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»Darf man so sagen – oder schreiben?«


Beiträge zum Thema

»Landsmännin«

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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 08.06.2015 um 08.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#11075


Die Landmännin noch frisch und lebendig: "New York (dpa [heute]). [...] Der Engländer Alex Sharp gewann mit seiner ersten Broadwayrolle auf Anhieb den Tony als bester Darsteller. Seine Landsmännin, Oscar-Preisträgerin Helen Mirren, holte den Preis als beste Schauspielerin für ihre Rolle als Queen Elizabeth II. in «The Audience»."
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 25.10.2011 um 17.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#8229


Na, die kommt bei mir gleich nach der "Gästin" in *Andorra*: "Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft agierte sie zeitweise als Mannschaftskapitänin." (www.dernewsticker.de, heute; sie = Garefrekes, eine "der Schlüsselspielerinnen der Frauennationalmannschaft" [na, wenigstens nicht der Frauennationalfrauenschaft/Frauennationalfrauschaft].) Aber ich lege ja sogar ein Wort für die alte "Landsmännin" ein; warum bin ich hier nicht so tolerant? Wer ist in dieser Frage der Souverän?
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 11.11.2007 um 00.22 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2516


"Zuvor hatte Scharapowa ihre Landsfrau Anna Tschakwetadse glatt in zwei Sätzen mit 6:2, 6:2 besiegt." (newsticker der © Welt am 10.11.2007 um 18:44 Uhr)
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Roger Herter
Basel

Dieser Beitrag wurde am 07.11.2007 um 05.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2501


Wie rasch sich Zeit und Wortgebrauch ändern, machen folgende Einschätzungen Eduard Engels zu unserem Thema anschaulich ("Gutes Deutsch", Leipzig 1929):

"Gegen eine kühne Waidmännin, meine Landsmännin wurde noch kein Widerspruch erhoben. Daraus folgt aber nicht, daß man bedenkenlos schreiben sollte: Frau von Stein ist eine üble Gewährsmännin zur Beurteilung Christianens." – Und weiter:

"Ein weiblicher Staatsmann? Maria Theresia war ein großer Staatsmann*, keine Staatsmännin [* dazu ein Vorbesitzer des Buches mit fliegendem Stift: Ganz unmöglich zu schreiben!!]; aber wäre es unmöglich zu sagen: Egeria war des Numa Pompilius beratende Staatsmännin?" [Wogegen keine Randglosse protestiert.]
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Dieser Beitrag wurde am 01.10.2007 um 08.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2365


Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 30.09.2007 um 19.36 Uhr

Der Klabautermann sucht bis heute verzweifelt eine Lebensabschnittsgefährtin (zunächst für sieben Jahre mit Prolongationsoption).

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.09.2007 um 19.24 Uhr

Was die Kauffrau schon erreicht hat, müssen Bergfrau, Hampelfrau, Hauptfrau, Seefrau und Zimmerfrau noch erkämpfen. Wer findet noch mehr?
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Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 30.09.2007 um 17.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2362


Dem einen oder anderen mag sich Volksgenossin als Substitut für Landsmännin immer noch uangenehm assoziieren, weil es – ganz ohne seine Schuld – ans Dritte bzw. an Vierte(Mini)reich bzw. an militärisch durchorganisierte (demokratische!) Parteien erinnert. Marian Szyrocki stellte übrigens einmal fest, daß im Barock mit dem Suffix -in gern gespielt wurde (von vorwiegend männlichen Autoren). Die Landsfrau ist erstaunlich verbreitet und vermeidet das politisch beschädigte Basisnomen Genosse / Genossin.
Eine Dame mit "Landsmännin" anzusprechen habe ich mir – auch "mit strahlendem Gesicht" – noch nicht gewagt, aber zur nationalen Zuordnung einer Dame in gegebenem Kontext ist es vielleicht sogar unauffälliger als die alte Volksgenossin.

Die heute präskribierte Bedeutungsdistribution der beiden Plurale von Wort hat sich erst seit der Aufklärung in der sog. Hochsprache herausgebildet und ist bisher nicht in den Regionalsprachen oder gar Dialekten angekommen. Die Sprichwörter gab es schon lange vor der heutigen Aufteilung. Der sog. Trend drängt Worte allerdings zurück, aber – entgegen allen phonologischen Wähnungen – nicht Orte, denn Örter irrlichtern nur durch Fachtexte.
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Roger Herter
Basel

Dieser Beitrag wurde am 29.09.2007 um 18.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2361


Doch, es ist so einfach, wie es scheint. "Wörter" sind Vokabeln, "Worte" eine (noch so kurze) Rede oder Notiz; "Sprichwörter" die bekannte Ausnahme. (Man vergleiche dazu auch etwa "Stichwörter" vs. "Stichworte".)
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 29.09.2007 um 14.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2360


Gehört zwar nicht unter "Landsmännin", aber weil's mir hier gerade auffiel: Der Plural von "Wort". Für mich: "Wörter" = einzelne aufgezählte Wörter (Wörterbuch/Tätigkeitswörter/"Wörter, nichts als Wörter!"); "Worte" = sinntragende Mitteilung (mit Platos/Shakespeares/meinen Worten). Aber da ist dann eben auch die "Sprichwörtersammlung", und das zeigt mir, daß eben nicht alles so einfach liegt, wie's dem Gebildeten so scheint, — auch wenn natürlich auch "Sprichworte" verwendet werden, — was mir allerdings sehr gelehrt klingt. Wie halten's einfache Landleute damit? Wie halten's meine Landsleute damit? Denn ich will ja nicht vorschreiben.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 29.09.2007 um 11.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2359


Eine Männin gibt's bekanntlich auch, bei Luther nämlich.
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K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 28.09.2007 um 16.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2358


Zu "Landsmännin", margot aigner #2308

Wie kommen Sie darauf, liebe Frau Aigner, daß es richtig oder rechtens sein könnte, existierende Wörter "zu erlauben" oder "nicht zu erlauben"? Wer sollte das Ihrer Meinung nach entscheiden oder bestimmen? Bestenfalls sich selbst könnten Sie da etwas erlauben oder nicht erlauben, aber anderen ...?

Und zu #2357: "Versuchen Sie einmal, sich eine "Männin" vorzustellen!"
Da sind Sie einem Irrtum aufgesessen: Eine "Landsmännin" hat nichts mit einer "Männin" zu tun, was immer Sie auch darunter verstehen mögen!
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margot aigner
kallham

Dieser Beitrag wurde am 28.09.2007 um 15.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2357


Was gegen Landsmännin spricht? Versuchen Sie einmal, sich eine "Männin" vorzustellen! Was soll das sein? Eine Frau mit zu viel Testosteron? Dass ich das Wort "Landsmännin" als Unwort empfinde, hat gar nichts mit der hier diskutierten Verwendung von Worten (wie Bleistift) zu tun. Mir gehts hier nicht um "sex oder gender".
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 27.09.2007 um 16.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2353


Ich spreche begeistert für sie – allerdings nicht sehr oft – und will damit sagen, daß diese Bezeichnung auch mir eben nicht tagein, tagaus über die Lippen kommt, – wenn aber doch, dann wirklich nur bei der freundlichen Anrede. Wo's um sachliche Beschreibung geht, sind wohl andere Bezeichnungen heute üblich, "je nach Kontext und Stilschicht", auch bei mir. In meinem Fall sind Amerikaner – und das schließt alle Amerikanerinnen ein – "fellow Americans" (for better and for worse, und so drücken's auch viele Amerikaner mit einem Augenliderniederschlag und tief durchatmend aus), "Mitbürger"; mit "Landsmännin" rede ich nur bestimmte Leute mit einer bestimmten persönlichen Geschichte und das meist nur in ganz bestimmten Situationen an, – und dann aber ganz bestimmt mit strahlendem Gesicht.
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Roger Herter
Basel

Dieser Beitrag wurde am 25.09.2007 um 21.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2343


Volksgenossin? – Das weibliche Pendant zu Landsmann ist zweifels- und spaßfrei Landsmännin, wie es Th. Platter (*1499) oder auch Wieland und Goethe verwendet haben (Belege s. DWb).
Doch obschon's weder Mackensen (1986) noch Duden (1991) anmerken, scheint das selten begegnende Wort heute den meisten veraltet. Deshalb wählen sie statt seiner weit häufiger Landsfrau. (Google sagt: 45'100 zu 21'500.)
Beide Wörterbücher erklären übrigens "Landsmann" mit für mein Gefühl nun vollends antiquiertem "Landesgenossen"; die Landesgenossin scheidet somit als denkbares Gegenstück aus.
Aber wie wär's, je nach Kontext und Stilschicht, mit Kompatriotin oder Mitbürgerin? (Ich weiß, daß letzteres ein 'politisch korrektes' Rüchlein hat und kaum synonym zu gebrauchen ist; nur was – außer Google – spricht denn eigentlich gegen die gute alte Landsmännin?)
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 25.09.2007 um 01.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2341


Der Spaß muß jedenfalls schon sehr alt sein, wenn man an Adelungs Landsmänninn denkt.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 25.09.2007 um 00.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2340


Sprachspaß beiseite: Was wäre denn dann nun das weibliche Gegenstück zum "Landsmann"? Volksgenossin?
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Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 24.09.2007 um 17.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2339


"Landsmännin" kam einst als Sprachspaß auf, den heute einige offenbar bierernst nehmen. Spätestens seit den 20er Jahren wurde (und wird noch) in Stellenageboten geschrieben Verkäufer(in), Drogist(inn)en gesucht. Später meinte dann jemand, man dürfe das schöne Geschlecht nicht klammern und drückte zur Umschiffung der erspähten Postponierung einen Großbuchstaben mitten ins Wort.

Soweit sich sehen läßt, haben die meisten Nationen, Völker und Stämme weibliche und männliche Mitglieder oder Angehörige. Es geht also in langen Reihen wie folgt: Österreicher & Österreicherin, Schweizer & Schweizerin (auch als Beruf), Franzose & Französin, Tscheche & Tschechin, Chinese & Chinesin, Kurde & Kurdin, Mohikaner (der letzte) & Mohikanerin. Eigentlich wären die Damen zuerst zu nennen; der Verstoß gegen die guten Sitten ist hier der Morphologie geschuldet. Diese ist halt macho-geprägt. Die meisten blonden Erdenbürger soll es übrigens in Finnland geben, unter diesen wiederum Blonde und Blondinen, d.h. eigentlich auch nur Finnen & Finninnen.

Eine im heutigen germanischen Bundesreich lebende Bürgerin weiblichen Geschlechts indessen ist keineswegs eine Deutschin, sondern einfach eine Deutsche, evtl. als Partnerin eines Deutschen, weil das germanische Suffix sich partout nicht vertragen will mit dem diutisken Stammesnamen.
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Arno Pielenz
Cottbus

Dieser Beitrag wurde am 23.09.2007 um 14.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2336


Wenn ich jemanden (jefrau?) um einen Bleistift bitte, erhalte ich sicherlich das entsprechende Gerät, obwohl der Stift kein Blei enthält. Beim Wort "Mannschaft" denkt man (frau?) wohl kaum noch an das biologische Geschlecht, sondern nur an die Gattungsbezeichnung. – In der DDR (sonst an ideologisch begründeten Sprachregelungen auch nicht ärmer) wurden übrigens auch Frauen "Meister des Sports" und freuten sich darüber.
Darf ich eigentlich (biologisch Mann) in einen PKW steigen? "Personen" sind bekanntlich weiblich (jedenfalls grammatisch). Wie wär’s mit entsprechenden männlichen Bezeichnungen wie vielleicht "Personeriche" oder "Personer" oder "Perser"? Den GenderInnen wird schon was einfallen.
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 23.09.2007 um 02.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2335


In diese Diskussion gehört auch das Wort "Mannschaft":
„Ich bin sehr stolz auf diese Frauen-Nationalmannschaft.“ (So der DFB-Präsident Theo Zwanziger hochzufrieden nach dem Sieg der deutschen Mannschaft über Nordkorea.)
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Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 13.09.2007 um 03.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2316


Ich meine nicht, daß "Landsmännin" ein Unwort ist. Es ist die weibliche Form zu "Landsmann", und ich benutze sie oft. Mit "erlaubt sein" und "darf" argumentiere ich ohnehin nicht. Laß doch die Leute reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und ich beobachte das dann gern. "Landsfrau" gibt's nicht und zeugte denn m. E. von purem Schwachsinn, einfach weil es "Landsmännin" eben schon gibt. Der Plural "Landsleute" zeigt auch, daß bei dieser Bezeichnung das natürliche Geschlecht keine so große Rolle spielt. Aus diesem Grund belächle ich übrigens "Kauffrau" etwas. Wenn eine Frau ein guter Kaufmann ist, dann hat sie es zu etwas gebracht; so empfinde ich es jedenfalls, — ebenso wie übrigens auch eine Anzahl weibliche Kaufleute, die ich kenne. Die Form "Landsmänninnen" habe ich noch nirgendwo gesehen oder gehört; aber querliegen, ehrlich, liebe Landsleute, tät sie mir richtig verwendet auch nicht.
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Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 12.09.2007 um 19.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2314


Tja, wie soll man sonst sagen, um diesen speziellen Sachverhalt auszudrücken?
Das Wort ist laut DWDS auch nicht so neu (Belege teils 100 Jahre alt).
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margot aigner
kallham

Dieser Beitrag wurde am 12.09.2007 um 13.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=142#2308


Kann mir jemand sagen, warum ein Unwort wie Landsmännin überhaupt erlaubt sein und noch dazu laut Duden die einzig gültige weibliche Form von Landsmann darf? Meiner Meinung ist dieses Wort nichts als purer Schwachsinn.
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