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Beiträge zum Thema

»Über das englische Wort „Pool“ im Deutschen«

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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 25.08.2008 um 22.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=198#3836


Natürlich gehören "pool" und "Pfuhl" etymologisch zusammen; aber wer im englischen Sprachraum von einem "pool of candidates" spricht, denkt weder an ein Schwimmbecken noch an Pfuhl oder Pfütze oder Morast und Modder, sondern an eine Art abgegrenzte Gruppe, die — wie eine Flüssigkeit in einem Behälter — zum Gebrauch zur Verfügung steht. Englisch "spoon" und deutsch "Span" gehören ja auch etymologisch zusammen, aber das heißt doch nicht, daß die da jenseits einigen Wassers kein Metallbesteck kennen. — Ich denke viel über Sprache nach und kenne natürlich den Zusammenhang von jeglichem Wasser-"pool" und unserm "Pfuhl" schon lange; aber erst in dieser Diskussion fällt mir auf, daß in den Ausdrücken "swimming pool" und "pool of candidates" eigentlich dasselbe Wort benutzt wird (also daß die "pool" hier keine Homonyme sind).
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 24.08.2008 um 17.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=198#3822


Schröder nennt die Reservearmee einen Pool. Wie so oft tritt eine englische Entlehnung an die Stelle einer französischen.
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David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 24.08.2008 um 17.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=198#3821


Im heutigen Englisch steht das Wort pool keineswegs für »Morast und Modder«; sonst könnte man nicht von swimming pools sprechen. Übrigens kann pool laut dem Oxford Advanced Learner’s Dictionary of Current English (6. Auflage, 2000) auch »a group of people available for work when needed« bedeuten; als Beispiele werden die Ausdrücke a large pool of software engineers und a pool of cheap labour genannt. Vgl. auch:

We know from equation (2) that this number will be independent of the quality of the workers in the pool of job seekers. (Coen Teulings / Joop Hartog [1998]: Corporatism Or Competition? Labour Contracts, Institutions and Wage Structures in International Comparison. Cambridge University Press. S. 249)

The upshot of all these changes – of the many twisting eddies and crosscurrents – was to leave intact the essential shape and size of the pool of the umemployed. (Alexander Keyssar [1986]: Out of Work. The First Century of Unemployment in Massachusetts. Cambridge University Press. S. 72)

Once unemployed, European workers find it hard to exit the pool of the jobless by finding a new job. (Ben J. Heijdra / Frederick van der Ploeg [2002]: The Foundations of Modern Macroeconomics. Oxford University Press. S. 184)
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Wolfgang Schroedter
Kiel

Dieser Beitrag wurde am 24.08.2008 um 15.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=198#3820


Im Rheinischen Merkur Nr. 34 /2008 vom 21. Augist 2008 erschien in einem Pro- und Kontragespräch über den Pflegestreit das englische Wort "Pool." Nichts gegen das Wort Pool, wenn es im Englischen bleibt. Im Deutschen macht es sich nicht gut. Derjenige, der es gebraucht hatte, war ein Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Er gebrauchte es in der Form, daß er aus dem Pool der Arbeitslosen 35000 Menschen zum Pflegedienst holen möchte.
Diesem Herrn ist der Stammbegriff dieses Wortes nicht bekannt. Er müßte wissen, daß der Wortstamm für das englische Pool genau derselbe ist wie im Deutschen der Pfuhl und die Pfütze. Es steht für Morast und Modder. Will der Herr Staatssekretär damit sagen, daß er die Arbeitslosen aus dem Morast oder dem Modder holen will? Wenn diese Menschen im Morast waren, so muß sie doch auch einer in den Modder hineingetan haben, denn man kann nur herausholen, was man hineingetan hat.
Der Gebrauch von Fremdwörtern ist doch wohl Glücksache. Mein Deutschlehrer, vor über 60 Jahren, pflegte immer zu sagen: "Wer Fremdwörter einsetzt, hat nur eine Halbweltbildung!" Das stimmt wohl immer noch! Der Leser kann Fremdwörter in seiner Sprache auslegen, und dann gibt es immer Überraschungen.
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