]ine neue Studie [die] herausgefunden [hat], dass Sex mit dem Ex-Partner positive Auswirkungen hat.")
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 24.07.2013 um 09.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#10342


Und auch so hat's die dts Nachrichtenagentur: "NRW: 22-jähriger schießt auf offener Straße auf seine Ex-Freundin" (derNewsticker.de, heute).
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 04.06.2013 um 11.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#10252


"Ratingen (dts Nachrichtenagentur [4.6.]) - Wie die Feuerwehr mitteilte, hatte der 20 bis 30-Jährige jedoch großes Glück und fiel auf ein Gebüsch auf der Gebäuderückseite, welches den Aufprall milderte." Bei den "Jährigen" halt ein Bindestrich zuviel und bei "20" wohl einer zu wenig.
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 13.11.2012 um 09.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#9671


Die Polizei sucht Zeugen, weil sich der Fahrer - es handelt sich um eine dunkelfarbene Großraumlimousine - von der Unfallstelle unerlaubt entfernt hat.
(MM, 13.11.2012, Seite 23)
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 03.11.2012 um 17.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#9637


"Das Robert Koch-Instituts schätzt das Risiko als "sehr gering" ein. Bislang gibt es nur einen Zahnarzt in Deutschland, der sich bei einer Behandlung mit HIV infiziert haben könnte." (derNewsticker.de [heute])
Zur Schreibung wikipedia: "Das Robert-Koch-Institut (Abkürzung: RKI) (in eigener Schreibweise: Robert Koch-Institut oder im Logo Robert Koch Institut) ist ein Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten in Berlin und eine zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland. [... //] Der dem Robert-Koch-Institut erteilte Auftrag umfasst sowohl die Beobachtung des Auftretens von Krankheiten und relevanter Gesundheitsgefahren in der Bevölkerung als auch das Ableiten und wissenschaftliche Begründen der erforderlichen Maßnahmen zum wirkungsvollen Schutz der Gesundheit der Bevölkerung."
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 30.10.2012 um 23.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#9624


Laut Polizei handelt es sich dabei um Zwanzig- und Fünfzig-Euroscheine.
(MM, 30.10.12, S. 32)
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 10.09.2012 um 19.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#9417


neues Adjektiv: niet

Man hat auf uns alles geworfen, was nicht niet und nagelfest war.
(MM, 10.9.12, S. 22)
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Paul Westrich
Kusterdingen

Dieser Beitrag wurde am 31.08.2012 um 19.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#9395


In der Rubrik „Übrigens" hat die Redakteurin Ulrike Pfeil Im SCHWÄBISCHEN TAGBLATT vom 30.08.2012 das Thema aufgegriffen:

Vom Wert des Bindestrichs
Endlich wurde einmal der materielle Wert des Bindestrichs definiert: Autofahrer, die in Österreich oder Italien unterwegs waren, mussten angeblich 500 Euro bezahlen, wenn sie keinen Bindestrich auf ihrem Autokennzeichen hatten, jedoch in ihren Fahrzeugpapieren. Das Ganze erwies sich zwar bald als ein aufgeblähtes Sommerloch-Ungeheuer, dennoch hat mich die Geschichte sehr erfreut, weil sie darauf aufmerksam macht, dass der Bindestrich zu den vom Aussterben bedrohten Zeichen gehört. Und dass er irgendjemandem ziemlich teuer ist. Ja, ich bekenne reuevoll: Wir haben uns über den Bindestrich lustig gemacht, besonders wenn er als Bindeglied zwischen überlangen, schwer auszusprechenden Familiennamen auftauchte wie Leutheusser-Schnarrenberger oder
Warminski-Leitheußer — ach, als Journalist kriegt man die nie in eine Überschrift!
Müssen wir nun für diesen Spott von der Zunft der Namens- und Image-Designer derart hart bestraft werden? Der Bindestrich, so penetrant er im Namensrecht wirken kann, hat für das lesende Auge eine Zusammenhang stiftende Funktion. Schon seit einiger Zeit ist aber zu beobachten, dass er zunehmend aus Organisations-Namen, Briefköpfen, Prospekten und Webseiten verschwindet.
Alles fing damit an, dass uns die NamensKreativen das Binnenkapitälchen aufdrückten. DaimlerChrysler musste so eng zusammenrücken, dass kein Strichlein dazwischen passte. Genützt hat es nichts, diese „im Himmel geschlossene" Konzern-Ehe ist längst geschieden. Und auch der Überraschungseffekt mit dem Großbuchstaben mitten im Wort hat sich abgenutzt, seit jedes MütterZentrum mit dieser Schreibweise um Aufmerksamkeit ringt. Nun aber diese Gegenbewegung: Es wird auseinander geschrieben, was kein Zeug hält. Stiftungen und Bildungseinrichtungen sind die Vorreiter: Von „Werner Reichardt Centrum fur Integrative Neurowissenschaften" bis „Robert Bosch Zentrum für Leistungselektronik" ist die sinnhafte Koppelung verschwunden. Ein Anglizismus, der vermutlich Internationalität suggerieren soll. Die „Eberhard Karls Universität" Tübingen gehörte, wie hier bereits des öfteren beklagt, zu den Vorreitern des modischen Strebens nach autonomen Teilen. Weshalb es nun aussieht, als gehörte die Universitat einem Mann namens „Eberhard Karl", während doch zwei verschiedene württembergische Herren die Namensgeber waren.
Liebe Corporate-Identity-Designer! Wäre es nach gelungener Verdrängung der Bindestriche nicht an der Zeit, eine Gegenbewegung einzuleiten? Habt ihr euch nicht sattgesehen an „Weltethos Institut" und „Tapas Bar"? Die Wiederentdeckung des Bindestrichs würde in der Branche für Aufsehen sorgen! Andernfalls wird man bald die Straßenschilder ändern müssen: „Helmuth von Glasenapp Straße". Bonhoeffer Kirche? TAGBLATT Redakteurin? Kein Bindestrich Syndrom?
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 03.08.2012 um 20.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#9244


Auf Sankt Nimmerleinstag geschoben?
...
Ebenso wie viele Ilvesheimer fürchtet er, dass die L597 auf den Sankt Nimmerleinstag geschoben werde.
(MM, 25.7.12, S. 17)

Das ist kein heiliger Nimmerleinstag, sondern der Tag des Sankt Nimmerlein, also nach wie vor 1996 der Sankt-Nimmerleins-Tag.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 02.08.2012 um 17.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#9238


Wieder zu den Jährigen mit Bindestrich: "Die Frau war nicht mehr ansprechbar. Der sofort verständigte Notdienst brachte die 56-jährige ins Krankenhaus [...]" (derNewsticker.de-Meldung, heute). Die meisten Druckmedien schreiben doch heutzutage nach dem Bindestrich hier groß. — Beim vorausgehenden "Die Bäuerin begab sich bei Dunkelheit auf die Weide um nach einem Tier zu sehen, welches am Tag zuvor gekalbt hat" wäre im Relativsatz auch das Plusquamperfekt vorzuziehen gewesen, — dessen richtiger Gebrauch auch vielen Journalisten nicht mehr bewußt ist.
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 01.08.2012 um 00.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#9232


Ein zermürbendes Katz- und Mausspiel beginnt ...
(arte Magazin, 7/2012, Seite 40)

Es handelt sich nicht sowohl um ein Katz- als auch um ein Mausspiel, sondern das Spiel heißt "Katz und Maus", ist also ein Katz-und-Maus-Spiel.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 25.06.2011 um 16.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#7880


Warum die Durchkoppelung mit Bindestrichen bei langen zusammengesetzten Substantiven besser ist: Nehmen wir aus welt.de heute "Wilde Spekulationen über Stuttgart 21-Stresstest". Hier ist die Zusammensetzung nicht einmal sehr lang; trotzdem sieht man erst am Bindestrich nach "21", daß es sich um eine Zusammensetzung handelt. Aber die gemeinte klingt gesprochen eben von Anfang an wie "Stuttgart-21-Streßtest" und nicht wie "Stuttgart [plus wie immer anders geartete Pause plus] 21-Streßtest".
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Marco Mahlmann
Osnabrück

Dieser Beitrag wurde am 30.05.2011 um 17.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#7811


Das Institut nennt sich selbst "Robert Koch-Institut"; so steht's über der Tür. Man kann einer Zeitung nicht versagen, das so abzuschreiben.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 25.05.2011 um 22.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#7802


FAZ.net: "Das Robert-Koch-Institut warnt vor dem Verzehr von Salat, Tomaten und Gurken, insbesondere aus Norddeutschland." Später: "Das Robert Koch-Institut warnt wegen des aggressiven EHEC-Darmkeims [...]", noch später: "[...] teilten das Robert Koch-Institut (RKI) zusammen mit dem Institut für Risikobewertung am Mittwoch in Berlin mit", und am Ende dann: "Das Robert-Koch-Institut unterstütze die Länder mit Hochdruck dabei, die Infektionsursache einzugrenzen, sagte der Minister."

Welt.de durchgehend nur einen Bindestrich: "Das Robert Koch-Institut warnt ganz konkret." – Und bei den Adjektivendungen wird's da zusätzlich schwach in eigener Verantwortung: "weil sie Symptome des Hämolytisch-Urämisches-Syndroms (HUS) aufweisen." (HUS wird dann unter "Fragen und Antworten" erklärt als "hämolytisch-urämisches Syndrom".)
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 20.05.2011 um 20.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#7794


So schwer zu lesen — und zu schreiben — sind also die (bloß wegen Mark Twains Charakterisierung [haben "Perspektive"] viel zu) "langen" deutschen zusammengesetzten Wörter gar nicht: "Der Weltranglistendritte gewann", "Der Weltranglistenerste Lee Westwood überstand [...]" (welt.de, heute) Und darunter dann, unter "Leser-Kommentare", finden wir ganz natürlich "personenbezogene Daten".
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 08.03.2011 um 14.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#7581


"Deutschland-Nachrichten [/] Editorial [/] Liebe Leserinnen und Leser der Deutschland-Nachrichten [...]" — Jetzt schreibt sich das Ding also doch wieder mit Bindestrich (hrsg. von Germany.info, der "gemeinsame[n] Webseite der Deutschen Botschaft, des Deutschlandzentrums und der acht deutschen Generalkonsulate in den USA", 7.3.). Ich hatte da deshalb mehrmals hingeschrieben. — Aber dann halt doch wie folgsam gehabt weiter unten: "Dieser Newsletter enthält externe Links zu Webseiten Dritter, auf deren Inhalte die Verfasser der Deutschland Nachrichten keinen Einfluss haben."
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 14.01.2011 um 21.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#7375


Es geht bei bild.de also auch ohne Bindestrich: "Dort machte Stefanie S. eine 30minütige Aussage." (14.1.)
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 23.10.2010 um 16.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#7047


"Elf Leute springen aus Teufels-Angst aus Fenster" (welt.de, heute). Heidenangst vor politisch-korrekter Teufelsangst bei der *Welt*? Nein, hier wird tatsächlich ein Kompositum mit dem Leibhaftigen versucht. Aber wenn man aus Ahnungslosigkeit Heidenrespekt vor falscher Schreibung hat, kann man auch nicht richtig zusammensetzen oder auseinander schreiben, und man kommt in Teufels Küche.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 08.01.2010 um 15.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5857


"Junk Food-Steuer in Rumänien" (Bild.de [Newsticker, 08. Januar 2010]) — Nun, eine "Junk Food-Steuer" ist eben für die, die Englisch können, was anderes als eine "Junk-Food-Steuer". Das ist ja das Problem, daß man so vieles schriftlich reformiert Hingehauene und bloß Maschinenkorrigierte zweimal lesen muß, bevor man mit einigem guten Willen versteht, was der Schreiber gemeint hat, — und das ist doch gerade bei Druckmedien eben nicht das Gelbe vom Ei.

Ich schreibe bei sowas — meist jedenfalls — den fremdsprachlichen Teil in Schrägschrift oder in Anführungsstrichen und verbinde dann den so als nichtdeutsch gekennzeichneten Teil mit dem modifizierten Hauptwort durch einen Bindestrich. (In der E-Post kennzeichnen Asterisken vorn und hinten die gemeinte Schrägschrift.) — Die Idee einer *Junk Food*-Steuer ist aber eine gute.
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Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 07.01.2010 um 19.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5851


In den letzten Tagen in Offenbach a. M. gesehen: Ein Plakat mit der Aufschrift

HALLEN-FUSSBALLSTADTMEISTERSCHAFT

Wem ist da nur an dieser Stelle der Bindestrich eingefallen?
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Matthias Künzer
Herzogenrath

Dieser Beitrag wurde am 07.01.2010 um 12.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5830


"Wir wollen ein Wochenende in Prag verbringen. Mein Mann hat sich schon nach 24 Stunden-Hotels erkundigt."
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Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 31.12.2009 um 04.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5805


Lieber Herr Metz,

mir scheint, wir liegen gar nicht weit (wenn überhaupt) auseinander.

Lassen Sie mich zunächst klarstellen, daß es mir völlig fern liegt, neue Regeln für die Schreibung von Eigennamen zu entwickeln. Ich habe nichts gegen Goethestraße oder Bachgesellschaft. Ich verlange nicht, daß stattdessen Goethe Straße oder zumindest Goethe-Straße geschrieben werde. Ich sage auch nicht, daß man nicht Johann-Wolfgang-Goethe-Universität schreiben dürfe. Nur finde ich diese Schreibung häßlich und pedantisch.

Ich meine allerdings, daß für Eigennamen größere Freiheiten gelten müssen als für "normale" Wortzusammensetzungen. Das gilt schon für echte Komposita, die Eigennamen enthalten, umsomehr aber für solche Wortfügungen, die selbst Eigennamen sind.

Ich habe den Eindruck, daß viele Menschen (zu denen ich zähle) eine unwillkürliche Zurückhaltung empfinden, grundverschiedene Wortarten wie Eigennamen und Substantive fugenlos zusammenzuschreiben. Vermutlich schreibt man deshalb Goethe-Institut, obwohl nach der allgemeinen Regel eine solche höchst übersichtlich Zusammensetzung eigentlich zusammengeschrieben werden müßte. Ähnlich widerstrebt es mir, deutsche und fremdsprachige Wörter ohne Bindestrich zusammenzuschreiben, also über den Leisten deutscher Rechtschreibregeln zu schlagen. Deshalb gefällt mir etwa die Schreibung Urinstinkt nicht, und zwar weniger wegen der bekannten Trennmöglichkeit als wegen der Verbindung einer deutschen Vorsilbe mit einem Fremdwort. Lieber schriebe ich Ur-Instinkt, so ungewöhnlich das auch sein mag.

Meine Kritik am Duden habe ich wohl etwas überspitzt. Ich bleibe aber dabei, daß die Regeln des Duden in diesem Bereich keine Glanzleistung sind. Vor allem gewinne ich den Eindruck, daß der Duden sich hier nicht vom tatsächlichen Schreibgebrauch leiten läßt. Warum widmet der Problemfälle-Duden von 1985 einem Sonderfall wie Verlagsnamen eine eigene Regel - und dazu auch noch eine so apodiktische und einem weitverbreiteten Gebrauch kraß widersprechende?

Mir scheint, der Duden wollte damit der beobachteten Getrenntschreibung entgegenwirken, so wie die Reformer meinten, der Tendenz zu vermehrter Zusammenschreibung "entgegenwirken" zu sollen. Entsprechendes vermute ich auch bei der Regel zu Möbel-Meier. Weltfremdheit ist dafür wohl tatsächlich nicht das richtige Wort. Es handelt sich eher um ein Entgegenstemmen gegen die
Schreibwirklichkeit.

Immerhin widmet der Duden den "gewöhnlichen" Zusammensetzungen und denen mit Eigennamen verschiedene Ziffern, empfindet also irgendwie dunkel den Wesensunterschied wischen Substantiv und Eigenname/Benennung. Die Abweichungen beziehen sich aber eher auf Kleinigkeiten; durchgehend scheint der Duden sonst bemüht, beide Fälle möglichst gleich zu behandeln. Im Ergebnis läßt der Duden den Bindestrich bei Eigennamen allgemein zu, die als Begründung angegebene Leerfloskel ("wenn der Name hervorgehoben werden soll") empfinde ich aber als geradezu lächerlich. Warum in aller Welt sollte ich den Namen in Goethe-Institut besonders hervorheben, in Goethehaus dagegen nicht? Wenn ich hervorheben möchte, daß ein Mantel aus Wolle hergestellt ist, schreibe ich doch nicht Woll-Mantel.

Warum sagt der Duden nicht einfach: "Auch in übersichtlichen Zusammensetzungen mit Eigennamen wird häufig der Bindestrich gesetzt"?

Noch zu Komposita und Benennungen:
Niemand ist gezwungen, ein Kompositum zu bilden, erst recht kein Bandwurm-Kompositum. Anstelle von Annette-von-Droste-Hülshoff-Ausgabe kann man auch Ausgabe (der Werke) von Annette von Droste-Hülshoff sagen. Mag man es kürzer, kann man auch Droste-Hülshoff-Ausgabe sagen. Bei Eigennamen ist es aber etwas schwieriger. Natürlich könnte man auch von der Universität namens Johann Wolfgang Goethe spreche. So sagen es die Russen, im Deutschen klingt das aber sehr umständlich und gestelzt.

Grund- und Bestimmungswort:
Ist eigentlich immer klar, was Grund- und was Bestimmungswort ist?
Sie sagen, in Möbel Meier sei Möbel das Grundwort. Dagegen behauptet der Duden, der Name sei hier das Grundwort (da habe ich mich an einer Stelle vertan).
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 30.12.2009 um 22.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5804


Vielleicht noch eine interessante Ergänzung. Im amtlichen Regelwerk heißt es in den Vorbemerkungen zu den Bindestrichregeln:

»Die Schreibung mit Bindestrich bei Eigennamen entspricht nicht immer den folgenden Regeln, so dass nur allgemeine Hinweise gegeben werden können. Zusammensetzungen aus Eigennamen und Substantiv zur Benennung von Schulen, Universitäten, Betrieben, Firmen und ähnlichen Institutionen werden so geschrieben, wie sie amtlich festgelegt sind. In Zweifelsfällen sollte man nach § 46 bis § 52 schreiben.«

Wird die Schreibung eines Firmennamens amtlich festgelegt? Vermutlich ist die im Handelsregister verzeichnete Schreibung gemeint. Nach dem Text dieser Vorbemerkung müßten alle, die dem amtlichen Regelwerk folgen wollen oder müssen, eigentlich zunächst diese Schreibung ermitteln. Da dies in der Praxis nur selten möglich bzw. zumutbar sein dürfte, kann, wer möchte, eigentlich immer einen Zweifelsfall geltend machen und nach den amtlichen Regeln schreiben.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 30.12.2009 um 14.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5803


Was im Duden über die Verlagsnamen steht, richtet sich nicht bloß an Verlagseigentümer, sondern auch an jeden Schreiber, der Verlagsnamen in einem Text nennt. Dieser kann sich entweder an die Eigenschreibung des betreffenden Unternehmens halten (meist ohne Bindestrich) oder an die üblicherweise geltenden Rechtschreibregeln (mit Bindestrich).
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Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 30.12.2009 um 04.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5802


Lieber Herr Riemer,

ich kann mir nicht vorstellen, daß die Gründer altehrwürdiger deutscher Verlage einem Anglizismus zum Opfer gefallen wären. Das umsomehr, als damals Englischkenntnisse selbst unter (humanistisch) hochgebildeten Deutschen keineswegs so selbstverständlich waren wie heute.

Bei heutigen Neubildungen mag das englische Vorbild eine Rolle spielen. Allerdings weiß man nicht recht, ob die abenteuerlichen Getrenntschreibungen, über die man heutzutage allenthalben stolpert, dem englischen Vorbild oder falschverstandener Rechtschreibreform zu "verdanken" sind. Vermutlich verstärken sich beide Einflüsse gegenseitig.

Die "offizielle" Schreibung scheint SAP ARENA zu sein, so jedenfalls durchgängig auf der einschlägigen Internetseite. Die Schreibungen "SAP ARENA-Öffnungszeiten" und "SAP ARENA-Magazin" scheinen mir die dümmstmöglichen zu sein. Das wäre auch im Englischen ein schwerer Patzer.
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 30.12.2009 um 00.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5801


Ist eine Zusammensetzung ohne Bindestrich (auch wenn sie Namen enthält und insgesamt wieder einen Namen bildet) nicht einfach ein Anglizismus?

Übrigens, die SAP Arena in Mannheim erscheint im Mannheimer Morgen seit ihrer Eröffnung 2005 sehr verläßlich mal mit, mal ohne Bindestrich (etwas öfter ohne). Bei Wikipedia schreibt sie sich durchgängig als SAP-Arena. Am Bauwerk selbst und auf ihrer Homepage nur als SAP Arena. Auf letzterer auch z.B. SAP Arena-Öffnungszeiten und SAP Arena-Magazin.
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 30.12.2009 um 00.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5799


Lieber Herr Achenbach,

wenn man zuviel in einen Beitrag stopft, besteht immer die Gefahr, daß die Bezüge der einzelnen Aussagen verlorengehen, Anspielungen und Übertreibungen nicht als solche erkannt werden. Ich will deshalb versuchen, das Knäuel wenigstens ein bißchen zu entwirren.

Natürlich ist die von Ihnen zitierte Darstellung der Schreibung von Verlagsnamen im alten Zweifelsfälle-Duden weltfremd, und zwar gleich aus zwei Gründen: Zum einen hatte und hat der Duden den Verlagen keine Vorschriften zu machen, zum anderen ist die Feststellung, die Durchkopplung unterbleibe »häufig«, eine starke Untertreibung. Übrigens hat die Redaktion die Formulierung mittlerweile abgeschwächt; zumindest heißt es in der 5. Auflage von 2001 nur noch: »Auch Verlagsnamen sollten durchgekoppelt werden«. Es ging mir aber gar nicht um diese spezielle Formulierung, sondern um Ihre allgemeine einleitende Bemerkung, der Duden hätte mit den Regeln zum Bindestrich einen Höhepunkt der Weltfremdheit erreicht (wobei Sie in Ihrem Beitrag ja hauptsächlich auf die Durchkopplungsregel eingegangen sind), in Kombination mit Ihrer Feststellung, es sei grundsätzlich falsch, Benennungen nach den Regeln für Komposita zu behandeln. Schreibungen wie Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und Goethe-Institut sind aber durchaus gängig, und ich empfinde daher weder sie noch von vornherein die entsprechende Dudenregel als weltfremd.

Möglicherweise reden wir aneinander vorbei. Selbstverständlich ist Schweizurlaub kein Eigenname, Schweiz aber schon. Mal meinen wir mit »Eigenname« die gesamte, aus einem (mehrteiligen) Eigennamen und einem Substantiv bestehende Fügung (um einen halbwegs neutralen Begriff zu verwenden), mal nur jenen Eigennamen als Bestandteil der gesamten Fügung. Ich bezog mich hier auf den Bestandteil Schweiz, und mein Zusatz »Eigenname!« war eigentlich nur augenzwinkernd gemeint.

Mit der von Ihnen vorgenommenen Unterscheidung zwischen echten Komposita des Typs Goethehaus und Fügungen, bei denen ein Personenname einer Institution lediglich ihren Namen gibt, wie bei Goethe-Institut, habe ich überhaupt keine Probleme. Sie leuchtet mir auch ein. Ich meine nur, daß die Schlußfolgerung, die Sie daraus für die Schreibung solcher Namen ziehen, nicht zwingend ist, und ich frage mich auch, ob sich diese Unterscheidung in der Schreibpraxis tatsächlich so niederschlägt, wie Sie es dargestellt haben. Aber vielleicht habe ich aus Ihren Ausführungen nur ein falsches Resümee gezogen. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, halten Sie die Zusammenschreibung von Goethehaus für normal und angemessen, weil hier ein echtes Kompositum vorliegt, während Goethe-Institut lediglich eine Benennung ist, die nichts über die Tätigkeit des »Kulturinstituts der Bundesrepublik Deutschland« aussagt und deren Bestandteile zusammen einen Eigennamen bilden, der nicht den Regeln für Zusammensetzungen unterliegen kann. Ein echtes Kompositum wäre dagegen wiederum Goethe-Institut(s)-Mitarbeiter, vergleichbar etwa der Annette-von-Droste-Hülshoff-Ausgabe.

Was ist aber mit Fügungen, die mehrteilige Personennamen enthalten? Sie plädieren für Johann Wolfgang Goethe Universität. Warum? Weil Bindestriche hier suggerieren würden, daß eine echte Zusammensetzung vorliegt? Sollte das der Grund sein, müßten Sie die Schreibung Max-Planck-Gesellschaft eigentlich für unpassend und Johannes-Brahms-Gesellschaft (fördert »Brahms-Forschung und -Pflege«) für passend halten. Auch müßten Sie Goethe Institut der Schreibung Goethe-Institut vorziehen, jedenfalls wäre sonst der Unterschied zum echten Kompositum Goethe-Gesellschaft nicht erkennbar. In der Praxis gehen die Schreibungen, sowohl bei reinen Benennungen als auch bei gewöhnlichen Komposita, derweil munter durcheinander: Helmut-Schmidt-Universität, Johannes Gutenberg-Universität, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover; Heinrich-Heine-Institut, Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum, Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft, Brüder Grimm-Gesellschaft, Richard Wagner Gesellschaft Leipzig 2013 e.V., Deutsche Tolkien Gesellschaft. Eine klare Zuordnung bestimmter Schreibmuster zu Benennungen einerseits und Zusammensetzungen andererseits erscheint unmöglich.

Ich kann Ihren Standpunkt, mehrteilige Eigennamen könnten nicht einfach so wie normale Komposita behandelt werden, gut nachvollziehen, zumal nach nochmaliger Lektüre Ihrer Beiträge. Aber die Bestandteile, die dem Gesamtding seinen Namen geben, sind für mich als lose Brocken vor der zu benennenden Institution im Deutschen nun mal nicht sinnvoll lesbar. Natürlich verstehe ich Bundesanzeiger Verlag nicht im Sinne von »ein Bundesanzeiger namens Verlag«, aber ich würde auch Kranken Versicherung nicht falsch verstehen. Der Verlag, der den Bundesanzeiger herausgibt, ist und bleibt ein Verlag. Auch in einem solchen mehrteiligen Eigennamen stehen die Glieder nicht beziehungslos nebeneinander, sondern übernehmen Funktionen, wie sie in herkömmlichen Komposita das Grundwort und das Bestimmungswort (oder die Bestimmungswörter) erfüllen. In diesem Sinne fungiert nach meiner Lesart bei einem Verlagsnamen das Wort Verlag als Grundwort und der Verlagsnamensgeber, z. B. Rowohlt oder Bundesanzeiger, als Bestimmungswort, wobei die Bestimmung hier schlicht in der Benennung liegt. Unter dem Strich scheint mir die Unterscheidung zwischen »echten« Zusammensetzungen und mehrteiligen Benennungen unter orthographischen Gesichtspunkten nach wie vor nur von theoretischem Interesse zu sein.

Noch ein Wort zum Thema Auffallen-Wollen. Ich habe dieses Motiv als eines von vielen genannt, und ich habe hier absichtlich ein wenig polemisiert. Ob etwa der »Deutsche Taschenbuch Verlag« sich mit dieser Schreibung wichtig machen will, weiß ich nicht, ich habe nur beschrieben, wie so ein Schriftbild auf mich wirkt. Mit dem Hinweis, der Unterschied zu irgendeinem deutschen Taschenbuchverlag müsse im Schriftbild kenntlich gemacht werden, kommt man hier jedenfalls nicht weiter, da der Eigenname durch das große D bereits eindeutig markiert ist. Herrn Ludwigs Vermutung, hier sei eine Tradition am Werkeln, erscheint mir plausibel. Wer einen Verlag gründet, wird sich eher an der Praxis bei schon bestehenden Verlagen orientieren als an Mahnungen des Dudens. Ein paar Griffe in den Bücherschrank genügen, und die Entscheidung ist gefallen. Dennoch wäre es interessant zu erfahren, wie und warum diese Tradition entstanden ist.
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Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 29.12.2009 um 10.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5795


Lieber Herr Metz,

es gibt den Heyne Verlag, den Ullstein Verlag, den Suhrkamp Verlag, den S. Fischer Verlag, den Fischer Taschenbuchverlag, ja selbst den Bundesanzeiger Verlag. Der Duden sagt(e) dazu: "Auch Verlagsnamen müssen durchgekoppelt werden."

Finden Sie das nicht weltfremd?

Dabei sind es ja nicht nur Verlagsnamen, die ohne Bindestrich geschrieben werden. So gibt es das IKEA Einrichtungshaus, die Axel Springer AG, die Dr. August Oetker KG, ja selbst – trotz Fugen-s – die Atlantic Forfaitierungs AG (allerdings mit Sitz in Zürich). Der Duden selbst schreibt von den "Duden Instituten für Lerntherapie". Müßte hier nach Duden nicht eigentlich überall durchgekoppelt werden?

Meinen Sie wirklich, daß all diese Verlage und Firmen nur "auffallen" wollen? Das Familienunternehmen Dr. August Oetker KG ist ein sehr diskretes Unternehmen. Es dürfte Ihnen schwerfallen, den Gewinn dieses Unternehmens im letzten Jahr in Erfahrung zu bringen.

Der Duden hat eine etwas lahme Ausrede: "Aus typographischen Gründen unterbleibt dies [die Durchkoppelung] jedoch häufig." Bei der graphischen Gestaltung des Firmensymbols oder des Briefkopfes besteht natürlich eine gewissermaßen künstlerische Freiheit. Aber diese Unternehmen schreiben sich auch in normalen Texten ohne Bindestrich und vermutlich sind sie auch im Handelsbuch so eingetragen.

All diesen Bildungen ist eines gemeinsam: es handelt sich um Eigennamen, die ihrerseits aus einem Eigennamen und einem Substantiv gebildet sind – eben um Benennungen. Das führt mich zu der Vermutung, daß derartige Bildungen anders empfunden werden als "gewöhnliche" Komposita, die aus Substantiven zusammengesetzt werden, zwischen denen ein sachlicher Zusammenhang besteht.

Ein Physikinstitut beschäftigt sich mit Physik und ist nicht nach einem Herrn Physik benannt. Ich vermute, daß sich die Bachgesellschaft vornehmlich mit Leben und Werk Johann Sebastian Bachs befaßt und nicht nur nach ihm benannt ist. Die Max-Planck-Gesellschaft beschäftigt sich nicht mit Max Planck, sondern ist nach ihm benannt. Der Schweizurlaub ist kein Eigenname und nicht nach der Schweiz benannt, sondern ein Urlaub in der Schweiz. Ebensowenig ist die Annette-von-Droste-Hülshoff-Ausgabe ein Eigenname wie etwa die Weimarer Ausgabe für eine bestimmte Goetheausgabe, sondern ein ganz normales Kompositum. Dieser Unterschied erscheint mir leicht faßlich und ich verstehe deshalb nicht, daß Sie damit Probleme haben.

Selbst der Duden (Zweifelsfälle, 1985) scheint in einer allerdings sehr nebelhaften Weise auch diesen Unterschied erfaßt zu haben. Er sagt einerseits: "Zusammensetzungen, deren Bestimmungswort ein Personenname ist, werden im allgemeinen zusammengeschrieben." Sogleich folgt aber die Einschränkung: "Zusammensetzungen mit Personennamen können aber mit einem Bindestrich geschrieben werden, wenn der Name hervorgehoben werden soll." Das ist eine völlig nichtssagende Floskel, die wir zur Genüge aus den Amtlichen Regeln kennen.

Weiter heißt es: "Das ist besonders der Fall, wenn die ganze Zusammensetzung als Name eines Gebäudes, einer Organisation o. dgl. gebraucht wird oder wenn der Personenname zum Firmenname geworden ist." Halbwegs schimmert hier die Erkenntnis durch, daß es sich um Eigennamen handeln könnte. Bei "echten" Komposita würde aber daraus folgen, daß man nur Goethegedicht schreiben dürfte, weil der Personenname Goethe kein "Firmenname" geworden ist. Gleichermaßen müßte man Diormodell schreiben, wenn Herr Dior das Modell höchstpersönlich entworfen hat, dürfte aber auch Dior-Modell schreiben, wenn es sich um ein Modell der Firma Dior handelt – es sei denn, man wolle den Namen "besonders hervorheben", was immer das auch heißen mag. Das erscheint mir nicht nur weltfremd, sondern geradezu absurd. Anders gesagt: Man kann es machen wie Pfarrer Aßmann (oder hieß er vielleicht "Assmann"?).

Immerhin meinen Sie ja auch, daß der Duden bei Möbel-Meier danebenliegt (also weltfremd ist). Ihre Deutung dieser Tatsache überzeugt mich aber nicht. Der Möbel-Meier ist der Herr Meier, der Möbel verkauft, also ein ganz normales Kompositum. Möbel Meier ist dagegen das Möbelgeschäft namens Meier, also ein Eigenname. Der Duden behauptet ja auch – wie Sie, wenn ich Sie richtig verstehe –, daß Meier hier das "Bestimmungswort" sei. Ich meine dagegen, daß Meier das Möbelgeschäft benennt, was die allermeisten ja anscheined als etwas anderes empfinden, soweit man nach der überwiegenden Schreibung urteilen kann.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 29.12.2009 um 03.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5793


Mir war schon in meiner Schülerzeit aufgefallen, daß Verlagsnamen meist nicht mit dem Bindestrich geschrieben wurden, den wir sonst ganz natürlich setzen, und unser Lehrer wußte es auch nicht zu erklären. Der Wunsch aufzufallen oder nicht allzu ordinär auszusehen oder besonderen Staat zu machen schien eigentlich keine gewisse Rolle zu spielen, eher, daß da eine eigene Tradition am Werkeln war. Weiß hier wer was zu vielleicht einem Verlagsnamensonderweg?
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 29.12.2009 um 00.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5792


Lieber Herr Achenbach,

Ihr Unbehagen an der Häufung von Bindestrichen in vielteiligen Zusammensetzungen kann ich nachempfinden, deshalb ist der Duden in diesem Punkt aber noch lange nicht pedantisch. Die Durchkopplungsregel ist klar und einfach und alles andere als weltfremd. Schwerfällig ist Annette-von-Droste-Hülshoff-Ausgabe doch nicht wegen der Bindestriche, sondern allenfalls wegen der Konstruktion als solcher, die nun mal nicht kürzer und weniger kompliziert zu haben ist.

Nachvollziehen kann ich auch Ihre Überlegungen zu Goethehaus und Goethe-Institut, aber was soll diese Unterscheidung bringen? Die Bestandteile mehrgliedriger Zusammensetzungen können in höchst unterschiedlichen Beziehungen zueinander stehen, ohne daß sich die Art der Beziehung orthographisch darstellen ließe. Man vergleiche nur Vogelschutz und Lärmschutz, Frühjahrsmesse und Computermesse, Erbsensuppe, Schlaftablette und Liebeskummer, aber auch Erholungsurlaub und Schweizurlaub (Eigenname!).

Goethehaus – ja, sicher. In Eisenach steht das Bachhaus (und in Halle an der Saale das Händel-Haus). Angekauft hat das Gebäude 1906 die Neue Bachgesellschaft. Ist Bachgesellschaft nun ein »echtes« Kompositum wie Bachhaus? Die Beziehung dieser Gesellschaft zu Bach dürfte enger sein als die der »Johann Wolfgang Goethe-Universität« zu ihrem Namensgeber. Aber welcher Art genau müßte das Verhältnis denn sein, damit eine Schreibung mit Bindestrich oder gar die lose Aneinanderreihung im Deutschen als sinnvoll und angemessen gelten kann?

Nein, ich glaube, die geforderte Sonderbehandlung bestimmter Zusammensetzungen mit Eigennamen ist kein probates Mittel gegen Pedanterie, sondern ihrerseits spitzfindig und geht am Kern des Problems vorbei. Goethestraße, wenn der Dichterfürst dort residiert hat, Goethe Straße dagegen, wenn sie nur nach ihm benannt ist? Daß Bindestrich und Zusammenschreibung bei Zusammensetzungen mit Eigennamen zum Teil gemieden werden, hat meines Erachtens andere Gründe als den Wunsch nach Kenntlichmachung eines »unechten« Kompositums.

So gilt der Firmen-, ein Marken- oder Produktname vielen Unternehmen als heilig und bleibt deshalb in hauseigenen Veröffentlichungen auch im Schriftbild unangetastet: DB Lounge, Milka Kuh, Audi Partner. Mit anderen Worten: die Optik soll nicht gestört werden, die Marke etc. soll sich dem Leser wie ein unverwechselbares Logo einprägen.

Des weiteren scheint der Wunsch aufzufallen eine gewisse Rolle zu spielen. Die eigenen Schreibungen sollen sich von den vertrauten Schriftbildern abheben, sollen exklusiv wirken. Rowohlt-Verlag wäre zu ordinär, also wird daraus Rowohlt Verlag. Mit Deutscher Taschenbuchverlag oder Deutscher Lyrikverlag wäre kein Staat zu machen, deshalb muß daraus Deutscher Taschenbuch Verlag und Deutscher Lyrik Verlag werden – und hier sind nicht einmal Personennamen im Spiel. (Ich muß bei solchen Schreibungen unwillkürlich an die Cigarette und Wegweiser mit der Aufschrift Centrum denken.)

Kreationen wie StudienVerlag und ZugCafé zeugen ebenfalls von der Sehnsucht, die offenbar als öde und lähmend empfundene Normalität zu überwinden und etwas Besonderes in die Welt zu setzen.

Bei der »Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover« hat man wieder ein anderes Argument für die Weglassung der Bindestriche ins Feld geführt: man wolle den Namen auch international als Markenzeichen etablieren (siehe hier). Warum dann aber nicht gleich Leibniz University Hanover? Letztlich wird es nicht an den Bindestrichen scheitern, sondern daran, daß im Ausland kein Mensch mehr weiß, wo Han[n]over überhaupt liegt.

Im Falle Möbel-Meier bin auch ich der Meinung, daß der Duden mit seiner Darstellung danebenliegt, wenn auch aus anderen Gründen als Sie, verehrter Herr Achenbach. Meiner Ansicht nach stehen die beiden denkbaren Schreibungen für zwei verschiedene Komposita. Bei Möbel-Meier ist Meier das Grund- und Möbel das Bestimmungswort, die Betonung liegt auf Möbel: Beim Möbel-Meier (= beim Meier, der Möbel verkauft = bei der Firma Meier, die Möbel verkauft) kriegt man billige Sofas. Bei Möbel Meier (und das scheint mir die üblichere Verwendung zu sein) ist Möbel das Grundwort, entsprechend wird Meier betont: Bei Möbel Meier (= beim Möbelgeschäft Meier) kriegt man billige Sofas. Den Huber-Anton würde ich allerdings immer mit Bindestrich schreiben, weil hier Anton durch die Umstellung zum Grundwort geworden ist, ähnlich wie beim Geldschrank-Ede, der gewiß kein Geldschrank Ede ist.
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Paul Westrich
Kusterdingen

Dieser Beitrag wurde am 24.12.2009 um 15.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5782


Am 21. Januar 2008 hat ein Redaktor des Schwäbischen Tagblatts folgendes in der Rubrik "Übrigens" unter dem Titel "Dem Herrn Karl seine Uni" verfaßt (siehe dazu auch die entsprechende Thorheitblüthe samt Kommentaren – Red.):

Wer um alles in der Welt ist dieser Herr Karl? Als Herr Karl ist ein "Mann von Welt" bekannt geworden, den die Autoren Helmut Qualtinger und Carl Merz Anfang der 1960er auf die Bühne und ins Fernsehen brachten. Herr Karl ein raunziger Österreicher, ein Opportunist, der sein Mäntelchen in jedem Wind flattern ließ. Ein Geschöpf, das seine sich selbst entlarvenden Monologe im Warenlager eines Feinkostgeschäfts hielt. Mit einer Universität hat das nichts zu tun.
Aber wer ist nun der Herr Karl von der Universität? Am einfachsten ist die Frage in Prag zu beantworten. Die dortige Universität heißt Karls-Universität. Ich wiederhole, zum Mitschreiben: Karls Bindestrich Universität. Der Name erinnert an Kaiser Karl IV., der 1348 in Prag die erste mitteleuropäische Universität gründete. Das "s" zwischen Karl und Universität zeigt keinen Genitiv an, sondern ist ein so genanntes Fugen-s: eine Art von Scharnier zwischen Grundwort ("Universität") und Bindestrich-verbundenem Bestimmungswort ("Karl").
Komplizierter liegt der Fall in Heidelberg. Die dortige Universität heißt "Ruprecht-Karls-Universität". Gemeint ist nicht ein Ruprecht Karl, sondern es wird gleich auf zwei Ahnherren verwiesen: auf Kurfürst Ruprecht I. und auf Großherzog Karl Friedrich von Baden. Hinter letzterem klemmt wieder ein Fugen-s.
So weit, so gut. Heißt jemand mit Nachnamen Karl, dann ist Eberhard Karls Fahrrad auf gut Schwäbisch dem Herrn Karl sein Fahrrad. Seit dem Jahr 2000 firmiert die hiesige Universität in der offiziellen Schreibweise nicht mehr als "Eberhard-Karls-Universität". Früher wurden, für jedermann erkennbar, Eberhard (aus Graf Eberhard) und Karl (aus Herzog Karl Eugen) mit Bindestrichen und Fugen-s an die Universität gehängt. Mit der Jahrtausendwende gingen jedoch in den amtlichen Schreiben die Bindestriche verloren. Allenthalben heißt es "Eberhard Karls Universität". Was das zu bedeuten hat, kann sich jeder selber herleiten. Und was ist es noch? Bescheuert!
Hans-Joachim Lang
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David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 24.12.2009 um 14.45 Uhr eingetragen.
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Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main ist zwar weiterhin der offizielle Name, soll aber seit dem 1. Juni 2008 nur noch »in rechtlich relevanten Dokumenten« sowie für Stempel und Siegel verwendet werden; ansonsten ist Goethe-Universität Frankfurt am Main die »bevorzugte Schreibweise« (siehe hier und hier).
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 24.12.2009 um 11.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5780


Pedantisch ist schon die Bezeichnung Johann-Wolfgang-Goethe-Universität (man beachte auch die quasi-revolutionäre Denobilitierung). Schließlich besteht keine Verwechslungsgefahr, weshalb Goethe-Universität reichen würde. Etikettenschwindel ist es ohnehin, da Göthe nicht in Frankfurt studiert hat (und auch in Straßburg nicht durch große akademische Leistungen aufgefallen ist). Aber die Universität Frankfurt am Main mußte sich als Neugründung eben irgendwie wichtig machen. Siehe auch die Umbenennungen der jüngeren Zeit, zum Beispiel der Landesbibliothek Hannover in irgendetwas Unaussprechliches ohne Bindestriche.
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Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 24.12.2009 um 10.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5779


Mir scheint, der Duden hat mit den Regeln zum Bindestrich einen Höhepunkt der Pedanterie und der Weltfremdheit erreicht.

So heißt es im Zweifelsfälle-Duden von 1985:

"Möbel-Meier
Mit Bindestrich schreibt man Geschäftsbezeichnungen, in denen der Name als Grundwort steht:
Möbel-Meier, Tapeten-Weber.
Ein Bindestrich steht auch, wenn Vor- und Familienname urngestellt sind und der Artikel vorangeht (die Hofer-Marie, der Huber-Anton)."

Das geht an der Wirklichkeit weit vorbei. Üblicherweise schreiben sich solche Firmen "Möbel Meier"; die Schreibung "Möbel-Meier" ist dagegen eher selten. M.E. verhält es sich bei den umgestellten Vor- und Familiennamen ähnlich.

Hübsch ist auch die Regel:

"Verlagsnamen
Auch Verlagsnamen müssen durchgekoppelt werden: Emil-Meyer-Verlag.
Aus typographischen Griinden unterbleibt dies jedoch häufig."

Wirklich nur aus typographischen Gründen?

Ist das Beispiel Johannes-Gutenberg-Universität auch ein Zeichen dieser Weltfremdheit? Oder handelt es um eine absichtliche, versteckte Kritik?

M.E. begeht der Duden den Grundfehler, Benennungen nach den Regeln für Komposita zu behandeln. Das Goethehaus ist das Haus, in dem Goethe aufgewachsen ist, und ein echtes Kompositum. Das Goethe-Institut ist dagegen ein Institut, das nach Goethe benannt ist. In Goethe-Institut stehen die beiden Namensbestandteile in einem ganz anderen Verhältnis als die Wortbestandteile in Physikinstitut. Ebenso ist das Duden-Beispiel Annette-von-Droste-Hülshoff-Ausgabe nicht zu vergleichen mit Johann-Wolfgang-Goethe-Universität.

Deshalb fühle ich mich nicht genötigt, bei Eigennamen überhaupt Bindestriche zu setzen. Bei mehrteiligen Eigennamen wirkt die Durchkoppelung auf mich noch pedantischer und schwerfälliger als bei Komposita. Deshalb ziehe ich Johann Wolfgang Goethe Universität vor. Und warum nicht auch Goethe Straße?

Dagegen ist Johann Wolfgang Goethe-Universität nicht Fisch, nicht Fleisch, und widerstrebt ganz und gar meinem logischen Empfinden.
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Jan-Martin Wagner
Halle (Saale)

Dieser Beitrag wurde am 21.12.2009 um 15.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5759


Seltsames Adelsgeschlecht:
Alexander von Humboldt-Stiftung
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 21.12.2009 um 12.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5758


Früher band der Bindestrich stärker als das Leerzeichen. Wird diese trennende Eigenschaft des Leerzeichens mehr und mehr in Frage gestellt?

Zum Beispiel hat es mich schon immer fast zum Wahnsinn getrieben, daß Microsoft seit irgendwann Verzeichnis- und Dateinamen mit Leerzeichen zuläßt:
"C:Documents and SettingsAll UsersStart Menua b.txt"

"a b.txt" ist hier eine einzige Datei. Das führt ständig zu Fehlern, z. B.
dir a b.txt
geht nicht, man muß den Namen dazu in Gänsefüßchen schreiben.
notepad a b.txt
funktioniert jedoch und erzeugt oder ändert die Datei "a b.txt".
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Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 20.12.2009 um 21.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5756


Lieber Herr Metz,
die "graue Vorzeit" bzgl. Johannes Gutenberg-Universität reicht in der Tat mehrere Jahrzehnte zurück. Ich entsinne mich eines Gesprächs, möglicherweise mit dem Kanzler oder seiner nächsten Umgebung, in dem ich den [fehlenden] Bindestrich monierte. Die knappe Antwort war: Johannes Gutenberg schreibt man auch ohne Bindestrich.
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 20.12.2009 um 19.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5755


An der »Johannes Gutenberg-Universität« hat man sich in grauer Vorzeit einmal auf jene Schreibung mit nur einem Bindestrich festgelegt, und die Studenten werden angehalten, diesen Sonderweg mitzugehen (zumindest war das Anfang der 90er Jahre noch so). Pikanterweise demonstriert der Zweifelsfälle-Duden die bekannte Durchkopplungsregel seit Jahrzehnten ausgerechnet an dem Beispiel Johannes-Gutenberg-Universität. Auch das »Robert Koch-Institut« fällt immer wieder durch seine Eigenschreibung auf (das Logo kommt übrigens ganz ohne Bindestrich aus).

Wenn man schon nur einen Bindestrich setzen möchte, dann hat es eine gewisse Logik, es dort zu tun, wo der Eigenname an das Grundwort stößt, denn erst durch die Verbindung an dieser Stelle kommt die Zusammensetzung überhaupt zustande. Die damit geschaffene Anordnung suggeriert optisch aber eine Verbindung nur des letzten Glieds des mehrteiligen Namens mit dem Grundwort. Das Robert Koch-Institut ist aber ein [Robert Koch]-Institut und nicht ein Robert namens Koch-Institut. (»Mein Name ist Koch-Institut. Robert Koch-Institut.«) In der Praxis wird es mit diesem Muster selten Verständnisprobleme geben, aber überzeugend ist es nicht, man sieht sofort, daß da etwas nicht stimmt.

Überhaupt scheint es keine wirklich befriedigende Lösung zu geben. Robert Koch-Institut, Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, Deutscher Taschenbuch Verlag, ndl. Prins Clausstraat, engl. Bush-Putin summit – gegen jede dieser Schreibungen könnte man etwas vorbringen. Im Deutschen scheint mir die Durchkopplung immer noch am besten ins Gesamtsystem zu passen.

Die Rechtschreibung stößt hier wohl an ihre Grenzen. Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Übersetzer-Preis (was soll hier übrigens der letzte Bindestrich?) wirkt geradezu komisch, wobei wahrscheinlich weniger die vielen Bindestriche stören als die viel zu lange und komplizierte Konstruktion als solche. Und wenn im ARD-Morgenmagazin behauptet wird, das Wetter, d. h. die Wettervorhersage, werde einem vom »tetesept Aztekischen Kakaobutter Bad« (so die Schreibung auf der eingeblendeten Packung) präsentiert, so muß man schon über die Aussage unwillkürlich lachen; man denkt besser nicht darüber nach, wie man diese Brocken orthographisch fachgerecht zusammenfegt.
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Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 20.12.2009 um 07.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5753


Ihr Hinweis, lieber Herr Bärlein, ist sehr aufschlußreich.

Tatsächlich scheint die "Erich Kästner-Schule" ein Ausnahmefall zu sein.
Zum Vergleich habe ich nach "Johannes-Gutenberg-Schule" gesucht. Google gibt 598 Fundstellen an. Eine Suche nach den verschiedenen Schreibweisen ergibt folgendes Ergebnis:

J-G-S: 756
J G S: 75
J G-S: 7
J-G S: 7

Umso erstaunlicher kommt mir die Schreibung "Johannes Gutenberg-Universität" vor.
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Dieser Beitrag wurde am 19.12.2009 um 22.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=243#5751


Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 19.12.2009 um 11.06 Uhr

Die Schreibweise "Erich Kästner-Schule" (mit nur einem Bindestrich) wird teilweise von einem Nachfahren des Schriftstellers unter Androhung gerichtlicher Schritte erzwungen. So lautete jedenfalls die Begründung der Anweisung eines Zeitungsverlages an Redaktion und Korrektorat, nicht mehr, wie bis dahin üblich, zwei Bindestriche zu setzen.


Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 19.12.2009 um 07.51 Uhr

Lieber Herr Riemer,

ich habe eine (sehr kleine) Stichprobe gemacht, indem ich mir die ersten zehn Fundstellen bei Google näher angesehen habe.
Erstaunlicherweise führen alle zehn auf Startseiten von Schulen, die sich tatsächlich "Erich Kästner-Schule" nennen.
Es handelt sich um Schulen in Darmstadt, Maintal, Münster, Bochum, Karlsruhe, Wiesbaden, Paderborn, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Leipzig und Dreieich.

Nicht immer stimmt die Schreibweise in den Google-Verweisen mit der Schreibweise der Schulen überein. Daher sind meine früheren Zahlenangaben möglicherweise wenig zuverlässig.

Möglicherweise bevorzugt Google solche Primärquellen gegenüber Sekundärquellen. In Sekundärquellen dürften Falschschreibungen häufiger vorkommen.

Das würde darauf hinweisen, daß die Schreibung "Erich Kästner-Schule" noch häufiger vorkommt, als nach dem ersten Augenschein zu urteilen.

Vielleicht ist das ganze aber auch nur ein Konstrukt der reichlich undurchschauberen Suchtechnik von Google.

Strenggenommen erfüllt diese Schreibung sogar den Wunsch Kästners, seinen Namen "nicht zwischen Bindestrichen eingezwängt" zu sehen. Aber ob Kästner sich das so vorgestellt hat?

Mir erscheint diese Schreibung die unlogischste von allen möglichen zu sein.


Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.12.2009 um 10.53 Uhr

Mit Zahlen hab ich's heute morgen wohl nicht so richtig.
Gut 1/3 im Verhältnis zu den anderen, oder gut 1/4 von allen. Entschuldigung!


Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.12.2009 um 10.29 Uhr

Danke für die genaue Analyse, lieber Herr Achenbach. Na ja, meine Annahmen entsprachen dem ersten "Anschein", wie ich auch schrieb, und einer groben Schätzung.
Interessant fände ich nach wie vor, ob die trotzdem immer noch sehr hohe Anzahl von "E K-S" (immerhin auch nach Ihrer Zählung gut 1/3 von allen) auf tatsächlichen Namen oder zum größeren Teil auf Falschschreibung im Internet beruht. Denn, ehrlich gesagt, es mag zwar ein paar verrückte Ausnahmen geben, wie auch Herr Roth anmerkt, aber so richtig kann ich mir einfach nicht vorstellen, daß das alles offiziell "abgesegnete" Namen sind.


Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 18.12.2009 um 04.35 Uhr

Lieber Herr Riemer,

"Tausende" von Erich-Kästner-Schulen" wäre wohl etwas übertrieben.

Schließt man "sehr ähnliche" Fundstellen aus, schrumpft die Zahl von ca. 143.000 auf ca. 692 zusammen, darunter aber immer noch eine Reihe von Dubletten.

Spaßeshalber habe ich mir die Mühe gemacht, diese Funde nach den verschiedenen Schreibweisen aufzuschlüsseln. Ich erhalte folgende (Näherungs-)Ergebnisse:

E-K-S: 584
E K-S: 280
E K S: 173
E-K S: 10

Diese Zahlen enthalten allerdings verschiedene Fehlerquellen. So ist der Name der Schule bei den Angaben zu den Fundstellen unterschiedlich häufig wiedergegeben (deshalb addieren sich die Zahlen zu mehr als 692). Dazu kommen Sonderfälle (Erich-Kästner-Grundschule) und Schreibfehler (Erich-Kästner - Schule). Diese Fehler sollten sich aber tendenziell ausgleichen oder nicht ins Gewicht fallen..

Jedenfalls scheint es so, daß die vollständige Durchkoppelung mit Bindestrichen deutlich überwiegt und somit der Wunsch Erich Kästners weitgehend unbeachtet bleibt.


Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 17.12.2009 um 22.11 Uhr

An die Aneinanderreihung mit Bindestrich nach Duden haben sich die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (heute nur noch Goethe-Universität) und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz m.W. noch nie gehalten.


Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.12.2009 um 21.13 Uhr

Zur "Tüten Suppe":
Wenn man nach "Erich-Kästner-Schule" gugelt, anscheinend gibt es Tausende in Deutschland, wird man erstaunt sein, wie viele "Erich Kästner Schulen" und "Erich Kästner-Schulen" darunter sind. Letztere sogar am häufigsten.

Ergänzt man die Suche noch um das Wort "Bindestrich", erfährt man
auch den Grund, z.B. in Schierstein:
»Der Namenspatron der Schule, Erich Kästner, betonte bei der Eröffnung 1970, dass er seinen Namen nicht zwischen Bindestrichen eingezwängt sehen möchte. Aus diesem Grunde schreiben sich die nach Kästner benannten Schulen also ohne Bindestriche. (Auch wenn laut Duden geregelt ist :"In einer Aneinanderreihung werden alle Wörter durch Bindestriche verbunden.")
Bitte haben Sie Verständnis, dass wir seinem Wunsch entsprechen.«

Das führt nun dazu, daß zumindest in den Internetartikeln meistens nur der erste Bindestrich weggelassen wird, was natürlich doppelt schräg aussieht. Ob die vielen "Erich Kästner-Schulen" wirklich alle so heißen?
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