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»Rechtschreibung und -reform«


Beiträge zum Thema

»Deutsch für Deutsche
„Es ist so schon schwierig genug.”«

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Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 16.10.2008 um 15.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#4076


Sick-Deutsch im Quiz:

Richtig ist Antwort b. Das Adverb "dafür" wird nur in der Umgangssprache auseinander gerissen, standardsprachlich bleibt es zusammen.

Nach wie viel Mal lügen verliert man seine Glaubwürdigkeit? ….a. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, ….usw.

Scheffel ist ein altes Gefäß zum Abmessen von Mehl und Getreide. Eine darunter gestellte Kerze war abgedeckt, ...

… und völlig unnötig „Gib Acht!“, „des Öfteren“ usw.

Spiegel online
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 25.09.2006 um 22.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#971


Die Satirezeitschrift Eulenspiegel hat übrigens inzwischen auf Neuschrieb umgestellt.
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Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 25.09.2006 um 20.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#970


Die zeitgenössische Wirkung der Feuilletons vom Stengel "Mit Stengels Zungen" ist noch aufzuarbeiten. Sie sind aber auch heute noch unter verschiedenen / diversen (unterschiedlichen?) Gesichtspunkten äußerst lesenswert, d.h. nicht nur in trübzeitgeschichtlichem Interesse.
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 25.02.2006 um 01.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#528


Märkische Allgemeine

25.02.2006 / Oberhavel

Wer lernt mir Deutsch?

Ex-Nachrichtensprecher Feldmann als Stengels Nachlassverwalter

LEHNITZ Vor allem die weiblichen Besucher unter den etwa 50 Gästen am Donnerstagabend in der Friedrich-Wolf-Gedenkstätte waren sich einig: Der ehemalige Nachrichtensprecher des DDR-Fernsehens Klaus Feldmann sieht mit zunehmender Reife immer besser aus. Als sie ihn das wissen ließen, brachten sie den sonst so selbstsicheren Vortragenden für einen kurzen Augenblick sogar in Verlegenheit.

Dabei hatte sich Klaus Feldmann an diesem Abend ganz in den Dienst eines anderen gestellt, in den des Sprachkünstlers Hansgeorg Stengel. Der Eulenspiegel-Verlag sei an ihn mit der Bitte herangetreten, aus dem Nachlass des Kinderbuchautors, Feuilletonisten, Satirikers und Kabarettisten ein Hörbuch aufzunehmen. Denn aus Stengels Feder waren nicht nur 50 verschiedene Bücher erschienen, sondern Zeit seines Lebens hatte er gesammelt: Redewendungen von Politikern, Zeitungsdeutsch, sogar noch die Blüten der neuen Rechtschreibung. Daraus die CD "Wer lernt mir Deutsch?" zu machen, reizte natürlich den ehemaligen Nachrichtensprecher und inzwischen selbst Buchautor schon sehr. Daher sagte er zu, unter der Bedingung: "Wenn ich Feldmann bleiben kann."

Er sehe sich nämlich nicht in der Tradition eines Hansgeorg Stengel, er sei selbst ein Lernender. Allerdings bereits auf sehr hohem Niveau, wie sich die Zuhörer überzeugen konnten. Er begrüßte in Erinnerung an vergangene Zeiten sehr charmant mit: "Guten Abend, meine Damen und Herren. Zunächst die Übersicht." Die Übersicht bestand diesmal darin, sein Anliegen zu formulieren: Kinder würden nur noch vor dem Fernseher geparkt und nicht mehr richtig sprechen lernen, die verordnete Rechtschreibreform sei völlig verunglückt und die Journalisten würden pausenlos Fehler machen. Wie sonst könne es sein, dass Cora, Ehefrau des Rennfahrers Ralf Schumacher, auf die entsprechende Frage eines Journalisten antwortete: "Büchertechnisch bin ich lesetechnisch nicht so unterwegs." Mit diesem von ihm selbst gesammelten Einstieg war Klaus Feldmann ganz bei Hansgeorg Stengel, der nicht nur dem fehlerhaften Gebrauch des Wörtchens "ganz" auf der Spur war. Es ginge nicht um die "ganzen Leute", sondern um alle Leute, der Gast könne auch nicht "denselben" Wein wie beim letzten Mal bestellen, sondern nur den gleichen. Und die Leiche "fand sich nicht im Kohlenkeller des Hauses", sie wurde dort aufgefunden.

Ob Anglizismen oder falsche Satzbezüge, ob Stilblüten oder die Verwechslung von Genitiv und Dativ, Feldmann erwies sich als redegewandter Anwalt von Hansgeorg Stengel, dem Bewahrer einer guten und richtigen Ausdrucksweise. Ihm wäre es nie eingefallen zu gestehen "Ich mag den Mohnkuchen nicht wirklich" oder eine Eiskunstläuferin zu beschreiben wie sie sich dreht "und ihr Röckchen hebt sich im eigenen Winde".

Eineinhalb Stunden lang erteilte Feldmann seinen Zuhörern eine Deutschlektion nach der anderen. Zum Schluss war das Schmunzeln auch bei Hausherrin Cornelia Berndt einer gewissen Unsicherheit gewichen: "Wie soll ich denn nun richtig ausdrücken, dass ich Sie..." "Ich habe schon verstanden, ich komme wieder. Und dann mit einer Lesung aus meinem Buch ‚Das waren die Nachrichten'", so Feldmann. rw
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Verschoben
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 12.02.2006 um 13.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#512


Kommentar verfaßt von borella am 12.02.2006 um 10:37 Uhr

[. . .] Ich betrachte solche Sachen eher als Eigennamen (die sein können wie sie wollen) und weniger als Fragen der deutschen Grammatik.

Rechtschreibfrage: Hätte ich im letzten Satz statt der Klammer Kommata gesetzt, dann stünde vor dem 'und' ein Komma, obwohl der Teil nach dem Komma kein Hauptsatz ist. Wäre so ein Komma richtig?

Kommentar verfaßt von Jens Stock am 12.02.2006 um 13:01 Uhr

Hm, also ich würde sagen, daß an besagter Stelle kein Komma stehen sollte, könnte mir aber vorstellen, daß zur Abhebung des zweiten Satzteils ein Gedankenstrich gesetzt wird. Also:

Ich betrachte solche Sachen eher als Eigennamen und weniger
als Fragen der deutschen Grammatik.


Oder:

Ich betrachte solche Sachen eher als Eigennamen – und weniger
als Fragen der deutschen Grammatik.


Gibt es weitere Meinungen?
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Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 26.12.2005 um 08.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#456


1 + 1 = 0

Während früher nur die Rechtschreibfehler in einem Text auffielen und das Richtige sich von selbst verstand, tritt in diesen Zeiten der orthographischen Verluderung ein Aufrechenverfahren an die Stelle der eindeutigen Zuordnung. Man muß immer fragen: Falsch, bzw. richtig, nach herkömmlicher, nach neuer oder nach beiden Rechtschreibungen? (Wobei noch hinzukommt, daß die neue vielleicht schon wieder einer noch neueren gewichen ist). Im Mitteilungsblatt der Nds. Apothekerkammer lesen wir im Editorial: "...die tägliche Patienten orientierte Arbeit" - dagegen: "der Diensthabende".
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Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2005 um 16.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#437


Innovative Wissenschaft denkt schon an die nächste Promi-Generation:

Was neue Medien wie Internet oder SMS betrifft, so sieht [Sprachwissenschaftler] Prof. Kienpointner innerhalb dieser Textsorten einen Wandel der Höflichkeitskonventionen, die Höflichkeit sei aber nach wie vor da: "'Du' und 'euch' auch nach der Rechtschreibreform weiterhin groß zu schreiben, kann in diesen Medien Distanziertheit übermäßig betonen.

Die Universität online
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Wolfgang Wrase
Unterhaching

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2005 um 07.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#436


Unsere Vorbilder ...

Bei Spiegel Online gibt es einen Promi-Adventskalender. Dort schreiben Promis nette Grüße an andere Promis, meistens mit der Hand. Bisher haben wir:

1.12. (Oliver Welke schreibt in Großbuchstaben, keine Auswertung möglich)
2.12. Mariella Ahrens schreibt: Euch, Eure, dass Ihr Euch
3.12. (Herbert Feuerstein schreibt nur ein paar Wörter)
4.12. (Marie-Luise Marjan schreibt auf englisch)
5.12. Barbara Schöneberger schreibt: Deine, Dir, das gleiche, Dir, Deine, Du, Du
6.12. (Ottfried Fischer schreibt nur ein paar Wörter)
7.12. Peter Lohmeyer schreibt: Mein grösster Wunsch ...
8.12. Martin Sonneborn schreibt: Dir, daß Du, Du; eine ganze Hand voll (und das ist auch wirklich gemeint)
9.12. (Marco Bode schreibt nur ein paar Wörter)
10.12. Jochen Bendel schreibt: muß, paßt
11.12. Oliver Pocher schreibt: Du (allerdings keine Anrede), ißt, Du, eine Hand voll Gänse (er meint: eine Handvoll), Dich, daß, Dir, dein
12.12. (Oliver Kalkofe schreibt auf englisch)
13.12. Yvonne Catterfeld schreibt: Dir, Dir
14.12. Heiner Lauterbach schreibt: daß
15.12. Heiko Deutschmann schreibt: grüsse, müsste, Grüsse

Mal sehen, wer sich noch outet. (Ich nehme an, die Karten sind schon alle geschrieben worden.) Bisher sind keine durchschlagenden Erfolge der Reform zu erkennen.
Orthografie in ihrem Lauf
hält weder Ochs noch E-
sel auf!
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2005 um 05.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#435


In Berlin gibt es Leute, die wollen das Schloss wiederaufbauen. Und andererseits Leute, die gegen den Palast-Abriß demonstrieren.
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Verschoben
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 26.09.2005 um 18.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#286


Beitrag geschrieben von Norbert Schäbler am 26.09.2005 um 18:29 Uhr

Reflektierende Grüße ans Patentamt

Nach den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz vom 3. Juni 2005 werden die neuen Regeln und Schreibungen in diesen Bereichen zum 1. August 2005 in den Schulen allein verbindlich.
Man schreibt jetzt also 8-Achser, 5-Eck, 16-Ender,
100-prozentig, 2-jährig, 4-Jährige, 6-monatlich,
14-tägig, 8-Zylinder u. a.
Wie bisher steht jedoch kein Bindestrich, wenn
die Ziffer mit einer Nachsilbe verbunden ist.
Es bleibt also bei 68er, 100stel, 100%ig, 15er u. a.
Aber in Zusammensetzungen: 68er-Generation,
15er-Schlüssel u. a.
(Zitiert aus der 6seitigen aktualisierten Dudenbroschüre: „Die neue deutsche Rechtschreibung ab 1. August 2005 – kurz gefasst“)


Als ich noch vor rund 39 Jahren (und danach rund weitere 25 Jahre ff) als freier Mitarbeiter in der Sportredaktion einer Tageszeitung beschäftigt war und sozusagen mitverantwortlich zeichnete für eine Montagszeitung, in der die Sportberichterstattung überwog und dominierte, da war es noch nötig, daß man sich abstimmte über einheitliche Schreibweisen.

Und ich fürchte, daß es damals schon so etwas gab wie eine Hausorthographie – oder sogar noch schlimmer: Es gab zusätzlich eine ressortabhängige Orthographie; nämlich die der Sportabteilung. Und wir waren mächtig stolz drauf.

Sport und Rekorde; Zahlen und Buchstaben: das ist seit jeher eine Kombination, die zusammenpaßt und zusammengehört. Und unser Boß - (Walter Hegmann) - hat damals gesagt: „Laßt einfach den Bindestrich weg zwischen den Zahlen und den Buchstaben, schreibt 8Tonner, 20jährig, 4Bänder, 1/2seiten, ... , denn man sieht es doch, daß da zwei unterschiedliche Dinge aufeinandertreffen. Da braucht man doch kein Trennungszeichen mehr. Spart euch so den Platz für wichtige Kommentare. Montags hat die Zeitung immer Platznot!“

Es ist schon ein paar Jahre her, daß ich nicht mehr in der Sportredaktion tätig bin, aber ich beobachte weiterhin, was die Sportredakteure in meiner Heimatzeitung so schreiben.

Da lese ich etwas über : „6-Spänner, 12-Zylinder und 18-fach“; auch ist von „12-jährigen Schülern“ und von „50-Jährigen“ die Rede; und ich freue mich darüber, daß meine Kollegen von damals die Zeichen der Zeit verstanden haben, daß sie sogar dort, wo es erforderlich ist, ein kleines "j" oder das große „J“ setzen (das ist sportlicher Ehrgeiz!), aber es kränkt mich schon arg, daß sie den Boß vergessen haben; den guten alten Hegmann – Gott hab’ ihn selig. (Ihre gescheiten Kommentare vermisse ich übrigens auch. Da ist wohl kein Platz mehr „für“).

PS: Den „Gruß ans Patentamt“ gilt es noch zu erläutern: Nicht alles, was neu erfunden wird, ersetzt das Vorhergehende. Auch die Herren vom Patentamt sollten früher oder später einmal bei ihren Patentzulassungen darüber reflektieren, ob es das Neue nicht schon in wesentlich besserer Ausführung gibt.
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Wolfgang Scheuermann
Dilsberg

Dieser Beitrag wurde am 26.08.2005 um 13.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#248


Ein falsch ausgesprochener französischer Dialekt


Der Mannheimer Anglist Theo Stemmler hat heute in einem aufschlußreichen Artikel unter dem obigen Titel die englische mit der deutschen Sprache verglichen und eine ganze Reihe von Vorzügen der letzteren herausgestellt.
Zu diesen rechnet er besonders auch die deutsche Rechtschreibung:

"In englischen Texten werden 100 Laute im statistischen Mittel durch 124 Buchstaben wiedergegeben. Im Deutschengenügen dafür 112. Als Faustregel für die Beharrlichkeit englischer Orthographie gilt: Sie gibt meist den Lautstand des 15. Jahrhunderts wieder, während die deutsche viel später fixiert wurde und daher leichter erlernbar ist."

Es ist also gerade auch im Vergleich zum Englischen richtig, die deutsche Rechtschreibung als modern zu bezeichnen. Stemmler weist ferner darauf hin, daß dem Englischen für 44 Laute 26 Buchstaben zur Verfügung stehen, dem Deutschen für 39 "immerhin 29". Daher ist es im Deutschen leichter, die Sprache schriftlich abzubilden.
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Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 22.06.2005 um 18.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#150


(Verschoben)

Kommentar verfaßt von Fritz Koch am 22.06.2005 um 18:02 Uhr

Ist "sogenannt" erweiterbar oder nur "so genannt"? Manchmal wird jetzt "sogenannt" geschrieben, wo "so genannt" gemeint ist. Es ist wohl doch zu schwierig.

Kommentar verfaßt von H. J. am 22.06.2005 um 17:47 Uhr

Wichtig ist es für alle Freunde der deutschen Rechtschreibung, sich rechtzeitig vor den bevorstehenden Umschwüngen von der hierzulande von alters her (traditionell und reformiert so!) grassierenden orthographischen Rechthaberei zu lösen. Die verständnisvolle Lektüre der rückumgestellten Zeitungen hilft dabei sehr. Man lese den nachfolgenden Satz Uwe Wittstocks aus der heutigen WELT, von dem wir nicht wissen, welchen Anteil der Redaktionscomputer daran hat, und nehme sich vor, bei solchen Petitessen künftig großzügig zu sein:

Beider Verhältnis war, soweit sich dies in der Redaktion beobachten ließ, vollkommen ungetrübt und freundschaftlich - bis am 6. Juni 1986 auf Fests Wunsch der Artikel "Vergangenheit, die nicht vergehen will" von Ernst Nolte veröffentlicht wurde, der den später sogenannten Historikerstreit eröffnete.

Gar nichts gemerkt? Um so besser!
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Wolfgang Scheuermann
Dilsberg

Dieser Beitrag wurde am 12.05.2005 um 09.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#92


Aier bai die Haüser!


In einem inzwischen ins Archiv verschwundenen Faden hatte ich von der Idee eines Heidelberger Professors berichtet, Ai statt Ei und Haüser statt Häuser zu schreiben.
Heute erhielt ich seine Antwort auf meine Erwiderung:

Lieber Herr Scheuermann,

viel Freude haben Sie mir bereitet mit Ihrer germanistischen Fleißarbeit zum m.E. phonetisch korrekteren Ai und aü - herzlichen Dank!
Dass (o Gott!) ich mit meinem akustischen Orthografieansatz bei Ihnen und in Ihren Sprachfreak-kreisen wenig Anklang finden würde, hatte ich ja schon geahnt.

Liebe Grüße
Ihr X. Y.


At 06.04.2005 15:14, you wrote:
Lieber Herr Y!

Wie versprochen, habe ich Ihre Anregungen zu einer intuitiveren Orthographie in meinen "Sprachfreak-Kreisen" zur Diskussion gestellt - mit allerdings nur bescheidener Resonanz. So muß sich meine Erwiderung im wesentlichen auf meine eigenen Überlegungen stützen. Zunächst zu Ihrem "Ai". Diese Lösung gibt es tatsächlich, und zwar im Friesischen (aber auch dort nicht überall, wie Ihnen die folgende Auflistung zeigen mag):

Dåt Tääl foon e Hån än foont Oi - Mooringer Friesisch
Det Stak faan't Han an at Ai - Föhrer Friesisch
At Fertelang faan't Han an faan't Ai - Amrumer Friesisch
Di Tial fan di Hen en fan't Ai - Sylter Friesisch
Dat Stück vun dat Heen un dat Ei - Plattdeutsch
Deät Stek fan'et Huun en't Ai - Helgoländer Friesisch

Ins Plattdeutsche hat es das Ai nicht geschafft und im übrigen deutschen Sprachraum hat es, so überzeugend immer Y argumentieren mag, schon gar keine Chance. Warum? Ei wird mühelos als Ei erkannt, es besteht insofern kein Verbesserungsbedarf. Artificial intelligence und Amnesty international werden mit ai abgekürzt, das könnte verwirren. Auch ist meines Wissens noch niemand an der Erlernung der (sich vielleicht nicht so intuitiv ergebenden) Schreibweise von Ei gescheitert, nach hinreichendem Üben schafft es praktisch jeder.

Betreten wir Ihre "Haüser": Bei "google" finden sich 541 "Seiten auf Deutsch" mit dem Abfragebegriff "Haüser -Haeuser -Haueser" und 4.680 Seiten mit der Abfrage "Haüser -Haeuser". (Zum Vergleich: "Häuser" liefert 3'170.000 Fundstellen.) "Haüser" ist also sehr selten, wesentlich häufiger ist da schon "Haueser" (was sich auch als das Bemühen, "au-Umlaut" schreiben zu wollen, interpretieren ließe). Angesichts dieser Zahlenverhältnisse ist auch "Haüser" ohne realistische Chance und wird auf einen kleinen Teil des akademischen Bereichs beschränkt bleiben müssen.

Sprache ist nicht statisch. Wenn z.B. nach der Veröffentlichung von Y.s weltbewegendem "Osteraier-Züklus" kaum ain Mensch mehr "Eier" schraibt, würde man das "Ai" schließlich auch in den Duden übernehmen. (Wenn aber der Altsozi Y sich mit einer staatlichen Kommission zusammentut und, der Freude an der Exekutive freien Lauf lassend, "Ai" vorschreibt, wird nicht nur die FAZ nicht folgen.)

Faszinierend an der Auseinandersetzung über die Rechtschreibreform ist, daß man jetzt viel besser erkennen kann, warum die bewährte Rechtschreibung sich bewährt hat.

Vielen Dank jedenfalls für Ihre Anregungen!
Seien Sie herzlich gegrüßt!
Ihr W. Scheuermann
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Helmut Jochems
Kreuztal

Dieser Beitrag wurde am 31.03.2005 um 10.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#28


Die AOL-Chronik enthält auch sonst Interessantes:

Im November (1993) befasst sich die Kultusministerkonferenz mit dem Entwurf und gründet eine "Arbeitsgruppe Rechtschreibreform" mit je einem Fachbeamten der 11, später 16 Bundesländer unter der Leitung des leitenden Ministerialdirigenten Niehl (NRW). Das Bundesinnenministerium – vertreten durch Frau Dr. Palmen-Schrübbers – nimmt regelmäßig an den Sitzungen der Arbeitsgruppe teil.

Januar-April (1993): Die KMK-Arbeitsgruppe erbittet schriftliche Stellungnahmen von 43 Verbänden. Es antworten 24 Verbände; vier weitere, unaufgeforderte Stellungnahmen gehen ein. Alle Stellungnahmen werden von der KMK und dem Bundesinnenministerium als vervielfältigter Reprodruck zur Verfügung gestellt.

Im April nimmt die Gesellschaft für deutsche Sprache auf Grund einer Mitgliederbefragung zu dem Entwurf Stellung. Sie entsendet Herrn Prof. Digeser (Lörrach) in die Mannheimer Kommission, der dort den Standpunkt der Gesellschaft vertreten soll.
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Helmut Jochems
Kreuztal

Dieser Beitrag wurde am 31.03.2005 um 00.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#26


Aus der AOL-Chronik der Rechtschreibreform, aufgezeichnet am 16. 4. 2000:
14. Juli 2005: Die internet-Adresse neue-rechtschreibung.de ist 7 Jahre alt. Altbundeskanzler Gerhard Schröder gratuliert in einem offenen Brief und bedankt sich für die unter dieser Adresse entstandene quasi "Zentrale Informationsstelle der deutschen Rechtschreibreform" bei Bettina Bauer, der jugendlichen Chefin des dynamischen Unternehmens book-byte-vision."
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Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 30.03.2005 um 12.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#20


Gibt man bei AOL „Tripp“ ein, erhält man die Meldung „… wahrscheinlich hat sich nichts geändert“, sieht man aber in der Wörterliste nach, so findet man schon seit Jahren:

trinken trank, getrunken, aber Drink
Trio
Tripp
trippeln (mit kleinen Schritten laufen) drippeln
Tripper
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Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 29.03.2005 um 23.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=12#19


Zu den interessantesten Internetseiten, bei denen Deutsche neuerdings ihre Sprache lernen können, gehört diese:

http://www.neue-rechtschreibung.de

Sie empfiehlt allen Ernstes, daß wir das, was wir seit der Schule können, neu lernen und zwar anders und unter Zuhilfenahme von „Lernkärtchen“, ganz als handele es sich um eine Fremdsprache. Wer es eilig hat, dem wird ein „Crashkurs“ angeboten. "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde", hat Karl Valentin gesagt. Der ahnte noch nichts davon, wie fremd man den Deutschen ihre eigene Sprache machen würde!

Also: Deutsche Sprache, schwere Sprache, jetzt auch für Deutsche, die das bisher nicht so empfinden mußten. So geben uns die Deutschlehrer von AOL (man merke auf: die stehen in Diensten von American Online) folgende, eher beunruhigende Vorwarnung mit auf den schweren Weg: „Die allerletzten Ausnahmen und Besonderheiten haben wir weggelassen, weil sie mehr verwirren als nützen. Es ist so schon schwierig genug.“

Man merkt’s. Gibt man beim „Wörterbuch“ das Paradebeispiel „leid tun“ ein. erhält man folgende Auskunft:
"Unter dem eingegebenen Wort 'leid tun' wurde kein Eintrag gefunden! Wahrscheinlich hat sich nichts geändert."

aber auch:
"Unter dem eingegebenen Wort 'leidtun' wurde kein Eintrag gefunden! Wahrscheinlich hat sich nichts geändert."

Mit der Realität der neuen Rechtschreibpraxis hat folgende Erkenntnis nur wenig zu tun:

"REGEL: Wenn ein Substantiv die Funktion einer anderen Wortart übernimmt, schreibt man es klein: ich bin pleite / morgens."

"Erste Art der Desubstantivierung:
Es gibt sechs Substantive (die Angst, der Gram, die Schuld ...), die man in Zusammensetzungen häufig zu anderen Wortarten macht, also desubstantiviert und deshalb kleinschreibt:
angst, bange, gram, leid, pleite, schuld
Diese sind meistens zusammengesetzt mit einer Form von sein:
bin, bist, ist, sind, seid, sind, war ... selten auch mit werden oder bleiben.
Das ist etwas schwierig. Es lohnt sich deshalb entsprechend den folgenden Beispielen verschiedene Zusammensetzungen zu bilden und diese Formen am besten mit der Lernkartei zu üben:
Zusammensetzungen mit Formen von sein:
Mir ist angst und bange. Sie ist pleite. Er ist schuld. Wir sind uns gram. Ich bin dieses Leben leid. Ihm war so schrecklich angst.
Seltener zusammengesetzt mit Formen von werden:
Mir wird angst und bange. Du wirst das wohl leid.
Ganz selten zusammengesetzt mit Formen von bleiben:
Er bleibt ihr ein Leben lang gram.
Man kann sich so helfen: Gibt der Satz eine Antwort auf die Frage Wie?, kann es sich nicht um ein Substantiv handeln: Wie wird mir? Mir wird angst und bange."

Undsoweiter. Das alles kann kein Mensch jemals lernen, da helfen weder Lernkärtchen noch Crashkurse.

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