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»Darf man so sagen – oder schreiben?«


Beiträge zum Thema

»Wann wird aus einem männlichen Wort eine bedeutungsvolle Verweiblichung
Itaker«

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Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 21.09.2008 um 23.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=197#3927


Lieber Herr Seibert,

eine das Deutsche nur halbwegs als Fremdsprache kennende Italienerin wird "Itaker" wahrscheinlich für eine dem Italienischen nicht fremde Kürzung halten ("Italiker"), ohne das Pejorativum zu erkennen. Über Italiener erhabene Deutsche können sich also auch in Anwesenheit von solchen frank und frei – oder in böser Tradition – herablassend äußern. Und das freut sie dann unbändig.
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Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 14.09.2008 um 00.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=197#3899


Lieber Herr Seibert,

es wäre gut, wenn eine Italienerin das Wort "Itaker" wirklich liest, auch wenn nicht jedem heutigen deutschen Muttersprachler klar sein muß, was sie dann mit diesem Wort veranstaltet.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 28.08.2008 um 13.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=197#3851


Ironische oder satirische Verwendung ist möglich, z. B. auch durch die „Betroffenen“ selbst. Es besteht aber immer Gefahr, daß der Scherz unverstanden bleibt.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 26.08.2008 um 04.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=197#3840


"Ein Ethnophaulismus gilt ja allen Angehörigen der jeweiligen Nation." Naja, das mag ja abstrakt schon ganz richtig sein. Aber die aktuelle Situation und der wenn auch manchmal erhitzte menschliche Ausdruck in einer gegebenen Situation, die tragen auch etwas zum sachlich Richtigen hier bei. In meinem ersten Jahr in den USA lebte ich mit einigen amerikanischen Studenten zusammen, *graduate students*, durchaus reifen und ernsten jungen Leuten, und in unseren Diskussionen legte ich so richtig los, weil ich ja als ausgewählter deutscher Student jede Menge Wissen über die Amerikaner von zu Hause mitgebracht hatte. Und an einer Stelle antwortete mir einer meiner Wohnungsgenossen, ein feiner, hochanständiger Kerl, Physikstudent, superbegabt, früher Football-Spieler an einem der besten Colleges hier, freundlich: "But Horst, I am an American, too." Woraufhin ich, ohne meinen Faden aufzugeben, nur sagte: "Yes, but you don't count." Was ja für meine Beweisführung und von meiner Haltung her hier richtig war. Denn er zählte ja in meinem ersten Jahr in den USA für mich — und für mich auch unvergeßlich — in wunderbar vieler Hinsicht. Womit ich also aus Erfahrung sagen will: Verallgemeinerungen — oder was oft dafür gehalten wird — gelten nicht unbedingt immer allen Angehörigen der jeweiligen Nation, auch ohne den absichernden Zusatz "Anwesende ausgeschlossen".

Das Leben der Sprache und das menschliche Zusammenleben ist reicher als die Kategorien des geschriebenen Rechts es wahrhaben können. Bei solchen unnötigen Rechtsstreitfällen ist eigentlich eine Jury aus sechs oder zwölf Geschworenen am besten fähig, ein Urteil zu fällen, — wenn sich die Parteien nicht schon vorher im Gespräch mit einem weisen Richter auf dessen Rat hin hätten gütlich einigen können. Aber richtig ist auch: Will man Schwierigkeiten vermeiden, nimmt man den Namen Gottes nicht verunehrend in den Mund und Ethnophaulismen am besten auch nicht. Aber wir sind ja alle irgendwie in Schwierigkeiten, nicht wahr, ja, wenn auch in verschiedenen und aus verschiedenen Gründen. Für Schweden ist übrigens jeder Pole geradheraus ein "polack".

"Kann eine Italienerin, wenn sie dieses Wort 'Itaker' in einem Telefax ließt, welches auch nicht persönlich an sie gerichtet ist, dieses Wort verweiblichen und für sich als eine Beleidung werten?"
Natürlich kann sie das. Wie weit sie damit kommt und ob es sich lohnt, damit zum Kadi zu laufen — und aus letztlich welchen Gründen, ist eine andere Frage, deren Beantwortung im Urteil "Schmerzensgeld: Ein Euro" bestehen könnte. Wichtig ist eben auch, wer hier Itaker zu wem sagt und unter welchen Umständen. Mein Vater, Landser in den letzten Weltkriegen, hätte das Wort sicher auch verwendet, aber jedenfalls nicht ethnophaulistisch gemeint. Bei der scherzhaften Frage jedoch (letzter Diskussionsbeitrag) hätte er auch nicht bloß dumm gekuckt.
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Wolfgang Seibert
Magstadt

Dieser Beitrag wurde am 23.08.2008 um 16.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=197#3819


Quelle "http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ "

Wort: Itaker
Anzahl: 1
Sachgebiet: Herkunft
Grammatikangaben: Wortart: Substantiv
Geschlecht: männlich
Flexion: der Itaker, des Itakers, dem Itaker, den Itaker
die Itaker, der Itaker, den Itakern, die Itaker

Pragmatikangaben: gebr: ugs., meist abwertend
Links zu anderen Wörtern:
• Grundform: Itaker
• Form(en): Itaker, Itakern

Bei Personenbezeichnungen entspricht das benutzte Genus meistens dem Sexus des Betreffenden.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2008 um 11.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=197#3793


Natürlich kann sie das. Ein Ethnophaulismus gilt ja allen Angehörigen der jeweiligen Nation. Auch der nicht unmittelbar Angesprochene kann sich also betroffen fühlen, wenn in seiner Gegenwart von Itakern oder Boches die Rede ist.
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Wolfgang Seibert
Magstadt

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2008 um 11.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=197#3792


"Itaker war in der deutschen Landsersprache des Zweiten Weltkrieges die Abkürzung für Italienischer Kamerad. Erst in den 1960er und 1970er gelangte der Begriff in die Umgangssprache als gängige abwertende Bezeichnung für 'die Italiener' (vgl. Ethnophaulismus), wobei sich die Endung zu -er wandelte.

Der Ausdruck „Itaker“ ist zuerst während des Ersten Weltkrieges in der österreichischen Armee aufgekommen, und zwar in Wortformen wie „Itak“ und „Idaker“. Er leitet sich dem Wortbildungsmuster nach analog zu „Polak“, „Slowak“ oder „Bosniak“ ab. Im Zweiten Weltkrieg wurde Itaker wieder aufgenommen, zunächst als Bezeichnung für die italienischen Soldaten, danach als abwertende Bezeichnung für den Italiener im Allgemeinen." Aus Wikipedia

Kann eine Italienerin, wenn sie dieses Wort "Itaker" in einem Telefax ließt, welches auch nicht persönlich an sie gerichtet ist, dieses Wort verweiblichen und für sich als eine Beleidung werten?
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