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Blüthen der Thorheit

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28.10.2006
 

Haben Sie heute schon gehunken?

Bastian Sick, „der freundliche Deutschlehrer der Nation“, geht auf Tournee – und wird von der Welt gelobhudelt.

Aber wie: »Sein Vorteil: Er ist einer der wenigen, die die Regeln tatsächlich noch beherrschen. Das reicht heutzutage, nach all' den verwirrenden Debatten über Rechtschreibreform und reformierte Rechtschreibreform, über PISA und Unterschichtendeutsch schon aus, um respektiert zu werden. Und weil Sick in seiner Zwiebelfisch-Kolumne in "Spiegel online" dieses Herrschaftswissen in humoristische Anekdoten verpackt, wird er zudem auch noch gemocht.«




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Kommentare zu »Haben Sie heute schon gehunken?«
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Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 28.10.2006 um 11.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#518

Sick hat mit seinen "Zwiebelfischen" inzwischen genug Geld verdient, um sich einen "Grimm" leisten zu können; inzwischen dürften die 33 Bände der dtv-Ausgabe sogar antiquarisch für wenige hundert Euro zu haben sein. Dort kann man ohne große Mühe nachschlagen, wie es sich mit gewinkt/gewunken oder gesinnt/gesonnen tatsächlich verhält. Ärgerlich ist nicht nur die Besserwisserei, die durch Freundlichkeit nur für Gutgläubige erträglich wird, sondern auch die Vernachlässigung der journalistischen Sorgfaltspflicht, und das gleich zweimal. Schließlich ist nicht nur Sick vom Fach, auch bei der "Welt" sollte es Leute geben, die Behauptungen auf ihre Belastbarkeit hin zu überprüfen in der Lage sind.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.10.2006 um 12.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#519

Geht alles auch umsonst und dazu ganz schnell.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2006 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#520

Sick, der gar streng ist, wenn es um die Aussonderung nicht-schriftsprachlicher Formen geht (Stichwörter winken, hängen, zeitweise, an/zu Weihnachten usw.), empfiehlt gleichwohl: "Ich kann morgen nicht kommen, weil ich irre viel zu tun habe."

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2006 um 12.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#521

Zwei Leipziger Journalisten zeigen dem Sick, wie es wirklich geht: Karen Arnold und Daniel Große vom Mediennetzwerk 4und20.net klagen über die schlechte Qualtität der Speisekarten:

"Sprachbarrieren bei fremdsprachigen Betreibern, die neue Rechtschreibung oder der scheinbare Zwang, unbedingt Anglizismen verwenden zu müssen, würden dazu führen, dass die deutsche Sprache auch im Gastronomiebereich immer weiter verkommt."

Wenn das wirklich so gemeint ist, und wir hoffen es, dann wird hier die Reformschreibung eindeutig als Verfallserscheinung verurteilt und bekämpft. Recht so!

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2006 um 11.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#522

Laut Braunschweiger Zeitung vom 17.11.2006 hat Sick nicht nur die "ofenfrische Brezelverkäuferin" wiederaufgewärmt, die sich bekanntlich durch einen gar nicht so frischen, sondern schon ellenlangen Bart auszeichnet, sondern auch erklärt, Wiebke’s Wollladen mit dem neuen Apostroph sei "immer noch besser als ,Wiebke ihr Wollladen‘".
Nun wird hier jeder Sprachkenner erst einmal feststellen, daß dort, wo man des Genitivs so wenig achtet, gewöhnlich bei Eigennamen der bestimmte Artikel steht, also, wenn schon: "der Wiebke ihr Wolladen" (falls dort überhaupt jemand Wiebke heißt, was ja eher unwahrscheinlich ist).
Zweitens ist doch klar, daß die schlimme Ausdrucksweise zwar den gesamten süddeutschen Sprachbereich beherrscht, aber nur mündlich; gedruckt findet man es selbst hier in Mittelfranken, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, so gut wie nie.
Drittens ist der Sicksche Horror aber doch schriftlich belegt, wo es nämlich bewußt volkstümlich zugeht wie bei dem bekannten Sprachstümper J. W. v. G: "Es tut mir in den Augen weh, wenn ich dem Narren seinen Herrgott seh."
Sick erzielt also seine Lacher dadurch, daß er süddeutsche Mundarten dem Gespött der Norddeutschen ausliefert. So "sympathisch", wie er manchen Journalisten erscheint, kann ich das nicht finden.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.11.2006 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#523

Was heißt hier süddeutsch? Der Doris ihr Mann seine Partei sollte doch auf das Ruhrplatt anspielen. Oder etwa nicht?

 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 20.11.2006 um 22.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#525

"Der Doris ihr Mann seine Partei"? – "Der Doris ihrem Mann seine Partei" doch wohl. Oder? (Vgl. hier.)

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.11.2006 um 14.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#526

Man soll ja nicht aus dem Gedächtnis zitieren – also, im Or(i)ginal hieß es ihren. Zugleich aber bloß Doris, nicht der Doris. Offenkundig falsch!

 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 22.11.2006 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#527

Zum Hinweis von Theodor Ickler vom 11. 11., auch wenn es vielleicht nicht ganz zum Thema gehört: Die zwei gastronomischen Sprachpfleger liegen schon mit ihrer Ausgangsthese daneben. Daß man ein gutes Restaurant an der Qualität seiner Speisekarte erkenne, stimmt zwar, aber andersherum. Wo fehlerfrei und in piekfeinen Lettern farcierte Radieschen an Raviolischaum angeboten werden, sieht man nur selten zufriedene Gäste. Ausnahmen in der Oberklasse mögen die Regel bestätigen, als anspruchsvoller Esser mit durchschnittlichem Einkommen ist man jedoch meist in den Lokalen am besten aufgehoben, die erkennbar keinen orthographischen Aufwand treiben. Alles zu seiner Zeit und an seinem Ort; schließlich reagiert man ja auch mißtrauisch, wenn einem etwa ein Klempner sein Angebot in Reimform unterbreitet. (Dem Erfahrungssatz "Mangelhafte Speisekarte, gute Küche" folgt im Grunde jeder, der Restaurants mit mehrsprachigen Karten meidet. Er bestätigt sich besonders augenfällig bei Besuchen im Ausland und in touristisch stark frequentierten Gegenden, wo solche Karten wohl unvermeidlich sind. Den besten Fisch zum günstigsten Preis habe ich jüngst bei einem Wirt bekommen, der die Aufforderung "preguntar al camarero" – den Kellner fragen – mit "Fragen Sie Ihnen Kartoffeln" ins Deutsche übersetzt hatte.) Dennoch, oder vielmehr eben deshalb, gibt es einen nicht von der Hand zu weisenden und zugleich nicht trivialen Zusammenhang zwischen der Rechtschreibreform und der sinkenden orthographischen Qualität von deutschen Speisekarten: Dem hungrigen Gast auf der Suche nach einem anständigen Restaurant geht ein wichtiges Auswahlkriterium verloren, weil auch die Angebote von kulinarischen Blendern nicht mehr fehlerfrei sind.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.11.2006 um 19.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#528

Dative dürfen ziemlich viele hintereinander folgen, Genitive schon weniger und Akkusative gar nicht.

 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 22.11.2006 um 21.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#529

"Akkusative gar nicht"? — Naja, ich frage mich das halt auch.

 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 30.11.2006 um 19.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#530

Bitte festhalten: »Der Sprachpapst Bastian Sick präsentiert Udo Jürgens, den Grand Seigneur des deutschen Liedes: eine hochkarätige Begegnung, die ihresgleichen sucht.«

(Siehe hier.)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.06.2009 um 19.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#748

Bei Friedrich Blatz (II, S. 365), der auch das Goethe-Zitat mit dem Narren seinem Herrgott hat, finde ich noch folgendes: Niederdeutsch steht hier der Akkusativ: den vater sin hûs. Und entsprechend im Englischen zu Shakespeares Zeit: the king his actors. Dies war mir neu. Fürs Deutsche bringt er noch eine Reihe Beispiele von Börne und anderen, die mit dem Dativ die Sprache des Volkes wiedergeben.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2016 um 15.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#1842

Zu http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#522 und
http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1641#29532


Es wird ja vermutet, daß die Possessivkonstruktion dem Genitiv sein Tod durch Gliederungsverschiebung entstanden ist. Zweideutig ist - noch einmal aus Grimms Märchen ("Die Gänsemagd"):

"Weh, weh, Windchen,
nimm Kürdchen sein Hütchen
und laß'n sich mit jagen,
bis ich mich geflochten und geschnatzt
und wieder aufgesatzt."
Und da kam ein so starker Wind, daß er dem Kürdchen sein Hütchen wegwehte über alle Land, und es mußte ihm nachlaufen.




 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2016 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#1862

„Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.“

Nicht ganz, denn Kommunalwahlen waren gestern auch hier auf Juist. Gewonnen hat eine lokale Gruppe, und über den Bürgermeister "aus Deutschland", wie man den Kontinent hier nennt, wurde vorab mitgeteilt:

Wer mit dem Namen nichts anfangen kann: Tjark Goerges seine Mutter Heidi ist eine geborene Grützmacher und wuchs im Haus „Arcona“ auf.

Also doch ein Juister und im schönsten possessiven Dativ.

Was übrigens Wahlen und Wähler betrifft - man macht sich ja viele Gedanken über die vielen Stimmen für die AfD auf Usedom -, so kommt mir gerade eine Chronik von Juist unter die Augen: 1933 wählten 82 Prozent NDSAP oder DNVP, 1949 siegte dann die FDP. Inseln sind interessant, weil jeder jeden kennt; die Wahlforscher sollten mal herkommen und den Leuten zuhören.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2017 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#1956

Am häufigsten kommt das Genitivattribut als besitzanzeigende Beifügung vor (Genitivus possessivus): der Hut meines Vaters, die Tiere des Waldes. Eine Dativ-Possessiv-Konstruktion ist gelegentlich zu hören, bedeutet aber eine grausame Verballhornung der Grammatik: "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod". (Schmachthagen)

Dazu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1641#29532

Und "besitzanzeigend" ist der possessive Genitiv eigentlich nicht, sondern besitzeranzeigend. Ähnlich bezeichnet ja der Genitivus partitivus nicht den Teil, sondern das geteilte Ganze.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2017 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#1958

Statt des Genitivs stehen zwei Ersatzkonstruktionen zur Wahl:

dem Genitiv sein Tod/der Tod vom Genitiv

Beim Abwägen, welche sich durchsetzen könnte, muß man bedenken, daß sie bisher nicht dasselbe bedeuten.

Die Sonaten von Beethoven, das ist nicht dasselbe wie Beethoven seine Sonaten.

Die Leichte Sprache ersetzt dogmatisch jeden Genitiv durch die von-Konstruktion. Andererseits ist Dativ+Possessivum stigmatisiert und bisher auf die Umgangssprache beschränkt.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.08.2017 um 12.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#1959

Den Genitiv des Substantivs könnte man auch durch ein Adjektiv ersetzen (wie in den slawischen Sprachen): die Beethovenschen Sonaten.
(Vgl. russ. Zarskoje Selo, das zaristische Dorf, statt Zara Selo, das Dorf des Zaren.)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2017 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=121#1960

Ja, danke für die Ergänzung!

 

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