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»Rechtschreibung und -reform«


Beiträge zum Thema

»Zurück zum Buchdruckerduden?
Vom Umgang mit Interessengegensätzen«

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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 29.04.2005 um 20.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=18#79


Folgender Diskussionsbeitrag im „Rechtschreibtagebuch“ paßt auch hierher, deshalb lege ich eine Kopie an:


Beitrag verfaßt von Peter Müller am 15.04.2005 um 14:57 Uhr
(www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=59#70)

Buchdrucker-Duden?

Es sind nicht die Schriftsteller, die alles festgelegt haben wollen, sondern die Verlage und Nachrichtenagenturen.

Varianten führen nämlich zu Unsicherheiten bei der Bearbeitung von Texten, zu Rückfragen und vermehrtem Nachschlagen. Varianten erzeugen Hausorthographien; Texte aus verschiedenen Quellen müssen so orthographisch angepaßt werden, unter Umständen mehrfach, falls sie für verschiedene Medien mit unterschiedlichen Hausorthographien verwendet werden.

Varianten wirken also zeitverzögernd und kostentreibend. Vermutlich ist es manchen Verlagen und Nachrichtenagenturen egal, wie etwas geschrieben wird, Hauptsache, es ist eindeutig festgelegt.

Eine Lösung wäre in der Tat ein neuer Buchdrucker-Duden (sollen sich die Verlage und Nachrichtenagenturen die gewünschten Festlegungen doch selbst erarbeiten!).

Eine andere wäre eine Variantenführung in den Wörterbüchern (oder in wenigstens einem anerkannten Wörterbuch) gemäß vorherrschendem Sprachgebrauch. Das Duden-Monopol ist selbstverständlich nicht wiederherzustellen. Die Aufgabe, den Sprachgebrauch zu verfolgen und die Wörterliste entsprechend behutsam anzupassen, kann dem Rat für Rechtschreibung übertragen werden. Den Sprachgebrauch zu verfolgen ist heute, v.a. dank dem Internet und seinen Suchmaschinen, mit verhältnismäßig geringem Aufwand möglich. Wo für Wörter verschiedene grammatisch richtige Schreibweisen möglich sind, wäre bloß noch festzulegen, wann eine Variante zur Hauptvariante (z.B. wenn sie fünf Jahre mehrheitlich verwendet wird) und wann zur alleinigen Variante wird (z.B. wenn sie fünf aufeinanderfolgende Jahre mit Zweidrittelmehrheit verwendet wird).

Falls dabei radfahren/Auto fahren herauskommt, was ich mir ohne weiteres vorstellen kann, wäre dies allerdings hinzunehmen, wie jedes demokratische Verdikt.
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Theodor Ickler
Spardorf

Dieser Beitrag wurde am 15.04.2005 um 06.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=18#66


Es trifft nicht zu, daß im Rat ein Ausgleich der Interessen gesucht worden wäre. Außer dem Interesse an der sprachlichen Richtigkeit hat bei der dritten Sitzung kein Interesse eine Rolle gespielt. Das war gerade das Neue. Es ging u. a. um den Sinn von Regeln, die vielleicht "einfach", aber nicht sprachgerecht sind.
Herr Meraner lehnt jede Änderung der Reform ab, er sieht keinen Handlungsbedarf. Daß die Schriftsteller alles bis ins Letzte geregelt haben wollten, stimmt ebenfalls ganz und gar nicht (soll ich damit gemeint sein - als Vertreter des PEN?) Wenn weiter solche Falschmeldungen veröffentlicht werden, sollte ich vielleicht mein persönliches Protokoll hier zur Kenntnis bringen ...
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 15.04.2005 um 01.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=18#65


Vorgestern (13.04.2005) meldete Südtirol Online (http://www.stol.it/nachrichten/artikel.asp?ArtID=60102&KatID=be):

»"Der Rat für Rechtschreibung ist bemüht, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung in den deutschsprachigen Ländern zu bewahren und sucht deshalb nach Kompromissen zwischen den verschiedenen Interessen", erklärt der Direktor des deutschen Pädagogischen Instituts, Rudolf Meraner. "Während die Vertreter der Schule sich vor allem für wenige und breit anwendbare Regeln aussprechen, wünschen sich Journalisten und Schriftsteller, dass möglichst alles genau geregelt wird", so Meraner. Das würde aber zu einer Zunahme der Regeln und der Ausnahmen führen.«

Um nicht wieder die gleichen Probleme zu bekommen, die letztlich zu dem Ruf nach der Rechtschreibreform geführt haben, könnte man diesen Interessengegensatz durch die Wiedereinführung der Trennung in Buchdrucker- und Schulorthographie lösen, wobei letztere natürlich eine Teilmenge der ersteren sein müßte. Welche anderen Möglichkeiten gäbe es?
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